Die Katholische Kirche ist dabei, die Menschen zu verlieren. Ich bin Mitte der 1980er Jahre zusammen mit meinem späteren Mann aus der Kirche ausgetreten. Aber wir sind Christen geblieben. Wie mein Mann verbinde ich mit der Katholischen Kirche viele schöne Kindheitserinnerungen, vor allem die an die großen Feste.
1964: Eine Hochzeit in der Bottroper St. Elisabeth Kirche. Meine Zwillingsschwester und ich sind als Engelchen engagiert.
Nach der Hochzeit (rechtes Bild),: Während meine Schwester die Hände faltet, reibe ich mir die Hände. Ich kann kaum noch ruhig stehen, weil ich nur noch an die Bälle denke, dir wir zur Belohnung gekriegt haben.
Die großen katholischen Feste hatten zur Freude der Christen immer auch lebensfrohe heidnische Momente. Dass „Engelchen“ (oder auch „Blumen-Mädchen“) Blüten streuen, über die die Eheleute dann laufen „müssen“, geht auf einen heidnischen Fruchtbarkeits-Brauch zurück. Die gestreuten Blüten bescheren den Brautleuten einen reichen Kindersegen. Es heißt, dass der Duft der Blüten die Fruchtbarkeitsgöttinnen anlockt.
Der Auftritt sollte nicht unser einziger bleiben. Wir wurden gerne „engagiert“, denn als Zwillinge standen wir mit den Fruchtbarkeitsgöttinnen in enger Verbindung.
Im Jahr 2019 wurde die Bottroper St. Elisabeth Kirche, wo wir auch zur Kommunion gegangen sind, entweiht – wie viele andere Kirchen.
Zwillinge haben wir nicht mehr nur dem Zufall oder der guten Laune von Fruchtbarkeitsgöttinnen zu verdanken, sondern immer öfter dem Zugriff der eiskalten Reproduktionsmedizin .