Stadtradeln 2019: Es ging um die Wurst!

Dass es im Jahr 2019 tatsächlich um die Wurst ging, wussten die Radlerinnen und Radler vom Stadtradeln-Team der autofreien Siedlung nicht. Umso größer war die Überraschung für Alf Kroll, der zum dritten Mal hintereinander das Gelbe Trikot der internen Wertung erradeln und eine reihenhausgemachte Leberwurst in Empfang nehmen konnte. Lieber Alf, herzlichen Glückwunsch!

Als Teamkapitänin hatte ich alle Stellwerker Stadtradlerinnen und Stadtradler zur Siegerehrung von Stellwerk 60 – Team SattelFest eingeladen. Für Gebäck und Glühwein musste ich nicht sorgen, denn die Preisübergabe fand am 23.12. im Rahmen bzw. Kerzenlicht des Stellwerker „Lebendigen Adventskalenders“ statt, den unser Nachbarschaftsverein Nachbarn60 alljährlich organisiert. Traditionell wird am Tag vor Heiligabend der Siedlungs- Weihnachtsbaum geschmückt. Ideal für die Siegerehrung war der Termin nicht, denn wer denkt zu Weihnachten noch an das sommerliche Radeln? „Stille Nacht, heilige Nacht“ erzeugt nun mal eine andere Stimmung als „Ja, wir sind mim Fahrrad da“, aber da ich die Stellwerker Mehlpiepe ausschließlich zu Weihnachten herstelle, war kein anderer Termin möglich.

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Weil es draußen zu dunkel war, gingen wir für’s Siegerfoto in die Küche der Mobilitätsstation. Was Alf hier stolz in der Hand hält, ist eine „Stellwerker Mehlpiepe“. Sie ist eine von vier Würsten, die ich kurz vor Weihnachten gekocht habe. Normalerweise esse ich kein Schweinefleisch, aber die Mehlpiepe enthält neben Wasser und Buchweizenmehl nun mal Schweineleber sowie Schweinebraten- und Schweinebauchfleisch. Die Herstellung macht nicht viel Arbeit, braucht aber viel Zeit. Nachdem das Fleisch zwei Stunden lang gekocht wird, wird es kleingeschnitten und mit Leber, Buchweizenmehl und der Brühe vermengt. Die fertige Masse wird in Därme gestopft, und die Würste müssen dann noch einmal anderthalb Stunden gekocht und anschließend kalt abgebraust werden. Für mich wäre ein Weihnachten ohne Mehlpiepe wie für andere ein Weihnachten ohne Christstollen. Unvorstellbar! Ursprünglich stammt die Wurst aus Westfalen. Meine Mutter hat sie gekocht und vor ihr mein Großvater. Josef Verron, ein gebürtiger Dorstener, war Lateinlehrer und hatte daher, wie es hieß, nachmittags genug Zeit, um auf die Kinder aufzupassen und Wurst und andere Leckereien herzustellen, während meine gesellige Großmutter Johanna auf Jück ging. Für mich ist die Mehlpiepe eine Delikatesse, aber eigentlich ist sie eine Notwurst. Sie schmeckt auch dann noch, wenn man das Schweinefleisch stark reduziert. In der Kriegszeit bestand sie irgendwann einmal fast nur noch aus Buchweizenmehl, aber es gab sie.

Fast wäre Alf gar nicht zur Siegerehrung gekommen, denn eigentlich wollte er über Weihnachten nach Texas reisen, wo ihm Schwiegertochter und Sohn vor ein paar Monaten ein zweites Enkelkind beschert haben. Doch hatte der dortige Kinderarzt (vermutlich aus American Angst vor eventuellen Schadensersatzforderungen) angeordnet, dass der frischgebackene Großvater, um das Neugeborene nicht zu gefährden, vor der Einreise gegen Keuchhusten und Grippe geimpft werden müsse. Da jedoch Alf seinen einzigen schweren grippalen Infekt ausgerechnet in dem Jahr hatte, als er sich gegen Grippe impfen ließ, hat er German Gelassenheit bewiesen und trotz Neugier und Großvaterstolz die Reise nach Texas auf das Frühjahr verschoben.

Weitere Preise waren ein Bio- Côtes du Rhone mit einem schmucken Bicyclette auf dem Etikett sowie Bambustrinkhalme. Preisträgerin Beate Kleifgen wird die Trinkhalme allerdings nicht zum Schlürfen von Flüssigem verwenden, sondern ein Insektenhotel draus bauen. Nippeser Wildbienen, freut euch des (kommenden) Frühjahrs!

 

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