Elfchen im Achten: Lob des Pömpels

*30.8.1922

Kürzlich war unser Spülbecken verstopft. Immerhin lief das Wasser ab, wenn auch sehr langsam, anders als vor einem Jahr, am 14.Juli 2021, als sich während eines mehrstündigen(!) Wolkenbruchs das Wasser in den Abwasserrohren unseres Hauses bedrohlich staute und ich trotz eines komfortablen Abstands zur Flutkatastrophe eine Ahnung davon bekam, wie zerstörerisch Wasser sein kann.

Wenn man in die Suchmaschine „Abfluss verstopft“ eingibt, werden einem zahlreiche Hausmittel empfohlen: Essig, Salz, Backpulver etc.. Man solle nicht gleich zur chemischen Keule greifen, so der allgemeine Tenor. Dankbar für den Vorschlag, die Verstopfung mit einem relativ sanften Gemisch zu lösen, rührte ich einen Brei an aus Wasser, Essigessenz und Salz.

Ich gab die Masse in den Abfluss, wartete, füllte kochendes Wasser nach, wartete wieder, doch das Spülbecken leerte sich nicht schneller als vorher. So schraubte ich den Siphon auseinander und entfernte ein paar lange Töchterhaare. Doch der Pfropfen schien tiefer zu sitzen. Darüberhinaus hatte ich ein neues Problem: Ich hatte es trotz Lesebrille nicht geschafft, die auseinander genommenen Einzelteile passgenau wieder zusammenzusetzen. Jetzt musste ich eine Schüssel unter den tropfenden Siphon stellen, die sich langsam mit Wasser füllte. Ich fühlte mich wie ein HB-Männchen, das seine Zigaretten verlegt hat.

So kam ich auf die Idee zu entrümpeln. Es würde mir gut tun, auf welche Weise auch immer für irgendeine Entschlackung zu sorgen. Ich schnappte mir einen Abfallsack und ging in den Keller. Das war gescheit, denn…

Beim

Ent-ri-rö-rümpeln fand

ich einen Pömpel.

Gurgelnd entflutschte brackige Schlacke…

Pöööölöpölöpöpp

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Pömpel. Die Scheu vieler Frauen, das Teil zu benutzen, hängt damit zusammen, dass der Pömpel der Saugglocke ähnelt, die bei etwa 6% aller Krankenhaus-Geburten zum Einsatz kommt. Dann nämlich, wenn das Kind auf seinem Weg in die Welt im geburtstechnisch so genannten „Geburtskanal“ steckenbleibt und sich nicht weiter bewegt.           Bei der Saugglocken-Entbindung handelt es sich um einen vaginal-operativen Notfall-Eingriff, der für Mutter und Kind traumatisch sein kann. Doch in der witzelnden Sprache der Spaßgesellschaft wird die katastrophale Erfahrung zuweilen banalisiert und veralbert. Auf eltern.de heißt es in einem Beitrag mit dem Titel „Saugglocke bei der Entbindung: Wann und wie sie eingesetzt wird“ locker-flockig: „Eine Saugglocke, auch Vakuumextraktor genannt, musst du dir vom Aussehen her wie einen Toiletten-Pümpel vorstellen. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen Sanitär-Artikel, sondern um ein medizinisches Instrument, dass eine Schale aus Silikon oder Metall hat und einen Stab, an dem gezogen wird. Mit einem mechanischen Unterdrucksystem wird die Saugglocke unter der Geburt am Köpfchen des Kindes befestigt.“  https://www.eltern.de/schwangerschaft (Den Rechtschreibfehler „…Instrument, dass…“ habe ich, um das Zitat nicht zu verfälschen, bewusst nicht korrigiert.)

Zurück in den banalen Alltag: Im Nachhinein sage ich mir, dass ich mit Hilfe von Essig und Salz den Pfropfen vorbehandelt und auf diese Weise überhaupt erst pömpelbar gemacht hatte. Aber warum machen wir das, warum kippen wir eine aggressive Masse in den Abfluss und greifen nicht direkt zum Pömpel?

Der Pfropfen ist in unserer Vorstellung so ekelhaft, dass wir meinen, ihn kleinkriegen zu müssen. Beim Pömpeln hingegen zerstören wir den Pfropfen nicht, sondern vertreiben ihn. Dabei können sich schlierige, braungraue Fetzen lösen und an die Oberfläche kommen. Auch mir ist das passiert. Es war so fies, dass ich fast gekotzt hätte.

In einer Wissens-Sendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunk wurde uns im Jahr 2018 erklärt, welche Funktion der Ekel hat, warum wir uns überhaupt ekeln. Auf der Internet-Seite von „Planet Wissen“, einem Gemeinschaftsprojekt des Westdeutschen Rundfunks (WDR), des Südwestrundfunks (SWR) und von ARD-alpha, heißt es in der Text-Version zur Sendung: „Eine Ekelreaktion soll das Infektionsrisiko senken und im Extremfall durch den Brechreflex dafür sorgen, möglicherweise oder tatsächlich verdorbenes oder giftiges Essen schnell aus dem Körper zu befördern.https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/emotionen_wegweiser_durchs_leben/pwieekelwennabneigungextremwird100.html

Der Beitrag beschreibt die Funktion des Ekels, die Zweckmäßigkeit der Ekelreaktion für die Aufrechterhaltung der Gesundheit. Das mag medizinisch korrekt sein, ist aber zu kurz gegriffen und darüberhinaus ethisch bedenklich. Zwar zeigt der interessante Text unterschiedliche Facetten und beleuchtet das Ekelempfinden im historisch-sozialen Kontext, doch wie so oft fehlt auch hier einem naturwissenschaftlichen Beitrag die gedankliche Tiefe, das geistige Korrektiv.

Im selben Text benennt ein Satz, wovor wir uns angeblich ekeln: „Ein nahezu weltweit gemeinsamer Nenner sind jedoch Kot, Urin und Eiter sowie Leichen.“ Die Gleichsetzung von Kot, Urin und Eiter mit Leichen ist meines Erachtens moralisch verwerflich. Ich behaupte -und ich drücke mich bewusst vulgär aus-, dass wir Menschen beim Anblick einer Leiche etwas anderes empfinden als beim Anblick eines Scheißhaufens.

Im Sendungs-Video mit dem betont sachlichen Titel „Ekel – Ein universelles Gefühl“, das man sich noch bis zum 26.2.2023 angucken kann (s.o, planet-wissen.de), holt man sich wissenschaftlichen Rat bei einem gepflegt auftretenden Ekel-Experten von der Universität Gießen, der sich angenehm sachlich ausdrückt. Gleichzeitig jedoch treibt der Film die Banalisierung der Vergänglichkeit reißerisch (mit Nah-Bildern!) auf die Spitze. Leichen gehören demnach zu den „Top 5“ der Ekel- „Favoriten“. Eine entwürdigende, nach der Quote schielende populärwissenschaftliche Gruselshow!

Ich habe zweimal im Leben eine Leiche gesehen, die „sterblichen Überreste“ zweier mir sehr naher Menschen. In dem Moment war ich befremdet, erschrocken und sprachlos. Ich war betäubt und empfand einen tiefen Schmerz, aber keinerlei Ekel.

„Schafe sind so sympathische Tiere“ – Wie man das Vertrauen der Tiere in uns Menschen für Werbezwecke missbraucht

Ploumanach, 26.8.2022: Ich beobachte, wie eine Hornisse eine Wespe „umarmt“. Die Wespe hat unseren Frühstückstisch angesteuert, den Käse ignoriert und sich auf der Leberpastete, die nur ich esse, niedergelassen. Die Wespe ist so sehr in „meine“ Pastete vertieft, dass sie die von hinten sich nähernde Hornisse nicht bemerkt. Die Hornisse packt die Wespe, hält sie umklammert und trägt sie mit sich fort. Was aussieht wie ein romantisches Liebesspiel, ist keines. Hornissen fressen Wespen und zerrupfen sie angeblich sogar in der Luft. Vgl.: https://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/hornissen-sind-die-perfekte-waffe-gegen-wespen—und-viel-harmloser-als-ihr-ruf-8230068.html

Doch die Hornisse stillt nicht nur den eigenen Hunger: „Die Arbeiterinnen erlegen auch oft Insekten, sogar Wespen! Die verarbeiten sie zu Futterbrei, den sie in ihrem Kropf transportieren. Zurück im Nest würgen sie das Futter heraus und füttern damit die Larven und andere Arbeiterinnen.“ https://www.kindernetz.de/wissen/tierlexikon/steckbrief-hornisse-100.html

Das klingt brutal, ist aber für die Hornisse überlebensnotwendig. Anders als die menschliche Aggressivität ist die Angriffslust der Tiere -solange man ihnen ihren Lebensraum lässt- in naturgegebener Balance. Anders als (gestörte) Menschen töten Tiere nie nur um des Tötens willen. Tiere führen keinen Krieg.

Mich erstaunt es immer wieder, wie freundlich sich die Tiere uns Menschen gegenüber verhalten. Sie wissen nichts von Massentierhaltung, Schlachthöfen und Tierversuchen. Es übersteigt ihr Vorstellungsvermögen, dass liebesfähige Lebewesen so kalt und grausam sein können. Tiere greifen uns nur dann an, wenn sie sich bedroht fühlen. Weil sie nicht hinterhältig sind, haben sie uns gegenüber auch keine bösen Hintergedanken.

Tiere sind nicht feige, anders als (gestörte) Menschen, die die Tiere in ihre Macht-Spiele einspannen und sich daran ergötzen, dass die Tiere keine andere Chance haben, als mitzuspielen und nach des Menschen Pfeife zu tanzen, etwa im Flohzirkus. https://stellwerk60.com/2022/03/31/elfchen-im-dritten-olaf-muss-niesen/

Ich finde es unerträglich, wenn Menschen Tiere zu etwas nötigen und dann noch behaupten, die Tiere würden kooperieren. Anfang 2022 setzten Impffreunde aus Niedersachsen eine fragwürdige PR-Idee um. Diese Aktion wurde von den Medien positiv aufgenommen, kritische Stellungnahmen habe ich nicht gefunden. So heißt es z.B. auf aerztezeitung.de: „Noch immer ist etwa jeder fünfte Impfberechtigte in Deutschland noch nicht gegen COVID-19 geimpftHunderte Schafe und Ziegen haben jetzt ein Zeichen gesetzt.https://www.aerztezeitung.de/Panorama/Riesige-Spritze-Schafe-und-Ziegen-werben-fuer-Corona-Impfung-425778.html

Nun haben hier nicht Schafe und Ziegen „ein Zeichen gesetzt“, sondern Menschen, die die „sympathischen“ Tiere für ihre (Werbe-) Zwecke benutzt und dabei -wie ich finde- verhöhnt und lächerlich gemacht haben. Die dpa-Nachricht zur PR-Aktion am 3.1.2022 wurde von zahlreichen Medien unkritisch übernommen und nur leicht variiert, etwa auf ndr.de:

Mit rund 700 Schafen und Ziegen haben Schäfer in Schneverdingen im Heidekreis eine rund 100 Meter große Spritze dargestellt, um für Impfungen gegen das Coronavirus zu werben. Das Ganze richte sich an die noch Unentschlossenen, so Organisator Hanspeter Etzold. „Schafe sind so sympathische Tiere, vielleicht können die die Botschaft so besser überbringen“, sagte er. Schäferin Wiebke Schmidt-Kochan hatte die Aktion vorbereitet und mit ihren Tieren mehrere Tage dafür geübt. Der Trick dabei: Sie verteilte vorher Brotstücke in Form der Spritze auf dem Boden. Als die Tiere dann auf die Wiese gelassen wurden, stürzten sie sich auf das Fressen und standen somit perfekt für das Motiv.https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/lueneburg_heide_unterelbe/Volle-Ampulle-700-Schafe-posieren-fuer-Corona-Impfung,aktuelllueneburg6684.html

Diese Impf-Euphorie war zu dem Zeitpunkt erstaunlich, denn Anfang 2022 zeichnete sich längst ab, dass die sich rasch ausbreitende Corona-Variante Omikron leichtere Krankheitsverläufe mit sich bringen würde. Dadurch war allerdings -schon Monate vor der entwürdigenden Entscheidung über eine Impfpflicht im Deutschen Bundestag- Nutzen und Sinn der weiteren Corona-Massenimpfung grundsätzlich in Frage gestellt. Nur wollte das keiner wissen, schon gar nicht der unbremsbare Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, Karlimpf in allen Gassen, der noch nach Auftreten der Omikron-Variante medienwirksam Schul-Kinder impfte und bereits im Wahlkampf als Impfarzt hatte agieren dürfen. https://stellwerk60.com/2021/09/17/groko-stoppen-teil-2-der-titel-schuetzt-vor-torheit-nicht-impfarzt-prof-auflauerbach/

Wir können dankbar sein, dass sich in Südafrika, einem Land mit relativ geringer Impfquote, Ende 2021 die deutlich harmlosere Variante herausbilden konnte, denn nicht die Massenimpfung, sondern Omikron brachte die Wende.

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Offenbar gilt auch für Schafe und Ziegen: Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Am 3.1.2022 sind 700 ausgehungerte Schafe und Ziegen dem Corona-Impfaktivismus auf den Leim gegangen. Die ohnehin schon karge Winter-Wiese hatte man zuvor so kahl geschoren, dass kein Grashalm mehr die Tiere ablenken konnte.  Drohnen-Aufnahme, abfotografiert von: https://www.welt.de/vermischtes/article236005760/Corona-Impfungen-700-Schafe-und-Ziegen-werben-als-riesige-Spritze.html
Quelle: dpa/Philipp Schulze

Wie leicht man Tiere in die Falle locken kann, wussten die Vogelfänger: https://www.geo.de/geolino/redewendungen/8566-rtkl-redewendung-auf-den-leim-gehen&nbsp

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Der klebrig-fiesen Fliegenfalle ähnelt diese Ziegenfalle.                                                                      Drohnen-Aufnahme, abfotografiert von welt.de   Quelle: dpa/Philipp Schulze