+++Eilmeldung: Maske weg, Abstand passé – Menschenmassen am Fühlinger See!+++

 

Nachdem ich meiner Tochter Carla, die zur Zeit unfreiwillig fernstudiert und so oft in Köln ist wie seit dem Abi nicht mehr, am Dienstag den Vorschlag machte, zum Fühlinger See zu fahren, klappten sie und ihre Freundin direkt die Laptops zu und holten die Fahrräder aus dem Schuppen. Am See angekommen, peilten die beiden ein Plätzchen außerhalb des Freibades an.

Ins Blackfoot Beach (seltsamer Name für ein Strandbad, das mit weißem Sand wirbt) wären sie so kurzfristig eh nicht reingekommen. Überhaupt ist Spontaneität zur Zeit nicht angebracht, denn auch im bzw. am Blackfoot Beach ist alles ziemlich verkrampft: Tickets muss man im Internet buchen. Die Besucherzahl ist begrenzt, die Verweildauer befristet. Auf dem Gelände herrscht Maskenpflicht, und der Mund- und Nasenschutz darf nur zum Schwimmen und auf dem eigenen (!) Handtuch abgelegt werden. Dass man trotz dieser Schikanen (unter Dauerbewachung) immer noch 4,80 Euro Eintritt zahlen soll, finde isch happisch.

Normalerweise platzt bei solch einem Traumwetter, wie wir es rund um Pfingsten hatten, das Blackfood Beach –Bad aus allen Nähten, während man außerhalb der Location immer noch einen kostenlosen, wenn auch weniger komfortablen, aber luftigen Platz direkt am See finden kann. Am Tag nach Pfingsten war es allerdings, wie Carla erzählte, genau umgekehrt. Außerhalb des Bades war es auf den Wiesen so voll, dass der allgemein empfohlene Mindestabstand auch nicht annähernd eingehalten werden konnte. Die Stimmung war entspannt, obwohl es anders als im Freibad keine Pommes und Getränke zu kaufen gab. Viele Leute waren nicht zum Schwimmen, sondern zum Sonnenbaden gekommen, darunter die, die auch im Sommer ins Sonnenstudio gehen, aber angesichts der rigiden Corona-Maßnahmen keine Lust auf künstliche Sonne mehr hatten.

Nahtlose Gesichtsbräune ist nicht gegeben, wenn man einen Mund- Nasenschutz trägt, also rissen sich die Leute das Textil vom Gesicht und reckten das bleiche Kinn in die Höh‘. Egal, ob auf dem eigenen Handtuch oder einem anderen – niemand war noch gewillt, eine Maske zu tragen. Carla und ihre Freundin fanden direkt an der Regattabahn eine Stelle, die zwar nicht so schön war, wo sie aber viel Platz hatten und endlich einmal Covid 19 vergessen konnten. Nur ein einsamer Inline-Skater, der auf dem Weg entlang der Regattabahn betont lässig an ihnen vorbei rollte, mit nacktem Oberkörper, aber bekleidetem Mund, erinnerte noch an Corona.

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Deutschland entwickelt sich zum Überwachungsstaat. Das hilft nur eines: „Maske fott, Zäng ussenander!“ Bart Simpson, wir brauchen Jungs wie dich!

 

Leider sind am Fühlinger See auch in diesem Jahr wieder die Raupen des Eichenprozessionsspinners in großer Zahl unterwegs. https://fuehlingen.de/aktuelles/wieder-eichenprozessionsspinner-am-fuehlinger-see  Ähnliches gilt für die Gespinstmotte, die oft mit mit dem Eichenprozessionsspinner verwechselt wird, weil ihre Raupen sich auch in „Prozessionen“ bewegen, die Blätter von den Bäumen und Sträuchern abfressen und Stämme, Äste und Zweige mit einer Art Schleier, einem Gespinst überziehen. Für die Menschen stellen die Raupen der Gespinstmotte keine Gefahr dar. Auch die Gehölze werden nicht nachhaltig beschädigt und treiben in der Regel später im Jahr wieder aus. Unter dem fast zärtlich anmutenden Titel „Die Christos unter den Insekten“ (in Anspielung auf den vor wenigen Tagen verstorbenen Verpackungskünstler) hat NABU NRW im Jahr 2014 einen schönen und informativen Artikel über die Gespinstmotte ins Netz gestellt. https://nrw.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insekten/gespinstmotten/index.html

Ich hatte der Nippeser Gespinstmotte, die im Grünstreifen unterhalb der S-Bahn-Trasse aktiv ist, vor genau einem Jahr ein Elfchen gewidmet: https://stellwerk60.com/2019/06/01/elfchen-im-sechsten-raupe-nimmerallein/ Auch wenn die Gespinstmotte „ungiftig“ ist, sollten wir ihr vermehrtes Vorkommen ernst nehmen, denn es ist eine Folge der durch Menschen verursachten, fortschreitenden Klimakatastrophe, die man beschönigend „Klimawandel“ nennt.

Befremden sollten uns die Tierchen nicht. Wie die Gespinstmotte ist auch der Eichenprozessionsspinner kein „Alien“, der erst im Zuge des internationalen Luftverkehrs zu uns gekommen ist. Seine Raupen sind hier heimisch, es gibt sie vielleicht schon (fast) so lange, wie es Eichen gibt. Der schwedische Naturforscher Carl von Linné hat dem Insekt im Jahr 1758 den wohlklingenden botanischen Namen Thaumetopoea processionea gegeben. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners kommen nur auf Eichen vor. So können wir sie erkennen und von „harmloseren“ Schmetterlingstierchen unterscheiden. Eichenprozessionsspinner lieben die Trockenheit. Sie meiden dichte, feuchte Eichenwälder und bevorzugen lichte Eichenwälder und Einzelbäume am Waldrand. Da sich die Raupen des Eichenprozessionsspinners tatsächlich nur auf Eichen tummeln, ist eine Schlagzeile wie „Gefährliche Raupe: Der Eichenprozessionsspinner frisst sich durch Bielefeld“ reichlich übertrieben. https://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/22796945_Diese-gefaehrliche-Raupe-bereitet-sich-massiv-in-Bielefeld-aus.html

Auch vor über hundert Jahren dürften sich Menschen an ihren Härchen verbrannt haben. Und wer sich nach Tagen der Trockenheit draußen aufhielt, von einem Gewitter überrascht wurde und unter einem Baum Schutz suchte, den hat vielleicht nicht der Blitz erwischt, aber ein kleines lästiges Tierchen. So wäre endlich das Rätsel einer alten deutschen Redensart gelöst, die uns erklärt, wo man bei einem Gewitter Schutz suchen soll und wo besser nicht: „Buchen sollst du suchen, vor Eichen sollst du weichen.“

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Titelblatt des Kölner Stadtanzeigers von vorgestern, 4.Juni. Pfingsten dürfte es auch am Rhein rappelvoll gewesen sein. Vermutlich war das Ordnungsamt machtlos, denn der „Sicherheitsabstand“ ist gewiss kaum irgendwo eingehalten worden. Die Schlagzeile „Unterschätzte Gefahr“ ist irreführend, weil jeder „Corona“ assoziiert.  Im Artikel wird jedoch darüber berichtet, wie am Pfingstsonntag an der „Rodenkirchener Riviera“ ein etwa sechs Jahre altes Mädchen beinahe ertrunken wäre, aber von einer beherzten Frau gerettet wurde.             Der Artikel hat einen tadelnden Unterton: „Am Ufer kühlen sich hunderte Menschen ab, halten die Füße in den Fluss, oder gehen mit dem ganzen Körper ins Wasser“. Ich frage mich: Ist das so schlimm? Für den Autor des Artikel schon. Jedes „Betreten“ des Rheins,  so wird suggeriert, ist lebensgefährlich. (Dabei plantschen die Personen auf dem Foto im Innenteil nur, und man sieht kleine Kinder ausschließlich in Begleitung von Erwachsenen). Wirklich geschützt, so sollen wir denken, ist man nur im Hochsicherheits-Freibad.                           An der Stelle, wo das Cover-Foto aufgenommen wurde, würde ich übrigens niemals weit ins Wasser gehen. Denn hier, in unmittelbarer Nähe der Rodenkirchener Brücke, ist das Schwimmen tatsächlich lebensgefährlich. Doch im Kölner Norden, zwischen Cranach-Wäldchen und Niehler Hafen, gibt es sandige Buchten, wo sich das Wasser so staut, dass Eltern ihre Kinder (beaufsichtigt) plantschen lassen können. Dennoch sollte man aufpassen, dass die Kinder nicht zu viel Wasser schlucken. Zwar gibt es mittlerweile viel mehr Kläranlagen als noch vor dreißig Jahren, was der Sandoz-Katastrophe von 1986 geschuldet ist, aber umso mehr Mikroverunreinigungen durch Medikamente, synthetische Hormone („Pille“) und Insektizide.  „Wenn das Wasser im Rhein goldener Wein wär….“ na ja. Trotz alledem ist es für Kinder schön, in der Nähe dieses imposanten Flusses aufzuwachsen. Meine Schwiegermutter Cläre, Jahrgang 1931, eine gebürtige Kölnerin, hat als Kind im Rhein Schwimmen gelernt und bestimmt viel Rheinwasser geschluckt- und war vielleicht deshalb noch im Alter eine leidenschaftliche Schwimmerin.

 

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September 2019: Der schöne Mann fährt, wie er mir erzählte, wenn er Zeit hat und das Wetter gut ist, jeden Tag mit dem Fahrrad zum Rhein, seit Jahren immer an die selbe Stelle, die er gut kennt. Er ist ein sicherer Schwimmer und weiß genau, wo gefährliche Strömungen sind.

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