Elfchen im Fünften: Stell dir vor, es ist Massenimpfung…

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HAIG, REAGAN, SCHMIDT – BEKRIEGT EUCH DOCH ZU DRITT…

Diese Parole hatten wir am Vorabend der großen Friedensdemonstration am 10.10.1981 in unserer Kölner WG-Wohnküche kreiert. 250.000 bis 300.000 Menschen demonstrierten damals im Bonner Hofgarten für Abrüstung, ein atomwaffenfreies Europa und insbesondere gegen den NATO-Doppelbeschluss, die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Europa. Vgl.: https://stellwerk60.com/2022/03/17/haig-reagan-schmidt-bekriegt-euch-doch-zu-dritt-friedensdemo-bonn-1981-verspaetete-gedanken-zum-internationalen-frauentag/

Inspiriert war unsere pazifistische Parole von einer berühmten anderen, die der Hamburger Designer Johannes Hartmann in diesem friedensbewegten Jahr 1981 bekannt gemacht hatte, zunächst als Graffiti, dann als Plakat: „Stell Dir vor, es ist Krieg, und Keiner geht hin.“ Viele Menschen schienen auf diese Parole gewartet zu haben, denn sie spiegelte unser pazifistisch-freiheitliches Lebensgefühl. https://www.spiegel.de/geschichte/graffiti-stell-dir-vor-es-ist-krieg-und-keiner-geht-hin-a-1062067.html

Die Berichterstattung war unaufgeregt und solidarisch. Wir hatten -heutzutage unvorstellbar- die „Tagesschau“ hinter uns, obwohl wir die US-amerikanische Kriegspolitik scharf kritisierten. Der gesellschaftliche Konsens war breit gefächert. Unterstützt von 1000 politischen und kirchlichen Organisationen, hatten die Aktion Sühnezeichen und die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden zur Kundgebung aufgerufen. Zu den Rednern gehörten das SPD-Präsidiumsmitglied Eppler, das FDP-Vorstandsmitglied Baum, der vom Ausschluss aus der CSU bedrohte Friedensforscher Mechtersheimer und der Schriftsteller Heinrich Böll. https://www.youtube.com/watch?v=ULo-QOPKYQs

Wir waren jung, hatten Vertrauen in die Politik und fühlten uns durch das „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“ vor staatlicher Willkür geschützt. Autoritäre Macht-Politiker wie der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) und sein bayerischer Amts-Kollege Franz-Josef Strauss (CSU), die gut in die grobschlächtige, gereizte Politik der Jetztzeit passen würden, waren damals die Ausnahme. Trotz des Wissens um die Zerstörungskraft von Atombomben hatten wir die Kraft, spielerisch mit der Bedrohung umzugehen.

Wenn man uns geweissagt hätte, dass zwanzig Jahre später Frauen nicht nur im Musikkorps oder Sanitätsdienst, sondern in den Streitkräften der Bundeswehr Stellung beziehen würden, hätten wir das nicht glauben mögen. Und wenn man uns dann noch erzählt hätte, dass ausgerechnet Ernst Albrechts ehrgeizige Tochter Ursula von der Leyen (CDU) im Jahr 2013 Bundesverteidigungsministerin werden und sich für die Versorgung schwangerer Soldatinnen mit Umstands-Uniformen stark machen würde, hätten wir auf dem Boden gelegen vor Lachen.

In der Umstands-Uniform spiegelt sich von der Leyens Traum vom adretten Krieg. Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Genau dieses Lachen, gespeist aus Lebensfreude, Phantasie, einem gesunden, ungeimpften Menschenverstand und politischer Intuition, sollte uns 40 Jahre später mit aller Macht ausgetrieben werden. Denn die politische Obrigkeit würde -mit den Mitteln von Manipulation und Propaganda- von unseren Körpern und unserem Denken in nie gekannter Weise Besitz ergreifen. Corona-Maßnahmen und Massenimpfung waren -ich muss es leider immer wieder sagen- ein Angriff auf Menschenwürde und körperliche Unversehrtheit unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes.

Im März 2024 hielt der Psychologe Dr. Dirk V. Seeling im Rahmen einer Veranstaltung zum Thema Pandemie-Vertrag einen Vortrag „über Kognitive Kriegsführung und wie wir unsere Eigenständigkeit bewahren.“ Machtmissbrauch erleben wir nicht nur in Diktaturen, sondern zunehmend auch in Demokratien. Funktionieren kann das nur mithilfe von Manipulation und Propaganda. Manipulation gelingt dann, wenn Angst erzeugt wird und die Menschen dazu gebracht werden, einer Autorität blind zu vertrauen und sich ihr bedingungslos unterzuordnen. Mithilfe von Experimenten, an denen neben Psychologen immer auch Ärzte beteiligt waren, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem in den USA kontinuierlich weiter erforscht, wie man Menschen „umpolen“ kann.

Aber es bleibt Grund zur Hoffnung: Etwa 10% aller erwachsenen (!) Menschen sind manipulationsresistent. Dirk Seeling beschreibt verschiedene sozialpsychologische Experimente, die in den 1960er und 70er Jahren in den USA durchgeführt wurden, etwa das Milgram-Experiment (1961) oder das Stanford-Prison-Experiment (1971). Zwar bezeugen diese Experimente, wie leicht Menschen verbogen werden und sogar dazu gebracht werden können, sich gegenüber Mitmenschen brutal zu verhalten, doch in jedem Experiment, so betonte Dirk Seeling, gibt es diese 10% Menschen, die sich nicht manipulieren lassen.

Eben diese 10%, die den blinden Gehorsam verweigern, sind unter Umständen der „Sand im Getriebe“, dann nämlich, wenn sie den Mächtigen bzw. denen, die sich die Macht angemaßt haben, mit einem NEIN zur Unterwerfung den Spiegel vorhalten. Während der Corona-„Pandemie“ haben wir erlebt, wie zahlreiche Menschen trotz permanenter Androhung harter Sanktionen die Impfung verweigerten und sich selber treu blieben. Stell dir vor…

Stell

dir vor,

es ist Massenimpfung

und 10% geh’n nicht

hin.

Als im November 2021 bekannt wurde, dass sich mit Omikron eine zwar hoch ansteckende, aber deutlich harmlosere Corona-Variante entwickelt hatte, wurden die die politisch und medizinisch Verantwortlichen hochnervös und standen mit dem Rücken zur Wand. Mit klarem Verstand betrachtet, waren die völlig überzogenen Corona-Maßnahmen und die Massenimpfung nicht mehr zu rechtfertigen. Darüber hinaus sollte sich sehr bald herausstellen, dass die Corona-Impfung angesichts der neuen Variante nicht nur praktisch wirkungslos war, sondern die zum Glück seltener gewordenen schwereren Fälle keinesfalls verhindern konnte. „Schon im Januar 2022 zeigte der RKI-Wochenbericht, dass von den dort erfassten 30.914 mit Omikron erkrankten Erwachsenen 83 Prozent geimpft und darunter 26 Prozent sogar geboostert waren. Im Krankenhaus behandelt wurden 72 Prozent Geimpfte. Und unter den gerade mal 20 Omikron-Intensivpatienten lag die Geimpften-Quote bei 68 Prozent.https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/corona-impfung-wirkung-kritik-ungeimpfte-100.html

„Es war eine Frau, die Anfang November 2021 als erste Medizinerin auf die neue Variante und die mit der neuen Variante einhergehenden deutlich leichteren, die Lunge verschonenden Krankheitsverläufe aufmerksam gemacht hatte: Die Allgemeinmedizinerin und Vorsitzende der South African Medical Association (SAMA), Angelique Coetzee… Anfang 2022 erzählt Angelique Coetzee in einem Interview, dass man ihr verboten habe, die Wahrheit zu sagen. „Angesicht des milderen Verlaufs hätten Regierungen „definitiv überreagiert“, meint Coetzee … im Interview mit WELT. Doch zunächst sollte die Nachricht der leichteren Krankheit gar nicht in den Umlauf gelangen. „Mir wurde gesagt, ich solle öffentlich nicht erklären, dass es eine milde Erkrankung sei. Ich wurde gebeten, von derartigen Äußerungen Abstand zu nehmen und zu sagen, es sei eine ernste Erkrankung. Das habe ich abgelehnt.“ https://www.merkur.de/welt/omikron-entdeckerin-corona-variante-afrika-milder-leichterer-verlauf-zr-91341362.html Vgl.: https://stellwerk60.com/2022/11/30/dopp-elfchen-im-elften-kinder-die-was-wollen/

Menschenfreundliche, das Leben liebende Gesundheitspolitiker (♀︎+♂︎) hätten angesichts der Entwicklung einer harmloseren Variante Jubelsprünge gemacht. Doch das Gegenteil war der Fall. Anstatt mit Freude und Erleichterung reagierte die Politik mit Panik, Aggressivität und blindem Aktionismus.

Im Jahr 1944 schrieb der junge Karl Marx einen aus heutiger Sicht beinahe prophetisch anmutenden Satz: „Man muß diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, daß man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!“ ( Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung, 1844)

Als die „10%“ der versteinerten Gesundheitspolitik „ihre eigne Melodie“ vorsangen, ihr den Spiegel vorhielten, indem sie sich nicht impfen ließen, zwangen sie nicht nur die „Verhältnisse“ zum Tanzen, sondern einzelne Akteure, die nicht willens waren, von ihrem einmal eingeschlagenen Kurs, der ihnen einen gewaltigen Machtzuwachs beschert hatte, abzurücken. Entsprechend war der Tanz der Mächtigen nicht heiter, sondern verzerrt und verkrampft. Eine tragikomisch verdrehte, völlig verunglückte Polit-Pirouette legte der designierte Kanzler Olaf Scholz aufs Parkett. Er „vergaß sein Wahlversprechen, dass es keine Impfpflicht geben werde, und kreierte stattdessen eine Drohung, die er -psychologisch clever- auch noch als Geschenk verpackte, als ein neues „Versprechen“, ein sogenanntes „Impfpflichtversprechen“. (Stellwerk60, s.o.)

Dem „Impfpflichtversprechen“ vorausgegangen war eine primitive Nacht- und Nebelaktion. Ohne dass man die Bevölkerung informierte, wurde Ende November 2021 das Versprechen, dass es keine gesetzliche Impfpflicht geben werde, nach einem knappen Jahr von der offiziellen Seite der Bundesregierung verbannt. (Hinweis: Berliner Zeitung)

Dem damaligen Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, passierte in der ARD-Talkshow Anne Will am 7.11.2021 eine sprachliche Entgleisung, die zugleich Zweifel an seiner Kompetenz als Arzt aufkommen lässt. „Momentan“, so Montgomery, „erleben wir ja wirklich eine Tyrannei der Ungeimpften, die über das Zweidrittel der Geimpften bestimmen und uns diese ganzen Maßnahmen aufoktroyieren“.

Hier wird -sehr plump- die Wahrheit verdreht. Denn es waren eben nicht die „Ungeimpften“, die der Gesellschaft „diese ganzen Maßnahmen“ aufoktroyierten, sondern -genau umgekehrt- die gesundheitspolitisch Verantwortlichen, die auf unverantwortliche Weise von Beginn der „Pandemie“ an überreagiert hatten. Aufgegriffen wurde die autoritäre Schuldzuweisung u. a. von der zackigen Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), deren kerniges Jawoll! zu Montgomery am 15.11 von der WELT zitiert wurde: „Ungeimpfte dürfen nicht als Minderheit die Mehrheit terrorisieren.“ (welt.de, s.u.)

Doch Montgomery dämonisiert nicht nur „die Ungeimpften“, sondern das zwar hoch ansteckende, aber vergleichsweise harmlose Virus. Anstatt erfreut und erleichtert zu sein, warnt er Ende November 2021 in vermeintlich großer Sorge „vor der Entstehung gefährlicher Varianten des Coronavirus. „Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.“ https://www.welt.de/gesundheit/article235318166/Frank-Ulrich-Montgomery-fordert-bundesweites-Verbot-fuer-Weihnachtsmaerkte.htmlDie neue südafrikanische Variante B.1.1.529 sei ein gutes Beispiel dafür, dass man dem Virus keine Chance zur Mutation geben dürfe. Um weitere Varianten zu verhindern, werde es nötig sein, die Welt noch jahrelang zu impfen, sagte Montgomery…“

Ein katastrophaler und folgenreicher Denkfehler! Denn hat nicht gerade die Entwicklung der südafrikanischen Variante B.1.1.529  gezeigt, dass es ein Segen war, dass das Virus die Chance hatte zu mutieren? Besonnene Virologen hatten schon in frühen Zeiten der Corona-„Pandemie“ vorausgesagt, dass sich das Virus mit der Zeit abschwächen würde. Plastisch erklärt es Anfang 2021 die Journalistin Ulrike Gebhardt, die sich an den Vortrag einer Professorin für Virologie erinnert: „Viren würden es in ihrer evolutionären Entwicklung darauf „anlegen“, mit ihrem Wirt in ein ausgeglichenes Verhältnis zu kommen. Ein Verhältnis, in dem sich das Virus zwar optimal ausbreiten könne, dem Wirt jedoch möglichst wenig geschadet würde. Daran, dass der Wirt stirbt oder schwer erkrankt auf einer Isolierstation liegt, kann dem Virus nicht gelegen sein. Denn: Tote oder Isolierte sind aus seiner Sicht eine Sackgasse, die Infektionskette bricht ab.“ https://www.riffreporter.de/de/wissen/sars-cov-2-mutation-wird-das-virus-endemisch-und-harmloser-werden Ein hoffnungsvoller Gedanke, der sich mit Aufkommen der Omikron-Variante dann ja auch tatsächlich bewahrheiten sollte.

So schlug das Virus, als es mutierte und „freundlicher“ wurde, der aggressiven Impfpolitik („Impfen, Impfen, Impfen!“) ein Schnippchen. Denn die harmlose Omikron-Variante entwickelte sich eben nicht in Ländern mit hoher Infektions- und Impfrate, sondern dort, wo es deutlich weniger Infektionen gab und auch deutlich weniger geimpft wurde, in verschiedenen afrikanischen Ländern. „Die Omikron-Variante des Coronavirus Sars-CoV-2 ist wohl anders als bislang angenommen schrittweise über mehrere Monate in verschiedenen Ländern Afrikas entstanden. Forschende haben herausgefunden, dass es schon deutlich vor dem ersten Nachweis von Omikron in Südafrika vor einem Jahr Omikron-Vorläufer auf dem afrikanischen Kontinent gab. Das geht aus einer im Fachmagazin „Science“ veröffentlichten Studie eines internationalen Forscherteams hervor, an der neben zahlreichen afrikanischen Forschenden auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin beteiligt waren.“ https://www.forschung-und-lehre.de/forschung/wie-omikron-entstanden-ist-5223 Dass die Variante, die die Wende brachte, sich dort entwickeln konnte, wo -wie schon Charles Darwin vermutet hatte- die Ursprünge der Menschheit liegen, ist… ein Wunder!

Frank Ulrich Montgomerys Prophezeiung, dass, um weitere Varianten zu verhindern, es nötig sein werde, die Welt noch jahrelang zu impfen, ist nicht nur beschränkt, sondern auch Ausdruck ärztlichen Größenwahns. Glücklicherweise hat sich Montgomerys Allmachtsphantasie nicht durchgesetzt und wird sich hoffentlich niemals durchsetzen. Denn das Vorhaben einer totalen Impfung ist nicht nur unklug, sondern in aller Regel kontraproduktiv, was die Abschwächung eines Virus (und die friedliche Koexistenz von Mensch und Virus) angeht.

In den afrikanischen Ländern, die hier, was irreführend ist, leider tiefrot statt schwachrosa eingefärbt sind, ist -zu unser aller Glück- nur zurückhaltend geimpft worden.

„Sach mal, Lisa, raucht der Ranga Yogeshwar eigentlich immer noch?“ – Eine Begegnung mit der Frau Keuner

„Kuckuck“, sacht meine Nachbarin, die Frau Keuner.

„Ruhe“, sach ich nur. „Ich kann nich mehr, ich… komm nich mehr hoch!“

„Wat turnt sonne Olle wie du auch auf’m Fußboden rum?“

Eigentlich wollte ich nur eingelegte Artischocken umtauschen, weil ich letzte Tage aus Versehen zwei Gläser mit Trüffeln gekauft hab. Aber jetzt knie ich mitten im Aldi auf dem Boden, denn in einem der Regale hab ich im untersten Fach noch Artischocken entdeckt, ganz hinten, ich krieche ins Regal hinein, aber die sind alle mit Trüffeln… Ich muss an die Frau Keuner denken, die sich kaum noch bücken kann, da steht die auf einmal hinter mir. Die hält sich am Gehwagen fest, aber die steht.

Jetzt lacht die auch noch. „Wat bisse so kniepig, Lisa? Aldi hat neuerdings Bio-Artischocken im Sortiment. Die kosten einen Euro mehr, aber sowat von lecker, schön mild, wenig Salz, stehen umme Ecke auf Augenhöhe. Die du gekauft hast, sind ja aus der Gourmet-Serie. Nur weil da Gourmet draufsteht, denkst du natürlich gleich, dat da Feinkost drin is. Ich sach dir, Lisa, Trüffeln locken nicht nur Schweine an. So stellst du dir das Luxusleben vor: Austern, Trüffeln, Kaviar… Und Influencerin in Katar.“

„Ruhe“, sage ich. „Ich hab vergessen, wie’s geht.“

„Hochkommen?“ Die Frau Keuner grinst. „Wenn man jung ist, geht alles wie von allein. Aber wenn du älter bist, wirst du morgens wach, entdeckst deine Hand und denkst: Is ja hübsch, aber wozu war dat Teil nochmal da? Ich meine, du bist ja auch über 70.“

„Nein! Bin ich nicht, noch lange nicht.“

„Dann eben nicht“, sagt die Frau Keuner. „Du kannst froh sein, dass hier heute morgen nicht viel los ist. Aber warum sprichst du nicht einen dieser netten Mitarbeiter an? Alten Menschen helfen die gerne. Dafür ist es jetzt natürlich zu spät. Mein Rat: Rein in den Vierfüßlerstand und paar Meter krabbeln. Schon mal was von der Gelassenheit der Fruchtfliegen gehört? Also, in deinem Rotweinglas schwimmt eine kleine Fliege, du willst sie nicht mittrinken, also holst du sie mit einem Löffelchen raus und setzt sie auf die Tischplatte. Das Tierchen muss noch trocken werden, dann krabbelt es los. Irgendwann fliegt es. So, Lisa, nimm dir ein Beispiel an der Fliege. Die lässt sich Zeit, dabei hat sie keine. So alt werden die Fliegen ja nicht. Du darfst jetzt keinen Dank von ihr erwarten, aber ich sach dir, es ist bestimmt kein Fehler, freundlich zu den Fruchtfliegen zu sein.“

Die Frau Keuner greift nach ihrem Smartphone, wendet sich kurz ab und nuschelt was von 112 und Notfall. Jetzt geht alles ganz schnell. Ich weiß nicht, wie ich auf die Beine komme, aber ich komme.

„Das war die Schock-Methode“, sagt die Frau Keuner. „Hömma, Lisa, pack das Selbstmitleid weg und setz dich zur Wehr. Das hier gibt einen schönen Blog-Beitrag. Du schreibst jetzt nämlich einen.“

„Nein?!“

„Doch… Sach mal, Lisa, raucht der Ranga Yogeshwar eigentlich immer noch?“

„Woher soll ich das wissen? Ich hab den Ranga Yogeshwar seit der Beerdigung meines Mannes nicht mehr gesehen. Das ist fast vier Jahre her.“ Musste die Frau Keuner so laut reden?

„Das war der Titel von dem Blogbeitrag, den du schreibst. Der komplette Titel lautet: Sach mal, Lisa, raucht der Ranga Yogeshwar eigentlich immer noch? Eine Begegnung mit meiner Nachbarin, der Frau Keuner.“ Ich schüttele nur langsam den Kopf.

„Da hört sich doch alles auf! Dass der Ranga Yogeshwar raucht, hast du mir vor ein paar Jahren selber erzählt. Unterbrich mich bitte, wenn was nicht stimmt. Also, dein verstorbener Mann hat mit dem Ranga zusammengearbeitet, und zwar bei der Ideen-Expo in Hannover, dein Mann war ja Geschäftsführer bei dieser Bonner Agentur für Wissenskommunikation. Der Ranga hat es genossen, eine Woche lang mit Leuten zusammen zu arbeiten, deren Visage niemand kennt, die mit dem Fernsehen nichts zu tun haben und auch nichts zu tun haben wollen. Dein Mann war ja intelligent, ein guter Zuhörer, aber nicht auf Konkurrenz aus. Genau der richtige Gesprächspartner für eine Plaudertasche wie Ranga Yogeshwar Und dann haben der Manni und der Ranga abends zusammen gesessen, geredet und geraucht.“

„Doch nur ein paar Zigaretten“, sage ich. „Frau Keuner, ich kann das nicht öffentlich machen, das ist Petzen. Ich mag den Ranga Yogeshwar gerne leiden. Ich war so froh, dass mein Mann endlich wieder jemanden hatte, mit dem er ab und zu rauchen konnte. Haben ja alle aufgehört.“

„Hömma, Lisa, das ist kein Petzen. Wenn ich Leuten erzählt hab, dass der Ranga Yogeshwar raucht, haben die sich immer gefreut. Die haben den Ranga auf einmal richtig gerne gehabt. Außerdem haben das vor elf Jahren schon zwei Kollegen öffentlich gemacht, zwei Wissenschaftsjournalisten. Da hast du mich doch drauf hingewiesen. Der Tweet ist leider mittlerweile gelöscht. Moment…“ Die Frau Keuner reicht mir ihr Smartphone.

Dieser Tweet war über zehn Jahre im Netz, bis er im Sommer 2023 gelöscht wurde.

Ich hatte ganz vergessen, dass ich der Frau Keuner mal das Beweis-Foto geschickt hatte, das sie natürlich überall rumgezeigt hat. Ich schnapp mir zwei Gläser eingelegte Tomaten mit Bärlauch, auch aus der Gourmet-Reihe und zum gleichen Preis. Damit bin ich schnell durch die Kasse. Ich muss hier weg, ich habe schon wieder dieses Rauschen im Kopf, es wird mir alles zu viel.

„Bis dann“, sage ich. „Bis bald, bis übermorgen im Golde Kappes.“

„Stop, Lisa, wir gehen zu zweit zur Kasse. Ich hab schon Plätze reserviert.“

„Anner Kasse?“

Frühjahr 2024, Supermarkt-Kasse im „Land der Dichter und Denker“

Am Rand vom Aldi-Parkplatz sind neben einem Kleinbus mit Düsseldorfer Kennzeichen in der benachbarten Parktasche fünf aufgeklappte Camping-Stühle aufgestellt, rundum eine Kühlbox, die gleichzeitig als Tisch dient. „Die Fahrerin, das ist Dr. phil. Bandura“, sagt die Frau Keuner. „Tiefenpsychologin. Die hat früher mit der Formel1 geliebäugelt. Heute klappert sie mit dem Bus die Supermarkt-Parkplätze ab, sammelt die Rentnerinnen ein, päppelt sie auf und bringt sie nach Hause. Wenn du ständig hörst, dass du zu einer vulnerablen Gruppe gehörst, von zig Krankheiten bedroht bist und knapp vorm Pflegefall, wenn du keine Sparbuch-Zinsen mehr kriegst, wenn du nicht mehr weißt, wie du die Stromrechnung bezahlen sollst oder für deine Beerdigung sparen, dann wirst du überhaupt erst vulnerabel, dann kriegst du wacklige Beine. Und wenn du dann einkaufen gehst und siehst, wie die Preise für Lebensmittel weiter steigen, weil wir alle genötigt sind, diesen irrwitzigen Krieg zu finanzieren, und wenn dann noch die Werbebeschallung dazukommt wie beim REWE in der Nohlstraße, wird dir schwindelig. Nach dem Umbau haben die die Einkaufswagen vor den Eingang verbannt. Den Einkaufswagen muss man jetzt einen Boden-Hubbel hochschieben. Und wenn die älteren Menschen wieder aus dem REWE rauskommen -falls sie wieder rauskommen-, müssen sie den Wagen mit aller Kraft festhalten, damit er nicht den Hubbel runter auf den Parkplatz rollt.“

„Ist mir auch schon passiert“, sage ich leise.

„Du musst nur aufpassen, dass nicht gerade in dem Moment ein PKW mit ukrainischem Kennzeichen vorbeikommt. Sonst bist du ganz schnell…“

„Putin- Versteherin?“, frage ich vorsichtig.

Die Frau Keuner grinst. „Tach, Dr. Bandura“, ruft sie und sagt leise zu mir: „Ich lass euch dann mal alleine.“

„Frau Keuner, Sie können mich doch jetzt nicht…!“

Dr. Bandura bietet mir einen Sitzplatz an, setzt sich zu mir und mustert mich. Sie ist gepflegt, kurz geschnittene graue Haare, blaues Blusenkleid unter dem Trenchcoat, blickdichte Strumpfhose, gut geputzte schwarze Schuhe. Dr. Bandura ist eine von denen, die sofort sehen, dass ich seit Jahren nicht mehr beim Friseur war und dass meine Bluse verschlissen ist. „Du bist also die Bloggerin Lisa“, sagt Dr. Bandura. „Gammelige Erscheinung, maulfaul, aber glasklar im Kopf. Sauintelligent. Messerscharfe Feder. Leider wurde dein Mitgliedsantrag abgelehnt.“

„Ich hab keinen Antrag gestellt“, sage ich nur, aber ich spüre, wie mir das Herz hüpft, denn es konnte sich bei der Gruppierung nur um die Köln-Düsseldorfer Selbsthilfegruppe handeln, Bekannte von der Frau Keuner, ungeimpfte bzw. zwangsgeimpfte Ü60er mit dem entsprechenden Galgenhumor. Ich wollte, ich musste dabei sein!

Dr. Bandura holt zwei Flaschen alkoholfreies Alt aus der Kühlbox und drückt mir eine davon in die Hand. „Du kannst dich bei uns entschuldigen, indem du den Blog-Beitrag schreibst. Du weißt schon.“

„Wofür soll ich mich denn entschuldigen?“

„Du hast Informationen, die für die Öffentlichkeit von Interesse sind, für dich behalten. Du hast verschwiegen, dass der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, der ja immerhin für das Gesundheitsministerium arbeitet, raucht bzw. geraucht hat.“

„Die paar Zigaretten.“

„Es geht um mehr als um ein paar Zigaretten.“

Dr. Bandura nimmt einen Schluck Bier und tupft sich mit einem Tüchlein den Mund ab. „Diese Info hat mich auf eine interessante Fährte geführt.“ Sie setzt die Flasche ab und reißt eine Tüte Chips auf: „Lass knacken, Lisa.“

„Danke, aber meine Hände sind…“

Dr. Bandura grinst. „Ich versteh, die Fußboden-Nummer.“ Sie lehnt sich im Campingstuhl zurück, trinkt und lässt knacken. Eine Weile schweigt sie. „Je länger ich mich mit der KI beschäftige“, sagt sie dann, „desto mehr liebe ich die gute, alte Suchmaschine. Die tut nicht so, als wüsste sie die Wahrheit. Ich habe der Suchmaschine eine Frage gestellt: Raucht Ranga Yogeshwar?“

„Und?“

„Nicht die eine richtige Antwort, aber 45.000 Einträge“, sagt Dr. Bandura. „Das nenne ich offene Kommunikation. Auf diesem Weg bin ich auf das Rauchernetzwerk gestoßen. Kennst du das Rauchernetzwerk?“ Ich schüttele den Kopf.

„Ausgesprochen scharfsinnige Autoren. In einem Beitrag vom 11.9.2018 erklären sie am Beispiel der Ekelaufdrucke auf den Zigarettenschachteln den Nocebo-Effekt. Lisa, was die schreiben, das übernimmst du bitte so in deinen Blog-Beitrag.“

„Weiß nicht, muss ich mir noch angucken.“

„Du kommst nur deiner Aufklärungspflicht nach“, sagt Dr. Bandura und reicht mir ihr Smartphone.

Der Nocebo-Effekt

„Wenn du weiterlesen anklickst, kommt etwas sehr Interessantes. Ich wiederhole: Wer weiß, wie viel Schaden die immer selbe Leier von den ach so bösen Gefahren des Rauchens in den letzten Jahren bereits angerichtet hat… Und jetzt kommt’s, Lisa. Was die Jungs vom Rauchernetzwerk nach 13 Jahren ausgegraben haben, das setzt du bitte fett markiert in deinen Blog-Beitrag. Also: Das sagte selbst die Wissenschaftssendung „Quarks & Co.“ (WDR, mit Ranga Yogeshwar). Auf deren Webseiten hieß es schon 2005, als reine Textbehauptungen und noch keine Bilder die Tabakschachteln verunstaltet haben: „Möglicherweise löst schon der Warnhinweis Krebs aus. […] Angesichts eines so massiven Noceboeffektes ist es fraglich, ob es wirklich heilsam ist, wenn […] auf Zigarettenpackungen Hinweise über die Risiken des Rauchens stehen. Möglicherweise wecken gerade diese kurzen Sätze in den Konsumenten die Erwartung, tatsächlich an Lungenkrebs zu erkranken. Und das macht die Entstehung eines solchen Krebsleidens möglicherweise nur noch wahrscheinlicher. Schließlich belegen Placebo- und Noceboeffekt, wie extrem wirkungsvoll positive und negative Erwartungen sein können.

„Klingt interessant“, sage ich nur.

„Interessant?“ Dr. Bandura grinst. „Das ist Aufklärung im besten Sinn. Im WDR hatte Aufklärung früher einmal einen hohen Stellenwert. Die scharfe Kritik an den Warnhinweisen auf den Zigarettenschachteln hat vermutlich jemand geschrieben, der als Raucher zu den Betroffenen gehört, vielleicht Yogeshwar höchstpersönlich. Was löst laut Quark& Co den Nocebo- Effekt aus? Eine Todesdrohung. Im Fall der Ekelaufdrucke lautet die unterschwellige Drohung: Wenn du nicht an Lungenkrebs sterben willst, hör auf zu rauchen. Und dann…“ Dr. Bandura trinkt noch einen Schluck.

„Und dann?“

„16 Jahre später, im Sommer 2021, als es längst die ersten Impfdurchbrüche gibt und das Vertrauen in die Impfung Brüche kriegt, ist es ausgerechnet Nocebo-Spezialist Ranga Yogeshwar, der noch einmal für die Corona-Impfung wirbt und sehr direkt eine Todesdrohung ausspricht: „Wenn du nicht an Covid-19 sterben möchtest, lass dich impfen!“ https://www.facebook.com/bmg.bund/videos/wenn-du-nicht-an-covid-19-sterben-m%C3%B6chtest-lass-dich-impfen-ranga-yogeshwar-erkl/541281913761767 Unser smarter Wissenschaftsjournalist setzt den Nocebo-Effekt ein, um die Menschen zur Impfung zu bewegen, aber die Leute bemerken es nicht… Veröffentliche bitte das, was ich sage, genau so in deinem Blog.“

„Das ist ein schwerer Vorwurf, das veröffentliche ich nicht.“

„Beruf dich auf mich“, sagt Dr. Bandura. „Außerdem sind das alles Fakten. Das Werbe-Filmchen mit der Todesdrohung steht nach fast drei Jahren genau so noch im Internet, auf der Facebook-Seite des Bundesministeriums für Gesundheit, und auf YouTube kann man sich das komplette Video angucken, dabei ist alles, was da behauptet wird und ohnehin nur eine Halbwahrheit war, wissenschaftlich längst überholt. Das ist Panikmache unter dem Deckmantel der Gesundheitsaufklärung.“

Die Frau Keuner hat ihre Runde gedreht und ist wieder zu uns gestoßen. Nimmt eine Flasche Kölsch aus der Kühlbox, setzt sich und prostet mir zu. „Sag mal, Lisa. Haben deine Eltern dir damals gedroht?“ Ich schüttele langsam den Kopf.

„Nie?“

„Nie.“

Die Frau Keuner grinst: „Deshalb ist nichts aus dir geworden. Sag mal, weinst du?“

„Wie süß“, sagt Dr. Bandura. „Menschen, die in der Kindheit nicht von den Eltern bedroht werden oder wurden, sind vom Aussterben bedroht. Lisa, du bist aufgenommen.“

Jetzt bricht es aus mir heraus: „Der Ranga Yogeshwar ist doch ein guter Mensch, er hat den Brief an Olaf Scholz mit verfasst und erstunterschrieben. Er hat sich schon vor Jahren gegen das Social Freezing ausgesprochen.“

Dr. Bandura seufzt. „Aber warum wird er nicht aktiv? Mit seinem Wissen, seiner Intelligenz und seinem Einfluss müsste er sich noch einmal klar und deutlich gegen Waffenlieferungen aussprechen und was gegen die Ekelaufdrucke auf den Zigarettenschachteln tun.“

„Was die Impfung angeht, macht er uns Todesangst“, sagt die Frau Keuner. „Er droht mit dem Tod.“

„Oh ja, er droht mit dem Tod“, wiederholt Dr. Bandura.

„Das tun doch andere auch“, sage ich schnell.

„Nur nicht so brillant“, sagt Dr. Bandura. „Man kennt sich, man hilft sich, hat schon Konrad Adenauer gesagt.“ Tippt auf ihrem Smartphone herum. „Kurz nach der Bundestags-Wahl 2021 empfiehlt sich Yogeshwars Freund Karl Lauterbach mit einer Todesdrohung für das Amt des Bundesgesundheitsministers. Ich zitiere aus dem Stern: ‚Lauterbach betonte erneut die Bedeutung von Impfungen. „Klar ist aber, dass die meisten Ungeimpften von heute bis dahin entweder geimpft, genesen oder leider verstorben sind, denn das Infektionsgeschehen mit schweren Verläufen betrifft vor allem Impfverweigerer“, sagte der SPD-Politiker.'“ https://www.stern.de/gesundheit/corona–karl-lauterbach-fuerchtet-tod-vieler-ungeimpfter-30876252.html

„Er droht mit dem Tod“, sagt die Frau Keuner.

„Das veröffentliche ich nicht“, sage ich. „Außerdem ist das keine Todesdrohung. Juristisch nicht“.

„Aber ethisch“, sagt Dr. Bandura. „Medizinethisch. Der Missbrauch des Nocebo-Effekts war übrigens schon im 19. Jahrhundert bekannt. Ich bin kürzlich auf einen gern zitierten Schlüsselsatz in der Gründungsschrift der ‚American Medical Association‘ von 1847 gestoßen: „Das Leben eines Patienten kann nicht nur durch die Handlungen eines Arztes verkürzt werden, sondern auch durch seine Worte oder sein Verhalten.“ Zitiert nach: https://www.aerzteblatt.de/archiv/62781/Arzt-Patienten-Kommunikation-Verbesserung-des-Heilerfolgs-durch-die-richtigen-Worte

„Da fehlt noch einer“, sagt die Frau Keuner.

Jens Spahn, damaliger Geschäftsführender Minister im Übergang. Er muss das Wort „Impfverweigerer“, das zwischen den Zeilen steht, nicht einmal mehr offen aussprechen…

„Jau, und dann bewahrheitete sich was anderes“, sagt Dr. Bandura. „Nicht Wenn du nicht an Covid-19 sterben möchtest, lass dich impfen!, sondern…“

Die Frau Keuner grinst. „Lass dich impfen, wenn du deinen Job nicht verlieren willst.“