Halsbandsittiche sind gesellige und friedliebende Vögel. An den Futterstellen in unserem Garten dulden sie sogar kleinere Singvögel.
Welche Tiere die Papageienvögel nicht dulden, das sind die Katzen. Zwar wissen die pflanzenfressenden Halsbandsittiche, dass Katzen an Erdnüssen und Sonnenblumenkernen nicht interessiert sind. Aber sie wissen auch, dass Katzen selten ohne Hintergedanken durch die Gärten streifen. Satte Hauskatzen jagen nicht, weil sie Hunger haben, aber gerade das macht sie unheimlich. Wenn sie sich anschleichen, können sie sich Zeit lassen. Diese wohlgenährte Arroganz macht den Halsbandsittichen Angst. Sie leben noch nicht lange in unseren Breiten. In ihren Alpträumen wimmelt es von Raubkatzen.
Im Herbst -es war im Monat Oktober- hörte ich eines Morgens vom Garten her lautes Papageien-Gekreische. Ein Blick in den Garten sagte mir, was los war: Mitten auf der Wiese lag eine blond/weiß getigerte Katze auf der Lauer. Sie hatte es auf eine Maus abgesehen, die unter dem Futterspender den Boden nach Futter absuchte, winzigen Erdnussstückchen, die den Papageien, die die Nüsse nicht komplett schlucken, sondern zermalmen, aus den Schnäbeln gefallen waren.
Ich riss die Terrassentür auf und rannte (auch wenn man mein Rennen kaum noch so nennen kann) auf die Katze zu, die sofort die Flucht ergriff. Während ich laut schrie, flogen die Papageien kreischend hinter der fliehenden Katze her. Es fühlte sich verdammt gut an, eine Verbündete dieser wunderschönen, freiheits- und friedensliebenden Papageienvögel zu sein.
Ach,
ihr immergrünen
Lieben, habt mit
mir zusammen den Tiger
vertrieben!
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Auch unter Halsbandsittichen geht es mitunter ruppig zu, allerdings nur im Frühjahr und Sommer, wenn sich die Tiere fortpflanzen und die Weibchen die Männchen in ihre natürlichen Schranken verweisen. https://stellwerk60.com/2023/05/31/elfchen-im-fuenften-weisheit-der-halsbandsittich-weibchen/ Im Winter wirkt das Zusammensein von Weibchen und Männchen ausgesprochen harmonisch. Auch wenn es im Sommer nicht so scheint: Halsbandsittiche leben in stabilen, heterosexuellen Paarbeziehungen. Zwar erlauben sich die Vögel Seitensprünge, aber sie wissen nur zu genau: Treue dient der Arterhaltung.
Szenen einer Papageien-Ehe wie diese (Vertreibung des Männchens vom Futterplatz) sind im Winter passé:
Im Winter ist das Männchen (vorne) gleichberechtigt…
Schnäbel-Spiele in winterlicher Abenddämmerung:
Menschen können Papageien beibringen, „Ich liebe dich“ zu krächzen, aber ich habe den Satz noch nie aus dem Schnabel eines freiheitsliebenden, wild lebenden Halsbandsittichs gehört.
Wild lebende Halsbandsittiche werden etwa 20 Jahre alt, aber im Käfig gehaltene können bis zu 50 Jahre alt werden. Und sollten die Halsbandsittiche auch über die Gefangenschaft als lebensverlängernde Maßnahme informiert sein: Kein Papagei würde selbst im Winter ein Leben in der Wohnstube einem Leben in Freiheit vorziehen.
Zur Erinnerung an meine Großmutter Steffi veröffentliche ich an dieser Stelle ein viertes Mal nach 2020, 2021 und 2022 einen digitalen Stolperstein.
Digitaler Stolperstein:Voller Entsetzen über die Brutalität politisch legitimierter medizinischer “Maßnahmen” erinnere ich mich in tiefer Trauer an meine nie gekannte liebe Großmutter Stephania (“Steffi”) Wilczok geb. Tkaczik, geboren am 19.3.1898 in Ludgierzowitz/Hultschin, tschechisch Ludgerovice, polnisch Ludgierzowice, aufgewachsen in Bottrop/Ruhrgebiet. Katholikin, Mutter von fünf Kindern. Diagnose: “manisch-depressiv”. “Verstorben” am 13. Dezember 1933 auf der psychiatrischen Station eines Essener Krankenhauses, elf Tage vor dem christlichen Familienfest Weihnachten. Offizielle Todesursache: “Kopfgrippe”
Die kalte, rationale Bevölkerungspolitik der Nationalsozialisten zielte auf die totale Beherrschung der Menschen, ihrer Körper und ihrer Seelen. Das konnte nur gelingen, indem man in den Schutzraum Familie eindrang und Schwangerschaft und Geburt zur Sache des Staates machte. Die Mutter-Kind-Intimität musste reguliert und die Mutterliebe verstaatlicht werden. Dabei spielten die Nazis ein perfides Doppelspiel. Während man die „erbgesunde“ Mutterschaft sentimental verklärte, trieb man die „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ systematisch voran. Nur „erbgesunde Frauen“ sollten Kinder zur Welt bringen, gesunde, wehrtaugliche Söhne, Nachschub für Hitlers Wehrmacht.
Das Mutterkreuz, mit dem Frauen ausgezeichnet wurden, die vier und mehr Kinder bekamen, war Teil der NS-Kriegspropaganda. Am 16.12.1938, kurz vor dem letzten „Friedens-Weihnachten“, hatte Adolf Hitler den Orden publikumswirksam gestiftet, nicht zufällig knapp neun Monate (!) vor dem Überfall der Deutschen Wehrmacht auf Polen am 1.9.1939 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Mit pathetischen Worten bedankte sich Hitler bei den Müttern, die sich geehrt fühlten und noch nicht ahnten, dass die Nazis sie zwingen würden, ihre Söhne zu opfern: „Als sichtbares Zeichen des Dankes des Deutschen Volkes an kinderreiche Mütter stifte ich das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter.“
Meine psychisch kranke Großmutter Steffi ist schon im Jahr der „Machtergreifung“ getötet worden, kurz bevor am 1. Januar 1934 das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ in Kraft trat. Dass „erbkranke Mütter“ schon im Jahr 1933 in der Nazi-Psychiatrie umgebracht wurden, mögen selbst kritische Historiker kaum glauben, aber es ist anzunehmen, dass einzelne psychisch schwer gestörte Mediziner der infernalischen Versuchung nicht widerstehen konnten und bereits im Vorfeldprobegehandelt haben. Das Gesetz aus dem Jahr 1933 „erlaubte“ zwar „nur“ die Sterilisation und nicht die Tötung psychisch kranker Menschen, aber es hat -so kann man im Nachhinein sagen- die Hemmschwelle herabgesetzt und den Weg zur Euthanasie geebnet.
Im Oktober 1939, als die Nazis längst mit der Massentötung behinderter Kinder begonnen hatten, erließ Hitler die Anordnung zur Ausrottung „lebensunwerten Lebens“, die auch zur Ermordung erwachsener Patienten aufrief und in die Aktion T4 mündete, bei der rund 70.000 Menschen ermordet wurden. „Insgesamt sterben im Rahmen der Krankenmorde rund 200.000 Menschen.“ https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Euthanasie-Die-Rassenhygiene-der-Nationalsozialisten,euthanasie100.html Der Auftrag zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ war der einzige, den Hitler je persönlich unterzeichnet hat. Offenbar war ihm die Vernichtung psychisch kranker und behinderter Menschen eine, wenn nicht die Herzensangelegenheit.
Wann mein Großvater Karl seine Kinder über die „Ursache“ des Todes ihrer Mutter aufgeklärt hat, ist mir nicht bekannt. Ich denke, dass er, um seine Kinder zu schützen, ihnen lange Zeit die Wahrheit verschwiegen hat. Glücklicherweise hatte die Familie mitfühlende nahe Verwandte und wurde nach Kräften unterstützt. Gut aufgehoben waren die Geschwister auch in der Kirchengemeinde von St.Joseph in Bottrop-Batenbrock, wo mein Vater Ernst von 1932 bis 1941 Messdiener war.
St. Joseph in Bottrop verbinden viele Menschen mit dem Namen Bernhard Poether. Poether war im April 1939 als Priester nach St. Joseph gekommen, einer Gemeinde im Bottroper Stadtteil Batenbrock, wo viele Bergarbeiterfamilien lebten. In Krakau hatte er Polnisch und Russisch gelernt, so dass er sich mit den polnisch-stämmigen Menschen in ihrer Muttersprache verständigen und Seelsorge leisten konnte. Allerdings war die Polenseelsorge (wie die bedingungslose Menschenliebe überhaupt) den Nazis ein Dorn im Auge. „Die NS-Propaganda forcierte ab Frühjahr 1939 die in großen Teilen der deutschen Bevölkerung vorhandenen antipolnischen Ressentiments. Im August 1939 berichteten Zeitungen und Rundfunk fast täglich über angebliche polnische Grenzverletzungen und Gewaltakte an der in Polen lebenden deutschen Minderheit. Der Überfall auf Polen sollte so als „gerechte Strafaktion“ für die Provokationen erscheinen.“ https://www.dhm.de/lemo/kapitel/der-zweite-weltkrieg/kriegsverlauf/ueberfall-auf-polen-1939.html Doch die Gewalttakte von Polen gegenüber Deutschen waren erfunden, eine infame Schuldzuweisung und folgenreiche Propaganda-Lüge.
Am 1. September 1939 wurde mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs die Polenseelsorge verboten. Als sich Bernhard Poether dennoch weigerte, die Polenseelsorge zu unterlassen und weiterhin polnischen Christen die Beichte abnahm, wurde er als „Staatsfeind“ verhaftet. Man brachte ihn nach seiner „Untersuchungshaft“ im Bottroper Gefängnis „erst in das KZ SachsenhausenWP und 1941 ins KZ DachauWP, in das zu dieser Zeit alle inhaftierten Priester verlegt wurden. Hier starb Bernhard Poether an den Folgen körperlicher Misshandlungen und Hunger im August 1942.“ https://wiki.muenster.org/index.php/Bernhard_Poether
Bernhard Poether setzte sich auch für festgenommene polnische Katholiken ein. „ ‚Im Gefängnis habe Poether freikommen können‘, sagt Ewald Spieker. ‚Man hat ihn damals gefragt: Wenn sie einem von zwei Menschen helfen könnten, wem würden Sie helfen, dem Polen oder dem Deutschen?‘ Seine Antwort zeugt von großer Unerschrockenheit und Stärke: ‚Ich würde dem helfen, der die Hilfe am nötigsten braucht.'“https://www.ikz-online.de/staedte/bottrop/er-starb-weil-er-den-polen-beistand-id9844791.html
St. Joseph in Bottrop. Mein Großvater Karl, der als Bergmann auf der Bottroper Zeche Prosper III arbeitete, hatte nur an einem Sonntag im Monat frei. Es war für ihn kaum erträglich, dass er nach dem Tod seiner Frau nur selten die Möglichkeit hatte, gemeinsam mit den Kindern die Sonntagsmesse zu besuchen.