GroKo stoppen! Teil 1: Karo Lusche(t)

Müssen Bundes-Kanzlerkandidaten eigentlich ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen?

Dass die Frage so abwegig nicht ist, bestätigt ein Blick ins Internet. In Zeiten, wo sich die Volksvertreter von den Bürgerinnen und Bürgern bedroht fühlen, von uns, dem Volk, wachsen Nervosität und Unsicherheit: „Bielefeld. Der NRW-Landtag will die Sicherheit erhöhen und seine Regeln verschärfen. Das berichtet die in Bielefeld erscheinende „Neue Westfälische“ (Samstagsausgabe). Mitarbeiter von Abgeordneten sollen künftig verpflichtet werden, ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Abgeordnete sollen bei bei Störungen im Landtag mit einem Ordnungsgeld von 1.000 Euro belegt werden können. Anlass seien unter anderem die Vorfälle im Bundestag, bei denen Besucher Abgeordnete bedrängt hatten. Der Gesetzesentwurf wird jetzt in den Fraktionenberaten.https://www.presseportal.de/pm/65487/4904493 (Kleine Anmerkung: Ich habe, damit man mir keine Zitierfehler vorwirft, die kleinen Flüchtigkeitsfehler mitzitiert.)

Im Vorfeld der Bundestagswahl im September wurden unlängst, wie zu hören und zu lesen war, die Lebensläufe von Kanzlerkandidatin und Kanzlerkandidat überprüft. Daraufhin musste Annalena Baerbock ungenaue Angaben zu ihrer beruflichen und akademischen Laufbahn korrigieren. In einem TAZ-Artikel mit der unverschämtem Schlagzeile Kanzlerkandidatin trotz Lebenslauf, was so klingt, als sei Frau Baerbock vorbestraft, fasst ein Autor namens Julian Jestadt am 12.6. zusammen, was in verschiedenen Viten nicht korrekt oder nur unvollständig angegeben war. Zum Beispiel kann Annalena Baerbock zwar einen Master-, aber keinen Bachelor-Abschluss vorweisen, den zu haben sie selber nie behauptet hat, wohl aber die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung. Ich möchte den Artikel empfehlen, denn er ist eine genau gearbeitete journalistische Fleißarbeit und sehr Informativ: https://taz.de/Gruenen-Politikerin-Annalena-Baerbock/!5778473/

Was man Frau Baerbock vorwirft, ist banal. Und warum interessiert man sich für die Lebensdaten, nicht aber für den Menschen? Ich glaube, Annalena Baerbock ist nicht nur klug, sondern warmherzig und respektvoll. Sie besitzt (noch) nicht die politische Leidenschaft einer Petra Kelly, aber sie ist weniger zerbrechlich. Sie ist dickfellig genug, Nörgeleien und Anfeindungen an sich abprallen zu lassen. Und sie ist bereit mitzuspielen auf einer politischen Bühne, wo Eitelkeit, Geldgier, Vetternwirtschaft, Macht und Marketing längst die Hauptrollen spielen.

Meine Empfehlung zur Bundestagswahl: Annalena wählen!

Doch nach aktuellen Umfragen liegen CDU/CSU vorne. Markus Söder reibt sich lachend die Hände: „Die Grünen haben in der letzten Zeit ein Eigentor nach dem anderen geschossen. Die Eignungsprüfung fürs Kanzleramt haben sie jedenfalls nicht bestanden.“ https://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2021-im-news-ticker-attacke-von-soeder-den-gruenen-kann-man-die-fuehrung-deutschlands-nicht-anvertrauen_id_13287063.html

Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ich schaue mir den Kandidaten der CDU an. Mich interessieren weder Mitgliedschaften noch akademische Titel, mich interessiert Armin Laschet.

Fast dankbar bin ich Armin Laschet dafür, dass er sich vor sechs Jahren einmal so verhalten hat, wie einer sich nur verhält, wenn er meint, unbeobachtet zu sein. In verschiedenen Zeitungen wurde jetzt an eine Provinzposse erinnert, die sich weitab von der Hauptstadt abgespielt hat, und zwar im äußersten Westen der Republik. Wäre Laschet im Jahr 2015 nicht CDU-Landtagsfraktionschef gewesen, sondern schon Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, was er zwei Jahre später wurde, hätte die Sache gewiss mehr Aufsehen erregt.

Leider wurde in allen aktuellen Artikeln, die ich gelesen habe, die Geschichte verkürzt dargestellt und der Skandal zum Kavaliersdelikt heruntergespielt. Daher zitiere ich den präzisen Wikipedia – Eintrag. Ich habe das, was scheinbar nebensächlich ist, „fett“ markiert.

„… Von 1999 bis 2015 hatte Laschet einen Lehrauftrag an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, den er zurückgab, nachdem von ihm zu korrigierende Klausuren im MasterfachPolitikwissenschaft „auf dem Postweg abhandengekommen“ sein sollen und er die Noten anhand seiner Aufzeichnungen „rekonstruiert“ hatte. Dieses Vorgehen war unter anderem dadurch aufgefallen, dass einige Studierende eine Benotung erhielten, obwohl sie an der Klausur nicht teilgenommen hatten. Bereits vor der Rückgabe des Lehrauftrages durch Laschet zog die Hochschule die Konsequenz, ihn künftig Lehrveranstaltungen nur noch in Form von Zusatzkursen ohne Prüfungsleistung anbieten zu lassen. Laschets Glaubwürdigkeit im akademischen Bildungsbereich galt durch den Skandal als erschüttert.[117][118][119] …“

Indem sie ihm die Prüfungsberechtigung entzog, degradierte die Universitätsleitung den Polit-Promi Armin Laschet. Die Entscheidung, ihn nicht zu entlassen, war dennoch fair, denn so gab man Laschet die Möglichkeit, den Lehrauftrag „freiwillig“ zurückzugegeben.

Doch kann man einem Mann, dessen Glaubwürdigkeit im akademischen Bildungsbereich als erschüttert galt und wohl immer noch gilt, im politischen Bereich Glauben schenken? Wie konnte Laschet zwei Jahre später Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden? Und wie kann es jemand nach solch einem Skandal überhaupt wagen, für das Amt des Bundeskanzlers zu kandidieren?

Zwar ist der Skandal sechs Jahre her, doch derzeit hochaktuell. Denn es geht hier um das Fehlverhalten eines Mannes, der Bundeskanzler werden will. Allerdings hat die Geschichte auch eine gewisse Tragikomik. Wer über Laschet lachen will, lese bitte folgenden wunderbar plastischen Artikel aus dem Jahr 2015: https://www.welt.de/politik/deutschland/article141847297/Laschet-gibt-Lehrauftrag-nach-Noten-Skandal-auf.html

Es gibt da noch ein anderes Detail im Lebenslauf: Armin Laschet hat seinerzeit die neunte oder zehnte Schulklasse wiederholen müssen. Es gibt da widersprüchliche Angaben. Version 1: „Er besuchte von 1971 bis 1976 das Rhein-Maas-Gymnasium Aachen, wo er das Klassenziel der 9. Klasse nicht erreichte.“ (Wikipedia) Version 2: „Laschet bleibt in der zehnten Klasse auf dem technisch geprägten städtischen Rhein-Maas-Gymnasium sitzen.“ (Der Machtmenschliche: Armin Laschet. Die Biographie) Ich habe nachgerechnet, was nicht schwer ist: Version 1 ist korrekt.

Dass Laschet eine Klasse wiederholt hat, ist mir durchaus sympathisch. Mit 15 oder 16 Jahren hat man anderes im Kopf als Schule. Wir werden erwachsen, wir realisieren, dass das Leben endlich ist, wir fragen nach dem Sinn des Lebens. Was interessiert da der Unterschied zwischen Gerundium und Gerundivum bzw. zwischen Lanzettfischchen und Neunauge? Sitzenbleiben gehört abgeschafft.

Da Laschet Kanzler werden will, könnte es schon ein Problem sein, einmal das „Klassenziel“ nicht erreicht zu haben, zumal Amtsinhaberin Angela Merkel kein einziges Mal sitzengeblieben ist und einen Abi-Durchschnitt von 1,0 vorweisen kann. Unserer Bundeskanzlerin, so hörte ich einmal, könne man keine größere Freude machen, als sie nach ihrem Abi-Durchschnitt zu fragen.

Anfang des Jahres könnte ein PR-Berater auf Laschet zugekommen sein:

„Armin, du willst doch Bundeskanzler werden. Und deshalb müssen wir dringend deinen „Wikipedia“-Eintrag überarbeiten. Ich weiß, es ist ein wunder Punkt, aber jetzt, wo „Wikipedia“ 20 Jahre alt wird und alle vor „Wikipedia“ den Hut ziehen, muss dort stehen, dass du einmal eine Klasse wiederholt hast.“ Laschet schüttelt heftig den Kopf.

„Armin, sei vernünftig. Dass du eine Klasse wiederholt hast, ist längst öffentlich. Das kann jeder in deiner neuen Biographie nachlesen. „Der Machtmenschliche. Armin Laschet: Die Biographie.““

„Aber das ist es ja“, sagt Laschet. „Da steht es falsch. Ich habe doch nicht das zehnte, sondern das neunte Schuljahr wiederholt. Ich habe den Autoren gesagt, dass ich die Versetzung in die zehnte Klasse nicht geschafft habe. Sie haben daraufhin geschrieben, dass ich in der zehnten Klasse sitzengeblieben bin. Und jetzt soll ich deren Fehler ausbaden? Nie!“

„Armin, die Chancen, dass du Kanzlerkandidat wirst, stehen gut. Der Söder ist ein Holzfäller-Typ, der vielen gefällt, aber die CDU wird nicht zulassen, dass ein CSU-Mann Kanzlerkandidat wird. Aber wenn der Söder publik macht, dass du da etwas verschweigst, könnte dich das die Kanzlerkandidatur kosten.“

Laschet seufzt: „Aber fällt das nicht erst recht auf, wenn es jetzt plötzlich da steht… Das sieht so aus, als hätte ich meine Ehrenrunde bewusst über all die Jahre verschwiegen.“

„Armin, wenn wir es nicht noch im Januar ändern, könnte man dir später einen Täuschungsversuch unterstellen. Und außerdem: Wer vergleicht schon „Der Machtmenschliche“ mit „Wikipedia“. Und wer guckt schon in die „Wikipedia“-Versionsgeschichte?

Herbst 2020: Vor einem Haus am Wartburgplatz in Nippes entdecke ich eine „Zu Verschenken“ – Kiste. Es nieselt. Neben der Kiste liegt auf dem Boden eine leicht aufgeweichte, verschmuddelte Spielkarte mit CDU-Aufdruck. Keine gute Werbung. Ich gucke in die Kiste und entdecke neben ein paar Büchern, die auch schon feucht geworden sind, weitere Spielkarten. Aber mich interessiert nur die eine. Wie stehen die Chancen für die CDU bei der Bundestagswahl 2021? Vielleicht kann, vielleicht will mir die Karte das sagen. Soll ich sie umdrehen?

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Ich zögere, sie umzudrehen. Ich habe Angst, dass eine Kreuzdame zum Vorschein kommt, die höchste figürliche Karte im Doppelkopf, oder aber ein Kreuzbube, die höchste figürliche Karte im Skat. Mir klopft das Herz…

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„Beifang“ …  Karo- Lusche(t)… Ich nehme die Karte mit nach Hause, wo sie seitdem den Kühlschrank schmückt…

Wie Annalena Baerbock habe ich Politische Wissenschaften studiert, aber nur bis zur Zwischenprüfung (vergleichbar mit Frau Baerbocks Vordiplom).

Das Studium war öde und uninspirierend. Der Professor, der die Zwischenprüfung abnahm, Thema: „Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland“, war Prof. Dr. Peter Graf von Kielmansegg, ein Erzkonservativer mit großer Angst vor Veränderung. Ich erinnere mich an ein Seminar im Wintersemester 1979/80.

Januar 1980. Gerade war die Partei DIE GRÜNEN gegründet worden. Ich weiß noch, wie Prof Dr. Peter Graf von Kielmansegg wie von einem Insekt gestochen mitten in der Seminar-Stunde aufsprang und in den Raum schrie: „Die GRÜNEN sind eine Eintagsfliege!“ Wir Studenten (pardon, aber wir empfanden uns nicht als „Studierende“) guckten uns an und lachten.

Annnalena wählen!

Dreifachimpfung in einer Osnabrücker Eisdiele?- Was dahinter steckt

Meine Tochter Lea ruft mich am Sonntagabend aufgeregt an: „Mama, ich hab da was erlebt. Eine Corona-Impf-Geschichte. In der Eisdiele…“ Ich will genauer wissen, was passiert ist, ich platze vor Neugier, aber meine Tochter lässt mich eine Weile zappeln. Dann erzählt sie mehr: Am Nachmittag ist sie mit Freundin Cora* in einer Osnabrücker Eisdiele gewesen. Dort bietet man Eisbecher mit Namen Impfung an. Meine erste Frage lautet wie immer: „Hast du Fotos gemacht?“

Das ist das Schöne am Smartphone: Sie hat.

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Eis ist süß – Corona ist für Kinder in aller Regel harmlos.

Ich bat meine Tochter aufzuschreiben, was sie erlebt hat. Gestern morgen schickte sie mir dann einen kleinen Dialog, den ich ein bisschen ausgeschmückt habe, vor allem den Part der Eisdielen-Chefin. Diese Eisdielen-Chefin erinnert mich an Angela Merkel. Deshalb habe ich aus der Mama der jungen Eisverkäuferin eine Mutti gemacht.

Mein Wahlkampf-Vorschlag für die Große Koalition in Berlin: Könnte sich nicht Angela Merkel unters Volk mischen und Eisbecher namens Impfung verkaufen, wo doch Karl Lauterbach im Impfzentrum munter mitgeimpft hat? Ich glaube nämlich, dass Angela Merkel die Idee, dass man Impfungs-Eisbecher verkauft, richtig toll fände.

Ort des Geschehens: Eine Eisdiele in Osnabrück-Sutthausen.


Cora: Sagen Sie mal, wer von Ihnen ist für die Namen der Eisbecher verantwortlich?

Eisverkäuferin: Meine Mama. „Mama“ kommt und stellt sich neben die Tochter.

Cora: Wenn man in die Eisdiele kommt, möchte man doch das Eis genießen und nicht auch noch hier mit dem Thema Impfung konfrontiert werden. Wollen Sie Ihre Namensgebung nicht noch einmal überdenken?

Mutti leise lachend: Keine Bange, Sie werden nicht geimpft. Das sind nämlich nur Eisbecher.

Cora: Das hab ich mir gedacht, aber das finde ich gar nicht lustig.

Mutti: Sie vielleicht nicht. Sie verstehen wohl keinen Spaß. Bisher hat die Kundschaft den Humor verstanden, und die Becher sind gut angekommen. Weil es kreativ ist.

Cora: Ich finde es überhaupt nicht kreativ.

Mutti: Ich erkläre es Ihnen. Also: Bei der Impfung 1 gebe ich Vanilleeis und Erdbeereis in den Becher. Und dann komme ich mit dem Tupfer, aber ich tupfe das Eis natürlich nicht ab. In diesem Fall ist der Tupfer ein Sahne-Tupfer, eine große Portion allererste Sahne… Weiße Schokoraspeln… Und zu guter Letzt… Kichert… Zu guter Letzt komme ich noch mit der Erdbeerspritze. Den Inhalt spritze ich aber nur in den Eisbecher. Versprochen! Und meine Erdbeerspritze enthält nur Erdbeersoße. Aber da fehlt noch was… Na? Guckt Lea und Cora grinsend an… Da fehlt das Pflaster. Aber das klebe ich Ihnen nicht auf den Arm, das klebe ich nicht auf den Eisbecher, sondern… Kichert… Das klebe ich Ihnen aufs Mäulchen…

Lea: Ich will Ihnen noch was sagen. Es sind doch die Kinder, die besonders gerne Eis essen. Und die 12jährigen können ab morgen geimpft werden. Sie kriegen hier einen süßen Vorgeschmack auf eine Impfung, die doch sehr fragwürdig ist. In meinen Augen machen Sie Impf-Werbung.

Eisverkäuferin (Tochter): Danke für Ihre Rückmeldung.

Lea: Ihr Eis ist lecker, aber wir beide werden nicht mehr in diese Eisdiele kommen.

Eisverkäuferin (Tochter): Damit können wir leben.

***

Kleine Ergänzung: Cora und Lea mögen klassische Eis-Kreationen, insbesondere Spaghettieis. Das beste Spaghetti-Eis rundum Osnabrück gibt es, wie die beiden sagen, in Hagen am Teutoburger Wald. „Spaghettieis“ ist zwar im Jahr 1969 von einem Italiener kreiert worden, aber typisch deutsch: „Spaghettieis ist eine in Deutschland übliche Speiseeis-Zubereitung, die optisch an Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesan erinnern soll.“ (wikipedia)

*Cora heißt in Wirklichkeit anders. Ich habe ihren Namen geändert, da Cora im Gesundheits-Bereich arbeitet, aber ein Impfangebot nicht angenommen hat.

***

„… Die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig…“ https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/coronavirus-impfung-faq-1788988#toggledown-content-8 7.6.2021

Seit Anfang der Woche können sich auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren impfen lassen, genauer gesagt: Eltern vom Kindern ab zwölf Jahren können es zulassen, dass ihre Kinder geimpft werden. Dabei kann eine Corona-Infektion Kindern nicht viel anhaben.

12jährige Kinder sind noch nicht in der Lage einzuschätzen, was da passiert. Selbst von der impffreudigen STIKO gibt es nur eine eingeschränkte Empfehlung. Das ist gut so. Eltern, die der Impfung skeptisch gegenüber stehen, können sich (noch) auf die STIKO berufen.

Viele Gründe sprechen gegen die Corona-Kinder-Massenimpfung. Ich persönlich finde es unverantwortlich, heranreifenden („pubertierenden“) jungen Menschen, die dabei sind, sich zu Erwachsenen zu entwickeln, einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen, der unter Umständen in die biologischen Rhythmen eingreift. Es gibt Hinweise darauf, dass die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna den weiblichen Zyklus manipulieren: „… Viele Menschen teilten ihre eigenen Geschichten auf Twitter. „Ich bin genau eine Woche nach meiner zweiten Moderna-Impfung und habe einen sehr schweren Zyklus, und ich bin ungefähr 2,5 Wochen zu früh“, schrieb eine Nutzerin. „Ich habe Moderna am letzten Tag meiner Periode bekommen. Neun (!!!!) Tage später bekam ich eine weitere Periode und es war ein Albtraum“, kommentierte eine andere.…“ Die das twittern, sind keine jungen Mädchen, sondern erwachsene Frauen, deren Zyklus sich längst eingespielt hat. https://www.fr.de/wissen/corona-coronavirus-impfung-impfstoff-menstruation-periode-blutungen-kraempfe-90479717.html

Dabei schont das Virus (tendenziell) uns Frauen. Während insbesondere Frauen schwere Nebenwirkungen der Impfung beschreiben, schützt unser Geschlecht uns davor, „in Zusammenhang mit Corona“ zu sterben. Aktuelle Zahlen für Deutschland: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1104173/umfrage/todesfaelle-aufgrund-des-coronavirus-in-deutschland-nach-geschlecht/

Ich habe nachgezählt und nachgerechnet (Stand: 8.6.2021): Von den insgesamt knapp 90.000 Toten „in Zusammenhang mit Corona“ waren nur 3889 Menschen unter 60 Jahre alt. Und (immer noch „nur“) 11.880 Verstorbene waren unter 70. Von diesen Menschen waren 3579 weiblich und 8301 männlich.

Unter allen „im Zusammenhang mit Corona“ Verstorbenen unter 70 gibt es also mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen. Das Verhältnis ändert sich auch bei den 70 bis 79jährigen Verstorbenen kaum (6656 Frauen : 11763 Männer). Erst bei den über 80jährigen Corona-Toten sind Männer und Frauen gleichauf, und mit über 90 sterben „in Zusammenhang mit Corona“ deutlich mehr Frauen. Der Grund: Die höhere Lebenserwartung der Frauen. Über 80jährige sind nun mal vorwiegend weiblich.

Impfungen sind medizinische Errungenschaften. Es gibt schwere Krankheiten, denen mit einer Impfung vorgebeugt werden kann, etwa die Kinderlähmung. Die Polio-Impfung ist segensreich. Aber auch dieser zur Zeit viel zitierten „Erfolgsgeschichte“ ging eine Katastrophe voraus, die offenbar in Vergessenheit geraten ist. In den 1950er Jahren wurden Kinder bei einem Großversuch in den USA „versehentlich“ mit Polio infiziert. Stell dir vor, du wirst gegen eine schwere Krankheit geimpft, aber im Impfstoff ist der Erreger dieser Krankheit aktiv. Diese Horror-Vorstellung wurde für hunderttausende Kinder Wirklichkeit.

„… Seit den 1930er Jahren gab es Versuche, einen Polioimpfstoff herzustellen, meist mit durch Formaldehyd inaktivierten Viren. Diese waren jedoch nicht wirksam. Erst 1954 konnte in den USA ein von Salk und Mitarbeitern hergestellter inaktivierter Polioimpfstoff in einer großen randomisierten klinischen Studie mit mehreren hunderttausend Kindern getestet werden. Eine Zulassung des Impfstoffes erfolgte unmittelbar nach Bekanntgabe der Studienergebnisse 1955.

Wenige Wochen nach Beginn des Routineeinsatzes des inaktivierten Impfstoffes in den USA kam es zu einem schweren Zwischenfall. Durch Mängel in der Produktion gelangten nicht inaktivierte Polioviren in den Impfstoff. Dadurch wurden mehrere hunderttausend Kinder infiziert, es kam zu 51 Fällen von dauerhafter Paralyse und zu fünf Todesfällen. Dieser nach dem Hersteller Cutter Laboratories benannte Cutter-Incident gilt als einer der schwersten Arzneimittelskandale in den USA. Untersuchungen ergaben, dass Reste von Zellkulturzellen in der Virussuspension die vollständige Inaktivierung durch Formaldehyd verhindert hatten.[28] (wikipedia)

Der Ausdruck „Arzneimittelskandal“ banalisiert das, was passiert ist. Wir brauchen neue Begriffe für die menschenverursachten medizinischen Katastrophen. Und:

Wir brauchen einen neuen „Hippokratischen Eid“, der anders als der ursprüngliche Eid das Kind nicht ausklammert, sondern DAS ZU SCHÜTZENDE KIND in den Mittelpunkt rückt.

Zufällig finde ich meinen Impfpass -und mache eine beunruhigende Entdeckung

Ein sonniger Sonntagnachmittag Ende August 2015: Wir sitzen zu sechst an einem Garten-Tisch und essen Pflaumenkuchen. Alle sind Stammkunden im Nippeser Weinhaus im Viertel. Es ist gar nicht so sehr der Wein, der Künstler und Lebenskünstler ins Weinhaus lockt, sondern die inspirierende Chefin vor Ort: Dagmar Johanna Matthias. Bei einer ihrer ungewöhnlichen Weinproben haben wir uns zum Pflaumenkuchen verabredet.

Der Garten gehört zu einem alten Haus in der Turmstraße. Die Gastgeber, ein Musiker-Paar, sind über 20 Jahre jünger als ich und wohnen hier zur Miete. Der Garten wird von allen Parteien genutzt. Ich genieße es, hier zu sitzen, in einem dieser verwilderten Nippeser Gärten, die man von der Straße aus nicht sieht und in die man nur durchs Treppenhaus kommt.

Weil ich nicht gerne Kuchen esse, habe ich mir nur ein kleines Stück geben lassen, aber viel Sahne dazu. Ich süße nach und lasse mir die Zuckerkrümel, die sich so schnell nicht auflösen, auf der Zunge zergehen.

Ich denke an meinen Vater, der Kuchen mochte und heute 93 Jahre alt geworden wäre. Er war ein kämpferischer Skat-Spieler und Kommunalpolitiker, aber eigentlich ein sanftmütiger, respektvoller Mensch. Mein Vater hatte ein großes Durchsetzungsvermögen, aber er gebrauchte niemals die Ellenbogen, sondern nur den Verstand.

Manchmal ist Angriffslust konstruktiv. Während ich mir das bewusst mache, kommt plötzlich ein angriffslustiges Insekt in einer Art Sturzflug auf mich zu und sticht mich in den Finger. Es tut richtig fies weh. Am Stachel, der steckengeblieben ist, erkenne ich, dass es sich um eine Biene handelt und nicht um eine Wespe. Mit den Fingern der anderen Hand ziehe ich den Stachel heraus und ärgere mich. Warum ausgerechnet ich?, jammere ich.

Darum ausgerechnet ich, weiß ich heute.

Am nächsten Morgen ist nicht nur der Finger angeschwollen, sondern auch die Hand. Am zweiten Tag ist die Hand so dick, dass ich beschließe, zum Arzt zu gehen. Da ich keinen Hausarzt habe, lasse ich mir einen empfehlen. Er schaut sich die Hand an, verschreibt mir ein Antibiotikum und verordnet eine Tetanus-Impfung. Eine Helferin verbindet die Hand und gibt mir eine Spritze in den Oberarm. Sie macht das gut, denn ich spüre nicht viel, es ist nur kitzelig.

Ich finde es praktisch, mich bei der Gelegenheit gegen Tetanus impfen zu lassen. Da ich oft im Garten arbeite und mich dabei immer wieder in den Dornen der Rose verfange, hatte ich es ohnehin vor. Man händigt mir einen Impf-Ausweis aus, den ich zu Hause, ohne ihn mir genau anzugucken, in eine Schublade lege.

Deutschland sucht den Impfpass“ war der Titel einer Werbe- Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2018. Ich habe meinen Ausweis nicht gesucht, ihn aber vor ein paar Wochen beim Aufräumen zufällig gefunden.

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Ein No-Name-Exemplar. Es ist, als bekäme man einen neuen Reisepass ausgehändigt und sollte selber seinen Namen nachtragen. Ich finde, die Arzthelferin hätte sich über Verband und Spritze hinaus die Zeit nehmen müssen, das Deckblatt auszufüllen. Dass man von den Geimpften erwartet, dass sie das selber tun, nennt man dann wohl „Patientenautonomie“. Das leere Deckblatt meines Impfpasses spiegelt eine gewisse Wurschtigkeit wider, ein fahrlässiges Desinteresse, das uns leider heutzutage in vielen Arztpraxen begegnet. Bei der Corona-Impfung wäre das nicht passiert. Da herrscht -insbesondere in Bezug auf die Personenkontrolle- deutsche Gründlichkeit vor.

Aber es kommt noch schlimmer, denn ich schlage den Ausweis auf:

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Ich bin zwar gegen Tetanus geimpft worden, aber nicht nur! Auch gegen Keuchhusten, Kinderlähmung und Diphtherie … Man hat mir, ohne mich zu fragen oder mich zu informieren, vier Impfungen auf- bzw. reingedrückt.  „Das ist Körperverletzung“, sagt ein Anwalt, bei dem ich mich erkundige. Nur ist die Impfung fast fünf Jahre her, und ich war leider so blöd, einem Arzt, den ich nicht kannte, nur deshalb zu vertrauen, weil er Arzt ist. Ich habe wirklich gedacht, dass ich ausschließlich gegen Tetanus geimpft werde, wenn man mir erzählt, dass man mich gegen Tetanus impft. Schön doof. Für den Arzt ist es keine Körperverletzung, sondern Alltag. Außerdem macht er sozusagen „Dienst nach Empfehlung“, denn diese Vierfach -Auffrischimpfung ist eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO).                                                                                                       Im Internet entdecke ich dann tatsächlich einen Beipackzettel von REPEVAX, das auch für Kinder ab drei Jahren empfohlen wird. https://mein.sanofi.de/produkte/REPEVAX Mittlerweile findet man im Netz ja nicht nur Gebrauchsanleitungen für Elektrogeräte oder Anleitungen zum Aufbau von IKEA-Möbeln, sondern auch Beipackzettel von Fertig-Impfspritzen, die man per Rezept u.a. bei DocMorris bestellen kann.  https://www.docmorris.de/repevax-injektsuspiefertigspritze-mi/11241161 Ich lese den REPEVAX-Beipackzettel und kotze fast: „… Darüber hinaus wurden nach Markteinführung von REPEVAX weitere unten aufgeführte Nebenwirkungen in den verschiedenen Altersgruppen, für die der Impfstoff empfohlen wird, beobachtet. Die tatsächliche Häufigkeit kann nicht genau berechnet werden, da dann die spontan erhaltenen Meldungen auf die geschätzte Anzahl geimpfter Personen bezogen werden müsste. Erkrankung der Lymphknoten, allergische/schwerwiegende allergische Reaktion, Krampfanfall, Ohnmachtsanfall, Lähmung von Teilen des Körpers oder des gesamten Körpers (Guillain-BarréSyndrom), Lähmung des Gesichtsnervs, Rückenmarksentzündung, Entzündung der Armnerven (brachiale Neuritis), vorübergehender Gefühlsverlust oder Gefühlsstörung in der Gliedmaße, in die der Impfstoff verabreicht wurde, Schwindel, Schmerz in der Gliedmaße, in die der Impfstoff verabreicht wurde, ausgedehnte Schwellung der Gliedmaße (häufig in Verbindung mit Rötung und manchmal mit Bläschenbildung), allgemeines Krankheitsgefühl, Blässe, Verhärtung im Bereich der Impfstelle, Bauchschmerz.“  (Mein Sanofi, REPEVAX-Beipackzettel, S.5.) Meiner Meinung nach ist es allerhöchste Zeit, die Mediziner zum Maßhalten anzuhalten!                                                                                                                                                           Schon wenn sie auf die Welt kommen, sind heutige Menschen kontaminiert. Vor einiger Zeit untersuchten US-Wissenschaftler das Blut und das Nabelschnurblut von Neugeborenen. „Das Team wies 109 verschiedene Chemikalien sowohl im Blut der Mütter wie ihrer Kinder nach. Von diesen stammen 40 aus Weichmachern, 28 aus Kosmetika, 29 sind Arzneimittel und 25 sind typischerweise in Haushaltsmitteln enthalten. Aber auch 23 verschiedene Pestizide, drei Flammschutzmittel und sieben polyfluorierte Alkylverbindungen waren im Blut auch der Neugeborenen enthalten.“ https://www.focus.de/familie/eltern/kindergesundheit/kleine-studie-109-industriechemikalien-im-blut-neugeborener_id_13101501.html

Vermutlich hätte „mein“ Arzt den Tetanus-Einzelimpfstoff bzw. das Vakzin, wie es der Laie heutzutage hochachtungsvoll nennt, nicht einmal vorrätig gehabt. Wie wir unten sehen, rechnen sich Einzelimpfungen nicht, ebenso wenig wie das aufklärende Gespräch zwischen Arzt und Patient.

Bei kostencheck.de, wo man sich über allerhand Preise informieren kann, unter anderem für Türen und Fenster, aber auch für Baumkletterer und Haushaltshilfen, „von Badsanierung bis Zahnersatz“, wie es auf der Seite heißt, fand ich folgende Kostenaufstellung, die zwar schon veraltet sein dürfte, aber den kleinen alltäglichen Skandal dennoch verdeutlicht:


Art
PrivatzahlerVersicherte der gesetzlichen Krankenversicherung
Tetanus Einzelimpfung2 – 4 EURKostenfrei
Diphtherie, Tetanus (2-fach)4,50 – 5,70kostenfrei
Tetanus, Diphtherie, Polio (3-fach)12,75 – 23,33Kostenfrei
Tetanus, Diphtherie, Polio, Keuchhusten (4-fach)34,60kostenfrei
Müssen Sie die Kosten für die Immunisierung zunächst selbst begleichen, beachten Sie bitte, dass die Preise für die Impfstoffe durch Kostenanpassungen der Hersteller etwas von obigen Angaben abweichen können.

https://kostencheck.de/tetanus-impfung-kosten

Elfchen im Fünften: Der Öko-Hund

Auf der Siedlungs-Wiese an der S-Bahn-Trasse wurden vor einigen Jahren neue Bäume gepflanzt. Die Park-Bäumchen stehen isoliert und sind weder durch Unterholz noch durch schattenspendende Nachbarbäume geschützt.

Einzelne Bäume sind eingegangen, wieder andere (die Mehrzahl) hätten die ungewöhnlich trockenen Sommer wohl kaum überlebt, wenn nicht einige Bewohner der autofreien und der benachbarten Wohnsiedlung regelmäßig für Wasser gesorgt hätten. Ein aufwendiges Unternehmen.

Mein Nachbar, der hier Pudel Moritz ausführt, hatte, wenn es heiß war, schon im Jahr 2019 mehrmals täglich bei sich zu Hause zwei große Gießkannen mit Wasser gefüllt. Er hatte sich die schweren Kannen an den Fahrradlenker gehängt und war damit zur ca. 200 m entfernten Wiese gefahren. Das sah bekloppt aus, war aber dringend notwendig.

Im letzten Jahr hat dann der Siedlungs-Verein Nachbarn60 die Initiative ergriffen: „Mitte Juni 2020 hat der Verein Nachbarn60 gegenüber der Stadt Köln eine Patenschaft für die Bäume auf den großen Grünflächen unserer Siedlung übernommen. Die Stadt bzw. die Rheinenergie hat uns für den Sommer 2020 ein Hydranten-Standrohr zur Verfügung gestellt und die Wasserkosten übernommen….“ Weiterlesen und Fotos angucken auf: https://www.nachbarn60.de/baeume-giessen.html

In diesem Jahr wird das sinnvolle und für die Bäume überlebensnotwendige Projekt weiter geführt. Hässliche grüne Kunststoffsäcke, die regelmäßig mit Wasser gefüllt werden und das Wasser über mehrere Tage hinweg gleichmäßig abgeben, zeugen von einer fortschreitenden Katastrophe, die man beschönigend „Klimawandel“ nennt. Hier, wo man anders als im dichten Wald die Bäume zählen kann, geht es um jeden einzelnen Baum. Da helfen keine Klagelieder („Mein Freund der Baum, ist tot“… Alexandra). Da hilft nur Wasser.

Doch das Befüllen macht viel Arbeit. Um auf das Projekt hinzuweisen und Helfer zu finden, hat der Nachbarschaftsverein Schilder an die Bäume gehängt.

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Ich glaub, ich steh im Schilderwald. Dieses ist nur eines von dreißig oder mehr. Hätte es nicht gereicht, nicht an alle betroffenen Bäume, sondern nur an einzelne ein Schild zu hängen? Und warum sagt der Baum „Ich“, warum nicht „Wir“ ? Aber ich meckere jetzt nicht mehr, denn das Projekt ist großartig und ich… drücke mich mal wieder vor der Mitarbeit. 

Ein weiterer Vorteil der Kunststoffsäcke besteht darin, dass die Hunde nicht mehr direkt an den Baumstamm pinkeln können, was den Bäumen ebenfalls schaden kann. https://www.tagesspiegel.de/berlin/hunde-urin-hoelzer-helfen-nicht/202754.html

Ich bat Hund Freki, vierbeiniger Bewohner der autofreien Siedlung Stellwerk 60, uns zu demonstrieren, wie sich der moderne Rüde klima-korrekt verhält, was er auch gleich umgesetzt hat.

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Sophisticated…

Mich hat Frekis vorbildliches Verhalten zum Elfchen des Monats inspiriert:

Wie

raffiniert er

den Sack umdefiniert

und sein Revier markiert!

Wau!!!

***

Als Rotkäppchen vor dem Oster-Besuch bei der Großmutter in die Vorquarantäne ging – Und was dann passierte

Als Rotkäppchen kurz vor Weihnachten 2020 dreizehn Jahre alt wurde, nahm sie endlich das rote Käppchen ab. Seitdem trug das Mädchen den lieben langen Tag einen roten Mund- Nasenschutz. Käppchen und Maske zusammen – das sah einfach nicht gut aus. Aber sie nannte sich nicht Rotmäulchen, sondern immer noch Rotkäppchen.

Rotkäppchen hatte ihre Großmutter fast ein Jahr lang nicht gesehen. Die Großmutter lebte wie eh und je in ihrem Waldhaus und rief einmal in der Woche ihre Enkelin an. Manchmal fuhr sie mit dem E-Dreirad über die Waldwege zum Einkaufen in die Stadt. Rotkäppchens Vater, der sich eigentlich nur zu den Feiertagen bei seiner Mutter meldete, hatte die Großmutter unterstützen wollen und schon zu Beginn der Krise bei ihr angerufen.

„Mutter, ich muss dir leider etwas mitteilen. Wir erleben gerade eine schwere Seuche.“ Er schluckte: „Corona. Pass bitte auf dich auf.“

Die Großmutter lachte: „Junge, was erzählst du mir da? Ich hab keinen Fernseher, aber WLAN. Ihr Städter spinnt. Seit die Füchse wieder in die Städte kommen und die Krähen nicht mehr abgeschossen werden dürfen, fühlt ihr euch verfolgt. Ihr seht überall Ungeziefer und Viren. Ihr dreht komplett durch. Begreift doch endlich, dass sich die Natur nicht kontrollieren lässt.“

„Mutter, es ist ernst“, sagte der Sohn. „Ich könnte dir doch die Lebensmittel vorbeibringen. Ich stelle dir alles vor die Tür, klingele kurz an und gehe schnell zum Auto zurück. Mutter, wir…“ Er schluckte. „Mutter, wir können uns zuwinken.“

„Mach dich nicht lächerlich“, sagte die Großmutter. „Du bist ein sentimentaler Hypochonder und hast panische Angst vor dem Tod. Ich bin alt, aber du musst keine Angst vor mir haben. Alt ist nicht ansteckend, mein Sohn.“

„Ich habe keine Angst vor dir, sondern um dich“, entgegnete Rotkäppchens Vater. „Ich habe Angst, dass du dich bei mir ansteckst.“

„Wieso sollte ich das?“

„Mutter, mach jetzt bitte keine Witze. Ich will verhindern, dass ich dich anstecke. Es geht nicht um meine Gesundheit, sondern um deine. In deinem Alter ist eine Infektion lebensbedrohlich. Ich…“

„Halt!“, sagte die Großmutter. „Sprich nicht so laut, ich bin nicht schwerhörig.“

„Gut“, sagte Rotkäppchens Vater. „Aber begreif, Mutter, du musst dich vor uns schützen.“

„Das ist mir nicht neu“, sagte die Großmutter und legte auf.

Rotkäppchen hätte die Großmutter allzu gerne besucht. Aber das war leider nicht möglich, ihr Vater hatte es ihr schon zu Beginn der Krise verboten, denn sie musste ja die Großmutter schützen. Im Schaukasten der Apotheke hing ein Plakat, das so rot war wie ihr Käppchen: „Bring Corona nicht zur Oma.“

Rotkäppchen fühlte sich angesprochen, ja ertappt. Sie träumte sogar von dem Plakat. Doch im Traum stand auf dem Plakat ein ganz anderer Satz: „Bring den Wolf nicht zur Oma.“ Rotkäppchen erschrak. Schließlich war sie diejenige gewesen, die den Unhold zur Oma gebracht hatte, denn sie hatte dem Bösen Wolf damals den Weg verraten.

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Bring

den Wolf

nicht

zur Oma.

Fortan sah es Rotkäppchen als ihre Aufgabe an, Kinder und Jugendliche über die Gefahren der Corona-Infektion aufzuklären. Da sie bereits als Kind eine traumatische Erfahrung mit dem Bösen gemacht hatte, galt sie trotz ihrer jungen Jahre schon bald als Expertin. Sie ging in die Schulen und hielt Vorträge. Rotkäppchen brachte den Schülerinnen und Schülern bei, wie man sich vor dem Virus schützen kann.

Mit einfachen Worten erklärte sie auch kleinen Kindern die AHA-Regeln. Das H für Hygiene war ihr besonders wichtig, nicht nur, was das Händewaschen betraf. Denn als sie damals dem Wolf begegnet war, hatte der nicht gerade sauber ausgesehen und zudem übel gerochen, und was noch schlimmer war: Beim Anblick des unschuldigen Kindes war ihm der hochinfektiöse Speichel aus dem Maul gelaufen und auf den Waldboden getropft.

Rotkäppchen wurde als hochbegabt eingestuft und bekam das Angebot, schon vor dem Abitur Gesundheitspsychologie zu studieren. Weihnachten würde sie die Großmutter mit der Neuigkeit überraschen. Doch die Großmutter hatte es längst über das Internet erfahren, denn die Nachricht stand in mehreren Online-Zeitungen. Leider hatte die Großmutter was gegen die Gesundheitspsychologie.

Gesundheitspsychologen und insbesondere Gesundheitspsychologinnen waren für die Großmutter Personen, die sich auf oft unannehmbare Art und Weise in das Leben anderer Leute einmischten, insbesondere in das Leben der Dicken, der Raucher und der Alkoholtrinker. Die Großmutter, eine leidenschaftliche Rotweintrinkerin, sagte für Weihnachten ab. Dabei hätte ihr Besuch, wie Rotkäppchens Vater seiner Mutter erklärt hatte, kein Problem dargestellt. Sie hätte als einzige Person aus einem anderem Haushalt ungeprüft zu Besuch kommen können.

Was war nur mit Großmutter los? Rotkäppchens Vater wurde böse. Wie konnte sie ihre Enkelin so enttäuschen und verunsichern? Auch das Weihnachtsgeschenk hatte die Großmutter nicht angenommen.

„Warum schenkst du mir ein Smartphone?“, fragte die Großmutter am Telefon. „Du kannst mir doch nicht vorschreiben, was ich brauche.“

„Mutter, es ist wichtig, dass sich auch die Älteren an der digitalen Erneuerung beteiligen.“

„Soll ich meine Rente in den Schnickschnack investieren?“, fragte die Großmutter. „Ich will keine Apps. Findest du es gerecht, dass ich mehr Geld für meine Straßenbahn-Karte zahlen muss, nur weil ich keine App habe?“

„Sieh es bitte anders, Mutter. Du bezahlst so viel wie immer. Aber diejenigen, die eine App haben, zahlen eben weniger. Das Angebot könntest du auch wahrnehmen.“

Die Großmutter lachte und legte auf. Einige Monate hörten sie nichts voneinander. Doch gegen Ostern 2021 meldete sich ihr Sohn.

„Mutter, ich möchte dir etwas mitteilen. Du wirst direkt nach Ostern geimpft. Ich komme mit deiner Hausärztin bei dir vorbei.“

„Was erzählst du da?“, fragte die Großmutter. „Ich habe weder Haustier noch Hausärztin. Und wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann für den zähnefletschenden Hund und nicht für die die Impfspritze zückende Medizinerin. Der Hund droht nur.“

Rotkäppchens Mutter hatte alles mit angehört, denn ihr Mann hatte das Telefon laut gestellt. Jetzt übernahm sie den Telefonhörer. Sie räusperte sich und sprach mit leiser, gebrochener Stimme: „Bitte, lass dich impfen. Dann brauchst du keine Angst mehr vor dem Virus zu haben.“

„Ich habe keine Angst“, sagte die Großmutter. „Ich misstraue nur der Impfung. Lieber stecke ich mich freiwillig an, als mich unfreiwillig impfen zu lassen.“

„Hilfe“, jammerte im Hintergrund Rotkäppchens Vater. „Ich kann nicht mehr. Meine Mutter ist selbstmordgefährdet.“

„Mutter, wir wollen dich doch so so so gerne besuchen“, sagte Rotkäppchens Mutter, die die Fassung behielt. „Aber es wäre viel viel viel schöner, wenn du geimpft bist, denn die Impfung schützt dich davor, dich bei uns anzustecken. Wir wissen ja nicht, ob wir nicht vielleicht ansteckend sind. Der Inzidenz-Wert ist erschreckend hoch.“

„Ich bin längst längst längst immun gegen euch“, sagte die Großmutter.

Rotkäppchens Vater machte sich große Sorgen. Eine Großmutter zu haben, die sich der Impfung verweigerte, konnte für Rotkäppchen rufschädigend sein. Überhaupt wurde die Großmutter für die Familie zunehmend zur Belastung. Es sprach sich herum, dass die Großmutter eine Corona-Leugnerin und Verschwörungstheoretikerin war. Irgendwer hatte sie auf einer Querdenker-Demo gesehen, denn sie war auf den Bildern in der Tagesschau deutlich zu erkennen gewesen, und zwar in den Reihen der AFD. Die Leute grüßten nicht mehr.

Am Telefon platzte Rotkäppchens Vater der Kragen: „Dass du mir das antust, Mutter!“

„Was lässt du dir erzählen?!“, schrie die Großmutter. „Ich finde die AFD fürchterlich, das weißt du doch. Außerdem bin ich viel zu faul zum Demonstrieren. Früher, ja. Da waren die Demos noch politische Volksfeste… Komm sing doch, Vogel, sing, daß Gorleben lebt… Ich kann ohnehin nicht mehr so lange stehen. Und auf Demos ist nie ein Klo in der Nähe. Ich denke nur, wir müssen über neue politische Aktionsformen nachdenken. Bei der Critical Mass Corona wäre ich gerne dabei. Ich wünsche mir dezentrale Aktionen.“

„Tu mir das nicht an, Mutter! Willst du etwa zu diesen aggressiven Radfahrern gehören, die den Straßenverkehr blockieren?“

„Du denen gehöre ich längst.“ Die Großmutter lächelte. „Ich war schon oft dabei. Außerdem sind nicht wir Radfahrer aggressiv, sondern die Autofahrer. Wir fahren im Pulk und halten anderthalb Meter Sicherheitsabstand voneinander. Ich bin jetzt auf das E-Dreirad umgestiegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren und um den Anschluss an die Gruppe zu halten. Junge, ich kann sitzend demonstrieren. Zur Zeit findet ja wegen Corona keine Critical Mass mehr statt. Die kritische Masse wurde platt gemacht. Höchste Zeit, sie wieder zu beleben, und zwar dezentral. Nicht nur zum Thema Klima, sondern zum Thema Corona. Ich wünsche mir kleine Pulks, die überall gleichzeitig starten und…“

„Stop!“, schrie Rotkäppchens Vater. „Du wirst dir die Knochen brechen. Wir müssen über das Haus reden, du müsstest renovieren, um den Wert des Hauses zu erhalten. Falls du Pflege brauchst und in ein Heim kommst, werden wir das Haus verkaufen müssen, um den Pflegeplatz finanzieren zu können. Mutter, unser Waldhaus steht unter Denkmalschutz, aber du lässt es vergammeln.“

„Das Waldhaus ist immer noch mein Haus“, sagte die Mutter.

„Aber wir müssen für die Pflege aufkommen.“

„Für welche Pflege?“

„Mutter, es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber du gefällst mir überhaupt nicht.“

„Danke gleichfalls“, sagte die Großmutter und legte auf. Sie seufzte tief. Die Corona-Krise brachte traurige Wahrheiten ans Licht. Die Zwangs-Maßnahmen wirkten: Die Reichen wurden immer reicher, die Armen immer ärmer. Starbucks und MacDonalds überlebten, aber die kleinen, lebendigen Cafés, Kneipen und Restaurants waren längst platt. Die Leute hatten sich der Macht gebeugt. Sie standen stramm, misstrauten und verpfiffen einander. Die Menschen unterwarfen sich den neuen Gesetzen und ließen sich lächelnd impfen, um endlich Ruhe zu haben. Der Umgangston war autoritär. Im Namen der Staatsgewalt maßregelten spießige Kinder ihre freundlichen alten Eltern. Ihr Sohn, ein Betriebswirt, der bei amazon auf die schiefe Geld-Bahn geraten war, war selbstbewusst wie noch nie.

Aber jetzt war die Gelegenheit da, dem Jungen die Wahrheit zu sagen. Ein paar Tage später rief sie ihn an.

„Es ist alles wieder gut“, sagte sie leise lachend. „Lass uns miteinander reden. Es ist schön, dass du dich um mich sorgst. Aber mach dir um das Geld keine Gedanken. Ich hab ausgesorgt, denn ich habe vor ein paar Jahren im Lotto gewonnen. Eine hübsche Summe im sechsstelligen Bereich.“

„Mutter, du… Warum hast du uns das nicht erzählt?“

„Ist ja schon peinlich.“

„Ach, Mutter. Weißt du was, wir werden dich besuchen, und zwar an Ostern, denn das müssen wir feiern. Aber vorher geht meine kleine Familie in die Vorquarantäne. Und anschließend machen wir noch einen kostenlosen Corona-Bürgertest. Für das Geld, das wir sparen, bringen wir dir Blumen mit.“

„Das würdet ihr für mich tun?“, fragte die Großmutter leise. „Gibt es jetzt eine Vorquarantäne für Menschen?“

„Aber ja“, sagte Rotkäppchens Vater und gluckste.

„Ich kenne die Vorquarantäne nur von den Haustieren, die die Leute nach Großbritannien mitnehmen wolllten“, sagte Rotkäppchens Großmutter. „Das war eine Regelung aus dem 19. Jahrhundert. Es konnte ja sein, dass die Tiere die Tollwut hatten, also mussten Hunde und Katzen bis vor 20 Jahren in die sechsmonatige Vor-Quarantäne, was natürlich maßlos übertrieben war. Du siehst, die Ansteckungs-Angst, die wir heute erleben, ist nicht neu. Aber eine Vor-Quarantäne ist meiner Meinung nach Tierquälerei.“

„Die Vorquarantäne für Menschen ist keine Quälerei, denn sie dauert nur wissenschaftlich empfohlene zehn Tage“, sagte Rotkäppchens Vater. „Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist vor Weihnachten mit der ganzen Familie in die Vorquarantäne gegangen, um die Schwiegermutter besuchen zu können. Ich finde das großartig.“

„Was ist daran großartig?“

„Dass offenbar die ganze Familie auf den Häuptling gehört hat“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das hätte ich auch gerne.“

„Ja, ja.“ Die Großmutter grinste. „Und woher weißt du das?“

„Aus der neuen OMA“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das Magazin für aktive Großeltern. Ich schicke dir eine Mail mit einem Foto vom Heft.“

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„Ein bildhübscher Junge“, sagte die Großmutter. „So einen wünscht man sich als Schwiegersohn. Du hattest mir ja im letzten Jahr sein Buch geschenkt: Nächste Ausfahrt Zukunft. Das war gut gemeint von dir, aber… Ein irreführender Buchtitel. Als wenn es so einfach wäre. Blinker setzen und raus aus der Patsche. Sich über die Navi informieren lassen und schnell die letzte Ausfahrt vor dem Total-Stau nehmen, während die anderen stecken bleiben. Nur hängen die Schlaumeier, die abfahren, dann oft stundenlang auf der Landstraße mit all denen, die ebenfalls meinten, schlauer zu sein. Außerdem macht der Ranga Auto-Werbung.“

„Wieso das denn?“

„Ich glaube kaum, dass er mit dem Fahrrad über die Autobahn fährt und radelnd die Ausfahrt Zukunft nimmt. Sag, hatte der Ranga die Idee mit der Vorquarantäne?“

„Jein“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das war mit Christian Drosten abgesprochen. Ranga Yogeshwar hat die Idee umgesetzt. Er hat es stellvertretend für uns alle ausprobiert. Großartig! Ich lese es dir vor …“

„Nein“, sagte die Großmutter. „Das hätte ich gerne schwarz auf weiß. Schick mir doch bitte ein Foto des Artikels per Mail.“

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„Für den Ranga Yogeshwar ist die Schwiegermutter… am Ende ihres Lebens“, sagte die Großmutter, nachdem sie den Artikel gelesen hatte. „Bin ich das für dich auch?“

„So würde ich das nie ausdrücken“, sagte Rotkäppchens Vater. „Aber wissenschaftlich korrekt ist das ja schon.“

„Ich bin enttäuscht“, sagte die Großmutter. „Was ist dem Ranga Yogeshwar passiert? Der ist doch eigentlich ein großartiger Journalist. Ist das noch der selbe Mann, der mutige, politisch kritische Berichte zum Thema Atommüll verfasst hat? Was ist mit ihm passiert? Wie dieser Mann sich neuerdings ausdrückt: Wir brauchen andere Strategien, auch mit Blick auf Schnelltests. Damit diese Menschen noch ein Stück Lebensqualität haben. Der Ausdruck Lebensqualität ist wirtschafts- und sozialwissenschaftlich korrekt, aber eiskalt. Außerdem ist das Werbesprech. Für wie tot hält er uns alte Menschen? Das ist Ausbeutung.“

„Wie kannst du so etwas sagen?“, empörte sich Rotkäppchens Vater. „Das ist doch keine Ausbeutung! Die Oma bekommt großzügige Geschenke. Yogeshwars Kinder haben ihr ein Smartphone gekauft. Mittlerweile ist die Schwiegermutter in der Familie die WhatsApp-Queen.“

„Das ist doch ein alter Schmarren“, sagte die Großmutter. „Der Ranga hat schon vor drei Jahren in einem Stern-Interview erzählt, dass die Schwiegermutter per WhatsApp mit den Enkeln kommuniziert. Ich schicke dir gerne den Link. https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/-ranga-yogeshwar–haben-roboter-bald-die-weltherrschaft-inne—7847034.html Mir gefällt das gar nicht., was er da tut. Er benutzt die Familie für Werbezwecke.“

„Wie bitte?!“

„Er macht hier Werbung für die Corona-Zwangsmaßnahmen“, sagte die Großmutter. „Und für die digitale Erneuerung, die mit den Maßnahmen einhergeht.“

„Du bist ja nur neidisch“, sagte Rotkäppchens Vater.

„Der Ranga ist zu schön, um wahr zu sein“, sagte die Großmutter. „Ich würde nur gerne wissen, wie die Schwiegermutter es findet, dass er von einem Magazin namens „OMA“ Tausenden von Schwiegermüttern in die Augen guckt. Aber sag, wie lange geht ihr drei in die Vorquarantäne?“

„10 Tage.“

„Eine gute Idee“, sagte die Großmutter. „Dann mache ich in den zehn Tagen den Frühjahrsputz. Es soll schön sein, wenn ihr kommt. Ja!“

Die Großmutter legte auf, atmete auf. Sie stand eine Weile nur so da und wurde dann mit einem Mal von einem tiefen Lachen ergriffen. Konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Sie machte sich in die Hose, aber es war ja kein Mensch in der Nähe, der das sah. Und die Zimmertierchen, die Silberfischchen, Stubenfliegen, Spinnen und Schneider, die Motten und Milben würde es ohnehin nicht interessieren. Es war ihr alles auf die schönste Weise egal. Mediziner würden das, was ihr geschah, einen Lachkrampf nennen, eine Affektinkontinenz. Aber das war kein Krampf, sondern ein Ausbruch, eine Befreiung. Das war einfach nur kosmisch.

Also ging Rotkäppchen mit ihrer Familie in die Vorquarantäne. Wenn sie bei schönem Wetter aus dem Fenster nach draußen guckte, sah Rotkäppchen, dass die selben Kinder, die sie unterrichtet hatte, die AHA-Regeln nicht beherzigten, sondern miteinander spielten und rauften. Sie rief beim Schuldirektor an und beschwerte sich.

„Petze“, sagte der Schulleiter. Ausgerechnet der Mann, der sie immer gefördert hatte. Rotkäppchen weinte bitterlich.

„Was ist los?“, fragte die Mutter, die ins Zimmer gerannt kam.

„Mir ist so langweilig“, sagte Rotkäppchen.

„Du hast doch jetzt deinen Podcast“, sagte die Mutter.

„Ich hab aber gar keine Freunde mehr“, sagte Rotkäppchen. „Ich kriege nur jeden Tag Mails mit Heiratsanträgen von angehenden Ärzten und Apothekern. Gestern war ein fünfzehnjähriger Medizinstudent dabei.“

„Wunderbar!“, freute sich die Mutter und klatschte in die Hände. „Der junge Mann hat mindestens drei Klassen übersprungen!“

„Mama, was soll ich denn damit? Mir ist so langweilig.“

„Stell dich nicht so an und sieh das positiv“, sagte die Mutter. „Dann langweilst du dich jetzt mal.“ https://web.de/magazine/ratgeber/kind-familie/laaangweilig-eltern-meistens-falsch-reagieren-34573652

Endlich war die Quarantäne vorbei. Alle drei hatten sich testen lassen. Welche Freude es war, negativ getestet worden zu sein. Mit dem Testergebnis gingen alle drei zum Friseur. Gut schauten sie aus.

Als sie am Waldhaus ankamen, stand die Tür weit offen, so wie damals, als Rotkäppchen bei der Großmutter ankam, aber der Wolf ihr zuvorgekommen war und die Großmutter gefressen hatte. Doch diesmal war alles anders. Auf der Wiese vor dem Haus blühten bunte Frühlingsblumen.

„Hereinspaziert“, rief von drinnen die Großmutter.

Der Hauseingang war hübsch geschmückt. Im Flur hatte die Großmutter die Osterhasen-Bilder aufgehängt, die Rotkäppchen vor ein paar Jahren gemalt hatte. Eine riesige Bodenvase mit blühenden Kirschzweigen, an denen bunte Eier hingen, verstellte den Blick auf den Wohnraum. Alles verhieß ein wundervolles Osterfest. Nur hatte das Rotkäppchen einen strengen Geruch in der Nase, der ihr bekannt vorkam.

„Darf ich vorstellen?“, sagte die Großmutter. „Das ist Wolf, mein neuer Ehemann und… “ Die Großmutter streichelte die Pfote des Wolfs, der neben ihr am Tisch saß und einen Napf mit Lamm-Ragout vor sich hatte, der Leibspeise von Rotkäppchens Vater.

„Ehemann und?“, wiederholte Rotkäppchens Mutter und hielt sich die Nase zu.

„Mein neuer Ehemann und mein Alleinerbe und…“

„Und?!“ Jetzt schrie Rotkäppchens Mutter.

„Vater meiner fünf Adoptivkinder“, sagte die Großmutter. „Endlich habe ich eine große und lustige Familie.“

„Juchhu“, freute sich Rotkäppchen. „Habe ich jetzt endlich Vettern und Kusinen?“

Die Großmutter nickte: „Mindestens 36.“

„Ist das amtlich?“, fragte Rotkäppchens Vater und setzte sich mit Abstand ans andere Ende des Tisches.

„Aber ja“, sagte die Großmutter. „Falls ich sterben sollte, was ich nicht vorhabe, können sich sechs Kinder über einen Pflichtanteil freuen. Das macht für dich, mein Sohn…“

„Ein Vierundzwanzigstel“, sagte Rotkäppchens Mutter, die Juristin war und Fachanwältin für Erbrecht. Sie hielt sich die Hand an den Kopf und ließ sich auf das ordentlich gemachte Bett der Großmutter fallen.

„Mutter, das glaub ich nicht“, sagte Rotkäppchens Vater.

„Das ist doch wohl nicht beurkundet, oder?“, fragte seine Frau.

„Doch“, sagte die Großmutter. „Wir wollten keine wilde Ehe. Es gibt ein handschriftliches, sicher verwahrtes Testament. Wolf tut sich schwer mit dem Schreiben, außerdem hat er nichts zu vererben. Ich bin der Part vom Paar, der schreiben kann.“

„Wie …?“ Rotkäppchens Vater atmete schwer. „Wie…. Wie habt ihr das gemacht? Ich meine, ihr müsst doch auf dem Standesamt gewesen sein.“

Großmutter lächelte: „FFP2.“

***

Ergänzung Pfingsten 2021:

Nur wenige Tage, nachdem ich die Geschichte aufgeschrieben hatte, überraschte mich die Nachricht, dass in der Nacht auf den Donnerstag im Kölner Nordwesten, ganz in der Nähe der autofreien Siedlung Stellwerk 60, ein Wolf gesichtet wurde. Wie einst der Rattenfänger von Hameln seine Chance witterte, als alle Erwachsenen in der Kirche waren, so nutzte dieser Wolf die nächtliche Ausgangssperre zu einem Streifzug durch die ungewöhnlich menschenleeren Stadtteile Ehrenfeld, Bilderstöckchen und Weidenpesch. Dass er mehrfach in den Nähe der mehrspurigen Straße namens Gürtel beobachtet wurde (Melatengürtel und Parkgürtel), überrascht mich nicht. Hier begegnen einem manchmal wilde Tiere. Vgl.: https://stellwerk60.com/2019/12/13/der-stadtjager-und-der-waschbar/

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Schon am nächsten Tag schaltete man das Lanuv ein, das „Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen“. Der Kölner Stadtanzeiger fasste den Stand der Ermittlungen folgendermaßen zusammen: „…In Köln gab es derweil noch einen weiteren Zwischenfall, in den ein Wolf involviert gewesen sein könnte. Am Donnerstag „wurden in der nördlichen Kölner Rheinaue vier tote Schafe gefunden, die in der Nacht von einem großen Hund oder einem Wolf getötet worden waren“, teilt das Lanuv mit. Ein Wolfsberater habe im Auftrag der Behörde die gerissenen Schafe dokumentiert und Proben für die genetische Untersuchung durch das Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen genommen. Wenn sich der Wolfsverdacht bestätigt, kann der Tierhalter eine Entschädigung beantragen, erklärt das Lanuv weiter…https://www.ksta.de/koeln/-extrem-selten–wolf-irrt-durch-koeln-und-wird-von-ueberwachungskamera-gefilmt-38411732 Mein großer Hund hat ein Alibi. Er war hier und hat geschlafen. DIE ZEIT DER WÖLFE ist nicht seine.

Corona-müder Mai: Mein Schlaf gehört mir, oder?

Am Tag vor dem 1.Mai wurde mir gegen 20h schlagartig klar, dass ich noch nicht eingekauft hatte. Der Feiertag fiel auf einen Samstag. Die Lebensmittelläden würden geschlossen sein, und auch der Samstagsmarkt auf dem Wilhelmplatz würde nicht stattfinden.

Also setzte ich mich aufs Rad und fuhr zur Neusser Straße. Doch offenbar ging es vielen Leuten wie mir, denn vor den Lebensmittelläden hatten sich lange Warteschlangen gebildet. Die drinnen waren, ließen sich Zeit, froh, endlich im Laden zu sein. Ich fuhr die Neusser Straße rauf und runter, aber die Schlangen verkürzten sich nicht. So radelte ich weiter Richtung 60-Viertel.

Vor dem REWE an der Nohlstraße standen auf dem Parkplatz etwa 50 Personen, die alle eine Maske trugen und den Sicherheitsabstand einhielten. Die lange Menschenreihe verlief nicht gerade, sondern bog sich, damit auch alle auf dem Parkplatz einen Platz fanden, in einem großen S zu einer Menschenschlange, die sich langsam auf den Weg machte Richtung Eingang. Sind wir vollends zu Kriecher-Tieren mutiert? Ich muss an die sich abseilenden Raupen der Gespinstmotte denken. (s. https://stellwerk60.com/?s=raupe+nimmerallein&submit=Suchen). Empfindet Angela Merkel, die aus der DDR stammt und vor der Wende oft in der Warte-Schlange stand, eine stille Freude daran, uns dabei zuzusehen, wie wir um Einlass betteln?

Ich bin in einer Walpurgisnacht noch nie so früh schlafen gegangen – im sicheren Wissen, nichts zu verpassen. Kein gutes Gefühl. Ich bin nicht einmal mehr neidisch auf die, die zu den großen, rauschenden Festen eingeladen werden, denn die großen, rauschenden Feste gibt es nicht mehr, allenfalls dort, wo ich nicht hinwill, hinter den verschlossenen Türen der Führungsetagen. Ich bin nicht eingeladen, aber auch nicht ausgeladen. Ich sehne mich nach dem Aschenputtel-Gefühl. Doch wir, das Volk, dürfen unter Androhung drakonischer Strafen nicht einmal mehr Volksfeste feiern.

Seit der alte Fernseher endlich kaputt ist, schlafe ich gut. Meine Träume erzählen mir viel. Warum ist unser Unbewusstes in der Lage, Geschichten zu spinnen? Warum erfindet es Handlungen, warum kreiert es Personen, die sinnvoll agieren? Die irrwitzige Corona-Politik ist nur mit Humor zu ertragen, und da ich Komödiantin bin, träume ich kleine Komödien (s. https://stellwerk60.com/2021/01/27/elfchen-im-ersten-wir-geben-euch-staatssicherheit-ein-gedicht-von-angela-merkel-das-sie-mir-vortrug-wahrend-ich-traumte/).

Ich empfinde den Nachtschlaf als sicheren Raum. Mein Schlaf gehört mir, und da ich gut schlafe, komme ich nicht auf die Idee, Schlaftabletten zu nehmen. Der Nachtschlaf ist unantastbar. So dachte ich, bis…

… ich vorhin las, dass wir uns in den Schlaf „daddeln“ lassen können. Tatsächlich wurde „die App Somnio entwickelt, ein digitales Schlaftraining, das auf der kognitiven Verhaltenstherapie basiert und zur Behandlung von Schlafstörungen verwendet werden kann. Angeleitet wird das Training von Albert, einem virtuellen Schlafcoach.“ https://somn.io

Von der Katastrophe profitieren viele, nicht nur Masken-Händler, Impfstoff- und Test-Entwickler. Das Corona-Jahr 2020, das viele Menschen um den Schlaf gebracht hat, hat u.a. somnio auf die Start-UP -Sprünge geholfen. Die virtuelle Schlaf-Überwachung gibt es auf Rezept, und dieses Rezept können nicht nur Ärzte und Psychotherapeuten ausstellen, sondern auch Telemedizinanbieter wie Teleclinic und ZAVA. Die Kosten der „Behandlung“ übernimmt die Krankenkasse. somnio kommt sanft daher, denn somnio ist eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA). Mich gruselt’s.

Was in Aldous Huxley’s Roman „Brave New World“ noch Soma war, die den Verstand einschläfernde Droge, verabreicht man uns heutzutage weder intramuskulär noch oral. Somnio geht, ohne dass Haut oder Schleimhaut tangiert werden müssten, dennoch unter die Haut und in unser Gehirn, einfach so. Denn Somnio kommt digital.

In der Hoffnung, trotz Ausgangssperre Maibäume zu sehen, machte ich mich am 1.Mai gut ausgeschlafen mit Hund Freki auf den Weg. Und siehe da…

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Mit dem klassischen Maibaum hat dieses Bäumchen kaum noch etwas zu tun. Es wurde an der Absperrung oberhalb der Zufahrt einer Fahrrad-Tiefgarage am 30.4. vor 21h angebracht. Das Bäumchen macht uns aufmerksam auf ein kleines, umzäuntes Stück Wiese. Im Hintergrund sehen wir zwei wackere Exemplare der Felsenbirne. Im letzten, viel zu trockenen Sommer waren ihre schmackhaften Beeren  ungenießbar und schrumpelig.                                                                     Aufmerksame Naturfreunde von Nachbarn60 haben ein „Insektenhotel“ in die Buchenhecke gesetzt. Vom Beitrag, den wir Mitglieder an den Verein Nachbarn60 zahlen, werden die Materialien finanziert. Was bleibt, ist viel ehrenamtliche Arbeit. An dieser Stelle möchte ich mich bei Nachbar Frank entschuldigen. Schließlich hatte ich versprochen, ihn bei der Pflege des Wildblumenstreifens zu unterstützen. Ich habe gekniffen, pardon. Ich bin leider ungeschickt und ungeduldig, was Gartenarbeit angeht, werde mich aber melden.                                                                 Hund Freki hatte  übrigens nach einem Ausflug ins Naafbachtal am Lid-Rand des rechten Auges seine erste diesjährige Zecke. Abgefallen ist sie noch am selben Tag.

Im letzten Jahr hatte die Stadt Köln, um dem wilden Maibaumsetzen Grenzen zu setzen, eine Pressemitteilung herausgebracht:

„… Montag, 20. April 2020, 16:08 Uhr

Ordnungsamt kontrolliert Versammlungsverbot auch in der Mainacht

Der diesjährige Verzicht auf den Maibaumverkauf steht im Zusammenhang mit dem aktuell geltenden Versammlungsverbot. Das Ordnungsamt wird daher auch in der Nacht auf den 1. Mai sehr genau darauf achten, dass die Kontaktvorgaben eingehalten werden. Maifeiern oder ein gemeinschaftliches Maibaumsetzen mit mehr als den nach der Corona-Schutzverordnung erlaubten Personen werden daher in diesem Jahr nicht möglich sein. Das Ordnungsamt wird Verstöße gegen die Bestimmungen konsequent ahnden. Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Jürgen Müllenberg…“ https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/21748/index.html

In diesem Jahr verzichtete die Stadt Köln auf eine Pressemitteilung. Für die Walpurgisnacht galt kein Versammlungsverbot, es gab auch kein Verbot von Maifeiern und kein Verbot des gemeinschaftlichen „Maibaumsetzens mit mehr als den nach der Corona-Schutzverordnung erlaubten Personen„. Es wurden keine einzelnen Verbote mehr ausgesprochen, weil ohnehin nichts mehr erlaubt war. Mit der bundesweiten Ausgangssperre ist die Walpurgisnacht abgeschafft worden.

Sind auch die traditionellen Mai-Kundgebungen abgeschafft worden? Auf meinem Abendspaziergang (nach 21h, aber mit Hund) höre ich mich um. In Köln, so erzählt mir ein Spaziergänger mit Hund, gab es eine Kundgebung auf dem Heumarkt – erwartungsgemäß mit Ausschreitungen und Festnahmen wegen zahlreicher Verstöße gegen die Corona-Verordnungen.

Doch wo war CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet? Es ist ja üblich, dass sich der Ministerpräsident auf einer zentralen Maikundgebung zeigt. Der Spaziergänger kann es mir auch nicht sagen. Ich äußere eine Vermutung: Wahrscheinlich gab es einen Laschet-Auftritt in der Landeshauptstadt – und zwar im Autokino.

„Unsinn“, sagt der Mann.

Ich begründe meine Vermutung. Im letzten Jahr waren die Ostergottesdienste ins Autokino verlegt worden, um die Gläubigen teilnehmen zu lassen. Ein Autokino in Düsseldorf hatte den Anfang gemacht, aber die Idee hatte schnell Nachahmer gefunden. Die Gottesdienst-Besucher mussten sich und ihren PKW im Vorfeld anmelden, damit man im Falle einer Infektion den Infektionsweg nachverfolgen konnte. So hätte man Laschet auftreten lassen können, ohne zu befürchten, dass er Opfer von Corona, von Buhrufen und anderen Anfeindungen werden würde. Im Gegenteil, ein aufmunterndes Hup-Konzert von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern wäre ihm sicher gewesen.

Der Herr mit Hund lacht mich aus. Die vielen Menschen, die an einer Mai-Kundgebung teilnehmen, seien doch die eigentlichen Akteure, sie seien doch keine Zuschauer. Der Redner sei nur ein Art Ehren-Gast. Es ginge doch um Solidarität, um die Menschen: „Wenn der Armin Laschet im Autokino auftritt, wird doch dem letzten klar, dass er nur Wahlkampf macht und an den Menschen nicht interessiert ist.“ Der Spaziergänger verabschiedet sich.

„Beantworten Sie mir bitte noch eine Frage“, sage ich schnell. „Was hätten Sie am 1.Mai gemacht, wenn Sie Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wären?“

Der Mann überlegt kurz und sagt dann: „Wenn ich Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wäre, würde ich den Menschen sagen, dass es mir leid tut, dass die Genossinnen und Genossen in diesem Jahr nicht wie gewohnt zusammenkommen können – Und dann würde ich solidarisch schweigen.“

„Ob der Laschet schweigen kann?“

„Aber ja“, sagt der Mann.

„Aber nein“, sage ich. „Um was wetten wir?“

Noch spät am Abend setze ich mich an den Rechner. Immerhin haben wir um eine Dose ROMEO für große Hunde gewettet. Und was erfahre ich? Tatsächlich hat die zentrale NRW- Mai-Kundgebung auf einem Düsseldorfer Messeparkplatz stattgefunden, der vor einem Jahr zu einem Autokino umfunktioniert worden war. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Abend-Spaziergang.

Freundlicherweise hat der DGB ein Video ins Internet gestellt. Laschets Auftritt beginnt nach etwa 50 Minuten und dauert bis ca 1:16:20.

Zwei Vertreterinnen der DGB-Jugend überreichten Laschet ein überdimensionales „Hausaufgabenheft“ (1:13:00). Eine abgeschmackte Idee – und die beiden jungen Frauen umschmeichelten ihren Landes-Vater auch noch mit anbiedernden Worten: „Wir haben gehört, Sie streben die Versetzung ins Kanzleramt an, da haben wir gedacht, da gibt’s noch einiges zu tun.“ Dass der DGB so offen CDU-Wahlwerbung macht, finde ich kaum noch erträglich.

Jens Schneider, ein Journalist der Süddeutschen Zeitung und vermutlich kein CDU- Sympathisant, hat ein schönes Stimmungsbild verfasst, das ich hier gerne zitiere: „… Es ist eines der merkwürdigen Bilder, die später als Symbol für diese schwierige und auch bizarre Zeit dienen könnten. Eine Kundgebung an diesem Samstag zum Tag der Arbeit, in Corona-Zeiten: ein Autokino in Düsseldorf, vor einer Bühne stehen Autos in Reihen, in denen die Teilnehmer der Mai-Demo sitzen. Mehr Sicherheitsabstand zu den Nebenleuten geht kaum. Einige haben Gewerkschaftsfahnen dabei, die über dem Auto im Wind flattern, und wenn ihnen auf der Bühne etwas gefällt, lassen sie ihre Hupe ertönen. Und man kann im Internet zuschauen.https://www.sueddeutsche.de/politik/laschet-dgb-kanzlerkandidat-1.5281235

Dass Laschet eine rote Maske trug, bleibt nicht unerwähnt – eine überdimensionale Pappnase.

Elfchen im Vierten: Dicke Hunde

Der immer resoluter werdende bürokratische Zugriff macht auch vor den Haustieren nicht halt. Kürzlich ist dem Ordnungsamt aufgefallen, dass unser Hund Freki (11) zwar ordnungsgemäß beim Kassen- und Steueramt der Stadt Köln gemeldet ist, wo wir seit elf Jahren Hundesteuer bezahlen, nicht aber beim Amt für öffentliche Ordnung.

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Blechschaden: Als Freki Mitarbeitern des Ordnungsamts auffiel, trug er dummerweise keine Hundemarke, denn die alte war nach jahrelangem Dauergebrauch unbrauchbar geworden und vom Halsband gefallen. Eine neue hatte ich zwar ordnungsgemäß unmittelbar beantragt, aber coronabedingt dauerte es ganze fünf Wochen, bis sie im Briefkasten war. Die Stadt Köln spart seit ein paar Jahren an den Hundemarken und gibt neue nur noch auf Nachfrage aus. Übrigens heißt die Erkennungsmarke der Soldaten, durch die „Gefallene“ identifiziert werden können, in der Soldatensprache „Hundemarke“ (s. wikipedia).

Wir dachten immer, man müsse nur sogenannte „Kampfhunde“ beim Ordnungsamt anmelden. Aber laut Gesetz, so wurde ich belehrt, gelten seit 2002 in NRW nicht nur einzelne „gefährliche Hunde“ und „Hunde bestimmter Rassen“ als Sicherheitsrisiko, sondern auch alle großen Hunde über 20 kg und ab 40 cm Widerristhöhe. Obwohl gerade große Hunde in der Regel freundlich und gelassen sind, wird unterstellt, dass von ihnen eine „Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht“. (LHundG NRW)

Die Verordnungen zur Hundehaltung werden von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich gehandhabt. Für große Kölner Hunde gilt das Landeshundegesetz – LHundG NRW, § 11 (Fn 3): „Große Hunde dürfen nur gehalten werden, wenn die Halterin oder der Halter die erforderliche Sachkunde und Zuverlässigkeit besitzt, den Hund fälschungssicher mit einem Mikrochip gekennzeichnet und für den Hund eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat und dies gegenüber der zuständigen Behörde nachweist.“

Da ich von der „zuständigen Behörde“ wissen wollte, warum ein großer Hund per se sicherheitsgefährdend sein soll, gab ich auf einer Internet-Seite der Stadt Köln am 30.3. spätabends folgende Warum-Frage ein:

„… Guten Tag, ich würde gerne wissen, WARUM schwere (meistens sehr sanfte) Hunde beim Ordnungsamt gemeldet werden müssen. Ein Berner Sennenhund tut doch keinem was zuleide. Herzliche Grüße, Lisa Wilczok…“

Bereits am nächsten Morgen bekam ich per Mail folgende Antwort:

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Leider ist diese Antwort keine Antwort auf mein WARUM. Und ich erfahre: Das eigentliche Sicherheitsrisiko sind gar nicht die großen Hunde, sondern deren Besitzer. Doch warum soll ich als Halterin eines ungewöhnlich groß und schwer geratenen Australian Shepherd weniger zuverlässig sein als das Frauchen des Wadenbeißers?

Im Wikipedia-Beitrag zum Hundegesetz für das Land Nordrhein-Westfalen fand ich dann einen Hinweis, und zwar auf einen Tatbestand mit der Bezeichnung „Umrennen von Passanten“. Vermutlich wird dieses „Umrennen von Passanten“ großen Hunden zur Last gelegt. Und entsprechend wird uns Haltern großer Hunde unterstellt, dass wir uns mit großen Hunden bewaffnen, um Mitmenschen zu Fall zu bringen.

Ich wäre schon einmal auf der Neusser Straße fast über einen kleinen Kläffer gestolpert, aber dass mich ein großer Hund umgerannt hat, ist mir noch nicht passiert. Und könnte es nicht sein, dass in den meisten Fällen gar nicht die Hunde die Passanten, sondern die Passanten die Hunde umrennen?

Das Hundegesetz, so lese ich, habe von Beginn an Wirkung gezeigt: „Als Erfolg des Gesetzes wird gewertet, dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle gegenüber 2003 um ein Viertel, des von Umweltminister Eckhard Uhlenberg vorgestellten Berichts des Umweltministeriums zufolge, auf 2.210 Beißvorfälle und 1.627 sonstige Vorfälle (wie das Umrennen von Passanten) im Jahre 2007 gesunken sei.“ (wikipedia)

Ein fragwürdiger Bericht. Dass die Zahl der gemeldeten Vorfälle (inklusive „Umrennen von Passanten“) zwischen 2003 und 2007 zurückgegangen ist, heißt noch lange nicht, dass es weniger Vorfälle gab. Vermutlich wurden und werden Beißereien und andere Zusammenstöße nur seltener gemeldet, da immer höher werdende Ordnungs-Strafen drohen (Geldstrafen, Entzug der Hundehalte-Erlaubnis etc.).

…. Nebenbei gesagt: Erstaunlich ist, dass ausgerechnet Eckhard Uhlenberg (CDU) im Jahr 2008 den „Erfolg des Gesetzes“ vermeldet hat, eines Gesetzes, das mehr Sicherheit verspricht. Dabei stellte Eckhard Uhlenberg in seiner Amtszeit als NRW-Umweltminister (2005-2010) ein großes Sicherheitsrisiko für Mensch und Tier dar. (Stichwort: Trinkwasserkontamination an der Ruhr, u.a. durch PFT, siehe wikipedia, aber auch: https://web.archive.org/web/20161024170535/http://www.derwesten.de/politik/eine-teure-justizposse-im-hause-uhlenberg-id9027.html)

Große Hunde sind oft selbstbewusst, weil Artgenossen und Menschen Respekt vor ihnen haben. Unser großer Hund verschafft sich gerne bellend Gehör, aber er beißt nicht. Freki rennt keine Passanten um, sondern macht einen Bogen um Menschen, die er nicht kennt.

Freki, geboren am 3.3.2010 in Vettweiß, Hundesteuer-Identifikationsnummer 17924, Heimtierausweis-Nr. DE 05 1121584, Alphanumerischer Transponder-Code (Chip) Nr. 276 097202029575, ist ein fälschungssicherer Hund und …

Sanftmütig

Wie Båtsman

Doch dicke Hunde

Schupsen kleine Kinder um

Bum

Kleine Hunde müssen nicht beim Ordnungsamt angemeldet werden. Dabei richten gerade die kurz geratenen, mit spitzen Zähnen ausgestatteten, respektlosen Kläffer oftmals erheblichen Sachschaden an.

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Diesen Sitzplatz für Menschen hat der Kölner Boston-Terrier Henri (Name geändert) auf dem Gewissen (wenn er eines hat). 

Hunde unterstützen uns Menschen als Hüte-, Blinden- und Therapiehunde. Hunde mögen uns, Hunde muntern uns auf. Hunde lassen uns im Lockdown Luft schnappen, sie machen die Maßnahmen erträglicher, denn sie versüßen uns die offiziell erlaubte Wanderung. Hunde setzen, weil sie ausgeführt werden müssen, die nächtliche Ausgangssperre außer Kraft.

Überhaupt sind Hunde wunderbare Lockdown-Begleiter. Dass der überhand nehmende Versandhandel Papiermüll-Probleme erzeugt, hat auch Freki erkannt. Es hat ihn auf eine gute Idee gebracht: Pappkartons zerlegt er neuerdings so, dass sie in der Blauen Tonne deutlich weniger Platz einnehmen.

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Mit elf Jahren hat Freki schon ein paar Zähne verloren, aber das stört ihn kaum. 

„Für den Franz-Josef Strauß waren die politischen Kritiker weder ‚Wutbürger‘ noch ‚Verschwörungstheoretiker‘, sondern ‚Ratten und Schmeißfliegen‘ “ – Weiter geht’s mit der Frau Keuner

„Tut das gut“, sagt die Frau Keuner, nachdem sie einen Schluck Kölsch getrunken hat. „Das nenne ich Freiheit. Mitten auf der Straße kühles Kölsch direkt aus der Pulle, unbeobachtet. Deshalb möchte ich nicht prominent sein. Da musst du dich immer kontrollieren, immer aufpassen, was du sagst, denn du wirst ständig beobachtet. Du lebst ja nicht nur vom, sondern im Fernsehen. Aber manchmal vergessen die Promis, dass wir sie beobachten. Ich denk da an den Jogi Löw. Wo der sich überall hingepackt hat.“

„In die Nase doch nur, oder?“

„Nicht nur“, sagt die Frau Keuner. „Hast du das damals nicht mitgekriegt? 80 Prozent von euch und ich … Die Pressekonferenz, wo der Poldi das gesagt hat, kannst du dir auf You Tube angucken.“

„Da hatte man noch was zu lachen“, sagt die Frau Keuner. „Jetzt tritt der Jogi ab. Der sieht ja neuerdings ziemlich alt aus. Als Fernseh-Figur kannst du nicht unbeobachtet altern. Die Fernsehzuschauer ertappen dich sozusagen dabei. Und die kriegen es alle mit, wenn du pummelig wirst. Je höher die Einschaltquote ist, desto mehr Leute sitzen vor dem Fernseher und sagen: Ist der Eckart von Hirschhausen aber moppelig geworden. Vor den Leuten kannst du auch nicht verstecken, dass du gesoffen hast. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass die Margot Käßmann verpfiffen wurde, als die damals ein einziges Mal zu viel gesoffen hat. Ist allerdings auch bescheuert, sich als öffentliche Person alkoholisiert hinters Steuer zu setzen.“

„Ich glaub, die konnte einfach nicht mehr, die musste mal…“, sage ich. „Das war schlau.“

Wir sind vor dem Haus angekommen, wo die Frau Keuner wohnt. Es ist nicht so leicht zu erkennen, denn die Mehrfamilienhäuser sehen alle gleich aus und sind aneinander gebaut. Alle Häuser haben ein gemeinsames Dach, wie mir die Frau Keuner erklärt. Und alle hatten eine gemeinsame Baustelle.

Die Frau Keuner geht noch nicht hoch. „Schön, mit dir zusammen draußen Bier zu trinken. Aus einer echten Glasflasche. Für zu Hause hol ich mir ja meistens das Weißbier von Aldi in der Plastikpulle. Das schütte ich mir dann in ein Glas um. Aber direkt aus der Pulle geht Plastik überhaupt nicht. Wie hieß noch die Karnevalsaktion der Stadt Köln, wo die Leute dazu erzogen werden sollten, das Bier nicht mehr aus Glasflaschen zu trinken, sondern aus stabilen Plastikbechern?“

„Mehr Spaß ohne Glas“, sage ich. „Ich versteh das schon. Es liegen ja schon ohne Karneval überall Scherben rum.“

„Dann sollte man, anstatt uns alle damit zu bestrafen, Bier aus Plastikbechern zu trinken, lieber den Flaschenpfand auf fünfzig Cent erhöhen“, sagt die Frau Keuner. „Nicht nur zur Karnevalszeit. Könnte man ja mal ausprobieren. Für acht Cent bringt niemand die Bierflasche zurück. Prost.“

„Wie hat sich eigentlich das Leben auf der Baustelle angefühlt?“, frage ich.

„Dumme Frage“, sagt die Frau Keuner. „Wie wohl? Ich hatte monatelang das Gerüst direkt vor dem Fenster. Wie soll ich mich gefühlt haben? Bedroht! Du weißt ja nie, wer zu dir will, Einbrecher, die Polizei oder die aufsuchende Impfung. Es gibt so viele Leute, die ihren Mitmenschen einen Schreck einjagen wollen. Erinnerst du dich noch an die Horrorclowns, die vor ein paar Jahren unterwegs waren? Stell dir vor, ein als Krankenhausclown verkleideter Eckart von Hirschhausen und der Impfarzt Karl Lauterbach tun sich zusammen, die klettern über das Gerüst auf deinen Balkon und klopfen von außen an dein Fenster. Lustig, was?“ Die Frau Keuner nimmt einen Schluck Bier. „Wenn du alleine lebst, ist so eine Baustelle alptraumhaft. Erst recht in Corona-Zeiten. Puff geschlossen, Stadion nur für geladene Gäste. Das macht die Männer noch aggressiver, als sie ohnehin sind. Eigentlich sollte das Gerüst vor Weihnachten abgebaut werden. Soll ich dir Fotos zeigen? Ich hab die Fotos an das Heimatministerium geschickt: Das ist sooo deutsch: Pfusch am Bau.“

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Hereinspaziert!

„Und warum haben Sie die Fotos an das Heimatministerium geschickt?“, will ich wissen.

„Weil die da auch für den Bau zuständig sind. Das Heimatministerium ist das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Ich finde, ein Bundesministerium für Bau und Heimat sollte darauf achten, dass so gebaut wird, dass sich die Menschen überall in Deutschland in ihren Wohnungen beheimatet fühlen. Aber die sind da leider mehr an PR als am Gemeinwohl interessiert. Das Heimatministerium gibt Broschüren heraus, die uns die unternehmerfreundliche Politik als bürgerfreundlich verkaufen. Stadtentwicklungsbericht 2020. In den Großstädten wird der soziale Wohnungsbau gefördert, damit die Leute nicht mehr gezwungen sind, von Köln nach Frechen zu ziehen, weil sie die Mieten nicht mehr bezahlen können.

„Das klingt doch gut“, sagte ich.

„Ja, das klingt gut“, sagte die Frau Keuner. „Aber dann bauen die die Wohnungen so billig, dass nach ein paar Jahren saniert werden muss. Prost.“

„Prost auch“, sage ich. „So fördert man das Handwerk.“

„Hömma, wie redest du?! Lisa, du musst keine Miete zahlen. Du bist fein raus. Das hier ist geplanter Verschleiß am Bau. Wenn ein Staubsauger nach ein paar Jahren kaputt geht, kannst du den wegschmeißen, weil sich die Reparatur nicht mehr lohnt, aber du kannst ein Wohnhaus nicht in die Tonne kloppen. Man darf doch beim Bau der Wohnhäuser nicht an den falschen Stellen sparen. Wobei die falschen Stellen für manche Leute genau die richtigen sind. Ich denke, mein Vermieter GAG hat sich die Sanierung teuer bezahlen lassen. Auf unsere Kosten, denn auf der öffentlich geförderten Baustelle leben wir. Ich habe gerade mal 15% weniger Miete gezahlt. Warum musste ich überhaupt noch Miete bezahlen? Warum hab ich kein Schmerzensgeld gekriegt?“

„Warum gucken Sie mich an?“, frage ich. „Ich bin keine Vermieterin.“

„Aber Eigentümerin“, sagt die Frau Keuner. „Ich weiß ja, dass eure schmucken Reihenhäuser kurz nach Ablauf der Gewährleistungsfrist sanierungsbedürftig waren und es immer noch sind. Hast du mir selber erzählt. Aber ihr könnt selber entscheiden, wann und ob ihr euch das Gerüst vor die Häuserreihe stellt. Und ihr könnt die Bruchbuden teuer verkloppen. Die autofreie Siedlung ist ja eine Top-Adresse für Leute mit Kleinkindern. Die kaufen die Häuser, obwohl sie wissen, dass die Bausubstanz schlecht ist. Der Bauträger hat ja damals keinen Unterschied gemacht zwischen Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern. Billiger, billiger, billiger.“

Die Frau Keuner verstummt, aber nur, weil sie trinkt. Sie setzt die Flasche ab, wischt sich mit dem Handrücken über den Mund und redet dann weiter: „Jetzt wurde im Heimatministerium der Förderaufruf Post-Corona-Stadt gestartet. Es geht um die Finanzierung zukünftiger Bauprojekte. Woran erinnert dich das Vorhaben Post-Corona-Stadt? Was soll da mit unseren Geldern gefördert werden? Welche Nachkriegs-Vokabel fällt dir dazu ein?“

„Wiederaufbau?“

„Genau“, sagt die Frau Keuner. „Aber warum fühlt sich der Heimatminister nicht verantwortlich für die Stadt vor Corona, für den Zustand der Häuser, die schon vor Jahren und Jahrzehnten gebaut wurden? Warum lässt man zu, dass die Menschen gerade in den Großstädten völlig überhöhte Mieten zahlen müssen? Das Bundesverfassungsgericht hat gerade den Berliner Mietpreisdeckel gekippt. Sag mal, interessiert dich das nicht?“

„Ich muss jetzt gehen“, sage ich.

„Du wartest, bis wir hier fertig sind“, sagt die Frau Keuner, stellt die Bierflasche ab und kramt ihr Smartphone aus der Tasche. „Hömma, wir sind das Volk. Wer zahlt die Steuern, wer bezahlt Rundfunkgebühren, wer finanziert das Wohlleben der Politiker? Und was sagt unser Heimat- und Innenminister Horst Seehofer, der sich gerade als einziger Bundesminister nicht den Ladenhüter Astrazeneca, sondern die vermeintliche Nobel-Impfung Biontech hat verabreichen lassen? Der Mann ist so gönnerhaft. Was steht da auf der Web-Site? Moment…“

Die Frau Keuner setzt die Lesebrille auf und tippt auf dem Smartphone herum: „Er sagt… Hier: Wir greifen Menschen unter die Arme, bei denen der Lohn trotz Arbeit nicht für die Miete ausreicht. Hömma, ist dat dem sein Geld? Ich sage dir, ich will nicht, dass mir einer an den Arm greift, ich will nicht, dass mir einer unter die Arme greift, ich will überhaupt nicht, dass man sich an mir vergreift. Wem gehört das Geld, wem gehört die Welt? Die Prominenten leben in ihrer wohltemperierten Blase und haben Angst, dass die Blase, die immer dicker wird, platzt. Irgendwann wird sie das. Die Demokratie, das sind wir. Denn wer gestaltet das Leben in den Städten, in den Stadtteilen, auf den Straßen, auf den Plätzen? Wer macht Musik, wer hält ein Schwätzchen, wer sorgt öffentlich für gute Stimmung? Doch nicht die Politiker.“

„Bah“, mache ich. Ich habe den Fehler gemacht, mir die Flasche mit dem schon ollen Restschluck Bier an die Lippen zu setzen..

„Dat gönn ich dir“, sagt die Frau Keuner und lacht. „Kölsch wird schnell schal, das muss man schneller trinken, als man kann. Davon leben die Brauhäuser. Du traust dich wohl nicht, den Rest vor meinen Augen in den Gully zu kippen.“

„Ach was.“

„Ja ja“, grinst die Frau Keuner. Sie steckt das Smartphone zurück in die Tasche. „Was ich noch sagen wollte: Der unglaubwürdigste Politiker ist für mich Bundespräsident Hans Walter Steinmeier. Da sitze ich vor dem Fernseher und gucke mir seine Weihnachtsansprache an. Ich ahne nichts Böses, da sagt der Steinmeier diesen Satz: Wann kann ich meine Träume wieder leben? Das haben angeblich die Bürger den Steinmeier gefragt. Dass dieser Präsident sich nicht schämt. Zu Beginn der Rede wird die schöne, wunderbar intakte, gerüstlose Fassade von Schloss Bellevue gezeigt. Auf diese Fassade wurden in der Adventszeit, wie der Steinmeier sagt, gefühlvolle Sprüche projiziert. Für die Weihnachtsansprache wurde das noch einmal nachinszeniert. Wir Fernsehzuschauer gucken auf die Fassade und sehen leuchtende Satzfetzen, die auftauchen und wieder verschwinden. Tolle Installation. Nur ein einziger Satz ist komplett: Wann kann ich meine Träume wieder leben? Diese Anbiederung an die Menschen ist übelste politische Propaganda. Zum Glück gibt es das Internet, denn die Rede ist da konserviert. Ja, den Schmarren kann man sich auf You Tube noch einmal ganz genau angucken, und zwar kritisch und mit Abstand. Ich kann den Beginn der Rede auswendig. Also, hör gut zu…“

„Muss das sein?“

„Muss sein“, sagt die Frau Keuner. „Weil das so entlarvend ist. Also: Dieser tiefe Seufzer, liebe Landsleute, ist eine von tausenden persönlichen Botschaften, die mich aus allen Teilen unseres Landes erreicht haben. Viele der Zuschriften haben wir in der Adventszeit hier draußen auf der Fassade von Schloss Bellevue zum Leuchten gebracht – jede einzelne ein Zeichen der Sehnsucht am Ende eines Jahres, das wir uns alle ganz anders vorgestellt hatten.“ Die Frau Keuner macht eine kurze Pause und fragt dann: „Was sagst du als Sprachwissenschaftlerin dazu?“

„Tut weh“, sage ich nur. „Sentimentales Gesülze.“

„Genau“, sagt die Frau Keuner. „Dass der Mann sich nicht schämt. Für diesen Schwulst, dieses Geseire. Als würden wir uns mit unseren Sorgen und Nöten an den Bundespräsidenten wenden, obwohl doch die Bundespolitik für diese neuen Nöte und Sorgen verantwortlich ist.“

„Ob man das so sagen kann?“, unterbreche ich die Frau Keuner.

„Kann man“, sagt die Frau Keuner. „Und guck dir die Formulierungen an: Dieser tiefe Seufzer…, eine von tausenden persönlichen Botschaften…, jede einzelne ein Zeichen der Sehnsucht… Viele Menschen empfinden so, aber viele empfinden ganz anders. Sie sind wütend, sie sind so wütend wie noch nie, und wer das ganz genau weiß, ist Frank Walther Steinmeier. Der schreibt ja seine Reden nicht selber, die schreiben psychologisch geschulte Werbetexterinnen und Werbetexter, die uns Bürgerinnen und Bürger beschwichtigen und besänftigen sollen. Denn der Steinmeier hat auch andere Briefe gekriegt, sachliche, kritische Briefe mit klugen, nachdenklichen Sätzen, aber die kritischen Sätze passten nicht auf die Fassade, deshalb verschweigt man sie. Ich hatte den Steinmeier hierhin eingeladen, damit der sich mal die Baustelle anguckt. Damit er sieht, dass es auch andere, weniger schöne Fassaden gibt. Frank-Walther Steinmeier ist nicht gekommen, und ich hab auch keine Antwort gekriegt. Aber dann…“ Die Frau Keuner hört auf zu reden und atmet schwer.

„Aber dann…? Bitte, Frau Keuner, reden Sie weiter.“

„Aber dann kam ein Mann vorbei, der hat das Gerüst fotografiert. Weißt du, was der gesagt hat? Ich beneide Sie darum, hier zu leben. Das ist Kunst, Verpackungskunst. Wo jetzt die Theater geschlossen sind, können Sie froh sein, Teil eines Kunstwerks zu sein. Sind die denn alle bekloppt?“

Die Frau Keuner kippt den Rest Kölsch in den Gully. „Erinnerst du dich an den Löwenthal? Das waren noch Zeiten, als die Moderatoren noch offen reaktionär waren, damals, als im öffentlich-rechtlichen Rundfunk von links noch Gegenwind kam.“ Sie fängt an zu singen: „Die Milch wird sauer, das Bier wird schal, im Fernsehen spricht der Löwenthal…“

„Ich sehne mich nach Politikern wie Franz Josef Strauß“, sagt die Frau Keuner. „Der Strauß hat seine Aggressionen nicht versteckt. Der war furchtbar, aber der hat nicht auf Gutmensch gemacht. Der Mann hat sich nicht bei uns eingeschleimt. Für den Franz-Josef Strauß waren die kritischen Menschen weder Wutbürger noch Verschwörungstheoretiker, sondern Ratten und Schmeißfliegen.“

„Der Strauß war doch ein Polterer“, sage ich.

„Aber immerhin kein Bürokrat“, sagt die Frau Keuner. „In den letzten Jahren haben wir uns zu sicher gefühlt und nicht aufgepasst. Wir haben uns eingebildet, dass nur die AFD unsere Demokratie gefährdet. Aber die CDU…“

„Das geht mir zu weit, Frau Keuner, die CDU gefährdet doch nicht unsere Demokratie.“

„Hab ich das etwa behauptet?“ Die Frau Keuner drückt mir die leere Bierflasche in die Hand.

„Pfusch am Körperbau“ – Eine Begegnung mit der Frau Keuner

„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Frau Keuner. Wir laufen uns am frühen Sonntagabend im Siedlungsladen über den Weg. Mir fehlt zum Kochen die Sahne, also bin ich schnell dahin. Der Dorfladen der autofreien Siedlung ist nicht ganz billig, aber gut sortiert und auch sonntags geöffnet. Die Frau Keuner hat ein paar Flaschen Früh gekauft und im Rollator verstaut. Sie trägt eine rosa OP-Maske, obwohl…

„Tach auch“, sach ich. „Aber haben Sie nicht ein Masken-Attest?“

„Ich muss mich schützen“, sagt die Frau Keuner.

„Vor Corona?“

„Ach wat. “ Die Frau Keuner grinst. „Ich muss mich vor den blöden Sprüchen schützen. FFP2 geht gar nicht, da kommt keine Luft durch, aber die sogenannte OP-Maske kann ich für ein paar Minuten anhaben, ohne dass ich Atemnot krieg. Ich hab keinen Bock, permanent angepflaumt zu werden, weil ich keine Maske anhab. Hier im Dorfladen sind die Leute ja nett und entspannt, kein Kassenband, kein Stress, die Kunden verteilen sich, freundliche Mitarbeiter und immer Zeit für ein Schwätzchen. Aber in den Supermärkten sind die Leute ja dermaßen giftig geworden. Die gehen aufeinander los, anstatt sich mal endlich zusammenzuraufen. Kennst du noch die Hundehasserin?“

„Meinen Sie die fiese ältere Frau, die immer das Ordnungsamt alarmiert hat, wenn man mit dem Hund die Wiese betreten hat?“

Die Frau Keuner nickt: „Genau die.“

„Ich dachte, die ist tot. Seit Corona hab ich die nicht mehr gesehen.“

„Die ist nicht tot, die ist nur woanders unterwegs“, sagt die Frau Keuner. „Im REWE. Die geht jetzt nicht mehr auf die Hundebesitzer los. Die ist jetzt keine Hundehasserin mehr, sondern das, was sie eigentlich immer schon war: Eine Menschenhasserin. Die geht nicht mehr draußen spazieren. Die spaziert jetzt durch den REWE, die Gänge rauf und runter, die schiebt einen Einkaufswagen vor sich her und wartet darauf, dass einer kommt, der eine falsche Maske trägt oder eine verrutschte oder gar keine. Dann geht die mit dem Einkaufswagen auf den Menschen zu und versperrt ihm den Weg….“ Die Frau Keuner hört auf zu reden, zieht kurz die Maske runter und reibt sich die Nase.

„Hat die auch Ihnen den Weg versperrt?“, frage ich leise.

„Ja“, sagt die Frau Keuner. „Die hat ihren Einkaufswagen gegen meinen Rollator gedrückt. Ich wäre fast umgefallen. Das war vor ein paar Wochen, als es im REWE an der Nohlstraße noch die Einkaufswagen-Pflicht gab. Keinen Einkaufswagen?, hat die Menschenhasserin gefragt. Nein, hab ich gesagt. Ich bin auf die Gehhilfe angewiesen und von daher von der Einkaufswagen-Pflicht befreit. Dass ich von einer Pflicht befreit bin, während sie zur Pflichterfüllung verpflichtet ist, hat der Frau gar nicht gefallen.“

Die Frau Keuner macht eine kurze Atempause und redet dann weiter: „Ich hab der Frau gesagt, dass ich auch von der Maskenpflicht befreit bin, weil ich Asthmatikerin bin und ein Attest hab. Na und, hat die mich angegiftet, dann soll man nicht einkaufen gehen, sondern sich die Ware liefern lassen, denn ohne Maske gefährden Sie uns alle, ob mit oder ohne Attest. Und in Ihrem Alter und in Ihrem desolaten gesundheitlichen Zustand sollten Sie ohnehin nicht einkaufen gehen: Oder… Ich sag dir, die ist richtig fies geworden: Oder haben Sie sonst nichts?“

Die Frau Keuner holt ein Tüchlein aus der Tasche und tupft sich ein paar Tränen ab. „Ich will an der vorbei, aber die lässt mich nicht. Dann wird die richtig fies, die lächelt, beugt sich zu mir, nimmt kurz die Maske ab, haucht mir ihre Aerosole ins Gesicht und sagt mir leise ein Wort ins Ohr: Träumerin. Dann hat die noch was gesagt, diesmal laut: Sie sind die asozialste Person, die mir jemals begegnet ist. Sofort sind ein paar Kunden gekommen, die das gehört haben, und haben sich hinter sie gestellt: Jawoll! Mir sind blöderweise die Tränen gekommen. Zwei junge Frauen haben zu mir gehalten. Das hat gut getan. Mir ist nichts passiert, ich hab ja mein Attest. Aber ich kann nicht mehr. Ich zieh jetzt immer die Maske auf. Auch hier.“

„Ich bin oft im REWE in der Nohlstraße“, sage ich. „Weil der der nächste ist. Aber ich habe die Frau da noch nie gesehen.“

„Die wechselt die Filiale“, sagt die Frau Keuner. „REWE zieht ja überhaupt die Kontrolleure an. Im REWE an der Neusser Straße gibt es doch vorne im Eingangsbereich einen kunstledergepolsterten Stuhl. Auf diesem ollen Stuhl sitzt jetzt manchmal ein Rentner, der aufpasst, dass die Leute nur den Laden betreten, wenn die Corona-Einlass-Ampel auf grün steht. Der Mann geht ja noch. Der ist vielleicht obrigkeitshörig, aber noch lange kein Menschenhasser. Auch wenn nichts los ist und die Ampel rot zeigt, obwohl das nicht stimmen kann, bleib ich stehen, damit der seinen Spaß hat. Der Mann ist glücklich, denn er hat eine Aufgabe. Früher war er Schülerlotse, hat er mir erzählt. Es ist bescheuert, aber ich freu mich für den.“ Die Frau Keuner muss husten. Wir gehen vor die Tür. Das Husten wird direkt weniger, als die Frau Keuner die Maske abnimmt. Sie seufzt so tief, wie ich nur selten jemanden hab seufzen hören.

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Schöne neue Welt: Plakat zu „Dürfen die das“, einer Kampagne der Stadt Köln, die am 19.1.2021 gestartet wurde. In einer Presseerklärung der Stadt Köln heißt es: „Der kommunale Ordnungsdienst hat laut Gesetzgeber (Polizeigesetz NRW in Verbindung mit dem Ordnungsbehördengesetz NRW) nahezu identische Befugnisse wie die Polizei. Vielen Menschen ist dies nicht bewusst, einige wenige wissen es – und sind dennoch nicht kooperativ bei Kontrollen.“ https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/22877/index.html Vor Corona ist man hier, an der Neusser Straße in Nippes, den Ordnungskräften nur dann begegnet, wenn sie parkende Autos kontrollierten („Ahndung von Verkehrsordnungswidrigkeiten“). Seitdem jedoch die Corona-Maßnahmen durchgeführt werden, ist das Ordnungsamt allgegenwärtig. Das färbt leider auch auf „kooperative“ Spießbürger ab, die sich mächtiger denn je fühlen und einen fiesen Spaß daran haben, ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger im Namen von Ordnung und Sicherheit zu maßregeln, zu drangsalieren und zu denunzieren.

„Das tut so weh“, sagt die Frau Keuner.

„Haben Sie Schmerzen?“, frage ich vorsichtig.

„Auch“, sagt die Frau Keuner. „Seit der Hüft-OP. Das war Pfusch am Körperbau. Ich weiß nicht, ob der Norbert Blüm nach seiner Hüft-OP auch ein verkürztes Bein hatte, aber der hatte wie ich eine schwere Infektion und als Folge davon eine Blutvergiftung. Aber anders als der Blüm lebe ich noch. Das ist das Schöne an diesen Infektionen. Multiresistente Keime machen keinen Unterschied zwischen den Privatversicherten und den Kassenpatienten. Ich würde gerne wissen, wie viele der Corona-Patienten sich auf den Intensivstationen mit Krankenhauskeimen infizieren. Das Intubieren soll ja eine Hauptursache sein.“

Wir gehen langsam die Rampe hoch. Der Laden liegt unter dem Straßenniveau, deshalb muss die Frau Keuner den Rollator eine Betonrampe hochschieben. „Du kannst mich ruhig nach Hause begleiten“, sagt sie. „Aber bitte nur bis zur Tür. Mir fehlt alle Energie zum Aufräumen. Seit Corona ist meine Behausung nur noch ein Dach überm Kopp.“

Die Frau Keuner bleibt immer wieder stehen. „Ohne eine Flasche Bier am Abend oder auch drei oder vier würde ich die Schmerzen nicht aushalten. Sei froh, dass deine Gelenke noch taugen. Aber du konntest dich ja immer schonen. Da sitzt du auf dem Sofa und schreibst Geschichten. Und alle halbe Stunde zapfst du dir dein frisches Käffken aus der Siebträgermaschine. Hätte ich auch gerne. Hömma, dir geht es zu gut.“

„Das Gerüst ist ab“, sage ich. „Immerhin.“

„Lenk nicht ab, geh mal lieber zurück in den Laden und hol uns beiden ein kühles Kölsch für unterwegs, aber lass dir die Flasche aufmachen…“

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21.2.2021: Kinder nutzen das schöne Vorfrühlingswetter, breiten Decken aus und bauen Flohmarkt-Stände auf – wie früher, d.h. vor Corona.                                                                                     Im Hintergrund ist ein eingerüstetes Gebäude zu sehen. Wir schauen auf die Vorderfront eines Gebäudekomplexes  mit zahlreichen, zum Teil öffentlich geförderten Mietwohnungen, mit Villa Stellwerk, dem einzigen Mehrgenerationenhaus innerhalb der autofreien Siedlung, mit Wohnungen für Menschen mit „Betreuungsbedarf“, mit einer Physiotherapie- Praxis sowie einer Praxis, die sich drei Hebammen, zwei Heilpraktikerinnen und eine Jugendpsychotherapeutin teilen – sowie dem einzigen Lebensmittelgeschäft auf dem Stellwerk 60-Gelände. Vermieter: GAG Immobilien AG                                                                                                                                           Ausgerechnet dieser wohl facettenreichste Gebäudekomplex innerhalb der Siedlung wurde in den Monaten zwischen Juli 2020 und März 2021 zu einer Art „Mahnmal“ für „Pfusch am Bau“.  Das marode Dach musste nach nur 12 Jahren komplett saniert werden. Erste Schäden ( Schimmel, Feuchtigkeit) hatten sich allerdings schon kurz nach Fertigstellung gezeigt.  Dabei hatte Bauträger und Projektentwickler Kontrola im Jahr 2007 gleich zwei Auszeichnungen entgegen genommen. Stellwerk 60 war nicht nur „Ort im Land der Ideen“,  sondern wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen der „Qualitätsoffensive für Familien in Städten und Gemeinden“ ausgezeichnet.  Nachfolge-Bauträger BPD wirbt heute noch mit dem Projekt. Aalglatt: „Auf dem gesamten Areal ist weder das Fahren noch das Parken von Autos zugelassen. Mehrfach ausgezeichnet steht Stellwerk 60 für einen modernen und zeitgemäßen Wohn- und Lebensstil in mitten eines der lebendigsten und beliebtesten Viertel Kölns.“ Es dürfte nicht zuletzt der Referenz auf die autofreie Siedlung zu verdanken sein, dass BPD derzeit in Köln-Lind eine „Klimaschutzsiedlung“ baut.      Dem Pfusch am Bau zum Trotz ist Stellwerk 60 nach wie vor ein großartiges Projekt, das die Stadt Köln endlich unter (Denkmal)- Schutz stellen sollte. Immer noch aktuell (wenn nur die Coronoia nicht wäre): https://stellwerk60.com/2016/06/19/land-der-ideen/

Laschet euch impfen, Leute, geht zum Zahnarzt!

Zu den vergleichsweise angenehmen Begleiterscheinungen eines Zahnarztbesuchs gehört es, dass man sich dort nicht ausziehen, sondern nur den Mund aufmachen muss. Ich finde es unangenehm, wenn man sich unter den kritischen Blicken einer oder mehrerer professioneller (noch dazu bekleideter) Personen der Kleider entledigt. Die ärztliche Aufforderung „Machen Sie sich frei“ ist zwar manchmal angebracht bzw. unvermeidlich, aber immer auch eine Freiheitsberaubung.

In einer gewissen Vorahnung schiebe ich seit einiger Zeit einen dringenden Zahnarztbesuch auf. Vielleicht bietet man mir dort, obwohl ich noch nicht „an der Reihe“ bin, die Corona-Impfung an. Immerhin bin ich zahnzusatzversichert. Und jeder Zahnarzt hat die Befugnis, Spritzen zu setzen. Warum also soll der Zahnarzt nicht mit anpacken, wenn es gilt, die massenhaft georderten Impfstoffe an bzw. in den Mann bzw. die Frau zu bringen? Außerdem ist die Entfernung zwischen Mund und Oberarm klein. Impflinge müssen nur den Ärmel hochkrempeln, um eines der „Qualitäts-Präparate“ zu empfangen, die allesamt wohlklingende, einprägsame Namen tragen, die wir -kaum waren die Impfstoffe verfügbar- als Markennamen wahrgenommen haben.

Wohlgemerkt: Ich bin nicht generell gegen Spritzen, schon gar nicht beim Zahnarzt. Zahnärztliche Betäubungsspritzen sind zwar unangenehm, aber segensreich. Was den Zahnarztbesuch angeht, sage ich: Lieber eine Spritze zuviel als eine zu wenig.

Doch was die Corona-Impfung angeht, ist die einzelne Spritze immer auch eine Art Glaubensbekenntnis, ein Vertrauensbeweis gegenüber einer Gesundheitspolitik, der wir -so denke ich- längst nicht mehr vertrauen dürften. Der einzelne „Pieks“ ist zwar klein, aber als einzelner „Pieks“ ist er Teil eines gesundheitspolitischen Feldzugs, der die Impfung der Massen zum Ziel hat. Kriegerische Sätze wie diesen bekommen wir nicht nur von Angela Merkel zu hören: „Wir gehen mit dem Virus in einen Kampf, das ist unser Gegner.“ Ich fürchte, unsere Politiker wissen schon lange nicht mehr, was sie sagen.

Zu den Zielen der bundesdeutschen Europapolitik (Deutschland hatte vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 für sechs Monate den Vorsitz im Rat der EU inne) gehörte die Bildung einer europäischen Einheitsfront gegen das Corona-Virus. Es ist vollbracht: EU-Kommissionspräsidentin und Ärztin Ursula von der Leyen, ehemalige Bundesverteidigungsministerin (Dezember 2013 bis März 2018), darf seit Ende 2020 zum Impf-Angriff blasen: „Wir werden diesen Kampf vereint gewinnen – gegen unseren gemeinsamen Gegner, das Virus.“ https://ec.europa.eu/germany/news/20210208-von-der-leyen-impfstoffstrategie_de

Politiker, Gesundheitsökonom und Arzt Karl Lauterbach scheint die Bodenhaftung komplett verloren zu haben: „… In einem flammenden Appell schrieb Karl Lauterbach bei Twitter, man dürfe „jetzt nicht resignieren. Es sind nur noch wenige Monate, die dritte Welle ist letztes Gefecht“…“ https://www.berliner-zeitung.de/news/karl-lauterbach-fordert-sofort-alle-corona-lockerungen-aufheben-li.145959 Ist Lauterbach nicht bewusst, was er da sagt? Weiß er nicht, dass es einen Horrorfilm(!) nach einem Roman von Stephen King aus dem Jahr 1994 gibt, der den Titel „The Stand“, deutsch: „Das letzte Gefecht“ trägt?

Die Story von „The Stand – Das letzte Gefecht“ (Drehbuch: Stephen King): „… In einem militärischen Forschungslabor für biologische Kampfstoffe entweichen durch einen Unfall tödliche Viren. Bevor das Gelände abgeschottet werden kann, entkommt ein bereits mit der Supergrippe infizierter Wachmann und löst eine Pandemie aus, die in kurzer Zeit fast die gesamte Menschheit auslöscht…“ (wikipedia)

Die weltweite Impfkampagne scheint wie von „The Stand“ inspiriert. Sie ist ein Krieg gegen ein Virus, das wir zwar nicht unterschätzen dürfen, das aber nichts zu tun hat mit einem ausgebrochenen Killervirus und das bei weitem nicht so gefährlich ist, wie man uns vorgaukelt. Corona ist -das dürften Politiker und Virologen wissen- anders als der sogenannte „Klimawandel“ wunderbar kontrollierbar. Und spielen wir mit und sagen JAWOLL!, machen auch wir uns wunderbar kontrollierbar.

Ich werde nicht Seite an Seite mit Merkel, Spahn, Söder, Drosten, Lauterbach, Steinmeier, Yogeshwar und anderen in „eine(r) muntere(n), fürwahr, eine(r) fröhliche(n) Schar“ (aus dem Lied Wer nur den lieben langen Tag, Jens Rohwer, Deutschland 1944) „mit dem Virus in einen Kampf“ gehen und mich zur Impfung anstellen, geduldig wartend, bis ich an der Reihe bin. Ich sage: NEIN.

Meine Vermutung, dass Zahnärzte zum Impfdienst herangezogen werden könnten, wurde mir im Bekanntenkreis übel genommen. Das sei eine Verschwörungstheorie. Niemals würde die Politik zulassen, dass ausgerechnet Zahnärzte impfen dürfen. Das sei doch unseriös. Dann jedoch, am 23.2.2021, fand meine Vorahnung Nahrung:

„… Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, auch Zahnärzte zu Corona-Schutzimpfungen der Bürger heranzuziehen. „Das wird noch kritisch betrachtet“, sagte er am Dienstag in Düsseldorf. Wenn irgendwann viel Impfstoff da sei, werde aber die gesamte Breite des ärztlichen Sachverstands im Land gebraucht, unterstrich Laschet. Wegen der begrenzten Verfügbarkeit der Vakzine sei es derzeit allerdings noch nötig, bei den Impfzentren zu bleiben…“ https://www.sueddeutsche.de/politik/regierung-duesseldorf-laschet-auch-zahnaerzte-sollten-impfen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210223-99-558152

Diese Meldung brachte mich auf einen anderen Gedanken: Könnte es nicht sein, dass wegen Corona die niedergelassenen Zahnärzte weniger Einnahmen haben und sich bei Bundes- und Landesregierung beschweren? Vor allem, was die Zahnkosmetik betrifft, dürfte es Einbußen geben. Denn warum müssen Zähne schön sein, wenn wir sie derzeit kaum zeigen dürfen? Könnte es nicht sein, dass die Leute wegen Corona nur im Notfall zum Zahnarzt gehen? Denn warum gepflegte Zähne haben, wo doch die Friseur-Salons geschlossen sind und die hausgemachte „Vokuhila“-Frisur (vorne kurz, hinten lang) wächst und wächst?

Wieder warf man mir vor, dass ich Verschwörungstheorien verbreite. Die Friseur-Salons würden ohnehin bald wieder öffnen. Und niemals würden sich die niedergelassenen Zahnärzte über mangelnde Einnahmen beklagen, denn die Behandlung von Zahnkrankheiten sei krisensicher. Außerdem sei der Beruf als „systemrelevant“ anerkannt worden. Die niedergelassenen Zahnärzte seien dem Staat dankbar, denn sie bekämen Hygiene-Zulagen, und auch die angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte hätten bereits im ersten Lockdown die KiTa-Notdienste voll in Anspruch nehmen können. Meine Bekannten legten mir Belege vor: https://www.zaek-berlin.de/dateien/Content/Dokumente/Zahn%C3%A4rzte/Praxisf%C3%BChrung/Corona/Systemrelevanz_ZA.pdf.

Ich musste also erneut Kritik einstecken. Doch ein kurzer Blick ins Internet bestätigte mir, dass meine Verschwörungstheorie keine war:

„… Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) ist die mit Abstand am häufigsten abgerechnete Leistung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ).  Laut Hochrechnung der GOZ-Analyse der BZÄK entfielen 2018 über 43 Prozent aller abgerechneten Leistungspositionen bei privat Vollversicherten auf diese Ziffer.
Infolge der Coronakrise sind gerade im Bereich Prophylaxe extreme Einbußen zu verzeichnen – und damit in einem Bereich, in dem es kaum Nachhol-Effekte geben wird…
https://dgkz.com/pzr-am-haeufigsten-abgerechnete-leistung-der-goz/ (22.6.2020)

Aktuell (26.3.2021) sieht es so aus, als dürften (nach Ostern) nur die Hausärzte impfen. Auch die Apotheker, die über ärztlichen Sachverstand verfügen, ihre Chance witterten und sofort bei Laschet auf der Matte standen („…Wenn irgendwann viel Impfstoff da sei, werde aber die gesamte Breite des ärztlichen Sachverstands im Land gebraucht…“, Laschet, s.o.), müssen sich vorerst bescheiden.

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Sonntag, 28.Februar 2021, Turmstraße in Köln-Nippes. Die Schlagzeile auf der EXPRESS-Titelseite verspricht eine uns zu Tränen rührende Geschichte: „Mein Leben mit dem 2. Piks.“ Unter dieser Schlagzeile verbirgt sich eine ganz andere: „Mein Leben mit dem zweiten Herzen.“ Wieder einmal werden wir für blöd verkauft, denn folgendes sollen wir assoziieren: Die Corona-Impfung hat der Kölnerin Vanessa (21) ein neues Leben geschenkt. Und: Diese Impfung ist ein medizinisches Wunder!