Lisa Wilczok, Stadtschreiberin der autofreien Siedlung Stellwerk 60 in Köln-Nippes

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vor der Abbaye de Beauport, Paimpol, Bretagne, Oktober 2016  Foto: Hans Manfred Schmidt

2021: Im Juli 2021 erkrankt meine Tochter Lea (damals 25) an der DELTA-Variante. Meine Tochter hat es ziemlich schwer erwischt. Sie hat mehrere Tage lang Fieber. Ich (damals knapp 63, aus guten Gründen ungeimpft) versuche vergeblich, mich bei ihr anzustecken. Es gelingt mir nicht, obwohl wir engen Körperkontakt haben. Was ich mache, ist bescheuert, aber ich will das Genesenen-G. Ich habe keinerlei Angst vor Corona…

Meine Tochter kann sich tagelang kaum auf den Beinen halten. Noch nach Wochen sind ihr Geschmacks- und Geruchssinn eingeschränkt. Doch dann geschieht etwas, bei dem ich an das sogenannte „Ähnlichkeitsprinzip“ denken muss: „Similia similibus curentur“ – „Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt“ (Samuel Hahnemann). Nachdem meine Tochter von einem grippalen Infekt genesen ist, der nicht durch das Corona-Virus ausgelöst wurde, verschwinden ihre „Long Covid“ – Symptome fast vollständig.

Der Versuch, mich bei meiner Tochter anzustecken, entbehrt nicht einer gewissen Tragikomik. Und doch ist er nur die adäquate Reaktion auf eine restriktive, lebensfeindliche Gesundheitspolitik, die -wie der Kölner sagt- einen Ratsch em Kappes hat (d.h. den Verstand verloren.) In „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, einer Schrift, die im Jahr 1844 in den Deutsch-Französischen Jahrbüchern veröffentlicht wurde, schreibt Karl Marx: „Die Geschichte ist gründlich und macht viele Phasen durch, wenn sie eine alte Gestalt zu Grabe trägt. Die letzte Phase einer weltgeschichtlichen Gestalt ist ihre Komödie.“ Eine solche letzte Phase erleben wir gerade. Nur sind wir keine Zuschauer, die die Tragikomödie aus sicherer Distanz von außen betrachten, sondern mittendrin.

 

Vita:

geboren im August 1958 fast zeitgleich mit Zwillingsschwester Brigitte in Haarlem/Niederlande, aufgewachsen in einer freundlichen achtköpfigen Bottroper Großfamilie (4 Kinder, Eltern, Eltern der Mutter), lebt seit 1977 in Köln.

Geisteswissenschaftlerin. Dichterin, Denkerin, Dramatikerin und Komödiantin

Studium: Germanistik, Geschichte, Theaterwissenschaften (Gast) und Politische Wissenschaften (Zwischenprüfung) in Köln und Düsseldorf. Erstes Staatsexamen in Deutsch und Geschichte (Lehramt Sekundarstufe 2) an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Freundlicher „Prüfer“ der Examensarbeit im Fach Literaturwissenschaft: Prof. Dr. Herbert Anton.

Verheiratet mit Hans Manfred Schmidt, geboren im Juli 1957 in Köln, gestorben im Juli 2020 in Köln, Am Alten Stellwerk. Langjähriger Geschäftsführer der Agentur für Wissenskommunikation  iserundschmidt, Bonn. Geisteswissenschaftler.

Vita Hans Manfred Schmidt: Abitur 1976 in Frechen. Anschließend Zivildienst in der Anästhesie des St.-Katharinen-Hospitals Frechen. Studium: Philosophie, Germanistik und Geschichte in Köln. Erstes und Zweites Staatsexamen in Deutsch und Geschichte (Lehramt Sekundarstufe 2). Ablehnung der Fördermöglichkeit durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes (Schulvorschlag). Bafög-Empfänger. Alleinerziehender Vater eines Sohnes (geb.1978 in Köln).                                                                                                                         Dichter, Denker, Lyriker und Essayist („Der Spaß ist ein Meister aus Deutschland“, Geschichte der guten Laune 1933-1990, Köln 1990, mit Jost Scherrer, Pseudonym: Hermann Läuffer. In diesem Buch taucht erstmalig der Begriff „Spaßgesellschaft“ auf, eine Wortneuschöpfung von Jost Scherrer und Hans Manfred Schmidt. Der „Spaßgesellschaft“ ist im Buch „Der Spaß ist ein Meister aus Deutschland“ ein 20seitiges Kapitel gewidmet.** Ergänzung im Herbst 2022, siehe unten) 

Lisa Wilczok und Hans Manfred Schmidt: Eine gemeinsame Buchveröffentlichung (Verlustobjekt Erde. Das Spiel mit der Schwerkraft, Köln 1993), zwei gemeinsame Töchter (geb. 1995 und 1999 in Bensberg)

 

LIsa Wilczok

Buchveröffentlichungen (Auswahl):

Kriegsdramen (Drei Theaterstücke), 1991. Darin: Vorspiel 1: Die Flüchtlinge. Klimakatastrophen-Stück vor der atomaren Katastrophe in Fukushima am 11.3.11

Verlustobjekt Erde. Das Spiel mit der Schwerkraft, 1993 (mit Hans Manfred Schmidt). Essay, Interview, Dramolett, Gedicht, Erzählung

 

Einzelveröffentlichung:

Das Wettrennen, Monodrama nach der atomaren Katastrophe in Tschernobyl am 26.4.86, abgedruckt in Theater der Zeit, Heft Nr. 3, Mai/Juni 1995 („Kriegsschauplätze“) https://www.theaterderzeit.de/person/lisa_wilczok/  

 

Theateraufführungen:

Die Kriegstreiberin, Lustspiel, Theater Oberhausen 1993

Karussell, Karussell, Theater Oberhausen 1995

 

Unveröffentlichtes Kinder-Theaterstück:

Eiland oder Die Wüstenmusikanten (zusammen mit Zwillingsschwester Brigitte, Künstlername: Erinnya Wolf), ein optimistisches Kinderspiel zur Klimakatastrophe, 2004

 

Unveröffentlichte Romane:

Gott braucht viel Schlaf, 2005

So alt und erklärt den Krieg (Roman/Drehbuch), 2010

Stolz der Anakonda, 2013

 

2020*:

Wenn nicht alle Stricke reißen bzw. der Computer nicht streikt, erscheint im Laufe des Jahres 2020*:

DAS MANIFEST DER WEISEN FRAU  Das Fehlen einer Erfahrung oder: Was Männer gefährlich macht, Essay und Erzählung

(Urtext zum MANIFEST: „WENN MÄNNER FRAUEN ZU SEHR LIEBEN. Gegenrede zum Buch der Könige von Klaus Theweleit“, TAZ, 21.10.1988, zu lesen im TAZ-Archiv)

* Ergänzung im Herbst 2020: Nach dem Ausstieg von Jost Scherrer, der den im Jahr 1989 gegründeten Kölner Scherrer&Schmidt-Verlag über all die Jahre am Laufen gehalten hat, hatten mein Mann und ich Anfang des Jahres 2020 den Verlag unter dem alten Namen wiederbeleben wollen und das Unternehmen neu gegründet. Nach dem Tod meines Mannes im Juli sieht auch da alles anders aus. Die Texte, die wir veröffentlichen wollten, sind druckreif, und ich werde einen Weg finden…

 

Arbeitsplatz:

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Ich fand Hausaufgaben machen meistens langweilig. Um es auszuhalten, habe ich mich dabei aufs Wohnzimmer-Sofa gesetzt, die Hefte auf die Oberschenkel gelegt und den Fernseher eingeschaltet. So habe ich mir leider meine Handschrift versaut. Mehr als 40 Jahre später sitze ich immer noch gerne auf dem Sofa. Den Laptop stelle ich mir auf die Oberschenkel. Meinen Blog zu schreiben macht mir Freude. Heute starre ich nicht mehr auf die Mattscheibe, sondern gucke dorthin, wo wirklich etwas passiert, nach draußen.

***

**Kreiert in Köln: Das Wort „Spaßgesellschaft“ (Ergänzung 9/2022)

Wir befinden uns im Jahre 1990 n.Chr. Die deutsche Verlagsszene wird von einigen Großverlagen dominiert. Die ganze deutsche Verlagsszene? Nein! Viele kleine Verlage haben den Mut, kritische Texte herauszubringen, die in den staatstragenden Großverlagen nicht veröffentlicht werden. Eines dieser Bücher ist eine Geschichte der guten Laune 1933-1990: „Der Spaß ist ein Meister aus Deutschland“.

Hinter dem Autoren- Pseudonym „Hermann Läuffer“ -angelehnt an eine literarische Figur im Fünfakter „Der Hofmeister“ des Dramatikers Jakob Michael Reinhold Lenz (1751 – 1792)- verbirgt sich das Verleger- und Freundespaar Jost Scherrer und Hans Manfred Schmidt. Die Autoren präsentierten ihr Buch 1990 auf der Frankfurter Buchmesse, wo es auffiel, schon wegen des provokanten Titels, einer Anspielung auf den beschwörenden Satz, den der deutschsprachige, aus Rumänien stammende Dichter Paul Celan in mehrfacher Wiederholung in sein tief berührendes, atem- und satzzeichenloses Gedicht „Todesfuge“ (1944/45) gesetzt hat: „… der Tod ist ein Meister aus Deutschland…“

Auf der Frankfurter Buchmesse ging es schon 1990 weniger um die Qualität der Texte als um den Spaßfaktor der abendlichen Verlags-Partys und Sektempfänge. Als uneitle und zurückhaltende Menschen waren Scherrer und Schmidt nicht willens, das Spiel von Sehen und Gesehenwerden mitzuspielen und einflussreichen Personen Honig um den Bart zu schmieren. Diese Unfähigkeit, sich taktisch zu verhalten, ist ja eigentlich sympathisch, aber ungünstig, wenn man Bücher verkaufen will. Erst recht, wenn diese Bücher nicht nur gelungen, sondern „neu“ sind und erst einmal verstanden werden müssen.

„Der Spaß ist ein Meister aus Deutschland“ ist ein unbescheidenes, ein gewagtes Werk. Es denkt die „Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor Adorno weiter und spannt den Bogen von der NS-Propaganda und dem Hohngelächter der Nazis bis hin zur aggressiven medialen Dauer- Bespaßung unserer Tage. „Unserer Tage“ sage ich deshalb, weil das schmale Buch nach 32 Jahren brennend aktuell ist.

Leider wurde „Der Spaß ist ein Meister aus Deutschland“, ein leidenschaftliches Buch, in zahlreichen Blättern der Gegenöffentlichkeit leidenschaftslos rezensiert, auch in der TAZ. Schon damals quer auch zum „linken“ Mainstream, hat es sich nicht gut verkauft. Wie andere wichtige Bücher wurde es vergessen, ehe es bekannt werden konnte.

Doch der zentrale Begriff des Buchs, ein prägnantes neues Wort, sollte „Karriere machen“, unseren Blick auf die Gesellschaft schärfen und zum Nachdenken inspirieren: „Spaßgesellschaft“. Das Wort war nicht aufzuhalten, es wurde in Feuilleton-Artikeln aufgegriffen, in wissenschaftlichen Abhandlungen und in Buchtiteln. Als Wortneuschöpfung hat es Anfang des Jahrtausends Eingang in den Duden gefunden.

Irgendwann einfach so „aufgetaucht“ ist das Wort nicht. Es hat seinen Ursprung in Köln. Und es hat seine oben genannten Urheber. Niemand will, dass ein Begriff wie „Spaßgesellschaft“, der sich als epochal entpuppen sollte, Ende der 80er Jahre in einer Neu-Ehrenfelder, damals noch mit Kohle beheizten Wohnküche kreiert wurde. Aber so ist es, ich war ja mit dabei. Der wikipedia– Eintrag zum Begriff „Spaßgesellschaft“, der behauptet, „Spaßgesellschaft“ sei ein „Schlagwort, das seit den 1990er Jahren in den deutschen Feuilletons auftauchte“, müsste in mancherlei Hinsicht präzisiert, vertieft und ergänzt werden. https://de.wikipedia.org/wiki/Spa%C3%9Fgesellschaft

Aufgeschlagenes Buch. Der Begriff „Spaßgesellschaft“ wird im „Spaßbuch“, wie wir es nannten und nennen, so selbstverständlich verwendet, als hätte es ihn schon immer gegeben. In der Buch-Klappe heißt es: „Lachen gilt als politikfern, ein Thema für Anthropologen und Verhaltensforscher. Man hält es für unverdächtig, überhistorisch. Daß das Lachen in Deutschland Geschichte gemacht hat, wollen wir zeigen.“

Über die Seite:

Ergänzung Frühjahr 2021: Ursprünglich wollte ich ausschließlich über Kommunalpolitik schreiben. Das ist definitiv „gemütlicher“ als die Beschäftigung mit der Weltpolitik. Dann ist alles anders gekommen…

Aber der Ursprungstext von 2016 stimmt immer noch:

stellwerk60autofrei kooperiert bei guten Gelegenheiten mit dem Verein Nachbarn60, ist aber unabhängig. Die Seite richtet sich an alle Bewohner der autofreien Siedlung „Stellwerk 60“ in Köln-Nippes und darüber hinaus an alle, die sich für die Erhaltung und Rückeroberung urbaner Lebensräume interessieren.

Geplant sind Porträts illustrer Bewohner (den „Kölner Originalen“ von morgen!), aber auch kleine Geschichten rund um das Fahrrad, jenes wunderbare Fortbewegungsmittel, auf dem man sitzenbleibend weiter kommt. Darüberhinaus nimmt der Blog Stellung zur Kommunalpolitik und interessiert sich für die Arbeit lokaler Bürgerinitiativen, die derzeit, wo Köln immer beengter zu werden droht, in unserer Stadt einen Aufschwung erleben.

Kontakt: Lisa Wilczok, siedlersechzig@web.de

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Lisa Wilczok, Köln
Am Alten Stellwerk
50733 Köln

Kontakt: siedlersechzig@web.de

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Copyright: Lisa Wilczok, Köln; alle Beiträge sowie sämtliche Fotos, die nicht namentlich gezeichnet sind, sind von Lisa Wilczok

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