Elfchen im Zehnten: Was ist mit unserer Gesellschaft geschehen, wenn…

… Zwei

Fremde Menschen

Die einander umarmen

Fast ein Verbrechen begehen?

StaatsArmutszeugnis

Ich persönlich bin ein zurückhaltender Mensch und wäre verunsichert oder sogar schwer bedient, wenn mich eine fremde Frau bei usseligem Wetter anspräche, mich umarmte und bäte, drei Minuten stehen zu bleiben und mit ihr zusammen eine „lebendige Skulptur“ zu bilden. Menschen in den Arm nehmen, „um mit ihnen warm zu werden“, genau das machte die Kölner Künstlerin katharinajej bei ihrer Kunst-Aktion im Winter 2019.

Katharinajej hat damals Menschen gefunden, die nicht so distanziert sind wie ich und gerne mitgemacht haben. Denn wozu hat der Mensch zwei Arme? Das ist ja das Schöne: Wenn wir nur wollen, lassen wir uns nicht nur umarmen, sondern umarmen einander.

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Plakat zu einer Performance, die sehr lange dauern sollte –  Monatelang hing es am Rand des Wilhelmplatzes an der Kachelwand des  sogenannten Nippeser „Tadsch Mahal“ (Norbert Burger), eines  Klo/Kiosk/Trafo-Betongebäudes, das zwar heruntergekommen ist, aber als geselliger Ort vor allem bei gutem Wetter einen gewissen Charme hat (Beton-Tribünen-Sitzplätze mit Blick auf den Wilhelmplatz, Büdchen mit Kuchenverkauf und Kaffee-Ausschank). Vor dem Hintergrund einer Politik der sozialen Kälte mit ihren rigiden Corona-Abstands-Regeln bekam katharinajejs Aktion eine neue politische Dimension, die so wohl in keiner Weise geplant war. Großartig!

Wenn ich aus Richtung Stellwerk 60 zum Markt kam, fiel mein Blick jedes Mal auf das Plakat, das mich immer mehr berührte. Am 16. April habe ich es dann fotografiert – und anschließend von dort aus den Nippeser Wochenmarkt:

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Köln-Nippes, Wihelmplatz.Die Corona-Maßnahmen sind auch schlecht für die Umwelt. Nachdem im letzten Jahr auf dem Wochenmarkt Plastitüten eingespart wurden, wird  seit dem Frühjahr 2020 Obst und Gemüse auch aus Hygienegründen wieder vermehrt in  (meist gelbe) Tüten gepackt. 16. April: Noch gibt eine keine Maskenpflicht, also kann auch auf dem Markt ungestraft ein Apfel verspeist werden. Dass sie den Apfel allerdings nur in 50 und nicht in 20 Metern Entfernung zum Marktstand hätte essen dürfen, wusste diese Apfelesserin nicht. Die Verordnung ist ja auch ziemlich bekloppt.

In den ersten Coronoia-Wochen durften auf dem Wochenmarkt ausschließlich Nahrungsmittel verkauft werden, was die Zahl der Stände, die mit weitem Abstand zueinander aufgebaut wurden, deutlich reduzierte. Barrieren wie Klappkisten aus Plastik wurden aufgestellt und die Kunden nur einzeln vorgelassen. Erst am 20. April sollte der Markt wieder für alle Händler geöffnet werden, auch für die Verkäufer von Textilien und Haushaltswaren.

Da zu befürchten war, dass die Menschen einander zu nahe rückten, wurden Mitte April neue Beschränkungen festgelegt. In der „Corona Schutzverordnung NRW im Bereich der Kölner Wochenmärkte“ aus dem Monat April heißt es: „…Nutzen Sie den Markt zur Nahversorgung nur zum Einkaufen… Besuchen Sie den Markt möglichst alleine und nicht mit der ganzen Familie… Verzichten Sie auf Selbstbedienung… Halten Sie den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern zwischen Personen ein… Vermeiden Sie Menschenansammlungen… Beachten Sie, dass der Verzehr von Speisen und Getränken nicht direkt am Stand erfolgen darf, sondern nur in einer Entfernung von mindestens 50 Metern um den jeweiligen Marktstand…“ https://www.stadt-koeln.de/artikel/69523/index.html

In jener „Schutzverordnung“ wird an anderer Stelle bereits die Maskenpflicht ab dem 27.4. angekündigt, eine Maßnahme, die seither unsere Freiheit dermaßen einschränkt, dass ich sie nicht für möglich gehalten hatte. Mit Einführung der Maskenpflicht durften immerhin wieder mehr Stände aufgebaut werden. Die „neue Normalität“ hat überall ihren Preis: Auf dem Nippeser Wochenmarkt patrouillieren seit Ende April regelmäßig Sicherheitskräfte. Doch da man immerhin erkannt hat, dass die Leute die Strafgeld-Androhungen ernst nehmen und sich an die Maskenpflicht halten, sieht man mittlerweile von der Abriegelung des Wochenmarkts, die tatsächlich an einigen Wochenenden angeordnet und durchgeführt wurde, ab.

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Als ich am 28. Juni 2020 noch einmal die Kachelwand fotografierte, war in ganz Deutschland der Kultur- und Unterhaltungsbetrieb bereits weitgehend lahmgelegt. Sämtliche angekündigte Veranstaltungen des „Zirkus Roncalli“ auf dem Kölner Neumarkt (s.Plakat) waren längst auf 2021 verschoben worden. Katharinajejs Kunst-Aktion jedoch war nicht außer Kraft gesetzt, sondern wirkte weiter. Das Plakat sollte noch wochenlang hängen bleiben. Wann genau es von der Wand genommmen wurde, weiß ich nicht.

Tatsächlich stattgefunden haben im Juni übrigens die Auftritte des Tanztheaters „Hairy“ (s. Plakat) mit dem Programm Der maskierte Friseur. Es klingt wie erfunden, ist es aber nicht. (Da auch die realen Friseure und Friseurinnen nach wie vor nur maskiert arbeiten dürfen und ich die Befürchtung habe, dass sie dadurch gehandicapt sind, sehe ich auch jetzt im Oktober keine andere Wahl und greife selber zur Schere.)

Ihre Förderer (u.a. das Kulturamt der Stadt Köln und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrheinwestfalen) würden katharinajejs Aktion heute wohl kaum noch unterstützen. Dass man fremde Menschen in den Arm nimmt, ist angesichts von Corona ein schwerer Verstoß, nicht nur am Ballermann.

Wen die Corona-Zwangsmaßnahmen, die wir für die Wintermonate erwarten müssen, besonders hart treffen werden, sind die alten Menschen. Ich bin in den letzten Monaten einigen alten Menschen begegnet, die keine Angst vor Corona haben, aber vor einer weiteren Verschärfung der staatlichen Zwangsmaßnahmen.

Die Gesundheitswerbung hat, was alte Menschen betrifft, eine komplette Kehrtwende gemacht. Nachdem in den letzten Jahren wissenschaftliche Studien herausfanden, was der gesunde Menschenverstand ohnehin wusste, dass nämlich Berührungen der Gesundheit zuträglich sind, wurde im Jahr 2019 von der Krankenkasse DAK körperliche Nähe zu alten Menschen propagiert: „Geht Omas drücken!“ Ab März war (und ist!), gerade was ältere Menschen betrifft, überall Distanz angesagt. Schnoddrig-lässig heißt es unreim gereimt von oben herab: „Bring Corona nicht zur Oma.“

Wer als besonders hilfebedürftig gilt, ist „Oma“. Die meisten Corona-Toten sind ja tatsächlich alte Frauen. Doch das liegt vermutich daran, dass Frauen in der Altersgruppe der über Achtzigjährigen ohnehin in der Mehrzahl sind.

Ich finde, wir dürften nur die eigene Großmutter „Oma“ nennen. Von älteren oder alten Frauen generell als von „Omas“ zu reden, ist respektlos. Die Anrede „Oma“ diffamiert, wenn es nicht die eigene ist. Wenn wir Skat oder Doppelkopf spielen und so gute Karten bekommen, dass wir gar nicht anders können als zu gewinnen, haben wir ein „Omablatt“ auf der Hand. „Oma“ ist lieb, aber ein bisschen beschränkt, dümmer als „Opa“, falls es den noch gibt.

Auch für den Virologen Christian Drosten sind alte Menschen, was den Kontakt mit Angehörigen betrifft, vor allem eines: In aktuter Infektions-, d.h. vermutlich auch Todesgefahr. In einem Interview auf zeit.de popagiert Drosten die Idee einer „Vorquarantäne“: „Ich halte das Prinzip der Vorquarantäne für eine gute Idee. Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden. https://www.zeit.de/wissen/2020-10/christian-drosten-corona-massnahmen-neuinfektionen-herbst-winter-covid-19/komplettansicht

Würden mir meine Töchter anbieten, in Quaratäne zu gehen, bevor sie mich Weihnachten besuchen, würde ich sie ausladen. Aber solche Töchter habe ich nicht.

„Das Prinzip der Vorquarantäne“ klingt so traurig verklemmt und so schaurig verkrampft. Öde neue Welt. Ich würde gerne darüber lachen, aber der Schaden, den solche „Empfehlungen“ anrichten können, ist enorm. Christian Drostens Gedanken sind lebensfern. Es scheint, als seien die Viren die einzigen sozialen Kontakte, die Drosten hat.

Elfchen im Neunten: Pufffff…

Nachdem das „Pascha“, eines der größten Bordelle Europas, coronabedingt fünf Monate lang geschlossen war, meldeten die Betreiber Anfang September Insolvenz an. Das zehn(!)geschossige „Laufhaus“ (es nennt sich so, weil die Freier zwecks Auswahl der „Dame“ durch die Gänge des Gebäudes laufen) ist keine 15 Geh-Minuten von der autofreien Siedlung Stellwerk 60 entfernt.

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29.7.2020: Noch ist das „Pascha“ nur vorübergehend geschlossen. Fünf Wochen später ist klar, dass niemand mehr das goldglänzende Rollgitter hochzieht .

All

You can

Eat… Ufffff… Yes!

All you can f…

Pufffff…

Die Coronoia-Politik mit ihren rigorosen Zwangsmaßnahmen hat das Elend der Prostitution deutlich zutage gebracht. Viele Prostituierte, die ihren traurigen Job in den seltensten Fällen freiwillig machen und in der Regel ohnehin am Rand des Existenzminimums leben, wurden durch die Schließung der Puffs in die Illegalität getrieben. https://www.express.de/koeln/zufaellig-entdeckt-corona-verstoss–koelner-polizei-hebt-illegalen-puff-aus-36607810

Seit Wochen hatten Prostituierte (überwiegend Frauen) für die Wiedereröffnung der Puffs demonstriert, auch vor dem Kölner Dom. https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/koeln-corona-sexarbeiter-demonstration-100.html Die mitverantwortlichen Kölner Kommunalpolitiker interessierte das, wie mir schien, kaum.

Prostitution ist ein Wirtschaftsfaktor. Die Bundesrepublik Deutschland gilt als „Bordell Europas“. Die liberalen deutschen Prostitutionsgesetze und günstige Preise locken Sextouristen aus aller Welt auch nach Köln.

Das Gebiet rundum die Hornstraße, an der das „Pascha“ liegt, ist trostlos und heruntergekommen. Gegenüber vom „Pascha“ hat ein Eros Center die Krise überstanden. „Das Bordell“ ist mittlerweile wieder in Betrieb.

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Aushang, fotografiert am 29.7.2020: „Das Bordell… Paket Lieferung… Bitte 20 m links in Eifachrt faheen … Vielen Danke…“

Henriette Reker, die am vergangenen Sonntag in der Stichwahl zur Oberbürgermeisterin wiedergewählt wurde, kennt das „Pascha“ wohl nur vom Hörensagen. Ich würde Frau Reker gerne einen Wandertag quer durch Köln empfehlen. Sie möge aus Neuehrenfeld kommend die Liebigstraße entlang gehen und hinter dem Gelände der „Fleischversorgung Köln“ in die Hornstraße einbiegen.

Den muffig-ätzenden Gestank, der hundert Jahre lang aus Richtung „Fleischversorgung“ kam und vom Schlachten erzählte, haben die Anwohner nicht mehr in der Nase. Der Schlachthof hat vor einigen Jahren den Betrieb eingestellt. Doch der fies beschmierte Geldautomat, der neben dem „Pascha“ an einer Hauswand hängt, tut es wohl immer noch.

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Die Warnung auf dem Bildschirm, dass die Geldscheine eingefärbt sind, gilt nur für den Fall, dass man auf die Idee kommt, den Automaten in die Luft zu sprengen.

Seit Mitte September sind auch in Nordrheinwestfalen die Bordelle unter strengen Hygiene-Auflagen wieder geöffnet. Die tragikomische Verkrampftheit der Sicherheitsmaßnahmen zeigt allerdings, wie gestört und verkrampft Prostitution ohnehin ist. Weil die Maßnahmen wirklich grotesk sind, seien sie hier zitiert: „…

+++ Corona-Regeln für Prostitution

Seit Mittwoch (16.09.2020) gelten in NRW neue, strenge Corona-Regeln für Bordelle und Prostituierte, nachdem das Oberverwaltungsgericht Münster zuletzt das Prostitutionsverbot gekippt hatte.

Kontaktdaten angeben: Wer sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen will, muss persönliche Daten hinterlassen: Zeitpunkt des Kontaktes, Name, Adresse und Telefonnummer. Diese müssen von den Prostituierten oder Bordellbetreibern vier Wochen lang aufgehoben werden.

Mindestabstand einhalten: Außer „während der Erbringung der sexuellen Dienstleistung“ müssen Kunden, Prostituierte und andere Bordellzugehörige den Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten.

Nur Einzelkontakt: Kunden dürfen nur alleine Sex mit Prostituierten haben. Mehr als diese zwei Personen dürfen sich derweil nicht im Raum befinden.

Hände waschen: Kunden und Prostituierte müssen sich vor und nach der sexuellen Dienstleistung die Hände waschen beziehungsweise desinfizieren. Die Bordelle und Prostituierten müssen für entsprechende Möglichkeiten sorgen.

Sex nur mit Maske: Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen im Kontakt zwischen Kunden und Prostituierten ist „ab der Kontaktaufnahme zwingend und konsequent geboten“. …“ https://www1.wdr.de/nachrichten/corona-bordelle-prostituierte-100.html

Eine Empfehlung: Die Fotografin Bettina Flitner, Ehefrau von Alice Schwarzer, ist vor ein paar Jahren in das Stuttgarter Groß-Bordell „Paradise“ gegangen, hat Freier zwischen 23 und 73 Jahren fotografiert und den ganz normalen Männern eine ganz normale Frage gestellt: „Warum sind Sie hier?“ Der Artikel ist großartig: http://www.bettinaflitner.de/fileadmin/img/Press_Artikel/Freier_STERN.pdf

Eine der großen Lügen unserer Zivilisation behauptet, die Prostitution sei so alt wie die Menschheit. Korrekt sollte es heißen: Die Prostitution ist so alt wie das Patriarchat. In den frühesten Kulturen, den menschlichen Gesellschaften noch vor den Matriarchaten, war das weibliche das starke Geschlecht. Frauen hatten, so müssen wir annehmen, eine Macht, die keine angemaßte war, sondern eine naturgegebene (dazu später einmal mehr).

Frauen haben weniger Muckis als Männer, aber sie haben etwas, das Männern fehlt: die Gebärfähigkeit.

Bei Ausgrabungen unter der Leitung des US-Archäologen und Tübinger Professors Nicholas Conard wurde im Jahr 2008 in der Höhle „Hohle Fels“ in der Schwäbischen Alb nicht nur eine Flöte gefunden, die aus einem hohlen Gänsegeierknochen geformt ist, sondern man fand auch die Teile einer kleinen, aus Mammutzahn-Elfenbein geformten Frauenfigur mit ausgeprägten geschlechtlichen Merkmalen, der sogenannten „Venus vom Hohle Fels“. Figurine und Flöte sind beide etwa 40.000 Jahre alt und gelten als die älteste bekannte plastische Menschendarstellung und das älteste je gefundene Musikinstrument.

Nicholas Conard weist darauf hin, dass es für die Eiszeitmenschen, die noch Jäger und Sammler waren, katastrophal war, wenn junge, fruchtbare Frauen starben. Der Tod einer einzelnen gebärfähigen Frau konnte die Existenz der gesamten eiszeitlichen Gruppe gefährden. Der Tod einzelner Männer hingegen war verschmerzbar. Denn, so Conard mit feinem Humor: „Wenn ein paar Männer verschwinden, ist es nicht schlimm.“ https://www.deutschlandfunkkultur.de/vor-zehn-jahren-erstmals-praesentiert-die-venus-vom-hohle.932.de.html?dram:article_id=448559

Kannten die Eiszeitgemeinschaften Bordellle? Wohl kaum.

Veedel for future: Bei der Wahl des Stadtrates erreichen DIE GRÜNEN in Nippes 38,87%!

Wir alle kennen es: Die stille Genugtuung, wenn wir mit 120 Stundenkilometern über die Autobahn rollen – und auf der Gegenfahrbahn bewegt sich nichts mehr. Die kleine Schadenfreude sei jedem erlaubt. Nicht erlaubt sein dürfte, dass Menschen durch Katastrophengebiete reisen und ihren Spaß haben, während andere Menschen ganz in der Nähe erleben müssen, wie ihre Welt untergeht.

Als ich Näheres erfahren wollte über die verheerenden Waldbrände, die derzeit in Kalifornien wüten, bin ich auf die Internet-Seite eines deutschen Reise-Anbieters gestoßen: „Leider sind durch die Waldbrände auch immer wieder wichtige Sehenswürdigkeiten, Attraktionen und Straßen betroffen. Daher ist es wichtig, sich vor einer Kalifornien-Rundreise ausführlich über bestehende Waldbrände und auch Straßensperrungen zu informieren.“ https://www.kalifornien-tour.de/kalifornien-waldbraende.htm

Man hält sich, so wird suggeriert, die Katastrophe vom Leib, wenn man nur den entsprechenden Abstand einhält. In sicherer Entfernung geben die Brände eine schöne Kulisse ab für Selfies und Urlaubs-Filmchen. Natürlich sind nicht alle Touristen, die zur Zeit durch Kalifornien reisen, sensationslüstern. Der Klimakatastrophen-Tourismus jedoch ist nicht nur respektlos den betroffenen Menschen gegenüber, sondern nährt die Illusion, dass wir hier in Deutschland nicht Betroffene sind, sondern nur Zuschauer. Doch auch wir sind betroffen, wenn auch bei weitem (noch) nicht in diesem Ausmaß.

Heute, am 15. September, ist es in Köln-Nippes 34 Grad heiß. Die Hitze passt nicht zum Frühherbst-Licht. Die Sonne brennt, aber sie sie steht nicht mehr hoch am Himmel und wirft bereits lange Schatten. Die Böden sind seit Monaten so trocken, dass die Amseln keine Regenwürmer aus der Erde picken können. Zum Glück kühlt es sich mittlerweile nachts ab. Obwohl wir in Deutschland in diesem Sommer eine nie gekannte Dürre erlebt haben und immer noch erleben, glaubt man hierzulande, man könne die dringend notwendigen Klimaschutz-Maßnahmen auf später verschieben. Die Politik macht uns vor, die Klimakatastrophe ließe sich Zeit und man hätte alles im Griff. Hauptsache, die Sirenen sind gewartet und die Warn-Apps tun ihren Dienst.

Doch genau das tun sie nicht. Unter dem seltsam drohenden Veranstaltungs-Titel „Wir warnen Deutschland“ (kein Witz!) wurde am 10. September der erste bundesweite Katastrophen-Warntag durchgeführt, der demnächst regelmäßig einmal im Jahr stattfinden soll. Pünktlich um 11:00 Uhr ertönten bundesweit die Sirenen. Zeitgleich wurde erstmals flächendeckend neben anderen Apps die Warn-App NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes) ausprobiert. Doch ausgerechnet NINA versagte. „Während in einigen Städten die Sirenen heulten, das Radio und das Fernsehen warnten, blieben die Warn-Apps still – und verschickten ihre Warnungen teils über eine halbe Stunde zu spät.“ https://www.hna.de/welt/warntag-2020-deutschland-panne-bayern-katwarn-nina-probealarm-warnung-twitter-katastrophe-zr-90040078.html?cmp=defrss

Doch all die hilflosen Kontrollmaßnahmen und Sicherheitsversprechen kommen bei den Menschen offenbar nicht mehr an. Bei den NRW-Kommunalwahlen am vergangen Sonntag mussten die etablierten Parteien mit ihrer nicht nur unglaubwürdigen, sondern meines Erachtens fahrlässigen „Wir haben alles im Griff“ – Politik eine schwere Niederlage einstecken. Zwar bleibt die CDU mit 34,3% vor der SPD (24,3%) landesweit stärkste Kraft, doch Wahlsiegerin, was den Zuwachs angeht, ist mit satten 8,3 Prozent plus die Partei DIE GRÜNEN, die damit auf 20 % kommt.

In den Großstädten gewannen DIE GRÜNEN besonders deutlich. In der Stadt Aachen (wo man unlängst -leider erfolglos- gegen den Weiterbetrieb des maroden grenznahen belgischen Atommeilers Tihange geklagt hatte) hat die grüne Kandidatin Sibylle Keupen große Chancen, in der Stichwahl Oberbürgermeisterin zu werden.

Im Rat der Millionenstadt Köln werden DIE GRÜNEN die größte Fraktion stellen, sie gewannen die Wahl mit 28% deutlich vor SPD (21,58%) und CDU (21,49%). Im Stadtbezirk Nippes wählten 38,87% der Bürger und Bürgerinnen bei der Wahl des Stadtrates GRÜN. Und was macht die „parteilose“ Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die von den GRÜNEN und leider auch der CDU unterstützt wird? Frau Reker erreichte anders als bei ihrem Debut im Jahr 2015 nicht die absolute Mehrheit, sondern muss (verdient, wie ich finde) am 27.9. in die Stichwahl.

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Vor dem Wahllokal (hier „Wahlraum“ genannt) 50106 in der Gemeinschaftsgrundschule Steinbergerstraße stand ich 40 Minuten in der Warteschlange. Nach einer halben Stunde ereichte ich den Eingang zum Schulgebäude und guckte einem verstörten Coronoia-Comic-Kind in die farblosen Knopfaugen, einem lieblos gezeichneten Schulmädchen mit blonden Zöpfchen, die vom Kopf abstehen wie zusammengedrehtes Bonbonpapier. Das Masken-Muss für Grundschulkinder ist eine der traurigsten deutschen Corona-Maßnahmen. Nicht einmal in Frankreich, wo die Maßnahmen sehr rigide sind,  müssen sechsjährige Schulkinder Masken tragen, denn dort gilt die Maskenpflicht erst ab elf…..  Auch so entsteht ein Stau: Nicht richtig atmen, nicht richtig riechen, schon gar nicht schmecken: Die Gesichtsmaske behinderte mich auch hier. Ich hatte beim „Wahlgang“ nicht mehr alle Sinne beisammen und brauchte viel länger, als ich normalerweise gebraucht hätte, um die drei Wahlzettel (für Rat, Bezirksvertretung und OB) auszufüllen.

Vor allem die ganz jungen 16 bis 24jährigen Wählerinnen und Wähler haben DIE GRÜNEN gewählt. Viele von ihnen haben regelmäßig die Schule geschwänzt und dabei, wie wir sehen, „für das Leben“ gelernt. Es lebe Fridays for future!

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Für DIE GRÜNEN bleibt viel zu tun. Man wird offen und respektvoll auf die Jungen zugehen müssen. Schließlich hat man ihnen den Wahlerfolg zu verdanken. Die Wahlplakate der GRÜNEN waren krampfhaft lustig (s.oben) und leider auch nicht pfiffiger als die der anderen Parteien. Die Anspielung auf den desolaten Zustand der Schultoiletten habe ich wohl verstanden, aber… Die Werbetexter unterliegen auch bei der Wahlwerbung, wir wir sehen, einem tragikomischen Kreativitätszwang. Wie dem auch sei: Ich freue mich über den Wahlerfolg der GRÜNEN!

Kein Abstrampeln für die Klimapolitik der Stadt Köln: Kapitänin von Stellwerk60-Team SattelFest verabschiedet sich vom Stadtradeln

Vor einer Woche hat in Köln das diesjährige Stadtradeln begonnen, eine bundesweite Großveranstaltung des Netzwerks Klimabündnis. Im Klimabündnis haben sich im Jahr 1990 zahlreiche Städte, Gemeinden und Landkreise zusammengeschlossen und sich verpflichtet, das „Weltklima zu schützen“.

Stadtradeln ist eine Mitmach-Aktion, die zum Klimaschutz beitragen soll. Die Spielregeln: Während eines Zeitraums von drei Wochen steigen Menschen vom Auto auf’s Fahrrad um und zählen per Internet die Kilometer, die sie radelnd zurücklegen. Stadtradeln ist eine pfiffige Idee, wie ich finde, aber doch nur eine symbolische Aktion. Denn was hilft es, wenn wir nach den drei Wochen (fast) alle wieder ins Auto steigen? Stadtradeln beschert uns lediglich ein gutes Gewissen – Jahr für Jahr.

Es ist eine Anmaßung zu meinen, wir Menschen, die wir die Klimakatastrophe verursacht haben, könnten das Weltklima schützen! Ich denke, es geht viel mehr darum, das Klima vor uns Menschen zu schützen. Wir müssten jetzt die Notbremse ziehen. Denn wenn „das Haus brennt“ (Greta Thunberg), kann man es nicht mehr vor dem Feuer bewahren. Da hilft nur eines: Löschen.

Nachdem der Rat der Stadt Köln im Mai Grünes Licht gegeben hat für die Bebauung des Äußeren Grüngürtels mit FC-Trainingsanlagen, habe ich das Vertrauen in die aktuelle Kommunalpolitik verloren. Schließlich hat die Stadt Köln vor einem Jahr -wie viele andere Kommunen auch- den „Klimanotstand“ ausgerufen. „Klimanotstand“ heißt: Der Schutz des Klimas hat absolute Priorität. Demnach sind alle kommunalen politischen Entscheidungen dem Klimaschutz unterzuordnen. Mit dem JA zur Bebauung verstößt die Stadt Köln gegen die Regeln, die sie selber aufgestellt hat.

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Ich liebe meine Stadt, ich fahr Rad, aber ich mach nicht mehr mit…

Im Grußwort zum Kölner Stadtradeln schreibt Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln und Schirmherrin der Aktion, beschwichtigende Sätze: „Der Umstieg vom Auto auf’s Rad ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel: bereits vor 2050 wollen wir klimaneutral sein.“ Ein frommes, zahmes, aber meines Erachtens grob fahrlässiges Versprechen mitten im Kommunal-Wahlkampf. Natürlich lassen wir Menschen uns gerne beruhigen, aber die Rettung der Welt können wir nicht auf 2050 verschieben.

Am bundesweiten Stadtradeln, das seit 2008 veranstaltet wird, nimmt die Stadt Köln seit 2016 teil. Ich habe im Jahr 2016 gemeinsam mit Nachbarin Annette Dauberschmidt das Team Stellwerk60 – SattelFest gegründet. Doch am Ende der drei Wochen war ich alleinige Teamkapitänin, denn Annettes und meine Vorstellungen gingen weit auseinander. Annette wollte ein kleines, überschaubares Team, ich ein großes.

Auf diese Weise wollte ich auf unsere Siedlung aufmerksam machen. Dass Köln mit Stellwerk 60 eine autofreie Siedlung hat, ein bau- und klimapolitisch zukunftsweisendes Projekt, ist in der Stadtspitze -während Besuchergrupen aus aller Welt anreisen, u.a. aus Japan und den USA- niemals angekommen. Vom Spiel-Ehrgeiz gepackt, schaffte ich es tatsächlich, dass wir im Jahr 2016 mit 135 Radlerinnen und Radlern das zweitgrößte Kölner Team wurden und bei der offiziellen Siegerehrung im Rathaus „auf dem Treppchen standen“.

Im Jahr 2020 ist alles anders. Auch beim Stadtradeln gibt die „Gesundheit“ die Richtung vor. So verkündet das Klimabündnis auf stadtradeln.de: „Nicht nur wir, sondern auch das Bundesgesundheitsministerium ist überzeugt, dass das Fahrrad das sinnvollste Verkehrsmittel für die verbleibenden unvermeidlichen Wege ist – sei es zum Einkaufen oder zur Arbeit….“ Der Text enthält nicht nur einen peinlichen Grammatikschnitzer, „… nicht nur wir…  ist überzeugt…“, sondern kommt furchtbar verkrampft daher.

Wenn ich Rentner Alf Kroll, der drei Mal hintereinander in der siedlungsinternen Wertung das Gelbe Trikot erkämpft hat, ohne kämpfen zu müssen, etwas von den „verbleibenden unvermeidlichen Wegen“ erzählen würde, würde Alf lachen, denn er ist ein leidenschaftlicher Radfahrer, der nicht nur das Radeln liebt, sondern auch die guten Radwege, von denen es europaweit (nicht nur) in den schönsten Landschaften immer mehr gibt und auf denen es große Freude macht zu fahren.

Das Miteinander, das das Stadtradeln eigentlich ausmacht, fällt in diesem Jahr aus. So rät das Klimabündnis „derzeit davon ab, das STADTRADELN 2020 mit gemeinsamen Radtouren, Auftaktveranstaltungen oder anderen Aktionen, bei denen viele Menschen zusammenkommen, zu flankieren.“ (stadtradeln.de) Team-interne Siegerehrungen, so legt man uns nahe, sollen auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden.

Offensichtlich sind dem Klimabündnis die selbstorganisierten, letztendlich nicht kontrolllierbaren „Aktionen“ suspekt. Auf diese Weise verödet allerdings das Stadtradeln, denn es mutiert zu einer Art Computerspiel mit Echt-Anteil: Jede(r) fährt für sich allein und trägt KIlometer ein. Wie langweilig. Da kann man, so denke ich, gleich auf dem Standfahrrad fahren. Auf diese Weise schützt man sich nicht nur vor Regen, sondern erspart sich auch die verbleibenden unvermeidlichen Wege.

Wie traurig: Es ist, als würde man einem Vor- oder Grundschulkind, das einen Schwimmkurs besuchen will, sagen: „Das geht jetzt nicht, du darfst nicht mit anderen Kindern ins Wasser, denn wir sind von Corona bedroht und müssen aufpassen. Du kannst nicht ins Schwimmbecken, denn im Wasser wimmelt es vor Viren. Aber du kannst trockenschwimmen. Du brauchst nur den schönen neuen Computer anzustellen, den wir uns extra für deinen Schulunterricht angeschafft haben. Da bietet man digitale Schwimmkurse an.“

Huch! Dass die Kinder in den letzten Monaten solche oder ähnliche Sätze tatsächlich zu hören gekriegt haben, habe ich soeben gelesen. Mittlerweile finden zwar in Deutschland wieder Schwimmkurse (im Wasser!) statt, aber Ringe und Schwimmnudeln etc. sollen die Kinder (in der Regel) von zu Hause mitbringen. Außerdem vertreten die Eltern vielerorts die Schwimmlehrer und müssen mit den Kindern ins Becken! Ist das alles noch wahr? Nebenbei gesagt: In Schweden, wo die Grundschulkinder in den letzten Monaten nicht nur uneingeschränkt die Schule, sondern auch Schwimmkurse besuchen konnten wie eh und je und dabei viel Wasser geschluckt haben, weil es nun mal dazu gehört, ist meines Wissens kein Kind besorgniserregend erkrankt. Schwimmen ist eine Kulturtechnik und (fast) so wichtig wie Lesen und Schreiben.

Zurück zum Stadtradeln: Wieder einmal ist die Corona-Politik ein Angriff auf unsere Lebensfreude. Ob am Rhein, am Ballermann oder im Karneval: Genuss macht sich gerade da verdächtig, wo man ihn sich noch leisten kann. Und weil es derzeit so gut ankommt, verkauft man uns das zurechtgestutze Radeln noch als Gesundheitsmaßnahme. Auf einen Artikel auf spiegel.de mit dem Titel „Warum Fahrradfahren gleich doppelt schützt“ weist stadtradeln.de mit folgendem Link hin: Die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens in Zeiten von Corona

Unter dieser Formulierung verbirgt sich ein sentimentaler Romantitel, den wir alle im Ohr haben: „Die Liebe in den Zeiten der Cholera.“ Der Autor des Romans ist der kolumbianische Literatur-Nobelpreisträger Gabriel García Márquez. (Ob der Roman so schwülstig ist, wie der Titel suggeriert, weiß ich nicht, denn Ich habe ihn nicht gelesen.)

Das Radfahren „in Zeiten von Corona“ –  „Die Liebe in den Zeiten der Cholera.“ Die Ähnlichkeit scheint gewollt. Ich fürchte, da war ein psychologisch geschulter textender Schlaumeier bzw. eine Schlaumeierin am Werk. Ich fremdschäme mich sehr.

So weh der Abschied tut: Da das Stadtradeln zu einer spießig-autoritären Veranstaltung mutiert ist, die indirekt auch noch für die katastrophale Klimapolitik der Stadt Köln wirbt, steige ich als Teamkapitänin aus.

 

Ergänzung 31.8.: In der Wertung von Stadtradeln Köln liegt am 10.Tag mit 136 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie 14.909 bislang geradelten Kilometern aktuell ein Team mit wohlklingendem Namen vorne, dessen pole position Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erfreuen dürfte: „Gesunde Uniklinik Köln“.

Elfchen im Achten: Wer nicht schnüffeln darf, wird…

Hunde, die ja bekanntermaßen gerne schnüffeln, fangen sich schnell Zecken ein. Bei unserem Hund Freki (10) sitzen sie mit Vorliebe im Gesicht. Manchmal, so denke ich, kann eine Maul- Nasenbedeckung gute Dienste leisten, denn…

… mit Maske wär das nicht passiert:

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Mai 2020: Die Zecke an Frekis Schnauze, die noch deutlich dicker wurde, bevor sie abfiel, sollte bis jetzt (13.8.) im Kopfbereich die einzige bleiben.

 

In den Jahren 2018 und 2019 war vor allem der Bereich rund um Frekis Augen betroffen (vgl. Blogbeiträge „Zeckenkrieg“ und „Der Zeckenindikator“).

 

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Juli 2019:

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Zecken, zupfreif. Ich habe sie damals nicht entfernt, sondern gewartet, bis sie abgefallen sind (Die „Therapie“ ist nur beim Hund zu empfehlen!). Wenn die Zecken neben dem Auge sitzen, darf man den Hunden nicht zu nahe kommen. Sie knurren, denn sie fürchten um ihr Augenlicht. Die Hunde wissen: Wenn der Mensch die Zecke herauszieht, kann es schnell zu Entzündungen kommen.

An Borreliose können auch Hunde schwer erkranken. Das passiert allerdings sehr selten, wie mir Frekis Tierärztin erzählte. Achtung: Menschen sollten sich nach Waldspaziergängen immer nach Zecken absuchen und die Tierchen, deren Stich man anders als den Stich der Wespe nicht spürt (damit man sie beim Saugen nicht stört), so schnell wie möglich entfernen…  Ich fand gerade einen Text, der plastisch erzählt, warum: „Borreliose wird nicht durch den Einstich der Mundwerkzeuge der Zecke in die Haut übertragen, vielmehr findet die Borreliose-Übertragung erst gegen Ende der Blutmahlzeit statt. Nach circa 24 Stunden steigt das Infektionsrisiko deutlich an, da nach dieser Zeit die Blutmahlzeit in der Regel abgeschlossen ist. Wenn die Zecke satt ist, würgt sie nämlich etwas Mageninhalt in die Wunde des Opfers, und mit ihm vorwiegend das Bakterium Borrelia burgdorferi.“ https://www.drseitz.de/schwerpunkte/borreliose-therapie/borreliose-infektionsweg.html

Da aufgrund des „Klimawandels“ die Winter immer wärmer und kürzer werden, werden die Zecken früher im Jahr aktiv und bleiben es länger. Dennoch wird die Gefahr überschätzt. „Das Risiko zu erkranken“, so schrieb ich vor einem Jahr an dieser Stelle, „ist gar nicht so hoch, wie man denkt. Zwar tragen (je nach Gebiet) bis zu 30 % der Zecken Borrelien in sich, aber nur 2,6 bis 5,6% der gebissenen Menschen entwickeln Antiköper dagegen. Lediglich 0,3 bis 1,4% der von einer Zecke Gebissenen erkranken tatsächlich an Borreliose (Zahlen: Robert-Koch-Institut, Stand: 14.2.2018)“ Tückisch ist die Borreliose allerdings wegen der möglichen Spätfolgen. Manche Menschen, die Antikörper entwickeln, haben zunächst keinerlei Symptome, werden aber Jahre später ernsthaft krank.

Das Thema „Zecken“ zieht immer. Gewohnt reißerisch hatte Ende Mai 2020 die Bild-Zeitung Zecken-Alarm geschlagen:

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In diesem Jahr hat die mediale Coronoia andere Katastrophen-Schlagzeilen in den Hintergrund gedrängt, wo sie dennoch gewirkt haben. Gefährlich sind Horror-Meldungen wie diese, weil sie nicht nur maßlos übertrieben sind, sondern untergründig dazu beitragen, die Corona-Panik noch weiter anzufachen. „Sie stechen so früh wie nie!“ ist übrigens Unsinn: Als die Bild-Zeitung Ende Mai drohte, waren die Zecken schon seit mindestens zehn Wochen aktiv. Hund Freki hatte bereits im März eine erste Zecke im Fell.

 

Kaum jemand, mit dem ich ins Gespräch komme, hat noch Angst vor dem Corona-Virus. Aber die meisten Menschen haben Angst, drakonische Strafen bezahlen zu müssen, den Job zu verlieren etc. Daher tragen alle die Maske, ob fertig gekauft, selber genäht, gehäkelt, gestrickt, zusammengeheftet. Wir sehen bescheuert aus und bedecken die untere Gesichtshälfte mit kleinen Stoffteilen, die vermutlich nichts weiter sind als Scherzartikel. Wir tragen uns mit unleserlichem Namen in die Listen ein, die in den Cafés ausliegen, was niemanden interessiert.

Aber wir alle sind angespannt. Gereizt sind insbesondere die völlig überforderten Menschen in „systemrelevanten“ Berufen. Im Supermarkt begegne ich täglich Verkäuferinnen und Verkäufern, die man vor Monaten noch „gefeiert“ hat. Jetzt sind sie dazu verdonnert, die Regale wieder alleine aufzufüllen, ohne die Mitarbeit der für kurze Zeit eingestellten Hilfskräfte, und von morgens bis abends eine Maske zu tragen. Die Regale sind wieder gut bestückt und die Kunden undankbar und grantig wie eh und je.

Weil ich keine Gesichtsmaske dabei hatte, wurde ich am Tag der Beerdigung des Leichnams meines Mannes früh am Morgen aus dem REWE an der Nohlstraße geworfen. Eine seltsame Erfahrung, wenn man Stammkundin ist und immerhin 61. In Ermangelung einer Maske riss ich mir eine kleine Obsttüte von der Rolle, klemmte mir den Plastiklappen hinter die Ohren, schritt in den Laden und wurde direkt zurückgepfiffen: Halt! Eine zweite maskierte Verkäuferin kam dazu: Halt! Ich ging weiter und stammelte einen Satz wie: Mein Mann wird heute beerdigt, ich muss noch ein paar Zutaten einkaufen für den Brunch. Man holte Verstärkung, diesmal einen ebenfalls älteren männlichen Kollegen mit FC Köln-Maske (Aufdruck: Zesamme stark blieve), verfolgte mich durch den Laden und schrie im Verein: Raus, raus, raus! Ich stellte ein Glas Mayonnaise aufs Kassenband. Nichts da, raus, raus, raus! Ich brach in Tränen aus. Kein Erbarmen: Raus, raus, raus!

Wenn wir eine Maske tragen müssen bzw. einen Maulkorb, spannt uns das an. Wir sind nicht nur schlecht gestimmt, sondern auch (latent) aggressiv. Kluge Hunde wissen das. Ihnen widme ich mein Elfchen des Monats.

 

 

Weise

Hunde warnen:

Wer nicht schnüffeln

Darf, wird erst richtig

Scharf

 

 

 

 

Staatlich kontrolliertes Bestatten: Eine Selbsterfahrung

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Deckblatt der Trauer-Anzeige: Sonne, Mond und Erde u.u.u… Grafik: Marleen-Christin Schwalm

Ich machte während der Beerdigung meines Mannes auf dem Kölner Melaten-Friedhof eine neue Erfahrung. Nie zuvor hatte ich das Gefühl, dass der Leichnam im Sarg nichts weiter ist als eine sterbliche Hülle und dass die Seele des geliebten Menschen woanders ist und sich hat befreien und die „sterblichen Überreste“ wie eine Schlangenhaut hat abstreifen können. Ohne diese deutliche Empfindung hätte ich die Beerdigung meines Mannes kaum ausgehalten. Der kleine Raum unter der Erde, das exakt vermessene Grab, gemietet bei der Stadt Köln gemäß Friedhofsgebührensatzung, hat nichts zu tun mit der grenzenlosen, unendlichen Anderwelt, an deren Existenz ich seit einigen Jahren glaube, ohne eine konkrete Vorstellung zu haben.

Wie so vieles in diesen verdrehten Coronoia-Zeiten, wo uns die Erde als „ein umgestürzter Hafen“ (Georg Büchner, Woyzeck) erscheint, war auch die Bestattungs-Zeremonie seltsam irreal.

Mittlerweile sind Trauerfeiern in geschlossenen Räumen wieder zugelassen, aber es wird erwartet, dass die Menschen Masken tragen und Abstand halten. Soweit ich es mtbekommen habe, musste sich immerhin niemand mehr namentlich in eine Kondolenz-Liste eintragen. Die Bestuhlung in der Trauerhalle ist variabel. Aktuell ist in jeder Stuhlreihe jeder zweite Stuhl entfernt, so dass 30 statt normalerweise 60 Personen einen Sitzplatz haben. Wie wir alle wissen, ist es tröstlich, während einer Trauerfeier eng beieinander sitzen und einander spüren zu können. Mit den Lücken zwischen den Stühlen ist das unmöglich. Besonders leid tat es mir für Jürgen und Michael, die beiden Brüder meines Mannes, die in den letzten Monaten in Gedanken stets bei uns waren. Meine lieben Schwäger mussten den vorgegebenen Sicherheits-Abstand zu ihren Frauen Ingrid und Daniela einhalten.

Es waren überraschend viele Menschen gekommen, zahlreiche mussten stehen. Das war tröstlich und spiegelte in keiner Weise die Isolation wieder, in der sich mein Mann und ich in den letzten Monaten nicht nur coronabedingt befunden hatten.

Ich selber setzte mich nicht, sondern hielt die Trauer-Rede: Manfred mein Manfred. Aber  ich redete nicht nur vom Ende des Lebens, sondern auch vom Beginn. Meine Töchter Lea und Carla, die neben mir standen, lasen die zärtlichen kleinen Gedichte vor, die ihr Vater anlässlich ihrer Geburt vor 21 bzw. 24 Jahren geschrieben hatte – damals auf Wunsch meiner Mutter, die eine Geburtsanzeige verschicken und auch ein bisschen mit ihrem dichtenden Schwiegersohn angeben wollte.

Manfred und ich haben nicht gedacht, dass Manfred sterben würde, sondern gesund werden. Daher haben wir nie über eine Bestattung geredet. (Wir hatten -nebenbei gesagt- auch keine Patientenverfügung). Melaten ist gewiss in seinem Sinn, denn seine Mutter und viele seiner Vorfahren mütterlicherweits (die Springobs) sind hier bestattet. Manfred, der anders als ich gerne auf Friedhöfe ging, hat vor vielen Jahren einmal einen Essay veröffentlicht mit dem Titel „Illusionsraum Melaten“. Sein eigenes Grab jedoch liegt da, wo Melaten kein Illusionsraum ist: Direkt an der Friedhofsmauer und ganz in der Nähe der vielbefahrenen Weinsbergstraße. Man hat in der Stadt Köln zwar die freie Friedhofswahl, bekommt aber den Platz zugewiesen – In diesem Fall kein lauschiges Plätzchen.

Die Beerdigung fand erst nach drei Wochen statt. Als Manfred gestorben war, habe ich vier Stunden neben dem Leichnam gesessen und erst dann den Notarzt benachrichtigt. Nach und nach waren das Leben und die Wärme aus dem toten Körper entwichen, und der Leichnam, dem ich den Ehering vom Finger abstreifte, war nicht mehr mein geliebter Mann, mit dem ich über dreißig Jahre zusammengelebt hatte. Meine Liebe galt nicht mehr seinem Leib, sondern hatte sich mit etwas verbunden, das ich Seele nennen möchte.

In Nordrhein-Westfalen darf man, wenn ein Mensch zu Hause verstirbt, den Leichnam 36 Stunden bei sich behalten, ohne den „Abtransport“ zu veranlassen. Nach vier Stunden wollte ich diesen „Abtransport“ – unbedingt. Ich fremdelte. Da die Hausärztin in Bonn und nicht in Köln praktiziert, musste ich den Notarzt anrufen.

Maskierte Notärzte kamen, maskierte Kriminalpolizisten, unisex in Uniform, Männer und Frauen, später dann kamen zwei unmaskierte Personen von der Gerichtsmedizin, beide auffällig leger gekleidet, ein Mann und eine Frau. Man machte Fotos, inspizierte den Leichnam und befestigte Elektroden. Man teilte mir etwas mit: „Ihr Mann ist verstorben“.

Ich bin so froh, dass meine beiden Töchter an dem Tag nicht in Köln waren, sondern bei ihren Liebsten. Ich selber bin 61 Jahre alt und abgebrüht, doch meine Töchter (21 und 24) sind das noch nicht.

Da mein Mann zu Hause gestorben war, brachte man den Leichnam in die Gerichtsmedizin. In wenigen Tagen, so sagte man mir, werde man mir Bescheid geben. Man werde mich anrufen – unter meiner Festnetz-Nummer.

Jedes Mal zuckten wir (meine Töchter waren gekommen) zusammen, wenn das Telefon klingelte, aber über Kondolenzanrufe hinaus kamen nur Werbeanrufe. Ich hatte Medienbilder vor Augen, ich sah vermummte Pathologen, wie sie mit gieriger, panischer Akribie die Leichen der an Corona verstorbenen Menschen durchforsten, um weitere, vermeintlich durch das Virus verursachte Schäden zu entdecken.

Je länger wir warten mussten, desto schlimmer wurden die Bilder. Dass so viele Tage vergingen, sagte mir, dass man gründlich gearbeitet hatte – auf der Suche nach Metastasen eines Tumors, den mein Mann vermutlich nie gehabt hatte.

Erst nach fünfzehn Tagen, am 17.  Juli,  kam am Freitagmorgen der Anruf der Kriminalpolizei. Der Leichnam sei bereits am 6. Juli freigegeben gewesen, denn man habe ihn nicht sezieren müssen. Mein Mann sei eines natürlichen Todes gestorben. „Ich habe ein Schreiben der Kriminalpolizei, auf dem steht, dass ein Leichnam nur so lange aufbewahrt wird, bis er abholbereit ist“, antwortete ich. Darauf sagte der Kriminalpolizist: „Sie müssen einen Bestatter informieren, der mit uns Kontakt aufnimmt.“ Darauf sagte ich: „Soweit ich informiert bin, muss ich das nicht. Und wie soll ich den Bestatter informieren, wenn ich nicht einmal weiß, dass der Leichnam abholbereit ist?“ Dann kam eine Behauptung, die nicht der Wahrheit entspricht, was sich im Zweifelsfall nachverfolgen ließe: „Wir haben Sie angerufen.“

Dass ich von „Zweifelsfall“ schreibe, hat einen Grund. Wird ein Leichnam in die Gerichtsmedizin gebracht, müssen die Angehörigen für die Aufbewahrungskosten („Kühlung“) aufkommen. Zwei Menschen erzählten mir (unabhängig voneinander!) folgendes: Da die öffentlichen Kassen leer sind, bewahrt man die Leichname zur Zeit lange dort auf. Die Kosten sind gestaffelt: In der ersten Woche kostet die „Kühlung“ 40 Euro am Tag, in der zweiten 100 am Tag, in der dritten 200…

Die Stadt Köln hat mir noch keine Rechnung geschickt. Auch wenn man die Todesursache (vermutlich eine akute Aspirin/Ibuprofenvergiftung) nicht hat ermitteln können, war und bin ich doch überglücklich, dass man den Leichnam meines Mannes nicht seziert hat. So konnte ich seinen unversehrten Leichnam in einem Sarg bestatten lassen.

Zur Beerdigung kamen einige Menschen nicht, die ich gerne umarmt hätte, aber es waren viele da, mit denen ich niemals gerechnet hatte. Und einer kam, den ich seit langem aus der Ferne bewundere und den ich im Rahmen der Highlights der Physik 2019 in Bonn bei einem Abendessen persönlich kennengelernt habe: Der Dortmunder Physikprofessor und Wissenschaftskabarettist Metin Tolan.

Metin Tolan und Axel Carl, ebenfalls habilitierter Physiker, waren mit der Bahn angereist. Im Anschluss an die Beerdigung kamen sie noch mit in unseren Garten, wo wir Biertische aufgebaut und zu einem Brunch (bei dem sieben Flaschen Sekt geleert werden sollten) eingeladen hatten. Zum Glück war das Wetter schön, denn im Haus wäre niemals genug Platz gewesen für die vielen Gäste. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei unseren Nachbarn Sabine und Prasad bedanken, deren Garten wir mitbenutzen konnten.

Vor allem aber möchte ich mich bei den Freundinnen und Freunden von der Agentur für Wissenskommunikation IserundSchmidt bedanken, wo mein Mann Geschäftsführer war. Ich war noch so weit weg von der Welt, dass ich niemals in der Lage gewesen wäre, eine Traueranzeige zu gestalten. Genau das müssen die IserundSchmidts geahnt haben, denn sie gestalteten (unabgesprochen) eine Anzeige, die geschäftlich und privat zugleich war. Ich hatte die Anzeige erst am Tag vor der Bestattung in Händen, deshalb konnte ich sie nicht mehr verschicken, sondern nur einzelne Exemplare persönlich verteilen. Damit alle, denen ich sie gerne geschickt hätte, sie dennoch sehen können, habe ich die Anzeige abfotografiert.

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Und  noch etwas Großartiges haben die Kollegen gemacht, ohne dass es abgesprochen werden musste: Sie haben die Agentur seit Oktober 2019 am Laufen gehalten.

Mein Mann hat während dieser Zeit über die Agentur sein volles Gehalt bezogen. Er war zwar Selbstständiger, aber gesetzlich krankenversichert. Mein Mann hatte eine Zusatzversicherung für den Krankenfall. Wird der Versicherte schwer krank, zahlt die Krankenkasse nach sechs Wochen 80% des Nettogehalts, allerdings nur dann, wenn sich der oder die Kranke im Krankenhaus behandeln lässt.

Der kranke Mensch muss sich, will er weiterhin Geld bekommen, der ärztlich verordneten Therapie unterziehen, und ist die vorgeschlagene Therapie auch noch so inhuman und brutal (wie bei meinem Mann). Mein Mann hätte niemals zur Krankenkasse gehen und sagen können: Ich gehe den Weg der Selbstheilung, ich faste, ich probiere eine spezielle Diät, verzichte auf Zucker, Weißmehl und Schweinefleisch. Das alles hat mein Mann probiert, und der ursprüngliche, von außen gut tastbare Tumor hatte sich ja tatsächlich zurückgebildet. Mein Mann, so denke ich, hätte vollkommen gesund werden können, hätte er die Schmerztabletten abgesetzt. Wie gefährlich die frei verkäuflichen Schmerzmittel Aspirin und Ibuprofen bei dauerhafter Einnahme sind, habe auch ich leider zu spät begriffen.

Mein ganz besonderer Dank gilt Dr. Dr. Lutz Peschke, dem zukünftigen Geschäftsführer der Agentur IserundSchmidt.

Lieber Lutz, ich hatte so sehr gehofft, dass mein Bruder zur Beerdigung kommt und mich in den Arm nimmt. Stattdessen hast du das getan. Ich danke dir.

Auf Biegen und Knochen brechen – Warum das FC-Vorhaben im Grüngürtel nicht nur dem Klima schadet

 

Letzte Woche hat der Rat der Stadt Köln, wie zu befürchten war, mehrheitlich für das Ausbauvorhaben des 1. FC Köln im (eigentlich) denkmal- und landschaftsgeschützten Grüngürtel gestimmt. Die Bürgerinitiative „Grüngürtel für Alle“ wird beim zuständigen Oberverwaltungsgericht Münster Klage einlegen.

Ein Armutszeugnis für die Stadt Köln. Der Rat hat -und das ist unannehmbar- die selbstgesetzten Vorgaben nicht ernst genommen, ja sogar missachtet. Warum erklärt man den Klima-Notstand, wenn man zugleich ignoriert, in welcher Klima-Not wir uns alle befinden? Wollte man uns Bügerinnen und Bürger mit der Erklärung des Klimanotstands nur beschwichtigen? Zur Erinnerung: In einer Presseerklärung der Stadt Köln vom Sommer 2019 heißt es: „Der Rat der Stadt Köln hat am 9. Juli 2019 den „Klimanotstand“ erklärt und damit bestätigt, dass die Eindämmung des Klimawandels in der städtischen Politik eine hohe Priorität besitzt und zukünftig bei allen Entscheidungen grundsätzlich zu beachten ist.“

Doch nicht nur das Klima ist in Gefahr. Was auf dem Spiel steht, ist das Wohlergehen der Kinder unserer Stadt. Stattdessen trimmt man sie auf Leistung. Im aktuellen Newsletter der Stadt Köln begrüßt Oberbürgermeisterin Henriette Reker die Öffnung der Kindertagesstätten: „Die Öffnung der Kitas wird sicherlich eine große Entlastung für die Familien bringen und den Kindern kommt wieder die so wichtige frühkindliche Förderung in den Kitas zugute.“ Es fällt kein Wort der Entschuldigung dafür, was man mit den Corona-Maßnahmen den Kinder zumutet und zugemutet hat.

In unserer geldaufgepumpten, aber geistig völlig verarmten, leistungsorientierten Gesellschaft liegen Geldgier und Sentimentalität eng beieinander. Der Song Running With A Dream war offizielles DFB-Lied von 1997 bis 2013. Der Deutsche Fußballbund erklärte dazu: „Mit diesem Song sollen sich alle unsere Fans identifizieren. Er ist gleichzeitig Ansporn für unsere Jugend, weil er von einem Traum erzählt, der Wahrheit wird – vom Traum einer großen Karriere im Sport, den man sich hart erarbeiten kann.“ (wikipedia)

Doch das DFB-Lied war schon 1997 ein wenig angestaubt. Die Idee dazu hatte angeblich Berti Vogts, ein Rackerer, der immer für den Fußballer stand, der sich hochgearbeitet hatte. Mit Berti Vogts, der mit 12 Jahren seine Mutter und mit 13 seinen Vater verloren hatte, wollte sich kaum jemand identifizieren. Außerdem waren die Bundesliga-Vereine schon damals Geschäftsunternehmen mit immer weiter expandierenden Management- und Marketingabteilungen. Andere Fußballer wurden Vorbilder.

Und ist es überhaupt noch ein Traum, Fußballer zu werden? Natürlich locken Geld und Ruhm, doch selbst für die wenigen, die es in die Bundesliga schaffen, wird der Traum schnell zum Alptraum. Gerade lese ich, dass Leroy Sané nach 10monatiger (!) Verletzungspause in den Profi-Fußball zurückkehrt. Die Spieler müssen konstant eine so hohe Leistung bringen, dass sie gar nicht anders können als „mit vollem Körpereinsatz“ zu spielen. Das geht nicht nur auf die Knochen, sondern auch auch auf die Sehnen und die Bänder (Von den durch Kopfbälle verursachten Gehirn-Schäden mal ganz abgesehen.) Offensichtlich schadet nicht nur das ewig genannte Doping, sondern auch die harte Droge (Selbst-) Optimierung, und das nicht nur im Fußball. https://www.focus.de/kultur/buecher/es-war-die-hoelle-boris-becker-gibt-zu-ich-habe-eine-kuenstliche-huefte_aid_1115879.htmln

Leider ist auch der Frauen-Profifußball nicht nur viel athletischer geworden, sondern auch aggressiver. Ich wollte mir im letzten Jahr ein paar WM-Spiele angucken, habe aber den Fernseher gleich wieder ausgestellt. Der Frauenfußball orientiert sch, je professioneller er wird, immer mehr am Fußball der Männer. Vermutlich trainiert man auch ähnlich. Das ist traurig, denn gerade Fußball spielende Mädchen und Frauen zeigen uns die Schönheit eines der ältesten Ballspiele der Welt. Ich denke da an die türkischstämmige Burcu, eine Straßenfußballerin, die vor sieben Jahren mit meiner Tochter und andere Newcomerinnen beim FC Pesch in der untersten Staffel Fußball spielte.

Mädchen und Jungen können sich selber für ein Probetraining beim 1.FC Köln anmelden (vorausgesetzt, dass Schulzensuren und Body-Mass-Index „stimmen“), doch Burcu brauchte das nicht, denn ein FC-Scout hatte sie entdeckt. Burcu spielte dann erfolgreich beim FC, doch der Konkurrenzkampf war hart, und nach drei(!)maligem Kreuzbandriss war sie mit noch nicht einmal 20 Jahren Sportinvalidin. Der FC will nach eigenen Angaben die Trainingsanlagen bauen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Ich denke, Ausbildungszentren, wie sie heute propagiert werden, sind nicht mehr verantwortbar!

 

Manchmal vergisst man, wie jung die Profifußballer sind. Sie sind hochempfindlich und noch nicht abgebrüht. Sie brauchen ihren Trainer.

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Kiosk in der Nippeser Wilhelmstraße, Montag, 15. Juni 2020. Trainer Gisdol dürfte nach der 2:4-Niederlage so richtig einen auf den Deckel gekriegt haben (zumal die Rats-Entscheidung über den Bau der Trainingsanlagen anstand). Mit den Trainern im Profifußball geht man nicht gerade zimperlich um. Dass Gisdol das so brutal an die Spieler weitergibt (wenn der Express ihn richtig zitiert), geht überhaupt nicht.

 
Corona ist für die jungen Fußballspieler eine große Belastung. Bei Spielern, Trainern und
Betreuern werden regelmäßig Tests durchgeführt. Positiv getestete Spieler bekommen die Rote Karte. Man schickt sie in Quarantäne, auch wenn sie gar nicht krank sind. Der Sportphilosoph Gunter Gebauer betont, dass für die jungen Fußballspieler Geisterspiele eine Zumutung sind. Die Spieler brauchen das Publikum, die Resonanz, sie brauchen den Beifall, aber auch das   Ausgepfiffenwerden. Geisterspiele taugen laut Gebauer auch kaum als „Stimmungsaufheller für die Gesellschaft“.
„Ich bin da sehr skeptisch, dass da echter Spaß aufkommt, wenn 22 Profis in einem menschenleeren Stadion, das 40.000 oder 50.000 Zuschauer fasst, dem Ball hinterherjagen. Das hat was von Gefängnisspielen.“ z.B. https://www.haller-kreisblatt.de/sport/sport_aus_aller_welt/22763063_Sportphilosoph-Fussball-wird-Vorbildrolle-nicht-gerecht.html

 

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Fan-Artikel: Das FC-Sammelalbum von REWE.  REWE ist nicht nur FC – Sponsor, sondern „offizieller Ernährungspartner des DFB“. Wieder einmal erleben wir den Kölschen Klüngel: „Man kennt sich, man hilft sich.“ (Adenauer) Das Album kostet einen Euro, Sammelbilder sind bei einem REWE-Einkauf über 10 Euro umsonst. Als langjähriger FC-Sponsor macht REWE indirekt auch Werbung für den Ausbau der FC-Trainingsanlagen. Im Vorwort des Albums heißt es: „Kaum eine Stadt fiebert derart intensiv mit ihrem Club. Die Identifikation des Vereins mit Menschen und Stadt kommt nicht zuletzt im für jeden zugänglichen Vereins- und Trainingszentrum mitten im Grüngürtel zum Ausdruck.“ Welcher Kölner Kommunalpolitiker kann da in Corona-Zeiten schon „nein“ sagen, denn als Supermarkt ist REWE systemrelevant…  Die Maske habe ich beim Überqueren der Neusser Straße gefunden. Sie war ziemlich verschmutzt, Auto waren über sie gerollt. Doch anders als unsere Spülmaschine, die gerade jetzt „streikt“, „arbeitet“ die Waschmaschine noch.

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Metzgerei Stock und Gaststätte Brodmühler an der Neusser Straße: Es muss nicht immer Flönz sein.

Aus Respekt vor den Kölner Bürgerinnen und Bürgern: Verhindern Sie die Bebauung der Gleueler Wiese! – Offene E-Mail an Oberbürgermeisterin Henriette Reker

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

morgen entscheidet der Rat der Stadt Köln über die Bebauung der Gleueler Wiese mit Trainingsanlagen des Profi-Fußballvereins 1.FC Köln. Den Bürgerinnen und Bürgern hatte die Stadt Köln im vergangenen Jahr die Möglichkeit gegeben, brieflich oder per Internet Stellung zu nehmen. Ich gehöre zu den über 7000 (!) Menschen, die die Gelegenheit wahrgenommen haben. Uns war zugesagt worden, dass man jedes einzelne Schreiben bearbeiten und beantworten werde, was allerdings angesichts der überraschend hohen Zahl bis ins Frühjahr 2020 hinein dauern könne. Ich warte bis heute auf eine Antwort der Stadt Köln. Offensichtlich hat man mit uns (und unserer Zeit, Geduld, Intelligenz, mit unserer Sorge für das Klima und unserer Liebe zu unserer Stadt) nur gespielt. Setzt die Corona-Krise die Demokratie komplett außer Kraft?

Denn über unsere 7147 Köpfe hinweg hat die Stadt Köln längst Tatsachen geschaffen. Der Kölner Stadtanzeiger schrieb am 11. Mai: „Die Stadtverwaltung hat insgesamt 7147 Stellungnahmen der Bürger zu dem Vorhaben im denkmalgeschützten Äußeren Grüngürtel gesichtet und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der FC-Antrag genehmigungsfähig ist.“ Wie kommt die Stadtverwaltung zu „dem Ergebnis“? Hier fehlt jede Begründung!

Mittlerweile weiß ich mehr. Mehr als zwei Drittel der Stellungnahmen waren ausdrücklich gegen die Bebauung. Auf der Internetseite der BI  „Grüngürtel für Alle“ fand ich den Hinweis auf „Die Beschlussvorlage zum Ausbau des Geißbockheims“. https://unsergruenguertel.de/2020/05/12/beschlussvorlage-ist-da/ In Anlage 5.1 dieser „Beschlussvorlage“ finden sich Kommentare der Stadt zu den Stellungnahmen der Bürgerinnen und Bürger. In diesen Kommentaren stellt die Stadtverwaltung auf stur. Man geht in Abwehrhaltung, diskutiert wird nicht. Das Konvolut „Beschlussvorlage“, ein Werk von über 700 (!) Seiten, führt uns vor, wie Verwaltungsdenken funktioniert, wie es politische Leidenschaft neutralisiert und erstickt. Viele gute Ideen werden komplett totgeschwiegen, denn man hat sich nur einige Stellungnahmen herausgepickt. Die Gedanken der Bürgerinnen und Bürger, die in keine bürokratische Schublade passen (auch die von mir gemachten Vorschläge), sind an keiner Stelle erwähnt.

Über vieles könnte man lachen, wenn das Resultat nicht so traurig wäre. Tatsächlich hat die Stadt Köln einen Erdkrötenexperten auf nächtliche Pirsch geschickt. Man kommt zu dem Ergebnis, dass das Vorkommen der Erdkröte für die Bebauung keinen Hinderungsgrund darstellt. Aufgrund des „Mangels an Deckung“ („Deckung“ spielt hier nicht auf die Mann-Deckung beim Fußball an, wohl auch nicht auf die Paarungsverhalten der Erdkröte, sondern auf Unterschlupfmöglichkeiten) besäßen die vorhandenen Spielfelder und auch…

„… die Wiesenflächen keine bzw. nur eine geringe Eignung
als Landhabitat. Insgesamt ist der Wert des
Untersuchungsraums für Amphibien als gering
einzustufen. Eine nächtliche Wanderung der Erdkröte
über die Gleueler Wiese wurde vom Gutachter nicht
beobachtet. Sollten dennoch einzelne Tiere die Gleueler
Wiese zur Wanderung in die Kleingärten oder von dort
zum Decksteiner Weiher nutzen, stellen die neuen
Traningsplätze kein Hindernis dar. Zum einen ist der ca.
46 m breite Korridor zwischen den Trainingsplätzen A 1
und A2 ausreichend breit, zum anderen wird die
Umzäunung der geplanten Trainingsplätze durchlässig
ausgeführt (keine Bandenwerbung)…“
 

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

was ich jetzt schreibe, habe ich Ihnen schon einmal geschrieben, in einer Mail, die Sie wohl nicht erreicht hat… https://stellwerk60.com/2017/03/29/plaedoyer-fuer-eine-weibliche-kommunalpolitik-offene-mail-an-ob-henriette-reker/

Als ich vor knapp vier Jahren (stadtradelnd) an der Gleueler Wiese war, um mir ein Bild vom Bebauungsvorhaben zu machen, bin ich einer Erdkröte begegnet.

An dem Tag im September -es dämmerte bereits- ging ich von der Wiese zurück zum Geißbockheim, wo ich mein Fahrrad abgestellt hatte. Etwa auf Höhe des Waldkindergartens hockte mitten auf dem Weg eine große Erdkröte, ein braungrünes Tier mit unebener, warziger Haut. Sie wirkte furchtlos und unbeeindruckt. Weder nützlich noch essbar noch schön war die Kröte völlig unerwartet einfach nur da – wie im Märchen.

Nach Maßstäben des Weltfußballverbandes FIFA ist die Erdkröte vollkommen wertlos. „Es gibt dich noch“, sagte ich zu der Kröte. „Pass gut auf dich auf.“ Leise fügte ich hinzu: „Ist es nicht gut, dass es die Gleueler Wiese noch gibt?“

Und wenn sie mir nicht geantwortet hat, so hat sie mich doch verstanden.

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Die Aufforderung „Ab in den Park!“ klingt wie der berühmte Befehl, den das Herrchen dem Hund erteilt: „Ab ins Körbchen!“ Ich fürchte, das ist den Werbetextern, die von der Stadt Köln beauftragt sind und auch noch von unseren Steuergeldern bezahlt werden, durchaus bewusst. Oben links auf dem Plakat steht als Verantwortliche „Die Oberbürgermeisterin“.

Wenn man von der Haltestelle „Flora“ aus die Neusser Straße weiter stadteinwärts geht, erreicht man nach etwa 10 Minuten den Inneren Grüngürtel, eine Art Park, der aber leider kaum mehr ist als ein (zugegeben kilometerlanger) Seitenstreifen der Inneren Kanalstraße. Zwischen Neusser und Merheimer Straße wurde dort (gegenüber vom Finanzamt Köln-Nord) erst kürzlich ein großes Stück Wiese platt gemacht und mit Sportplätzen bebaut. Angeblich zum Wohle des Volkes wird auch eine sogenannte „Calisthenics-Anlage“ entstehen. Der Text auf einem Plakat der Stadt Köln, das an der Baustelle aufgehängt ist, liest sich wie eine Fitnessstudio-Werbung: „Calisthenics ist eine neue Form des Ganzkörper-Krafttrainings zur Verbesserung von Körperkontrolle und Beweglichkeit.“ (Die Oberbürgermeisterin)

Hier wird uns ein Eingriff in den öffentlichen Lebens- und Erholungsraum als gute Sache verkauft. Die Sport-Anlage schadet nicht nur dem Klima. Traurig ist es für die Mitbürgerinnen und Mitbürger, die keinen Garten und auch keinen oder nur einen kleinen Balkon haben. Hier gab es die Möglichkeit, in einer größeren Gruppe Grillfeste zu feiern. Ich habe nie glauben mögen und mag immer noch nicht glauben (weil es zu traurig ist!), was viele gesagt haben: „Die großen Multikulti-Gruppen auf der Wiese sind der Stadt Köln und der Bezirkvertretung Nippes seit jeher ein Dorn im Auge.“

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Nippes im Mai 2020. Sollte ich jemandem, der Deutsch lernt, die Wörter „Verödung“ und „Verrohung“ erklären, würde ich ihm dieses Photo zeigen. Mittlerweile hat man begriffen, dass man zwar Bäume nicht so einfach fällen sollte, doch weiter denkt man nicht, denn baumlose Flächen sind der Bebauungs-Willkür nach wie vor schutzlos ausgesetzt.

Nur drei Tage, nachdem der Kölner Stadtanzeiger davon berichtet hat, dass die Stadt Köln grünes Licht gegeben hat für die Bebauung, titelt die selbe Zeitung: „Corona wird teuer Köln rechnet mit Minus von 240 Millionen Euro bei Gewerbesteuer“.

Die Gewerbesteuer kann die Stadt Köln dem 1.FC nicht erlassen, aber der FC dürfte bei der Stadt mächtig auf die Tränendrüsen gedrückt haben, hat man doch wegen der Geisterspiele weniger Einnahmen. Vielleicht gab es als kleinen Trost die Zusage zur Bebauung der Gleueler Wiese. „Man kennt sich, man hilft sich“ (Konrad Adenauer). Dabei steht der FC Köln finanziell trotz Corona gut da. Anders als bei den Vereinen der unteren Spielklassen ist der Kartenverkauf bei den Erstliga-Vereinen nicht die Haupt- Einnahmequelle. Denn auch Geisterspiele lassen sich per TV übertragen. Und auf dem Sofa sitzend kann man das Kölsch sogar aus Glasflaschen trinken.

Doch was ist mit den Fans, die Dauerkarten haben? Kriegen die ihr Geld zurück? Ich telefoniere mit meinem Pulheimer Schwager Michael, der seit 2005 stolzer Besitzer einer der insgesamt 25.500 FC-Dauerkarten ist. Schlossermeister Michael, 52, ein gebürtiger Kölner, ist mit dem FC schon mehrmals ab- und wieder aufgestiegen. Nie im Leben würde er seine Karte hergeben. Aber er leiht sie uns manchmal.

Im Zusammenhang mit Corona, so erzählte er mir, hatte der FC ihn vor die Alternative gestellt: Entweder könne er das Eintrittsgeld für die Geisterspiele zurück bekommen oder sich einen Artikel aus dem Fan-Shop auswählen. Natürlich will der echte Fan das Geld nicht zurück, es bleibt ja sozusagen „in der Familie“. Michael ist ein großzügiger Mensch und hat sich für einen Fan-Schal entschieden. Darüber hinaus trägt jetzt sein (zur Zeit leerer) Sitzplatz ein Schildchen mit seinem Namen, was regulär 50 Euro gekostet hätte. Nebenbei gesagt: Dass der FC jetzt vor Namensschildchen spielt, macht die Geisterspiele noch geisterhafter.

Ich finde den FC knickrig. Warum hat man den treuesten Fans (zehn und mehr Jahre Dauerkarte) nicht das Geld zurück gegeben und ihnen darüberhinaus Fan-Artikel geschenkt? Das wäre eine großzügige, freundliche Geste. Doch ich fürchte, die Liebe der Fans zum FC wird vom FC nicht erwidert. Michael ist übrigens für die Bebauung der Gleueler Wiese. Er lebt nicht in Köln, ist aber für alles, wofür der FC ist. Liebe macht blind.

Michael, mit dem ich mich ansonsten gut verstehe, hat auch eine FC-Petition pro Bebauung unterschrieben. Da die Bürgerinitiative „Grüngürtel für Alle“ an die 20.000 Unterschriften gesammelt hatte, musste der FC Köln nachziehen. Ebenfalls über 20.000 Unterschriften zu sammeln (laut Stadt Köln sogar 33.482), fiel dem Fuballverein leicht. (Allerdings stammen, was die Stadtverwaltung gerne verschweigt, die allermeisten Pro Bebauungs-Unterschriften von Nicht-Kölnern!). Es ging verdächtig schnell, schließlich ist man mit einem Großteil der über 100.000 zahlenden Vereinsmitglieder vernetzt. Doch allein die Überschrift der FC-Petition ist eine blanke Unterstellung: „Für eine Zukunft am Geißbockheim – Haltet den 1. FC Köln im Grüngürtel“. Das ist unseriös: Niemand -schon gar nicht die BI „Grüngürtel für Alle“- will den FC aus dem Grüngürtel vertreiben!!!

Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind keine Leute, die mal eben nebenher per Klick eine Petition unterschreiben. Bei einer Veranstaltung im letzten Sommer war die Aula des Sülzer Schiller-Gymnasiums brechend voll. Stundenlang wurde dort ernsthaft und sachlich, aber auch leidenschaftlich auf hohem Niveau diskutiert. Alle Vernunft, und das macht das Pro der Stadtverwaltung so unerträglich, spricht gegen die Bebauung. Wer sich kundig machen möchte: https://unsergruenguertel.de/

Zum Bedauern der BI und ihres Sprechers Friedmund Skorzenski bestimmten in der Sülzer Aula die grauen Köpfe das Bild. Überhaupt sind kaum jüngere Menschen gegen die Bebauung aktiv. Ich denke, für die jungen Menschen ist die Gleueler Wiese nur irgendeine. Sie können noch nicht realisieren, dass im Falle einer Bebauung eine kommunale Katastrophe passiert. Sie sind in eine Welt hineingewachsen, in der die Demokratie längst auf dem Spiel steht, aber sie kennen keine andere. Ich selber hätte mit 20 auch noch nicht wirkllich begriffen, was da passiert. Jetzt bin ich 61.

Sehr geehrte Frau Reker, es sind ältere Menschen wie Sie und ich, die sich für den Erhalt der Gleueler Wiese engagieren. Wir Ältere haben schon mehr und andere Erfahrungen gemacht als die jüngeren Menschen. Wir wissen besser als die meisten jungen Menschen, wie sich Verluste anfühlen, was es heißt, Menschen zu verlieren, die uns nah sind. Viele von uns haben noch ein Gespür für Natur: Wir können uns noch an schneereiche Winter erinnern und an regenreiche Sommer. Man musste unsere Obstbäume noch nicht künstlich bewässern. Wir sind dünnhäutig. Gerade uns Älteren tut es weh, mit ansehen zu müssen, dass man (mal eben) atmende Wiesen versiegelt.

Die Wiese darf nicht dem Kommerz geopfert und billig verhökert werden. Sie ist ein Lebensraum für unzählige Pflanzen und Tiere. Die Wiese ist -und das macht ihren Wert aus- ein im besten Sinne des Wortes nutzloser, von uns Menschen kaum ausgebeuteter Raum. Aber sie hat einen unschätzbar großen Wert -für unser Klima.

 

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Bushaltestelle „Zonserstr.“ (KVB)  in Nippes. Dass die Stadt Köln uns sagt, was wir wollen sollen, finde ich bevormundend. Dass wir geduzt werden, finde ich unverschämt und respektlos.  Und warum sollen wir Bürger Köln etwas zurückgeben (auch noch als Dank für die entmündigenden Corona-Maßnahmen)? Sollte nicht eher Köln uns Bürgerinnen und Bürgern etwas zurückgeben, die Lebensräume und die Luft zum Atmen?

Ich habe mich im Jahr 1977 dafür entschieden, in Köln zu studieren, weil ich FC -Fan war. Aber meine Zuneigung galt weniger dem damals sportlich sehr erfolgreichen FC als einem außergewöhnlichen Spieler, Herbert Neumann. Dass der FC Köln in der Saison 1977/78 das Double holte -Pokalsieger und Deutscher Meister-, ist meiner Meinung nach vor allem ihm zu verdanken. Herbert Neumann war ein Naturtalent, spielfreudig, intelligent, gewitzt und bewegungsbegabt, ehrgeizig, aber nicht verbissen. Wer sich ein Bild machen möchte, kann ihn sich auf alten Sportschau-Videos angucken. Denn er war was für’s Auge. Die Fußballer trugen damals noch eng anliegende Trikots und kurze Hosen. Neumann hatte – diese Bemerkung sei mir mit 61 Jahren erlaubt- nicht nur ein hübsches Gesicht, sondern schöne Beine. Das ist „verdamp lang her“.

Herbert Neumann hatte Ballgefühl, Fußball spielte er mit einer Art Kinderfreude. Kinder lieben Bälle, sie rollen, sie fliegen, sie springen, Bälle sind lebendig. Werfen und schießen ist schön, aber noch schöner ist es, wenn ein anderes Kind den Ball mit den Händen fängt und zurückwirft oder mit den Füßen annimmt und mit dem Ball aufs Tor zuläuft.
Was ist aus dem Spiel geworden, seitdem es im Profifußball nur noch um Geld geht? Mit dem Bau der Trainingsanlagen steht auch das schöne, uralte Spiel Fußball auf dem Spiel.

Obwohl der Text ziemlich lang ist, möchte ich aus meiner (vermutlich von der Stadt Köln versemmelten) Stellungnahme vom vergangenen Sommer zitieren. Meine „Bespielungs“- Idee für die Gleueler Wiese:

„… Mittlerweile gibt es neue Spiel-Ansätze. Bereits in den 1980er Jahren hatte Horst Wein, Hockeynationalspieler, Hockeynationaltrainer und Ausbilder von Fußballtrainern, ein Spiel namens Funino entwickelt, das nicht Konkurrenz schürt, sondern Spaß und Spielfreude fördert. Es ist vor allem für kleinere Kinder gedacht. Sie spielen nicht mehr auf zwei große Tore, sondern auf vier kleine – ohne Torwart. Ein Sportwissenschaftler und Mediziner, der Erlangener Professor Matthias Lochmann, hat in den letzten Jahren Konzepte für den deutschen Fußball entwickelt. Im DFB wird bereits heiß diskutiert, und es existieren bundesweit Pilotprojekte, auch in Köln. Mehr Informationen: ttps://www.sueddeutsche.de/sport/funino-jugend-fussball-dfb-reform-1.4482630?reduced=truen
Ein Vorschlag an die Stadt Köln: Zwacken Sie für die allerjüngsten FC-Spieler einen Teil der Wiese ab, wo das Gras nicht ganz so hoch wachsen darf wie zur Zeit, aber so, dass der Boden nicht beschädigt wird und die Regenwürmer überleben. Auch den älteren FC-Jugendlichen täte Funino gut – als Trainingsspiel. Liebe Verantwortliche des 1. FC Köln: Lasst eure jungen Spieler wieder spielen, schickt sie nicht auf Kunstrasenplätze, sondern auf die grüne Wiese. Nehmt ihnen das Geld, die Autos und die anderen überzogenen Zuwendungen weg, lasst sie bitte wieder laufen, befreit sie aus den lukrativen Verträgen, befreit sie aus der permanenten Optimierung, aus der übertriebenen sportmedizinischen Betreuung.
Der Großteil der Wiese jedoch möge allen Kölner Kindern gewidmet werden. Das wäre ganz im Sinne Konrad Adenauers, der als Oberbürgermeister der Stadt Köln den Grüngürtel in den 1920er Jahren vor der Bebauung gerettet hat- als grünes Refugium für die Kölner Bürger…“

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

ich möchte Sie an dieser Stelle noch einmal an Ihr Wahl-Versprechen aus dem Jahr 2015 erinnern. Beim Wohnungsbau – so sagten Sie am 2.9.2015 bei der Veranstaltung „Baukulturelle Prüfsteine zur OB-Wahl“- sei es unumgänglich, die Folgen des Klimawandels zu berücksichtigen: „Wir müssen allerhöchsten Wert darauf legen, dass wir die Frischluftschneisen erhalten…“

Die Gleueler Wiese ist eine zentrale Frischluftschneise. In einer Presseerklärung der Stadt Köln im Juli 2019 heißt es: „Der Rat der Stadt Köln hat am 9. Juli 2019 den „Klimanotstand“ erklärt und damit bestätigt, dass die Eindämmung des Klimawandels in der städtischen Politik eine hohe Priorität besitzt und zukünftig bei allen Entscheidungen grundsätzlich zu beachten ist.“ Der Klimanotstand war der Grund dafür, dass Sie im August 2019 dem Kölner Stadtanzeiger sagten: „Ich würde mir wünschen, dass wir im Einvernehmen mit dem FC einen anderen Platz finden.“

Kämpfen Sie für die Erfülllung Ihres Wunsches und verhindern Sie die Bebauung!

Herzliche Grüße, Lisa Wilczok, Stadtschreiberin der autofreien Siedlung Stellwerk 60 in Köln-Nippes, Kapitänin des Stadtradeln-Teams Stellwerk 60 – Team SattelFest in den Jahren 2016-2019 (2016: Zweiter Platz kölnweit in der Kategorie Team mit den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, tatsächlich 135!)

Elfchen im Sechsten: Die Apotheke hilft

 

Die Apotheke vor Ort ist für viele Menschen ein Stück Heimat.“ (Jens Spahn)

 

Paracetamol

500 mg

Die Apotheke hilft

ist ein schmerzstillendes, fiebersenkendes

Arzneimittel.

 

Das Elfchen des Monats ist diesmal kein wirkliches Elfchen, sondern ein abgeschriebener Satz mit elf Wörtern. Der Satz steht Wort für Wort genau so auf dem Beipackzettel „Gebrauchsinformation: Information für Anwender“ des Schmerzmittels „Paracetamol 500 mg Die Apotheke hilft“. Hersteller: Fair-Med Healthcare.

Vor einem Jahr hat der Apotheken-Großhändler Noweda mit Die Apotheke hilft ein neues Eigenmarkenkonzept gestartet. Die Apotheke hilft ist ein Versuch, die Kunden an die Apotheken vor Ort zu binden. Das ist wichtiger denn je, denn wenn „das E-Rezept kommt“, werden noch viel mehr Patienten ihre Rezepte bei den Internet-Apotheken einreichen. Das mag ja praktisch sein, doch „gesund“ ist es nicht. Das persönliche Beratungsgespräch vor Ort zwischen Apothekerin (meistens ist es ja eine Frau) und Patient oder Patientin ist gerade bei den in der Regel wirkungsvollen, aber auch nebenwirkungsreichen rezeptpflichtigen Medikamenten meiner Meinung nach unersetzbar.

(Zur Erinnerung: Alle noch so gut gemeinte pharmazeutische Beratung hat ihre Grenzen, vor allem dann, wenn es um den Verkauf neuer Medikamente geht, deren Langszeitwirkung niemand kennt. Das Schlafmittel Contergan war vom Pharmakonzern Grünenthal als „sicher“ auf den Markt gebracht, von den Ärzten als „sicher“ empfohlen und von den Apotheken als „sicher“ verkauft worden. Unter den schwangeren Frauen, die es nahmen, waren viele, die den Zweiten Weltkrieg mit seinen entsetzlichen Bombennächten als Kinder oder Jugendliche miterlebt hatten und ihr weiteres Leben lang unter massiven Schlafproblemen leiden sollten. Als Contergan 1959 auf den Markt kam, unterschätzte man (und ignorierte man lange) die möglichen „Nebenwirkungen“, so dass Contergan nicht einmal rezeptpflichtig war.)

Schon jetzt können Rezepte bei den Internet-Apotheken eingereicht werden, allerdings nur per Brief. Wenn demnächst das Rezept digital übermittelt werden kann und man nicht einmal mehr einen Briefkasten ansteuern muss (den man ohnehin kaum noch findet), dürften vor allem die Internet-Apotheken profitieren. Insbesondere Laufkunden, die nur gelegentlich Medikamente kaufen und keine Stammapotheke haben, werden ihre Rezepte im Internet einlösen.

Bis dahin wird sich eine Internet-Apotheke als die Online- Rezeptapotheke empfohlen haben: Marktführer DocMorris, der selbsternannte „Gesundheitsdienstleister“, ein Unternehmen mit Sitz in Heerlen, einer niederländischen Stadt ganz in der Nähe von Aachen. Bereits bevor „Das E-Rezept kommt!“ (DocMorris – Plakatwerbung im April 2020), darf DocMorris in ganz Deutschland so werben, als wäre das E-Rezept bereits eingeführt. Frei nach dem biederwitzigen Motto „Fortschritt stellt sich nicht in Warteschlangen. Jetzt bei DocMorris bestellen!“ schaltet DocMorris die Ampel auf (Plakatfarbe) Grün. Der Versand rezeptpflichtiger Medikamente ist bei DocMorris übrigens kostenlos. Dass das erlaubt ist, wundert mich, denn es verschafft dem Unternehmen einen indirekten Wettbewerbsvorteil gegenüber den ortsansässigen Apotheken. (Meiner Meinung nach müsste man auch auf den kostenlosen Amazon-Buchversand eine Art Schutzgebühr erheben.)

Der Unternehmens-Name DocMorris, der direkt ins Ohr geht, spielt phonetisch mit dem bekannten Namen eines international agierenden Erfolgsunternehmens, des umsatzstärksten Fast-Food-Konzerns der Welt: McDonalds. (DocMoMcDo) Auch als Sponsor ist und war DocMorris aktiv, nicht nur regional (etwa für ein paar Jahre beim Fußballverein Alemannia Aachen), sondern auch überregional. Wenn man dabei mit den großen Parteien liebäugelt, noch dazu im Jahr der Bundestagswahl, erzielt man allerdings nicht nur mediale Wirkungen, sondern auch Nebenwirkungen – bei der Konkurrenz.

So berichtete die Deutsche Apothekerzeitung im Wahl-Jahr 2017: „Die Junge Union Bayern bekam am vergangenen Wochenende viel Aufmerksamkeit, weil sie den Rücktritt von CSU-Parteichef Horst Seehofer forderte. Von dieser Medienpräsenz profitierte auch DocMorris, weil viele Teilnehmer der JU-Landesversammlung in Erlangen „Schlüsselbänder“ um den Hals trugen, auf denen das DocMorris-Logo zu sehen war – auch auf Fotos und im Fernsehen. Dabei gehört die CSU zu den größten Verfechtern eines Rx-Versandverbots.https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2017/daz-45-2017/docmorris-sponsert-junge-union-bayern  Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn enge Beziehungen zu DocMorris (inklusive diverser medienwirksamer Gockelkriege) unterhält, ist kein Geheimnis.

Vom Koalitionspartner ins Boot geholt zu werden, ist natürlich ebenso wichtig. Die Internet-Nachrichtenseite des Apotheken-Versicherers Aporisk erinnerte im Jahr 2017 daran, dass die „SPD mit DocMorris auf Spargelfahrt“ war. Der Eintritt in die geschlossene Gesellschaft kostete DocMorris kaum mehr als eine Art Trinkgeld, das gerade mal für 600 (geschätzte Teilnehmer-Zahl 2019 laut Tagesspiegel) Portionen Spargel gereicht haben dürfte:

„Das ZDF-Politikmagazin Frontal 21 beschäftigt sich heute Abend mit den Grenzen des legalen Parteisponsorings: Unternehmen und Lobbygruppen könnten gegen Zahlung von 3000 bis 7000 Euro Treffen mit SPD-Ministern, Staatssekretären und Parteifunktionären buchen, heißt es in der Ankündigung. Dazu lägen Frontal 21 Angebote und ein Kostenvoranschlag zu sogenannten Vorwärts-Gesprächen vor. In einer Szene taucht auch DocMorris neben anderen Firmen als Sponsor der traditionellen SPD-Spargelfahrt auf.“ https://aporisk.de/apotheker-nachrichten-politik-48600.html

Ich bin geneigt, die Geschichte als Provinz-Posse abzutun, aber es geht um unser aller Wohl bzw. Unwohl. Höchstwahrscheinlich war das Haupt-Thema der „Vorwärtsgespräche“ schon vor drei Jahren das E-Rezept. Den größten Umsatz erwirtschaften die Apothen nun mal durch den Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente. Das E-Rezept könnte auf Dauer dazu führen, dass die ortsansässigen Apotheken nur noch Medikamente verkaufen, die nicht rezeptpflichtig sind. Dazu gehören Mittel gegen leichte und mittelstarke Schmerzen, die keine Apothekenpreise kosten, sondern vergleichsweise billig sind. Beim Verkauf von Paracetamol, Aspirin oder Ibuprofen etwa geht es weniger darum, Geld zu machen. Doch die Apotheker wissen, dass die Leute dort, wo sie rezeptfreie Medikamente kaufen, auch ihre Rezepte einreichen.

Manchmal hat man in der Apotheke eine schöne Begegnung. Eine freundliche junge Apothekerin hat mir, nachdem wir uns trotz Mundschutz gut unterhalten hatten, den Beipackzettel für Paracetamol Die Apotheke hilft geschenkt, ohne dass ich das Medikament (für knapp 2 Euro) kaufen musste. Eigentlich wollte ich ihr eine unangebrochene Schachtel Paracetamol zurückbringen, die ich selber nur wegen des Beipackzettels gekauft hatte, den ich dann blöderweise auch noch verschusselt hatte. „Ich selber nehme Medikamente nur zur Not, obwohl ich in der Apotheke arbeite“, sagte die junge Frau. Ich stimmte ihr zu und ergänzte: „Vielleicht auch, weil Sie in der Apotheke arbeiten.“ Die Tabletten hat sie leider nicht zurück genommen. Die vergammeln jetzt in einer Schublade, weil ich sie nicht in den Müll werfen will. Erst recht will ich es nicht wie die meisten machen: Die Tabletten im Klo runterspülen. Das verpacken die robusten Ratten, aber es schadet dem ohnehin schon schwer verunreinigten Wasser.

Fatal, wie ich finde: Es kann doch nicht angehen, dass es in einem Land wie Deutschland, wo Mülltrennung und Entsorgung einigermaßen gut funktionieren, keine Sondermüllabgabe-Möglichkeit für Medikamente (inklusive „Pille“ und Antibiotika) gibt. Und warum nicht die Abgabe von Restmedikamenten belohnen? Bitte handeln, Herr Spahn!

Auf dem Beipackzettel für „Paracetamol 500 mg Die Apotheke hilft“ steht zig Mal der Zusatz „Die Apotheke hilft“. Er klingt wie eine sanfte Beschwörung. Die damit verwandte Einflüsterung „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ haben wir längst verinnerlicht: Vertrauen Sie uns, wir sind immer für Sie da.

Die Apotheke hilft mutet altmodisch an. Vielleicht haben sich die Werbetexter von Ingeborg Bachmanns berühmtem Gedicht „Reklame“ inspirieren lassen, das von der Umgarnung durch Werbung erzählt. Dass Werbung einmal allgegenwärtig werden und unsere Köpfe komplett besetzen sollte, konnte Ingeborg Bachmann nicht ahnen.

 

Ingeborg Bachmann, „Reklame“ [1956]

Wohin aber gehen wir

ohne sorge sei ohne sorge

wenn es dunkel und wenn es kalt wird

sei ohne sorge

aber

mit musik

was sollen wir tun

heiter und mit musik

und denken

heiter

angesichts eines Endes

mit musik

und wohin tragen wir

am besten

unsre Fragen und den Schauer aller Jahre

in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge

was aber geschieht

am besten

wenn Totenstille

eintritt

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Meine Heimatstadt Bottrop im Corona-Frühjahr 2020.  Die Äskulapnattern sind blank poliert, die „Alte Apotheke“ hat einen neuen Namen und eine junge neue Inhaberin, die bei der Geschäftseröffnung im Jahr 2018 sagte: „Ich habe eine komplett reine Weste.“ (apotheke-adhoc.de)

Der Bottroper „Skandal“ um die „Alte Apotheke“ war kein bloßer Apothekenskandal, sondern brachte allgemeine Missstände im deutschen Gesundheitssystem zutage. Offensichtlich gibt es Blockaden in der Kommunikation zwischen Ärzten, Apotheken, Aufsichtsbehörden und Krankenkassen, die sich normalerweise nicht bemerkbar machen, aber unter Umständen katastrophale Folgen haben. Warum ist den behandelnden Ärzten nicht aufgefallen, dass die Krebsmittel, die der Apotheker Peter Stadtmann zubereitet hatte, gestreckt sein mussten, wo doch die Chemotherapie bei den betroffenen Patientinnen und Patienten nicht anschlug, aber auch nicht die üblichen schweren Nebenwirkungen hatte?

Auch die Aufsichtsbehörden haben im Fall Stadtmann nicht „sauber“ gearbeitet. Wie berichtet wird, haben sowohl im Zyto-Labor der Apotheke als auch in den angrenzenden Räumen keine ausreichenden Hygiene- und Sicherheitskontrollen stattgefunden. Wie kann es angehen, dass in einem Kellerraum des Apothekenhauses abgelaufene Krebsmedikamente „rumfliegen“, so wie bei anderen Leuten vergessene eingelegte Gurken (oder- wie bei mir- Schmerztabletten) vergammeln? Es ist wichtig, dass unsere privaten Keller geschützt sind, aber der Keller einer Apotheke mit Zyto-Labor ist kein privater Keller. Hier geht es um uns alle.

Peter Stadtmann hat ein schweres Verbechen begangen. Viele „seiner Opfer“ hätten durch die „Gabe“ verlässlich und korrekt dosierter, auf sie zugeschnittener Krebsmittel gerettet werden können. Wie viele, kann niemand sagen.

Der Fall verdeckt allerdings die Schattenseite der Chemotherapie. Eine hoch dosierte Chemotherapie ist -so wird suggeriert- das Krebs-Heilmittel schlechthin. Doch genau das ist ein Irrtum. Gerade ältere krebskranke Menschen werden auch dann noch hoch dosiert chemotherapeutisch behandelt, wenn absehbar ist, dass es vielleicht ihr Leben verlängert, aber ihr Leiden nur noch verschlimmert. Mit der Möglichkeit, radikalste therapeutische Mittel ohne großes Zögern einsetzen zu können, maßen sich die Ärzte Macht über Leben und Tod an. Dabei spielen sie (fahrlässig, wie ich finde und miterlebt habe) mit der Hoffnung der Patienten und ihren Angehörigen auf Genesung. Ein weiterer Grund für das verbreitete Zuviel an Therapie ist der satte Gewinn: Mit der Krebstherapie, aber auch mit der vorausgehenden und begleitenden Diagnostik, wird leider viel zu viel Geld verdient.

Als meine Mutter im Jahr 2001 an Lungenkrebs erkrankte, hatte sie einige Kilos abgenommen, aber noch keine Symptome, abgesehen von einem gelegentlichen hartnäckigen Husten. Als sie dann, weil der Husten nicht verschwand, zum Arzt ging, hörte sie schon beim Erstbesuch ein Wort, das ihr (und uns Kindern) nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte: „Palliativ.“ Eine knallharte Prognose, die der Arzt -salopp gesagt- meiner Mutter wie nebenbei an den Latz knallte. Während der aggressiven Therapie, die man meiner Mutter dennoch dringend empfohlen hatte (hoch dosierte Chemotherapie und Bestrahlung), verkleinerte sich der Tumor zwischenzeitlich, aber ihr allgemeiner Gesundheitszustand verschlechterte sich dramatisch. Die Nebenwirkungen der Therapie überwogen die positiven Wirkungen bei weitem. Wahrscheinlich als Nebenwirkung der Chemotherapie bekam meine Mutter noch eine Osteoporose und brach sich einen Rückenwirbel, was äußerst schmerzhaft war.

Wohlgemerkt: Alle Ärztinnen und Ärzte haben damals „nur nach Vorschrift“ und in bester Absicht gehandelt. Allerdings sind sie nicht die „Halbgötter in Weiß“, die die Patienten und Patientinnen (darunter meine Mutter) aus ihnen machen. Im Gegenteil: Leider wenden Ärztinnen und Ärzte die aggressiven und unberechenbaren Behandlungsmethoden, die ihnen zur „freien“ Verfügung stehen, oft willkürlich an. Sie wissen, so scheint es, schon lange nicht mehr, was sie da tun. Hinzu kommt, dass die Ärzte im Kontakt mit den Patienten in (unbewusste) Panik geraten. Die Gleichgültigkeit der Mediziner, so habe ich es empfunden, ist bloße Fassade. Die allzu menschliche Angst vor Krebs ist vermutlich bei denen am größten, die jeden Tag mit der Krankheit zu tun haben: Bei den Onkologen.

Eine Bemerkung möchte ich noch zum Schmerzmittel Paracetamol machen, das in niedriger Dosierung sogar für Kinder ab vier Jahren empfohlen wird. Eine im Internet angebotene Variante des Schmerzmittels trägt einen Namen, bei dem jeder an ein Gutenachtküsschen denkt: „Paracetamol bussimed“… Wenn das mal keine Alpträume bringt…

 

+++Eilmeldung: Maske weg, Abstand passé – Menschenmassen am Fühlinger See!+++

 

Nachdem ich meiner Tochter Carla, die zur Zeit unfreiwillig fernstudiert und so oft in Köln ist wie seit dem Abi nicht mehr, am Dienstag den Vorschlag machte, zum Fühlinger See zu fahren, klappten sie und ihre Freundin direkt die Laptops zu und holten die Fahrräder aus dem Schuppen. Am See angekommen, peilten die beiden ein Plätzchen außerhalb des Freibades an.

Ins Blackfoot Beach (seltsamer Name für ein Strandbad, das mit weißem Sand wirbt) wären sie so kurzfristig eh nicht reingekommen. Überhaupt ist Spontaneität zur Zeit nicht angebracht, denn auch im bzw. am Blackfoot Beach ist alles ziemlich verkrampft: Tickets muss man im Internet buchen. Die Besucherzahl ist begrenzt, die Verweildauer befristet. Auf dem Gelände herrscht Maskenpflicht, und der Mund- und Nasenschutz darf nur zum Schwimmen und auf dem eigenen (!) Handtuch abgelegt werden. Dass man trotz dieser Schikanen (unter Dauerbewachung) immer noch 4,80 Euro Eintritt zahlen soll, finde isch happisch.

Normalerweise platzt bei solch einem Traumwetter, wie wir es rund um Pfingsten hatten, das Blackfood Beach –Bad aus allen Nähten, während man außerhalb der Location immer noch einen kostenlosen, wenn auch weniger komfortablen, aber luftigen Platz direkt am See finden kann. Am Tag nach Pfingsten war es allerdings, wie Carla erzählte, genau umgekehrt. Außerhalb des Bades war es auf den Wiesen so voll, dass der allgemein empfohlene Mindestabstand auch nicht annähernd eingehalten werden konnte. Die Stimmung war entspannt, obwohl es anders als im Freibad keine Pommes und Getränke zu kaufen gab. Viele Leute waren nicht zum Schwimmen, sondern zum Sonnenbaden gekommen, darunter die, die auch im Sommer ins Sonnenstudio gehen, aber angesichts der rigiden Corona-Maßnahmen keine Lust auf künstliche Sonne mehr hatten.

Nahtlose Gesichtsbräune ist nicht gegeben, wenn man einen Mund- Nasenschutz trägt, also rissen sich die Leute das Textil vom Gesicht und reckten das bleiche Kinn in die Höh‘. Egal, ob auf dem eigenen Handtuch oder einem anderen – niemand war noch gewillt, eine Maske zu tragen. Carla und ihre Freundin fanden direkt an der Regattabahn eine Stelle, die zwar nicht so schön war, wo sie aber viel Platz hatten und endlich einmal Covid 19 vergessen konnten. Nur ein einsamer Inline-Skater, der auf dem Weg entlang der Regattabahn betont lässig an ihnen vorbei rollte, mit nacktem Oberkörper, aber bekleidetem Mund, erinnerte noch an Corona.

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Deutschland entwickelt sich zum Überwachungsstaat. Das hilft nur eines: „Maske fott, Zäng ussenander!“ Bart Simpson, wir brauchen Jungs wie dich!

 

Leider sind am Fühlinger See auch in diesem Jahr wieder die Raupen des Eichenprozessionsspinners in großer Zahl unterwegs. https://fuehlingen.de/aktuelles/wieder-eichenprozessionsspinner-am-fuehlinger-see  Ähnliches gilt für die Gespinstmotte, die oft mit mit dem Eichenprozessionsspinner verwechselt wird, weil ihre Raupen sich auch in „Prozessionen“ bewegen, die Blätter von den Bäumen und Sträuchern abfressen und Stämme, Äste und Zweige mit einer Art Schleier, einem Gespinst überziehen. Für die Menschen stellen die Raupen der Gespinstmotte keine Gefahr dar. Auch die Gehölze werden nicht nachhaltig beschädigt und treiben in der Regel später im Jahr wieder aus. Unter dem fast zärtlich anmutenden Titel „Die Christos unter den Insekten“ (in Anspielung auf den vor wenigen Tagen verstorbenen Verpackungskünstler) hat NABU NRW im Jahr 2014 einen schönen und informativen Artikel über die Gespinstmotte ins Netz gestellt. https://nrw.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insekten/gespinstmotten/index.html

Ich hatte der Nippeser Gespinstmotte, die im Grünstreifen unterhalb der S-Bahn-Trasse aktiv ist, vor genau einem Jahr ein Elfchen gewidmet: https://stellwerk60.com/2019/06/01/elfchen-im-sechsten-raupe-nimmerallein/ Auch wenn die Gespinstmotte „ungiftig“ ist, sollten wir ihr vermehrtes Vorkommen ernst nehmen, denn es ist eine Folge der durch Menschen verursachten, fortschreitenden Klimakatastrophe, die man beschönigend „Klimawandel“ nennt.

Befremden sollten uns die Tierchen nicht. Wie die Gespinstmotte ist auch der Eichenprozessionsspinner kein „Alien“, der erst im Zuge des internationalen Luftverkehrs zu uns gekommen ist. Seine Raupen sind hier heimisch, es gibt sie vielleicht schon (fast) so lange, wie es Eichen gibt. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné hat dem Insekt im Jahr 1758 den wohlklingenden botanischen Namen Thaumetopoea processionea gegeben. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners kommen nur auf Eichen vor. So können wir sie erkennen und von „harmloseren“ Schmetterlingstierchen unterscheiden. Eichenprozessionsspinner lieben die Trockenheit. Sie meiden dichte, feuchte Eichenwälder und bevorzugen lichte Eichenwälder und Einzelbäume am Waldrand. Da sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners tatsächlich nur auf Eichen tummeln, ist eine Schlagzeile wie „Gefährliche Raupe: Der Eichenprozessionsspinner frisst sich durch Bielefeld“ reichlich übertrieben. https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/22796945_Diese-gefaehrliche-Raupe-bereitet-sich-massiv-in-Bielefeld-aus.html

Auch vor über hundert Jahren dürften sich Menschen an ihren Härchen verbrannt haben. Und wer sich nach Tagen der Trockenheit draußen aufhielt, von einem Gewitter überrascht wurde und unter einem Baum Schutz suchte, den hat vielleicht nicht der Blitz erwischt, aber ein kleines lästiges Tierchen. So wäre endlich das Rätsel einer alten deutschen Redensart gelöst, die uns erklärt, wo man bei einem Gewitter Schutz suchen soll und wo besser nicht: „Buchen sollst du suchen, vor Eichen sollst du weichen.“

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Titelblatt des Kölner Stadtanzeigers von vorgestern, 4.Juni. Pfingsten dürfte es auch am Rhein rappelvoll gewesen sein. Vermutlich war das Ordnungsamt machtlos, denn der „Sicherheitsabstand“ ist gewiss kaum irgendwo eingehalten worden. Die Schlagzeile „Unterschätzte Gefahr“ ist irreführend, weil jeder „Corona“ assoziiert.  Im Artikel wird jedoch darüber berichtet, wie am Pfingstsonntag an der „Rodenkirchener Riviera“ ein etwa sechs Jahre altes Mädchen beinahe ertrunken wäre, aber von einer beherzten Frau gerettet wurde.             Der Artikel hat einen tadelnden Unterton: „Am Ufer kühlen sich hunderte Menschen ab, halten die Füße in den Fluss, oder gehen mit dem ganzen Körper ins Wasser“. Ich frage mich: Ist das so schlimm? Für den Autor des Artikel schon. Jedes „Betreten“ des Rheins,  so wird suggeriert, ist lebensgefährlich. (Dabei plantschen die Personen auf dem Foto im Innenteil nur, und man sieht kleine Kinder ausschließlich in Begleitung von Erwachsenen). Wirklich geschützt, so sollen wir denken, ist man nur im Hochsicherheits-Freibad.                           An der Stelle, wo das Cover-Foto aufgenommen wurde, würde ich übrigens niemals weit ins Wasser gehen. Denn hier, in unmittelbarer Nähe der Rodenkirchener Brücke, ist das Schwimmen tatsächlich lebensgefährlich. Doch im Kölner Norden, zwischen Cranach-Wäldchen und Niehler Hafen, gibt es sandige Buchten, wo sich das Wasser so staut, dass Eltern ihre Kinder (beaufsichtigt) plantschen lassen können. Dennoch sollte man aufpassen, dass die Kinder nicht zu viel Wasser schlucken. Zwar gibt es mittlerweile viel mehr Kläranlagen als noch vor dreißig Jahren, was der Sandoz-Katastrophe von 1986 geschuldet ist, aber umso mehr Mikroverunreinigungen durch Medikamente, synthetische Hormone („Pille“) und Insektizide.  „Wenn das Wasser im Rhein goldener Wein wär….“ na ja. Trotz alledem ist es für Kinder schön, in der Nähe dieses imposanten Flusses aufzuwachsen. Meine Schwiegermutter Cläre, Jahrgang 1931, eine gebürtige Kölnerin, hat als Kind im Rhein Schwimmen gelernt und bestimmt viel Rheinwasser geschluckt- und war vielleicht deshalb noch im Alter eine leidenschaftliche Schwimmerin.

 

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September 2019: Der schöne Mann fährt, wie er mir erzählte, wenn er Zeit hat und das Wetter gut ist, jeden Tag mit dem Fahrrad zum Rhein, seit Jahren immer an die selbe Stelle, die er gut kennt. Er ist ein sicherer Schwimmer und weiß genau, wo gefährliche Strömungen sind.