„Hömma, Lisa, deine Tochter hat Delta, und du lädst mich nicht zur Viren-Party ein: Kniesbüggel!“ – Eine Begegnung mit der Frau Keuner

„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Frau Keuner. „Kann ich deine Tochter wohl mal sprechen?“

„Hä?“ Ich war nur kurz vor der Tür, zwei Fahrräder aus dem Schuppen holen, hab die Haustür aufgelassen, da war die Frau Keuner auch schon da, als wenn sie drauf gewartet hätte. Die hat den Gehwagen die Stufe hochgebockt und is rein ins Haus. Jetzt sitzt die Frau Keuner am Tisch, und wenn die erst mal sitzt, dann sitzt die.

Ich räuspere mich: „Frau Keuner, das geht jetzt nicht, ich muss Sie leider bitten, das Haus zu verlassen.“ Die Frau Keuner verschränkt die Arme.

„Meine Tochter ist vor zwölf Tagen positiv getestet worden“, sage ich und räuspere mich wieder. „Gestern stand das Gesundheitsamt hier noch einmal auf der Matte und hat den abschließenden PCR-Test durchgeführt. Meine Tochter ist zwar wieder negativ, aber bis einschließlich 23.59 Uhr ist die in Quarantäne. Die darf noch nicht raus und die darf vor allem keinen Besuch haben. Frau Keuner, die Lea hat gehustet, geschnieft und geschwitzt. Sie wissen doch, wie hoch ansteckend die Delta-Variante ist. In den letzten Wochen habe ich mich kaum getraut, die Fenster zu öffnen, damit das Virus nicht entfleucht und halb Nippes versucht. Es ist gut möglich, dass das Delta-Virus hier…“

„… Immer noch sein Unwesen treibt“, ergänzt die Frau Keuner und lacht. Sie schließt die Augen und holt tief Luft. „Bissken abgestanden, die Luft, aber lecker Aerosole. Wo du mir schon sonst nichts anbietest, will ich wenigstens echte Kölner Corona-Luft einatmen.“ Die Frau Keuner legt den Kopf in den Nacken, atmet tief durch die Nase ein und tief durch den Mund aus.

„Frau Keuner, bitte verlassen Sie das Haus. Meine jüngere Tochter und ich stehen als ungeimpfte Kontaktpersonen einer Infizierten immer noch unter Corona-Verdacht. Und nur weil wir uns kooperativ verhalten, sieht das Gesundheitsamt von unangekündigten Hausbesuchen ab.“

„Und der angekündigte Besuch war lustig, wa?“, foppt mich die Frau Keuner.

„Es war so entwürdigend“, antworte ich. „Da kam eine blonde junge Frau. Hellblauer Schutz-Anzug, hellblaue Maske, blaue Augen. Ich war so schlau, ganz langsam vor dem langen Stäbchen zurückzuweichen, aber meine Tochter dachte, dass es nicht weh tut, wenn sie nur den Kopf ruhig hält.“

„Ach wat“, sagt die Frau Keuner und grinst. „Wenn du nicht protestierst, dringen die umso tiefer in dich ein. Das geschulte, erfahrene Personal führt das lange, lange Teststäbchen mit ruhiger Hand durch die Nase tief und immer tiefer ein bis hinten an die Rachenwand, ja, mit ruhiger Hand platziert die medizinische Fachkraft das lange, lange Teststäbchen hinter dem Gaumenzäpfchen. Und? Hat das Personal dir Impfmuffel auch schön Angst gemacht? Hat man dir auch einen Pulsoximeter an den Finger geklemmt?“

„Ich, ich“, stammele ich. „Ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Das…“

„Dat gibbet bei Saturn und bei Amazon„, lacht die Frau Keuner. „Der Pulsoximeter gehört heutzutage in jede Hausapotheke.“

„Das ging schneller, als ich reagieren konnte“, sage ich. „Ohne Vorankündigung. Und die Frau hat nur auf Nachfrage gesagt, dass sie meinen Pulsschlag und den Sauerstoffgehalt meines Blutes testet. Dabei stand ich gesund und munter auf beiden Beinen vor ihr. Ich meine, die ist vom Fach, die muss doch ein Gespür dafür haben, dass es mir gut geht. Und wollen Sie wissen, was die Person gesagt hat?“

„Was hat die denn gesagt?!… Jetzt sach schon!““

Ich lasse die Frau Keuner eine Weile zappeln und rede dann weiter: „Wortwörtlich hat die zu mir gesagt: Es kann sein, dass Sie in Kürze beatmet werden müssen. Sie wissen nichts davon, denn noch fühlen Sie sich wohl, aber Ihr Zustand kann sich binnen kürzester Zeit dramatisch verschlechtern. Sie hätten die Untersuchung auch ablehnen können, aber seien Sie froh, dass Sie kooperiert haben, denn Ihre Werte sind in Ordnung.

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Ein leider unscharfes Selfie meiner physisch und psychisch verletzten jüngeren Tochter, die ebenso wie ich vermutlich gegen Delta immun ist: Am Morgen nach dem äußerst unangenehmen PCR-Test war Carlas rechtes Auge (der Stab wurde ins rechte Nasenloch eingeführt) gerötet. Außerdem verspürte  die „Kontaktperson“ tagelang einen stechenden Schmerz im Hals.                                                              PCR-Tests sind immer unsanft und sollten in der Corona-Diagnostik nicht routinemäßig durchgeführt werden. Wie brutal sie sein können, musste eine meiner Schwägerinnen erfahren. Bei ihr wurde ein Nerv getroffen. Nachdem sie sich vor ein paar Jahren die Nase gebrochen hat, sieht der Innenraum ihrer Nase anders aus als auf den Abbildungen in den Fachbüchern. Das medizinische Personal müsste dringend angehalten werden, nach Vor-Verletzungen zu fragen!

Zum Vergleich hatte meine Tochter auch das andere Auge fotografiert:

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„Am Anfang dachte ich, es ist nur ein Gerücht“, sagt die Frau Keuner. „Aber dann stimmt es also, dass deine Tochter Corona hatte? Delta auch noch.“ Ich nicke und setze mich zu ihr an den Tisch.

„Es ist schon vernünftig, dass du mir kein Käffken anbietest“, sagt die Frau Keuner. „Boah ey, Lisa, du hast Corona geküsst!“

„Hä?“

„Man hat dich beobachtet. Du hast am 21. Juli gegen 16h von irgendwoher ein Auto geholt und unerlaubterweise im Wendehammer geparkt. Dann hast du die Lea zu Hause abgeholt und zum Auto gebracht. Eng umschlungen. Bei welchem Arzt wart ihr denn, wart ihr auch in der Praxis Dr. Knoop? Stimmt es, dass die ein riesengroßes Wartezimmer mit einem riesigen, stets weit geöffneten Fenster haben und ein Extra-Stühlchen für die Personen, die unter Corona-Verdacht stehen? Und haben die euch eine halbe Stunde warten lassen, obwohl die Lea Fieber hatte und gehustet und geschnieft hat?“ Ich nicke.

„Hömma, Lisa, du hast deine Tochter auf offener Straße ohne alle Hemmungen abgeknutscht.“

„Weil sie mir so leid tat.“

„Ja, ja, ja“, lacht die Frau Keuner. „Und als am nächsten Tag klar war, dass die Delta hat, hast du wahrscheinlich einen Luftsprung gemacht. Und du hast alles dafür getan, dich bei ihr anzustecken. Du hast mit ihr in einem Bettchen geschlafen, du hast aus ihrem Becherlein getrunken und von ihrem Tellerchen gegessen.“

„Ja ja, ja!“

„Ihr habt euch schön amüsiert. Und mir hast du nicht Bescheid gesagt, dass ihr eine Corona-Party feiert.“

„Eine Quarantäne ist alles andere als eine Party“, entgegne ich. „Das ist eine Freiheitsberaubung. Ja, ich wollte mich anstecken, weil ich keine Angst vor Corona habe und weiß, dass Corona mir nicht viel anhaben kann, obwohl ich knapp 63 bin. Hat offensichtlich nicht geklappt. Der Selbstversuch ist schiefgegangen. Und warum? Weil ich Corona längst gehabt haben muss. Aber ich hätte mich strafbar gemacht, wenn ich Sie eingeladen hätte. Frau Keuner, wir haben einen Termin. Ich kann nicht mehr, ich will raus!“

Die Frau Keuner lacht: „Lenk nicht ab. Ihr habt gefeiert. Letzte Woche standen hier zig Papiertüten vom REWE-Lieferdienst vor der Tür. Und jetzt machst du mitten in der Quarantäne ne kleine Radtour.“

„Nein“, wende ich ein. „Wir verhalten uns völlig korrekt. Meine kleine Tochter und ich fahren jetzt zum Test-Zentrum, um ums freitesten zu lassen. Ich kann nicht mehr. Ich will raus. Man hat uns eingesperrt, obwohl wir immun sind. Nur wenn wir weiterhin negativ sind, dürfen wir raus aus der Quarantäne. Sonst…“

„Sonst ist es wie beim Fußball“, lacht die Frau Keuner. „Dann geltet ihr zwar sechs Monate als genesen, aber die quälende Quarantäne geht noch ein paar Tage in die Verlängerung. Und beim Elfmeterschießen gibt es nur ein Tor.“

Die Frau Keuner richtet sich auf und bewegt sich langsam Richtung Haustür. „Und wat seh ich da? Satteltaschen für den Großeinkauf. Da wolltest du auf dem Weg zum Test-Zentrum an der Liebigstraße noch mal kurz beim ALDI vorbei.“

„Das sieht nur so aus“, sage ich schnell.

Die Frau Keuner lacht, wird aber wie so oft plötzlich sehr ernst. „Freu dich, dass dir Corona nichts anhaben kann. Und sei froh, dass du nicht geimpft bist, denn wenn du es wärest, hättest du zwar nicht in Quarantäne gemusst, aber man würde behaupten, dass dich nur die Impfung vor einer Ansteckung geschützt hat. Vermutlich hattest du die Alpha-Variante, die dich aber auch vor Delta schützt. Das ist allerhand für eine Olle wie dich. Solltest du dich jetzt noch impfen lassen, zerstörst du im Nachhinein die natürlich erworbene Immunität.“

Ich hebe den Arm zum Corona-Ellenbogen-Abschied. Die Frau Keuner berührt meinen Ellenbogen mit ihrem und fängt an zu heulen, und ich spüre, wie auch mir die Tränen kommen. Ich mache ihr die Tür auf, damit sie das nicht mitkriegt. Doch als sie draußen ist, bleibt sie noch stehen, atmet tief durch und reibt sich mit dem Handrücken über die Augen.

„Noch nie hatte ein einzelnes NEIN eine solch große Bedeutung“, sagt die Frau Keuner. „Du musst jetzt stark bleiben. Wir werden niemals erfahren, wie viele Menschen bereits immun waren, als sie geimpft wurden. Wir Menschen verfügen über große Selbstheilungskräfte, aber die Impfung vertuscht die Wahrheit. Deshalb musste alles so schnell gehen, deshalb die Panikmache. Die Corona-Impfung ist der größte medizinische Skandal in der Menschheitsgeschichte.“

„Das kann man doch so nicht sagen“, sage ich.

„So schafft man Tatsachen“, sagt die Frau Keuner und seufzt. „Die meisten Schulkinder dürften längst immun sein. Es ist verwerflich, die Kinder zu impfen.“

„Ich will das große G„, jammere ich. „Für mich und meine kleine Tochter.“

„Stark bleiben, NEIN sagen“, verabschiedet sich die Frau Keuner. „Im Namen des Lebens.“

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Meine Tochter Lea gilt als „genesen“. Doch leider freut sich die Gesundheitspolitik nicht über eine selbsterworbene Immunität. Im Gegenteil: Nach sechs Monaten ist von Amts wegen Schluss mit „genesen“. Offiziell ist die Impfspritze schon gezückt. Impfjuristisch ist der „Genesenen“-Status der Erstimpfung gleichgestellt. 

Manfred mein Manfred – Es gibt das Nichts nicht

*9.7.1957

„Ach ja“, sagte die Männerstimme, mit der ich vor einer Woche verbunden wurde, als ich die 112 anrief. „Dann haben Sie also auf dem Sofa gesessen und Ihrem Mann beim Sterben zugeguckt.“

„Nein, mein Mann ist in meinen Armen gestorben, während ich ihm Milch eingeflößt habe“, antwortete ich.

Manfred war gelassen und voller Zuversicht, wieder gesund zu werden. In den letzten sieben Wochen hatte er, nachdem er auf meine Bitte hin endlich das Schmerzmittel Aspirin abgesetzt hatte, auch die bohrenden Kopfschmerzen nicht mehr, die er für Tumor-Schmerzen gehalten hatte. Er starb, ohne irgendwelche Schmerzen zu haben. Er war nur sehr erschöpft und litt schwer unter den tiefgreifenden gesellschaftlichen Zumutungen, für die auch er kein treffenderes Wort fand als Coronoia.

Manfred ist vermutlich an den Folgen einer akuten Aspirin/Ibuprofen-Vergiftung gestorben. Aspirin kann genau die Schmerzen hervorrufen, die es eigentlich bekämpfen soll, insbesondere Kopfschmerzen. Mein Mann hatte Schmerztabletten geschluckt, bevor er überhaupt irgendwelche Schmerzen hatte, zunächst das rezeptfreie Ibuprofen. Später konnte er sich von einem Satz nicht lösen, den eine Ärztin im Sommer 2019 zu ihm gesagt hatte: „Sie werden schon bald mit den Schmerztabletten nicht mehr hinkommen.“

Die damals (in meinem Beisein) ärztlich empfohlene Höchst-Dosis war 2400 mg am Tag. Auf meine dringende Bitte hin hatte Manfred die geschluckte Dosis (2000 mg am Tag) nicht erhöht, sondern auf 800 mg reduziert, was völlig unproblematisch war.

Man hatte meinen Mann mit einem Tumorpatienten verwechselt, der er vermutlich nie war. Er hatte auch kurz vor seinem Tod keinerlei Symptome für einen weit fortgeschrittenen, metastasierenden, inoperablen Tonsillen- bzw. (vermuteten) Ohrspeicheldrüsenkrebs, der in der Uniklinik Bonn im Sommer 2019 diagnostiziert worden war und mit einer kombinierten Chemo-/Bestrahlungstherapie behandelt werden sollte.

In Absprache mit mir hat Manfred damals NEIN gesagt zu einer Therapie, die ihn -bei einer äußerst geringen Überlebenswahrscheinlichkeit- sehr schnell zum Invaliden gemacht hätte. Dieses NEIN hören Ärzte nicht gerne, denn es stellt ihre Autorität in Frage und ruft Aggressionen hervor: „Wenn Sie unsere Therapie verweigern, lassen wir Sie im Notfall dennoch nicht im Stich. Sie können jederzeit zu einem Luftröhrenschnitt bei uns vorbei kommen.“ (Dr. Dr. Andreas Schön, Oberarzt in der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Bonn)

Unser letztes gemeinsames Jahr war ein Jahr der Flucht vor dem Zugriff einer auf gefährliche Irrwege geratenen Schulmedizin. Unsere besten Freunde und nahe Verwandte haben sich von uns distanziert, weil wir uns geweigert haben, den Wahnsinn mit uns machen zu lassen. Für uns beide war diese Flucht ein ungeheuerlicher Kraftakt.

Ich hätte den Kraftakt nicht geschafft, wenn ich nicht vor etwas mehr als fünf Jahren eine ganz besondere, spirituelle Erfahrung gemacht hätte.

Was ich jetzt zitiere, habe ich einmal (hier in diesem Blog) eine alte Frau sagen lassen, aber eigentlich habe ich es selber erlebt. Genau so, wie es dort steht…

„… Es geschah kürzlich, mitten in der Nacht. Ich war aufgewacht und konnte nicht wieder einschlafen. Nachdem ich eine Weile wach gelegen hatte, hörte ich ein Geräusch, das ich an diesem Ort noch nie gehört hatte, den einzelnen Schlag einer Glocke: Gonnnnnnggg. Ihr Klang kam von draußen, aus nächster Nähe. Nach einer Weile wiederholte sich der Klang: Gonnnnnnggg. Ich stand auf und guckte aus dem Fenster. Ich bemerkte nichts, was das Geräusch verursacht haben könnte. Ich legte mich hin und hörte wiederum die Glocke: Gonnnnnnggg.
Etwas nahm mich bei den Füßen und zog mich mit sich, es war, als würde ich auseinandergerissen werden, in tausend Stücke zerspringen, wahnsinnig werden, allen Erdboden verlieren.
Halt mich fest, sagte ich zu meinem Mann, der neben mir schlief. Ich hab Angst.
Pst, sagte eine Stimme, er schläft wie ein Kind. Weck ihn nicht auf, denn ich komme zu dir.
Ich fühlte mit einem Mal eine unendlich beglückende Energie, ich war durchflutet von Liebe. Ich war aufgehoben in der Welt und in mir und spürte mit jeder Faser meines Leibes das Leben. Alle je empfundene Liebe verdichtete sich in diesem einen Moment. Wie nie zuvor liebte ich den Mann, der neben mir lag…“

Ich habe seit diesem Erlebnis keine Todesangst mehr. Ich weiß, dass es das Nichts nicht gibt. Aber ich sorge mich auch mehr. Ich habe ein gesteigertes Empfinden für die von Menschen verursachten Gefahren, die das Leben auf der Erde bedrohen. Und ich empfinde in der Tiefe, was Greta Thunberg wieder und wieder gesagt hat und sagt: Das Haus brennt.

In unserem letzten gemeinsamen Jahr offenbarte sich die Welt um uns herum immer wieder in Bildern und Geschichten, in denen Tiere eine große Rolle spielten. Fünf Tage, bevor mein Mann starb, beobachtete ich etwas, das unsere Situation spiegelte, unseren gemeinsamen Überlebenskampf. Draußen vor der Tür spielte sich eine Liebesgeschichte ab. In unserem Garten erschien ein Amselpaar. Das Männchen nahm etwas vom Boden auf und stopfte es ihr in den weit aufgerissenen Schnabel. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Amselmännchen die Jungvögel füttern, wenn sie gerade flügge sind. Aber dieser Vogel, der da gefüttert wurde, war kein Jungvogel. Irgendwann -ich machte längst etwas anderes-  hörte ich einen dumpfen Knall. Die Amselin war gegen die Scheibe geprallt und saß jetzt auf dem Terrassentisch, um wieder zu Kräften zu kommen.

Auf der Gartenzauntür erschien eine gelbe Katze, die den Aufprall gehört haben musste. Ihr feines Gehör hatte ihr Bescheid gesagt, dass ein Vogel gegen die Scheibe geflogen war. Die Katze bemerkte mich hinter der Terrassentür und verschwand.

Kurze Zeit später kam das Männchen zurück. Die Amselin hüpfte zu ihm hin und flog mit ihm weg. Später sah ich die beiden Vögel noch im Vorgarten und begriff, warum die Amselin gegen die Scheibe geknallt war: Sie war auf einem Auge blind.

In diesen traurigen, verlogenen Zeiten, wo die Zuneigung zur Ware verkommt, wo sich alle 11 Minuten ein Single per parship verliebt, geben uns die Singvögel ein Zeugnis dafür, dass es sie immer noch gibt: die Liebe.

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Ein Engel