Eine peinliche PR-Panne: Steinmeiers Fuchs lebt nicht erst neuerdings in Bellevue, sondern war schon unter Gauck Medien-Liebling

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat, wie ich in meiner Eilmeldung berichtete, den Fuchs, der im Park von Schloss Bellevue lebt, am 28.1. auf den Namen „Theo“ getauft. Kurz nach Weihnachten hatte er auf Instagram dazu aufgerufen, Namen vorzuschlagen. Mehr als 10.000 Menschen reichten, so heißt es, ihre Ideen ein – per Instagram, per E-Mail und zum Teil sogar -zur Freude des gerührten Bundespräsidenten- mit handgeschriebenen, persönlichen Briefen.

Erinnert werden soll mit dem Namen an Theodor Heuss. Theodor Heuss, FDP, Journalist und Publizist, war der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland.

Seine Frau Elly Heuss-Knapp teilte das Schicksal mit anderen Präsidentengattinnen. Als ihr Mann Theodor Heuss im Jahr 1949 Bundespräsident wurde, unterbrach sie ihre berufliche Laufbahn und wurde die erste First Lady der Bundesrepublik Deutschland. Ganz einfach dürfte der Verzicht auf die eigene Karriere für die ehrgeizige Elly Heuss-Knapp (1881-1952) nicht gewesen sein. Schließlich war Elly Heuss-Knapp, die als First Lady im Jahr 1950 das Müttergenesungswerk mitgründete, nicht nur Lehrerin, Politikerin und Sozialreformerin, sondern hatte jahrelang als Werbe-Fachfrau das Familienleben finanziert.

Sie hatte ihre Karriere im Jahr 1933 bei der Firma Wyberg begonnen, deren Inhaber ihr Cousin Hermann Geiger war. Elly Heuss-Knapp „revolutionierte“ die Radiowerbung. Sie „gilt als Erfinderin des Jingles als akustisches Warenzeichen eines Unternehmens. Diese Idee ließ sich Heuss-Knapp patentieren und setzte sie auch für andere Unternehmen und Produkte ein; etwa für NiveaErdalKaffee HagBlaupunkt und Persil.[3 (wikipedia.)

Elly Heuss-Knapp war nicht nur Verkäuferin, sondern eine scharfsinnige Werbe-Psychologin. Sie arbeitete daran, Werbung so zu gestalten, dass die Menschen nicht meinen, sie würden dazu überredet, eine Ware zu kaufen, sondern dass sie glauben, es aus innerer Überzeugung zu tun. Im Jahr 2010 schrieb Katja Iken auf spiegel-online: „Ihr Erfolgsrezept gilt heute noch: Werbung müsse „idealerweise im Kopf herumgehen“, lautete Ellys Credo, dort das Unterbewusstsein „massieren“ und schließlich „unter die Haut kriechen“.

Dass die höchst intellektuelle Heuss-Knapp höchst primitive Werbesprüche kreierte, bezeugt ein NIVEA-Werbespot aus dem Jahr 1938. Die Journalistin Katja Iken hat einen werbe-historischen Schatz mit originalen Zeilen der Werbetexterin ausgegraben. Unbedingt angucken: https://www.spiegel.de/geschichte/werbung-a-948721.html#fotostrecke-52643d5a-0001-0002-0000-000000108544

Elly Heuss-Knapp war keine Nazi-Sympathisantin, aber ihre Kreativität kam den Nationalsozialisten entgegen. Schließlich war die Entwicklung neuer Methoden der Manipulation und Menschenführung systemrelevant. Die NS-Kriegs-Propaganda, die mit Beginn des Zweiten Weltkriegs die Warenwerbung verdrängte, hat sich insbesondere von der Warenwerbung inspirieren lassen.

In der Rückschau FRAGMENT VON ERINNERUNGEN AUS DER NS-ZEIT, die einige Jahre nach Theodor Heuss‘ Tod veröffentlicht wurde, erinnert Heuss an die „große Zeit“ seiner Frau. Nicht ohne Stolz erzählt er von einem Besuch seiner Gattin bei Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht:

… an Aufträgen fehlte es, ehe der Krieg die Käuferlage verwandelte, überhaupt kaum
mehr. Freilich, die ganze Rundfunk-Waren-Werbung war bedroht, weil Goebbels
nur mehr politische Propaganda zulassen wollte; Elly ging damals zu Schacht auf die Reichsbank – sie hatte 1918 mit ihm Wahlreden gehalten; jetzt legte sie ihm ihre in die Zehntausende Mark gehenden Aufträge an Sprecher, Sänger, Musiker vor, und Schacht erreichte es, daß das Verbot um dreiviertel Jahr verschoben wurde, (daß die Komponisten ihrer kleinen Stücke lauter „Nichtarier“ waren, sagte sie ihm aber vorsichtshalber nicht)
.“ https://www.ifz muenchen.de/heftarchiv/1967_1_1_heuss.pdf S.10

Geradezu neckisch mutet an, was da in Klammern steht: Dass Schacht „vorsichtshalber“ verschwiegen wurde, dass ‚die Komponisten ihrer kleinen Stücke lauter „Nichtarier“‚, also vermutlich Juden waren. Das jedoch dürfte Hjalmar Schacht, dem ja die Namen der Künstler vorlagen, wohl kaum entgangen sein. Dass die jüdischen Komponisten weiterhin beschäftigt wurden, war ihm sicherlich recht, denn deren Arbeit war von großem ökonomischen Nutzen.

In einer Rezension zu Christopher Koppers Buch „Hjalmar Schacht: Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier“ schreibt Matthias Streitz auf spiegel.online: „Tatsächlich half Schacht Bankiers wie Max Warburg und distanzierte sich von der Pogromnacht 1938, das betont auch Kopper. Doch Schacht habe sich weniger aus menschlichen Motiven engagiert, schreibt er – sondern weil er ökonomischen Schaden für Deutschland befürchtete. Die Diskriminierung jüdischer Mitbürger durch die Nürnberger Rassegesetze hat Schacht jedenfalls ausdrücklich unterstützt.“ https://www.spiegel.de/wirtschaft/bankier-hjalmar-schacht-hitlers-selbstherrlicher-helfer-a-446423.html

Die Warenwerbung im staatlichen Rundfunk war zwar, wie ich las, auf eine Radio-Stunde am Vormittag beschränkt. Doch dürfte auch die Werbung dazu beigetragen haben, den Menschen den vergleichsweise preiswerten „Volksempfänger“ schmackhaft zu machen. „Trotz einer vergleichsweise hohen monatlichen Rundfunkgebühr von 2 RM erhöhte sich die Ausstattung der deutschen Haushalte mit Radiogeräten zwischen 1933 und 1941 von 25 auf 65 Prozent.“ https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/alltagsleben/volksempfaenger.html

Heute werden wir auf Schritt und Tritt gegängelt und manipuliert. Dabei wird weniger für das Produkt geworben als für ein Lebensgefühl, eine Weltanschauung, für Gesundheit und Wohlbefinden. Noch relativ neu ist die Werbung für die in meinen Augen ausgesprochen fragwürdige, autoritäre und respektlose Gesundheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Wir sollen dazu gebracht werden, dass wir -ohne das „Angebot“ kritisch zu hinterfragen- zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, dass wir uns impfen lassen und unsere Organe „spenden“. Der grundsätzlich treffende Ausdruck „gläserner Mensch“ ist fast schon verharmlosend, denn wir sind nicht aus Glas, sondern aus Fleisch und Blut. Ich empfinde die bundesdeutsche Corona-Politik, die uns den Atem nimmt und die Daseinsfreude, als Attacke auf unseren Leib und auf unser Leben.

Dabei paart sich der Versuch, Menschen zu manipulieren, oft mit Dummheit. Wenn man Menschen für blöd verkauft -das wissen Werbepsychologen- sollte man so vorgehen, dass die Menschen den Täuschungsversuch nicht gleich bemerken. Elly Heuss-Knapp, einer gewissenhaften Frau, wäre vermutlich nie etwas so Peinliches passiert wie den Werbe-Experten der Gegenwart.

Ist den Beratern des Bundespräsidenten tatsächlich entgangen, dass im Schlosspark Bellevue bereits in der Amtszeit von Joachim Gauck Füchse beobachtet und gefilmt wurden? Um das herauszubekommen, genügte mir ein kurzer Blick ins Internet.

https://twitter.com/tagesthemen/status/71812365599834521707.04.2016, 18:58SCHLOSS BELLEVUE

Ein Artikel auf abendblatt.de (Hamburger Abendblatt) vom 7.4.2016 mit dem Titel „Kamera erwischt Fuchs beim Besuch bei Bundespräsident Gauck“ geht noch einen Schritt weiter. Wir erfahren, dass der Steinmeier-Fuchs nicht erst ein Gauck-, sondern wahrscheinlich bereits ein Wulff-Wolf (pardon: Wulff-Fuchs) war: „Das Bundespräsidialamt sieht in dem Fuchs auch keinen Störenfried. Bei einer Nachfrage unserer Redaktion am Donnerstagabend wunderte sich eine Mitarbeiterin des Bundespräsidenten nicht über den Fuchs, sondern über die Frage. „Der ist doch schon Jahre hier“, teilte sie stattdessen mit. Sogar Nachwuchs habe es schon gegeben. Ob Fuchs und Gauck sich Gute Nacht sagen, blieb offen.“ https://www.abendblatt.de/vermischtes/article207399161/Kamera-erwischt-Fuchs-beim-Besuch-bei-Bundespraesident-Gauck.html

Damals war man so schlau, dem Fuchs keinen Namen zu geben. Vielleicht hatte man sich die Romanze auch für den Notfall aufbewahrt, für den Fall nämlich, dass die Politik irgendwann einmal nicht mehr glaubwürdig sein würde, dass die politisch Verantwortlichen nervös werden könnten und dringend Sympathieträger bräuchten.

Was haben sich Steinmeiers PR-Berater bei der „Fuchstaufe“ gedacht? Wussten sie nicht, dass Steinmeiers Fuchsfreundschaft eine aufgewärmte Präsidenten-Geschichte ist? Oder hatten sie einen fiesen Spaß daran mitzuerleben, wie einfach sich die Menschen in Krisenzeiten an der Nase herumführen lassen?

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier,

mit Ihrer Werbe-Aktion halten Sie die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland zum Narren. Sie setzen Ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel uns beschämen unser aller Vertrauen.

***

P1040313

Eine deutsche Wirtschaftswunder-Kindheit zwischen „Knüppelkuh“ und „Kadus für’s Haar“. Das Foto hat unsere Mutter im Mai 1960 aufgenommen. Meine Zwillingsschwester Brigitte (rechts) und ich sind knapp zwei Jahre alt. Luftballons finden wir toll. Diesen Werbe-Ballon hat unsere Mutter von einem Friseur-Besuch mitgebracht. Anderthalb Jahre später sollten wir in den Kindergarten kommen und einer klassisch autoritären Erzieherin begegnen. vgl.: https://stellwerk60.com/2020/04/28/comeback-der-knueppelkuh/  Die Prügelstrafe war noch nicht abgeschafft, und unter den Lehrern gab es „alte Nazis“. Wir Kinder durften noch öffentlich angeschrien werden, doch gab es auch andere Töne: Die Einflüsterungen der Werbung als schöne, neue, sanfte Gewalt.

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