Corona-Blues – Wo bleibt der Wonnemonat?

Auf dem Gelände von Stellwerk 60 wachsen viele Birken. Die meisten waren schon da, bevor die autofreie Siedlung gebaut wurde, andere sind später angepflanzt worden. In den Walpurgisnächten der letzten Jahre sind leider immer wieder einige der jüngeren Birken gefällt worden. In diesem Jahr war das anders.

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Eine rettende Idee: Kinder haben den Birken in der autofreien Siedlung Plakate umgehängt.

Diemal sind in der Siedlung alle Bäume stehen geblieben. Überhaupt fielen die Maibäumchen, die traditionell der junge Mann seiner Angebeteten bringt, in ganz Nippes eher bescheiden aus. Ob das an Corona lag? Ich vermutete eine Anweisung des Kölner Ordnungsamtes mit fogendem Wortlaut: In diesem Jahr ist aus den bekannten Gründen nur das Überreichen kleiner Maibäumchen bzw. Zweige erlaubt. Der Absender darf in keinem Fall anonym bleiben, sondern muss, damit mögliche Infektionswege nachverfolgt werden können, die Transaktion anmelden. In jedem Fall möge die Person, die das Bäumchen aufstellt, es mit dem Namen der Empfängerin namentlich kennzeichnen.

 

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Ich mag meinen Augen nicht trauen. Ist Morten nicht ein Männername? Könnte es sein, dass eine Frau … ? Im Internet finde ich die Erklärung. In Schaltjahren (wie 2020), so lese ich, „dürfen“ neuerdings auch die Frauen aktiv werden und den Männern Maibäumchen vor die Tür stellen. Aber muss das sein? Sollten sich die jungen Frauen nicht besser in Hexen verwandeln und die Walpurgisnacht feiern?

 

Mich befiel eine tiefe Sehnsucht nach einem richtigen Maibaum. Maibäume sind ja nicht nur abgesäbelte Bäume, sondern eine Demonstration überschäumender (männlicher) Lebenslust. Lebenslust und Lebensfreude jedoch darf es derzeit nicht geben. Das Leben ist weitgehend verboten.

Viele Verbote sind wichtig und richtig. Es wäre mehr als nur wünschenswert, wenn es endlich eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen gäbe. Immerhin ist im Autoland Deutschland das Hupen in geschlossenen Ortschaften verboten. Manchmal jedoch wird dieses Verbot übertreten. Wir alle drücken gerne ein Auge zu, wenn deutsche Männer (meistens sind es ja Männer) laut hupend durch die Stadt fahren, weil „unsere“ Fußball-Nationalmannschaft gewonnen hat.

Wir Nippeser hören an fast jedem Samstag ein lautes, wildes Hup-Konzert, dann nämlich, wenn eine riesige türkische Hochzeitsgesellschaft auf dem Weg zum Hochzeitssaal in Niehl oder einem anderen festlichen Ort über die Neusser Straße fährt.

Am letzten Samstagnachmittag ist mitten auf der Kreuzung Wilhelmstraße/Neusser Straße ein Hochzeits-Autokorso stecken geblieben. Der Korso bestand aus gerade mal zwei Wagen. Es wurde nur zaghaft gehupt, denn sonst wäre aufgefallen, dass die Insassen keine Gesichtsmaken trugen. Traurige neue Welt…

 

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2. Mai 2020, 18h30.

 

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