Was ich mir wünsche: Ballots Bins für Köln, denn hier passen sie hin!

In der autofreien Siedlung Stellwerk 60 gibt es zwei Straßen, die sich so nennen, obwohl es eigentlich keine sind: Die Kesselhausstraße und die Wagenhallenstraße. Beide sind zwar (im Ausnahmefall) mit schweren Fahrzeugen befahrbar, aber es handelt sich um Fuß- und Radwege.

Im Dezember 2011 bin ich auf der Wagenhallenstraße bei Glatteis mal richtig fies ausgerutscht. Ich war zu Fuß unterwegs und bin aus der Höhe meiner recht langen Beine mit der vollen Wucht von knapp 70 Kilo Wintergewicht (inklusive Winterklamotten) aufs Steißbein geknallt, so dass mir -wie ich es noch nie erlebt hatte- für eine Weile und gefühlt fünf Minuten die Luft wegblieb. Ich richtete mich langsam auf und sog jammernd und röchelnd Luft ein. Es war fürchterlich, aber es hatte so kommen müssen. Die Wagenhallenstraße wurde noch nicht gestreut. Hinfallen war sommers wie winters Alltag, denn auch fünf Jahre nach Baubeginn war Stellwerk 60 immer noch eine Großbaustelle voller Stolperfallen.

Erst seit Abschluss der Bauarbeiten 2013 ist die Stadt Köln für Sommer- und Winterdienst zuständig, Das klappt zu unser aller Zufriedenheit wunderbar. Nur eines hat immer gefehlt: Ein Abfalleimer. Doch seit zwei Wochen…

Der erste Abfalleimer an der Wagenhallenstraße seit ihrer Benennung im Jahr 2006 wurde von Mensch und Tier ganz selbstverständlich angenommen, so als wäre er immer schon dagewesen:
Der kleine Hund wird gleich sein Beinchen heben – und sich als Rüde zu erkennen geben.
Übrigens wurden auch am leider namenlosen Rad/Fußweg Richtung S-Bahn Nippes noch am selben Tag zwei neue Abfalleimer aufgestellt!

Der Abfalleimer steht auf der kleinen Rasenfläche am Siedlungseingang Wartburgplatz. Das knappe Grün ist, wie wir alle wissen, ein Hundeklo. Das ist in Ordnung, solange die Leute die Hundehaufen aufheben und wegwerfen. Ein Vorteil des grünen Abfalleimers: Man könnte auch nachträglich einen (jetzt noch fehlenden) Behälter für „Hundekotbeutel“ anbringen. Schwieriger wird’s mit der Entsorgung von Zigarettenkippen, denn dafür hat der Abfalleimer keine separate Vorrichtung.

Doch auch für die Raucher ist der Abfalleimer besser als keiner. Denn das Wegschmeißen von Zigarettenstummeln kann teuer werden. Anfang Juni 2019 wurde ausgerechnet in Düsseldorf ein neuer Bußgeldkatalog veröffentlicht. Die Kommunen in NRW dürfen bis zu 100 (!) Euro (statt wie bisher bis zu 25 Euro) pro weggeworfener Kippe verlangen. Ich persönlich halte die Zwangsmaßnahme für völlig überzogen. Zwar sind unachtsam weggeworfene (zugegeben giftige) Zigaretten-Kippen ein großes kommunales Problem, aber der Bußgeldkatalog erklärt den Raucher, der den Stummel auf den Boden schmeißt, zu einer Art Schwerverbrecher. Und was meint die sittenstrenge NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) dazu?

Ursula Heinen-Esser bei der Vorstellung des neuen Bußgeldkatalogs am 5. Juni: „Der öffentliche Raum ist kein Mülleimer. Und die oftmals acht- und rücksichtslose Müllentsorgung ist kein Kavaliersdelikt.“ – Als gäbe es keinen Unterschied zwischen der Bagatelle „weg mit der Kippe“ und einem tatsächlichen Umwelt-Verbrechen, beispielsweise der Verklappung von Gift-Müll.

Zu den neuen Bußgeldmaßnahmen passt die Parole des Heimatministeriums: DAS IST SOOO DEUTSCH! Wie man humorvoll und locker die Menschen dazu bewegen kann, Zigarettenkippen „ordungsgemäß“ zu entsorgen, machen uns die Engländer vor. THAT IS VERY BRITISH:

Ballot Bin, gesehen in Ipswich/England, High Street, Mai 2018. In vielen englischen Städten wird das Wegschmeißen von Zigarettenkippen zum Spiel. Ein „Ballot Bin“ stellt an die rauchenden Passanten jeweils eine kleine Frage. Auf die Frage gibt es zwei verschiedene Antwort-Möglichkeiten. Zum Beispiel wird in London regelmäßig gefragt: „Who will win Saturday local derby, Arsenal or Tottenham?“ Je nach Antwort wirft der Passant/die Passantin die Kippe durch eine Öffnung auf der linken (Arsenal) oder durch eine Öffnung auf der rechten Seite (Tottenham). Nebenbei bemerkt: Gestern (18.11.) gab es beim lokalen Londoner Derby der Fußball-Frauen in der Women’s Super League mit 38.262 Fans im Tottenham Hotspur Stadium einen neuen Frauenfußball-Zuschauerrekord. Das Spiel gewann der FC Arsenal gegen Aufsteigerin Tottenham mit 2:0. Ob es auch diesmal die entsprechende Ballot-Bin-Frage gab, weiß ich nicht.
Dass die Kippen gerade dann, wenn die Kommune nicht mit Strafe droht, sondern ein freundliches Spielchen anbietet, nicht auf der Straße, sondern im Kasten landen, beweist der oben abgebildete Ballot Bin, den ich vor anderthalb Jahren fotografiert habe- Gut gefüllt mit echten Ipswicher Kippen. Übrigens gibt es mittlerweile auch in Deutschland Ballot-Bin-Pilotprojekte!
Mehr zu den originalen Ballot Bins und zum Erfolg der Aktion:
https://commonworks.co.uk/project/ballot-bin

Doch auch wenn ich in Köln noch keine Ballot Bins gesehen habe, gab es doch kürzlich auch hier ein schönes Beispiel dafür, wie man die öde Müllentsorgung in ein munteres Spiel umfunktionieren kann.

Köln-Marathon, Versorgungsstation Nippes, Neusser Straße. Der Köln-Marathon ist immer auch ein Sport- und Volksfest. Hier versucht ein Läufer -ohne Rücksicht auf verloren gehende Sekunden- einen leer getrunkenen (Mehrweg!) -Wasserbecher in das Netz mit Aufdruck „Becherrückgabe“ zu werfen, was übrigens geklappt hat. Ein Spaß für die Akteure – und für die Beifall katschenden Zuschauer.

Und was wurde neben Dextro Energy Drinks vor allem getrunken?

Energie aus dem Rhein: Echtes Kölner Leitungswasser, eine gute Erfrischung für die internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer!
https://www.youtube.com/watch?v=En-g9gLh1QM

Elfchen im Neunten: Wildblumenweisheit

Der Sommer 2019 war zwar wieder viel zu trocken, aber eine regnerische erste Augusthälfte sorgte für Entspannung. Und anders als im Vorjahr gab es nur wenige Tropennächte (über 20°). Es geschehen also noch Zeichen und Wunder. Aber auf Wunder darf man nie warten. Wir müssen was tun.

Ein Wildblumenstreifen vor der KiTa Lummerland. Das Grünflächenamt der Stadt Köln hat im vergangenen Jahr einen Teil der Wiese an den Nachbarschaftsverein der autofreien Siedlung übergeben. Die Pflege der Wiese ist eine echte Herausforderung: Das Gras wird nicht gemäht, sondern gesenst. Der Hingucker sind allerdings die Wildblumen. Mehr Informationen unter: https://www.nachbarn60.de/wildblumenwiese.html

Auf der Internet-Seite des Nachbarschaftsvereins werden auch die wohlklingenden Namen der Wildblumen genannt: „Ackersenf, Klatschmohn, Margerite, Kamille, Steinklee, Wiesen-Flockenblume, Glockenblume, Moschusmalve, Echte Malve, Schafgarbe, Löwenzahn, Weißklee, Ackerklee, Färber-Kamille, Kornblume, Spitzwegerich und Vergißmeinnicht…“ Ich habe mir erlaubt, ungenau zu zitieren und das heuer längst verblühte „Vergißmeinicht“ nicht mit zwei „s“, sondern mit „ß“ zu schreiben. Ich mag das scheue Vergißmeinicht, mag seinen Namen und den Buchstaben „ß“, den es nur in klein gibt und ausschließlich in der deutschen Sprache.

 

 

Nie

leuchteten die

Farben so schön

wollte die Welt untergehn

Wildblumenweisheit

 

Stellwerk 60 – Ein Projekt mit Weitblick

Nach meinem „Elfchen im Achten“ musste ich Schelte beziehen. Warum redest du so kritisch über die Stadt Köln, wo du doch seit 42 Jahren ohne Unterbrechung gerne hier lebst?

Zu meiner damaligen Wahl sage ich heute noch einmal:  „Ja.“

Auch wenn ich manches kritisch sehe, hänge ich doch sehr an meiner Wahlheimat-Stadt. Man könnte mich nirgendwohin mehr verpflanzen. Der Mann meines Lebens ist gebürtiger Kölner, meine beiden Töchter sind hier aufgewachsen.

2007 haben wir in der Autofreien Siedlung Stellwerk 60 nichtsahnend ein Haus gekauft. Das Reihenhaus musste erst noch gebaut werden, es wurde höher, die erste Zwischendecke wurde eingezogen… Doch erst, als das Dachgeschoss fertig war, machten wir beim Blick durch das noch unverglaste Fenster eine Entdeckung. Ein Bauwerk, etwa drei Kilometer weit weg von hier, zeigte uns seine zwei Türme: Der Kölner Dom. Na ja, eher die Spitzen der Türme.

Im Sommer nimmt uns ein hoher Baum mit üppigen Blättern die Sicht, aber spätestens an Weihnachten gibt der Winter den Blick wieder frei. Ohne die zwei Domspitzen, die manchmal im Nebel verschwinden, würde ich nicht wissen, wie oft es hier dunstig oder regnerisch ist. Aber eines weiß ich genau: „Mer losse d’r Dom en Kölle, denn do jehööt hä hin.“

Eine gute Kommunalpolitik gibt uns Bürgern den Raum, den wir brauchen. Nur so kommen wir uns nicht ins Gehege. Eine gute Idee:

In den ersten zwei Ferienwochen gab es wieder „Mini-Nippes“, die beliebte Sommerferienfreizeit rund um die Olympiahalle (vgl. den Vorjahres-Beitrag hier im Blog). Damit die Kinder und Jugendlichen bequem parken konnten, hatte die Stadt Köln direkt vor dem Eingang zwei Auto-Parkplätze gesperrt, nur tagsüber natürlich. Es hat geklappt: Zwei Auto-Parkplätze gingen „verloren“, aber man hatte Platz für 24 Fahrräder und zwei Roller gewonnen… Da ohnehin viele Anwohner auf Reisen waren, gab es, soviel ich weiß, keine Beschwerden.

Ein Platz für Pflanzen:

Allen Unkenrufen zum Trotz ist Köln auch eine grüne Stadt. Das Grün ist da, wir müssen es nur finden – und entsprechend pflegen. So sucht die Stadt Köln „engagierte Bürgerinnen und Bürger, die eine Patenschaft für ein Baumbeet oder eine Grünfläche in unseren Straßen, Grünanlagen oder auf Plätzen übernehmen.“ Wichtig: „Es dürfen für die Pflege des Grüns oder zur Bekämpfung von Schädlingen keine chemischen Mittel verwendet werden.“

Weitere Informationen: https://www.stadt-koeln.de/artikel/05239/index.html#

Elfchen im Achten: Jautsch

Die Stadt Köln schafft seit einiger Zeit nicht nur immer mehr Briefkästen, sondern auch öffentliche Mülleimer ab. Das trifft vor allem die Hundebesitzer hart, die ja die gefüllten „Hundekotbeutel“ nicht ewig mit sich herumtragen, sondern möglichst schnell loswerden wollen. Ich beobachtete Folgendes: Als an der Ecke Sechzigstraße/Werkstattstraße der Bodenbelag des Bürgersteigs erneuert wurde, stand den Arbeiten ein Müllbehälter im Weg. Der wurde kurzerhand entfernt und nie wieder aufgestellt. Das ist kein Einzelfall. Auch andere vor allem für die Nippeser Fußgänger wichtige Abfallbehälter sind spurlos verschwunden. Zwei Beispiele: Ein Müllbehälter stand  an der Hartwichstraße kurz vor dem S-Bahnhof Nippes, direkt neben den Glascontainern, der zweite an der Kempener Straße auf Höhe der Bus-Haltestelle St. Vinzenz-Krankenhaus.

Mysteriös ist das Verschwinden nicht. Ein Mitarbeiter der AWB erklärte mir den Schwund folgendermaßen: Das Entfernen von  Mülltonnen geschehe in bester nachhaltiger Absicht. Die Stadt Köln wolle ihre Bewohner zu achtsamen, mündigen Bürgern erziehen. Stelle man weniger Mülltonnen bereit, würde auch weniger Müll produziert. Die Menschen würden vor dem Wegschmeißen noch einmal gründlich nachdenken, sie würden die Dinge besser pflegen und sorgsamer mit ihnen umgehen.

Ein Denkfehler mit Folgen: Der Wanderer, der kein Klo vorfindet, kann in seiner Not im Wald verschwinden. Doch mitten in Nippes gibt es keinen Wald. Und es ist nicht unbedingt ein Klo, das man braucht. Was soll man tun, wenn man eingekauft hat und im Rucksack platzt der Joghurtbecher auf oder der Saft läuft aus? Wer in solch einer Situation weit und breit keinen Abfalleimer findet, erklärt die (Um)Welt zur Müllkippe.

Diese Quetschtube mit der Bezeichnung „Wahre Schätze“ hatte jemand -wütend, wie es scheint- auf den Bürgersteig geschmissen und noch mal nachgetreten. Die Tube beinhaltet weder Ketchup noch Mayonnaise, sondern eine REPARIERENDE SPÜLUNG.  Mit der Lüge, dass man Spliss reparieren kann oder dem falschen Versprechen, dass sich graue Haare wieder in braune verwandeln lassen, macht die Kosmetikindustrie schöne Geschäfte.

Jautsch

Klockslülps ulff

Weial schwulpp balumm

Blotzel seufzl loff ploff

Squiekasquiek

Die von mir im Elfchen benutzten Wörter stammen inklusive „Jautsch“ allesamt aus Band 3, 2005 der „Simpsons Classics“ (Superhelden im Überfluss). Meine jüngere Tochter hat jahrelang, als wir noch via Zimmerantenne die privaten Fernsehsender inklusive Pro7 empfangen konnten, „Die Simpsons“ geguckt, und sie hat Simpsons-Hefte gesammelt. Ich bewahre sie für sie auf: Wahre Schätze würde ich niemals wegschmeißen.

Im Impressum der deutschen Ausgabe wird leider kein Übersetzer genannt. Deutsch ist, wie man sieht, nicht nur eine Sprache der Dichter und Denker, sondern auch eine vortreffliche Comic-Sprache. „Jautsch“ habe nicht ich, sondern „Jautsch“ hat sich sozusagen selber geschrieben. Ich habe nur die im Heft verstreuten Wörter zum Elfchen zusammengestellt. Um die Ausdrücke dem Thema gemäß noch saftiger zu machen, habe ich ein paar Mal den Buchstaben „R“ gestrichen und ein paar Mal zusätzlich den Buchstaben „L“ eingefügt. Die schönen Wortneuschöpfungen „Jautsch“ und „Squiekasquiek“ habe ich unangetastet gelassen.

Ich kaufe, also bin ich

Für Gerhild, die heute Geburtstag hat.

Beste Freundin und Verbündete seit Kindergartentagen, Wahlhamburgerin, Demokratin, Naturfreundin und Kämpferin

 

Beim morgendlichen Spaziergang mit unserem Hund fand ich heute eine knallrote Stofftasche von DM. Laut DM-Internetseite heißt die Farbe allerdings nicht „rot“, sondern „fuchsia purple“, was auch immer das bedeuten soll. Die Tasche lag im kleinen Siedlungspark unter einer der beiden Tischtennisplatten. Irgend jemand hatte sie weggeworfen. Wenn Menschen sich nicht einmal die Mühe machen, die Dinge, die sie nicht mehr haben wollen, in einen Abfalleimer zu tun, hat das vielleicht folgenden Grund: Die Menschen fühlen sich in der Schönen Neuen Wellness-Welt nicht mehr ernst genommen.

Auf dem Trageband der Tasche steht folgender Spruch: „HIER BIN ICH MENSCH… HIER KAUF ICH EIN“. Ich persönlich kaufe gerne bei DM (das zweideutige Kürzel stammt noch aus D-Mark-Zeiten), denn es gibt dort Praktisches und Nützliches, aber auch Schönes und Leckeres in guter Qualität, wie z.B. Zahnpasta,  Spülmittel, Spülmaschinen-Tabs, Basmati-Reis, Schokolade, Lippenstifte, Haartönung, Deostifte, Klopapier und Küchenrollen aus Recycling-Papier. DM hat eine gut sortierte Bio-Abteilung, auch deshalb kaufe ich gerne dort ein. Aber ich kaufe ganz gewiss nicht dort ein, um hier Mensch zu sein.

Hunde müssen bei DM draußen bleiben. Das fällt ihnen nicht schwer, denn bei DM gibt es eh keine große Auswahl an „Hundezubehör“. Gutes Hundespielzeug wie Bällchen am Band (3,99 €) kriegt man bei Klütsch, Kempener Straße 13. Nippeser Hunde lieben auch den großen KODI (Bällchen am Band kosten hier ebenfalls 3,99€!) an der Neusser Straße. Das freudige Bellen von Hunden, die ihre „Besitzer“ in einen der zwei Läden hinein ziehen, will sagen: „Hier bin ich Hund, hier darf ich rein.“

Wer trägt 2019 das Gelbe Trikot?

Na, wer wohl?
Liebes Stadtradeln-Team,
Alf ist im Team Stellwerk60 – SattelFest, was Bayern München in der Fußball-Bundesliga ist: Fast uneinholbar. Er gewinnt jedes Jahr, jetzt zum dritten Mal hintereinander, und die anderen streiten sich um die Plätze.
Lieber Alf, herzlichen Glückwunsch zum Gelben Trikot! Du hast es clever gemacht. Deine alljährliche große Fahrrad-Tour, diesmal Quer durch Süddeutschland, hast du in die zweite Hälfte des Kölner Stadtradelns gelegt. 476 erradelte Kilometer in drei Wochen!

Gelb ist eine klare Ansage.

Wenn es einen Kampf um die (Sitz)- Plätze gibt, hilft nur eines: der Tisch muss groß genug sein. Also findet die Siegerehrung in diesem Jahr im „Kaffee-Kessel“ statt, dem siedlungseigenen Versammlungsraum neben der Mobilitätsstation. Hier steht er: Der große Tisch der autofreien Siedlung Stellwerk 60. Der kann zwar nicht mit dem legendären Tisch der Kommune 1 konkurrieren, aber das will er auch nicht. Das genaue Datum der Siegerehrung werde ich noch bekanntgeben: Irgendwann im Frühherbst.

Die weiteren Preisträgerinnen und Preisträger:
Lieber Christoph, herzlichen Glückwunsch zu 304 geradelten Kilometern, manche davon mit Siedlungs-Honig im Gepäck. Du bist Zweiter geworden. Und du hast es geschafft, Mitradler anzuheuern und davon zu überzeugen, dass Stellwerk60 – SattelFest ein Top-Team ist. Ich war diesmal zum Anheuern zu faul und hatte bis zuletzt gehofft, dass, wenn schon nicht der komplette Hans-Georg, sich zumindest der Georg aus den Fängen des 4VCD befreit und in unsere Mannschaft zurück kommt.
Liebe Barbara, vielen Dank für dein Porträtfoto. Du hast damit die dürftige Stadtradeln-Internetseite deutlich verschönert!
Liebe Tilla, wenn du mir deine Kilometer gesagt und deine Zugangsdaten nochmal mitgeteilt hättest, wären wir jetzt 22 Personen. Ein doofes Missverständnis, aber auf meinem Trittbrett war es ja auch gemütlich.
Ich weiß, dein Trikot wäre rosa geworden – mindestens!
Liebe Beate, dir ist Erstaunliches gelungen. Frau Zimmermann-Buchem hat eigens für dich die „Stadtradeln“ -Internetseite der Stadt Köln einen Tag nach dem offiziellen Anmelde-Schluss reaktiviert. So konntest du noch alle deine Kilometer eintragen. Herzlichen Dank für dein Engagement!
Alle anderen Radlerinnen und Radler unseres Teams bekommen, wenn sie zur Siegerehrung kommen, leckere Trostpreise.
Alle Gute, radelt munter weiter, Teamkapitänin Lisa

Drei Männer mit Hut: Siedlungsflohmarkt

Einmal im Jahr findet im Park zwischen S-Bahn-Trasse und Stellwerk 60 ein Siedlungsflohmarkt statt. Verkaufen lohnt sich kaum, ich hab es einmal versucht. Aber darum geht es auch nicht. Die Nachbarn kommen miteinander ins Gespräch, eine Standgebühr muss man nicht bezahlen, und für nur 1 Euro bekommt man ein Stück leckeren, hausgebackenen Kuchen.

Die beiden sind sich grün.

Der Mann rechts neben „Bürgermeister“ Hans-Georg Kleinmann ist nicht sein kleiner Bruder, sondern sein Tischtennis- bzw. Ping Pong-Partner beim ESV Olympia Nippes. Ich denke, die beiden harmonieren auch am Brett. Der Mann, der rechts im Bild gerade aufbricht, ist Martin Esch. Er hat im Jahr 1994 (vor 25 Jahren!) den „Arbeitskreis Autofreie Siedlung“ mitgegründet. Ohne diesen Arbeitskreis hätte es Stellwerk 60 nie geben.

Der Flohmarkt war in diesem Jahr kleiner als sonst.  Mit 36 Grad wurde es brüllend heiß. „Aber schön war es doch“ – um es mit Hildegard Knef zu sagen.

Der Zeckenindikator

Da die Winter immer wärmer und kürzer werden, werden die Zecken früher im Jahr aktiv und bleiben es länger. Mein Dortmunder Vetter Rudolf erzählte mir von seinem Wanderurlaub in Süddeutschland. Mit dabei waren Rudolfs Frau Barbara und beider gemeinsamer Hund. Eines Abends zählte Rudolf 30 Zecken. Die hatte allerdings nicht der Hund sich gefangen, sondern er.
Mit Borreliose infiziert hat sich Rudolf nicht. Das Risiko zu erkranken, ist gar nicht so hoch, wie man denkt. Zwar tragen (je nach Gebiet) bis zu 30 % der Zecken Borrelien in sich, aber nur 2,6 bis 5,6% der gebissenen Menschen entwickeln Antiköper dagegen. Lediglich 0,3 bis 1,4% der von einer Zecke Gebissenen erkranken tatsächlich an Borreliose (Zahlen: Robert-Koch-Institut, Stand: 14.2.2018)
Was den Großbereich autofreie Siedlung Stellwerk 60 angeht, kann ich Entwarnung geben. Es ist nicht schlimmer als im Vorjahr. Unser Hund ist ein verlässlicher Zeckenindikator.

Juli 2019

Ein Foto aus dem letzten Jahr (Archiv Juli 2018):

Zecken, zupfreif. Ich habe damals die Zecken nicht entfernt. Wenn die Zecken neben dem Auge sitzen, sträuben sich die Hunde dagegen, dass man sie rauszieht. Sie fürchten um ihr Augenlicht. Die Hunde wissen: Wenn der Mensch die Zecke entfernt, kann es schnell Entzündungen geben mit Schwellungen, die die Sicht nehmen..

Gefährlicher für Hunde sind die sogenannten „Ährchen“. Ährchen sind zwar nicht giftig, aber so spitz, dass sie sich in die Haut hineinbohren und schwere Entzündungen hervorrufen können. Jetzt, wo Gras und wildes Getreide hoch gewachsen sind (Wiese vor der KiTa Lummerland!), hat unser Hund ständig welche im Fell. Passiert ist noch nichts, wahrscheinlich weil Frekis Pelz dicht und wollig ist. Auch die Zecken bevorzugen spärlich behaarte Hautpartien, etwa im Gesicht. Im dichten Fell verirren sie sich.

 

Übrigens: Gegen Zecken soll Bernstein helfen. Ein Rauhhaardackelbesitzer von der Hartwichstraße erzählte es mir, und sein Dackel hob den Kopf in die Höh‘ und präsentierte mir stolz seine Bernsteinkette.

Rehabilitation eines Unworts

Liebes Stadtradler, liebe TrittbrettfahrerInnen im Team SattelFest der autofreien Siedlung Stellwerk 60,
jedes Jahr wird ein Wort aus dem deutschen Sprachraum dazu auserkoren, „Unwort des Jahres“ sein. Ich ärgere mich immer, denn „da wild was velwechsert“, würde Ernst Jandl sagen.
Unwort des Jahres 2004 war „Humankapital“. Eine „hochkarätig zusammengesetzte Jury“ aus vier SprachwissenschaftlerInnen und einer/m weiteren Expertin/Experten hatte es unter 1218 Wörtern ausgewählt. In der Begründung der Jury heißt es: „Der Begriff degradiert nicht nur Arbeitskräfte in Betrieben, sondern Menschen überhaupt zu nur noch ökonomisch interessanten Größen.“

Leider beruht die wohlgemeinte Wahl auf einem Denkfehler. Denn es ist nicht das Wort, das die Menschen degradiert, sondern die gesellschaftliche Realität. „Humankapital“ ist nicht per se ein Unwort, sondern ein Begriff, der uns unter Umständen die Wahrheit erzählt: Wir leben in einer profitorientierten Gesellschaft, die der Menschlichkeit immer weniger Raum lässt. Wenn zum Beispiel ein Sozialwissenschaftler sagt: „Die kapitalistische Wirtschaftsordnung degradiert uns Menschen zum Humankapital“, dann ist Humankapital ein Wort, das uns aufrüttelt. Bei allen Wörtern und Unwörtern kommt es darauf an, wer sie benutzt – und in welchem Zusammenhang.

Ein Buch des Humoristen Eckhard Henscheid hieß „Dummdeutsch“. Allein des Titels wegen wünsche ich mir eine erweiterte Neuauflage.
War „Trittbrettfahrer“ auch einmal Unwort? Ich gucke im Internet nach. Die Medien wissen mit dem Wort nicht viel anzufangen. Der Entertainer Harald Schmidt will das Wort sogar abschaffen und witzelt 2013 in focus: „Trittbrettfahrer“ kann weg, zumal es kaum noch Trittbretter gibt.
„Trittbrettfahrer“ war nie „Unwort des Jahres“. Zu finden ist das Wort allerdings in einer  „Liste sozialer Unwörter“, die das „Armutsnetzwerk“ 2013 erstellt hat. Trittbrettfahrer, so heißt es,wird auch für Menschen benutzt, die ein schwerwiegendes Delikt wiederholen oder davon profitieren.“ Das begreife ich nicht: Was kann das Wort „Trittbrettfahrer“ dafür, dass Menschen Verbrechen begehen?
Es kommt auch hier auf den Zusammenhang an, in dem das Wort steht. Manchmal nämlich werden z.B. Wohngeld-Empfänger als „soziale Trittbrettfahrer“ bezeichnet, was ähnliche Assoziationen hervorruft  wie „Sozialschmarotzer“, völlig zurecht laut „Armutsnetzwerk“ ein soziales Unwort.
(Hinzufügung 2/2024: Mein Unwort des Jahres 2018 lautet „Asoziale Trittbrettfahrer“. Geprägt hat den Begriff der Arzt und Wissenschaftsmoderator Eckart von Hirschhausen, der so die Skeptiker der Masern-Impfpflicht beleidigt und zu disqualifizieren versucht. Die facebook-Seite der Tagesschau zitiert Hirschhausen am 5.11.2018: „Der Mediziner und Moderator Eckart von Hirschhausen hat sich erneut deutlich fürs Impfen ausgesprochen. In einem Kommentar auf welt.de schreibt er: „Wer sich nicht impfen lässt, ist ein asozialer Trittbrettfahrer.“ “ https://www.facebook.com/tagesschau/posts/der-mediziner-und-moderator-eckart-von-hirschhausen-hat-sich-erneut-deutlich-f%C3%BCr/10156998901534407/?locale=de_DE
Aber was ist das „Armutsnetzwerk?“ Im Internet heißt es: „Das Armutsnetzwerk ist eine unabhängige Organisation. Es ist bestrebt, in Kooperation mit anderen regional, bundesweit und international aktiven Initiativen und Organisationen von Menschen mit Armutserfahrungen, Obdach- und Wohnungslosen sowie sogenannten „Randgruppen“ den Kampf gegen Armut und Ausgrenzung zu verstärken. Das Armutsnetzwerk ist offen für alle.“
In Zeiten wie unserer, wo die Menschen wie von Geisterhand losgelassen als Swatchbälle durch die Welt titschen und die etablierten Parteien allmählich den Geist aufgeben, brauchen wir mehr denn je basisdemokratische Organisationen, die Sinn und Zusammenhang stiften. Und wir brauchen noch etwas: Die große solidarische Geste („Gemeinsam schaffen wir das“).
Die „große solidarische Geste“ kann sich allerdings nur der leisten, dem man zuhört. Den Armen hört aber kaum jemand zu, vor allem dann nicht, wenn sie noch dazu obdachlos oder wohnungslos sind. Die Liste mit 23 Wörtern ist daher nie fortgesetzt worden. Dabei hat das „Armutsnetzwerk“ mit der „Liste sozialer Unwörter“ einen wichtigen Beitrag zur Enttarnung sprachlicher Entgleisungen geleistet. Zum Beispiel enthält die Liste, die vertieft und fortgeführt werden müsste, zwei wirkliche soziale Unwörter: „Sozial Schwache“ und „Bildungsferne Schichten“. Man merkt: Hier schreiben keine gut situierten Experten, sondern Betroffene.
Eine andere schöne Internetseite, „Armutszeugnisse.de“, ist 2017 „eingefroren“ worden. Das ist traurig. Unbetreute Internetseiten sind virtuelle Geisterdörfer, sie sind wie Orte, wo keiner mehr lebt. „Menschenloses Obdach“ könnte man sie nennen.
Liebe Stadtradlerinnen und Stadtradler,
zurück zu „Trittbrettfahrer“. Ich möchte ein „soziales Unwort“ rehabilitieren. Denn was sind Trittbretter eigentlich?
Zum Beispiel sind es die mit Rollen versehenen kleinen Bretter, die Eltern an den Kinderwagen hängen, damit das Geschwisterkind nicht hinterher laufen muss. Also was Schönes.
Fortan fahre ich bei „Stadtradeln“ als „Lisa Wilczok & TrittbrettfahrerInnen.“ Wir, eine Kleingruppe im großen Team, sind jetzt fünf Personen. Die vier, die mit mir fahren, sind Freunde, die jeden Tag durch die Stadt radeln, aber keinen Bock haben, ihre Kilometer einzutragen. Die Vier wissen noch nichts davon. Manchmal muss man die Menschen zu ihrem Glück zwingen. Tilla, dich habe ich auch auf dem Trittbrett.
Heute (27.6.) können wir noch Kilometer eintragen. Die sich angemeldet haben, aber keine Kilometer eingetragen, hol ich auch noch auf’s Brett.
Übrigens: Mit dem Einrad gefahrene Kilometer zählen dreifach.
Herzliche Grüße und Dank an alle,
die Teamkapitänin
(Lisa)

Critical Mass Nippes: Was hat die, das ich nicht habe?
Bärinnenkräfte.

Es gibt immer wieder wunderbare sprachliche Neuschöpfungen, nicht nur im Deutschen:
Parole der Critical Mass in Frankreich

+++Eilmeldung+++ Skandal beim Stadtradeln+++cambio verlost Guthaben für Autofahrten+++

Morgen beginnt das diesjährige Kölner Stadtradeln. Auch der Autovermieter cambio ist wieder dabei: „Ob Kunde, Mitarbeiter oder einfach CarSharing-Sympathisant – alle sind herzlich eingeladen, sich der Gruppe „cambio CarSharing Köln“ anzuschließen.“

Würde cambio zum Stadtradeln aufrufen und Luftpumpen verteilen, wäre das ja schön. Aber die Werbung fürs Radeln ist eine verkappte Werbung fürs Autofahren: „Unter allen Teilnehmern, die ihre Radkilometer eintragen, verlosen wir am Ende des Aktionszeitraums 10 mal 20 € cambio-Fahrtguthaben.“

Es ist ja ganz wunderbar, dass Cambio Autos verleiht und keine Autos verkauft, aber Autos sind Autos, und geliehene Autos reinigen vielleicht unser Gewissen, verpesten die Luft aber auch.
Macht es anders. Meldet euch unter http://www.stadtradeln.de an im Team Stellwerk60 – SattelFest. Bei uns winkt zwar kein Autofahren für lau, aber ihr alle dürft, so oft ihr wollt, mit unseren siedlungseigenen Tretautos fahren.

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