Kein Abstrampeln für die Klimapolitik der Stadt Köln: Kapitänin von Stellwerk60-Team SattelFest verabschiedet sich vom Stadtradeln

Vor einer Woche hat in Köln das diesjährige Stadtradeln begonnen, eine bundesweite Großveranstaltung des Netzwerks Klimabündnis. Im Klimabündnis haben sich im Jahr 1990 zahlreiche Städte, Gemeinden und Landkreise zusammengeschlossen und sich verpflichtet, das „Weltklima zu schützen“.

Stadtradeln ist eine Mitmach-Aktion, die zum Klimaschutz beitragen soll. Die Spielregeln: Während eines Zeitraums von drei Wochen steigen Menschen vom Auto auf’s Fahrrad um und zählen per Internet die Kilometer, die sie radelnd zurücklegen. Stadtradeln ist eine pfiffige Idee, wie ich finde, aber doch nur eine symbolische Aktion. Denn was hilft es, wenn wir nach den drei Wochen (fast) alle wieder ins Auto steigen? Stadtradeln beschert uns lediglich ein gutes Gewissen – Jahr für Jahr.

Es ist eine Anmaßung zu meinen, wir Menschen, die wir die Klimakatastrophe verursacht haben, könnten das Weltklima schützen! Ich denke, es geht viel mehr darum, das Klima vor uns Menschen zu schützen. Wir müssten jetzt die Notbremse ziehen. Denn wenn „das Haus brennt“ (Greta Thunberg), kann man es nicht mehr vor dem Feuer bewahren. Da hilft nur eines: Löschen.

Nachdem der Rat der Stadt Köln im Mai Grünes Licht gegeben hat für die Bebauung des Äußeren Grüngürtels mit FC-Trainingsanlagen, habe ich das Vertrauen in die aktuelle Kommunalpolitik verloren. Schließlich hat die Stadt Köln vor einem Jahr -wie viele andere Kommunen auch- den „Klimanotstand“ ausgerufen. „Klimanotstand“ heißt: Der Schutz des Klimas hat absolute Priorität. Demnach sind alle kommunalen politischen Entscheidungen dem Klimaschutz unterzuordnen. Mit dem JA zur Bebauung verstößt die Stadt Köln gegen die Regeln, die sie selber aufgestellt hat.

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Ich liebe meine Stadt, ich fahr Rad, aber ich mach nicht mehr mit…

Im Grußwort zum Kölner Stadtradeln schreibt Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln und Schirmherrin der Aktion, beschwichtigende Sätze: „Der Umstieg vom Auto auf’s Rad ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel: bereits vor 2050 wollen wir klimaneutral sein.“ Ein frommes, zahmes, aber meines Erachtens grob fahrlässiges Versprechen mitten im Kommunal-Wahlkampf. Natürlich lassen wir Menschen uns gerne beruhigen, aber die Rettung der Welt können wir nicht auf 2050 verschieben.

Am bundesweiten Stadtradeln, das seit 2008 veranstaltet wird, nimmt die Stadt Köln seit 2016 teil. Ich habe im Jahr 2016 gemeinsam mit Nachbarin Annette Dauberschmidt das Team Stellwerk60 – SattelFest gegründet. Doch am Ende der drei Wochen war ich alleinige Teamkapitänin, denn Annettes und meine Vorstellungen gingen weit auseinander. Annette wollte ein kleines, überschaubares Team, ich ein großes.

Auf diese Weise wollte ich auf unsere Siedlung aufmerksam machen. Dass Köln mit Stellwerk 60 eine autofreie Siedlung hat, ein bau- und klimapolitisch zukunftsweisendes Projekt, ist in der Stadtspitze -während Besuchergrupen aus aller Welt anreisen, u.a. aus Japan und den USA- niemals angekommen. Vom Spiel-Ehrgeiz gepackt, schaffte ich es tatsächlich, dass wir im Jahr 2016 mit 135 Radlerinnen und Radlern das zweitgrößte Kölner Team wurden und bei der offiziellen Siegerehrung im Rathaus „auf dem Treppchen standen“.

Im Jahr 2020 ist alles anders. Auch beim Stadtradeln gibt die „Gesundheit“ die Richtung vor. So verkündet das Klimabündnis auf stadtradeln.de: „Nicht nur wir, sondern auch das Bundesgesundheitsministerium ist überzeugt, dass das Fahrrad das sinnvollste Verkehrsmittel für die verbleibenden unvermeidlichen Wege ist – sei es zum Einkaufen oder zur Arbeit….“ Der Text enthält nicht nur einen peinlichen Grammatikschnitzer, „… nicht nur wir…  ist überzeugt…“, sondern kommt furchtbar verkrampft daher.

Wenn ich Rentner Alf Kroll, der drei Mal hintereinander in der siedlungsinternen Wertung das Gelbe Trikot erkämpft hat, ohne kämpfen zu müssen, etwas von den „verbleibenden unvermeidlichen Wegen“ erzählen würde, würde Alf lachen, denn er ist ein leidenschaftlicher Radfahrer, der nicht nur das Radeln liebt, sondern auch die guten Radwege, von denen es europaweit (nicht nur) in den schönsten Landschaften immer mehr gibt und auf denen es große Freude macht zu fahren.

Das Miteinander, das das Stadtradeln eigentlich ausmacht, fällt in diesem Jahr aus. So rät das Klimabündnis „derzeit davon ab, das STADTRADELN 2020 mit gemeinsamen Radtouren, Auftaktveranstaltungen oder anderen Aktionen, bei denen viele Menschen zusammenkommen, zu flankieren.“ (stadtradeln.de) Team-interne Siegerehrungen, so legt man uns nahe, sollen auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden.

Offensichtlich sind dem Klimabündnis die selbstorganisierten, letztendlich nicht kontrolllierbaren „Aktionen“ suspekt. Auf diese Weise verödet allerdings das Stadtradeln, denn es mutiert zu einer Art Computerspiel mit Echt-Anteil: Jede(r) fährt für sich allein und trägt KIlometer ein. Wie langweilig. Da kann man, so denke ich, gleich auf dem Standfahrrad fahren. Auf diese Weise schützt man sich nicht nur vor Regen, sondern erspart sich auch die verbleibenden unvermeidlichen Wege.

Wie traurig: Es ist, als würde man einem Vor- oder Grundschulkind, das einen Schwimmkurs besuchen will, sagen: „Das geht jetzt nicht, du darfst nicht mit anderen Kindern ins Wasser, denn wir sind von Corona bedroht und müssen aufpassen. Du kannst nicht ins Schwimmbecken, denn im Wasser wimmelt es vor Viren. Aber du kannst trockenschwimmen. Du brauchst nur den schönen neuen Computer anzustellen, den wir uns extra für deinen Schulunterricht angeschafft haben. Da bietet man digitale Schwimmkurse an.“

Huch! Dass die Kinder in den letzten Monaten solche oder ähnliche Sätze tatsächlich zu hören gekriegt haben, habe ich soeben gelesen. Mittlerweile finden zwar in Deutschland wieder Schwimmkurse (im Wasser!) statt, aber Ringe und Schwimmnudeln etc. sollen die Kinder (in der Regel) von zu Hause mitbringen. Außerdem vertreten die Eltern vielerorts die Schwimmlehrer und müssen mit den Kindern ins Becken! Ist das alles noch wahr? Nebenbei gesagt: In Schweden, wo die Grundschulkinder in den letzten Monaten nicht nur uneingeschränkt die Schule, sondern auch Schwimmkurse besuchen konnten wie eh und je und dabei viel Wasser geschluckt haben, weil es nun mal dazu gehört, ist meines Wissens kein Kind besorgniserregend erkrankt. Schwimmen ist eine Kulturtechnik und (fast) so wichtig wie Lesen und Schreiben.

Zurück zum Stadtradeln: Wieder einmal ist die Corona-Politik ein Angriff auf unsere Lebensfreude. Ob am Rhein, am Ballermann oder im Karneval: Genuss macht sich gerade da verdächtig, wo man ihn sich noch leisten kann. Und weil es derzeit so gut ankommt, verkauft man uns das zurechtgestutze Radeln noch als Gesundheitsmaßnahme. Auf einen Artikel auf spiegel.de mit dem Titel „Warum Fahrradfahren gleich doppelt schützt“ weist stadtradeln.de mit folgendem Link hin: Die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens in Zeiten von Corona

Unter dieser Formulierung verbirgt sich ein sentimentaler Romantitel, den wir alle im Ohr haben: „Die Liebe in den Zeiten der Cholera.“ Der Autor des Romans ist der kolumbianische Literatur-Nobelpreisträger Gabriel García Márquez. (Ob der Roman so schwülstig ist, wie der Titel suggeriert, weiß ich nicht, denn Ich habe ihn nicht gelesen.)

Das Radfahren „in Zeiten von Corona“ –  „Die Liebe in den Zeiten der Cholera.“ Die Ähnlichkeit scheint gewollt. Ich fürchte, da war ein psychologisch geschulter textender Schlaumeier bzw. eine Schlaumeierin am Werk. Ich fremdschäme mich sehr.

So weh der Abschied tut: Da das Stadtradeln zu einer spießig-autoritären Veranstaltung mutiert ist, die indirekt auch noch für die katastrophale Klimapolitik der Stadt Köln wirbt, steige ich als Teamkapitänin aus.

 

Ergänzung 31.8.: In der Wertung von Stadtradeln Köln liegt am 10.Tag mit 136 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie 14.909 bislang geradelten Kilometern aktuell ein Team mit wohlklingendem Namen vorne, dessen pole position Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erfreuen dürfte: „Gesunde Uniklinik Köln“.

Elfchen im Achten: Wer nicht schnüffeln darf, wird…

Hunde, die ja bekanntermaßen gerne schnüffeln, fangen sich schnell Zecken ein. Bei unserem Hund Freki (10) sitzen sie mit Vorliebe im Gesicht. Manchmal, so denke ich, kann eine Maul- Nasenbedeckung gute Dienste leisten, denn…

… mit Maske wär das nicht passiert:

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Mai 2020: Die Zecke an Frekis Schnauze, die noch deutlich dicker wurde, bevor sie abfiel, sollte bis jetzt (13.8.) im Kopfbereich die einzige bleiben.

 

In den Jahren 2018 und 2019 war vor allem der Bereich rund um Frekis Augen betroffen (vgl. Blogbeiträge „Zeckenkrieg“ und „Der Zeckenindikator“).

 

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Juli 2019:

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Zecken, zupfreif. Ich habe sie damals nicht entfernt, sondern gewartet, bis sie abgefallen sind (Die „Therapie“ ist nur beim Hund zu empfehlen!). Wenn die Zecken neben dem Auge sitzen, darf man den Hunden nicht zu nahe kommen. Sie knurren, denn sie fürchten um ihr Augenlicht. Die Hunde wissen: Wenn der Mensch die Zecke herauszieht, kann es schnell zu Entzündungen kommen.

An Borreliose können auch Hunde schwer erkranken. Das passiert allerdings sehr selten, wie mir Frekis Tierärztin erzählte. Achtung: Menschen sollten sich nach Waldspaziergängen immer nach Zecken absuchen und die Tierchen, deren Stich man anders als den Stich der Wespe nicht spürt (damit man sie beim Saugen nicht stört), so schnell wie möglich entfernen…  Ich fand gerade einen Text, der plastisch erzählt, warum: „Borreliose wird nicht durch den Einstich der Mundwerkzeuge der Zecke in die Haut übertragen, vielmehr findet die Borreliose-Übertragung erst gegen Ende der Blutmahlzeit statt. Nach circa 24 Stunden steigt das Infektionsrisiko deutlich an, da nach dieser Zeit die Blutmahlzeit in der Regel abgeschlossen ist. Wenn die Zecke satt ist, würgt sie nämlich etwas Mageninhalt in die Wunde des Opfers, und mit ihm vorwiegend das Bakterium Borrelia burgdorferi.“ https://www.drseitz.de/schwerpunkte/borreliose-therapie/borreliose-infektionsweg.html

Da aufgrund des „Klimawandels“ die Winter immer wärmer und kürzer werden, werden die Zecken früher im Jahr aktiv und bleiben es länger. Dennoch wird die Gefahr überschätzt. „Das Risiko zu erkranken“, so schrieb ich vor einem Jahr an dieser Stelle, „ist gar nicht so hoch, wie man denkt. Zwar tragen (je nach Gebiet) bis zu 30 % der Zecken Borrelien in sich, aber nur 2,6 bis 5,6% der gebissenen Menschen entwickeln Antiköper dagegen. Lediglich 0,3 bis 1,4% der von einer Zecke Gebissenen erkranken tatsächlich an Borreliose (Zahlen: Robert-Koch-Institut, Stand: 14.2.2018)“ Tückisch ist die Borreliose allerdings wegen der möglichen Spätfolgen. Manche Menschen, die Antikörper entwickeln, haben zunächst keinerlei Symptome, werden aber Jahre später ernsthaft krank.

Das Thema „Zecken“ zieht immer. Gewohnt reißerisch hatte Ende Mai 2020 die Bild-Zeitung Zecken-Alarm geschlagen:

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In diesem Jahr hat die mediale Coronoia andere Katastrophen-Schlagzeilen in den Hintergrund gedrängt, wo sie dennoch gewirkt haben. Gefährlich sind Horror-Meldungen wie diese, weil sie nicht nur maßlos übertrieben sind, sondern untergründig dazu beitragen, die Corona-Panik noch weiter anzufachen. „Sie stechen so früh wie nie!“ ist übrigens Unsinn: Als die Bild-Zeitung Ende Mai drohte, waren die Zecken schon seit mindestens zehn Wochen aktiv. Hund Freki hatte bereits im März eine erste Zecke im Fell.

 

Kaum jemand, mit dem ich ins Gespräch komme, hat noch Angst vor dem Corona-Virus. Aber die meisten Menschen haben Angst, drakonische Strafen bezahlen zu müssen, den Job zu verlieren etc. Daher tragen alle die Maske, ob fertig gekauft, selber genäht, gehäkelt, gestrickt, zusammengeheftet. Wir sehen bescheuert aus und bedecken die untere Gesichtshälfte mit kleinen Stoffteilen, die vermutlich nichts weiter sind als Scherzartikel. Wir tragen uns mit unleserlichem Namen in die Listen ein, die in den Cafés ausliegen, was niemanden interessiert.

Aber wir alle sind angespannt. Gereizt sind insbesondere die völlig überforderten Menschen in „systemrelevanten“ Berufen. Im Supermarkt begegne ich täglich Verkäuferinnen und Verkäufern, die man vor Monaten noch „gefeiert“ hat. Jetzt sind sie dazu verdonnert, die Regale wieder alleine aufzufüllen, ohne die Mitarbeit der für kurze Zeit eingestellten Hilfskräfte, und von morgens bis abends eine Maske zu tragen. Die Regale sind wieder gut bestückt und die Kunden undankbar und grantig wie eh und je.

Weil ich keine Gesichtsmaske dabei hatte, wurde ich am Tag der Beerdigung des Leichnams meines Mannes früh am Morgen aus dem REWE an der Nohlstraße geworfen. Eine seltsame Erfahrung, wenn man Stammkundin ist und immerhin 61. In Ermangelung einer Maske riss ich mir eine kleine Obsttüte von der Rolle, klemmte mir den Plastiklappen hinter die Ohren, schritt in den Laden und wurde direkt zurückgepfiffen: Halt! Eine zweite maskierte Verkäuferin kam dazu: Halt! Ich ging weiter und stammelte einen Satz wie: Mein Mann wird heute beerdigt, ich muss noch ein paar Zutaten einkaufen für den Brunch. Man holte Verstärkung, diesmal einen ebenfalls älteren männlichen Kollegen mit FC Köln-Maske (Aufdruck: Zesamme stark blieve), verfolgte mich durch den Laden und schrie im Verein: Raus, raus, raus! Ich stellte ein Glas Mayonnaise aufs Kassenband. Nichts da, raus, raus, raus! Ich brach in Tränen aus. Kein Erbarmen: Raus, raus, raus!

Wenn wir eine Maske tragen müssen bzw. einen Maulkorb, spannt uns das an. Wir sind nicht nur schlecht gestimmt, sondern auch (latent) aggressiv. Kluge Hunde wissen das. Ihnen widme ich mein Elfchen des Monats.

 

 

Weise

Hunde warnen:

Wer nicht schnüffeln

Darf, wird erst richtig

Scharf

 

 

 

 

Was tun, wenn die Freibäder endlich geöffnet, aber Köpper und Döppen verboten sind?

 

In den letzten Wochen hat es in Deutschland kaum geregnet. Zu Pfingsten ist es nicht nur trocken, sondern so heiß, dass sogar ich Lust kriege, Schwimmen zu gehen. Also informiere ich mich per Internet. In Köln, so lese ich, sind fast alle städtischen Freibäder wieder geöffnet, allerdings unter strengen Hygiene- und Sicherheitsauflagen. Die Zeiten, als man zur Kasse ging und mit Münzgeld eine Eintrittskarte kaufen konnte, ohne sich auszuweisen, sind vorbei. Ins (Un-)Freibad kommt nur, wer im Vorfeld ein E-Ticket kauft. Nur wenn die persönlichen Daten preisgegeben werden, kann – wie es heißt – im Falle eines Corona-Ausbruchs der Infektionsweg zurückverfolgt werden.

Die „Verweildauer“ im Schwimmbad ist zwar offiziell unbegrenzt, aber der Schwimmbadbetrieb wird mitten am Tag unterbrochen. Dann werden die Bäder geschlossen, denn sie müssen desinfiziert werden. Wenn zum Beispiel das Zündorfbad zwischen 14 und 15 Uhr gründlich gereinigt wird, müssen die Badegäste gehen – und dürften kaum noch Lust haben wiederzukommen. Andere Bäder, etwa das Kombibad Paffrath in der Nähe von Köln, schließen zwecks Tiefenreinigung sogar dreimal am Tag. Es würde mich nicht wundern, wenn auch die Liegewiesen desinfiziert würden.

Zwar haben die einzelnen Bäder unterschiedliche Sicherheitskonzepte entwickelt, doch überall hält man sich an gewisse Grundvorgaben. Die Besucherzahl ist begrenzt, während man das Personal aufstockt. Es müssen, so hörte ich, nicht nur weitere Bademeister eingestellt werden, sondern auch Reinigungs- und Sicherheitskräfte.  Geschwommen wird in festgefügten Bahnen – und mit Mindestabstand. Auch hat man das Einbahn-Schwimmen erfunden: Damit die Leute nicht frontal zusammenstoßen, gibt man vielerorts die Schwimm-Richtung vor. Zur Freude mancher Senioren, die man überraschenderweise nicht aus den Bädern verbannt, ist das Überholen verboten.

Vor allem Kindern wird viel abverlangt, denn sie lieben Wasser. Ich weiß noch, dass es für mich nichts Schöneres gab, als an einem heißen Sommertag in ein Schwimmbecken zu springen. Auch das ist im Jahr 2020 verboten. Sprünge vom Beckenrand, so habe ich gehört, sind höchst riskant, weil sich am Beckenrand die Viren tummeln. Auch das Döppen ist verboten, denn beim Döppen hat man Körperkontakt. Ich selber habe nie gedöppt, denn gedöppte Kinder döppen zurück. Döppen ist doof, aber diese kleinen Kämpfchen im Wasser gehören für Kinder dazu.

Was kann man tun? An den See fahren. Von Nippes aus ist der Fühlinger See gut erreichbar. Überregional bekannt ist der See vor allem durch das Summerjam-Festival, das Anfang Juli stattfinden sollte, aber wegen Corona abgesagt wurde. Abseits der Regattastrecke findet man schöne Badeplätze. Mein Tipp: Sich in Nippes aufs Fahrrad setzen und über die Neusser Straße, die irgendwann in die Neusser Landstraße übergeht, stadtauswärts fahren. Nach knapp zehn Kilometern kommt man am Fühlinger See an. Noch ein paar hundert Meter weiter fahren, das Freibad (Eichenprozessionsspinner!) rechts liegen lassen, See 3 ansteuern und sich ein Fleckchen suchen, wo man mehr Platz hat als 1,50 Meter Sicherheitsabstand.

Zur Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners am Fühlinger See gibt die Stadt Köln Auskunft: https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/freizeit-natur-sport/sportstadt/sport-und-erholungsanlage-fuehlinger-see?kontrast=schwarz)

 

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Als die Hitze noch erträglich war und der Spielplatz gerade wieder geöffnet: Köpper in den Sand

 

Gestern, als ich zum Einkaufen auf der Neusser Straße war, standen die Leute vor dem Optiker Schlange. Die meisten trugen zusätzlich zum Mundschutz noch eine Sonnenbrille und sahen ziemlich vermummt aus. Ist das nicht offiziell verboten? Ich schaue im Internet nach. Tatsächlich ist es in Deutschland nur bei öffentlichen Versammlungen wie Demonstrationen oder großen Sportveranstaltungen wie Bundesligaspielen laut § 17a des Versammlungsgesetzes (VersG)  verboten, sich zu vermummen. Anders ist das in Österreich. Hier gilt seit Oktober 2017 ein generelles „Verbot der Gesichtsverhüllung“. Doch kann man den Mundschutz anordnen und gleichzeitig die Gesichtsverhüllung verbieten? Eigentlich nicht. Um das Dilemma zu lösen, hat man in Österreich das „Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz“ (es heißt wirklich so!) nachgebessert. Neuerdings ist aus „medizinischen Gründen“ die Gesichtsverhüllung erlaubt. https://www.oesterreich.gv.at/themen/leben_in_oesterreich/aufenthalt/Seite.120251.html

Doch wie ist es in Deutschland? Eigentlich müsste es Menschen, die einen Mundschutz tragen  -vor allem in Kombination mit einer Sonnenbrille- verboten sein zu demonstrieren. Andererseits kann der Staat den Menschen nicht verbieten, sich zu versammeln, vor allem dann nicht, wenn sie sich mit der Vermummung ordnungsgemäß verhalten. Was also tun? Anfang April wurden im Namen der „Kontaktbeschränkungen zwecks Infektionsschutz“ die Grundrechte kurzerhand (wenn auch „vorübergehend“) umformuliert. https://polit-x.de/documents/3383575/bund/bundestag/wissenschaftlicher-dienst/ausarbeitung-2020-04-15-wd-3-07920-kontaktbeschrankungen-zwecks-infektionsschutz-grundrechte Für Demonstrationen heißt das: „In einem solchen Fall gilt in Bezug auf den Mundschutz kein Vermummungsverbot, da dieser behördlich angeordnet wurde.“ https://www.bussgeldkatalog.org/news/corona-mundschutz-erlaubt-generelles-vermummungsverbot-besteht-nicht-2283709/

Gewiss hat dieses Mädchen (dass es ein Mädchen sein dürfte, sehe ich an den rosafarbenen Schuhen) noch nie was von einem Vermummungsverbot gehört. Als würde es die Maskenpflicht karikieren, hat das Kind den Mund- Nasenschutz übertrieben. Es hat Löcher in einen Karton geschnitten und ihn sich über den Kopf gestülpt.

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Wenn man Anfang April ein Kind traf, waren fast immer die Eltern dabei. Einmal hat ein Kind die Mutter gefragt: „Darf ich den kuscheligen Hund da streicheln?“ Die Antwort der Mutter: „Nein, erst in drei Wochen wieder.“ … Jetzt, Ende Mai, ist das Leben immer noch stark reglementiert, doch die Kinder lassen sich nicht verblöden. Nach der Schule wird der Ranzen in die Ecke gepfeffert – so wie „früher“. Draußen hat kaum ein Kind seine Maske dabei. Die Kinder, die in der autofreien Siedlung wohnen, gehen endlich wieder alleine vor die Tür. Hund Freki wird auch wieder gestreichelt. Jetzt aber versteht er die Welt nicht mehr: Ein Mädchen findet ihn uninteressant!

Ihr kriegt mich nicht!

„Corona ist Blöt“ – was die Politik Schulkindern zumutet

Nachbarskind Lena* geht in die vierte Klasse der Nippeser Gemeinschaftsgrundschule Steinbergerstraße. Im Sommer wird sie aufs Hansa-Gymnasium in der Innenstadt wechseln, das bereits ihr älterer Bruder besucht. Viel lieber wäre Lena mit ihren Freundinnen auf das Nippeser Leonardo-Da-Vinci-Gymnasium gegangen, aber eine Anmeldung dort wäre riskant gewesen.

Denn bei der Vergabe von Schulplätzen gibt es eine Abstandsregelung, die mit den aktuellen Corona-Abstandregelungen wenig zu tun hat, aber ähnlich lebensfern ist. Man misst den Abstand zwischen Wohnung und Schule. Anders als ihre Freundinnen, die nur einen knappen Kilometer weit weg von der Schule wohnen, hätte Lena einen Schulweg von etwa 1,2 Kilometern. Weil das 400 oder 300 Meter zu weit ist, stehen ihre Chancen schlecht. Und würde sie am Leonardo-Da-Vinci nicht angenommen, verlöre sie den Geschwister-Bonus fürs Hansa. In einer Pressemitteilung der Stadt Köln vom 14.4.2020 heißt es: „92 Prozent aller Kölner Viertklässler wechseln somit zum neuen Schuljahr an das Gymnasium ihrer ersten Wahl.“ https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/21724/index.html Das hört sich schön an, aber es stimmt nur für das, was auf dem Papier steht, denn das „Gymnasium der ersten Wahl“ ist -wie bei Lena- oft schon ein Kompromiss.

Dass das sture Befolgen einer Abstandsregelung über die schulische Zukunft eines Kindes entscheidet, ist eine Zumutung. Wie so oft müssen Kinder die Fehler der Erwachsenen ausbaden. Als die autofreie Siedlung Stellwerk 60 und eine noch größere Nachbarsiedlung gebaut wurden, hatte es die Stadt Köln versäumt, sich um neue Kindergarten- und Schulplätze zu kümmern, so dass selbst Grundschulkinder auf Nachbarstadtteile ausweichen mussten. Insbesondere in Köln-Nippes ist die Lage nach wie vor angespannt, was sich durch die Bebauung des Clouth-Geländes noch weiter zugespitzt hat.

Immerhin wird es Lena vergönnt sein, bis zum Abitur noch neun hoffentlich „komfortable“ Schuljahre vor sich zu haben. Bis auf ganz wenige Ausnahmen (drei von 625 Gymnasien, wie ich lese) sind zum Schuljahr 2019/2020 alle Gymnasien im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland NRW zu G9 (d.h. dem Abitur nach neun Jahren auf der weiterführenden Schule) zurückgekehrt. Das ist gut so und war längst überfällig. Dennoch gibt es nach wie vor G8-Hardliner wie den Kieler Bildungsforscher Olaf Köller, der in einem Interview sagt: „Wenn man böse wäre, könnte man sagen: Die Politik ist vor dem Bürgertum eingeknickt – ohne wissenschaftliche Belege für das, was in der Debatte immer behauptet wird.“ https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/nrw-kehrt-zu-g9-zurueck-die-politik-ist-vor-dem-buergertum-eingeknickt-a-1283907.html

Doch es ist anders. Die Politik ist nicht eingeknickt, sondern man hat endlich eingesehen, dass G8 nicht der richtige Weg war. Hauptleidtragende waren in den letzten 15 Jahren (und werden es noch einige Jahre sein) diejenigen, die die Fehlentscheidung annehmen und mit ihr leben und arbeiten mussten: Kinder und Lehrer, aber auch die Eltern. Ich persönlich musste miterleben, wie meine beiden G8-Töchter ihre Köpfe mit viel zu viel überflüssigem Wissen vollpumpen und Nachtschichten einlegen mussten, um das ohnehin fragwürdige Zentralabitur gut zu packen. Bildung in einem umfassenden Sinn blieb dabei vollkommen auf der Strecke.

Schamlos finde ich, dass man, anstatt sich für den großen Fehler zu entschuldigen, uns Bürgern auch noch die Kosten, die das bildungspolitische Chaos verursacht hat,  vorrechnet. Noch einmal Olaf Köller:  „Bundesweit dürften die Kosten im Milliardenbereich liegen. Und sie sind mit der Umstellung zurück auf G9 noch nicht behoben: Wir werden demnächst Jahrgänge haben, in denen es wegen der Verlängerung keine Abiturienten gibt. Auch das verursacht noch einmal erhebliche volkswirtschaftliche Kosten.“ (s.o.)

Schon im Jahr 2005, als G8 unter einer rot-grünen Landesregierung eingeführt wurde,  hatten Lehrer und Eltern immer wieder ihre Bedenken geäußert. Ich erinnere mich an ein Party-Gespräch mit Barbara, einer Lehrerin, die damals sagte, dass das dreizehnte Jahr als allmählicher Ausklang besonders wichtig sei. In diesem dreizehnten Jahr, so Barbara, machten die jungen Menschen noch einmal einen großen Entwicklungssprung – hin zur „Reife“.

 

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Ein Kind hat einen Zettel aufgehängt: „Corona ist blöt!“… Vor allem in der Grundschule hat es in den vergangenen Jahrzehnten sinnvolle Reformen gegeben. Eine davon ist das Schreibenlernen nach Gehör. Das fördert das Sprachgefühl. Kinder beginnen schon früh, kleine (oft ausdrucksvolle) Texte zu schreiben. Wichtig ist, dass die Kinder keine Angst haben müssen, Fehler zu machen. Wenn Eltern die ersten „Texte“ ihrer Kinder sehen, sind sie oft erschrocken: Wird mein Kind jemals ordentlich schreiben können? Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Es wird.

 

„Man mus mazn schuz tagen“, lese ich. Ja, man muss. Ich habe so oft in den letzten Wochen mitbekommen, wie sich Kinder (meistens im Eingangsbereich irgendwelcher Einkaufsläden) schreiend dagegen gewehrt haben, einen „Mund-Nasenschutz“ anzuziehen. Kinder maskieren sich gerne, aber nicht auf Befehl.

Die sogenannten „Lockerungen“ sind keine, denn sie haben die krampfhafteste Zwangsmaßnahme überhaupt erst mit sich gebracht: Die Maskenpflicht. Es soll uns ins Gesicht geschrieben stehen, dass wir zum Vorgehen der Bundesregierung Ja! sagen. Wir müssen uns ducken, wollen wir was zu essen kriegen. Wir parieren, wir ziehen uns dieses Jawoll! im wahrsten Sinne des Wortes an.

Nie hätte ich für möglich gehalten, was die Politik derzeit den Schulkindern zumutet. Für mich ist der offizielle Beschluss, dass die Maske zur „Grundausstattung“ aller Schulkinder gehört, die autoritärste pädagogische Maßnahme, die ich jemals erlebt habe, denn sie duldet keinen Widerspruch, wird als „Schutzmaßnahme“ verkauft und erfasst ohne Ausnahme alle. Und dabei ist der Zwang zur Maske nicht nur überzogen, sondern unvernünftig, denn anders als etwa die Schweinegrippe, an der vor allem jüngere Menschen schwer erkrankt und auch einige Kinder (vor allem Babys) gestorben sind, ist das Corona-Virus, wie wir längst begriffen haben sollten, für Kinder ungefährlich.

Doch die Behörden bleiben hart. Engherzig und knickrig verhält sich unsere „verarmte“ Kommune, die nicht einmal kostenlose Masken für alle bereit stellt.

….. Hinsichtlich der Schutzmasken hat sich der Krisenstab der Stadt Köln heute den aktuellen Positionen des Städtetages NRW angeschlossen. Seit dem 4. Mai 2020 gehört eine Mund-Nasen-Bedeckung zur Grundausstattung aller Schülerinnen und Schüler. Für die Grundausstattung tragen die Erziehungsberechtigten die Verantwortung. Die seit 27. April 2020 bestehende Verpflichtung, bei Einkäufen sowie der Nutzung des ÖPNV eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, stellt bereits eine Verpflichtung zur Beschaffung und Nutzung dar. Es besteht aber nur dann eine generelle Maskenpflicht in der Schule, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Ob Schülerinnen und Schüler auf dem Schulgelände und in Klassenzimmern eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen müssen, entscheidet die jeweilige Schulleitunghttps://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/21778/index.html

Aber wie können Lehrerinnen und Lehrer unter diesen Bedingungen überhaupt noch unterrichten? Der Konflikt wird auf die Schulen abgewälzt. Und wieder einmal arbeitet die Politik mit Misstrauen und Drohungen: Wird der Mindestabstand nicht „freiwillig“ eingehalten, verdonnert man die ganze Schule zur Maskenpflicht.

Vor ein paar Tagen erfuhr ich, dass der Vater einer Schulfreundin meiner Tochter Carla an Corona, wie es hieß, gestorben ist. Er war noch keine fünfzig Jahre alt, litt aber an einer schweren Diabetes. Ich bin ihm nie begegnet.

Erwachsene mit Diabetes sind gefährdet. Doch wie ist es um die Schulkinder bestellt, die Diabetes haben? Dürfen sie jetzt, so wie die anderen Kinder, wenigstens an einzelnen Tagen zur Schule? Auf die Grundschule Steinbergerstraße gehen (und gingen) auch Kinder, die an Diabetes Typ 1 erkrankt sind. Ich weiß das, weil unser Wahllokal (fast immer) ein Klassenzimmer dieser Schule ist. Wenn wir zur Wahl gegangen sind, sind mir wiederholt Aushänge aufgefallen, die die Mitschülerinnen und Mitschüler informieren und um Rücksichtsnahme und Aufmerksamkeit bitten.

In den allermeisten Schulen sind Kinder  mit Diabetes „willkommen“. In Thüringen jedoch, so lese ich, sollten Kinder mit Diabetes Typ 1 nicht zur Schule gehen, weil sie zur Gruppe der Vorerkrankten gehören. Man orientierte sich dabei an den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI), das alle Diabetiker pauschal als gefährdet einstuft..

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat Ende April direkt Alarm geschlagen. Sie warnte vor einer Ausgrenzung dieser Kinder: „Aus kinderdiabetologischer Sicht spricht also nichts dagegen, dass im Zuge der aktuell geplanten Schulöffnungen auch die hierzulande rund 30.000 Kinder und Jugendlichen mit Diabetes die Schule besuchen“, bilanziert DDG Vizepräsident Professor Dr. med. Andreas Neu aus Tübingen den aktuellen medizinischen Wissensstand. Er verweist auf die Stellungnahme der AG Pädiatrische Diabetologie (AGPD), die hierzu die aktuellsten Informationen zusammengetragen hat.[1] Diese basiert auf einer Datensammlung der International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD) aus der bislang keine bedenklichen Zusammenhänge zwischen COVID-19 und Kindern mit Diabetes abgeleitet werden könnten.“ u.a.: https://www.diabetologie-online.de/a/schuloeffnungen-ddg-kinder-mit-diabetes-nicht-pauschal-vom-unterricht-ausschliessen-2154989

Doch warum hat das Robert-Koch-Institut (RKI) keine Entwarnung gegeben, was den Schulbesuch der betroffenen Kinder angeht? Warum unterscheidet man im Zusammenhang mit Corona nicht zwischen an Diabetes erkrankten älteren Erwachsenen und Kindern? Ich sehe hierin ein Versäumnis, das nicht nur inhuman, sondern inakzeptabel ist und ein Nachspiel haben müsste.

In der autofreien Siedlung standen in den letzten Wochen überall Verschenke-Kisten herum. Neuerdings veranstalten die Kinder auch endlich wieder private Flohmärkte, die hier bei gutem Wetter (und in „Friedenszeiten“) alltäglich sind.

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Kinder-Flohmarkt: „Alles desinfiziert“

Zum Glück roch es rund um den Stand nicht nach Desinfektionsmitteln, sondern nach frischen Waffeln!

 

*Name geändert

Elfchen im Fünften: Nippeser Halsbandsittiche vertreiben die BZgA

Adieu,

Sexperten! Packt

Ein euer Papperlapapp

Ab nach Braunsfeld in

Aufklärungskrampfhaft

 

Bis vor wenigen Jahren war die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nicht nur in Köln-Merheim ansässig, sondern auch in der Nippeser Werkstattstraße. Die Nippeser Büroräume der BZgA befanden sich kaum hundert Meter weit weg vom Südeingang unserer Siedlung in einem Haus der Deutschen Bahn direkt an der S-Bahn-Trasse.

Anfang 2015 hat dann die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung -unter dem Beifall zahlreicher freiheitsliebender Nippeser Halsbandsittiche- ein neues, lichtes Gebäude am Maarweg in Köln-Braunsfeld bezogen. Auf einem älteren Foto ist der Nippeser Standort der BZgA noch ausmachbar: https://www.alamy.com/stock-photo-kln-nippes-werkstattstrasse-102-eisenbahn-bundesamt-aussenstelle-in-102152595.html?pv=1&stamp=2&imageid=BA530D22-9F00-42A6-971F-62E6CA1A103A&p=73423&n=0&orientation=0&pn=1&

Der Grund für den Umzug der BZgA von Nippes nach Braunsfeld war angeblich der baufällige Zustand des Hauses. Doch da war noch etwas anderes, das bohrend störte, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BZgA in Atem hielt und ihnen mit der Zeit die Arbeitsmoral raubte: Der Papageienvögel unkontrollierbare Fortpflanzungsfreude. In der südlichen Außenwand des Gebäudes (das so baufällig nicht sein kann, denn aktuell beherbergt es vier Bahn-Behörden) nisten und brüten Halsbandsittiche – und das schon seit vielen Jahren. Damit der Nachwuchs es schön mollig hat, haben die Papageienvögel Höhlen in die Wärmedämmung gegraben.

Immer wieder hat man die Bruthöhlen zugestopft und die Schlupflöcher verspachtelt, doch jedes Mal waren die Sittiche munter pickend schon bald wieder da. Alle Versuche, die Tiere zu vertreiben und an der Eiablage zu hindern, sind fehlgeschlagen.

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Nippes, April 2020… Da lacht der Halsbandsittich: „Sexualaufklärung beginnt mit der Geburt.“ (WHO-Regionalbüro für Europa und BZgA: Standards für die Sexualaufklärung in Europa)

 

Es gibt eine weise Kinderfrage, die lautet: „Wo komme ich her?“ Sexualaufklärer geben hierauf eine rationale, einfache Antwort. Sie erklären schon dem Kindergartenkind, dass es gemacht wurde: Die Eltern hatten Sex und haben dabei ein Kind hergestellt.

Ich weiß noch, wie meine jüngere Tochter nach dem Sexualkundeunterricht in der Grundschule nach Hause kam und ziemlich verstört war. „Mama, warum war ich so ein altes Ei? Und warum bist du 15 Jahre älter als Maras Mutter?“ Man muss wissen: Ich habe meine jüngere Tochter mit knapp 41 Jahren bekommen. Im Sexualkundeunterricht hören die Kinder, dass ältere Frauen, die ein Kind erwarten, „Risikoschwangere“ sind, und man erzählt ihnen, dass die „Qualität“ der Eizellen einer Frau mit zunehmendem Alter abnimmt. Dass ältere Schwangere (und deren Kinder) mit einer solchen Behauptung diffamiert werden, kann kein Kind begreifen.

Ich hatte die Frage befürchtet und sagte: „Ich wollte dich und kein anderes Kind. Noch bevor ich dich kannte, mochte ich dich sehr. Doch um dich zu kriegen, musste ich 40 Jahre alt werden. Monat für Monat machte sich in mir ein winzigkleines Ei auf den Weg zu den Menschen, aber meine Gebärmutter wies eins nach dem anderen ab, weil es noch nicht das richtige war. Ich habe gewartet und gewartet, Monat für Monat. Irgendwann wurde ich mit dir schwanger. Jetzt endlich warst du auf dem Weg in die Welt.“

Sexualität ist geheimnisvoll. Warum verlieben wir uns? Mit Hormonen alleine lässt sich es nicht erklären. Es ist ja wirklich so, dass uns die Liebe „Flügel verleiht“. Man sollte meinen, Sexualpädagogen hätten nicht den Hauch einer Ahnung von der Liebe, wenn sie auf Anweisung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Schulkinder dazu auffordern, Penisattrappen Kondome überzustreifen.

Offenbar nimmt es die BZgA, was eigene Aktionen und Transaktionen angeht, mit der Aufklärung nicht so genau. Im Gegenteil: In Merheim hatte man zwar keine Leichen im Keller, aber belastende Altlasten – und einen schweren, insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesundheitsgefährdenden Schimmelbefall. Der Umzug von Merheim nach Braunsfeld brachte einen ganzen Haufen unliebsamer, vergessener Fundstücke zutage: https://www.sueddeutsche.de/politik/rechnungshof-300-aktenordner-verschimmeln-in-der-bundeszentrale-fuer-gesundheitliche-aufkaerung-1.2960700

Staatlich kontrolliertes Sterben

Ein  Mensch, den ich zur Zeit sehr vermisse, weil man mit ihm so gut lachen konnte, ist mein Schwager Ernst, der Mann meiner Schwester Dorothee. Ernst ist im Mai letzten Jahres im Alter von knapp 73 Jahren an den Folgen einer unheilbaren, angeborenen Krankheit gestorben.

Kurz zuvor war Ernst als „austherapiert“ aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er hätte sich einer Herz-OP unterziehen sollen, war aber schon zu geschwächt. Ernst und Dorothee haben sich dann ein Hospiz angeguckt. Es gab einen Besichtigungstermin mit  „Vorstellungsgespräch“.

„Wie stellen Sie sich Ihren Aufenthalt vor?“, wurde Ernst gefragt. Ernst, der so schwach war, dass er kaum noch sprechen konnte, hatte seinen Galgenhumor behalten und sagte: „Es wäre schön, wenn Sie mich ein bisschen aufpäppeln könnten.“

„Dann sind Sie bei uns nicht richtig“, kam die Antwort. „Hier wird gestorben.“

Meine Schwester hat daraufhin das wohl einzig Richtige gemacht. Sie ist mit Ernst zusammen nach Hause gefahren und hat sich um ein Pflegebett gekümmert, das auch sofort gebracht wurde. Das Bett wurde vor das Terrassenfenster gestellt, so dass Ernst nach draußen in den Garten des Hauses gucken konnte, das schon sein Elternhaus war. Die beiden Kinder bekamen Sonderurlaub, die Schwester reiste aus Kalifornien an…

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Vor dem Hospiz St.Marien in Nippes. Für Besuche gibt es derzeit strenge Auflagen. Pro Tag und pro Gast darf nur ein Besucher kommen. Dass ein Mensch „im Kreise seiner Familie“ stirbt, ist hier zur Zeit streng untersagt. Vom kleinen Violinen-Duett war  ich unangenehm berührt. Dass sterbende Menschen, die sich nach ihren Liebsten sehnen, mit Geigenmusik  abgespeist werden, finde ich brutal.

 

Dringender Appell an die Bundesregierung: Seid so besonnen wie die Schweden und öffnet die Kindertagesstätten und Grundschulen!

Was macht eigentlich Greta Thunberg in den Zeiten von Corona? Gestern habe ich gelesen, dass sie vor zehn Tagen von einer Reise nach Mitteleuropa zurückgekehrt war, Symptome hatte und direkt in die private Quarantäne gegangen ist. Sehr wahrscheinlich hat sich Greta Thunberg mit Corona infiziert, ebenso wie ihr Vater. Beide haben sich nicht testen lassen. Das ist vernünftig. Bei einem so hochansteckenden Virus ist es wahrscheinlich, dass sie sich infiziert hat, so wie sich wahrscheinlich Millionen junger Menschen, die ja gerne feiern und verreisen, infiziert haben. Da Greta ein Vorbild ist, hätte sie viele junge Leute animiert, sich ebenfalls testen zu lassen. Das hätte das Gesundheitssystem noch mehr belastet. Sei umarmt, Greta!

In die Schule geht Greta zur Zeit nicht. Nach dem Abschluss der neunten Klasse  im Jahr 2019 macht sie ein Jahr Pause, um anschließend aufs Gymnasium zu gehen. Schweden hat ein Schulsystem, wie ich es mir wünsche: Die Schüler gehen neun Jahre lang auf eine Gesamtschule, die anders als in Deutschland keine Angebotsschule ist, sondern eine Pflichtschule für alle. Neun Jahre lang dauert auch die Schulpflicht.

Schulen sind wichtig. Wir brauchen sie als Schutzräume, wo die Kinder und Jugendlichen zusammen kommen und gemeinsam miteinander und voneinander lernen. In Schweden bleiben trotz Corona alle Gesamtschulen geöffnet. Und das ist gut so, denn nur dann, wenn die Kinder zur Schule gehen können, können sie ihr Recht auf Bildung einlösen.

Erlebten wir eine Seuche, wäre es richtig, die Schulen zu schließen, aber Corona ist keine Seuche. In Deutschland, so fürchte ich, werden die Kinder nicht ernst genommen. Die Zwangsmaßnahmen unser Regierung, vor allem die Schließung der Kindergärten und Schulen, treffen die, denen das Virus nichts anhaben kann: Die Kinder. Kinder brauchen Grenzen, wird immer gesagt. Ja, aber vor allem brauchen sie Räume, wo sie sich frei entfalten können. Aber vor allem brauchen Kinder Kinder. Zur Zeit dürfen in vielen Ländern die Kinder nicht zu den Kindern. Neuerdings schaut man mit Misstrauen auf jedes Kind: Auch du könntest ein Überträger sein.

 

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Der größte Spielplatz innerhalb der autofreien Siedlung. Bei schönem Wetter ist hier der Bär los. Das Spielzeug liegt rum, es gehört allen, hier nimmt keiner was weg. In Corona-Zeiten ist alles anders. Als handele es sich bei der Sandfläche um ein Minenfeld.

 

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Spielplatz in Westberlin nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26.4.1986 © imago Foto: Jürgen Ritter. Offenbar war die Politik auch damals total überfordert. Was sich hier als Schutzmaßnahme ausgibt, sieht nicht nur ähnlich aus, sondern war ähnlich hilflos. Der Unterschied: Damals war wirklich eine (von Menschen verursachte) Katastrophe passiert. Uns Westdeutsche ereichte nur eine Wolke. Entsetzliche Folgen hatte das Unglück insbesondere für die Menschen in der Ukraine, die damals Kinder waren. Wir horchen auf, wenn wir hören, wie viele Kinder an Schilddrüsenkrebs oder Leukämie erkrankt sind. Was uns kaum aufhorchen lässt, ist die extrem hohe Zahl verschiedener psychischer und somatischer Erkrankungen. Das Unglück und das Verschweigen waren Angriffe auf das Leben und auf die Lebensfreude: „Nach dem Unfall im Kraftwerk Tschernobyl haben die Medien in der Sowjetunion zuerst geschwiegen. Obwohl sich das Ausmaß der Tragödie bereits am 27. April deutlich abzeichnete und die 50.000-Einwohner-Stadt Prypjat nahe dem Kraftwerk evakuiert wurde, rief die sowjetische Führung die Menschen trotzdem zur Teilnahme an den 1.-Mai-Feierlichkeiten auf.“ Abgestempelt und vergessen: https://www.welt.de/politik/ausland/article154734463/Ich-das-Tschernobyl-Kind.html

Am Sonntag war die Schlange vor der Nippeser Bäckerei Güsgen noch länger als sonst,  wegen des Sicherheitsabstands, den wir Kunden einhalten sollten. Wie immer waren viele Kinder dabei. Das hat einen Grund, denn Frau Güsgen mag die Kinder sehr. Jedes Kind, das in die Bäckerei kommt, kriegt ein kleines Schoko-Weckchen geschenkt. Frau Güsgen ist neugierig und fragt jedes Kind: „Habt ihr noch mehr Kinder zu Hause?“ Und manchmal hört man Antworten wie: „Ja, meine Schwester. Aber heute übernachten noch vier bei uns.“ Dann freut sich Frau Güsgen und packt 6 Weckchen in die Tüte. Hier in der autofreien Siedlung haben die Kinder oft Übernachtungsgäste. In Friedenszeiten sieht man am Wochenende oder in den Ferien jeden Abend Kinder mit Bettdecken unterm Arm von Haus zu Haus laufen. Sie wohnen nah beieinander. Ein bisschen ist es hier wie in Bullerbü.

Vor der Bäckerei stand ein Kind. Es war ein bisschen gelangweilt und bohrte in der Nase. „Nicht in den Mund stecken!“, schrie der Vater. Traurig: In den Zeiten von Corona ist den Kindern nicht einmal das Popeln erlaubt.

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Im Ruhrgebiet, wo ich herstamme, heißen sie Stutenkerl in Köln Weckmann. Sie sind das klassische Sankt Martins-Gebäck. Im letzten Jahr hatte Bäcker Güsgen einen Riesen-Weckmann gebacken. Jedes Kind, das in die Bäckerei kam, kriegte an diesem Tage ausnahmsweise kein Schokoweckchen, sondern ein Stück Weckmann.

 

Am 6.4. würden in NRW die Osterferien beginnen. Doch in diesem Jahr fallen in ganz Deutschland die Osterferien aus. Denn wenn immer schulfrei ist, gibt es auch keine Ferien. Und wenn es keine Osterferien gibt, fällt auch die Vorfreude auf Ostern aus. Wie doof es sich anfühlt, immer Ferien zu haben, weiß Pippi Langstrumpf.

„Da lobe ich mir die Schulen in Argentinien“, sagte Pippi und sah auf die Kinder herunter. „Da solltet ihr hingehen. Da fangen die Osterferien drei Tage nach Schluß der
Weihnachtsferien an, und wenn die Osterferien zu Ende sind, dauert es drei Tage, und da fangen die Sommerferien an. Die Sommerferien hören am 1. November auf, und dann hat man natürlich eine ordentliche Last, bis am 11. November die Weihnachtsferien anfangen. Aber das muß man aushalten. Jedenfalls hat man keine Schularbeiten. Es ist in Argentinien streng verboten, Schularbeiten zu machen. Manchmal kommt es vor, daß ein oder das andere argentinische Kind sich in einen Schrank schleicht und Schularbeiten macht. Aber wehe, wenn seine Mutter das sieht….“

Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf/Pippi in der Villa Kunterbunt (als pdf im Internet)

 

 

 

Manchmal könnte ich Corona küssen

Natürlich dürfen wir Corona nicht unterschätzen. Für ältere Menschen mit schweren  Vorerkrankungen ist die Krankheit lebensbedrohlich. Ich denke an meinen Bruder, der vor über 20 Jahren die Legionärskrankheit hatte, die von einer schweren Lungenentzündung begleitet war. Um seine Erstickungs-Angst zu beschreiben, sagte er später: In meinen Lungen war gerade mal für so viel Luft Platz, wie sie in einen Fingerhut passt. Das stelle ich mir schrecklich vor. Wenn ich als gesunder Mensch tief Luft hole, fühlt es sich ja so an, als füllten sich nicht nur meine Lungen, sondern auch Bauch, Kopf und Gliedmaßen mit Atem.

Anders als etwa Corona wird die Legionärskrankheit durch eine bakterielle Infektion (mit Legionellen) hervorgerufen, die mit Antibiotika behandelt werden kann. Dank gezielt eingesetzter Antibiotika wurde mein Bruder wieder gesund. Wenn Sie älter wären, hätten Sie das nicht überlebt, hat man damals zu ihm gesagt. Jetzt ist er älter. Von der Legionärskrankheit hat er eine chronische Bronchitis davongetragen und eine panische Angst vor Infektionskrankheiten. Ich hab Angst um meinen Bruder, auch und gerade, weil er Angst hat.

Angst, so sagt man, blockiert die Immunabwehr. Und Angst blockiert die Selbstheilungskräfte. Aus Angst rufen viele Menschen auch dann nach Hilfe, wenn sie sich eigentlich selber helfen könnten. Wenn sie erkranken, erwarten sie die Heilung durch eine Medizin, die oft nicht heilen kann, sondern nur helfen, die Symptome zu lindern. So im Fall Corona.

Was Corona angeht, war ich eine Weile ziemlich niedergeschlagen, weil die Krankheit hoch ansteckend ist. Mit Hygienemaßnahmen kann man gegen Corona nicht viel machen, denn die Krankheit überträgt sich im alltäglichen menschlichen Mit- und Beieinander. Doch vor etwa zehn Tagen las ich dann einen Beitrag, der mich optimistisch stimmte: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-kinder-infizieren-sich-offenbar-genauso-haeufig-werden-aber-nicht-krank-a-72e2a605-5865-4d23-81b1-c1c4f453d659 Ganz anders als etwa die Pest (die es immer noch gibt) ist Corona zwar nicht behandelbar, kann aber Kindern nicht viel anhaben… Manchmal könnte ich Corona küssen – und lasse es lieber.

Warum nur hat Angela Merkel aufgrund dieser guten Nachricht keine Luftsprünge gemacht, warum nur hat die kleine „Frohe Botschaft“ sie nicht ein bisschen entspannt? Ich fürchte, dass sich Angela Merkel längst abgefunden hat mit der katastrophalen Situation, in der sich die Menschheit nicht erst seit Corona befindet. Selbst in der Katastrophe kann man es sich noch eine Weile wunderbar bequem machen. Gegenüber Greta Thunberg und den weltweit streikenden und demonstrierenden, um ihre Zukunft kämpfenden jungen Menschen hat sich unsere Politik verantwortungslos und „erbärmlich“ verhalten: Ignorant, gönnerhaft und autoritär. Es scheint, als würde man den Jungen ihre lebensbejahende Haltung und ihre physische und psychische Stärke missgönnen.

Erkranken jüngere Kinder nur schwach, weil sie in der Regel noch voller Lebenslust sind und keine Todesangst haben? Ich frage unsere sozial und politisch engagierten Töchter (24 und 20), die beide (im Master bzw. Bachelor) Psychologie studieren und zur Zeit coronabedingt in Köln sind: Was glaubt ihr, warum kann Corona Kindern nicht viel anhaben?

Kinder sind noch näher an der Natur, sagte die Ältere, die Kleinen sind spielerisch und unbefangen. Ich sage: Oft empfinden ältere Menschen eine Erkrankung als Angriff von außen und sich selber als Opfer, das tun Kinder nicht. Wir spekulieren weiter. Irgendwann sagt die Jüngere einen Satz, der mir Gänsehaut macht: Corona ist wie von einer menschenliebenden Gottheit geschickt, die es gut meint mit der Umwelt und mit den Kindern.

Jetzt sind wir dran, sagen die Jungen. Zettel wie dieser hingen am Wochenende überall in unserer Siedlung aus.

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„… Da wir ausnahmsweise aufgrund unseres Immunsystems den stärkeren Teil der Bevölkerung ausmachen… “ Ich finde, die jungen Leute machen schon seit Jahren aufgrund ihrer Unbeirrbarkeit in Fragen der Klimapolitik den stärkeren Teil der Bevölkerung aus! Mittlerweile hat der Verein Nachbarn60 die Idee aufgegriffen und ebenfalls Nachbarschaftshilfe angeboten. Aus der aktuellen Mail an alle Bewohnerinnen und Bewohner der autofreien Siedlung: Personen und Familien, die Unterstützung benötigen, schicken eine Anfrage (mit Zeitpunkt, Kurzbeschreibung der Tätigkeit, Einschätzung der Dauer) an helferpool@nachbarn60.de

 

17. März: Die erste Pusteblume

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Lieber Eberhard, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Würde man Tabak als Feinkost verkaufen, würden die Leute weniger rauchen

„Tach“, sagt meine Nachbarin, die Frau Keuner.

Diesmal strahlt sie über beide Backen, als wir uns mitten in der Siedlung über den Weg laufen: „Hömma, du hast mir ja paar schöne Fotos von deiner Belgien-Reise geschickt. Technisch allerdings bissken dürftig. Hast du etwa immer noch deine billige Kleinbildkamera? Sach mal, willst du dir nicht endlich mal ein anständiges Smartphone anschaffen? Is ja schön, dass du die Gummistiefel deiner Töchter aufträgst, weil die mit 11 schon deine Schuhgröße hatten, aber ein Nokia-Handy von 2005 weiter benutzen? Muss dat sein?“ „Is eben so“, sach ich nur. „Reicht mir.“

Die Keuner grinst: „Und in wat für Gegenden läufst du rum, wenn du im Urlaub bist. Ich war selber mal in Belgien. Und ich sach dir, da gibt es richtig schöne Strandschuppen. Das De Kwinte in Westende ist zum Abhängen noch besser als das Spiekerooger Laramie, im De Kwinte kann man sich in ein altes Sofa knallen und mit ner Pulle Bier in der Hand an einer der letzten belgischen Dünen vorbei aufs Meer gucken. Mitten im Winter ist das Westmalle gut gekühlt, aber der Schuppen pottwarm. Warst du da nich?“ „Doch, aber….“ „Wahrscheinlich wolltest du nicht mit anderen Leuten zusammen an einem Tisch sitzen. Hömma, das ist da üblich. Niedrige Tische, große Sofas. Sich dazu setzen, miteinander quatschen und Spaß haben… Dazu müsste man…“ Die Keuner grinst noch breiter: „Dazu müsste man natürlich die Landessprachen sprechen können. Die meisten Belgier sind zweisprachig, was man von dir ja kaum sagen kann. Aber sach mal, sehen die Einkaufsläden in Belgien mittlerweile alle so aus wie auf dem Foto, das du mir geschickt hast?“

„Ach wat“, sach ich nur.

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Shell-Tankstellen-Shop nahe der Küstentram-Haltestelle Moeder Lambic in De Panne. Hier wird der Tabak in Kunststoff-Eimern verkauft. Entsprechend großflächig ist die Kunststoff-Fläche, die die EU-Kommission für ihre Schockwerbung nutzt. Man kann es kaum glauben, aber eben jene EU-Kommission hat 2018 Maßnahmen zur Reduktion von Kunstoffmüll eingeleitet: https://ec.europa.eu/germany/news/20180116-plastikstrategie_de Vielleicht steckt wirklich eine gute Absicht dahinter. Aber aller Elan verpufft in den Katakomben des virtuellen Aktenschranks der EU-Bürokratie. Leider hat die Digitalisierung die Bürokratie noch weiter aufgebläht. Bei der EU-Kommission arbeiten 32.000 Mtarbeiter. Sie bestücken, füttern und kontrollieren unzählige virtuelle Schubladen, Ordner, Unterordner, Anhänge, Ablagen, Exel-Tabellen, Statistiken, Pdf-Dateien usw.. Praktisch am Digitalen ist, dass unliebsame Dokumente nicht einmal geschreddert werden müssen. Umgekehrt ist das, was wichtig wäre, nicht mehr aufzufinden. Gute Absichten werden abgelegt – irgendwo. Die Bürokratie nährt eine gefährliche Illusion: Dass man Notfallmaßnahmen (und die bräuchten wir dringend in der Klimapolitik!) um Jahrzehnte verschieben kann. Letzte Woche hat die EU-Kommission, vertreten von Kommissionschefin Ursula von der Leyen und EU-Klimakommissar Frans Timmermans, das erste gemeinsame Klimagesetz der Union vorgelegt: Die EU muss ab 2050 (also erst in 30 Jahren) klimaneutral sein. In Brüssel geht alles seinen bürokratischen Gang. Das ist gefährlich, denn das Klima verhält sich unbürokratisch – und schon gar nicht neutral.

Auch und gerade mit dem großformatigen Anti-Raucher-Aufdruck schrecken die Eimer nicht ab, sondern sind eine Verführung zum Noch-mehr-Rauchen. Die Botschaft auf dem Eimer im Vordergrund (s. Foto, 64,90€) ist widersinnig: Rauchen ist tödlich – hören Sie jetzt auf  Wie soll man sofort mit dem Rauchen aufhören, wenn man gerade einen Eimer mit so viel Tabak gekauft hat, dass man  damit 975 Zigaretten drehen könnte? Das ist, als wenn man einem Kind ein 700 g – Eimerchen Haribo-Zoo in die Hand drückt und sagt: Süßigkeiten fressen macht deine Zähne kaputt  – hör jetzt auf damit.

Eine wilde Müllkippe in Westende:

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Tabak-Behälter in dieser Größe habe ich in Deutschland noch nicht gesehen. Doch per Internet kann jeder einen Eimer bestellen, zum Beispiel den BURTON Volumen Full Red XXXL.
Zum Vergleich: Die Nippeser Shell-Tankstelle Neusser Straße/Nähe Innere Kanalstraße verkauft halb so große Behälter. Sie sind dort mit dem Deckel nach vorne so im Regal platziert, dass der Blick nicht auf den Ekel-Aufdruck fällt. Der Kunststoff der Boxen -ob XL oder XXXL- ist ausgesprochen robust. Eigentlich wären sie ideal fürs Kinderzimmer, denn man kann Klötzchen, Lego-Steine und andere Kleinteile darin aufbewahren – wenn da nur nicht der fiese Aufdruck wäre. So haben die Leute nur den einen Impuls: Weg damit auf den Müll! Eine extreme Rohstoffverschwendung. Mein Vorschlag an die EU-Kommission: Erhebt europaweit 5 Euro Pfand auf alle Tabak-Großbehälter, denn die XXXL-Boxen verrotten nur langsam, sind aber ideal fürs Mehrwegsystem.

 

Die Frau Keuner wird jetzt sehr ernst. „Weißt du, was ich denke?“, sagt sie. „Ich meine, dass man Tabak nicht in Großbehältern verkaufen sollte, sondern in kleinen Mengen. In schönen, kleinen Holzkistchen mit Pfand. Oder die Leute bringen ihr Schächtelchen mit. Dann wissen sie die einzelne Zigarette oder die kleine Menge Tabak zu schätzen. Man sollte die Genuss-Raucher, die wenig rauchen, darin unterstützen, auch finanziell. Kleinmengen sollten billiger werden. Die Verpackungen sollten so schön gestaltet sein, dass sie auch als Geschenk taugen. Wenn nämlich die Leute eine Packung mit Ekelaufkleber kaufen, dann rauchen sie die umso schneller weg, weil sie die fiese Verpackung loswerden wollen, das ist ein Akt der Verzweiflung. Wir dürfen den Tabak nicht verteufeln. Dem Suchtrauchen ist nur durch eine Wertschätzung des Genussrauchens beizukommen.“ Jetzt lacht die Frau Keuner: „Das andere Foto, das du mir geschickt hat, gefällt mir. Ich hab gegoogelt, Modest ist ja ein Unverpackt-Laden. Wahrscheinlich muss man die Kunden ans Händewaschen erinnern, denn Menschen, die auf Tüten verzichten, neigen auch dazu, Wasser zu sparen. Eigentlich schlau. Aber sach mal, könnte man in den Unverpackt-Läden nicht losen Tabak verkaufen?“

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Gesehen in Ostende. Beim Stadt-Spaziergang sind wir zufällig auf den ersten Ostender, 2019 eröffneten Unverpackt-Laden Modest gestoßen. Anders als beim Kölner Unverpackt-Laden Tante Olga gibt es dort Obst und Gemüse, und man kann nicht nur Kaffee trinken, sondern auch gemütlich sitzen und leckere kleine Snacks essen, Quiche oder Gemüsekuchen  – oder aufs Klo gehen, was ich auch tat. Die Pflicht, sich die Hände zu waschen, irritiert, aber wahrscheinlich gibt es (nicht nur, aber gerade für die Toiletten) in Unverpacktläden besonders strenge Hygieneauflagen.

 

Zwar ist die Belgische Küste so zugebaut, dass das Meer gebändigt zu sein scheint, aber anders als fast überall in Deutschland sind die Nordsee-Strände frei (und kostenlos!) zugänglich. Mancherorts ist die belgische Küste so schön wie die deutsche kaum irgendwo. Wer mit der Linie 0 fährt, der Kusttram, sollte unbedingt in De Haan (Haltestelle Aan Zee) aussteigen, nicht nur, weil man dort (z.B. im schön gelegenen La Potinière) besonders leckeren, Crêpe-inspirierten Pannekoeken essen kann.

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Die viel zu kurze, aber feine Dünen-Promenade bei De Haan: Liebesschlösser am Stacheldrahtzaun

Wer sich ein Bild von De Haan machen möchte, dem sei ein auch nach 30 Jahren noch aktueller Artikel von Elsemarie Maletzke dringend empfohlen:

https://www.zeit.de/1989/31/rosa-torten-fuer-hausgaeste/komplettansicht