„Spritztour“ und „Bratwurstimpfen“ – Wie man versucht, uns die Corona-Impfung schmackhaft zu machen

Als das Kölner Großbordell PASCHA noch geöffnet war, begegnete ich einmal auf dem Bahnsteig des nahe gelegenen Nippeser S-Bahnhofs einer Gruppe junger Männer, die einen Junggesellenabschied feierten und mit der Bahn angereist waren.

„Wat kuckst du so, wir sind auf Spritztour“, rief einer der Männer. „Abspritztour“, ergänzte grinsend ein anderer, sammelte Speichel und spuckte direkt vor mir auf den Boden. Wie bei den Junggesellenabschieden im PASCHA üblich, gingen die Männer vermutlich nicht ins PASCHA-Laufhaus, sondern „nur“ in den PASCHANightclub, wo „nur“ mit Champagner gespritzt wurde, was schäbig genug ist. Die Tarife im Nightclub waren: „Gratiszugang für „Senioren“ ab 66, für Geburtstagskinder und Bräutigame auf Junggesellenabschied (für die aber nur freitags). Alle anderen müssen unter der Woche 30, am Wochenende 35 Euro Eintritt für den ­Pascha Nightclub zahlen. Inklusive Alkohol, Stripshow und allem Pipapo.“ Unbedingte Leseempfehlung: https://www.emma.de/artikel/eine-emma-reporterin-im-pascha-bordell-266177

Das Wort „Spritztour“ wird, so denke ich, auch für Internet-Pornos benutzt. Zur Überprüfung setze ich mich an den Rechner. Als ich in die Suchmaschine „Spritztour Porno?“ eingebe, komme ich auf die Seite „Superscharfe Spritztour mit Milena“. Die Bilder, die ich zu sehen bekomme, erspare ich mir zu beschreiben. Ich kotze fast.

Umso erstaunlicher ist es, dass sich der Begriff „Spritztour“ in einer Werbung für eine Corona-Impf-Kampagne der KV (Kassenärztliche Vereinigung) Nordrhein wiederfindet.

„Spritztour“ klingt, als handele es sich bei der Massenimpfung um ein Volksvergnügen. Schamlos ist, eine umstrittene medizinische Maßnahme als Event zu verkaufen. Darüberhinaus ist „Spritztour“ in dem Zusammenhang ein euphemistischer, verschleiernder Begriff, denn…

„Eine Impfung erfüllt aus juristischer Sicht – wie jede andere eingreifende ärztliche Maßnahme auch – zunächst einmal den Tatbestand einer Körperverletzung… Diese Körperverletzung ist nur dann nicht rechtswidrig, wenn ein Rechtfertigungsgrund im juristischen Sinne, bei ärztlichen Eingriffen in der Regel in Form der Einwilligung seitens des Patienten vorliegt.https://www.impf-info.de/component/content/article.html?id=89:impfaufklng-juristisches

Auch aus ethisch-moralischer Sicht ist die Verabreichung einer Spritze eine massive Grenzüberschreitung, denn Medizinerinnen und Mediziner dringen -wenn auch mit steriler Nadel- in einen fremden Organismus ein und verletzen Haut und Gewebe. Manchmal ist diese Verletzung/Selbstverletzung medizinisch unumgänglich, etwa bei der Insulin-Behandlung von Menschen mit Diabetes. Doch sollte man insbesondere gegenüber Kindern, was den Einsatz von medizinischen Nadeln betrifft, zurückhaltend sein. Ich denke da vor allem auch an Blutabnahmen, die man nur im Notfall durchführen sollte.

Injektionsspritzen gibt es übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert. Bei wikipedia lese ich folgendes: „In der Antike und im Mittelalter wurden Substanzen zwar „gespritzt“, jedoch nicht in das Gewebe oder in Gefäße, sondern in frei zugängliche Körperöffnungen.“ Das heißt: Oral, anal, vaginal – und vermutlich auch in die Nasenlöcher und in die Ohren.

Die Impfkampagne „Spritztour“ zu nennen, ist nicht nur harmlos biederwitzig. Unter der verklemmten Vokabel schimmert meines Erachtens etwas durch, das man eine klammheimliche Freude nennen könnte: Ihr kommt alle dran. Und haben nicht vielleicht auch einzelne (natürlich nur einige wenige!) Ärztinnen und Ärzte eine gestörte Lust dabei, Menschen mit medizinischen Instrumenten zu verletzen, sie zu stechen, ihnen etwas zu verabreichen oder in sie hinein zu spritzen? Ungestraft darf auf der Internet-Seite von Thieme, „marktführender Anbieter von Informationen und Services, die dazu beitragen, Gesundheit und Gesundheitsversorgung zu verbessern“ (thieme.de), seit 2014 folgender Text stehen, der heiter daherkommt, aber meines Erachtens verächtlich ist:

Blut abnehmen kann richtig Spaß machen. Das merkt man spätestens im Innere-Tertial im Praktischen Jahr. Dort wird man bei 20 bis 30 Blutabnahmen täglich rasch zum versierten Blutsauger. Die meisten PJler beginnen mit einer eher niedrigen „Trefferquote“, die sich dann bis zum Ende gewaltig hochschraubt. Dann ist selbst die adipöse Asthmatikerin mit quasi inexistenten Unterarmvenen kein Problem mehr: Kanüle rein, Stempel raus – und schon fließt das Blut angenehm rieselnd ins Röhrchen.“ („Dr. med. Gross, Anästhesist in Berlin„) https://www.thieme.de/viamedici/klinik-medical-skills-praxisanleitungen-1551/a/praxisanleitung-blutabnahme-23698.htm

Auch die „Spritztour“ macht den Ärztinnen und Ärzten richtig Spaß, schon deshalb, weil sie ihnen einen guten Zuverdienst sichert. Die Idee, die Kampagne „Spritztour“ zu nennen, hatten dabei wohl kaum die abgebildeten Mediziner, sondern die Mitarbeiter der KV-Presseabteilung. „Spritztour“ kommt so lustig und heiter daher wie „der kleine Pieks“. „Spritztour“ banalisiert, was meines Erachtens unverantwortlich ist.

Denn Impfungen haben unter Umständen katastrophale Folgen für die Geimpften. Was zur Zeit nicht oder nur rudimentär stattfindet, ist eine tatsächliche Aufklärung der Menschen über mögliche Langzeitschäden einer Impfung. Ich komme einmal mehr auf die Schweinegrippe-Impfung, weil wir ihre katastrophalen Folgen als deutliche Warnung verstehen sollten. Die Schweinegrippe-Impfung „wurde bundesweit empfohlen, aber von den Bürgern kaum angenommen. Gott sei Dank, denn die Impfung hatte und hat erhebliche Nebenwirkungen. Bis heute sind alleine in Deutschland mehr als hundert meist junge Menschen an Narkolepsie erkrankt (viele von ihnen erst nach Jahren!). Die Pandemie ist jedoch ausgeblieben, Pandemrix-Dosen im Wert von 20 Millionen Euro mussten vernichtet werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben damals eine unrühmliche Rolle gespielt, indem sie in Sondersendungen für die Impfung geworben haben. https://stellwerk60.com/2020/03/27/zweites-corona-elfchen-coronoia/

Hauptleidtragende waren und sind Kinder und Jugendliche, die deutlich häufiger erkrankten als Erwachsene. Das Schreckliche an der Krankheit: Sie setzt den uns innewohnenden Tag/Nacht-Rhythmus außer Kraft, der es uns ermöglicht, dass wir uns in Raum und Zeit orientieren und nicht „aus der Welt fallen“.

Die Schweinegrippe-Impfung hat zudem gezeigt, dass eine Impfung nach Jahren noch eine schwere Krankheit auslösen kann. Was die „späten Fälle“ betrifft, wird gerne behauptet, die Krankheit wäre bereits kurze Zeit nach der Impfung ausgebrochen, aber erst später aufgefallen. Das ist aber nicht der Fall. Die durch die Schweinegrippe-Impfung verursachte Narkolepsie ist tatsächlich in vielen Fällen erst nach Jahren ausgebrochen. Warum das so ist und überhaupt sein kann, erklärt ein informativer Artikel im Ärzteblatt, den auch medizinische Laien verstehen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63356/Grippeimpfung-Wie-Pandemrix-eine-Narkolepsie-ausloest

Die Schweinegrippe war für Kinder und Jugendliche deutlich gefährlicher als Corona. Insofern war es damals gerechtfertigt, die Impfung für Kinder und Jugendliche anzubieten. Bei Covid 19, einer Krankheit, die Kindern kaum etwas anhaben kann, sieht das ganz anders aus. Kinder dürften (vielleicht bis auf wenige Ausnahmen) nicht gegen Corona geimpft werden! Die Impfung ist unverhältnismäßig, denn der „Nutzen“, den Kinder von der Impfung haben, steht in keinem Verhältnis zu den Risiken.

Ich kann verstehen, dass Menschen sich impfen lassen, um nicht weiter gemobbt und denunziert zu werden, wie es impfskeptischen Menschen zunehmend passiert. Ich kann verstehen, dass Menschen sich impfen lassen, um Freiheiten zurück zu bekommen. Doch diese Freiheit hat einen schalen Beigeschmack, denn auch und gerade die „Befreiten“ sind an der langen Leine einer Gesundheitspolitik, die sich zunehmend als autoritär und freiheitsberaubend entpuppt.

Ich kenne Menschen, die sich impfen lassen, weil sie völlig überzogene Krankenkassenbeiträge bezahlen und endlich etwas vermeintlich Wertvolles, als das uns die Impfung verkauft wird, zurückhaben wollen. Auch das verstehe ich. Was ich nicht verstehen kann, ist, dass man sich mit einer Portion Heimatgefühl und einer Thüringer Rostbratwurst ködern lässt, so gerne ich die ab und an esse, aber nur mit viel Senf.

Keine Satire:

„… Eine Bratwurst als Belohnung hat der Impfstelle im südthüringischen Sonneberg am Freitag einen regelrechten Ansturm auf COVID-19-Impftermine beschert. Bis zum Nachmittag kamen nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) 250 Menschen, um sich neben der Spritze in den Oberarm auch noch die kulinarische Spezialität abzuholen.“ u.a.: https://www.tagesschau.de/ausland/corona-liveblog-freitag-101.html#Bahn-Gewerkschaft-Zug-Personal-kein-Impfpass-Kontrolleur

Im Kölner REWE gibt es sogar Thüringer Kartoffelpuffer:

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Heichelheimer Kartoffelpuffer: Dass sich Produkte aus dem deutschen Osten im deutschen Westen gut verkaufen, ist gewiss auch unserer Bundeskanzlerin zu verdanken.  Mit frischen Kölner Rievkooche können die Frost-Puffer allerdings nicht konkurrieren. Angela Merkel stammt übrigens nicht aus Thüringen, sondern aus Brandenburg. Und eine Heichlerin ist sie auch nicht.

„Unser bester Schutz“ – Die aktuelle HANSAPLAST-Werbung dürfte gestörte Männer zum Konsum von Kinderpornos ermuntern!

Auf der Internetseite des BKA heißt es: „Kinderpornografie ist die fotorealistische Darstellung des sexuellen Missbrauchs einer Person unter 14 Jahren (Kind). Der Herstellung solcher Darstellungen liegt ein realer (oft schwerer) sexueller Missbrauch zugrunde. Durch die (weltweite) Verbreitung und Verfügbarkeit erfolgt eine dauerhafte Viktimisierung der Opfer.https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/Kinderpornografie/kinderpornografie_node.html

Beim BKA gehen jeden Tag zig Meldungen zu Kinderpornografie im Internet ein. Diese Meldungen werden sehr ernst genommen und konsequent verfolgt, denn hinter den Bildern und Filmen verbergen sich reale Fälle von Missbrauch.

Das Internet ist eine Fundgrube für Kinderpornografie. Es bedient Exhibitionisten und Spanner, denn es gestattet nicht nur die Zurschaustellung der sexuellen Misshandlung, sondern auch das (unbeobachtete!) Zuschauen. Darüberhinaus ermöglicht es gestörten Männern (es sind in aller Regel Männer), das „Material“ zu sammeln und weiterzugeben.

Doch so wichtig das Aufdecken der Missbrauchs-Fälle ist – Ist die Fokussierung auf das Internet nicht (auch) ein Ablenkungsmanöver? Denn krankhafte Neigungen finden nicht nur im Netz Nahrung. Kinder, denen noch nicht bewusst ist, dass man ihr Vertrauen in die Erwachsenenwelt schamlos missbraucht, werden immer mehr (und das öffentlich und legal!) für Werbezwecke instrumentalisiert. Im Zusammenhang mit dem Fall Edathy schreibt die Journalistin Andrea Roedig im Jahr 2015: „Der Pädosexuelle rührt an ein Tabu, doch die empörte Zurückweisung seines Begehrens ist problematisch. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er auch als Sündenbock fungiert... Am Schreckbild des Kinderschänders entlädt sich das schlechte Gewissen einer hypersexualisierten Gesellschaft, in der noch jede Zahnpasta-Reklame voll ist mit Anspielungen aufs Geschlecht. Wir alle schauen ja die ganze Zeit auf mehr oder weniger offen erotisierte Bilder – auch von Kindern und Jugendlichen.https://www.deutschlandfunkkultur.de/paedophilie-was-der-fall-edathy-ueber-unsere-gesellschaft.2162.de.html?dram:article_id=312340

Wir erleben eine unannehmbare gesellschaftliche Doppelmoral. Während man vorgibt, zum Wohle der Kinder zu handeln, stellt unter dem Deckmantel von Schutz und Sicherheit insbesondere die Werbung für Hygiene- und Gesundheitsartikel Kinder in fragwürdigen Posen dar, die perverse Gelüste anstacheln und bedienen. Ich sehe hierin einen Missbrauch der kindlichen Unschuld. In dem Zusammenhang wollte ich mir die aktuelle Hansaplast-Plakatwerbung am Nippeser Bahnhof (vgl. vorheriger Blog-Beitrag) noch einmal genauer anschauen, aber das Plakat ist mittlerweile entfernt worden. An der Ecke Liebigstraße/Herkulesstraße (direkt über dem Tunnel der A57/Teilstück Schnellstraße K4) in Neuehrenfeld entdeckte ich das gleiche noch einmal.

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„Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.“ (Hänsel und Gretel, Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Stelle 15). Was die Hexe im Märchen sagt, könnte heute der verirrte Mann sagen: „Liebes Kind, hast du dir wehgetan? Nicht weinen, ich habe ein Pflaster dabei. Bei mir geschieht dir kein Leid.“

Das Plakat, das so freundlich und harmlos daherkommt, ist voller sexueller Anspielungen. Um das zu verdeutlichen, habe ich die zentralen Details umkringelt.

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Das Mädchen ist kurz vor der Pubertät, neun oder zehn Jahre alt. Es fährt so wild, dass nicht nur die langen Haare fliegen, sondern kleine Steine und Schmutzbrösel hoch spritzen. Die Kleine trägt einen Sicherheitshelm und ein Kleinkinder-Kleidungsstück, ein Latz- Spielhöschen. Ihre Beine sind gespreizt. Zwischen den kurzen Hosenbeinen ist (im „Schritt“) eine kompakte Hosennaht zu erkennen. Diese Naht fällt durch ein paar leuchtend blaue Farbflecken ins Auge, denn die Jeans ist an dieser Stelle unregelmäßig ausgewaschen. Das Mädchen hat sich schmutzig gemacht (bzw. die Bildbearbeitung lässt es schmutzig erscheinen), nur das Knie ist sauber geblieben, „wie geleckt“. Das Hansaplast-Schutzschild rückt das saubere Knie mit dem perfekt sitzenden sauberen Pflaster (und einer schwachen Hautrötung unterhalb des Pflasters) in den Bild-Mittelpunkt.

Die Spitze des Hansaplast-Schutzschildes zeigt auf das rechte Hosenbein, das ein wenig vom nackten Oberschenkel absteht. Das Hosenbein ist ausgebeult, denn offenbar haben sich hier Steine verfangen. Männerphantasien: Wer mag der Herr wohl sein, der die Steinchen aus dem Hosenbein pickt? Ich finde es unverantwortlich und beschämend, dass die Stadt Köln (unseren!) öffentlichen Raum für diese Werbung zur Verfügung stellt.

Vermutlich haben dem Mädchen die Foto-Aufnahmen sogar Spaß gehabt. Denn Kinder wissen nicht, was sie tun. Außerdem bekommen sie etwas zurück: Geld. Ich persönlich kenne einen hübschen elfjährigen Knaben, dessen Eltern das Geld, das er sich als Klamotten-Model verdient, „für die Ausbildung“ zurücklegen. Und ich weiß von einem damals 13jährigen Mädchen, das für eines der Stay-Friends– „Klassenfotos“, die uns vormachen, sie seien „echt“, gemodelt hat.

Aktuell ist diese Pflasterwerbung auch eine Werbung für die Corona-Kinder-Impfung, denn das kleine Pflaster (auch wenn es hier das für eine Impfung gänzlich ungeeignete Knie ziert), ist das Symbol schlechthin: Ich bin geimpft. Gottseidank ist die Bundesregierung bei ihrem Vorhaben, allen Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren ein „Impfangebot“ zu machen, gebremst worden, denn die ansonsten impffreudige Ständige Impfkommission (STIKO) hat bislang nur eine eingeschränkte Empfehlung ausgesprochen. Dass Prof. Dr. Thomas Mertens, Vorsitzender der STIKO, Mitte Juli den Mut hatte, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sagen, dass er seine Enkelkinder nicht impfen lassen würde, finde ich großartig.

Dass der Zusammenhang zwischen Werbung und Kinderpornografie auch (oder gerade?) von den Experten nicht erkannt wird bzw. verdrängt werden muss, bezeugt ein Beitrag in der Ärztezeitung aus dem Jahr 2014. In einem Interview kommt Prof. Dr. Tillmann Krüger zu Wort, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie in Hannover. https://www.aerztezeitung.de/Politik/Jeder-einzelne-verhinderte-Uebergriff-lohnt-den-Aufwand-244685.html

Prof. Dr. Tillman Krüger ist als Arzt auch Leiter des Präventionsprojektes „Dunkelfeld“ an der Medizinischen Hochschule Hannover. Das Projekt „Dunkelfeld“, das es mittlerweile an zahlreichen deutschen Hochschulen gibt (in Sachsen-Anhalt auch als digitales Angebot), hatte seinen Ursprung in Jahr 2005, als man mit einer Werbe-Kampagne auf ein besonderes Therapie-Angebot am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité aufmerksam machte. Der Slogan: Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?

Ziel von „Dunkelfeld“ ist es, „sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet (sogenannte Kinderpornografie) zu verhindern.“ Im Interview erklärt Tillmann Krüger, was unter Prävention zu verstehen ist: „Menschen mit pädophilen Neigungen sollen lernen, ihr Verhalten zu kontrollieren und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, damit sie keine sexuellen Übergriffe auf Kinder oder Jugendliche begehen.“

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Krüger,

ich persönlich unterstütze grundsätzlich den Gedanken der Prävention, nur fürchte ich, dass er permanent konterkariert wird, denn Männer mit pädophilen Neigungen werden in der hypersexualisierten Gesellschaft ununterbrochen mit Reizen gefüttert. Die Werbung, die wir seit Jahrzehnten zu sehen bekommen, auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ist gespickt mit sexuellen Anspielungen. Wie aber sollen Männer mit pädophilen Neigungen lernen, ihr Verhalten zu kontrollieren, wenn die Werbung auf Kontrollverlust abzielt?

Der wohl bekannteste Werbespruch mit verklemmt-sexuellem Unterton stammt aus dem Jahr 1969 und hat damals die Erwachsenen zum Schmunzeln gebracht. Es ist der doppeldeutige Satz, den man einem kleinen Mädchen zwecks TV-Werbung für die COLGATE-Zahnpasta in den Mund gelegt hat: Mutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebohrt. Im Werbespot sehen wir nicht nur das eine kleine Mädchen im blauen Röckchen, das freudestrahlend aus der Zahnarzt-Praxis gelaufen kommt, sondern später noch etwa dreißig weitere Kinder: Die Mädchen stehen in kleinen Gruppen um Tische herum und putzen sich eifrig die Zähne. Sie alle tragen weiße (weiß wie Zähne) Hemdchen und kurze rote Höschen.

Im Interview mit der Ärztezeitung sagen Sie: „Sicher, aber man kann die Betroffenen nicht mit Scheuklappen durchs Leben gehen lassen. Sie werden Kinder im knappen Höschen am Strand sehen. Sie werden auch mal Schwimmen gehen wollen. Aber in kritischen Situationen gilt es zu sagen, „Mensch, da gehe ich nicht mehr hin“. Oder „Ich geh nur schwimmen, wenn da keine Kinder sind.“

Männer mit pädophilen Neigungen müssen nicht -wie Ihre Sätze suggerieren- an den Strand gehen, um „Kinder im knappen Höschen“ zu sehen.

Ein Hansaplast-TV-Werbefilm aus dem Jahr 2015, der an einem feinsandigen, sauberen Strand spielt, setzt auf die Farbe Blau: Der blaue Himmel, das blaue Meer, blau gekleidete Personen. Das kurze Höschen des kleinen Mädchens ist sandfarben. Ihr leicht verwundeter Finger, den die Mutter mit einem Pflaster umwickelt, ist mit blondem Flaum behaart. Am Schluss des Spots sitzt das Mädchen im Sand. Die Hosenbeine stehen leicht von den Schenkeln ab. Eine Männerphantasie: Wenn sich nur Sand (und meine Hand) darin verfinge. Aus eigener Erfahrung mit kleinen Kindern am Strand kommt mir ein Satz in den Sinn, den ich einmal auf einer Postkarte gelesen habe: Damned Sand gets into everything.

Mit Hansaplast in der Reiseapotheke für die Ferien vorsorgen: Nie war der Badestrand so sauber wie heute.

Elfchen im Siebten: Heile, Heile Welt

Heile,

Heile Welt:

Ein Scherbenhaufen. Aber

Das Pflaster das hält…

Sauber!

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Donnerstag, 24.6.2021,  S-Bahnhof Köln-Nippes, Ostseite. Zum Glück bin ich nicht mit dem Fahrrad, sondern zu Fuß unterwegs. Anders als mein Hund, der mich begleitet, trage ich Schuhe. Wir machen einen Bogen um den (immerhin ordentlich zusammengekehrten) Glasmüll-Haufen.                                                                 Bei den Remondis-Glascontainern, die in Köln zum Einsatz kommen, handelt sich um sogenannte „Hubbehälter“. Das weiß ich aus dem Internet.  Bei austria glasrecycling finde ich eine präzise Beschreibung: „Hubbehälter: Der Glasbehälter wird mit einem Spezialkran über den Sammel-Lkw gehoben, die Bodenklappe wird geöffnet und das Altglas in den Sammelbehälter entleert…“  https://www.agr.at/glasrecycling/glascontainer-glassammel-lkw  Achtung, Aussprache: Man sagt nicht Hubbe-Hälter, sondern Hub-Behälter. Eine gute Technik, denn auf diese Weise können auch größere Mengen an Glasmüll unter Kontrolle gebracht und zügig weitertransportiert werden.                                                                                                       Doch in der Praxis gibt es ein Restrisiko (entfernt vergleichbar mit den Nebenwirkungen einer Impfung bzw. einer Medikamenten-Einnahme). Denn manchmal löst sich die Bodenklappe zu früh. Wer hier in Nippes versagt hat, ob der Mensch oder die Technik, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Immerhin war, als ich am nächsten Tag an der Stelle vorbeiging,  der Scherbenhaufen (restlos!) entfernt.

Während die alte Welt zusammenbricht, errichtet man eine schöne neue, allgegenwärtige Werbe-Welt. Ihre Versprechen lauten: Sauberkeit, Gesundheit, Ordnung, Wohlstand, Schönheit, Wohlbefinden, Glück und Sicherheit. Unannehmbar ist, dass die Werbung zunehmend diejenigen instrumentalisiert, die sich nicht wehren können: Die Kinder.

Was uns die Plakatwerbung im Hintergrund erzählt: Ein Mädchen sitzt auf einem Go-Kart. Die Beine sind gespreizt, die Haare wild zerzaust, das Kind fährt verwegen, ist aber durch einen Sicherheitshelm vor schweren Blessuren geschützt. Kleine Verletzungen steckt es locker weg. Wie gut, dass es Hansaplast gibt.

„UNSER BESTER SCHUTZ“  (Hansaplast-Werbeslogan)

 

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Ein kleines Pflaster: Hansaplast-Schutzschild. Kleine Pflaster sind voll im Trend. Doch anders als die kleinen bunten symbolischen Pflaster, die derzeit auf Impf-Werbe-Plakaten heiter-lustig die Oberarme zahlreicher Medien-Promis zieren bzw. die (nicht immer vorhandene) Einstichstelle markieren, ist dieses Photoshop-Pflaster beige bzw. „hautfarben“.

Elfchen im Sechsten: „Kinderfrüherkennung“

Kennst

du das

Land, wo schon

Kleinkinder zur Musterung müssen?

Dahin!

Eine deutsche Großstadt, Frühjahr 2021: Ein acht Monate altes Mädchen bekommt hohes Fieber. Die Mutter des Kindes vermutet das Drei-Tage-Fieber, eine harmlose Kinderkrankheit, die sie schon bei ihrem älteren Kind miterlebt hat. Es ist selbst für Ärzte nicht so einfach, das Drei-Tage-Fieber zu diagnostizieren: Der für die Krankheit typische Hautausschlag stellt sich verspätet ein, in der Regel erst dann, wenn das Kind kein Fieber mehr hat. Da die junge Frau sich nicht ganz sicher ist, geht sie mit dem Kind zur Kinderärztin.

Es könne das Drei-Tage-Fieber sein, sagt die Kinderärztin, aber das hohe Fieber sei besorgniserregend und könne ein Hinweis sein auf eine Nierenbeckenentzündung. Die komme bei kleinen Mädchen gar nicht so selten vor und müsse wegen drohender Langzeitschäden sofort behandelt werden. Um sicher zu gehen, überweist sie das Kind ins Krankenhaus.

Im Krankenhaus wird ein Corona-Test durchgeführt. Das Kind darf dabei auf dem Schoß der Mutter sitzen und hält still. Der Test ist negativ. Man ordnet eine Blutuntersuchung an, um weitere Krankheiten auszuschließen. Ob ihr Kind nicht am Drei-Tage-Fieber erkrankt sein könne, wendet die Mutter ein, findet aber kein Gehör. Man nimmt dem Kind Blut ab, was für das Kind furchtbar ist. Es schreit, schlägt um sich und windet sich. Eine Mitarbeiterin legt sich auf das Kind, eine andere dreht dem Mädchen den Kopf zur Seite.

Im Anschluss an die Blutabnahme lässt sich das Kind kaum noch beruhigen, es weint und schreit. Die Blut-Werte sind „unauffällig“, aber man will einen Zugang legen. Das Kind soll im Krankenhaus bleiben, da man es weiter „beobachten“ will. Die Mutter übernachtet bei dem Kind, darf es aber nicht zu sich ins Bett nehmen. Sie rückt das Kinderbett an ihres heran und öffnet das Gitter. So beruhigt sich das Kind. Die Mutter kann nicht schlafen. Sie hat Angst um ihr Kind, nicht wegen einer möglichen schweren Krankheit, an die sie nicht glaubt, sondern wegen der ärztlichen Maßnahmen.

Am nächsten Tag fühlt sich das medizinische Personal nicht für das Kind zuständig. Die Mutter wartet stundenlang auf einen Arzt, der sich angekündigt hat, aber nicht kommt. So nimmt sie ihre Tochter auf eigene Verantwortung mit nach Hause. Zwei Tage später klingt das Fieber ab, und das Kind bekommt den Hautausschlag, der für das Drei-Tage-Fieber typisch ist.

Wenige Tage später ist das Kind wieder gesund. Die junge Frau geht einkaufen, legt ihr Kind in den Kinderwagen und nimmt es in den Supermarkt mit. In dem Moment, als sie gemäß Maskenpflicht den medizinischen Mund-Nasenschutz anzieht, schreit ihr Kind wie am Spieß.

Ich habe die Geschichte mitbekommen, weil ich zufällig einer Sprachnachricht gelauscht habe. Ich saß auf einem der einzeln stehenden Stühle vor dem Nippeser Café Eichhörnchen. Auf der anderen Seite der Holzkiste, die als Tisch dient, saß eine Frau, die die Sprachnachricht abhörte. Ich wollte mich wegsetzen, aber die Frau bat mich zu bleiben und die Sprachnachricht mit anzuhören. In Absprache mit der Absenderin, die kurz informiert wurde, stellte sie ihr Smartphone laut. Was ich schreibe, entspricht in etwa dem, was ich gehört habe. Bei ein paar Einzelheiten bin ich mir nicht ganz sicher. Vor allem weiß ich nicht, wie dem Kind Blut abgenommen wurde. Aber ich will es auch nicht wissen, denn ich finde es nur furchtbar.

Geschichten wie diese häufen sich in Corona-Zeiten. Die Atmosphäre in den Krankenhäusern ist extrem angespannt. Viele Ärztinnen und Ärzte haben die Gelassenheit verloren. Wenn es nur irgend geht, sollten Menschen -insbesondere die Eltern fiebernder Kinder- einen Bogen um Krankenhäuser machen.

Später frage ich mich, ob die Blutabnahme überhaupt medizinisch notwendig war. Tatsächlich lese ich im Internet, dass ein Urintest ausreicht, um eine Nierenbeckenentzündung auszuschließen: „Bei unklarem Fieber sollte besonders bei Kindern in den ersten Lebensjahren und spätestens am 4. Fiebertag auch mit einem Urintest eine behandlungs-bedürftige Blasen- oder Nierenbeckenentzündung ausgeschlossen werden.“ https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/drei-tage-fieber/

Was mutet man Kindern und Eltern zu? Warum wird ein Baby, das Fieber hat und sich ohnehin krank fühlt, auf Corona getestet, warum stellt man schmerzhafte, unzumutbare und offenbar nicht einmal notwendige Untersuchungen an? In Artikel 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland heißt es: Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Wird hier nicht das Grundgesetz (massiv!) verletzt?

Wohlgemerkt: Kinderärztliche Versorgung ist sinnvoll und wichtig. Eine große medizinische Errungenschaft ist das Apgar- Score, eine Untersuchung, die kurz nach der Geburt auch von Hebammen durchgeführt wird und schnell Aufschluss gibt über den Gesundheitszustand des neugeborenen Kindes. Diese Untersuchung, die weltweit üblich ist, wurde übrigens von einer Frau entwickelt, und zwar von der US-amerikanischen Ärztin Virginia Apgar (1909 -1974). https://de.wikipedia.org/wiki/Apgar-Score…

Doch inwieweit darf der Staat mit medizinischen Maßnahmen in das Leben der Menschen eindringen? Fakt ist: Wir sind nicht nur private Personen, sondern Bürgerinnen und Bürger. In Artikel 6 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland heißt es: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Demnach ist es Aufgabe der Eltern, auf die Gesundheit ihrer Kinder zu achten. Kinder müssen lernen, sich zu waschen, die Zähne zu putzen, sich durch Kleidung vor Kälte und Regen zu schützen etc. Eltern vermitteln nicht nur Nestwärme und Sicherheit, sondern begleiten ihre Kinder beim Großwerden, beim Laufen- und Sprechenlernen u.u.u.

Doch die Pflege und Erziehung der Kinder ist nicht allein (und leider immer weniger) Eltern-Recht : „Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ (Grundgesetz Art. 6, Absatz 2). Das ist grundsätzlich vernünftig. Demokratie beruht auf dem solidarischen Miteinander. Doch wie weit darf die „staatliche Gemeinschaft“ (wer oder was auch immer sich dahinter verbirgt) mit der Überwachung gehen? Und wie können wir sicher sein, dass „die staatliche Gemeinschaft“ es gut meint mit den Kindern?

Allgemeine kinderärztliche Untersuchungen machen Sinn, auch die U-Untersuchungen – solange sie freiwillig sind. Doch die Freiwilligkeit ist immer mehr eingeschränkt worden.

Verordnungen, die die Entscheidungsfreiheit der Eltern einschränken und den Staat dazu ermächtigen, Familien ärztlich zu überwachen, wurden in Deutschland maßgeblich vorangetrieben durch die überehrgeizige und autoritäre CDU-Politikerin Ursula von der Leyen, Ärztin und Mutter von sieben Kindern. Von der Leyen, spätere Bundes- Verteidigungsministerin (2013-2019), war von 2005 bis 2009 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Aus dem Jahr 2009 stammt eine Pressemitteilung des Ministeriums mit dem holprigen Kürzel BMFSFJ, deren Kernaussage wie folgt lautet:

„Fast alle Bundesländer haben ein verbindliches Einlade- und Erinnerungswesen für Früherkennungsuntersuchungen eingeführt … Zentral sind dabei stets Einladungssysteme mit Rückmeldemechanismen. Wenn Familien nicht zu Untersuchungsterminen beim Kinderarzt erscheinen, wird systematisch nachgehakt. Notfalls schaut das Jugendamt zuhause nach dem rechten.https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/ursula-von-der-leyen-wir-haben-das-niveau-des-kinderschutzes-in-deutschland-spuerbar-erhoeht–87356

Der immer wieder offen ausgesprochene Hintergedanke ist, dass durch die U-Untersuchungen Fälle von Körperverletzung und sexuellem Missbrauch aufgedeckt werden sollen. Das heißt allerdings, dass alle Eltern hier unter einen Generalverdacht gestellt werden. Kinderärztinnen und Kinderärzte macht man zu Erfüllungsgehilfen, indem man sie dazu aufruft, den Körper der Kinder nach Spuren einer möglichen Gewalteinwirkung abzusuchen. Aber ist der aufspürende ärztliche Blick nicht selber gewaltsam? Was mutet man den Kindern (und Eltern) zu?

Auffällig ist, dass die Fälle von Kindesmisshandlung trotz (oder gerade wegen?) der Untersuchungen nicht sinken, sondern steigen. Außerdem dürfte mit der Ächtung der körperlichen Gewalt die Zahl der psychischen, subtilen Gewaltakte noch einmal deutlich zugenommen haben. Die psychische Misshandlung macht keine blauen Flecken. Seelische Verletzungen sind unsichtbar.

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Kinder-Untersuchungsheft meiner jüngeren Tochter, Jahrgang 1999. Das rechte Blatt („Kinderfrüherkennung“) bezieht sich nicht auf die U8 (linke Seite), sondern ist ein versehentlich nicht herausgetrennter Durchschlag für die KV (Kassenärztliche Vereinigung), der von der U7 stammt. Wir hatten damals das Glück, einen freundlichen Kinderarzt zu finden, der die Punkte nicht einzeln abgehakt hat, sondern den Mut hatte, seiner ärztlichen Intuition zu vertrauen. Schon aus versicherungstechnischen Gründen wird es sich heutzutage kaum ein Arzt/eine Ärztin mehr erlauben, den Bogen nicht akribisch auszufüllen.                                                                                        Unbegreiflich finde ich, dass seit Jahrzehnten niemandem auffällt, dass „Kinderfrüherkennung“ ein Unwort ist. Es gibt medizinische Methoden zur Früherkennung diverser Krankheiten, insbesondere von Krebs (Krebs-Früherkennung). Aber kann man Kinder früherkennen? Ist denn das Kind eine (lebensbedrohliche) Krankheit?

Und wenn dann die Familie endlich wieder die Koffer packt, erlaubt sich die Krankenkasse, ein Wörtchen mitzureden, denn auch und gerade auf Reisen, so redet man uns ein, drohen unseren Kindern Gefahren. Die AOK hat eine 16-teilige Checkliste für die „Kleinkinder-Reiseapotheke“ ins Netz gestellt. Da kann ich nur sagen: Nix wie weg! https://www.aok.de/pk/magazin/cms/fileadmin/gemeinschaftlich/artikel/PDF/aok_checkliste-reiseapotheke-kleinkinder.pdf

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Zäpfchen, Salben und Segen auf all deinen Wegen. Die AOK Rheinland ist immer dabei. Bahnsteig-Werbung, Hbf Bonn, Juni 2021

GroKo stoppen! Teil 1: Karo Lusche(t)

Müssen Bundes-Kanzlerkandidaten eigentlich ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen?

Dass die Frage so abwegig nicht ist, bestätigt ein Blick ins Internet. In Zeiten, wo sich die Volksvertreter von den Bürgerinnen und Bürgern zunehmend bedroht fühlen, von uns, dem Volk, wachsen Nervosität und Unsicherheit: „Bielefeld. Der NRW-Landtag will die Sicherheit erhöhen und seine Regeln verschärfen. Das berichtet die in Bielefeld erscheinende „Neue Westfälische“ (Samstagsausgabe). Mitarbeiter von Abgeordneten sollen künftig verpflichtet werden, ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Abgeordnete sollen bei bei Störungen im Landtag mit einem Ordnungsgeld von 1.000 Euro belegt werden können. Anlass seien unter anderem die Vorfälle im Bundestag, bei denen Besucher Abgeordnete bedrängt hatten. Der Gesetzesentwurf wird jetzt in den Fraktionenberaten.https://www.presseportal.de/pm/65487/4904493 (Kleine Anmerkung: Ich habe, damit man mir keine Zitierfehler vorwirft, die Fehler mitzitiert.)

Im Vorfeld der Bundestagswahl im September wurden unlängst, wie zu hören und zu lesen war, die Lebensläufe von Kanzlerkandidatin und Kanzlerkandidat überprüft. Daraufhin musste Annalena Baerbock ungenaue Angaben zu ihrer beruflichen und akademischen Laufbahn korrigieren. In einem TAZ-Artikel mit der unverschämtem Schlagzeile Kanzlerkandidatin trotz Lebenslauf, was so klingt, als sei Frau Baerbock vorbestraft, fasst ein Autor namens Julian Jestadt am 12.6. zusammen, was in verschiedenen Viten nicht korrekt oder nur unvollständig angegeben war. Zum Beispiel kann Annalena Baerbock zwar einen Master-, aber keinen Bachelor-Abschluss vorweisen, den zu haben sie selber nie behauptet hat, wohl aber die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung. Ich möchte den Artikel empfehlen, denn er ist eine genau gearbeitete journalistische Fleißarbeit und sehr Informativ: https://taz.de/Gruenen-Politikerin-Annalena-Baerbock/!5778473/

Was man Frau Baerbock vorwirft, ist banal. Und warum interessiert man sich für die Lebensdaten, nicht aber für den Menschen? Ich glaube, Annalena Baerbock ist nicht nur klug, sondern warmherzig und respektvoll. Sie besitzt (noch) nicht die politische Leidenschaft einer Petra Kelly, aber sie ist weniger zerbrechlich. Sie ist dickfellig genug, Nörgeleien und Anfeindungen an sich abprallen zu lassen. Und sie ist bereit mitzuspielen auf einer politischen Bühne, wo Eitelkeit, Geldgier, Vetternwirtschaft, Macht und Marketing längst die Hauptrollen spielen.

Meine Empfehlung zur Bundestagswahl: Annalena wählen!

Doch nach aktuellen Umfragen liegen CDU/CSU vorne. Markus Söder reibt sich lachend die Hände: „Die Grünen haben in der letzten Zeit ein Eigentor nach dem anderen geschossen. Die Eignungsprüfung fürs Kanzleramt haben sie jedenfalls nicht bestanden.“ https://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2021-im-news-ticker-attacke-von-soeder-den-gruenen-kann-man-die-fuehrung-deutschlands-nicht-anvertrauen_id_13287063.html

Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ich schaue mir den Kandidaten der CDU an. Mich interessieren weder Mitgliedschaften noch akademische Titel, mich interessiert Armin Laschet.

Fast dankbar bin ich Armin Laschet dafür, dass er sich vor sechs Jahren einmal so verhalten hat, wie einer sich nur verhält, wenn er meint, unbeobachtet zu sein. In verschiedenen Zeitungen wurde jetzt an eine Provinzposse erinnert, die sich weitab von der Hauptstadt abgespielt hat, und zwar im äußersten Westen der Republik. Wäre Laschet im Jahr 2015 nicht CDU-Landtagsfraktionschef gewesen, sondern schon Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, was er zwei Jahre später wurde, hätte die Sache gewiss mehr Aufsehen erregt.

Leider wurde in allen aktuellen Artikeln, die ich gelesen habe, die Geschichte verkürzt dargestellt und der Skandal zum Kavaliersdelikt heruntergespielt. Daher zitiere ich den präzisen Wikipedia – Eintrag. Ich habe das, was scheinbar nebensächlich ist, „fett“ markiert.

„… Von 1999 bis 2015 hatte Laschet einen Lehrauftrag an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, den er zurückgab, nachdem von ihm zu korrigierende Klausuren im MasterfachPolitikwissenschaft „auf dem Postweg abhandengekommen“ sein sollen und er die Noten anhand seiner Aufzeichnungen „rekonstruiert“ hatte. Dieses Vorgehen war unter anderem dadurch aufgefallen, dass einige Studierende eine Benotung erhielten, obwohl sie an der Klausur nicht teilgenommen hatten. Bereits vor der Rückgabe des Lehrauftrages durch Laschet zog die Hochschule die Konsequenz, ihn künftig Lehrveranstaltungen nur noch in Form von Zusatzkursen ohne Prüfungsleistung anbieten zu lassen. Laschets Glaubwürdigkeit im akademischen Bildungsbereich galt durch den Skandal als erschüttert.[117][118][119] …“

Indem sie ihm die Prüfungsberechtigung entzog, degradierte die Universitätsleitung den Polit-Promi Armin Laschet. Die Entscheidung, ihn nicht zu entlassen, war dennoch fair, denn so gab man Laschet die Möglichkeit, den Lehrauftrag „freiwillig“ zurückzugegeben.

Doch kann man einem Mann, dessen Glaubwürdigkeit im akademischen Bildungsbereich als erschüttert galt und wohl immer noch gilt, im politischen Bereich Glauben schenken? Wie konnte Laschet zwei Jahre später Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden? Und wie kann es jemand nach solch einem Skandal überhaupt wagen, für das Amt des Bundeskanzlers zu kandidieren?

Zwar ist der Skandal sechs Jahre her, doch derzeit hochaktuell. Denn es geht hier um das Fehlverhalten eines Mannes, der Bundeskanzler werden will. Allerdings hat die Geschichte auch eine gewisse Tragikomik. Wer über Laschet lachen will, lese bitte folgenden wunderbar plastischen Artikel aus dem Jahr 2015: https://www.welt.de/politik/deutschland/article141847297/Laschet-gibt-Lehrauftrag-nach-Noten-Skandal-auf.html

Es gibt da noch ein anderes Detail im Lebenslauf: Armin Laschet hat seinerzeit die neunte oder zehnte Schulklasse wiederholen müssen. Es gibt da widersprüchliche Angaben. Version 1: „Er besuchte von 1971 bis 1976 das Rhein-Maas-Gymnasium Aachen, wo er das Klassenziel der 9. Klasse nicht erreichte.“ (Wikipedia) Version 2: „Laschet bleibt in der zehnten Klasse auf dem technisch geprägten städtischen Rhein-Maas-Gymnasium sitzen.“ (Der Machtmenschliche: Armin Laschet. Die Biographie) Ich habe nachgerechnet, was nicht schwer ist: Version 1 ist korrekt.

Dass Laschet eine Klasse wiederholt hat, ist mir durchaus sympathisch. Mit 15 oder 16 Jahren hat man anderes im Kopf als Schule. Wir werden erwachsen, wir realisieren, dass das Leben endlich ist, wir fragen nach dem Sinn des Lebens. Was interessiert da der Unterschied zwischen Gerundium und Gerundivum bzw. zwischen Lanzettfischchen und Neunauge? Sitzenbleiben gehört abgeschafft.

Da Laschet Kanzler werden will, könnte es schon ein Problem sein, einmal das „Klassenziel“ nicht erreicht zu haben, zumal Amtsinhaberin Angela Merkel kein einziges Mal sitzengeblieben ist und einen Abi-Durchschnitt von 1,0 vorweisen kann. Unserer Bundeskanzlerin, so hörte ich einmal, könne man keine größere Freude machen, als sie nach ihrem Abi-Durchschnitt zu fragen.

Anfang des Jahres könnte ein PR-Berater auf Laschet zugekommen sein:

„Armin, du willst doch Bundeskanzler werden. Und deshalb müssen wir dringend deinen „Wikipedia“-Eintrag überarbeiten. Ich weiß, es ist ein wunder Punkt, aber jetzt, wo „Wikipedia“ 20 Jahre alt wird und alle vor „Wikipedia“ den Hut ziehen, muss dort stehen, dass du einmal eine Klasse wiederholt hast.“ Laschet schüttelt heftig den Kopf.

„Armin, sei vernünftig. Dass du eine Klasse wiederholt hast, ist längst öffentlich. Das kann jeder in deiner neuen Biographie nachlesen. „Der Machtmenschliche. Armin Laschet: Die Biographie.““

„Aber das ist es ja“, sagt Laschet. „Da steht es falsch. Ich habe doch nicht das zehnte, sondern das neunte Schuljahr wiederholt. Ich habe den Autoren gesagt, dass ich die Versetzung in die zehnte Klasse nicht geschafft habe. Sie haben daraufhin geschrieben, dass ich in der zehnten Klasse sitzengeblieben bin. Und jetzt soll ich die Fehler der Autoren ausbaden? Niemals!“

„Armin, beruhige dich. Vor den GRÜNEN musst du keine Angst haben. Die gucken deine Vita nicht nach Fehlern durch. Ich denke da an den Markus Söder. Der wartet doch nur darauf, dass du einen Fehler machst.“

„Wie meinst du das?“

„Armin, die Chancen, dass du Kanzlerkandidat wirst, stehen gut. Der Söder ist weder blöde noch öde, der ist ein großer starker Mann, ein Holzfäller, der vielen gefällt, aber die CDU wird nicht zulassen, dass ein CSU-Mann Kanzlerkandidat wird. Aber wenn der Söder publik macht, dass du da etwas verschweigst, könnte dich das die Kanzlerkandidatur kosten.“

Laschet seufzt: „Aber fällt das nicht erst recht auf, wenn es jetzt plötzlich da steht… Das sieht so aus, als hätte ich meine Ehrenrunde bewusst über all die Jahre verschwiegen.“

„Armin, wenn wir es nicht noch im Januar ändern, könnte man dir später einen Täuschungsversuch unterstellen. Und außerdem: Wer vergleicht schon „Der Machtmenschliche“ mit „Wikipedia“. Und wer guckt schon in die „Wikipedia“-Versionsgeschichte?

Herbst 2020: Vor einem Haus am Wartburgplatz in Nippes entdecke ich eine „Zu Verschenken“ – Kiste. Es nieselt. Neben der Kiste liegt mitten auf dem Gehweg eine leicht aufgeweichte, verschmuddelte Spielkarte mit CDU-Aufdruck. Keine gute Werbung. Ich gucke in die Kiste und entdecke neben ein paar Büchern, die auch schon feucht geworden sind, weitere Spielkarten. Aber mich interessiert nur die eine. Wie stehen die Chancen für die CDU bei der Bundestagswahl 2021? Vielleicht kann, vielleicht will mir die Karte das sagen. Soll ich sie umdrehen?

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Ich zögere, sie umzudrehen. Ich habe Angst, dass eine Kreuzdame zum Vorschein kommt, die höchste figürliche Karte im Doppelkopf, oder aber ein Kreuzbube, die höchste figürliche Karte im Skat. Mir klopft das Herz…

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„Beifang“ …  Karo- Lusche(t)… Ich nehme die Karte mit nach Hause, wo sie seitdem den Kühlschrank schmückt…

Wie Annalena Baerbock habe ich Politische Wissenschaften studiert, aber nur bis zur Zwischenprüfung (vergleichbar mit Frau Baerbocks Vordiplom).

Die Lehrveranstaltungen waren öde und uninspirierend. Der Professor, der die Zwischenprüfung abnahm, Thema: „Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland“, war Prof. Dr. Peter Graf von Kielmansegg, ein Erzkonservativer mit großer Angst vor Veränderung. Ich erinnere mich an ein Seminar im Wintersemester 1979/80.

Januar 1980. Gerade war die Partei DIE GRÜNEN gegründet worden. Ich weiß noch, wie Prof Dr. Peter Graf von Kielmansegg wie von einem Insekt gestochen mitten in der Seminar-Stunde aufsprang und in den Raum schrie: „Die GRÜNEN sind eine Eintagsfliege!“ Wir Studenten (pardon, aber wir empfanden uns nicht als „Studierende“) guckten uns an und lachten.

Annnalena wählen!

Dreifachimpfung in einer Osnabrücker Eisdiele?- Was dahinter steckt

Meine Tochter Lea ruft mich am Sonntagabend aufgeregt an: „Mama, ich hab da was erlebt. Eine Corona-Impf-Geschichte. In der Eisdiele…“ Ich will genauer wissen, was passiert ist, ich platze vor Neugier, aber meine Tochter lässt mich eine Weile zappeln. Dann erzählt sie mehr: Am Nachmittag ist sie mit Freundin Cora* in einer Osnabrücker Eisdiele gewesen. Dort bietet man Eisbecher mit Namen Impfung an. Meine erste Frage lautet wie immer: „Hast du Fotos gemacht?“

Das ist das Schöne am Smartphone: Sie hat.

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Eis ist süß – Corona ist für Kinder in aller Regel harmlos.

Ich bat meine Tochter aufzuschreiben, was sie erlebt hat. Gestern morgen schickte sie mir dann einen kleinen Dialog, den ich ein bisschen ausgeschmückt habe, vor allem den Part der Eisdielen-Chefin. Diese Eisdielen-Chefin erinnert mich an Angela Merkel. Deshalb habe ich aus der Mama der jungen Eisverkäuferin eine Mutti gemacht.

Mein Wahlkampf-Vorschlag für die Große Koalition in Berlin: Könnte sich nicht Angela Merkel unters Volk mischen und Eisbecher namens Impfung verkaufen, wo doch Karl Lauterbach im Impfzentrum munter mitgeimpft hat? Ich glaube nämlich, dass Angela Merkel die Idee, dass man Impfungs-Eisbecher verkauft, richtig toll fände.

Ort des Geschehens: Eine Eisdiele in Osnabrück-Sutthausen.


CORA: Sagen Sie mal, wer von Ihnen ist für die Namen der Eisbecher verantwortlich?

EISVERKÄUFERIN: Meine Mama. „Mama“ kommt und stellt sich neben die Tochter.

CORA: Wenn man in die Eisdiele kommt, möchte man doch das Eis genießen und nicht auch noch hier mit dem Thema Impfung konfrontiert werden. Wollen Sie Ihre Namensgebung nicht noch einmal überdenken?

MUTTI leise lachend: Keine Bange, Sie werden nicht geimpft. Das sind nämlich nur Eisbecher.

CORA: Das hab ich mir gedacht, aber das finde ich gar nicht lustig.

MUTTI: Sie vielleicht nicht. Sie verstehen wohl keinen Spaß. Bisher hat die Kundschaft den Humor verstanden, und die Becher sind gut angekommen. Weil es kreativ ist.

CORA: Ich finde es überhaupt nicht kreativ.

MUTTI: Ich erkläre es Ihnen. Also: Bei der Impfung 1 gebe ich Vanilleeis und Erdbeereis in den Becher. Und dann komme ich mit dem Tupfer, aber ich tupfe das Eis natürlich nicht ab. In diesem Fall ist der Tupfer ein Sahne-Tupfer, eine große Portion Sahne… Weiße Schokoraspeln… Und zu guter Letzt… Kichert… Zu guter Letzt komme ich noch mit der Erdbeerspritze. Den Inhalt spritze ich aber nur in den Eisbecher. Versprochen! Und meine Erdbeerspritze enthält nur Erdbeersoße. Aber da fehlt noch was… Na? Guckt Lea und Cora grinsend an… Da fehlt das Pflaster. Aber das klebe ich Ihnen nicht auf den Arm, das klebe ich nicht auf den Eisbecher, sondern… Kichert… Das klebe ich Ihnen aufs Mäulchen…

LEA: Ich will Ihnen noch was sagen. Es sind doch die Kinder, die besonders gerne Eis essen. Und die 12jährigen können ab morgen geimpft werden. Sie kriegen hier einen süßen Vorgeschmack auf eine Impfung, die doch sehr fragwürdig ist. In meinen Augen machen Sie Impf-Werbung.

EISVERKÄUFERIN (TOCHTER): Danke für Ihre Rückmeldung.

LEA: Ihr Eis ist lecker, aber wir beide werden nicht mehr in diese Eisdiele kommen.

EISVERKÄUFERIN (TOCHTER): Damit können wir leben.

***

Kleine Ergänzung: Cora und Lea mögen klassische Eis-Kreationen, insbesondere Spaghettieis. Das beste Spaghetti-Eis rundum Osnabrück gibt es, wie die beiden sagen, in Hagen am Teutoburger Wald. „Spaghettieis“ ist zwar im Jahr 1969 von einem Italiener kreiert worden, aber typisch deutsch: „Spaghettieis ist eine in Deutschland übliche Speiseeis-Zubereitung, die optisch an Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesan erinnern soll.“ (wikipedia)

*Cora heißt in Wirklichkeit anders. Ich habe ihren Namen geändert, da Cora im Gesundheits-Bereich arbeitet, aber ein Impfangebot nicht angenommen hat.

***

„… Die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig…“ https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/coronavirus-impfung-faq-1788988#toggledown-content-8 7.6.2021

Seit Anfang der Woche können sich auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren impfen lassen, genauer gesagt: Eltern vom Kindern ab zwölf Jahren können es zulassen, dass ihre Kinder geimpft werden. Dabei kann eine Corona-Infektion Kindern nicht viel anhaben.

12jährige Kinder sind noch nicht in der Lage einzuschätzen, was da passiert. Selbst von der impffreudigen STIKO gibt es nur eine eingeschränkte Empfehlung. Das ist gut so. Eltern, die der Impfung skeptisch gegenüber stehen, können sich (noch) auf die STIKO berufen.

Viele Gründe sprechen gegen die Corona-Kinder-Massenimpfung. Ich persönlich finde es unverantwortlich, heranreifenden („pubertierenden“) jungen Menschen, die dabei sind, sich zu Erwachsenen zu entwickeln, einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen, der unter Umständen in die biologischen Rhythmen eingreift. Es gibt Hinweise darauf, dass die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna den weiblichen Zyklus manipulieren: „… Viele Menschen teilten ihre eigenen Geschichten auf Twitter. „Ich bin genau eine Woche nach meiner zweiten Moderna-Impfung und habe einen sehr schweren Zyklus, und ich bin ungefähr 2,5 Wochen zu früh“, schrieb eine Nutzerin. „Ich habe Moderna am letzten Tag meiner Periode bekommen. Neun (!!!!) Tage später bekam ich eine weitere Periode und es war ein Albtraum“, kommentierte eine andere.…“ Die das twittern, sind keine jungen Mädchen, sondern erwachsene Frauen, deren Zyklus sich längst eingespielt hat. https://www.fr.de/wissen/corona-coronavirus-impfung-impfstoff-menstruation-periode-blutungen-kraempfe-90479717.html

Dabei schont das Virus (tendenziell) uns Frauen. Während insbesondere Frauen schwere Nebenwirkungen der Impfung beschreiben, schützt unser Geschlecht uns davor, „in Zusammenhang mit Corona“ zu sterben. Aktuelle Zahlen für Deutschland: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1104173/umfrage/todesfaelle-aufgrund-des-coronavirus-in-deutschland-nach-geschlecht/

Ich habe nachgezählt und nachgerechnet (Stand: 8.6.2021): Von den insgesamt knapp 90.000 Toten „in Zusammenhang mit Corona“ waren nur 3889 Menschen unter 60 Jahre alt. Und (immer noch „nur“) 11.880 Verstorbene waren unter 70. Von diesen Menschen waren 3579 weiblich und 8301 männlich.

Unter allen „im Zusammenhang mit Corona“ Verstorbenen unter 70 gibt es also mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen. Das Verhältnis ändert sich auch bei den 70 bis 79jährigen Verstorbenen kaum (6656 Frauen : 11763 Männer). Erst bei den über 80jährigen Corona-Toten sind Männer und Frauen gleichauf, und mit über 90 sterben „in Zusammenhang mit Corona“ deutlich mehr Frauen. Der Grund: Die höhere Lebenserwartung der Frauen. Über 80jährige sind nun mal vorwiegend weiblich.

Impfungen sind medizinische Errungenschaften. Es gibt schwere Krankheiten, denen mit einer Impfung vorgebeugt werden kann, etwa die Kinderlähmung. Die Polio-Impfung ist segensreich. Aber auch dieser zur Zeit viel zitierten „Erfolgsgeschichte“ ging eine Katastrophe voraus, die offenbar in Vergessenheit geraten ist. In den 1950er Jahren wurden Kinder bei einem Großversuch in den USA „versehentlich“ mit Polio infiziert. Stell dir vor, du wirst gegen eine schwere Krankheit geimpft, aber im Impfstoff ist der Erreger dieser Krankheit aktiv. Diese Horror-Vorstellung wurde für hunderttausende Kinder Wirklichkeit.

„… Seit den 1930er Jahren gab es Versuche, einen Polioimpfstoff herzustellen, meist mit durch Formaldehyd inaktivierten Viren. Diese waren jedoch nicht wirksam. Erst 1954 konnte in den USA ein von Salk und Mitarbeitern hergestellter inaktivierter Polioimpfstoff in einer großen randomisierten klinischen Studie mit mehreren hunderttausend Kindern getestet werden. Eine Zulassung des Impfstoffes erfolgte unmittelbar nach Bekanntgabe der Studienergebnisse 1955.

Wenige Wochen nach Beginn des Routineeinsatzes des inaktivierten Impfstoffes in den USA kam es zu einem schweren Zwischenfall. Durch Mängel in der Produktion gelangten nicht inaktivierte Polioviren in den Impfstoff. Dadurch wurden mehrere hunderttausend Kinder infiziert, es kam zu 51 Fällen von dauerhafter Paralyse und zu fünf Todesfällen. Dieser nach dem Hersteller Cutter Laboratories benannte Cutter-Incident gilt als einer der schwersten Arzneimittelskandale in den USA. Untersuchungen ergaben, dass Reste von Zellkulturzellen in der Virussuspension die vollständige Inaktivierung durch Formaldehyd verhindert hatten.[28] (wikipedia)

Der Ausdruck „Arzneimittelskandal“ banalisiert das, was passiert ist. Wir brauchen neue Begriffe für die menschenverursachten medizinischen Katastrophen. Und:

Wir brauchen einen neuen „Hippokratischen Eid“, der anders als der ursprüngliche Eid das Kind nicht ausklammert, sondern DAS ZU SCHÜTZENDE KIND in den Mittelpunkt rückt.

Zufällig finde ich meinen Impfpass -und mache eine beunruhigende Entdeckung

Ein sonniger Sonntagnachmittag Ende August 2015: Wir sitzen zu sechst an einem Garten-Tisch und essen Pflaumenkuchen. Alle sind Stammkunden im Nippeser Weinhaus im Viertel. Es ist gar nicht so sehr der Wein, der Künstler und Lebenskünstler ins Weinhaus lockt, sondern die inspirierende Chefin vor Ort: Dagmar Johanna Matthias. Bei einer ihrer ungewöhnlichen Weinproben haben wir uns zum Pflaumenkuchen verabredet.

Der Garten gehört zu einem alten Haus in der Turmstraße. Die Gastgeber, ein Musiker-Paar, sind über 20 Jahre jünger als ich und wohnen hier zur Miete. Der Garten wird von allen Parteien genutzt. Ich genieße es, hier zu sitzen, in einem dieser verwilderten Nippeser Gärten, die man von der Straße aus nicht sieht und in die man nur durchs Treppenhaus kommt.

Weil ich nicht gerne Kuchen esse, habe ich mir nur ein kleines Stück geben lassen, aber viel Sahne dazu. Ich süße nach und lasse mir die Zuckerkrümel, die sich so schnell nicht auflösen, auf der Zunge zergehen.

Ich denke an meinen Vater, der Kuchen mochte und heute 93 Jahre alt geworden wäre. Er war ein kämpferischer Skat-Spieler und Kommunalpolitiker, aber eigentlich ein sanftmütiger, respektvoller Mensch. Mein Vater hatte ein großes Durchsetzungsvermögen, aber er gebrauchte niemals die Ellenbogen, sondern nur den Verstand.

Manchmal ist Angriffslust konstruktiv. Während ich mir das bewusst mache, kommt plötzlich ein angriffslustiges Insekt in einer Art Sturzflug auf mich zu und sticht mich in den Finger. Es tut richtig fies weh. Am Stachel, der steckengeblieben ist, erkenne ich, dass es sich um eine Biene handelt und nicht um eine Wespe. Mit den Fingern der anderen Hand ziehe ich den Stachel heraus und ärgere mich. Warum ausgerechnet ich?, jammere ich.

Darum ausgerechnet ich, weiß ich heute.

Am nächsten Morgen ist nicht nur der Finger angeschwollen, sondern auch die Hand. Am zweiten Tag ist die Hand so dick, dass ich beschließe, zum Arzt zu gehen. Da ich keinen Hausarzt habe, lasse ich mir einen empfehlen. Er schaut sich die Hand an, verschreibt mir ein Antibiotikum und verordnet eine Tetanus-Impfung. Eine Helferin verbindet die Hand und gibt mir eine Spritze in den Oberarm. Sie macht das gut, denn ich spüre nicht viel, es ist nur kitzelig.

Ich finde es praktisch, mich bei der Gelegenheit gegen Tetanus impfen zu lassen. Da ich oft im Garten arbeite und mich dabei immer wieder in den Dornen der Rose verfange, hatte ich es ohnehin vor. Man händigt mir einen Impf-Ausweis aus, den ich zu Hause, ohne ihn mir genau anzugucken, in eine Schublade lege.

Deutschland sucht den Impfpass“ war der Titel einer Werbe- Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2018. Ich habe meinen Ausweis nicht gesucht, ihn aber vor ein paar Wochen beim Aufräumen zufällig gefunden.

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Ein No-Name-Exemplar. Es ist, als bekäme man einen neuen Reisepass ausgehändigt und sollte selber seinen Namen nachtragen. Ich finde, die Arzthelferin hätte sich über Verband und Spritze hinaus die Zeit nehmen müssen, das Deckblatt auszufüllen. Dass man von den Geimpften erwartet, dass sie das selber tun, nennt man dann wohl „Patientenautonomie“. Das leere Deckblatt meines Impfpasses spiegelt eine gewisse Wurschtigkeit wider, ein fahrlässiges Desinteresse, das uns leider heutzutage in vielen Arztpraxen begegnet. Bei der Corona-Impfung wäre das nicht passiert. Da herrscht -insbesondere in Bezug auf die Personenkontrolle- deutsche Gründlichkeit vor.

Aber es kommt noch schlimmer, denn ich schlage den Ausweis auf:

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Ich bin zwar gegen Tetanus geimpft worden, aber nicht nur! Auch gegen Keuchhusten, Kinderlähmung und Diphtherie … Man hat mir, ohne mich zu fragen oder mich zu informieren, vier Impfungen auf- bzw. reingedrückt.  „Das ist Körperverletzung“, sagt ein Anwalt, bei dem ich mich erkundige. Nur ist die Impfung fast fünf Jahre her, und ich war leider so blöd, einem Arzt, den ich nicht kannte, nur deshalb zu vertrauen, weil er Arzt ist. Ich habe wirklich gedacht, dass ich ausschließlich gegen Tetanus geimpft werde, wenn man mir erzählt, dass man mich gegen Tetanus impft. Schön doof. Für den Arzt ist es keine Körperverletzung, sondern Alltag. Außerdem macht er sozusagen „Dienst nach Empfehlung“, denn diese Vierfach -Auffrischimpfung ist eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO).                                                                                                       Im Internet entdecke ich dann tatsächlich einen Beipackzettel von REPEVAX, das auch für Kinder ab drei Jahren empfohlen wird. https://mein.sanofi.de/produkte/REPEVAX Mittlerweile findet man im Netz ja nicht nur Gebrauchsanleitungen für Elektrogeräte oder Anleitungen zum Aufbau von IKEA-Möbeln, sondern auch Beipackzettel von Fertig-Impfspritzen, die man per Rezept u.a. bei DocMorris bestellen kann.  https://www.docmorris.de/repevax-injektsuspiefertigspritze-mi/11241161 Ich lese den REPEVAX-Beipackzettel und kotze fast: „… Darüber hinaus wurden nach Markteinführung von REPEVAX weitere unten aufgeführte Nebenwirkungen in den verschiedenen Altersgruppen, für die der Impfstoff empfohlen wird, beobachtet. Die tatsächliche Häufigkeit kann nicht genau berechnet werden, da dann die spontan erhaltenen Meldungen auf die geschätzte Anzahl geimpfter Personen bezogen werden müsste. Erkrankung der Lymphknoten, allergische/schwerwiegende allergische Reaktion, Krampfanfall, Ohnmachtsanfall, Lähmung von Teilen des Körpers oder des gesamten Körpers (Guillain-BarréSyndrom), Lähmung des Gesichtsnervs, Rückenmarksentzündung, Entzündung der Armnerven (brachiale Neuritis), vorübergehender Gefühlsverlust oder Gefühlsstörung in der Gliedmaße, in die der Impfstoff verabreicht wurde, Schwindel, Schmerz in der Gliedmaße, in die der Impfstoff verabreicht wurde, ausgedehnte Schwellung der Gliedmaße (häufig in Verbindung mit Rötung und manchmal mit Bläschenbildung), allgemeines Krankheitsgefühl, Blässe, Verhärtung im Bereich der Impfstelle, Bauchschmerz.“  (Mein Sanofi, REPEVAX-Beipackzettel, S.5.) Meiner Meinung nach ist es allerhöchste Zeit, die Mediziner zum Maßhalten anzuhalten!                                                                                                                                                           Schon wenn sie auf die Welt kommen, sind heutige Menschen kontaminiert. Vor einiger Zeit untersuchten US-Wissenschaftler das Blut und das Nabelschnurblut von Neugeborenen. „Das Team wies 109 verschiedene Chemikalien sowohl im Blut der Mütter wie ihrer Kinder nach. Von diesen stammen 40 aus Weichmachern, 28 aus Kosmetika, 29 sind Arzneimittel und 25 sind typischerweise in Haushaltsmitteln enthalten. Aber auch 23 verschiedene Pestizide, drei Flammschutzmittel und sieben polyfluorierte Alkylverbindungen waren im Blut auch der Neugeborenen enthalten.“ https://www.focus.de/familie/eltern/kindergesundheit/kleine-studie-109-industriechemikalien-im-blut-neugeborener_id_13101501.html

Vermutlich hätte „mein“ Arzt den Tetanus-Einzelimpfstoff bzw. das Vakzin, wie es der Laie heutzutage hochachtungsvoll nennt, nicht einmal vorrätig gehabt. Wie wir unten sehen, rechnen sich Einzelimpfungen nicht, ebenso wenig wie das aufklärende Gespräch zwischen Arzt und Patient.

Bei kostencheck.de, wo man sich über allerhand Preise informieren kann, unter anderem für Türen und Fenster, aber auch für Baumkletterer und Haushaltshilfen, „von Badsanierung bis Zahnersatz“, wie es auf der Seite heißt, fand ich folgende Kostenaufstellung, die zwar schon veraltet sein dürfte, aber den kleinen alltäglichen Skandal dennoch verdeutlicht:


Art
PrivatzahlerVersicherte der gesetzlichen Krankenversicherung
Tetanus Einzelimpfung2 – 4 EURKostenfrei
Diphtherie, Tetanus (2-fach)4,50 – 5,70kostenfrei
Tetanus, Diphtherie, Polio (3-fach)12,75 – 23,33Kostenfrei
Tetanus, Diphtherie, Polio, Keuchhusten (4-fach)34,60kostenfrei
Müssen Sie die Kosten für die Immunisierung zunächst selbst begleichen, beachten Sie bitte, dass die Preise für die Impfstoffe durch Kostenanpassungen der Hersteller etwas von obigen Angaben abweichen können.

https://kostencheck.de/tetanus-impfung-kosten

Elfchen im Fünften: Der Öko-Hund

Auf der Siedlungs-Wiese an der S-Bahn-Trasse wurden vor einigen Jahren neue Bäume gepflanzt. Die Park-Bäumchen stehen isoliert und sind weder durch Unterholz noch durch schattenspendende Nachbarbäume geschützt.

Einzelne Bäume sind eingegangen, wieder andere (die Mehrzahl) hätten die ungewöhnlich trockenen Sommer wohl kaum überlebt, wenn nicht einige Bewohner der autofreien und der benachbarten Wohnsiedlung regelmäßig für Wasser gesorgt hätten. Ein aufwendiges Unternehmen.

Mein Nachbar, der hier Pudel Moritz ausführt, hatte, wenn es heiß war, schon im Jahr 2019 mehrmals täglich bei sich zu Hause zwei große Gießkannen mit Wasser gefüllt. Er hatte sich die schweren Kannen an den Fahrradlenker gehängt und war damit zur ca. 200 m entfernten Wiese gefahren. Das sah bekloppt aus, war aber dringend notwendig.

Im letzten Jahr hat dann der Siedlungs-Verein Nachbarn60 die Initiative ergriffen: „Mitte Juni 2020 hat der Verein Nachbarn60 gegenüber der Stadt Köln eine Patenschaft für die Bäume auf den großen Grünflächen unserer Siedlung übernommen. Die Stadt bzw. die Rheinenergie hat uns für den Sommer 2020 ein Hydranten-Standrohr zur Verfügung gestellt und die Wasserkosten übernommen….“ Weiterlesen und Fotos angucken auf: https://www.nachbarn60.de/baeume-giessen.html

In diesem Jahr wird das sinnvolle und für die Bäume überlebensnotwendige Projekt weiter geführt. Hässliche grüne Kunststoffsäcke, die regelmäßig mit Wasser gefüllt werden und das Wasser über mehrere Tage hinweg gleichmäßig abgeben, zeugen von einer fortschreitenden Katastrophe, die man beschönigend „Klimawandel“ nennt. Hier, wo man anders als im dichten Wald die Bäume zählen kann, geht es um jeden einzelnen Baum. Da helfen keine Klagelieder („Mein Freund der Baum, ist tot“… Alexandra). Da hilft nur Wasser.

Doch das Befüllen macht viel Arbeit. Um auf das Projekt hinzuweisen und Helfer zu finden, hat der Nachbarschaftsverein Schilder an die Bäume gehängt.

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Ich glaub, ich steh im Schilderwald. Dieses ist nur eines von dreißig oder mehr. Hätte es nicht gereicht, nicht an alle betroffenen Bäume, sondern nur an einzelne ein Schild zu hängen? Und warum sagt der Baum „Ich“, warum nicht „Wir“ ? Aber ich meckere jetzt nicht mehr, denn das Projekt ist großartig und ich… drücke mich mal wieder vor der Mitarbeit. 

Ein weiterer Vorteil der Kunststoffsäcke besteht darin, dass die Hunde nicht mehr direkt an den Baumstamm pinkeln können, was den Bäumen ebenfalls schaden kann. https://www.tagesspiegel.de/berlin/hunde-urin-hoelzer-helfen-nicht/202754.html

Ich bat Hund Freki, vierbeiniger Bewohner der autofreien Siedlung Stellwerk 60, uns zu demonstrieren, wie sich der moderne Rüde klima-korrekt verhält, was er auch gleich umgesetzt hat.

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Sophisticated…

Mich hat Frekis vorbildliches Verhalten zum Elfchen des Monats inspiriert:

Wie

raffiniert er

den Sack umdefiniert

und sein Revier markiert!

Wau!!!

***

Als Rotkäppchen vor dem Oster-Besuch bei der Großmutter in die Vorquarantäne ging – Und was dann passierte

Als Rotkäppchen kurz vor Weihnachten 2020 dreizehn Jahre alt wurde, nahm sie endlich das rote Käppchen ab. Seitdem trug das Mädchen den lieben langen Tag einen roten Mund- Nasenschutz. Käppchen und Maske zusammen – das sah einfach nicht gut aus. Aber sie nannte sich nicht Rotmäulchen, sondern immer noch Rotkäppchen.

Rotkäppchen hatte ihre Großmutter fast ein Jahr lang nicht gesehen. Die Großmutter lebte wie eh und je in ihrem Waldhaus und rief einmal in der Woche ihre Enkelin an. Manchmal fuhr sie mit dem E-Dreirad über die Waldwege zum Einkaufen in die Stadt. Rotkäppchens Vater, der sich eigentlich nur zu den Feiertagen bei seiner Mutter meldete, hatte die Großmutter unterstützen wollen und schon zu Beginn der Krise bei ihr angerufen.

„Mutter, ich muss dir leider etwas mitteilen. Wir erleben gerade eine schwere Seuche.“ Er schluckte: „Corona. Pass bitte auf dich auf.“

Die Großmutter lachte: „Junge, was erzählst du mir da? Ich hab keinen Fernseher, aber WLAN. Ihr Städter spinnt. Seit die Füchse wieder in die Städte kommen und die Krähen nicht mehr abgeschossen werden dürfen, fühlt ihr euch verfolgt. Ihr seht überall Ungeziefer und Viren. Ihr dreht komplett durch. Begreift doch endlich, dass sich die Natur nicht kontrollieren lässt.“

„Mutter, es ist ernst“, sagte der Sohn. „Ich könnte dir doch die Lebensmittel vorbeibringen. Ich stelle dir alles vor die Tür, klingele kurz an und gehe schnell zum Auto zurück. Mutter, wir…“ Er schluckte. „Mutter, wir können uns zuwinken.“

„Mach dich nicht lächerlich“, sagte die Großmutter. „Du bist ein sentimentaler Hypochonder und hast panische Angst vor dem Tod. Ich bin alt, aber du musst keine Angst vor mir haben. Alt ist nicht ansteckend, mein Sohn.“

„Ich habe keine Angst vor dir, sondern um dich“, entgegnete Rotkäppchens Vater. „Ich habe Angst, dass du dich bei mir ansteckst.“

„Wieso sollte ich das?“

„Mutter, mach jetzt bitte keine Witze. Ich will verhindern, dass ich dich anstecke. Es geht nicht um meine Gesundheit, sondern um deine. In deinem Alter ist eine Infektion lebensbedrohlich. Ich…“

„Halt!“, sagte die Großmutter. „Sprich nicht so laut, ich bin nicht schwerhörig.“

„Gut“, sagte Rotkäppchens Vater. „Aber begreif, Mutter, du musst dich vor uns schützen.“

„Das ist mir nicht neu“, sagte die Großmutter und legte auf.

Rotkäppchen hätte die Großmutter allzu gerne besucht. Aber das war leider nicht möglich, ihr Vater hatte es ihr schon zu Beginn der Krise verboten, denn sie musste ja die Großmutter schützen. Im Schaukasten der Apotheke hing ein Plakat, das so rot war wie ihr Käppchen: „Bring Corona nicht zur Oma.“

Rotkäppchen fühlte sich angesprochen, ja ertappt. Sie träumte sogar von dem Plakat. Doch im Traum stand auf dem Plakat ein ganz anderer Satz: „Bring den Wolf nicht zur Oma.“ Rotkäppchen erschrak. Schließlich war sie diejenige gewesen, die den Unhold zur Oma gebracht hatte, denn sie hatte dem Bösen Wolf damals den Weg verraten.

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Bring

den Wolf

nicht

zur Oma.

Fortan sah es Rotkäppchen als ihre Aufgabe an, Kinder und Jugendliche über die Gefahren der Corona-Infektion aufzuklären. Da sie bereits als Kind eine traumatische Erfahrung mit dem Bösen gemacht hatte, galt sie trotz ihrer jungen Jahre schon bald als Expertin. Sie ging in die Schulen und hielt Vorträge. Rotkäppchen brachte den Schülerinnen und Schülern bei, wie man sich vor dem Virus schützen kann.

Mit einfachen Worten erklärte sie auch kleinen Kindern die AHA-Regeln. Das H für Hygiene war ihr besonders wichtig, nicht nur, was das Händewaschen betraf. Denn als sie damals dem Wolf begegnet war, hatte der nicht gerade sauber ausgesehen und zudem übel gerochen, und was noch schlimmer war: Beim Anblick des unschuldigen Kindes war ihm der hochinfektiöse Speichel aus dem Maul gelaufen und auf den Waldboden getropft.

Rotkäppchen wurde als hochbegabt eingestuft und bekam das Angebot, schon vor dem Abitur Gesundheitspsychologie zu studieren. Weihnachten würde sie die Großmutter mit der Neuigkeit überraschen. Doch die Großmutter hatte es längst über das Internet erfahren, denn die Nachricht stand in mehreren Online-Zeitungen. Leider hatte die Großmutter was gegen die Gesundheitspsychologie.

Gesundheitspsychologen und insbesondere Gesundheitspsychologinnen waren für die Großmutter Personen, die sich auf oft unannehmbare Art und Weise in das Leben anderer Leute einmischten, insbesondere in das Leben der Dicken, der Raucher und der Alkoholtrinker. Die Großmutter, eine leidenschaftliche Rotweintrinkerin, sagte für Weihnachten ab. Dabei hätte ihr Besuch, wie Rotkäppchens Vater seiner Mutter erklärt hatte, kein Problem dargestellt. Sie hätte als einzige Person aus einem anderem Haushalt ungeprüft zu Besuch kommen können.

Was war nur mit Großmutter los? Rotkäppchens Vater wurde böse. Wie konnte sie ihre Enkelin so enttäuschen und verunsichern? Auch das Weihnachtsgeschenk hatte die Großmutter nicht angenommen.

„Warum schenkst du mir ein Smartphone?“, fragte die Großmutter am Telefon. „Du kannst mir doch nicht vorschreiben, was ich brauche.“

„Mutter, es ist wichtig, dass sich auch die Älteren an der digitalen Erneuerung beteiligen.“

„Soll ich meine Rente in den Schnickschnack investieren?“, fragte die Großmutter. „Ich will keine Apps. Findest du es gerecht, dass ich mehr Geld für meine Straßenbahn-Karte zahlen muss, nur weil ich keine App habe?“

„Sieh es bitte anders, Mutter. Du bezahlst so viel wie immer. Aber diejenigen, die eine App haben, zahlen eben weniger. Das Angebot könntest du auch wahrnehmen.“

Die Großmutter lachte und legte auf. Einige Monate hörten sie nichts voneinander. Doch gegen Ostern 2021 meldete sich ihr Sohn.

„Mutter, ich möchte dir etwas mitteilen. Du wirst direkt nach Ostern geimpft. Ich komme mit deiner Hausärztin bei dir vorbei.“

„Was erzählst du da?“, fragte die Großmutter. „Ich habe weder Haustier noch Hausärztin. Und wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann für den zähnefletschenden Hund und nicht für die die Impfspritze zückende Medizinerin. Der Hund droht nur.“

Rotkäppchens Mutter hatte alles mit angehört, denn ihr Mann hatte das Telefon laut gestellt. Jetzt übernahm sie den Telefonhörer. Sie räusperte sich und sprach mit leiser, gebrochener Stimme: „Bitte, lass dich impfen. Dann brauchst du keine Angst mehr vor dem Virus zu haben.“

„Ich habe keine Angst“, sagte die Großmutter. „Ich misstraue nur der Impfung. Lieber stecke ich mich freiwillig an, als mich unfreiwillig impfen zu lassen.“

„Hilfe“, jammerte im Hintergrund Rotkäppchens Vater. „Ich kann nicht mehr. Meine Mutter ist selbstmordgefährdet.“

„Mutter, wir wollen dich doch so so so gerne besuchen“, sagte Rotkäppchens Mutter, die die Fassung behielt. „Aber es wäre viel viel viel schöner, wenn du geimpft bist, denn die Impfung schützt dich davor, dich bei uns anzustecken. Wir wissen ja nicht, ob wir nicht vielleicht ansteckend sind. Der Inzidenz-Wert ist erschreckend hoch.“

„Ich bin längst längst längst immun gegen euch“, sagte die Großmutter.

Rotkäppchens Vater machte sich große Sorgen. Eine Großmutter zu haben, die sich der Impfung verweigerte, konnte für Rotkäppchen rufschädigend sein. Überhaupt wurde die Großmutter für die Familie zunehmend zur Belastung. Es sprach sich herum, dass die Großmutter eine Corona-Leugnerin und Verschwörungstheoretikerin war. Irgendwer hatte sie auf einer Querdenker-Demo gesehen, denn sie war auf den Bildern in der Tagesschau deutlich zu erkennen gewesen, und zwar in den Reihen der AFD. Die Leute grüßten nicht mehr.

Am Telefon platzte Rotkäppchens Vater der Kragen: „Dass du mir das antust, Mutter!“

„Was lässt du dir erzählen?!“, schrie die Großmutter. „Ich finde die AFD fürchterlich, das weißt du doch. Außerdem bin ich viel zu faul zum Demonstrieren. Früher, ja. Da waren die Demos noch politische Volksfeste… Komm sing doch, Vogel, sing, daß Gorleben lebt… Ich kann ohnehin nicht mehr so lange stehen. Und auf Demos ist nie ein Klo in der Nähe. Ich denke nur, wir müssen über neue politische Aktionsformen nachdenken. Bei der Critical Mass Corona wäre ich gerne dabei. Ich wünsche mir dezentrale Aktionen.“

„Tu mir das nicht an, Mutter! Willst du etwa zu diesen aggressiven Radfahrern gehören, die den Straßenverkehr blockieren?“

„Du denen gehöre ich längst.“ Die Großmutter lächelte. „Ich war schon oft dabei. Außerdem sind nicht wir Radfahrer aggressiv, sondern die Autofahrer. Wir fahren im Pulk und halten anderthalb Meter Sicherheitsabstand voneinander. Ich bin jetzt auf das E-Dreirad umgestiegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren und um den Anschluss an die Gruppe zu halten. Junge, ich kann sitzend demonstrieren. Zur Zeit findet ja wegen Corona keine Critical Mass mehr statt. Die kritische Masse wurde platt gemacht. Höchste Zeit, sie wieder zu beleben, und zwar dezentral. Nicht nur zum Thema Klima, sondern zum Thema Corona. Ich wünsche mir kleine Pulks, die überall gleichzeitig starten und…“

„Stop!“, schrie Rotkäppchens Vater. „Du wirst dir die Knochen brechen. Wir müssen über das Haus reden, du müsstest renovieren, um den Wert des Hauses zu erhalten. Falls du Pflege brauchst und in ein Heim kommst, werden wir das Haus verkaufen müssen, um den Pflegeplatz finanzieren zu können. Mutter, unser Waldhaus steht unter Denkmalschutz, aber du lässt es vergammeln.“

„Das Waldhaus ist immer noch mein Haus“, sagte die Mutter.

„Aber wir müssen für die Pflege aufkommen.“

„Für welche Pflege?“

„Mutter, es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber du gefällst mir überhaupt nicht.“

„Danke gleichfalls“, sagte die Großmutter und legte auf. Sie seufzte tief. Die Corona-Krise brachte traurige Wahrheiten ans Licht. Die Zwangs-Maßnahmen wirkten: Die Reichen wurden immer reicher, die Armen immer ärmer. Starbucks und MacDonalds überlebten, aber die kleinen, lebendigen Cafés, Kneipen und Restaurants waren längst platt. Die Leute hatten sich der Macht gebeugt. Sie standen stramm, misstrauten und verpfiffen einander. Die Menschen unterwarfen sich den neuen Gesetzen und ließen sich lächelnd impfen, um endlich Ruhe zu haben. Der Umgangston war autoritär. Im Namen der Staatsgewalt maßregelten spießige Kinder ihre freundlichen alten Eltern. Ihr Sohn, ein Betriebswirt, der bei amazon auf die schiefe Geld-Bahn geraten war, war selbstbewusst wie noch nie.

Aber jetzt war die Gelegenheit da, dem Jungen die Wahrheit zu sagen. Ein paar Tage später rief sie ihn an.

„Es ist alles wieder gut“, sagte sie leise lachend. „Lass uns miteinander reden. Es ist schön, dass du dich um mich sorgst. Aber mach dir um das Geld keine Gedanken. Ich hab ausgesorgt, denn ich habe vor ein paar Jahren im Lotto gewonnen. Eine hübsche Summe im sechsstelligen Bereich.“

„Mutter, du… Warum hast du uns das nicht erzählt?“

„Ist ja schon peinlich.“

„Ach, Mutter. Weißt du was, wir werden dich besuchen, und zwar an Ostern, denn das müssen wir feiern. Aber vorher geht meine kleine Familie in die Vorquarantäne. Und anschließend machen wir noch einen kostenlosen Corona-Bürgertest. Für das Geld, das wir sparen, bringen wir dir Blumen mit.“

„Das würdet ihr für mich tun?“, fragte die Großmutter leise. „Gibt es jetzt eine Vorquarantäne für Menschen?“

„Aber ja“, sagte Rotkäppchens Vater und gluckste.

„Ich kenne die Vorquarantäne nur von den Haustieren, die die Leute nach Großbritannien mitnehmen wolllten“, sagte Rotkäppchens Großmutter. „Das war eine Regelung aus dem 19. Jahrhundert. Es konnte ja sein, dass die Tiere die Tollwut hatten, also mussten Hunde und Katzen bis vor 20 Jahren in die sechsmonatige Vor-Quarantäne, was natürlich maßlos übertrieben war. Du siehst, die Ansteckungs-Angst, die wir heute erleben, ist nicht neu. Aber eine Vor-Quarantäne ist meiner Meinung nach Tierquälerei.“

„Die Vorquarantäne für Menschen ist keine Quälerei, denn sie dauert nur wissenschaftlich empfohlene zehn Tage“, sagte Rotkäppchens Vater. „Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist vor Weihnachten mit der ganzen Familie in die Vorquarantäne gegangen, um die Schwiegermutter besuchen zu können. Ich finde das großartig.“

„Was ist daran großartig?“

„Dass offenbar die ganze Familie auf den Häuptling gehört hat“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das hätte ich auch gerne.“

„Ja, ja.“ Die Großmutter grinste. „Und woher weißt du das?“

„Aus der neuen OMA“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das Magazin für aktive Großeltern. Ich schicke dir eine Mail mit einem Foto vom Heft.“

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„Ein bildhübscher Junge“, sagte die Großmutter. „So einen wünscht man sich als Schwiegersohn. Du hattest mir ja im letzten Jahr sein Buch geschenkt: Nächste Ausfahrt Zukunft. Das war gut gemeint von dir, aber… Ein irreführender Buchtitel. Als wenn es so einfach wäre. Blinker setzen und raus aus der Patsche. Sich über die Navi informieren lassen und schnell die letzte Ausfahrt vor dem Total-Stau nehmen, während die anderen stecken bleiben. Nur hängen die Schlaumeier, die abfahren, dann oft stundenlang auf der Landstraße mit all denen, die ebenfalls meinten, schlauer zu sein. Außerdem macht der Ranga Auto-Werbung.“

„Wieso das denn?“

„Ich glaube kaum, dass er mit dem Fahrrad über die Autobahn fährt und radelnd die Ausfahrt Zukunft nimmt. Sag, hatte der Ranga die Idee mit der Vorquarantäne?“

„Jein“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das war mit Christian Drosten abgesprochen. Ranga Yogeshwar hat die Idee umgesetzt. Er hat es stellvertretend für uns alle ausprobiert. Großartig! Ich lese es dir vor …“

„Nein“, sagte die Großmutter. „Das hätte ich gerne schwarz auf weiß. Schick mir doch bitte ein Foto des Artikels per Mail.“

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„Für den Ranga Yogeshwar ist die Schwiegermutter… am Ende ihres Lebens“, sagte die Großmutter, nachdem sie den Artikel gelesen hatte. „Bin ich das für dich auch?“

„So würde ich das nie ausdrücken“, sagte Rotkäppchens Vater. „Aber wissenschaftlich korrekt ist das ja schon.“

„Ich bin enttäuscht“, sagte die Großmutter. „Was ist dem Ranga Yogeshwar passiert? Der ist doch eigentlich ein großartiger Journalist. Ist das noch der selbe Mann, der mutige, politisch kritische Berichte zum Thema Atommüll verfasst hat? Was ist mit ihm passiert? Wie dieser Mann sich neuerdings ausdrückt: Wir brauchen andere Strategien, auch mit Blick auf Schnelltests. Damit diese Menschen noch ein Stück Lebensqualität haben. Der Ausdruck Lebensqualität ist wirtschafts- und sozialwissenschaftlich korrekt, aber eiskalt. Außerdem ist das Werbesprech. Für wie tot hält er uns alte Menschen? Das ist Ausbeutung.“

„Wie kannst du so etwas sagen?“, empörte sich Rotkäppchens Vater. „Das ist doch keine Ausbeutung! Die Oma bekommt großzügige Geschenke. Yogeshwars Kinder haben ihr ein Smartphone gekauft. Mittlerweile ist die Schwiegermutter in der Familie die WhatsApp-Queen.“

„Das ist doch ein alter Schmarren“, sagte die Großmutter. „Der Ranga hat schon vor drei Jahren in einem Stern-Interview erzählt, dass die Schwiegermutter per WhatsApp mit den Enkeln kommuniziert. Ich schicke dir gerne den Link. https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/-ranga-yogeshwar–haben-roboter-bald-die-weltherrschaft-inne—7847034.html Mir gefällt das gar nicht., was er da tut. Er benutzt die Familie für Werbezwecke.“

„Wie bitte?!“

„Er macht hier Werbung für die Corona-Zwangsmaßnahmen“, sagte die Großmutter. „Und für die digitale Erneuerung, die mit den Maßnahmen einhergeht.“

„Du bist ja nur neidisch“, sagte Rotkäppchens Vater.

„Der Ranga ist zu schön, um wahr zu sein“, sagte die Großmutter. „Ich würde nur gerne wissen, wie die Schwiegermutter es findet, dass er von einem Magazin namens „OMA“ Tausenden von Schwiegermüttern in die Augen guckt. Aber sag, wie lange geht ihr drei in die Vorquarantäne?“

„10 Tage.“

„Eine gute Idee“, sagte die Großmutter. „Dann mache ich in den zehn Tagen den Frühjahrsputz. Es soll schön sein, wenn ihr kommt. Ja!“

Die Großmutter legte auf, atmete auf. Sie stand eine Weile nur so da und wurde dann mit einem Mal von einem tiefen Lachen ergriffen. Konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Sie machte sich in die Hose, aber es war ja kein Mensch in der Nähe, der das sah. Und die Zimmertierchen, die Silberfischchen, Stubenfliegen, Spinnen und Schneider, die Motten und Milben würde es ohnehin nicht interessieren. Es war ihr alles auf die schönste Weise egal. Mediziner würden das, was ihr geschah, einen Lachkrampf nennen, eine Affektinkontinenz. Aber das war kein Krampf, sondern ein Ausbruch, eine Befreiung. Das war einfach nur kosmisch.

Also ging Rotkäppchen mit ihrer Familie in die Vorquarantäne. Wenn sie bei schönem Wetter aus dem Fenster nach draußen guckte, sah Rotkäppchen, dass die selben Kinder, die sie unterrichtet hatte, die AHA-Regeln nicht beherzigten, sondern miteinander spielten und rauften. Sie rief beim Schuldirektor an und beschwerte sich.

„Petze“, sagte der Schulleiter. Ausgerechnet der Mann, der sie immer gefördert hatte. Rotkäppchen weinte bitterlich.

„Was ist los?“, fragte die Mutter, die ins Zimmer gerannt kam.

„Mir ist so langweilig“, sagte Rotkäppchen.

„Du hast doch jetzt deinen Podcast“, sagte die Mutter.

„Ich hab aber gar keine Freunde mehr“, sagte Rotkäppchen. „Ich kriege nur jeden Tag Mails mit Heiratsanträgen von angehenden Ärzten und Apothekern. Gestern war ein fünfzehnjähriger Medizinstudent dabei.“

„Wunderbar!“, freute sich die Mutter und klatschte in die Hände. „Der junge Mann hat mindestens drei Klassen übersprungen!“

„Mama, was soll ich denn damit? Mir ist so langweilig.“

„Stell dich nicht so an und sieh das positiv“, sagte die Mutter. „Dann langweilst du dich jetzt mal.“ https://web.de/magazine/ratgeber/kind-familie/laaangweilig-eltern-meistens-falsch-reagieren-34573652

Endlich war die Quarantäne vorbei. Alle drei hatten sich testen lassen. Welche Freude es war, negativ getestet worden zu sein. Mit dem Testergebnis gingen alle drei zum Friseur. Gut schauten sie aus.

Als sie am Waldhaus ankamen, stand die Tür weit offen, so wie damals, als Rotkäppchen bei der Großmutter ankam, aber der Wolf ihr zuvorgekommen war und die Großmutter gefressen hatte. Doch diesmal war alles anders. Auf der Wiese vor dem Haus blühten bunte Frühlingsblumen.

„Hereinspaziert“, rief von drinnen die Großmutter.

Der Hauseingang war hübsch geschmückt. Im Flur hatte die Großmutter die Osterhasen-Bilder aufgehängt, die Rotkäppchen vor ein paar Jahren gemalt hatte. Eine riesige Bodenvase mit blühenden Kirschzweigen, an denen bunte Eier hingen, verstellte den Blick auf den Wohnraum. Alles verhieß ein wundervolles Osterfest. Nur hatte das Rotkäppchen einen strengen Geruch in der Nase, der ihr bekannt vorkam.

„Darf ich vorstellen?“, sagte die Großmutter. „Das ist Wolf, mein neuer Ehemann und… “ Die Großmutter streichelte die Pfote des Wolfs, der neben ihr am Tisch saß und einen Napf mit Lamm-Ragout vor sich hatte, der Leibspeise von Rotkäppchens Vater.

„Ehemann und?“, wiederholte Rotkäppchens Mutter und hielt sich die Nase zu.

„Mein neuer Ehemann und mein Alleinerbe und…“

„Und?!“ Jetzt schrie Rotkäppchens Mutter.

„Vater meiner fünf Adoptivkinder“, sagte die Großmutter. „Endlich habe ich eine große und lustige Familie.“

„Juchhu“, freute sich Rotkäppchen. „Habe ich jetzt endlich Vettern und Kusinen?“

Die Großmutter nickte: „Mindestens 36.“

„Ist das amtlich?“, fragte Rotkäppchens Vater und setzte sich mit Abstand ans andere Ende des Tisches.

„Aber ja“, sagte die Großmutter. „Falls ich sterben sollte, was ich nicht vorhabe, können sich sechs Kinder über einen Pflichtanteil freuen. Das macht für dich, mein Sohn…“

„Ein Vierundzwanzigstel“, sagte Rotkäppchens Mutter, die Juristin war und Fachanwältin für Erbrecht. Sie hielt sich die Hand an den Kopf und ließ sich auf das ordentlich gemachte Bett der Großmutter fallen.

„Mutter, das glaub ich nicht“, sagte Rotkäppchens Vater.

„Das ist doch wohl nicht beurkundet, oder?“, fragte seine Frau.

„Doch“, sagte die Großmutter. „Wir wollten keine wilde Ehe. Es gibt ein handschriftliches, sicher verwahrtes Testament. Wolf tut sich schwer mit dem Schreiben, außerdem hat er nichts zu vererben. Ich bin der Part vom Paar, der schreiben kann.“

„Wie …?“ Rotkäppchens Vater atmete schwer. „Wie…. Wie habt ihr das gemacht? Ich meine, ihr müsst doch auf dem Standesamt gewesen sein.“

Großmutter lächelte: „FFP2.“

***

Ergänzung Pfingsten 2021:

Nur wenige Tage, nachdem ich die Geschichte aufgeschrieben hatte, überraschte mich die Nachricht, dass in der Nacht auf den Donnerstag im Kölner Nordwesten, ganz in der Nähe der autofreien Siedlung Stellwerk 60, ein Wolf gesichtet wurde. Wie einst der Rattenfänger von Hameln seine Chance witterte, als alle Erwachsenen in der Kirche waren, so nutzte dieser Wolf die nächtliche Ausgangssperre zu einem Streifzug durch die ungewöhnlich menschenleeren Stadtteile Ehrenfeld, Bilderstöckchen und Weidenpesch. Dass er mehrfach in den Nähe der mehrspurigen Straße namens Gürtel beobachtet wurde (Melatengürtel und Parkgürtel), überrascht mich nicht. Hier begegnen einem manchmal wilde Tiere. Vgl.: https://stellwerk60.com/2019/12/13/der-stadtjager-und-der-waschbar/

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Schon am nächsten Tag schaltete man das Lanuv ein, das „Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen“. Der Kölner Stadtanzeiger fasste den Stand der Ermittlungen folgendermaßen zusammen: „…In Köln gab es derweil noch einen weiteren Zwischenfall, in den ein Wolf involviert gewesen sein könnte. Am Donnerstag „wurden in der nördlichen Kölner Rheinaue vier tote Schafe gefunden, die in der Nacht von einem großen Hund oder einem Wolf getötet worden waren“, teilt das Lanuv mit. Ein Wolfsberater habe im Auftrag der Behörde die gerissenen Schafe dokumentiert und Proben für die genetische Untersuchung durch das Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen genommen. Wenn sich der Wolfsverdacht bestätigt, kann der Tierhalter eine Entschädigung beantragen, erklärt das Lanuv weiter…https://www.ksta.de/koeln/-extrem-selten–wolf-irrt-durch-koeln-und-wird-von-ueberwachungskamera-gefilmt-38411732 Mein großer Hund hat ein Alibi. Er war hier und hat geschlafen. DIE ZEIT DER WÖLFE ist nicht seine.

Corona-müder Mai: Mein Schlaf gehört mir, oder?

Am Tag vor dem 1.Mai wurde mir gegen 20h schlagartig klar, dass ich noch nicht eingekauft hatte. Der Feiertag fiel auf einen Samstag. Die Lebensmittelläden würden geschlossen sein, und auch der Samstagsmarkt auf dem Wilhelmplatz würde nicht stattfinden.

Also setzte ich mich aufs Rad und fuhr zur Neusser Straße. Doch offenbar ging es vielen Leuten wie mir, denn vor den Lebensmittelläden hatten sich lange Warteschlangen gebildet. Die drinnen waren, ließen sich Zeit, froh, endlich im Laden zu sein. Ich fuhr die Neusser Straße rauf und runter, aber die Schlangen verkürzten sich nicht. So radelte ich weiter Richtung 60-Viertel.

Vor dem REWE an der Nohlstraße standen auf dem Parkplatz etwa 50 Personen, die alle eine Maske trugen und den Sicherheitsabstand einhielten. Die lange Menschenreihe verlief nicht gerade, sondern bog sich, damit auch alle auf dem Parkplatz einen Platz fanden, in einem großen S zu einer Menschenschlange, die sich langsam auf den Weg machte Richtung Eingang. Sind wir vollends zu Kriecher-Tieren mutiert? Ich muss an die sich abseilenden Raupen der Gespinstmotte denken. (s. https://stellwerk60.com/?s=raupe+nimmerallein&submit=Suchen). Empfindet Angela Merkel, die aus der DDR stammt und vor der Wende oft in der Warte-Schlange stand, eine stille Freude daran, uns dabei zuzusehen, wie wir um Einlass betteln?

Ich bin in einer Walpurgisnacht noch nie so früh schlafen gegangen – im sicheren Wissen, nichts zu verpassen. Kein gutes Gefühl. Ich bin nicht einmal mehr neidisch auf die, die zu den großen, rauschenden Festen eingeladen werden, denn die großen, rauschenden Feste gibt es nicht mehr, allenfalls dort, wo ich nicht hinwill, hinter den verschlossenen Türen der Führungsetagen. Ich bin nicht eingeladen, aber auch nicht ausgeladen. Ich sehne mich nach dem Aschenputtel-Gefühl. Doch wir, das Volk, dürfen unter Androhung drakonischer Strafen nicht einmal mehr Volksfeste feiern.

Seit der alte Fernseher endlich kaputt ist, schlafe ich gut. Meine Träume erzählen mir viel. Warum ist unser Unbewusstes in der Lage, Geschichten zu spinnen? Warum erfindet es Handlungen, warum kreiert es Personen, die sinnvoll agieren? Die irrwitzige Corona-Politik ist nur mit Humor zu ertragen, und da ich Komödiantin bin, träume ich kleine Komödien (s. https://stellwerk60.com/2021/01/27/elfchen-im-ersten-wir-geben-euch-staatssicherheit-ein-gedicht-von-angela-merkel-das-sie-mir-vortrug-wahrend-ich-traumte/).

Ich empfinde den Nachtschlaf als sicheren Raum. Mein Schlaf gehört mir, und da ich gut schlafe, komme ich nicht auf die Idee, Schlaftabletten zu nehmen. Der Nachtschlaf ist unantastbar. So dachte ich, bis…

… ich vorhin las, dass wir uns in den Schlaf „daddeln“ lassen können. Tatsächlich wurde „die App Somnio entwickelt, ein digitales Schlaftraining, das auf der kognitiven Verhaltenstherapie basiert und zur Behandlung von Schlafstörungen verwendet werden kann. Angeleitet wird das Training von Albert, einem virtuellen Schlafcoach.“ https://somn.io

Von der Katastrophe profitieren viele, nicht nur Masken-Händler, Impfstoff- und Test-Entwickler. Das Corona-Jahr 2020, das viele Menschen um den Schlaf gebracht hat, hat u.a. somnio auf die Start-UP -Sprünge geholfen. Die virtuelle Schlaf-Überwachung gibt es auf Rezept, und dieses Rezept können nicht nur Ärzte und Psychotherapeuten ausstellen, sondern auch Telemedizinanbieter wie Teleclinic und ZAVA. Die Kosten der „Behandlung“ übernimmt die Krankenkasse. somnio kommt sanft daher, denn somnio ist eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA). Mich gruselt’s.

Was in Aldous Huxley’s Roman „Brave New World“ noch Soma war, die den Verstand einschläfernde Droge, verabreicht man uns heutzutage weder intramuskulär noch oral. Somnio geht, ohne dass Haut oder Schleimhaut tangiert werden müssten, dennoch unter die Haut und in unser Gehirn, einfach so. Denn Somnio kommt digital.

In der Hoffnung, trotz Ausgangssperre Maibäume zu sehen, machte ich mich am 1.Mai gut ausgeschlafen mit Hund Freki auf den Weg. Und siehe da…

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Mit dem klassischen Maibaum hat dieses Bäumchen kaum noch etwas zu tun. Es wurde an der Absperrung oberhalb der Zufahrt einer Fahrrad-Tiefgarage am 30.4. vor 21h angebracht. Das Bäumchen macht uns aufmerksam auf ein kleines, umzäuntes Stück Wiese. Im Hintergrund sehen wir zwei wackere Exemplare der Felsenbirne. Im letzten, viel zu trockenen Sommer waren ihre schmackhaften Beeren  ungenießbar und schrumpelig.                                                                     Aufmerksame Naturfreunde von Nachbarn60 haben ein „Insektenhotel“ in die Buchenhecke gesetzt. Vom Beitrag, den wir Mitglieder an den Verein Nachbarn60 zahlen, werden die Materialien finanziert. Was bleibt, ist viel ehrenamtliche Arbeit. An dieser Stelle möchte ich mich bei Nachbar Frank entschuldigen. Schließlich hatte ich versprochen, ihn bei der Pflege des Wildblumenstreifens zu unterstützen. Ich habe gekniffen, pardon. Ich bin leider ungeschickt und ungeduldig, was Gartenarbeit angeht, werde mich aber melden.                                                                 Hund Freki hatte  übrigens nach einem Ausflug ins Naafbachtal am Lid-Rand des rechten Auges seine erste diesjährige Zecke. Abgefallen ist sie noch am selben Tag.

Im letzten Jahr hatte die Stadt Köln, um dem wilden Maibaumsetzen Grenzen zu setzen, eine Pressemitteilung herausgebracht:

„… Montag, 20. April 2020, 16:08 Uhr

Ordnungsamt kontrolliert Versammlungsverbot auch in der Mainacht

Der diesjährige Verzicht auf den Maibaumverkauf steht im Zusammenhang mit dem aktuell geltenden Versammlungsverbot. Das Ordnungsamt wird daher auch in der Nacht auf den 1. Mai sehr genau darauf achten, dass die Kontaktvorgaben eingehalten werden. Maifeiern oder ein gemeinschaftliches Maibaumsetzen mit mehr als den nach der Corona-Schutzverordnung erlaubten Personen werden daher in diesem Jahr nicht möglich sein. Das Ordnungsamt wird Verstöße gegen die Bestimmungen konsequent ahnden. Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Jürgen Müllenberg…“ https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/21748/index.html

In diesem Jahr verzichtete die Stadt Köln auf eine Pressemitteilung. Für die Walpurgisnacht galt kein Versammlungsverbot, es gab auch kein Verbot von Maifeiern und kein Verbot des gemeinschaftlichen „Maibaumsetzens mit mehr als den nach der Corona-Schutzverordnung erlaubten Personen„. Es wurden keine einzelnen Verbote mehr ausgesprochen, weil ohnehin nichts mehr erlaubt war. Mit der bundesweiten Ausgangssperre ist die Walpurgisnacht abgeschafft worden.

Sind auch die traditionellen Mai-Kundgebungen abgeschafft worden? Auf meinem Abendspaziergang (nach 21h, aber mit Hund) höre ich mich um. In Köln, so erzählt mir ein Spaziergänger mit Hund, gab es eine Kundgebung auf dem Heumarkt – erwartungsgemäß mit Ausschreitungen und Festnahmen wegen zahlreicher Verstöße gegen die Corona-Verordnungen.

Doch wo war CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet? Es ist ja üblich, dass sich der Ministerpräsident auf einer zentralen Maikundgebung zeigt. Der Spaziergänger kann es mir auch nicht sagen. Ich äußere eine Vermutung: Wahrscheinlich gab es einen Laschet-Auftritt in der Landeshauptstadt – und zwar im Autokino.

„Unsinn“, sagt der Mann.

Ich begründe meine Vermutung. Im letzten Jahr waren die Ostergottesdienste ins Autokino verlegt worden, um die Gläubigen teilnehmen zu lassen. Ein Autokino in Düsseldorf hatte den Anfang gemacht, aber die Idee hatte schnell Nachahmer gefunden. Die Gottesdienst-Besucher mussten sich und ihren PKW im Vorfeld anmelden, damit man im Falle einer Infektion den Infektionsweg nachverfolgen konnte. So hätte man Laschet auftreten lassen können, ohne zu befürchten, dass er Opfer von Corona, von Buhrufen und anderen Anfeindungen werden würde. Im Gegenteil, ein aufmunterndes Hup-Konzert von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern wäre ihm sicher gewesen.

Der Herr mit Hund lacht mich aus. Die vielen Menschen, die an einer Mai-Kundgebung teilnehmen, seien doch die eigentlichen Akteure, sie seien doch keine Zuschauer. Der Redner sei nur ein Art Ehren-Gast. Es ginge doch um Solidarität, um die Menschen: „Wenn der Armin Laschet im Autokino auftritt, wird doch dem letzten klar, dass er nur Wahlkampf macht und an den Menschen nicht interessiert ist.“ Der Spaziergänger verabschiedet sich.

„Beantworten Sie mir bitte noch eine Frage“, sage ich schnell. „Was hätten Sie am 1.Mai gemacht, wenn Sie Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wären?“

Der Mann überlegt kurz und sagt dann: „Wenn ich Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wäre, würde ich den Menschen sagen, dass es mir leid tut, dass die Genossinnen und Genossen in diesem Jahr nicht wie gewohnt zusammenkommen können – Und dann würde ich solidarisch schweigen.“

„Ob der Laschet schweigen kann?“

„Aber ja“, sagt der Mann.

„Aber nein“, sage ich. „Um was wetten wir?“

Noch spät am Abend setze ich mich an den Rechner. Immerhin haben wir um eine Dose ROMEO für große Hunde gewettet. Und was erfahre ich? Tatsächlich hat die zentrale NRW- Mai-Kundgebung auf einem Düsseldorfer Messeparkplatz stattgefunden, der vor einem Jahr zu einem Autokino umfunktioniert worden war. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Abend-Spaziergang.

Freundlicherweise hat der DGB ein Video ins Internet gestellt. Laschets Auftritt beginnt nach etwa 50 Minuten und dauert bis ca 1:16:20.

Zwei Vertreterinnen der DGB-Jugend überreichten Laschet ein überdimensionales „Hausaufgabenheft“ (1:13:00). Eine abgeschmackte Idee – und die beiden jungen Frauen umschmeichelten ihren Landes-Vater auch noch mit anbiedernden Worten: „Wir haben gehört, Sie streben die Versetzung ins Kanzleramt an, da haben wir gedacht, da gibt’s noch einiges zu tun.“ Dass der DGB so offen CDU-Wahlwerbung macht, finde ich kaum noch erträglich.

Jens Schneider, ein Journalist der Süddeutschen Zeitung und vermutlich kein CDU- Sympathisant, hat ein schönes Stimmungsbild verfasst, das ich hier gerne zitiere: „… Es ist eines der merkwürdigen Bilder, die später als Symbol für diese schwierige und auch bizarre Zeit dienen könnten. Eine Kundgebung an diesem Samstag zum Tag der Arbeit, in Corona-Zeiten: ein Autokino in Düsseldorf, vor einer Bühne stehen Autos in Reihen, in denen die Teilnehmer der Mai-Demo sitzen. Mehr Sicherheitsabstand zu den Nebenleuten geht kaum. Einige haben Gewerkschaftsfahnen dabei, die über dem Auto im Wind flattern, und wenn ihnen auf der Bühne etwas gefällt, lassen sie ihre Hupe ertönen. Und man kann im Internet zuschauen.https://www.sueddeutsche.de/politik/laschet-dgb-kanzlerkandidat-1.5281235

Dass Laschet eine rote Maske trug, bleibt nicht unerwähnt – eine überdimensionale Pappnase.