KATHOLISCH ÖFFENTLICHE „BÜCHEREI – ON – LEINE“

Im Pfarrbüro von St. Marien hatte ich einmal eine nette Begegnung:

Im Jahr 2015 hatte sich meine Tochter Lea nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr dafür entschieden, Psychologie zu studieren. Sie musste sich bei jeder Universität einzeln bewerben und jedes Mal das Abiturzeugnis vorlegen. Manchen Unis reichte eine einfache Kopie, andere wollten eine beglaubigte haben. Von der Schule hatte meine Tochter zwei beglaubigte Kopien bekommen, die natürlich direkt aufgebraucht waren. So bot ich meiner Tochter an, im Pfarrbüro von St. Marien nachzufragen. Dort war man sehr freundlich. Die Mitarbeiterin machte noch eine Extra-Kopie, setzte den Stempel „beglaubigt“ darauf und den der Pfarrei St. Marien darunter.

Bezahlen durfte ich nichts, nicht einmal der Kirche was spenden. „Das kostet doch die jungen Menschen ein Heidengeld, wenn sie sich überall einzeln bewerben“, sagte die Frau. Nun, „Heidengeld“ sagte sie nicht, das habe ich jetzt eingefügt. Das Wort kommt mir in den Sinn, obwohl wir ja wissen, dass diejenigen, die zu viel Geld haben, nicht unbedingt Heiden sind (s. katholische Kirche). Die Universität Bremen, an der meine Tochter schließlich landete, hat die Kopie nicht angenommen. Man erwartete eine von einer öffentlichen Behörde ausgestellte Beglaubigung. Den Stempel der katholischen Kirche empfand man offensichlich als unseriös oder gar „unecht“. In Bayern wäre das nicht passiert (da passiert derzeit anderes, das weit schlimmer ist), aber Bremen ist nun mal traditionell evangelisch.

Das Haus, in dem sich das Büro befand, ist abgerissen. An der Stelle wird jetzt das „Haus der Kirche“ gebaut. Für die Zwischenzeit ist das Parrbüro in ein Gebäude in der Wilhelmstraße umgezogen, das auch die „Bücherei St. Marien“ beherbergt sowie den Arbeitskreis „Eine Welt im Veedel“ (den Nippesern wohlbekannt durch den freitäglichen Marktstand „Fairer Handel“). Die Bücherei ist zur Zeit geschlossen, aber man hatte die schöne Idee, eine Wäscheleine vors Fenster zu spannen und „Kleine Kostbarkeiten“ daran aufzuhängen.

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Aktuell lädt man Kinder dazu ein, Bilder zu malen (gelbe Kopie: „Das sehe ich aus meinem Fenster“), die eingesammelt und veröffentlicht werden sollen.

Vor zwei Wochen hatte ich mir ein Gedicht, das dort gleich doppelt hing, von der Leine genommen:

P1050788 Vor allem im Gesundheitswesen erhalten wir in den letzten Jahren vermehrt „unerwünschte Belehrungen“. Gesundheit wird zur Bürgerpflicht-  und auch der Frohsinn.

 

In der Aktion „Für ein gesundes Miteinander“ gibt die DAK Verhaltensmaßregeln: „Ihr könnt euch mal ! … Freundlich grüßen. Denn Freundlichkeit im Alltag ist ansteckend und führt zu weniger Aggression und Stress. Gute Laune, guten Tag.“

Die Aktion „Für ein gesundes Miteinander“ suggeriert, dass wir normalerweise ziemlich unfreundlich (ungesund) miteinander umgehen. Das mag für manche Menschen immer und für viele Menschen manchmal stimmen (auch für mich), so pauschal jedoch ist das eine böse Unterstellung. Es ist wünschenswert, dass Menschen freundlich zueinander sind, aber bitte nicht auf Befehl! Diktierte Gefühle fördern die Heuchelei. Der Zwang zur Nähe, der hier so locker-lässig daherkommt, führt eher dazu, dass wir uns noch mehr voneinander entfernen.

In Deutschland gibt es mittlerweile das Schulfach „Glück“ – auch auf Anregung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Ich finde, es müsste ein anderes Schulfach geben: NEIN. Wie lerne ich, angesichts des Zwangs zu Frohsinn, Gesundheit und Glück nicht immer freundlich zu lächeln, sondern in der Lage zu sein, NEIN zu sagen.

 

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