Wie gemalt…

… ist die Magnolie mit ihren verschlungenen Zweigen und den schlanken, zartblättrigen, aufrecht sich öffnenden Blüten. Weil sie zu schweben scheinen, erinnern mich Magnolienblüten an Seerosen.

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Kaum zu glauben, dass ich diese Magnolie vor neun Jahren im Praktiker-Baumarkt an der Escher Straße gekauft habe. Sie stand in einen Topf gepfropft da, hatte zwar einige Knospen, sah aber schon ziemlich vergammelt aus. Ich habe sie damals vor dem Abfall-Container gerettet, im Fahrradkorb in die autofreie Siedlung gebracht und eingepflanzt- was sie mir dankt.
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Zwei Wochen später:
Ich würde die abgefallenen Blütenblätter gerne zusammenharken. Einer aber freut sich daran. Diesen berühmten Schöngeist unter den Rammlern erinnern die rosa gemaserten Blütenblätter an Häsinnen-Ohren: Dürerhase im vorösterlichen Magnolienbad.

Plädoyer für eine weibliche Kommunalpolitik – offene Mail an OB Henriette Reker

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

Ende September 2016 machte ich mir ein Bild vom Ausmaß der anstehenden Bebauung des Äußeren Grüngürtels mit Trainingsplätzen durch den 1. FC.
Dieser Raubbau (ein solcher ist es für mich) würde unsere Stadt ärmer machen. Davon abgesehen, dass die Gleueler Wiese mit ihrem Lehmboden eine wichtige Frischluftschneise ist, ist sie einer der letzten grünen Schätze unserer Stadt. Die Gleueler Wiese ist keine kurz geschorene Rasenfläche, die zum Grillen oder Picknicken einlädt, ihr Gras darf wachsen und gehört den Schafen. Dem Spaziergänger, der aus Richtung Geißbockheim kommt, erlaubt sie einen Blick in eine grüne, unbebaute  Weite, die es so in der Stadt nur noch selten gibt. Wir brauchen Orte, die uns dabei helfen, für Momente aus der angespannten Gegenwart zu fallen, wir brauchen freie Flächen, „entschleunigte“ Räume.
An dem Tag im September -es dämmerte bereits- ging ich von der Wiese zurück zum Geißbockheim, wo ich mein Fahrrad abgestellt hatte. Etwa auf Höhe des Waldkindergartens hockte mitten auf dem Weg eine große Erdkröte, ein braungrünes Tier mit unebener, warziger Haut. Sie wirkte furchtlos und unbeeindruckt. Weder nützlich noch essbar noch schön war die Kröte völlig unerwartet einfach nur da – wie im Märchen.

Sehr geehrte Frau Reker,
anders als im Märchen darf ich nicht auf die Erfüllung meiner Wünsche hoffen. Aber ich wünsche mir dennoch etwas: Eine weibliche Kommunalpolitik, die sich mit Gespür für Grün und mit Leidenschaft der Stadt Köln als unserem Lebensraum widmet. Ich wünsche mir, dass Sie eine Bebauung nicht zulassen. Bitte schützen Sie den Äußeren Grüngürtel – und die Menschen dieser Stadt, die das Grün dringend brauchen!
Die Internet-Seite „Transfermarkt.de“ listet die „wertvollsten Fußballspieler der Welt“ (laut Ablösesumme). Ich würde lachen, stünde das FC-Bauvorhaben nicht an, die Optimierung eines Ausbildungszentrums für die vielleicht wertvollsten aller Männer, die Fußballer. Arme neue Welt!
Ein Erhalt der Gleueler Wiese würde dem 1. FC Köln in keiner Weise schaden. Der Verein steht sportlich und wirtschaftlich zur Zeit bestens da – auch ohne ein Übermaß an Trainingsplätzen. Und die wahren Fußball-Märchen-Prinzen (Jonas Hector!) kommen nur selten aus Hochleistungsschmieden.

Nach Maßstäben des Weltfußballverbandes FIFA ist die Erdkröte vollkommen wertlos. „Es gibt dich noch“, sagte ich zu Kröte. „Pass gut auf dich auf.“ Leise fügte ich hinzu: „Ist es nicht gut, dass es die Gleueler Wiese noch gibt?“

Und wenn sie mir nicht geantwortet hat, so hat sie mich doch verstanden.