Geschichte von den sieben jungen Geißlein und der klugen Wölfin – Die Zauberkraft der Ziegenmutterliebe

„Ich fürchte, die Tiere betrachten den Menschen als ein Wesen ihresgleichen, das in höchst gefährlicher Weise den gesunden Tierverstand verloren hat…“ (Friedrich Nietzsche, „Die fröhliche Wissenschaft“)

Erst kürzlich hat sich die Geschichte tatsächlich noch einmal zugetragen. Ganz in unserer Nähe, außerhalb eines alten Dorfes und doch in den Tiefen des Waldes, die es immer noch gibt. Dort lebten in Waldabgeschiedenheit eine Geiß und ihre sieben jungen Geißlein.

Die Geiß hatte ihren Kindern das Märchen einige Male erzählt, doch -so bitter es auch war- konnten die sieben jungen Geißlein nur glauben, was sie selber erlebt hatten. Daher hatten sie nichtsahnend den Wolf schon bei seinem allerersten Täuschungsversuch ins Haus gelassen.

Als die Geiß nach Hause kam, wusste sie sofort, was passiert war. Sie geriet nicht in Panik, sondern behielt einen klaren Kopf. Sie spürte, wie ihr Herz schlug, aber sie schrie nicht, sondern rief nacheinander die Namen ihrer sieben Geißlein. Keines gab ihr eine Antwort. Erst als das jüngste an der Reihe war, hörte sie aus dem Uhrkasten ein leises „Mama?“

Obwohl sie die Antwort kannte, ließ sie ihr Kind erzählen, was genau passiert war. Die Geiß weinte bitterlich, behielt aber einen klaren Kopf. Und weil sie ihr Nähzeug gut pflegte, Schere, Nadel und Faden immer für den Notfall parat lagen, schaffte sie es, ihre Kinder, die heil geblieben waren, zügig aus dem Wanst des schlafenden Wolfes zu befreien. Sie füllte seinen Bauch mit Wackersteinen, die die Kinder eilig gesammelt hatten, und nähte ihn so gut zu, dass die Steine nicht herausfallen konnten.

Doch was nun? Wenn der Wolf auch tot war, so waren seine sterblichen Überreste noch immer im Brunnen, wohin sich das durstige Tier mit letzter Kraft geschleppt hatte. Anders als ihre Kinder, die nur kurz nach dem Unglück wieder übermütig gespielt hatten und jetzt eng aneinander gekuschelt tief schliefen, tat die Geißen-Mutter in der Nacht kein Auge zu. Es war entsetzlich, einen toten Wolf im Brunnen zu wissen. Das Dorf war längst an die Kanalisation angeschlossen, aber der letzte öffentliche Brunnen stand unter Denkmalschutz und wurde so gut gepflegt, dass sein Wasser zwar nicht den Menschen, aber den Tieren bekam. Wie sollte sie jemals wieder an solch köstliches Wasser kommen? Und was war mit den alten Dorfbewohnern, die sich gerne hier trafen, bevor sie sich unter der Schatten spendenden alten Linde auf die Bank setzten?

An dieser Stelle schwieg das Märchen. Über den Brunnen mit dem toten Wolf darin war nichts weiter zu erfahren. Die Geiß kam ins Grübeln: Sollten ausgerechnet sie und ihre sieben Kinder diejenigen sein, die viele Jahre später das Märchen weiter erlebten und die Geschichte zu Ende erzählten?

Wie dem auch war: Sie musste die Angelegenheit öffentlich machen, es gab keine andere Wahl. Allerdings würde sie auf diese Weise die Menschen auf sich aufmerksam machen, und vielleicht wäre es dann mit der Waldeinsamkeit für immer vorbei. So bat sie am Morgen die Spatzen, in die nächstgrößere Stadt zu den Menschen zu fliegen und es von den Dächern zu pfeifen.

Da ein Notfall vorlag, stand schon nach wenigen Stunden eine Spezialeinheit des Gesundheits- und des Veterinäramts vor der Tür. Die alte Geiß führte die Personen zum Brunnen. Vermummte Hygienekontrolleure machten sich vor Ort ein Bild und informierten die Feuerwehr, die mit schwerem Gerät anrückte und die sterblichen Überreste des Wolfes aus dem Brunnen hob.

Drei Tage später wurde der Kadaver -nachdem man ihn auf Anzeichen von Tollwut untersucht hatte- der Tierverwertung zugeführt. So konnte sich, wie es hieß, das Biest posthum nützlich machen, auch bannte man auf diese Weise jegliche Verseuchungsgefahr. Der Brunnen wurde von Spezialkräften gründlich desinfiziert und wenige Tage später unter Vorbehalt wieder freigegeben.

Da der Wolf tot war, bräuchten die sieben Geißlein, wie der Leiter der Spezialeinheit ihnen mitteilte, keine Angst mehr vor ihm zu haben. Offenbar handelte es sich um einen alten Rüden, der kein Rudel mehr hatte und deshalb böse geworden war. Um die Gefahr weiterer Wölfe ausschließen zu können und die Sicherheit der Geißlein zu gewährleisten, hatte man den Wald Meter um Meter durchforstet. Bei der Aktion hatte man keinen Wolf, aber einige junge Menschen aufgestöbert, die ausgewandert, aber nicht weit gekommen waren.

Der Wald war frei von Wölfen. Die alte Geißlein spürte ihr liebendes Herz schlagen, aber sie behielt einen klaren Kopf. Sie nahm die Kinder mit in den Wald und zeigte ihnen, wie sie Futter finden konnten. Als die sieben Geißlein für sich selber sorgen konnten, ging sie auf eine kleine Reise. Eines Morgens nahm sie letztes Mal das kleinste Zicklein an ihre Zitzen und verabschiedete sich: „Auf Wiedersehen, meine lieben Sieben. Ich gehe zu den Menschen, aber ich bin bald wieder da. Wenn Menschen kommen, lasst sie ruhig ins Haus. Aber nehmt euch in Acht, wenn sie euch zu etwas einladen oder euch etwas schenken wollen. Wir müssen Zeit gewinnen, deshalb sagt:Das hätten wir gerne amtlich. Schicken Sie uns einen Brief: Zu Klauen sieben Geißlein. Mit Datum, Stempel, Unterschrift. Denn alles muss seine Ordnung haben. Mäh, mäh.“

„Sind denn die Menschen nicht lieb?“, fragte das jüngste Geißlein.

„Na ja“, sagte die alte Geiß und seufzte. „Die Menschen werden nicht böse geboren, aber oft machen sie mit der Zeit so schlechte Erfahrungen, dass sie böse werden.“

„Schlechte Erfahrungen mit Wölfen?“, fragte ein Geißlein. Jetzt schüttelte die Geiß den Kopf und lachte.

„Und woher sollen wir wissen, wer böse ist?“, fragte ein anderes.

„Hört auf die Vögel“, sagte die Geiß. „Die Krähen warnen euch, doch freut euch, wenn die Amsel singt.“

Die Geiß machte sich auf den Weg. Aber sie setzte sich nicht in Bus oder Bahn, sondern begab sich ins Rathaus. Sie trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein und bekam als erste Ziege überhaupt das Bundesverdienstkreuz verliehen. Der Präsident war nicht persönlich erschienen, wohl aber die Bürgermeisterin.

Ebenfalls mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde der Inhaber eines Geschäfts für Karnevalsbedarf, der dem Wolf den sogenannten „magischen Strumpf“ geschenkt hatte. Dieser Strumpf stellte inklusive Kunststoff-Klaue den unteren Teil eines Ziegenbeins dar, ließ sich leicht überstreifen und hatte dem Wolf wie angegossen gepasst. Ohne den genialen Geschäftsmann, so betonte die Bürgermeisterin in ihrer Rede, wäre die Geschichte wohl nicht so glimpflich verlaufen. Hätte der Verkäufer nicht dem Wolf geholfen, sich als Geiß zu verkaufen, hätte sich die Bestie über die Menschen hergemacht.

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Die großen Märchen erzählen nicht nur die eine, sondern viele Geschichten. Die Illustratorin Tatjana Hauptmann versteht es, mit Liebe zum Detail das scheinbar Nebensächliche in den Vordergrund zu holen. Warum warnen Krämer, Müller und Bäcker die Geißlein nicht, wo sie doch wissen, dass der Wolf was im Schilde führt und Geißlein seine Leibspeise sind? „Ja, so sind die Menschen“, heißt es im Märchen. Eine genauere Antwort gibt diese Illustration. Abfotografiert aus: Christian Streich (Hrsg.): „Das große Märchenbuch. Die schönsten Märchen aus ganz Europa“, mit Illustrationen von Tatjana Hauptmann. 

Die Verleihung dauerte bis zum Abend. Beim festlichen vegetarischen Dinner wurden mit Rücksicht auf die Geiß keinerlei tierische Produkte gereicht – inklusive der sonst üblichen Käseplatte mit Crottin de Chavignol, einer berühmten französischen Ziegenkäse-Spezialität mit echtem Ziegenaroma. Die Geiß wurde anschließend in ein Wellness-Hotel gebracht, wo man im zweiten Stock ein Zimmer artgerecht für sie hergerichtet und eine Schlafstelle mit Stroh ausgelegt hatte. Das Zimmer war geräumig, was umso erstaunlicher war, da gemäß den EU-Rechtsvorschriften selbst im ökologischen Landbau eine Stallfläche von nur 1,5 Quadratmetern je Ziege das vorgeschriebene Minimum war. Den Wellness-Bereich durfte die Geiß aus Rücksicht auf andere Gäste nicht betreten, aber sie hatte eine große Badewanne für sich alleine. Sie würde sich ein paar Tage ausspannen. Und sie spürte, dass es sehr erholsam sein würde, einmal nicht für die Kinder sorgen zu müssen.

Bevor sie sich schlafen legte, kontrollierte sie noch kurz Tür und Fenster. Die Zimmertür war von außen verriegelt, aber die großen Fenster ließen sich öffnen. Als sie jung war und noch keine Kinder hatte, hatte sich die Geiß nach dem Mond gesehnt. In sternklaren Nächten war sie schlafend durchs Haus gelaufen und hatte die Fenster geöffnet.

Die alte Geißlein spürte ihr liebendes Herz schlagen, aber sie behielt einen klaren Kopf. Anders als der Wolf würden die Menschen ihre Gier zügeln können. Sie zogen die Ziegenmilch dem Ziegenfleisch vor und gehorchten nicht nur der schieren Gier, sondern Verordnungen, Richtlinien und Gesetzen. Die Menschen hatten ihr als erster Ziege überhaupt das Bundesverdienstkreuz verliehen, also würden sie ihr und den sieben Geißlein gegenüber gewisse Spielregeln einhalte müssen.

Am nächsten Morgen, während sie so tief schlief wie schon lange nicht mehr, war im Waldhaus bereits der Bär los bzw. die Ziege. Die sieben Geißlein hatten sich aus Tisch, Stühlen und Kochtöpfen einen Kletterhügel gebaut. „Kinder!“, schrie jemand vor der Tür, „könnt ihr mal leise sein?“ Die Geißlein erschraken, und es wurde so still, dass sie durch die geöffneten Fenster hindurch die Krähen krächzen hörten, die über das Haus hinweg flogen. Jemand klopfte energisch an die Tür. Als das älteste Geißlein aufmachte, traten zwei Menschen-Frauen ein, die eine dunkelhaarig, die andere blond.

„Ihr seht ja gar nicht böse aus“, sagte das jüngste Geißlein.

„Wir sind ja auch lieb“, sagte die eine der Frauen. „Und wir bieten euch unsere Hilfe an.“

„Wir kommen vom Jugendamt“, sagte die andere. „Ihr habt weder Hausnummer noch Klingel noch Strom noch fließend Wasser noch Telefon. Kopf hoch, das kriegen wir schon hin.“

Die Blonde lächelte: „Die Mama muss sich noch eine Weile ausruhen. Sie war ja völlig überfordert. Aber sagt, wer passt auf euch auf, wenn die Mama nicht da ist, wer sagt euch Bescheid, wenn ihr schlafen gehen sollt?“

„Wir sind doch nicht doof.“

Die Blonde lächelte noch breiter: „Ja, aber bis dahin muss jemand das Sorgerecht übernehmen. Aber sagt, wo ist der Papa?“

„Der baut leider immer wieder Bockmist“, sagte das älteste Geißlein.

„Also hat eure Mutter das alleinige Sorgerecht.“

„Sowas hat die Mama nicht.“

„Das werden die Experten klären“, sagte die Blonde und holte ein Blatt Papier aus der Tasche. „Könnt ihr bitte dieses Formular unterschreiben? Hiermit erklärt ihr, dass ihr Hilfe braucht. Klauenabdruck reicht.“ Durchs Fenster hindurch hörten die sieben Geißlein das Krächzen der Krähen, die über das Haus hinweg flogen.

„Das tun wir nicht“, sagte das älteste Geißlein. „Wir sagen NEIN.“ Und alle Geißlein fielen ein: „Das hätten wir gerne amtlich. Schicken Sie uns einen Brief: Zu Klauen sieben Geißlein. Mit Datum, Stempel, Unterschrift. Denn alles muss seine Ordnung haben. Mäh, mäh.“

Als die Frauen gegangen waren, waren die Geißlein wie erlöst. Sie riefen: „Die Menschen sind weg! Die Menschen sind weg!“ Sie liefen aus dem Haus, rannten auf die Wiese und tanzten vor Freude um den Brunnen herum.

Wenige Tage später hörten die Geißlein, während sie frühstückten und sich dabei mit Brombeeren bewarfen, durch die geöffneten Fenster hindurch wieder die Krähen krächzen, die über das Haus hinweg flogen. Das jüngste Geißlein öffnete die Tür, aber da war niemand.

„Wir sollten jetzt lieber aufräumen“, sagte das älteste junge Geißlein. Und das taten sie auch.

Als die Krähen eine Stunde später noch einmal krächzend über das Haus flogen, standen zwei Menschen vor der Tür. Die Geißlein ließen die Menschen ins Haus, einen Mann und eine Frau. Sie waren weiß gekleidet, trugen lange Hosen und geknöpfte Jacken: „Guten Tag, liebe Kinder.“

„Guten Tag auch“, sagten die Geißlein, „aber warum habt ihr weiße Kleider an?“

„Aus Gründen der Hygiene“, war die Antwort. Die Frau rümpfte schnuppernd die Nase.

„Ich weiß, warum ihr weiße Sachen anhabt“, sagte das jüngste Geißlein und lachte. „Damit man fiese Flecken besser sehen kann.“

„Welche fiesen Flecken?“, fragte die Frau. „Was unterstellst du uns da?“

Jetzt lachten alle sieben: „Aber ihr habt da was.“

„Was?!“ schrie der Mann.

„Krähenschiet“, sagte ein Geißlein. „Nehmt das nicht persönlich, ist uns auch schon passiert.“

„Lecker roter Brombeerschiet“, lachte das jüngste Geißlein. „Amsel-Kaka.“

„Iiieh!“, schrie die Frau und suchte sich und den Kollegen nach Flecken ab. „Da ist nichts. Wollt ihr uns an der Nase herumführen?“

Jetzt lachten alle sieben Geißlein und sangen: „Kirschenschiet, Walderdbeerschiet, Brombeerschiet, igittigitt, Amsel-Kaka, Krähenschiet, Vogelschiet, igittigitt, Kirschenschiet, Walderdbeerschiet, Brombeerschiet, igittigitt, Kirschenschiet…“

„Pst“, unterbrach die Frau. „Schafft ihr es, kurz ruhig zu sein? Wir möchten euch etwas mitteilen.“

„Meinetwegen“, sagte das älteste. „Aber mach’s kurz.“

„Liebe Kinder, hört uns zu. Wir brauchen von euch eine Ziegenmuttermilch-Verzichtserklärung. Die Milch eurer großartigen, klugen und couragierten Mutter dürfte eine besondere sein. Wir wollen sie erforschen und entschlüsseln.“

„Mamas Milch gehört mir“, sagte das jüngste Geißlein. „Ihr kriegt keine Verzitzicherung.“

„Verzichtserklärung“, sagte die Frau. „Du weißt ja nicht einmal, wovon du redest, mein Kind. Du denkst nur an dich. Dabei müssen wir doch zusammenhalten.“ Die Frau schob die Unterlippe vor. „In den Laboren ist schon alles vorbereitet, die Forschungsprojekte sind finanziert. Wir haben namhafte Sponsoren gewinnen können. Jetzt fehlt nur noch…“ Sie schaute ihren Kollegen aufmunternd an.

„Die Ziegenmuttermilch-Verzichtserklärung“, ergänzte der Mann. „Seht ihr, was ihr da angerichtet habt? Liebe Kinder, wir müssen doch kooperieren. Mit Hilfe der wunderbaren Milch eurer wunderbaren Mutter werden wir den Welthunger besiegen können. Wollt ihr das nicht?“ Jetzt schrie er: „Ihr wollt wohl nicht teilen. Wollt ihr alles für euch behalten, wollt ihr für den Hunger von Millionen Menschen-Kindern verantwortlich sein?“

„Das wollen wir nicht“, sagt das älteste junge Geißlein. „Aber das sind wir auch nicht. Was Sie sagen, ist leider wissenschaftlich nicht haltbar. Wir sagen NEIN. Wieder fielen alle Geißlein ein: „Das hätten wir gerne amtlich. Schicken Sie uns einen Brief: Zu Klauen sieben Geißlein. Mit Datum, Stempel, Unterschrift. Denn alles muss seine Ordnung haben. Mäh, mäh.“

Als die beiden Menschen gegangen waren, waren die Geißlein wieder wie erlöst. Sie riefen: „Die Menschen sind weg! Die Menschen sind weg!“ Sie liefen aus dem Haus, rannten auf die Wiese und tanzten vor Freude um den Brunnen herum.

Am Sonntag war die Luft rein. Die Geißlein hatten lange geschlafen, denn am Wochenende würden die Mitarbeiter der Ämter kaum vorbeikommen. Sie sehnten sich nach ihrer Mutter, die so lustig sein konnte, lecker kochte und jetzt schon eine Woche weg war. Jemand klopfte an die Tür, die nur angelehnt war. Die Amsel mit dem goldenen Schnabel sang der Singvögel Hochzeitslied, so schön. Eine dunkle Pfote wurde sichtbar. „Darf ich reinkommen? Mein Name ist Metis. Ich bin eine Wölfin.“

„Kannst reinkommen“, sagte das jüngste Geißlein und schluckte, denn die Wölfin, die sich ins Haus schleppte, war groß, ihr Fell dunkel.

„Ich habe Durst“, sagte die Wölfin mit heiserer Stimme. „Habt ihr Wasser für mich? Alle Bäche sind ausgetrocknet.“

Die Geißlein füllten einen großen Topf mit Brunnenwasser. Die Menschen tranken Leitungswasser und gossen nur noch ihre Pflanzen damit, aber für Ziegen und Wölfe war das Brunnenwasser durchaus bekömmlich. Die Wölfin trank den Topf leer und sagte höflich: „Danke.“

„Warum hast du so große Zähne?“, fragte ein Geißlein.

„Damit ich besser beißen kann. Kein Bange. Ich habe euch zum Fressen gerne, aber ich fresse euch nicht.“ Die Wölfin lächelte und zeigte ihre großen Zähne. „Außerdem bin ich satt. Ich habe vorhin ein verletztes Kaninchen… Tut mir leid.“

„Das muss dir nicht leid tun“, sagte ein Geißlein. „Die Vögel füttern ihre Jungen mit Würmern, weil die Würmer lecker weich sind. Vögel haben leider keine Milch. Außerdem kann ja nicht jedes Tier so vernünftig sein wie wir Ziegen.“

„Der Wolf, der euch verschlungen hat, war kein gewöhnlicher Wolf“, sagte die Wölfin. „Die Menschen müssen ihn abgerichtet und einen Selbstmordattentäter aus ihm gemacht haben. Ein gewöhnlicher Wolf würde niemals sieben Geißlein auf einmal verschlingen. Er würde sich ein einzelnes Geißlein vornehmen und es zwischen den Zähnen…“

„Bist du wohl ruhig!“, schrieen die Geißlein und hielten sich die Ohren zu.

„Ich wollte euch nicht zu nahe treten“, sagte die Wölfin. „Aber ich glaube, ihr habt einen verdammt guten Schutzengel. Sonst hättet ihr die Gier des Wolfes wohl kaum überlebt.“

„Hä?“ Das jüngste Geißlein lachte: „Bei dir piept’s wohl.“

„Ich weiß, dass euch himmlische Energien geholfen haben“, sagte die Wölfin.

Jetzt kugelten sich die Geißlein vor Lachen, sechs von den sieben rannten aus dem Haus und auf die Wiese. Endlich spielen! Das Wetter war schön und diese Wölfin wirklich ein bisschen bescheuert. Aber so waren die Erwachsenen eben.

„Was ist los mit den Menschen?“, fragte das älteste Geißlein, das bei der Wölfin geblieben war.

„Die Menschen-Männer sind nicht satt zu kriegen“, sagte die Wölfin. „Das macht sie gefährlich. Sie sehen den Reichtum der Welt vor lauter Geld nicht, sie sehen die Schönheit der Welt nicht vor lauter Zerstörung. Doch weil sie ihre Männer trotz alledem lieben, ziehen die Frauen mit in den Krieg gegen die Wölfe, die keine Wölfe sind. Sie sollen vergessen, dass sie Frauen sind. Dabei verraten sie ein Gefühl, das alle Frauen haben, ob sie Mutter sind oder nicht: Die Mutterliebe.“

„Darüber muss ich noch nachdenken“, sagte das Geißlein.

Die Wölfin zeigte lächelnd die Zähne. „Aber jetzt hol deine Geschwister. Wir wollen doch die Mama aus der Geißenhaft befreien.“

Das älteste Geißlein lief nach draußen und holte seine Geschwister. Die sieben Geißlein setzten sich zu Metis, hielten sich an den Hufen und schlossen die Augen…



Wenig später war zu lesen, dass die Geiß, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, aus dem Wellness-Hotel verschwunden sei, spurlos. Die Verantwortlichen machten sich große Sorgen, denn die Fenster waren weit geöffnet gewesen. Vermutlich war die Geiß aus dem Fenster gefallen, woraufhin ein streunender Aasfresser, vermutlich ein Wolf, ihr Fleisch in sein Versteck geschleift hatte.

Verschwörungstheoretikern fiel auf, dass unter dem Fenster keine Spuren zu finden waren. Sie sprachen von einem fliegenden Teppich, auf dem die Geiß geflohen sein könnte. Viele verrückte Ideen wurden geäußert. Und das fliegende Rettungsboot aus lauter Vögeln, aus Krähen und Amseln, das ein alter Mann gesehen haben wollte, aber nicht fotografiert hatte, gab es nur im Märchen.

Noch etwas war nicht mehr zu finden: Das Waldhaus. Die Navigationssysteme zeigten Standort und Weg an, aber ein Polizeiwagen war im Morast steckengeblieben, was angesichts der anhaltenden Trockenheit erstaunlich war. Ausgeschickte Drohnen verschwanden spurlos.

Man hatte die Geiß und die sieben Geißlein nie wieder gesehen. In der Nähe des Brunnens jedoch entdeckte man immer wieder frische Ziegenhuf-Spuren.

***

Eine fragwürdige Werbeidee setzten Anfang 2022 Impffreunde aus Niedersachsen um. Die Aktion wurde von den Medien durchweg positiv aufgenommen. Kritische Stellungnahmen habe ich nicht gefunden. So heißt es z.B. auf aerztezeitung.de: „Noch immer ist etwa jeder fünfte Impfberechtigte in Deutschland noch nicht gegen COVID-19 geimpft. Hunderte Schafe und Ziegen haben jetzt ein Zeichen gesetzt.

Nun haben hier nicht Schafe und Ziegen ein Zeichen gesetzt, sondern Menschen, die die „sympathischen“ Tiere für ihre (Werbe-) Zwecke benutzt und dabei -wie ich finde- verhöhnt und lächerlich gemacht haben. Die dpa-Nachricht zur PR-Aktion am 3.1.2022 wurde von zahlreichen Medien komplett übernommen: „Mit rund 700 Schafen und Ziegen haben Schäfer im niedersächsischen Schneverdingen eine rund 100 Meter große Spritze dargestellt, um für Corona-Impfungen zu werben. „Ich habe überlegt, welchen Beitrag ich zur Bekämpfung der Pandemie leisten kann“, sagte der Organisator der Aktion im Heidekreis, Hanspeter Etzold. Das Ganze sei Werbung für die Impfung gegen das Coronavirus und richte sich an die noch Unentschlossenen. „Schafe sind so sympathische Tiere, vielleicht können sie die Botschaft so besser überbringen“, so Etzold. Schäferin Wiebke Schmidt-Kochan hatte die Aktion vorbereitet und mit ihren Tieren mehrere Tage dafür geübt. Besonders schwer sei die Aktion für sie und die Tiere allerdings nicht gewesen. Der Trick dabei: Sie verteilte vorher Brotstücke in Form der Spritze auf dem Boden. Als die Tiere dann auf die Wiese gelassen wurden, stürzten sie sich sofort auf das Fressen und standen somit perfekt für das Motiv.https://www.welt.de/vermischtes/article236005760/Corona-Impfungen-700-Schafe-und-Ziegen-werben-als-riesige-Spritze.html

Offenbar gilt auch für Schafe und Ziegen: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Am 3.1.2022 sind 700 ausgehungerte Schafe und Ziegen dem Corona-Impfaktivismus auf den Leim gegangen. Wie leicht man Tiere in die Falle locken kann, wussten die Vogelfänger: https://www.geo.de/geolino/redewendungen/8566-rtkl-redewendung-auf-den-leim-gehen  Drohnen-Aufnahme, abfotografiert von welt.de  
Quelle: dpa/Philipp Schulze

Der klebrig-fiesen Fliegenfalle ähnelt diese Ziegenfalle.                                                                      Drohnen-Aufnahme, abfotografiert von welt.de  
Quelle: dpa/Philipp Schulze  

In dem Moment, als Karl Lauterbach mit dem Aufzug steckenblieb, bekam ich Corona

Angefangen hatte es mit extremer Müdigkeit. Ich verschlief einen ganzen Sommer-Sonntag. Zwei Tage lang konnte ich nur wenig essen, und ich verschmähte mein Leibgetränk Rotwein. Am dritten Tag war zwar der Appetit wieder da, aber der Wein aus dem Languedoc schmeckte nicht mehr leicht herb nach meinen Lieblings- Trauben Syrah und Grenache, sondern seltsamerweise nach Merlot, jener Mainstream- Rebsorte, deren klangvoller Name daher rührt, dass die Amsel (franz. merle) eine Vorliebe für die dünnschaligen Weintrauben hat. Was war los, würde der Wein mir niemals mehr munden – oder hatte ich Corona? Als dann ein leichter Schnupfen hinzukam, schöpfte ich Hoffnung auf Omikron und bin ins Testzentrum gegangen.

Vorher hatte ich mich im Internet über die neuen Quarantäne-Bestimmungen kundig gemacht. Die „Geimpften“ und „Geboosterten“ haben keine Vorteile mehr gegenüber uns „Ungeimpften“. Für alle positiv Getesteten endet die Quarantäne ohne verpflichtenden Test „automatisch“ nach zehn Tagen, aber nach fünf Tagen Isolation kann man sich „freitesten“.

Das Gesundheitsamt sieht mittlerweile von Hausbesuchen ab. „Das haben wir früher gemacht“, sagte die junge Frau, die nach einem positivem Schnelltest bei mir einen Abstrich für den PCR-Test nahm. „Aber das war übertrieben. Wir gehen davon aus, dass Sie sich verantwortlich verhalten.“

Dieser Abstrich für den PCR-Test fühlte sich nicht an wie der, den ich vor einem knappen Jahr als „Kontaktperson“ über mich ergehen lassen musste, sondern eher wie der für den „Antigen-Schnelltest.“ Die Frau hielt sich via Teststäbchen nur kurz in meiner Mundhöhle auf, um direkt anschließend ins linke Nasenloch zu wechseln. Es war erträglich, sie bohrte nicht tief. Meine Frage, ob sich die Gebrauchsanleitung für den Abstrich innerhalb des letzten Jahres geändert habe, bejahte die Frau: „Die Abstriche wären so nicht nötig gewesen. Damals waren wir nicht zimperlich, da sind wir ja den Leuten ins Gehirn gegangen.“

Was sie sagte, entsprach dem, was meine jüngere Tochter und ich im letzten Jahr als weder infizierte noch infektiöse „Kontaktpersonen“ während unserer zweiwöchigen (!) Quarantäne erlebt hatten. Am Morgen nach dem Haus(Türschwellen-)besuch des Gesundheitsamts und dem PCR-Test-Abstrich zwischen Tür und Angel war nicht nur das rechte Auge (Abstrich-Seite) meiner Tochter gerötet, sondern sie verspürte tagelang einen stechenden Schmerz im Hals. Dass Abstriche für PCR-Tests richtig brutal sein können, „musste eine meiner Schwippschwägerinnen erfahren. Bei ihr wurde ein Nerv getroffen. Nachdem sie sich vor ein paar Jahren die Nase gebrochen hat, sieht der Innenraum ihrer Nase anders aus als die Norm-Naseninnenräume auf den Abbildungen in den Fachbüchern. Das medizinische Personal müsste dringend angehalten werden, nach Vor-Verletzungen zu fragen!“ https://stellwerk60.com/2021/08/30/hoemma-lisa-deine-tochter-hat-delta-und-du-laedst-mich-nicht-zur-viren-party-ein-kniesbueggel-eine-begegnung-mit-der-frau-keuner/

Zwei Tage nach meinem Besuch im Testzentrum war der positive Labor-Befund da. Der gelassene Mitarbeiter des Kölner Gesundheitsamts, der mich anrief, bestätigte ebenfalls meine Vermutung, dass es mittlerweile, was den PCR-Test betrifft, neue Vorgaben für eine sanftere Durchführung des Abstrichs gibt. Doch anders als die Frau im Testzentrum wies er alle Verantwortung von sich. Es sagte etwas wie: „Damals war eben alles neu für uns.“ Mit anderen Worten: „Wir mussten noch üben.“

Leider konnte man mir nicht sagen, an welcher Virus-Variante bzw. Untervariante ich „litt“, weil man nur noch Stichproben durchführt. Das ist meines Erachtens fahrlässig, denn der Unterschied zwischen Delta und Omikron ist -so ist es zu lesen, zu hören, und so habe ich es selber erlebt- etwa wie der zwischen Grippe und grippalem Infekt. Ich finde, der Mitarbeiter des Gesundheitsamts hätte mich aufklären und beruhigen müssen: „Wenn sie sich gut auf den Beinen halten können und in der Lage waren, froh und munter mit dem Fahrrad zum Testzentrum zu fahren, ohne vom Rad zu fallen, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Höchstwahrscheinlich ist es die harmlose Omikron-Variante, denn glücklicherweise hat Omikron die Delta-Variante fast vollständig verdrängt.“

Vor einem knappen Jahr noch machte man eine regelrechte Aufspür-Jagd auf die Virus-Variante, die man „Delta“ nannte und die die Ur-Variante „Alpha“ im Sommer 2021 allmählich ablöste. Es hieß, dass man für den Abstrich bis an die hintere Rachenwand und den tiefsten Winkel vordringen müsse, um ein sicheres Test-Ergebnis zu erzielen. Das wäre nicht nötig gewesen, was man schnell hätte herausfinden können, doch im Namen einer vermeintlichen Sicherheit und wissenschaftlichen Genauigkeit agierte man hyperkorrekt.

Die deutsche Gründlichkeit machte nicht einmal vor Kleinkindern halt. Unten stehende Info-Grafik, die demonstriert, wie ein Abstrich für den PCR-Test genommen wird, wurde gleich zweimal -zur Bebilderung zweier verschiedener Artikel- in der „Apotheken-Umschau“ veröffentlicht, im November 2020 und im Juni 2021.

Mithilfe moderner Info-Grafiken werden heutzutage komplexe medizinische Themen bildlich dargestellt, damit sie auch für den Laien verständlich sind, doch viele dieser Bilder sind verstörend und schamverletzend. Sie werfen einen fragwürdigen Blick in Körperinnenräume und manipulieren unsere Wahrnehmung. Hier wird der unangenehme, tief in den Kopf eindringende Abstrich für den PCR-Test banalisiert und der Eingriff zu einer Lappalie heruntergespielt:

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Eine grenzüberschreitende Abbildung eines grenzüberschreitenden Eingriffs. Medizinisch legitimiert dringt „der Arzt“ mit dem „Stäbchen“ in ein Kind ein…  So tief, bis es nicht mehr weiter geht: Bis zum Anschlag. Auf der Grafik bleibt „der Arzt“ unsichtbar, was den Vorgang umso unheimlicher macht. Wir sehen Marie (wie ich sie nenne), ein tapferes, gehorsames, allzeit bereites  PCR-Mädel. Marie, die mich an die  beliebte Mädchenbuch- Figur „Conni“ erinnert („Conni lernt Radfahren“, „Conni macht Mut in Zeiten von Corona“…), gibt es nicht wirklich, denn Marie ist am Computer entworfen.  Zunge, Gaumen und Rachen sind farblich abgestimmt auf Maries rosafarbenes Hemdchen und das hellrote Haarband. Ihr Blick ist nach vorne gerichtet, sie schaut fast versonnen. Ihr zartes Köpfchen ist wie gemacht für den Abstrich.                                                         Ich finde diese Grafik entsetzlich. Für kleine Kinder sind Abstriche für den PCR-Test eigentlich unzumutbar, zumal ihnen Corona kaum etwas anhaben kann. Aber auch durch weniger invasive Abstriche, wie sie routine- und regelmäßig an den Schulen durchgeführt wurden, erleiden Kinder seelische Verletzungen, psychische Mikro-Traumata, die Narben hinterlassen.                                         Diese Info-Grafik ist meines Erachtens ein Fall von Medizinalpornografie. Ich stelle mir gestörte Männer vor, deren sadistisch-perverse, voyeuristische Gelüste hier Nahrung finden und auf einen Klick immer wieder neu angestachelt werden: Aufgespießt. Auch wenn die Grafik „realistisch“ ist,  finde ich, dass sie aus dem Netz genommen werden müsste. Solche Bilder sind gefährlicher als Fake-News.

Die kriegerische Corona-Politik der Bundesregierung, die noch in der harmlosen Omikron-Variante den Feind wittert, korrespondiert mit der aggressiven Kriegspolitik. Ich freue mich über alle Menschen, die sich dieser Kriegspolitik entgegenstellen. Es gibt sie noch.

Mit „Frieden und Gerechtigkeit“ ist eine pazifistische Stellungnahme überschrieben, die die Zeitschrift EMMA am 23. Juni dem offenen Brief an Olaf Scholz ergänzend hinzugefügt hat: „Zu einem sofortigen „Verhandlungsfrieden“ statt einem nicht endenden Zermürbungskrieg rät eine Gruppe internationaler katholischer Wissenschaftler, Politiker und Ethiker nach einer zweitägigen Sitzung in Vatikanstadt.“ Der ganze Text: https://www.change.org/p/offener-brief-an-bundeskanzler-scholz/u/30687128

Die Bundesregierung heizt den Krieg nicht nur mit Waffenlieferungen an. „Die Ukraine braucht humanitäre Hilfe genauso dringend wie unsere militärische Unterstützung“, sagte Karl Lauterbach in einer Pressemitteilung. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/bundesgesundheitsminister-lauterbach-in-der-ukraine-das-land-braucht-auch-humanitaere-hilfe.html

Aber was meint der Bundesgesundheitsminister mit „humanitäre Hilfe“? Für Lauterbach ist die „humanitäre Hilfe“ insbesondere eine medizinisch-technische. Konkret sieht es so aus, dass in der Ukraine nicht nur deutsche Notfallmediziner zum Einsatz kommen, sondern Container-Werkstätten errichtet werden, wo Prothesen der deutschen Firma Otto Bock hergestellt werden. „Auf Vermittlung des Bundesgesundheitsministeriums bieten sich über die Bundesärztekammer 200 Chirurgen und Notfallmediziner für den Einsatz in der Ukraine an.“ (Pressemitteilung, ebd.)

Das Unternehmen Otto Bock „… wurde am 13. Januar 1919[4] als Orthopädische Industrie GmbH von dem Unternehmer Otto Bock in Berlin gegründet, um die vielen Tausend Kriegsversehrten des Ersten Weltkriegs mit Prothesen und orthopädischen Produkten zu versorgen.[5]https://de.wikipedia.org/wiki/Ottobock Der Krieg in der Ukraine wird der orthopädischen Industrie weiter Aufschwung geben. Wie kann man, ohne den Begriff zu relativieren und zu hinterfragen, bei der Versorgung mit Prothesen von „humanitärer Hilfe“ reden? Mich entsetzt die Vorstellung, dass schon kleine Kinder zu Kriegsinvaliden werden. Warum tut man nicht alles, um den Krieg zu beenden, zu verhindern, dass Kinder beim Spielen auf Minen treten und Gliedmaßen verlieren. Und warum nimmt man in Kauf, dass die Kinder aus Angst vor Minen auf unabsehbare Zeit gar nicht mehr draußen spielen können?

Dabei ist die Beinprothese Karl Lauterbachs persönlicher Alptraum. Ein traumatisches Kindheitserlebnis, das er in seiner Biografie „Bevor es zu spät ist“ beschreibt, hat ihn bewogen, Medizin zu studieren. „Als Lauterbach 13 Jahre alt war, diagnostizierten Ärzte an seinem Knie eine Knochenzyste und warnten, sein Bein müsse eventuell amputiert werden. Zunächst ein großer Schock, doch später stellte sich die Besorgnis als unbegründet heraus. Die Zyste war gutartig.https://www.focus.de/kultur/medien/karl-lauterbach-mit-13-jahren-erhielt-er-eine-krebsdiagnose_id_59138982.html Die völlig unverantwortliche „Diagnose“ der Ärzte und die Androhung der Amputation dürften den jugendlichen Karl Lauterbach schwer traumatisiert haben. Hinzu kam eine schlecht ausgeführte Operation, denn „es habe sich ein Hospitalkeim eingenistet. Wochenlang lag er deswegen mit einer offenen Wunde an der Hüfte in der Klinik.“ https://www.welt.de/politik/deutschland/article237115415/Karl-Lauterbach-wollte-nach-Krebsdiagnose-Arzt-werden.html

Wir haben einen Bundesgesundheitsminister, der in früher Jugend eine persönliche Katastrophe mit rücksichtslos agierenden Ärzten erlebt hat. Mit Lauterbachs traumatischer Erfahrung ist seine autoritäre, permanent grenzüberschreitende Gesundheitspolitik zwar zu erklären, aber nicht zu billigen. Gerade nach einem solchen Erlebnis wäre eine gewisse Zurückhaltung dringend geboten. Das Gegenteil ist der Fall.

Ich halte den Mann für gefährlich. Lauterbach dürfte dafür gesorgt haben, dass die STIKO am 24.5.2022 eine allgemeine Corona-Impfempfehlung für 5-11jährige herausgegeben hat. Wir erinnern uns: Lediglich mit dem Hinweis darauf, dass eine allgemeine Impfempfehlung zu erwarten sei, hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach Ende 2021 gesunde Kinder dieser Altersstufe medienwirksam geimpft, obwohl es zu dem Zeitpunkt (und noch monatelang!) nur eine eingeschränkte Empfehlung gab. Indem er die Kinder eigenhändig geimpft hat, hat es Lauterbach sozusagen persönlich übernommen, (s)eine allgemeine Impfempfehlung auszusprechen. Handelt es sich hier nicht um Amtsmissbrauch? Karl Lauterbachs eigenmächtige Impf- Werbeaktion wurde jedoch kaum kritisiert und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass in Deutschland viele gesunde Kinder „ohne Indikation“ geimpft wurden.

Für mich kam die allgemeine Corona-Impfempfehlung für 5-11jährige (eine einzelne Impfung) am 24.5.2022 völlig überraschend, denn im Frühjahr 2022, als klar geworden war, dass die Omikron-Variante für Kinder noch einmal deutlich harmloser ist als DELTA, hatte die abwartende STIKO klar zurückgerudert. „Angesichts der deutlich milderen Verläufe mit der Omikron-Variante will die Ständige Impfkommission (Stiko) eine neue Empfehlung für Kinder und Jugendliche aussprechen. Dies berichtete zunächst das Nachrichtenmagazin „Focus Online“ mit Verweis auf das Robert-Koch-Institut (RKI).“ https://www.welt.de/politik/deutschland/article237895813/Coronavirus-Stiko-plant-neue-Impf-Empfehlungen-fuer-Kinder-und-Jugendliche.html

Diese „neue Empfehlung“ wäre allerdings keine allgemeine Impfempfehlung gewesen, sondern ihr Gegenteil: „Ob die Stiko die Empfehlungen verändern wird, sei unklar. Nach Informationen von „Focus“ könnte es darauf hinauslaufen, keine „Bedarfsempfehlung“ mehr zu geben. Das würde eine Abkehr von einer allgemeinen Empfehlung hin zu individuellen Faktoren bedeuten.“ (welt.de, s.o.)

Völlig überraschend und in keiner Weise mehr nachvollziehbar hat die STIKO ausgerechnet jetzt, wo die Kinder dank Omikron nur noch äußerst leicht an Corona erkranken, eine absolute Kehrtwende gemacht. Ein Skandal, wie ich finde! Und wenn auch, was Kinder betrifft, laut Studien keine gravierenden Impf-Nebenwirkungen zu erwarten sind, wissen wir doch nach wie vor nichts über eventuelle Langzeitschäden. Was hinter den Kulissen passiert ist, kann man sich ausmalen, wird aber geheimgehalten.

Beim heutigen Blick auf die Aktienkurse fällt mir auf, dass der DAX klar geschrumpft, die Biontech-Aktie aber ebenso deutlich gestiegen ist. Ich frage mich, warum, und lese, dass die US-Regierung im großen Stil weiteren Corona-Impfstoff von „Pfizer“ und „Biontech“ für eine geplante Booster-Kampagne im Herbst bestellt hat. „Konkret gehe es um mindestens 105 Millionen Dosen und ein Vertragsvolumen von über 3,2 Milliarden Dollar (3,1 Mrd Euro), teilten die Unternehmen und die Regierung am Mittwoch mit. Die Lieferungen sollen im Spätsommer beginnen und Impfstoffe sowohl für Erwachsene als auch für Kinder enthalten. Laut Pfizer-Chef Albert Bourla geht es dabei auch um Mittel, die speziell gegen neuartigere Virusvarianten wie Omikron schützen könnten. Der Deal umfasst eine Kaufoption für weitere bis zu 195 Millionen Dosen, wodurch der Gesamtumfang auf 300 Millionen Dosen ansteigen könnte./hbr/DP/stkhttps://www.boerse.de/nachrichten/USA-bestellen-Pfizer-Biontech-Impfstoff-fuer-3-2-Milliarden-Dollar/33920255

Nicht zufällig folgt der Deal auf die neue Empfehlung der US-Gesundheitsbehörde CDC. Die CDC sprach sich am vergangenen Samstag für den Einsatz von Coronavirus-Impfstoffen bei Kindern im Alter zwischen sechs Monaten und fünf Jahren aus. „US-Präsident Joe Biden nannte die Entscheidung einen „riesigen Schritt nach vorn im Kampf unseres Landes gegen das Virus“. Für die Eltern im Land sei dies ein Tag der Erleichterung. (dpa)“ https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/krankheiten-wegen-corona-impfung-us-politiker-zofft-sich-mit-elmo-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-220630-99-856472

Der riesige Schritt „nach vorn im Kampf unseres Landes gegen das Virus“. Was der ebenfalls lebensgeschichtlich schwer traumatisierte US-Präsident Joe Biden von sich gibt, der die US-Amerikaner zur Baby-Impfung aufruft, ist schwülstig und irrational. Welche Kämpfe werden da gefochten, hat Joe Biden immer noch nicht begriffen, dass Omikron kein Feind ist, den man bekämpfen muss? Ist der US-Präsident noch bei Sinnen, weiß er, was er da sagt?

Der Milliarden-Deal zwischen Biontech/Pfizer und US-Regierung ist eine Erneuerung der deutsch-amerikanischen Impf-Freundschaft, was Lauterbach ebenso gefreut haben dürfte wie das „Ja“ der US-Gesundheitsbehörde zur Corona-Baby-Impfung. Leider hat Lauterbach, der ja sonst permanent twittert, die CDC-Entscheidung -soviel ich weiß- nicht öffentlich kommentiert.

Kurz vor Ende seiner Kriegs-Geschäftsreise in die Ukraine jedoch setzte Lauterbach bei der Besichtigung eines Krankenhauses in Lwiw am 10. Juni noch einen bemerkenswerten Tweet ab: „Die Kliniken waren in einem bescheidenen Zustand. Hier stecke ich mit Gesundheitsminister Victor Lyaschko im Aufzug fest, der ruckartig 1 Meter absackte. Rausklettern wollte zunächst niemand…

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Ebenfalls im Aufzug steckengebliebener, hochgereckter Lauterbach-Daumen. Das komplette Bild in guter Qualität: https://twitter.com/Karl_Lauterbach/status/1535361746294259720

Nun sind die deutschen Kliniken, wie wir wissen, in einem mehr als bescheidenen Zustand. Der schöne Schein medizinischer Hochtechnologie kann den Pflegenotstand schon lange nicht mehr verdecken. Das kalte, profitorientierte deutsche Gesundheitssystem bräuchte dringend humanitäre Hilfe.

Wie dem auch sei: In dem Moment, als Karl Lauterbach im Aufzug stecken blieb, bekam ich Corona.

Elfchen im Sechsten: Frauen foulen fair

Offenbar stellen extrem hohe Berge für viele Männer eine Provokation dar. Der Berg bleibt an seinem Platz, er rückt nicht zur Seite, wenn der Mann kommt. Mit „der Mann“ meine ich Männer wie den Extrem-Bergsteiger Reinhold Messner, der es zwischen 1970 und 1986 als Erster bis auf die Gipfel aller vierzehn Achttausender geschafft hat, und zwar alle vierzehn Male ohne Flaschensauerstoff.

Während es in den Jahrzehnten danach immer mehr Extrem-Sportler, aber auch Sportlerinnen auf die 8000er drängte, hat sich Messner rechtzeitig abgeseilt und seine Rekordleistung äußerst geschickt vermarktet. Er war nicht nur Trainer bei Manager-Seminaren, sondern hat im Jahr 1992 gemeinsam mit Herbert Henzler, dem früheren Deutschland-Chef der weltweit agierenden Unternehmens- und Strategieberatung McKinsey, eine Vereinigung für deutsche Spitzenmanager gegründet, den Elite-Club der „Similauner“. Diese „Similauner“ sind „Der letzte Männerbund“, wie im Jahr 2012 der Titel eines Artikels im Manager-Magazin lautete. Mit leisem Spott resümierte Autorin Gisela Maria Freisinger: „Unnötig zu erwähnen, dass in dieser Gipfelwelt Frauen nichts zu suchen haben.“ https://www.manager-magazin.de/magazin/artikel/a-849392.html

Doch warum müssen es Männer wie Messner mit den höchsten Bergen aufnehmen, warum müssen sie den Berg noch um die eigene Körperlänge überragen, was ist so faszinierend daran, an diesen unwirtlichen, nicht einladenden Orten einen heroischen Überlebens-Kampf zu inszenieren? Zum Corona-Virus äußerte sich Reinhold Messner bereits im Mai 2020 im ARTE-Magazin: „Für mich ist das Virus – obwohl winzig klein – wieder ein Zeichen, dass wir der Natur unterlegen sind.“

„Diese Erkenntnis ist ein Denkfehler“, kommentierte ich damals. „Sie zementiert die Trennung zwischen Mensch und Natur. Dabei sind wir der Natur weder unter- noch überlegen. Wir sind ein Teil der Natur. Nur wenn wir das begreifen, ist Corona, ein Virus, das es gut meint mit den Kindern, kein Dämon mehr.“ https://stellwerk60.com/2020/05/26/eine-begegnung-mit-der-frau-keuner-die-politik-finanziert-werbepsychologen-um-uns-buerger-bei-laune-zu-halten/

In einer Höhe von 8000 Metern kann -ohne technische Hilfe, jahrelanges Training, allmähliches Annähern- eigentlich kein Mensch überleben. Vermutlich würde kein Mann diese lebensbedrohlichen Touren mit all ihren Torturen auf sich nehmen, wenn die erfolgreiche Besteigung eines 8000 Meter hohen Berges nicht nach wie vor mit Ruhm und Ehre verbunden wäre. Doch was macht Männer süchtig nach Superlativen, was stachelt sie an, warum sind sie getrieben, ist männlicher Größenwahn angeboren?

Eine pfiffige Antwort gibt der Hirnforscher Gerald Hüther in einem unterhaltsamen und vor allem humorvollen Vortrag, den er im Rahmen einer Veranstaltung zum Girls‘ Day in Linz gehalten hat. Aufgezeichnet wurde der Beitrag am 15. März 2016.

Gerald Hüther: Jungen und Mädchen sollen die gleichen Chancen haben – aber sie sind nicht gleich

Ohne es ausdrücklich zu sagen, ist für Gerald Hüther das männliche das schwache, das gefährdete Geschlecht. Belege für seine These findet Hüther in der vorgeburtlichen Entwicklung. Normalerweise, so Hüther, ist jedes Chromosom doppelt vorhanden, um für Notfälle gerüstet zu sein. Anders als die Frauen, die über zwei x-Chromosomen verfügen, haben Männer nur ein einzelnes x-Chromosom – sowie ein y-Chromosom, das aber lediglich die Testosteron-Produktion programmiert. Daher hat das männliche Geschlecht bereits vorgeburtlich eine schwächere Konstitution. Die meisten Fehlgeburten betreffen männliche Föten. Außerdem sind Jungs „antriebsstärker“ (getriebener?) als Mädchen. Jungs fühlen sich von Natur aus weniger sicher als Mädchen. Sie suchen Halt und Rückhalt im Raum und versuchen, sich im Außen zu orientieren. Für Mädchen (die sich in sich selber aufgehoben fühlen) ist die Außen-Orientierung weniger entscheidend.

Auch nach der Geburt streben Jungen mehr nach „Macht“, „Stärke“ und „Größe“. Sie interessieren sich für Panzer, Feuerwehrautos oder Bagger und orientieren sich an Allem, was Power hat und etwas in Bewegung bringen kann. Jungen suchen nach Halt und Bedeutung innerhalb ihrer Gemeinschaft, in ihrer Peer-Group, ihrer Mannschaft – und später dann in Vereinen, Seilschaften, Männerbünden.

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abGESTREIFTE Fußballstutzen…

Als die Mädchen anfingen, den Fußball zu entdecken und Liga-Spiele zu bestreiten, brach für viele Jungs eine Welt zusammen.

Im Jahr 2007 wurde an der Katholischen Grundschule Overbeckstraße in Neu-Ehrenfeld eine neue Fußballmannschaft gegründet. Meine Tochter Carla ging damals in die dritte Klasse. Eine Zeitlang war sie das einzige Mädchen in der Mannschaft, die einmal in der Woche in der alten Schul-Sporthalle mit dem knarzenden Holzboden trainierte. Weil die Schule in unserem Häuserblock lag, guckte ich manchmal zu.

Carla war nicht die Schnellste, konnte aber schon als knapp Achtjährige nicht nur präzise und beherzt schießen, sondern den Gegenspieler sauber vom Ball trennen. Ich erinnere mich, wie sie irgendwann einmal nicht nur auf das Tor der gegnerischen Mannschaft zulief, sondern auf einen hübschen Jungen namens Bünyamin, der eine Klasse unter ihr und in Ballbesitz war. Als Carla bei ihm ankam, schrie Bünyamin: Die foult! Ohne dass sie ihn oder den Ball berührte hätte, kippte er um. Carla schoss das Tor. Dass sie irgendwann einmal Psychologie studieren sollte, war kein Zufall.

Noch heute gucke ich gerne zu, wenn Mädchen oder Frauen Fußball spielen. Gefoult wird nicht, um die Gegnerin zur Strecke, sondern um den Ball in Gewahrsam zu bringen. Zwar ist insbesondere der Profi-Frauenfußball deutlich ruppiger geworden, aber eigentlich gilt: Frauen foulen fair.

Fußball

spielende Frauen

foulen unzart aber

fair foulen Fußball spielende

Frauen

*20.6.1999: Juchhu!!!

V err ÄTERINNENTAG – Ein fieses verdecktes Foul in der ASTRA-Plakat-Werbung

Mit Christi Himmelfahrt verbinde ich: Katholischer Feiertag, schulfrei, Erstkommunion 1967, Familienfeste, gutes Wetter. Später dann: Langes Wochenende, Spargel, ausnahmsweise Weißwein, Kulturelle Landpartie im Wendland. Frühling…

Dass der christliche Feiertag zugleich Vatertag ist, habe ich erst realisiert, als ich erwachsen war. Und ich dachte, er wäre erfunden worden, damit sich die Väter gegenüber den Müttern mit ihrem Muttertag nicht benachteiligt fühlen. Dass der Vatertag bereits im späten 19. Jahrhundert eingeführt wurde -und zwar als PR-Event (!)-, weiß ich nur aus dem Internet.

In einem munteren Artikel auf tagesspiegel.de vom 28. Mai 2015 heißt es zur Idee des deutschen Vatertags: „Es ging den Erfindern, wie wir hörten, um die rituelle Einführung der Söhne ins sachgemäße Saufen – das gibt und gab es nur in Deutschland. Und Berlin als Epizentrum dieser Bewegung erklärt sich praktisch von selbst: Die unzähligen Brauer der wachsenden Metropole mussten sich Absatzmärkte schaffen und erfanden dafür offenbar eine Frühform der PR-Kampagne; ähnlich, wie später der Blumenhandel den Valentinstag für seine Zwecke instrumentalisierte.https://www.tagesspiegel.de/berlin/tradition-des-vatertags-als-die-soehne-saufen-lernten/11769828.html

Männerausmärsche an Christi Himmelfahrt gab und gibt es auch unabhängig vom Vatertag. Ich kenne sie aus meiner frühen Kindheit in den 1960er Jahren. Mein Großvater Josef (1883-1968) hat sich jedes Jahr an Christi Himmelfahrt, nachdem er in der Kirche war, mit anderen älteren Herren getroffen, um spazieren zu gehen. Die Herren, darunter einige pensionierte Gymnasial-Lehrer, trugen keine Freizeitkleidung, sondern ihre Sonntagsanzüge. Schließlich war Feiertag. Als Respektspersonen hätten sie niemals in aller Öffentlichkeit Bier aus der Flasche getrunken oder einen Bollerwagen hinter sich her gezogen. Dennoch hat der Alkohol eine Rolle gespielt. Die Herren klapperten die Häuser ihrer Familien ab, wo sie an der Haustür mit „Kurzen“ versorgt wurden. Ich sehe meine Mutter vor mir, wie sie sämtliche Pinnchen, die wir haben, auf ein Tablett stellt und mit Korn füllt.

Am deutschen Vatertag hingegen wird vor allem das Nationalgetränk Bier getrunken, so viel, dass die Tage vor dem Vatertag zu den umsatzstärksten im ganzen Jahr zählen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Brauerei ASTRA im Jahr 2019 den Vatertag dafür genutzt hat, auch in Köln-Nippes mithilfe eines einschlägigen Großplakats dem Regionalgetränk Kölsch Konkurrenz zu machen.

Im Mai 2019 bin ich auf meinem Gang zur Sonntags-Bäckerei einige Male auf das Plakat zugelaufen. Es hing rundum Christi Himmelfahrt an der Plakatwand schräg gegenüber vom Hospiz St. Marien am Eckhaus Kempener/Simon-Meister-Straße. Die Fußgängerampel an der Kempener Straße ist so geschaltet, dass man minutenlang warten muss, bis sie auf „grün“ springt. So war ich genötigt, beim Überqueren der Straße sehr lange auf das Plakat zu gucken. Überschrieben war es mit einem kalauernden Slogan: „HODENLOSE FRECHHEIT: ASTRA FEIERT VÄTERINNENTAG!“

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Ein Hintern als Eye-Catcher. Das soft-pornografische Plakat wäre jetzt – drei Jahre später- undenkbar, denn die heruntergelassene Hose korrespondiert mit dem berühmten hochgekrempelten Ärmel: Impf mich!

Auf den ersten Blick fand ich das Plakat ganz lustig, denn es erinnerte mich an den „Asi-Tag“ im Rahmen der Abitur-Mottowoche. In der Mottowoche, die an vielen deutschen Schulen stattfindet und in der Regel mit der allerletzten regulären Schulwoche zusammenfällt, verkleiden sich die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten an jedem Tag nach einem anderen Motto, etwa als Vampire oder Greise – oder eben als Asis oder Schlampen. Auch meine beiden Töchter hatten Spaß daran, es vor den Abiturprüfungen noch mal krachen zu lassen.

Vermutlich hatten auch die drei Frauen, die wir auf dem ASTRA-Plakat sehen, beim Posieren Spaß. Sie mimen Schlampen, haben knallrot lackierte Fingernägel und sind überzogen und geschmacklos verkleidet, Farben und Muster beißen sich. Die Szenerie wirkt gestellt, was sie auch soll, denn es ist eh nur ein Spiel. Die Frauen machen das, was am Vatertag sonst nur die Männer machen: Sie lassen die Sau raus.

Das Plakat erzählt eine kleine Geschichte: Die Frauen haben Bierkästen auf einen Bollerwagen gepackt und sind losgezogen. Weit sind sie nicht gekommen. In einer schäbigen Grünanlage haben sie eine olle Picknickdecke ausgebreitet und sich auf den Boden geknallt. Eine total-tätowierte Dünne trägt ein ärmelloses Karo-Top, ein knappes Leoparden-Höschen und eine Gitterstrumpfhose. Sie hat den rechten Arm lässig auf den Rand des Bollerwagens gelegt, während sie mit der linken Hand eine Flasche ASTRA-„Urtyp“ an den gespitzten Mund setzt: Sie tut nur so, als ob sie trinkt, denn es ist eh nur ein Spiel.

Die Dickere neben ihr trägt Brille, Käppi, Ohrringe, einen leuchtend orangenen Blouson, eine Trainingshose und weiße Sport-Schuhe. Es ist ihr wurst, wie sie aussieht, denn es ist eh nur ein Spiel. Man könnte denken, sie hebe mahnend den Zeigefinger, aber sie hebt nicht nur den einen, sondern gleichzeitig den kleinen. Mit Zeigefinger und kleinem Finger formt sie eine sogenannte „Mano cornuta“. „Die corna (ital. ‚Hörner‘) oder mano cornuta (ital. ‚gehörnte Hand‘) ist eine in Italien übliche vulgäre Geste, aber auch ein Handzeichen mit diversen Bedeutungen, beispielsweise in der Metal– und Rock-Szene.https://de.wikipedia.org/wiki/Mano_cornuta

Eine kräftige dritte Frau (oder ist es die ins Bild montierte zweite?) sehen wir nur von hinten. Sie trägt eine vierfarbige wattierte Jacke, die aussehen soll wie frisch aus dem Altkleidersack, eine kurze schwarze Fußballhose und rot-weiße Stutzen. Sie hat die Hose heruntergezogen und streckt uns den kräftigen, nackten Hintern entgegen, ohne Tattoo, „glatt wie ein Kinderpopo“ – außer der zarten Andeutung eines Tanga-Bikinistreifens. Alles soll unecht wirken, denn es ist eh nur ein Spiel.

Anders als Wein löscht Bier den Durst. Biertrinken ist nicht elitär, auch das gefällt mir. Biertrinken gehört zu den billigsten Wegen, besoffen zu werden. Und anders als beim Kauf von Wodka wird man nicht schief angeguckt, wenn man Bierflaschen aufs Kassenband legt. Die ASTRA-Werbeplakate jedoch sind nicht lebensnah, sondern vulgär. Die billige Kopie des Kiezes ist abgeschmackt, auch wenn sie intelligent gemacht ist und ironisch daherkommt. Dass ASTRA Hauptsponsor des Zweitliga-Vereins FC Sankt Pauli ist, hält mich dennoch nicht davon ab, weiterhin mit dem Verein zu sympathisieren.

Mithilfe betont rotziger Werbeplakate („Astra. Was dagegen?“) konnte ASTRA die Biere verteuern und den Umsatz merklich steigern. Dabei bedient man dümmste Klischees und verarscht im wahrsten Sinne des Wortes das Milieu, bei dem man sich anzubiedern versucht.

Zurück nach Köln-Nippes: Das Plakat zum „Väterinnentag“ blieb wochenlang hängen. Ich ärgerte mich über die Stadt Köln, der es offensichtlich vollkommen egal war, dass es schräg gegenüber vom Hospiz hing, und zwar in Blickrichtung. Überhaupt finde ich Plakate an dieser Stelle grundsätzlich unangebracht. Als das 1999 gegründete Hospiz im Jahr 2018 den Neubau an der Simon-Meister-Straße bezog, hätte man meines Erachtens die Hauswand mit dem wilden Wein zuwachsen lassen sollen. Ob es damals schon die Plakatwand gab und den Wein, ist mir nicht bekannt.

Ich fand das Plakat nur noch widerlich, wollte weggucken und guckte doch jedes Mal, wenn ich vorbeikam, hin. Als man das Plakat nach Christi Himmelfahrt noch nicht ausgetauscht hatte, geschah etwas Seltsames. Mein Blick blieb am Wort „Väterinnentag“ hängen. Mit einemmal schob sich das Wort auseinander: Drei Buchstaben setzten sich in den Zwischenraum: ERR. So wurde ein anderes Wort sichtbar, ein Wort hinter dem Wort: VERRÄTERINNENTAG.

Ich befürchte, da hat sich jemand (bzw. ein Team) einen perfiden Spaß erlaubt.

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Vor 57 Jahren habe ich nach der sogenannten „Ganzwortmethode“ Lesen gelernt. Wir Kinder entzifferten nicht, sondern prägten uns ganze Wörter ein, die wir dann als Bilder in unseren Köpfen „abspeicherten“. Das Auge spielt bei der Methode eine große Rolle.                                         Seit ich weitsichtig bin, habe ich eine Leseschwäche. Wenn ich beim Einkaufen die Lesebrille nicht dabei habe, muss ich die Zutatenlisten Buchstabe für Buchstabe entziffern, die Haltbarkeitsdaten Zahl für Zahl. Die Bilder werden unscharf, und die Wörter springen nicht mehr direkt ins Auge. Daher gucke ich sehr genau hin. Es klingt paradox, aber die versteckten Buchstaben ERR hätte ich, ohne weitsichtig zu sein, nicht entdeckt. Je unschärfer ich sehe, desto klarer entziffere ich.

Dieses ASTRA-Werbeplakat ist eine Verhöhnung der Frau. Zwischen den Zeilen transportiert es eine schadenfrohe Botschaft: Ihr kopiert die Männer und macht euch lächerlich. Ihr seid verirrt, ihr verratet euer eigenes Geschlecht, aber bemerkt es nicht einmal.

Das englische Verb „to err“ heißt zu deutsch „sich irren“, „fehlgehen“, aber auch „sündigen“. Auf dem Computer-Bildschirm wird die Buchstabenfolge „err“ eingeblendet (manchmal auch das Comic-Wort „ups“), wenn eine Seite nicht (mehr) aufrufbar ist. Das Internet ist wie ein Irrgarten angelegt. Sind wir im Netz „unterwegs“, geraten wir schnell auf den Holzweg. Die virtuellen Irrwege sind unheimlich: Hier geht es nicht mehr weiter, du hast dich vertippt, du hast dich im Internet verirrt, du hast den Pin verlegt, du hast dich im Netz verfangen, du bist verwirrt.

Aber was bedeutet „Väterinnen“? Der Begriff ist seit seit etwa zehn Jahren im Umlauf. Benutzt wird er für und von Menschen, die Kinder gebären, sich aber „als Mann definieren“. Doch nach wie vor können nur Menschen, die biologisch Frauen sind, Kinder zur Welt bringen.

Denn die Natur setzt klare Grenzen. Ein als Mann geborener Mensch, der sich Silikon-Brüste einpflanzen lässt, wird dennoch kein Kind stillen können. Und ein als Frau geborener Mensch, der sich „als Mann definiert“ und juristisch als Mann anerkannt ist, kann kein Kind zeugen. Die Einnahme von männlichen Hormonen lässt Barthaare sprießen, aber keine Hoden wachsen. Gerade angesichts der „Geschlechtsumwandlung“ zeigen sich die grotesken Auswüchse sowohl der plastischen Chirurgie als auch der hormonellen Manipulation.

Bis zu einem Entscheid des Bundesverfassungsgerichtes im Jahr 2011 mussten sich Transmänner sterilisieren lassen, um offiziell als männlich anerkannt werden zu können. Heutzutage kann in Deutschland niemand mehr die Transmänner zu einer inhumanen medizinischen Verstümmelung zwingen. Da ist gut so, aber…

Problematisch ist es, wenn ein Transmann die Hormonbehandlung unterbricht und ein Kind zur Welt bringt, sich aber nicht als „Mutter“, sondern als „Vater“ bezeichnet, „Väterin“ wird. In dem Moment, wo „er“ ein Kind austrägt und gebiert, verkörpert „er“ mit Leib und Seele das Geschlecht, von dem er meinte, sich verabschieden zu können. Und gebärend ist „er“, selbst wenn „er“ sich die Brüste hat entfernen lassen, so klar wie nie diejenige, die „er“ nicht sein wollte und will: Eine Frau.

Zu verantworten hat das „Väterinnen“- Plakat die Hamburger Werbeagentur Philipp & Keuntje (PUK). Hier arbeiten kluge, psychologisch geschulte Spezialkräfte. Auf ausgesprochen intelligente Weise verkauft PUK Menschen für blöd. Noch dazu nach den Spielregeln der Doppelmoral: Wie es PUK gefällt, gibt man sich mal sauber, mal vulgär. So setzt ausgerechnet die Agentur, die uns mit ihren ASTRA-Plakaten penetrant auf die Pelle rückt, an anderer Stelle sittenstreng auf Distanz und Hygiene. PUK hat für die Initiative „Deutschland gegen Corona“ Ideen entwickelt und dazu beigetragen, den Menschen die Abstands-Regeln einzubläuen.

Und wie ich soeben realisieren musste, hat die Agentur PUK, zu deren größten Kunden die DAK-Gesundheit gehört, auch das respektlose Plakat „Geht Omas drücken“ aus dem Jahr 2019 zu verantworten. Vgl. https://stellwerk60.com/2020/01/07/geht-omas-drucken/.

Abschließend zitiere ich mich selber: „In Deutschland gibt es mittlerweile das Schulfach „Glück“ – auch auf Anregung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Ich finde, es müsste ein anderes Schulfach geben: NEIN. Wie lerne ich, angesichts des Zwangs zu Frohsinn, Gesundheit und Glück nicht immer freundlich zu lächeln, sondern in der Lage zu sein, NEIN zu sagen.“ https://stellwerk60.com/2020/05/11/katholisch-oeffentliche-buecherei-on-leine/

Ergänzend möchte ich sagen, dass es neben „Nein“ noch ein anderes neues Schulfach geben müsste: „Mündigkeit“: Woran erkenne ich Propaganda und Manipulation – und wie kann ich mich davor schützen?

Menschen verkümmern immer mehr zu Augentieren. Im Straßenverkehr müssen wir auch als Fußgänger permanent die Augen aufhalten. Daher sind wir für die Plakatwerbung am Straßenrand empfänglich, die mit ausgeklügelten, emotional aufgeladenen Bildern um unsere Aufmerksamkeit buhlt.

Ich bin noch einmal zu der Stelle gegangen, wo vor drei Jahren das ASTRA– Werbeplakat hing. Das männliche Model in knallrot, das auf dem aktuellen Plakat (FLYERALARM) posiert, muss bei den Foto-Aufnahmen genau in die Linse geguckt haben. Das hat den simplen optischen Effekt, dass wir uns, egal wo wir stehen, von ihm angeguckt fühlen. In diesem Fall auch aufgespießt, denn der Mann zeigt mit dem Finger auf uns.

Elfchen im Fünften: Viele viele smarte Panzer

Vor sechs Jahren, am 27. Mai 2016, hat Barack Obama im Rahmen einer Asien-Reise als erster amtierender US-Präsident die japanische Stadt Hiroshima besucht. Knapp 71 Jahre zuvor waren die Städte Hiroshima und Nagasaki am 6. bzw. 9. August 1945 von jeweils einer US-amerikanischen Atombombe völlig zerstört worden, von jener unheimlichen, Unheil bringenden Bombe, die damals gerade erst entwickelt worden war und die es nie hätte geben dürfen.

Während man der Testbombe, die als erste Atombombe überhaupt wenige Woche zuvor in der Wüste von Nevada gezündet wurde, den lässig-lakonischen Code-Namen Gadget (zu deutsch: fragwürdiges, wenig taugliches Gerät, Dingsbums) gegeben hatte, trugen die beiden mörderischen Bomben, die man über Hiroshima und Nagasaki abwarf, spaßig-höhnische Deck-Namen: Little Boy und Fat Man.

Doch die irrwitzig-verdrucksten „Kosenamen“ waren nicht nur- wovon ich bis vor kurzem ausgegangen war- Tarn-Bezeichnungen für zwei einzelne Bomben, sondern politisch-wissenschaftliches Programm. „Fat Man (englisch für Dicker Mann) war der Deckname des Mark-3-Kernwaffen-Designs, das im Rahmen des Manhattan-Projektes von US-amerikanischen, britischen und kanadischen Wissenschaftlern entwickelt wurde.“  https://de.wikipedia.org/wiki/Fat_Man

Obwohl seine Amtszeit bereits dem Ende zuging, hat Barack Obama den Besuch in Hiroshima im Frühjahr 2016 nicht zum Anlass genommen, sich im Namen der US-amerikanischen Politik für den Abwurf der Bomben zu entschuldigen. Stattdessen tat Obama lediglich seine Pflicht und legte am Denkmal für die Opfer der Atombombe im Friedenspark von Hiroshima einen Blumenkranz nieder.

Nach seiner Rede umarmte der US-Präsident vor den Augen der Weltöffentlichkeit den damals 79ährigen Mori Shigeaki, einen Überlebenden der Atom-Bombe von Hiroshima. Mori Shigeaki war bewusst ausgewählt worden. Shigeaki, selber Opfer, hat sich jahrzehntelang mit dem Schicksal von US-Militärpiloten beschäftigt, die als Kriegsgefangene beim Abwurf der Bombe auf Hiroshima getötet wurden, und dazu auch ein Buch verfasst. Die Militärpiloten waren im Chugoku-Hauptquartier der Militärpolizei festgehalten worden, das nur 400 m vom Hypozentrum der Explosion entfernt war.

Mori Shigeakis Lebensgeschichte ist wie für Hollywood erfunden und ganz nach dem Geschmack patriotischer US-Amerikaner. Tatsächlich jedoch steht der tragische Tod der wenigen US-amerikanischen Soldaten in keinem Verhältnis zum katastrophalen Ausmaß der atomaren Vernichtung. In Hiroshima und Nagasaki sind auf der Stelle über hunderttausend Menschen getötet worden. Zwar wurden, da sich das Hauptquartier der Zweiten Japanischen Hauptarmee in Hiroshima befand, auch tausende japanische Soldaten getötet, doch in überwiegender Mehrzahl waren die Opfer japanische Zivilisten: Unschuldige Frauen, Männer und Kinder. Dass Obama vor den Augen der Weltöffentlichkeit Herrn Shigeaki versöhnlich lächelnd in den Arm nimmt, empfinde ich als sentimentale, gönnerhaft-arrogante Geste: Hollywood welcomes Hiroshima.

Die Atombomben, die Hiroshima und Nagasaki zerstörten, haben den japanischen Kaiser Hirohito zur Kapitulation gezwungen, was das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete. Der Abwurf der Bomben stiftete aber keinen Frieden, sondern sicherte lediglich einen fragilen Waffenstillstand. Ein Frieden, der sich der Drohung mit der atomaren Vernichtung und einem „Gleichgewicht des Schreckens“ verdankt, ist keiner.

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann ein neuer, ein kalter Weltkrieg, der bis heute andauert. Atombomben sind entsetzlich und stehen für eine auf die Spitze getriebene männliche Hybris, die seit der hinterhältigen Zerstörung von Hiroshima und Nagasaki unsere Angst vor dem Weltuntergang schürt und permanent mit ihr spielt. Fat Man und Little Boy waren und sind eine Kriegserklärung an das Leben.

Nach wie vor rechtfertigt die US-amerikanische Politik die Bombenabwürfe. Eine Entschuldigung wäre ein Schuldeingeständnis, das sich nicht nur auf Hiroshima und Nagasaki bezöge, sondern die gesamte Atompolitik der USA in Frage stellen würde. Denn 77 Jahre nach Kriegsende setzt nicht nur Russland, sondern auch die „Siegermacht“ USA weiterhin auf die atomare Drohgebärde. Und obwohl im Jahr 2021 das Atomwaffenverbot der Vereinten Nationen in Kraft trat, haben die NATO-Staaten den Vertrag bislang nicht ratifiziert. https://www.deutschlandfunk.de/atomwaffenverbot-tritt-in-kraft-ungleichgewicht-des-100.html

Vermutlich ist Deutschland im Jahr 1945 deshalb von der US-Atombombe verschont geblieben, weil die deutschen Großstädte ohnehin fast völlig zerbombt waren. In einem Video auf Terra X (ZDF) vom 2.8.2020 heißt es, dass man Hiroshima vor dem 6.8.1945 vermutlich bewusst nicht bombardiert hatte: „Wahrscheinlich wollten die Amerikaner die Wirkung ihrer neuen Waffe an einer intakten Stadt testen“. https://www.youtube.com/watch?v=hlAUaEP9Vgs Der Angriff auf die relativ intakte Stadt Hiroshima, deren Bewohner bis dahin vergleichbar wenig durch den Krieg traumatisiert waren, hatte tatsächlich einen „wissenschaftlichen Mehrwert“, denn er sicherte „Material“ für physikalische, biologische und medizinische Langzeitstudien. Infam!

Kellerfund: Der Papierschnipsel ist ein Überbleibsel aus dem Brettspiel „Risiko“, einem Strategiespiel-Klassiker, erfunden im Jahr 1957. Am Wohnzimmertisch sitzen und Länder erobern („befreien!“) macht (vor allem) Männern Spaß. Frei nach dem Motto: „Am Feierabend dann kann jeder Mann ein kleiner Imperator sein. Jawoll!“

Angesichts der weltweiten Drohung mit atomarer Vernichtung ist der Krieg in der Ukraine ein ungleichzeitiger Krieg. Während im Hintergrund ausgeklügelte, hochmoderne Waffensysteme bereit stehen, die jederzeit zum Einsatz kommen könnten, wird ein konventioneller Bodenkrieg geführt, der, so grausam er ist, seltsam „altmodisch“ anmutet.

Technik fasziniert mich da, wo sie uns den Alltag erleichtert: Spülmaschine, Waschmaschine, Zentralheizung, Computer. Kriegs- und Waffentechnik jedoch lassen mich nicht nur kalt, sondern widern mich an. Doch (erschreckend!) viele Männer kommen beim Reden über Waffen und Kriegstaktiken ins Schwärmen. Und sie nennen die Kriegsfahrzeuge neckisch-liebevoll beim Namen, der im Falle von Panzern oft der eines Tieres ist. https://web.de/magazine/panorama/leopard-wiesel-gepard-bundeswehrfahrzeuge-tieren-benannt-36842570

Angesichts von soviel Männerphantasie kommt mir ein Elfchen in den Sinn:

Dachs

und Wiesel,

Fuchs und Gepard

Viele viele smarte Panzer…

Waffen-Artenvielfalt

Auch der von der Bundeswehr längst ausgemusterte, nicht mehr zeitgemäße, aber immer noch wackere Panzer, der vom Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) überholt und in einer Stückzahl von 50 an die Ukraine geliefert werden soll, trägt den Namen eines wilden Tieres: Gepard.

Anders als die Benennung der Atombomben ist die Namensgebung in diesem Fall nicht zynisch, sondern infantil. Wenn kleine Jungs ihrem Spiel-Panzer einen Kose-Namen geben, ist das zwar bescheuert, aber immer noch lustig. Doch wenn ein todbringendes Gefährt von erwachsenen Männern anerkennend und zärtlich Gepard genannt wird, ist das nicht mehr lustig.

Wenn die Bundeswehr demnächst modernisiert wird, muss Platz geschaffen werden. Wohin mit dem in die Jahre gekommenen Kriegsfahrzeuge-Bestand? Panzer aus dem Hause Krauss-Maffei Wegmann (KMW) sind auch nach vielen Jahren viel zu schade zum Einstampfen. Ein kurzer Blick ins Internet erzählt mir, dass der Verkauf gebrauchter Panzer aus dem Bestand der Bundeswehr seit Jahrzehnten schon durchaus üblich ist, auch an Länder außerhalb der NATO. Der Name des Top-Verkaufsschlagers ist wieder der eines wilden Tieres: Leopard.

Was ich in einem Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung lese, wusste ich so noch nicht. Deshalb zitiere ich an dieser Stelle Auszüge aus dem erhellenden Text: „Darüber hinaus hat die Bundesregierung gebrauchte Leopard 2 Panzer in zwei Staaten verkauft, die keine NATO-Mitglieder bzw. NATO-Mitgliedern gleichgestellte Staaten sind. Dies ist einerseits Chile, welches zwischen 2007 und 2009 insgesamt 172 dieser Kampfpanzer erhielt (zusammen mit 266 Schützenpanzern Marder, die zwischen 2009 und 2011 geliefert wurden). 95 weitere Leopard 2 Panzer der Bundeswehr wurden 2007 an Singapur verkauft.“ Der ganze Artikel: https://sicherheitspolitik.bpb.de/de/m5/articles/german-tank-exports

Im Internet fand ich eine äußerst fragwürdige, begeisterte Liebeserklärung an den Gepard vom 10.5.2022. Der Einsatz des bewährten Panzers soll nicht nur uns, sondern auch den Menschen in der Ukraine schmackhaft gemacht werden.

Sonntag, 27.3.2022: Nachbarn haben auf der Wiese zwischen Kita Lummerland und Siedlungsladen ein paar Stände aufgebaut. Ein Stand wird von zwei kleinen Jungen „betreut“: Hier kann man für die Menschen in der Ukraine Geld spenden und Blechdosen umwerfen.

Die Kinder halten der Weltpolitik den Spiegel vor: Putin droht mit Atombomben, die Kinder verteilen Filzbälle. Einer der Jungen drückt mir einen Tennisball in die Hand und sagt etwas Kluges: „Der Putin sollte lieber auf Dosen schießen.“

Ich komme mit seinem Vater ins Gespräch. „Putin ist nicht der einzige Aggressor“, sage ich. „Das zu sagen, ist politisch nicht korrekt“, entgegnet der Vater und lacht. Ich spende und werfe. Dann unterhalten wir uns über eines meiner Lieblingsthemen: Zwillinge.

Der Mann erzählt mir, dass er sehr froh war, als sich die ungeborenen Zwillinge als Jungen entpuppten. Und dann sagt er wörtlich: „Söhne bleiben, aber ein Vater verliert seine Töchter, sobald die Haifische kommen.“ Ich finde das erstaunlich ehrlich und frage, wie er es meine. Darauf lacht er und sagt: „Ich war doch selber ein Haifisch.“

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Ich frage die Eltern des Jungen, ob ich ein Foto machen darf. „Gerne“, ist die Antwort, „solange es nicht im EXPRESS abgedruckt wird.“ Erst als ich das Bild vergrößere, schaue ich mir das Design von Hose und Jacke des Jungen genauer an: Die abgebildeten sind keine kleinen Fische.

ICH, ICH, ICH: Macht macht müde Männer munter

Die aktuelle Bundes-Politik, die Sicherheit verspricht, stellt ein großes Sicherheitsrisiko dar und gefährdet uns alle. Jetzt, wo endlich die Notbremse gezogen und weltweit abgerüstet werden müsste, wird vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine weiter aufgeheizt. Das Vorhaben, die Bundeswehr mit 100 Milliarden aufzurüsten, kann ich nur wahnwitzig nennen. Angst und Bang wird mir bei der Vorstellung, dass für ganz Deutschland ein „Raketenschutzschild“ nach israelischem Vorbild errichtet werden soll. Als könnten Raketen je schützen! Das Gegenteil ist der Fall. Deutschland würde eine schöne Zielscheibe abgeben.

Auch wirtschaftlich ist das Projekt erschreckend unvernünftig, denn das „Sondervermögen“ ist kein „Vermögen“, sondern wird aus neuen Schulden bestehen. Damit der Bund sich überhaupt weiter verschulden kann, muss das Grundgesetz geändert werden. Schon um der Inflation entgegenzuwirken, dürfte sich der Staat nicht noch weiter verschulden, doch unabhängig von den 100 Milliarden für die Bundeswehr sind weitere horrende Kriegs-Kosten längst eingeplant. https://web.de/magazine/wirtschaft/ukraine-krieg-40-milliarden-zusaetzliche-schulden-geplant-36809360

Dass man uns Bürgerinnen und Bürger längst nicht mehr ernst nimmt, bekommen derzeit auch prominente Künstler und Intellektuelle (darunter Martin Walser, Svenja Flaßpöhler, Harald Welzer, Alexander Kluge und Ranga Yogeshwar) als Erstunterzeichner eines offenen Briefs an Bundeskanzler Olaf Scholz zu spüren. Dieser Brief, den die Redaktion der EMMA initiiert und am Freitag veröffentlicht hat, kritisiert klar und deutlich die Kriegspolitik des Bundestags, der am Donnerstag mit großer Mehrheit die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine gebilligt hat. Durch dieses Schreiben wurde vielen Menschen in Deutschland die Tragweite der Bundestags-Entscheidung überhaupt erst bewusst. Auch ich, die ich versucht hatte, den Irrwitz zu verdrängen, wurde noch einmal wachgerüttelt.

Die einzige positive Politiker-Reaktion, die ich auf die Schnelle gefunden habe, ist ein Twitter-Beitrag von Sahra Wagenknecht, die selber schon Tage zuvor (ganz im Sinne der LINKEN-Fraktion) ähnlich argumentiert hatte. Die Pressestimmen sind überwiegend aggressiv, was mich nicht überrascht. Ekelhaft und unter der Gürtellinie ist ein Twitter-Account von ZDF-Entertainer Jan Böhmermannn.

Freitag, 29.4.2022: „Der Offene Brief an Olaf Scholz sendet das beruhigende Signal: wenn Putin Deutschland mit Atomraketen angreift, wird sich der intellektuelle Schaden jedenfalls in Grenzen halten.“

So widerlich diese Zeilen sind – kein Gericht wird sie ihm verbieten. Man kann die zynische Nummer als Satire auslegen. Böhmermann, der vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach wie vor hofiert wird, weil seine Auftritte hohe Einschaltquoten garantieren, ist mittlerweile schlau genug, seine Aggressivität so weit zu kontrollieren, dass er keine „Reizbegriffe“ mehr benutzt. Das war einmal anders. Wir erinnern uns an sein widerliches, schamloses Erdogan-Schmähgedicht. https://www.blog-der-republik.de/boehmermanns-zeilen-weder-komisch-noch-aufklaerend-2/

Ich bin dankbar für die großartige Aktion der EMMA und bitte an dieser Stelle meine Leserinnen und Leser, den Brief zu unterschreiben, der am Freitagnachmittag als Petition bei change.org gestartet wurde. Trotz der öffentlichen Anfeindungen geht es mit den Unterschriften (aktuell, 2.5.2022, 9h57: 146.203) zügig voran. https://www.change.org/p/offener-brief-an-bundeskanzler-scholz 

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Köln-Nippes, Neusser Straße, 31.3.2022. Auch wenn Vladimir Putin den brutalen russischen Überfall auf die Ukraine zu verantworten hat, kann er dennoch nichts dafür, dass zehn Bio-Eier bei ALDI nicht mehr 2,99€, sondern 3,29€ kosten (Stand: April 2022) Dass der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz, der längst sein Scherflein ins Trockene gebracht hat, im Bericht aus Berlin am 10.4.2022 folgende Sätze sagen durfte, finde ich absolut schamlos: „Wir haben wahrscheinlich, zumindest für eine gewisse Zeit, den Höhepunkt unseres Wohlstandes hinter uns.“ https://www.tagesschau.de/inland/merz-bab-inflation-101.html

Doch was beflügelt eigentlich Olaf Scholz, warum ist er Kanzler geworden?

Im Essener Klartext-Verlag veröffentlichte man Ende 2021 -kurz nach der Kanzler-Wahl- eine Scholz-Biografie mit dem Titel „DER WEG ZUR MACHT – Das Porträt“. Autor: Lars Haider, Chefredakteur des Hamburger Abendblatts. Im selben Verlag war (vgl. https://stellwerk60.com/2021/06/22/groko-stoppen-teil-1-karo-luschet/ ) im Jahr 2020 schon die Laschet-Biografie „DER MACHTMENSCHLICHE: Armin Laschet. Die Biografie“ erschienen. Autoren: Die Journalisten Moritz Küpper (DEUTSCHLANDFUNK u.a.) und Tobias Blasius, NRW-Landeskorrespondent der FUNKE- Mediengruppe und langjähriger Vorsitzender der Landespressekonferenz Nordrhein-Westfalen.

„Der Weg zur Macht“: Da ist einer Bundeskanzler geworden, weil er Macht haben wollte. Wie undemokratisch und noch dazu primitiv männlich der Titel ist -eine Biografie im Falle einer Kanzlerschaft von Frau Baerbock hätte wohl kaum Der Weg zur Macht geheißen-, scheint im Klartext-Verlag niemandem aufgefallen zu sein. Und warum veröffentlicht man kurz nach der Wahl (pünktlich zum Weihnachts-Geschäft) eine Kanzler-Biografie, obwohl der Mann in seinem Amt als Kanzler Berufsanfänger ist? Und noch etwas scheint niemandem aufgefallen zu sein. Gab es den Titel nicht genau so schon einmal? Warum dachte ich direkt an Hitlers Machtergreifung, als ich ihn hörte? Ich schaue ins Internet und werde schnell fündig.

Das Dokumentarspiel „Der Weg zur Macht“ war im Jahr 2016 Teil einer Dokumentarspiel-Reihe auf dem ARD-Bildungskanal ALPHA. Hier lief es als Wiederholung, denn unter dem selben Titel wurde der Beitrag bereits 2012 auf BR-ALPHA ausgestrahlt. „Der Weg zur Macht“, so lese ich im Begleittext des BR, „rekonstruiert die Zeit in Deutschland von Mai 1929 bis Mai 1932 und damit den beginnenden Aufstieg der NSDAP von einer Klientel- zur Massenpartei.“ An anderer Stelle heißt es: „Den direkten inhaltlichen Anschluss an „Der Weg zur Macht“ bildet der Film „Die Machtergreifung““. https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/programmkalender/ausstrahlung-575336.html Dass die Kanzler-Biografie einen Titel trägt, bei dem jeder auch nur halbwegs Gebildete Hitlers Machtergreifung assoziiert, hätte nicht passieren dürfen!

Mir ist unbegreiflich, warum weder die Verantwortlichen im Klartext-Verlag -der als kritischer Verlag der Gegenöffentlichkeit gegründet wurde, aber mittlerweile zur FUNKE-Mediengruppe gehört- noch Autor Lars Haider noch die engsten Verbündeten des Bundeskanzlers oder Scholz selber den (gelinde gesagt) Fauxpas bemerkt haben. Die Herren dürften doch wohl alle die Internet-Suchmaschinen bedienen können!

Die engsten Verbündeten des Kanzlers sind nach Aussage von Autor Lars Haider Regierungssprecher Steffen Hebestreit und ein Mann namens Wolfgang Schmidt. Haider beschreibt Schmidt in einer vorweihnachtlichen Vorstellung seines Buchs („ein schönes Weihnachtsgeschenk, wie ich finde“, so Haider) auf Abendblatt-TV folgendermaßen: Wolfgang Schmidt sei „… die Mensch gewordene Werbetrommel für Olaf Scholz, ein fröhlicher, rhetorisch hochbegabter Menschenfänger, ein Netzwerker vor dem Herrn…“ https://www.youtube.com/watch?v=ZdhvO93Z44Y

Haider verliert kein Wort darüber, welche Position „Menschenfänger“ Wolfgang Schmidt innehat. Tatsächlich ist Schmidt (SPD) weder Pressesprecher noch Bundestagsabgeordneter, sondern „Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz“. Dass eine dieser besonderen Aufgaben offenbar darin liegt, die Werbetrommel für Scholz zu rühren und Menschen zu fangen, noch dazu als „fröhlicher“ Spaßvogel, ist mehr als bedenklich.

Im Internet finde ich eine Leseprobe der Biografie. Ich erwarte kantige, zitierbare Sprüche, finde aber nicht einmal die. Der markige Titel -so missglückt er auch ist- verpufft. Man bekommt den Eindruck, Olaf Scholz sei nicht Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, sondern Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Die Leseprobe erstickt mein Interesse an einem Buch, das nichts weiter zu sein scheint als eine langweilige, zum Buch aufgeplusterte Werbebroschüre. Wer (wie ich) neugierig auf das Kind Olaf Scholz ist, findet in der Leseprobe lediglich die Information, dass Scholz neben Blockflöte Oboe gelernt hat. Dieser Fähigkeit jedoch misst Biograf Haider große Bedeutung bei: „Das passt an den Beginn eines Kapitels, in dem es um Scholz’ Führungsstil gehen soll. Denn die Oboe gibt, wenn ich meinem Kollegen und allseits geschätzten Konzertkritiker Joachim Mischke glauben darf, dem Orchester das „A“ vor „und damit die Stimmung“… Dass Olaf Scholz gern den Ton angibt, ist keine neue Erkenntnis…“

Andere Politiker exhibitionieren sich wesentlich unterhaltsamer. Ich denke da an Vladimir Putin, der sich auf seinen Abenteuer-Reisen immer gerne in betont männlichen Posen zur Schau stellt. Fotos, die im Jahr 2011 auch in Deutschland veröffentlicht wurden, zeigen ihn mit nacktem Oberkörper und sexy sitzenden Hosen im Military-Look, reitend, angelnd. Am Abend dann sitzt Vladimir warm gekleidet volksnah am Feuer, mit Pferdekopf-Geige in der Hand. Und wir ahnen: Da träumt einer vom großen männlichen Abenteuer, vom Krieg. Wie gefährlich der Mann ist, erleben wir gerade. https://www.welt.de/politik/gallery1104085/Putin-und-die-nackten-Tatsachen.html

Ich muss zugeben, dass ich mir diese Bilder gerne anschaue, so lächerlich sie sind, denn Putin konnte (kann?) sich sehen lassen. Mittlerweile sind die Bilder seltener geworden. Auf Fotos von 2017 wirkt der Vitalitätskult angestrengt. Putin ist deutlich älter geworden. Angeblich lässt er auf seinen Reisen stets von einem Ärzteteam begleiten, was zu wilden Spekulationen über seinen Gesundheitszustand führt. https://www.stern.de/politik/ausland/wladimir-putin–neuer-bericht-schuert-zweifel-an-gesundheit-31755708.html

Einen Arzt als Leibwächter einer anderen Art hatte auch ein anderer mächtiger Mann, der permanent seine Männlichkeit öffentlich zur Schau stellen musste: Der Unternehmer, Milliardär und langjährige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Der damals 74jährige Berlusconi, angeblich ein enger Freund von Vladimir Putin, ließ sich im Jahr 2011 von seinem Leibarzt in aller Öffentlichkeit bescheinigen, dass er nach wie vor sexuell aktiv ist. https://www.welt.de/politik/ausland/article13472600/Berlusconi-kann-sechs-Tage-pro-Woche-Sex-haben.html Vermutlich kam die Meldung im katholischen Italien gut an. Berlusconis Rhythmus -sechs Tage Aktivität und ein Ruhetag- deutet darauf hin, dass der Mann bibelfest ist. Schließlich heißt es schon im BUCH MOSE: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun.“

Männer erleben keine Wechseljahre, und das macht sie (unter Umständen) gefährlich. Anders als wir Frauen sind die Männer dazu verdammt, bis an ihr Lebensende fruchtbar zu sein. Männer, die nicht einmal mehr einen Kinderwagen schieben können, sind immer noch in in der Lage, Väter zu werden. Dieses biologische Dilemma verzerrt die männliche Selbstwahrnehmung und fördert den Selbstbetrug. Berlusconi (85), Scholz (63) und Putin (69) sind Männer jenseits der fehlenden Wechseljahre. Markus Söder (55) steckt mitten drin. Er hadert mit dem Älterwerden. Anders kann ich mir seine aktuelle sprachliche Entgleisung gegenüber Altkanzler Schröder nicht erklären. „Schröder sei »ein sturer, alter, skurriler Mann«, dem das eigene Konto wichtiger sei als das Ansehen Deutschlands in der Welt, sagte Söder am Samstag auf einem kleinen CSU-Parteitag in Würzburg.“ https://www.spiegel.de/politik/deutschland/kritik-an-gerhard-schroeder-markus-soeder-nennt-den-altkanzler-einen-sturen-alten-skurrilen-mann-a-85dce408-0e19-4e58-9b56-eef03499b728

Putin hat im Jahr 2011 seine Körper-Posen geschickt verteidigt. „Wladimir Putin steht zu den Fotos, die ihn mit nacktem Oberkörper beim Angeln oder auf einem Pferd zeigen. Die Bilder seien nicht obszön oder politisch unkorrekt, sagte der russische Regierungschef in einem Interview des US-Magazins „Outdoor Life“. „Es gibt auch Bilder von US-Präsident Theodore Roosevelt mit einem eigenhändig getöteten Löwen oder von Barack Obama in Badehose im Golf von Mexiko. Ich sehe darin nichts Anstößiges.“https://www.n-tv.de/panorama/Putin-verteidigt-Fotos-article3362496.html

Niemals würde sich ein deutscher Kanzler oder Präsident in eindeutig männlicher Pose ablichten lassen. In der Prüderle-Republik Deutschland (PRD) gibt man sich gerne bedeckt. Eitelkeit gilt als suspekt. Dabei gehört sie zum politischen Geschäft. Doch wenn sie zu ihrer Eitelkeit stehen, sind deutsche Politiker oft ungelenk in der Selbstdarstellung. Wir erinnern uns an den kindisch-peinlichen Auftritt des damaligen Verteidigungsministers Rudolf Scharping im Jahr 2001: „Die bunten Bilder gelten als Paradebeispiel für misslungene PR. Eigentlich sollten die Fotos und die Homestory helfen, Scharpings Image aufzupolieren, denn der gebürtige Westerwälder galt als spröde und hölzern. Statt Imagepolitur brach eine Welle der Empörung über Scharping ein... Deutsche Soldaten standen kurz vor einem gefährlichen Balkan-Einsatz in Mazedonien und hatten eine Urlaubssperre verordnet bekommen. Ihr Verteidigungsminister dagegen planschte im Pool.“ https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/2382001-rudolf-scharping-amuesiert-sich-im-swimmingpool-100.html

Das haben die US-amerikanischen Politiker den deutschen voraus: Sie sind gute Selbstdarsteller. Zur medialen Selbst-Performance gehören ein gepflegtes Aussehen ebenso wie Stimmtraining und Schauspielunterricht. Amerikanische Politiker laufen nicht vor den Paparazzi weg, sondern haben den Umgang mit ihnen gelernt. Und sie müssen haben, was Olaf Scholz nicht mehr hat, aber Joe Biden -wenn auch bescheiden- immer noch, wenn auch angeblich mit Nachhilfe: Volle Haare. Denn die suggerieren Vitalität.

Ich persönlich sympathisiere mit Haupthaar-armen Männern (Und wie vital die kahlen Männer sind, wissen die Frauen und Männer der Kahlen.) Aber niemals, wirklich niemals sollte sich ein kahlköpfiger Politiker mit geblähten Nüstern und zusammengepressten Lippen auf einem Goldbarren abbilden lassen, wenn sich die Prägeart „polierte Platte“ nennt. Doch genau das ist Olaf Scholz passiert.

Unten abgebildeten Goldbarren verkauft u.a. das Münzhandelshaus MDM unter https://r.mdm.de/goldbarren-fuer-den-neuen-kanzler-start-in-kanzler-und-praesidenten. Doch Vorsicht: Wer bereit ist, für einen Lacheffekt am Muttertag 49,95 Euro oder auch mehr auf den Tisch zu legen, sei gewarnt und sollte die Maße beachten. Der sogenannte „Barren“ ist ein winziges Plättchen, gerade mal so groß wie ein Fingernagel.

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Wenn es das nächste Mal passiert, dass meine Schwester 70 wird, bin ich selber dran. Liebe große Schwester, herzliche Glückwünsche zum Geburtstag!

Nä, wat is dat schön! Frühlingserwachen aus dem Alptraum IMPFPFLICHT

Es wird in Deutschland keine allgemeine Corona-Impfpflicht geben!

Weder der Gesetzentwurf von AMPEL-Abgeordneten für eine Impfpflicht ab 60 noch der Entwurf der UNION, der unter anderem den Aufbau eines zentralen Impfregisters vorsah, erhielt am 7.4.2022 im Bundestag eine Mehrheit. Da auch Masken- und Testpflicht weitgehend zurückgenommen wurden, fühle ich mich aktuell relativ sicher vor weiteren Angriffen auf meine leibliche Unversehrtheit, auf meine Würde und mein Glücksempfinden. Wir Ungeimpften sind noch einmal davongekommen.

Nach wochenlangem Gefeilsche und Geschachere sollten laut Gesetzentwurf einer Gruppe aus den Reihen der AMPEL „nur noch“ Menschen über 60 zur Impfung verpflichtet werden. Dieser vermeintlich kleinste gemeinsame Nenner war ein Lockangebot an die CDU/CSU, deren Mitglieder die AMPEL-Gruppe brauchte, um die allgemeine Impfpflicht überhaupt noch in irgendeiner Form durchdrücken zu können.

Vielleicht hatte man nach Griechenland geschielt, wo am 16.1.2022 eine Impfpflicht für Menschen über 60 in Kraft getreten ist. Im Falle der Verweigerung einer Impfung mussten ältere Griechen im Monat Januar 50 € und seit Februar monatlich 100 € Strafe bezahlen. Diese Strafzahlungen sind zwar aktuell ausgesetzt worden, könnten aber im Herbst wieder aktiviert werden. https://taz.de/Senioren-Impfpflicht-in-Griechenland/!5843964/ (Kleine Anmerkung zum Begriff „Senioren-Impfpflicht“, der im ansonsten guten und informativen TAZ-Artikel durchgehend verwendet wird: Im Zusammenhang mit der Corona-Impfung wirkt der Zusatz „Senioren“ verharmlosend und beschönigend. Es klingt, als sei die „Senioren-Impflicht“ eine staatliche Zuwendung, heiter-neckisch nach dem Motto: Erst kam die Senioren-BahnCard – Jetzt kommt die Senioren-Impfpflicht. „Alten-Impfpflicht“ zu sagen, wäre korrekt, das brächte die Eiseskälte der staatlichen Hygienemaßnahme auch sprachlich auf den Punkt.)

Für jüngere Menschen mag eine Impfpflicht „über 60“ wie eine Entschärfung klingen, aber für mich naturgemäß nicht, denn ich bin 63 und gehöre allein deshalb auch laut RKI zu den „vulnerablen Gruppen“. Als wäre Älterwerden nicht schon beschissen genug, sollten ausgerechnet die Älteren zu einer Impfung verpflichtet werden, die sich längst als medizinischer Flop entpuppt hat. Zudem stellt schon der Wunsch nach einer Alten-Impfpflicht uns ungeimpfte Ältere unter den unausgesprochenen Generalverdacht, dass wir durch unser „Trotzverhalten“ (Ranga Yogeshwar) gegenüber der Impfung eine „Überlastung des Gesundheitssystems“ lächelnd in Kauf nehmen.

(Was Ranga Yogeshwar betrifft, möchte und muss ich mich korrigieren. Den Ausdruck „Trotzverhalten“ habe ich aus seinem Mund nicht gehört, aber den in diesem Zusammenhang pseudowissenschaftlichen Begriff „Trotzreaktion“. Mit oberlehrerhafter Attitüde begründete Yogeshwar in der ZDF-Talkshow Maybritt Illner am 13.1.2022, warum er ein „Skeptiker der Impflicht“ ist: „Das Ziel muss sein, dass sich die Menschen impfen lassen, aber durch eine Pflicht erzeugen wir so etwas wie eine Trotzreaktion.“ https://www.zdf.de/nachrichten/video/politik-illner-yogeshwar-corona-impfpflicht-100.html)

Die Wahrheit ist: Unter den Ungeimpften -auch den älteren- gibt es viele, die das Gesundheitssystem kaum oder gar nicht belasten, weil sie nur selten zum Arzt gehen und Krankheiten -solange das geht- mit Hausmitteln auskurieren. Ich zum Beispiel habe (immer noch) keine schweren chronischen Krankheiten und schlucke daher auch keine harten Medikamente. Die Pharma-Industrie verdient kaum etwas an mir. Meine Skepsis gegenüber Medikamenten beschert(e) mir -so denke ich- ein verlässlich arbeitendes Immunsystem. So gerne es manche hätten: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit Corona auf die Intensivstation komme und das Gesundheitssystem belaste, ist äußerst gering.

Die Grippe hatte ich noch nie, und In den zwei Corona-Jahren hatte ich nicht einmal einen Schnupfen. Mein verzweifelter, tragikomisch anmutender Versuch, mich bei meiner Tochter, die im Sommer „Delta“ hatte, anzustecken, misslang. Ich war damals enttäuscht, denn ich wollte das Genesenen-G. Die Gesundheitsbürokratie stellt aber nur der Person einen Genesenennachweis aus, die einen positiven PCR-Test vorweisen kann. Meine Immunität, die durch eine persönliche Erfahrung bewiesen und durch ein zeitgleiches negatives Testergebnis gesundheitsamtlich belegt ist, wird amtlich dennoch nicht anerkannt.

Mit 63 bin ich 20 Jahre älter als ein 43 Jahre alter Mensch, aber genauso viele Jahre jünger als der 83jährige. Richtig alt bin ich noch nicht, aber meine leise knirschenden Knie erweisen sich allmählich als nur bedingt Reihenhaus- tauglich. Mehr als noch vor zwanzig Jahren habe ich eine Ahnung davon, wie sich „alt“ anfühlt. Ich kann nicht mehr rennen, allenfalls traben. Daher traue ich mich kaum noch, etwa auf Höhe von Alnatura die ampelarme Neusser Straße zu überqueren. Noch kann ich mich wehren, doch eher verbal. Hochbetagte, schwer Kranke und Gebrechliche können sich, wenn man sie angreift, meistens gar nicht mehr wehren. Das dürfen sie aber auch nicht, denn sie sind in aller Regel auf die Hilfe anderer angewiesen.

Die sehr alten Menschen in den Pflegeeinrichtungen sind neben den Kindern die Hauptleidtragenden einer meines Erachtens inhumanen Corona-Politik. Selbst die Menschen, die doppelt geimpft waren, hat man in Sicherheitsverwahrung genommen und monatelang so behandelt, als stellten sie eine Gefährdung für sich und andere dar. In einer Erklärung von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann vom 12.6.2021 liest sich das so:

„Gerade die Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen und ihre Angehörigen haben besonders unter den Kontaktbeschränkungen in der Pandemie gelitten. Es ist nicht akzeptabel, wenn Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht infiziert sind und bereits über einen vollständigen Impfschutz verfügen, in Einzelzimmer-Quarantäne müssen. Das ist nicht nachvollziehbar und widerspricht der geltenden Rechtslage. Ich möchte, dass diese Menschen ihre geliebten Angehörigen jederzeit sehen können. Mit den Impfungen erhalten die Menschen in den Pflegeeinrichtungen auch ihre Freiheit und Selbstbestimmung zurück.“ https://www.land.nrw/pressemitteilung/corona-pandemie-freiheiten-fuer-bewohnerinnen-und-bewohner-der-stationaeren

Wenn Laumann Anfang des Jahres 2021, als die alten Menschen in den Heimen reihenweise doppelt geimpft wurden, diese Erklärung abgegeben hätte, wäre das in Ordnung gewesen. So aber kam sie Monate zu spät und war daher nichts weiter als ein gönnerhaftes Gesülze, das lediglich der Selbstbeweihräucherung dient. Der letzte Satz ist eine hohle Behauptung, denn mit den Impfungen hatten die Menschen keinesfalls „ihre Freiheit und Selbstbestimmung“ zurück. Sie mussten, auch wenn sie doppelt geimpft waren, im Falle eines „Corona-Ausbruchs“ unmittelbar in Einzelzimmer-Quarantäne. Gemeinschafts-Aktivitäten wie z.B. Singkreise oder Spielnachmittage fanden ebensowenig statt wie gemeinsame Mahlzeiten. Warum hat sich Laumann nie bei den Menschen entschuldigt?

Doch warum ähneln die Altenheime ein Jahr später immer noch Hochsicherheitstrakten? Warum erlässt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen am 1. April 2022 (kein Aprilscherz!) eine 13 (!) PDF-Seiten lange Allgemeinverfügung über „Besondere Schutzmaßnahmen vor Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus in Einrichtungen der Pflege, der Eingliederungshilfe und der Sozialhilfe.“? https://www.mags.nrw/sites/default/files/asset/document/220401_coronaaveinrichtungen.pdf

Während die allgemeine Impfpflicht im Bundestag abgelehnt wurde, gilt für die Bewohnerinnen und Bewohner der Altenheime längst eine indirekte Impfpflicht. „… 5.1. Vor der Aufnahme neuer Bewohnerinnen oder Bewohner ist von den Einrichtungen darauf
hinzuwirken, dass ihnen ein Impfangebot gemacht wird. Ist dies vor der Aufnahme nicht
möglich, so muss es umgehend nach der Aufnahme nachgeholt werden.“
(PDF MAGS, s.o.) Selbst dann, wenn sie doppelt geimpft und geboostert sind, stehen die alten Menschen auch heute noch unter permanenter, zermürbend bedrohlicher Corona-Aufsicht.

Und warum verpflichtet man ausgerechnet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegebereich zur ohnehin fragwürdigen Corona-Impfung? Wir wissen doch, wie wichtig körperliche Nähe ist, gerade auch für alte Menschen. In der Regel sind es die Ungeimpften, die das Virus nicht dämonisieren und keine übertriebene Berührungsscheu haben. Und eben diese Menschen sind es, die den alten Menschen Mut machen und Zuversicht spenden. Die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“, ein Angriff auf die Würde, das Glücksempfinden und die Lebensfreude, müsste schnellstmöglich aufgehoben werden!

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, weitgehend geimpft und geboostert, also fein raus, haben am 7.4. 2022 ohne Fraktionszwang abgestimmt, individuell, allein „nach Wissen und Gewissen“. Eine Anmaßung, wie ich finde, denn betroffen sind nicht die durchgeimpften Abgeordneten, betroffen bin ich. Was ist mit meinem Gewissen? Bin ich unwissend oder gar gewissenlos, weil ich ungeimpft bin?

Wäre es zur Alten -Pflichtimpfung gekommen, hätte ich mir von Karrieristinnen und Karrieristen, die in viel zu großer Zahl steuerfinanziert und bestens situiert im Bundestag sitzen, die Corona-Impfung vorschreiben lassen müssen, etwa von SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert. Kühnert, halb so alt wie ich, ist ein stets bildschirmschön gestylter, ambitioniert frisierter Polit-Shooting-Star, der nach einem abgebrochenen Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft vier Jahre lang im Callcenter von MyToys.de gearbeitet und dort sein Wissen (und Gewissen!) erworben hat.

Doch seit Omikron wächst auch unter den geimpften Mitbürgerinnen und Mitbürger die Skepsis, was die Corona-Politik betrifft. Schon vor der Entscheidung im Bundestag -die Spatzen pfiffen es von den Dächern- befürworteten immer weniger Menschen eine allgemeine Impfpflicht.

Am Tag nach der Entscheidung, die Stimme des Volkes:

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Diese Grafik habe ich am Tag nach der Abstimmung, Freitag, 8.4.2022, von web.de abfotografiert.                                          In Paragraph 5 des Grundgesetzes heißt es: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.“ Ja, wir haben Meinungsfreiheit, aber unsere Meinung hat keinerlei politisches Gewicht. Sie interessiert nur diejenigen, die gewählt werden oder/und uns etwas verkaufen wollen. Als Mitglieder von Zielgruppen werden wir permanent unserer eigenen Meinung beraubt, ohne dass wir es spüren. Wie leicht man Meinungen manipulieren kann, weiß die Werbebranche, die so boomt wie noch nie. Nur scheinbar fragt man nach unserer Meinung. In Wirklichkeit horcht man uns aus, zapft uns an, legt uns Meinungen in den Mund. Zu vorgefertigten Aussagen können wir nur noch JA oder NEIN  anklicken und manchmal eine Nicht-Meinung wie KEINE AHNUNG.

Dadurch dass man die Impfpflicht zur Abstimmung im Bundestag freigab, wurde ein Eingriff von großer Tragweite banalisiert. Schlimmer noch: Man verlieh den „Volksvertreterinnen“ und „Volksvertretern“ Macht über mein, über unser Leben!

Entsetzt bin ich über die Politik der GRÜNEN, die ich seit Jahrzehnten wähle, auch weil die GRÜNEN den „Klimawandel“ schon früh realisiert und nie geleugnet haben, dass er menschenverursacht ist. Jetzt habe ich politischen Liebeskummer: Bis auf sechs Menschen haben alle Abgeordneten der GRÜNEN, die sich fast alle an der Abstimmung beteiligt haben, gehorsam für den Antrag der Gruppe um Janosch Dahmen und Heike Baehrens (Impfpflicht ab 60, Ende offen) gestimmt.

Auch die Kölner Kandidatin Katharina Dröge, die ich aus alter GRÜNEN-Treue bei der Bundestagswahl 2021 gewählt habe (Wahlkreis Köln III, Stadtbezirke Ehrenfeld, Nippes und Chorweiler), gab der Gruppe um den gesundheitspolitischen Sprecher der GRÜNEN, Janosch Dahmen, ihr Ja-Wort. Frau Dröge ist in Münster geboren. Den Kölnern sei gesagt: das westfälische Wort „dröge“ bedeutet das Gleiche wie das kölsche Wort „drüsch“ = „trocken“, „langweilig“, „leidenschaftslos“. Ob Frau Dröge wirklich drüsch ist, weiß ich allerdings nicht.

Was gegen Liebeskummer helfen kann: Sich ebenfalls trennen, realisieren, dass die Trennung überfällig war. Bei der NRW-Landtagswahl am 15.5. werde ich nicht mehr die GRÜNEN wählen. Und wenn die leidenschaftliche Sahra Wagenknecht auch nicht für den Landtag in Nordrhein-Westfalen kandidiert, ist meine Wahl dennoch eindeutig.

Ein Tipp zur Abstimmung über die Impfpflicht: Man kann das genaue Abstimmungsergebnis auf der Internet-Seite des Bundestags nachlesen: https://www.bundestag.de/parlament/plenum/abstimmung/abstimmung?id=767

Von Seiten der Bundesregierung wurde die Abstimmung über die Impfpflicht zu einer Art Chefsache erklärt. Bundeskanzler Olaf Scholz beorderte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock, die in Brüssel an NATO-Beratungen über den Ukraine-Krieg teilnahm, eigens nach Berlin zurück, damit sie pflichtgemäß (und hochsymbolisch!) ihr Ja-Wort zur Impfpflicht abgeben konnte.

Wie kann die GRÜNEN-Politikerin Annalena Baerbock so wenig Gespür für Natur haben, dass sie noch in der harmlosen Omikron– Variante den Feind wittert, der mit einer Impfpflicht bekämpft werden muss?

Nun geht es in der Bundespolitik wohl kaum um Gespür, allenfalls um Kalkül. Dabei berührt die Abstimmung über eine Impfpflicht Grundfragen unserer Existenz: Leben und Tod, Gesundheit, Krankheit, Heilung, Glaube, Liebe, Hoffnung… Ich persönlich finde die Tatsache, dass über eine massive Verletzung der leiblichen Autonomie und der menschlichen Würde per Stimmzettel abgestimmt wird, ethisch verwerflich. Pragmatisch, so als handele es sich um die Freigabe eines Autobahnabschnitts.

Ich denke, Annalena Baerbock weiß, dass Omikron weniger gefährlich und eine Impfung nicht mehr gerechtfertigt st, denn sie ist intelligent. Nur passt Skepsis nicht ins Konzept bzw. den Koalitionsvertrag. Dass Omikron relativ harmlos ist und die Impfung offensichtlich ein Flop, stellt nämlich die gesamte Gesundheits- und Forschungspolitik unserer Bundesregierung in Frage.

Ein Beitrag auf der Internet-Nachrichten-Seite des VDI (Verein deutscher Ingenieure) brachte es Ende 2021 auf den Punkt: „Die künftige Regierung übernimmt das Ruder in einer Zeit, in der das Coronavirus weniger denn je im Griff zu sein scheint. Die Pandemie zu besiegen, sei vordringlichste Aufgabe, heißt es deshalb im Koalitionsvertrag... Der Kampf gegen Corona wird vornehmlich Aufgabe der SPD sein, die das Ressort Gesundheit übernehmen wird. In der Krise sieht die Koalition aber auch die Chance, Deutschland zum weltweit führenden Biotech-Standort zu machen. Die Entwicklung des ersten mRNA-Impfstoffs habe das Potenzial deutscher Forschung sichtbar gemacht.https://www.vdi-nachrichten.com/wirtschaft/politik/koalitionsvertrag-die-reaktionen-der-branchen/

„Wir haben Lust auf Neues“, steht laut VDI im Koalitionsvertrag. Ein hübscher, aber leider verharmlosender Satz, vermutlich aus der „Feder“ von Werbetextern, die an anderer Stelle Texte und Bilder für die neuen Kollektionen der Modeanbieter kreieren. Nun, ich habe auch „Lust auf Neues“, auf neue Schuhe zum Beispiel. Emanuel Macron hat, wie wir wissen, auch „Lust auf Neues“, zum Beispiel auf neue AKWs. Wenn Machthaber sie verspüren, kann „Lust auf Neues“ gefährlich werden, insbesondere in den Bereichen Atomkraft, Rüstung und Biotechnologie.

Ein allgemeine Impfpflicht hätte es deutlich erleichtert, die „Erfolgsgeschichte“ rundum das Unternehmen Biontech weiter zu spinnen, denn Biontech ist abhängig von den Einnahmen durch den Impfstoff. „Da sich BioNTechs Krebs-Therapeutika allerdings noch in Studienphasen befinden, ist das Unternehmen bis auf Weiteres auf Impfstoff-Einnahmen angewiesen. Diese wiederum hängen in hohem Maße vom Fortgang der Pandemie, einer möglichen Impfpflicht in manchen Ländern und den Entwicklungen konkurrierender Hersteller wie ModernaValneva oder Novavax ab.https://www.boerse.de/geldanlage/BioNTech-Aktie-Kennt-die-Mainzer-Erfolgsgeschichte-eine-Fortsetzung-von-Miss-boersede/33680711

Angesichts der Abschwächung des Virus, der mangelhaften Wirksamkeit der Impfung und der ernstzunehmenden Nebenwirkungen ist ein weiterer Kniefall der Politik vor dem Unternehmen Biontech, wie wir ihn hier in Köln hautnah miterleben mussten, kaum noch vorstellbar. (Vgl.: https://stellwerk60.com/2021/12/28/wie-suess-oezlem-tuereci-biontech-malt-ein-kleines-herzchen-in-das-goldene-buch-der-stadt-koeln-gedanken-zum-fest-der-unschuldigen-kinder/) Dennoch wird die Corona-Politik von Merkel & Co fortgesetzt, wird munter weiter Impfstoff eingekauft und werden nach wie vor gesunde 5-12jährige Kinder geimpft.

Dass die Impfpflicht nicht mehr droht, haben wir nicht der politischen Einsicht, sondern einer politischen Dummheit zu verdanken. Warum konnten die Abgeordneten von GRÜNEN und SPD, nachdem der Antrag aus den eigenen Reihen abgelehnt worden war, nicht dem Antrag der Union zustimmen? So hätte man sich -was die Impfpflicht betrifft- alle Türen offen halten können!

Stattdessen misstraut man sich. Derzeit bekriegen sich die Parteien, wie man es schon lange nicht mehr erlebt hat. Köpfe rollen, etwa der von Familienministerin Anne Spiegel, oder sollen rollen. https://www.tagesschau.de/eilmeldung/anne-spiegel-ruecktritt-101.html Warum wird in einer Zeit, da die Kriegspolitik von Olaf Scholz (SPD) unbedingt kritisch hinterfragt werden müsste, in alten Akten gewühlt, warum hat die Süddeutsche Zeitung Dokumente ausgegraben, die die Vermutung nahe legen, dass der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in den 50er Jahren die SPD hat bespitzeln lassen? https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/deutschlands-watergate-wie-adenauer-die-spd-ausspionieren-liess-e506616/?reduced=true

Eben jener Konrad Adenauer hat einmal einen Satz gesagt, der oft zitiert wurde und wunderbar auf die derzeitige Situation passt: „In der Politik geht es nicht darum, recht zu haben, sondern recht zu behalten!“

Zurück zur Impfpflicht… Ich finde es immer wieder höchst erstaunlich, dass es noch Kinderärztinnen und Kinderärzte gibt, die nicht jede von der STIKO empfohlene Impfung für jedes einzelne Kind empfehlen und Impfungen grundsätzlich mit den Eltern absprechen. Das ist riskant, denn Kinderarztpraxen sind alles andere als Goldgruben, und gerade mit den Mehrfach-Impfungen lässt sich viel Geld verdienen. Einer dieser mutigen Ärzte ist Dr. med. Steffen Rabe, Sprecher des Vereins „Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung“.

Steffen Rabe ist ein glänzender Autor und scharfsinniger Beobachter der Corona-Politik. Dass er auch künstlerisch begabt ist, wusste ich bis vor kurzem, als ich unten stehendes Video entdeckte, noch nicht.

„HAIG, REAGAN, SCHMIDT – BEKRIEGT EUCH DOCH ZU DRITT“ (Friedensdemo Bonn, 1981) – Die Gleichberechtigung wird durch eine Wehrpflicht für Frauen ad absurdum geführt

Was viele nicht wissen: So etwas wie das „Turbo-Abi“ hat es in Westdeutschland vor über vierzig Jahren schon einmal gegeben, Stichwort: „Kurzschuljahre“. Konkret sah das so aus: Meine Zwillingsschwester und ich sind Ostern 1965 eingeschult worden. Als wir im Sommer 1968 nach drei Jahren und vier Monaten aufs Gymnasium kamen, hatten wir zwei volle Schuljahre (1. und 4. Klasse) und zwei Kurzschuljahre (2. und 3. Klasse) hinter uns. Die Verkürzung unserer Grundschul- (damals Volksschul-) Zeit hing damit zusammen, dass der Schuljahres-Beginn in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern vom Frühjahr auf den Sommer verlegt worden war.

Bis ich vor ein paar Tagen auf spiegel.de einen in bester alter Spiegel-Manier geschriebenen Artikel vom 16.1.1966 entdeckte, hatte ich keine Ahnung davon, wie chaotisch die bildungspolitische „Entscheidungsfindung“ damals verlief – unter Ausschluss der betroffenen Lehrer, Eltern und Schüler, die nur wenige Monate vor dem Beginn des Schuljahrs 1966/67 kurzfristig informiert und undemokratisch überrumpelt wurden. Das Sagen hatten -ebenso wie heute- sogenannte „Experten“. https://www.spiegel.de/politik/grenze-des-ertraeglichen-a-b9e98a3d-0002-0001-0000-000046265355

Der Artikel liest sich wie eine Tragikomödie. Laut lachen musste ich, als ich las, was den Abiturienten drohte, die -um das Zeugnis der Reife zu erhalten- trotz der Kurzschuljahre 13 komplette Jahre „abzusitzen“ hatten. Da zwei ihrer 13 Schuljahre um jeweils vier Monate verkürzt werden sollten, stand an, die Oberprima (Klasse 13) um insgesamt acht Monate zu verlängern. Ob es wirklich dazu kam, ist mir nicht bekannt: „Und überall in der Bundesrepublik wird ausgerechnet die Oberprima, die zahlreiche Experten für überflüssig halten, zur wichtigsten Klasse des Gymnasiums: mit 20monatiger Dauer… Angesichts dieser Perspektiven lobte Kultusminister Orth die Presse: »Die habbe geschribbe, daß mer verrückt sin.«“ (spiegel.de, s.o.)

Ende der 1960er Jahre gab es aber auch viele vernünftige Reformen: Die Volksschul-Zeit wurde auf neun Jahre verlängert, Grund- und Hauptschule lösten die Volksschule ab, die erste Gesamtschule wurde eröffnet, und endlich wurde Englisch an allen weiterführenden Schulen Unterrichtsfach. Aber das Kernstück der Schulreformen war die Koedukation.

Während meine Zwillingsschwester zusammen mit zwei Freunden auf das erst 1967 gegründete Bottroper Vestische Gymnasium kam, beschlossen meine beste Freundin und ich, auf das Städtische Jungengymnasium zu wechseln, dessen Sexta ein Jahr zuvor für Mädchen geöffnet worden war. Unsere Eltern hatten nichts dagegen. Unsere beiden Brüder gingen schon auf die Schule, kamen in die Obertertia und waren positiv aufgefallen, was natürlich von Vorteil war.

Vermutlich waren unsere Brüder, die gedacht hatten, uns zumindest in der Schule los zu sein, ziemlich bedient. Schwer bedient war der Freund meiner älteren Schwester, ein attraktiver, aber leicht blasierter Oberprimaner, der später einmal Schönheitschirurg werden sollte. Es fühlte sich (und kam) gut an, einen Bekannten und noch dazu eine Art Schwager in der Oberprima zu haben. So suchte ich den Schulhof nach ihm ab und ließ ihn in keiner Pause in Ruhe: „Huhu, Hans-Leo, hier bin ich!“

Dass den Mädchen der Zugang zur „höheren Bildung“ nicht weiter verschlossen blieb, hatte vor allem ökonomische Gründe. Durch die Koedukation sollte nicht nur die Chancengleichheit hergestellt, sondern die „Ausschöpfung gesellschaftlicher Begabungsreserven“ sicher gestellt werden.

Zum Glück waren unsere Lehrer nicht ökonomisch gestimmt. Am Tag unserer Einschulung in die Sexta wandte sich Klaus Kayser, Lehrer für Religion und Geschichte und späterer Leiter des Gymnasiums Laurentianum in Arnsberg, in einer Ansprache an die angehenden Sextaner und insbesondere an uns Sextanerinnen. Endlich seid ihr Mädchen da, so etwa sagte es Herr Kayser, ihr selber werdet durch den gemeinsamen Unterricht mit den Jungen ein bisschen frecher, was gut ist. Aber noch viel wichtiger ist etwas anderes, denn ihr Mädchen habt eine Aufgabe. Die Jungen sind viel zu wild. Ihr werdet sie erziehen und dazu bringen, dass sie sich in Zukunft vernünftig verhalten.

Nachdem ich das gehört hatte, fand ich es noch aufregender, als Mädchen auf ein Jungengymnasium zu gehen, auch wenn die Bezeichnung nicht mehr ganz stimmte. An die genauen Zahlen kann ich mich leider nicht mehr erinnern, aber im Schuljahr 1968/69 dürften neben 140 Jungen 15 Mädchen die Sexta besucht haben. Doch erst im Jahr 1971 wurde der Name der Schule korrigiert, die übergangsweise „Städtisches Gymnasium für Jungen und Mädchen“ hieß.

Mein Abitur-Jahrgang 1977 war dann der erste am Bottroper „Heinrich-Heine-Gymnasium“. Dass die Schule schließlich so hieß, verdankte sich einer Kooperation von Lehrern und Schülern. Die Schulpflegschaft (Elternvertretung) hatte den Vorschlag der Lehrer, die Schule „Heinrich-Heine-Gymnasium“ zu nennen, abgelehnt und dem Rat der Stadt Bottrop den öden, nichtssagenden Namen „Stadtgymnasium“ vorgeschlagen. Die beiden Schülervertreter hatten zwar für „Heinrich-Heine“ gestimmt, waren aber in der Versammlung der Schulpflegschaft klar in der Unterzahl. Niemand hatte die anderen Schülerinnen und Schüler gefragt! Das holten wir nach. Unsere Schülerzeitung „Holzwurm“ rief eine Sondersitzung ein. In einer Blitzaktion sammelten wir am nächsten Tag 1250 Unterschriften pro „Heinrich-Heine“, die wir ins Rathaus brachten. Wir hatten Erfolg und machten eine wichtige Erfahrung: Gemeinsam sind wir stark!

Ich hatte eine angenehme und freie Schulzeit zwischen Penne und PISA. An meiner Schule gehörte ich zum ersten Jahrgang, der in den Genuss (!) der Oberstufenreform kam. Ich konnte Chemie und Physik abwählen und mich meinen Lieblingsfächern Deutsch, Geschichte, Philosophie und Biologie (Evolution!) widmen. Einige unserer Deutsch- und Geschichtslehrer waren von den gesellschaftskritischen Schriften aus dem Umkreis der Studentenbewegung inspiriert. So lernten wir zu hinterfragen, analysierten Werbetexte und politische Reden und wurden leidenschaftlich querdenkende Demokraten.

Lehrer und Schüler respektierten sich gegenseitig. Unsere Lehrerinnen und Lehrer hätten sich dagegen gesträubt, geschlechtsneutral als „Lehrkräfte“ bezeichnet zu werden, wie es heutzutage gender-korrekt vielerorts üblich ist. Und sie hätten es unannehmbar gefunden, mithilfe von Werbe-Bildern, die an Zahnpasta-Reklame erinnern (lauter lächelnde Lehrkräfte!), auf eine locker-flockige und respektlose Weise für den Lehrer- Beruf gewonnen zu werden. So zumindest versucht es seit ein paar Jahren das Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Per Du macht man da den Lehrer zum Deppen. O-Ton Das Bildungsportal:

„Interessierst du dich für das Grundschullehramt oder das Lehramt an Berufskollegs? Du möchtest Lehrerin oder Lehrer für sonderpädagogische Förderung werden? Oder möchtest du an weiterführenden Schulen unterrichten? Auf diesen Seiten findest du alle Informationen zu den verschiedenen Lehrämtern und über den Lehrerberuf allgemein: Voraussetzungen, Jobaussichten und den Ablauf der Ausbildung.“ https://www.lehrer-werden.nrw/

Heute schmücken sich die Gymnasien mit den wohlklingenden Namen großer Geister, doch erleben wir seit Jahrzehnten eine zunehmende Austreibung des Geistes aus den Schulen und eine Entmündigung von Lehrern und Schülern. Egalisierende internationale Vergleichstests wie PISA, der zunehmende Leistungsdruck, das Hochschrauben des Numerus Clausus, das Zentralabitur und das völlig undurchdacht eingeführte und wieder abgeschaffte „Turboabi“ (G8) haben zu Verödung und Verarmung geführt.

Mit den Corona-Maßnahmen wurde und wird die Schule endgültig zum Spielball einer lebensfernen, ökonomisch orientierten Bildungspolitik. Mit dem Online-Lernen auf Sicherheits-Abstand wurde der autoritäre Frontalunterricht wieder eingeführt. Corona-Tests, Maskenpflicht und die Andienung der Impfung sind grenzüberschreitend. Tiefgreifender als die in meiner Schulzeit noch üblichen schallenden Ohrfeigen verletzen die Maßnahmen die körperlich-seelische Autonomie der heranwachsenden jungen Menschen, denen Corona in aller Regel nicht viel anhaben kann. Mehr als funktionieren sollen Schüler und Schule nicht. Unsere Kinder haben keine andere Chance, als zu gehorchen.

Ein altes deutsches erzieherisches Sprichwort droht(e) „ungehorsamen“ Kindern mit körperlichen Züchtigungen: „Wer nicht hören will, muss fühlen!“ An die brutale Struwwelpeter-Pädagogik knüpfen die Corona-Maßnahmen an, was sich in einer EXPRESS-Schlagzeile vom 15.4.2021 spiegelt: „Wer sich nicht testen lässt, muss nach Hause“.

Mittlerweile ist die Koedukation selbstverständlich. Doch noch zu meiner frühen Schulzeit wurden Jungen und Mädchen nur in der Volksschule gemeinsam unterrichtet. Die Schulen, an denen man höhere Bildungsabschlüsse erwarb, waren in der Regel streng nach Geschlechtern getrennt. Das sollte lange Zeit vor allem den Männern zugute kommen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts -und nachdem Frauen jahrzehntelang dafür gekämpft hatten- konnten die ersten Mädchen auf einem eigens eingerichteten Mädchengymnasium Abitur machen und anschließend studieren.

Ich stelle mir vor, Mädchen und Jungen würden immer noch getrennt unterrichtet, aber der Ruf nach Koedukation würde lauter. Irgendwer würde fragen: Warum sollen wir die Koedukation einführen? Eine vorstellbare Antwort: „Ich glaube, das wird zu einer besseren Stimmung und mehr Effektivität führen.“

Diese hübsch klingende Antwort wurde im Jahr 2017 wirklich gegeben. Sie stammt allerdings nicht von einem Bildungspolitiker, sondern von einem immer noch amtierenden Verteidigungsminister, und das Thema ist nicht die Koedukation, sondern die Wehrpflicht für Frauen, die in Schweden im Jahr 2017 zeitgleich mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht neu eingeführt wurde. „… Nun will Schweden wieder auf eine umfassende Landesverteidigung setzten. Dazu braucht es die allgemeine Wehrpflicht als Grundbaustein. Die sich gern als feministisch bezeichnende rot-grüne Regierung erhofft sich durch die Wehrpflicht für Frauen auch eine ausgewogenere Armee. Auch sei ein gemischter Arbeitsplatz attraktiver. „Ich glaube, das wird zu einer besseren Stimmung und mehr Effektivität führen“, sagte Verteidigungsminister Hultqvist dem Radio Schweden.https://www.morgenpost.de/politik/article209807259/Schweden-fuehrt-Wehrpflicht-wieder-ein-auch-fuer-Frauen.html

Dass in Schweden die Wehrpflicht für Frauen eingeführt wurde, wusste ich nicht. Ich muss gestehen, dass es mich enttäuscht und erschreckt, denn ich sympathisiere mit dem Land, wo man es geschafft hat, die Kinder vor den völlig überzogenen, allerorts üblichen Corona-Maßnahmen zu schützen. Die große schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren wäre -da bin ich mir sicher- gegen eine Wehrpflicht für Frauen gewesen.

Eine ausgewogenere Armee, … ein gemischter Arbeitsplatz, … eine bessere Stimmung, … mehr Effektivität… Laut Peter Hultqvist, der auch unter Schwedens neuer Ministerpräsidentin Magdalena Andersson Verteidigungsminister ist, sind Frauen offenbar dazu da, den Männern den Krieg zu versüßen. Doch die Armee ist eben kein „Arbeitsplatz“ wie jeder andere. Der vermeintliche Frieden schlägt -wie wir gerade erleben- schnell in sein Gegenteil um. Erschreckend ist, dass diese Haltung sich auch noch „feministisch“ nennt. Mit einer Wehrpflicht für Frauen wird die „Gleichberechtigung“ ad absurdum geführt, denn im Falle eines Krieges hätten die Frauen nicht nur die gleichen „Rechte“, sondern auch die gleichen grausamen Pflichten wie die Männer: Sie wären dazu verpflichtet zu töten.

Noch wird diese entsetzliche Vorstellung auch in Deutschland, wo es Berufssoldatinnen gibt, verdrängt. Vielen Menschen fehlt die Phantasie, sich den Krieg vorzustellen, doch aktuell ist er näher gerückt. Aber wie würde die Öffentlichkeit reagieren, wenn Soldatinnen der Bundeswehr bei militärischen Einsätzen ums Leben kämen? Bis jetzt sind die Todesopfer fast ausschließlich Männer, wie ich auf Wikipedia lese: „Seit 1992 kamen bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr 115 Bundeswehrangehörige (Soldaten) nach Angaben der Bundeswehr (Stand Februar 2022) ums Leben. Davon fielen 37 durch Fremdeinwirkung und 22 starben durch Suizid.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Todesf%C3%A4lle_der_Bundeswehr_bei_Auslandseins%C3%A4tzen

Der Wikipedia-Beitrag enthält eine Liste: „Todesfälle der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen durch Unfälle, natürliche Ursachen, Suizidhöhere Gewalt oder Feindeinwirkung.“ In dieser Liste wird nur eine einzige verstorbene Frau erwähnt, und diese Frau ist nicht bei einem Unfall oder durch „Fremdeinwirkung“, sondern durch Suizid ums Leben gekommen. Auffällig und erschreckend ist, wie viele Soldaten sich das Leben nehmen. Würde man die Namen der Soldatinnen und Soldaten erwähnen, die die „Auslandseinsätze“ zwar überlebt haben, aber traumatisiert sind, entstünde eine endlos lange Liste.

Außenministerin Annalena Baerbock dürfte sich ihr Amt ganz anders vorgestellt haben. Vermutlich hat sie von Dienstreisen geträumt, von Fotoshootings, Festessen und anderen Anlässen, sich in chicen Klamotten zu zeigen. Durch den Krieg in der Ukraine wurde sie jedoch schnell vom Laufsteg herunter auf den Boden geholt. Ernst genommen wird sie nicht wirklich. Vom meines Erachtens irrwitzigen Vorhaben des Bundeskanzlers, die Bundeswehr mit 100 Milliarden Euro aufzurüsten, wurde Baerbock angeblich überrascht, vor allem wusste die Außenministerin wohl nichts von der horrenden, in keiner Weise zu rechtfertigenden Höhe der Summe. https://web.de/magazine/politik/russland-krieg-ukraine/habeck-baerbock-scholz-100-milliarden-plan-ueberrascht-36650002 Dieser Alleingang unseres Bundeskanzlers erinnert mich an einen der Vorgängerregierung, nämlich daran, „dass die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem damaligen Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) kurz vor der Amtsübergabe am 8. Dezember den Verkauf von drei Kriegsschiffen und 16 Luftabwehrsystemen genehmigt hatte. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) unterrichtete den Bundestag erst einen Tag vor der Wahl von Olaf Scholz zum Kanzler darüber – aber ohne den Wert der Ausfuhren zu nennen.“ https://www.zeit.de/politik/deutschland/2021-12/ruestungsausfuhren-waffenexporte-merkel-scholz?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

Unter dem Deckmantel „Sicherheit“ wird weiter aufgerüstet und Angst geschürt, dabei müsste weltweit konsequent abgerüstet werden. Warum nicht Frieden wagen- gerade angesichts des Kriegs in der Ukraine? Sehr lesenswerter Artikel des Ökonomen Tilman Brück, ehemaliger Leiter des Friedensforschungsinstituts SIPRI: https://www.deutschlandfunkkultur.de/krieg-ukraine-pazifismus-noch-zeitgemaess-100.html

Beim Aufräumen ist mir kürzlich ein 40 Jahre altes Foto in die Hände gefallen: „HAIG, REAGAN, SCHMIDT – BEKRIEGT EUCH DOCH ZU DRITT“ – Diesen Spruch hatten wir am Vorabend der großen Friedensdemonstration am 10.10.1981 im Bonner Hofgarten in unserer WG-Wohnküche kreiert. 250.000 Menschen demonstrierten damals für Abrüstung, ein atomwaffenfreies Europa und insbesondere gegen den NATO-Doppelbeschluss, die Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Europa.

Für uns war das Lachen über den Aufrüstungs-Wahnsinn ein Mittel, uns nicht ohnmächtig zu fühlen.

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Am Rande der Bonner Friedensdemo. Der blondgelockte dreijährige Junge, dem ich gerade aus der Regenjacke helfe, ist mein späterer Stiefsohn Andreas, der mit seinem Vater zusammen in unserer Wohngemeinschaft lebte. In der WG war Andreas gut aufgehoben. Ich fand es chic, einen Freund zu haben, der alleinerziehender Vater war. Noch chicer fand es meine Mutter, die sich wünschte, dass dieser verantwortungsvolle junge Mann einmal ihr Schwiegersohn werden möge. Nach einigen Umwegen sollte es knapp 18 Jahre später dazu kommen. Alleinerziehende Väter bekommen -so habe ich es erfahren- viel mehr Unterstützung als alleinerziehende Mütter. In unserer WG fühlten sich alle für Andreas verantwortlich. Mit kleinen Kindern zusammen haben auch ernste Erwachsene wieder den Mut zu spielen- so wie hier. Ohne Andreas hätte ich mich wohl kaum getraut, Kriegsbemalung zu „tragen“. Foto: Hans Manfred Schmidt

Elfchen im Zweiten: Adieu, AHAmpelmann!

An den Schaltern von Commerzbank und Sparkasse KölnBonn kann man weder Briefmarken kaufen noch Päckchen aufgeben. Bei der Postbank ist das anders. Ihre Filialen ähneln, auch wenn die Beratungsräume mit Teppichboden ausgelegt sind, Gemischtwarenläden, und das gefällt mir.

Dass ich mein Postbank-Konto trotz der relativ hohen Gebühren behalte, ist reine Nostalgie. Als es die Postbank noch nicht gab, sondern Postscheck- bzw. Postgiroämter, bot die Post Sparbücher an, die ordentlich verzinst waren und mit denen man sogar in den Postämtern kleiner südfranzösischer Ortschaften ohne Gebühren Francs abheben konnte.

In den frühen 80er Jahren studierten wir Geisteswissenschaften, hatten viel Zeit und reisten am liebsten mit dem Fahrrad. Es war ganz einfach: Irgendwann im Spätsommer, wenn es uns nach Südfrankreich zog, radelten wir zum Kölner Hauptbahnhof, kauften günstige Rückfahrkarten und gaben unsere Fahrräder auf, die weder versichert noch verpackt werden mussten. Ein paar Tage später fuhren wir mit dem Zug den Fahrrädern hinterher. Das war nicht ohne Risiko. Einmal sind die Fahrräder erst drei Tage nach uns im Bahnhof von Lyon angekommen. Aber das war uns egal, denn so lernten wir, bevor wir uns ins Umland aufmachten, Lyon kennen.

Meistens hatten die Fahrräder nach dem Transport ein paar kleinere Kratzer, aber auch das störte uns kaum, denn die Fahrräder waren nicht neu. Meins hatte nicht einmal eine Gangschaltung und taugte kaum für die Berg-Etappen. Weil ich nicht besonders sportlich bin, kam es mir recht. So schob ich das Rad, hatte ein paar Momente für mich und lauschte den Grillen. Wir hatten Zelt und Schlafsäcke dabei und in den Satteltaschen Bücher, die an der Uni nicht gelesen wurden, Werke mit wohlklingenden Titeln: „Die Dialektik der Aufklärung“, „Männerphantasien“ und „Geschichte und Eigensinn“ (je 1,2kg!). Wir waren jung, stark, naiv, verliebt, hatten noch gute Nerven- und Postsparbücher.

Irgendwann wurde nicht nur das klassische Postsparbuch abgeschafft, sondern auch die Möglichkeit, ein Fahrrad preiswert und ohne großen Aufwand nach Frankreich zu verschicken. Vermutlich hat es dermaßen viele Schadensersatz-Forderungen gegeben, dass es sich für die Bahn nicht mehr rentiert hat.

Wie in den Bahnhofs-Gebäuden herrscht auch in den Räumen der Post ein zunehmend ruppiger, unwirscher Ton – sofern es diese Räume noch gibt. Die Deutsche Bank, der die Postbank gehört, hat angekündigt, bis Ende 2023 von derzeit 750 Filialen weitere 200 zu schließen. Vor allem in den Innenstädten greifen die „Sparmaßnahmen“. In Köln sollen in Kürze die Filialen am Kartäuserwall (Südstadt) und am Sudermannplatz (Agnesviertel) dichtmachen. Wie lange die Nippeser Postbank-Filiale erhalten bleibt, ist derzeit unklar, denn auch für die verbleibenden 550 Geschäftsstellen soll es lediglich eine Standortgarantie bis Ende 2024 geben.

Die Nippeser Filiale wird vielleicht deshalb (noch) nicht geschlossen, weil sie mitten in Nippes ideal liegt. Die Räume selber sind nicht mehr zeitgemäß. Um in den Schalterraum zu gelangen, muss man eine Treppe hochsteigen. Dennoch ist die Filiale gut besucht. Vor Weihnachten standen die Leute sogar bis auf die Straße Schlange, nicht nur wegen der Abstandsregeln. Da der Briefmarkenautomat monatelang kaputt war, wurden auch die in die Schlange verbannt, die nur eine Briefmarke brauchten.

Irgendwann wurden Ordnungskräfte eingestellt, die die Einhaltung des Corona-„Sicherheitsabstands“ überwachten. Eine der Ordnungskräfte war ein hektischer junger Mann, der sich verhielt, als sei er staatlich geprüfter „Hüppekästchen“ -Schiedsrichter. Er pfiff alle Leute zurück, die es wagten, die rote Linie bzw. das rote Klebeband auch nur um wenige Zentimeter zu übertreten.

Der kleine hübsche Mann bewegte sich, als zöge eine unsichtbare Hand an einer mit all seinen Gliedern einzeln verbundenen Strippe. Sein Hampeln trug nicht zur Entspannung bei, im Gegenteil. Einmal geriet ich, als ich ein Päckchen aufgeben wollte, mit dem Mann aneinander. Es war Samstagmittag, seit zehn vor eins hatte ich in der Schlange gestanden und war in der Schlange stehend die Treppe hochgestiegen. Um Punkt ein Uhr, genau in dem Moment, als ich an der Reihe gewesen wäre, den Schalterraum zu betreten, schloss die Post. Die Leute, die vor mir waren, kamen noch dran. Sie kamen auch noch raus. Nur ich…

Der Hampelmann stellte sich in den Zugang zum Schalterraum, stemmte die Beine in den Boden und legte die Arme an. Er ließ mich nicht vorbei und verlagerte sein Gewicht mal auf den linken, mal auf den rechten Fuß. Ich konnte nicht anders: Ich nahm ihn vorsichtig bei den Schultern und versuchte, ihn zur Seite zu schieben. Er wehrte sich nicht, sagte nur leise: „Hilfe, Hilfe“. Die Hilfe bekam er. Und was bekam ich (ab)? Das erzähle ich ein andermal…

Aktuell hat sich die Lage entspannt, aber wohl nur, weil Weihnachten vorbei ist und die Leute weniger Briefe und Pakete verschicken. Für die Postbank ist Corona einmal mehr ein Vorwand, die Zahl der Kunden zu reduzieren. Jetzt, in der Karnevalszeit, darf nur eine (!) Person den Schalterraum betreten. Das ist -ich kann es nicht anders sagen- ein Schlag in den Nacken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Post. Denn so nagt der „Schutz vor Corona“ langsam, aber sicher am aktuell noch bis Juni 2023 bestehenden Kündigungsschutz.

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Nachtrag 7. März 2022: Mit einem Sicherheitsabstand von ein paar Tagen ist diese Info, die vermutlich jederzeit spontan eingeblendet werden kann, kurz nach Aschermittwoch wieder ausgetauscht worden. 

In dem Zusammenhang konnte man auch die Sicherheitskräfte entlassen. Dort, wo der Hampelmann stand, wenn er mal stand, steht jetzt mitten im Weg eine Ampel. Doch auch die spielt manchmal verrückt, und auch die wird irgendwann abgeschafft werden. Ob zusammen mit der gesamten Filiale, wissen wir nicht.

Den kleinen hübschen Mann habe ich nicht mehr wiedergesehen, was ich schon ein bisschen bedaure.

Adieu, AHAmpelmann!

Jetzt

ist hier

eine Ampel an,

denn fort ist der

AHAmpelmann

***

Allen, die meinen Blog von außerhalb Deutschlands besuchen, schulde ich eine Erklärung: Was ist AHA?

Wenn sich auch die Hygiene-Regeln weltweit ähneln dürften, ist doch die neckische AHA-Formel typisch deutsch. Plakat des Bundesministeriums für Gesundheit: Mit der AHA-Formel durchs Jahr!

aha

 

„Durchs Jahr“ klingt bedrohlich, hat doch 2022 erst gerade begonnen. Bei der Internet-Recherche stelle ich zu meiner Beruhigung fest, dass das Plakat schon ein Jahr alt ist, und zwar von Januar 2021. Ich will mit AHA nicht durch noch ein Jahr. Und ein „AHAlle Jahre wieder“ wäre entsetzlich.

Wer AHA schon spießig findet, dem sei gesagt: Es geht noch zwangsvergnügter. Ich schätze den Humor der Wiener Stadtverwaltung und insbesondere die Wiener Hundekotsackerl, aber OIDA

„Die Stadt Köln möge allen 2000 Menschen, denen abgelaufener Impfstoff verabreicht wurde, Schmerzensgeld zahlen!“ – Offene Mail der Frau Keuner an Dr. Johannes Nießen, Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Köln

Ich bin gerade dabei, für’n kleines Mittagessen Kartoffelreste in die Pfanne zu schnibbeln, Pommes Sarladaises mit viel Knoblauch und glatter Petersilie, lecker, da klingelt’s.

„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Frau Keuner.

„Tach“, sach ich. „Aber ich hab überhaupt keine Zeit.“

„Aber ich.“ Die Frau Keuner drückt sich samt Gehwagen an mir vorbei ins Haus. „Hömma, Lisa, kennste mich noch? Seitdem ich dir erzählt hab, dass ich geimpft bin, guckst du mich nicht mehr an.“

„Ich halt mich eben an die AHA-Regeln“, sage ich. „Und ich müffel neuerdings nach Knoblauch. Seit Corona…“

„Dat riech ich“, unterbricht mich die Frau Keuner. „Bissken eng hier. Aber wenn du auch stinkst, kannst du mich immer noch angucken.“

„Wissen Sie“, sage ich schnell, „warum die Pommes Sarladaises „Sarladaises“ heißen?“

„Ach, Schätzchen“, sagt die Freu Keuner und singt: „Ich war noch niemals in New York, ich war schon zweimal in Sarlat… Hömma, Lisa, lenk nicht schon wieder ab, ich sach dir, du kannst es dir leisten, nich geimpft zu sein. Du hast ein Reihenhäusken, bissken piefig, aber Eigenheim. Jetzt hast du sogar ein Auto, und dat als Bewohnerin der autofreien Siedlung. Sach mir bloß nich, dat du die alte Kiste vorm Schrottplatz gerettet hast und dat die bei dir ihr Gnadenbrot fristet. Guck nicht so pikiert, dat hast du der Gerda erzählt.“

„Ich kenn keine Gerda.“

„Red keinen Quatsch“, sagt die Frau Keuner. „Mit über 60 kennt jede eine, die Gerda heißt. Aber sag, kennst du eine Anna, eine jüngere mit zwei kleinen Kindern?“ Ich zucke die Achseln.

„Dann hast du der Anna die Story erzählt.“

Bevor ich „nein“ sagen kann, hat die Frau Keuner auch schon den Gehwagen abgestellt und ist -wie auch immer- über Hütehund Freki gestiegen, der quer im Flürchen liegt und den Zugang zum Wohnzimmer versperrt. „Wat seh ich da? Da steht ja immer noch der kaputte Stuhl, den du schon vor drei Monaten auf den Sperrmüll getan hast. Zurückgeholt, wa?“ Ich schieb der Frau Keuner, bevor die den Halt verliert, schnell einen intakten Stuhl hin.

Die Frau Keuner setzt sich, aber stänkert immer noch: „Wie sieht dat denn hier aus, wie kann man in dem Zustand Gäste empfangen?“

„Welche Gäste?“, frage ich leise.

„Nette Leute wie mich“, sagt die Frau Keuner. „Und mach jetzt nicht einen auf einsam und allein. Die Gerda hat mir da wat anderes erzählt. Hömma, Lisa, du kannst dich hier verbuddeln, Silberfischchen füttern, Müll ansammeln, lecker kochen, dich bemitleiden und Wein saufen. Zur Zeit vergammeln viele gute Stuben. Noch musst du dich auch nicht impfen lassen. Meinst du, ich hätte das freiwillig getan? Ich hab von allen Seiten Druck gekriegt. Du kannst es dir leisten, deinen Job zu verlieren, denn du hast keinen. Ist ein echter Luxus, sich die Plörre nicht in den Arm drücken zu lassen.“

„Frau Keuner, ich…“

„Komm mir nicht mit irgendwelchen faulen Ausreden“, sagt die Frau Keuner. „Aber du kannst alles wieder gut machen. Ich hab heute morgen eine Mail an den Kölner Gesundheitsamtsleiter geschickt, an den Dr. Johannes Nießen. Der Nießen ist der, der neben noch zwei Kölnern seit zwei Monaten in Lauterbachs Corona-Expertengremium sitzt. Kölscher Klüngel, dat sach ich dir. Im Internet steht keine Mail-Adresse vom Gesundheitsamt. Ich konnte also meine Mail nur an stadtverwaltung@stadt-koeln.de schicken. Dat kann ich vergessen. Also wirst du meine Mail heute noch auf deinem Blog öffentlich machen. Du setzt dich jetzt an den Rechner. Wenn du den Freki an die Seite schiebst und mir mein Wägelchen bringst, bin ich weg.“

Die Frau Keuner richtet sich langsam auf und hält sich am Tisch fest. „Du kannst dir gerne wat zu essen machen, aber danach machst du dich an die Arbeit. Und wenn ich nachher wiederkomm, dann stoßen wir mit lecker Kölsch auf Omikron an. Omikron ist der Game Changer. Dat haben die nur noch nich begriffen. Wie kann die Stadt Köln denn so blöd sein, jetzt, wo halb Europa schon das Ende von Corona feiert, den Zoch zu stutzen. Hömma, Lisa, der Zoch kütt in diesem Jahr ins Rheinenergie-Stadion. 2G+ und 11,11 € Eintritt.“ Die Frau Keuner schluckt und reibt sich die Augen. „Omikron ist unsere Rettung. Und nachher… Nachher singen wir die schönen neuen Lieder: Mamor, Stein und Impfnadel bricht… Oder kennst du das? Am Sonntag will mein Süßer mit mir boostern gehen… Jetzt guck nicht so bedient. Bis dann, ja?“

***

An dieser Stelle veröffentliche ich die Mail der Frau Keuner. Der Wortlaut ist weitgehend unverändert. Ich habe allerdings, nachdem ich alle Zahlen überprüft und die gewagten Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft hatte, einige Belege und Links hinzugefügt. Darüberhinaus habe mir erlaubt, ein paar kleine Rechtschreibfehler zu korrigieren. Auch wenn ich die Mail unterstütze, gibt sie doch ausschließlich die Meinung der Frau Keuner wieder. Die beiden RKI-Tabellen, die die Frau Keuner ihrer Mail angehängt hat, habe ich mitsamt Erklärung an passender Stelle eingefügt…

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Köln, 10.2.2022

Sehr geehrter Herr Dr. Nießen,

gestern bin ich mit einer Nippeser Mitbürgerin ins Gespräch gekommen, die eine Einladung zur vierten Impfung gekriegt hat. Sie gehört zu den über 2000 (!) Menschen, die zwischen dem 26. Dezember 2021 und dem 5. Januar 2022, also an den kurzen Tagen zwischen den langen Rauhnächten, hier in Köln versehentlich mit einem abgelaufenen Impfstoff der Marke Moderna geimpft wurden.

Was passiert ist, haben die Betroffenen -so unglaublich das klingt- erst Tage später nicht persönlich, sondern aus der Presse erfahren: Im gefrorenen Zustand wäre der verabreichte Impfstoff noch bis zum Juni 2022 „haltbar“ gewesen, doch zwecks Verwendung war er aufgetaut worden. Nur hatten die Impf-Dienstleister viel zu viel aufgetaut, denn es waren bei weitem nicht so viele Impfwillige gekommen, wie man gedacht hatte. Was für eine Schlamperei!

Jeder Kölner hat da direkt das beliebte Lied vom Jupp Schmitz im Kopp. Die Geschichte: Einmal im Monat wird in einem Verein Erbsensuppe gekocht. Diesmal ist sie besonders lecker, nur leider hat sich der Wirt vertan und zu viel gekocht. Deshalb schnappt sich der Vereinspräsident das Mikrophon und ruft laut in den Saal:

Es ist noch Suppe da, es ist noch Suppe da… Wer hat noch nicht, wer will noch mal…

Vielleicht war an dem Tag noch Suppe da, weil es Erbsensuppe war, die schmeckt ja aus dem Groß-Bottich irgendwie immer nach Suppenküche. Es geht auch lecker. Herr Dr. Nießen, vielleicht kennen Sie das österreichische Speiselokal Essers im Stadtteil Neuehrenfeld. Dort serviert man an jedem ersten Donnerstag im Monat köstliche Backhendl im Korb, Salat dazu, aber nichts anderes. Das Hendl-Essen ist beliebt. Es ist aber auch sehr lecker! Was ist schon der ostdeutsche Broiler im Vergleich zu einem Steirischen Backhendl? Damit Wirtin Iris planen kann, müssen sich die Gäste Wochen im Voraus anmelden und dabei genau angeben, mit wie vielen Hendl-Essern sie kommen. Man kann dann immer noch absagen. Kommt man aber am Hendl-Tag mit einer Person bzw. Hendl-Esserin weniger als angemeldet, wird das überzählige Hendl berechnet. Man kann es direkt verspeisen oder im Hendl-Sackerl nach Hause mitnehmen. Die Iris vom Essers achtet sehr genau auf Frische und weiß um die Salmonellen-Gefahr. Sie ist nicht nur eine tolle Wirtin und Sommeliere, sondern auch eine gute Geschäftsfrau. Würde sie so schlecht wirtschaften wie die Bundesregierung, könnte sie den Laden dichtmachen.

Wie kann man aber auch so bescheuert sein, über unsere Köpfe hinweg diese gigantischen Mengen Impfstoff zu ordern? „Die Bundesregierung hat seit Beginn der Pandemie insgesamt mehr als 660 Millionen Dosen Corona-Impfstoff bestellt, die bis 2023 ausgeliefert werden sollen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler hervor, die dem ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ vorab vorliegt. Darunter sind rund 367 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer, 120 Millionen Dosen von Moderna, aber auch mehrere Millionen Dosen der Impfstoffe Novavax, Valneva und des Herstellers Sanofi. Die bestellten Vakzine haben nach Angaben der Bundesregierung einen Gesamtwert von rund 12,5 Milliarden Euro.“ https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/impfdosen-117.html

Was ich nicht verstehe: Warum hat die Bundesregierung nicht für den Fall, dass sich das Corona-Virus abschwächen sollte, mit den Pharmaunternehmen eine Art Rücktrittsversicherung abgeschlossen? Angesichts der harmlosen Variante Omikron müsste die Bundesregierung zum Wohle des Volkes schnellstmöglich von den Bestellungen zurücktreten, was aber offenbar nicht möglich ist, denn laut „den Lieferverträgen ist Deutschland verpflichtet, die gesamte bestellte Menge Impfstoff abzunehmen.“ (tagesschau.de, s.o.) Aber vielleicht will die Bundesregierung nicht zurücktreten, sondern immer und ewig singen:

Es ist noch Impfe da, es ist noch Impfe da, wer hat noch nicht, wer will noch mal…

Es ist wie in diesen fiesen Familien: Der Teller muss leer gegessen werden. Aber den Impfstoff kann man ja nicht essen, da muss jemand kommen, der… Doch wohin jetzt mit den Mengen? Der beste Ort, Impfstoffe zu verknappen, ist der menschliche Körper. Kaum gab es die Impfung, wurde ja mächtig auf die Tube gedrückt bzw. auf den Impfspritzen-Kolben – und hinein damit. „Impfen, was das Zeug hält!“ – das forderte schon Anfang 2021 Karl-Josef Laumann, CDU, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Dnn was sagt der Kölner? „Was fott es, ess fott.“

Es ist noch Impfe da, es ist noch Impfe da, wer hat noch nicht, wer will noch mal…

Doch was mir am meisten stinkt, Herr Dr. Nießen, das ist die Anbiederung der Stadt Köln an die Bürgerinnen und Bürger. Oberbürgermeisterin Henriette Reker wurde im April 2021 gegen Corona geimpft, und zwar mit Moderna, denn Astrazeneca kam für sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage. Das war eigentlich Rechtfertigung genug, doch Frau Reker setzte noch eins drauf: Um ja nicht den Anschein zu erwecken, sie würde sich als was Besseres fühlen und den Kölnern was wegnehmen, ließ sie sich demonstrativ mit einer Restdosis impfen. https://www.t-online.de/region/koeln/news/id_89838366/koeln-henriette-reker-mit-restdosis-gegen-corona-geimpft.html

Ich persönlich nehme ja gerne Reste zu mir, aber nicht öffentlich und auch nur dann, wenn es sich um Nahrungsmittel handelt. Da riechen und schmecken wir meistens, wenn was schlecht und vergammelt ist. Und wenn man was Schlechtes gegessen hat, kann man noch immer versuchen zu kotzen. (Übrigens hätte die Nippeser Betroffene auch fast gekotzt). Bei einem Impfstoff geht das schlecht.

Herr Dr. Nießen, ich erlaube mir, Sie zu zitieren: „Wir schließen eine gesundheitsschädliche Wirkung durch den verabreichten Impfstoff aus. Was die Wirksamkeit angeht, lassen Erfahrungen aus vergleichbaren Fällen den Schluss zu, dass auch nach Verabreichung eines wenige Tage zu lang aufgetauten Impfstoffs ein unverminderter Impfschutz besteht.“ https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/corona-lage-koeln-39

Doch wie können Sie eine gesundheitsschädliche Wirkung durch den Impfstoff, dessen Haltbarkeitsdatum überschritten ist, ausschließen, wo wir doch wissen, dass auch eine Impfung mit „frischem“ Corona-Impfstoff in vielen Fällen gesundheitliche Schäden hervorruft? Außerdem kann niemand die gesundheitsschädliche Langzeit-Wirkung eines abgelaufenen Impfstoffs ausschließen, wo wir nicht einmal wissen, wie ein frisch aufgetauter Corona-Impfstoff langfristig wirkt.

Und diese Kölner „Panne“ ist auch noch zu einer Zeit passiert, als längst klar war, dass die Omikron– Variante zwar ansteckender, aber deutlich harmloser ist. Ich persönlich bin zweifach geimpft, werde mich aber nicht boostern lassen. Liebend gerne würde ich Ihnen Ihre Reste abnehmen, aber nicht diese. Ich hab mir die Statistiken des RKI angeguckt und kann nur sagen, dass man insbesondere älteren Menschen von einer sogenannten „Auffrischimpfung“ -und sei es auch frisch aufgetauter Impfstoff- dringend abraten müsste.

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenbericht_2022-02-03.pdf?__blob=publicationFil

Tabelle 3 bezieht sich auf alle Varianten, Tabelle 4 ausschließlich auf Omikron. Man kann nicht nur herauslesen, wie viel harmloser die Omikron-Variante ist, sondern auch, dass die Impfung kaum schützt. Für Omikron gilt: Menschen über 60 sterben, seit Omikron dominant ist, deutlich seltener an Corona, aber Ältere mit Auffrischimpfung sterben sogar häufiger als nur doppelt Geimpfte.

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Aber es werden uns nicht nur abgelaufene Impfdosen als „Auffrischung“ verabreicht, sondern auch „abgelaufene“, d.h. veraltete Informationen als frische Nachrichten serviert. Auf Ärzteblatt.de wurde am 4.2.2022 ein Artikel veröffentlicht, der sich auf Daten vom 4.12.2021 bezieht. So etwas ist nicht nur wissenschaftlich inkorrekt, sondern irreführend. Denn mittlerweile, zwei Monate später, hat Omikron (Gott sei Dank) alles auf den Kopf gestellt.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/131575/CDC-Geboosterte-sterben-97-Mal-seltener-an-COVID-19?rt=27a1e265edbe7b41181e070a386e17af

Im Zusammenhang mit dem Kölner Skandal erinnere ich mich an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Während die Menschen in der DDR zunächst überhaupt nur aus den West-Medien von dem Unfall erfuhren, wurde eine mögliche Gesundheitsgefahr von den bundesdeutschen Verantwortlichen zunächst heruntergespielt. „Die sowjetischen Behörden vermelden den Unfall erst am 28. April, nachdem Schweden und Finnland stark erhöhte Strahlenwerte gemessen haben. Obwohl wenig über das Ausmaß des Unfalls bekannt wird, gibt sich die Bundesregierung gelassen: In einem Fernsehinterview mit der Tagesschau erklärt Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU), dass eine Gefährdung der deutschen Bevölkerung „absolut auszuschließen“ sei. Es gebe keinen Anlass zu handeln. Eine Gefahr bestünde nur im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern rund um den Reaktor.https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Tschernobyl-Katastrophe-Wie-Deutschland-reagiert-hat,tschernobyl230.html

Auch damals entstand ein „Entsorgungsproblem“: Wohin mit den verstrahlten Lebensmitteln? „In den Wochen nach dem Unglück gab es in der DDR plötzlich ein reichhaltiges Angebot an Gemüse; es war jenes, das den Ostblocklieferanten vom Westen nicht abgekauft wurde.[112] Da viele Bürger aufgrund der über westliche Radio- und Fernsehprogramme empfangenen Warnungen diese Angebote nicht einkauften, wurde dieses Obst kostenlos in Kindergärten und Schulen verteilt.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Tschernobyl Mit „Rücksicht auf den sozialistischen Bruderstaat“ wurden die gesundheitlichen Gefahren nicht nur heruntergespielt, sondern verleugnet. Die „großzügige“ Beschenkung der Kinder mit vermutlich kontaminierten Lebensmitteln ist verwerflich, eine Propaganda-Maßnahme, die bei mir nur Entsetzen hervorruft. Wahrscheinlich war die Gabe sogar gut gemeint, „denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Gut gemeint ist sicherlich auch die Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren, die man derzeit trotz Omikron immer noch in der Lanxess-Arena anbietet.

Sie, Herr Dr. Nießen, haben ja schon im Dezember lautstark Werbung für die Kinderimpfung gemacht: „Der Start der Kölner Kinder-Impfaktion in der Lanxess Arena ist am Freitag reibungslos verlaufen. Bis einschließlich Dienstag werden dort rund 4000 Dosen des speziell für Kinder dosierten Impfstoffes von Biontech an Fünf- bis Elfjährige verimpft. Johannes Nießen, Leiter des Kölner Gesundheitsamtes, betonte die Wichtigkeit der Aktion: „Die Kinder sind eine große Bevölkerungsgruppe, bei der die Inzidenz deutlich zu hoch ist. Deswegen ist es unheimlich wichtig, mit den Impfungen zu starten, um insgesamt einfach möglichst viele Menschen zu impfen.“https://www.ksta.de/koeln/lanxess-arena-so-verlief-der-start-der-koelner-kinder-impfaktion-39314860?cb=1645033932697&

Nach wie vor gibt es keine allgemeine Empfehlung der STIKO für die Impfung von Kindern dieser Altersgruppe. Kinder mit einem umstrittenen Impfstoff zu impfen, nur weil die Inzidenz unter Kindern „deutlich zu hoch ist“ und „um insgesamt einfach möglichst viele Menschen zu impfen“, finde ich persönlich furchtbar.

Es ist noch Impfe da, es ist noch Impfe da, wer hat noch nicht, wer will noch mal…

Zum Schluss eine dringende Bitte:

Ich habe die Summe, die die Bundesregierung für die Corona-Impfstoffe bezahlt, auf die Impfung aller Kölnerinnen und Kölner (von 0 bis…) umgerechnet. Bei einer Million Einwohnern wären das 156 Millionen Euro, die wir alle bezahlen! Dagegen sind 1 Million Euro ein Witz. Als kleine Entschuldigung möge die Stadt Köln daher allen 2000 Menschen, denen abgelaufener Impfstoff verabreicht wurde, ein Schmerzensgeld von mindestens 500€ zahlen!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihre Frau Keuner, Köln-Nippes

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