„Der Populismus fährt Fahrrad“- Eine Begegnung mit der Frau Keuner

„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Freu Keuner.

„Tach auch“, sach ich. Wir sind an der KiTa Lummerland verabredet. Die Frau Keuner hat mich angerufen und darum gebeten, in der Nähe der KiTa ein paar Fotos von ihr zu machen, und mein Fahrrad soll ich mitbringen. Jetzt steht sie da, hält die Griffe des Rollators umklammert und mustert mich grinsend.

„Fotos von mir?“, sagt die Frau Keuner. „Dat dachtest du dir so. Ich seh mit Ende 60 zwar immer noch besser aus als du mit knapp Mitte, aber dat muss ja nich sein.“

„Aber, aber“, stammele ich. „Sie haben mich doch darum gebeten. Das war Ihre Idee. Ich meine, ich sollte Sie doch fotografieren.“

„Du lässt dir aber auch alles erzählen“, sagt die Frau Keuner und lacht breit. „Und du dachtest wohl, ich sollte mich auf dein Fahrrad setzen. Wie soll dat wohl gehen mit meiner kaputten Hüfte? Außerdem hab ich nicht die Top-Figur, die der Joe Biden immer noch hat. Der hat ja im Juni an seinem 45. Hochzeitstag mit der Jill zusammen eine Radtour gemacht, bei sich zu Hause in Delaware. Dabei trug er diese kurze Hose, die er seit 40 Jahren im Schrank hat. Ich sach dir, vielleicht ist der im Kopf nicht mehr klar, wenn er das jemals war. Ich meine, der Mann ist ja schwer traumatisiert. Joe Biden macht eine furchtbare Kriegs- und Coronapolitik, aber körperlich gibt er immer noch eine Top-Figur ab. Sogar in der ollen Buxe.“

Die Frau Keuner holt eine Wasserflasche aus dem Netz. „Ich krieg die volle Pulle nicht auf. Hast du noch Kraft in der Hand?“

Sie hat einen verdammt wunden Punkt erwischt, aber ich schnapp mir die Flasche. Zum Glück lässt sich der Drehverschluss leicht öffnen.

„Danke“, sagt die Frau Keuner. „Hast du gut gemacht, aber die Pulle war eh schon auf.“

Sie lacht, beruhigt sich langsam und nimmt einen Schluck Wasser. „Zurück zu Joe Biden. Wat ja an den Männern definitiv schöner ist als an den Frauen, dat sind die Beine. Keine Cellulitis. Und der Biden hat noch richtig schöne Beine. Dat wüsste ich nicht, wenn er auf seiner Radtour nicht mit dem Fahrrad umgekippt wäre. Die Bilder gingen ja um die Welt. Ich hab mir dat bei Youtube angeguckt. Also: Die Radfahrergruppe kommt ins Bild, sie fährt auf eine Weggabelung zu, an der die Kameras schon bereit stehen. Jill und die meisten Begleiter biegen ab, aber Joe fährt geradeaus weiter, weil am Straßenrand die Presseleute auf ihn warten. Joe trägt zu seiner Sicherheit einen Helm, doch der Sicherheitsmann, der hinter ihm fährt, trägt zu Joe’s Sicherheit keinen, weil so ein Helm beim Personenschutz hinderlich ist. Kannst du mir noch folgen?“ Ich nicke nur.

„Also“, fährt die Frau Keuner fort. „Joe kommt bei den Journalisten an, bremst und setzt den linken Fuß auf den Boden. Er steht, und jetzt erst kippt er um, denn er kriegt den rechten Fuß nicht aus der Pedal-Schlaufe. Joe verliert das Gleichgewicht. So was passiert, ältere Menschen kippen schnell um, geht mir auch so. Und der Biden muss das Gefühl gehabt haben, dass er bei den Journalisten in Sicherheit ist, dass er sich fallen lassen kann. Doch da hat er sich verschätzt. Denn jetzt kommt der eigentliche Skandal… Niemand fängt Joe auf, die stehen da doof rum. Im Drehbuch steht ja auch nix von Umkippen, war so nicht geplant. Aber anstatt Joe festzuhalten, halten die Journalisten ihre Kameras fest, um zu filmen, wie der umkippt, weil niemand ihn festhält. Früher waren die berühmten Leute schlauer, da haben die sich vor den Paparazzi in Sicherheit gebracht und sind nicht noch auf die zu.“

Die Frau Keuner trinkt noch einen Schluck Wasser und packt dann die Flasche weg. „Der Joe ist schneller wieder auf die Beine gekommen, als ich gucken konnte. Und du, Lisa, du bist 16 Jahre jünger als Joe, aber du siehst auf dem Rad lange nicht so gut aus. Du kannst ja nicht einmal mehr einhändig fahren. Ich hab dich letztens beobachtet, wie du mit der linken Hand dat alte Nokia-Teil ans Ohr gehalten hast und fast einen Pfosten touchiert hättest.“

Ich guck die Frau Keuner fragend an. „Wo soll das gewesen sein?“

„Wagenhallenstraße Richtung Wartburgplatz. Das kann teuer werden, auch in der Füßgängerzone. Du kannst so was von froh sein, dass du nicht prominent bist. Wenn man prominent ist, sitzt immer eine von diesen Medien-Petzen im Gebüsch und wartet darauf, dass man einen Fehler macht. Hömma, Lisa, du warst ja nie besonders sportlich, aber dat war dermaßen ungelenk.“ Jetzt lacht sie dreckig.

Ich bin machtlos und in dieser Kleine-Schwester-Schockstarre. Ich kann mich nicht wehren, denn ich bewundere die Frau Keuner, wie ich kleines Mädchen meine große Schwester bewundert habe, so fies die auch manchmal war. Meine große Schwester hat es immer wieder geschafft, mich zum Heulen zu bringen. Sie konnte schon lesen, als ich noch nicht einmal in der Lage war, die Bilderbücher richtigrum aufzuklappen. Meine große Schwester, das war so eine, die schon bis über tausend zählen konnte, während ich drei Finger abspreizen musste, um zu zeigen, dass ich drei Jahre alt war.

„Hömma, Lisa“, sagt die Frau Keuner, „jetzt stellst du dein Fahrrad an genau die Stelle, die ich dir sach. Wir machen ein paar Fotos, und diese Fotos stellst du als Dia-Show in deinen Blog. Dein letzter Blog-Beitrag über das Zuführungsgleis war ja nicht übel, aber da fehlt was.“

„Wieso?“, frage ich leise. „Was hab ich denn jetzt wieder falsch gemacht?“

„Du hast den Jochen Ott vergessen, unseren SPD-Landtagsabgeordneten. Der is ja unser Nachbar, zwar nich in der autofreien Siedlung, aber in der daneben, auch direkt anner S-Bahn. Angeblich befürwortet der Ott das Zuführungsgleis, zumindest wehrt er sich nicht dagegen. Man kann aber das Gleis nur befürworten, wenn man selber einigermaßen lärmgeschützt wohnt, und das tut er, der hat nämlich sein schmuckes Reihenhäusken mitten in der bewohnten Lärmschutztrutzburg.“

„Lärmschutztrutzburg“?

„Jau“, sacht die Frau Keuner, „der bewohnte Lärmschutzriegel geht nämlich noch umme Ecke. Gib mal in die Suchmaschine „Am Ausbesserungswerk Köln“ ein. Da guckst du dann von oben drauf, und mit ein bisschen Phantasie erkennst du die Hintergedanken der Bauplaner. Die müssen schon vor dem Bau der Siedlung das Zuführungsgleis und die damit verbundene Lärmbelastung eingeplant haben. Falls das Gleis gebaut wird, bilden die Häuser „Am Ausbesserungswerk“ die bewohnte Mauer einer Lärmschutz-Trutzburg, und die Mieter, die in den Mauern der Trutzburg wohnen, sind menschliche Lärmschutzschilder.“

„Das kann man doch so nicht sagen!“

„Oh doch, die Mieter schützen die Reihenhaus-Besitzer, denn die Menschen, die „Am Ausbesserungswerk“ wohnen, kriegen den Lärm ab, aber wohnen Leuten wie dem Ott den Lärm fott. Sozial gerecht ist das nicht. Denn wenn das Zuführungsgleis gebaut wird, sitzt der Ott im Lärmschatten der bewohnten Mauer in seinem Reihenhausgarten und füttert den Hund. Und wie ich ihn kenne, füttert er seinen Hund aus Kostengründen mit den aufgetauten Resten von „Kochen mit Jochen“. Da guckst du. „Kochen mit Jochen“ war eine Werbeaktion im Landtags-Wahlkampf 2010. Da hat der Ott noch auf der Schäl Sick kandidiert und mit Kindern und Jugendlichen in Jugendeinrichtungen zusammen gekocht. Afrikanisch, italienisch, international, politisch absolut korrekt. „Kochen mit Jochen“ käme in Nippes nicht an. Aber der Mann ist schon lustig, der is dat, wat man früher „berufsjugendlich“ nannte. Seinen Wahlkampf-Podcast zum Thema Schule hatte er „Ottcast“ genannt. Is dat nich süß? Da fehlt nur noch der Jottifant.“

„Frau Keuner, ich komm jetzt nicht mehr mit.“

„Is ja nix Neues“, lacht die Frau Keuner. „Du bist eben ein bisschen langsam im Kopp. Aber nochmal zum Ott. Das ist wie beim Olaf Scholz. Nur weil seine Partei die SPD ist, meinen die Leute, er hätte eine gewisse Ähnlichkeit mit Johannes Rau oder Willy Brandt. Mädchen, die hat er nicht. Der Ott ist ein ehemaliger Oberstudienrat, und ich sach dir, dat bleibt. Der Ott ist ein Berufspolitiker, der sich einen Top-Job mit Super-Rentenerwartung geangelt hat. Guck dir mal die Internetseite an. Was macht für Jochen Ott Wohnen aus? Dass es „bezahlbar“ ist. Hört sich gut an. Doch abgesehen davon, dass die Nippeser Mieten extrem gestiegen sind: Was hat man von bezahlbarem Wohnraum, wenn im Schrank die Teller wackeln, weil die S-Bahn vorbeifährt? Und zwar jetzt schon. Was hat man von einer Wohnung im beliebten Veedel, wenn jetzt schon ständig die Fenster geputzt werden müssen? Flugrost, Feinstaub, Ruß. Wenn Wahlkampf ist, wird der Ott aktiv, da zeigt er sich, da geht er strahlend über den Nippeser Markt. Und jetzt? Grimmig. Total verschlossen. Wenn kein Wahlkampf is, hört man nix mehr von ihm. Und jetzt stell dein Fahrrad genau da hin, wo der Ott seins für das Wahlplakat platziert hat.“ Die Frau Keuner zeigt mir die Stelle.

„Erinnerst du dich an das Wahlplakat, davon hast du mir doch das Foto geschickt. In unserer Siedlung gibt es ja keine Werbeflächen, aber vor der Landtags-Wahl hingen hier überall Werbeplakate. Nur so kleine für Radfahrer und Fußgänger, aber trotzdem ärgerlich, weil die Sprüche von Wahl zu Wahl dümmer werden. Wat stand unterm Ott? „MOTIVIEREN. MITNEHMEN. EINFACH MACHEN.“ Wat soll dat, wer soll wozu motiviert werden, wohin mitgenommen, und wat soll einfach gemacht werden? Und dann noch dreimal dieser Kraft-Buchstabe „M“, der die Kölschen immer an die Spitzen vom Dom erinnert. Mann, Macht, Muskeln… Das darf doch alles nicht wahr sein…“

„Ist Ihnen nicht gut?“ frage ich leise, denn die Frau Keuner ist mit einemmal ganz blass geworden.

„Schon gut“, sagt die Frau Keuner, „aber ich kann die politischen Knallköppe manchmal nicht mehr ertragen. Die tun so, als wäre alles wie immer. “ Sie atmet tief, macht eine kleine Trinkpause und redet gottseidank weiter. „Hömma, ich hab mir überlegt, wo in Köln das Foto mit dem Ott aufgenommen ist. Ich dachte, in einer weitläufigen Parklandschaft, vielleicht im Stadtwald. Dann hab ich genauer hingeguckt, und auf einmal kam mir alles bekannt vor. Hömma, dat spielt genau hier, wo wir stehen. Mit Blick auf die große Wiese zwischen den beiden Eisenbahnersiedlungen, zwischen der autofreien Siedlung und der Hohr-Siedlung, auf das grüne Zwischen-Stück, das sie nicht bebaut haben. Im Hintergrund sieht man die Bahntrasse. Der Ott präsentiert uns sein Fahrrad. So macht man sich bei den Leuten in der autofreien Siedlung beliebt. Der Populismus fährt Fahrrad. Aber den Wahlkreis hat dann doch der Arndt Klocke von den GRÜNEN geholt. Der Ott kommt hier im Viertel nicht besonders gut an.“

Jetzt singt die Frau Keuner auch noch. „Ja so blau, blau, blau ist der Jochen Ott, ach wat is der flott, ach wat is der flott… Es gibt da einen alten Trick, der Fotograf hat sich hingekniet und den Ott von unten fotografiert, damit er so richtig groß und mächtig und kräftig ins Bild kütt. Stattlich ist er ja schon, aber eben so raumeinnehmend. Du kniest dich jetzt aber nicht hin, Lisa. Ich trau dir zwar durchaus zu, dass du wieder hoch kommst, aber mach die Fotos bitte im Stehen, denn man will ja noch wat vonner Landschaft sehen. Und wat fällt dir an dem Wahlplakat noch auf?“ Ich zucke die Achseln.

„Der Fotograf hat das Ausbesserungswerk abgeschnitten“, sagt die Frau Keuner. „Vielleicht wollte es der Ott so. Deshalb klebst du in deiner Diashow das Stück wieder dran. Mach mit deiner kleinen ollen Kamera einfach einen Schwenk, damit die Südseite vom Ausbesserungswerk draufkommt. Fotografier die Balkone, aber auch die Lüftungsöffnungen vonner Tiefgarage. Mach schon.“

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Gut so“, kommentiert die Frau Keuner die Fotos. „Aber da is noch wat. Auf seiner Internetseite schreibt der Ott, dass er 60-70 Stunden in der Woche arbeitet. Wie konnte es da passieren, dass er vor sieben Jahren einen richtig guten Vorstoß der NRW-Landesregierung verpasst hat? Da haben verschiedene Bundesländer ein Eckpunktepapier zum Thema Bahn-Lärm vereinbart. Und unser damaliger grüner NRW-Umweltminister Johannes Remmel hat die Bundesregierung aufgefordert, die Menschen besser vor Bahnlärm zu schützen und das in der Verkehrslärmschutzverordnung zu verankern. Der Bund hat leider nicht entsprechend reagiert, da is nix verankert, obwohl die Faktenlage eindeutig ist. Bahnlärm ist extrem gesundheitsgefährdend. Ich schick dir den Link. Is ganz einfach zu finden, denn die Pressemitteilung steht immer noch auf der offiziellen NRW-Internetseite.

https://www.land.nrw/pressemitteilung/minister-remmel-bahnlaerm-macht-die-menschen-krank

„Aber der Ott war doch vor sieben Jahren nicht nur Landtagsabgeordneter, sondern zusätzlich in der Kommunalpolitik aktiv“, sage ich. „Wann war denn das mit dem Eckpunktepapier?“

„Die Pressemitteilung der NRW-Landesregierung ist vom 9. Juni 2015“, weiß die Frau Keuner.

„Da war der Ott gerade im Kölner Oberbürgermeister-Wahlkampf“, sage ich. „Der ist doch gegen die Henriette Reker angetreten.“

Die Frau Keuner nickt. „Und weil die Wahl im Oktober war, hatte er weder Zeit noch Lust, nach Düsseldorf zu fahren. Aber jetzt müsste er endlich aktiv werden. So gewinnt man die Herzen der Nippeser. Nicht beim „Kochen mit Jochen“, nicht mit Spaghetti Bolognese, sondern indem man sich für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen einsetzt. Ich sehe die Schlagzeile schon vor mir: MDL Jochen Ott (SPD) solidarisiert sich mit den Kölner Bürgerinnen und Bürgern gegen die menschenfeindlichen Pläne der DEUTSCHEN BAHN. Aber jetzt kann ich nicht mehr länger rumstehen.“

Die Frau Keuner macht ein paar Schritte und redet dann weiter. „Mach bitte noch ein letztes Foto Lisa. Stell dich auf den Weg vor der sonnenbeschienenen Südseite des Ausbesserungswerks und sieh zu, dass du ein paar von den 13 Bäumchen draufkriegst, die die Stadt Köln in diesem Jahr neu gepflanzt hat. Die Menschen, die auf der Südseite der Lärmschutztrutzburg wohnen, haben schöne große Balkone, wo sie die stolzen Halsbandsittiche füttern, die sich in den letzten Jahren prächtig vermehrt haben. Ich freu mich so sehr, dass den Papageienvögeln in den milden Wintern die Krallen nicht mehr abfrieren. Es ist mir ein Trost, wo es schon keinen Schnee mehr gibt. Und weil sich der Bahnlärm noch in Grenzen hält, können die Leute im Sommer auf den Balkonen sitzen und Spaß haben an den Fledermäusen, die genau da nisten, wo das Gleis hinkommen soll. So einen freien Blick hat der Ott nicht. Der hört zwar den Bahnlärm kaum, aber dafür guckt er nicht in die Weite. Wir müssen dafür sorgen, dass das Zuführungsgleis niemals gebaut wird. Schon wegen der Fledermäuse. Und weißt du, wat wir dann nämlich haben?“

„Weiß nich.“

„Bissken soziale Gerechtigkeit.“

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Elfchen im Siebten: Gartenschnecken-Hochzeit

* 9.7.1957

Am Strand von Spiekeroog: Kinder bauen bei Ebbe eine Sandburg. Als die Sandburg fertig ist, wird sie mit Muscheln verziert, denn Steine findet man am Strand vom Spiekeroog kaum. Die Kinder wissen, dass die Flut kommt, und gehen. Morgen werden sie eine neue Sandburg bauen, die schönen Schalen der Herzmuscheln gibt es wie Sand am Meer. Man merkt der Sandburg an, welche Freude die Kinder hatten, als sie sie gebaut haben. Zwei Jungs, die vorbeikommen, spüren das auch. Sie können die Schönheit der Sandburg nicht ertragen und zögern nicht lange. Was die Flut kann, können wir auch, nur viel schneller.

Aufgrund von Ausgrabungen mithilfe präziser moderner Techniken müssen die Ursprünge der Menschheit immer wieder neu datiert werden. „Sowohl genetische Daten heute lebender Menschen als auch Fossilien weisen auf einen afrikanischen Ursprung unserer Art hin. Die ältesten bisher bekannten Homo sapiens-Fossilien stammen aus Äthiopien: Die Fundstelle Omo Kibish ist 195.000 Jahre alt, Herto wird auf 160.000 Jahre datiert.https://www.mpg.de/11322546/homo-sapiens-ist-aelter-als-gedacht

Geschichtsschreibung als bewusste sprachliche Aufzeichnung und Deutung historischer Ereignisse sowie deren Festschreibung als „Geschichte“ gibt es erst seit der Antike. Die frühen „Historiker“ waren ausschließlich Männer. Mit dem Ende der Steinzeit und der Sesshaftwerdung der Menschen vor gerade einmal 10.000 Jahren hatten die Männer die Herrschaft übernommen. Das Patriarchat setzte sich mit aller Macht und Härte durch. Männliche „Stärken“ wie Muskelkraft, Kampfbereitschaft und Kriegslüsternheit spielten eine immer größer Rolle, denn das Eigentum war entstanden und „musste“ verteidigt werden. Fortan war die Geschichte mitsamt all ihren Institutionen, Erfindungen und kulturellen Errungenschaften immer auch eine Geschichte brutaler Kriege, der primitiven und brachialen Waffengewalt. Kaputtmachen ist einfach, Kaputtmachen ist feige, Kaputtmachen sichert Macht. Nichts ist einfacher, als mit roher Gewalt Tatsachen zu schaffen, Geschichte zu schreiben.

Doch warum hat die zwar gefahr-, aber dennoch friedvolle vorpatriarchale Epoche nicht eher geendet, „was hat die steinzeitliche Welt so lange in der Balance gehalten? Warum hat der Gebrauch von Werkzeugen und Waffen nicht zur Selbstzerstörung geführt? … Entscheidend war die Liebe zum Leben: Das Gespür für Natur, die Ehrfurcht vor der weiblichen Gebärfähigkeit und die Einbettung des menschlichen Daseins in den göttlichen Kosmos…“ Weiterlesen: https://stellwerk60.com/2016/12/06/die-menschheitsgeschichte-begann-in-afrika/

Doch eben diesen friedenssichernden göttlichen Kosmos, jene spirituelle Balance meint der männliche Größenwahn zertrümmern zu müssen. Die männliche Hybris konkurriert dabei nicht nur mit der göttlichen Schaffenskraft, sondern auch mit der Schöpfungsgeschichte. Männer wollen auch deshalb Macht und Einfluss haben, um selber Schöpfer zu sein, (Welt-) Geschichte zu schreiben.

Dieser Gestaltungs-Ehrgeiz zeigt sich auch im Verhalten vieler unserer Zeitgenossen, die, sobald sie Einfluss haben, ohne es zu merken permanent Sandburgen zertrümmern. Buchautor und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will uns nicht nur alle impfen, sondern uns alle aufklären: „Bevor es zu spät ist“ (Rowohlt 2022). Wissenschaftsjournalist, Atheist und Buchautor Ranga Yogeshwar, den ich in mancherlei Hinsicht sehr schätze, impft uns mit Halbwissen. Sein Video „Warum Impfen schlauer ist“ (6.8.2021) ist zwar spätestens seit Omikron in allen Punkten widerlegt, steht aber weiterhin unverändert im Netz. https://www.youtube.com/watch?v=gT9z-l77ZYk

Schon anlässlich der Schweinegrippe im Jahr 2009 mutierte Yogeshwar zum öffentlich-rechtlichen Impf-Missionar. In einer Quarks&Co-Sendung zum Thema Schweinegrippe am 1.9.2009 beantworteten Ranga Yogeshwar und der Virologe Alexander Kekulé, der sich wenig später mit dem schon damals umstrittenen Impfstoff Pandemrix impfen ließ, Zuschauerfragen. Ende 2020 dann benutzte Yogeshwar im Interview mit morgenpost.de in Bezug auf die Corona-Impfung eine zum Fremdschämen kitschige, hymnisch-sentimentale Floskel, die mich aufhorchen ließ: „Ich bin stolz, jetzt Teil der Menschheit zu sein.“ https://www.morgenpost.de/berlin/article231048684/Ranga-Yogeshwar-Corona-Impfen-Schnelltests.html (leider €)

***

Doch wer die Natur nicht sentimental verklärt oder nach Brauchbarkeit abklopft, nach Nutzen für Technik und Wissenschaft, wer noch zu schauen oder zu lauschen vermag, dem (oder der) erzählt sie wundersame Geschichten:

Krochen

in den

Nabel der Spirale

und fanden sich da…

Schöpfungswonne*

Sommer 2021: Diese weibliche Figur habe ich vor drei oder vier Jahren in einem Kringloopwinkel (Kringloop = Kreislauf) in Alkmaar gefunden. Das Holz war glänzend lackiert, aber der Regen hat den Lack mit der Zeit abgewaschen.                                                                                                                           Strudel bewegen sich spiralförmig. Diese langsam fließende Spirale vermittelt nur eine leise Ahnung von der Sogkraft des Strudels. Und doch schienen die beiden Gartenschnecken durch eine geheimnisvolle Kraft in den Nabel der Figur, in den Mittelpunkt der Spirale gezogen worden zu sein. Dabei ist diese Spirale ein Spiel mit der Spirale, die sich, als ich sie genauer betrachtete, noch als etwas anderes entpuppte: Zwei ineinander verschlungene Schlangen.                                          Nachdem ich sie vom Sofa aus beim Blick durch die Terrassentür entdeckt hatte,  blieben die Schnecken dort -zwischen den regenfeuchten Blättern von Minze und Efeu- noch eine Stunde oder länger. Dann ließen sie einander los und krochen in verschiedene Richtungen davon.

***

Ergänzung 16.7.22: Was aber ist der Unterschied zwischen dem Gartenschnecken-Paar und dem Ehepaar Lindner/Lehfeldt? Wir erinnern uns: Bundesfinanzminister Christian Lindner hat am vergangenen Wochenende auf Sylt eine Journalistin namens Franca Lehfeldt geheiratet. Anders als die bundesdeutsche Politprominenz waren wir, das Volk, nicht eingeladen, durften aber der Traumhochzeit zwischen Lindner und Lehfeldt bzw. Politik und Journaille vom Fernsehsessel aus zuschauen.

In der EMMA brachte Alice Schwarzer „den kleinbürgerlichen Kitsch“ der Veranstaltung auf den Punkt: „… Das ganze medial effektiv beschirmt von einer Hundertschaft Polizei, bezahlt vom Steuerzahler. Hochzeitsgast Friedrich Merz braust im Privatjet aus dem Sauerland an, markig am Steuerknüppel. Ein echter Mann eben. Ex-Kandidat Laschet kommt aus Aachen im Kleinbus. Passt. Die Braut steckt in einem cremefarbenen „Jumpsuit“, rückenfrei, der Bräutigam in einem sehr blauen Anzug. Er steigt, knapp vor dem Kirchenportal, aus einem schwarzen BMW. Sie folgt in einem schwarzen Porsche Targa.“ https://www.emma.de/artikel/lindner-hochzeit-es-ist-zum-kotzen-339645

Am liebsten hätte ich weggeguckt, aber Abschalten ging nicht. Schließlich wurden wir auf allen Kanälen mit der Story beballert. Und das, wie Alice Schwarzer schreibt, in „Zeiten, in denen die Inflation galoppiert, die Menschen arbeitslos werden, Alten und Armen das Gas abgedreht wird; in Zeiten, in denen Krieg nebenan ist und in Afrika deswegen noch mehr Menschen verhungern.“ (emma.de, s.o.)

Wir sind das Volk.“ Es gibt uns noch, aber wir sind zum Zuschauen verdammt. Wir müssen das Hochzeitsfest mitfinanzieren, müssen Eintritt bezahlen, aber die Party findet ohne uns statt. Nun zeichnet sich die aktuelle deutsche Bundespolitik durch Abschottung von den Menschen, durch eine kaum noch erträgliche Egomanie der Agierenden, durch Selbstgerechtigkeit, Eitelkeit und Gleichgültigkeit aus. Dolce Vita in Germany: Dass Autonarr und Bundesfinanzminister Lindner, während weltweit Großbrände wüten, seine Hochzeit dazu benutzt, für die deutsche Autoindustrie zu werben, für Porsche und BMW, ist nicht nur scham- und geschmacklos, sondern -wie Alice Schwarzer sagt- zum Kotzen.

Doch was ist jetzt der Unterschied zwischen dem Gartenschnecken-Paar und dem Ehepaar Lindner/Lehfeldt?

Anders als Lindner/Lehfeldt sind den Gartenschnecken Geld, Selbstdarstellung und Haartransplantationen (Lindner) fremd. Und abgesehen davon, dass sie gar nicht stehen können, stehen Gartenschnecken nicht gerne im Mittelpunkt. Beifall ist ihnen suspekt. Aus gutem Grund verstecken sie sich lieber. Doch wenn Schnecken Hochzeit feiern, sind sie der Mittelpunkt der Welt – was alle nachempfinden können, die glücklich verliebt sind oder es einmal waren.

Gartenschnecken sind verletzlich, sie paaren sich nur dort, wo sie sich geschützt fühlen- stundenlang. Dass sie sich vor meinen Augen in den Mittelpunkt der Spirale gesetzt haben, berührte und erfreute mich. Ich war zu ihrer Hochzeit eingeladen. Diese beiden Schnecken schienen genau zu wissen, dass ich sie erschütternd schön finde. Niemand kann mir erzählen, dass Schnecken nicht dankbar sind.

*Auf den Begriff „Schöpfungswonne“ bin ich bei der Theologin Hanna Strack gestoßen, die ihn wiederum in einer Schrift des Religionswissenschaftlers Walter Schubart entdeckt hat („Religion und Eros“, 1941). In ihren Büchern schließt sich Hanna Strack der Weltsicht der Philosophin Hannah Arendt an, für die das menschliche Leben von der Geburtlichkeit geprägt ist und nicht-wie es die klassische Philosophie postuliert- von der Sterblichkeit. Das geht einher mit einem radikalen Perspektivwechsel, denn die Entwürfe der mittlerweile 85jährigen Christin Hanna Strack haben naturreligiöse Elemente.

Anders als die Theoretikerin Hannah Arendt versinnlicht Hanna Strack die „Geburtlichkeit“. Für sie sind Menschen nicht nur Geborene, sondern Gebärende, wobei das Vermögen, ein Kind zur Welt zu bringen, ein rein weibliches ist. Hanna Strack, die drei Kinder zur Welt gebracht hat, entwickelt eine „Theologie des Blühens“ und richtet den Blick auf „das Leben in Fülle“. Sie unterwirft sich nicht der christlichen „Unter Schmerzen sollst du gebären“ – Doktrin, die den Geburtsschmerz als Strafe versteht, sondern entwickelt eine gewagte feministische These: Indem sie mithilfe der Wehen ein Kind/den Menschen zur Welt bringt, ist die Frau „Mitschöpferin“.

Blödel-Ölfchen: Klimakommentar des Meisenknödels

Der Januar 2022 ist so mild, dass schon jetzt das Gras wieder wächst. Wie kräftig und saftig -wenn auch spärlich- die Halme mancherorts sprießen, demonstrieren fünf Meisenknödel, die vor dem Nippeser Mehrfamilienhaus Am alten Stellwerk 32 an den Ästen eines Baumes hängen.

Die

Sturmfrisur des

Meisenknödels ähnelt der

des Greisenschädels – O schneemännerloser

Jänner!

***

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Immerhin wurde bei der Herstellung dieses Knödels frischester Grassamen verbacken! Etwas Gutes haben die milden Temperaturen: Fiele auch nur ein bisschen Schnee, würden die Nippeser Kinder kleine Schneemänner bauen, und die Meisenknödel müssten als Köpfchen herhalten. Leider kann ich mich nicht am Grün erfreuen. Wenn der Winter ausbleibt, erfriert das Frühlingserwachen.

Genau vor einem Jahr war in Nippes an den beiden Sonntagen 17.1. und 24.1.2021 etwas Schnee gefallen. Damals „war die Stimmung ausgelassen. Eine Ahnung vom Winter, wie er früher einmal war, ließ viele Menschen die Corona-Zwangsmaßnahmen für eine Weile vergessen.“ https://stellwerk60.com/2021/02/22/schnee-elfchen-tauwettertrotz/

Ich wünsche unseren Kölner Kindern, die (genauso wie die schneeverwöhnten Kinder in Süddeutschland) tagtäglich die geballte Dummheit der öffentlich tonangebenden Erwachsenen ausbaden und seit fast zwei Jahren die Zumutungen einer respektlosen, autoritären Corona-Politik erdulden müssen, viel Schnee, wenn nicht jetzt, dann im Februar!

Dir, Ökohund Freki (vgl: https://stellwerk60.com/2021/05/24/elfchen-im-funften-hunde-brauchen-baume/), wünsche ich den Schnee natürlich auch!

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Das Bad im Schnee  – Berauschend für ältere… Hunde.

Kommt nur herbei, liebe Kinder, es geschieht euch kein Leid: Das Weiße Haus hält für euch alle eine kleine Impfung bereit




Vor anderthalb Jahre habe ich aufgehört, regelmäßig Radio zu hören. Auslöser für die „Trennung“ war die ARD- Infonacht während des ersten Lockdowns. Die Sender waren im Frühjahr 2020 wochenlang schon am frühen Abend gleichgeschaltet und brachten ausschließlich Nachrichten rundum Corona. Diese Corona- Infonacht sollte vermutlich eine Art Katastrophen-Live-Ticker darstellen, was misslingen musste, da sich die Katastrophe nicht im erwarteten Maß zuspitzte. So wurden wie in einer Endlosschleife Stunde um Stunde immer die gleichen Nachrichten gesendet. Für mich hat das öffentlich-rechtliche Radio mit dieser Infonacht seine „Unschuld“ bzw. Glaubwürdigkeit verloren.

Selbst während ich geschrieben habe, hatte ich früher oft das Radio an. Insbesondere die alltagsnahe WDR5-Vormittagssendung „Neugier genügt“, von vielen als „Hausfrauenradio“ belächelt, war mir ein inspirierender Hintergrund-Sound. Ein Highlight innerhalb der Sendung ist das „Tagesgespräch“, ein knapp halbstündiges Interview mit mehr oder weniger prominenten Zeitgenossen. Für den WDR-Hörfunk arbeiten kluge, erfrischend uneitle Moderatorinnen und Moderatoren, die es verstehen, richtig gute Interviews zu führen.

Mittlerweile stelle ich das Radio kaum noch an, denn Ton und Tenor der Sendungen haben sich geändert. Der Radiosender WDR5, dessen Aushängeschild immer die Werbefreiheit war, macht zwar nach wie vor zwar kaum Produktwerbung, wirbt aber seit anderthalb Jahren für die Corona-Maßnahmen- und seit einem knappen Jahr leider auch für die Impfung.

Anstatt das Radio im Hintergrund laufen zu lassen, höre ich mir gezielt einzelne Beiträge an. Es ist nach wie vor -so oder so- Bemerkenswertes darunter. Vor drei Wochen fand ich in der Mediathek ein „Zeitzeichen“ vom Vortag, dessen Titel mich gleich Werbung für den Impfstoff von Biontech/Pfizer vermuten ließ: 19. Oktober 1906 – Todestag des deutschen Chemikers und Pharmaunternehmers Karl Pfizer. https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-karl-pfizer-100.html

Leider bestätigten sich meine Befürchtungen. Der Beitrag macht Werbung für die Corona-Impfung, die ich als Gebührenzahlerin -ob ich will oder nicht- auch noch mitfinanziere.

Schon die hymnisch-sentimentalen Eingangssätze sind ein Paradebeispiel dafür, wie man mit Sprache manipulieren kann: „Die Menschen in Deutschland, die Menschen in Amerika und viele Menschen in der Welt haben diesen Mann gefeiert, und sie feiern ihn noch, weil er für die Hoffnung stand und steht.“

Nun gehöre ich zu den „Menschen in Deutschland“, aber ich habe „diesen Mann“ nie gefeiert. Und selbst die Menschen, die sich aus Überzeugung impfen lassen, kommen wohl kaum auf die Idee, den Todestag des Pfizer-Unternehmensgründers, der vor über hundert Jahren gelebt und mit der Impfung herzlich wenig zu tun hat, zum Gedenktag zu machen.

Dieser Zeitzeichen-Beitrag, der „die Menschen in Deutschland“ und „die Menschen in Amerika“ in einen Topf wirft, macht nicht nur unmissverständlich Werbung für die Pharma-Industrie, sondern diskreditiert mit der Behauptung, dass Unternehmensgründer Karl Pfizer für die Hoffnung stehe, eines der größten menschlichen Vermögen, das als Überlebensenergie weit mehr ist als eine der fast schon vergessenen religiösen Tugenden: Glaube, Liebe, Hoffnung

Dennoch ist der Beitrag hörenswert, denn er ist sehr informativ. Katastrophen, so erfahren wir, konnten schon im 19. Jahrhundert die Wirtschaft ankurbeln. So hat der Amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865) mit seinen 600.000 toten Soldaten und zahlreichen Verletzten und Verstümmelten die frühe Pharmaindustrie und das Unternehmen Pfizer nachhaltig beflügelt. Pfizer liefert „Morphine, Jod, Jodsalze, Chloroform, Fungizide, alles, was gebraucht wird.“ (Zeitzeichen) Die Versorgung der Front mit Medikamenten ist Teil der Pfizer-„Erfolgsgeschichte“, zu der über hundert Jahre später auch das Patent auf das Potenzmittel Viagra gehört.

Die Menschen haben Pfizer gefeiert, „und sie feiern ihn noch, weil er für die Hoffnung stand und steht.“ (Zeitzeichen):

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Ausgerechnet heute, wo ich über Pfizer schreibe, erscheint diese Nachricht auf web.de. „Die blaue Potenzpille Viagra des US-Pharmakonzerns Pfizer unterliegt mittlerweile nicht mehr dem Patentschutz.“ https://web.de/magazine/panorama/potenz-pille-rezept-viagra-deutschland-erhaeltlich-36339728 Ob „frei erhältlich“ oder auf Rezept: Viagra hat, wie jeder im Internet erfahren kann, schwerste Nebenwirkungen. 

Man sollte das PfizerZeitzeichen unbedingt gegen den Strich hören. Da der Beitrag nicht aufklärt, sondern manipuliert, ist er für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nur eingeschränkt empfehlenswert.

Auch diese Pille ist ein Pfizer-Produkt:

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Cytotec, eigentlich ein Magenmedikament, wurde in Deutschland bis vor kurzem als Abtreibungsmittel, aber auch bei der künstlichen Einleitung von Geburten eingesetzt, obwohl schon seit vielen Jahren bekannt war, dass die „Gabe“ zu schwerwiegenden Komplikationen bei der Geburt und zu schweren gesundheitlichen Schäden von Mutter und Kind führen kann. Cytotec war zwar als Mittel zur Geburtseinleitung nicht zugelassen, konnte aber über Importfirmen bezogen und im sogenannten „Off-Label-Use“ (an der Zulassung vorbei!) dennoch legal verabreicht werden. https://www.merkur.de/politik/cytotec-zur-geburtseinleitung-probleme-waren-gesundheitsministerium-bekannt-zr-90938388.html Doch warum hat Gesundheitsminister Jens Spahn, der im Bilde war, nicht bereits Anfang 2020, als unter anderen die Süddeutsche Zeitung  kritisch berichtete, den Notfall erklärt und veranlasst, dass das Mittel im Rahmen der Geburtshilfe nicht mehr zum Einsatz kommt?

Weit mehr noch als die medizinische Einleitung von Geburten ist Corona ein Milliarden-Geschäft. Die Impfstoff-Industrie schlägt aus der „Notlage“ Kapital. Das kann nur solange funktionieren, wie die Politik mitspielt und Corona zur globalen Katastrophe und Gefahr für die Menschheit erklärt. Und die Gesundheitspolitik spielt weiter mit. Wie am Dienstag vor zwei Wochen bekannt gegeben wurde, bleibt für die tonangebende Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Pandemie „eine „Notlage von inter­nationaler Tragweite“ (PHEIC). Dies beschloss WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus gestern auf Em­pfehlung des unabhängigen Notfallausschusses, der sich alle drei Monate trifft, um die Lage neu zu be­urteilen.“ https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/128499/WHO-behaelt-Notlage-von-internationaler-Tragweite-bei

Am selben Tag, am 26.10.2021, sprach sich -was kein Zufall sein kann- ein Beratergremium der US-Arzneimittelbehörde FDA für eine Notfallzulassung (!) des Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer für Kinder zwischen fünf und elf Jahren aus.

Kinder sind durch Corona nicht in Not. Das Virus kann ihnen kaum etwas anhaben. Was den Kindern aber etwas anhaben kann, ist eine immer bedrohlicher agierende, alle Körpergrenzen überschreitende Politik. Dass der amerikanische Präsident Joe Biden alle US-Kinder zwischen fünf und elf Jahren impfen lassen will und bereits damit begonnen hat, stimmt mich fassungslos.

Dass er alle Kinder impfen lassen will, ist vermutlich Teil seiner Mission, die „nationale Spaltung“ zu überwinden. Schon in seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg am 7.11.2020 setzte der überzeugte Katholik Joe Biden die Heilung der Nation in den Mittelpunkt: „President-elect Joe Biden in his first address to the nation has vowed to restore the soul of America telling his supporters that this is the time to heal the country.https://www.timesnownews.com/international/article/we-must-restore-the-soul-of-america-says-president-elect-joe-biden-vows-to-fight-covid-19-pandemic/678921 Übersetzung (deepl): „Der gewählte Präsident Joe Biden hat in seiner ersten Ansprache an die Nation geschworen, die Seele Amerikas wiederherzustellen, und seinen Unterstützern gesagt, dass dies die Zeit ist, das Land zu heilen.“

Um erahnen zu können, was Joe Biden dazu bewegt, Amerika nicht wieder great machen, sondern heilen zu wollen, sollte man sich seine Lebensgeschichte anschauen. Joe Biden ist nach verschiedenen persönlichen Schicksalsschlägen seelisch schwer verletzt. Er selber hätte im Jahr 1988 zwei Hirn-Aneurysmen kaum überlebt. 27 Jahre später starb im Jahr 2015 sein Sohn Beau im Alter von nur 46 Jahren an einem Hirntumor. Und viele Jahre davor, zu „Beginn seiner politischen Laufbahn, wenige Tage nach seiner Wahl zum mit 29 Jahren jüngsten US-Senator in der Geschichte, kam 1971 seine einjährige Tochter Naomi zusammen mit Bidens erster Frau auf der Rückfahrt vom Holen des Weihnachtsbaums bei einem Unfall ums Leben. Freunde überredeten ihn, nicht aufzugeben. Was ihn damals – wie während des eigenen Ringens mit einem Aneurysma oder seinen politischen Niederlagen – gehalten hat, war nach eigenem Zeugnis sein Glaube.https://www.kirche-und-leben.de/artikel/joe-biden-tief-katholisch-trotz-schwerer-schicksalsschlaege

Die österreichische „Kleine Zeitung“ nannte Biden einmal „Hiob im Weißen Haus“. Ein Vergleich, der mich aufhorchen lässt. Denn wie die Figur Hiob im Alten Testament hat ja auch Joe Biden so viele persönliche Katastrophen erlebt, wie sie ein einzelner Mensch kaum verkraften kann. Die Parallelen sind frappierend. Auch Hiob verliert seine Kinder, auch Hiob erkrankt schwer. Hiobs Schicksalsschläge sind allesamt von Gott inszenierte Prüfungen seines Glaubens. Hiob erlebt nicht nur persönliche Katastrophen, sondern wird durch den Teufel (und durch die eigene Frau!) versucht, Gott abzuschwören. Da jedoch Hiob weiter an Gott glaubt, wird er am Ende belohnt. Ein hollywoodreifes Happy End: Hiob bekommt nicht nur neue Kinder und Besitztümer, sondern Geld, viel Geld.

… Ich persönlich glaube an ein Göttliches, das größer ist als wir Menschen. Aber an einen männlich-autoritären Vatergott, der Geldbesitz mit Glückseligkeit gleichsetzt und meint, tote Kinder durch neue ersetzen zu können, glaube ich nicht ...

Was passieren kann, wenn ein Hiob Präsident einer Weltmacht wird und Macht über Leib und Leben der Menschen, die dort leben, bekommt, erleben wir gerade. Ich fürchte, dass der gläubige Katholik Joe Biden nicht nur sich selber und das Land heilen, sondern insbesondere den Kindern mit der Massenimpfung etwas Gutes tun will, sie von Corona erlösen: Make the children well again…

In den deutschen Medien wurde die „Notzulassung“ des Impfstoffs überwiegend positiv aufgenommen: „US-Präsident Joe Biden begrüßte den Schritt als »Wendepunkt in unserem Kampf gegen Covid-19«. »Wir haben bereits einen ausreichenden Impfstoffvorrat für jedes Kind in Amerika sichergestellt«, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Für Eltern endeten nun Monate der Sorge um ihre Kinder wegen Corona.https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/usa-biontech-impfung-fuer-kinder-von-expertengremium-der-gesundheitsbehoerde-empfohlen-a-56040751-58bc-47aa-b191-96792200a52e (Wurde im PfizerZeitzeichen verallgemeinernd von den Menschen geredet, werden diesmal alle Eltern in einen Topf geworfen: „Für Eltern endeten nun Monate der Sorge um ihre Kinder wegen Corona.“ Es dürfte zwar tatsächlich viele Eltern geben, die auf die Kinder-Impfung gewartet haben, aber die sind, wie ich las, immer noch in der Minderheit.)

In Biden’s Kampf gegen Covid-19 offenbart sich einmal mehr die Doppelmoral der US-amerikanischen Bevölkerungspolitik. Denn Biden will nicht nur die Kinder vor dem Virus, sondern die US-Amerikaner vor Migranten schützen. Unter dem Vorwand, die Pandemie eindämmen zu müssen, werden Flüchtlinge aus Haiti nicht ins Land gelassen, darunter zahlreiche Familien mit Kindern. „Title 42 ermöglicht es der US-Regierung Personen abzuschieben, die sich kürzlich in einem Land aufgehalten haben, in dem eine übertragbare Krankheit vorlag. Es handelt sich also um beschleunigte Abschiebung von Eingewanderten aufgrund des Coronavirus.https://www.fr.de/politik/usa-joe-biden-regierung-einwanderung-politik-migration-donald-trump-mexiko-haiti-grenze-del-rio-90994583.html

Natürlich ist Biden bei weitem nicht der einzige Politiker, der angesichts von Corona überreagiert. Offenbar hat die Politik weltweit längst den Boden verloren. Das hängt, so denke ich, auch mit der Angst vor dem Weltuntergang zusammen. Unsere Spitzenpolitiker sind (nicht anders als wir alle) durch die Folgen der Klimakatastrophe bereits jetzt schwer traumatisiert. Die völlig überzogenen, hilflos-autoritären Corona-Maßnahmen sind daher nicht nur blinder Aktionismus, sondern Ausdruck der Angst vor den entfesselten Naturkräften. Anstatt sich zu mäßigen und zu begreifen, dass wir Menschen Teil der Natur sind, führt man einen hilflosen Kampf gegen die Natur: Seht her, wir schaffen es, das Virus in den Griff zu bekommen, denn wir beherrschen die Natur.

Die tatsächliche Bedrohung wird verdrängt. Über die menschenverursachte Klimakatastrophe, die man beschönigend „Wandel“ nennt, hat die Politik längst die Kontrolle verloren. Radikales Umdenken und Handeln wären angesagt, aber wir erleben Politiker, die (wie auch Biden) zwar den „Klimawandel“ nicht leugnen, aber so weiter machen wie bisher.

Zwar setzt Biden anders als Trump auf Aufklärung, doch die Erforschung des „Klimawandels“ bedeutet leider keinen Wandel in den Köpfen der Mächtigen. Der Physik-Nobelpreis 2021 „für physikalische Modelle zum Erdklima“, den sich Klaus Hasselmann (mittlerweile 90), Syukuro Manabe (90) und Giorgio Parisi (73) teilen, kam Jahrzehnte zu spät. „Schon Ende der 60er-Jahre habe man gezeigt, dass der Mensch das Klima verändere, sagte der 89jährige Nobelpreisträger für Physik Klaus Hasselmann im Dlf.“ Für Hasselmann kam im Jahr 1995 der Durchbruch, als er „den menschlichen Fingerabdruck im Klimageschehen der vorangegangenen 20 Jahre mit 95-prozentiger Sicherheit belegen konnte.“ https://www.deutschlandfunk.de/physik-nobelpreistraeger-und-klimapionier-klaus-hasselmann.676.de.html?dram:article_id=504023

In der Ratlosigkeit angesichts der Klimakatastrophe spiegelt sich das Drama der modernen Schulmedizin. Während es dank eines ungeheuerlichen technischen Aufwands gelingt, noch die letzten Winkel des menschlichen Organismus zu durchleuchten, krankhafte Veränderungen aufzuspüren und die genetischen Strukturen bis in die feinsten Verästelungen hinein zu analysieren, stößt die Therapie von Krankheiten nicht nur an ihre Grenzen, sondern kommt oft geradezu dilettantisch daher.

Das Corona-Virus ist entschlüsselt, aber die Impfung, deren Langzeitfolgen niemand absehen kann, ruft nicht nur kurzfristig schwere Nebenwirkungen hervor, sondern verliert ihre Wirkung und muss „aufgefrischt“ werden. Das klingt hübsch und verharmlosend, aber verschleiert, was tatsächlich passiert: Wir alle sollen an der Impfnadel hängen.

GroKo stoppen! Teil 2: Der Titel schützt vor Torheit nicht – Karlimpf in allen Gassen Prof. Auflauerbach

Prof. Dr. Karl Lauterbach, Mediziner, Gesundheitsökonom und Bundestagsabgeordneter (SPD), liebt es, den Menschen auf bzw. unter die Pelle zu rücken, und das im wahrsten Sinne des Wortes. So half Lauterbach nach anfänglichen Protesten im April in einem Leverkusener Impfzentrum aus. Der Ort war nicht zufällig ausgesucht. Im Wahlkreis Leverkusen – Köln IV ist Lauterbach Direktkandidat der SPD für den Deutschen Bundestag.

Am 21. August wagte dann der prominente Direktkandidat in peinlicher Selbstüberschätzung einen zweiten Wahlkampf-Auftritt als Impfarzt, der allerdings blamabel enden sollte. Der Impfbus mit dem Team rundum Lauterbach stand vor dem Leverkusener Stadion, wo Bayer 04 Leverkusen gegen den VFL Mönchengladbach spielte. Nach all den freundlichen Briefen, die er tagtäglich bekommt, hatte Lauterbach gehofft, dass die Leute in Scharen kommen, weil sie es prickelnd finden, wenn ihnen der Kandidat höchstpersönlich die Impfspritze setzt.

Doch der erwartete Ansturm blieb aus. Ein beleidigter Lauterbach twitterte am 21.8. folgendes:

„… Karl Lauterbach@Karl_Lauterbach 21. Aug Heute hat das Impfteam Leverkusen vor dem Bayer Stadion geimpft. Wir hatten weitaus weniger Impfinteressenten als erwartet. Was war passiert? Finde den Fehler…“

„Finde den Fehler“ – das klingt wie eine Arbeitsaufgabe für Grundschüler. Nun gut, ich mache mit, doch ich finde keinen Fehler, denn was Lauterbach passiert ist, war kein „Fehler“, sondern richtig doof. Tatsächlich hatte Lauterbach nicht begriffen, dass zum Fußball-Bundesliga-Spiel ja nur genesene oder bereits vollständig geimpfte Zuschauer zugelassen waren („2G“). Aber wer kommt schon zur Stadion-Impfung, wenn er anschließend nicht mal ins Stadion kommt? Ich denke, Freikarten hätten das Impfinteresse deutlich erhöht.

Den Nutzen von Freikarten oder anderen Belohnungen (warum nicht Halver Hahn als schmackhafter, aber preiswerter Lockvogel?) scheint Lauterbach nicht zu begreifen. Vermutlich denkt der Mann, die Impfung ist Geschenk genug. Es kann aber auch sein, dass der angeblich knickrige Lauterbach befürchtet, den Köder aus eigener Tasche zahlen zu müssen.

Eine vergleichbar lächerliche Idee eines Weekend-Pieks hatte Lauterbach vor zwei Monaten schon einmal. „SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlägt vor, dass „nicht nur in Arztpraxen und Impfzentren, sondern auch in Ausgehmeilen“ geimpft wird. Das sagte er im Gespräch mit Business Insider: „Es muss Freitags- und Samstagsabends mobile Impfstationen an belebten Plätzen geben, wo sich viele Leute treffen, auch vor Bars und Clubs“, so Lauterbach weiter. Man müsse mit den Impfungen dorthin, wo die Menschen seien.https://www.businessinsider.de/politik/deutschland/zuerst-spritze-dann-feiern-karl-lauterbach-plaediert-fuer-mobile-impfstationen-vor-bars-und-clubs-b/

Mit seinem Vorschlag ist Lauterbach zum Glück nicht durchgekommen. Wer hat schon Lust, frisch geimpft, aber leicht angeschlagen und sich unfrisch fühlend feiern zu gehen und nicht einmal mit Freibier belohnt zu werden? Schon damals hätte Lauterbachs doofer Tweet gut gepasst : „Wir hatten weitaus weniger Impfinteressenten als erwartet. Was war passiert? Finde den Fehler…

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Karl Lauterbach: Damals noch mit leeren Händen, heute mit Impfspritze in der Hand.                                                          Lauterbach wettert: Kölner Glühwein-Anarchie – So titelte am 7.Dezember 2020 der Kölner EXPRESS. Völlig aufgebracht war Karl Lauterbach wegen der sogenannten „Glühwein-Wanderungen“, die im Kölner Stadtgebiet kurz vor dem Lockdown (13.12.) noch stattfinden konnten, am Nikolaus-Sonntag ins Kölner Belgische Viertel gestürmt, denn die Menschen wanderten nicht nur von Glühwein-Ausschank zu Glühwein-Ausschank, wie es die Stadt Köln „erlaubt“ hatte, sondern blieben zwischendurch stehen, d.h. sie standen Glühwein trinkend in Grüppchen zusammen, ohne immer den „Sicherheitsabstand“ einzuhalten. War das schon fast ein Verbrechen? Für Lauterbach nicht nur fast.

Sogar aus medizinischer Sicht ist die auflauernde Impfung, wie ich sie leider nennen muss, mehr als fraglich. Schließlich wirkt die Corona-Impfung erst mit mehrwöchiger Verzögerung. Welche Phantasien hat Lauterbach, was lässt ihn von mobilen „Impfstationen an belebten Plätzen“ träumen? Missgönnt er den Mitmenschen die Lebensfreude? Ist nicht die Impfung von tausend Menschen auf einen Stich, wie ich die Aktion leider nennen muss, eine volkserzieherische Zwangsmaßnahme?

Entsetzt bin ich, wenn ich lese, dass Lauterbach, was die Schulen betrifft, weiterhin für harte Maßnahmen plädiert. Die Gefahr, die er heraufbeschwört, ist die drohende „Durchseuchung der Kinder“.

In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk am 26.8.2021 (einen Tag, nachdem am 25. August die Mehrheit im Deutschen Bundestag gegen die Stimmen aller Oppositionsparteien die „epidemische Lage“ zum fünften Mal verlängert hatte) brachte der stellvertretende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP), seinen Unmut zum Ausdruck. Er hält den den Begriff „Durchseuchung“ für „propangandistisch“. Ich kann mich dem nur anschließen. Unbedingt lesen: https://www.deutschlandfunk.de/nrw-familienminister-stamp-zu-covid-verlaeufen-risiken-fuer.694.de.html?dram:article_id=502222

Joachim Stamp, der kein Impfgegner ist, hatte einen „Tag der Eigenverantwortung“ vorgeschlagen, und zwar den 3.Oktober (Tag der deutschen Einheit) 2021. „Danach sollten die staatlichen Beschränkungen von Bürgerrechten enden.“

Der NRW-Familienminister macht sich große Sorgen um das Wohlergehen der Kinder. Er hatte sich vor dem 25.8. mit zahlreichen Fachleuten unterhalten, insbesondere mit Kinderärztinnen und Kinderärzten: „Es wird ja der Politik immer vorgeworfen, wir würden uns nicht an die Wissenschaft halten. Ich finde, bei der Beurteilung der Risiken für Kinder, da ist doch die wichtigste Wissenschaft die Pädiatrie, das was die Kinderärztinnen und Kinderärzte sagen. Die sagen uns, dass die Risiken durch die Beschränkungen viel, viel höher sind.“ (s.o.) 

Kinder können sich nicht wehren. Ihre Eltern sind gezwungen, auch gegen den eigenen (Eltern)-Willen Maßnahmen zu akzeptieren, die in der kindlichen Psyche großen Schaden anrichten können. Diese Maßnahmen überschreiten nicht nur Körpergrenzen, sondern entmündigen die Kinder und zwingen sie zu einer Art soldatischem Gehorsam.

Wir erleben eine rücksichtslose, gleichgültige Corona-Politik. Dass es auch anders geht, zeigen uns die Schweden, wo alle Schulen ohne Einschränkungen geöffnet sind. Impfungen für 16jährige werden in Schweden nicht generell empfohlen, sondern nur für Jugendliche mit bestimmten Erkrankungen. Man hat aus den Erfahrungen mit der Schweinegrippe-Impfung und ihren katastrophalen Folgen und Spätfolgen (Narkolepsie) gelernt.

Manchmal denke ich, dass es das Werk der großen Schriftstellerin Astrid Lindgren ist, das in den Herzen der Schweden Spuren hinterlassen hat. Astrid Lindgrens Bücher speisen sich aus einer tiefen Liebe zum Leben, zu allen irdischen Geschöpfen und aus einer unumstößlichen Achtung vor den Kindern.

Medizinische Maßnahmen als Mittel zur Unterwerfung einzusetzen, ist verwerflich. Seinen entsetzlichen Höhepunkt hatte dieser Wahnsinn in den 1950er und 60er Jahren, als Heimkinder, die keine schützenden Eltern hatten, vielerorts in Deutschland systematisch gequält, ruhig gestellt, misshandelt und (auch für pharmazeutische Studien und Experimente) missbraucht wurden. Zum Einsatz kam hierbei medizinisches Gerät, insbesondere die handliche Injektions-Spritze. „In einer Art Verteidigungsschrift an den Essener Caritas-Direktor bestritt Strehl zwar die Anwendung solcher „Kotzspritzen“, doch zeigen die Quellen ein anderes Bild. Neben den zeitgenössischen Unterlagen berichteten auch verschiedene Heimbewohner über die Verabreichungspraxis solcher Spritzen, die Strehl bei Stationsvisiten offenbar immer bei sich trug, um renitente Kinder bei Bedarf direkt sedieren zu können.https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMI17-20.pdf

Mit „Strehl“ ist der Mediziner Waldemar Strehl (1916-1988) gemeint, der im Zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht gedient hatte und von 1955 bis 1969 im Essener Franz-Sales-Haus tätig war, einem katholischen Behindertenheim. „… Über den missbräuchlichen Einsatz von Medikamenten in Heimen der Nachkriegszeit haben der Historiker Uwe Kaminsky und die Ethikerin Katharina Klöcker von der Ruhr-Universität Bochum am Donnerstag eine Studie veröffentlicht. Am Beispiel des Franz Sales Hauses zeichnen sie nach, wie in den 1950er und 1960er Jahren die Bewohner mit Medikamenten diszipliniert wurden. Damit nicht genug: Der damalige Anstaltsarzt Waldemar Strehl testete an den Minderjährigen neue Präparate – in Überdosis…“ https://www.domradio.de/themen/bistuemer/2020-08-27/zur-strafe-eine-kotzspritze-studie-zeigt-medikamentenmissbrauch-einem-nachkriegsheim

… Ich kann an dieser Stelle nicht weiterschreiben, weil ich erst einmal tief durchatmen muss… Beim Googeln musste ich feststellen, dass Waldemar Strehl in meiner Heimatstadt Bottrop geboren wurde und an „meiner Schule“ Städtisches Jungengymnasium Bottrop (später Heinrich-Heine-Gymnasium) Abitur gemacht hat, an eben dem Gymnasium, wo mein Großvater Josef Verron zu der Zeit Lateinlehrer war…

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Vom Blitz getroffen, pardon… Ich habe das Plakat (mehr schlecht als recht) von der illustren Seite leverkusen.com abfotografiert. Damals hat es jemand auf der Solinger Straße in Leverkusen aufgenommen. Das Plakat stammt aus dem Wahlkampf 2017. Lauterbach war bis 2001 Mitglied der CDU, wechselte dann aber in die SPD. Lauterbach machte zu der Zeit Karriere an der Universität zu Köln.  „1998 wurde Lauterbach Direktor des neu gegründeten Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universität zu Köln; damit war auch seine Berufung als Professor verbunden. Dort ist er aufgrund seines Bundestagsmandats beurlaubt.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lauterbach                                                                                  Lauterbach wollte und will Bundesgesundheitsminister werden, das ist sein Traum. Dafür musste er zunächst einmal Bundestagsabgeordneter werden. Es war schlau von Lauterbach, nicht nur zur SPD zu wechseln, sondern sich den Wahlkreis Leverkusen- Köln IV zu sichern, denn der geht traditionell an die SPD. Als Direktkandidat ist Lauterbach bereits 2005, 2009, 20013 und 2017 in den Bundestag gewählt worden. Lauterbach ist auf das Direktmandat angewiesen. Über die Landesliste in den Bundestag zu kommen, dürfte Lauterbach im Jahr 2021 kaum gelingen, denn die Partei hat ihn lediglich auf Platz 23  gesetzt.                                                                                              Zurück zum Wahlkampf 2017. Ein Job muss reichen. Mit diesem Plakat wollte sich Lauterbach bei den Wählerinnen und Wählern anbiedern, denn in Leverkusen und im Kölner Nordosten leben viele Menschen, die mehrere Jobs brauchen, um sich überhaupt über Wasser zu halten. Lauterbach schwimmt oben und verdient bestens, doch der Professorentitel schützt vor Torheit nicht. Dass die Parole „Ein Job muss reichen“ doppeldeutig ist, dürfte vielen Menschen aufgefallen sein, nur Lauterbach nicht. Lauterbach hat viele Jobs, nicht nur im Bundestag. Als Professor ist er lediglich beurlaubt, er veröffentlicht populärwissenschaftliche Bücher und tritt als Redner auf. Ich sage nur: „Lieber Herr Prof. Lauterbach, bitte bescheiden Sie sich. Nehmen Sie sich selber ernst: Ein Job muss reichen.“

Elfchen im Neunten: „MAKE OUR PLANET GREAT AGAIN“ – „MACHT EUCH DIE ERDE UNTERTAN“

Emmanuel Macron kam der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen vermutlich nicht ungelegen. Vor dem Hintergrund des Ausstiegs kann er umso mehr den Weltklima-Retter mimen. Gemessen am reichlich beschränkten Donald Trump, der (in Klima-Fragen vergleichbar etwa mit der AFD-Politikerin Alice Weidel) nach wie vor nicht begreifen will, dass der „Klimawandel“ von Menschen verursacht ist, wirkt Macron geradezu klug und vernünftig. Das ist natürlich nur relativ, denn, wie (leicht abgewandelt) ein Sprichwort sagt, das Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird: Unter den blinden Männern ist der einäugige Mann König.

Der Ausstieg kam allerdings für niemanden überraschend, denn Trump löste hiermit ein Wahlversprechen ein. Dennoch nahm Macron die offizielle Ankündigung des Ausstiegs zum Anlass, sich am 1.6.2017 vermeintlich tief erschrocken und enttäuscht mit einer „persönlichen“ Botschaft an die Weltöffentlichkeit zu wenden. In dieser Rede tritt Macron gut gepudert als smarter Klima-Missionar auf, der Experten anheuert: „Allen Wissenschaftlern, Ingenieuren, Unternehmern und Bürgern, die von der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten enttäuscht sind, möchte ich sagen, dass sie in Frankreich ein zweites Heimatland finden werden. Ich sage ihnen: Kommen Sie, und arbeiten Sie hier mit uns! Lassen Sie uns gemeinsam an konkreten Lösungen für unser Klima arbeiten.“ (Video Make Our Planet Great Again, deutschsprachige Untertitel)

Doch Macrons Wortwahl lässt aufhorchen. Die gut einstudierte Rede endet mit einem Satz, den sich Macron publikumswirksam für den Schluss aufbewahrt hat: Make Our Planet Great Again. Unüberhörbar spielt der Satz auf Trumps berühmte Parole Make America Great Again an. Nur ist es nicht nur die eine Nation, die Macron wieder großartig machen will, sondern etwas viel Größeres: die ganze Erde. Was aber stellt sich Macron unter einem „großartigen Planeten“ vor? Will Macron die aufgebrachte Natur beschwören? Angesichts von so viel Schwulst wird mir ganz angst und bang.

Make Our Planet Great Again zeigt einmal mehr eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den Präsidenten der Atommächte Frankreich und USA. Beide, der aktuelle Präsident Frankreichs und der ehemalige der USA, lieben die Macht, die Selbstfeier, den Prunk, und beide lieben die prachtvolle Macht-Demonstration. Zur Erinnerung: Nur sechs Wochen nach der Ankündigung des Ausstiegs sind Donald und Melania auf Einladung von Macron anlässlich des Nationalfeiertags nach Frankreich gereist, um am 14.Juli 2017 der Militärparade beizuwohnen.

Leider ist man auch hierzulande von Macrons großmäuliger Parole begeistert. Make Our Planet Great Again ist Leitsatz einer französisch-deutschen Wissenschafts-Kooperative:
„… Das vom BMBF mit 15 Millionen Euro geförderte und auf fünf Jahre (2018–2022) angelegte Förderprogramm für Klima-, Energie- und Erdsystemforschung Make Our Planet Great Again geht auf eine Initiative des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron zurück…“ Weiterlesen: https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/de/bmbf/pdf/bildung-und-forschung-als-schluessel-fuer-eine-nachhaltige-zukunft.pdf?__blob=publicationFile&v=2

In der Wissenschaft herrscht weitgehend Konsens darüber, dass der Klimawandel menschenverursacht ist. Vertiefende Studien und die Entwicklung von Lösungen mögen sinnvoll sein, aber vor dem Hintergrund eines politischen Immersoweiter hat die Forschung auch eine Alibi-Funktion, denn sie dient unseren Politikern dazu, mit gereinigtem Gewissen weiterzumachen wie bisher: Zu verprassen, zu vergeuden und den Planeten, den Macron wieder „great“ machen will, hemmungslos auszubeuten.

Um den Planeten wieder „great“ zu machen, setzt Macron auf die vermeintlich saubere Atomenergie. Das ist, wie wir wissen, höchst riskant. Die Situation ist verfahren. Frankreich deckt den nationalen Energiebedarf vorrangig mit Atomstrom. Die französische Regierung hat unlängst -anstatt den Ausstieg einzuleiten- die Laufzeit der AKWs sogar auf fünfzig Jahre verlängert. Tatsächlich ist -und da reibt sich Macron die Hände- die Erzeugung von Atomkraft mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar, denn das zentrale Ziel des Abkommens ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad, und die Emissionen sind beim Betrieb von Kernkraftwerken gering.

Dass man die Gefahren wider besseres Wissen herunterspielt, ist unannehmbar. Dass jedoch die französische Regierung versucht, Atomkraft als „nachhaltig“ zu verkaufen, um an EU-Fördermittel zu kommen, ist höhnisch und schamlos gegenüber den Menschen, deren Lebensräume durch die Zerstörungskraft der Atomenergie nachhaltig vernichtet wurden. Ich denke an die Opfer der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima, aber insbesondere auch an die Opfer der französischen Atomversuche in Französisch-Polynesien. Die Zerstörung ihres Lebensraums hat die französische Politik in Kenntnis (!) der katastrophalen Folgen bewusst in Kauf genommen.

Es müsste jetzt endlich die Notbremse gezogen werden. Zunächst und zuallererst müsste man an den Auswüchsen ansetzen und die Privilegien der Mächtigen kappen und diese Personen auf den Erdboden zurückholen, dann wäre schon viel gewonnen.

Es gäbe viele klimapolitische Sofortmaßnahmen. Nur ein paar, die mir spontan einfallen: Stopp der Formel 1, virtuelle Ersatzrennen, aber auch Verlegung in Carrerabahn-Hallen bei gleichzeitiger Öffnung der Rennstrecken für Seifenkisten… Nichtinbetriebnahme des Weltraumbahnhofs (netter, verniedlichender Begriff!) in der Nordsee… Keine weitere Eroberung des Weltalls… Olympia dem Amateursport zurückgeben… Gipfeltreffen digital stattfinden lassen: Stopp des internationalen Schaulaufens der Politiker (inklusive des Großen Fressens, der Kaffee-Kränzchen mit der Queen etc…)

Macron, Kofürst von Andorra und Ehrenkanoniker von St. Johannes im Lateran, müsste unbedingt auf den Boden geholt werden. Er möge seine Dienstreise-Freude drosseln und aufs Homeoffice umsteigen. Darüber hinaus müssten seine Bezüge reduziert werden, denn die sind enorm. „Das Gehalt des französischen Staatspräsidenten betrug seit einer Erhöhung im Herbst 2007 – um 170 Prozent – wie das des Premierministers brutto 240.000 Euro im Jahr.[8] Darüber hinaus erhält er jährlich ein Budget in Millionenhöhe, über welches keine Rechenschaft abgelegt werden muss; dazu gehören zum Beispiel freie Kost und Logis im Palast oder Feriendomizile.[9 …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Staatspr%C3%A4sident_(Frankreich)

***

Ende August 2021 machen wir -ich älterer Mensch und vier junge Studentinnen zwischen 25 und 20 (darunter meine beiden Töchter)- Urlaub in der Nord-Bretagne. Wir sind mit dem Auto unterwegs. Von uns bin ich die einzige, die einen Führerschein hat. Mit knapp 63 habe ich mir (auch wegen Corona und der unerträglichen Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln) zum ersten Mal im Leben ein Auto zugelegt.

Als Siebensitzer ist das alte Auto groß genug für fünf Personen + Hund, aber auch für die vorwiegend mit bunten Second-Hand-Klamotten und Büchern prall gefüllten Koffer, die so schwer sind, dass ich sie nicht tragen kann. Immerhin brauche ich zum Autofahren noch keine Brille. Auf gut Wetter-Glück habe ich für zwei Wochen eine Ferienwohnung in Ploumanac’h gemietet, einem Ortsteil von Perros-Guirec. Mein Optimismus wird belohnt, die Regenjacken bleiben unausgepackt.

Meistens scheint die Sonne, aber an kaum einem anderen Tag ist der Himmel so unwirklich blau wie am 27. August.

Der Zufall will es, dass ausgerechnet ich, die ich mir so viele Gedanken um den Sonnengott gemacht habe, ausgerechnet hier, wo ich ihn nicht erwartet hatte, bei strahlendem Sonnenschein Macron begegne. Natürlich nicht leibhaftig… Wir sind mit dem Auto auf dem Weg ins schöne Städtchen Lannion, aber die Smartphone-Navi spinnt und leitet uns um nach Perros-Guirec. So geraten wir auf die Küstenstraße zwischen dem „Plage de Trestaou“ und dem „Plage de Trestignel“. Der Straßenrand ist von Menschen gesäumt, die aufs Meer gucken.

Wir stellen das Auto am Plage de Trestignel ab, gehen die Straße hoch und mischen uns unter die Leute: Man erwartet die Flugshow der Patrouille de France, der Kunstflugstaffel der französischen Armee.

Es ist schon faszinierend, wenn am heiteren Himmel mit einem Mal die Flugzeuge auftauchen, Muster bilden und Formationen. Doch alles ist nur Schöner Schein und Schall und Rauch, denn die künstlich erzeugten bunten Wolkenstreifen verpuffen sehr schnell. Dennoch ist die Wahrnehmung nachhaltig manipuliert: Noch Stunden später sollte ich in jeder Möwe den Starfighter sehen

Hybris

schmiert den

Himmel an: Make

Our Planet Great Again

TRICKolore

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Befleckungslust: Dem Himmel den blau-weiß-roten Stempel  aufdrücken, ohne alle Demut zeigen, wer der Herr auf dem Planeten ist:  La Grande Guerre Contre La Nature.

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Soll hier eine Corona-Impfspritze dargestellt werden?

Make Our Planet Great Again… Irgendwann bemerke ich, dass die Parole einen Satz aus dem Alten Testament in sich trägt, Gottes Auftrag an den Menschen: „Macht euch die Erde untertan.“ (Gen 1,28) Beide Sätze (oder sind es nicht eher Schlachtrufe?) haben acht Silben. Die Betonung ist jeweils auf der ersten, der vierten und sechsten Silbe. Der Satzbau ist weitgehend analog, und die Botschaft von Make Our Planet Great Again spielt überdeutlich auf das „Original“ an. Da es den Satz „Macht euch die Erde untertan“ so nur in der deutschsprachigen Bibelübersetzung gibt, ist zu befürchten, dass die Werbetexter, die für Macron arbeiten, ihn bewusst genau so formuliert haben, weil sie einen sprachlichen Köder brauchten für die Verantwortlichen im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die ja auch direkt angebissen haben.

Macron fehlt meines Erachtens alle Demut gegenüber der Schöpfung. An dieser Stelle möchte ich den deutschen Wissenschaftsjournalisten Horst Stern (1922-2019) zitieren, der die Zeitschrift natur mitgründete und bis 1984 deren Herausgeber und Chefredakteur war. Anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 2012 hat die Zeitschrift natur noch einmal Horst Sterns allererstes Editorial abgedruckt:

„Es darf gedacht werden in NATUR. Nicht nur die Hybris, auch die Hoffnung liegt ja in unserem Denkvermögen begründet. Ich bin sicher: Es wird sich in unserem parasitären Umgang mit der Natur nur dann etwas zum Besseren ändern, hin zu ihrer Schonung durch die Erkenntnis unserer Mitgeschöpflichkeit, wenn der rational gefasste, argumentativ bewiesene Gedanke politisch mehrheitsfähig wird, daß wir Menschen im Kreis der pflanzlichen und tierischen Gestalten nicht grundsätzlich anders, sondern nur grundsätzlich andersartig sind: daß unser Verwandtschaftsgefälle hinunter zu einer Kolibakterie beweisbar kürzer ist als das hinauf zu einem Gott, für dessen Ebenbild wir uns halten. Wir sind als Art biologisch unentrinnbar ein Teil der Natur – lebend an ihr Leben, leidend an ihr Leiden, sterbend an ihr Sterben gebunden.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Stern

Elfchen im Achten: Warum haben Rosen Dornen?

Am 14. Juli 2021, dem französischen Nationalfeiertag, blieb es in Paris trocken. So fiel die Selbstfeier der Grande Nation nicht ins Wasser. An genau diesem Tag jedoch ereignete sich in knapp 400 Kilometern Entfernung im Nachbarland Deutschland eine Hochwasser- Katastrophe mit verheerenden Folgen. Insbesondere Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen waren (und sind) betroffen.

Während Orte im Kölner Umland zum Teil schwer überflutet wurden (Erfstadt-Blessem), ist das Gebiet der Stadt Köln weitgehend verschont geblieben. (Kleine Ergänzung 19.8.: „Weitgehend verschont“ ist relativ. Gestern war ein Installateur hier, der den Wasseranschluss im Garten repariert hat. Im Keller seines Einfamilienhauses in Köln-Pesch stand das Wasser (u.a. Toiletten-Abwasser!) 85 cm hoch. Jetzt wird er sich eine Fäkalien-Rückstauklappe einbauen. Kein Einzelfall, wie er mir erzählte.)

Auch ich bekam am 14.7. eine Ahnung davon, was es heißt, von Wassermassen eingeschlossen zu werden und nicht weglaufen zu können. Hier in Nippes hat es so stark und so andauernd geregnet, wie ich es noch nie erlebt habe. Normalerweise sind Wolkenbrüche zwar heftig, aber kurz. Doch dieser Wolkenbruch hielt stundenlang an.

In unserem Keller tropfte für kurze Zeit ein Wasserrohr, und mein Versuch, ein paar Kochtöpfe zu spülen, misslang, weil das Wasser im Spülbecken stand und nicht abfließen konnte. Um mich zu entspannen, machte ich mir lächerliche Gedanken wie: Wann kann ich die Spülmaschine wieder anstellen? In manchen Momenten schäme ich mich dafür, Glück gehabt zu haben.

https://www1.wdr.de/nachrichten/unwetter-nrw-starkregen102.html

In Paris war längst durchgesickert, dass sich im Nachbarland Deutschland eine Unwetter-Katastrophe ereignet hatte. Das hielt die Veranstalter nicht davon ab, die Nation und die militärische Präsenz und Potenz der Atommacht Frankreich aufwändig zu feiern, insbesondere mit der in Paris üblichen Militärparade. Und als am Abend das Ausmaß der Hochwasser-Katastrophe sichtbar wurde, fand im nur wenige hundert Kilometer von der Ahr entfernten Paris das große traditionelle Feuerwerk statt.

Ich stelle mir vor, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hätte eine seiner Fernseh-Ansprachen gehalten und gesagt: Der Sturm auf die Bastille gehört zu unserer Geschichte, aber für heute ist er Geschichte, denn wir müssen versuchen, die Welt zu retten. Das Wohlleben der Bürgerinnen und Bürger, aber insbesondere mein persönliches Wohlleben hat unverantwortliche Dimensionen angenommen. Die Katastrophe hat mir die Augen geöffnet. Ja, Ich schäme mich. Es sieht so aus, als hätten viele Menschen ihr Leben verloren. In Solidarität mit den Menschen im Nachbarland Deutschland, die alles verloren haben, habe ich beschlossen, Ressourcen und Kräfte zu schonen. Daher sage ich das Feuerwerk ab.

Leider ist die große solidarische Geste ausgeblieben. Vermutlich hat Macron in der Nacht gut geschlafen, weil alles reibungslos geklappt hat -exakt bemessene vier Stunden, wie schon Napoleon empfahl: „Trump kommt nach eigenen Angaben mit vier Stunden Schlaf aus. Auch sein Amtskollege, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, benötigt lediglich vier Stunden Schlaf. Von Napoleon Bonaparte stammt das Bonmot: «Vier Stunden schläft der Mann, fünf die Frau, sechs ein Idiot.» https://www.tagblatt.ch/leben/die-schlaflose-elite-ld.1042629

***

Das Frühjahr 2021 war hier ziemlich verregnet, und bereits im Juni hat es im Kölner Umland Starkregen gegeben. Ich erinnere mich an den Abend des 4.Juni, als in Pulheim Straßen überflutet wurden und zahlreiche Keller vollliefen. Die Ironie der Katastrophe: Dem Boden hat der viele Regen gut getan. Die Amseln finden Würmer – und brüten noch einmal.

15. Juli: Das Wasser ist abgeflossen. Luft und Wiesen sind feucht (und sollten es noch wochenlang bleiben). Beim morgendlichen Spaziergang mit dem Hund hole ich mir nasse Füße. Nachmittags entdecke ich in unserem kleinen Garten eine Libelle, die auf einem alten Ast der Rose einen Platz gefunden hat. Sie bleibt dort stundenlang sitzen. Erst als ich Fotos mache, fällt mir auf, dass sie sich mit den Vorderbeinen an einer Dorne festhält, nicht krampfhaft, sondern libellenleicht.

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Libellenleicht: Sogar die größten Libellen wiegen kaum mehr als ein Gramm.

Die Libelle beantwortet mir eine Frage, die ich ihr gar nicht gestellt habe:

Warum haben Rosen Dornen?

Eine

leise Antwort

der Libelle: Nur

für dieses eine Mal…

Augenblicksglück

Mir kommt das Wort Augenblicksglück einfach so, es fliegt mir sozusagen zu. Ich habe es noch nie gehört und will wissen, wer es in die Welt gesetzt hat.

Als ich das Wort Augenblicksglück in die Suchmaschine eingebe, entdecke ich einen klugen, ganz wunderbaren Text der Schweizer Theologin und Publizistin Doris Strahm. https://www.doris-strahm.ch/Strahm_015.pdf Augenblicksglück ist, so erfahre ich, ein Begriff der jüdischen Dichterin Rose(!) Ausländer (1901-1988) In ihrem Gedicht „Glanz“ lässt sie ein lyrisches Du „baden“ in einer Welle Glanz, die herangeschwemmt wird mit einer Muschel: „Augenblicksglück dieser Uferminute aus feinen Farben“

Wenn ich sage, dass ich „erschüttert“ war, als ich die Zeile las, die nicht nur die Welle, sondern „meine“ Libelle meint, ist das nicht übertrieben.

Doch was meint Augenblicksglück? „Philosophisch“, so Doris Strahm, „könnte man eine solche Erfahrung auch als Selbsttranszendenz des Lebens beschreiben: Für einen Augenblick bricht eine Dimension in die Alltagswirklichkeit ein, die für einen Moment die Begrenztheit der Endlichkeit durchbricht, ein Aufleuchten des Unendlichen im Endlichen. Im Augenblicksglück begegnet uns ein Überschuss an Wirklichkeit, ein Mehrwert des Lebens, fühlen wir uns geborgen in einem grösseren Ganzen.“

Übrigens hat die Rose, wie die Botanik sagt, keine Dornen, sondern Stacheln. Das weiß auch die beliebte WDR-Werbe-Maus, die die Kinder wissenschaftlich „aufklärt“.

“ … Die Maus sagt:

Rosen haben gar keine Dornen. Und ein Kaktus keine Stacheln. In der Botanik ist das nämlich so: Dornen wachsen auf dem Körper der Pflanze. Das ist so etwas wie ein Organ. Ein Dorn lässt sich schwer entfernen. Ein Kaktus hat Dornen, das ist ein umgewandeltes Blatt. Und Stacheln sind keine Organe, sondern wie Warzen. Sie lassen sich leicht entfernen. Wie bei einer Rose…“ https://www1.wdr.de/radio/wdr2/themen/frag-doch-mal-die-maus/warum-haben-rosen-dornen-102.html (Bis zum 26.8.2021 mit Film)

Nun ist das zwar naturwissenschaftlich korrekt, aber geisteswissenschaftlich beschränkt. In Sagen, Legenden, Gedichten, Geschichten und Märchen haben die Dornen der Rose eine große, auch symbolische Bedeutung. Und wer sich ein bisschen mit Rosen auskennt, weiß, dass sich ihre zarten, abstreifbaren Stacheln mit der Zeit in kräftige Dornen verwandeln, denn die Stacheln alter Äste, die keine Blätter mehr tragen, verwachsen mit der Pflanze und lassen sich nicht mehr entfernen.

Blühende Rosen sind alt und jung zugleich. Die Blüte der Rose kann nur deshalb ihre besondere Schönheit entfalten, weil die Pflanze nicht nur zarte Blätter, sondern auch kräftige alte Dornen hat. Das interessiert die WDR-Maus nicht, aber das wissen die Dichter. Sie wissen auch, wie nah Jugend und Alter, Licht und Schatten und Schönheit und Schmerz beieinander liegen. Im 35. Sonett von William Shakespeare haben wir eine flüchtige Begegnung mit der Dorne der Rose.

Roses have thorns, and silver fountains mud.“ Da ich die (zweite) Zeile aus dem Sonett herausreiße, erlaube ich mir, sie sehr frei und überdeutlich zu übersetzen: Selbst Rosen haben Dornen, und die Freudenfeuerwerksfontänen hinterlassen schnöde Schlacke. (s. Paris, Nationalfeiertag 14.Juli)

Im Märchen „Dornröschen“ muss der Prinz, um zu Dornröschen zu gelangen, eine (hundert Jahre) alte Dornenhecke überwinden. Viele Kandidaten verfangen sich in den Dornen und sterben, doch es gibt den Einen, der unverletzlich (immun!) ist. Als der Prinz kommt, der für Dornröschen bestimmt ist, öffnet sich nicht nur die Dornenhecke.

Von alten Dornen, die neues Leben hervorbringen, erzählt -naturwissenschaftlich nicht korrekt- ein deutsches Advents-Volkslied aus dem 19. Jahrhundert: Maria durch ein Dornwald ging

Ein Bild der Hoffnung: Als das Kindlein durch den Wald getragen,
da haben die Dornen Rosen getragen.

„Unser bester Schutz“ – Die aktuelle HANSAPLAST-Werbung dürfte gestörte Männer zum Konsum von Kinderpornos ermuntern!

Auf der Internetseite des BKA heißt es: „Kinderpornografie ist die fotorealistische Darstellung des sexuellen Missbrauchs einer Person unter 14 Jahren (Kind). Der Herstellung solcher Darstellungen liegt ein realer (oft schwerer) sexueller Missbrauch zugrunde. Durch die (weltweite) Verbreitung und Verfügbarkeit erfolgt eine dauerhafte Viktimisierung der Opfer.https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/Kinderpornografie/kinderpornografie_node.html

Beim BKA gehen jeden Tag zig Meldungen zu Kinderpornografie im Internet ein. Diese Meldungen werden sehr ernst genommen und konsequent verfolgt, denn hinter den Bildern und Filmen verbergen sich reale Fälle von Missbrauch.

Das Internet ist eine Fundgrube für Kinderpornografie. Es bedient Exhibitionisten und Spanner, denn es gestattet nicht nur die Zurschaustellung der sexuellen Misshandlung, sondern auch das (unbeobachtete!) Zuschauen. Darüberhinaus ermöglicht es gestörten Männern (es sind in aller Regel Männer), das „Material“ zu sammeln und weiterzugeben.

Doch so wichtig das Aufdecken der Missbrauchs-Fälle ist – Ist die Fokussierung auf das Internet nicht (auch) ein Ablenkungsmanöver? Denn krankhafte Neigungen finden nicht nur im Netz Nahrung. Kinder, denen noch nicht bewusst ist, dass man ihr Vertrauen in die Erwachsenenwelt schamlos missbraucht, werden immer mehr (und das öffentlich und legal!) für Werbezwecke instrumentalisiert. Im Zusammenhang mit dem Fall Edathy schreibt die Journalistin Andrea Roedig im Jahr 2015: „Der Pädosexuelle rührt an ein Tabu, doch die empörte Zurückweisung seines Begehrens ist problematisch. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er auch als Sündenbock fungiert... Am Schreckbild des Kinderschänders entlädt sich das schlechte Gewissen einer hypersexualisierten Gesellschaft, in der noch jede Zahnpasta-Reklame voll ist mit Anspielungen aufs Geschlecht. Wir alle schauen ja die ganze Zeit auf mehr oder weniger offen erotisierte Bilder – auch von Kindern und Jugendlichen.https://www.deutschlandfunkkultur.de/paedophilie-was-der-fall-edathy-ueber-unsere-gesellschaft.2162.de.html?dram:article_id=312340

Wir erleben eine unannehmbare gesellschaftliche Doppelmoral. Während man vorgibt, zum Wohle der Kinder zu handeln, stellt unter dem Deckmantel von Schutz und Sicherheit insbesondere die Werbung für Hygiene- und Gesundheitsartikel Kinder in fragwürdigen Posen dar, die perverse Gelüste anstacheln und bedienen. Ich sehe hierin einen Missbrauch der kindlichen Unschuld. In dem Zusammenhang wollte ich mir die aktuelle Hansaplast-Plakatwerbung am Nippeser Bahnhof (vgl. vorheriger Blog-Beitrag) noch einmal genauer anschauen, aber das Plakat ist mittlerweile entfernt worden. An der Ecke Liebigstraße/Herkulesstraße (direkt über dem Tunnel der A57/Teilstück Schnellstraße K4) in Neuehrenfeld entdeckte ich das gleiche noch einmal.

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„Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.“ (Hänsel und Gretel, Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Stelle 15). Was die Hexe im Märchen sagt, könnte heute der verirrte Mann sagen: „Liebes Kind, hast du dir wehgetan? Nicht weinen, ich habe ein Pflaster dabei. Bei mir geschieht dir kein Leid.“

Das Plakat, das so freundlich und harmlos daherkommt, ist voller sexueller Anspielungen. Um das zu verdeutlichen, habe ich die zentralen Details umkringelt.

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Das Mädchen ist kurz vor der Pubertät, neun oder zehn Jahre alt. Es fährt so wild, dass nicht nur die langen Haare fliegen, sondern kleine Steine und Schmutzbrösel hoch spritzen. Die Kleine trägt einen Sicherheitshelm und ein Kleinkinder-Kleidungsstück, ein Latz- Spielhöschen. Ihre Beine sind gespreizt. Zwischen den kurzen Hosenbeinen ist (im „Schritt“) eine kompakte Hosennaht zu erkennen. Diese Naht fällt durch ein paar leuchtend blaue Farbflecken ins Auge, denn die Jeans ist an dieser Stelle unregelmäßig ausgewaschen. Das Mädchen hat sich schmutzig gemacht (bzw. die Bildbearbeitung lässt es schmutzig erscheinen), nur das Knie ist sauber geblieben, „wie geleckt“. Das Hansaplast-Schutzschild rückt das saubere Knie mit dem perfekt sitzenden sauberen Pflaster (und einer schwachen Hautrötung unterhalb des Pflasters) in den Bild-Mittelpunkt.

Die Spitze des Hansaplast-Schutzschildes zeigt auf das rechte Hosenbein, das ein wenig vom nackten Oberschenkel absteht. Das Hosenbein ist ausgebeult, denn offenbar haben sich hier Steine verfangen. Männerphantasien: Wer mag der Herr wohl sein, der die Steinchen aus dem Hosenbein pickt? Ich finde es unverantwortlich und beschämend, dass die Stadt Köln (unseren!) öffentlichen Raum für diese Werbung zur Verfügung stellt.

Vermutlich haben dem Mädchen die Foto-Aufnahmen sogar Spaß gehabt. Denn Kinder wissen nicht, was sie tun. Außerdem bekommen sie etwas zurück: Geld. Ich persönlich kenne einen hübschen elfjährigen Knaben, dessen Eltern das Geld, das er sich als Klamotten-Model verdient, „für die Ausbildung“ zurücklegen. Und ich weiß von einem damals 13jährigen Mädchen, das für eines der Stay-Friends– „Klassenfotos“, die uns vormachen, sie seien „echt“, gemodelt hat.

Aktuell ist diese Pflasterwerbung auch eine Werbung für die Corona-Kinder-Impfung, denn das kleine Pflaster (auch wenn es hier das für eine Impfung gänzlich ungeeignete Knie ziert), ist das Symbol schlechthin: Ich bin geimpft. Gottseidank ist die Bundesregierung bei ihrem Vorhaben, allen Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren ein „Impfangebot“ zu machen, gebremst worden, denn die ansonsten impffreudige Ständige Impfkommission (STIKO) hat bislang nur eine eingeschränkte Empfehlung ausgesprochen. Dass Prof. Dr. Thomas Mertens, Vorsitzender der STIKO, Mitte Juli den Mut hatte, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sagen, dass er seine Enkelkinder nicht impfen lassen würde, finde ich großartig.

Dass der Zusammenhang zwischen Werbung und Kinderpornografie auch (oder gerade?) von den Experten nicht erkannt wird bzw. verdrängt werden muss, bezeugt ein Beitrag in der Ärztezeitung aus dem Jahr 2014. In einem Interview kommt Prof. Dr. Tillmann Krüger zu Wort, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie in Hannover. https://www.aerztezeitung.de/Politik/Jeder-einzelne-verhinderte-Uebergriff-lohnt-den-Aufwand-244685.html

Prof. Dr. Tillman Krüger ist als Arzt auch Leiter des Präventionsprojektes „Dunkelfeld“ an der Medizinischen Hochschule Hannover. Das Projekt „Dunkelfeld“, das es mittlerweile an zahlreichen deutschen Hochschulen gibt (in Sachsen-Anhalt auch als digitales Angebot), hatte seinen Ursprung in Jahr 2005, als man mit einer Werbe-Kampagne auf ein besonderes Therapie-Angebot am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité aufmerksam machte. Der Slogan: Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?

Ziel von „Dunkelfeld“ ist es, „sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet (sogenannte Kinderpornografie) zu verhindern.“ Im Interview erklärt Tillmann Krüger, was unter Prävention zu verstehen ist: „Menschen mit pädophilen Neigungen sollen lernen, ihr Verhalten zu kontrollieren und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, damit sie keine sexuellen Übergriffe auf Kinder oder Jugendliche begehen.“

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Krüger,

ich persönlich unterstütze grundsätzlich den Gedanken der Prävention, nur fürchte ich, dass er permanent konterkariert wird, denn Männer mit pädophilen Neigungen werden in der hypersexualisierten Gesellschaft ununterbrochen mit Reizen gefüttert. Die Werbung, die wir seit Jahrzehnten zu sehen bekommen, auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ist gespickt mit sexuellen Anspielungen. Wie aber sollen Männer mit pädophilen Neigungen lernen, ihr Verhalten zu kontrollieren, wenn die Werbung auf Kontrollverlust abzielt?

Der wohl bekannteste Werbespruch mit verklemmt-sexuellem Unterton stammt aus dem Jahr 1969 und hat damals die Erwachsenen zum Schmunzeln gebracht. Es ist der doppeldeutige Satz, den man einem kleinen Mädchen zwecks TV-Werbung für die COLGATE-Zahnpasta in den Mund gelegt hat: Mutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebohrt. Im Werbespot sehen wir nicht nur das eine kleine Mädchen im blauen Röckchen, das freudestrahlend aus der Zahnarzt-Praxis gelaufen kommt, sondern später noch etwa dreißig weitere Kinder: Die Mädchen stehen in kleinen Gruppen um Tische herum und putzen sich eifrig die Zähne. Sie alle tragen weiße (weiß wie Zähne) Hemdchen und kurze rote Höschen.

Im Interview mit der Ärztezeitung sagen Sie: „Sicher, aber man kann die Betroffenen nicht mit Scheuklappen durchs Leben gehen lassen. Sie werden Kinder im knappen Höschen am Strand sehen. Sie werden auch mal Schwimmen gehen wollen. Aber in kritischen Situationen gilt es zu sagen, „Mensch, da gehe ich nicht mehr hin“. Oder „Ich geh nur schwimmen, wenn da keine Kinder sind.“

Männer mit pädophilen Neigungen müssen nicht -wie Ihre Sätze suggerieren- an den Strand gehen, um „Kinder im knappen Höschen“ zu sehen.

Ein Hansaplast-TV-Werbefilm aus dem Jahr 2015, der an einem feinsandigen, sauberen Strand spielt, setzt auf die Farbe Blau: Der blaue Himmel, das blaue Meer, blau gekleidete Personen. Das kurze Höschen des kleinen Mädchens ist sandfarben. Ihr leicht verwundeter Finger, den die Mutter mit einem Pflaster umwickelt, ist mit blondem Flaum behaart. Am Schluss des Spots sitzt das Mädchen im Sand. Die Hosenbeine stehen leicht von den Schenkeln ab. Eine Männerphantasie: Wenn sich nur Sand (und meine Hand) darin verfinge. Aus eigener Erfahrung mit kleinen Kindern am Strand kommt mir ein Satz in den Sinn, den ich einmal auf einer Postkarte gelesen habe: Damned Sand gets into everything.

Mit Hansaplast in der Reiseapotheke für die Ferien vorsorgen: Nie war der Badestrand so sauber wie heute.

GroKo stoppen! Teil 1: Karo Lusche(t)

Müssen Bundes-Kanzlerkandidaten eigentlich ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen?

Dass die Frage so abwegig nicht ist, bestätigt ein Blick ins Internet. In Zeiten, wo sich die Volksvertreter von den Bürgerinnen und Bürgern zunehmend bedroht fühlen, von uns, dem Volk, wachsen Nervosität und Unsicherheit: „Bielefeld. Der NRW-Landtag will die Sicherheit erhöhen und seine Regeln verschärfen. Das berichtet die in Bielefeld erscheinende „Neue Westfälische“ (Samstagsausgabe). Mitarbeiter von Abgeordneten sollen künftig verpflichtet werden, ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Abgeordnete sollen bei bei Störungen im Landtag mit einem Ordnungsgeld von 1.000 Euro belegt werden können. Anlass seien unter anderem die Vorfälle im Bundestag, bei denen Besucher Abgeordnete bedrängt hatten. Der Gesetzesentwurf wird jetzt in den Fraktionenberaten.https://www.presseportal.de/pm/65487/4904493 (Kleine Anmerkung: Ich habe, damit man mir keine Zitierfehler vorwirft, die Fehler mitzitiert.)

Im Vorfeld der Bundestagswahl im September wurden unlängst, wie zu hören und zu lesen war, die Lebensläufe von Kanzlerkandidatin und Kanzlerkandidat überprüft. Daraufhin musste Annalena Baerbock ungenaue Angaben zu ihrer beruflichen und akademischen Laufbahn korrigieren. In einem TAZ-Artikel mit der unverschämtem Schlagzeile Kanzlerkandidatin trotz Lebenslauf, was so klingt, als sei Frau Baerbock vorbestraft, fasst ein Autor namens Julian Jestadt am 12.6. zusammen, was in verschiedenen Viten nicht korrekt oder nur unvollständig angegeben war. Zum Beispiel kann Annalena Baerbock zwar einen Master-, aber keinen Bachelor-Abschluss vorweisen, den zu haben sie selber nie behauptet hat, wohl aber die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung. Ich möchte den Artikel empfehlen, denn er ist eine genau gearbeitete journalistische Fleißarbeit und sehr Informativ: https://taz.de/Gruenen-Politikerin-Annalena-Baerbock/!5778473/

Was man Frau Baerbock vorwirft, ist banal. Und warum interessiert man sich für die Lebensdaten, nicht aber für den Menschen? Ich glaube, Annalena Baerbock ist nicht nur klug, sondern warmherzig und respektvoll. Sie besitzt nicht die politische Leidenschaft einer Petra Kelly, aber sie ist weniger zerbrechlich. Sie ist dickfellig genug, Nörgeleien und Anfeindungen an sich abprallen zu lassen. Und sie ist bereit mitzuspielen auf einer politischen Bühne, wo Eitelkeit, Geldgier, Vetternwirtschaft, Macht und Marketing längst die Hauptrollen spielen.

Meine Empfehlung zur Bundestagswahl: Annalena wählen!

Doch nach aktuellen Umfragen liegen CDU/CSU vorne. Markus Söder reibt sich lachend die Hände: „Die Grünen haben in der letzten Zeit ein Eigentor nach dem anderen geschossen. Die Eignungsprüfung fürs Kanzleramt haben sie jedenfalls nicht bestanden.“ https://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2021-im-news-ticker-attacke-von-soeder-den-gruenen-kann-man-die-fuehrung-deutschlands-nicht-anvertrauen_id_13287063.html

Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ich schaue mir den Kandidaten der CDU an. Mich interessieren weder Mitgliedschaften noch akademische Titel, mich interessiert Armin Laschet.

Fast dankbar bin ich Armin Laschet dafür, dass er sich vor sechs Jahren einmal so verhalten hat, wie einer sich nur verhält, wenn er meint, unbeobachtet zu sein. In verschiedenen Zeitungen wurde jetzt an eine Provinzposse erinnert, die sich weitab von der Hauptstadt abgespielt hat, und zwar im äußersten Westen der Republik. Wäre Laschet im Jahr 2015 nicht CDU-Landtagsfraktionschef gewesen, sondern schon Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, was er zwei Jahre später wurde, hätte die Sache gewiss mehr Aufsehen erregt.

Leider wurde in allen aktuellen Artikeln, die ich gelesen habe, die Geschichte verkürzt dargestellt und der Skandal zum Kavaliersdelikt heruntergespielt. Daher zitiere ich den präzisen Wikipedia – Eintrag. Ich habe das, was scheinbar nebensächlich ist, „fett“ markiert.

„… Von 1999 bis 2015 hatte Laschet einen Lehrauftrag an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, den er zurückgab, nachdem von ihm zu korrigierende Klausuren im MasterfachPolitikwissenschaft „auf dem Postweg abhandengekommen“ sein sollen und er die Noten anhand seiner Aufzeichnungen „rekonstruiert“ hatte. Dieses Vorgehen war unter anderem dadurch aufgefallen, dass einige Studierende eine Benotung erhielten, obwohl sie an der Klausur nicht teilgenommen hatten. Bereits vor der Rückgabe des Lehrauftrages durch Laschet zog die Hochschule die Konsequenz, ihn künftig Lehrveranstaltungen nur noch in Form von Zusatzkursen ohne Prüfungsleistung anbieten zu lassen. Laschets Glaubwürdigkeit im akademischen Bildungsbereich galt durch den Skandal als erschüttert.[117][118][119] …“

Indem sie ihm die Prüfungsberechtigung entzog, degradierte die Universitätsleitung den Polit-Promi Armin Laschet. Die Entscheidung, ihn nicht zu entlassen, war dennoch fair, denn so gab man Laschet die Möglichkeit, den Lehrauftrag „freiwillig“ zurückzugegeben.

Doch kann man einem Mann, dessen Glaubwürdigkeit im akademischen Bildungsbereich als erschüttert galt und wohl immer noch gilt, im politischen Bereich Glauben schenken? Wie konnte Laschet zwei Jahre später Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden? Und wie kann es jemand nach solch einem Skandal überhaupt wagen, für das Amt des Bundeskanzlers zu kandidieren?

Zwar ist der Skandal sechs Jahre her, doch derzeit hochaktuell. Denn es geht hier um das Fehlverhalten eines Mannes, der Bundeskanzler werden will. Allerdings hat die Geschichte auch eine gewisse Tragikomik. Wer über Laschet lachen will, lese bitte folgenden wunderbar plastischen Artikel aus dem Jahr 2015: https://www.welt.de/politik/deutschland/article141847297/Laschet-gibt-Lehrauftrag-nach-Noten-Skandal-auf.html

Es gibt da noch ein anderes Detail im Lebenslauf: Armin Laschet hat seinerzeit die neunte oder zehnte Schulklasse wiederholen müssen. Es gibt da widersprüchliche Angaben. Version 1: „Er besuchte von 1971 bis 1976 das Rhein-Maas-Gymnasium Aachen, wo er das Klassenziel der 9. Klasse nicht erreichte.“ (Wikipedia) Version 2: „Laschet bleibt in der zehnten Klasse auf dem technisch geprägten städtischen Rhein-Maas-Gymnasium sitzen.“ (Der Machtmenschliche: Armin Laschet. Die Biographie) Ich habe nachgerechnet, was nicht schwer ist: Version 1 ist korrekt.

Dass Laschet eine Klasse wiederholt hat, ist mir durchaus sympathisch. Mit 15 oder 16 Jahren hat man anderes im Kopf als Schule. Wir werden erwachsen, wir realisieren, dass das Leben endlich ist, wir fragen nach dem Sinn des Lebens. Was interessiert da der Unterschied zwischen Gerundium und Gerundivum bzw. zwischen Lanzettfischchen und Neunauge? Sitzenbleiben gehört abgeschafft.

Da Laschet Kanzler werden will, könnte es schon ein Problem sein, einmal das „Klassenziel“ nicht erreicht zu haben, zumal Amtsinhaberin Angela Merkel kein einziges Mal sitzengeblieben ist und einen Abi-Durchschnitt von 1,0 vorweisen kann. Unserer Bundeskanzlerin, so hörte ich einmal, könne man keine größere Freude machen, als sie nach ihrem Abi-Durchschnitt zu fragen.

Anfang des Jahres könnte ein PR-Berater auf Laschet zugekommen sein:

„Armin, du willst doch Bundeskanzler werden. Und deshalb müssen wir dringend deinen „Wikipedia“-Eintrag überarbeiten. Ich weiß, es ist ein wunder Punkt, aber jetzt, wo „Wikipedia“ 20 Jahre alt wird und alle vor „Wikipedia“ den Hut ziehen, muss dort stehen, dass du einmal eine Klasse wiederholt hast.“ Laschet schüttelt heftig den Kopf.

„Armin, sei vernünftig. Dass du eine Klasse wiederholt hast, ist längst öffentlich. Das kann jeder in deiner neuen Biographie nachlesen. „Der Machtmenschliche. Armin Laschet: Die Biographie.““

„Aber das ist es ja“, sagt Laschet. „Da steht es falsch. Ich habe doch nicht das zehnte, sondern das neunte Schuljahr wiederholt. Ich habe den Autoren gesagt, dass ich die Versetzung in die zehnte Klasse nicht geschafft habe. Aber der Moritz Küpper und der Tobias Blasius haben daraufhin geschrieben, dass ich in der zehnten Klasse sitzengeblieben bin. Und jetzt soll ich die Fehler der Autoren ausbaden? Niemals!“

„Armin, beruhige dich. Vor den GRÜNEN musst du keine Angst haben. Die gucken deine Vita nicht nach Fehlern durch. Ich denke da an den Markus Söder. Der wartet doch nur darauf, dass du einen Fehler machst.“

„Wie meinst du das?“

„Armin, die Chancen, dass du Kanzlerkandidat wirst, stehen gut. Der Söder ist weder blöde noch öde, der ist ein großer starker Mann, ein Holzfäller, der vielen gefällt, aber die CDU wird nicht zulassen, dass ein CSU-Mann Kanzlerkandidat wird. Aber wenn der Söder publik macht, dass du da etwas verschweigst, könnte dich das die Kanzlerkandidatur kosten.“

Laschet seufzt: „Aber fällt das nicht erst recht auf, wenn es jetzt plötzlich da steht… Das sieht so aus, als hätte ich meine Ehrenrunde bewusst über all die Jahre verschwiegen.“

„Armin, wenn wir es nicht noch im Januar ändern, könnte man dir später einen Täuschungsversuch unterstellen. Und außerdem: Wer vergleicht schon „Der Machtmenschliche“ mit „Wikipedia“. Und wer guckt schon in die „Wikipedia“ -Versionsgeschichte?“

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Armin_Laschet&diff=prev&oldid=208011037

Herbst 2020: Vor einem Haus am Wartburgplatz in Nippes entdecke ich eine „Zu Verschenken“ – Kiste. Es nieselt. Neben der Kiste liegt mitten auf dem Gehweg eine leicht aufgeweichte, verschmuddelte Spielkarte mit CDU-Aufdruck. Keine gute Werbung. Ich gucke in die Kiste und entdecke neben ein paar Büchern, die auch schon feucht geworden sind, weitere Spielkarten. Aber mich interessiert nur die eine. Wie stehen die Chancen für die CDU bei der Bundestagswahl 2021? Vielleicht kann, vielleicht will mir die Karte das sagen. Soll ich sie umdrehen?

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Ich zögere, sie umzudrehen. Ich habe Angst, dass eine Kreuzdame zum Vorschein kommt, die höchste figürliche Karte im Doppelkopf, oder aber ein Kreuzbube, die höchste figürliche Karte im Skat. Mir klopft das Herz…

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„Beifang“ …  Karo- Lusche(t)… Ich nehme die Karte mit nach Hause, wo sie seitdem den Kühlschrank schmückt…

Wie Annalena Baerbock habe ich Politische Wissenschaften studiert, aber nur bis zur Zwischenprüfung (vergleichbar mit Frau Baerbocks Vordiplom).

Die Lehrveranstaltungen waren öde und uninspirierend. Der Professor, der die Zwischenprüfung abnahm, Thema: „Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland“, war Prof. Dr. Peter Graf von Kielmansegg, ein Erzkonservativer mit großer Angst vor Veränderung. Ich erinnere mich an ein Seminar im Wintersemester 1979/80.

Januar 1980. Gerade war die Partei DIE GRÜNEN gegründet worden. Ich weiß noch, wie Prof Dr. Peter Graf von Kielmansegg wie von einem Insekt gestochen mitten in der Seminar-Stunde aufsprang und in den Raum schrie: „Die GRÜNEN sind eine Eintagsfliege!“ Wir Studenten (pardon, aber wir empfanden uns nicht als „Studierende“) guckten uns an und lachten.

Annnalena wählen!

Elfchen im Fünften: Der Öko-Hund

Auf der Siedlungs-Wiese an der S-Bahn-Trasse wurden vor einigen Jahren neue Bäume gepflanzt. Die Park-Bäumchen stehen isoliert und sind weder durch Unterholz noch durch schattenspendende Nachbarbäume geschützt.

Einzelne Bäume sind eingegangen, wieder andere (die Mehrzahl) hätten die ungewöhnlich trockenen Sommer wohl kaum überlebt, wenn nicht einige Bewohner der autofreien und der benachbarten Wohnsiedlung regelmäßig für Wasser gesorgt hätten. Ein aufwendiges Unternehmen.

Mein Nachbar, der hier Pudel Moritz ausführt, hatte, wenn es heiß war, schon im Jahr 2019 mehrmals täglich bei sich zu Hause zwei große Gießkannen mit Wasser gefüllt. Er hatte sich die schweren Kannen an den Fahrradlenker gehängt und war damit zur ca. 200 m entfernten Wiese gefahren. Das sah bekloppt aus, war aber dringend notwendig.

Im letzten Jahr hat dann der Siedlungs-Verein Nachbarn60 die Initiative ergriffen: „Mitte Juni 2020 hat der Verein Nachbarn60 gegenüber der Stadt Köln eine Patenschaft für die Bäume auf den großen Grünflächen unserer Siedlung übernommen. Die Stadt bzw. die Rheinenergie hat uns für den Sommer 2020 ein Hydranten-Standrohr zur Verfügung gestellt und die Wasserkosten übernommen….“ Weiterlesen und Fotos angucken auf: https://www.nachbarn60.de/baeume-giessen.html

In diesem Jahr wird das sinnvolle und für die Bäume überlebensnotwendige Projekt weiter geführt. Hässliche grüne Kunststoffsäcke, die regelmäßig mit Wasser gefüllt werden und das Wasser über mehrere Tage hinweg gleichmäßig abgeben, zeugen von einer fortschreitenden Katastrophe, die man beschönigend „Klimawandel“ nennt. Hier, wo man anders als im dichten Wald die Bäume zählen kann, geht es um jeden einzelnen Baum. Da helfen keine Klagelieder („Mein Freund der Baum, ist tot“… Alexandra). Da hilft nur Wasser.

Doch das Befüllen macht viel Arbeit. Um auf das Projekt hinzuweisen und Helfer zu finden, hat der Nachbarschaftsverein Schilder an die Bäume gehängt.

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Ich glaub, ich steh im Schilderwald. Dieses ist nur eines von dreißig oder mehr. Hätte es nicht gereicht, nicht an alle betroffenen Bäume, sondern nur an einzelne ein Schild zu hängen? Und warum sagt der Baum „Ich“, warum nicht „Wir“ ? Aber ich meckere jetzt nicht mehr, denn das Projekt ist großartig und ich… drücke mich mal wieder vor der Mitarbeit. 

Ein weiterer Vorteil der Kunststoffsäcke besteht darin, dass die Hunde nicht mehr direkt an den Baumstamm pinkeln können, was den Bäumen ebenfalls schaden kann. https://www.tagesspiegel.de/berlin/hunde-urin-hoelzer-helfen-nicht/202754.html

Ich bat Hund Freki, vierbeiniger Bewohner der autofreien Siedlung Stellwerk 60, uns zu demonstrieren, wie sich der moderne Rüde klima-korrekt verhält, was er auch gleich umgesetzt hat.

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Sophisticated…

Mich hat Frekis vorbildliches Verhalten zum Elfchen des Monats inspiriert:

Wie

raffiniert er

den Sack umdefiniert

und sein Revier markiert!

Wau!!!

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