Schnee-Elfchen: Tauwettertrotz

In Köln fiel pünktlich zu den Sonntagen 17.1. und 24.1.2021 etwas Schnee. Es sollte dabei bleiben. Selbst im Februar, als halb Deutschland im Schnee versank, schneite es in Nippes nur vereinzelte Flocken. Doch an den beiden Januar-Wochenenden war die Stimmung ausgelassen. Eine Ahnung vom Winter, wie er früher einmal war, ließ viele Menschen die Corona-Zwangsmaßnahmen für eine Weile vergessen.

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Rodeln am Bahndamm. Mit ein bisschen Phantasie lässt sich selbst Köln-Nippes in Sölden verwandeln.

Mitglieder der Urban Gardening-Gruppe hatten am 24. Januar im Siedlungs-Garten60, der sich zur Zeit in Winterruhe befindet, Schnee zusammengetragen, einen hohen, dünnen Schneemann gebaut und ihn auf den Namen „Schlanker Schneemann“ getauft. Wie wir wissen, schwitzen dicke Menschen schneller. Ähnlich verhält es sich mit dem Schneemann. So war es eine gute Idee, keinen kugelig-dicken Schneemann zu bauen, denn tatsächlich blieb der flachbäuchige -während es regnete!- noch tagelang.

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26.1.2021: Nach zwei Tagen war der Schnee fast geschmolzen, aber der schlanke, mittlerweile schiefe Schneemann stand immer noch.

Der

Schlanke Schneemann

Erfror fast, aber

Schwitzte kaum Eiswasser aus

Tauwettertrotz

Im „Originalzustand“ (24.1.) bewundern kann man den schlanken Schneemann auf der Internetseite des Vereins Nachbarn60. https://www.nachbarn60.de/nachrichten60detail/schlanker-schneemann-im-garten60.html

Der wenige Schnee hatte sich gleichmäßig über das Gelände verteilt, so dass fast alle, die Schneemänner bauen wollten, was abkriegten. Dennoch war -wie in Köln üblich- Eile geboten. In die weißen Westen der Nippeser Schneemänner mischten sich Erde und Blätter.

Echte Fründe ston zesamme“:

Karnevals-Elfchen im Zweiten: Köln feiert nicht, aber dafür ordentlich

In diesem Jahr fällt in Köln der Karneval aus. Nicht einmal private Feiern sind erlaubt. Mittlerweile kann sich die Kölner Stadtspitze sicher sein: Angesichts drohender Bußgeld-Strafen und drohendem Eintrag in eine Art „Corona-Vorstrafen-Register“ wird sich das Närrische Volk selbst am Rosenmontag an die Vorgaben halten.

Zu Beginn des Karnevals-Session sah das noch anders aus. Da musste die Stadt Köln sich noch was einfallen lassen, um den Leuten den Verzicht schmackhaft zu machen. Man startete eine große Werbeaktion und brachte ein neues kölnisches „Wir“ ins Spiel. Zur Erinnerung: Der Kölner Karneval steht seit jeher für ein kölnisches „Wir“. So singen wir mir den „Bläck Fööss“ seit fast 50 Jahren: „Mer Losse D’r Dom En Kölle.“ (Wir lassen den Dom in Köln.)

Da das „Wir“ zur Pflicht erklärt wurde und wird, ist das neue kölnische „Wir“ eine Attacke auf unser freiheitlich-kölnisches Wir-Gefühl. „Wir alle müssen auf das Feiern am 11.11. verzichten“, sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker damals mit erhobenem Zeigefinger, was mich an Angela Merkel erinnerte: „Es gilt das Motto: ‚#diesmalnicht‘. Wir wollen weiter als Hochburg der Jecken gelten – und nicht als Hochburg der Infektionen.“ https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/22575/index.html

Weil „wir alle“ nicht feiern durften, war die Stimmung am 11.11. entsprechend öde. Als ich an jenem Mittwoch spätnachmittags hier in Nippes über die fast menschenleere Neusser Straße ging, entdeckte ich eine Karnevalsmülltonne. Offenbar hatten AWB-Mitarbeiter zum Karnevals-Auftakt wie jedes Jahr zusätzliche Mülltonnen aufgestellt. War es der AWB Abfallwirtschaftsbetriebe Köln GmbH entgangen, dass am 11.11.2020 alle Karnevalsfeiern und auch der Kauf und Verkauf von Alkohol verboten waren? Ich fragte nach und bekam folgende Antwort:

Die Mülltonnen sind aufgestellt worden…

Nur

Für den

Fall dass trotz

Ausfallender Karnevalsfeste Festabfälle anfallen

Alaaf!

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Dezember 2020: Diese vergessene Karnevals-Müll-Tonne (Nippes, Neusser Straße, stadtauswärts auf der rechten Straßenseite, Höhe Tchibo) stand kurz vor Weihnachten immer noch dort und ist irgendwann weggeräumt worden, um den Restmülltonnen der privaten Haushalte Platz zu machen. ———–    Februar 2021: Da in diesem Jahr der Karneval ausfällt, sind die Karnevals-Mülltonnen im Februar nicht mehr aufgestellt worden. Diese Tonne stand übrigens genau da, wo am Karnevalsdienstag „immer“ der Nippeser Karnevalsumzug vorbei läuft. Schön für die Stadt Köln: Da mit dem Karneval auch die Karnevalszüge ausfallen, fällt in diesem Jahr auch kein Zugabfall an. ———– Doch wenn er  öffentlich ausfällt, fällt der Abfall zu Hause an. Insbesondere die Gelben Tonnen quellen im Lockdown über.  Nicht nur in Herne und Mönchengladbach warnen sogenannte „Mülldetektive“: „Mehr Müll durch Corona“ https://www.zdf.de/nachrichten/hallo-deutschland/die-muelldetektive-mehr-muell-durch-corona-100.html Nach Weihnachten registrierten private Mülldetektive bzw. Abfallspitzel, dass die Deckel der Papier-Mülltonnen durch die Bestückung mit Versand-Kartons  vielerorts hochstanden und sich nicht mehr schließen ließen, was bei stürmischem Wetter zu einer Vermüllung der Umgebung beitragen kann und auch tatsächlich beitrug. Da die Menschen auf den Versandhandel angewiesen sind, droht in England mittlerweile sogar ein Pappwerden der Knappe (pardon: Knappwerden der Pappe). Kein Scherz: https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/lieferprobleme-im-vereinigten-koenigreich-wird-die-pappe-knapp-a-186fa640-8f64-427b-ba0f-db73fbff26ac

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+++Eilmeldung: Steinmeiers Fuchs war 2017 wissenschaftliches Versuchskaninchen und hatte den Spitznamen „Frank-Walter“ – Mein Gott, Theo!+++

Die Werbung für öffentliche Gesundheitsmaßnahmen kommt oft locker-flockig daher. Gerne wird ein kumpelhafter Ton angeschlagen. „Ist doch nur ein kleiner Pieks“, so lautet eine altbekannte Floskel, mit der man derzeit auch die Corona Impfung an den Mann bzw. die Frau bringt. „Der kleine Pieks“ banalisiert einen heiklen medizinischen Eingriff. Schließlich wird uns, wenn wir geimpft werfen, von jemand anderem, den wir (in der Regel) nicht kennen, eine Substanz, die wir nicht wirklich kennen, verabreicht. Wir vertrauen einer Medizin, die es vermeintlich gut mit uns meint. Eigentlich redet man so mit Kindern.

„Ist doch nur ein kleiner Pieks“, das sagen Eltern vor einer Impfung zu ihren Kindern, um ihnen die Angst vor der Spritze zu nehmen. Eigentlich ist das paradox, denn gleichzeitig bläuen sie den Kleinen ein, dass sie von Fremden nichts annehmen sollen, und schon gar nicht, dass sie sich entblößen oder gar berühren lassen sollen. Doch „der Onkel Doktor“ (wie man in meiner Kindheit noch sagte) ist kein Fremder, er ist auch kein böser, sondern ein guter Onkel. Er tut den Kindern zwar weh, aber das muss leider sein, denn er will ja nur Gutes. Das zumindest sollen die Kinder glauben. So wurden und werden wir mit „Ist doch nur ein kleiner Pieks“ von klein auf dazu gebracht, Ärzten und Ärztinnen (die es ja in der Regel tatsächlich gut mit uns meinen) blind zu vertrauen.

Die Menschen, die derzeit weltweit gegen Corona geimpft werden sollen, sind (zumindest vorläufig) keine Kinder. Diese Menschen sind wir Erwachsene. Uns soll das Unbehagen nicht an irgendeiner, sondern an der Spritze genommen werden. Mit der Verniedlichung „kleiner Pieks“ verkauft man uns alle für blöd: Sei kein Frosch, lass dich impfen... „Sei ohne Sorge“ (Ingeborg Bachmann, Reklame)

Doch dürfen wir einer Politik, der herzlich wenig einfällt angesichts der realen Bedrohungen, insbesondere der Klimakatastrophe, überhaupt noch vertrauen? Wie ist es um die Gesundheit einer Gesundheitspolitik bestellt, die angesichts von Corona einen weltweiten Impf-Wettlauf anstachelt und in einen meiner Meinung nach blinden Impf-Aktionismus verfällt? Auch wenn Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, bereits jetzt mit Ausschluss aus vielen Veranstaltungen gedroht wird (Restaurantbesuche, Reisen etc.), können wir (noch) NEIN sagen zur Impfung, denn noch gibt es das Grundgesetz mit dem Recht auf körperliche Unversehrtheit (Art. 2 II 1GG), das auch davor schützt, gegen den eigenen Willen geimpft zu werden.

Dass für Impf-Maßnahmen geworben wird, ist nicht neu. Neu ist aber, dass mit der Werbung für den vermeintlich „kleinen Pieks“ Weltpolitik gemacht wird. Wir erleben eine gesundheitspolitische Propaganda nie gekannten Ausmaßes.

Weltweit lassen sich Spitzenpolitiker vor laufender Kamera gegen Corona impfen. Ein Medien-Highlight der weltweiten Impfpropaganda war die Impfung des israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu. „Der Auftakt zur ehrgeizigen israelischen Impf-Kampagne wurde live im Fernsehen übertragen. „Eine kleine Spritze für einen Mann und ein großer Sprung für die Gesundheit von uns allen“, witzelte Netanyahu (71) im Sheba Medical Center in Ramat Gan.“ https://www.fokus-jerusalem.tv/2020/12/20/netanjahu-ein-grosser-sprung-fuer-die-gesundheit-von-uns-allen/

Hiermit spielt der Präsident des „Impfweltmeisters“ Israel auf einen der berühmtesten PR-Sätze aller Zeiten an, das sentimentale, gewiss schon auf der Erde vorab eingeprobte Statement der Ergriffenheit des US-Astronauten Neil Armstrong nach der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969. Via Rundfunk hörten von der Erde aus mehr als eine Million Menschen Armstrong sagen: “That’s one small step for man, one giant leap for mankind.” Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit. Dass der Flug zum Mond der weiteste „Weitsprung“ der „Menschheit“ in den Himmel hinein einschließlich Landung auf einem Planeten bleiben sollte, konnte Armstrong nicht ahnen.

(Vermutlich wäre die Metapher „riesiger Sprung“ nicht gewählt worden ohne den Weitsprung-Weltrekord von Bob Beamon.) Zur Erinnerung: Ein Jahr zuvor hatte Bob Beamon bei den Olympischen Spielen in der Höhenluft von Mexiko-City mit 8,90 m einen neuen (den!) Weltrekord im Weitsprung aufgestellt. Beamon, ein „Naturtalent“, hatte in dem Moment starken Rückenwind, der gerade noch zulässig war. Die Spuren, die der Sprung im Sand hinterließ, wurden zwar noch vor dem nächsten Springer weggefegt, hinterließen aber einen Abdruck in den Köpfen und Herzen von Millionen Fernsehzuschauern.

Die Fuß-Spuren der Astronauten auf dem Mond hingegen werden für immer bleiben. Denn auf dem Mond gibt es weder Wetter noch Wind. Das ist schon unheim(e)lich. Offensichtlich ist der vielbesungene Mond, dessen Leucht- und Anziehungskraft die Rhythmen des irdischen Lebens beeinflusst, nicht dafür da, von Erdmenschen betreten zu werden. Armstrongs vermeintlicher „Sprung“, Resultat einer großen technischen Leistung, lässt mich kalt. Hingegen bin ich sehr berührt, wenn ich mir ein Video von Beamons Rekord-Sprung angucke. Bob Beamons Sprung war auch ein Triumph des schwarzen Mannes über den weißen.)

Auch US-Präsident Joe Biden ließ sich vor laufenden Kameras impfen. Anschließend rief er alle Amerikaner auf, sich ebenfalls impfen zu lassen. In Deutschland ist der Tenor ein anderer. Da ist Zurückhaltung angesagt. Angela Merkel wird sich erst impfen lassen, „wenn sie an der Reihe ist.“

Sich „vorzudrängeln“ käme auch nicht gut. Schließlich könnte es Erinnerungen wachrufen an die Sonderbehandlung bundesdeutscher Spitzenpolitiker bei der Schweinegrippe – Impfung im Jahr 2009. So schrieb die Süddeutsche Zeitung am 19.10.2009: „Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Bundesregierung, Bundesbeamte und Soldaten der Bundeswehr einen anderen Impfstoff bekommen als Otto Normalverbraucher. Sie erhalten einen Schweinegrippeimpfstoff vom US-Pharmakonzern Baxter, der keinen umstrittenen Wirkstoffverstärker enthält.Schweinegrippe – Aufregung um „Zwei-Klassen-Impfung“ – Politik – SZ.de (Dass ausgerechnet „Pandemrix,“ der Stoff fürs Volk, als Spätwirkung bei vielen, meist jungen Menschen Narkolepsie verursachen würde, konnte noch niemand wissen. Um den Verdacht, es gäbe eine Zwei-Klassen-Medizin, zu entschärfen, ließen sich damals demonstrativ auch Wissenschaftler mit Pandemrix impfen, etwa der Virologe Alexander Kekulé. )

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird erst dann zur Impfung gehen, wenn er an der Reihe ist. Dennoch heißt es, auch und gerade in Krisenzeiten, die Bürger bei guter (Impf)Laune zu halten. Dass die Namensuche für den Fuchs von Bellevue mit dem Impfbeginn in Deutschland zusammenfiel, ist kein Zufall.

Steinmeiers öffentliche Vorstellung des Fuchses auf Instagram kam heiter und lustig daher. Man braucht nicht einmal einen Instagram-Zugang, um ihn sich anzusehen. Der Schnappschuss zeigt einen Fuchs, der sich mit dem Schwanz die Augen zuhält. So als wollte er sagen: Ihr könnt mich mal. Putzig, was?

Weiter heißt es augenzwinkernd auf Instagram:

„🦊 Dürfen wir vorstellen? Der heimliche „Schlossherr“ von Bellevue, dem es im Park des Berliner Amtssitzes sichtlich gut gefällt. Eine Namenstaufe ist schon länger fällig, daher unsere Frage an Sie: Wie soll unser Schlossfuchs heißen? Aus allen Vorschlägen wird der Bundespräsident einen Namen auswählen, der hier offiziell verkündet wird.https://www.instagram.com/p/CJV5vF7sGqM/?utm_source=ig_embed

Den Fuchs „heimlicher Schlossherr“ zu nennen, ist eine neckische Anbiederung. „Heimlicher Schlossherr“ erinnert mich übrigens an „die heimliche Chefin“ Melania Trump. Siehe hierzu: https://www.krone.at/2060288

Ach, lass doch den Leuten den Spaß, höre ich irgendwen sagen. Außerdem heißt der Fuchs Theo. Das ist die Abkürzung von Theodor, Geschenk Gottes.

Gut, sage ich. Aber schaut man einem geschenkten Gaul, bevor man ihn ins Haus bzw. in den Garten bittet, ins Maul? Ist Misstrauen angebracht gegenüber dem Gast? Lockt man ihn in eine Lebendfalle? Überrumpelt man den Gast, betäubt man ihn, jagt man ihm eine Spritze in den Muskel, untersucht man seinen Gesundheitszustand? Macht man ihn zum Objekt der Forschung, legt man ihm ein Halsband mit einem Sensor um, um ihn auf seinen Streifzügen durch den Park von Bellevue bewachen und beobachten zu können? Und macht man sich ihn zum Kumpel, indem man ihm den Spitznamen „Frank-Walter“ verpasst?

Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern im Jahr 2017 tatsächlich geschehen. Eine junge Wissenschaftlerin hatte die Erlaubnis und vermutlich auch den Auftrag, im Hochsicherheitsgelände rund um das Schloss Bellevue eine Lebendfalle aufzustellen. https://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/verfuchst-noch-mal-berlins-beruehmtester-fuchs-wird-jetzt-ueberwacht

Etwas ist zu befürchten. Gerade dann, wenn viele Wildtiere winterschlafen, paaren sich die nachtaktiven, winterwachen Füchse. Zu Frühlingsbeginn könnte es dann soweit sein. Spätestens an Ostern dürfte es heißen: Der Fuchs von Bellevue ist Vater geworden…. Mein Gott, Theo!

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Kleiner Nachtrag vom 9.2.2020: Auf dem EXPRESS von heute heißt es nicht nur „Kleiner Pieks“, sondern Corona-Piks. Ohne Dehnungs-„e“ verkürzt sich das „i“, wird aus dem Pieks ein Piks. Das hört sich an wie „picken“ und klingt, als würde die kurze Nadel einer kleinen Impfspritze die Haut nur kurz streifen. Das ist aber nicht so. Die Kanüle der Spritze muss durch die Haut hindurch in den Muskel eindringen und entsprechend lang sein. Die vielen Symbol- Fotos zum Thema Corona-Impfung, die wir seit einiger Zeit Tag für Tag in Zeitschriften oder im Internet sehen, zeigen reißerisch und untergründig aggressiv (teils tropfende) Impfspritzen mit langen Kanülen.

Eine peinliche PR-Panne: Steinmeiers Fuchs lebt nicht erst neuerdings in Bellevue, sondern war schon unter Gauck Medien-Liebling

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat, wie ich in meiner Eilmeldung berichtete, den Fuchs, der im Park von Schloss Bellevue lebt, am 28.1. auf den Namen „Theo“ getauft. Kurz nach Weihnachten hatte er auf Instagram dazu aufgerufen, Namen vorzuschlagen. Mehr als 10.000 Menschen reichten, so heißt es, ihre Ideen ein – per Instagram, per E-Mail und zum Teil sogar -zur Freude des gerührten Bundespräsidenten- mit handgeschriebenen, persönlichen Briefen.

Erinnert werden soll mit dem Namen an Theodor Heuss. Theodor Heuss, FDP, Journalist und Publizist, war der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland.

Seine Frau Elly Heuss-Knapp teilte das Schicksal mit anderen Präsidentengattinnen. Als ihr Mann Theodor Heuss im Jahr 1949 Bundespräsident wurde, unterbrach sie ihre berufliche Laufbahn und wurde die erste First Lady der Bundesrepublik Deutschland. Ganz einfach dürfte der Verzicht auf die eigene Karriere für die ehrgeizige Elly Heuss-Knapp (1881-1952) nicht gewesen sein. Schließlich war Elly Heuss-Knapp, die als First Lady im Jahr 1950 das Müttergenesungswerk mitgründete, nicht nur Lehrerin, Politikerin und Sozialreformerin, sondern hatte jahrelang als Werbe-Fachfrau das Familienleben finanziert.

Sie hatte ihre Karriere im Jahr 1933 bei der Firma Wyberg begonnen, deren Inhaber ihr Cousin Hermann Geiger war. Elly Heuss-Knapp „revolutionierte“ die Radiowerbung. Sie „gilt als Erfinderin des Jingles als akustisches Warenzeichen eines Unternehmens. Diese Idee ließ sich Heuss-Knapp patentieren und setzte sie auch für andere Unternehmen und Produkte ein; etwa für NiveaErdalKaffee HagBlaupunkt und Persil.[3 (wikipedia.)

Elly Heuss-Knapp war nicht nur Verkäuferin, sondern eine scharfsinnige Werbe-Psychologin. Sie arbeitete daran, Werbung so zu gestalten, dass die Menschen nicht meinen, sie würden dazu überredet, eine Ware zu kaufen, sondern dass sie glauben, es aus innerer Überzeugung zu tun. Im Jahr 2010 schrieb Katja Iken auf spiegel-online: „Ihr Erfolgsrezept gilt heute noch: Werbung müsse „idealerweise im Kopf herumgehen“, lautete Ellys Credo, dort das Unterbewusstsein „massieren“ und schließlich „unter die Haut kriechen“.

Dass die höchst intellektuelle Heuss-Knapp höchst primitive, aber wirkungsvolle Werbesprüche kreierte, bezeugt ein NIVEA-Werbespot aus dem Jahr 1938. Die Journalistin Katja Iken hat einen werbe-historischen Schatz mit originalen Zeilen der Werbetexterin ausgegraben. Unbedingt angucken: https://www.spiegel.de/geschichte/werbung-a-948721.html#fotostrecke-52643d5a-0001-0002-0000-000000108544

Elly Heuss-Knapp war keine Nazi-Sympathisantin, aber ihre Kreativität kam den Nationalsozialisten entgegen. Schließlich war die Entwicklung neuer Methoden der Manipulation und Menschenführung systemrelevant. Die NS-Kriegs-Propaganda, die mit Beginn des Zweiten Weltkriegs die Warenwerbung verdrängte, hat sich insbesondere von der Warenwerbung inspirieren lassen.

In der Rückschau FRAGMENT VON ERINNERUNGEN AUS DER NS-ZEIT, die einige Jahre nach Theodor Heuss‘ Tod veröffentlicht wurde, erinnert Heuss an die „große Zeit“ seiner Frau. Nicht ohne Stolz erzählt er von einem Besuch seiner Gattin bei Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht:

… an Aufträgen fehlte es, ehe der Krieg die Käuferlage verwandelte, überhaupt kaum
mehr. Freilich, die ganze Rundfunk-Waren-Werbung war bedroht, weil Goebbels
nur mehr politische Propaganda zulassen wollte; Elly ging damals zu Schacht auf die Reichsbank – sie hatte 1918 mit ihm Wahlreden gehalten; jetzt legte sie ihm ihre in die Zehntausende Mark gehenden Aufträge an Sprecher, Sänger, Musiker vor, und Schacht erreichte es, daß das Verbot um dreiviertel Jahr verschoben wurde, (daß die Komponisten ihrer kleinen Stücke lauter „Nichtarier“ waren, sagte sie ihm aber vorsichtshalber nicht)
.“ https://www.ifz muenchen.de/heftarchiv/1967_1_1_heuss.pdf S.10

Geradezu neckisch mutet an, was da in Klammern steht: Dass Schacht „vorsichtshalber“ verschwiegen wurde, dass ‚die Komponisten ihrer kleinen Stücke lauter „Nichtarier“‚, also vermutlich Juden waren. Das jedoch dürfte Hjalmar Schacht, dem ja die Namen der Künstler vorlagen, wohl kaum entgangen sein. Dass die jüdischen Komponisten weiterhin beschäftigt wurden, war ihm sicherlich recht, denn deren Arbeit war von großem ökonomischen Nutzen.

In einer Rezension zu Christopher Koppers Buch „Hjalmar Schacht: Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier“ schreibt Matthias Streitz auf spiegel.online: „Tatsächlich half Schacht Bankiers wie Max Warburg und distanzierte sich von der Pogromnacht 1938, das betont auch Kopper. Doch Schacht habe sich weniger aus menschlichen Motiven engagiert, schreibt er – sondern weil er ökonomischen Schaden für Deutschland befürchtete. Die Diskriminierung jüdischer Mitbürger durch die Nürnberger Rassegesetze hat Schacht jedenfalls ausdrücklich unterstützt.“ https://www.spiegel.de/wirtschaft/bankier-hjalmar-schacht-hitlers-selbstherrlicher-helfer-a-446423.html

Die Warenwerbung im staatlichen Rundfunk war zwar, wie ich las, auf eine Radio-Stunde am Vormittag beschränkt. Doch dürfte auch die Werbung dazu beigetragen haben, den Menschen den vergleichsweise preiswerten „Volksempfänger“ schmackhaft zu machen. „Trotz einer vergleichsweise hohen monatlichen Rundfunkgebühr von 2 RM erhöhte sich die Ausstattung der deutschen Haushalte mit Radiogeräten zwischen 1933 und 1941 von 25 auf 65 Prozent.“ https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/alltagsleben/volksempfaenger.html

Heute werden wir auf Schritt und Tritt gegängelt und manipuliert. Dabei wird weniger für das Produkt geworben als für ein Lebensgefühl, eine Weltanschauung, für Gesundheit und Wohlbefinden. Noch relativ neu ist die Werbung für die in meinen Augen ausgesprochen fragwürdige, autoritäre und respektlose Gesundheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Wir sollen dazu gebracht werden, dass wir -ohne das „Angebot“ kritisch zu hinterfragen- zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, dass wir uns impfen lassen und unsere Organe „spenden“. Der grundsätzlich treffende Ausdruck „gläserner Mensch“ ist fast schon verharmlosend, denn wir sind nicht aus Glas, sondern aus Fleisch und Blut. Ich empfinde die bundesdeutsche Corona-Politik, die uns den Atem nimmt und die Daseinsfreude, als Attacke auf unseren Leib und auf unser Leben.

Dabei paart sich der Versuch, Menschen zu manipulieren, oft mit Dummheit. Wenn man Menschen für blöd verkauft -das wissen Werbepsychologen- sollte man so vorgehen, dass die Menschen den Täuschungsversuch nicht gleich bemerken. Elly Heuss-Knapp, einer gewissenhaften Frau, wäre vermutlich nie etwas so Peinliches passiert wie den Werbe-Experten der Gegenwart.

Ist den Beratern des Bundespräsidenten tatsächlich entgangen, dass im Schlosspark Bellevue bereits in der Amtszeit von Joachim Gauck Füchse beobachtet und gefilmt wurden? Um das herauszubekommen, genügte mir ein kurzer Blick ins Internet.

https://twitter.com/tagesthemen/status/71812365599834521707.04.2016, 18:58SCHLOSS BELLEVUE

Ein Artikel auf abendblatt.de (Hamburger Abendblatt) vom 7.4.2016 mit dem Titel „Kamera erwischt Fuchs beim Besuch bei Bundespräsident Gauck“ geht noch einen Schritt weiter. Wir erfahren, dass der Steinmeier-Fuchs nicht erst ein Gauck-, sondern wahrscheinlich bereits ein Wulff-Wolf (pardon: Wulff-Fuchs) war: „Das Bundespräsidialamt sieht in dem Fuchs auch keinen Störenfried. Bei einer Nachfrage unserer Redaktion am Donnerstagabend wunderte sich eine Mitarbeiterin des Bundespräsidenten nicht über den Fuchs, sondern über die Frage. „Der ist doch schon Jahre hier“, teilte sie stattdessen mit. Sogar Nachwuchs habe es schon gegeben. Ob Fuchs und Gauck sich Gute Nacht sagen, blieb offen.“ https://www.abendblatt.de/vermischtes/article207399161/Kamera-erwischt-Fuchs-beim-Besuch-bei-Bundespraesident-Gauck.html

Damals war man so schlau, dem Fuchs keinen Namen zu geben. Vielleicht hatte man sich die Romanze auch für den Notfall aufbewahrt, für den Fall nämlich, dass die Politik irgendwann einmal nicht mehr glaubwürdig sein würde, dass die politisch Verantwortlichen nervös werden könnten und dringend Sympathieträger bräuchten.

Was haben sich Steinmeiers PR-Berater bei der „Fuchstaufe“ gedacht? Wussten sie nicht, dass Steinmeiers Fuchsfreundschaft eine aufgewärmte Präsidenten-Geschichte ist? Oder hatten sie einen fiesen Spaß daran mitzuerleben, wie einfach sich die Menschen in Krisenzeiten an der Nase herumführen lassen?

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier,

mit Ihrer Werbe-Aktion halten Sie die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland zum Narren. Sie setzen Ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel und beschämen unser aller Vertrauen.

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Eine deutsche Wirtschaftswunder-Kindheit zwischen „Knüppelkuh“ und „Kadus für’s Haar“. Das Foto hat unsere Mutter im Mai 1960 aufgenommen. Meine Zwillingsschwester Brigitte (rechts) und ich sind knapp zwei Jahre alt. Luftballons finden wir toll. Diesen Werbe-Ballon hat unsere Mutter von einem Friseur-Besuch mitgebracht. Anderthalb Jahre später sollten wir in den Kindergarten kommen und einer klassisch autoritären Erzieherin begegnen. vgl.: https://stellwerk60.com/2020/04/28/comeback-der-knueppelkuh/  Die Prügelstrafe war noch nicht abgeschafft, und unter den Lehrern gab es „alte Nazis“. Wir Kinder durften noch öffentlich angeschrien werden, doch gab es auch andere Töne: Die Einflüsterungen der Werbung als schöne, neue, sanfte Gewalt.