„DAS IST SOOO DEUTSCH“: Unseres Heimatministeriums DOOOFE, teure und überflüssige Imagekampagne

Ich habe nie gewusst, warum das Innenministerium seit 2018 auch ein „Heimatministerium“ ist, aber jetzt weiß ich es. Wir Bürgerinnen und Bürger sollen endlich begreifen, was DEUTSCH ist. Das ist wichtig, denn im nächsten Jahr feiert Deutschland nicht nur Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag, sondern auch den 30. Jahrestag der Deutschen Einheit. Im Vorfeld der Feierlichkeiten hat daher das BMI, das „Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat“, eine aufwändige Imagekampagne gestartet.

Um uns Bürger daran zu erinnern, dass wir Bürger sind, wird eine rege Bürgerbeteiligung angestrebt: „Bürgerbegegnungen und -dialoge“ sollen durchgeführt, die Ergebnisse „wissenschaftlich aufbereitet und evaluiert“ und an die Bundespolitiker weitergegeben werden, allen voran Heimatminister Horst Seehofer.

Zur Einstimmung der Bürger werden derzeit bundesweit kommunale Werbeflächen mit aussagekräftigen Plakaten bestückt, und zeitgleich kann man sich auf You Tube kleine Videos ansehen. Doch wozu ist die Kampagne da, werden wir Bürgerinnen und Bürger eigentlich noch für voll genommen? Da muss ich leider NEIN sagen. Ziel der Kampagne ist vielmehr, uns Bürgern die Wiedervereinigung so, wie sie vonstatten gegangen ist, im Nachhinein schmackhaft zu machen. Vergessen werden soll, dass vieles, was eine tatsächliche Wiedervereinigung ausgemacht hätte, nicht hat stattfinden dürfen.

Am 3.10.1990 war die DDR der Bundesrepublik Deutschland beigetreten. Kritik am Beitritt, der auch als „Überrumpelung“ durch den Westen gesehen werden kann, hat es allerdings von Anfang an gegeben. Matthias Platzeck, Ministerpräsident von Brandenburg von 2002 bis 2013, hat im Jahr 2010 anlässlich der Feiern zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit an die kritische Haltung vieler Menschen in Ostdeutschland erinnert: „Wir wollten keinen Beitritt, wir wollten ein gleichberechtigtes Zusammengehen mit neuer Verfassung und neuer Hymne, wir wollten Symbole für einen echten Neuanfang. Durchgesetzt haben sich andere. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/feier-zum-20-jahrestag-der-einheit-de-maiziere-raeumt-maengel-im-einigungsvertrag-ein-a-714939.html

Eine neue gemeinsame Hymne hat es ebenso wenig gegeben wie eine neue gemeinsame Verfassung, obwohl das Grundgesetz ja eigentlich ein “Provisorium” war (vgl. Artikel 23 GG, alte Fassung), das im Falle einer Wiedervereinigung durch eine Verfassung hätte ersetzt werden sollen. Diese neue Verfassung war gedacht als das Ergebnis einer freien, demokratischen Entscheidung des deutschen Volkes gemäß Artikel 146 des Grundgesetzes: „Dieses Grundgesetz verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ (Artikel 146 GG, alte Fassung, gültig von 1949 bis 1990)

Der Ahoi-Affe heißt die Menschen aus dem deutschen Osten willkommen. Bei der Banane, die ihn über das Elb-Wasser trägt, handelt es sich um ein beliebtes Möbelstück, das auch im Kinderzimmer meiner Töchter nicht fehlen durfte. Kaum hatte mein Ostberliner Bekannter das Begrüßungsgeld von 100 DM in der Tasche, hieß es: Auf zu Ikea!

Ich habe mir im Internet die Bilder zu DAS IST SOOO DEUTSCH angeguckt. Hier werden -wenn auch mit der heutzutage üblichen Ironie- die dümmsten Klischees bedient. Das Deutschland-Bild ist so oberflächlich und abgedroschen wie die verkrampft gesamtdeutschen Begriffe, die zu Deutschland fallen und die so klingen, als wären sie einem Thekengespräch abgelauscht: Dackel, Elbsandstein, FKK, Trabi, Gartenzwerg, Fasching (?) usw. Meine lieben PR-Spezialisten, eure Ideen sind nichtssagend und armselig. Stellt euch vor, die Italiener würden ihr Land beschreiben und ihnen würde nichts anderes einfallen als Pizza, Pasta, Chianti, Dolce Vita, AC Milan, Mafia, Amore, Lago Maggiore...

Nebenbei gesagt: Man kriegt durch die Kampagne so wenig einen Eindruck von Deutschland wie man einen Eindruck von Köln kriegt, wenn man den Köln-Tatort anguckt. Köln, diese bunte Stadt, ein „Biotop für Bekloppte“ (Jürgen Becker), hätte unbedingt einen besseren Tatort verdient! Bitte, liebe Drehbuchschreiber, geht endlich in die Veedel, entdeckt die Vororte, entdeckt Nippes, redet mit den Menschen, lauscht, trinkt Kölsch, traut euch in die Kneipen, die Kioske, die Läden, redet und lasst euch was erzählen…

Zurück zu Horst Seehofers Imagekampagne. Durch dieses Dackel-Plakat an der Neusser Straße wurde ich überhaupt erst auf die Aktion aufmerksam:

Den Dackel als Werbeträger zu nehmen, ist naheliegend. Er ist im 19. Jahrhundert in Deutschland gezüchtet worden. Man hat kurzbeinige Hunde selektiert und bewusst miteinander verpaart. Ziel der Züchtung war ein pfiffiger Jagdhund, der dank der kurzen Beine in unterirdische Tierbauten eindringen konnte, weshalb der Dackel auch „Dachshund“ heißt. Was dem Heimatministerium entgangen sein muss: Der Dackel ist längst ausgewandert, und zwar nach Japan, wo es mit Abstand die meisten Dackel gibt – weltweit. Es heißt, der Dackel passe mit seinen kurzen Beinen gut in eine Kultur, wo die Menschen ihre Mahlzeiten immer noch gerne auf dem Boden hockend einnehmen. SOOO DEUTSCH ist der Dackel jedenfalls schon lange nicht mehr.

Angeblich stammt der BMI-Deutschland-Dackel aus Köln. Für’s Foto-Shooting im öffentlichen Raum dürfte das Heimatministerium allerdings eine Sondererlaubnis beantragt haben, denn das Kölner Ordnungsamt hat unlängst verkündet: „Wir sorgen für Hunde an der Leine. Ohne Ausnahme.“

U-Bahn-Station Florastraße, Anfang August.

Nimm mich…

Ich kaufe gerne bei Netto ein. Es gibt dort eine breite Auswahl an Bio-Artikeln, die sich nicht nur Besserverdienende leisten können, vor allem Obst, Gemüse und Milchprodukte. Die Basilikum-Pflanzen, die man dort günstig bekommt, sind nicht gerade erst eingetopft, sondern haben schon Wurzeln geschlagen.

Als ich letzte Woche Richtung Netto am Nippeser S-Bahnhof ging, lag ein verlockender Duft in der Luft. Schon bevor ich die Unterführung passierte, lief mir das Wasser im Mund zusammen. Und dann sah ich ihn: Einen Hühnerwagen. Anlässlich der Neueröffnung stand er vor dem Geschäft, und alle Kunden kriegten das Sonderangebot per Kassenbon ausgedruckt:  Halbe Hähnchen für 1,99€.

Was mein Wissen um den legalen Wahnsinn von Eintagsküken, Hühnerantibiotika und Kükenschreddern nie geschafft hat, das schaffte dieser Hühnerwagen: Mir ist der Appetit vergangen.

Nimm mich…

Weil ich mehr über die Herkunft der Hühner wissen wollte, fütterte ich Google mit den zwei Wörtern „Hertel“ und „Hühner“. Das Ergebnis war erstaunlich. Es gibt zwei erfolgreiche Familienunternehmen mit Namen Hertel, Hertel-West (Hühner) und Hertel-Ost (Volksmusik). Seit der Wende wird munter kooperiert. Was die Gier auf Fleisch und Ruhm betrifft, war Deutschland nie zweigeteilt.

Die Broiler-Brüderschaft

Für meinen Findelbruder Uli (11.8.1944 – 12.4.2019), der nichts so sehr hasste wie Dünkel und Scheinheiligkeit.

 

Zwischen Anfang der 1970er und Mitte der 1980er Jahre fuhr meine Mutter jedes Jahr für ein paar Tage in die DDR. In Leipzig lebte eine liebe Jugendfreundin, die aus dem Nachbarort Gladbeck stammte, Mia. Zur Zeit der Frühjahrsmesse kam man ohne bürokratischen Aufwand an ein Visum. Meine Mutter wäre nie alleine über die Grenze gefahren. Das Auto war immer voll: Schwestern, Freundinnen, Töchter. Einige Male war auch Uli (s.o.) dabei.

In ihren akkurat sitzenden, jauchefarbigen Uniformen waren die Grenzsoldaten zum Fürchten. Jedes Jahr fing meine Mutter (Jahrgang 1925) kurz vor dem Grenzübergang Bad Hersfeld an, allseits bekannte deutsche Volkslieder zu singen: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach…“ Einmal, es mag im Jahr 1979 gewesen sein, stellte sie uns den Grenzern lächelnd vor: „Wir sind eine Gesangsgruppe aus dem Ruhrgebiet, Die Heidelerchen.“ Meine Tanten sangen leise mit, aber von den Grenzern bekam meine Mutter keine Antwort. Ich war 20, schämte mich und hatte nicht begriffen, wie klug meine Mutter war.

Ich war jung und naiv und fand die DDR eher exotisch als bedrohlich. Den Hinweis, dass wir von der Stasi abgehört werden könnten, nahm ich nicht ernst. Wir Jungen hatten vor niemandem Angst, fühlten uns groß und stark, schmuggelten Biermann-Tonkassetten über die Grenze und dachten uns nichts dabei.

Ich genoss Mias Gastfreundschaft. Ich habe selten so lecker gegessen. Einmal gab es mein Leibgericht, Sauerbraten. Gutes Fleisch konnte man nicht einfach kaufen, das musste organisiert werden, und ohne Westgeld war Filet kaum zu haben.

Ich bin ich nie dazu gekommen, einmal einen echten Broiler zu probieren, das berühmte DDR- Grillhähnchen: Fleisch für alle. Für Broiler standen die Menschen Schlange. Es waren besonders kräftige Tiere, fast so dick, wie man sich die Max- und Moritz- Hühner vorstellt. Echte Broiler, so lese ich im Internet, sind mit 1,3 bis 1,8 Kilogramm schwerer als das übliche Grillhähnchen (1,2 Kilo).

Erstaunliches bringt der deutschsprachige Wikipedia – Beitrag zu „Broiler“ zutage: In den 1950er Jahren war es offenbar einer Bremer Firma gelungen, aus mehreren alten deutschen Rassen ein besonders fleischreiches Huhn zu züchten und an eine US-amerikanische Geflügelfirma zu verkaufen. Da der Bremer Hafen während der amerikanischen Besatzung Versorgungshafen war, gab es gute Handelskontakte.

Das dicke deutsche Huhn war für die US-Amerikaner ein gefundenes Fressen. Doch hatte man hier bereits andere Methoden entwickelt, das Huhn besonders fleischreich zu machen: Durch Antibiotika. Im Jahr 1948, so schreibt Kathrin Blawat in der SZ, „erkannte der US-Biologe Thomas Jukes, dass sich mit dem Antibiotikum Chlortetracyclin die Mast der Vögel beschleunigen ließ. Außerdem wurde es möglich, die Sonne durch synthetisch hergestelltes Vitamin D zu ersetzen.https://www.sueddeutsche.de/wissen/huehner-menschen-geschichte-1.4531934-2Vorbei waren die Zeiten, in denen Hühner unter freiem Himmel scharrten und pickten. Stattdessen zogen sie zu Tausenden zusammengepfercht in Ställe, bekamen Vitamine und Medikamente ins Futter gemischt und legten an Gewicht zu.“ (s.o.)

Zurück nach Europa: Nachdem Versuche der osteuropäischen Länder, ein fleischreiches Brathuhn zu züchten, gescheitert waren, beschloss der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe  Ende der 1950er Jahre, die Hühnerrasse von der US-amerikanischen Firma zu importieren. In Amerika hatte man dem Huhn, das allein darin seine Daseinsberechtigung hat, dass man es fressen wird, seinen klangvollen Namen verpasst: „Broiler“ ( engl. von to broil braten, grillen) Via Bulgarien verbreitete sich der Broiler dann im Ostblock.

Als das fleischige Huhn in den 1960er Jahren in der DDR ankam (und wie!), hielten viele „Broiler“ für ein deutsches Wort. „Broiler“ ist ein kräftiger Begriff, er reimt sich unrein auf das deutsche Wort „Keule“. „Keule“ bezeichnet zum einen den saftigen Hühnerschlegel, aber auch die Waffe, die bereits in der Steinzeit aus dem Oberschenkelknochen des mächtigen Auerochsen hergestellt wurde.

Der Broiler-Deal fällt in die Zeit des Kalten Kriegs. Die Welt wurde aufgeteilt in Ost und West. Mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki begann ein neuer Krieg, der Kalte Krieg, das atomare Wettrüsten, die wechselseitige Androhung eines Atomkriegs. In Ost und West hatte die Staatsführung aus Brechts Dreigroschenoper gelernt:Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Nur weil sie endlich genug (und lecker!) zu essen hatten, haben die Menschen den atomaren Wahnsinn ertragen. Füttert sie mit Fleisch, dann halten sie still.

Für mageres, fettarmes Hühnerfleisch waren die Deutschen kurz nach dem 2. Weltkrieg noch nicht zu haben. Anders als die sportiven US-Amerikaner brauchten sie Schweinefleisch, sie wollten Haxenfett schlürfen. Im zerbombten Deutschland mussten nicht nur die Städte und das Schienen- und Straßennetz wiederaufgebaut werden. Um die Menschen mit Fleisch zu versorgen, bemühte man sich um die Wiederauffrischung des Schweinebestands. Kein anderes Nutztier „erholt“ sich so schnell wie das Schwein.

 

Eine große Wiederaufbauleistung: In Sachsen verdreifacht sich zwischen 1945 und 1949 der Schweinebestand! Quelle: „Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft“

Die Menschen wollten nicht nur satt, sondern endlich wieder umfassend informiert, aber auch unterhalten werden: Erst kommt das Fressen, dann der Fernsehabend. Sowohl die DDR als auch die Bundesrepublik begannen 1952 mit der Ausstrahlung von Fernsehprogrammen. Sehr lesenswert: https://www1.wdr.de/archiv/rundfunkgeschichte/rundfunkgeschichte116.html

Die Nachkriegsjahre waren nicht nur düster. Die Menschen hatten zwar eine Diktatur und einen entsetzlichen Krieg erlebt, waren aber auch befreit worden. Zwar saßen viele Alt-Nazis schon bald wieder in leitenden Positionen, aber die Jungen brannten darauf, ihnen das Wohlleben nicht zu leicht zu machen.

Die Deutschen bekamen die große historische Chance, eine Demokratie zu gestalten, politisch und kulturell. Es gab noch den großen Unterschied zwischen Der Spiegel, gegründet 1947 von Rudolf Augstein, und Bild, herausgegeben seit 1952 von Axel Springer. In der jungen Demokratie waren viele Spiegel-Artikel politisch klug und voller Esprit:

Das Jahr 1964 ist ein besonderes Jahr. Sowohl in der BRD als auch in der DDR werden 1964 die meisten Kinder geboren. Auch die Wirtschaft boomt. Westdeutschland feiert das Wirtschaftswunder – und seinen „Schöpfer“ Ludwig Erhard. Von 1949 bis 1963 war Erhard Bundesminister für Wirtschaft, jetzt ist er Bundeskanzler. Erhard musste dick sein, einem dünnen, von Entbehrung gezeichneten Mann hätte man ein Wirtschaftswunder nicht abgenommen. Der muskulöse arische Idealköper, den die Nationalsozialisten propagiert hatten, war nach den Hungerjahren passé. Man sah Erhard an, dass es ihm schmeckte.

Ludwig Erhards Leibgericht war Pichelsteiner Eintopf – angeblich. Ob er nicht insgeheim doch lieber Delikatessen aß, wissen wir nicht. Offiziell war Erhard kein Gourmet. „Ludwig Erhard verschmähte Hummer und Kaviar, den Lufthansa-Chefstewardeß Christa Kathke anbot. Statt dessen wählte er Heringsfilet „Hausfrauenart“ als Vorspeise zur Brüsseler Poularde.“ Das berichtet  der Reporter Ernst Goyke 1964 in einem Spiegel-Artikel.

Ernst Goyke begleitet Ludwig Erhard auf seiner Flugreise in die Vereinigten Staaten. Hier findet die Amerika-Konferenz statt. Nur einen Tag vor dem Abflug, so Goyke, wurde im Bonner Bundestag die deutsche Parole verkündet, die sich rasch verbreitete: „Entspannung durch Wiedervereinigung“. Der Bundeskanzler, Autor des Buches „Wohlstand für alle“, isst das Menu für alle, aber fliegt Erster Klasse. Den Passagieren in der Zweiten Klasse stattet er dennoch gerne einen Besuch ab: „Als des Kanzlers Boeing 707 „Duisburg“ an der Südspitze Grönlands Kurs auf Neufundland nahm, machte Bonns Regierungschef einen Nachtischspaziergang durch den hinteren Teil der Kabine. Dort flog das Fußvolk: Sekretärinnen, Dolmetscher, Reporter und Polizisten.“ https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46173843.html

Dass sich durch Erhards Besuch in den USA die Weltlage nicht entspannte und bis zur Wiedervereinigung noch ein Vierteljahrhundert vergehen sollte, konnte man noch nicht wissen. Eines jedoch scheint gewiss: Auf der Amerika-Konferenz hat man Ludwig Erhard keinen Pichelsteiner Eintopf serviert. 

 

 

„Warte, warte nur ein Weilchen…“

In der westlichen Welt wird so viel Fleisch gefressen wie nie, aber es gibt nach wie vor Nahrungstabus. Mitteleuropäer schrecken immer noch davor zurück, Maden oder Schlangen zu essen.

Wenig zimperlich hingegen sind wir beim Verspeisen von Rindern, Schweinen, Hühnern und Schafen. Fleischfresser ekeln sich allenfalls vor dem Verzehr von Knorpel und Innereien. Doch was Verwurschtelung, Verpackung und Vermarktung essbarer Fleischteile angeht, sind der menschlichen Phantasie offenbar keinerlei Grenzen gesetzt.

Das gehört in Feldrucksäcke und Survival-Bags: Bio-Räucherfleischchips

Diese Chips-Pyramide aus Dosen mit garantiert nitritpökelsalzfreien Bio-Fleisch-Chips habe ich kürzlich im Nippeser Alnatura entdeckt: Irrwitzig!

Mich erinnern die frittierten Fleisch-Scheibchen an das gleichfalls in Scheiben geschnittene, keimfrei plastinierte Menschenfleisch in der Körperwelten-Ausstellung des skrupellosen Nihilisten Gunther von Hagens. Der Unterschied: Die Plastinate sind zwar unendlich haltbar, aber zum Verzehr nicht geeignet.