Warum dauert das Weihnachtsfest zwei Tage?

Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu Christi. Anschließend an den Heiligabend haben wir noch einen ersten und einen zweiten Weihnachtstag. Diese zwei „heiligen“ Tage gibt es bei jeder Geburt. Wenn ein Kind auf der Welt ist, dauert eine Geburt noch zwei weitere Tage.

Die Geburt ist für Mutter und Kind ein schmerzhafter und befreiender Prozess, den Mutter und Kind miteinander teilen. Durch die schmerzhafte Kraft der Wehen wird das Kind aus dem Paradies gerissen, der wohltemperierten Wärme des mütterlichen Fruchtwassers. Es gibt keine Geburt ohne Schmerzen.

Jede Frau, die ein Kind zur Welt bringt, ist nicht nur einer Urgewalt ausgeliefert, sondern selber urgewaltig. Die Wehen überrollen die Frau, aber zugleich ist es die Frau selber, die die Wehen erzeugt. Der Wehenschmerz ist der einzige Schmerz, der einen differenzierten Rhythmus hat. Geburten verlaufen in verschiedenen, aufeinander folgenden Phasen. Die Wehen kommen langsam, anfangs sind sie kaum wahrnehmbar. Der Wehenschmerz baut sich auf und ebbt ab. Während der Geburt werden die Wehen intensiver und die Pausen kürzer. Wenn die Mutter die Ruhe bewahrt, verwandeln sich in der letzten Phase der Geburt die Wehen in Kraft. In dem Moment, wo das Kind auf die Welt kommt, ist die Geburt schmerzlos.

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, ist die Geburt noch nicht wirklich zu Ende. Jetzt haben die Geburtshelferinnen eine weitere Aufgabe: Sie reinigen das Kind von Fruchtwasser und Blut und kleiden es ein. Die Mutter ist nach der Geburt wackelig auf den Beinen. Ihre Schenkel sind durch Blut und Fruchtwasser verklebt, sie kann sich nur mit Mühe alleine waschen. Jetzt haben die Geburtshelferinnen eine weitere wichtige Aufgabe: Sie reinigen die Mutter von Blut und Fruchtwasser. Ich habe diese Waschung damals als Wohltat empfunden und mir gerne in saubere Kleider helfen lassen.

Aber auch jetzt ist die Geburt noch nicht wirklich zu Ende. Es dauert noch zwei Tage, bis die Mutter ihr Kind stillen kann. In der Regel schießt die Milch erst nach etwa 48 Stunden ein. In diesen 48 Stunden ruhen Kind und Mutter sich aus. Sie müssen sich mit einer völlig neuen Situation anfreunden. Nachdem sie neun Monate lang ein Organismus waren, sind sie nun zwei getrennte Personen.

Oft (aber nicht immer!) fremdeln Mutter und Kind während dieser ersten zwei Tage. Sie nähern sich einander an, nuckelnd entdeckt das Neugeborene die Vormilch. Wenn die Milch einschießt, nimmt die Mutter ihr Kind wieder zu sich: Die Geburt ist vollendet. Viele Frauen empfinden erst jetzt, was die Gesellschaft zwei Tage zu früh von ihnen erwartet: Mutterliebe.

Ich bin meinen beiden Töchtern dankbar dafür, dass ihnen meine Milch immer geschmeckt hat.

Frauen, die auf der Flucht sind, bringen ihre Kinder meistens unter Umständen zur Welt, die menschenunwürdig sind. Sie finden nur schwer geeignete Räume und eine angemessene Geburtshilfe, manche entbinden alleine- ohne alle Hilfe. Frauen, die auf der Flucht sind, finden kaum zur Geburtsruhe, die für eine gute Geburt unersetzlich ist. Den allermeisten Frauen, die auf der Flucht entbinden, fehlen die zwei heiligen Tage.

Kommentar verfassen