Elfchen im Neunten: „MAKE OUR PLANET GREAT AGAIN“ – „MACHT EUCH DIE ERDE UNTERTAN“

Emmanuel Macron kam der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen vermutlich nicht ungelegen. Vor dem Hintergrund des Ausstiegs kann er umso mehr den Weltklima-Retter mimen. Gemessen am reichlich beschränkten Donald Trump, der (vergleichbar etwa mit der AFD-Politikerin Alice Weidel) nach wie vor nicht begreifen will, dass der „Klimawandel“ von Menschen verursacht ist, wirkt Macron geradezu klug und vernünftig. Das ist natürlich nur relativ, denn, wie (leicht abgewandelt) ein Sprichwort sagt, das Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird: Unter den blinden Männern ist der einäugige Mann König.

Der Ausstieg kam allerdings für niemanden überraschend, denn Trump löste hiermit ein Wahlversprechen ein. Dennoch nahm Macron die offizielle Ankündigung des Ausstiegs zum Anlass, sich am 1.6.2017 vermeintlich tief erschrocken und enttäuscht mit einer „persönlichen“ Botschaft an die Weltöffentlichkeit zu wenden. In dieser Rede tritt Macron gut gepudert als smarter Klima-Missionar auf, der Experten anheuert: „Allen Wissenschaftlern, Ingenieuren, Unternehmern und Bürgern, die von der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten enttäuscht sind, möchte ich sagen, dass sie in Frankreich ein zweites Heimatland finden werden. Ich sage ihnen: Kommen Sie, und arbeiten Sie hier mit uns! Lassen Sie uns gemeinsam an konkreten Lösungen für unser Klima arbeiten.“ (Video Make Our Planet Great Again, deutschsprachige Untertitel)

Doch Macrons Wortwahl lässt aufhorchen. Die gut einstudierte Rede endet mit einem Satz, den sich Macron publikumswirksam für den Schluss aufbewahrt hat: Make Our Planet Great Again. Unüberhörbar spielt der Satz auf Trumps berühmte Parole Make America Great Again an. Nur ist es nicht nur die eine Nation, die Macron wieder großartig machen will, sondern etwas viel Größeres: die ganze Erde. Was aber stellt sich Macron unter einem „großartigen Planeten“ vor? Will Macron die aufgebrachte Natur beschwören? Angesichts von so viel Schwulst wird mir ganz angst und bang.

Make Our Planet Great Again zeigt einmal mehr eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den Präsidenten der Atommächte Frankreich und USA. Beide, der aktuelle Präsident Frankreichs und der ehemalige der USA, lieben die Macht, die Selbstfeier, den Prunk, und beide lieben die prachtvolle Macht-Demonstration. Zur Erinnerung: Nur sechs Wochen nach der Ankündigung des Ausstiegs sind Donald und Melania auf Einladung von Macron anlässlich des Nationalfeiertags nach Frankreich gereist, um am 14.Juli 2017 der Militärparade beizuwohnen.

Leider ist man auch hierzulande von Macrons großmäuliger Parole begeistert. Make Our Planet Great Again ist Leitsatz einer französisch-deutschen Wissenschafts-Kooperative:
„… Das vom BMBF mit 15 Millionen Euro geförderte und auf fünf Jahre (2018–2022) angelegte Förderprogramm für Klima-, Energie- und Erdsystemforschung Make Our Planet Great Again geht auf eine Initiative des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron zurück…“ Weiterlesen: https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/de/bmbf/pdf/bildung-und-forschung-als-schluessel-fuer-eine-nachhaltige-zukunft.pdf?__blob=publicationFile&v=2

In der Wissenschaft herrscht weitgehend Konsens darüber, dass der Klimawandel menschenverursacht ist. Vertiefende Studien und die Entwicklung von Lösungen mögen sinnvoll sein, aber vor dem Hintergrund eines politischen Immersoweiter hat die Forschung auch eine Alibi-Funktion, denn sie dient unseren Politikern dazu, mit gereinigtem Gewissen weiterzumachen wie bisher: Zu verprassen, zu vergeuden und den Planeten, den Macron wieder „great“ machen will, hemmungslos auszubeuten.

Um den Planeten wieder „great“ zu machen, setzt Macron auf die vermeintlich saubere Atomenergie. Das ist, wie wir wissen, höchst riskant. Die Situation ist verfahren. Frankreich deckt den nationalen Energiebedarf vorrangig mit Atomstrom. Die französische Regierung hat unlängst -anstatt den Ausstieg einzuleiten- die Laufzeit der AKWs sogar auf fünfzig Jahre verlängert. Tatsächlich ist -und da reibt sich Macron die Hände- die Erzeugung von Atomkraft mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar, denn das zentrale Ziel des Abkommens ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad, und die Emissionen sind beim Betrieb von Kernkraftwerken gering.

Dass man die Gefahren wider besseres Wissen herunterspielt, ist unannehmbar. Dass jedoch die französische Regierung versucht, Atomkraft als „nachhaltig“ zu verkaufen, um an EU-Fördermittel zu kommen, ist höhnisch und schamlos gegenüber den Menschen, deren Lebensräume durch die Zerstörungskraft der Atomenergie nachhaltig vernichtet wurden. Ich denke an die Opfer der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima, aber insbesondere auch an die Opfer der französischen Atomversuche in Französisch-Polynesien. Die Zerstörung ihres Lebensraums hat die französische Politik in Kenntnis (!) der katastrophalen Folgen bewusst in Kauf genommen.

Es müsste jetzt endlich die Notbremse gezogen werden. Zunächst und zuallererst müsste man an den Auswüchsen ansetzen und die Privilegien der Mächtigen kappen und diese Personen auf den Erdboden zurückholen, dann wäre schon viel gewonnen.

Es gäbe viele klimapolitische Sofortmaßnahmen. Nur ein paar, die mir spontan einfallen: Stopp der Formel 1, virtuelle Ersatzrennen, aber auch Verlegung in Carrerabahn-Hallen bei gleichzeitiger Öffnung der Rennstrecken für Seifenkisten… Nichtinbetriebnahme des Weltraumbahnhofs (netter, verniedlichender Begriff!) in der Nordsee… Keine weitere Eroberung des Weltalls… Olympia dem Amateursport zurückgeben… Gipfeltreffen digital stattfinden lassen: Stopp des internationalen Schaulaufens der Politiker (inklusive des Großen Fressens, der Kaffee-Kränzchen mit der Queen etc…)

Macron, Kofürst von Andorra und Ehrenkanoniker von St. Johannes im Lateran, müsste unbedingt auf den Boden geholt werden. Er möge seine Dienstreise-Freude drosseln und aufs Homeoffice umsteigen. Darüber hinaus müssten seine Bezüge reduziert werden, denn die sind enorm. „Das Gehalt des französischen Staatspräsidenten betrug seit einer Erhöhung im Herbst 2007 – um 170 Prozent – wie das des Premierministers brutto 240.000 Euro im Jahr.[8] Darüber hinaus erhält er jährlich ein Budget in Millionenhöhe, über welches keine Rechenschaft abgelegt werden muss; dazu gehören zum Beispiel freie Kost und Logis im Palast oder Feriendomizile.[9 …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Staatspr%C3%A4sident_(Frankreich)

***

Ende August 2021 machen wir -ich älterer Mensch und vier junge Studentinnen zwischen 25 und 20 (darunter meine beiden Töchter)- Urlaub in der Nord-Bretagne. Wir sind mit dem Auto unterwegs. Von uns bin ich die einzige, die einen Führerschein hat. Mit knapp 63 habe ich mir (auch wegen Corona und der unerträglichen Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln) zum ersten Mal im Leben ein Auto zugelegt.

Als Siebensitzer ist das alte Auto groß genug für fünf Personen + Hund, aber auch für die vorwiegend mit bunten Second-Hand-Klamotten und Büchern prall gefüllten Koffer, die so schwer sind, dass ich sie nicht tragen kann. Immerhin brauche ich zum Autofahren noch keine Brille. Auf gut Wetter-Glück habe ich für zwei Wochen eine Ferienwohnung in Ploumanac’h gemietet, einem Ortsteil von Perros-Guirec. Mein Optimismus wird belohnt, die Regenjacken bleiben unausgepackt.

Meistens scheint die Sonne, aber an kaum einem anderen Tag ist der Himmel so unwirklich blau wie am 27. August.

Der Zufall will es, dass ausgerechnet ich, die ich mir so viele Gedanken um den Sonnengott gemacht habe, ausgerechnet hier, wo ich ihn nicht erwartet hatte, bei strahlendem Sonnenschein Macron begegne. Natürlich nicht leibhaftig… Wir sind mit dem Auto auf dem Weg ins schöne Städtchen Lannion, aber die Smartphone-Navi spinnt und leitet uns um nach Perros-Guirec. So geraten wir auf die Küstenstraße zwischen dem „Plage de Trestaou“ und dem „Plage de Trestignel“. Der Straßenrand ist von Menschen gesäumt, die aufs Meer gucken.

Wir stellen das Auto am Plage de Trestignel ab, gehen die Straße hoch und mischen uns unter die Leute: Man erwartet die Flugshow der Patrouille de France, der Kunstflugstaffel der französischen Armee.

Es ist schon faszinierend, wenn am heiteren Himmel mit einem Mal die Flugzeuge auftauchen, Muster bilden und Formationen. Doch alles ist nur Schöner Schein und Schall und Rauch, denn die künstlich erzeugten bunten Wolkenstreifen verpuffen sehr schnell. Dennoch ist die Wahrnehmung nachhaltig manipuliert: Noch Stunden später sollte ich in jeder Möwe den Starfighter sehen

Hybris

schmiert den

Himmel an: Make

Our Planet Great Again

TRICKolore

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Befleckungslust: Dem Himmel den blau-weiß-roten Stempel  aufdrücken, ohne alle Demut zeigen, wer der Herr auf dem Planeten ist:  La Grande Guerre Contre La Nature.

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Soll hier eine Corona-Impfspritze dargestellt werden?

Make Our Planet Great Again… Irgendwann bemerke ich, dass die Parole einen Satz aus dem Alten Testament in sich trägt, Gottes Auftrag an den Menschen: „Macht euch die Erde untertan.“ (Gen 1,28) Beide Sätze (oder sind es nicht eher Schlachtrufe?) haben acht Silben. Die Betonung ist jeweils auf der ersten, der vierten und sechsten Silbe. Der Satzbau ist weitgehend analog, und die Botschaft von Make Our Planet Great Again spielt überdeutlich auf das „Original“ an. Da es den Satz „Macht euch die Erde untertan“ so nur in der deutschsprachigen Bibelübersetzung gibt, ist zu befürchten, dass die Werbetexter, die für Macron arbeiten, ihn bewusst genau so formuliert haben, weil sie einen sprachlichen Köder brauchten für die Verantwortlichen im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die ja auch direkt angebissen haben.

Macron fehlt meines Erachtens alle Demut gegenüber der Schöpfung. An dieser Stelle möchte ich den deutschen Wissenschaftsjournalisten Horst Stern (1922-2019) zitieren, der die Zeitschrift natur mitgründete und bis 1984 deren Herausgeber und Chefredakteur war. Anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 2012 hat die Zeitschrift natur noch einmal Horst Sterns allererstes Editorial abgedruckt:

„Es darf gedacht werden in NATUR. Nicht nur die Hybris, auch die Hoffnung liegt ja in unserem Denkvermögen begründet. Ich bin sicher: Es wird sich in unserem parasitären Umgang mit der Natur nur dann etwas zum Besseren ändern, hin zu ihrer Schonung durch die Erkenntnis unserer Mitgeschöpflichkeit, wenn der rational gefasste, argumentativ bewiesene Gedanke politisch mehrheitsfähig wird, daß wir Menschen im Kreis der pflanzlichen und tierischen Gestalten nicht grundsätzlich anders, sondern nur grundsätzlich andersartig sind: daß unser Verwandtschaftsgefälle hinunter zu einer Kolibakterie beweisbar kürzer ist als das hinauf zu einem Gott, für dessen Ebenbild wir uns halten. Wir sind als Art biologisch unentrinnbar ein Teil der Natur – lebend an ihr Leben, leidend an ihr Leiden, sterbend an ihr Sterben gebunden.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Stern

Kein Abstrampeln für die Klimapolitik der Stadt Köln: Kapitänin von Stellwerk60-Team SattelFest verabschiedet sich vom Stadtradeln

Vor einer Woche hat in Köln das diesjährige Stadtradeln begonnen, eine bundesweite Großveranstaltung des Netzwerks Klimabündnis. Im Klimabündnis haben sich im Jahr 1990 zahlreiche Städte, Gemeinden und Landkreise zusammengeschlossen und sich verpflichtet, das „Weltklima zu schützen“.

Stadtradeln ist eine Mitmach-Aktion, die zum Klimaschutz beitragen soll. Die Spielregeln: Während eines Zeitraums von drei Wochen steigen Menschen vom Auto auf’s Fahrrad um und zählen per Internet die Kilometer, die sie radelnd zurücklegen. Stadtradeln ist eine pfiffige Idee, wie ich finde, aber doch nur eine symbolische Aktion. Denn was hilft es, wenn wir nach den drei Wochen (fast) alle wieder ins Auto steigen? Stadtradeln beschert uns lediglich ein gutes Gewissen – Jahr für Jahr.

Es ist eine Anmaßung zu meinen, wir Menschen, die wir die Klimakatastrophe verursacht haben, könnten das Weltklima schützen! Ich denke, es geht viel mehr darum, das Klima vor uns Menschen zu schützen. Wir müssten jetzt die Notbremse ziehen. Denn wenn „das Haus brennt“ (Greta Thunberg), kann man es nicht mehr vor dem Feuer bewahren. Da hilft nur eines: Löschen.

Nachdem der Rat der Stadt Köln im Mai Grünes Licht gegeben hat für die Bebauung des Äußeren Grüngürtels mit FC-Trainingsanlagen, habe ich das Vertrauen in die aktuelle Kommunalpolitik verloren. Schließlich hat die Stadt Köln vor einem Jahr -wie viele andere Kommunen auch- den „Klimanotstand“ ausgerufen. „Klimanotstand“ heißt: Der Schutz des Klimas hat absolute Priorität. Demnach sind alle kommunalen politischen Entscheidungen dem Klimaschutz unterzuordnen. Mit dem JA zur Bebauung verstößt die Stadt Köln gegen die Regeln, die sie selber aufgestellt hat.

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Ich liebe meine Stadt, ich fahr Rad, aber ich mach nicht mehr mit…

Im Grußwort zum Kölner Stadtradeln schreibt Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln und Schirmherrin der Aktion, beschwichtigende Sätze: „Der Umstieg vom Auto auf’s Rad ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel: bereits vor 2050 wollen wir klimaneutral sein.“ Ein frommes, zahmes, aber meines Erachtens grob fahrlässiges Versprechen mitten im Kommunal-Wahlkampf. Natürlich lassen wir Menschen uns gerne beruhigen, aber die Rettung der Welt können wir nicht auf 2050 verschieben.

Am bundesweiten Stadtradeln, das seit 2008 veranstaltet wird, nimmt die Stadt Köln seit 2016 teil. Ich habe im Jahr 2016 gemeinsam mit Nachbarin Annette Dauberschmidt das Team Stellwerk60 – SattelFest gegründet. Doch am Ende der drei Wochen war ich alleinige Teamkapitänin, denn Annettes und meine Vorstellungen gingen weit auseinander. Annette wollte ein kleines, überschaubares Team, ich ein großes.

Auf diese Weise wollte ich auf unsere Siedlung aufmerksam machen. Dass Köln mit Stellwerk 60 eine autofreie Siedlung hat, ein bau- und klimapolitisch zukunftsweisendes Projekt, ist in der Stadtspitze -während Besuchergruppen aus aller Welt anreisen, u.a. aus Japan und den USA- niemals angekommen. Vom Spiel-Ehrgeiz gepackt, schaffte ich es tatsächlich, dass wir im Jahr 2016 mit 135 Radlerinnen und Radlern das zweitgrößte Kölner Team wurden und bei der offiziellen Siegerehrung im Rathaus „auf dem Treppchen standen“.

Im Jahr 2020 ist alles anders. Auch beim Stadtradeln gibt die „Gesundheit“ die Richtung vor. So verkündet das Klimabündnis auf stadtradeln.de: „Nicht nur wir, sondern auch das Bundesgesundheitsministerium ist überzeugt, dass das Fahrrad das sinnvollste Verkehrsmittel für die verbleibenden unvermeidlichen Wege ist – sei es zum Einkaufen oder zur Arbeit….“ Der Text enthält nicht nur einen peinlichen Grammatikschnitzer, „… nicht nur wir…  ist überzeugt…“, sondern kommt furchtbar verkrampft daher.

Wenn ich Rentner Alf Kroll, der drei Mal hintereinander in der siedlungsinternen Wertung das Gelbe Trikot erkämpft hat, ohne kämpfen zu müssen, etwas von den „verbleibenden unvermeidlichen Wegen“ erzählen würde, würde Alf lachen, denn er ist ein leidenschaftlicher Radfahrer, der nicht nur das Radeln liebt, sondern auch die guten Radwege, von denen es europaweit (nicht nur) in den schönsten Landschaften immer mehr gibt und auf denen es große Freude macht zu fahren.

Das Miteinander, das das Stadtradeln eigentlich ausmacht, fällt in diesem Jahr aus. So rät das Klimabündnis „derzeit davon ab, das STADTRADELN 2020 mit gemeinsamen Radtouren, Auftaktveranstaltungen oder anderen Aktionen, bei denen viele Menschen zusammenkommen, zu flankieren.“ (stadtradeln.de) Team-interne Siegerehrungen, so legt man uns nahe, sollen auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden.

Offensichtlich sind dem Klimabündnis die selbstorganisierten, letztendlich nicht kontrollierbaren „Aktionen“ suspekt. Auf diese Weise verödet allerdings das Stadtradeln, denn es mutiert zu einer Art Computerspiel mit Echt-Anteil: Jede(r) fährt für sich allein und trägt Kilometer ein. Wie langweilig. Da kann man, so denke ich, gleich auf dem Standfahrrad fahren. Auf diese Weise schützt man sich nicht nur vor Regen, sondern erspart sich auch die verbleibenden unvermeidlichen Wege.

Wie traurig: Es ist, als würde man einem Vor- oder Grundschulkind, das einen Schwimmkurs besuchen will, sagen: „Das geht jetzt nicht, du darfst nicht mit anderen Kindern ins Wasser, denn wir sind von Corona bedroht und müssen aufpassen. Du kannst nicht ins Schwimmbecken, denn im Wasser wimmelt es vor Viren. Aber du kannst trockenschwimmen. Du brauchst nur den schönen neuen Computer anzustellen, den wir uns extra für deinen Schulunterricht angeschafft haben. Da bietet man digitale Schwimmkurse an.“

Huch! Dass die Kinder in den letzten Monaten solche oder ähnliche Sätze tatsächlich zu hören gekriegt haben, habe ich soeben gelesen. Mittlerweile finden zwar in Deutschland wieder Schwimmkurse (im Wasser!) statt, aber Ringe und Schwimmnudeln etc. sollen die Kinder (in der Regel) von zu Hause mitbringen. Außerdem vertreten die Eltern vielerorts die Schwimmlehrer und müssen mit den Kindern ins Becken! Ist das alles noch wahr? Nebenbei gesagt: In Schweden, wo die Grundschulkinder in den letzten Monaten nicht nur uneingeschränkt die Schule, sondern auch Schwimmkurse besuchen konnten wie eh und je und dabei viel Wasser geschluckt haben, weil es nun mal dazu gehört, ist meines Wissens kein Kind besorgniserregend erkrankt. Schwimmen ist eine Kulturtechnik und (fast) so wichtig wie Lesen und Schreiben.

Zurück zum Stadtradeln: Wieder einmal ist die Corona-Politik ein Angriff auf unsere Lebensfreude. Ob am Rhein, am Ballermann oder im Karneval: Genuss macht sich gerade da verdächtig, wo man ihn sich noch leisten kann. Und weil es derzeit so gut ankommt, verkauft man uns das zurechtgestutzte Radeln noch als Gesundheitsmaßnahme. Auf einen Artikel auf spiegel.de mit dem Titel „Warum Fahrradfahren gleich doppelt schützt“ weist stadtradeln.de mit folgendem Link hin: Die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens in Zeiten von Corona

Unter dieser Formulierung verbirgt sich ein sentimentaler Romantitel, den wir alle im Ohr haben: „Die Liebe in den Zeiten der Cholera.“ Der Autor des Romans ist der kolumbianische Literatur-Nobelpreisträger Gabriel García Márquez. (Ob der Roman so schwülstig ist, wie der Titel suggeriert, weiß ich nicht, denn Ich habe ihn nicht gelesen.)

Das Radfahren „in Zeiten von Corona“ –  „Die Liebe in den Zeiten der Cholera.“ Die Ähnlichkeit scheint gewollt. Ich fürchte, da war ein psychologisch geschulter textender Schlaumeier bzw. eine Schlaumeierin am Werk. Ich fremdschäme mich sehr.

So weh der Abschied tut: Da das Stadtradeln zu einer spießig-autoritären Veranstaltung mutiert ist, die indirekt auch noch für die katastrophale Klimapolitik der Stadt Köln wirbt, steige ich als Teamkapitänin aus.

 

Ergänzung 31.8.: In der Wertung von Stadtradeln Köln liegt am 10.Tag mit 136 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie 14.909 bislang geradelten Kilometern aktuell ein Team mit wohlklingendem Namen vorne, dessen pole position Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erfreuen dürfte: „Gesunde Uniklinik Köln“.

Stadtradeln 2019: Es ging um die Wurst!

Dass es im Jahr 2019 tatsächlich um die Wurst ging, wussten die Radlerinnen und Radler vom Stadtradeln-Team der autofreien Siedlung nicht. Umso größer war die Überraschung für Alf Kroll, der zum dritten Mal hintereinander das Gelbe Trikot der internen Wertung erradeln und eine reihenhausgemachte Leberwurst in Empfang nehmen konnte. Lieber Alf, herzlichen Glückwunsch!

Als Teamkapitänin hatte ich alle Stellwerker Stadtradlerinnen und Stadtradler zur Siegerehrung von Stellwerk 60 – Team SattelFest eingeladen. Für Gebäck und Glühwein musste ich nicht sorgen, denn die Preisübergabe fand am 23.12. im Rahmen bzw. Kerzenlicht des Stellwerker „Lebendigen Adventskalenders“ statt, den unser Nachbarschaftsverein Nachbarn60 alljährlich organisiert. Traditionell wird am Tag vor Heiligabend der Siedlungs- Weihnachtsbaum geschmückt. Ideal für die Siegerehrung war der Termin nicht, denn wer denkt zu Weihnachten noch an das sommerliche Radeln? „Stille Nacht, heilige Nacht“ erzeugt nun mal eine andere Stimmung als „Ja, wir sind mim Fahrrad da“, aber da ich die Stellwerker Mehlpiepe ausschließlich zu Weihnachten herstelle, war kein anderer Termin möglich.

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Weil es draußen zu dunkel war, gingen wir für’s Siegerfoto in die Küche der Mobilitätsstation. Was Alf hier stolz in der Hand hält, ist eine „Stellwerker Mehlpiepe“. Sie ist eine von vier Würsten, die ich kurz vor Weihnachten gekocht habe. Normalerweise esse ich kein Schweinefleisch, aber die Mehlpiepe enthält neben Wasser und Buchweizenmehl nun mal Schweineleber sowie Schweinebraten- und Schweinebauchfleisch. Die Herstellung macht nicht viel Arbeit, braucht aber viel Zeit. Nachdem das Fleisch zwei Stunden lang gekocht wird, wird es kleingeschnitten und mit Leber, Buchweizenmehl und der Brühe vermengt. Die fertige Masse wird in Därme gestopft, und die Würste müssen dann noch einmal anderthalb Stunden gekocht und anschließend kalt abgebraust werden. Für mich wäre ein Weihnachten ohne Mehlpiepe wie für andere ein Weihnachten ohne Christstollen. Unvorstellbar! Ursprünglich stammt die Wurst aus Westfalen. Meine Mutter hat sie gekocht und vor ihr mein Großvater. Josef Verron, ein gebürtiger Dorstener, war Lateinlehrer und hatte daher, wie es hieß, nachmittags genug Zeit, um auf die Kinder aufzupassen und Wurst und andere Leckereien herzustellen, während meine gesellige Großmutter Johanna auf Jück ging. Für mich ist die Mehlpiepe eine Delikatesse, aber eigentlich ist sie eine Notwurst. Sie schmeckt auch dann noch, wenn man das Schweinefleisch stark reduziert. In der Kriegszeit bestand sie irgendwann einmal fast nur noch aus Buchweizenmehl, aber es gab sie.

Fast wäre Alf gar nicht zur Siegerehrung gekommen, denn eigentlich wollte er über Weihnachten nach Texas reisen, wo ihm Schwiegertochter und Sohn vor ein paar Monaten ein zweites Enkelkind beschert haben. Doch hatte der dortige Kinderarzt (vermutlich aus American Angst vor eventuellen Schadensersatzforderungen) angeordnet, dass der frischgebackene Großvater, um das Neugeborene nicht zu gefährden, vor der Einreise gegen Keuchhusten und Grippe geimpft werden müsse. Da jedoch Alf seinen einzigen schweren grippalen Infekt ausgerechnet in dem Jahr hatte, als er sich gegen Grippe impfen ließ, hat er German Gelassenheit bewiesen und trotz Neugier und Großvaterstolz die Reise nach Texas auf das Frühjahr verschoben.

Weitere Preise waren ein Bio- Côtes du Rhone mit einem schmucken Bicyclette auf dem Etikett sowie Bambustrinkhalme. Preisträgerin Beate Kleifgen wird die Trinkhalme allerdings nicht zum Schlürfen von Flüssigem verwenden, sondern ein Insektenhotel draus bauen. Nippeser Wildbienen, freut euch des (kommenden) Frühjahrs!

 

Wer trägt 2019 das Gelbe Trikot?

Na, wer wohl?
Liebes Stadtradeln-Team,
Alf ist im Team Stellwerk60 – SattelFest, was Bayern München in der Fußball-Bundesliga ist: Fast uneinholbar. Er gewinnt jedes Jahr, jetzt zum dritten Mal hintereinander, und die anderen streiten sich um die Plätze.
Lieber Alf, herzlichen Glückwunsch zum Gelben Trikot! Du hast es clever gemacht. Deine alljährliche große Fahrrad-Tour, diesmal Quer durch Süddeutschland, hast du in die zweite Hälfte des Kölner Stadtradelns gelegt. 476 erradelte Kilometer in drei Wochen!

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Gelb ist eine klare Ansage.

Wenn es einen Kampf um die (Sitz)- Plätze gibt, hilft nur eines: der Tisch muss groß genug sein. Also findet die Siegerehrung in diesem Jahr im „Kaffee-Kessel“ statt, dem siedlungseigenen Versammlungsraum neben der Mobilitätsstation. Hier steht er: Der große Tisch der autofreien Siedlung Stellwerk 60. Der kann zwar nicht mit dem legendären Tisch der Kommune 1 konkurrieren, aber das will er auch nicht. Das genaue Datum der Siegerehrung werde ich noch bekanntgeben: Irgendwann im Frühherbst.

Die weiteren Preisträgerinnen und Preisträger:
Lieber Christoph, herzlichen Glückwunsch zu 304 geradelten Kilometern, manche davon mit Siedlungs-Honig im Gepäck. Du bist Zweiter geworden. Und du hast es geschafft, Mitradler anzuheuern und davon zu überzeugen, dass Stellwerk60 – SattelFest ein Top-Team ist. Ich war diesmal zum Anheuern zu faul und hatte bis zuletzt gehofft, dass, wenn schon nicht der komplette Hans-Georg, sich zumindest der Georg aus den Fängen des 4VCD befreit und in unsere Mannschaft zurück kommt.
Liebe Barbara, vielen Dank für dein Porträtfoto. Du hast damit die dürftige Stadtradeln-Internetseite deutlich verschönert!
Liebe Tilla, wenn du mir deine Kilometer gesagt und deine Zugangsdaten nochmal mitgeteilt hättest, wären wir jetzt 22 Personen. Ein doofes Missverständnis, aber auf meinem Trittbrett war es ja auch gemütlich.
Ich weiß, dein Trikot wäre rosa geworden – mindestens!
Liebe Beate, dir ist Erstaunliches gelungen. Frau Zimmermann-Buchem hat eigens für dich die „Stadtradeln“ -Internetseite der Stadt Köln einen Tag nach dem offiziellen Anmelde-Schluss reaktiviert. So konntest du noch alle deine Kilometer eintragen. Herzlichen Dank für dein Engagement!
Alle anderen Radlerinnen und Radler unseres Teams bekommen, wenn sie zur Siegerehrung kommen, leckere Trostpreise.
Alle Gute, radelt munter weiter, Teamkapitänin Lisa

+++Eilmeldung+++ Skandal beim Stadtradeln+++cambio verlost Guthaben für Autofahrten+++

Morgen beginnt das diesjährige Kölner Stadtradeln. Auch der Autovermieter cambio ist wieder dabei: „Ob Kunde, Mitarbeiter oder einfach CarSharing-Sympathisant – alle sind herzlich eingeladen, sich der Gruppe „cambio CarSharing Köln“ anzuschließen.“

Würde cambio zum Stadtradeln aufrufen und Luftpumpen verteilen, wäre das ja schön. Aber die Werbung fürs Radeln ist eine verkappte Werbung fürs Autofahren: „Unter allen Teilnehmern, die ihre Radkilometer eintragen, verlosen wir am Ende des Aktionszeitraums 10 mal 20 € cambio-Fahrtguthaben.“

Es ist ja ganz wunderbar, dass Cambio Autos verleiht und keine Autos verkauft, aber Autos sind Autos, und geliehene Autos reinigen vielleicht unser Gewissen, verpesten die Luft aber auch.
Macht es anders. Meldet euch unter http://www.stadtradeln.de an im Team Stellwerk60 – SattelFest. Bei uns winkt zwar kein Autofahren für lau, aber ihr alle dürft, so oft ihr wollt, mit unseren siedlungseigenen Tretautos fahren.

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Hecken schützen…

…  vor den bösen Blicken der Briten, die die radelnde Flachländerin dabei ertappen, wie sie schlapp macht, absteigt und das Fahrrad die steile Straße hoch schiebt… Doch der Schutz kann nach hinten losgehen. Auf meinen Radtouren durch das hügelige, waldarme Cornwall, wo fast überall dichte Hecken die kleineren Straßen säumen, sah ich von der schönen Landschaft nicht viel.

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Aus dem Internet abfotografiert: So gruselig kann es sich anfühlen, kommt einer ein Auto entgegen. Ich landete einige Male in den Brombeeren. Immerhin: Der Linksverkehr ist auf den schmalen Straßen außer Kraft gesetzt.

 

Da hilft nur eines: Sobald ein Public Footpath angezeigt wird, sollte man absteigen, noch schnell ein paar Brombeeren pflücken und zu Fuß weiter gehen.

 

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Eine dürre, auf 1,60m gestutzte Buchenhecke Am Alten Stellwerk. Schön ist sie ja nicht, mehr Lücken als Hecke. Ich sehne mich nach den dichten Cornischen Hecken – und nach ihren Brombeeren. Dass mir hier kein Auto begegnen kann, tröstet mich nicht.

Der Nippeser Lavendel blüht, aber die Vuvuzela trägt Trauer… Kopf hoch: Stellwerk 60 ist Nippeser Meister im Stadtradeln!

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Obwohl es schon viel zu viele getan haben, möchte auch ich meinen LöwiSenf abgeben: Warum nur hat Löw keinen Spieler aus der munteren U21-Mannschaft, die im letzten Jahr Weltmeister wurde, in sein WM-Kader berufen?
Jogi Löw denkt so: Die Jungen heb ich mir für später auf, erscht mal die Alten verbrauchen.
Löw ist sparsam, aber ist er überhaupt ein Schwabe?

 

Welt Online: Gibt’s einen Sparsamkeitstick: Kleben Sie etwa alte Seife auf die neue?

Jogi Löw: Ich bin Badener, kein Schwabe! Ich benutze auch keine Seife, ich verwende Duschgel. Und Seifenspender.

Aus einem Interview mit Welt-online, 16.4.2011. Hier beantwortet Jogi Löw offenherzig die leise fiesen Fragen der schlauen Klatschreporterin Dagmar von Taube. Das ganze lesenswerte Interview:

https://www.welt.de/vermischtes/prominente/article13266575/Joachim-Loew-und-die-letzte-Frage-nach-dem-Toupet.html

 

 

Nachtrag 4.Juli 2019: Ich habe unter „Entwürfe“ noch einen unveröffentlichten Beitrag aus dem Vorjahr gefunden, eine offene Mail an „mein“ Stadtradeln-Team. Hier der Beitrag als Nachtrag:

 

25.7.2018

Liebes Team,
zu der eh schon gruseligen Hitze kommen jetzt noch einige schweißtreibende Zahlen:
Mit 3307 geradelten Kilometern ist das Team Stellwerk60-SattelFest -wie schon 2016 und 2017- inoffizieller Nippeser Meister im Stadtradeln!
Diesmal haben wir Nippes City (67. mit 2362 Kilometern), Because (97. mit 1334 Kilometern) und die Grüne Lunge (120. mit 958 Kilometern) hinter uns gelassen. Allerdings sind in diesem Jahr einige illustre Teams, leider auch das Nippeser Radlager und der Verein Für Nippes aus- bzw. abgestiegen. Köln-weit hat Stellwerk60-SattelFest mit Rang 51 den Platz im obersten Drittel klar verteidigt.
Unsere Preisträger sind:
Alf (Gelbes Trikot mit 370 Kilometern), Christoph (Hellblaues Trikot des ersten Verfolgers mit 329,8 Kilometern), des weiteren Mathilde, Trägerin des Rosa Trikots der ersten Verfolgerin im Vorjahr. Mathilde hat erst am vorletzten Wertungstag ihre 324 Kilometer eingetragen und uns dann aber als Schluss-Spurterin noch über die 3000er-Marke gebracht.
Den Überraschungspreis 2018 bekommt Jürgen dafür, dass er sich als allererster Teilnehmer angemeldet hat.
Die Preise sind bis auf den Preis für Christoph noch in der Mache. Daher findet unsere Siegerehrung erst im Spätsommer statt.
Bei hoffentlich angenehmeren Temperaturen melde ich mich dann.
Herzlichen Dank an alle und ebensolche Grüße,
Teamkapitänin Lisa
P.S.: Wer sich nach grünen Wiesen sehnt, dem empfehle ich eine Tour zum Rhein (mit dem Fahrrad oder mit der 13 bis Slabystraße). Am Sonntag überraschte uns hinter der Mülheimer Brücke eine riesige Herde grasender Schafe. Wo es sich so munter mampfen lässt, kann das Gras nicht verbrannt sein. Nix wie hin!

Arsch huh, Zäng zesamme!

In meinem Lieblingsreiseland Frankreich hätte ich manchmal gerne ein großes Geo-Dreieck dabei, um es an diverse Objekte zu halten und den rechten Winkel zu verifizieren.

Der Campus der Universität Straßburg ist zwar autofrei und immerhin restbegrünt, aber das Terrain ist durch und durch rational durchstrukturiert.

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Fahrrad-Stellplätze für Studenten der Universität Straßburg an der Rue René Descartes („Ich denke, also bin ich“).  Hier wird die Welt ins rechte Licht geEckt.

Nachahmenswert: Radfahr-Zebrastreifen

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Zebrastreifen für den Radverkehr werden in Frankreich nicht angelegt, um Farbe zu sparen. Der Grund ist ein anderer: Unterbricht man den in Deutschland üblichen durchgehenden Radfahr-Streifen, fallen pro Aussparung vier rechte Winkel an.

 

Parc de l’Orangerie, Straßburg:

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Arsch huh, Zäng zesamme!

Das Frühstück im Grünen im Jahr 2018:

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Liebe Zecken, mes chères tiques : Bon appétit!

 

Bis heute haben Leibes- und Geistesertüchtigung das französische «savoir vivre» nicht untergekriegt. In den Restaurants werden die oft vorzüglichen Speisen in aller Regel auf runden Tellern serviert, und die Gläser für die guten Weine sind immer noch bauchig.

 

Ein Platz für Kamelle

Am Siedlungseingang Kempener Straße steht neuerdings ein ausgedientes Fahrrad mit drei stabilen Kunststoff-Behältern.

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Foodsharing ist „eine 2012 entstandene Initiative gegen die Lebensmittelverschwendung, welche Lebensmittel „rettet“, die man ansonsten wegwerfen würde.“

Hier kann man also Lebensmittel spenden, die man selber nicht mehr essen kann, die aber noch lecker sind, also weder vergammelt, verschimmelt noch sonstwie ungenießbar geworden. Eine gute Sache, nur steht der Stellwerk 60 – Fairteiler bei gutem Wetter von morgens bis abends in der prallen Sonne. Ich vermute, er wurde bei bedecktem Himmel dort aufgestellt. Das ist verwunderlich, wird doch bei Foodsharing streng auf Hygiene geachtet.

Heute am Pfingstmontag gammelten in einer der Kisten alte Brötchen, die gestern schon darin waren. Doch der Inhalt einer anderen Kiste gab die längst fällige Antwort auf eine brennende Frage.

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Wohin mit den Kamellen?

Der Stellwerk 60-Fairteiler im Internet:

https://foodsharing.de/?page=fairteiler&sub=ft&bid=305&id=1076

 

 

Gebrauchsanleitung für die autofreie Siedlung

Seit ein paar Tagen gibt es diese reich bebilderte und ansprechend gestaltete neue Siedlungs-Broschüre:

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Die Broschüre „soll den BewohnerInnen eine Hilfestellung zur Lösung der verschiedenen Transportprobleme bieten.“ So wird erklärt, wie und mit welchen Hilfsmitteln man ohne Auto größere und kleinere Einkäufe, aber auch Möbel befördern kann. Fragen werden beantwortet, wie z.B. Kann die Siedlung mit dem Auto befahren werden, wenn man sperrige Teile geliefert bekommt oder ein Umzug ansteht? Die Mitglieder des Vereins Nachbarn 60 können bis auf Autos (die gibt’s direkt nebenan bei Cambio) viele Transportgeräte kostenlos ausleihen, die meisten stehen in der Mobilitätsstation. Weitere Informationen unter: http://www.nachbarn60.de

Die Broschüre hilft bei praktischen Fragen. Sie erzählt kaum etwas davon, wie sich das Leben in einer autofreien Siedlung anfühlt. Die angesprochenen Probleme sind die mit dem Ordnungsamt und nicht die der Menschen untereinander. Aber mehr als wertvolle praktische Ratschläge geben will die Broschüre auch nicht.

Wer etwas Stellwerk60-Flair schnuppern will oder in den Sound der Siedlung hineinhören, dem sei als Ergänzung noch einmal der Film empfohlen, den das Koreanische Fernsehen vor knapp zwei Jahren gedreht hat.

Kleine Ergänzung 2021: Durch einen „Umzug“ zwischen zwei YouTube-Kanälen war dieser Film vorübergehend verloren gegangen bzw. unter der alten „Adresse“ nicht mehr aufrufbar. Er hatte bis Anfang 2021 etwa 1300 Aufrufe, was sich jetzt auch nicht mehr „belegen“ lässt. Aber der muntere Film hat den „Ortswechsel“ unbeschadet überstanden!