Coronoia lässt die Kassen klüngeln: Der FC Köln erklärt dem Erzbistum, wie man Tickets verkloppt

„Man kennt sich, man hilft sich.“ (Konrad Adenauer)

Wir erleben sogenannte „Lockerungen“, aber was bleibt und durch die Maskenpflicht noch verschärft wird, ist der „Sicherheitsabstand“. Die Kinos, die davon leben, dass die Menschen dicht an dicht sitzen, bleiben weiterhin geschlossen. Nach wie vor darf nur ins Kino, wer bereit ist, in einer Blechkiste vorzufahren und darin sitzen zu bleiben. Im Autokino soll man zwar, sobald das Fahrzeug steht, die Sicherheitsgurte ablegen, man darf die Fenster öffnen, aber damit endet auch schon die Bewegungsfreiheit.

Derzeit werden in ganz Deutschland (bis auf Bayern, wo sogar die Autokinos geschlossen sind) neue, oftmals mobile Autokinos eröffnet. Auch wenn sich die Betreiber die Hände reiben, kann das auf Dauer nicht gut gehen. Denn es werden keine neuen Filme gezeigt, obwohl die längst abgedreht und vorab gezeigt worden sind. Damit aber diese neuen Filme in die Kinos kommen, müssen die klassischen Kinos wieder geöffnet werden. Das lohnt sich aber nur, wenn die Säle voll sind, was aber nur dann gewährleistet ist, wenn die Menschen keinen Sicherheitsabstand einhalten müssen.

Die Kirchen haben ein ganz ähnliches Problem wie die Autokinos: Keine neuen Impulse. Der Run auf die Gottesdienste wird schnell abflauen. Immerhin braucht man seit dem 1. Mai nicht mehr ins Internet oder -wie bei den Oster-Gottesdiensten- ins Autokino, um eine Messe zu besuchen. Auch im Kölner Dom werden am Muttertag endlich wieder öffentliche Sonntags-Messen stattfinden – unter besonderen Auflagen.

Der Kölner Dom ist ja nicht irgendeine Kirche, sondern das kölnische Aushängeschild. Als Weltkulturerbe-Stätte und Deutschlands größte Kathedrale ist der Dom eine Kirche der Superlative. Nach Fertigstellung im Jahr 1880 hatte der Kölner Dom im Wettkampf um das höchste Gebäude der Welt die Turmspitzen mit 157 m am weitesten oben. Jedes Kölner Schulkind (das klettern kann, denn es gibt keinen Aufzug) erklimmt irgendwann die 533 Stufen, die zur Besucherplattform (97 m) hoch führen.

Am letzten Sontag gab es im Dom nach sechs Wochen wieder einen Gottesdienst, aber nicht für alle Kölner, sondern ausschließlich für „Mitarbeiter des Doms, Sänger, Lektoren und Messdiener sowie einige Pressevertreter.“ Man wollte, so hieß es, den Normalfall üben. Das Fazit der Übung: Zur öffentlichen Messe zugelassen sein werden immer nur 122 Personen, und auch nur dann, wenn sie einen Mundschutz tragen und den Sicherheitsabstand einhalten. https://www.sueddeutsche.de/panorama/gottesdienst-koelner-dom-coronakrise-1.4895447  Ich fand leider nirgendwo eine Anwort auf meine Frage, wie man das Kollekte-Problem lösen wird. Gibt es weiterhin nur einen digitalen Klingelbeutel?

Gestern kam ich gegen 19.30 vom Einkaufen zurück und radelte wie fast jeden Tag an St. Marien vorbei. Doch was sah ich? Vor der Kirche standen Liegestühle, zwei Einzel- und ein Doppelsitzer waren mit entsprechendem Sicherheitsabstand höchst einladend platziert. Menschen hatten sich in die Stühle gefläzt, die Hosen hochgekrempelt, Pulle Bier dabei. Richtig schön. Was war los? Hat der Katholische Kirchenverband Bilderstöckchen-Nippes den Vorplatz der Kirche zum Beach-Club erklärt?

 

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Die Auflösung: Das angrenzende Café Rosenrot hat die Liegestühle vor die Kirche gestellt, um den Menschen, die Essen bestellen, die Wartezeit zu versüßen. Diese beiden sehr freundlichen und gut gestimmten Nippeser Mitbürger waren mit dem Fotografiertwerden direkt einverstanden…. Im Hintergrund wird am „Haus der Kirche“ emsig weiter gearbeitet. „Haus der Kirche“ klingt, als stünden das Gebäude insbesondere der Gemeinde zur Verfügung. Aber so ist es nicht. Hierzu mehr im stets informativen Nippes-Magazin  (früher „Für Nippes“) http://veedelmedia.de/flip-pdf/fuer-nippes_2015-2

 

Für die Messen am Sonntag oder die Abendmesse am Samstag konnte man sich ab Mittwoch Karten reservieren lassen. Die Zugangskarten sind kostenlos, aber nicht übertragbar. Hatten wie das nicht schon mal? Ich denke da an die Gottesdienste im Autokino.

Hilfe bei der Reservierung bekommt die Katholische Kirche vom 1.FC Köln, der derzeit ebenfalls Einnahmeeinbußen zu verkraften hat. Für die Reservierungen benutzt die Kirche genau das Computersystem, das der Fußballclub 1. FC Köln für seine Fan-Kommunikation verwendet. „Der Verein hat deshalb Unterstützung bei der Schulung von Mitarbeitern der Pastoralbüros angeboten“, heißt es auf erzbistum-koeln.de  Generalvikar Dr. Markus Hofmann: „Wir sind dem 1. FC Köln sehr dankbar…  Das ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit.“ Alexander Wehrle , Geschäftsführer des 1. FC Köln, sagt„Wir haben dem Erzbistum sehr gerne mit unserer Erfahrung geholfen. Als Club der Stadt stehen wir zu Köln und seinen Bürgern und natürlich auch zu den Kirchen. Wenn wir etwas dazu beitragen konnten, dass Menschen in unserer Stadt trotz der Einschränkungen der Corona-Krise ihren Glauben leben und ausüben können, freut uns das sehr“,

So wäscht eine Hand die andere – aus Hygienegründen natürlich  rein digital.

Den Hinweis auf das schöne Adenauer Zitat verdanke ich einem Artikel von Ertay Harif, in dem der Kölsche Klüngel anschaulich (und in seiner Ambivalenz!) beschrieben wird. https://koeln-magazin.info/kluengel0.html

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