Apf-Elfchen im Zwölften: Ungeimpfte Angelfreude

Seit letzter Woche gilt in NRW auch für Baumärkte 2G. Das heißt, nur noch „Genesene“ und „Geimpfte“ haben dort Zutritt. Sogenannte „Ungeimpfte“ bleiben außen vor. Nun bin ich „ungeimpft“ und gehe eher selten in den Baumarkt, aber manchmal brauche ich etwas, das es nur dort zu kaufen gibt. Ich hatte Glück: Gerade noch rechtzeitig vor 2G war in unserem Wäschekeller die Leuchtstoffröhre defekt. Wäschewaschen im Dunkeln – das geht schlecht. Ich stellte eine Stehlampe vor die Waschmaschine. Auf diese Weise konnte ich zwar die bunte Wäsche von der weißen unterscheiden, aber das Wäschewaschen (genauer gesagt: das Bestücken der Waschmaschine) machte nicht wirklich Spaß.

Mit Hilfe von YouTube erkannte ich, dass diesmal nicht der Starter defekt war, sondern die Röhre. So fuhr ich zum OBI und wurde dort gut beraten. Ohne Beratung vor Ort hätte ich, nur weil die Maße stimmten und mir der Name gefiel, die falsche Röhre gekauft, eine Fluora PflanzenLeuchtstoffröhre.

Da unser Apfelbaum noch Äpfel trug und die Leiter wackelig war, habe ich mir bei der Gelegenheit einen sogenannten Obstpflücker angeguckt. Das ist eine lange Stange, an deren Ende ein kleines Netz mit zupackenden Greifzähnchen befestigt ist. Mit dem Obst- bzw. Apfelpflücker, der einem Klingelbeutel frappierend ähnlich sieht, kommt man vom Boden aus an die Äpfel. Im Internet hatte ich zuvor ein relativ preiswertes Gerät der OBI-Eigenmarke LUX ausgeguckt. Allerdings trug die kritische Rezension eines Kunden einen zwar poetischen, aber mahnenden Titel: Wackelt wie ein Lämmerschwanz.

Glücklicherweise war das Gerät nicht vorrätig. Denn auf dem Rückweg vom OBI traf ich mitten in der Siedlung zufällig unseren „Bürgermeister“ Hans-Georg Kleinmann, dem ich mein Leid klagte. Hans-Georg, so stellte sich heraus, besitzt einen hochwertigen Apfelpflücker mit Teleskopstange, den er gerne verleiht und den ich mir jederzeit bei ihm abholen könnte. Ich traute mich nicht, nein zu sagen, denn ich wollte ihn nicht verletzen. Schließlich ist Hans-Georg ein sehr hilfsbereiter Mensch, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sich in Stellwerk 60 über die Jahre hinweg ein erstaunlich gutes nachbarschaftliches Tausch-, Verleih- und Kommunikationsnetz (inklusive Klatsch und Tratsch, der nun mal dazugehört) entwickeln konnte.

Was den Apfel betrifft, gibt es noch eine ganz andere Verbindung zwischen Hans-Georg und mir. Im winzigen Garten von Hans-Georg und Anne steht der gleiche Apfelbaum wie bei uns: Geheimrat Dr. Oldenburg. Bauträger Kontrola hat damals auf jedes Reihenhausgrundstück je ein Apfelbäumchen gepflanzt, weder Elstar noch Granny Smith, sondern Bäume unterschiedlicher alter Sorten. „Alte Sorten“ hört sich gut an, insbesondere in den Ohren des Bildungsbürgers, aber die Sache hat einen Haken.

1897 an der damaligen Höheren Lehranstalt für Obstbau zu Geisenheim als eine Kreuzung aus den Sorten Minister von Hammerstein und Baumanns Renette gezüchtet, ist der Apfel mit dem klangvollen Namen Geheimrat Dr. Oldenburg tatsächlich ein Resultat wissenschaftlicher Forschung. (vgl. Wikipedia) Der Doktor-Titel steht für Qualität, auch dann noch, wenn ein Baum ihn trägt. Doch dass es den Apfel nirgendwo zu kaufen gibt, sollte uns misstrauisch stimmen. Bei Wikipedia heißt es beschönigend: „Die geschmackliche Qualität der Äpfel gilt „selbst auf guten Standorten“ als „bescheiden“. Indes ist die Apfelsorte „aufgrund ihres einzigartigen, fast exotisch wirkenden Geschmacks in vielen Liebhabergärten“ anzutreffen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimrat_Dr._Oldenburg Mit anderen Worten: Der Apfel mit dem Doktor-Titel schmeckt zwar „fast exotisch“, aber lecker ist er nicht.

Ich verabschiedete mich von Hans-Georg mit den Worten: „Vielleicht komme ich nachher für den Apfelpflücker vorbei“, aber in mir reifte längst eine Idee. Und als ich dann das Fahrrad in den Schuppen stellte, fiel mein Blick auf das alte, auf der Nordseeinsel Spiekeroog (oder war es Schiermonnikoog?) vor über zwanzig Jahren gekaufte Krabbennetz, das seinen Zweck schon seit Jahren nicht mehr erfüllt.

Es geht nämlich auch so…

In

Ermangelung einer

Apfelangel nahm ich

das Krabbennetz. Leiterfrei glücklich,

schwankschwindelos

Ein paar Äpfel ließ ich anders als in den vergangenen Jahren am Baum, in der Hoffnung, dass… Und sie kamen, sie kamen zum ersten Mal! Die Nippeser Halsbandsittiche, prachtvolle immergrüne Papageienvögel, die selbst im Winter in Köln bleiben und uns in der lichtarmen Jahreszeit Trost spenden, hatten meine Geste verstanden und nahmen die Einladung an. Oh ja, wir teilten uns die letzten Äpfel…

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In den OBI muss ich vorerst nicht, was ja ohnehin nicht ginge. Dabei soll es gerade in den Baumärkten neuerdings heiter zugehen. Bei Hornbach dürfen Geimpfte endlich wieder Kind sein. Und wenn die Leute zum Drive-Inn kommen, stolz ihren Impfausweis zücken und dabei fröhlich „Jippi-ei-jeh“ rufen, dürfen sie bei Hornbach sogar in eine Art Touristenbähnchen steigen und an Tapetenrollen und Bohrmaschinen vorbei eine kleine „Bildungsreise“ (Hornbach-Werbung) unternehmen: „Jippi-ei-jeh“.

Kleine Ergänzung am 12.12.:

Mittlerweile werden, wie ich vorhin las, in der Apfelernte auch Drohnen eingesetzt. Diese Drohnen sind mit Roboter-Armen ausgestattet, Pflück-Apparaturen, die auf ähnliche Weise nach den Äpfeln greifen wie das oben erwähnte Gerät, dem mit der Hand zu bedienenden Apfelpflücker. https://www.rtl.de/cms/roboter-statt-mensch-drohnen-pfluecken-in-israel-die-aepfel-von-den-baeumen-4460335.html

Doch so einfach, wie es scheint, funktionieren die Drohnen nicht, denn beim Pflücken setzt man auf die sogenannte „künstliche Intelligenz“. „Die Firma „Tevel“ entwickelt die Technologie seit 2018. Eine künstliche Intelligenz erkennt anhand von Algorithmen die Frucht am Baum und kann diese ernten.“ (ebd.)

Doch was ist der eigentliche Vorteil daran, dass man den Menschen ersetzt? „Die Roboter seien zwar genauso schnell wie der Mensch, würden aber keine Pausen benötigen.“ (ebd.) So ist die künstliche Intelligenz: Leidenschaftslos. Im Idealfall funktioniert sie reibungslos. Das, was den Arbeitgeber schmerzt, aber dem Menschen die Arbeit erträglich macht bzw. versüßt, der Lohn und die Pause, das interessiert den Roboter nicht.

Darüberhinaus versagt die KI gerade da, wo man meint, den Menschen nach dem Prinzip „Billiger, billiger, billiger“ ersetzen zu können, etwa beim Apfelpflücken. So wird, was hochtrabend daherkommt, schnell zur Lachnummer. „Die erst 2016 gegründete Fa. Abundant Robotics mit Sitz in Hayward, Kalifornien leitete am 29. Juni ein Konkursverfahren ein und steht mit seinen bis zu fünf Prototypen, Erkennungs-Software und Patenten zum Verkauf – dies ist gerade die Firma, auf die so viele Projekte, Obstbaufachleute und Zukunftsforscher als Stern am Firmament gesetzt hatten und ihre Anbausysteme als „robot ready“ ausgerichtet hatten. https://www.gb-profi.de/nachricht-gemuese/detail/abundant-apfelernte-roboter-konkurs-rueckschlag-fuer-robotik/

Insbesondere die „Erkennungs-Software“, also das „Hirn“ des Roboters, hatte versagt. „Herausforderung ist die Fruchterkennung, die sich auf eine schmale Fruchtwand oder junge Bäume bezieht; verdeckte Früchte oder solche in Büscheln oder in Spindelbäumen entziehen sich der Erkennung, sodass die Pflückrate zwischen nur 50 % und 90 % der Äpfel am Baum schwanken kann, auch wenn die Firma von 85 % packout spricht.“ (ebd.)

Diese Prozentzahlen erinnern mich an den Verkäufersprech, mit dem die Corona-Impfung damals an bzw. in den Mann gebracht wurde, und die ja auch in keiner Weise einlöst, was versprochen wurde. Doppelt Geimpfte und sogar Geboosterte stecken sich an und erkranken zum Teil sogar schwer. Gegen die „neue Virus-Variante“ Omikron ist die Biontech-Impfung vermutlich sogar fast wirkungslos. Doch anders als „Robotics“ wird „Biontech“ weiter gesponsert. Die „Impfpflicht“ wird angedroht, die Politik macht weiter wie bisher… When will they ever learn?Wann wird man je versteh’n?

„All the world’s a stage“, but we are only Impf potatoes

Wohl kein Politiker versteht es so gut, Anteilnahme zu zeigen, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Kann dieser Mann eigentlich auch lachen? Aber ja, er kann. Am 17. Juli 2021, drei Tage nach der Hochwasser-Katastrophe, begleitete Frank-Walter Steinmeier den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet bei einer Reise in die betroffenen Gebiete. „In Erftstadt, einer Gemeinde im Rhein-Erft-Kreis, die es besonders schlimm getroffen hatte, hielt Steinmeier eine Rede, um den Menschen sein Mitgefühl auszudrücken und Hilfe zuzusichern. Wir wir wissen, schäkerte und lachte „Der Machtmenschliche“ (so der Titel der Laschet-Biografie) währenddessen im Hintergrund.“ (voriger Blog-Beitrag)

Weniger bekannt ist, dass wenig später Steinmeier und Laschet die Rollen wechselten. Laschet übernahm das Mikrofon, während Steinmeier endlich Pause hatte. Während der NRW-Ministerpräsident redete, scherzte im Hintergrund ein sichtlich entspannter Bundespräsident, der sich nicht bewusst machte, dass man ihn filmen könnte. https://www.youtube.com/watch?v=y_ktg6nhtng

Dass es sich bei der gut gestimmten Person um den Bundespräsidenten handelt, ist erschreckend. Schließlich repräsentiert Frank-Walter Steinmeier unser Land, die Bundesrepublik Deutschland. Öffentlich entschuldigt hat sich später meines Wissens nur Armin Laschet, und das wohl auch nur, weil man ihn darum gebeten hat.

Dass er aus der Rolle fällt, passiert Steinmeier nicht, wenn er in Schloss Bellevue ein „Heimspiel“ absolviert. Eines seiner Heimspiele, vielleicht sein Lieblingsspiel, ist die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Dieser Orden „ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung in Deutschland und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht.“ https://www.bundespraesident.de/DE/Amt-und-Aufgaben/Orden-und-Ehrungen/Verdienstorden/verdienstorden-node.html

Da die Verleihung nicht mit einer Geld-Prämie verbunden ist, können viele Personen den Orden erhalten, ohne dass es den Steuerzahler groß aufregt. Die allermeisten Verdienstkreuze -insgesamt sind es mehr als 1000 pro Jahr- werden übrigens nicht von Steinmeier persönlich, sondern im Namen des Präsidenten von Stellvertretern ausgeteilt. Aber die besonderen Orden, die für die besonders wichtigen Personen, die überreicht Frank-Walter Steinmeier persönlich – im Rahmen eines symbolischen Festakts im Hochsicherheitsflügel von Schloss Bellevue.

Im Rahmen eines solchen symbolischen Festakts sollte im April 2021 der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet werden. Kardinal Marx ist nicht nur ein hochrangiger Vertreter der systemrelevanten katholischen Kirche, sondern hatte schon im Januar 2021 lautstark für die Corona-Impfung geworben. https://www.katholisch.de/artikel/28339-kardinal-marx-laesst-sich-gegen-covid-19-impfen

Leider hatten es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein Beraterteam versäumt, sich die aktuelle Vita des Erzbischofs einmal genauer anzuschauen. So etwas darf nicht passieren: Man hatte tatsächlich übersehen, dass Kardinal Marx im aktuellen Missbrauchs-Skandal innerhalb der katholischen Kirche eine nach wie vor -vorsichtig ausgedrückt- unklare Rolle spielt. Erst nach massiver Kritik von Seiten Missbrauchsbetroffener aus Köln und aus Trier und einem dringenden Appell der Betroffenen an den Bundespräsidenten „verzichtete“ Marx „in Absprache mit Steinmeier“ auf den Orden und kam so einer Aberkennung zuvor. https://www.br.de/nachrichten/bayern/kardinal-marx-verzichtet-nach-kritik-auf-bundesverdienstkreuz,SVnFBaM

Seit 2020 bekommen zunehmend Wissenschaftler den Orden, die die Corona-Politik der Bundesregierung unterstützen. Zum Beispiel wurden am 1. Oktober 2020 kurz vor dem Tag der deutschen Einheit medienwirksam neben 13 weiteren Personen der Virologe Christian Drosten (Bundesverdienstkreuz 1. Klasse) und die Chemikerin, Wissenschaftsjournalistin und Fernsehmoderatorin Mai Thi Nguyen-Kim ausgezeichnet. Das Motto der Verleihung: Vereint und füreinander da, was fast so klingt, als wolle man für eine Fußball-Groß-Veranstaltung werben.

Das Bundesverdienstkreuz wird in verschiedenen Rangstufen verliehen. Ordensträger können also mehrfach ausgezeichnet werden und dabei aufsteigen. Manchmal jedoch greift Steinmeier direkt zu einem höherrangigen Orden. In einer Sonderveranstaltung und im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel verlieh Frank-Walter Steinmeier am 19. März 2021 das Große Verdienstkreuz mit Stern an das uns allen wohlbekannte Pharmaunternehmer- Ärzteehepaar Prof Dr. Uğur Şahin und Dr. Özlem Türeci (Biontech).

Am 1.10.2021, zwei Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit, wurden unter dem Motto „Kultur ist Lebenselixier für alle“ in einer Gruppenveranstaltung „Kunstschaffende“ geehrt, die sich während der Corona-Pandemie verdient gemacht hatten. PR-technisch war das längst überfällig. Die Hautevolee schmückt sich traditionell gerne mit Kunst. Daher hatte Angela Merkel schon im Dezember 2020, als Kinos, Theater und andere Kultureinrichtungen im Zuge des sogenannten „Lockdown Light“ schon seit Wochen geschlossen waren, materielle Hilfe angekündigt und gesagt: „Uns fehlt, was die Künstler uns dort sonst geben und was nur sie uns geben können.“

Ist denn die Kunst ein Konsumartikel? Was Frau Merkel sagt bzw. von ihren Textern diktiert bekommt, das klingt, als würde uns der Künstler seine Kunst servieren wie der Sterne-Koch sein Menu. Wir schlagen uns im Nobelschuppen den Bauch voll und lassen uns satt und edelfischzufrieden nach Hause kutschieren.

Nirgendwo zeigt sich die lebensferne Luxus- und Selbstverliebtheit der Reichen und schön Gekleideten so deutlich wie in ihrem Verhältnis zur Kunst. Vor allem Festivals sind beliebt, da sie die ideale Kulisse abgeben. Das Kultur-Ereignis, bei dem sich die bundesdeutsche Politik- und Medienprominenz gerne der Öffentlichkeit präsentiert, sind die Bayreuther Festspiele, die in diesem Jahr, nachdem sie 2020 ausgefallen waren, wieder stattfanden. Auch Angela Merkel war -wie seit vielen Jahren schon- bei der Eröffnung zugegen.

Nur im Jahr 2006 war sie ferngeblieben. Der Grund war vermutlich ein Malheur, das sich im Vorjahr 2005 ereignet hatte. Als Angela Merkel zur Eröffnung der Festspiele erschien, hatte sich im Achselbereich des Oberteils ihrer lachsfarbenen Robe ein kleinerer, aber unübersehbarer Schwitzfleck gebildet. Der Schwitzfleck zeigte sich, als Frau Merkel ihren Arm zum Gruß hob. Obwohl dieser Schwitzfleck unzählige Male fotografiert und abgebildet wurde, wäre er, hätte ihn nicht damals br-online eilig zum Verschwinden bringen wollen und digital wegretuschiert, schnell vergessen gewesen. https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/br-online-wie-merkels-fleck-weg-kam-a-367054.html

Angesichts knapper Kassen irritiert doch sehr, dass der Bund bzw. „Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)“ zu den Gesellschaftern der Bayreuther Festspiele GmbH gehört. Für jene Beauftragte, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), „haben die Bayreuther Festspiele in diesem Jahr eine besondere Signalwirkung für die Kultur in Deutschland. Das Festival sei «ein Zeichen der Hoffnung für Künstlerinnen und Künstler, allein deshalb, weil Musik und Theater wieder live und vor Publikum stattfinden können», sagte sie.https://www.infranken.de/lk/bayreuth/bayreuther-festspiele-angela-merkel-wieder-zu-gast-bei-premiere-das-ist-anders-art-5252559#gallery-3

Ich denke, das Festival ist weniger „ein Zeichen der Hoffnung für Künstlerinnen und Künstler“ als ein Zeichen der Hoffnung für Politikerinnen und Politiker, von nun an wieder alljährlich an die heiß begehrten Freikarten zu kommen und „wieder live und vor Publikum“ auftreten zu können. Bei der diesjährigen Eröffnung fehlten neben anderen Prominenten die Ehepaare Söder/Söder, Spahn/Funke und Merkel/Sauer ebenso wenig wie die WDR-Werbe-MAUS in Begleitung von MAUS- Miterfinder Armin Maiwald.

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Braune Zeiten: Die scheidende Bundeskanzlerin im Zeitalter der Reproduzierbarkeit per 3D-Drucker, Statue des Künstlers Wilhelm Koch. https://web.de/magazine/panorama/merkel-pferd-lebensgrosse-reiterstatue-oberpfalz-enthuellt-36249104. In ihrem wackeren Kunstwillen erinnert mich die Statue an die originalgetreuen kleinen Merkel-Porträts aus Marzipan, die in einer Manufaktur in Weilbach im Odenwald entworfen und zunächst in einer Stückzahl von 500 hergestellt wurden. https://www.tvmainfranken.de/mediathek/video/marzipan-merkel-aus-weilbach-die-kanzlerin-als-suesse-versuchung/           Outdoor-Artikel in der Farbe der Statue: Als ich „Merkel auf einem Pferd“ aus dem Internet abfotografierte, wurde am rechten Bildrand der Seite web.de eine Werbung der Firma „Bogner“ eingeblendet.

Wissenschafts-Journalist Ranga Yogeshwar, der gerne erzählt, dass er Klavier spielt, gab sich am 5.3.2021 kulturbeflissen: „Große Sorgen macht sich der Wissenschafts-Journalist über die Kulturszene des Landes: „… Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. Und diese Dichter müssen wir uns erhalten. Für mich wäre ein Rettungspaket dringend notwendig. Und zwar wesentlich intensiver als das, was wir bisher gesehen haben.“ Sein Fazit: „Wir haben als Land eine Art Fürsorgepflicht für das, was das Leben so schön lebenswert macht.““ https://www.presseportal.de/pm/66749/4855560

Ist denn die Kunst dafür da, Wohlhabenden das Leben aufzupeppen? Der Satz „Und diese Dichter müssen wir uns erhalten“ klingt wie: Wir müssen uns unsere Zähne erhalten. Ich denke, finanzielle Entschädigungen wären das mindeste, was der Staat zu leisten hätte, aber Yogeshwars Haltung ist gönnerhaft und macht aus dem Künstler den Almosenempfänger. Zudem bringt eine materielle Entschädigung die verlorene bzw. eingetrübte Lebens- und Schaffenszeit ebenso wenig zurück wie die ausgefallenen Ausstellungen, Inszenierungen und Auftritte.

Auch Steinmeier schmückt sich gerne mit Kunst und schrickt ebenfalls nicht vor Pathos zurück. Anlässlich des Jubiläumskonzerts des NDR Elbphilharmonie Orchesters in Hamburg am 30.10.2020, das nur digital stattfand, gefiel er sich darin, folgenden Satz zu sagen: Kultur ist Lebenselixier für alle.

Ein knappes Jahr später, am 1.10.2021, wurde der Satz „Kultur ist Lebenselixier für alle“ wiederverwendet, und zwar als Motto der oben erwähnten Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an „Kulturschaffende“. Kultur ist Lebenselixier für alle ist aber nicht nur ein zweitverwendeter Satz, sondern auch der Abklatsch eines anderen Satzes, den Steinmeier am 22. März 2017 anlässlich seiner Vereidigung zum Bundespräsidenten in seiner Rede gesagt hat: „Mut ist das Lebenselixier der Demokratie – so wie die Angst der Antrieb von Diktatur und Autokratie ist. Und deshalb: Die Staatsform der Mutigen – das ist die Demokratie!“ https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2017/03/170322-Vereidigung.html

Mut hat unlängst die deutsch-japanische Künstlerin Hito Steyerl bewiesen. Hito Steyerl, die eigentlich zur Gruppe der am 1. Oktober Geehrten gehören sollte, hat Mitte September bekannt gegeben, dass sie den Bundes-Verdienstorden ablehnt.

„In den letzten 18 Monaten hat sich erwiesen, dass die Bereiche Bildung und Kultur in der Krise am wenigsten zählen“, schreibt Hito Steyerl in einem offenen Brief an Frank-Walter Steinmeier, den DIE ZEIT dankenswerterweise abgedruckt hat. Sie macht Vorschläge und kritisiert u.a. auch die missglückte Wortwahl: „Verlautbarungen mit Fremdschäm-Parolen wie „Kultur ist Lebenselixier für alle“ helfen da nicht weiter.https://www.zeit.de/2021/38/bundesverdienstkreuz-hito-steyerl-absage-corona-politik-lockdown-kritik

Hito Steyerl ist -wie sie ausdrücklich sagt- keine Lockdown-Gegnerin. Vielleicht wäre ihr Brief an Steinmeier noch kritischer ausgefallen, wenn sie gewusst hätte, dass man den Künstler Tobias Morgenstern vom Theater am Rand in Zollbrücke (Märkisch-Oderland), der am 1.10. das Bundesverdienstkreuz bekommen sollte, nur wenige Tage vor der Ordensverleihung wieder ausladen würde.

Wenn ich richtig informiert bin, war Tobias Morgenstern erst am 26. September -vermutlich als „Ersatzmann“ für Hito Steyerl- ins Schloss Bellevue eingeladen worden. Morgenstern wird seine Nähe zu „Querdenkern“ zur Last gelegt. Anstoß hatte ein Facebook-Eintrag vom Mai 2020 erregt, den das Theater am Rand zunächst geteilt, dann aber wieder von der Theater-Website entfernt hatte. Die Zeilen möchte ich hier zitieren: „Ich bin nicht bereit, unter den Folgen des Lockdown und seiner ungesicherten, willkürlichen Maßnahmen weitere Lebenszeit zu verbringen und dabei zuzusehen, wie sich Sorge, Leid und existentielle Not immer stärker in der Gesellschaft verbreiten. Ich möchte mir nicht von der Kanzlerin, Frau Merkel sagen lassen, dass ich meine Hände waschen soll. Und ich möchte mir nicht von einem Amtsdirektor sagen lassen, wann ich in meinem Theater Klavier spielen darf.“

Ich lese aus seinen Zeilen, dass Herr Morgenstern ein freundlicher, warmherziger, aber auch kritischer Mensch ist, der den autoritären Habitus der Politik kaum noch ertragen kann und Angst hat um den Fortbestand unserer Demokratie. Allerdings weisen seine Worte Spurenelemente eines leisen Spotts auf: „Ich möchte mir nicht von der Kanzlerin, Frau Merkel sagen lassen, dass ich meine Hände waschen soll.

Es ist ein schlechtes Zeichen für unsere Demokratie, dass unsere Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker nicht einmal in der Lage sind, diesen feinen Spott zu ertragen. Ich denke, es geht ihnen zu gut. Sie haben so viele Privilegien und entsprechend viel zu verlieren, nicht nur die steuerfinanzierten reservierten Zuschauerplätze in Bayreuth.

Auch im Brief von Hito Steyerl ist es der feine Spott, der für Steinmeier unerträglich gewesen sein dürfte. Nicht nur, dass Frau Steyerl den Satz, der sich um Steinmeiers Lieblingsvokabel „Lebenselixier“ rankt, für eine „Fremdschämparole“ hält.

Ich möchte -weil ich seit langer Zeit einmal wieder laut lachen musste- noch hinzufügen, dass Hito Steyerl ihr Absage-Schreiben, das mit Sehr geehrter Herr Bundespräsident beginnt, mit einem lässigen Kürzel lächelnd beendet: MfG.

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CORONA-September 2020, Wandbeschriftung im The Galleries Shopping Centre in Washington/UK. Noch konnten wir (meine beiden Töchter, unser Hund und ich) nach England reisen,  ohne in Quarantäne zu müssen. Denn auch das ist England: Mitten in einem in die Jahre gekommenen Einkaufszentrum an Shakespeare erinnert werden. Irgendwann einmal werde ich wieder nach Washington/UK reisen und in den Galleries bei COSTA einen Kaffee trinken. Dann wird es dort wieder so aussehen wie vor Corona: https://completelyoffice.co.uk/portfolio/MandG/scheme/The-Galleries-Shopping-Centre-Washington

Zungenbrech-Elfchen im Zehnten: Der Kanzelkandidat

Armin Laschet (CDU) lacht, wann und wo immer er kann. Im Jahr 2020 erhielt der NRW-Ministerpräsident den „Orden wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins (AKV). „Sein tiefgründiger Humor, sein echtes Interesse an den Menschen und sein stetiger Einsatz für Verständigung hätten den AKV-Elferrat überzeugt, heißt es in der Begründung.“ https://unserekirche.de/kurznachrichten/laschet-erhaelt-orden-wider-den-tierischen-ernst-07-02-2020/

Der Orden wird gerne an Politiker verliehen. So sehen wir, wie volksnah die Volksvertreter sind, obwohl sie Machtpositionen inne- und den direkten Kontakt zu den Mitmenschen längst verloren haben. Zu den Preisträgern -deutlich mehr Männer als Frauen- gehören zum Beispiel Konrad Adenauer (1959), Franz-Josef Strauß (1989) und Johannes Rau (1986). In den Jahren, bevor Laschet Ordensritter wurde, bekamen Gregor Gysi (2017), Wilfried Kretschmann (2018) und Julia Klöckner (2019) den Orden. Publikumswirksam wird die Verleihung seit 1961 im Fernsehen übertragen.

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, muss sich Armin Laschet (CDU) gedacht haben, als er am 17. Juli 2021 gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Hochwasser-Katastrophengebiet reiste. In Erftstadt, einer Gemeinde im Rhein-Erft-Kreis, die es besonders schlimm getroffen hatte, hielt Steinmeier eine Rede, um den Menschen sein Mitgefühl auszudrücken und Hilfe zuzusichern. Wir wir wissen, schäkerte und lachte „Der Machtmenschliche“ (so der Titel der Laschet-Biografie) währenddessen im Hintergrund. Und hätte man sich nicht im Bundestags-Wahlkampf befunden, wäre das vielleicht nicht einmal aufgefallen. So jedoch brachten 20 Video-Sekunden mit einem putzmunteren Gute-Laune-Laschet die Wahrheit ans Licht und vermutlich den Kandidaten zu Fall.

War Laschet mit seinen Gedanken längst woanders, vielleicht schon beim Karneval im nur 60 Kilometer entfernten Aachen? Schließlich sind diejenigen, denen man den Orden wider den tierischen Ernst verleiht, Ordensritter auf Lebenszeit. Oder hat sich Laschet einfach nur -allzu „machtmenschlich“- gelangweilt?

Der Zungenbrecher „Fischers Fritz“ hat schon vor fünfzig Jahren unsere Zungen gelenkig gemacht. Jetzt ist Zeit für neue Zungenblechel:

Kanzlerkandidat

Lustiger Laschet

schlägt quietschfidel Zeit

tot schlägt Kanzelkandidat Lustigel

Laschet

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Ein Foto aus dem Jahr 2007: Nippeser Straßenkarneval, Karnevalsdienstag. Die Kölner Kinder hatten schulfrei, gingen zum Veedels-Zoch, stellten sich ungetestet an den Straßenrand und kloppten sich um Kamelle. Das war Körperkontakt pur. Diesmal soll der Karneval wieder stattfinden, aber er wird zu Ende sein, bevor er überhaupt anfängt. Ein total kontrollierter Karneval ist keiner. „Nachdem im vergangenen Jahr dazu aufgerufen wurde, auf das Feiern zu verzichten, soll es in diesem Jahr darum gehen, auf Vorsicht und Umsicht beim Feiern aufmerksam zu machen.“ Newsletter der Stadt Köln, Oktober 2021. https://www.stadt-koeln.de/ Anders als Karl Lauterbach, der direkt dort, wo gefeiert wird, Impfstationen aufbauen will, fordert Oberbürgermeisterin Henriette Reker dazu auf, sich rechtzeitig vor dem Karnevalsauftakt am 11.11. in Arztpraxen vollständig impfen zu lassen: „Ich habe Verständnis für alle Jecken, die nach langer Pause wieder feiern wollen. Damit wir aber einen sicheren Sessionsauftakt erleben, sollte vollständig geimpft sein, wer schunkele un fiere will. Es geht darum, sich selbst und andere zu schützen.“ (ebd.)

Wie man Kindern Halbwahrheiten einimpft – Die fragwürdigen Werbeauftritte der öffentlich-rechtlichen MAUS

Die Maus kennen wir alle. Eigentlich mag ich die Kinder- „Sendung mit der Maus“. Da werden an jedem Sonntagmorgen Lach- und Sachgeschichten erzählt, pfiffige Fragen gestellt und pfiffige Antworten gegeben. Alltagsfragen werden behandelt, z.B.: „Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta?“ Für meine Kinder hat die Maus (wie überhaupt das Fernsehen mit Ausnahme der Simpsons und Lolle) eine nur untergeordnete Rolle gespielt. Der Sonntag war Familientag mit ausgedehntem Frühstück, Sonntagsspaziergang oder Ausflügen ins Kölner Umland. Niemand wäre auf die Idee gekommen, den Fernseher einzuschalten.

Tatsächlich ist „Die Sendung mit der Maus“ auf unterhaltsame Weise informativ – auch für Erwachsene, die sich gerne mit den Kindern zusammen die Sendung anschauen. So erzählt meine Schwägerin, dass sie ihre Prüfung zur Floristin einfach fand, weil sie mit ihrer Tochter zusammen regelmäßig vor der „Sendung mit der Maus“ saß und gut informiert war. Auch ich bin gestern „schwach geworden“, denn am Wahlsonntag wurde eine sehenswerte Episode ausgestrahlt. Kindern und Erwachsenen wird „kinderleicht“ und anschaulich erklärt, wie das Wählen funktioniert. Aber eben leider nur, wie der Wahlvorgang (zwischen Ankreuzen und Auszählen) abläuft. So war der Beitrag -überspitzt gesagt- eine Gebrauchsanleitung zur Bundestagswahl.

Früher, als es das Fernsehen noch nicht gab, bestimmte die Kirche das Leben. Wie ein deutsches Sprichwort sagt: Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der beste Lebenslauf. Die Leute saßen noch nicht vor dem Internationalen Frühschoppen (später Presseclub), sondern gingen nach der Sonntagsmesse zum Frühschoppen in die nahegelegene Kneipe. Heute bezahlen die Familien Rundfunkgebühren statt Kirchensteuern (manche auch beides)- und gestalten den Sonntag nach den Terminvorgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Mit Maus fang an, mit Tatort hör auf, das ist der beste Sonntags-Verlauf. Nur ist der Tatort mittlerweile so fahl und brutal, dass die Leute froh sind, wenn das Wochenende vorbei ist.

Vor allem Kinder mögen die Maus. Wie ihre Eltern vertrauen sie ihr und sind fest davon überzeugt, dass die Maus ihnen keinen Unsinn erzählt und keinerlei Hintergedanken hat. Doch ist das wirklich so? Tatsächlich ist die Maus auch eine Marke. „Trotz mittlerweile zahlreicher Nachahmer bleibt seriöse Wissensvermittlung eine Sache des Originals: Die Maus ist die führende Wissensmarke in Deutschland und zu einer echten Ikone geworden.“ https://wdr-mediagroup.com/en/markenportfolio/die-maus/basisinformationen/

In einem klugen Artikel auf „Übermedien“ mit dem schönen Titel „Das Würstchen mit der Maus“ entzaubert die Journalistin Anna von Garmissen die beliebte Fernseh-Figur: Die WDR mediagroup, 100-prozentige Tochtergesellschaft des WDR, „… kümmert sich um die kommerziellen Tätigkeiten des Senders. Die Maus gehört zu ihren wichtigsten Marken im Merchandising- und Lizenzgeschäft. Sie ziert Geschirr und Gummistiefel, Taschenlampen und T-Shirts, Rucksäcke, Radios und Regenschirme…https://uebermedien.de/53092/das-wuerstchen-mit-der-maus/

Damit jedoch nicht genug. Die Maus, so schreibt Anna von Garmissen, die als Beleg ihrer Beobachtungen Bofrost-Katalogseiten abfotografiert hat, greift darüberhinaus in die Nahrungsgewohnheiten der Kinder ein: „Eine der Maus-Lizenznehmerinnen ist die Firma Bofrost. Seit rund drei Jahren sind die Maus und ihre Freunde, der blaue Elefant und die gelbe Ente, Markenbotschafter für Europas größten Direktvertrieb von Tiefkühlkost und Speiseeis… Die Gerichte mit der Maus heißen „Bauernhof-Suppenspaß“, „Kartoffel-Flummis“, „Regenbogenreis“ oder „Hähnchen Tic Tac Toe“. Man könnte auch Nudelsuppe, Kartoffelklöße, Reispfanne und Hähnchenbrust sagen.“ (ebd.)

Doch die Maus macht nicht nur Produktwerbung. Sie wirbt nicht nur für „Kartoffel-Flummis“, sondern auch für die deutsche Wissenschaftspolitik. Ärgerlich und peinlich kann es werden, wenn die Maus leibhaftig auf Veranstaltungen auftritt, wenn also ein Mensch in das orangefarbene pelzige Kostüm schlüpft, das zwar stets erneuert wird, in dem der Akteur aber trotzdem schwitzt.

Ende 2019 hatte die Maus einen besonderen Auftritt. Kurz bevor er den Wissenschaftsjournalisten Ralph Caspers mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnete, verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Maus in Schloss Bellevue den „Maus-Verdienstorden“. Zu sehen war der kleine Werbefilm für die deutsche Bundespolitik (na, wo wohl?) in der „Sendung mit der Maus“. Zum Fremdschämen:

So verkrampft diese Vorstellung ist, wirkt sie doch beinahe lässig gegenüber den Werbe-Auftritten der Maus im Jahr 2021. Der Anlass für diese Auftritte war der 50. Geburtstag der Maus. Genauer gesagt: Am 7. März 2021 wurde die erste „Sendung mit der Maus“ ausgestrahlt. Seither werden „runde Geburtstage“ der Maus groß gefeiert. Und selbst im Corona-März 2021, als größere private Familienfeste verboten waren, fiel der 50. Geburtstag der Maus nicht aus. Im Gegenteil: Zahlreiche Prominente gratulierten- natürlich nur im streng kontrollierten Rahmen. In geschlossener Gesellschaft wurde nicht nur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geworben, sondern vor allem auch für die staatlichen Corona-Maßnahmen.

Ein streng abgeschirmter und hübsch ausstaffierter Schauplatz für den Auftritt der Maus war wiederum Schloss Bellevue. Und wieder einmal traf die Maus in Begleitung von Ralph Caspers unseren Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der natürlich unbedingt gratulieren wollte.

Auf einer facebook– Seite fand ich folgendes Video: https://nn-no.facebook.com/Bundespraesident.Steinmeier/videos/904710250286182/?so=permalink&rv=related_videos

Ich habe mir das Video angeguckt und war erschrocken und entsetzt. Frank-Walter Steinmeier wendet sich „an die Kinder, die uns jetzt zuschauen.“ Doch anstatt dass sich der Präsident der Bundesrepublik Deutschland endlich bei den Kindern für das entschuldigt, was sie mitgemacht haben (Maske, Schulschließungen, Kontaktverbote, Abstandsregeln, Corona-Tests, Quarantäne), bedankt er sich auch noch dafür, dass sie mitgemacht haben. Und dabei hatten die Kinder keine andere Wahl.

Wer mag sich dieses Gesülze noch länger anhören? Warum räumen unsere Spitzenpolitiker nicht endlich schwere und schwerste Fehler ein? Warum gibt es an unseren Schulen immer noch die Maskenpflicht? Warum wird an den Schulen getestet und Kindern ab zwölf Jahren eine mehr als fragwürdige Impfung empfohlen?

Wann wird endlich realisiert, dass in Schweden die Kinder vor Panikmache geschützt und vor schweren psychischen, aber auch physischen Schäden bewahrt wurden, indem die Grundschulen (bis einschließlich Klasse 9) unter halbwegs normalen Bedingungen geöffnet blieben?!!! Auffällig ist, dass die Inzidenz in Schweden gegenwärtig (25.9.201) bei nur 43,6 (Deutschland: 61,4) liegt, obwohl (oder weil?) mittlerweile alle Schulen geöffnet sind und die Grundschulen immer geöffnet waren.

Das oben erwähnte Video habe ich abfotografiert und die Fotos zu einer kleinen graphic novel zusammengestellt. Dazu später mehr…

Die große Feier ist vorbei, doch die Maus macht weiter auf WDR2. In der Radio-Sendung „Frag doch mal die Maus“ beantwortet „sie“ Kinderfragen. In der Sendung vom 30.8.2021 stellt die siebenjährige Merle aus Wuppertal, deren Mutter sich gegen Corona hat impfen lassen, eine kluge Frage, auf die sie leider eine beschränkte Antwort bekommt: „Was ist immun?“

In diesem Beitrag, der immerhin anderthalb Minuten lang ist, wird die natürlich erworbene Immunität nicht einmal erwähnt. Verschwiegen wird, dass uns eine durchgemachte Infektion vor Corona schützt. Verschwiegen wird auch, dass Menschen, die Corona hatten, wenn überhaupt, dann in aller Regel beim zweiten Mal nur leicht erkranken. Diese wichtige Information verdanke ich der Lektüre des folgenden Artikels: https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/corona-sind-wir-nach-einer-infektion-immun/

Stattdessen wird die Impfung als die Möglichkeit einer Immunisierung angepriesen. In der Ausschließlichkeit widerspricht die Information auch den wissenschaftlichen Tatsachen und hat mit seriöser Wissensvermittlung nichts mehr zu tun. In Minute 1.16 heißt es betont lässig: „…Wer immun ist, zum Beispiel nach ner Impfung, der oder die ist relativ sicher vor der Krankheit. Zumindest ist es unwahrscheinlicher, dass es einen schwerer erwischt.“ Das ist zwar nicht falsch, aber allenfalls die halbe Wahrheit. https://www1.wdr.de/radio/wdr2/themen/frag-doch-mal-die-maus/immun-100.html

So macht man den Kindern Angst. Für viele Erwachsene mag die Impfung sinnvoll sein, aber doch nur für die wenigsten Kinder. Wie schön ware es, wenn die Maus die Kinder beruhigen würde. Das ist in diesem Fall ganz einfach: Sie müsste ihnen nur die Wahrheit sagen:

Liebe Merle, es gibt einzelne Menschen, die schwer an Corona erkranken, und manche haben Spätfolgen oder sterben sogar daran. In aller Regel sind das ältere Menschen, die bereits schwere Krankheiten haben und Tag für Tag Medikamente nehmen müssen, die wiederum schwere, schwächende Nebenwirkungen haben. Für diese Menschen ist die Corona-Impfung unter Umständen sinnvoll.

Es gibt Krankheiten, die sind so schlimm, dass es sehr wichtig und gut ist, Impfungen zu entwickeln, etwa die Kinderlähmung. Corona aber ist für Kinder in aller Regel ungefährlich. Die meisten Kinder merken es nicht einmal, wenn sie Corona haben.

Impfungen können schwere Nebenwirkungen hervorrufen, die manchmal nach Jahren erst ausbrechen. Diese Nebenwirkungen können bei Kindern sogar schlimmer sein oder häufiger auftreten als bei Erwachsenen, wie wir bei der Schweinegrippe-Impfung vor zwölf Jahren gesehen haben. Das Schreckliche ist, dass die Eltern, die damals ihre Kinder haben impfen lassen, ihnen etwas Gutes tun wollten, sie schützen. Wir sollten aus dieser Erfahrung lernen: Kinder dürften nicht voreilig geimpft werden. Über eventuelle Spätfolgen der Corona-Impfung wissen wir nichts.

Lieb Merle, deine Mutter hat sich bestimmt auch deshalb gegen Corona impfen lassen, weil sie dich schützen will. Aber vermutlich wäre das nicht nötig gewesen, denn die meisten Kinder dürften bereits immun sein. Vielleicht bist auch du geschützt, ohne es zu wissen. Stell dir vor: Ihr Kinder seid durch eure Kinderkräfte vor einer Krankheit geschützt, die die ganze Erwachsenen-Welt derzeit in Atem hält! Dass das so ist, grenzt an ein Wunder.

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 Windpockennarben-Selfie. Wer genau hinguckt, entdeckt über meinem verdeckten linken Auge (rechter Bildrand) einen kleinen roten Kringel. Hierbei handelt es sich um eine Windpocken-Narbe. Die Windpocken kriegten damals fast alle. In die proppenvolle erste Volksschulklasse, in die meine Zwillingsschwester und ich Ostern 1965 kamen, gingen 56 Kinder. Im Klassenzimmer war’s eng, aber geschadet hat uns das nicht – im Gegenteil. Die Welt war voller Kinder. Was für ein Glück!                                                                                                                                                                         Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war, als meine Geschwister und ich die Windpocken hatten. Nicht alle auf einmal. Doch ich weiß noch genau, dass meine Mutter ungeduldig wurde. Da sie nicht berufstätig war, konnte sie es sich zwar leisten, sich (zum Teil nacheinander) um alle ihre vier Kinder zu kümmern, aber das zehrt natürlich an den Nerven, vor allem dann, wenn ein Familienfest zu platzen droht. An genau dem Tag, als wir den runden Geburtstag einer meiner Großtanten feiern wollten, hatte ich noch eine einzige verkrustete Windpocke – ausgerechnet im Gesicht. Ich weiß noch, wie meine Mutter sagte: „Wir könnten ja versuchen, die Kruste vorsichtig abzukratzen.“ Von diesem „Eingriff“ stammt meine Windpockennarbe. Wir fuhren gut gelaunt zum Familienfest. Dass ein Kind mit einer letzten verkrusteten Windpocke nicht mehr ansteckend ist, wussten wir nicht. Eine Windpocken-Impfung -wie sie heutzutage „angeboten“ und von der STIKO empfohlen, aber von Stiftung Warentest(!) angezweifelt wird- ist vielleicht praktisch, mehr aber auch nicht. 

GroKo stoppen! Teil 2: Der Titel schützt vor Torheit nicht – Impfarzt Prof. Auflauerbach

Prof. Dr. Karl Lauterbach, Mediziner, Gesundheitsökonom und Bundestagsabgeordneter (SPD), liebt es, den Menschen auf bzw. unter die Pelle zu rücken, und das im wahrsten Sinne des Wortes. So half Lauterbach nach anfänglichen Protesten im April in einem Leverkusener Impfzentrum aus. Der Ort war nicht zufällig ausgesucht. Im Wahlkreis Leverkusen – Köln IV ist Lauterbach Direktkandidat der SPD für den Deutschen Bundestag.

Am 21. August wagte dann der prominente Direktkandidat in peinlicher Selbstüberschätzung einen zweiten Wahlkampf-Auftritt als Impfarzt, der allerdings blamabel enden sollte. Der Impfbus mit dem Team rundum Lauterbach stand vor dem Leverkusener Stadion, wo Bayer 04 Leverkusen gegen den VFL Mönchengladbach spielte. Nach all den freundlichen Briefen, die er tagtäglich bekommt, hatte Lauterbach gehofft, dass die Leute in Scharen kommen, weil sie es prickelnd finden, wenn ihnen der Kandidat höchstpersönlich die Impfspritze setzt.

Doch der erwartete Ansturm blieb aus. Ein beleidigter Lauterbach twitterte am 21.8. folgendes:

„… Karl Lauterbach@Karl_Lauterbach 21. Aug Heute hat das Impfteam Leverkusen vor dem Bayer Stadion geimpft. Wir hatten weitaus weniger Impfinteressenten als erwartet. Was war passiert? Finde den Fehler…

„Finde den Fehler“ – das klingt wie eine Arbeitsaufgabe für Grundschüler. Nun gut, ich mache mit, doch ich finde keinen Fehler, denn was Lauterbach passiert ist, ist kein „Fehler“, sondern war richtig doof. Tatsächlich hatte Lauterbach nicht begriffen, dass zum Fußball-Bundesliga-Spiel ja nur genesene oder bereits vollständig geimpfte Zuschauer zugelassen waren („2G“). Aber wer kommt schon zur Stadion-Impfung, wenn er anschließend nicht mal ins Stadion kommt? Ich denke, Freikarten hätten das Impfinteresse deutlich erhöht.

Den Nutzen von Freikarten oder anderen Belohnungen (warum nicht Halver Hahn als schmackhafter, aber preiswerter Lockvogel?) scheint Lauterbach nicht zu begreifen. Vermutlich denkt der Mann, die Impfung ist Geschenk genug. Es kann aber auch sein, dass der angeblich knickrige Lauterbach befürchtet, den Köder aus eigener Tasche zahlen zu müssen.

Eine vergleichbar lächerliche Idee eines Weekend-Pieks hatte Lauterbach vor zwei Monaten schon einmal. „SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlägt vor, dass „nicht nur in Arztpraxen und Impfzentren, sondern auch in Ausgehmeilen“ geimpft wird. Das sagte er im Gespräch mit Business Insider: „Es muss Freitags- und Samstagsabends mobile Impfstationen an belebten Plätzen geben, wo sich viele Leute treffen, auch vor Bars und Clubs“, so Lauterbach weiter. Man müsse mit den Impfungen dorthin, wo die Menschen seien.https://www.businessinsider.de/politik/deutschland/zuerst-spritze-dann-feiern-karl-lauterbach-plaediert-fuer-mobile-impfstationen-vor-bars-und-clubs-b/

Mit seinem Vorschlag ist Lauterbach zum Glück nicht durchgekommen. Wer hat schon Lust, frisch geimpft, aber leicht angeschlagen und sich unfrisch fühlend feiern zu gehen und nicht einmal mit Freibier belohnt zu werden? Schon damals hätte Lauterbachs doofer Tweet gut gepasst : „Wir hatten weitaus weniger Impfinteressenten als erwartet. Was war passiert? Finde den Fehler…

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Karl Lauterbach: Damals noch mit leeren Händen, heute mit Impfspritze in der Hand.                                                          Lauterbach wettert: Kölner Glühwein-Anarchie – So titelte am 7.Dezember 2020 der Kölner EXPRESS. Völlig aufgebracht war Karl Lauterbach wegen der sogenannten „Glühwein-Wanderungen“, die im Kölner Stadtgebiet kurz vor dem Lockdown (13.12.) noch stattfinden konnten, am Nikolaus-Sonntag ins Kölner Belgische Viertel gestürmt, denn die Menschen wanderten nicht nur von Glühwein-Ausschank zu Glühwein-Ausschank, wie es die Stadt Köln „erlaubt“ hatte, sondern blieben zwischendurch stehen, d.h. sie standen Glühwein trinkend in Grüppchen zusammen, ohne immer den „Sicherheitsabstand“ einzuhalten. War das schon fast ein Verbrechen? Für Lauterbach nicht nur fast.

Sogar aus medizinischer Sicht ist die auflauernde Impfung, wie ich sie leider nennen muss, mehr als fraglich. Schließlich wirkt die Corona-Impfung erst mit mehrwöchiger Verzögerung. Welche Phantasien hat Lauterbach, was lässt ihn von mobilen „Impfstationen an belebten Plätzen“ träumen? Missgönnt er den Mitmenschen die Lebensfreude? Ist nicht die Impfung von tausend Menschen auf einen Stich, wie ich die Aktion leider nennen muss, eine volkserzieherische Zwangsmaßnahme?

Entsetzt bin ich, wenn ich lese, dass Lauterbach, was die Schulen betrifft, weiterhin für harte Maßnahmen plädiert. Die Gefahr, die er heraufbeschwört, ist die drohende „Durchseuchung der Kinder“.

In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk am 26.8.2021 (einen Tag, nachdem am 25. August die Mehrheit im Deutschen Bundestag gegen die Stimmen aller Oppositionsparteien die „epidemische Lage“ zum fünften Mal verlängert hatte) brachte der stellvertretende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP), seinen Unmut zum Ausdruck. Er hält den den Begriff „Durchseuchung“ für „propangandistisch“. Ich kann mich dem nur anschließen. Unbedingt lesen: https://www.deutschlandfunk.de/nrw-familienminister-stamp-zu-covid-verlaeufen-risiken-fuer.694.de.html?dram:article_id=502222

Joachim Stamp, der kein Impfgegner ist, hatte einen „Tag der Eigenverantwortung“ vorgeschlagen, und zwar den 3.Oktober („Tag der deutschen Einheit“) 2021. „Danach sollten die staatlichen Beschränkungen von Bürgerrechten enden.“

Der NRW-Familienminister macht sich große Sorgen um das Wohlergehen der Kinder. Er hatte sich vor dem 25.8. mit zahlreichen Fachleuten unterhalten, insbesondere mit Kinderärztinnen und Kinderärzten: „Es wird ja der Politik immer vorgeworfen, wir würden uns nicht an die Wissenschaft halten. Ich finde, bei der Beurteilung der Risiken für Kinder, da ist doch die wichtigste Wissenschaft die Pädiatrie, das was die Kinderärztinnen und Kinderärzte sagen. Die sagen uns, dass die Risiken durch die Beschränkungen viel, viel höher sind.“ (s.o.) 

Kinder können sich nicht wehren. Ihre Eltern sind gezwungen, auch gegen den eigenen (Eltern)-Willen Maßnahmen zu akzeptieren, die in der kindlichen Psyche großen Schaden anrichten können. Diese Maßnahmen überschreiten nicht nur Körpergrenzen, sondern entmündigen die Kinder und zwingen sie zu einer Art soldatischem Gehorsam.

Wir erleben eine rücksichtslose, gleichgültige Corona-Politik. Dass es auch anders geht, zeigen uns die Schweden, wo alle Schulen ohne Einschränkungen geöffnet sind. Impfungen für 16jährige werden in Schweden nicht generell empfohlen, sondern nur für Jugendliche mit bestimmten Erkrankungen. Man hat aus den Erfahrungen mit der Schweinegrippe-Impfung und ihren katastrophalen Folgen und Spätfolgen (Narkolepsie) gelernt.

Manchmal denke ich, dass es das Werk der großen Schriftstellerin Astrid Lindgren ist, das in den Herzen der Schweden Spuren hinterlassen hat. Astrid Lindgrens Bücher speisen sich aus einer tiefen Liebe zum Leben, zu allen irdischen Geschöpfen und aus einer unumstößlichen Achtung vor den Kindern.

Medizinische Maßnahmen als Mittel zur Unterwerfung einzusetzen, ist verwerflich. Seinen entsetzlichen Höhepunkt hatte dieser Wahnsinn in den 1950er und 60er Jahren, als Heimkinder, die keine schützenden Eltern hatten, vielerorts in Deutschland systematisch gequält, ruhig gestellt, misshandelt und (auch für pharmazeutische Studien und Experimente) missbraucht wurden. Zum Einsatz kam hierbei medizinisches Gerät, insbesondere die handliche Injektions-Spritze. „In einer Art Verteidigungsschrift an den Essener Caritas-Direktor bestritt Strehl zwar die Anwendung solcher „Kotzspritzen“, doch zeigen die Quellen ein anderes Bild. Neben den zeitgenössischen Unterlagen berichteten auch verschiedene Heimbewohner über die Verabreichungspraxis solcher Spritzen, die Strehl bei Stationsvisiten offenbar immer bei sich trug, um renitente Kinder bei Bedarf direkt sedieren zu können.https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMI17-20.pdf

Mit „Strehl“ ist der Mediziner Waldemar Strehl (1916-1988) gemeint, der im Zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht gedient hatte und von 1955 bis 1969 im Essener Franz-Sales-Haus tätig war, einem katholischen Behindertenheim. „… Über den missbräuchlichen Einsatz von Medikamenten in Heimen der Nachkriegszeit haben der Historiker Uwe Kaminsky und die Ethikerin Katharina Klöcker von der Ruhr-Universität Bochum am Donnerstag eine Studie veröffentlicht. Am Beispiel des Franz Sales Hauses zeichnen sie nach, wie in den 1950er und 1960er Jahren die Bewohner mit Medikamenten diszipliniert wurden. Damit nicht genug: Der damalige Anstaltsarzt Waldemar Strehl testete an den Minderjährigen neue Präparate – in Überdosis…“ https://www.domradio.de/themen/bistuemer/2020-08-27/zur-strafe-eine-kotzspritze-studie-zeigt-medikamentenmissbrauch-einem-nachkriegsheim

… Ich kann an dieser Stelle nicht weiterschreiben, weil ich erst einmal tief durchatmen muss und spüre, wie mir die Tränen kommen… Beim Googeln musste ich feststellen, dass Waldemar Strehl in meiner Heimatstadt Bottrop geboren wurde und an „meiner Schule“ Städtisches Jungengymnasium Bottrop (später Heinrich-Heine-Gymnasium) Abitur gemacht hat, an eben dem Gymnasium, wo mein Großvater Josef Verron zu der Zeit Lateinlehrer war…

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Vom Blitz getroffen, pardon… Ich habe das Plakat (mehr schlecht als recht) von der illustren Seite leverkusen.com abfotografiert. Damals hat es jemand auf der Solinger Straße in Leverkusen aufgenommen. Das Plakat stammt aus dem Wahlkampf 2017. Lauterbach war bis 2001 Mitglied der CDU, wechselte dann aber in die SPD. Lauterbach machte zu der Zeit Karriere an der Universität zu Köln.  „1998 wurde Lauterbach Direktor des neu gegründeten Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universität zu Köln; damit war auch seine Berufung als Professor verbunden. Dort ist er aufgrund seines Bundestagsmandats beurlaubt.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lauterbach                                                                                  Lauterbach wollte und will Bundesgesundheitsminister werden, das ist sein Traum. Dafür musste er zunächst einmal Bundestagsabgeordneter werden. Es war schlau von Lauterbach, nicht nur zur SPD zu wechseln, sondern sich den Wahlkreis Leverkusen- Köln IV zu sichern, denn der geht traditionell an die SPD. Als Direktkandidat ist Lauterbach bereits 2005, 2009, 20013 und 2017 in den Bundestag gewählt worden. Lauterbach ist auf das Direktmandat angewiesen. Über die Landesliste in den Bundestag zu kommen, dürfte Lauterbach im Jahr 2021 kaum gelingen, denn die Partei hat ihn lediglich auf Platz 23  gesetzt.                                                                                              Zurück zum Wahlkampf 2017. Ein Job muss reichen. Mit diesem Plakat wollte sich Lauterbach bei den Wählerinnen und Wählern anbiedern, denn in Leverkusen und im Kölner Nordosten leben viele Menschen, die mehrere Jobs brauchen, um sich überhaupt über Wasser zu halten. Lauterbach schwimmt oben und verdient bestens, doch der Professorentitel schützt vor Torheit nicht. Dass die Parole „Ein Job muss reichen“ doppeldeutig ist, dürfte vielen Menschen aufgefallen sein, nur Lauterbach nicht. Lauterbach hat viele Jobs, nicht nur im Bundestag. Als Professor ist er lediglich beurlaubt, er veröffentlicht populärwissenschaftliche Bücher und tritt als Redner auf. Ich sage nur: „Lieber Herr Prof. Lauterbach, bitte bescheiden Sie sich. Nehmen Sie sich selber ernst: Ein Job muss reichen.“

„Spritztour“ und „Bratwurstimpfen“ – Wie man versucht, uns die Corona-Impfung schmackhaft zu machen

Als das Kölner Großbordell PASCHA noch geöffnet war, begegnete ich einmal auf dem Bahnsteig des nahe gelegenen Nippeser S-Bahnhofs einer Gruppe junger Männer, die einen Junggesellenabschied feierten und mit der Bahn angereist waren.

„Wat kuckst du so, wir sind auf Spritztour“, rief einer der Männer. „Abspritztour“, ergänzte grinsend ein anderer, sammelte Speichel und spuckte direkt vor mir auf den Boden. Wie bei den Junggesellenabschieden im PASCHA üblich, gingen die Männer vermutlich nicht ins PASCHA-Laufhaus, sondern „nur“ in den PASCHANightclub, wo „nur“ mit Champagner gespritzt wurde, was schäbig genug ist. Die Tarife im Nightclub waren: „Gratiszugang für „Senioren“ ab 66, für Geburtstagskinder und Bräutigame auf Junggesellenabschied (für die aber nur freitags). Alle anderen müssen unter der Woche 30, am Wochenende 35 Euro Eintritt für den ­Pascha Nightclub zahlen. Inklusive Alkohol, Stripshow und allem Pipapo.“ Unbedingte Leseempfehlung: https://www.emma.de/artikel/eine-emma-reporterin-im-pascha-bordell-266177

Das Wort „Spritztour“ wird, so denke ich, auch für Internet-Pornos benutzt. Zur Überprüfung setze ich mich an den Rechner. Als ich in die Suchmaschine „Spritztour Porno?“ eingebe, komme ich auf die Seite „Superscharfe Spritztour mit Milena“. Die Bilder, die ich zu sehen bekomme, erspare ich mir zu beschreiben. Ich kotze fast.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich der Begriff „Spritztour“ in einer Werbung für eine Corona-Impf-Kampagne der KV (Kassenärztliche Vereinigung) Nordrhein wiederfindet.

„Spritztour“ klingt, als handele es sich bei der Massenimpfung um ein Volksvergnügen. Schamlos ist, eine umstrittene medizinische Maßnahme als Event zu verkaufen. Darüberhinaus ist „Spritztour“ in dem Zusammenhang ein euphemistischer, verschleiernder Begriff, denn…

„Eine Impfung erfüllt aus juristischer Sicht – wie jede andere eingreifende ärztliche Maßnahme auch – zunächst einmal den Tatbestand einer Körperverletzung… Diese Körperverletzung ist nur dann nicht rechtswidrig, wenn ein Rechtfertigungsgrund im juristischen Sinne, bei ärztlichen Eingriffen in der Regel in Form der Einwilligung seitens des Patienten vorliegt.https://www.impf-info.de/component/content/article.html?id=89:impfaufklng-juristisches

Auch aus ethisch-moralischer Sicht ist die Verabreichung einer Spritze eine massive Grenzüberschreitung, denn Medizinerinnen und Mediziner dringen -wenn auch mit steriler Nadel- in einen fremden Organismus ein und verletzen Haut und Gewebe. Manchmal ist diese Verletzung/Selbstverletzung medizinisch unumgänglich, etwa bei der Insulin-Behandlung von Menschen mit Diabetes. Doch sollte man insbesondere gegenüber Kindern, was den Einsatz von medizinischen Nadeln betrifft, zurückhaltend sein. Ich denke da vor allem auch an Blutabnahmen, die man nur im Notfall durchführen sollte.

Injektionsspritzen gibt es übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert. Bei wikipedia lese ich folgendes: „In der Antike und im Mittelalter wurden Substanzen zwar „gespritzt“, jedoch nicht in das Gewebe oder in Gefäße, sondern in frei zugängliche Körperöffnungen.“ Das heißt: Oral, anal, vaginal – und vermutlich auch in die Nasenlöcher und in die Ohren.

Die Impfkampagne „Spritztour“ zu nennen, ist nicht nur harmlos biederwitzig. Unter der verklemmten Vokabel schimmert meines Erachtens etwas durch, das man eine klammheimliche Freude nennen könnte: Ihr kommt alle dran. Und haben nicht vielleicht auch einzelne (natürlich nur einige wenige!) Ärztinnen und Ärzte eine gestörte Lust dabei, Menschen mit medizinischen Instrumenten zu verletzen, sie zu stechen, ihnen etwas zu verabreichen oder in sie hinein zu spritzen? Ungestraft darf auf der Internet-Seite von Thieme, „marktführender Anbieter von Informationen und Services, die dazu beitragen, Gesundheit und Gesundheitsversorgung zu verbessern“ (thieme.de), seit 2014 folgender Text stehen, der heiter daherkommt, aber meines Erachtens verächtlich ist:

Blut abnehmen kann richtig Spaß machen. Das merkt man spätestens im Innere-Tertial im Praktischen Jahr. Dort wird man bei 20 bis 30 Blutabnahmen täglich rasch zum versierten Blutsauger. Die meisten PJler beginnen mit einer eher niedrigen „Trefferquote“, die sich dann bis zum Ende gewaltig hochschraubt. Dann ist selbst die adipöse Asthmatikerin mit quasi inexistenten Unterarmvenen kein Problem mehr: Kanüle rein, Stempel raus – und schon fließt das Blut angenehm rieselnd ins Röhrchen.“ („Dr. med. Gross, Anästhesist in Berlin“) https://www.thieme.de/viamedici/klinik-medical-skills-praxisanleitungen-1551/a/praxisanleitung-blutabnahme-23698.htm

Auch die „Spritztour“ macht den Ärztinnen und Ärzten richtig Spaß, schon deshalb, weil sie ihnen einen guten Zuverdienst sichert. Die Idee, die Kampagne „Spritztour“ zu nennen, hatten dabei wohl kaum die abgebildeten Mediziner, sondern die Mitarbeiter der KV-Presseabteilung. „Spritztour“ kommt so lustig und heiter daher wie „der kleine Pieks“. „Spritztour“ banalisiert, was meines Erachtens unverantwortlich ist.

Denn Impfungen haben unter Umständen katastrophale Folgen für die Geimpften. Was zur Zeit nicht oder nur rudimentär stattfindet, ist eine tatsächliche Aufklärung der Menschen über mögliche Langzeitschäden einer Impfung. Ich komme einmal mehr auf die Schweinegrippe-Impfung, weil wir ihre katastrophalen Folgen als deutliche Warnung verstehen sollten. Die Schweinegrippe-Impfung „wurde bundesweit empfohlen, aber von den Bürgern kaum angenommen. Gott sei Dank, denn die Impfung hatte und hat erhebliche Nebenwirkungen. Bis heute sind alleine in Deutschland mehr als hundert meist junge Menschen an Narkolepsie erkrankt (viele von ihnen erst nach Jahren!). Die Pandemie ist jedoch ausgeblieben, Pandemrix-Dosen im Wert von 20 Millionen Euro mussten vernichtet werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben damals eine unrühmliche Rolle gespielt, indem sie in Sondersendungen für die Impfung geworben haben.“ https://stellwerk60.com/2020/03/27/zweites-corona-elfchen-coronoia/

Hauptleidtragende waren und sind Kinder und Jugendliche, die deutlich häufiger erkrankten als Erwachsene. Das Schreckliche an der Krankheit: Sie setzt den uns innewohnenden, in frühester Kindheit mühsam erworbenen Tag/Nacht-Rhythmus außer Kraft, der es uns ermöglicht, dass wir uns in Raum und Zeit orientieren und nicht „aus der Welt fallen“.

Die Schweinegrippe-Impfung hat zudem gezeigt, dass eine Impfung nach Jahren noch eine schwere Krankheit auslösen kann. Was die „späten Fälle“ betrifft, wird gerne behauptet, die Krankheit wäre bereits kurze Zeit nach der Impfung ausgebrochen, aber erst später aufgefallen. Das ist aber nicht der Fall. Die durch die Schweinegrippe-Impfung verursachte Narkolepsie ist tatsächlich in vielen Fällen erst nach Jahren ausgebrochen. Warum das so ist und überhaupt sein kann, erklärt ein informativer Artikel im Ärzteblatt, den auch medizinische Laien verstehen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63356/Grippeimpfung-Wie-Pandemrix-eine-Narkolepsie-ausloest

Die Schweinegrippe war für Kinder und Jugendliche deutlich gefährlicher als Corona. Insofern war es damals gerechtfertigt, die Impfung für Kinder und Jugendliche anzubieten. Bei Covid 19, einer Krankheit, die Kindern kaum etwas anhaben kann, sieht das ganz anders aus. Kinder dürften (vielleicht bis auf wenige Ausnahmen) nicht gegen Corona geimpft werden! Die Impfung ist unverhältnismäßig, denn der „Nutzen“, den Kinder von der Impfung haben, steht in keinem Verhältnis zu den Risiken.

Ich kann verstehen, dass Menschen sich impfen lassen, um nicht weiter gemobbt und denunziert zu werden, wie es impfskeptischen Menschen zunehmend passiert. Ich kann verstehen, dass Menschen sich impfen lassen, um Freiheiten zurück zu bekommen. Doch diese Freiheit hat einen schalen Beigeschmack, denn auch und gerade die „Befreiten“ sind an der langen Leine einer Gesundheitspolitik, die sich zunehmend als autoritär und freiheitsberaubend entpuppt.

Ich kenne Menschen, die sich impfen lassen, weil sie völlig überzogene Krankenkassenbeiträge bezahlen und endlich etwas vermeintlich Wertvolles, als das uns die Impfung verkauft wird, zurückhaben wollen. Auch das verstehe ich. Was ich nicht verstehen kann, ist, dass man sich mit einer Portion Heimatgefühl und einer Thüringer Rostbratwurst ködern lässt, so gerne ich die ab und an esse, aber nur mit viel Senf.

Keine Satire:

„… Eine Bratwurst als Belohnung hat der Impfstelle im südthüringischen Sonneberg am Freitag einen regelrechten Ansturm auf COVID-19-Impftermine beschert. Bis zum Nachmittag kamen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) 250 Menschen, um sich neben der Spritze in den Oberarm auch noch die kulinarische Spezialität abzuholen.“ u.a.: https://www.tagesschau.de/ausland/corona-liveblog-freitag-101.html#Bahn-Gewerkschaft-Zug-Personal-kein-Impfpass-Kontrolleur

Übrigens werden auch im Kölner REWE Thüringer Spezialitäten angeboten:

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Heichelheimer Kartoffelpuffer: Dass sich Produkte aus dem deutschen Osten im deutschen Westen gut verkaufen, ist gewiss auch unserer Bundeskanzlerin zu verdanken.  Mit frischen Kölner Rievkooche können die Frost-Puffer allerdings nicht konkurrieren. Angela Merkel stammt übrigens nicht aus Thüringen, sondern aus Brandenburg. Und eine Heichlerin ist sie auch nicht.

Kleine Ergänzung:

Fundstück. Hannover, 13.11.21

Als Rotkäppchen vor dem Oster-Besuch bei der Großmutter in die Vorquarantäne ging – Und was dann passierte

Als Rotkäppchen kurz vor Weihnachten 2020 dreizehn Jahre alt wurde, nahm sie endlich das rote Käppchen ab. Seitdem trug das Mädchen den lieben langen Tag einen roten Mund- Nasenschutz. Käppchen und Maske zusammen – das sah einfach nicht gut aus. Aber sie nannte sich nicht Rotmaske, sondern immer noch Rotkäppchen.

Rotkäppchen hatte ihre Großmutter fast ein Jahr lang nicht gesehen. Die Großmutter lebte wie eh und je in ihrem Waldhaus und rief einmal in der Woche ihre Enkelin an. Manchmal fuhr sie mit dem E-Dreirad über die Waldwege zum Einkaufen in die Stadt. Rotkäppchens Vater, der sich eigentlich nur zu den Feiertagen bei seiner Mutter meldete, hatte die Großmutter unterstützen wollen und schon zu Beginn der Krise bei ihr angerufen.

„Mutter, ich muss dir leider etwas mitteilen. Wir erleben gerade eine schwere Seuche.“ Er schluckte: „Corona. Pass bitte auf dich auf.“

Die Großmutter lachte: „Junge, was erzählst du mir da? Ich hab keinen Fernseher, aber WLAN. Ihr Städter spinnt. Seit die Füchse wieder in die Städte kommen und die Krähen nicht mehr abgeschossen werden dürfen, fühlt ihr euch verfolgt. Ihr seht überall Ungeziefer und Viren. Ihr dreht komplett durch. Begreift doch endlich, dass sich die Natur nicht kontrollieren lässt.“

„Mutter, es ist ernst“, sagte der Sohn. „Ich könnte dir doch die Lebensmittel vorbeibringen. Ich stelle dir alles vor die Tür, klingele kurz an und gehe schnell zum Auto zurück. Mutter, wir…“ Er schluckte. „Mutter, wir können uns zuwinken.“

„Mach dich nicht lächerlich“, sagte die Großmutter. „Du bist ein sentimentaler Hypochonder und hast panische Angst vor dem Tod. Ich bin alt, aber du musst keine Angst vor mir haben. Alt ist nicht ansteckend, mein Sohn.“

„Ich habe keine Angst vor dir, sondern um dich“, entgegnete Rotkäppchens Vater. „Ich habe Angst, dass du dich bei mir ansteckst.“

„Wieso sollte ich das?“

„Mutter, mach jetzt bitte keine Witze. Ich will verhindern, dass ich dich anstecke. Es geht nicht um meine Gesundheit, sondern um deine. In deinem Alter ist eine Infektion lebensbedrohlich. Ich…“

„Halt!“, sagte die Großmutter. „Sprich nicht so laut, ich bin nicht schwerhörig.“

„Gut“, sagte Rotkäppchens Vater. „Aber begreif, Mutter, du musst dich vor uns schützen.“

„Das ist mir nicht neu“, sagte die Großmutter und legte auf.

Rotkäppchen hätte die Großmutter allzu gerne besucht. Aber das war leider nicht möglich, ihr Vater hatte es ihr schon zu Beginn der Krise verboten, denn sie musste ja die Großmutter schützen. Im Schaukasten der Apotheke hing ein Plakat, das so rot war wie ihr Käppchen: „Bring Corona nicht zur Oma.“

Rotkäppchen fühlte sich angesprochen, ja ertappt. Sie träumte sogar von dem Plakat. Doch im Traum stand auf dem Plakat ein ganz anderer Satz: „Bring den Wolf nicht zur Oma.“ Rotkäppchen erschrak. Schließlich war sie diejenige gewesen, die den Unhold zur Oma gebracht hatte, denn sie hatte dem Bösen Wolf damals den Weg verraten.

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Bring

den Wolf

nicht

zur Oma.

Fortan sah es Rotkäppchen als ihre Aufgabe an, Kinder und Jugendliche über die Gefahren der Corona-Infektion aufzuklären. Da sie bereits als Kind eine traumatische Erfahrung mit dem Bösen gemacht hatte, galt sie trotz ihrer jungen Jahre schon bald als Expertin. Sie ging in die Schulen und hielt Vorträge. Rotkäppchen brachte den Schülerinnen und Schülern bei, wie man sich vor dem Virus schützen kann.

Mit einfachen Worten erklärte sie auch kleinen Kindern die AHA-Regeln. Das H für Hygiene war ihr besonders wichtig, nicht nur, was das Händewaschen betraf. Denn als sie damals dem Wolf begegnet war, hatte der nicht gerade sauber ausgesehen und zudem übel gerochen, und was noch schlimmer war: Beim Anblick des unschuldigen Kindes war ihm der hochinfektiöse Speichel aus dem Maul gelaufen und auf den Waldboden getropft.

Rotkäppchen wurde als hochbegabt eingestuft und bekam das Angebot, schon vor dem Abitur Gesundheitspsychologie zu studieren. Weihnachten würde sie die Großmutter mit der Neuigkeit überraschen. Doch die Großmutter hatte es längst über das Internet erfahren, denn die Nachricht stand in mehreren Online-Zeitungen. Leider hatte die Großmutter was gegen die Gesundheitspsychologie.

Gesundheitspsychologen und insbesondere Gesundheitspsychologinnen waren für die Großmutter Personen, die sich auf oft unannehmbare Art und Weise in das Leben anderer Leute einmischten, insbesondere in das Leben der Dicken, der Raucher und der Alkoholtrinker. Die Großmutter, eine leidenschaftliche Rotweintrinkerin, sagte für Weihnachten ab. Dabei hätte ihr Besuch, wie Rotkäppchens Vater seiner Mutter erklärt hatte, kein Problem dargestellt. Sie hätte als einzige Person aus einem anderem Haushalt ungeprüft zu Besuch kommen können.

Was war nur mit Großmutter los? Rotkäppchens Vater wurde böse. Wie konnte sie ihre Enkelin so enttäuschen und verunsichern? Auch das Weihnachtsgeschenk hatte die Großmutter nicht angenommen.

„Warum schenkst du mir ein Smartphone?“, fragte die Großmutter am Telefon. „Du kannst mir doch nicht vorschreiben, was ich brauche.“

„Mutter, es ist wichtig, dass sich auch die Älteren an der digitalen Erneuerung beteiligen.“

„Es ist wichtig, dass sich nicht auch noch die Älteren veräppeln lassen“, sagte die Großmutter. „Ich will keine Apps. Findest du es gerecht, dass ich mehr Geld für meine Straßenbahn-Karte zahlen muss, nur weil ich keine App habe?“

„Sieh es bitte anders, Mutter. Du bezahlst so viel wie immer. Aber diejenigen, die eine App haben, zahlen eben weniger. Das Angebot könntest du auch wahrnehmen.“

Die Großmutter lachte und legte auf. Einige Monate hörten sie nichts voneinander. Doch gegen Ostern 2021 meldete sich ihr Sohn.

„Mutter, ich möchte dir etwas mitteilen. Du wirst direkt nach Ostern geimpft. Ich komme mit deiner Hausärztin bei dir vorbei.“

„Was erzählst du da?“, fragte die Großmutter. „Ich habe weder Haustier noch Hausärztin. Und wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann für den zähnefletschenden Hund und nicht für die die Impfspritze zückende Medizinerin. Der Hund droht nur.“

Rotkäppchens Mutter hatte alles mit angehört, denn ihr Mann hatte das Telefon laut gestellt. Jetzt übernahm sie den Telefonhörer. Sie räusperte sich und sprach mit leiser, gebrochener Stimme: „Bitte, lass dich impfen. Dann brauchst du keine Angst mehr vor dem Virus zu haben.“

„Ich habe keine Angst“, sagte die Großmutter. „Ich misstraue nur der Impfung. Lieber stecke ich mich freiwillig an, als mich unfreiwillig impfen zu lassen.“

„Hilfe“, jammerte im Hintergrund Rotkäppchens Vater. „Ich kann nicht mehr. Meine Mutter ist selbstmordgefährdet.“

„Mutter, wir wollen dich doch so so so gerne besuchen“, sagte Rotkäppchens Mutter, die die Fassung behielt. „Aber es wäre viel viel viel schöner, wenn du geimpft bist, denn die Impfung schützt dich davor, dich bei uns anzustecken. Wir wissen ja nicht, ob wir nicht vielleicht ansteckend sind. Der Inzidenz-Wert ist erschreckend hoch.“

„Ich bin längst längst längst immun gegen euch“, sagte die Großmutter.

Rotkäppchens Vater machte sich große Sorgen. Eine Großmutter zu haben, die sich der Impfung verweigerte, konnte für Rotkäppchen rufschädigend sein. Überhaupt wurde die Großmutter für die Familie zunehmend zur Belastung. Es sprach sich herum, dass die Großmutter eine Corona-Leugnerin und Verschwörungstheoretikerin war. Irgendwer hatte sie auf einer Querdenker-Demo gesehen, denn sie war auf den Bildern in der Tagesschau deutlich zu erkennen gewesen, und zwar in den Reihen der AFD. Die Leute grüßten nicht mehr.

Am Telefon platzte Rotkäppchens Vater der Kragen: „Dass du mir das antust, Mutter!“

„Was lässt du dir erzählen?!“, schrie die Großmutter. „Ich finde die AFD fürchterlich, das weißt du doch. Außerdem bin ich viel zu faul zum Demonstrieren. Früher, ja. Da waren die Demos noch politische Volksfeste… Komm sing doch, Vogel, sing, daß Gorleben lebt… Ich kann ohnehin nicht mehr so lange stehen. Und auf Demos ist nie ein Klo in der Nähe. Ich denke nur, wir müssen über neue politische Aktionsformen nachdenken. Bei der Critical Mass Corona wäre ich gerne dabei. Ich wünsche mir dezentrale Aktionen.“

„Tu mir das nicht an, Mutter! Willst du etwa zu diesen aggressiven Radfahrern gehören, die den Straßenverkehr blockieren?“

„Du denen gehöre ich längst.“ Die Großmutter lächelte. „Ich war schon oft dabei. Außerdem sind nicht wir Radfahrer aggressiv, sondern die Autofahrer. Wir fahren im Pulk und halten anderthalb Meter Sicherheitsabstand voneinander. Ich bin jetzt auf das E-Dreirad umgestiegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren und um den Anschluss an die Gruppe zu halten. Junge, ich kann sitzend demonstrieren. Zur Zeit findet ja wegen Corona keine Critical Mass mehr statt. Die kritische Masse wurde platt gemacht. Höchste Zeit, sie wieder zu beleben, und zwar dezentral. Nicht nur zum Thema Klima, sondern zum Thema Corona. Ich wünsche mir kleine Pulks, die überall gleichzeitig starten und…“

„Stop!“, schrie Rotkäppchens Vater. „Du wirst dir die Knochen brechen. Wir müssen über das Haus reden, du müsstest renovieren, um den Wert des Hauses zu erhalten. Falls du Pflege brauchst und in ein Heim kommst, werden wir das Haus verkaufen müssen, um den Pflegeplatz finanzieren zu können. Mutter, unser Waldhaus steht unter Denkmalschutz, aber du lässt es vergammeln.“

„Das Waldhaus ist immer noch mein Haus“, sagte die Mutter.

„Aber wir müssen für die Pflege aufkommen.“

„Für welche Pflege?“

„Mutter, es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber du gefällst mir überhaupt nicht.“

„Danke gleichfalls“, sagte die Großmutter und legte auf. Sie seufzte tief. Die Corona-Krise brachte traurige Wahrheiten ans Licht. Die Zwangs-Maßnahmen wirkten: Die Reichen wurden immer reicher, die Armen immer ärmer. Starbucks und MacDonalds überlebten, aber die kleinen, lebendigen Cafés, Kneipen und Restaurants waren längst platt. Die Leute hatten sich der Macht gebeugt. Sie standen stramm, misstrauten und verpfiffen einander. Die Menschen unterwarfen sich den neuen Gesetzen und ließen sich lächelnd impfen, um endlich Ruhe zu haben. Der Umgangston war autoritär. Im Namen der Staatsgewalt maßregelten spießige Kinder ihre freundlichen alten Eltern. Ihr Sohn, ein Betriebswirt, der bei amazon auf die schiefe Geld-Bahn geraten war, war selbstbewusst wie noch nie.

Aber jetzt war die Gelegenheit da, dem Jungen die Wahrheit zu sagen. Ein paar Tage später rief sie ihn an.

„Es ist alles wieder gut“, sagte sie leise lachend. „Lass uns miteinander reden. Es ist schön, dass du dich um mich sorgst. Aber mach dir um das Geld keine Gedanken. Ich hab ausgesorgt, denn ich habe vor ein paar Jahren im Lotto gewonnen. Eine hübsche Summe im sechsstelligen Bereich.“

„Mutter, du… Warum hast du uns das nicht erzählt?“

„Ist ja schon peinlich.“

„Ach, Mutter. Weißt du was, wir werden dich besuchen, und zwar an Ostern, denn das müssen wir feiern. Aber vorher geht meine kleine Familie in die Vorquarantäne. Und anschließend machen wir noch einen kostenlosen Corona-Bürgertest. Für das Geld, das wir sparen, bringen wir dir Blumen mit.“

„Das würdet ihr für mich tun?“, fragte die Großmutter leise. „Gibt es jetzt eine Vorquarantäne für Menschen?“

„Aber ja“, sagte Rotkäppchens Vater und gluckste.

„Ich kenne die Vorquarantäne nur von den Haustieren, die die Leute nach Großbritannien mitnehmen wolllten“, sagte Rotkäppchens Großmutter. „Das war eine Regelung aus dem 19. Jahrhundert. Es konnte ja sein, dass die Tiere die Tollwut hatten, also mussten Hunde und Katzen bis vor 20 Jahren in die sechsmonatige Vor-Quarantäne, was natürlich maßlos übertrieben war. Du siehst, die Ansteckungs-Angst, die wir heute erleben, ist nicht neu. Aber eine Vor-Quarantäne ist meiner Meinung nach Tierquälerei.“

„Die Vorquarantäne für Menschen ist keine Quälerei, denn sie dauert nur wissenschaftlich empfohlene zehn Tage“, sagte Rotkäppchens Vater. „Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist vor Weihnachten mit der ganzen Familie in die Vorquarantäne gegangen, um die Schwiegermutter besuchen zu können. Ich finde das großartig.“

„Was ist daran großartig?“

„Dass offenbar die ganze Familie auf den Häuptling gehört hat“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das hätte ich auch gerne.“

„Ja, ja.“ Die Großmutter grinste. „Und woher weißt du das?“

„Aus der neuen OMA“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das Magazin für aktive Großeltern. Ich schicke dir eine Mail mit einem Foto vom Heft.“

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„Ein bildhübscher Junge“, sagte die Großmutter. „So einen wünscht man sich als Schwiegersohn. Du hattest mir ja im letzten Jahr sein Buch geschenkt: Nächste Ausfahrt Zukunft. Das war gut gemeint von dir, aber… Ein irreführender Buchtitel. Als wenn es so einfach wäre. Blinker setzen und raus aus der Patsche. Sich über die Navi informieren lassen und schnell die letzte Ausfahrt vor dem Total-Stau nehmen, während die anderen stecken bleiben. Nur hängen die Schlaumeier, die abfahren, dann oft stundenlang auf der Landstraße mit all denen, die ebenfalls meinten, schlauer zu sein. Außerdem macht der Ranga Auto-Werbung.“

„Wieso das denn?“

„Ich glaube kaum, dass er mit dem Fahrrad über die Autobahn fährt und radelnd die Ausfahrt Zukunft nimmt. Sag, hatte der Ranga die Idee mit der Vorquarantäne?“

„Jein“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das war mit Christian Drosten abgesprochen. Ranga Yogeshwar hat die Idee umgesetzt. Er hat es stellvertretend für uns alle ausprobiert. Großartig! Ich lese es dir vor …“

„Nein“, sagte die Großmutter. „Das hätte ich gerne schwarz auf weiß. Schick mir doch bitte ein Foto des Artikels per Mail.“

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„Für den Ranga Yogeshwar ist die Schwiegermutter… am Ende ihres Lebens“, sagte die Großmutter, nachdem sie den Artikel gelesen hatte. „Bin ich das für dich auch?“

„So würde ich das nie ausdrücken“, sagte Rotkäppchens Vater. „Aber wissenschaftlich korrekt ist das ja schon.“

„Ich bin enttäuscht“, sagte die Großmutter. „Was ist dem Ranga Yogeshwar passiert? Der ist doch eigentlich ein großartiger Journalist. Ist das noch der selbe Mann, der mutige, politisch kritische Berichte zum Thema Atommüll verfasst hat? Was ist mit ihm passiert? Wie dieser Mann sich neuerdings ausdrückt: Wir brauchen andere Strategien, auch mit Blick auf Schnelltests. Damit diese Menschen noch ein Stück Lebensqualität haben. Der Ausdruck Lebensqualität ist wirtschafts- und sozialwissenschaftlich korrekt, aber eiskalt. Außerdem ist das Werbesprech. Für wie tot hält er uns alte Menschen? Das ist Ausbeutung.“

„Wie kannst du so etwas sagen?“, empörte sich Rotkäppchens Vater. „Das ist doch keine Ausbeutung! Die Oma bekommt großzügige Geschenke. Yogeshwars Kinder haben ihr ein Smartphone gekauft. Mittlerweile ist die Schwiegermutter in der Familie die WhatsApp-Queen.“

„Das ist doch ein alter Schmarren“, sagte die Großmutter. „Der Ranga hat schon vor drei Jahren in einem Stern-Interview erzählt, dass die Schwiegermutter per WhatsApp mit den Enkeln kommuniziert. Ich schicke dir gerne den Link. https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/-ranga-yogeshwar–haben-roboter-bald-die-weltherrschaft-inne—7847034.html Mir gefällt das gar nicht, was er da tut. Er benutzt die Familie für Werbezwecke.“

„Wie bitte?!“

„Er macht hier Werbung für die Corona-Zwangsmaßnahmen“, sagte die Großmutter. „Und für die digitale Erneuerung, die mit den Maßnahmen einhergeht.“

„Du bist ja nur neidisch“, sagte Rotkäppchens Vater.

„Der Ranga ist zu schön, um wahr zu sein“, sagte die Großmutter. „Ich würde nur gerne wissen, wie die Schwiegermutter es findet, dass er von einem Magazin namens OMA Tausenden von Schwiegermüttern in die Augen guckt. Dabei interessiert er sich gar nicht für die Oma. Der Mann hat doch Einfluss. Warum macht er nichts dagegen, dass die Menschen in den Altenheimen schon seit Wochen in Quarantäne sind, obwohl man sie zwei Mal geimpft hat? Die Alten haben kein schönes Leben mehr. Aber sag, wie lange geht ihr drei in die Vorquarantäne?“

„10 Tage.“

„Eine gute Idee“, sagte die Großmutter. „Dann mache ich in den zehn Tagen den Frühjahrsputz. Es soll schön sein, wenn ihr kommt. Ja!“

Die Großmutter legte auf, atmete auf. Sie stand eine Weile nur so da und wurde dann mit einem Mal von einem tiefen Lachen ergriffen. Konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Sie machte sich in die Hose, aber es war ja kein Mensch in der Nähe, der das sah. Und die Zimmertierchen, die Silberfischchen, Stubenfliegen, Spinnen und Schneider, die Motten und Milben würde es ohnehin nicht interessieren. Es war ihr alles auf die schönste Weise egal. Mediziner würden das, was ihr geschah, einen Lachkrampf nennen, eine Affektinkontinenz. Aber das war kein Krampf und keine Inkontinenz, sondern ein Ausbruch, eine Befreiung. Das war einfach nur kosmisch.

Also ging Rotkäppchen mit ihrer Familie in die Vorquarantäne. Wenn sie bei schönem Wetter aus dem Fenster nach draußen guckte, sah Rotkäppchen, dass die selben Kinder, die sie unterrichtet hatte, die AHA-Regeln nicht beherzigten, sondern miteinander spielten und rauften. Sie rief beim Schuldirektor an und beschwerte sich.

„Petze“, sagte der Schulleiter. Ausgerechnet der Mann, der sie immer gefördert hatte. Rotkäppchen weinte bitterlich.

„Was ist los?“, fragte die Mutter, die ins Zimmer gerannt kam.

„Mir ist so langweilig“, sagte Rotkäppchen.

„Du hast doch jetzt deinen Podcast“, sagte die Mutter.

„Ich hab aber gar keine Freunde mehr“, sagte Rotkäppchen. „Ich kriege nur jeden Tag Mails mit Heiratsanträgen von angehenden Ärzten und Apothekern. Gestern war ein fünfzehnjähriger Medizinstudent dabei.“

„Wunderbar!“, freute sich die Mutter und klatschte in die Hände. „Der junge Mann hat mindestens drei Klassen übersprungen!“

„Mama, was soll ich denn damit? Mir ist so langweilig.“

„Stell dich nicht so an und sieh das positiv“, sagte die Mutter. „Dann langweilst du dich jetzt mal.“ https://web.de/magazine/ratgeber/kind-familie/laaangweilig-eltern-meistens-falsch-reagieren-34573652

Endlich war die Quarantäne vorbei. Alle drei hatten sich testen lassen. Welche Freude es war, negativ getestet worden zu sein. Mit dem Testergebnis gingen alle drei zum Friseur. Gut schauten sie aus.

Als sie am Waldhaus ankamen, stand die Tür weit offen, so wie damals, als Rotkäppchen bei der Großmutter ankam, aber der Wolf ihr zuvorgekommen war und die Großmutter gefressen hatte. Doch diesmal war alles anders. Auf der Wiese vor dem Haus blühten bunte Frühlingsblumen.

„Hereinspaziert“, rief von drinnen die Großmutter.

Der Hauseingang war hübsch geschmückt. Im Flur hatte die Großmutter die Osterhasen-Bilder aufgehängt, die Rotkäppchen vor ein paar Jahren gemalt hatte. Eine riesige Bodenvase mit blühenden Kirschzweigen, an denen bunte Eier hingen, verstellte den Blick auf den Wohnraum. Alles verhieß ein wundervolles Osterfest. Nur hatte das Rotkäppchen einen strengen Geruch in der Nase, der ihr bekannt vorkam.

„Darf ich vorstellen?“, sagte die Großmutter. „Das ist Wolf, mein neuer Ehemann und… “ Die Großmutter streichelte die Pfote des Wolfs, der neben ihr am Tisch saß und einen Napf mit Lamm-Ragout vor sich hatte, der Leibspeise von Rotkäppchens Vater.

„Ehemann und?“, wiederholte Rotkäppchens Mutter und hielt sich die Nase zu.

„Mein neuer Ehemann und mein Alleinerbe und…“

„Und?!“ Jetzt schrie Rotkäppchens Mutter.

„Vater meiner fünf Adoptivkinder“, sagte die Großmutter. „Endlich habe ich eine große und lustige Familie.“

„Juchhu“, freute sich Rotkäppchen. „Habe ich jetzt endlich Vettern und Kusinen?“

Die Großmutter nickte: „Mindestens 36.“

„Ist das amtlich?“, fragte Rotkäppchens Vater und setzte sich mit Abstand ans andere Ende des Tisches.

„Aber ja“, sagte die Großmutter. „Falls ich sterben sollte, was ich nicht vorhabe, können sich sechs Kinder über einen Pflichtanteil freuen. Das macht für dich, mein Sohn…“

„Ein Vierundzwanzigstel“, sagte Rotkäppchens Mutter, die Juristin war und Fachanwältin für Erbrecht. Sie hielt sich die Hand an den Kopf und ließ sich auf das ordentlich gemachte Bett der Großmutter fallen.

„Mutter, das glaub ich nicht“, sagte Rotkäppchens Vater.

„Das ist doch wohl nicht beurkundet, oder?“, fragte seine Frau.

„Doch“, sagte die Großmutter. „Wir wollten keine wilde Ehe. Es gibt ein handschriftliches, sicher verwahrtes Testament. Wolf tut sich schwer mit dem Schreiben, außerdem hat er nichts zu vererben. Ich bin der Part vom Paar, der schreiben kann.“

„Wie …?“ Rotkäppchens Vater atmete schwer. „Wie…. Wie habt ihr das gemacht? Ich meine, ihr müsst doch auf dem Standesamt gewesen sein.“

Großmutter lächelte: „FFP2.“

***

Ergänzung Pfingsten 2021:

Nur wenige Tage, nachdem ich die Geschichte aufgeschrieben hatte, überraschte mich die Nachricht, dass in der Nacht auf den Donnerstag im Kölner Nordwesten, ganz in der Nähe der autofreien Siedlung Stellwerk 60, ein Wolf gesichtet wurde. Wie einst der Rattenfänger von Hameln seine Chance witterte, als alle Erwachsenen in der Kirche waren, so nutzte dieser Wolf die nächtliche Ausgangssperre zu einem Streifzug durch die ungewöhnlich menschenleeren Stadtteile Ehrenfeld, Bilderstöckchen und Weidenpesch. Dass er mehrfach in den Nähe der mehrspurigen Straße namens Gürtel beobachtet wurde (Melatengürtel und Parkgürtel), überrascht mich nicht. Hier begegnen einem manchmal wilde Tiere. Vgl.: https://stellwerk60.com/2019/12/13/der-stadtjager-und-der-waschbar/

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Schon am nächsten Tag schaltete man das Lanuv ein, das „Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen“. Der Kölner Stadtanzeiger fasste den Stand der Ermittlungen folgendermaßen zusammen: „…In Köln gab es derweil noch einen weiteren Zwischenfall, in den ein Wolf involviert gewesen sein könnte. Am Donnerstag „wurden in der nördlichen Kölner Rheinaue vier tote Schafe gefunden, die in der Nacht von einem großen Hund oder einem Wolf getötet worden waren“, teilt das Lanuv mit. Ein Wolfsberater habe im Auftrag der Behörde die gerissenen Schafe dokumentiert und Proben für die genetische Untersuchung durch das Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen genommen. Wenn sich der Wolfsverdacht bestätigt, kann der Tierhalter eine Entschädigung beantragen, erklärt das Lanuv weiter…https://www.ksta.de/koeln/-extrem-selten–wolf-irrt-durch-koeln-und-wird-von-ueberwachungskamera-gefilmt-38411732 Mein großer Hund hat ein Alibi. Er war hier und hat geschlafen. DIE ZEIT DER WÖLFE ist nicht seine.

Elfchen im Vierten: Dicke Hunde

Der immer resoluter werdende bürokratische Zugriff macht auch vor den Haustieren nicht halt. Kürzlich ist dem Ordnungsamt aufgefallen, dass unser Hund Freki (11) zwar ordnungsgemäß beim Kassen- und Steueramt der Stadt Köln gemeldet ist, wo wir seit elf Jahren Hundesteuer bezahlen, nicht aber beim Amt für öffentliche Ordnung.

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Blechschaden: Als Freki Mitarbeitern des Ordnungsamts auffiel, trug er dummerweise keine Hundemarke, denn die alte war nach jahrelangem Dauergebrauch unbrauchbar geworden und vom Halsband gefallen. Eine neue hatte ich zwar ordnungsgemäß unmittelbar beantragt, aber coronabedingt dauerte es ganze fünf Wochen, bis sie im Briefkasten war. Die Stadt Köln spart seit ein paar Jahren an den Hundemarken und gibt neue nur noch auf Nachfrage aus… Nebenbei gesagt:  Die Erkennungsmarke der Soldaten, durch die „Gefallene“ identifiziert werden können, heißt in der Soldatensprache „Hundemarke“ (s. wikipedia).

Wir dachten immer, man müsse nur sogenannte „Kampfhunde“ beim Ordnungsamt anmelden. Aber laut Gesetz, so wurde ich belehrt, gelten seit 2002 in NRW nicht nur einzelne „gefährliche Hunde“ und „Hunde bestimmter Rassen“ als Sicherheitsrisiko, sondern auch alle großen Hunde über 20 kg und ab 40 cm Widerristhöhe. Obwohl gerade große Hunde in der Regel freundlich und gelassen sind, wird unterstellt, dass von ihnen eine „Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht“. (LHundG NRW)

Die Verordnungen zur Hundehaltung werden von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt. Für große Kölner Hunde gilt das Landeshundegesetz – LHundG NRW, § 11 (Fn 3): „Große Hunde dürfen nur gehalten werden, wenn die Halterin oder der Halter die erforderliche Sachkunde und Zuverlässigkeit besitzt, den Hund fälschungssicher mit einem Mikrochip gekennzeichnet und für den Hund eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat und dies gegenüber der zuständigen Behörde nachweist.“

Da ich von der „zuständigen Behörde“ wissen wollte, warum ein großer Hund per se sicherheitsgefährdend sein soll, gab ich auf einer Internet-Seite der Stadt Köln am 30.3. spätabends folgende Warum-Frage ein:

„… Guten Tag, ich würde gerne wissen, WARUM schwere (meistens sehr sanfte) Hunde beim Ordnungsamt gemeldet werden müssen. Ein Berner Sennenhund tut doch keinem was zuleide. Herzliche Grüße, Lisa Wilczok…“

Bereits am nächsten Morgen bekam ich per Mail folgende Antwort:

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Leider ist diese Antwort keine Antwort auf mein WARUM. Und ich erfahre: Das eigentliche Sicherheitsrisiko sind gar nicht die großen Hunde, sondern deren Besitzer. Doch warum soll ich als Halterin eines ungewöhnlich groß und schwer geratenen Australian Shepherd weniger zuverlässig sein als das Frauchen des Wadenbeißers?

Im Wikipedia-Beitrag zum Hundegesetz für das Land Nordrhein-Westfalen fand ich dann einen Hinweis, und zwar auf einen Tatbestand mit der Bezeichnung „Umrennen von Passanten“. Vermutlich wird dieses „Umrennen von Passanten“ großen Hunden zur Last gelegt. Und entsprechend wird uns Haltern großer Hunde unterstellt, dass wir uns mit großen Hunden bewaffnen, um Mitmenschen zu Fall zu bringen.

Ich wäre schon einmal auf der Neusser Straße fast über einen kleinen Kläffer gestolpert, aber dass mich ein großer Hund umgerannt hat, ist mir noch nicht passiert. Und könnte es nicht sein, dass in den meisten Fällen gar nicht die Hunde die Passanten, sondern die Passanten die Hunde umrennen?

Das Hundegesetz, so lese ich, habe von Beginn an Wirkung gezeigt: „Als Erfolg des Gesetzes wird gewertet, dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle gegenüber 2003 um ein Viertel, des von Umweltminister Eckhard Uhlenberg vorgestellten Berichts des Umweltministeriums zufolge, auf 2.210 Beißvorfälle und 1.627 sonstige Vorfälle (wie das Umrennen von Passanten) im Jahre 2007 gesunken sei.“ (wikipedia)

Ein fragwürdiger Bericht. Dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle (inklusive „Umrennen von Passanten“) zwischen 2003 und 2007 zurückgegangen ist, heißt noch lange nicht, dass es weniger Vorfälle gab. Vermutlich wurden und werden Beißereien und andere Zusammenstöße nur seltener gemeldet, da immer höher werdende Ordnungs-Strafen drohen (Geldstrafen, Entzug der Hundehalte-Erlaubnis etc.).

…. Nebenbei gesagt: Erstaunlich ist, dass ausgerechnet Eckhard Uhlenberg (CDU) im Jahr 2008 den „Erfolg des Gesetzes“ vermeldet hat, eines Gesetzes, das mehr Sicherheit verspricht. Dabei stellte Eckhard Uhlenberg in seiner Amtszeit als NRW-Umweltminister (2005-2010) ein großes Sicherheitsrisiko für Mensch und Tier dar. (Stichwort: Trinkwasserkontamination an der Ruhr, u.a. durch PFT, siehe wikipedia, aber auch: https://web.archive.org/web/20161024170535/http://www.derwesten.de/politik/eine-teure-justizposse-im-hause-uhlenberg-id9027.html)

Große Hunde sind oft selbstbewusst, weil Artgenossen und Menschen Respekt vor ihnen haben. Unser großer Hund verschafft sich gerne bellend Gehör, aber er beißt nicht. Freki rennt keine Passanten um, sondern macht einen Bogen um Menschen, die er nicht kennt.

Freki, geboren am 3.3.2010 in Vettweiß, Hundesteuer-Identifikationsnummer 17924, Heimtierausweis-Nr. DE 05 1121584, Alphanumerischer Transponder-Code (Chip) Nr. 276 097202029575, ist ein fälschungssicherer Hund und…

sanftmütig

wie Båtsman.

Doch dicke Hunde

schupsen kleine Kinder um

Bum

Kleine Hunde müssen nicht beim Ordnungsamt angemeldet werden. Dabei richten gerade die kurz geratenen, mit spitzen Zähnen ausgestatteten, respektlosen Kläffer oftmals erheblichen Sachschaden an.

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Diesen Sitzplatz für Menschen hat der Kölner Boston-Terrier Henri (Name geändert) auf dem Gewissen (wenn er eines hat). 

Hunde unterstützen uns Menschen als Hüte-, Blinden- und Therapiehunde. Hunde mögen uns, Hunde muntern uns auf. Hunde lassen uns im Lockdown Luft schnappen, sie machen die Maßnahmen erträglicher, denn sie versüßen uns die offiziell erlaubte Wanderung. Hunde setzen, weil sie ausgeführt werden müssen, die nächtliche Ausgangssperre außer Kraft.

Überhaupt sind Hunde wunderbare Lockdown-Begleiter. Dass der überhand nehmende Versandhandel Papiermüll-Probleme erzeugt, hat auch Freki erkannt. Es hat ihn auf eine gute Idee gebracht: Pappkartons zerlegt er neuerdings so, dass sie in der Blauen Tonne deutlich weniger Platz einnehmen.

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Mit elf Jahren hat Freki schon ein paar Zähne verloren, aber das stört ihn kaum. 

Corona-Elfchen: Schöne Aussicht (Bellevue)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist mir nicht unsympathisch. Beeindruckt war ich (wie viele andere Menschen auch), als Steinmeier im Jahr 2010 seiner schwerkranken Ehefrau Elke Büdenbender eine Niere gespendet hat. Er ist, wie es scheint, ein eher sanftmütiger Mann, der in der Öffentlichkeit nicht über die Stränge schlägt, ganz anders als etwa Markus Söder (Bayern) oder Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen), zwei Ministerpräsidenten, mit denen neuerdings der Donald durchgeht.

Ich denke da insbesondere an Laschets berühmt gewordenen autoritären „Weihnachtssatz“. Ende November hatte er in der „Welt am Sonntag“ gesagt: „Es wird wohl das härteste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben.“ Laschet, so lese ich bei wikipedia, wurde als Student Mitglied der katholischen Studentenverbindungen KDStV Aenania München und KDStV Ripuaria Bonn. Beide Verbindungen, denen ausschließlich Männer beitreten können, sind autoritär strukturiert. Zwar sind diese Männerbünde ausdrücklich „nichtschlagend“, doch wie wir wissen, können auch und gerade Worte verletzen. Verbale Schmisse sitzen tief – und die Narben sind unsichtbar.

Später hat Laschet nach öffentlicher Kritik den Satz „relativiert“. Im ZDF-„heute-journal“ sagte er: „Natürlich ist es auf Lesbos schlimmer und natürlich ist es in Afrika in Elendsvierteln schlimmer. Das ist ja alles wahr. Aber die Botschaft ist: Dieses Weihnachten wird anders sein als alle Weihnachten, wie wir sie kennen. Es wird Verzicht bedeuten.“ Höre ich da eine klammheimliche Freude durch?

„Verzicht“ war auch eine Botschaft der diesjährigen Weihnachtsansprache von Bundespräsident Hans-Walter Steinmeier. Ich gucke mir die Rede, gehalten am 1. Weihnachtstag, ein paar Tage später im Internet an. Diesmal, im Corona-Jahr, wirkt Steinmeiers Auftritt im Schloss Bellevue fast surreal.

Ausstattung und Bühne sind betont schlicht: Steinmeier hält die Rede im Stehen, er trägt ein weißes Hemd, einen schwarzen Anzug, eine graugemusterte Krawatte, am Revers die Anstecknadel des Großen Bundesverdienstkreuzes. Die Brille ist mattrandig, das Puder reichlich dick aufgetragen. Nur das Brillenglas glänzt (der Zuschauer achte auf den weißen, sich auf dem Brillenglas hin- und herbewegenden Punkt). Die Fahne mit übergroßem Bundesadler ist nicht gehisst, sondern fungiert am rechten Bühnenrand als eine Art Vorhang. Der Baum, eine Tanne, ist einfach dekoriert. Rote Kugeln an roten Bändern, weiße Kerzen in einfachen Kerzenhaltern. Ein Kronleuchter im Hintergrund, einziges Luxusstück, ist ebenfalls mit weißen (echten?) Kerzen bestückt.

Hier wird nicht geprotzt, so will man uns sagen. Auf Schloss Bellevue ist alles anders als in Washington D.C., wo die luxus- und dekorationsverliebte First Lady Melania einmal unzählige Weihnachtsbäume bringen ließ, um das Weiße Haus in einen leuchtenden Nadelwald zu verwandeln. Nein, hier sind neben dem Wachpersonal viele fleißige ungenannte Helferinnen und Helfer am Werk, die den Bundesfundus, da alles ordentlich gelistet ist, gut kennen, und die ganz genau wissen, in welcher Kiste sie die alten, vielfach benutzten Strohsterne finden, die alle Jahre wieder den wichtigsten deutschen Tannenbaum schmücken und der ganzen zugeschalteten Welt zeigen, wie redlich, wie ehrlich, wie tüchtig und bescheiden wir Deutsche doch sind.

Steinmeier sagt, dass sich in der Krise gezeigt habe, „wie viel wir doch miteinander bewegen können“. Was und wen er mit „miteinander“ meint, ist mir nicht ganz klar. Steinmeier redet in einem schnurrenden, einlullenden Ton. Der Mann hat keine Mimik. Ziemlich steif steht er da. Überhaupt ist die Szenerie unbeweglich. Befindet sich Steinmeier vor einer Fototapete? Doch jetzt…. flackert eine Kerze, dann zwei, dann… Irgendwo in Bellevue muss jemand ein Fenster geöffnet haben, um stoßzulüften und das Virus zu vertreiben…

Denn das Virus hat keinen Respekt vor der Macht und schon gar nicht vor älteren mächtigen Männern. Und es kennt, wie eine angstvolle Angela Merkel schon zu Ostern gesagt hat, keine Feiertage. Doch ihre Angst ist, so denke ich, eigentlich weniger eine Angst vor dem Virus als eine Angst vor dem Verlust von Privilegien und Macht, eine Angst vor der Klimakatastrophe und der Weltwirtschaftskrise.

Angela Merkels bieder-spitzfindige Personifizierung des Virus‘, das keine Feiertage kennt, hat der allzeit abwehrbereite Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, der aktuelle Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes und Präsident des CPME in Brüssel, Talkshow-Dauergast Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, in der TALKSHOW „MAYBRIT ILLNER“ aufgegriffen und weiter zugespitzt: „Das Virus kennt kein Weihnachten, keinen Ramadan und kein Chanukka, es kennt nur Opfer.“

Ich könnte jetzt darüber schreiben, wie politische Propaganda funktioniert, wie versucht wird, Menschen zu entmündigen und -insbesondere durch Text und Bild- zu manipulieren, aber ich verschiebe es auf später und werfe meinen Blick zurück nach Bellevue…

Das Fenster scheint wieder geschlossen zu sein, das Virus vertrieben, denn alles ist still. Unheimlich still, unwirklich still, windstill….. Hier in Bellevue spürest du kaum einen Hauch…

Im

Schloss ist

Ruh‘. Still brennen

die Kerzen, schweige auch

du

Ausblick:

Die Lage ist ernst, doch dank Impfung nicht hoffnungslos, wie uns Frank-Walter Steinmeier mit ernster, versteinerter Miene in seiner Weihnachtsansprache erzählte.

Doch ein paar Tage nach Weihnachten wurde es rund um Schloss Bellevue richtig neckisch und lustig. Ein PR-Berater muss zu Steinmeier gesagt haben: „Frank-Walter, in deiner Rede gab es einen Mangel an Wärme. Wir müssen das „Wir-Gefühl“ stärken. Erinnerst du dich an den alarmierenden Satz, den du vor zwei Wochen gesagt hast?“

Steinmeier zuckt die Achseln: „Wie war der noch, der Satz?“

Der PR-Berater klärt Steinmeier auf. „Dein Satz lautete: Die Lage ist bitterernst.“

Steinmeier reckt den Daumen und lacht: „Guter Satz, oder?“

Jetzt lacht auch der PR-Berater: „Frank-Walter, so gefällst du mir schon viel besser. Aber jetzt, wo die Impfung beginnt und das neue Jahr vor der Tür steht, brauchen wir gute Laune für alle. Hast du vielleicht eine Werbeidee? Vielleicht könnte man sich direkt an die Menschen wenden. Auf keinen Fall per Twitter, da bringen dich die Leute mit dem Trump in Verbindung. Frank-Walter, wie wär’s mit Instagram?“

„Ja“, sagt Steinmeier. „So können wir auch Oma und Opa dazu ermuntern, sich endlich ein Smartphone zu kaufen.“

Der PR-Berater runzelt die Stirn: „Die Großeltern haben mittlerweile fast alle ein Smartphone, aber die gucken nur Enkelkinderfotos. Das ist das Problem. Oma will nur die WhatsApp und sonst keine. Das muss anders werden. Aber ich hab da eine Idee. Wir könnten es so machen wie der 1.FC Köln. Im Frühjahr, als der Kölner Zoo wegen Corona geschlossen wurde und der FC pausieren musste, da ist doch der Hennes zum ersten Mal Vater geworden.“

„Welcher Hennes?“, fragt Steinmeier. „Meinst du den Geißbock, der nach dem Hennes Weisweiler benannt ist, das Maskottchen vom FC? Aber warum ist der Hennes Vater geworden?“

„Das Problem ist“, sagt der PR-Berater, „dass die Fans den Kontakt zum Verein verlieren, wenn der FC nicht spielt. Der Hennes ist ja bei den Heimspielen dabei. Aber der lebt im Kölner Zoo.“ Kichert: „Im Kleinen Geißbockheim.“ Dass der Hennes Vater wurde, und der Hennes wollte, und zwar mit der Inge, das war eine super Werbe-Idee von der Stadt Köln und vom FC. Frank-Walter, wir haben kein Königshaus mit süßen Kleinkindern. Wir brauchen ein Tier.“

Und was las ich ein paar Tage später auf zeit.de?

„…. Berlin (dpa/bb) – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sucht einen Namen für einen Fuchs, der regelmäßig durch den Park seines Amtssitzes Schloss Bellevue in Berlin streift. «Dürfen wir vorstellen? Der heimliche «Schlossherr» von Bellevue, dem es im Park des Berliner Amtssitzes sichtlich gut gefällt», schrieb Steinmeier am Montag auf seiner Instagram-Seite. «Eine Namenstaufe ist schon länger fällig, daher unsere Frage an Sie: Wie soll unser Schlossfuchs heißen?» Aus allen Vorschlägen werde Steinmeier einen Namen auswählen, hieß es weiter…“

Man wendet sich hier nicht an Grundschulkinder, was ja ganz lustig wäre. Nein, der Adressat, das sind wir, die Bürger und Bürgerinnen der Bundesrepublik Deutschland. Wir sind das Volk, das selig verblöden soll.

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Dieses hübsche Weihnachts-Rotkehlchen hat mir meine Tochter aus Durham/UK mitgebracht. Carla, 21, die in Heidelberg Psychologie studiert, verbringt dort ein Erasmus-Jahr. Angesichts des Brexits wird sie zu den letzten „Studierenden“ gehören, die (in England) noch in den Genuss des klassischen Stipendiums kommen. Den Robin hat Carla im Handgepäck transportiert. Im Flugzeug waren auf dem KLM-Flug von Newcastle (Risikogebiet) nach Amsterdam (Risikogebiet) am 4.12. fast alle Plätze besetzt, die Passagiere saßen dicht bei dicht und hatten unvermeidlichen, aber lukrativen Körperkontakt. Als der Snack (Zitronenkuchen), der inklusive war, gereicht wurde, nahmen fast alle die Gesichtsbedeckungen ab. Das mutierte Virus, so habe ich mir sagen lassen, mag Kuchen. Solange der Rubel rollt bzw. das Pfund oder der Euro, kräht da kein Hahn nach, sage ich in Anspielung auf einen ganz anderen Vogel. 

Elfchen im Zwölften: Morgen, Oma, wird’s was geben…

Digitaler Stolperstein: Voller Entsetzen über die Brutalität politisch legitimierter medizinischer „Maßnahmen“ erinnere ich mich in tiefer Trauer an meine nie gekannte liebe Großmutter Stephania („Steffi“), geboren am 19.3.1898 in Ludgierzowitz/Hultschin, tschechisch Ludgerovice, polnisch Ludgierzowice, aufgewachsen in Bottrop/Ruhrgebiet. Katholikin, Mutter von fünf Kindern. Diagnose: „manisch-depressiv“. „Verstorben“ am 13. Dezember 1933 auf der psychiatrischen Station eines Essener Krankenhauses, elf Tage vor dem christlichen Familienfest Weihnachten. Offizielle Todesursache: „Kopfgrippe“

Ergänzung 6/2022: Genauer hab ich die Geschichte meiner Großmutter Steffi in einem Blogbeitrag vom 13.12.2021 beschrieben. https://stellwerk60.com/2021/12/13/13-12-2021-digitaler-stolperstein-zur-erinnerung-an-meine-grossmutter-steffi/

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Morgen, Oma, wird’s was geben, morgen werden wir…

… Uns

freu’n, einmal

werden wir noch

wach, heißa, dann ist

Impfungstach!

Vielleicht werden in deutschen Altenheimen demnächst Lieder wie dieses erklingen, dann nämlich, wenn sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines mobilen Impfteams angekündigt haben, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heimes sowie Bewohnerinnen und Bewohner gegen Corona zu impfen. Dass ärztliches Personal in die Einrichtungen kam um zu impfen, damals gegen die Pneumokokken, hatten wir im Frühjahr 2020 schon einmal.

Ich zitiere (inklusive „Corona-Elfchen“) aus meinem Blog-Beitrag „Zweites Corona-Elfchen: Coronoia… War es nicht fahrlässig von Angela Merkel, sich in Erwartung des Höhepunkts der Krise noch gegen Pneumokokken impfen zu lassen?“ vom 27. März:

„… Eine Epidemie aufgrund eines unerforschten Erregers ist oft schon vorbei, bevor ein verlässlicher Impfstoff entwickelt ist. Oder sie ist weniger dramatisch, als man uns vormacht. Den sogenannten Experten, die das Gegenteil behaupten, können und dürfen wir nicht vertrauen.

Vor allem alte Menschen sind der ärztlichen Willkür schutzlos ausgeliefert. So hörte ich gestern von einer Zwangsmaßnahme in einem Seniorenheim. Mit dem schlichten Satz „Wir tun euch was Gutes“ kamen Mitarbeiter einer Gesundheitsbehörde zu den alten Menschen, um sie gegen Pneumokokken zu impfen. Niemand hat sich dagegen gewehrt. Die alten Menschen waren froh, überhaupt Zuwendung zu erfahren.

Ich musste an das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ denken: „… So klopfte jemand an die Hausthür und rief: Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von Euch etwas mitgebracht…“

In

Traurigen Zeiten

trägt der Böse

Wolf einen weißen Kittel

Coronoia*

Die treffende Wort-Neuschöpfung  „Coronia“ fand ich heute Nacht auf der klugen Internetseite des Münchener Kinderarztes Dr. Steffen Rabe: https://www.impf-info.de/82-coronoia/314-coronoia.html …“

Obwohl ich über 60 Jahre alt bin, würde ich mich niemals gegen Corona impfen lassen. Ich habe keine Angst vor Corona, denn ich vertraue auf mein starkes Immunsystem. Mir muss niemand attestieren, dass ich gesund bin. Ich meide Arztpraxen, habe aber leider keine guten Zähne. Deshalb muss ich (Generation Betthupferl) öfter, als mir lieb ist, zum Zahnarzt.

Über die Kinderkrankheiten, die ich hatte, möchte ich an anderer Stelle schreiben. So ist meine bisherige Krankheiten-Lebensgeschichte schnell erzählt: Vor sechsunddreißig Jahren hatte ich meine letzte und einzige Blasenentzündung, vor 41 Jahren meine letzte und einzige Mandelentzündung. Vor sechs Wochen hatte ich nach dem Zurückschneiden unserer Buchenhecke meine bislang einzige Bindehautentzündung, die ich auf Hinweis meiner Tochter mit Schwarzem Tee „therapiert“ hab. Ich bin im Winter zwei- bis dreimal erkältet, aber nicht schwer. In aller Regel läuft mir nur die Nase, die allerdings sehr. Vermutlich hatte ich schon unzählige andere Krankheiten, bin aber nicht zum Arzt gegangen. Mitmenschen, die es nicht gut mit mir meinen, sagen: „Warte, balde… erwischt es dich auch.“

Ich schütze mich gegen Kälte und Regen, ernähre mich gut, trinke Kaffee und Rotwein, esse nur selten Fertiggerichte, aber täglich frischen Salat. Ich verzehre weder Hormone noch Vitamine noch Nahrungsergänzungsmittel. Ich mag zwar Vollmilchschokolade, aber keinen Kuchen, was mein Mann immer bedauert hat. Ich vertrage fast alles, nur keine Chemie. Auf synthetische Süßstoffe reagiere ich mit Bauchkrämpfen und Durchfall. Nachdem ich mit der oben erwähnten Mandelentzündung zum Arzt gegangen bin, wo man mir ein Antibiotikum verschrieb, hatte ich eine schwere Penicillin-Allergie. Mein Kopf war furchterregend „elefantös“, und meine Ohren waren so dick angeschwollen, dass sie sich nicht mehr zusammendrücken ließen. Ich weiß noch, wie ich vor dem Spiegel stand – und heulen und lachen musste.

Ich habe im ganzen Leben so viele Tabletten zu mir genommen wie andere Menschen an einem einzigen Tag schlucken müssen. Mit achtzehn habe ich (zum Glück nur) drei Monate DIE PILLE genommen, einen Medikamentenrest, den meine Mutter, damals (1976) schon 51, noch in der Schublade hatte.

Wohlgemerkt: Ich bin keine Hardlinerin, was Impfungen angeht. Wenn eine Krankheit die Menschen in Not bringt, hat der Staat, sofern es einen zuverlässigen und sicheren Impfstoff gibt, die Pflicht, die Menschen zu impfen. Ich, Jahrgang 1958 wie Ursula von der Leyen, habe es noch miterlebt: Unter dem pfiffigen Motto „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“ sind alle westdeutschen Kinder in den 1960er Jahren in der Schule gegen Polio geimpft worden. Was weniger bekannt ist: Die Massenimpfung haben wir dem Kalten Krieg zu verdanken. Nachdem in der DDR im Jahr 1961 die erste Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff eingeführt wurde, der in den USA entwickelt, aber in der UdSSR produziert worden war, stand die Bundesrepublik Deutschland massiv unter Druck.

Anders als zur Tetanusimpfung, bei der wir eine Spritze bekamen, was wir (nicht zu Unrecht) als Überrumpelung empfanden, sind wir Kinder gerne zur Polio-Impfung gegangen. Das Stück Zucker wurde uns anders als die Hostie nicht auf die Zunge gelegt. Wir nahmen es in die Hand und steckten es uns selber in den Mund (zumindest war es in Bottrop so). Es fühlte sich so an, als würden wir uns selber impfen.

Vieles spricht gegen die Corona-Impfung. Zum einen glaube ich, dass die Impfung nicht nur die Abwehr-, sondern auch die Selbstheilungskräfte blockiert. In meinem Fall hieße das, die Impfung würde eine leidlich gesunde, optimistische, wenn auch ältere Menschen-Frau, deren Körper sich schon oft selber geheilt hat, zu einer bedürftigen machen.

Zum anderen weiß niemand, ob die Impfung nicht eventuell schwere Nebenwirkungen auslöst, die erst nach Jahren auftreten können. So ist insbesondere die Massen-Impfung riskant, denn die gefährdet uns alle. Ich zitiere aus meinem Blog-Beitrag „Der ideale Patient – Plädoyer für die Abschaffung des Präpkurses“ vom 19.10.2019:

„…. Richtig dramatisch wird es, wenn eine „neue“ Krankheit auftaucht. Während der Schweinegrippen-Krise 2009 sind die Gesundheitsorganisationen weltweit in Panik geraten. Auch die deutsche Gesundheitspolitik hat damals die Besinnung verloren. Trotz vielfacher Warnungen wurden gigantische Mengen des ungeprüften Impfstoffes Pandemrix geordert. „Die Bundesländer hatten 34 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix vom Pharmakonzern Glaxosmithkline abgenommen und dafür circa 280 Millionen Euro bezahlt. Am Ende ließen sich während der bis dato größten Impfaktion aber erheblich weniger Menschen immunisieren als angenommen.“ https://www.aerzteblatt.de/archiv/115575/Schweinegrippe-Uebrig-gebliebene-Impfdosen-werden-vernichtet

Die Impfung wurde bundesweit empfohlen, aber von den Bürgern kaum angenommen. Gott sei Dank, denn die Impfung hatte und hat erhebliche Nebenwirkungen. Bis heute sind alleine in Deutschland mehr als hundert meist junge Menschen an Narkolepsie erkrankt (viele von ihnen erst nach Jahren!). Die Pandemie ist jedoch ausgeblieben, Pandemrix-Dosen im Wert von 20 Millionen Euro mussten vernichtet werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben damals eine unrühmliche Rolle gespielt, indem sie in Sondersendungen für die Impfung geworben haben. Was, muss man sich fragen, wird bei einer „echten“ Pandemie passieren?…“

Interessanterweise hat damals ausgerechnet Alexander Kekulé, den wir alle als Corona-Experten erleben, die Impfung mit Pandemrix empfohlen und gewiss viele Menschen dazu bewegt, sich impfen zu lassen: „Virotole Alexander Kekulé rät gesunden Erwachsenen zur Impfung – trotz auch von ihm geäußerter Kritik an dem von den Bundesländern bestellten Impfstoff. Die Nebenwirkungen seien nicht viel anders als zum Beispiel bei einer Tetanus-Impfung, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle im Deutschlandradio.

Erstmals gebe es die Chance, „so eine Influenza-Welle wirklich durch eine Impfung zu begrenzen“, meinte er. Auch er selbst werde sich impfen lassen, mit Pandemrix. Bevor er allerdings seine drei kleinen Kinder impfen lasse, werde er „warten was sich noch tut in den nächsten Wochen“. https://www.sueddeutsche.de/politik/schweinegrippe-aufregung-um-zwei-klassen-impfung-1.36055#

Eine fahrlässige Empfehlung, wie wir erleben sollten. Wir können, so müssen wir folgern, auch den Empfehlungen der anerkannten Virologen nicht vertrauen. Hinzu kommt, dass es sich bei der Corona-Impfung um eine „komplett neue Impftechnologie“ handelt. Die Impfstoffe sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Es werden keine („bösen“) Viren gespritzt, sondern „nur“ die genetischen Informationen. Allerdings muss gesagt werden, dass gerade genetische Informationen, in den menschlichen Körper gespritzt, d.h. in uns hinein losgelassen, letztendlich unberechenbar sind.

Ich habe meine Informationen über „mRNA-Impfstoffe“ aus dem einleitenden Trailer zur Hart aber fair– Talksendung „Operation Impfung: Ist sie gut, ist sie sicher, wer bekommt sie wann?“ am 30. November. https://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/videos/video-so-funktionieren-die-corona-impfstoffe-102.html

Leider war die Sendung selber nicht aufklärend, sondern eine Propagandasendung pro Impfung. Pflichtgemäß wurde zwar auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen, doch trug die vermeintliche Selbstkritik letztendlich nur zur Verschleierung bei. Dabei heißt es im Trailer wortwörtlich: „Sollten es diese Impfstoffe auf den Markt schaffen, wären es die ersten mRNA-Impfstoffe, die für den Menschen zugelassen werden.“ Offensichtlich will man nicht nur Geld scheffeln, sondern Wissenschafts-Geschichte schreiben, und genau das ist fatal. Korrekt hätten wir Fernseh-Zuschauer folgendermaßen aufgeklärt werden müssen: „Die Wissenschaftler/innen tun ihr Bestes, nur leider wissen sie schon längst nicht mehr, was sie da tun.“ Und noch etwas hätte diskutiert werden müssen: Ist es tatsächlich nötig, die Massen zu impfen? Initiiert man mit der groß angelegten Impfung nicht einen hochriskanten globalen Menschenversuch? Meiner Meinung nach sollte man, wenn überhaupt, nur Risikopatienten impfen.

Was ich völlig unannehmbar finde, ist das mediale Spiel mit Heilserwartungen. Monatelang lautete die zentrale Schlagzeile: Wann ist es soweit? Wir wurden süchtig gemacht auf eine Erlösung, die in diesem Fall als Impfspritze daherkommt.

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Spiegel-online: Verballhornung des berühmten Ausschnitts aus Michelangelos Fresko „Die Erschaffung Adams“, zu sehen an der Decke der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Die abgebildeten Hände sind die linke Hand von Adam (links unten) und die rechte von Gott (rechts oben). Auf dem originalen Fresko sind die Hände etwa auf einer Höhe. Keiner der beiden hält etwas in der Hand. Adam sitzt da in lässiger Pose, das Bein angewinkelt, den Arm aufgestützt.  Michelangelos Adam ist völlig relaxt – ganz anders als sein angespanntes Gegenüber: Michelangelos Gott. Ein vieldeutiges Fresko, das schon unzählige Male interpretiert worden ist. Hier jedoch (vgl. auch Spiegel-Titel Heft 44/20) wird ihm eine plumpe Eindeutigkeit übergestülpt. Die Grafik hat den Bild-Ausschnitt gedreht bzw. gekippt. Das fällt nicht auf, denn der computertechnisch hinzugekommene Riss im Putz, der aussieht, als käme ein Blitz vom Himmel, ist fast senkrecht. (Nebenbei bemerkt: Der Riss erinnert mich auch an die Setzrisse im Wandputz unseres Reihenhauses.) Eine geschickte optische Täuschung, denn aus veränderter Perspektive  scheint es, als hockte Adam völlig erschöpft auf dem Erdboden: Adam, ein Hänger, ein verlorener Junkie in Erwartung der erlösenden Heroindosis.

Wann ist es soweit? fragen kleine Kinder, die es nicht erwarten können, Geburtstag zu haben. Aber vor allem fragen sie es vor Weihnachten. Es ist so schön, dass an Weihnachten -so habe ich es als Kind empfunden- nicht nur man selber, sondern jeder Mensch Geburtstag hat.

Mein Mann und ich haben die gemeinsam verbrachte Vorweihnachtszeit immer sehr genossen, vor allem, als die Kinder noch klein waren. Wir haben gebastelt, gebacken, die Wohnung geschmückt. Unsere Kinder haben Adventskalender geliebt und -so aufgeregt sie auch waren- geduldig ein Türchen nach dem anderen geöffnet. Und sie haben die Tage gezählt bis zum Wiedersehen mit ihren Verwandten. Weihnachten ist das Fest der Gegenseitigkeit. Wir teilen uns festliche Mahlzeiten und tauschen Geschenke. In diesem Jahr fällt -amtlich verordnet- mit dem Verbot von Weihnachtsmärkten, Glühwein-Ständen und „Lebendigen Adventskalendern“ auch die kollektive gesellschaftliche Vorfreude aus. Die maßlosen „Maßnahmen“ sind nicht nur ein massiver Angriff auf unsere Freude, sondern auch auf unsere Vorfreude.

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Wann ist es endlich soweit? Diesen Adventskalender hat meine Tochter Carla im Jahr 2008 für uns Eltern gebastelt. Da war sie neun Jahre alt und gerade von Köln-Neuehrenfeld ins zwei Kilometer weit entfernte Nippes umgezogen. Ein Umzug ist für Kinder immer auch ein kleiner Heile-Welt-Untergang. Unsere Kinder mussten zum Glück nicht die Schulen wechseln. Überhaupt ist es für Kinder, die klare Orientierungen brauchen, wichtig, dass möglichst alles so bleibt, wie es ist. Im Jahr 2020 ist nichts mehr so, wie es war. Doch (nicht nur) Kinder brauchen, wie wir alle wissen, Rituale. Nachdem Halloween und die Feste zu  Sankt Martin und Nikolaus schon nicht wie gewohnt stattgefunden haben, gibt es auch Weihnachten nur in der Light-Version.

Aber die Frage Wann ist es soweit? ist älter als Weihnachten. Ursprünglich, so denke ich, wurde sie nicht einmal ausgesprochen. Eigentlich berührt die Frage nicht die Geburt Jesu Christi, sondern die Geburt eines jeden Menschen. Denn die Frage Wann ist es soweit? ist eine Frage an die schwangere Frau, die ein geheimes, weitgehend unbewusstes Wissen in sich trägt über die Entstehung des Menschen. Die Frau, die, um Leben zu geben, ihr Leben riskiert, flößte tiefen Respekt ein. Heute ist „der Mutterleib als öffentlicher Ort“ (Barbara Duden) wissenschaftlich „erforscht“, vermessen. Der ärztliche Blick ist zunehmend respektlos. Und an die Stelle der Frage Wann ist es soweit? tritt ein lapidares „Für wann bist du ausgerechnet?“

Bei der gnadenlosen Durchleuchtung des Mutterleibs hat man Gott allerdings ebenso wenig gefunden wie bei der Erforschung des Alls. Wie auch? Das Göttliche wäre nicht das Göttliche, ließe es sich wissenschaftlich aufspüren.

Doch bei der Rettung der Welt wird die Wissenschaft eine zentrale Rolle spielen. Es waren Wissenschaftler, die die Gefahr der Erderwärmung erkannten und das Ozonloch entdeckten. Aber es sind auch Wissenschaftler, die sich immer mehr erlauben, Gott zu spielen und über unser Leben, Gebären und Sterben zu entscheiden. Wir müssen miterleben, was die klügsten Köpfe des 20. Jahrhunderts – etwa der sprach- und gedankengewaltige Theodor W. Adorno („Dialektik der Aufklärung“) -vorhergesehen haben: Dass Aufklärung in ihr Gegenteil umschlägt.

Die Behauptung, dass all das, was wir derzeit erdulden müssen, zu unserem Wohl geschehe, ist eine sentimentale Anmaßung. Im Wikipedia-Beitrag zu Hybris fand ich ein treffendes Zitat: „Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“ (Karl Popper)

Traurig ist: Anders als im Frühjahr 2020 werden mittlerweile auch in Deutschland viele Todesopfer registriert, deren Tod „mit Corona in Zusammenhang“ gebracht wird. Auffällig ist, dass es die meisten Toten in Bayern gibt, insgesamt wurden hier seit Beginn der Aufzeichnungen 5483 Todesfälle gemeldet (nachgetragene Zahl vom 18.12.). Das sind deutlich mehr als im Bundesland NRW (5075 gemeldete Todesfälle am 18.12., Quelle: JHU CSSE COVID-19 Data), das mit knapp 18 Millionen Einwohnern nicht nur das bevölkerungsreichste Bundesland ist, sondern mit 526 Einwohnern je Quadratkilometer unter den Flächenstaaten auch der am dichtesten besiedelte. Zum Vergleich: In Bayern leben etwas mehr als 13 Millionen Menschen – aber nur 186 Einwohner pro Quadratkilometer. Dass ausgerechnet in Bayern, wo der autoritäre Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seit Beginn der Krise ohne Erbarmen den bundesweit härtesten Corona-Kurs fährt, besonders viele Menschen sterben mussten und müssen, lässt aufhorchen.

Dabei hatte man sich kürzlich noch mit einer hübschen Broschüre gefeiert. In der vom Bayerischen Innenministerium herausgegeben Schrift mit dem Titel „92 Tage Katastrophenfall: Corona-Pandemie in Bayern“ heißt es:

„Der Erfolg Bayerns bei der Bewältigung der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 fiel nicht vom Himmel. Er ist das Ergebnis deutlicher Führung mit klaren Strukturen, unendlicher Einsatzbereitschaft der vielen haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie der Bereitschaft der Menschen, zusammenzuhalten und Geduld zu haben.“ (JOACHIM HERRMANN, MdL, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration)

Natürlich dürfte es insbesondere Markus Söder nicht entgangen sein, dass die Zahl der Menschen, deren Tod mit einer Corona-Infektion im Zusammenhang gebracht wird, in Bayern extrem hoch ist. Doch anstatt sich endlich zu mäßigen, hat er mit noch größerer Härte reagiert. Auf einer Sondersitzung am 6. Dezember hat Ministerpräsident Markus Söder erneut für ganz Bayern den Katastrophenfall ausgerufen, der am 9. Dezember in Kraft getreten ist und vorerst bis zum 5. Januar 2021 gelten soll. Das ist meines Erachtens vollkommen unverantwortlich. Etwas ist was faul im Freistaat Bayern.

Leider ist der kernige Markus Söder über Bayern hinaus tonangebend. Am 13. Dezember werde ich in den kommenden Jahren nicht nur an den gewaltsamen Tod meiner Großmutter Steffi denken, sondern auch an den totalen Lockdown, der heute, am 13. Dezember 2020, über ganz Deutschland verhängt wurde.