Elfchen im Zwölften: Der Weihnachtsmann der DEUTSCHEN BAHN beschenkt Nippeser Pänz!

Im September hatte ich über das Bau-Vorhaben der Deutschen Bahn in Köln-Nippes berichtet. Die Pläne der BAHN sind so brutal und lebensfeindlich, dass sie uns irreal erscheinen. Wir Menschen, die in der Nähe der Nippeser S-Bahn leben, können und wollen nicht glauben, dass die Vertreter der BAHN es nicht gut mit uns meinen. Von einem Privatunternehmen erwartet man profitorientiertes Kalkül, aber die Deutsche Bahn ist kein Privatunternehmen, sondern ein bundeseigener „Mobilitäts- und Transportkonzern“, der der Bundesrepublik Deutschland gehört, also sozusagen uns allen.

Die Bahn weckt nostalgische Gefühle in uns, denn sie ist Teil unserer Kindheit: „Zuch zuch zuch zuch Eisenbahn, wer will mit nach Kölle fahr’n? Kölle ist geschlossen, Schlüssel ist gebrochen…“ Dieses kleine Lied habe ich Anfang der 1960er Jahre im Kindergarten gesungen. Es weckte meine Neugier auf Kölle und ist -so bekloppt sich das anhört- nicht ganz unschuldig daran, dass ich seit 1977 hier lebe. Das Lied gibt es noch heute, allerdings in freundlicheren Versionen ohne gebrochenen Schlüssel. Meine Kinder haben es vor zwanzig Jahren so gesungen: „Tuff tuff tuff tuff Eisenbahn, wer will mit in‘ Urlaub fahr’n? Alleine reisen mag ich nicht, da nehm‘ ich mir die Oma mit…

Nebenbei gesagt: Kindische Männer singen das Liedchen auch noch, wenn sie erwachsen sind, dann aber eher in der albernen Blödelversion von Wigald Boning und Olli Dittrich („Die Doofen“): „Tuff, Tuff, Tuff ( Wir fahren in den Puff )“ https://www.youtube.com/watch?v=ctmlV2ZzelQ, einer Art Vorläufer-Liedchen des diesjährigen Ballermann-Tophits Layla.

Doch der aktuelle Plan der Deutschen Bahn ist, was Köln-Nippes angeht, nicht einmal mehr schön blöd, sondern gar nicht mehr schön, denn was man uns androht, ist der „Bau eines Zuführungsgleises und damit einhergehend die Zerstörung großer Teile des letzten Grüns diesseits der S-Bahn-Linie, eine jahrelange Großbaustelle in unmittelbarer Siedlungsnähe und -nach Beendigung der Bauarbeiten- ein stetiger nächtlicher S-Bahn-Verkehr („Geisterzüge“).https://stellwerk60.com/2022/09/27/elfchen-im-neunten-liebe-laermschutzriegel-bewohnende/

Mitglieder des Vereins Nachbarn 60 der autofreien Siedlung hatten -wie berichtet- Ende Juli eine Arbeitsgruppe gebildet, um eine gemeinsame Einwendung zu formulieren und Unterschriften gegen den Ausbau zu sammeln. Wir -ich war mit dabei- standen nicht nur unter leichtem Schock, sondern unter ziemlichem Zeitdruck, denn der Abgabetermin bei der Bezirksregierung war der 15.8.2022. Wir hatten erst spät realisiert, dass ein erneutes Planfeststellungsverfahren läuft, denn erst durch Mails und Aushänge der Anwohnergemeinschaft Nippes (AWG) waren wir (mitten in den NRW-Sommerferien, aber gerade noch rechtzeitig!) wachgerüttelt worden. https://www.awg-nippes.de/grossbaustelle-bahn-in-koeln-nippes-verfahren-geht-wieder-los-einwendungen-bis-15-08-2022-moeglich/

Wir machten die Erfahrung, dass es sehr schwer es ist, eine Nachricht innerhalb der ganzen Siedlung zu verbreiten, noch dazu eine höchst unangenehme. Die Mitglieder des Vereins Nachbarn60 sind zwar über einen Mail-Verteiler miteinander verbunden, aber nicht alle Bewohner sind im Nachbarschaftsverein. Viele Nachbarn konnten und wollten die Sache nicht ernst nehmen. Auch ich hätte mich gerne doof gestellt, was mir aber mit zunehmendem Alter kaum noch gelingt. Dennoch schafften wir es, unsere gemeinsame Einwendung noch rechtzeitig abzugeben und allein in der autofreien Siedlung 280 Unterschriften zu sammeln, was etwa 20% aller Bewohnerinnen und Bewohner entspricht.

Weder die Stadt Köln noch Die Bahn ist einer Informations- oder Aufklärungspflicht nachgekommen- weil es so etwas nicht gibt. Wir waren ahnungslos und sollten es bleiben. Aus „gutem“ Grund sind Stadt und Bahn offenbar nicht daran interessiert, die Menschen aufzuklären, zu informieren und in die Planungen mit einzubeziehen. Obwohl (oder weil?) der Bau des Zuführungsgleises ein massiver Einschnitt wäre und obwohl (oder weil?) es menschenfreundlichere, wenn auch teurere Alternativen gibt, will man keine Einwände hören, vor allem kein klares NEIN. Man tut so, als würde uns unmittelbar Betroffene die Angelegenheit nichts angehen. Mit dem vielbeschworenen demokratischen Dialog hat das nichts mehr zu tun.

Darüberhinaus unterliegen mögliche Einwände einer bürokratisch verklausulierten Widerspruchs-Logik, die eigentlich unlogisch ist: Wer sich nicht bis zum 15.8.2022 formal korrekt ausdrücklich gegen das Zuführungsgleis ausgesprochen hat, ist rein rechtlich dafür. Mit anderen Worten: Später kann man zwar sagen, man sei gegen den Gleisbau gewesen, aber juristisch ist das belanglos. Zum Beispiel können Haus- und Wohnungsbesitzer, die sich nicht bis zum 15.8.2022 formal korrekt ausdrücklich gegen das Zuführungsgleis ausgesprochen haben, später nicht mehr die zu erwartende Wertminderung ihrer Immobilie einklagen. Doch wie soll man Widerspruch einlegen gegen ein Vorhaben, über das man nicht einmal informiert wurde? Das ist grotesk und zutiefst undemokratisch.

Nun ist das aktuelle Nippeser Planfeststellungsverfahren (in dessen Rahmen man derzeit die Einwände prüft) nicht das erste. Die Deutsche Bahn musste seit 2007 bereits mehrmals „nachbessern“, vor allem, was die Höhe der geplanten Lärmschutzwände angeht, denn der zu erwartende Bahnlärm wäre enorm. Ich habe noch einmal woanders hingeguckt, nicht auf die Höhe, sondern auf die Länge der zu erwartenden Lärmschutzwände.

Hier offenbart sich die tragikomische Seite sogenannter „Lärmschutz-Maßnahmen“. Was uns nämlich zusätzlich zum Zuführungsgleis droht, ist ein völlig unzureichendes und noch dazu potthässliches Lärmschutz-Ungetüm, eine „Neu-Nippeser Mauer“ mit einer Höhe von zwei bis vier bzw. sechs Metern. Unter dem Vorwand, uns schützen zu wollen, sollen die „Lärmschutzwände“ lang ausfallen, sehr lang, sehr sehr lang. Was die Länge betrifft, muss die Bahn nicht einmal mehr nachbessern. Westlich der Gleisanlagen (dem Stadtteil Bilderstöckchen zugewandt) wäre, so hat man errechnet, eine Lärmschutzwand mit rund 430 m Länge erforderlich. Östlich der Gleisanlagen (Nippes und den Eisenbahner-Siedlungen zugewandt) plant man im Bereich des Zuführungsgleises drei Lärmschutzwände. Die eine hat eine Länge von knapp 290 m, eine zweite soll 640 Meter lang sein und eine weitere rund 425 m. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, sind das insgesamt 1355 Lärmschutzmeter. Will man Lärmschutz-Rekorde brechen?

Abgesehen davon, dass die Bewohner oberer Stockwerke (insbesondere der Mehrfamilienhäuser „Am Ausbesserungswerk“) den Bahnlärm nach Fertigstellung der Gleisanlage auch bei einer Höhe von sechs Metern mit voller Wucht abkriegen würden, bedeutet eine 1355 Meter lange Lärmschutzwand einen erheblichen Eingriff in die Integrität des ohnehin schon schwer in Mitleidenschaft gezogenen Lebensraums aller hier beheimateter Lebewesen.

Um zu verdeutlichen, wie monströs die „Neu-Nippeser Mauer“ wäre, veröffentliche ich hier noch einmal die Gegenüberstellung zweier Fotos aus meinem oben erwähnten Blog-Beitrag vom 27.9.2022. Wer in die Fotomontage der AWG (rechtes Bild) noch zusätzlich zur Bahn eine Lärmschutzwand hineindenkt, kann sich vielleicht vorstellen, wie irrwitzig die Pläne der Deutschen Bahn sind: Noch vor dem Zuführungsgleis soll in einer Länge von 425 Metern eine in diesem Bereich sechs Meter hohe „Lärmschutzwand“ errichtet werden.

Ich habe den Bereich „Am Ausbesserungswerk“ noch einmal von der anderen, der Südseite aus fotografiert. In den schmalen Streifen zwischen bestehender Bahntrasse und Fußweg sollen zwei Gleise (denn hier ist das Zuführungsgleis zum Zwecke quetschender nächtlicher Wendemanöver zweigleisig geplant!) und die Lärmschutzwand nebeneinander hineingebaut werden.

Sooo deutsch ist eine bestehende Schilder-Allee: Aktuell weisen, ordentlich aufgereiht, insgesamt 15 rot umrahmte Schilder darauf hin, dass man für die Feuerwehr Platz lassen soll. Für die gäbe es allerdings -so hat man errechnet-, würde das Zuführungs-Gleis gebaut, kein ordnungsgemäßes Durchkommen mehr.

Male ich mir all das aus, fühle ich mich in keiner Weise geschützt, sondern der Willkür der Deutschen Bahn schutzlos ausgeliefert. Es ist, als seien wir Menschen kleine Spielfigürchen, vergleichbar mit denen, die jedermann beim Modellbau-Anbieter Faller bestellen kann.

Apropos Faller: Der Weihnachtsmann der Deutschen Bahn hat -so wurde mir erzählt- auch in diesem Jahr in ganz Köln Geschenke verteilt. Aber die wirklich hochwertigen Geschenke, so soll der Weihnachtsmann der Deutschen Bahn augenzwinkernd betont haben, die gab es exklusiv für die Pänz aus Köln-Nippes.

Der

Weihnachtsmann der

BAHN kam nicht

mit leeren Händen, sondern…

Faller-Lämschutzwänden!

Bildschirmfoto 2022-12-26 um 17.40.56

Eine Lärmschutzwand im Mini-Format. Bestimmte Produkte sind laut Faller für Kinder unter drei Jahren wegen verschluckbarer Kleinteile nicht geeignet. Diese Faller-Lärmschutzwand ist ungefährlich für Kinder unter drei, könnte aber Kindern über drei Jahren Lust machen auf reale Kletterpartien. Meines Wissens fehlt bei dem Produkt der Zusatz „nicht geeignet unter 14 Jahren“. Wo er nicht fehlt, das sind die Faller-Strommasten, die man ebenfalls bestellen kann und die sich wunderbar mit der Lärmschutzwand kombinieren lassen. Abenteuerlustige Kinder bekommen sehr schnell heraus, dass sich Faller-Lärmschutzwände mit Faller-Figürchen beklettern lassen. Was die echten Lärmschutzwände betrifft: Da wird weiterhin „nachgebessert“, was die Höhe betrifft. Das freut die waghalsigen Kinder, denn Lärmschutzwände probiert aus, wem es im Frechener Chimpanzodrome zu langweilig ist.

„Der Populismus fährt Fahrrad“- Eine Begegnung mit der Frau Keuner

„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Freu Keuner.

„Tach auch“, sach ich. Wir sind an der KiTa Lummerland verabredet. Die Frau Keuner hat mich angerufen und darum gebeten, in der Nähe der KiTa ein paar Fotos von ihr zu machen, und mein Fahrrad soll ich mitbringen. Jetzt steht sie da, hält die Griffe des Rollators umklammert und mustert mich grinsend.

„Fotos von mir?“, sagt die Frau Keuner. „Dat dachtest du dir so. Ich seh mit Ende 60 zwar immer noch besser aus als du mit knapp Mitte, aber dat muss ja nich sein.“

„Aber, aber“, stammele ich. „Sie haben mich doch darum gebeten. Das war Ihre Idee. Ich meine, ich sollte Sie doch fotografieren.“

„Du lässt dir aber auch alles erzählen“, sagt die Frau Keuner und lacht breit. „Aber ne wirklich schicke Frisur.“

„Danke“, sage ich. „Aber ich war seit zweieinhalb Jahren nicht mehr beim Frisör.“

„Dat sieht man“, lacht die Frau Keuner. „Deine Haare sehen aus wie n oller Wischmopp. Ich meinte dein Fahrrad. Wenn Männer ihre Fahrzeuge frisieren, dann motzen die die technisch auf. Aber wenn Frauen ihre Fahrräder frisieren, dann schmücken sie die Körbe mit Blömscher. Aus Kunststoff. Hömma Lisa, du hast Kunststoff-Blumen gekauft.“

„Ich, ich… Ich hatte die noch.“

„Ja, ja“, sagt die Frau Keuner. „Und du dachtest wohl, ich würde mich auf dein Fahrrad setzen. Wie soll dat wohl gehen mit meiner kaputten Hüfte? Außerdem hab ich nicht die Top-Figur, die der Joe Biden immer noch hat. Der Joe hat ja im Juni an seinem 45. Hochzeitstag mit der Jill zusammen eine Radtour gemacht, bei sich zu Hause in Delaware. Dabei trug er diese kurze Hose, die er seit 40 Jahren im Schrank hat. Ich sach dir, vielleicht ist der im Kopf nicht mehr klar, wenn er das jemals war. Ich meine, der Mann ist ja schwer traumatisiert. Joe Biden macht eine furchtbare Kriegs- und Coronapolitik, aber körperlich gibt er immer noch eine Top-Figur ab. Sogar in der ollen Buxe.“

Die Frau Keuner holt eine Wasserflasche aus dem Netz. „Ich krieg die Pulle nicht auf. Hast du noch Kraft in der Hand?“

Sie hat einen verdammt wunden Punkt erwischt, aber ich schnapp mir die Flasche. Zum Glück lässt sich der Drehverschluss leicht öffnen. „War halb so schwer“, sage ich.

„War ja eh schon auf“, sagt die Frau Keuner und lacht.

Sie beruhigt sich langsam und nimmt einen Schluck Wasser. „Zurück zu Joe Biden. Wat ja an den Männern definitiv schöner ist als an den Frauen, dat sind die Beine. Keine Cellulitis. Und der Joe Biden, der hat noch richtig schöne Beine. Dat wüsste ich nicht, wenn er auf seiner Radtour nicht mit dem Fahrrad umgekippt wär. Die Bilder gingen ja um die Welt. Ich hab mir dat bei Youtube angeguckt. Also… Die Radfahrergruppe kommt ins Bild, bissken steif dat Ganze, aber egal… Die Gruppe fährt auf eine Weggabelung zu, an der schon die Kameras bereit stehen. Jill und die anderen biegen ab, aber Joe fährt geradeaus weiter, weil am Straßenrand die Presseleute auf ihn warten. Joe trägt zu seiner Sicherheit einen Helm, doch der Sicherheitsmann, der hinter ihm fährt, trägt zu Joe’s Sicherheit keinen, weil so ein Helm beim Personenschutz hinderlich ist. Kannst du mir noch folgen?“ Ich nicke nur.

„Also“, fährt die Frau Keuner fort. „Joe kommt bei den Journalisten an, bremst und setzt den linken Fuß auf den Boden. Joe steht, und jetzt erst kippt er um, denn er kriegt den rechten Fuß nicht aus der Pedal-Schlaufe. Joe verliert das Gleichgewicht. So was passiert, ältere Menschen kippen schnell um, geht mir auch so. Und der Biden muss das Gefühl gehabt haben, dass er bei den Journalisten in Sicherheit ist, dass er sich fallen lassen kann. Doch da hat er sich verschätzt. Denn jetzt kommt der eigentliche Skandal… Niemand fängt Joe auf, die stehen da doof rum. War so nicht geplant. Aber anstatt Joe festzuhalten, halten die Journalisten ihre Kameras fest, um zu filmen, wie der umkippt, weil niemand ihn festhält. Früher waren die berühmten Leute schlauer, da haben die sich vor den Paparazzi in Sicherheit gebracht und sind nicht noch auf die zu.“

Die Frau Keuner trinkt noch einen Schluck Wasser und packt dann die Flasche weg. „Der Joe ist schneller wieder auf die Beine gekommen, als ich gucken konnte. Und du, Lisa, du bist 16 Jahre jünger als Joe, aber du siehst auf dem Rad lange nicht so gut aus. Du kannst ja nicht einmal mehr einhändig fahren. Ich hab dich letztens beobachtet, wie du mit der linken Hand dat alte Nokia-Teil ans Ohr gehalten hast und fast einen Pfosten touchiert hättest.“

Ich guck die Frau Keuner fragend an. „Wo soll das gewesen sein?“

„Wagenhallenstraße Richtung Wartburgplatz. Das kann teuer werden, auch in der Füßgängerzone. Du kannst so was von froh sein, dass du nicht prominent bist. Wenn man prominent ist, sitzt immer eine von diesen Medien-Petzen im Gebüsch und wartet darauf, dass man einen Fehler macht. Hömma, Lisa, du warst ja nie besonders sportlich, aber dat war dermaßen ungelenk.“ Jetzt lacht sie dreckig.

Ich bin machtlos und in dieser Kleine-Schwester-Schockstarre. Ich kann mich nicht wehren, denn ich bewundere die Frau Keuner, wie ich kleines Mädchen meine große Schwester bewundert habe, so fies die auch manchmal war. Meine große Schwester hat es immer wieder geschafft, mich zum Heulen zu bringen. Sie konnte schon lesen, als ich noch nicht einmal in der Lage war, die Bilderbücher richtigrum aufzuklappen. Meine große Schwester, das war so eine, die schon bis über tausend zählen konnte, während ich drei Finger abspreizen musste, um zu zeigen, dass ich drei Jahre alt war.

„Hömma, Lisa“, sagt die Frau Keuner, „jetzt stellst du dein Fahrrad an genau die Stelle, die ich dir sach. Wir machen ein paar Fotos, und diese Fotos stellst du als Dia-Show in deinen Blog. Dein letzter Blog-Beitrag über das Zuführungsgleis war ja nicht übel, aber da fehlt was.“

„Wieso?“, frage ich leise. „Was hab ich denn jetzt wieder falsch gemacht?“

„Da fehlt der Jochen Ott, unser SPD-Landtagsabgeordneter. Der Ott is ja unser Nachbar, der wohnt zwar nich in der autofreien Siedlung, aber in der daneben, mit Tiefgarage, aber auch direkt anner S-Bahn… Der Ott ist für das Zuführungsgleis, zumindest ist er nicht dagegen. Man kann aber nur für das Gleis sein, wenn man selber lärmgeschützt wohnt, und das tut er, der Ott hat nämlich sein schmuckes Reihenhäusken mitten in der bewohnten Lärmschutztrutzburg.“

„Lärmschutztrutzburg“?

„Jau“, sacht die Frau Keuner, „der bewohnte Lärmschutzriegel geht nämlich noch umme Ecke. Gib mal in die Suchmaschine „Am Ausbesserungswerk Köln“ ein. Da guckst du dann von oben drauf, und mit ein bisschen Phantasie erkennst du die Hintergedanken der Bauplaner. Die müssen schon vor dem Bau der Siedlung das Zuführungsgleis und den damit verbundenen Lärm eingeplant haben. Falls das Gleis gebaut wird, bilden die Häuser „Am Ausbesserungswerk“ die bewohnte Mauer einer Lärmschutz-Trutzburg, und die Mieter, die in den Mauern der Trutzburg wohnen, sind menschliche Lärmschutzschilder.“

„Das kann man doch so nicht sagen!“

„Oh doch, die Mieter schützen die Reihenhaus-Besitzer, denn die Menschen, die „Am Ausbesserungswerk“ wohnen, kriegen den Lärm ab, aber wohnen Leuten wie dem Ott den Lärm fott. Sozial gerecht ist das nicht. Denn wenn das Zuführungsgleis gebaut wird, sitzt der Ott im Lärmschatten der bewohnten Mauer in seinem Reihenhausgarten und füttert den Hund. Und wie ich ihn kenne, füttert er seinen Hund aus Kostengründen mit den aufgetauten Resten von Kochen mit Jochen. Da guckst du. Kochen mit Jochen war eine Werbeaktion im Landtags-Wahlkampf 2010. Da hat der Ott noch auf der Schäl Sick kandidiert und mit Kindern und Jugendlichen in Jugendeinrichtungen zusammen gekocht. Afrikanisch, italienisch, international, politisch absolut korrekt. Kochen mit Jochen würde in Nippes nicht ankommen. Aber der Mann ist schon lustig. Seinen Wahlkampf-Podcast zum Thema Schule hatte er Ottcast genannt. Is dat nich süß? Da fehlt nur noch der Jottifant.“

„Frau Keuner, ich komm jetzt nicht mehr mit.“

„Is ja nix Neues“, lacht die Frau Keuner. „Du bist eben ein bisschen langsam im Kopp. Aber nochmal zum Ott. Das ist wie beim Olaf Scholz. Nur weil seine Partei die SPD ist, meinen die Leute, er hätte Ähnlichkeit mit Johannes Rau oder Willy Brandt. Mädchen, die hat er nicht. Der Ott war mal Oberstudienrat, und ich sach dir, dat bleibt. Der Ott ist ein Berufspolitiker, der sich einen Top-Job mit Super-Rentenerwartung geangelt hat. Guck dir mal die Internetseite an. Was macht für Jochen Ott Wohnen aus? Dass es „bezahlbar“ ist. Hört sich gut an. Doch abgesehen davon, dass die Nippeser Mieten extrem gestiegen sind: Was hat man von bezahlbarem Wohnraum, wenn im Schrank die Teller wackeln, weil die S-Bahn vorbeifährt? Und zwar jetzt schon. Was hat man von einer Wohnung im beliebten Veedel, wenn jetzt schon ständig die Fenster geputzt werden müssen? Flugrost, Feinstaub, Ruß. Wenn Wahlkampf ist, wird der Ott aktiv, da zeigt er sich, da geht er strahlend über den Nippeser Markt. Und jetzt? Grimmig. Total verschlossen. Wenn kein Wahlkampf is, hört man nix mehr von ihm. Und jetzt stell dein Fahrrad genau da hin, wo der Ott seins für das Wahlplakat platziert hat.“ Die Frau Keuner zeigt mir die Stelle.

„Erinnerst du dich an das Wahlplakat, davon hast du mir doch das Foto geschickt. Vor der Landtags-Wahl hingen hier überall Werbeplakate. Nur so kleine für Radfahrer und Fußgänger, aber trotzdem ärgerlich, weil die Sprüche von Wahl zu Wahl dümmer werden. Wat stand unterm Ott? „MOTIVIEREN. MITNEHMEN. EINFACH MACHEN.“ Wat soll dat, wer soll wozu motiviert werden, wohin mitgenommen, und wat soll einfach gemacht werden? Und dann noch dreimal der Buchstabe „M“, der die Kölschen immer an die Spitzen vom Dom erinnert. Mann, Macht, Muskeln… Das darf doch alles nicht wahr sein…“

„Ist Ihnen nicht gut?“ frage ich leise, denn die Frau Keuner ist plötzlich ganz blass geworden.

„Schon gut“, sagt die Frau Keuner, „aber ich kann die politischen Knallköppe manchmal nicht mehr ertragen. Die tun so, als wäre alles wie immer. “ Sie atmet tief, macht eine kleine Trinkpause und redet gottseidank weiter. „Hömma, ich hab mir überlegt, wo in Köln das Foto mit dem Ott aufgenommen ist. Ich dachte, in einer weitläufigen Parklandschaft, vielleicht im Stadtwald. Dann hab ich genauer hingeguckt, und auf einmal kam mir alles bekannt vor. Hömma, dat spielt genau hier, wo wir stehen. Mit Blick auf die große Wiese zwischen den beiden Eisenbahnersiedlungen, zwischen der autofreien Siedlung und der Hohr-Siedlung, auf das grüne Zwischen-Stück, das sie nicht bebaut haben. Im Hintergrund sieht man die Bahntrasse. Der Ott präsentiert uns sein Fahrrad. So macht man sich bei den Leuten in der autofreien Siedlung beliebt. Der Populismus fährt Fahrrad. Aber den Wahlkreis hat dann doch der Arndt Klocke von den GRÜNEN geholt. Der Ott kommt hier im Viertel nicht besonders gut an.“

Jetzt singt die Frau Keuner auch noch. „Ja so blau, blau, blau ist der Jochen Ott, ach wat is der flott, ach wat is der flott… Es gibt da einen alten Trick, der Fotograf hat sich hingekniet und den Ott von unten fotografiert, damit er so richtig groß und mächtig ins Bild kütt. Stattlich ist er ja schon, aber so raumeinnehmend. Ich hab hab ja nichts dagegen, wenn die Männer raumeinnehmend sind, aber nicht so und schon gar nicht im öffentlichen Raum, du verstehst schon. Hömma, jetzt bist du rot geworden, Lisa. Findest du doch auch gut, wenn die Männer…“

„Pst!“

„Schon gut“, sagt die Frau Keuner. „Aber jetzt mach schon. Du kniest dich jetzt aber nicht hin, Lisa. Ich trau dir zwar zu, dass du wieder hoch kommst, aber mach die Fotos bitte im Stehen, denn man will ja noch wat vonner Landschaft sehen. Und wat fällt dir an dem Wahlplakat noch auf?“ Ich zucke die Achseln.

„Der Fotograf hat das Ausbesserungswerk abgeschnitten“, sagt die Frau Keuner. „Vielleicht wollte es der Ott so. Deshalb klebst du in deiner Diashow das Stück wieder dran. Mach mit deiner kleinen ollen Kamera einfach einen Schwenk, damit die Südseite vom Ausbesserungswerk draufkommt. Fotografier die Balkone, aber auch die Lüftungsöffnungen vonner Tiefgarage. Mach schon.“

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Gut so“, kommentiert die Frau Keuner die Fotos. „Aber da is noch wat. Auf seiner Internetseite schreibt der Ott, dass er 60-70 Stunden in der Woche arbeitet. Wie konnte es da passieren, dass er vor sieben Jahren einen richtig guten Vorstoß der NRW-Landesregierung verpasst hat? Da haben verschiedene Bundesländer ein Eckpunktepapier zum Thema Bahn-Lärm vereinbart. Und unser damaliger grüner NRW-Umweltminister Johannes Remmel hat die Bundesregierung aufgefordert, die Menschen besser vor Bahnlärm zu schützen und das in der Verkehrslärmschutzverordnung zu verankern. Der Bund hat leider nicht entsprechend reagiert, da is nix verankert, obwohl die Faktenlage eindeutig ist. Bahnlärm ist extrem gesundheitsgefährdend. Ich schick dir den Link. Is ganz einfach zu finden, denn die Pressemitteilung steht immer noch auf der offiziellen NRW-Internetseite.

https://www.land.nrw/pressemitteilung/minister-remmel-bahnlaerm-macht-die-menschen-krank

„Aber der Ott war doch vor sieben Jahren nicht nur Landtagsabgeordneter, sondern zusätzlich in der Kommunalpolitik aktiv“, sage ich. „Wann war denn das mit dem Eckpunktepapier?“

„Die Pressemitteilung der NRW-Landesregierung ist vom 9. Juni 2015“, weiß die Frau Keuner.

„Da war der Ott gerade im Kölner Oberbürgermeister-Wahlkampf“, sage ich. „Der ist doch gegen die Henriette Reker angetreten.“

Die Frau Keuner nickt. „Und weil die Wahl im Oktober war, hatte er keinen Bock, nach Düsseldorf zu fahren. Aber jetzt müsste er endlich aktiv werden. Die Herzen der Nippeser gewinnt man nicht beim „Kochen mit Jochen“, nicht mit Spaghetti Bolognese, sondern indem man sich für das Wohlergehen der Menschen einsetzt. Ich sehe die Schlagzeile schon vor mir: MDL Jochen Ott (SPD) solidarisiert sich mit den Kölner Bürgerinnen und Bürgern gegen die menschenfeindlichen Pläne der DEUTSCHEN BAHN. Aber jetzt kann ich nicht mehr länger rumstehen.“

Die Frau Keuner macht ein paar Schritte und redet dann weiter. „Mach bitte noch ein letztes Foto Lisa. Stell dich auf den Weg vor der sonnenbeschienenen Südseite des Ausbesserungswerks und sieh zu, dass du ein paar von den 13 Bäumchen draufkriegst, die die Stadt Köln in diesem Jahr neu gepflanzt hat… Die Menschen, die auf der Südseite der Lärmschutztrutzburg wohnen, haben schöne große Balkone. Da füttern sie die stolzen Halsbandsittiche, die sich in den letzten Jahren prächtig vermehrt haben. Ich freu mich so sehr, dass den Papageienvögeln in den milden Wintern die Krallen nicht mehr abfrieren. Es ist mir ein Trost, wo es schon keinen Schnee mehr gibt… Und weil sich der Bahnlärm noch in Grenzen hält, können die Leute im Sommer auf den Balkonen sitzen und Spaß haben an den Fledermäusen, die genau da nisten, wo das Gleis hinkommen soll. So einen freien Blick hat der Ott nicht. Dat nenne ich soziale Gerechtigkeit. Der Ott hört zwar den Bahnlärm kaum, aber dafür guckt er nicht in die Weite… Wir müssen dafür sorgen, dass das Zuführungsgleis niemals gebaut wird. Schon wegen der Fledermäuse.“

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Elfchen im Neunten: Liebe Lärmschutzriegel-Bewohnende

Vor gut 20 Jahren hat man damit begonnen, das innenstadtnahe Gelände der ehemaligen Köln-Nippeser Eisenbahn-Ausbesserungsanlage mit Wohnhäusern zu bebauen, mit Mehrfamilien-, aber auch mit Einfamilienreihenhäusern. Nach Abschluss der Bauarbeiten leben hier insgesamt über 5000 Menschen, etwa 1500 davon in der autofreien Siedlung Stellwerk 60.

Die autofreie Siedlung liegt genau in der Mitte des bebauten Areals. Was die Siedlung auszeichnet, ist, dass sie wirklich eine ist. Unser großer gemeinsamer Nenner ist eine mehr oder weniger ausgeprägte Skepsis gegenüber dem Auto. Dass die nachbarschaftliche Kooperation über den Gartenplausch hinaus gelingt, ist vor allem dem Nachbarschaftsverein Nachbarn 60 zu verdanken, dessen aktive Mitglieder seit mittlerweile 15 Jahren unermüdlich organisieren, koordinieren, anleiern, Ideen entwickeln und überhaupt viel Arbeit in das Projekt stecken. Der Gemeinschaftsgarten muss gepflegt werden, die Kettcars, Tandems, Einräder, Biertische und Transportkarren, die alle Vereinsmitglieder in der Mobilitätsstation („Mobi“) kostenlos ausleihen können, müssen regelmäßig gewartet werden, junge Bäume gegossen, Flohmarkt, Sommerfest und Lebendiger Adventskalender organisiert werden u.u.u….

Das Besondere an Stellwerk 60 ist die Familien- und Kinderfreundlichkeit. Die Kinder stören sich nicht daran, dass die Siedlung dicht bebaut ist. Auch die geringe Breite der Reihenhäuser (oft weniger als fünf Meter), die vielen Erwachsenen die Luft zum Atmen nimmt, vor allem dann, wenn man den Nachbarn nicht riechen kann, ist ganz nach dem Geschmack von Kindern. Wo in der Siedlung sie auch wohnen: Die Kinder gehen raus und treffen Kinder. Ihr Draußen wird nicht durch parkende Autos verstopft. Die asphaltierten „Hauptstraßen“, die nur von Müllabfuhr und Notarztwagen befahren werden dürfen, laden ein zum Rollschuhlaufen, Einradfahren, Skateboarden, der autofreie Raum zum Spielen, Raufen und Austoben. Wo Kinder sind, gibt es kein Abstandhalten.

Manchmal bin ich ziemlich genervt, wenn ich einem großen Kettcar ausweichen muss, auf dem fünf kreischende Kinder sitzen. Aber dann erinnere ich mich an die „Pandemie“ mit ihren volkserzieherischen „Sicherheits“-Maßnahmen, ich erinnere mich daran, wie gespenstisch still es selbst in der autofreien Siedlung war, als die Kinder, denen das Virus nie viel anhaben konnte, zu einer Art soldatischem Gehorsam gezwungen wurden, als sie sich nicht einmal zu Hause mit mehreren Freunden treffen konnten, nicht einmal die Kettcars ausleihen und kaum Spaß haben durften. Und wenn ich mir klarmache, wie autoritär, wie lust- und lebensfeindlich die „Gesundheitsschutz“- Maßnahmen waren (und zum Teil noch sind!), dann bin ich erleichtert, dass die Kinder nicht verstummt sind – und kann ihr Gekreische ertragen. Ach was, ich freue mich daran!

Ein Archivfoto aus dem Jahr 2016:

Besuch des Koreanischen Fernsehens in der autofreien Siedlung Stellwerk 60. Die beiden, die hier -gesittet und ohne zu kreischen- auf dem Kettcar sitzen, sind Filmemacherin Chi-Suk Kim und Siedlungs-„Bürgermeister“ Hans-Georg Kleinmann; Foto: Nachbarn60.  https://stellwerk60.com/2016/07/17/der-film-ist-da-stellwerk-60-im-koreanischen-tv/

Es ist abwechslungsreich und angenehm, in der autofreien Siedlung zu leben – wenn nur die Bahn nicht so nah wäre. Natürlich ist es grundsätzlich vorteilhaft, in der Nähe zweier S-Bahnhöfe zu wohnen. Auch hält sich die Lärmbelastung innerhalb der autofreien Siedlung in Grenzen. Doch was den Bewohnerinnen und Bewohnern nicht nur von Stellwerk 60, sondern aller Nippeser Siedlungen zwischen den S-Bahnhöfen Nippes und Geldernstraße droht, ist nicht mehr angenehm, sondern so alptraumhaft, dass man es kaum glauben kann. Wie viele andere hatte auch ich versucht zu verdrängen, was uns seit Jahren „nur“ droht, jetzt aber real werden könnte: Der Bau eines Zuführungsgleises und damit einhergehend die Zerstörung großer Teile des letzten Grüns diesseits der S-Bahn-Linie, eine jahrelange Großbaustelle in unmittelbarer Siedlungsnähe und -nach Beendigung der Bauarbeiten- ein stetiger nächtlicher S-Bahn-Verkehr („Geisterzüge“).

Die Pläne der DB für das Zuführungsgleis sind nicht neu, und die entsprechenden „Planfeststellungsverfahren“ laufen schon seit 2007. Wegen zahlreicher Einwendungen und erheblicher Bedenken, vor allem wegen des zu erwartenden Lärms, musste die Bahn ihre Pläne bereits mehrere Mal aktualisieren. Dass die Deutsche Bahn ihr Vorhaben noch nicht hat durchsetzen können und weiterhin „nachbessern“ muss, ist insbesondere der Anwohnergemeinschaft Nippes (AWG) zu verdanken, deren Mitglieder über die Jahre hinweg das Vorhaben nicht verdrängt, sondern sich der Bedrohung gestellt haben. Bei allen „Planfeststellungsverfahren“ erhob die AWG (nicht zu verwechseln mit dem Verein Nachbarn 60) immer wieder Einspruch und holte vor Jahren bereits ein Gutachten ein, das belegt, dass das Zuführungsgleis nicht nötig ist und es eine menschenfreundliche, wenn auch teurere Alternative gibt. Laut Gutachten könnten S-Bahnen auch auf einem anderen Weg in die mittlerweile in Betrieb genommenen Abstellanlage einfahren.

Was genau droht, erzählt plastisch dieser Aushang der AWG, der Ende Juli im Grünstreifen diesseits der S-Bahn aufgehängt wurde und sich vor allem auf das erste Teilstück hinter dem S-Bahnhof Nippes bezieht:

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Mich persönlich hatte bereits Anfang des Jahres eine Nacht-und-Nebel-Aktion in Alarmbereitschaft versetzt. In einer Mensch und Tier überrumpelnden Blitz-Maßnahme wurden im Frühjahr 2022 Tatsachen geschaffen, bereits „Vorbereitungen“ getroffen für die von der Deutschen Bahn geplante Bebauung. Entlang der Bahntrasse wurde gerodet, kleinere Bäume wurden gefällt, Sträucher komplett zurückgeschnitten. Das Gelände wurde -wie es aussieht- für einen Eingriff präpariert, der in keinerlei Hinsicht gebilligt ist. Wer den Kahlschlag in Auftrag gegeben und wer ihn durchgeführt hat, ist nicht bekannt.

Besonders augenfällig ist der Kahlschlag dort, wo er städtischen Grund berührt. Während ein wenige Meter breiter Geländestreifen neben der S-Bahntrasse der Deutschen Bahn gehört, ist ein kleines Wäldchen, das nach dem Willen der DB komplett plattgemacht werden soll, Eigentum der Stadt Köln. Noch scheitert das Bauvorhaben u.a. an diesem kleinen städtischen Wäldchen – und am Widerstand der Stadt Köln, die jedoch im Falle einer Bau-Bewilligung enteignet werden kann.

Ich habe das schwer beschädigte Wäldchen jetzt im September von verschiedenen Seiten fotografiert. Das Wäldchen wurde bei der Aktion unbegehbar gemacht. Abgesägte Äste wurden auf die Wege gekippt und der zentrale Zugang durch einen Baumstamm versperrt.

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Drei sanfte letzte Kurven und ein Hauch von Central Park. „Wo jetzt in dieser Mini-Oase die Blätter rauschen und ein kühles Lüftchen im Sommer angenehm kühlt, sollen S-Bahnen aus ganz NRW nachts zu einem „Parkplatz“ mit 18 Gleisen hin und zurück rollen.“ (AWG)

Da die klugen Köpfe der AWG in ständiger Alarmbereitschaft sind, hatten sie mitbekommen, dass die Deutsche Bahn erneut ein „Planfeststellungsverfahren“ angestrengt hat. Anfang Juli informierte die AWG uns Nippeser Nachbarinnen und Nachbarn sowie den Nachbarschaftsverein der autofreien Siedlung und lud zu einer Info-Veranstaltung mit Begehung des betroffenen Gebietes ein. http://www.awg-nippes.de

Vielleicht muss man vor Ort gewesen sein und sich mit den Betroffenen unterhalten haben, um sich das Ausmaß der geplanten Bau-Maßnahme vorstellen zu können. So war bei der gut besuchten Info-Veranstaltung am 6.8.2022 glücklicherweise Journalist Bernd Schöneck vom Kölner Stadtanzeiger anwesend. In seinem „Kommentar zum Gleisvorhaben in Köln-Nippes“ vom 10.8.2022 mit dem Titel „Es bliebe fast nichts, wie es ist“ stellt Schöneck fest, dass das „Vorhaben wie ein Damoklesschwert über der Nippeser Eisenbahnsiedlung“ schwebt. Weiter schreibt Schöneck, dass man sich des Verdachts nicht erwehren könne, „dass das Vorhaben bereits beim Siedlungsbau geplant war – und das wäre ein Skandal. Denn die Bewohner des Veedels wären bezüglich der Nutzung des Areals im Dunkeln gelassen worden. Zugleich zeigt sich leider erneut, dass das Wohl der Anlieger, vorsichtig gesagt, bei der Bahn nicht an allererster Stelle steht.“ https://www.ksta.de/koeln/kommentar-zum-gleisvorhaben-in-koeln-nippes-es-bliebe-fast-nichts–wie-es-ist-39868530 Aufschlussreich auch: https://www.ksta.de/koeln/nippes/umstrittene-bahn-plaene-fuer-koeln-nippes–das-waere-eine-gefahr-fuer-leib-und-leben–39866080 (Beide Artikel konnte ich auch ohne Abo nach Anmeldung kostenlos lesen.)

Ich bin Bernd Schöneck dankbar für seinen engagierten Kommentar und auch dafür, dass endlich jemand den „Skandal“ zur Sprache bringt. Was die autofreie Siedlung betrifft, spricht einiges dafür, dass der Bauträger Kontrola im Bilde gewesen sein dürfte. Als wir im Jahr 2007 unser Reihenhaus kauften, wurden wir während des ausführlichen Verkaufsgesprächs nicht über die Pläne der Bahn informiert. Wachgerüttelt wurden wir erst im Sommer 2008, als die Mitglieder der AWG anlässlich der ersten Offenlegung zum Protest aufriefen.

Hätte der Stellwerk 60– Bauträger und Projektentwickler Kontrola im Wissen um die Pläne mit offenen Karten gespielt, wäre es schwierig gewesen, die Häuser und Eigentumswohnungen zu verkaufen, zumal -während die Siedlung noch in der Bauphase war- mit der Finanzkrise 2008 der Verkauf ins Stocken geriet. Ohnehin war der Verkauf eine kaufmännische Herausforderung, denn vor 15 Jahren war es keineswegs sicher, ob sich Häuser ohne Stellplatz gut verkaufen lassen.

So aber wurde neben den Häusern in den anderen Bereichen der Eisenbahner-Siedlung ausgerechnet das Vorzeigeobjekt „autofreie Siedlung“ auf ein Verschweigen gebaut. Dabei hatte Kontrola im Jahr 2007 gleich zwei Auszeichnungen entgegengenommen. Stellwerk 60 war nicht nur „Ort im Land der Ideen“, sondern wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen der „Qualitätsoffensive für Familien in Städten und Gemeinden“ ausgezeichnet. 

Leider schützen solche Preise die Bewohnerinnen und Bewohner nicht und schon gar nicht vor Willkür-Maßnahmen, sondern dienen lediglich den Bauunternehmen zu Werbezwecken. Nachfolge-Bauträger BPD wirbt heute noch mit dem Kontrola– Projekt „Stellwerk 60“ und wurde vor wenigen Jahren mit dem Bau einer „Klimaschutzsiedlung“ in Köln-Lind betraut. (Allerdings liegen in Großstädten wie Köln die Flächen, auf denen noch ganze Siedlungen gebaut werden können, oft in heikler Nähe zur Autobahn, so auch hier. Diese Siedlung erfüllt zwar die Vorgaben des Leitfadens „100 Klimaschutzsiedlungen Nordrhein-Westfalens“, entsteht aber wenige Kilometer weit weg vom Flughafen Köln-Bonn in unmittelbarer Nähe des Lärmschutzwalls vor der Autobahn A59. Ich weiß nicht, ob es schon Straßennamen gibt. Mein Vorschlag: Am Linder Lärmschutzwall)

Immerhin ist der Linder Lärmschutzwall unübersehbar, während das Nippeser Zuführungsgleis mitsamt seinen landschaftszerschneidenden Lärmschutzwänden lediglich auf dem Papier exisitiert. Und das, was droht, ist so unglaublich, dass es die meisten verdrängen. In der autofreien Siedlung wurden in den letzten Jahren bereits einige Häuser von ahnungslosen Besitzern an ahnungslose Käufer überteuert verkauft. Auf diese Weise jedoch wird der Bauträger-Skandal, wird das Verschweigen weiter getragen. Der „Marktwert“ ist reine Fiktion. Die permanente Drohung eines Zuführungsgleises senkt nicht nur den ideellen, sondern den tatsächlichen Wert der Immobilien meines Erachtens erheblich – auch den unseres Hauses.

Nachdem wir uns informiert hatten, bildeten fünf Mitglieder des Vereins Nachbarn 60 eine Arbeitsgruppe, um – angeregt von der AWG – eine Einwendung zu formulieren und Unterschriften gegen den Ausbau zu sammeln. Das war nicht einfach, da die Zeit drängte und man den „Abgabetermin“ bei der Bezirksregierung auf den 15.8. gelegt hatte. Viele Nachbarinnen und Nachbarn waren in Urlaub, andere gerade zurück gekommen. Doch da die Sommerferien in diesem Jahr schon am 9.8. endeten, waren die meisten gerade noch rechtzeitig wieder vor Ort. Meistens halte ich mich bei Siedlungsaktivitäten zurück, aber diesmal gab es für mich kein Halten.

Gaby hatte der Arbeitsgruppe die wichtigsten Punkte der Planungsunterlagen vorgestellt, und Beate, die nicht nur ein außergewöhnliches politisches Gespür, sondern die Gabe hat, auch in äußerst angespannten Situationen besonnen zu bleiben, hatte die Einwendung verfasst. Sie opferte mehrere Urlaubs-Tage, um den kaum lesbaren Text durchzuarbeiten, ein Konvolut, das bis zum 15.7. im Internet öffentlich auslag und so umfangreich ist, dass es sich nicht per Mail-Anhang verschicken lässt.

So saßen wir fünf einander abwechselnd in der Mobilitätsstation, wo wir zwischen dem 8.8. und dem 13.8. an fünf Abenden Unterschriften sammelten. Von insgesamt knapp 1000 Unterschriften im gesamten betroffenen Bereich sammelten wir 280 von Bewohnerinnen und Bewohner der autofreien Siedlung, was etwa 20% entspricht. Der gemeinsame Tenor: Wir unterstützen den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, aber so bitte nicht!

Interessant war es, auf diese Weise mit den Nachbarn der Nachbarsiedlungen ins Gespräch zu kommen, darunter auch Menschen aus den ganz nahe an die bestehende Bahntrasse herangebauten Mehrfamilienhäusern „Am Ausbesserungswerk“. Ein Bewohner erzählte, dass sich der Estrich in seiner Wohnung durch die permanenten Boden-Erschütterungen so weit gesenkt hat, dass man -sehr zur Freude seiner beiden kleinen Söhne- Matchbox-Autos unter den Zimmertüren hin- und herflitzen lassen kann. Ein anderer erzählte, dass Menschen, die dort eine Wohnung neu beziehen, jetzt schon per Unterschrift zusichern müssen, dass sie, falls das Zuführungsgleis gebaut wird, die Miete nicht mindern.

Und ist das Gleis einmal fertig“, so schreibt Bernd Schöneck, „würden die Züge nur einige Meter entfernt von den Wohn- und Schlafzimmern der Häuserzeile am Ausbesserungswerk entlang rollen – dem „bewohnten Lärmschutzwall“, wie es recht zynisch hinter vorgehaltener Hand heißt.“ (ksta.de, s.o.) Leider muss ich ergänzen, dass der „bewohnte Lärmschutzwall“ nicht nur hinter vorgehaltener Hand so genannt wird, sondern bereits als ein solcher konzipiert worden ist. Im Stadtteilführer des „Archiv(s) für Stadtteilgeschichte Köln-Nippes e.V.“ heißt es: „Aufsehen erregte vor allem ein direkt an der Bahnlinie liegender Gebäuderiegel, der als Lärmschutz für die rückwärtigen Gebiete an die Stelle der alten Wagenhalle treten sollte. Befürchtungen wegen Lärmbelastungen und einer geplanten Eisenbahntrasse unmittelbar vor den Häusern wurden mit dem Hinweis verworfen, die Bewohner würden vom Lärm nicht gequält, weil auf der Seite zur Bahntrasse nur Treppenhäuser und Küchen vorgesehen seien.“ („Loss mer jet durch Nippes jon“, 3. Auflage 2010, S.36)

Die AWG hat im Jahr 2017 eine Fotomontage kreiert, die leider schaurig realistisch ist. Ich habe mir erlaubt, sie von dem Flyer, wo sie abgedruckt ist, abzufotografieren. Hier wird simuliert, wie es „Am Ausbesserungswerk“ aussähe, wenn…

Nun will die Deutsche Bahn -im wahrsten Sinne des Wortes- noch eins draufsetzen. An der Stelle, die ich, um den Kontrast zum Flyer zu zeigen, im Jetzt-Zustand fotografiert habe, soll nach den Plänen der Bahn zwecks Wendemöglichkeit das Zuführungsgleis sogar zweigleisig verlaufen. Und genau dort will man direkt vor den zwei Gleisen eine sechs (!) Meter hohe Lärmschutzwand errichten! Doch dieses Lärmabwehr-Ungetüm würde den Menschen im Erdgeschoss die Sicht und das Licht rauben und im vierten Stock nicht einmal den Lärm abhalten.

Mein Elfchen des Monats ist diesmal von der schamlosen FÜR EUCH- Werbekampagne der BILD – Zeitung inspiriert. Im Sommer 2019 startete BILD „… eine neue Werbekampagne, in deren Zentrum die Leser stehen. Die Kampagne „FÜR EUCH. BILD.“ stellt Menschen vor, die jeden Tag für andere im Einsatz sind, die Verantwortung übernehmen und die mehr Wertschätzung verdienen. Statt Situationen mit Schauspielern oder Models nachzustellen, zeigt die Kampagne BILD-Leser wie Krankenschwester Manuela, LKW-Fahrer Reinhold, Polizistin Mehtap oder Oma Lore in ihren Alltagssituationen.“ https://www.axelspringer.com/de/ax-press-release/bild-startet-neue-werbekampagne-fuer-euch-bild

Wie schafft man es, Menschen, die eine knallharte Arbeit leisten, eine Arbeit, für die sich die meisten „zu schade sind“, Menschen, die permanent ihre physische und psychische Gesundheit FÜR UNS aufs Spiel setzen und die viel zu wenig verdienen, bei Laune zu halten? Indem man sie lobt, sich bei ihnen bedankt und sie prominent ins Bild setzt. In der Sprache der BILD nennt man das „Wertschätzung“.

Im darauffolgenden Jahr 2020 passte diese Kampagne wie von Jens Spahn bestellt zur bundesdeutschen Gesundheitspolitik. Jetzt machte die Kampagne nicht nur Werbung für die BILD-Zeitung, sondern für die staatlichen Corona-Maßnahmen – und die Corona-Maßnahmen waren wiederum eine Top-Werbung für die BILD. Während der „Pandemie“ mussten die Plakatmotive nur entsprechend aktualisiert und um zusätzliche Motive ergänzt werden. Wir erlebten eine höchst erstaunliche Kooperation zwischen Boulevard-Zeitung und Bundesregierung.

***

Wie aber hält man Menschen bei Laune, die einen Lärmschutzriegel bewohnen und dafür auch noch (Miete) bezahlen müssen?

Liebe

Lärmschutzriegel-Bewohnende, schenkt

der Deutschen Bahn

ein Lächeln. FÜR EUCH.

BALD.

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Das gönnerhafte Lob sozial Benachteiligter, die Stärkung der Arbeitsmoral und die Überredung zu eigentlich unzumutbarer Arbeit via Werbung sind nicht neu. Um Arbeitskräfte anzuheuern, wurde schon im 20. Jahrhundert eine ausgeklügelte Plakatwerbung eingesetzt, die mit psychologischen Tricks arbeitete. Die Zielsetzung: Den Menschen einen beschämend schlecht bezahlten und dazu noch gesundheitsgefährdenden Job schmackhaft machen.

Dieses Werbe-Plakat aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg richtet sich an junge Schulabsolventen, die nicht das Privileg haben, eine höhere Schule zu besuchen, sondern -im Gegenteil- schon früh zum Familieneinkommen beitragen müssen. Das Plakat appelliert an das Verantwortungsgefühl und packt die Jungen bei ihrem gerade erwachenden männlichen Stolz. Der Beruf des Bergmanns, so die Botschaft des Plakats, ist nichts für Weichlinge, die nicht zupacken können, sondern „Ein Beruf für ganze Kerle“. (Der Ausdruck „ganzer Kerl“ ist heutzutage kaum noch gebräuchlich. Ein „ganzer Kerl“ sein meint soviel wie „körperlich und mental topfit sowie moralisch integer“.)
Die Abbildung des Plakats habe ich von der Internet-Seite „deisterbergbau.de“ abfotografiert und den „Absender“ mithilfe vom Lesebrille und Lupe hoffentlich korrekt entziffert: „Deutsche Verwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge der sowjetischen Besatzungszonen in Deutschland- Ausbildung und Umschulung – Berlin“                                                                                                    Schon mein Urgroßvater Leopold, geboren 1861 in Loslau/Oberschlesien, wurde gegen 1890 durch die Werbung der westdeutschen Bergbauunternehmen ins Ruhrgebiet gelockt. Für meinen Urgroßvater, der damals gerade geheiratet hatte, war die Arbeit unter Tage die vielleicht einzige Chance, eine große Familie -seine Frau Carolina sollte 12 Kinder zur Welt bringen- dauerhaft zu ernähren. Vermutlich hat es schon damals Werbeplakate in Form von Aushängen gegeben, auf denen bereits das noch Jahrzehnte später gegebene Versprechen (s.o.) stand: „Arbeit und Brot auf Lebenszeit“.                                                                                                                                                                   Im Nachhinein mutet diese Parole zynisch an,  denn die „Lebenszeit“ der meisten, zu Beginn ihrer Arbeit noch gesunden Bergleute war begrenzt. Dass sie schwere und schwerste Schädigungen der Lunge davontrugen, gepflegt werden mussten und früh starben, dürfte insbesondere den Verantwortlichen in der SBZ längst bewusst gewesen sein. Erstaunlich ist auch, dass man ausgerechnet in der sowjetischen Besatzungszone mit der Plakat-Werbung im großen Maßstab ein zentrales Kommunikations- und Machtmittel des Kapitalismus einsetzte.                                                                          Mein Urgroßvater „erkrankte“ schwer an der Staublunge und starb 1916 im Alter von 55 Jahren als Berginvalide. Sein Sohn Karl, mein Großvater, geboren 1898 in Bottrop, starb am 14.Juni 1946, dem Geburtstag des selbsternannten „Bergarbeiterfreundes“ Donald Trump, im Alter vom 57 Jahren an Lungentuberkulose als Folgeerkrankung der Staublunge. Aber was bedeutet eigentlich „Staublunge“? Unbedingt lesen: https://news.rub.de/wissenschaft/2018-08-28-bergbau-diagnose-staublunge

Elfchen im Siebten: Gartenschnecken-Hochzeit

* 9.7.1957

Am Strand von Spiekeroog: Kinder bauen bei Ebbe eine Sandburg. Als die Sandburg fertig ist, wird sie mit Muscheln verziert, denn Steine findet man am Strand vom Spiekeroog kaum. Die Kinder wissen, dass die Flut kommt, und gehen. Morgen werden sie eine neue Sandburg bauen, die schönen Schalen der Herzmuscheln gibt es wie Sand am Meer. Man merkt der Sandburg an, welche Freude die Kinder hatten, als sie sie gebaut haben. Zwei Jungs, die vorbeikommen, spüren das auch. Sie können die Schönheit der Sandburg nicht ertragen und zögern nicht lange. Was die Flut kann, können wir auch, nur viel schneller.

Aufgrund von Ausgrabungen mithilfe präziser moderner Techniken müssen die Ursprünge der Menschheit immer wieder neu datiert werden. „Sowohl genetische Daten heute lebender Menschen als auch Fossilien weisen auf einen afrikanischen Ursprung unserer Art hin. Die ältesten bisher bekannten Homo sapiens-Fossilien stammen aus Äthiopien: Die Fundstelle Omo Kibish ist 195.000 Jahre alt, Herto wird auf 160.000 Jahre datiert.https://www.mpg.de/11322546/homo-sapiens-ist-aelter-als-gedacht

Geschichtsschreibung als bewusste sprachliche Aufzeichnung und Deutung historischer Ereignisse sowie deren Festschreibung als „Geschichte“ gibt es erst seit der Antike. Die frühen „Historiker“ waren ausschließlich Männer. Mit dem Ende der Steinzeit und der Sesshaftwerdung der Menschen vor gerade einmal 10.000 Jahren hatten die Männer die Herrschaft übernommen. Das Patriarchat setzte sich mit aller Macht und Härte durch. Männliche „Stärken“ wie Muskelkraft, Kampfbereitschaft und Kriegslüsternheit spielten eine immer größer Rolle, denn das Eigentum war entstanden und „musste“ verteidigt werden. Fortan war die Geschichte mitsamt all ihren Institutionen, Erfindungen und kulturellen Errungenschaften immer auch eine Geschichte brutaler Kriege, der primitiven und brachialen Waffengewalt. Kaputtmachen ist einfach, Kaputtmachen ist feige, Kaputtmachen sichert Macht. Nichts ist einfacher, als mit roher Gewalt Tatsachen zu schaffen, Geschichte zu schreiben.

Doch warum hat die zwar gefahr-, aber dennoch friedvolle vorpatriarchale Epoche nicht eher geendet, „was hat die steinzeitliche Welt so lange in der Balance gehalten? Warum hat der Gebrauch von Werkzeugen und Waffen nicht zur Selbstzerstörung geführt? … Entscheidend war die Liebe zum Leben: Das Gespür für Natur, die Ehrfurcht vor der weiblichen Gebärfähigkeit und die Einbettung des menschlichen Daseins in den göttlichen Kosmos…“ Weiterlesen: https://stellwerk60.com/2016/12/06/die-menschheitsgeschichte-begann-in-afrika/

Doch eben diesen friedenssichernden göttlichen Kosmos, jene spirituelle Balance meint der männliche Größenwahn zertrümmern zu müssen. Die männliche Hybris konkurriert dabei nicht nur mit der göttlichen Schaffenskraft, sondern auch mit der Schöpfungsgeschichte. Männer wollen auch deshalb Macht und Einfluss haben, um selber Schöpfer zu sein, (Welt-) Geschichte zu schreiben.

Dieser Gestaltungs-Ehrgeiz zeigt sich auch im Verhalten vieler unserer Zeitgenossen, die, sobald sie Einfluss haben, ohne es zu merken permanent Sandburgen zertrümmern. Buchautor und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will uns nicht nur alle impfen, sondern uns alle aufklären: „Bevor es zu spät ist“ (Rowohlt 2022). Wissenschaftsjournalist, Atheist und Buchautor Ranga Yogeshwar, den ich in mancherlei Hinsicht sehr schätze, impft uns mit Halbwissen. Sein Video „Warum Impfen schlauer ist“ (6.8.2021) ist zwar spätestens seit Omikron in allen Punkten widerlegt, steht aber weiterhin unverändert im Netz. https://www.youtube.com/watch?v=gT9z-l77ZYk

Schon anlässlich der Schweinegrippe im Jahr 2009 mutierte Yogeshwar zum öffentlich-rechtlichen Impf-Missionar. In einer Quarks&Co-Sendung zum Thema Schweinegrippe am 1.9.2009 beantworteten Ranga Yogeshwar und der Virologe Alexander Kekulé, der sich wenig später mit dem schon damals umstrittenen Impfstoff Pandemrix impfen ließ, Zuschauerfragen. Ende 2020 dann benutzte Yogeshwar im Interview mit morgenpost.de in Bezug auf die Corona-Impfung eine zum Fremdschämen kitschige, hymnisch-sentimentale Floskel, die mich aufhorchen ließ: „Ich bin stolz, jetzt Teil der Menschheit zu sein.“ https://www.morgenpost.de/berlin/article231048684/Ranga-Yogeshwar-Corona-Impfen-Schnelltests.html (leider €)

***

Doch wer die Natur nicht sentimental verklärt oder nach Brauchbarkeit abklopft, nach Nutzen für Technik und Wissenschaft, wer noch zu schauen oder zu lauschen vermag, dem (oder der) erzählt sie wundersame Geschichten:

Krochen

in den

Nabel der Spirale

und fanden sich da…

Schöpfungswonne*

Sommer 2021: Diese weibliche Figur habe ich vor drei oder vier Jahren in einem Kringloopwinkel (Kringloop = Kreislauf) in Alkmaar gefunden. Das Holz war glänzend lackiert, aber der Regen hat den Lack mit der Zeit abgewaschen.                                                                                                                           Strudel bewegen sich spiralförmig. Diese langsam fließende Spirale vermittelt nur eine leise Ahnung von der Sogkraft des Strudels. Und doch schienen die beiden Gartenschnecken durch eine geheimnisvolle Kraft in den Nabel der Figur, in den Mittelpunkt der Spirale gezogen worden zu sein. Dabei ist diese Spirale ein Spiel mit der Spirale, die sich, als ich sie genauer betrachtete, noch als etwas anderes entpuppte: Zwei ineinander verschlungene Schlangen.                                          Nachdem ich sie vom Sofa aus beim Blick durch die Terrassentür entdeckt hatte,  blieben die Schnecken dort -zwischen den regenfeuchten Blättern von Minze und Efeu- noch eine Stunde oder länger. Dann ließen sie einander los und krochen in verschiedene Richtungen davon.

***

Ergänzung 16.7.22: Was aber ist der Unterschied zwischen dem Gartenschnecken-Paar und dem Ehepaar Lindner/Lehfeldt? Wir erinnern uns: Bundesfinanzminister Christian Lindner hat am vergangenen Wochenende auf Sylt eine Journalistin namens Franca Lehfeldt geheiratet. Anders als die bundesdeutsche Politprominenz waren wir, das Volk, nicht eingeladen, durften aber der Traumhochzeit zwischen Lindner und Lehfeldt bzw. Politik und Journaille vom Fernsehsessel aus zuschauen.

In der EMMA brachte Alice Schwarzer „den kleinbürgerlichen Kitsch“ der Veranstaltung auf den Punkt: „… Das ganze medial effektiv beschirmt von einer Hundertschaft Polizei, bezahlt vom Steuerzahler. Hochzeitsgast Friedrich Merz braust im Privatjet aus dem Sauerland an, markig am Steuerknüppel. Ein echter Mann eben. Ex-Kandidat Laschet kommt aus Aachen im Kleinbus. Passt. Die Braut steckt in einem cremefarbenen „Jumpsuit“, rückenfrei, der Bräutigam in einem sehr blauen Anzug. Er steigt, knapp vor dem Kirchenportal, aus einem schwarzen BMW. Sie folgt in einem schwarzen Porsche Targa.“ https://www.emma.de/artikel/lindner-hochzeit-es-ist-zum-kotzen-339645

Am liebsten hätte ich weggeguckt, aber Abschalten ging nicht. Schließlich wurden wir auf allen Kanälen mit der Story beballert. Und das, wie Alice Schwarzer schreibt, in „Zeiten, in denen die Inflation galoppiert, die Menschen arbeitslos werden, Alten und Armen das Gas abgedreht wird; in Zeiten, in denen Krieg nebenan ist und in Afrika deswegen noch mehr Menschen verhungern.“ (emma.de, s.o.)

Wir sind das Volk.“ Es gibt uns noch, aber wir sind zum Zuschauen verdammt. Wir müssen das Hochzeitsfest mitfinanzieren, müssen Eintritt bezahlen, aber die Party findet ohne uns statt. Nun zeichnet sich die aktuelle deutsche Bundespolitik durch Abschottung von den Menschen, durch eine kaum noch erträgliche Egomanie der Agierenden, durch Selbstgerechtigkeit, Eitelkeit und Gleichgültigkeit aus. Dolce Vita in Germany: Dass Autonarr und Bundesfinanzminister Lindner, während weltweit Großbrände wüten, seine Hochzeit dazu benutzt, für die deutsche Autoindustrie zu werben, für Porsche und BMW, ist nicht nur scham- und geschmacklos, sondern -wie Alice Schwarzer sagt- zum Kotzen.

Doch was ist jetzt der Unterschied zwischen dem Gartenschnecken-Paar und dem Ehepaar Lindner/Lehfeldt?

Anders als Lindner/Lehfeldt sind den Gartenschnecken Geld, Selbstdarstellung und Haartransplantationen (Lindner) fremd. Und abgesehen davon, dass sie gar nicht stehen können, stehen Gartenschnecken nicht gerne im Mittelpunkt. Beifall ist ihnen suspekt. Aus gutem Grund verstecken sie sich lieber. Doch wenn Schnecken Hochzeit feiern, sind sie der Mittelpunkt der Welt – was alle nachempfinden können, die glücklich verliebt sind oder es einmal waren.

Gartenschnecken sind verletzlich, sie paaren sich nur dort, wo sie sich geschützt fühlen- stundenlang. Dass sie sich vor meinen Augen in den Mittelpunkt der Spirale gesetzt haben, berührte und erfreute mich. Ich war zu ihrer Hochzeit eingeladen. Diese beiden Schnecken schienen genau zu wissen, dass ich sie erschütternd schön finde. Niemand kann mir erzählen, dass Schnecken nicht dankbar sind.

*Auf den Begriff „Schöpfungswonne“ bin ich bei der Theologin Hanna Strack gestoßen, die ihn wiederum in einer Schrift des Religionswissenschaftlers Walter Schubart entdeckt hat („Religion und Eros“, 1941). In ihren Büchern schließt sich Hanna Strack der Weltsicht der Philosophin Hannah Arendt an, für die das menschliche Leben von der Geburtlichkeit geprägt ist und nicht-wie es die klassische Philosophie postuliert- von der Sterblichkeit. Das geht einher mit einem radikalen Perspektivwechsel, denn die Entwürfe der mittlerweile 85jährigen Christin Hanna Strack haben naturreligiöse Elemente.

Anders als die Theoretikerin Hannah Arendt versinnlicht Hanna Strack die „Geburtlichkeit“. Für sie sind Menschen nicht nur Geborene, sondern Gebärende, wobei das Vermögen, ein Kind zur Welt zu bringen, ein rein weibliches ist. Hanna Strack, die drei Kinder zur Welt gebracht hat, entwickelt eine „Theologie des Blühens“ und richtet den Blick auf „das Leben in Fülle“. Sie unterwirft sich nicht der christlichen „Unter Schmerzen sollst du gebären“ – Doktrin, die den Geburtsschmerz als Strafe versteht, sondern entwickelt eine gewagte feministische These: Indem sie mithilfe der Wehen ein Kind/den Menschen zur Welt bringt, ist die Frau „Mitschöpferin“.

Der liebe Gott am alten Stellwerk – Was ist eigentlich SYNCHRONIZITÄT?

Seit ein paar Jahren erlebe ich immer wieder Erstaunliches, das sich rational nicht erklären lässt. Meine Töchter, die beide Psychologie studieren, haben mir erklärt, dass es sich um Ereignisse handelt, die der Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie, Carl Gustav Jung (1875-1961), „Synchronizität“ genannt hat. Es ist gut zu wissen, dass es für meine Erfahrungen einen Begriff und eine Erklärung gibt, und vor allem: Dass andere Menschen Ähnliches erleben.

Leider sind die Definitionen, die ich im Netz finde, so abstrakt, dass sie kaum jemand verstehen kann. Die konkreteste ist noch folgende Erklärung im Wikipedia-Eintrag:

Es handelt sich bei der Synchronizität um ein inneres Ereignis (eine lebhafte, aufrührende Idee, einen Traum, eine Vision oder Emotion) und ein äußeres, physisches Ereignis, welches eine (körperlich) manifestierte Spiegelung des inneren (seelischen) Zustandes bzw. dessen Entsprechung darstellt“. https://de.wikipedia.org/wiki/Synchronizität

Diese Definition (in dem ansonsten sehr erhellenden Beitrag zu Synchronizität) sagt allerdings nur den Menschen etwas, die bereits Synchronizitäts-Erfahrungen gemacht haben. Und sie fasst auch nicht das Rätselhafte und Wundersame. Daher möchte ich das Phänomen einfach erklären. Am besten geht das, wenn ich es mit dem Träumen vergleiche: Man stelle sich vor, die Absonderlichkeiten, die wir träumen, passieren wirklich!

Träume können schön sein oder bedrohlich, schlicht oder hochkomplex, banal oder existentiell. Oft halten sie uns den Spiegel vor. Manchmal ertappen sie uns. Träume führen uns mit Personen zusammen, die wir nie treffen wollten. Wir finden uns in liebender Umarmung mit einem Menschen wieder, den wir „in echt“ nicht mögen. Was bedeutet das? Sehnen wir uns insgeheim nach diesem Menschen?

Erstaunlich finde ich immer wieder, dass uns ein Traum keine zusammenhanglosen Bilder serviert, sondern eine sinnvolle und oft klar strukturierte Geschichte erzählt, die ziemlich verrückt sein kann und oft auch überraschende Wendungen enthält. Doch wer oder was erzählt da eine Geschichte? Etwas scheint in uns zu sein, das mehr über uns weiß als wir selber. Keine künstliche Intelligenz, sondern eine wirkliche, eine geheimnisvolle. Wenn wir wieder wach sind, ist der Traum zu Ende. Meistens jedenfalls.

Synchronizitätserlebnisse ähneln Träumen, doch ist das, was in unseren Träumen „nur geträumt“ ist, real. Seltsamkeiten, wie sich sich sonst nur im Traum ereignen, passieren tatsächlich. Berühmt geworden ist eine Geschichte, die C.G. Jung in seiner analytischen Praxis selber erlebt hat.

Eine junge Patientin hatte in einem entscheidenden Moment ihrer Behandlung einen Traum, in welchem sie einen goldenen Skarabäus zum Geschenk erhielt. Ich saß, während sie mir den Traum erzählte, mit dem Rücken gegen das geschlossene Fenster. Plötzlich hörte ich hinter mir ein Geräusch, wie wenn etwas leise an das Fenster klopfte. Ich drehte mich um und sah, dass ein fliegendes Insekt von außen gegen das Fenster stieß. Ich öffnete das Fenster und fing das Tier im Fluge. Es war die nächste Analogie zu einem goldenen Skarabäus, welche unsere Breiten aufzubringen vermochten, nämlich ein Scarabaeide (Blatthornkäfer), Cetonia aurata, der gemeine Rosenkäfer, der sich offenbar veranlasst gefühlt hatte, entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten in ein dunkles Zimmer gerade in diesem Moment einzudringen.“ (zitiert nach wikipedia, s.o.)

Ich persönlich mag Streitgespräche, doch meistens geht es da nur um den Schlagabtausch, während sich die Fronten verhärten. Jeder will gewinnen, ich, wenn ich dabei bin, übrigens auch. (Nebenbei gesagt: In der geschlossenen Gesellschaft des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist seit Corona das Denken tabu. Sorgfältig ausgewählte Talkshowgäste führen Scheingefechte, bei denen alle gewinnen, denn die einzelnen Positionen unterscheiden sich nicht wirklich voneinander. Man bestätigt sich gegenseitig und geht gut gestimmt aus der Veranstaltung heraus. Dieser Triumph ist jedoch nur durch die Ausgrenzung Andersdenkender erkauft.)

Erkenntnis jedoch kann nur gewonnen werden, wenn die Gesprächspartner nicht miteinander konkurrieren. Ist die Gesprächs-Situation offen und entspannt, kann gelingen, was der Schriftsteller Heinrich von Kleist (1777-1811) in einem Aufsatz „Die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ genannt hat.

So wie in C.G. Jungs Behandlungsraum: Die Patientin erinnert sich an den Traum und bewahrt ihn auf diese Weise davor, dass sie ihn wieder vergisst. Dann nämlich würden seine Bilder und Botschaften wieder ins Unbewusste abgleiten. Während die Patientin ungestört ihren Traum nacherzählt, ins Bewusstsein holt und noch einmal zum Leben erweckt, ist der Therapeut entspannt und gespannt zugleich, er ist ganz Ohr. Das ist nicht ungefährlich, da er an eben dieser Stelle ungeschützt ist. Doch C.G. Jung vertraut seiner Erfahrung und hört auf das Ohr, denn er weiß: Als unser ältestes, erstes, schon in einer frühen Phase unserer pränatalen Existenz hochentwickeltes Wahrnehmungsorgan ist das Ohr das Kontaktorgan und die Pforte zu unserer Innenwelt und dem Unbewussten.

Und es ist wiederum das offene Ohr, das die Klopfgeräusche eines kleinen Käfers vernimmt, dessen ferner Verwandter, der Skarabäus, als Glücksbringer gilt, weil er über telepathische Fähigkeiten verfügt. „Die Bedeutung als Glücksbringer und Schutzsymbol resultiert aus der früheren Annahme, dass Skarabäen das Nilhochwasser angeblich frühzeitig spüren. Die Tiere wanderten weg vom Wasser, tauchten in den Häusern auf und kündigten so den Ägyptern das ersehnte Nilhochwasser an.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Skarab%C3%A4us

Nur gut, dass C.G. Jung den Käfer (im Fluge!) gefangen hat, denn vielleicht wollte der kleine, neugierige Käfer nicht nur in das Zimmer hinein fliegen, sondern in das Ohr des großen Wirklichkeitsdeuters krabbeln. Der außergewöhnlich phantasiebegabte C.G.Jung sagte einmal einen wunderbaren (aus heutiger Perspektive „globalisierungskritischen“) Satz, der oft zitiert werden sollte: „Das einzig lebenswerte Abenteuer kann für den modernen Menschen nur noch innen zu finden sein.“ (C.G. Jung: Der Mensch und seine Symbole.) Dieses abenteuerliche menschliche Innen interessiert natürlich auch einen Käfer. Wie dem auch sei: Was sich da zwischen Therapeut, Patientin und Käfer ereignet, spiegelt nicht nur den Traum der Patientin, sondern hört sich an wie ein Traum. Nur ist es keiner.

Manche Menschen berichten davon, dass sich während eines intensiven Gesprächs mit einem seelenverwandten Menschen plötzlich in der Außenwelt etwas ereignet, das das Gespräch bebildert. Ich kenne das von Telefongesprächen mit meiner jüngeren Tochter, die die Gewohnheit hat, mich anzurufen, wenn sie zu Fuß unterwegs ist.

Ende Mai 2021: Meine Tochter Carla gehört Brexit-bedingt zu den vermutlich letzten Erasmus-Studentinnen in England und wird noch bis Ende Juni 2021 an der „Durham University“ eingeschrieben sein. Während die Lehrveranstaltungen fast alle online stattfinden, werden im Frühjahr 2021 endlich wieder (kostenlose) Uni-Sportkurse angeboten. Das Angebot ist groß- auch für die Erasmus-Studenten, die ja nicht einmal Studiengebühren zahlen. Die bewegungsfreudige Carla würde am liebsten alle Kurse belegen, was natürlich nicht geht. So entscheidet sie sich für Fußball, Tennis, Kanu auf dem Fluss Wear, Volleyball, Badminton und Netball, laut Carla „eine Art Soft- Basketball für Frauen“.

Jetzt ist sie auf dem Weg zum Badminton-Training, das in einer hochmodernen Halle im „Maiden Castle Sports Park“ stattfindet. Da sie das Corona-Test-Ergebnis abwarten muss, hat sie noch Zeit und ruft mich an. Ich sitze gerade am Computer und studiere den Wetterbericht für Durham. „Du hast heute Nebel“, sage ich. „Wann kriegst du dein Testergebnis?“

„Gleich“, sagt meine Tochter. „Aber hier ist es nicht nebelig.“

„Merkwürdig“, sage ich. Wir reden vom Rasenmähen, um das Carla nicht herum kommt, weil es in ihrem WG-Zimmer-Mietvertrag ausdrücklich als Pflicht vermerkt ist, dann von den Krähen, die in Durham anders aussehen als in Köln oder Heidelberg. Währenddessen gucke ich kurz ins Internet und stelle fest, dass das Symbol, das ich im Wetterbericht gesehen habe, tatsächlich „Nebel“ anzeigt. Jetzt wird mir Brillenwerbung eingeblendet. Dafür hat sich laut Wetterbericht der englische Nebel verflüchtigt. Ich klicke den Wetterbericht weg, aber wieder kommt Brillenwerbung.

„Mir werden ständig Brillen eingeblendet“, sage ich zu meiner Tochter. „Was soll ich denn damit? Aber der Nebel hat sich aufgelöst.“

„Sag ich doch“, lacht die. „Aber das ist ja lustig.“

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Im Gras findet meine Tochter eine Brille, die sie im Sport-Center abgibt. Ich beschließe, nicht mehr so oft in den Wetterbericht zu gucken, der neuerdings eh kaum noch stimmt.  Carlas Schatten belegt, dass es in Durham nicht nebelig ist. (Selfie: Carla)   Carla hatte zu dieser Zeit, wie man sieht, gestutzte Fingernägel. Das war den Netball- „Benimmregeln“ geschuldet. Wenn zwei College-Mannschaften aufeinander treffen, kontrolliert die Schiedsrichterin vor dem Spiel die Fingernägel der Spielerinnen. Damit sich die Spielerinnen nicht kratzen können, müssen die Nägel kurz geschnitten sein und dürfen nicht über die Fingerkuppe ragen.

Eine telepathisch-telekommunikative Nabelschnur…

November 2021: Meine Tochter Carla, die Corona-bedingt überwiegend online studiert, ist wieder aus England zurück, zur Zeit aber in Frankreich. Sie ist auf dem Weg zum Bahnhof von Saint-Germain-En-Laye und nutzt die Gelegenheit, mich anzurufen. Wir reden über dies und das, und dann erzählt sie mir etwas, das sie beunruhigt: Sie hat schon mehrere junge Französinnen kennengelernt, die mit dem Militär liebäugeln und von einer Karriere bei der Armee träumen. Carla, die als Fußballerin den spielerischen Zweikampf nicht scheut, ist eine glühende Pazifistin.

Ich necke meine Tochter und erinnere sie daran, dass sie -nachdem sie sich bei einer Werbeveranstaltung in ihrer Schule spaßeshalber in eine Liste eingetragen hatte- eine Zeitlang immer wieder Post von der Bundeswehr bekam.

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Köln-Nippes, Herbst 2020. Eine perfekte Tarnung: S-Bahn im Military-Look. Werbe-Slogan: „MACH, WAS WIRKLICH ZÄHLT. Nach der Schule liegt dir die Welt zu Füßen.  MACH SIE SICHERER.“ Diese offensive Zurschaustellung der Bundeswehr wäre zu Zeiten einer allgemeinen Wehrpflicht  undenkbar gewesen. Doch der Bundeswehr fehlen die Rekruten. Wer geht nach der Befreiung von der Wehrpflicht noch freiwillig zur Bundeswehr? Also muss Werbung her.                       Frühsport und Drill im Dreck konnten die wehrpflichtigen Männer meiner Generation noch abschrecken, werden aber heutzutage den jungen Leuten als Fitness-bzw. Survival- Training  verkauft. So banalisiert man den Krieg. Military Fitness lockt leider auch Frauen an. Die Schlacht -so wird suggeriert- ist eine schweißtreibende Angelegenheit, und zwischen Fitness-Studio und Front besteht kaum noch ein Unterschied.                                                                                                    Mit großem medialen Aufwand startete  die Bundeswehr im Jahr 2015 eine erste bundesweite Werbekampagne. Die junge blonde Frau, die uns in einem kleinen Video vorgestellt wird, wollte eigentlich Lehrerin werden. In der Eingangssequenz wandert sie mit einem Rucksack auf dem Rücken durch eine Alpen-Landschaft. Aber sie ist keine Backpackerin, sondern angehende militärische Führungskraft. Gerade absolviert sie einen freiwilligen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern, was sie auf die Idee bringt, sich zur Offizierin ausbilden zu lassen. https://www.welt.de/kultur/video149501137/Mach-was-wirklich-zaehlt.html

Der Krieg lässt Carla und mich nicht los. Da man am Telefon schlecht schweigen kann, reden wir und reden, auch über Carlas Vater, der ein leidenschaftlicher Kriegsdienstverweigerer und überzeugter Zivildienstleistender war. Mit Zivis, die er später unterrichtet hat, hat er Klaus Theweleits „Männerphantasien “ gelesen. Wir reden und reden und landen bei Trump: Eigentlich sind militärische „Übungsflüge“ über Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern verboten. Am Tag nach Trumps Wahl zum Präsidenten der USA sind jedoch „just for fun“ Kampfjets über Köln und auch über die autofreie Siedlung hinweg geflogen. Weil ich zufällig draußen war, habe ich es überhaupt nur mitgekriegt. Scheinbar hat es niemanden interessiert. Gruselig!

„Das darf doch nicht wahr sein“, sagt meine Tochter und lacht. „Da kommen Panzer angefahren.“

Was gerade noch Gesprächsthema ist, kann schnell Realität werden. Straßenkreuzung in Saint-Germain-En-Laye, Panzer-Transport:

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Ich muss gestehen, dass diese und andere Erlebnisse -kleine Synchronizitäten- mir zunächst nicht ganz geheuer waren. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, denn sie passieren oft und sind zwar rätselhaft, aber (in der Regel!) alltäglich. Meine „Allltagswunder“ sind weder gut noch schlecht, sondern erstaunlich. Um Synchronizität zu erleben, muss man offen sein und darf keine Angst davor haben, verrückt zu werden.

Es ist überlebensnotwendig, dass wir uns und insbesondere unsere Kinder vor den Schreckens- und Horrorbildern schützen, mit denen wir tagtäglich beballert werden, nicht nur im Internet, sondern zunehmend auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Denn diese Bilder machen Angst. Sie besetzen und zerstören nicht nur die Phantasie, sondern verfolgen uns bis in unsere Träume. Ich denke dabei nicht nur an offen brutale Szenen. Erschreckend finde ich den Krimi-Schauplatz Gerichtsmedizin. Auch in den Krimis, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk ausstrahlt, werden „gespielte“ Leichen schamlos zur Schau gestellt. Insbesondere im Münsteraner „Tatort“, der zur besten Sendezeit familienfreundlich daher kommt, werden Krankheit, Mord, Tod und Sterben veralbert und banalisiert.

„Alltagswunder“ können wir nur dann erleben, wenn wir es schaffen, uns die offen oder versteckt brutalen Bilder vom Leibe zu halten. Im Fernsehen meiner Kindheit gab es „Kinderstunde“, „Sendeschluss“ und mediale Verschnaufpausen. Wir Kinder der 1960er Jahre, so behaupte ich, haben noch anders geträumt. Meine Kinder-Alpträume waren so harmlos, dass ich eine Technik entwickeln konnte, mich daraus zu retten und in Sicherheit zu bringen. Praktischerweise hatte ich immer den gleichen Alptraum: In dem kleinen Wäldchen, wo wir Kinder gerne spielen, werde ich von einem Krokodil verfolgt. Dann sage ich mir, dass es in Bottrop keine Krokodile gibt, ziehe mich mit aller Kraft aus dem Traum heraus und wache auf. Der Trick klappt immer noch, auch wenn das Krokodil mittlerweile der Mensch ist.

Manchmal habe ich das Gefühlt, dass ich geneckt werde. Da ertappt mich jemand, ein Schelm, ein Trickster. Der Witzbold hält mir den Spiegel vor und kennt meine Ticks und Marotten. Und er weiß um mein Faible für Zahlen.

Im Sommer habe ich mir zum ersten Mal im Leben ein Auto gekauft. Als ich ein gutes Angebot bekam, schlug ich direkt zu. Es ging nicht anders: In der verkehrten Welt der autoritären Corona-Maßnahmen ist ausgerechnet das Auto (m)ein Freiheits-Gefährt.

Juni 2021: Ich habe das Glück, kurzfristig einen Vormittags-Termin in der KFZ-Zulassungsstelle zu bekommen. Ich habe ein Wunsch-Kennzeichen im Kopf, ein Buchstabenpaar und die zweistellige Hausnummer meines Elternhauses. Ich bin optimistisch, schließlich will ich nicht das beliebte Autokennzeichen K FC plus einer Zahl zwischen 1 und 9999. Diese Kennzeichen sind längst alle vergeben.

Zufällig werde ich an genau den Schalter geschickt, dessen Nummer mit meiner Elternhaus- Nummer bzw. Autokennzeichen-Wunschzahl identisch ist. Das passt, denke ich. Doch leider ist mein Wunsch-Kennzeichen schon vergeben. Übrig sind nur noch drei- und vierstellige Zahlen. Ich habe ein paar tausend Zahlen zur Auswahl. Die Frau hinter dem Schalter ist geduldig. Nach einigem Überlegen entscheide ich mich für eine dreistellige Zahl. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob diese Zahl die richtige ist. Das sollte sich ändern.

Nachmittags gehe im REWE einkaufen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, was ich kaufe, ein paar kleine Teile, aber an den Geldbetrag erinnere mich genau: Die krumme Summe entspricht genau den Zahlen auf meinem Autokennzeichen!

November 2021: Ich schreibe an meinem Blogbeitrag „The Great Health Dictator“, der auch eine Hommage an Charlie Chaplin ist. Auf dem Weg zum Siedlungsladen denke ich darüber nach, dass ich alle Informationen aus dem Internet habe und dass es eigentlich schade ist, kein Buch über Chaplin zu besitzen. Gleichzeitig bin ich froh darüber, denn wir haben zu viele Bücher, außerdem leben in unserem Haus bücherliebende Silberfischchen. Kurz vor dem Geschäft bemerke ich eine „Zu Verschenken“- Kiste. Darin sind zwei gut erhaltene Bücher: Ein Kochbuch und…

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Dass es sich bei meinem Fundstück laut Verlags-Werbung um einen „Sensationsfund“ handelt, finde ich lustig. Ich habe das Buch mit nach Hause genommen, denn Geschenke darf man nicht ausschlagen. 

Blödel-Ölfchen: Klimakommentar des Meisenknödels

Der Januar 2022 ist so mild, dass schon jetzt das Gras wieder wächst. Wie kräftig und saftig -wenn auch spärlich- die Halme mancherorts sprießen, demonstrieren fünf Meisenknödel, die vor dem Nippeser Mehrfamilienhaus Am alten Stellwerk 32 an den Ästen eines Baumes hängen.

Die

Sturmfrisur des

Meisenknödels ähnelt der

des Greisenschädels – O schneemännerloser

Jänner!

***

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Immerhin wurde bei der Herstellung dieses Knödels frischester Grassamen verbacken! Etwas Gutes haben die milden Temperaturen: Fiele auch nur ein bisschen Schnee, würden die Nippeser Kinder kleine Schneemänner bauen, und die Meisenknödel müssten als Köpfchen herhalten. Leider kann ich mich nicht am Grün erfreuen. Wenn der Winter ausbleibt, erfriert das Frühlingserwachen.

Genau vor einem Jahr war in Nippes an den beiden Sonntagen 17.1. und 24.1.2021 etwas Schnee gefallen. Damals „war die Stimmung ausgelassen. Eine Ahnung vom Winter, wie er früher einmal war, ließ viele Menschen die Corona-Zwangsmaßnahmen für eine Weile vergessen.“ https://stellwerk60.com/2021/02/22/schnee-elfchen-tauwettertrotz/

Ich wünsche unseren Kölner Kindern, die (genauso wie die schneeverwöhnten Kinder in Süddeutschland) tagtäglich die geballte Dummheit der öffentlich tonangebenden Erwachsenen ausbaden und seit fast zwei Jahren die Zumutungen einer respektlosen, autoritären Corona-Politik erdulden müssen, viel Schnee, wenn nicht jetzt, dann im Februar!

Dir, Ökohund Freki (vgl: https://stellwerk60.com/2021/05/24/elfchen-im-funften-hunde-brauchen-baume/), wünsche ich den Schnee natürlich auch!

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Das Bad im Schnee  – Berauschend für ältere… Hunde.

Apf-Elfchen im Zwölften: Ungeimpfte Angelfreude

Seit letzter Woche gilt in NRW auch für Baumärkte 2G. Das heißt, nur noch „Genesene“ und „Geimpfte“ haben dort Zutritt. Sogenannte „Ungeimpfte“ bleiben außen vor. Nun bin ich „ungeimpft“ und gehe eher selten in den Baumarkt, aber manchmal brauche ich etwas, das es nur dort zu kaufen gibt. Ich hatte Glück: Gerade noch rechtzeitig vor 2G war in unserem Wäschekeller die Leuchtstoffröhre defekt. Wäschewaschen im Dunkeln – das geht schlecht. Ich stellte eine Stehlampe vor die Waschmaschine. Auf diese Weise konnte ich zwar die bunte Wäsche von der weißen unterscheiden, aber das Wäschewaschen (genauer gesagt: das Bestücken der Waschmaschine) machte nicht wirklich Spaß.

Mit Hilfe von YouTube erkannte ich, dass diesmal nicht der Starter defekt war, sondern die Röhre. So fuhr ich zum OBI und wurde dort gut beraten. Ohne Beratung vor Ort hätte ich, nur weil die Maße stimmten und mir der Name gefiel, die falsche Röhre gekauft, eine Fluora PflanzenLeuchtstoffröhre.

Da unser Apfelbaum noch Äpfel trug und die Leiter wackelig war, habe ich mir bei der Gelegenheit einen sogenannten Obstpflücker angeguckt. Das ist eine lange Stange, an deren Ende ein kleines Netz mit zupackenden Greifzähnchen befestigt ist. Mit dem Obst- bzw. Apfelpflücker, der einem Klingelbeutel frappierend ähnlich sieht, kommt man vom Boden aus an die Äpfel. Im Internet hatte ich zuvor ein relativ preiswertes Gerät der OBI-Eigenmarke LUX ausgeguckt. Allerdings trug die kritische Rezension eines Kunden einen zwar poetischen, aber mahnenden Titel: Wackelt wie ein Lämmerschwanz.

Glücklicherweise war das Gerät nicht vorrätig. Denn auf dem Rückweg vom OBI traf ich mitten in der Siedlung zufällig unseren „Bürgermeister“ Hans-Georg Kleinmann, dem ich mein Leid klagte. Hans-Georg, so stellte sich heraus, besitzt einen hochwertigen Apfelpflücker mit Teleskopstange, den er gerne verleiht und den ich mir jederzeit bei ihm abholen könnte. Ich traute mich nicht, nein zu sagen, denn ich wollte ihn nicht verletzen. Schließlich ist Hans-Georg ein sehr hilfsbereiter Mensch, der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass sich in Stellwerk 60 über die Jahre hinweg ein erstaunlich gutes nachbarschaftliches Tausch-, Verleih- und Kommunikationsnetz (inklusive Klatsch und Tratsch, der nun mal dazugehört) entwickeln konnte.

Was den Apfel betrifft, gibt es noch eine ganz andere Verbindung zwischen Hans-Georg und mir. Im winzigen Garten von Hans-Georg und Anne steht der gleiche Apfelbaum wie bei uns: Geheimrat Dr. Oldenburg. Bauträger Kontrola hat damals auf jedes Reihenhausgrundstück je ein Apfelbäumchen gepflanzt, weder Elstar noch Granny Smith, sondern Bäume unterschiedlicher alter Sorten. „Alte Sorten“ hört sich gut an, insbesondere in den Ohren des Bildungsbürgers, aber die Sache hat einen Haken.

1897 an der damaligen Höheren Lehranstalt für Obstbau zu Geisenheim als eine Kreuzung aus den Sorten Minister von Hammerstein und Baumanns Renette gezüchtet, ist der Apfel mit dem klangvollen Namen Geheimrat Dr. Oldenburg tatsächlich ein Resultat wissenschaftlicher Forschung. (vgl. Wikipedia) Der Doktor-Titel steht für Qualität, auch dann noch, wenn ein Baum ihn trägt. Doch dass es den Apfel nirgendwo zu kaufen gibt, sollte uns misstrauisch stimmen. Bei Wikipedia heißt es beschönigend: „Die geschmackliche Qualität der Äpfel gilt „selbst auf guten Standorten“ als „bescheiden“. Indes ist die Apfelsorte „aufgrund ihres einzigartigen, fast exotisch wirkenden Geschmacks in vielen Liebhabergärten“ anzutreffen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Geheimrat_Dr._Oldenburg Mit anderen Worten: Der Apfel mit dem Doktor-Titel schmeckt zwar „fast exotisch“, aber lecker ist er nicht.

Ich verabschiedete mich von Hans-Georg mit den Worten: „Vielleicht komme ich nachher für den Apfelpflücker vorbei“, aber in mir reifte längst eine Idee. Und als ich dann das Fahrrad in den Schuppen stellte, fiel mein Blick auf das alte, auf der Nordseeinsel Spiekeroog (oder war es Schiermonnikoog?) vor über zwanzig Jahren gekaufte Krabbennetz, das seinen Zweck schon seit Jahren nicht mehr erfüllt.

Es geht nämlich auch so…

In

Ermangelung einer

Apfelangel nahm ich

das Krabbennetz. Leiterfrei glücklich,

schwankschwindelos

Ein paar Äpfel ließ ich anders als in den vergangenen Jahren am Baum, in der Hoffnung, dass… Und sie kamen, sie kamen zum ersten Mal! Die Nippeser Halsbandsittiche, prachtvolle immergrüne Papageienvögel, die selbst im Winter in Köln bleiben und uns in der lichtarmen Jahreszeit Trost spenden, hatten meine Geste verstanden und nahmen die Einladung an. Oh ja, wir teilten uns die letzten Äpfel…

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In den OBI muss ich vorerst nicht, was ja ohnehin nicht ginge. Dabei soll es gerade in den Baumärkten neuerdings heiter zugehen. Bei Hornbach dürfen Geimpfte endlich wieder Kind sein. Und wenn die Leute zum Drive-Inn kommen, stolz ihren Impfausweis zücken und dabei fröhlich „Jippi-ei-jeh“ rufen, dürfen sie bei Hornbach sogar in eine Art Touristenbähnchen steigen und an Tapetenrollen und Bohrmaschinen vorbei eine kleine „Bildungsreise“ (Hornbach-Werbung) unternehmen: „Jippi-ei-jeh“.

Kleine Ergänzung am 12.12.:

Mittlerweile werden, wie ich vorhin las, in der Apfelernte auch Drohnen eingesetzt. Diese Drohnen sind mit Roboter-Armen ausgestattet, Pflück-Apparaturen, die auf ähnliche Weise nach den Äpfeln greifen wie das oben erwähnte Gerät, dem mit der Hand zu bedienenden Apfelpflücker. https://www.rtl.de/cms/roboter-statt-mensch-drohnen-pfluecken-in-israel-die-aepfel-von-den-baeumen-4460335.html

Doch so einfach, wie es scheint, funktionieren die Drohnen nicht, denn beim Pflücken setzt man auf die sogenannte „künstliche Intelligenz“. „Die Firma „Tevel“ entwickelt die Technologie seit 2018. Eine künstliche Intelligenz erkennt anhand von Algorithmen die Frucht am Baum und kann diese ernten.“ (ebd.)

Doch was ist der eigentliche Vorteil daran, dass man den Menschen ersetzt? „Die Roboter seien zwar genauso schnell wie der Mensch, würden aber keine Pausen benötigen.“ (ebd.) So ist die künstliche Intelligenz: Leidenschaftslos. Im Idealfall funktioniert sie reibungslos. Das, was den Arbeitgeber schmerzt, aber dem Menschen die Arbeit erträglich macht bzw. versüßt, der Lohn und die Pause, das interessiert den Roboter nicht.

Darüberhinaus versagt die KI gerade da, wo man meint, den Menschen nach dem Prinzip „Billiger, billiger, billiger“ ersetzen zu können, etwa beim Apfelpflücken. So wird, was hochtrabend daherkommt, schnell zur Lachnummer. „Die erst 2016 gegründete Fa. Abundant Robotics mit Sitz in Hayward, Kalifornien leitete am 29. Juni ein Konkursverfahren ein und steht mit seinen bis zu fünf Prototypen, Erkennungs-Software und Patenten zum Verkauf – dies ist gerade die Firma, auf die so viele Projekte, Obstbaufachleute und Zukunftsforscher als Stern am Firmament gesetzt hatten und ihre Anbausysteme als „robot ready“ ausgerichtet hatten. https://www.gb-profi.de/nachricht-gemuese/detail/abundant-apfelernte-roboter-konkurs-rueckschlag-fuer-robotik/

Insbesondere die „Erkennungs-Software“, also das „Hirn“ des Roboters, hatte versagt. „Herausforderung ist die Fruchterkennung, die sich auf eine schmale Fruchtwand oder junge Bäume bezieht; verdeckte Früchte oder solche in Büscheln oder in Spindelbäumen entziehen sich der Erkennung, sodass die Pflückrate zwischen nur 50 % und 90 % der Äpfel am Baum schwanken kann, auch wenn die Firma von 85 % packout spricht.“ (ebd.)

Diese Prozentzahlen erinnern mich an den Verkäufersprech, mit dem die Corona-Impfung damals an bzw. in den Mann gebracht wurde, und die ja auch in keiner Weise einlöst, was versprochen wurde. Doppelt Geimpfte und sogar Geboosterte stecken sich an und erkranken zum Teil sogar schwer. Gegen die „neue Virus-Variante“ Omikron ist die Biontech-Impfung vermutlich sogar fast wirkungslos. Doch anders als „Robotics“ wird „Biontech“ weiter gesponsert. Die „Impfpflicht“ wird angedroht, die Politik macht weiter wie bisher… When will they ever learn?Wann wird man je versteh’n?

Jetzt knurren die Menschen sich an – Die stille Genugtuung eines altersweisen Nippeser Hütehundes

Hund Freki, vierbeiniger Bewohner der autofreien Siedlung Stellwerk 60, mag Corona. Die Menschen sind meistens zu Hause, führen ihre Hunde aus und kraulen die Katzen, sitzen auf dem Sofa oder am Computer, essen und gähnen viel – Und knurren sich an.

Im Lockdown haben sich die Nachbarn Hühner angeschafft. Was den Rüden irritiert: Ohne einen Hahn dabei legt jedes dieser Hühner alle zwei Tage ein Ei.

Vor allem in China, so hatte Freki gehört, lieben die Hunde Corona, denn neuerdings stuft das chinesische Landwirtschaftsministerium den Hund nicht mehr als „Nutztier“ ein. Bilder von chinesischen Lebensmittelmärkten hatten zu Beginn der Pandemie international Argwohn erregt. Konnten die toten Hunde, die man dort ungehemmt zum Verzehr feilbot, nicht Krankheiten übertragen? Daher wurden noch im Frühjahr 2020 die chinesischen Hunde als „Haustiere“ klassifiziert, was den Hundefleisch-Verzehr deutlich reduziert haben dürfte.

Inzwischen weiß man, dass der Mensch zwar den Hund, aber der Hund nicht den Menschen ansteckt. Sein Frauchen hatte ihm einen wissenschaftlich fundierten Text vorgelesen, den er auswendig kannte: „Mittlerweile ist bekannt, dass hinter den medial weit verbreiteten Fällen angeblich positiv getesteter Hunde in Hong Kong mehr steckt als meist dargestellt wurde: Von maßgeblicher Bedeutung für das Verständnis ist, dass im Falle der Hunde die Probe jeweils aus der Schnauze, explizit der Zunge, der Tiere entnommen wurde und sich der Erreger somit nicht „im“ sondern „am“ Tier befand. Daraufhin wurden die Hunde unter Quarantäne gestellt und die Tests mehrfach wiederholt: Die Ergebnisse waren stetig negativ.  Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die OIE sind sich einig, dass in diesen Fällen die Hunde weder infiziert noch erkrankt waren, sondern das Virus kurz vor den Tests über mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen an das Tier gelangt sein muss… Eine Übertragung des Virus vom Hund auf den Menschen ist derzeit noch nicht vorgekommen.https://welttierschutz.org/haustiere-coronavirus/

Da er als Hund nicht mehr als Virus-Überträger galt, hatte das Kölner Gesundheitsamt, dessen Mitarbeiterin am 23. Juli zum Hausbesuch kam, bei den Menschen einen PCR-Test vorgenommen, nicht aber bei ihm. Das war begrüßenswert, denn insbesondere für ältere Hunde (und er war ein älterer Hund!) endete der staatliche Corona-Zugriff (nicht aber Corona!) unter Umständen tödlich. „The first known dog to test positive for the coronavirus has died in Hong Kong after apparently recovering from the disease, according to a local report. The pooch, a 17-year-old Pomeranian, passed away Monday after being returned home to its owner following a government quarantine and a negative test for the virus, the South China Morning Post reported.“ https://nypost.com/2020/03/17/first-dog-to-test-positive-for-coronavirus-has-died-in-hong-kong/ Zu deutsch: „Der erste bekannte Hund, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ist in Hongkong gestorben, nachdem er sich offenbar von der Krankheit erholt hatte, so ein lokaler Bericht. Der Hund, ein 17-jähriger Pomeranian, verstarb am Montag, nachdem er nach einer staatlichen Quarantäne und einem negativen Test auf das Virus zu seinem Besitzer zurückgebracht worden war, berichtet die South China Morning Post.“ Übersetzt mit http://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Als sein Frauchen erfahren hatte, dass selbst die GRÜNEN für eine Corona-Impfpflicht waren, war sie traurig geworden. Sie sehnte sich nach einer Petra Kelly, wer auch immer die war. Doch anders als sonst hatte er nicht einmal den Versuch gemacht, sein Frauchen zu trösten. Leider musste er sagen, dass er eine Impfpflicht für erwachsene Menschen durchaus begrüßte. Denn diese fiese Grenzüberschreitung zeigte seinem Frauchen, dass der Mensch, kaum war er an der Macht, so menschlich nicht war.

Der Politiker, mit dem er am liebsten einmal wandern gehen würde, das war nicht der Habeck, sondern der Söder. Freki ist sich sicher: Hunde würden Söder wählen. Denn der Markus Söder ist zwar hart gegenüber den Menschen, aber sanft zu den Hunden: „Des Mannes bester Freund: der Hund“, hat er einmal gesagt. „Bei mir ist es eine Hundedame und heißt Fanny.“ (Facebook, 2. Februar 2015) Und als die Hundedame vor zwei Jahren starb, hat der Markus Söder die Menschen an seiner Trauer teilnehmen lassen: „Eine traurige Nachricht: unsere Labradordame Fanny ist verstorben. 12 Jahre war sie im Herzen der Familie. Wir werden sie sehr vermissen.“ (Facebook, 8. September 2019)

Freki befürwortet die Corona-Zwangsmaßnahmen, weil die Menschen diesmal nicht die Tiere drangsalieren, sondern die eigene Art. Endlich einmal wird nicht mehr den Tieren unterstellt, tödliche Krankheiten zu übertragen, sondern den Menschen.

Endlich sind die Menschen ihre eigenen Versuchskaninchen, denn die Corona-Impfung wurde nicht nur an den Tieren, sondern sehr bald auch an den Menschen erprobt. Und endlich müssen Menschen Maulkörbe tragen.

Freki begrüßt die strengen Gesundheitskontrollen, denn endlich sind es nicht mehr nur die Haustiere, die 3G vorweisen müssen. Bei seinen Reisen nach Cornwall im Jahr 2018 und nach Tyne and Wear im Jahr 2020 war Freki gechipt, geimpft, gecheckt (und entwurmt), sonst hätte man ihn gar nicht erst ins Land gelassen.

Eines Morgens -es war im Sommer vor drei Jahren- hatte sich sein Frauchen auffällig zärtlich verhalten. Sie hatte gelächelt, ihn ausgiebig gebürstet und schön gemacht. Für den Morgenspaziergang, hatte er noch gedacht, aber dann hatte sie nicht nur nach der Leine gegriffen, sondern den Heimtierausweis in den Rucksack gepackt, was nichts Gutes versprach. Und wie nebenbei hatte sein Frauchen gesagt: „Übrigens, Freki, wir gehen jetzt zur Tollwutimpfung.“

„Wir“ war natürlich maßlos übertrieben. Eine Familien-Reise nach England stand an, was ihn hätte stutzig machen müssen, aber gutgläubig, wie er war, hatte er nichts Böses geahnt. „Warum?“, hatte er geknurrt. „Warum soll ich gegen die Tollwut geimpft werden, wo doch die Tollwut hierzulande und auch in England längst ausgerottet ist? Und warum ich und nicht ihr?“

Das Frauchen hatte ihn nicht einmal angeguckt und etwas richtig Doofes gesagt: „Als du vorgestern Abend auf der Terrasse gelegen hast und eingeschlafen bist, hätte es passiert sein können, dass eine Fledermaus angeflogen gekommen wäre und dich gebissen und mit Tollwut infiziert hätte.“

„Hätte, hätte, Impf-Plakette“, hatte er das Frauchen angebellt. „Hat aber nicht. Die Fledermäuse, die hier leben, tun uns nichts zuleide. Du willst wohl die Pharma-Industrie unterstützen, die auch uns Haustiere längst im Visier hat!“ Das Frauchen hatte angefangen zu weinen: „Nein, Freki. Was unterstellst du mir da?“

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Pfizer hat ein Herz für Hunde: Frekis Welpen-Impfplakette aus dem Jahr 2010

„Dann nenn mir einen Grund dafür, dass ich geimpft werden muss.“

„Der kleine Tollwut-Piks ist doch viel besser als die monatelange Vorquarantäne, in die ihr Haustiere vor zwanzig Jahren noch musstet“, hatte das Frauchen geantwortet, was allerdings eine verdammt faule Ausrede war. Und sie hatte „ihr Haustiere“ gesagt, was ihn in die Nähe des müffelnden Frettchens rückte. Nicht dass er dem Frettchen die Reise nicht gönnte, doch die europäischen Gesundheitsbehörden hatten das Frettchen zum Haustier befördert, das sich -auf einer Stufe mit Katze und Hund!- im Falle einer Auslandsreise ausweisen musste.

Das Frauchen hatte dann ein Liedchen gepfiffen, was sich so ähnlich anhörte wie A man came in the kitchen, hatte sich neben ihn gehockt und sein Ohr gekrault, was er so gerne mochte, so gerne, so… Auch wenn es nicht ganz ehrlich gemeint war, war es doch zum Brummen schön. Fast wäre er schwach geworden, aber nur fast.

„Nenn mir einen Grund, warum ich geimpft werden soll“, hatte er leise knurrend noch einmal gesagt.

„Weil…“, hatte das Frauchen einen Satz begonnen. „Freki, wir müssen los.“

„Weil?“, hatte er nachgehakt.

„Weil…“ Dem Frauchen war nichts mehr eingefallen. Aber dann war ausgerechnet aus dem Maul dieser Person, die er durchaus schätzte, weil sie wusste, was ihm schmeckte (Romeo; Vollkorn-Spaghetti von Netto, al dente) ein dummer, nichtssagender Spruch gekommen, für den er sich heute noch fremdschämte: „Freki, du wirst geimpft, weil… Weil Impfen einfach schlauer ist.“

Die Antwort war zwar völlig unter seinem Niveau, aber er hatte sich dann doch impfen lassen, um der Familie die Reise nicht zu versauen. Außerdem hatte er den Engländern die Möglichkeit geben wollen, endlich einmal einen prachtvollen Nippeser Hütehund kennenzulernen.

***

In diesem Frühjahr, es war Anfang Juni, war er einmal mitten in der Woche mit dem Frauchen nach Bonn gefahren. Das Frauchen war knauserig, doch weil Hunde im Nahverkehr keine Fahrkarte brauchen, hatte er dann doch mitkommen dürfen. Verkehrte neue Welt: Sie mit, er ohne Maulbekleidung. Eine interessante Erfahrung, denn als gemeingefährlich galt offenbar nicht mehr der Hund. Der Mensch, so schien es, war zur Vernunft gekommen.

Aber dann hatte er eine schöne Überraschung erlebt. Völlig nichtsahnend war er mitten in der Bonner Innenstadt, als er direkt vor einer großen Apotheke sein Bein hob, Frauchens hohler Parole wieder begegnet. Diesmal jedoch sollte nicht die Tollwutimpfung an den Hund, sondern die Corona-Impfung an den Menschen gebracht werden.

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Ranga Yogeshwar, Diplomphysiker und Wissenschaftsjournalist. Im Hintergrund sehen wir eine Bücherwand, ein Teleskop, ein paar herumliegende Bücher. Man könnte meinen, der Mann säße vor einer Fototapete. Das Plakat mit Ranga Yogeshwar war Teil der bereits am 27. Dezember 2020 gestarteten bundesweiten „Impfkampagne zum Schutz gegen das Coronavirus.“  Parallel zum Impfbeginn in Deutschland hatten „die Bundesregierung (konkret: das Bundesgesundheitsministerium), Robert-Koch-Institut und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine große Werbekampagne gestartet. Der zweistufige Auftritt wurde von ‚Scholz & Friends‘ entwickelt und steht unter dem Motto „Deutschland krempelt die #Ärmel hoch“. Für die Kampagne steht ein Mediabudget von insgesamt 25 Millionen Euro zur Verfügung.“ https://www.horizont.net/agenturen/nachrichten/scholz–friends-so-wirbt-die-bundesregierung-fuer-die-corona-schutzimpfung-188180 Unfassbar, wir müssen auch noch dafür bezahlen, dass wir manipuliert werden!
Im Rahmen der PR-Kampagne passierte dann allerdings eine schwere, mehr als nur peinliche PR-Panne. Am 27.6.2021 twitterte das Bundesgesundheitsministerium ein Foto von TV-Moderator Günther Jauch und folgenden Text: „Die #CoronaSchutzimpfung ist unser Joker in der #Pandemiebekämpfung. Günther Jauch hat sich #impfen lassen.“ Nur fiel zahlreichen Usern auf, dass Jauch gar nicht geimpft sein konnte, wo er doch gerade erst von Corona „genesen“ war. Das war allgemein bekannt, denn wegen Jauchs Erkrankung hatten drei Live-Shows von „Denn sie wissen nicht, was passiert“ (der Titel ist kein Witz!) ohne Jauch stattfinden müssen. Daher sah sich das Bundesgesundheitsministerium gezwungen, den Twitter- Beitrag nur wenige Stunden später zu korrigieren: „Uns ist leider ein Fehler unterlaufen, Günther Jauch ‚will‘ sich impfen lassen.“
So kam heraus, dass das Foto von Günther Jauch schon Monate zuvor aufgenommen worden war. Das ist mehr als nur unseriös, denn niemand kann mehr sagen,  ob die Prominenten, die alle ein buntes Pflaster stolz in die Kamera recken (Aussage: „Hurra, ich bin geimpft!“), zum Zeitpunkt der Aufnahmen nicht vielleicht alle ungeimpft waren.
Ich finde, was dem Bundesgesundheitsministeriums passiert ist, ist kein Fehler, sondern ein Täuschungsversuch.

Zurück zum Nippeser Hütehund:

„Mein herzallerliebstes altes Frauchen“, hatte er auf der Rückfahrt von Bonn nach Köln zum Frauchen gesagt.

„Rede bitte leiser“, hatte das Frauchen geflüstert. „Die Fahrgäste haben zwar alle Stöpsel im Ohr, aber einige hören trotzdem zu. Bitte, Freki, nenn mich bitte nicht vor allen Leuten Frauchen. Der Ausdruck ist so bieder.“

„Aber du bist doch auch bieder“, hatte er gesagt und gegrinst. „Mein liebes Frauchen, du bist eine Zumutung für uns alle.“

„Hä?“

„Du wirst schwer an Corona erkranken, auf die Intensivstation kommen und beatmet werden müssen. Und nur wegen dir müssen lebensrettende Operationen verschoben werden.“

„Wie bitte?!“

„Mein liebes Frauchen, du bist über 60 und immer noch ungeimpft, obwohl du schon vor Monaten ein Impfangebot hattest. Der Eckart von Hirschhausen hat es schon vor Jahren klar und deutlich gesagt: „Wer sich nicht impfen lässt, ist ein asozialer Trittbrettfahrer.“ Mein herzallerliebstes altes Frauchen, noch hast du hier in der Bahn einen bequemen Sitzplatz, noch musst du nicht aufs Trittbrett, von dem du in deinem Alter sehr wahrscheinlich runterfallen würdest. Aber das mit dem Sitzplatz kann sich schnell ändern, also lass dich bitte endlich impfen.“

„Warum das denn!?“, hatte das Frauchen ihn angefaucht.

„Weil Impfen einfach schlauer ist“, hatte Freki geantwortet.

„Unsinn!“, hatte das Frauchen geschrien. „Die Corona-Impfung ist weder einfach noch schlau noch einfach schlauer. Warum plapperst du jetzt den Ranga Yogeshwar nach?“

„Dich plappere ich nach“, hatte er leise knurrend gesagt. „Du wolltest mich mit diesem elitären Werbe-Slogan schon vor drei Jahren für dumm verkaufen. Nach dem Motto: Nur bildungsferne Köter sagen NEIN, der schlaue Hund sagt Ja zur Tollwut-Impfung.

Dann aber hatte er das Frauchen ausgelacht, so laut, dass die Leute, die mit in der Bahn saßen beziehungsweise standen -denn es war später Nachmittag- , niemals mehr sagen würden, dass Hunde nicht gerne lachen.

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Pfoten weg von den Kindern!

Freki liebt die Menschenkinder und findet es entsetzlich, dass Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden. Denn für die Menschenkinder ist das Virus -und als Hund darf er das ungestraft sagen- kein Feind.

Wenn er bei schlechtem Wetter erwachsene Menschen trifft, hört Freki immer wieder den gleichen Satz: „Der ist aber auch schon was älter.“ Niemals würden Kinder sich so ausdrücken, auch nicht bei schlechtem Wetter.

Wenn er Kinder trifft, hört Freki immer wieder einen ganz anderen Satz: „Ist der aber groß! Und so kuschelig.“ Denn groß und kuschelig ist Freki, wenn auch „schon was älter“. Und als er in England war, einem hundefreundlichen Land, haben ihn die kleinen Kinder sogar für einen großen, lieben Bären gehalten: „There’s a bear!“ Kinder sind respektvoll, wenn sie ihm begegnen. Und sie greifen ihm nicht einfach so ins Fell, sondern fragen: „Darf ich den mal streicheln?“ Freki würde niemals NEIN sagen.

Kommt nur herbei, liebe Kinder, es geschieht euch kein Leid: Das Weiße Haus hält für euch alle eine kleine Impfung bereit




Vor anderthalb Jahre habe ich aufgehört, regelmäßig Radio zu hören. Auslöser für die „Trennung“ war die ARD- Infonacht während des ersten Lockdowns. Die Sender waren im Frühjahr 2020 wochenlang schon am frühen Abend gleichgeschaltet und brachten ausschließlich Nachrichten rundum Corona. Diese Corona- Infonacht sollte vermutlich eine Art Katastrophen-Live-Ticker darstellen, was misslingen musste, da sich die Katastrophe nicht im erwarteten Maß zuspitzte. So wurden wie in einer Endlosschleife Stunde um Stunde immer die gleichen Nachrichten gesendet. Für mich hat das öffentlich-rechtliche Radio mit dieser Infonacht seine „Unschuld“ bzw. Glaubwürdigkeit verloren.

Selbst während ich geschrieben habe, hatte ich früher oft das Radio an. Insbesondere die alltagsnahe WDR5-Vormittagssendung „Neugier genügt“, von vielen als „Hausfrauenradio“ belächelt, war mir ein inspirierender Hintergrund-Sound. Ein Highlight innerhalb der Sendung ist das „Tagesgespräch“, ein knapp halbstündiges Interview mit mehr oder weniger prominenten Zeitgenossen. Für den WDR-Hörfunk arbeiten kluge, erfrischend uneitle Moderatorinnen und Moderatoren, die es verstehen, richtig gute Interviews zu führen.

Mittlerweile stelle ich das Radio kaum noch an, denn Ton und Tenor der Sendungen haben sich geändert. Der Radiosender WDR5, dessen Aushängeschild immer die Werbefreiheit war, macht zwar nach wie vor zwar kaum Produktwerbung, wirbt aber seit anderthalb Jahren für die Corona-Maßnahmen- und seit einem knappen Jahr leider auch für die Impfung.

Anstatt das Radio im Hintergrund laufen zu lassen, höre ich mir gezielt einzelne Beiträge an. Es ist nach wie vor -so oder so- Bemerkenswertes darunter. Vor drei Wochen fand ich in der Mediathek ein „Zeitzeichen“ vom Vortag, dessen Titel mich gleich Werbung für den Impfstoff von Biontech/Pfizer vermuten ließ: 19. Oktober 1906 – Todestag des deutschen Chemikers und Pharmaunternehmers Karl Pfizer. https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-karl-pfizer-100.html

Leider bestätigten sich meine Befürchtungen. Der Beitrag macht Werbung für die Corona-Impfung, die ich als Gebührenzahlerin -ob ich will oder nicht- auch noch mitfinanziere.

Schon die hymnisch-sentimentalen Eingangssätze sind ein Paradebeispiel dafür, wie man mit Sprache manipulieren kann: „Die Menschen in Deutschland, die Menschen in Amerika und viele Menschen in der Welt haben diesen Mann gefeiert, und sie feiern ihn noch, weil er für die Hoffnung stand und steht.“

Nun gehöre ich zu den „Menschen in Deutschland“, aber ich habe „diesen Mann“ nie gefeiert. Und selbst die Menschen, die sich aus Überzeugung impfen lassen, kommen wohl kaum auf die Idee, den Todestag des Pfizer-Unternehmensgründers, der vor über hundert Jahren gelebt und mit der Impfung herzlich wenig zu tun hat, zum Gedenktag zu machen.

Dieser Zeitzeichen-Beitrag, der „die Menschen in Deutschland“ und „die Menschen in Amerika“ in einen Topf wirft, macht nicht nur unmissverständlich Werbung für die Pharma-Industrie, sondern diskreditiert mit der Behauptung, dass Unternehmensgründer Karl Pfizer für die Hoffnung stehe, eines der größten menschlichen Vermögen, das als Überlebensenergie weit mehr ist als eine der fast schon vergessenen religiösen Tugenden: Glaube, Liebe, Hoffnung

Dennoch ist der Beitrag hörenswert, denn er ist sehr informativ. Katastrophen, so erfahren wir, konnten schon im 19. Jahrhundert die Wirtschaft ankurbeln. So hat der Amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865) mit seinen 600.000 toten Soldaten und zahlreichen Verletzten und Verstümmelten die frühe Pharmaindustrie und das Unternehmen Pfizer nachhaltig beflügelt. Pfizer liefert „Morphine, Jod, Jodsalze, Chloroform, Fungizide, alles, was gebraucht wird.“ (Zeitzeichen) Die Versorgung der Front mit Medikamenten ist Teil der Pfizer-„Erfolgsgeschichte“, zu der über hundert Jahre später auch das Patent auf das Potenzmittel Viagra gehört.

Die Menschen haben Pfizer gefeiert, „und sie feiern ihn noch, weil er für die Hoffnung stand und steht.“ (Zeitzeichen):

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Ausgerechnet heute, wo ich über Pfizer schreibe, erscheint diese Nachricht auf web.de. „Die blaue Potenzpille Viagra des US-Pharmakonzerns Pfizer unterliegt mittlerweile nicht mehr dem Patentschutz.“ https://web.de/magazine/panorama/potenz-pille-rezept-viagra-deutschland-erhaeltlich-36339728 Ob „frei erhältlich“ oder auf Rezept: Viagra hat, wie jeder im Internet erfahren kann, schwerste Nebenwirkungen. 

Man sollte das PfizerZeitzeichen unbedingt gegen den Strich hören. Da der Beitrag nicht aufklärt, sondern manipuliert, ist er für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nur eingeschränkt empfehlenswert.

Auch diese Pille ist ein Pfizer-Produkt:

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Cytotec, eigentlich ein Magenmedikament, wurde in Deutschland bis vor kurzem als Abtreibungsmittel, aber auch bei der künstlichen Einleitung von Geburten eingesetzt, obwohl schon seit vielen Jahren bekannt war, dass die „Gabe“ zu schwerwiegenden Komplikationen bei der Geburt und zu schweren gesundheitlichen Schäden von Mutter und Kind führen kann. Cytotec war zwar als Mittel zur Geburtseinleitung nicht zugelassen, konnte aber über Importfirmen bezogen und im sogenannten „Off-Label-Use“ (an der Zulassung vorbei!) dennoch legal verabreicht werden. https://www.merkur.de/politik/cytotec-zur-geburtseinleitung-probleme-waren-gesundheitsministerium-bekannt-zr-90938388.html Doch warum hat Gesundheitsminister Jens Spahn, der im Bilde war, nicht bereits Anfang 2020, als unter anderen die Süddeutsche Zeitung  kritisch berichtete, den Notfall erklärt und veranlasst, dass das Mittel im Rahmen der Geburtshilfe nicht mehr zum Einsatz kommt?

Weit mehr noch als die medizinische Einleitung von Geburten ist Corona ein Milliarden-Geschäft. Die Impfstoff-Industrie schlägt aus der „Notlage“ Kapital. Das kann nur solange funktionieren, wie die Politik mitspielt und Corona zur globalen Katastrophe und Gefahr für die Menschheit erklärt. Und die Gesundheitspolitik spielt weiter mit. Wie am Dienstag vor zwei Wochen bekannt gegeben wurde, bleibt für die tonangebende Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pandemie „eine „Notlage von inter­nationaler Tragweite“ (PHEIC). Dies beschloss WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gestern auf Em­pfehlung des unabhängigen Notfallausschusses, der sich alle drei Monate trifft, um die Lage neu zu be­urteilen.“ https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/128499/WHO-behaelt-Notlage-von-internationaler-Tragweite-bei

Am selben Tag, am 26.10.2021, sprach sich -was kein Zufall sein kann- ein Beratergremium der US-Arzneimittelbehörde FDA für eine Notfallzulassung (!) des Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer für Kinder zwischen fünf und elf Jahren aus.

Kinder sind durch Corona nicht in Not. Das Virus kann ihnen kaum etwas anhaben. Was den Kindern aber etwas anhaben kann, ist eine immer bedrohlicher agierende, alle Körpergrenzen überschreitende Politik. Dass der amerikanische Präsident Joe Biden alle US-Kinder zwischen fünf und elf Jahren impfen lassen will und bereits damit begonnen hat, stimmt mich fassungslos.

Dass er alle Kinder impfen lassen will, ist vermutlich Teil seiner Mission, die „nationale Spaltung“ zu überwinden. Schon in seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg am 7.11.2020 setzte der überzeugte Katholik Joe Biden die Heilung der Nation in den Mittelpunkt: „President-elect Joe Biden in his first address to the nation has vowed to restore the soul of America telling his supporters that this is the time to heal the country.https://www.timesnownews.com/international/article/we-must-restore-the-soul-of-america-says-president-elect-joe-biden-vows-to-fight-covid-19-pandemic/678921 Übersetzung (deepl): „Der gewählte Präsident Joe Biden hat in seiner ersten Ansprache an die Nation geschworen, die Seele Amerikas wiederherzustellen, und seinen Unterstützern gesagt, dass dies die Zeit ist, das Land zu heilen.“

Um erahnen zu können, was Joe Biden dazu bewegt, Amerika nicht wieder great machen, sondern heilen zu wollen, sollte man sich seine Lebensgeschichte anschauen. Joe Biden ist nach verschiedenen persönlichen Schicksalsschlägen seelisch schwer verletzt. Er selber hätte im Jahr 1988 zwei Hirn-Aneurysmen kaum überlebt. 27 Jahre später starb im Jahr 2015 sein Sohn Beau im Alter von nur 46 Jahren an einem Hirntumor. Und viele Jahre davor, zu „Beginn seiner politischen Laufbahn, wenige Tage nach seiner Wahl zum mit 29 Jahren jüngsten US-Senator in der Geschichte, kam 1971 seine einjährige Tochter Naomi zusammen mit Bidens erster Frau auf der Rückfahrt vom Holen des Weihnachtsbaums bei einem Unfall ums Leben. Freunde überredeten ihn, nicht aufzugeben. Was ihn damals – wie während des eigenen Ringens mit einem Aneurysma oder seinen politischen Niederlagen – gehalten hat, war nach eigenem Zeugnis sein Glaube.https://www.kirche-und-leben.de/artikel/joe-biden-tief-katholisch-trotz-schwerer-schicksalsschlaege

Die österreichische „Kleine Zeitung“ nannte Biden einmal „Hiob im Weißen Haus“. Ein Vergleich, der mich aufhorchen lässt. Denn wie die Figur Hiob im Alten Testament hat ja auch Joe Biden so viele persönliche Katastrophen erlebt, wie sie ein einzelner Mensch kaum verkraften kann. Die Parallelen sind frappierend. Auch Hiob verliert seine Kinder, auch Hiob erkrankt schwer. Hiobs Schicksalsschläge sind allesamt von Gott inszenierte Prüfungen seines Glaubens. Hiob erlebt nicht nur persönliche Katastrophen, sondern wird durch den Teufel (und durch die eigene Frau!) versucht, Gott abzuschwören. Da jedoch Hiob weiter an Gott glaubt, wird er am Ende belohnt. Ein hollywoodreifes Happy End: Hiob bekommt nicht nur neue Kinder und Besitztümer, sondern Geld, viel Geld.

… Ich persönlich glaube an ein Göttliches, das größer ist als wir Menschen. Aber an einen männlich-autoritären Vatergott, der Geldbesitz mit Glückseligkeit gleichsetzt und meint, tote Kinder durch neue ersetzen zu können, glaube ich nicht ...

Was passieren kann, wenn ein Hiob Präsident einer Weltmacht wird und Macht über Leib und Leben der Menschen, die dort leben, bekommt, erleben wir gerade. Ich fürchte, dass der gläubige Katholik Joe Biden nicht nur sich selber und das Land heilen, sondern insbesondere den Kindern mit der Massenimpfung etwas Gutes tun will, sie von Corona erlösen: Make the children well again…

In den deutschen Medien wurde die „Notzulassung“ des Impfstoffs überwiegend positiv aufgenommen: „US-Präsident Joe Biden begrüßte den Schritt als »Wendepunkt in unserem Kampf gegen Covid-19«. »Wir haben bereits einen ausreichenden Impfstoffvorrat für jedes Kind in Amerika sichergestellt«, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Für Eltern endeten nun Monate der Sorge um ihre Kinder wegen Corona.https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/usa-biontech-impfung-fuer-kinder-von-expertengremium-der-gesundheitsbehoerde-empfohlen-a-56040751-58bc-47aa-b191-96792200a52e (Wurde im PfizerZeitzeichen verallgemeinernd von den Menschen geredet, werden diesmal alle Eltern in einen Topf geworfen: „Für Eltern endeten nun Monate der Sorge um ihre Kinder wegen Corona.“ Es dürfte zwar tatsächlich viele Eltern geben, die auf die Kinder-Impfung gewartet haben, aber die sind, wie ich las, immer noch in der Minderheit.)

In Biden’s Kampf gegen Covid-19 offenbart sich einmal mehr die Doppelmoral der US-amerikanischen Bevölkerungspolitik. Denn Biden will nicht nur die Kinder vor dem Virus, sondern die US-Amerikaner vor Migranten schützen. Unter dem Vorwand, die Pandemie eindämmen zu müssen, werden Flüchtlinge aus Haiti nicht ins Land gelassen, darunter zahlreiche Familien mit Kindern. „Title 42 ermöglicht es der US-Regierung Personen abzuschieben, die sich kürzlich in einem Land aufgehalten haben, in dem eine übertragbare Krankheit vorlag. Es handelt sich also um beschleunigte Abschiebung von Eingewanderten aufgrund des Coronavirus.https://www.fr.de/politik/usa-joe-biden-regierung-einwanderung-politik-migration-donald-trump-mexiko-haiti-grenze-del-rio-90994583.html

Natürlich ist Biden bei weitem nicht der einzige Politiker, der angesichts von Corona überreagiert. Offenbar hat die Politik weltweit längst den Boden verloren. Das hängt, so denke ich, auch mit der Angst vor dem Weltuntergang zusammen. Unsere Spitzenpolitiker sind (nicht anders als wir alle) durch die Folgen der Klimakatastrophe bereits jetzt schwer traumatisiert. Die völlig überzogenen, hilflos-autoritären Corona-Maßnahmen sind daher nicht nur blinder Aktionismus, sondern Ausdruck der Angst vor den entfesselten Naturkräften. Anstatt sich zu mäßigen und zu begreifen, dass wir Menschen Teil der Natur sind, führt man einen hilflosen Kampf gegen die Natur: Seht her, wir schaffen es, das Virus in den Griff zu bekommen, denn wir beherrschen die Natur.

Die tatsächliche Bedrohung wird verdrängt. Über die menschenverursachte Klimakatastrophe, die man beschönigend „Wandel“ nennt, hat die Politik längst die Kontrolle verloren. Radikales Umdenken und Handeln wären angesagt, aber wir erleben Politiker, die (wie auch Biden) zwar den „Klimawandel“ nicht leugnen, aber so weiter machen wie bisher.

Zwar setzt Biden anders als Trump auf Aufklärung, doch die Erforschung des „Klimawandels“ bedeutet leider keinen Wandel in den Köpfen der Mächtigen. Der Physik-Nobelpreis 2021 „für physikalische Modelle zum Erdklima“, den sich Klaus Hasselmann (mittlerweile 90), Syukuro Manabe (90) und Giorgio Parisi (73) teilen, kam Jahrzehnte zu spät. „Schon Ende der 60er-Jahre habe man gezeigt, dass der Mensch das Klima verändere, sagte der 89jährige Nobelpreisträger für Physik Klaus Hasselmann im Dlf.“ Für Hasselmann kam im Jahr 1995 der Durchbruch, als er „den menschlichen Fingerabdruck im Klimageschehen der vorangegangenen 20 Jahre mit 95-prozentiger Sicherheit belegen konnte.“ https://www.deutschlandfunk.de/physik-nobelpreistraeger-und-klimapionier-klaus-hasselmann.676.de.html?dram:article_id=504023

In der Ratlosigkeit angesichts der Klimakatastrophe spiegelt sich das Drama der modernen Schulmedizin. Während es dank eines ungeheuerlichen technischen Aufwands gelingt, noch die letzten Winkel des menschlichen Organismus zu durchleuchten, krankhafte Veränderungen aufzuspüren und die genetischen Strukturen bis in die feinsten Verästelungen hinein zu analysieren, stößt die Therapie von Krankheiten nicht nur an ihre Grenzen, sondern kommt oft geradezu dilettantisch daher.

Das Corona-Virus ist entschlüsselt, aber die Impfung, deren Langzeitfolgen niemand absehen kann, ruft nicht nur kurzfristig schwere Nebenwirkungen hervor, sondern verliert ihre Wirkung und muss „aufgefrischt“ werden. Das klingt hübsch und verharmlosend, aber verschleiert, was tatsächlich passiert: Wir alle sollen an der Impfnadel hängen.

„Hömma, Lisa, deine Tochter hat DELTA, und du lädst mich nicht zur Viren-Party ein: Kniesbüggel!“ – Eine Begegnung mit der Frau Keuner

„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Frau Keuner. „Kann ich deine Tochter wohl mal sprechen?“

„Hä?“ Ich war nur kurz vor der Tür, zwei Fahrräder aus dem Schuppen holen, hab die Haustür aufgelassen, da war die Frau Keuner auch schon da, als wenn sie drauf gewartet hätte. Die hat den Gehwagen die Stufe hochgebockt und is rein ins Haus. Jetzt sitzt die Frau Keuner am Tisch, und wenn die erst mal sitzt, dann sitzt die.

Ich räuspere mich: „Frau Keuner, das geht jetzt nicht, ich muss Sie leider bitten, das Haus zu verlassen.“ Die Frau Keuner verschränkt die Arme.

„Meine Tochter ist vor zwölf Tagen positiv getestet worden“, sage ich und räuspere mich wieder. „Gestern stand das Gesundheitsamt hier noch einmal auf der Matte und hat den Abstrich für den abschließenden PCR-Test durchgeführt. Meine Tochter ist zwar wieder negativ, aber bis einschließlich 23.59 Uhr ist die in Quarantäne. Die darf noch nicht raus und die darf vor allem keinen Besuch haben. Frau Keuner, die Lea hat gehustet, geschnieft und geschwitzt. Sie wissen doch, wie hoch ansteckend die Delta-Variante ist. In den letzten Wochen habe ich mich kaum getraut, die Fenster zu öffnen, damit das Virus nicht entfleucht und halb Nippes versucht. Es ist gut möglich, dass das Delta-Virus hier…“

„… Immer noch sein Unwesen treibt“, ergänzt die Frau Keuner und lacht. Sie schließt die Augen und holt tief Luft. „Bissken abgestanden, die Luft, aber lecker Aerosole. Wo du mir schon sonst nichts anbietest, will ich wenigstens echte Kölner Corona-Luft einatmen.“ Die Frau Keuner legt den Kopf in den Nacken, atmet tief durch die Nase ein und tief durch den Mund aus.

„Frau Keuner, bitte verlassen Sie das Haus. Meine jüngere Tochter und ich stehen als ungeimpfte Kontaktpersonen einer Infizierten immer noch unter Corona-Verdacht. Und nur weil wir uns kooperativ verhalten, sieht das Gesundheitsamt von unangekündigten Hausbesuchen ab.“

„Und der angekündigte Besuch war lustig, wa?“, foppt mich die Frau Keuner. „Dat sind die neuen Vertreter, aber die kommen nicht mehr von Vorwerk, sondern vom Gesundheitsamt.“

„Es war gruselig“, antworte ich. „Da kam eine vermummte blonde junge Frau. Hellblauer Schutz-Anzug, hellblaue Maske, blaue Augen. Ich war so schlau, ganz langsam vor dem langen Stäbchen zurückzuweichen, aber meine Tochter dachte, dass es nicht weh tut, wenn sie nur den Kopf ruhig hält.“

„Ach wat“, sagt die Frau Keuner und grinst. „Wenn du nicht protestierst, dringen die umso tiefer in dich ein. Das geschulte, erfahrene Personal führt das lange, lange Teststäbchen mit ruhiger Hand durch die Nase tief und immer tiefer ein bis hinten an die Rachenwand, ja, mit ruhiger Hand platziert die medizinische Fachkraft das lange, lange Teststäbchen hinter dem Gaumenzäpfchen. Und? Hat das Personal dir Impfmuffel auch schön Angst gemacht? Hat man dir auch einen Pulsoximeter an den Finger geklemmt?“

„Ich, ich“, stammele ich. „Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Das…“

„Dat gibbet bei Saturn und überall“, lacht die Frau Keuner. „Der Pulsoximeter gehört heutzutage in jede Hausapotheke.“

„Das ging schneller, als ich reagieren konnte“, sage ich. „Ohne Vorankündigung und alles im Hauseingang. Und die Frau hat nur auf Nachfrage gesagt, dass sie meinen Pulsschlag und den Sauerstoffgehalt meines Blutes testet. Dabei stand ich gesund und munter auf beiden Beinen vor ihr. Ich meine, die ist vom Fach, die muss doch ein Gespür dafür haben, dass es mir gut geht. Und wollen Sie wissen, was die Person gesagt hat?“

„Was hat die denn gesagt?!… Jetzt sach schon!“

Ich lasse die Frau Keuner eine Weile zappeln und rede dann weiter: „Wortwörtlich hat die zu mir gesagt: Es kann sein, dass Sie in Kürze beatmet werden müssen. Sie wissen nichts davon, denn noch fühlen Sie sich wohl, aber Ihr Zustand kann sich binnen kürzester Zeit dramatisch verschlechtern. Sie hätten die Untersuchung auch ablehnen können, aber seien Sie froh, dass Sie kooperiert haben, denn Ihre Werte sind in Ordnung.“

 

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Ein leider unscharfes Selfie meiner physisch und psychisch verletzten jüngeren Tochter, die ebenso wie ich vermutlich gegen Delta immun ist: Am Morgen nach dem äußerst unangenehmen Abstrich für den PCR-Test war Carlas rechtes Auge (der Stab wurde ins rechte Nasenloch eingeführt) gerötet. Außerdem verspürte  die „Kontaktperson“ tagelang einen stechenden Schmerz im Hals.                                                              Abstriche für PCR-Tests sind immer unsanft und sollten in der Corona-Diagnostik nicht routinemäßig durchgeführt werden. Wie brutal sie sein können, musste eine meiner Schwippschwägerinnen erfahren. Bei ihr wurde ein Nerv getroffen. Nachdem sie sich vor ein paar Jahren die Nase gebrochen hat, sieht der Innenraum ihrer Nase anders aus als die Norm-Naseninnenräume auf den Abbildungen in den Fachbüchern. Das medizinische Personal müsste dringend angehalten werden, nach Vor-Verletzungen zu fragen!

Zum Vergleich hatte meine Tochter auch das andere Auge fotografiert:

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„Am Anfang dachte ich, es ist nur ein Gerücht“, sagt die Frau Keuner. „Aber dann stimmt es also, dass deine Tochter Corona hatte? Delta auch noch.“ Ich nicke und setze mich zu ihr an den Tisch.

„Es ist schon vernünftig, dass du mir kein Käffken anbietest“, sagt die Frau Keuner. „Boah ey, Lisa, du hast Corona geküsst!“

„Hä?“

„Man hat dich beobachtet. Du hast am 21. Juli gegen 16h von irgendwoher ein Auto geholt und unerlaubterweise im Wendehammer geparkt. Dann hast du die Lea zu Hause abgeholt und zum Auto gebracht. Eng umschlungen. Bei welchem Arzt wart ihr denn, wart ihr auch in der Praxis Dr. Knoop? Stimmt es, dass die ein riesengroßes Wartezimmer mit einem riesigen, stets weit geöffneten Fenster haben und ein Extra-Stühlchen für die Personen, die unter Corona-Verdacht stehen? Und haben die euch eine halbe Stunde warten lassen, obwohl die Lea Fieber hatte und gehustet und geschnieft hat?“ Ich nicke.

„Hömma, Lisa, du hast deine Tochter auf offener Straße ohne alle Hemmungen abgeknutscht.“

„Weil sie mir so leid tat.“

„Angeblich hast du laut und deutlich Willkommen, Corona! gesagt“, lacht die Frau Keuner. „Und als am nächsten Tag klar war, dass die Delta hat, hast du wahrscheinlich einen Luftsprung gemacht. Und du hast alles dafür getan, dich bei ihr anzustecken. Du hast mit ihr in einem Bettchen geschlafen, du hast aus ihrem Becherlein getrunken und von ihrem Tellerchen gegessen.“

„Ja, ja, ja!“

„Ihr habt euch schön amüsiert. Und mir hast du nicht Bescheid gesagt, dass ihr eine Corona-Party feiert.“

„Eine Quarantäne ist alles andere als eine Party“, entgegne ich. „Das ist eine Freiheitsberaubung. Ja, ich wollte mich anstecken, weil ich keine Angst vor Corona habe und weiß, dass Corona mir nicht viel anhaben kann, obwohl ich knapp 63 bin. Hat offensichtlich nicht geklappt. Der Selbstversuch ist schiefgegangen. Und warum? Weil ich Corona längst gehabt haben muss. Aber ich hätte mich strafbar gemacht, wenn ich Sie eingeladen hätte. Frau Keuner, wir haben einen Termin. Ich kann nicht mehr, ich will raus!“

Die Frau Keuner lacht: „Lenk nicht ab. Ihr habt gefeiert. Letzte Woche standen hier zig Papiertüten vom REWE-Lieferdienst vor der Tür. Und jetzt machst du mitten in der Quarantäne ne kleine Radtour.“

„Nein“, wende ich ein. „Wir verhalten uns völlig korrekt. Meine kleine Tochter und ich fahren jetzt zum Test-Zentrum, um uns freitesten zu lassen. Ich kann nicht mehr. Ich will raus. Man hat uns eingesperrt, obwohl wir immun sind. Nur wenn wir weiterhin negativ sind, dürfen wir raus aus der Quarantäne. Sonst…“

„Sonst ist es wie beim Fußball“, lacht die Frau Keuner. „Dann geltet ihr zwar sechs Monate als genesen, aber die quälende Quarantäne geht noch ein paar Tage in die Verlängerung. Und beim Elfmeterschießen gibt es nur ein Tor. Deins.“

Die Frau Keuner richtet sich auf und bewegt sich langsam Richtung Haustür. „Und wat seh ich da? Satteltaschen für den Großeinkauf. Da wolltest du auf dem Weg zum Test-Zentrum an der Liebigstraße noch mal kurz beim ALDI vorbei.“

„Das sieht nur so aus“, sage ich schnell.

Die Frau Keuner lacht, wird aber wie so oft plötzlich sehr ernst. „Freu dich, dass dir Delta nichts anhaben kann. Und sei froh, dass du nicht geimpft bist, denn wenn du es wärest, hättest du zwar nicht in Quarantäne gemusst, aber man würde behaupten, dass dich nur die Impfung vor einer Ansteckung geschützt hat. Vermutlich hattest du die Alpha-Variante, die dich aber auch vor Delta schützt. Das ist allerhand für eine Olle wie dich. Solltest du dich jetzt noch impfen lassen, zerstörst du im Nachhinein die natürlich erworbene Immunität.“

Ich hebe den Arm zum Corona-Ellenbogen-Abschied. Die Frau Keuner berührt meinen Ellenbogen mit ihrem und fängt an zu heulen, und ich spüre, wie auch mir die Tränen kommen. Ich mache ihr die Tür auf, damit sie das nicht mitkriegt. Doch als sie draußen ist, bleibt sie stehen, dreht sich zu mir um, atmet tief durch und reibt sich mit dem Handrücken über die Augen.

„Noch nie hatte ein einzelnes NEIN eine solch große Bedeutung“, sagt die Frau Keuner. „Du musst jetzt stark bleiben. Wir werden niemals erfahren, wie viele Menschen bereits immun waren, als sie geimpft wurden. Wir Menschen verfügen über große Selbstheilungskräfte, aber die Impfung vertuscht die Wahrheit. Deshalb musste alles so schnell gehen, deshalb die Panikmache. Die Corona-Impfung ist der größte medizinische Skandal in der Menschheitsgeschichte.“

„Das kann man doch so nicht sagen“, sage ich.

„So kann man das auch nicht sagen“, sagt die Frau Keuner. „Skandal ist untertrieben. Die Corona-Massenimpfung ist eine Katastrophe. Und dabei dürften die meisten Schulkinder längst immun sein. Es ist verwerflich, die Kinder zu impfen.“

„Ich will das große G“, jammere ich. „Für mich und meine kleine Tochter.“

„Stark bleiben, NEIN sagen“, verabschiedet sich die Frau Keuner. „Im Namen des Lebens.“

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Meine Tochter Lea gilt als „genesen“. Doch leider freut sich die Gesundheitspolitik nicht über eine selbsterworbene Immunität. Im Gegenteil: Nach sechs Monaten ist von Amts wegen Schluss mit „genesen“. Offiziell ist die Impfspritze schon gezückt. Impfjuristisch ist der „Genesenen“-Status der Erstimpfung gleichgestellt.