Am 28.2.2021 hatte die WDR-MAUS ein PR-Date mit dem Bundespräsidenten im prachtvollen Schloss Bellevue. Gesendet wurde der fünfminütige Film, der für Corona-Maßnahmen und Impfung wirbt, Anfang März in der beliebten deutschen Kinder- „Sendung mit der Maus“. Diesen Impf-Werbefilm, der insbesondere Kinder im Grundschulalter im Visier hat, finde ich mehr als nur fragwürdig.
Eine Impfung für uns alle – Heitere kleine Graphic Novel mit der MAUS, Ralph Caspers, Elke Büdenbender und Frank-Walter Steinmeier
Der Zufall will es, dass DIE MAUS im Corona-Jahr 2021 ihren 50. Geburtstag feiert. Die MAUS fährt in Begleitung von Quarks-Moderator Ralph Caspers von Köln nach Berlin und macht sich auf den Weg zu eben dem Mann, der ihr Ende 2019 den Maus-Verdienstorden verliehen hat.
Ankunft im Schloss. Das Ambiente ist schlicht gehalten: Der Jahreszeit entsprechend schmücken frische Tulpen den Gabentisch. Der Bundespräsident und seine Ehefrau sind -damit die kunterbunte Torte noch besser zur Geltung kommt- farbarm gekleidet. Im Hintergrund spielt Elke Büdenbender mit einem großen, orangefarbenen Luftballon. Lässig setzt Frank-Walter Steinmeier die riesige Torte auf dem Gabentisch ab. Die Kerzen auf der nicht zum Verzehr geeigneten Torte flackern starr. Sie sind ebenfalls aus Kunststoff, damit sich DIE MAUS nicht den Pelz versengt. Der Empfang ist herzlich.
Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender gratulieren der MAUS nicht nur zum Geburtstag, sondern sagen: „DANKE, liebe MAUS.“
Elke Büdenbender bedankt sich noch einmal gesondert bei der MAUS, denn Frank-Walter Steinmeier und sie haben zusammen mit ihrer Tochter DIE MAUS geschaut und viel dabei gelernt. Zum Beispiel weiß jetzt Elke Büdenbender, wie Eis am Stiel hergestellt wird. Dann läuft alles auf den Höhepunkt hinaus. Ralph Caspers liest eine Frage vor, die eine achtjährige Luisa gestellt hat: „Wie lange dauert Corona eigentlich noch?“
Die Maus bleibt stumm. Alle gucken auf Frank-Walter. Auch Elke Büdenbender schaut den Gatten fragend an. So ist es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Frage staatsmännisch beantwortet.
Nachdem wir erfahren haben, dass es wieder normaler wird, „je mehr und je schneller wir uns impfen und testen lassen“, bedanken sich Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender bei den Kindern, die vor dem Fernseher sitzen und zuschauen.
Nun aber heißt es Abschied nehmen. Ralph Caspers überreicht der MAUS die Torte. Vom Band kommt „Happy Birthday to You“. Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender wünschen der MAUS alles Gute.
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Die kleine Emily, neun Jahre alt, hat sich bei mir gemeldet. Ich hatte sie gebeten, sich das Video anzuschauen und mir zu sagen, wie sie es findet. Emily mag „Die Sendung mit der Maus“, findet aber diesen Film nur „geht so“. Doch ihr ist etwas aufgefallen. „Guck dir die MAUS an“, sagt Emily. „Der fehlt was.“
„Aber der MAUS fehlt doch nichts.“
Emily lacht: „Doch! Guck dir das Video an.“ Ich schaue mir das Video noch einmal genau an und vor allem die MAUS. Ihr Fell ist sauber, wie immer. Aber mir fällt nichts auf.
„Ich gebe dir einen Tip“, sagt Emily. „Fängt mit „Brrr“ an und hört mit „Osche“ auf.“
„Brosche?“, frage ich.
„Fast richtig“, sagt Emily. „Aber leider nur fast. Wie heißt nochmal diese Brosche für Männer?“
Ich schaue mir noch einmal das Video an und kapiere: Emily hat bemerkt, dass DIE MAUS den Maus-Verdienstorden, den Frank-Walter Steinmeier ihr Ende 2019 verliehen bzw. ans Fell geklebt hat, nicht trägt. Und das, obwohl der Präsident der Bundesrepublik Deutschland sie anlässlich ihres 50. Geburtstags persönlich empfängt. Und dabei wird von den Personen, die einen Verdienstorden verliehen bekommen haben, erwartet, dass sie den Orden bei offiziellen Anlässen auch tragen. Frank-Walter Steinmeier selber trägt übrigens, als er DIE MAUS empfängt, seinen Orden im Mini-Format am Revers. Zur Erinnerung an die Verleihung des Maus-Verdienstordens: https://stellwerk60.com/wp-admin/post.php?post=12583&action=edit;
4.12.2019:
Ein schwerer PR-Patzer, wie ich finde. Wenn man versucht -wie hier- Kinder für blöd zu verkaufen, dann sollte man bedenken, dass sie oft mehr sehen als wir.
Wohl kein Politiker versteht es so gut, Anteilnahme zu zeigen, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Kann dieser Mann eigentlich auch lachen? Aber ja, er kann. Am 17. Juli 2021, drei Tage nach der Hochwasser-Katastrophe, begleitete Frank-Walter Steinmeier den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet bei einer Reise in die betroffenen Gebiete. „In Erftstadt, einer Gemeinde im Rhein-Erft-Kreis, die es besonders schlimm getroffen hatte, hielt Steinmeier eine Rede, um den Menschen sein Mitgefühl auszudrücken und Hilfe zuzusichern. Wir wir wissen, schäkerte und lachte „Der Machtmenschliche“ (so der Titel der Laschet-Biografie) währenddessen im Hintergrund.“ (voriger Blog-Beitrag)
Weniger bekannt ist, dass wenig später Steinmeier und Laschet die Rollen wechselten. Laschet übernahm das Mikrofon, während Steinmeier endlich Pause hatte. Während der NRW-Ministerpräsident redete, scherzte im Hintergrund ein sichtlich entspannter Bundespräsident, der sich nicht bewusst machte, dass man ihn filmen könnte. https://www.youtube.com/watch?v=y_ktg6nhtng
Dass es sich bei der gut gestimmten Person um den Bundespräsidenten handelt, ist erschreckend. Schließlich repräsentiert Frank-Walter Steinmeier unser Land, die Bundesrepublik Deutschland. Öffentlich entschuldigt hat sich später meines Wissens nur Armin Laschet, und das wohl auch nur, weil man ihn darum gebeten hat.
Dass er aus der Rolle fällt, passiert Steinmeier nicht, wenn er in Schloss Bellevue ein „Heimspiel“ absolviert. Eines seiner Heimspiele, vielleicht sein Lieblingsspiel, ist die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Dieser Orden „ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung in Deutschland und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht.“ https://www.bundespraesident.de/DE/Amt-und-Aufgaben/Orden-und-Ehrungen/Verdienstorden/verdienstorden-node.html
Da die Verleihung nicht mit einer Geld-Prämie verbunden ist, können viele Personen den Orden erhalten, ohne dass es den Steuerzahler groß aufregt. Die allermeisten Verdienstkreuze -insgesamt sind es mehr als 1000 pro Jahr- werden übrigens nicht von Steinmeier persönlich, sondern im Namen des Präsidenten von Stellvertretern ausgeteilt. Aber die besonderen Orden, die für die besonders wichtigen Personen, die überreicht Frank-Walter Steinmeier persönlich – im Rahmen eines symbolischen Festakts im Hochsicherheitsflügel von Schloss Bellevue.
Im Rahmen eines solchen symbolischen Festakts sollte im April 2021 der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet werden. Kardinal Marx ist nicht nur ein hochrangiger Vertreter der systemrelevanten katholischen Kirche, sondern hatte schon im Januar 2021 lautstark für die Corona-Impfung geworben. https://www.katholisch.de/artikel/28339-kardinal-marx-laesst-sich-gegen-covid-19-impfen
Leider hatten es Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein Beraterteam versäumt, sich die aktuelle Vita des Erzbischofs einmal genauer anzuschauen. So etwas darf nicht passieren: Man hatte tatsächlich übersehen, dass Kardinal Marx im aktuellen Missbrauchs-Skandal innerhalb der katholischen Kirche eine nach wie vor -vorsichtig ausgedrückt- unklare Rolle spielt. Erst nach massiver Kritik von Seiten Missbrauchsbetroffener aus Köln und aus Trier und einem dringenden Appell der Betroffenen an den Bundespräsidenten „verzichtete“ Marx „in Absprache mit Steinmeier“ auf den Orden und kam so einer Aberkennung zuvor. https://www.br.de/nachrichten/bayern/kardinal-marx-verzichtet-nach-kritik-auf-bundesverdienstkreuz,SVnFBaM
Seit 2020 bekommen zunehmend Wissenschaftler, die die Corona-Politik der Bundesregierung unterstützen, den Orden. Zum Beispiel wurden am 1. Oktober 2020 kurz vor dem Tag der deutschen Einheit medienwirksam neben 13 weiteren Personen der Virologe Christian Drosten (Bundesverdienstkreuz 1. Klasse) und die Chemikerin, Wissenschaftsjournalistin und Fernsehmoderatorin Mai Thi Nguyen-Kim ausgezeichnet. Das Motto der Verleihung: Vereint und füreinander da, was fast so klingt, als wolle man für eine Fußball-Groß-Veranstaltung werben.
Das Bundesverdienstkreuz wird in verschiedenen Rangstufen verliehen. Ordensträger können also mehrfach ausgezeichnet werden und dabei aufsteigen. Manchmal jedoch greift Steinmeier direkt zu einem höherrangigen Orden. In einer Sonderveranstaltung und im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel verlieh Frank-Walter Steinmeier am 19. März 2021 das Große Verdienstkreuz mit Stern an das uns allen wohlbekannte Pharmaunternehmer- Ärzteehepaar Prof Dr. Uğur Şahin und Dr. Özlem Türeci (Biontech).
Am 1.10.2021, zwei Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit, wurden unter dem Motto „Kultur ist Lebenselixier für alle“ in einer Gruppenveranstaltung „Kunstschaffende“, die sich während der Corona-Pandemie verdient gemacht hatten, geehrt und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. PR-technisch war das längst überfällig. Die Hautevolee schmückt sich traditionell gerne mit Kunst. Daher hatte Angela Merkel schon im Dezember 2020, als Kinos, Theater und andere Kultureinrichtungen im Zuge des sogenannten „Lockdown Light“ schon seit Wochen geschlossen waren, materielle Hilfe angekündigt und lobhudelnd gesagt: „Uns fehlt, was die Künstler uns dort sonst geben und was nur sie uns geben können.“ https://www.sn.at/kultur/allgemein/angela-merkel-uns-fehlt-was-die-kuenstler-uns-sonst-geben-96650659
Ist denn die Kunst ein Konsumartikel? Was Frau Merkel sagt bzw. von ihren Textern diktiert bekommt, das klingt, als würde uns der Künstler seine Kunst servieren wie der Sterne-Koch sein Menu. Wir schlagen uns im Nobelschuppen den Bauch voll und lassen uns satt und edelfischzufrieden nach Hause kutschieren.
Nirgendwo zeigt sich die lebensferne Luxus- und Selbstverliebtheit der Reichen und schön Gekleideten so deutlich wie in ihrem Verhältnis zur Kunst. Vor allem Festivals sind beliebt, da sie die ideale Kulisse abgeben. Das Kultur-Ereignis, bei dem sich die bundesdeutsche Politik- und Medienprominenz gerne der Öffentlichkeit präsentiert, sind die Bayreuther Festspiele, die in diesem Jahr, nachdem sie 2020 ausgefallen waren, wieder stattfanden. Auch Angela Merkel war -wie seit vielen Jahren schon- bei der Eröffnung zugegen.
Nur im Jahr 2006 war sie ferngeblieben. Der Grund war vermutlich ein Malheur, das sich im Vorjahr 2005 ereignet hatte. Als Angela Merkel zur Eröffnung der Festspiele erschien, hatte sich im Achselbereich des Oberteils ihrer lachsfarbenen Robe ein kleinerer, aber unübersehbarer Schwitzfleck gebildet. Der Schwitzfleck zeigte sich, als Frau Merkel ihren Arm zum Gruß hob. Obwohl dieser Schwitzfleck unzählige Male fotografiert und abgebildet wurde, wäre er, hätte ihn nicht damals br-online eilig zum Verschwinden bringen wollen und digital wegretuschiert, schnell vergessen gewesen. https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/br-online-wie-merkels-fleck-weg-kam-a-367054.html
Angesichts knapper Kassen irritiert doch sehr, dass der Bund bzw. „Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)“ zu den Gesellschaftern der Bayreuther Festspiele GmbH gehört. Für jene Beauftragte, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), „haben die Bayreuther Festspiele in diesem Jahr eine besondere Signalwirkung für die Kultur in Deutschland. Das Festival sei «ein Zeichen der Hoffnung für Künstlerinnen und Künstler, allein deshalb, weil Musik und Theater wieder live und vor Publikum stattfinden können», sagte sie.“ https://www.infranken.de/lk/bayreuth/bayreuther-festspiele-angela-merkel-wieder-zu-gast-bei-premiere-das-ist-anders-art-5252559#gallery-3
Ich denke, das Festival ist weniger „ein Zeichen der Hoffnung für Künstlerinnen und Künstler“ als ein Zeichen der Hoffnung für Politikerinnen und Politiker, von nun an wieder alljährlich an die heiß begehrten Freikarten zu kommen und „wieder live und vor Publikum“ auftreten zu können. Bei der diesjährigen Eröffnung fehlten neben anderen Prominenten die Ehepaare Söder/Söder, Spahn/Funke und Merkel/Sauer ebenso wenig wie die WDR-Werbe-MAUS in Begleitung von MAUS- Miterfinder Armin Maiwald.
Wissenschafts-Journalist Ranga Yogeshwar, der gerne erzählt, dass er als Jugendlicher am Konservatorium der Stadt Luxemburgeine Musikausbildung mit Schwerpunkt Klavier absolviert hat, gab sich am 5.3.2021 kulturbeflissen: „Große Sorgen macht sich der Wissenschafts-Journalist über die Kulturszene des Landes: „… Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. Und diese Dichter müssen wir uns erhalten. Für mich wäre ein Rettungspaket dringend notwendig. Und zwar wesentlich intensiver als das, was wir bisher gesehen haben.“ Sein Fazit: „Wir haben als Land eine Art Fürsorgepflicht für das, was das Leben so schön lebenswert macht.““ https://www.presseportal.de/pm/66749/4855560
Ist denn die Kunst dafür da, Wohlhabenden das Leben aufzupeppen? Der Satz „Und diese Dichter müssen wir uns erhalten“ klingt wie: Wir müssen uns unsere Zähne erhalten. Ich denke, finanzielle Entschädigungen wären das mindeste, was der Staat zu leisten hätte, aber Yogeshwars Haltung ist gönnerhaft („Fürsorgepflicht“) und macht aus dem Künstler den Almosenempfänger. Zudem bringt eine materielle Entschädigung die verlorene bzw. eingetrübte Lebens- und Schaffenszeit ebenso wenig zurück wie die ausgefallenen Ausstellungen, Inszenierungen und Auftritte.
Auch Steinmeier schmückt sich gerne mit Kunst und schrickt ebenfalls nicht vor Pathos zurück. Anlässlich des Jubiläumskonzerts des NDR Elbphilharmonie Orchesters in Hamburg am 30.10.2020, das nur digital stattfand, gefiel er sich darin, folgenden Satz zu sagen: Kultur ist Lebenselixier für alle.
Ein knappes Jahr später, am 1.10.2021, wurde der Satz „Kultur ist Lebenselixier für alle“ wiederverwendet, und zwar als Motto der oben erwähnten Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an „Kulturschaffende“. Kultur ist Lebenselixier für alle ist aber nicht nur ein zweitverwendeter Satz, sondern auch der Abklatsch eines anderen Satzes, den Steinmeier am 22. März 2017 anlässlich seiner Vereidigung zum Bundespräsidenten in seiner Rede gesagt hat: „Mut ist das Lebenselixier der Demokratie – so wie die Angst der Antrieb von Diktatur und Autokratie ist. Und deshalb: Die Staatsform der Mutigen – das ist die Demokratie!“ https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2017/03/170322-Vereidigung.html
Wirklichen Mut hat unlängst die deutsch-japanische Künstlerin Hito Steyerl bewiesen. Hito Steyerl, die eigentlich zur Gruppe der am 1. Oktober Geehrten gehören sollte, hat Mitte September bekannt gegeben, dass sie den Bundes-Verdienstorden ablehnt.
„In den letzten 18 Monaten hat sich erwiesen, dass die Bereiche Bildung und Kultur in der Krise am wenigsten zählen“, schreibt Hito Steyerl in einem offenen Brief an Frank-Walter Steinmeier, den DIE ZEIT dankenswerterweise abgedruckt hat. „… Ein Ordensverleihungstermin mit jemandem wie mir wirkt unter diesen Umständen leider eher wie das Diversity-Washing systemischer Missstände.“ Hito Steyerl kritisiert u.a. auch die missglückte Wortwahl: „Verlautbarungen mit Fremdschäm-Parolen wie „Kultur ist Lebenselixier für alle“ helfen da nicht weiter.“ https://www.zeit.de/2021/38/bundesverdienstkreuz-hito-steyerl-absage-corona-politik-lockdown-kritik
Hito Steyerl ist -wie sie ausdrücklich sagt- keine Lockdown-Gegnerin. Vielleicht wäre ihr Brief an Steinmeier noch kritischer ausgefallen, wenn sie gewusst hätte, dass man den Künstler Tobias Morgenstern vom Theater am Rand in Zollbrücke (Märkisch-Oderland), der am 1.10. das Bundesverdienstkreuz bekommen sollte, nur wenige Tage vor der Ordensverleihung wieder ausladen würde.
Wenn ich richtig informiert bin, war Tobias Morgenstern erst am 26. September -vermutlich als „Ersatzmann“ für Hito Steyerl- ins Schloss Bellevue eingeladen worden. Morgenstern wird seine Nähe zu „Querdenkern“ zur Last gelegt. Anstoß hatte ein Facebook-Eintrag vom Mai 2020 erregt, den das Theater am Rand zunächst geteilt, dann aber wieder von der Theater-Website entfernt hatte. Die Zeilen möchte ich hier zitieren: „Ich bin nicht bereit, unter den Folgen des Lockdown und seiner ungesicherten, willkürlichen Maßnahmen weitere Lebenszeit zu verbringen und dabei zuzusehen, wie sich Sorge, Leid und existentielle Not immer stärker in der Gesellschaft verbreiten. Ich möchte mir nicht von der Kanzlerin, Frau Merkel sagen lassen, dass ich meine Hände waschen soll. Und ich möchte mir nicht von einem Amtsdirektor sagen lassen, wann ich in meinem Theater Klavier spielen darf.“
Ich lese aus seinen Zeilen, dass Herr Morgenstern ein freundlicher, warmherziger, aber auch kritischer Mensch ist, der den autoritären Habitus der Politik kaum noch ertragen kann und Angst hat um den Fortbestand unserer Demokratie. Allerdings weisen seine Worte Spurenelemente eines leisen Spotts auf: „Ich möchte mir nicht von der Kanzlerin, Frau Merkel sagen lassen, dass ich meine Hände waschen soll.“
Es ist ein schlechtes Zeichen für unsere Demokratie, dass unsere Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker nicht einmal in der Lage sind, diesen feinen Spott zu ertragen. Ich denke, es geht ihnen zu gut. Sie haben so viele Privilegien und entsprechend viel zu verlieren, nicht nur die steuerfinanzierten reservierten Zuschauerplätze in Bayreuth.
Auch im Brief von Hito Steyerl ist es der feine Spott, der für Steinmeier unerträglich gewesen sein dürfte. Nicht nur, dass Frau Steyerl den Satz, der sich um Steinmeiers Lieblingsvokabel „Lebenselixier“ rankt, für eine „Fremdschämparole“ hält.
Ich möchte -weil ich seit langer Zeit einmal wieder laut lachen musste- noch hinzufügen, dass Hito Steyerl ihr Absage-Schreiben, das mit Sehr geehrter Herr Bundespräsident beginnt, mit einem lässigen Kürzel lächelnd beendet: MfG.
CORONA-September 2020, Wandbeschriftung im TheGalleries Shopping Centre in Washington/UK. Noch konnten wir (meine beiden Töchter, unser Hund und ich) nach England reisen, ohne in Quarantäne zu müssen. Denn auch das ist England: Mitten in einem in die Jahre gekommenen Einkaufszentrum an Shakespeare erinnert werden. Irgendwann einmal werde ich wieder nach Washington/UK reisen und in den Galleries bei COSTA einen Kaffee trinken. Dann wird es dort hoffentlich wieder so aussehen wie vor Corona.
Armin Laschet (CDU) lacht, wann und wo immer er kann. Im Jahr 2020 erhielt der NRW-Ministerpräsident den „Orden wider den tierischen Ernst“ des Aachener Karnevalsvereins (AKV). „Sein tiefgründiger Humor, sein echtes Interesse an den Menschen und sein stetiger Einsatz für Verständigung hätten den AKV-Elferrat überzeugt, heißt es in der Begründung.“ https://unserekirche.de/kurznachrichten/laschet-erhaelt-orden-wider-den-tierischen-ernst-07-02-2020/
Der Orden wird gerne an Politiker verliehen. So sehen wir, wie volksnah die Volksvertreter sind, obwohl sie Machtpositionen inne- und den direkten Kontakt zu den Mitmenschen längst verloren haben. Zu den Preisträgern -deutlich mehr Männer als Frauen- gehören zum Beispiel Konrad Adenauer (1959), Franz-Josef Strauß (1989) und Johannes Rau (1986). In den Jahren, bevor Laschet Ordensritter wurde, bekamen Gregor Gysi (2017), Wilfried Kretschmann (2018) und Julia Klöckner (2019) den Orden. Publikumswirksam wird die Verleihung seit 1961 im Fernsehen übertragen.
„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, muss sich Armin Laschet (CDU) gedacht haben, als er am 17. Juli 2021 gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Hochwasser-Katastrophengebiet reiste. In Erftstadt, einer Gemeinde im Rhein-Erft-Kreis, die es besonders schlimm getroffen hatte, hielt Steinmeier eine Rede, um den Menschen sein Mitgefühl auszudrücken und Hilfe zuzusichern. Wir wir wissen, schäkerte und lachte „Der Machtmenschliche“ (so der Titel der Laschet-Biografie) währenddessen im Hintergrund. Und hätte man sich nicht im Bundestags-Wahlkampf befunden, wäre das vielleicht nicht einmal aufgefallen. So jedoch brachten 20 Video-Sekunden mit einem putzmunteren Gute-Laune-Laschet die Wahrheit ans Licht und vermutlich den Kandidaten zu Fall.
War Laschet mit seinen Gedanken längst woanders, vielleicht schon beim Karneval im nur 60 Kilometer entfernten Aachen? Schließlich sind diejenigen, denen man den Orden wider den tierischen Ernst verleiht, Ordensritter auf Lebenszeit. Oder hat sich Laschet einfach nur -allzu „machtmenschlich“- gelangweilt?
Der Zungenbrecher „Fischers Fritz“ hat schon vor fünfzig Jahren unsere Zungen gelenkig gemacht. Jetzt ist Zeit für neue Zungenblechel:
Kanzlerkandidat
Lustiger Laschet
schlägt quietschfidel Zeit
tot schlägt Kanzelkandidat Lustigel
Laschet
Ein Foto aus dem Jahr 2007: Nippeser Straßenkarneval, Karnevalsdienstag. Die Kölner Kinder hatten schulfrei, gingen zum Veedels-Zoch, stellten sich ungetestet an den Straßenrand und kloppten sich um Kamelle. Das war Körperkontakt pur. Diesmal soll der Karneval wieder stattfinden, aber er wird zu Ende sein, bevor er überhaupt anfängt. Ein total kontrollierter Karneval ist keiner. „Nachdem im vergangenen Jahr dazu aufgerufen wurde, auf das Feiern zu verzichten, soll es in diesem Jahr darum gehen, auf Vorsicht und Umsicht beim Feiern aufmerksam zu machen.“ Newsletter der Stadt Köln, Oktober 2021. https://www.stadt-koeln.de/ Anders als Karl Lauterbach, der direkt dort, wo gefeiert wird, Impfstationen aufbauen will, fordert Oberbürgermeisterin Henriette Reker dazu auf, sich rechtzeitig vor dem Karnevalsauftakt am 11.11. in Arztpraxen vollständig impfen zu lassen: „Ich habe Verständnis für alle Jecken, die nach langer Pause wieder feiern wollen. Damit wir aber einen sicheren Sessionsauftakt erleben, sollte vollständig geimpft sein, wer schunkele un fiere will. Es geht darum, sich selbst und andere zu schützen.“ (ebd.)
Die Maus kennen wir alle. Eigentlich mag ich die Kinder- „Sendung mit der Maus“. Da werden an jedem Sonntagmorgen Lach- und Sachgeschichten erzählt, pfiffige Fragen gestellt und pfiffige Antworten gegeben. Alltagsfragen werden behandelt, z.B.: „Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta?“ Für meine Kinder hat die Maus (wie überhaupt das Fernsehen mit Ausnahme der Simpsons und Lolle) eine nur untergeordnete Rolle gespielt. Der Sonntag war Familientag mit ausgedehntem Frühstück, Sonntagsspaziergang oder Ausflügen ins Kölner Umland. Niemand wäre auf die Idee gekommen, den Fernseher einzuschalten.
Tatsächlich ist „Die Sendung mit der Maus“ auf unterhaltsame Weise informativ – auch für Erwachsene, die sich gerne mit den Kindern zusammen die Sendung anschauen. So erzählt meine Schwägerin, dass sie ihre Prüfung zur Floristin einfach fand, weil sie mit ihrer Tochter zusammen regelmäßig vor der „Sendung mit der Maus“ saß und gut informiert war. Auch ich bin gestern „schwach geworden“, denn am Wahlsonntag wurde eine sehenswerte Episode ausgestrahlt. Kindern und Erwachsenen wird „kinderleicht“ und anschaulich erklärt, wie das Wählen funktioniert. Aber eben leider nur, wie der Wahlvorgang (zwischen Ankreuzen und Auszählen) abläuft. So war der Beitrag -überspitzt gesagt- eine Gebrauchsanleitung zur Bundestagswahl.
Früher, als es das Fernsehen noch nicht gab, bestimmte die Kirche das Leben. Wie ein deutsches Sprichwort sagt: Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der beste Lebenslauf. Die Leute saßen noch nicht vor dem Internationalen Frühschoppen (später Presseclub), sondern gingen nach der Sonntagsmesse zum Frühschoppen in die nahegelegene Kneipe. Heute bezahlen die Familien Rundfunkgebühren statt Kirchensteuern (manche auch beides)- und gestalten den Sonntag nach den Terminvorgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Mit Maus fang an, mit Tatort hör auf, das ist der beste Sonntags-Verlauf. Nur ist derTatort mittlerweile so fahl und brutal, dass die Leute froh sind, wenn das Wochenende vorbei ist.
Vor allem Kinder mögen die Maus. Wie ihre Eltern vertrauen sie ihr und sind fest davon überzeugt, dass die Maus ihnen keinen Unsinn erzählt und keinerlei Hintergedanken hat. Doch ist das wirklich so? Tatsächlich ist die Maus auch eine Marke. „Trotz mittlerweile zahlreicher Nachahmer bleibt seriöse Wissensvermittlung eine Sache des Originals: Die Maus ist die führende Wissensmarke in Deutschland und zu einer echten Ikone geworden.“ https://wdr-mediagroup.com/en/markenportfolio/die-maus/basisinformationen/
In einem klugen Artikel auf „Übermedien“ mit dem schönen Titel „Das Würstchen mit der Maus“ entzaubert die Journalistin Anna von Garmissen die beliebte Fernseh-Figur:Die WDR mediagroup, 100-prozentige Tochtergesellschaft des WDR, „… kümmert sich um die kommerziellen Tätigkeiten des Senders. Die Maus gehört zu ihren wichtigsten Marken im Merchandising- und Lizenzgeschäft. Sie ziert Geschirr und Gummistiefel, Taschenlampen und T-Shirts, Rucksäcke, Radios und Regenschirme…“ https://uebermedien.de/53092/das-wuerstchen-mit-der-maus/
Damit jedoch nicht genug. DieMaus, so schreibt Anna von Garmissen, die als Beleg ihrer Beobachtungen Bofrost-Katalogseiten abfotografiert hat, greift darüberhinaus in die Nahrungsgewohnheiten der Kinder ein: „Eine der Maus-Lizenznehmerinnen ist die Firma Bofrost. Seit rund drei Jahren sind die Maus und ihre Freunde, der blaue Elefant und die gelbe Ente, Markenbotschafter für Europas größten Direktvertrieb von Tiefkühlkost und Speiseeis… Die Gerichte mit der Maus heißen „Bauernhof-Suppenspaß“, „Kartoffel-Flummis“, „Regenbogenreis“ oder „Hähnchen Tic Tac Toe“. Man könnte auch Nudelsuppe, Kartoffelklöße, Reispfanne und Hähnchenbrust sagen.“ (ebd.)
Doch die Maus macht nicht nur Produktwerbung. Sie wirbt nicht nur für „Kartoffel-Flummis“, sondern auch für die deutsche Wissenschaftspolitik. Ärgerlich und peinlich kann es werden, wenn die Maus leibhaftig auf Veranstaltungen auftritt, wenn also ein Mensch in das orangefarbene pelzige Kostüm schlüpft, das zwar stets erneuert wird, in dem der Akteur aber trotzdem schwitzt.
Ende 2019 hatte dieMaus einen besonderen Auftritt. Kurz bevor er den Wissenschaftsjournalisten Ralph Caspers mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnete, verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Maus in Schloss Bellevue den „Maus-Verdienstorden“. Zu sehen war der kleine Werbefilm für die deutsche Bundespolitik (na, wo wohl?) in der „Sendung mit der Maus“. Zum Fremdschämen:
So verkrampft diese Vorstellung ist, wirkt sie doch beinahe lässig gegenüber den Werbe-Auftritten der Maus im Jahr 2021. Der Anlass für diese Auftritte war der 50. Geburtstag der Maus. Genauer gesagt: Am 7. März 1971 wurde die erste „Sendung mit der Maus“ ausgestrahlt. Seither werden „runde Geburtstage“ der Maus groß gefeiert. Und selbst im Corona-März 2021, als größere private Familienfeste verboten waren, fiel der 50. Geburtstag der Maus nicht aus. Im Gegenteil: Zahlreiche Prominente gratulierten- natürlich nur im streng kontrollierten Rahmen. In geschlossener Gesellschaft wurde nicht nur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geworben, sondern vor allem auch für die staatlichen Corona-Maßnahmen.
Ein streng abgeschirmter und hübsch ausstaffierter Schauplatz für den Auftritt der Maus war wiederum Schloss Bellevue. Und wieder einmal traf die Maus in Begleitung von Ralph Caspers unseren Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der natürlich unbedingt gratulieren wollte.
Ich habe mir das Video angeguckt und war erschrocken und entsetzt. Frank-Walter Steinmeier wendet sich „an die Kinder, die uns jetzt zuschauen.“ Doch anstatt dass sich der Präsident der Bundesrepublik Deutschland endlich bei den Kindern für das entschuldigt, was sie mitgemacht haben (Maske, Schulschließungen, Kontaktverbote, Abstandsregeln, Corona-Tests, Quarantäne), bedankt er sich auch noch dafür, dass sie mitgemacht haben. Und dabei hatten die Kinder keine andere Wahl.
Wer mag sich dieses Gesülze noch länger anhören? Warum räumen unsere Spitzenpolitiker nicht endlich schwere und schwerste Fehler ein? Warum gibt es an unseren Schulen immer noch die Maskenpflicht? Warum wird an den Schulen getestet und Kindern ab zwölf Jahren eine mehr als fragwürdige Impfung empfohlen?
Wann wird endlich realisiert, dass in Schweden die Kinder vor Panikmache geschützt und vor schweren psychischen, aber auch physischen Schäden bewahrt wurden, indem die Grundschulen (bis einschließlich Klasse 9) unter halbwegs normalen Bedingungen geöffnet blieben?!!! Auffällig ist, dass die Inzidenz in Schweden gegenwärtig (25.9.2021) bei nur 43,6 (Deutschland: 61,4) liegt, obwohl (oder weil?) mittlerweile alle Schulen geöffnet sind und die Grundschulen immer geöffnet waren.
Die große Feier ist vorbei, doch die Maus macht weiter auf WDR2. In der Radio-Sendung „Frag doch mal die Maus“ beantwortet „sie“ Kinderfragen. In der Sendung vom 30.8.2021 stellt die siebenjährige Merle aus Wuppertal, deren Mutter sich gegen Corona hat impfen lassen, eine kluge Frage, auf die sie leider eine beschränkte Antwort bekommt: „Was ist immun?“
In diesem Beitrag, der immerhin anderthalb Minuten lang ist, wird die natürlich erworbene Immunität nicht einmal erwähnt. Verschwiegen wird, dass uns eine durchgemachte Infektion vor Corona schützt. Verschwiegen wird auch, dass Menschen, die Corona hatten, wenn überhaupt, dann in aller Regel beim zweiten Mal nur leicht erkranken. Diese wichtige Information verdanke ich der Lektüre des folgenden Artikels: https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/corona-sind-wir-nach-einer-infektion-immun/
Stattdessen wird die Impfung als die Möglichkeit einer Immunisierung angepriesen. In der Ausschließlichkeit widerspricht die Information auch den wissenschaftlichen Tatsachen und hat mit seriöser Wissensvermittlung nichts mehr zu tun. In Minute 1.16 heißt es betont lässig: „…Wer immun ist, zum Beispiel nach ner Impfung, der oder die ist relativ sicher vor der Krankheit. Zumindest ist es unwahrscheinlicher, dass es einen schwerer erwischt.“ Das ist zwar nicht falsch, aber allenfalls die halbe Wahrheit. https://www1.wdr.de/radio/wdr2/themen/frag-doch-mal-die-maus/immun-100.html Hinzufügung 12/2022: Leider ist dieser fragwürdige Radio-Beitrag nicht mehr über die WDR-Audiothek aufrufbar.
So macht man den Kindern Angst. Für viele Erwachsene mag die Impfung sinnvoll sein, aber doch nur für die wenigsten Kinder. Wie schön ware es, wenn dieMaus die Kinder beruhigen würde. Das ist in diesem Fall ganz einfach: Sie müsste ihnen nur die Wahrheit sagen:
Liebe Merle, es gibt einzelne Menschen, die schwer an Corona erkranken, und manche haben Spätfolgen oder sterben sogar daran. In aller Regel sind das ältere Menschen, die bereits schwere Krankheiten haben und Tag für Tag Medikamente nehmen müssen, die wiederum schwere, schwächende Nebenwirkungen haben. Für diese Menschen ist die Corona-Impfung unter Umständen sinnvoll.
Es gibt Krankheiten, die sind so schlimm, dass es sehr wichtig und gut ist, Impfungen zu entwickeln, etwa die Kinderlähmung. Corona aber ist für Kinder in aller Regel ungefährlich. Die meisten Kinder merken es nicht einmal, wenn sie Corona haben.
Impfungen können schwere Nebenwirkungen hervorrufen, die manchmal nach Jahren erst ausbrechen. Diese Nebenwirkungen können bei Kindern sogar schlimmer sein oder häufiger auftreten als bei Erwachsenen, wie wir bei der Schweinegrippe-Impfung vor zwölf Jahren gesehen haben. Das Schreckliche ist, dass die Eltern, die damals ihre Kinder haben impfen lassen, ihnen etwas Gutes tun wollten, sie schützen. Wir sollten aus dieser Erfahrung lernen: Kinder dürften nicht voreilig geimpft werden. Über eventuelle Spätfolgen der Corona-Impfung wissen wir nichts.
Lieb Merle, deine Mutter hat sich bestimmt auch deshalb gegen Corona impfen lassen, weil sie dich schützen will. Aber vermutlich wäre das nicht nötig gewesen, denn die meisten Kinder dürften bereits immun sein. Vielleicht bist auch du geschützt, ohne es zu wissen. Stell dir vor: Ihr Kinder seid durch eure Kinderkräfte vor einer Krankheit geschützt, die die ganze Erwachsenen-Welt derzeit in Atem hält! Dass das so ist, grenzt an ein Wunder.
Windpockennarben-Selfie. Wer genau hinguckt, entdeckt über meinem verdeckten linken Auge (rechter Bildrand) einen kleinen roten Kringel. Hierbei handelt es sich um eine Windpocken-Narbe. Die Windpocken kriegten damals fast alle. In die proppenvolle erste Volksschulklasse, in die meine Zwillingsschwester und ich Ostern 1965 kamen, gingen 56 Kinder. Im Klassenzimmer war’s eng, aber geschadet hat uns das nicht – im Gegenteil. Die Welt war voller Kinder. Was für ein Glück! Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war, als meine Geschwister und ich die Windpocken hatten. Nicht alle auf einmal. Doch ich weiß noch genau, dass meine Mutter ungeduldig wurde. Da sie nicht berufstätig war, konnte sie es sich zwar leisten, sich (zum Teil nacheinander) um alle ihre vier Kinder zu kümmern, aber das zehrt natürlich an den Nerven, vor allem dann, wenn ein Familienfest zu platzen droht. An genau dem Tag, als wir den runden Geburtstag einer meiner Großtanten feiern wollten, hatte ich noch eine einzige verkrustete Windpocke – ausgerechnet im Gesicht. Ich weiß noch, wie meine Mutter sagte: „Wir könnten ja versuchen, die Kruste vorsichtig abzukratzen.“ Von diesem „Eingriff“ stammt meine Windpockennarbe. Wir fuhren gut gelaunt zum Familienfest. Dass ein Kind mit einer letzten verkrusteten Windpocke nicht mehr ansteckend ist, wussten wir nicht. Eine Windpocken-Impfung -wie sie heutzutage „angeboten“ und von der STIKO empfohlen wird, aber von Stiftung Warentest(!) bis zum Corona-Sommer 2020 angezweifelt wurde- ist vielleicht praktisch, mehr aber auch nicht.
Prof. Dr. Karl Lauterbach, Mediziner, Gesundheitsökonom und Bundestagsabgeordneter (SPD), liebt es, den Menschen auf bzw. unter die Pelle zu rücken, und das im wahrsten Sinne des Wortes. So half Lauterbach nach anfänglichen Protesten im April in einem Leverkusener Impfzentrum aus. Der Ort war nicht zufällig ausgesucht. Im Wahlkreis Leverkusen – Köln IV ist Lauterbach Direktkandidat der SPD für den Deutschen Bundestag.
Am 21. August wagte dann der prominente Direktkandidat in peinlicher Selbstüberschätzung einen zweiten Wahlkampf-Auftritt als Impfarzt, der allerdings blamabel enden sollte. Der Impfbus mit dem Team rundum Lauterbach stand vor dem Leverkusener Stadion, wo Bayer 04 Leverkusen gegen den VFL Mönchengladbach spielte. Nach all den freundlichen Briefen, die er tagtäglich bekommt, hatte Lauterbach gehofft, dass die Leute in Scharen kommen, weil sie es prickelnd finden, wenn ihnen der Kandidat höchstpersönlich die Impfspritze setzt.
Doch der erwartete Ansturm blieb aus. Ein beleidigter Lauterbach twitterte am 21.8. folgendes:
„… Karl Lauterbach@Karl_Lauterbach 21. AugHeute hat das Impfteam Leverkusen vor dem Bayer Stadion geimpft. Wir hatten weitaus weniger Impfinteressenten als erwartet. Was war passiert? Finde den Fehler…“
„Finde den Fehler“ – das klingt wie eine Arbeitsaufgabe für Grundschüler. Nun gut, ich mache mit, doch ich finde keinen Fehler, denn was Lauterbach passiert ist, war kein „Fehler“, sondern richtig doof. Tatsächlich hatte Lauterbach nicht begriffen, dass zum Fußball-Bundesliga-Spiel ja nur genesene oder bereits vollständig geimpfte Zuschauer zugelassen waren („2G“). Aber wer kommt schon zur Stadion-Impfung, wenn er anschließend nicht mal ins Stadion kommt? Ich denke, Freikarten (vielleicht auch für ein späteres Top-Spiel) hätten das Impfinteresse deutlich erhöht.
Den Nutzen von Freikarten oder anderen Belohnungen (warum nicht Halver Hahn als schmackhafter, aber preiswerter Lockvogel?) scheint Lauterbach nicht zu begreifen. Vermutlich denkt der Mann, die Impfung ist Geschenk genug. Es kann aber auch sein, dass der angeblich knickrige Lauterbach befürchtet, den Köder aus eigener Tasche zahlen zu müssen.
Eine vergleichbar lächerliche Idee eines Weekend-Pieks hatte Lauterbach vor zwei Monaten schon einmal. „SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlägt vor, dass ’nicht nur in Arztpraxen und Impfzentren, sondern auch in Ausgehmeilen‘ geimpft wird. Das sagte er im Gespräch mit Business Insider: ‚Es muss Freitags- und Samstagsabends mobile Impfstationen an belebten Plätzen geben, wo sich viele Leute treffen, auch vor Bars und Clubs‘, so Lauterbach weiter. Man müsse mit den Impfungen dorthin, wo die Menschen seien.“ https://www.businessinsider.de/politik/deutschland/zuerst-spritze-dann-feiern-karl-lauterbach-plaediert-fuer-mobile-impfstationen-vor-bars-und-clubs-b/
Mit seinem Vorschlag ist Lauterbach zum Glück nicht durchgekommen. Wer hat schon Lust, frisch geimpft, aber leicht angeschlagen und sich unfrisch fühlend feiern zu gehen und nicht einmal mit Freibier belohnt zu werden? Schon damals hätte Lauterbachs doofer Tweet gut gepasst : „Wir hatten weitaus weniger Impfinteressenten als erwartet. Was war passiert? Finde den Fehler…“
Karl Lauterbach: Damals noch mit leeren Händen, heute mit Impfspritze in der Hand. Lauterbach wettert: Kölner Glühwein-Anarchie – So titelte am 7.Dezember 2020 der Kölner EXPRESS. Völlig aufgebracht war Karl Lauterbach wegen der sogenannten „Glühwein-Wanderungen“, die im Kölner Stadtgebiet kurz vor dem Lockdown (13.12.) noch stattfinden konnten, am Nikolaus-Sonntag ins Kölner Belgische Viertel gestürmt, denn die Menschen wanderten nicht nur von Glühwein-Ausschank zu Glühwein-Ausschank, wie es die Stadt Köln „erlaubt“ hatte, sondern blieben zwischendurch stehen, d.h. sie standen Glühwein trinkend in Grüppchen zusammen, ohne immer den „Sicherheitsabstand“ einzuhalten. War das schon fast ein Verbrechen? Für Lauterbach nicht nur fast.
Sogar aus medizinischer Sicht ist die auflauernde Impfung, wie ich sie leider nennen muss, mehr als fraglich. Schließlich wirkt die Corona-Impfung erst mit mehrwöchiger Verzögerung. Welche Phantasien hat Lauterbach, was lässt ihn von mobilen „Impfstationen an belebten Plätzen“ träumen? Missgönnt er den Mitmenschen die Lebensfreude? Ist nicht die Impfung von tausend Menschen auf einen Stich, wie ich die Aktion leider nennen muss, eine volkserzieherische Zwangsmaßnahme?
Entsetzt bin ich, wenn ich lese, dass Lauterbach, was die Schulen betrifft, weiterhin für harte Maßnahmen plädiert. Die Gefahr, die er heraufbeschwört, ist die drohende „Durchseuchung der Kinder“.
In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk am 26.8.2021 (einen Tag, nachdem am 25. August die Mehrheit im Deutschen Bundestag gegen die Stimmen aller Oppositionsparteien die „epidemische Lage“ zum fünften Mal verlängert hatte) brachte der stellvertretende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP), seinen Unmut zum Ausdruck. Er hält den den Begriff „Durchseuchung“ für „propangandistisch“. Ich kann mich dem nur anschließen. Unbedingt lesen: https://www.deutschlandfunk.de/nrw-familienminister-stamp-zu-covid-verlaeufen-risiken-fuer.694.de.html?dram:article_id=502222
Joachim Stamp, der kein Impfgegner ist, hatte einen „Tag der Eigenverantwortung“ vorgeschlagen, und zwar den 3.Oktober (Tag der deutschen Einheit) 2021. „Danach sollten die staatlichen Beschränkungen von Bürgerrechten enden.„
Der NRW-Familienminister macht sich große Sorgen um das Wohlergehen der Kinder. Er hatte sich vor dem 25.8. mit zahlreichen Fachleuten unterhalten, insbesondere mit Kinderärztinnen und Kinderärzten: „Es wird ja der Politik immer vorgeworfen, wir würden uns nicht an die Wissenschaft halten. Ich finde, bei der Beurteilung der Risiken für Kinder, da ist doch die wichtigste Wissenschaft die Pädiatrie, das was die Kinderärztinnen und Kinderärzte sagen. Die sagen uns, dass die Risiken durch die Beschränkungen viel, viel höher sind.“ (s.o.)
Kinder können sich nicht wehren. Ihre Eltern sind derzeit gezwungen, auch gegen den eigenen (Eltern)-Willen Maßnahmen zu akzeptieren, die in der kindlichen Psyche großen Schaden anrichten können. Diese Maßnahmen überschreiten nicht nur Körpergrenzen, sondern entmündigen die Kinder und zwingen sie zu einer Art soldatischem Gehorsam.
Wir erleben eine rücksichtslose, gleichgültige Corona-Politik. Dass es auch anders geht, zeigen uns die Schweden, wo alle Schulen ohne Einschränkungen geöffnet sind. Impfungen für 16jährige werden in Schweden nicht generell empfohlen, sondern nur für Jugendliche mit bestimmten Erkrankungen. Man hat aus den Erfahrungen mit der Schweinegrippe-Impfung und ihren katastrophalen Folgen und Spätfolgen (Narkolepsie) gelernt.
Manchmal denke ich, dass es das Werk der großen Schriftstellerin Astrid Lindgren ist, das in den Herzen der Schweden Spuren hinterlassen hat. Astrid Lindgrens Bücher speisen sich aus einer tiefen Liebe zum Leben, zu allen irdischen Geschöpfen und aus einer unumstößlichen Achtung vor den Kindern.
Medizinische Maßnahmen als Mittel zur Unterwerfung einzusetzen, ist verwerflich. Seinen entsetzlichen Höhepunkt hatte dieser Wahnsinn in den 1950er und 60er Jahren, als Heimkinder, die keine schützenden Eltern hatten, vielerorts in Deutschland systematisch gequält, ruhig gestellt, misshandelt und (auch für pharmazeutische Studien und Experimente) missbraucht wurden. Zum Einsatz kam hierbei auch medizinisches Gerät, insbesondere die handliche Injektions-Spritze. „In einer Art Verteidigungsschrift an den Essener Caritas-Direktor bestritt Strehl zwar die Anwendung solcher „Kotzspritzen“, doch zeigen die Quellen ein anderes Bild. Neben den zeitgenössischen Unterlagen berichteten auch verschiedene Heimbewohner über die Verabreichungspraxis solcher Spritzen, die Strehl bei Stationsvisiten offenbar immer bei sich trug, um renitente Kinder bei Bedarf direkt sedieren zu können.“ https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMI17-20.pdf
Mit „Strehl“ ist der Mediziner Waldemar Strehl (1916-1988) gemeint, der im Zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht gedient hatte und von 1955 bis 1969 im Essener Franz-Sales-Haus tätig war, einem katholischen Behindertenheim. „… Über den missbräuchlichen Einsatz von Medikamenten in Heimen der Nachkriegszeit haben der Historiker Uwe Kaminsky und die Ethikerin Katharina Klöcker von der Ruhr-Universität Bochum am Donnerstag eine Studie veröffentlicht. Am Beispiel des Franz Sales Hauses zeichnen sie nach, wie in den 1950er und 1960er Jahren die Bewohner mit Medikamenten diszipliniert wurden. Damit nicht genug: Der damalige Anstaltsarzt Waldemar Strehl testete an den Minderjährigen neue Präparate – in Überdosis…“https://www.domradio.de/themen/bistuemer/2020-08-27/zur-strafe-eine-kotzspritze-studie-zeigt-medikamentenmissbrauch-einem-nachkriegsheim
… Ich kann an dieser Stelle nicht weiterschreiben, weil ich erst einmal tief durchatmen muss… Beim Googeln musste ich feststellen, dass Waldemar Strehl in meiner Heimatstadt Bottrop geboren wurde und an derselben Schule wie ich (Städtisches Jungengymnasium Bottrop, später Heinrich-Heine-Gymnasium) Abitur gemacht hat, an eben der Schule, an der mein Großvater Josef Verron (*1883) noch während der NS-Zeit Lehrer für Latein und Erdkunde war…
Vom Blitz getroffen, pardon… Ich habe das Plakat (mehr schlecht als recht) von der illustren Seite leverkusen.com abfotografiert. Damals hat es jemand auf der Solinger Straße in Leverkusen aufgenommen. Das Plakat stammt aus dem Wahlkampf 2017. Lauterbach war bis 2001 Mitglied der CDU, wechselte dann aber in die SPD. Lauterbach machte zu der Zeit Karriere an der Universität zu Köln. „1998 wurde Lauterbach Direktor des neu gegründeten Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universität zu Köln; damit war auch seine Berufung als Professor verbunden. Dort ist er aufgrund seines Bundestagsmandats beurlaubt.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lauterbach Lauterbach wollte und will Bundesgesundheitsminister werden, das ist sein Traum. Dafür musste er zunächst einmal Bundestagsabgeordneter werden. Es war schlau von Lauterbach, nicht nur zur SPD zu wechseln, sondern sich den Wahlkreis Leverkusen- Köln IV zu sichern, denn der geht traditionell an die SPD. Als Direktkandidat ist Lauterbach bereits 2005, 2009, 20013 und 2017 in den Bundestag gewählt worden. Lauterbach ist auf das Direktmandat angewiesen. Über die Landesliste in den Bundestag zu kommen, dürfte Lauterbach im Jahr 2021 kaum gelingen, denn die Partei hat ihn lediglich auf Platz 23 gesetzt. Zurück zum Wahlkampf 2017. Ein Job muss reichen. Mit diesem Plakat wollte sich Lauterbach bei den Wählerinnen und Wählern anbiedern, denn in Leverkusen und im Kölner Nordosten leben viele Menschen, die mehrere Jobs brauchen, um sich überhaupt über Wasser zu halten. Lauterbach schwimmt oben und verdient bestens, doch der Professorentitel schützt vor Torheit nicht. Dass die Parole „Ein Job muss reichen“ doppeldeutig ist, dürfte vielen Menschen aufgefallen sein, nur Lauterbach nicht. Lauterbach hat viele Jobs, nicht nur im Bundestag. Als Professor ist er lediglich beurlaubt, er veröffentlicht populärwissenschaftliche Bücher und tritt als Redner auf. Ich sage nur: „Lieber Herr Prof. Lauterbach, bitte bescheiden Sie sich. Nehmen Sie sich selber ernst: Ein Job muss reichen.“
Emmanuel Macron kam der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen vermutlich nicht ungelegen. Vor dem Hintergrund des Ausstiegs kann er umso mehr den Weltklima-Retter mimen. Gemessen am reichlich beschränkten Donald Trump, der (in Klima-Fragen vergleichbar etwa mit der AFD-Politikerin Alice Weidel) nach wie vor nicht begreifen will, dass der „Klimawandel“ von Menschen verursacht ist, wirkt Macron geradezu klug und vernünftig. Das ist natürlich nur relativ, denn, wie (leicht abgewandelt) ein Sprichwort sagt, das Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird: Unter den blinden Männern ist der einäugige Mann König.
Der Ausstieg kam allerdings für niemanden überraschend, denn Trump löste hiermit ein Wahlversprechen ein. Dennoch nahm Macron die offizielle Ankündigung des Ausstiegs zum Anlass, sich am 1.6.2017 vermeintlich tief erschrocken und enttäuscht mit einer „persönlichen“ Botschaft an die Weltöffentlichkeit zu wenden. In dieser Rede tritt Macron gut gepudert als smarter Klima-Missionar auf, der Experten anheuert: „Allen Wissenschaftlern, Ingenieuren, Unternehmern und Bürgern, die von der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten enttäuscht sind, möchte ich sagen, dass sie in Frankreich ein zweites Heimatland finden werden. Ich sage ihnen: Kommen Sie, und arbeiten Sie hier mit uns! Lassen Sie uns gemeinsam an konkreten Lösungen für unser Klima arbeiten.“ (Video Make Our Planet Great Again, deutschsprachige Untertitel)
Doch Macrons Wortwahl lässt aufhorchen. Die gut einstudierte Rede endet mit einem Satz, den sich Macron publikumswirksam für den Schluss aufbewahrt hat: Make Our Planet Great Again. Unüberhörbar spielt der Satz auf Trumps berühmte Parole Make America Great Again an. Nur ist es nicht nur die eine Nation, die Macron wieder großartig machen will, sondern etwas viel Größeres: die ganze Erde. Was aber stellt sich Macron unter einem „großartigen Planeten“ vor? Will Macron die aufgebrachte Natur beschwören? Angesichts von so viel Schwulst wird mir ganz angst und bang.
Make Our Planet Great Again zeigt einmal mehr eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den Präsidenten der Atommächte Frankreich und USA. Beide, der aktuelle Präsident Frankreichs und der ehemalige der USA, lieben die Macht, die Selbstfeier, den Prunk, und beide lieben die prachtvolle Macht-Demonstration. Zur Erinnerung: Nur sechs Wochen nach der Ankündigung des Ausstiegs sind Donald und Melania auf Einladung von Macron anlässlich des Nationalfeiertags nach Frankreich gereist, um am 14.Juli 2017 der Militärparade beizuwohnen.
In der Wissenschaft herrscht weitgehend Konsens darüber, dass der Klimawandel menschenverursacht ist. Vertiefende Studien und die Entwicklung von Lösungen mögen sinnvoll sein, aber vor dem Hintergrund eines politischen Immersoweiter hat die Forschung auch eine Alibi-Funktion, denn sie dient unseren Politikern dazu, mit gereinigtem Gewissen weiterzumachen wie bisher: Zu verprassen, zu vergeuden und den Planeten, den Macron wieder „great“ machen will, hemmungslos auszubeuten.
Um den Planeten wieder „great“ zu machen, setzt Macron auf die vermeintlich saubere Atomenergie. Das ist, wie wir wissen, höchst riskant. Die Situation ist verfahren. Frankreich deckt den nationalen Energiebedarf vorrangig mit Atomstrom. Die französische Regierung hat unlängst -anstatt den Ausstieg einzuleiten- die Laufzeit der AKWs sogar auf fünfzig Jahre verlängert. Tatsächlich ist -und da reibt sich Macron die Hände- die Erzeugung von Atomkraft mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar, denn das zentrale Ziel des Abkommens ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad, und die Emissionen sind beim Betrieb von Kernkraftwerken gering.
Dass man die Gefahren wider besseres Wissen herunterspielt, ist unannehmbar. Dass jedoch die französische Regierung versucht, Atomkraft als „nachhaltig“ zu verkaufen, um an EU-Fördermittel zu kommen, ist höhnisch und schamlos gegenüber den Menschen, deren Lebensräume durch die Zerstörungskraft der Atomenergie nachhaltig vernichtet wurden. Ich denke an die Opfer der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima, aber insbesondere auch an die Opfer der französischen Atomversuche in Französisch-Polynesien. Die Zerstörung ihres Lebensraums hat die französische Politik in Kenntnis (!) der katastrophalen Folgen bewusst in Kauf genommen.
Es müsste jetzt endlich die Notbremse gezogen werden. Zunächst und zuallererst müsste man an den Auswüchsen ansetzen und die Privilegien der Mächtigen kappen und diese Personen auf den Erdboden zurückholen, dann wäre schon viel gewonnen.
Es gäbe viele klimapolitische Sofortmaßnahmen. Nur ein paar, die mir spontan einfallen: Stopp der Formel 1, virtuelle Ersatzrennen, aber auch Verlegung in Carrerabahn-Hallen bei gleichzeitiger Öffnung der Rennstrecken für Seifenkisten… Nichtinbetriebnahme des Weltraumbahnhofs (netter, verniedlichender Begriff!) in der Nordsee… Keine weitere Eroberung des Weltalls… Olympia dem Amateursport zurückgeben… Gipfeltreffen digital stattfinden lassen: Stopp des internationalen Schaulaufens der Politiker (inklusive des Großen Fressens, der Kaffee-Kränzchen mit der Queen etc…)
Macron, Kofürst von Andorra und Ehrenkanoniker von St. Johannes im Lateran, müsste unbedingt auf den Boden geholt werden. Er möge seine Dienstreise-Freude drosseln und aufs Homeoffice umsteigen. Darüber hinaus müssten seine Bezüge reduziert werden, denn die sind enorm. „Das Gehalt des französischen Staatspräsidenten betrug seit einer Erhöhung im Herbst 2007 – um 170 Prozent – wie das des Premierministers brutto 240.000 Euro im Jahr.[8] Darüber hinaus erhält er jährlich ein Budget in Millionenhöhe, über welches keine Rechenschaft abgelegt werden muss; dazu gehören zum Beispiel freie Kost und Logis im Palast oder Feriendomizile.[9 …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Staatspr%C3%A4sident_(Frankreich)
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Ende August 2021 machen wir -ich älterer Mensch und vier junge Studentinnen zwischen 25 und 20 (darunter meine beiden Töchter)- Urlaub in der Nord-Bretagne. Wir sind mit dem Auto unterwegs. Von uns bin ich die einzige, die einen Führerschein hat. Mit knapp 63 habe ich mir (auch wegen Corona und der unerträglichen Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln) zum ersten Mal im Leben ein Auto zugelegt.
Als Siebensitzer ist das alte Auto groß genug für fünf Personen + Hund, aber auch für die vorwiegend mit bunten Second-Hand-Klamotten und Büchern prall gefüllten Koffer, die so schwer sind, dass ich sie nicht tragen kann. Immerhin brauche ich zum Autofahren noch keine Brille. Auf gut Wetter-Glück habe ich für zwei Wochen eine Ferienwohnung in Ploumanac’h gemietet, einem Ortsteil von Perros-Guirec. Mein Optimismus wird belohnt, die Regenjacken bleiben unausgepackt.
Meistens scheint die Sonne, aber an kaum einem anderen Tag ist der Himmel so unwirklich blau wie am 27. August.
Der Zufall will es, dass ausgerechnet ich, die ich mir so viele Gedanken um den Sonnengott gemacht habe, ausgerechnet hier, wo ich ihn nicht erwartet hatte, bei strahlendem Sonnenschein Macron begegne. Natürlich nicht leibhaftig… Wir sind mit dem Auto auf dem Weg ins schöne Städtchen Lannion, aber die Smartphone-Navi spinnt und leitet uns um nach Perros-Guirec. So geraten wir auf die Küstenstraße zwischen dem „Plage de Trestaou“ und dem „Plage de Trestignel“. Der Straßenrand ist von Menschen gesäumt, die aufs Meer gucken.
Wir stellen das Auto am Plage de Trestignel ab, gehen die Straße hoch und mischen uns unter die Leute: Man erwartet die Flugshow der Patrouille de France, der Kunstflugstaffel der französischen Armee.
Es ist schon faszinierend, wenn am heiteren Himmel mit einem Maldie Flugzeuge auftauchen, Muster bilden und Formationen. Doch alles ist nur Schöner Schein und Schall und Rauch, denn die künstlich erzeugten bunten Wolkenstreifen verpuffen sehr schnell. Dennoch ist die Wahrnehmung nachhaltig manipuliert: Noch Stunden später sollte ich in jeder Möwe den Starfighter sehen…
Hybris
schmiert den
Himmel an: Make
Our Planet Great Again
TRICKolore
Befleckungslust: Dem Himmel den blau-weiß-roten Stempel aufdrücken, ohne alle Demut zeigen, wer der Herr auf dem Planeten ist: La Grande Guerre Contre La Nature.
Soll hier eine Corona-Impfspritze dargestellt werden?
Make Our Planet Great Again… Irgendwann bemerke ich, dass die Parole einen Satz aus dem Alten Testament in sich trägt, Gottes Auftrag an den Menschen: „Macht euch die Erde untertan.“ (Gen 1,28) Dieser Satz, der in modernen Bibel-Ausgaben fehlt, also gestrichen wurde, stand so noch in der Luther-Übersetzung. Beide Sätze (oder sind es nicht eher Schlachtrufe?) haben acht Silben. Die Betonung ist jeweils auf der ersten, der vierten und sechsten Silbe. Der Satzbau ist weitgehend analog, und die Botschaft von Make Our Planet Great Again spielt überdeutlich auf das „Original“ an. Da es den Satz „Macht euch die Erde untertan“ so nur in der deutschsprachigen Bibelübersetzung gibt, ist zu befürchten, dass die Werbetexter, die für Macron arbeiten, ihn bewusst genau so formuliert haben, weil sie einen sprachlichen Köder brauchten für die Verantwortlichen im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die ja auch direkt angebissen haben.
Macron fehlt meines Erachtens alle Demut gegenüber der Schöpfung. An dieser Stelle möchte ich den deutschen Wissenschaftsjournalisten Horst Stern (1922-2019) zitieren, der die Zeitschrift naturmitgründete und bis 1984 deren Herausgeber und Chefredakteur war. Anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 2012 hat die Zeitschrift natur noch einmal Horst Sterns allererstes Editorial abgedruckt:
„Es darf gedacht werden in NATUR. Nicht nur die Hybris, auch die Hoffnung liegt ja in unserem Denkvermögen begründet. Ich bin sicher: Es wird sich in unserem parasitären Umgang mit der Natur nur dann etwas zum Besseren ändern, hin zu ihrer Schonung durch die Erkenntnis unserer Mitgeschöpflichkeit, wenn der rational gefasste, argumentativ bewiesene Gedanke politisch mehrheitsfähig wird, daß wir Menschen im Kreis der pflanzlichen und tierischen Gestalten nicht grundsätzlich anders, sondern nur grundsätzlich andersartig sind: daß unser Verwandtschaftsgefälle hinunter zu einer Kolibakterie beweisbar kürzer ist als das hinauf zu einem Gott, für dessen Ebenbild wir uns halten. Wir sind als Art biologisch unentrinnbar ein Teil der Natur – lebend an ihr Leben, leidend an ihr Leiden, sterbend an ihr Sterben gebunden.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Stern
„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Frau Keuner. „Kann ich deine Tochter wohl mal sprechen?“
„Hä?“ Ich war nur kurz vor der Tür, zwei Fahrräder aus dem Schuppen holen, hab die Haustür aufgelassen, da war die Frau Keuner auch schon da, als wenn sie drauf gewartet hätte. Die hat den Gehwagen die Stufe hochgebockt und is rein ins Haus. Jetzt sitzt die Frau Keuner am Tisch, und wenn die erst mal sitzt, dann sitzt die.
Ich räuspere mich: „Frau Keuner, das geht jetzt nicht, ich muss Sie leider bitten, das Haus zu verlassen.“ Die Frau Keuner verschränkt die Arme.
„Meine Tochter ist vor zwölf Tagen positiv getestet worden“, sage ich und räuspere mich wieder. „Gestern stand das Gesundheitsamt hier noch einmal auf der Matte und hat den Abstrich für den abschließenden PCR-Test durchgeführt. Meine Tochter ist zwar wieder negativ, aber bis einschließlich 23.59 Uhr ist die in Quarantäne. Die darf noch nicht raus und die darf vor allem keinen Besuch haben. Die hat gehustet, geschnieft und geschwitzt. Sie wissen doch, wie hoch ansteckend die Delta-Variante ist. In den letzten Wochen habe ich mich kaum getraut, die Fenster zu öffnen, damit das Virus nicht entfleucht und halb Nippes verseucht. Es ist gut möglich, dass das Delta-Virus hier…“
„… Immer noch sein Unwesen treibt“, ergänzt die Frau Keuner und lacht. Sie schließt die Augen und holt tief Luft. „Bissken abgestanden, die Luft, aber lecker Aerosole. Wo du mir schon sonst nichts anbietest, will ich wenigstens echte Kölner Corona-Luft einatmen.“ Die Frau Keuner legt den Kopf in den Nacken, atmet tief durch die Nase ein und tief durch den Mund aus.
„Frau Keuner, bitte verlassen Sie das Haus. Meine jüngere Tochter und ich stehen als ungeimpfte Kontaktpersonen einer Infizierten immer noch unter Corona-Verdacht. Und nur weil wir uns kooperativ verhalten, sieht das Gesundheitsamt von unangekündigten Hausbesuchen ab.“
„Und der angekündigte Besuch war lustig, wa?“, foppt mich die Frau Keuner. „Dat sind die neuen Vertreter, aber die kommen nicht mehr von Vorwerk, sondern vom Gesundheitsamt.“
„Es war gruselig“, antworte ich. „Da kam eine vermummte blonde junge Frau. Hellblauer Schutz-Anzug, hellblaue Maske, blaue Augen. Ich war so schlau, ganz langsam vor dem langen Stäbchen zurückzuweichen, aber meine Tochter dachte, dass es nicht weh tut, wenn sie nur den Kopf ruhig hält.“
„Ach wat“, sagt die Frau Keuner und grinst. „Wenn du nicht protestierst, dringen die umso tiefer in dich ein. Das geschulte, erfahrene Personal führt das lange, lange Teststäbchen mit ruhiger Hand durch die Nase tief und immer tiefer ein bis hinten an die Rachenwand, ja, mit ruhiger Hand platziert die medizinische Fachkraft das lange, lange Teststäbchen hinter dem Gaumenzäpfchen. Und? Hat das Personal dir Impfmuffel auch schön Angst gemacht? Hat man dir auch einen Pulsoximeter an den Finger geklemmt?“
„Ich, ich“, stammele ich. „Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Das…“
„Dat gibbet bei Saturn und überall“, lacht die Frau Keuner. „Der Pulsoximeter gehört heutzutage in jede Hausapotheke.“
„Das ging schneller, als ich reagieren konnte“, sage ich. „Ohne Vorankündigung und alles im Hauseingang. Und die Frau hat nur auf Nachfrage gesagt, dass sie meinen Pulsschlag und den Sauerstoffgehalt meines Blutes testet. Dabei stand ich gesund und munter auf beiden Beinen vor ihr. Ich meine, die ist vom Fach, die muss doch ein Gespür dafür haben, dass es mir gut geht. Und wollen Sie wissen, was die Person gesagt hat?“
„Was hat die denn gesagt?!… Jetzt sach schon!“
Ich lasse die Frau Keuner eine Weile zappeln und rede dann weiter: „Wortwörtlich hat die zu mir gesagt: Es kann sein, dass Sie in Kürze beatmet werden müssen. Sie wissen nichts davon, denn noch fühlen Sie sich wohl, aber Ihr Zustand kann sich binnen kürzester Zeit dramatisch verschlechtern. Sie hätten die Untersuchung auch ablehnen können, aber seien Sie froh, dass Sie kooperiert haben, denn Ihre Werte sind in Ordnung.“
Ein leider unscharfes Selfie meiner physisch und psychisch verletzten jüngeren Tochter, die ebenso wie ich vermutlich gegen Delta immun ist: Am Morgen nach dem äußerst unangenehmen Abstrich für den PCR-Test war ihr rechtes Auge (der Stab wurde ins rechte Nasenloch eingeführt) gerötet. Außerdem verspürte die „Kontaktperson“ tagelang einen stechenden Schmerz im Hals. Abstriche für PCR-Tests sind immer unsanft und sollten in der Corona-Diagnostik nicht routinemäßig durchgeführt werden. Wie brutal sie sein können, musste eine meiner Schwippschwägerinnen erfahren. Bei ihr wurde ein Nerv getroffen. Nachdem sie sich vor ein paar Jahren die Nase gebrochen hat, sieht der Innenraum ihrer Nase anders aus als die Norm-Naseninnenräume auf den Abbildungen in den Fachbüchern. Das medizinische Personal müsste für den Fall, dass man solche Eingriffe überhaupt vornimmt, dringend angehalten werden, nach Vor-Verletzungen zu fragen!
Zum Vergleich hatte meine Tochter auch das andere Auge fotografiert:
„Am Anfang dachte ich, es ist nur ein Gerücht“, sagt die Frau Keuner. „Aber dann stimmt es also, dass deine Tochter Corona hatte? Delta auch noch.“ Ich nicke und setze mich zu ihr an den Tisch.
„Es ist schon vernünftig, dass du mir kein Käffken anbietest“, sagt die Frau Keuner. „Boah ey, Lisa, du hast Corona geküsst!“
„Hä?“
„Man hat dich beobachtet. Du hast am 21. Juli gegen 16h von irgendwoher ein Auto geholt und unerlaubterweise im Wendehammer geparkt. Dann hast du deine Tochter zu Hause abgeholt und zum Auto gebracht. Eng umschlungen. Bei welchem Arzt wart ihr denn, wart ihr auch in der Praxis Dr. Knoop? Stimmt es, dass die ein riesengroßes Wartezimmer mit einem riesigen, stets weit geöffneten Fenster haben und ein Extra-Stühlchen für die Personen, die unter Corona-Verdacht stehen? Und haben die euch eine halbe Stunde warten lassen, obwohl dat Mädchen Fieber hatte und gehustet und geschnieft hat?“ Ich nicke.
„Hömma, Lisa, du hast deine Tochter auf offener Straße ohne alle Hemmungen abgeknutscht.“
„Weil sie mir so leid tat.“
„Angeblich hast du laut und deutlich Willkommen, Corona! gesagt“, lacht die Frau Keuner. „Und als am nächsten Tag klar war, dass die Delta hat, hast du wahrscheinlich einen Luftsprung gemacht. Und du hast alles dafür getan, dich bei ihr anzustecken. Du hast mit ihr in einem Bettchen geschlafen, du hast aus ihrem Becherlein getrunken und von ihrem Tellerchen gegessen.“
„Ja, ja, ja!“
„Ihr habt euch schön amüsiert. Und mir hast du nicht Bescheid gesagt, dass ihr eine Corona-Party feiert.“
„Eine Quarantäne ist alles andere als eine Party“, entgegne ich. „Das ist eine Freiheitsberaubung. Ja, ich wollte mich anstecken, weil ich keine Angst vor Corona habe und weiß, dass Corona mir nicht viel anhaben kann, obwohl ich knapp 63 bin. Hat offensichtlich nicht geklappt. Der Selbstversuch ist schiefgegangen. Und warum? Weil ich Corona längst gehabt haben muss. Aber ich hätte mich strafbar gemacht, wenn ich Sie eingeladen hätte. Frau Keuner, wir haben einen Termin. Ich kann nicht mehr, ich will raus!“
Die Frau Keuner lacht: „Lenk nicht ab. Ihr habt gefeiert. Letzte Woche standen hier zig Papiertüten vom REWE-Lieferdienst vor der Tür. Und jetzt machst du mitten in der Quarantäne ne kleine Radtour.“
„Nein“, wende ich ein. „Wir verhalten uns völlig korrekt. Meine kleine Tochter und ich fahren jetzt zum Test-Zentrum, um uns freitesten zu lassen. Ich kann nicht mehr. Ich will raus. Man hat uns eingesperrt, obwohl wir immun sind. Nur wenn wir weiterhin negativ sind, dürfen wir raus aus der Quarantäne. Sonst…“
„Sonst ist es wie beim Fußball“, lacht die Frau Keuner. „Dann geltet ihr zwar sechs Monate als genesen, aber die quälende Quarantäne geht noch ein paar Tage in die Verlängerung. Und beim Elfmeterschießen gibt es nur ein Tor. Deins.“
Die Frau Keuner richtet sich auf und bewegt sich langsam Richtung Haustür. „Und wat seh ich da? Satteltaschen für den Großeinkauf. Da wolltest du auf dem Weg zum Test-Zentrum an der Liebigstraße noch mal kurz beim ALDI vorbei.“
„Das sieht nur so aus“, sage ich schnell.
Die Frau Keuner lacht, wird aber wie so oft plötzlich sehr ernst. „Freu dich, dass dir Delta nichts anhaben kann. Und sei froh, dass du nicht geimpft bist, denn wenn du es wärest, hättest du zwar nicht in Quarantäne gemusst, aber man würde behaupten, dass dich nur die Impfung vor einer Ansteckung geschützt hat. Vermutlich hattest du die Alpha-Variante, die dich aber auch vor Delta schützt. Das ist allerhand für eine Olle wie dich. Solltest du dich jetzt noch impfen lassen, zerstörst du im Nachhinein die natürlich erworbene Immunität.“
Ich hebe den Arm zum Corona-Ellenbogen-Abschied. Die Frau Keuner berührt meinen Ellenbogen mit ihrem und fängt an zu heulen, und ich spüre, wie auch mir die Tränen kommen. Ich mache ihr die Tür auf, damit sie das nicht mitkriegt. Doch als sie draußen ist, bleibt sie stehen, dreht sich zu mir um, atmet tief durch und reibt sich mit dem Handrücken über die Augen.
„Noch nie hatte ein einzelnes NEIN eine solch große Bedeutung“, sagt die Frau Keuner. „Du musst jetzt stark bleiben. Wir werden niemals erfahren, wie viele Menschen bereits immun waren, als sie geimpft wurden. Wir Menschen verfügen über große Selbstheilungskräfte, aber die Impfung vertuscht die Wahrheit. Deshalb musste alles so schnell gehen, deshalb die Panikmache. Die Corona-Impfung ist der größte medizinische Skandal in der Menschheitsgeschichte.“
„Das kann man doch so nicht sagen“, sage ich.
„So kann man das auch nicht sagen“, sagt die Frau Keuner. „Skandal ist untertrieben. Die Corona-Massenimpfung ist eine Katastrophe. Und dabei dürften die meisten Schulkinder längst immun sein. Es ist verwerflich, die Kinder zu impfen.“
„Ich will das Genesenen-G, für mich und meine kleine Tochter. Ich will meine Freiheit wiederhaben.“
„Stark bleiben, NEIN sagen“, verabschiedet sich die Frau Keuner. „Im Namen des Lebens.“
Meine Tochter gilt als „genesen“. Doch leider freut sich die Gesundheitspolitik nicht über eine selbsterworbene Immunität. Im Gegenteil: Nach sechs Monaten ist von Amts wegen Schluss mit „genesen“. Offiziell ist die Impfspritze schon gezückt. Impfjuristisch ist der „Genesenen“-Status der Erstimpfung gleichgestellt.
Am 14. Juli 2021, dem französischen Nationalfeiertag, blieb es in Paris trocken. So fiel die Selbstfeier der Grande Nation nicht ins Wasser. An genau diesem Tag jedoch ereignete sich in knapp 400 Kilometern Entfernung im Nachbarland Deutschland eine Hochwasser- Katastrophe mit verheerenden Folgen. Insbesondere Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen waren (und sind) betroffen.
Während Orte im Kölner Umland zum Teil schwer überflutet wurden (Erfstadt-Blessem), ist das Gebiet der Stadt Köln weitgehend verschont geblieben. (Kleine Ergänzung 19.8.: „Weitgehend verschont“ ist relativ. Gestern war ein Installateur hier, der den Wasseranschluss im Garten repariert hat. Im Keller seines Einfamilienhauses in Köln-Pesch stand das Wasser (u.a. Toiletten-Abwasser!) 85 cm hoch. Jetzt wird er sich eine Fäkalien-Rückstauklappe einbauen. Kein Einzelfall, wie er mir erzählte.)
Auch ich bekam am 14.7. eine Ahnung davon, was es heißt, von Wassermassen eingeschlossen zu werden und nicht weglaufen zu können. Hier in Nippes hat es so stark und so andauernd geregnet, wie ich es noch nie erlebt habe. Normalerweise sind Wolkenbrüche zwar heftig, aber kurz. Doch dieser Wolkenbruch hielt stundenlang an.
In unserem Keller tropfte für kurze Zeit ein Wasserrohr, und mein Versuch, ein paar Kochtöpfe zu spülen, misslang, weil das Wasser im Spülbecken stand und nicht abfließen konnte. Um mich zu entspannen, machte ich mir lächerliche Gedanken wie: Wann kann ich die Spülmaschine wieder anstellen? In manchen Momenten schäme ich mich dafür, Glück gehabt zu haben.
In Paris war längst durchgesickert, dass sich im Nachbarland Deutschland eine Unwetter-Katastrophe ereignet hatte. Das hielt die Veranstalter nicht davon ab, die Nation und die militärische Präsenz und Potenz der Atommacht Frankreich aufwändig zu feiern, insbesondere mit der in Paris üblichen Militärparade. Und als am Abend das Ausmaß der Hochwasser-Katastrophe sichtbar wurde, fand im nur wenige hundert Kilometer von der Ahr entfernten Paris das große traditionelle Feuerwerk statt.
Ich stelle mir vor, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hätte eine seiner Fernseh-Ansprachen gehalten und gesagt: Der Sturm auf die Bastille gehört zu unserer Geschichte, aber für heute ist er Geschichte, denn wir müssen versuchen, die Welt zu retten. Das Wohlleben der Bürgerinnen und Bürger, aber insbesondere mein persönliches Wohlleben hat unverantwortliche Dimensionen angenommen. Die Katastrophe hat mir die Augen geöffnet. Ja, Ich schäme mich. Es sieht so aus, als hätten viele Menschen ihr Leben verloren. In Solidarität mit den Menschen im Nachbarland Deutschland, die alles verloren haben, habe ich beschlossen, Ressourcen und Kräfte zu schonen. Daher sage ich das Feuerwerk ab.
Leider ist die große solidarische Geste ausgeblieben. Vermutlich hat Macron in der Nacht gut geschlafen, weil alles reibungslos geklappt hat -exakt bemessene vier Stunden, wie schon Napoleon empfahl: „Trump kommt nach eigenen Angaben mit vier Stunden Schlaf aus. Auch sein Amtskollege, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, benötigt lediglich vier Stunden Schlaf. Von Napoleon Bonaparte stammt das Bonmot: «Vier Stunden schläft der Mann, fünf die Frau, sechs ein Idiot.» “ https://www.tagblatt.ch/leben/die-schlaflose-elite-ld.1042629
***
Das Frühjahr 2021 war hier ziemlich verregnet, und bereits im Juni hat es im Kölner Umland Starkregen gegeben. Ich erinnere mich an den Abend des 4.Juni, als in Pulheim Straßen überflutet wurden und zahlreiche Keller vollliefen. Die Ironie der Katastrophe: Dem Boden hat der viele Regen gut getan. Die Amseln finden Regenwürmer – und brüten noch einmal.
15. Juli: Das Wasser ist abgeflossen. Luft und Wiesen sind feucht (und sollten es noch wochenlang bleiben). Beim morgendlichen Spaziergang mit Hund Freki hole ich mir nasse Füße. Nachmittags entdecke ich in unserem kleinen Garten eine Libelle, die auf einem alten Ast der Rose einen Platz gefunden hat. Sie bleibt dort stundenlang sitzen. Erst als ich Fotos mache, fällt mir auf, dass sie sich mit den Vorderbeinen an einer Dorne festhält, nicht krampfhaft, sondern libellenleicht.
Libellenleicht: Sogar die größten Libellen wiegen kaum mehr als ein Gramm.
Die Libelle beantwortet mir eine Frage, die ich ihr gar nicht gestellt habe:
Warum haben Rosen Dornen?
Eine
leise Antwort
der Libelle: Nur
für dieses eine Mal…
Augenblicksglück
Mir kommt das Wort Augenblicksglück einfach so, es fliegt mir sozusagen zu. Ich habe es noch nie gehört und will wissen, wer es in die Welt gesetzt hat.
Als ich das Wort Augenblicksglück in die Suchmaschine eingebe, entdecke ich einen klugen, ganz wunderbaren Text der Schweizer Theologin und Publizistin Doris Strahm. https://www.doris-strahm.ch/Strahm_015.pdfAugenblicksglück ist, so erfahre ich, ein Begriff der jüdischen Dichterin Rose(!) Ausländer (1901-1988) In ihrem Gedicht „Glanz“ lässt sie ein lyrisches Du „baden“ in einer Welle Glanz, die herangeschwemmt wird mit einer Muschel: „Augenblicksglück dieser Uferminute aus feinen Farben“
Wenn ich sage, dass ich „erschüttert“ war, als ich die Zeile las, die nicht nur die Welle, sondern „meine“ Libelle meint, ist das nicht übertrieben.
Doch was meint Augenblicksglück? „Philosophisch“, so Doris Strahm, „könnte man eine solche Erfahrung auch als Selbsttranszendenz des Lebens beschreiben: Für einen Augenblick bricht eine Dimension in die Alltagswirklichkeit ein, die für einen Moment die Begrenztheit der Endlichkeit durchbricht, ein Aufleuchten des Unendlichen im Endlichen.Im Augenblicksglück begegnet uns ein Überschuss an Wirklichkeit, ein Mehrwert des Lebens, fühlen wir uns geborgen in einem grösseren Ganzen.“
Übrigens hat die Rose, wie die Botanik sagt, keine Dornen, sondern Stacheln. Das weiß auch die beliebte WDR-Werbe-Maus, die die Kinder wissenschaftlich „aufklärt“.
“ …Die Maus sagt:
Rosen haben gar keine Dornen. Und ein Kaktus keine Stacheln. In der Botanik ist das nämlich so: Dornen wachsen auf dem Körper der Pflanze. Das ist so etwas wie ein Organ. Ein Dorn lässt sich schwer entfernen. Ein Kaktus hat Dornen, das ist ein umgewandeltes Blatt. Und Stacheln sind keine Organe, sondern wie Warzen. Sie lassen sich leicht entfernen. Wie bei einer Rose…“https://www1.wdr.de/radio/wdr2/themen/frag-doch-mal-die-maus/warum-haben-rosen-dornen-102.html (Bis zum 26.8.2021 mit Film)
Nun ist das zwar naturwissenschaftlich korrekt, aber geisteswissenschaftlich beschränkt. In Sagen, Legenden, Gedichten, Geschichten und Märchen haben die Dornen der Rose eine große, auch symbolische Bedeutung. Und wer sich ein bisschen mit Rosen auskennt, weiß, dass sich ihre zarten, abstreifbaren Stacheln mit der Zeit in kräftige Dornen verwandeln, denn die Stacheln alter Äste, die keine Blätter mehr tragen, verwachsen mit der Pflanze und lassen sich nicht mehr entfernen.
Blühende Rosen sind alt und jung zugleich. Die Blüte der Rose kann nur deshalb ihre besondere Schönheit entfalten, weil die Pflanze nicht nur zarte Blätter, sondern auch kräftige alte Dornen hat. Das interessiert die WDR-Maus nicht, aber das wissen die Dichter. Sie wissen auch, wie nah Jugend und Alter, Licht und Schatten und Schönheit und Schmerz beieinander liegen. Im 35. Sonett von William Shakespeare haben wir eine flüchtige Begegnung mit der Dorne der Rose.
„Roses have thorns, and silver fountains mud.“ Da ich die (zweite) Zeile aus dem Sonett herausreiße, erlaube ich mir, sie sehr frei und überdeutlich zu übersetzen: Selbst Rosen haben Dornen, und die Freudenfeuerwerksfontänen hinterlassen schnöde Schlacke. (s. Paris, Nationalfeiertag 14.Juli)
Im Märchen „Dornröschen“ muss der Prinz, um zu Dornröschen zu gelangen, eine (hundert Jahre) alte Dornenhecke überwinden. Viele Kandidaten verfangen sich in den Dornen und sterben, doch es gibt den Einen, der unverletzlich (immun!) ist. Als der Prinz kommt, der für Dornröschen bestimmt ist, öffnet sich nicht nur die Dornenhecke.
Von alten Dornen, die neues Leben hervorbringen, erzählt -naturwissenschaftlich nicht korrekt- ein deutsches Advents-Volkslied aus dem 19. Jahrhundert: Maria durch ein Dornwald ging
Ein Bild der Hoffnung: Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen.
Wir haben in Deutschland einen Gesundheitsminister, der zum Gesundheits-Verteidigungsminister mutiert ist. Jens Spahn, der seinerzeit bei der Bundeswehr ausgemustert wurde (ob seine Homosexualität der Grund war, ist nicht bekannt), hat dem Virus den Krieg erklärt und bietet schwerstes Geschütz auf: Die Massenimpfung. Von uns Bürgerinnen und Bürgern wird soldatische Treue erwartet: Wir sind das Impfvolk.
In einem Interview mit dem Merkur sagte Spahn einen Satz, der so noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre: „Impfen ist ein patriotischer Akt.“ Der Satz ist Teil einer Antwort auf die Interview-Frage Was sagen Sie Bürgern, die sich bisher nicht impfen lassen wollen? Spahn: „Es geht nicht nur darum, sich selbst zu schützen, sondern auch uns als Gesellschaft. Impfen ist ein patriotischer Akt. Ich halte nichts von einer Impfpflicht gegen COVID-19. Aber ein Gebot, sich impfen zu lassen – das gibt es schon. Ja, das Impfen ist eine persönliche Entscheidung. Aber es ist auch eine mit Auswirkungen für uns alle. Jeder Einzelne entscheidet mit darüber, wie schwer Herbst und Winter für uns alle werden…“ https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/interviews/interviews/muenchner-merkur-050821.html
Weil Spahns Formulierung „Patriotischer Akt“ für einen deutschen Politiker untypisch ist und mich eher an die hymnisch-sentimentalen Töne der amerikanischen Polit-Propaganda erinnert (MAKE AMERICA GREAT AGAIN), werfe ich einen Blick in Richtung USA. Und siehe da: Kopiert hat Jens Spahn (bzw. haben seine PR-Berater) den amerikanischen Präsidenten Joe Biden, der den diesjährigen amerikanischen Unabhängigkeitstag (4.Juli) zu einer Werbeveranstaltung für die Corona-Impfung umfunktioniert hat.
„… US-Präsident Joe Biden hat die Amerikaner am Nationalfeiertag mit Nachdruck zur Impfung aufgefordert, um gemeinsam die „Unabhängigkeit“ vom Coronavirus zu erreichen. Sich impfen zu lassen sei das „Patriotischste“, was die Bürger jetzt tun könnten, sagte er am Unabhängigkeitstag. „Falls Sie noch nicht geimpft sind, tun Sie es! Tun Sie es jetzt – für sich selbst, für Ihre Lieben, für Ihre Gemeinde, für Ihr Land!“Dank der Impfkampagne seien die USA „näher dran als je zuvor, ihre Unabhängigkeit von dem tödlichen Virus zu erklären“, betonte Biden…“https://www.tagesschau.de/ausland/unabhaengigkeitstag-usa-103.html
Biden’s Impfziel von 70% Vollgeimpften wurde nur knapp verpasst. Daher wurde im Jahr 2021 nicht nur die historische Unabhängigkeit von Großbritanien (1776) gefeiert, sondern eine neue Unabhängigkeitserklärung in Aussicht gestellt, die vom „tödlichen“ Virus. Beim Grillfest mit 1000 geladenen Gästen gab sich Joe Biden bescheiden. Der mächtigste Mann der Welt schlüpfte in den Schafspelz der Sanftmut. Sein pastorales Credo: Ich bin so sterblich und verletzlich wie ihr alle, ich bin einer von euch. Lasset uns eins sein im Kreis der Geimpften.
Amtsvorgänger und Impfbefürworter Donald Trump hätte, so denke ich, auch die zum Greifen nahe „Unabhängigkeit von dem tödlichen Virus“ gefeiert, aber mit einer Militärschau nach französischem Vorbild – wie im Jahr 2019.
Weil am 14. Juli 2017 auch an den Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg erinnert wurde, hatte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron den US-Präsidenten samt Gattin Melania zur Militärparade eingeladen, bei der auch rund 200 US-amerikanische Soldaten aufmarschierten – Zum Entzücken von Donald Trump, der direkt Ähnliches wollte: HABEN, HABEN, HABEN…
Und wie wurde in Frankreich der 14. Juli 2021 gefeiert, nachdem die Parade 2020 wegen Corona ausgefallen war? Magnifique! Mit militärischem Prunk und Pomp – zum Schutz des Präsidenten vor dem Volk unter Einhaltung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen:
Am 12. Juli, nur zwei Tage vor dem Nationalfeiertag, kündigte Emmanuel Macron, Sohn einer Kinderärztin und eines Neurologen sowie Bruder eines Arztes und einer Ärztin, in einer abendlichen Fernseh-Ansprache eine Impfpflicht für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitssektors an. Vor dem Hintergrund der drastischen Verschärfungen der staatlichen Corona-Maßnahmen war die Parade am 14. Juli vor allem eines: Die triumphale Feier der staatsmännischen Autorität.
Wenige Tage später begab sich Macron auf eine Dienst-Weltreise, deren vorrangiger Zweck die Selbstdarstellung gewesen sein dürfte. Auf der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele am 23.7. zeigte sich Macron in Tokio einem Welt-Publikum. „… „Wir müssen standhalten, wir müssen diese Spiele austragen“, sagte Macron, der am Freitagabend (Ortszeit) die Eröffnungsfeier besuchte, im französischen Fernsehen. „Das ist wichtig, weil der Olympische Geist ein Geist des Zusammenhalts ist. Das brauchen wir in diesen Zeiten.“...“ https://www.sport1.de/news/olympia/2021/07/macron-lobt-japan-wir-mussen-diese-spiele-austragen
Mens vaccinata in corpore vaccinato – Austragungsort der nächsten Sommer-Olympiade soll im Jahr 2024 Frankreich sein. Schon jetzt träumt Macron von einer Eröffnungsfeier mitten in Paris: „… Im Ziel soll eine Eröffnungsfeier stehen, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Sie zieht aus dem Stadion ins Zentrum, sie werde „einmalig und revolutionär“ schwärmt Staatspräsident Emanuel Macron bereits. Noch fehlen viele Details für die Zeremonie am 26. Juli 2024, bekannt ist, dass eine Party auf Lastkähnen auf der Seine geplant ist mit Hunderttausenden Schaulustigen am Ufer.“ https://www.eurosport.de/olympia/olympia-tokio-2020/2020/olympia-2021-frankreichs-traumt-von-bunten-und-lebendigen-spielen-2024-in-paris-macron-schwarmt-von-_sto8483885/story.shtml
Und mag auch der Olympische Geist überleben – Ich fürchte um des Präsidenten Geisteszustand.
Anschließend reiste Macron nach Französisch-Polynesien weiter. In Teahupoo im Süden von Tahiti sollen 2024 die Surf-Wettbewerbe der Olympischen Spiele stattfinden, knapp 16.000 km weit weg von Paris. Dieses Vorhaben ist nicht nur, was den Klimaschutz angeht, unverantwortlich. Es ist schamlos angesichts der Tatsache, dass Frankreich 30 Jahre lang die Atolle Mururoa und Fangataufa für (insgesamt 193!) Atombombentests missbraucht hat – mit katastrophalen Folgen für Mensch und Natur.
Schamlos ist auch, dass Macron in Tahiti als Corona-Heilsbringer auftrat und auch hier für die Impfung geworden hat. Denn die Impfquote in Französisch-Polynesien ist bislang niedrig (weniger als 30% der Bewohner sind bislang doppelt geimpft). Das jedoch könnte Macrons saubere Olympische Spiele gefährden.
Unten stehendes Video wurde in einem Krankenhaus in Papeete/Französisch-Polynesien an eben dem Tag gedreht, als im fernen Frankreich das Gesetz verabschiedet wurde. Wir sehen den Präsidenten auf einer Station des Krankenhauses. Was seinen Kleidungs-Beratern nicht hätte passieren dürfen: Macron ist gekleidet, als ginge er zu einer Beerdigung. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte. Nur die OP-Maske ist hellblau. Es ist nur zu hoffen, dass kein Covid19- Patient ihn so sehen bekam.
Macron kommt in der Station an, er begrüßt das medizinische Personal. Das letzte, zentrale Bild des Videos zeigt Macron in Großaufnahme, der Präsident, der die linke Bildschirmhälfte fast komplett ausfüllt, nimmt sich eine Person vor, die wir nicht zu Gesicht bekommen. Vermutlich ist es eine Pflegekraft, die sich nicht impfen lassen will. Es kann aber auch sein, dass dort nur ein Pappkamerad aufgestellt ist. Hinter Macron stehen weitere Personen, die ihm stumm den Rücken stärken. Alle tragen hellblaue Masken mit weißem Rand und weißen Bändchen. Macron, ein attraktiver Mann mit angenehmer Stimme, ist im Bildvordergrund so platziert, dass wir ihm beim Reden ins Gesicht gucken können. Was er sagt, hat er vermutlich auswendig gelernt.
Was Macron zu dieser Pflegekraft bzw. ihrer Attrappe sagt, sagt er gleichzeitig zu allen impfskeptischen Menschen. Auszugsweise wird der Text in der Süddeutschen Zeitung zitiert: „Der Präsident griff am Sonntag, von seiner Polynesien-Reise aus, diejenigen Franzosen, die sich nicht impfen lassen wollen, scharf an. Wer jemand anderen anstecke, weil er nicht geimpft sei, mache andere zu „Opfern seiner Freiheit“. Wenn Nicht-Geimpfte als Covid-19-Patienten im Krankenhaus behandelt werden müssten und deshalb „andere Operationen abgesagt werden müssen“, dann „nennt sich das nicht Freiheit, sondern Verantwortungslosigkeit und Egoismus“, so Macron.“ https://www.sueddeutsche.de/politik/frankreich-corona-gesundheitspass-1.5363799
Monsieur Macron, könnte es nicht sein, dass der eigentliche Egoist ein ganz anderer ist?
Ihr kontaminiert euren Vater, eure Mutter oder sogar mich…. „moi-même!“… Monsieur Macron, ich kann Sie beruhigen. Sie müssen keine Angst vor uns Ungeimpften haben, denn ich glaube nicht, dass irgend jemand von uns vorhat, Sie zu umarmen.
Am Schluss seiner fünftägigen Reise hielt Macron noch eine Rede in der Hauptstadt Papeete. „Die Nation hat eine Schuld gegenüber Französisch-Polynesien“, sagte er. Aber Macron bat – anders als von Opfer-Verbänden gefordert – nicht um Vergebung. Er versprach lediglich „Aufklärung“ sowie eine bessere Entschädigung der Opfer. „… Das Wort „Entschuldigung“ nahm Macron in seiner Rede nicht in den Mund. Tatsächlich verteidigte er grundsätzlich die Entscheidung seiner Amtsvorgänger ausgehend von Charles De Gaulle, Frankreich zu einer Atommacht zu machen. Dies habe auch dem Schutz von Französisch-Polynesien gedient, sagte Macron in Papeete.Opfer-Vertreter Uebe-Carlson übte scharfe Kritik: „Es gibt keinerlei Fortschritt in dieser Rede, nur Demagogie.“ Der französische Staat verbreite weiterhin Lügen...“ https://www.tagesschau.de/ausland/europa/atomversuche-suedpazifik-macron-101.html
Die Opfer lediglich mit Geld abzuspeisen, ist blanker Hohn. Der Gipfel der Scham- und Respektlosigkeit ist allerdings die selbstgerechte, menschenverachtende Behauptung, dass die atomare Bewaffnung Frankreichs „dem Schutz von Französisch-Polynesien gedient“ habe.
In seiner Egomanie und Geltungssucht erinnert mich der französische Präsident zunehmend an den absolutistischen „Sonnenkönig“ Ludwig den 14.
Eine Kostbarkeit ist ein fast 50 Jahre alter WDR–Zeitzeichen-Beitrag des aus der Schweiz stammenden Journalisten Hans-Conrad Zander. „Der König stinkt“ ist voller geschliffen scharfer Sätze wie diesem: „Denn es kennzeichnet den allgemeinen Gestank einer Epoche, dass ihn die Zeitgenossen selbst nicht wahrnehmen.“
Als das Kölner Großbordell PASCHA noch geöffnet war, begegnete ich einmal auf dem Bahnsteig des nahe gelegenen Nippeser S-Bahnhofs einer Gruppe junger Männer, die einen Junggesellenabschied feierten und mit der Bahn angereist waren.
„Wat kuckst du so, wir sind auf Spritztour“, rief einer der Männer. „Abspritztour“, ergänzte grinsend ein anderer, sammelte Speichel und spuckte direkt vor mir auf den Boden. Wie bei den Junggesellenabschieden im PASCHA üblich, gingen die Männer vermutlich nicht ins PASCHA-Laufhaus, sondern „nur“ in den PASCHA–Nightclub, wo „nur“ mit Champagner gespritzt wurde, was schäbig genug ist. Die Tarife im Nightclub waren: „Gratiszugang für „Senioren“ ab 66, für Geburtstagskinder und Bräutigame auf Junggesellenabschied (für die aber nur freitags). Alle anderen müssen unter der Woche 30, am Wochenende 35 Euro Eintritt für den Pascha Nightclub zahlen. Inklusive Alkohol, Stripshow und allem Pipapo.“ Unbedingte Leseempfehlung: https://www.emma.de/artikel/eine-emma-reporterin-im-pascha-bordell-266177
Das Wort „Spritztour“ wird, so denke ich, auch für Internet-Pornos benutzt. Zur Überprüfung setze ich mich an den Rechner. Als ich in die Suchmaschine „Spritztour Porno?“ eingebe, komme ich auf die Seite „Superscharfe Spritztour mit Milena“. Die Bilder, die ich zu sehen bekomme, erspare ich mir zu beschreiben. Ich kotze fast.
Umso erstaunlicher ist es, dass sich der Begriff „Spritztour“ in einer Werbung für eine Corona-Impf-Kampagne der KV (Kassenärztliche Vereinigung) Nordrhein wiederfindet.
„Spritztour“ klingt, als handele es sich bei der Massenimpfung um ein Volksvergnügen. Schamlos ist, eine umstrittene medizinische Maßnahme als Event zu verkaufen. Darüberhinaus ist „Spritztour“ in dem Zusammenhang ein euphemistischer, verschleiernder Begriff, denn…
„Eine Impfung erfüllt aus juristischer Sicht – wie jede andere eingreifende ärztliche Maßnahme auch – zunächst einmal den Tatbestand einer Körperverletzung… Diese Körperverletzung ist nur dann nicht rechtswidrig, wenn ein Rechtfertigungsgrund im juristischen Sinne, bei ärztlichen Eingriffen in der Regel in Form der Einwilligung seitens des Patienten vorliegt.“ https://www.impf-info.de/component/content/article.html?id=89:impfaufklng-juristisches
Auch aus ethisch-moralischer Sicht ist die Verabreichung einer Spritze eine massive Grenzüberschreitung, denn Medizinerinnen und Mediziner dringen -wenn auch mit steriler Nadel- in einen fremden Organismus ein und verletzen Haut und Gewebe. Manchmal ist diese Verletzung/Selbstverletzung medizinisch unumgänglich, etwa bei der Insulin-Behandlung von Menschen mit Diabetes. Doch sollte man insbesondere gegenüber Kindern, was den Einsatz von medizinischen Nadeln betrifft, zurückhaltend sein. Ich denke da vor allem auch an Blutabnahmen, die man nur im Notfall durchführen sollte.
Injektionsspritzen gibt es übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert. Bei wikipedia lese ich folgendes: „In der Antike und im Mittelalter wurden Substanzen zwar „gespritzt“, jedoch nicht in das Gewebe oder in Gefäße, sondern in frei zugängliche Körperöffnungen.“ Das heißt: Oral, anal, vaginal – und vermutlich auch in die Nasenlöcher und in die Ohren.
Die Impfkampagne „Spritztour“ zu nennen, ist nicht nur harmlos biederwitzig. Unter der verklemmten Vokabel schimmert meines Erachtens etwas durch, das man eine klammheimliche Freude nennen könnte: Ihr kommt alle dran. Und haben nicht vielleicht auch einzelne (natürlich nur einige wenige!) Ärztinnen und Ärzte eine gestörte Lust dabei, Menschen mit medizinischen Instrumenten zu verletzen, sie zu stechen, ihnen etwas zu verabreichen oder in sie hinein zu spritzen? Ungestraft darf auf der Internet-Seite von Thieme, „marktführender Anbieter von Informationen und Services, die dazu beitragen, Gesundheit und Gesundheitsversorgung zu verbessern“ (thieme.de), seit 2014 folgender Text stehen, der heiter daherkommt, aber meines Erachtens verächtlich ist:
„Blutabnehmen kann richtig Spaß machen. Das merkt man spätestens im Innere-Tertial im Praktischen Jahr. Dort wird man bei 20 bis 30 Blutabnahmen täglich rasch zum versierten Blutsauger. Die meisten PJler beginnen mit einer eher niedrigen „Trefferquote“, die sich dann bis zum Ende gewaltig hochschraubt. Dann ist selbst die adipöse Asthmatikerin mit quasi inexistenten Unterarmvenen kein Problem mehr: Kanüle rein, Stempel raus – und schon fließt das Blut angenehm rieselnd ins Röhrchen.“ („Dr. med. Gross, Anästhesist in Berlin“)https://www.thieme.de/viamedici/klinik-medical-skills-praxisanleitungen-1551/a/praxisanleitung-blutabnahme-23698.htm
Auch die „Spritztour“ macht den Ärztinnen und Ärzten richtig Spaß, schon deshalb, weil sie ihnen einen guten Zuverdienst sichert. Die Idee, die Kampagne „Spritztour“ zu nennen, hatten dabei wohl kaum die abgebildeten Mediziner, sondern die Mitarbeiter der KV-Presseabteilung. „Spritztour“ kommt so lustig und heiter daher wie „der kleine Pieks“. „Spritztour“ banalisiert, was meines Erachtens unverantwortlich ist.
Denn Impfungen haben unter Umständen katastrophale Folgen für die Geimpften. Was zur Zeit nicht oder nur rudimentär stattfindet, ist eine tatsächliche Aufklärung der Menschen über mögliche Langzeitschäden einer Impfung. Ich komme einmal mehr auf die Schweinegrippe-Impfung, weil wir ihre katastrophalen Folgen als deutliche Warnung verstehen sollten. Die Schweinegrippe-Impfung „wurde bundesweit empfohlen, aber von den Bürgern kaum angenommen. Gott sei Dank, denn die Impfung hatte und hat erhebliche Nebenwirkungen. Bis heute sind alleine in Deutschland mehr als hundert meist junge Menschen an Narkolepsie erkrankt (viele von ihnen erst nach Jahren!). Die Pandemie ist jedoch ausgeblieben, Pandemrix-Dosen im Wert von 20 Millionen Euro mussten vernichtet werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben damals eine unrühmliche Rolle gespielt, indem sie in Sondersendungen für die Impfung geworben haben.“ https://stellwerk60.com/2020/03/27/zweites-corona-elfchen-coronoia/
Hauptleidtragende waren und sind Kinder und Jugendliche, die deutlich häufiger erkrankten als Erwachsene. Das Schreckliche an der Krankheit: Sie setzt den uns innewohnenden, in frühester Kindheit mühsam erworbenen Tag/Nacht-Rhythmus außer Kraft, der es uns ermöglicht, dass wir uns in Raum und Zeit orientieren und nicht „aus der Welt fallen“.
Die Schweinegrippe-Impfung hat zudem gezeigt, dass eine Impfung nach Jahren noch eine schwere Krankheit auslösen kann. Was die „späten Fälle“ betrifft, wird gerne behauptet, die Krankheit wäre bereits kurze Zeit nach der Impfung ausgebrochen, aber erst später aufgefallen. Das ist aber nicht der Fall. Die durch die Schweinegrippe-Impfung verursachte Narkolepsie ist tatsächlich in vielen Fällen erst nach Jahren ausgebrochen. Warum das so ist und überhaupt sein kann, erklärt ein informativer Artikel im Ärzteblatt, den auch medizinische Laien verstehen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63356/Grippeimpfung-Wie-Pandemrix-eine-Narkolepsie-ausloest
Die Schweinegrippe war für Kinder und Jugendliche deutlich gefährlicher als Corona. Insofern war es damals gerechtfertigt, die Impfung für Kinder und Jugendliche anzubieten. Bei Covid 19, einer Krankheit, die Kindern kaum etwas anhaben kann, sieht das ganz anders aus. Kinder dürften (vielleicht bis auf wenige Ausnahmen) nicht gegen Corona geimpft werden! Die Impfung ist unverhältnismäßig, denn der „Nutzen“, den Kinder von der Impfung haben, steht in keinem Verhältnis zu den Risiken.
Ich kann verstehen, dass Menschen sich impfen lassen, um nicht weiter gemobbt und denunziert zu werden, wie es impfskeptischen Menschen zunehmend passiert. Ich kann verstehen, dass Menschen sich impfen lassen, um Freiheiten zurück zu bekommen. Doch diese Freiheit hat einen schalen Beigeschmack, denn auch und gerade die „Befreiten“ sind an der langen Leine einer Gesundheitspolitik, die sich zunehmend als autoritär und freiheitsberaubend entpuppt.
Ich kenne Menschen, die sich impfen lassen, weil sie völlig überzogene Krankenkassenbeiträge bezahlen und endlich etwas vermeintlich Wertvolles, als das uns die Impfung verkauft wird, zurückhaben wollen. Auch das verstehe ich. Was ich nicht verstehen kann, ist, dass man sich mit einer Portion Heimatgefühl und einer Thüringer Rostbratwurst ködern lässt, so gerne ich die ab und an esse, aber nur mit viel Senf.
Übrigens werden auch im Kölner REWE Thüringer Spezialitäten angeboten:
Heichelheimer Kartoffelpuffer: Dass sich Produkte aus dem deutschen Osten im deutschen Westen gut verkaufen, ist gewiss auch unserer Bundeskanzlerin zu verdanken. Mit frischen Kölner Rievkooche können die Frost-Puffer allerdings nicht konkurrieren. Angela Merkel stammt übrigens nicht aus Thüringen, sondern aus Brandenburg. Und eine Heichlerin ist sie auch nicht.