Kamala Harris for Vice-President!

Die WDR-Talksendung „Hart aber fair“, die gestern abend um 21.30h im „Ersten“ ausgestrahlt wurde, warb mit einem reißerischen Titel: „Trump oder Biden – die freie Welt vor einer Jahrhundertwahl! Die letzten Stunden vor einer Wahl, die für die USA und die Welt historisch ist.“ Dass es sich bei dieser Wahl um eine Jahrhundertwahl handelt, halte ich für eine maßlose Übertreibung. Hierzulande (in den USA dürfte es anders sein) zittert keiner mehr vor Donald Trump.

2016 war das anders. Die letzte Wahl war tatsächlich eine Jahrhundertwahl, denn ihr Ausgang, die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Atom-Macht USA, hat gezeigt, wie fragil unsere Demokratie ist. Vor allem hat die Wahl im Jahr 2016 an unsere existentiellen Ängste gerührt, die wir permanent verdrängen müssen, um überhaupt leben zu können, insbesondere die Angst vor einem Atomkrieg. Wer sich erinnern will, wie sich kluge, phantasiebegabte Menschen nach der Wahl gefühlt haben, nämlich „schockstarr“, möge sich folgendes Video angucken, in dem der großartige deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz zu Wort kommt, der fordert, dass wir Trump endlich ernst nehmen sollen: https://www.youtube.com/watch?v=wAkRMAd4uuw

In seiner Wahrhaftigkeit hat mich das Video damals sehr getröstet, denn Christoph Waltz gehört zu den Menschen, die sich nicht betrügen. In den deutschsprachigen Medien hingegen spielte man die Gefahr herunter, und man hörte beschwichtigende Sätze wie: „Vielleicht ist er gar nicht so gefährlich, wie er tut“, oder: „Man muss Trump eine Chance geben.“ Politisch sind solche „Unschuldsvermutungen“ nicht nur dumm, sondern auch fahrlässig: „Man wird erst wissen, dass er vorhatte, Atombomben auszuprobieren, wenn er es wirklich tut.“

Ich denke an das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Es erzählt davon, dass wir lernen müssen, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Übertragen auf die Unschuldsvermutung gegenüber Trump ist es so, als würde die Ziegen-Mutter zu ihren Kindern sagen: „Lasst den Bösen Wolf ruhig ins Haus, er gilt zwar als böse, aber das sind nur Vorurteile, denn ob er vorhat euch zu fressen, können wir erst im Nachhinein wissen. Der Bursche wird sich schon benehmen.“

Donald Trump hat -salopp gesagt- ein ausgesprochen schlechtes Benehmen. Er verhält sich, als seien die USA sein privates Unternehmen, als gehörten die USA ihm, als seien die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten seine Angestelllten, die er heuern und feuern kann, wie er nur will. Trump verhält sich so wie ein cholerischer, unreifer Knabe, der die Sau rauslässt. Aber Trump ist kein Knabe, sondern ein erwachsener Mann, ein Brandstifter, der über Leib und Leben der Bürgerinnen und Bürger entscheiden kann. Was entsetzlich und hierzulande kaum bekannt ist: Donald Trump hat die Todesstrafe ausgeweitet. Seit dem vergangenen Jahr lässt er nach einer Unterbrechung von 16 Jahren wieder Hinrichtungen auf Bundesebene vollstrecken.

Wir müssen hoffen, dass Trump die Wahl, die gerade eben stattfindet, verliert. Es gibt da eine Politikerin, die ist anders als Trump eine entschiedene Gegnerin der Todesstrafe, anders als Trump leugnet sie den Klimawandel nicht, und anders als Trump ist sie gegen die freie Verfügbarkeit von Schusswaffen. Ich rede von Kamala Harris, und die gibt -im wahrsten Sinne des Wortes- eine richtig gute Figur ab. Es möge gesagt werden dürfen: Kamala Harris ist auch was fürs Auge.

In der Selbstpräsentation sind die US-Amerikaner uns Deutschen meilenweit voraus. Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker sind immer auch Medienfiguren, die sich freiwillig oder unfreiwillig exhibitionieren, doch das scheinen die Deutschen immer noch nicht begriffen zu haben, insbesondere… Frau Merkel müsste dringend an ihrem Outfit feilen.

Worin die Chance liegt: Der Demokrat Joe Biden hat Kamala Harris zu „seiner“ Vize-Präsidentin bestimmt. Das ist ein Amt, das es hierzulande nicht gibt. Der Vice-President hat eine große Bedeutung. Im Falles des Todes, des Rücktritts oder der Amtsenthebung des Präsidenten ist der Vizepräsident bzw. die Vizepräsidentin die erste Person, die das Amt des Präsidenten übernimmt. Zugleich wäre Kamala Harris, sollte Biden die Wahl gewinnen, seine wichtigste Beraterin.

Demokratien brauchen Volksvertreter, wir brauchen Menschen, denen wir vertrauen können. Zur Wiederbelebung der Demokratie braucht es weibliche Energie! Kamala Harris for Vice-President!

In der öden gestrigen „Hart aber fair“- Sendung wurde Joe Biden zum Vorwurf gemacht, dass er im Wahlkampf nicht aggressiv genug aufgetreten sei. Diesen Vorwurf halte ich für gefährlich, denn dahinter steht die Forderung nach dem harten Mann, der autoritär durchgreift. Überhaupt ist der politische Umgangston „seit Trump“ rauer geworden. Angela Merkel und ihre politischen Verbündeten verhalten sich mittlerweile ähnlich respektlos wie Trump, so, als seien wir Bürgerinnen und Bürger bloße Befehlsempfänger.

Auch in Deutschland verschwimmen die Grenzen zwischen „öffentlich“ und „privat“. Wir erleben eine eigentlich nicht zumutbare Einmischung in unser Privatleben. Gestern, am ersten Tag des „Lockdown light“, verkündete Angela Merkel eine Weihnachtsbotschaft. Spiegel-online: „Zum Start des Corona-Shutdowns geht die Kanzlerin noch einmal in die Offensive. Ihre Botschaft: „Nur wenn jetzt alle mitziehen, wird es kein einsames Weihnachten.““ Das ist so anmaßend!

Gegen das, was tatsächlich unser aller Leib und Leben bedroht, insbesondere die Klimakatastrophe, wird nichts gemacht. Deutschland drückt weiterhin auf die Tube. Dass, während die Wälder in den USA brennen, der Liter Diesel in Deutschlandmit 99 Cent weniger als einen Euro kostet, finde ich grob fahrlässig. Demgegenüber steht ein meiner Meinung nach blinder Aktionismus, was den Kampf gegen das Virus betrifft. Gegen die „Naturkatastrophe Corona“ (Angela Merkel) fährt man gigantische Geschütze auf. Zwangsmaßnahmen werden verhängt, die verharmlosend „Lockdown light“ genannt werden.

Mit dem „Kampf gegen Corona“ wird demonstriert, dass man die Gefahren unter Kontrolle bekommt. Ja, das Virus bekommt man unter Kontrolle, aber nur deshalb, weil es so gefährlich nicht ist. Das ist so lächerlich, aber ich kann nicht lachen, weil der Schaden bereits immens ist. Dabei sind wir Menschen gegenüber den tatsächlichen Bedrohungen vollkommen ungeschützt. Angela Merkels Wohnung brennt lichterloh, aber sie geht ins Bad und passt auf, dass die Badewanne nicht überläuft.

Anders als in den USA gibt es in Deutschland keine Todesstrafe mehr, und man kann Schusswaffen nicht im Supermarkt kaufen. Zum Glück, denn hierzulande liegt eine furchtbare Anspannung in der Luft. Die Menschen sind erschöpft und tieftraurig.

Um nicht zu vereinsamen, haben wir gelernt, unsere Kritik an den Zwangsmaßnahmen zu bremsen und zu verdrängen- und spüren kaum noch, wie wütend wir sind. Da wir uns zwingen zu glauben, dass die Politiker nur unser Bestes wollen, richten wir die Aggressionen gegen uns selber – und werden depressiv.

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Privater Waffenbesitz in Deutschland: Dass wir keine Waffen im Haus haben, stimmt nicht so ganz. Beim Entrümpeln finde ich im Keller eine Wasserbomben-Schleuder. Hiermit und auch mit Wasserpistolen hatten meine Töchter (und wir Eltern, vor allem ich, der Plastikmüll hielt sich im Rahmen und sei uns verziehen) großen Spaß. Und dennoch ist auch diese Schleuder ein „Nachfolgerin“ einer der frühesten Waffen der Menschheit, der Steinschleuder.  Um zu überleben, mussten die Neandertaler jagen,  aber sie hatten vor den Tieren (und der Schöpfung) Respekt. Vermutlich töteten sie „maßvoll“, denn sie erjagden niemals mehr Tiere, als sie zum Überleben brauchten Die Neandertaler waren weitaus zivilisierter als wir,  denn sie hatten zwar Waffen, haben es aber in den über 200.000 (!) bezeugten Jahren nicht „geschafft“, die menschliche Spezies auszurotten…. Die Schusswaffen, die in den USA verkauft werden, sind weder notwendiges Übel noch Spielzeug, sondern dazu da, auf Mitmenschen grichtet zu werden. 

Vor gut vier Jahren habe ich einmal eine Mail (am 22.Juni 2016, „Trump“ lag schon in der Luft) in eine Gruppe von Weintrinkerinnen aus dem Umfeld des legendären Nippeser „Weinhaus(es) im Viertel“ (das es leider schon länger nicht mehr gibt) geschickt. Aus aktuellem Anlass sei die Mail hier noch einmal abgedruckt (und die Weinkennerinnen mögen mir die „Zweitverwertung“ verzeihen):

„Liebe Wein-Kennerinnen,  

in den USA darf man erst mit 21 Jahren Alkohol trinken. Ganz anders sieht es mit dem Besitz und Gebrauch von Schusswaffen (die oft aus Deutschland kommen) aus. Mit tödlichen Waffen schießen dürfen schon die ganz Kleinen. Da gibt es etwa die spezielle, voll funktionstüchtige Kinder-Knarre „My First Rifle“.  

Hier das Quiz zum Thema:  Warum ist an manchen US-Schulen das Lesen von „Rotkäppchen“ verboten?  

a: Weil Rotkäppchen auf den Beifahrersitz eines College-Boys gehört und nicht in den Wald. … b: Weil Rotkäppchen ihrer Großmutter eine Flasche Wein mitbringt. … c: Weil der Böse Wolf ein Terrorist sein könnte.  

Alles stimmt, aber die richtige Antwort lautet:

https://www.spiegel.de/fotostrecke/kampagne-choose-one-fotostrecke-95902.html …“

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