Elfchen im Sechsten: „Kinderfrüherkennung“

Kennst

du das

Land, wo schon

Kleinkinder zur Musterung müssen?

Dahin!

Eine deutsche Großstadt, Frühjahr 2021: Ein acht Monate altes Mädchen bekommt hohes Fieber. Die Mutter des Kindes vermutet das Drei-Tage-Fieber, eine harmlose Kinderkrankheit, die sie schon bei ihrem älteren Kind miterlebt hat. Es ist selbst für Ärzte nicht so einfach, das Drei-Tage-Fieber zu diagnostizieren: Der für die Krankheit typische Hautausschlag stellt sich verspätet ein, in der Regel erst dann, wenn das Kind kein Fieber mehr hat. Da die junge Frau sich nicht ganz sicher ist, geht sie mit dem Kind zur Kinderärztin.

Es könne das Drei-Tage-Fieber sein, sagt die Kinderärztin, aber das hohe Fieber sei besorgniserregend und könne ein Hinweis sein auf eine Nierenbeckenentzündung. Die komme bei kleinen Mädchen gar nicht so selten vor und müsse wegen drohender Langzeitschäden sofort behandelt werden. Um sicher zu gehen, überweist sie das Kind ins Krankenhaus.

Im Krankenhaus wird ein Corona-Test durchgeführt. Das Kind darf dabei auf dem Schoß der Mutter sitzen und hält still. Der Test ist negativ. Man ordnet eine Blutuntersuchung an, um weitere Krankheiten auszuschließen. Ob ihr Kind nicht am Drei-Tage-Fieber erkrankt sein könne, wendet die Mutter ein, findet aber kein Gehör. Man nimmt dem Kind Blut ab, was für das Kind furchtbar ist. Es schreit, schlägt um sich und windet sich. Eine Mitarbeiterin legt sich auf das Kind, eine andere dreht dem Mädchen den Kopf zur Seite.

Im Anschluss an die Blutabnahme lässt sich das Kind kaum noch beruhigen, es weint und schreit. Die Blut-Werte sind „unauffällig“, aber man will einen Zugang legen. Das Kind soll im Krankenhaus bleiben, da man es weiter „beobachten“ will. Die Mutter übernachtet bei dem Kind, darf es aber nicht zu sich ins Bett nehmen. Sie rückt das Kinderbett an ihres heran und öffnet das Gitter. So beruhigt sich das Kind. Die Mutter kann nicht schlafen. Sie hat Angst um ihr Kind, nicht wegen einer möglichen schweren Krankheit, an die sie nicht glaubt, sondern wegen der ärztlichen Maßnahmen.

Am nächsten Tag fühlt sich das medizinische Personal nicht für das Kind zuständig. Die Mutter wartet stundenlang auf einen Arzt, der sich angekündigt hat, aber nicht kommt. So nimmt sie ihre Tochter auf eigene Verantwortung mit nach Hause. Zwei Tage später klingt das Fieber ab, und das Kind bekommt den Hautausschlag, der für das Drei-Tage-Fieber typisch ist.

Wenige Tage später ist das Kind wieder gesund. Die junge Frau geht einkaufen, legt ihr Kind in den Kinderwagen und nimmt es in den Supermarkt mit. In dem Moment, als sie gemäß Maskenpflicht den medizinischen Mund-Nasenschutz anzieht, schreit ihr Kind wie am Spieß.

Ich habe die Geschichte mitbekommen, weil ich zufällig einer Sprachnachricht gelauscht habe. Ich saß auf einem der einzeln stehenden Stühle vor dem Nippeser Café Eichhörnchen. Auf der anderen Seite der Holzkiste, die als Tisch dient, saß eine Frau, die die Sprachnachricht abhörte. Ich wollte mich wegsetzen, aber die Frau bat mich zu bleiben und die Sprachnachricht mit anzuhören. In Absprache mit der Absenderin, die kurz informiert wurde, stellte sie ihr Smartphone laut. Was ich schreibe, entspricht in etwa dem, was ich gehört habe. Bei ein paar Einzelheiten bin ich mir nicht ganz sicher. Vor allem weiß ich nicht, wie dem Kind Blut abgenommen wurde. Aber ich will es auch nicht wissen, denn ich finde es nur furchtbar.

Geschichten wie diese häufen sich in Corona-Zeiten. Die Atmosphäre in den Krankenhäusern ist extrem angespannt. Viele Ärztinnen und Ärzte haben die Gelassenheit verloren. Wenn es nur irgend geht, sollten Menschen -insbesondere die Eltern fiebernder Kinder- einen Bogen um Krankenhäuser machen.

Später frage ich mich, ob die Blutabnahme überhaupt medizinisch notwendig war. Tatsächlich lese ich im Internet, dass ein Urintest ausreicht, um eine Nierenbeckenentzündung auszuschließen: „Bei unklarem Fieber sollte besonders bei Kindern in den ersten Lebensjahren und spätestens am 4. Fiebertag auch mit einem Urintest eine behandlungs-bedürftige Blasen- oder Nierenbeckenentzündung ausgeschlossen werden.“ https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/drei-tage-fieber/

Was mutet man Kindern und Eltern zu? Warum wird ein Baby, das Fieber hat und sich ohnehin krank fühlt, auf Corona getestet, warum stellt man schmerzhafte, unzumutbare und offenbar nicht einmal notwendige Untersuchungen an? In Artikel 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland heißt es: Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ Wird hier nicht das Grundgesetz (massiv!) verletzt?

Wohlgemerkt: Kinderärztliche Versorgung ist sinnvoll und wichtig. Eine große medizinische Errungenschaft ist das Apgar- Score, eine Untersuchung, die kurz nach der Geburt auch von Hebammen durchgeführt wird und schnell Aufschluss gibt über den Gesundheitszustand des neugeborenen Kindes. Diese Untersuchung, die weltweit üblich ist, wurde übrigens von einer Frau entwickelt, und zwar von der US-amerikanischen Ärztin Virginia Apgar (1909 -1974). https://de.wikipedia.org/wiki/Apgar-Score…

Doch inwieweit darf der Staat mit medizinischen Maßnahmen in das Leben der Menschen eindringen? Fakt ist: Wir sind nicht nur private Personen, sondern Bürgerinnen und Bürger. In Artikel 6 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland heißt es: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Demnach ist es Aufgabe der Eltern, auf die Gesundheit ihrer Kinder zu achten. Kinder müssen lernen, sich zu waschen, die Zähne zu putzen, sich durch Kleidung vor Kälte und Regen zu schützen etc. Eltern vermitteln nicht nur Nestwärme und Sicherheit, sondern begleiten ihre Kinder beim Großwerden, beim Laufen- und Sprechenlernen u.u.u.

Doch die Pflege und Erziehung der Kinder ist nicht allein (und leider immer weniger) Eltern-Recht : „Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ (Grundgesetz Art. 6, Absatz 2). Das ist grundsätzlich vernünftig. Demokratie beruht auf dem solidarischen Miteinander. Doch wie weit darf die „staatliche Gemeinschaft“ (wer oder was auch immer sich dahinter verbirgt) mit der Überwachung gehen? Und wie können wir sicher sein, dass „die staatliche Gemeinschaft“ es gut meint mit den Kindern?

Allgemeine kinderärztliche Untersuchungen machen Sinn, auch die U-Untersuchungen – solange sie freiwillig sind. Doch die Freiwilligkeit ist immer mehr eingeschränkt worden.

Verordnungen, die die Entscheidungsfreiheit der Eltern einschränken und den Staat dazu ermächtigen, Familien ärztlich zu überwachen, wurden in Deutschland maßgeblich vorangetrieben durch die überehrgeizige und autoritäre CDU-Politikerin Ursula von der Leyen, Ärztin und Mutter von sieben Kindern. Von der Leyen, spätere Bundes- Verteidigungsministerin (2013-2019), war von 2005 bis 2009 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Aus dem Jahr 2009 stammt eine Pressemitteilung des Ministeriums mit dem holprigen Kürzel BMFSFJ, deren Kernaussage wie folgt lautet:

„Fast alle Bundesländer haben ein verbindliches Einlade- und Erinnerungswesen für Früherkennungsuntersuchungen eingeführt … Zentral sind dabei stets Einladungssysteme mit Rückmeldemechanismen. Wenn Familien nicht zu Untersuchungsterminen beim Kinderarzt erscheinen, wird systematisch nachgehakt. Notfalls schaut das Jugendamt zuhause nach dem rechten.https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/ursula-von-der-leyen-wir-haben-das-niveau-des-kinderschutzes-in-deutschland-spuerbar-erhoeht–87356

Der immer wieder offen ausgesprochene Hintergedanke ist, dass durch die U-Untersuchungen Fälle von Körperverletzung und sexuellem Missbrauch aufgedeckt werden sollen. Das heißt allerdings, dass alle Eltern hier unter einen Generalverdacht gestellt werden. Kinderärztinnen und Kinderärzte macht man zu Erfüllungsgehilfen, indem man sie dazu aufruft, den Körper der Kinder nach Spuren einer möglichen Gewalteinwirkung abzusuchen. Aber ist der aufspürende ärztliche Blick nicht selber gewaltsam? Was mutet man den Kindern (und Eltern) zu?

Auffällig ist, dass die Fälle von Kindesmisshandlung trotz (oder gerade wegen?) der Untersuchungen nicht sinken, sondern steigen. Außerdem dürfte mit der Ächtung der körperlichen Gewalt die Zahl der psychischen, subtilen Gewaltakte noch einmal deutlich zugenommen haben. Die psychische Misshandlung macht keine blauen Flecken. Seelische Verletzungen sind unsichtbar.

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Kinder-Untersuchungsheft meiner jüngeren Tochter, Jahrgang 1999. Das rechte Blatt („Kinderfrüherkennung“) bezieht sich nicht auf die U8 (linke Seite), sondern ist ein versehentlich nicht herausgetrennter Durchschlag für die KV (Kassenärztliche Vereinigung), der von der U7 stammt. Wir hatten damals das Glück, einen freundlichen Kinderarzt zu finden, der die Punkte nicht einzeln abgehakt hat, sondern den Mut hatte, seiner ärztlichen Intuition zu vertrauen. Schon aus versicherungstechnischen Gründen wird es sich heutzutage kaum ein Arzt/eine Ärztin mehr erlauben, den Bogen nicht akribisch auszufüllen.                                                                                        Unbegreiflich finde ich, dass seit Jahrzehnten niemandem auffällt, dass „Kinderfrüherkennung“ ein Unwort ist. Es gibt medizinische Methoden zur Früherkennung diverser Krankheiten, insbesondere von Krebs (Krebs-Früherkennung). Aber kann man Kinder früherkennen? Ist denn das Kind eine (lebensbedrohliche) Krankheit?

Und wenn dann die Familie endlich wieder die Koffer packt, erlaubt sich die Krankenkasse, ein Wörtchen mitzureden, denn auch und gerade auf Reisen, so redet man uns ein, drohen unseren Kindern Gefahren. Die AOK hat eine 16-teilige Checkliste für die „Kleinkinder-Reiseapotheke“ ins Netz gestellt. Da kann ich nur sagen: Nix wie weg! https://www.aok.de/pk/magazin/cms/fileadmin/gemeinschaftlich/artikel/PDF/aok_checkliste-reiseapotheke-kleinkinder.pdf

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Zäpfchen, Salben und Segen auf all deinen Wegen. Die AOK Rheinland ist immer dabei. Bahnsteig-Werbung, Hbf Bonn, Juni 2021

GroKo stoppen! Teil 1: Karo Lusche(t)

Müssen Bundes-Kanzlerkandidaten eigentlich ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen?

Dass die Frage so abwegig nicht ist, bestätigt ein Blick ins Internet. In Zeiten, wo sich die Volksvertreter von den Bürgerinnen und Bürgern zunehmend bedroht fühlen, von uns, dem Volk, wachsen Nervosität und Unsicherheit: „Bielefeld. Der NRW-Landtag will die Sicherheit erhöhen und seine Regeln verschärfen. Das berichtet die in Bielefeld erscheinende „Neue Westfälische“ (Samstagsausgabe). Mitarbeiter von Abgeordneten sollen künftig verpflichtet werden, ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Abgeordnete sollen bei bei Störungen im Landtag mit einem Ordnungsgeld von 1.000 Euro belegt werden können. Anlass seien unter anderem die Vorfälle im Bundestag, bei denen Besucher Abgeordnete bedrängt hatten. Der Gesetzesentwurf wird jetzt in den Fraktionenberaten.https://www.presseportal.de/pm/65487/4904493 (Kleine Anmerkung: Ich habe, damit man mir keine Zitierfehler vorwirft, die Fehler mitzitiert.)

Im Vorfeld der Bundestagswahl im September wurden unlängst, wie zu hören und zu lesen war, die Lebensläufe von Kanzlerkandidatin und Kanzlerkandidat überprüft. Daraufhin musste Annalena Baerbock ungenaue Angaben zu ihrer beruflichen und akademischen Laufbahn korrigieren. In einem TAZ-Artikel mit der unverschämtem Schlagzeile Kanzlerkandidatin trotz Lebenslauf, was so klingt, als sei Frau Baerbock vorbestraft, fasst ein Autor namens Julian Jestadt am 12.6. zusammen, was in verschiedenen Viten nicht korrekt oder nur unvollständig angegeben war. Zum Beispiel kann Annalena Baerbock zwar einen Master-, aber keinen Bachelor-Abschluss vorweisen, den zu haben sie selber nie behauptet hat, wohl aber die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung. Ich möchte den Artikel empfehlen, denn er ist eine genau gearbeitete journalistische Fleißarbeit und sehr Informativ: https://taz.de/Gruenen-Politikerin-Annalena-Baerbock/!5778473/

Was man Frau Baerbock vorwirft, ist banal. Und warum interessiert man sich für die Lebensdaten, nicht aber für den Menschen? Ich glaube, Annalena Baerbock ist nicht nur klug, sondern warmherzig und respektvoll. Sie besitzt (noch) nicht die politische Leidenschaft einer Petra Kelly, aber sie ist weniger zerbrechlich. Sie ist dickfellig genug, Nörgeleien und Anfeindungen an sich abprallen zu lassen. Und sie ist bereit mitzuspielen auf einer politischen Bühne, wo Eitelkeit, Geldgier, Vetternwirtschaft, Macht und Marketing längst die Hauptrollen spielen.

Meine Empfehlung zur Bundestagswahl: Annalena wählen!

Doch nach aktuellen Umfragen liegen CDU/CSU vorne. Markus Söder reibt sich lachend die Hände: „Die Grünen haben in der letzten Zeit ein Eigentor nach dem anderen geschossen. Die Eignungsprüfung fürs Kanzleramt haben sie jedenfalls nicht bestanden.“ https://www.focus.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2021-im-news-ticker-attacke-von-soeder-den-gruenen-kann-man-die-fuehrung-deutschlands-nicht-anvertrauen_id_13287063.html

Doch wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ich schaue mir den Kandidaten der CDU an. Mich interessieren weder Mitgliedschaften noch akademische Titel, mich interessiert Armin Laschet.

Fast dankbar bin ich Armin Laschet dafür, dass er sich vor sechs Jahren einmal so verhalten hat, wie einer sich nur verhält, wenn er meint, unbeobachtet zu sein. In verschiedenen Zeitungen wurde jetzt an eine Provinzposse erinnert, die sich weitab von der Hauptstadt abgespielt hat, und zwar im äußersten Westen der Republik. Wäre Laschet im Jahr 2015 nicht CDU-Landtagsfraktionschef gewesen, sondern schon Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, was er zwei Jahre später wurde, hätte die Sache gewiss mehr Aufsehen erregt.

Leider wurde in allen aktuellen Artikeln, die ich gelesen habe, die Geschichte verkürzt dargestellt und der Skandal zum Kavaliersdelikt heruntergespielt. Daher zitiere ich den präzisen Wikipedia – Eintrag. Ich habe das, was scheinbar nebensächlich ist, „fett“ markiert.

„… Von 1999 bis 2015 hatte Laschet einen Lehrauftrag an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, den er zurückgab, nachdem von ihm zu korrigierende Klausuren im MasterfachPolitikwissenschaft „auf dem Postweg abhandengekommen“ sein sollen und er die Noten anhand seiner Aufzeichnungen „rekonstruiert“ hatte. Dieses Vorgehen war unter anderem dadurch aufgefallen, dass einige Studierende eine Benotung erhielten, obwohl sie an der Klausur nicht teilgenommen hatten. Bereits vor der Rückgabe des Lehrauftrages durch Laschet zog die Hochschule die Konsequenz, ihn künftig Lehrveranstaltungen nur noch in Form von Zusatzkursen ohne Prüfungsleistung anbieten zu lassen. Laschets Glaubwürdigkeit im akademischen Bildungsbereich galt durch den Skandal als erschüttert.[117][118][119] …“

Indem sie ihm die Prüfungsberechtigung entzog, degradierte die Universitätsleitung den Polit-Promi Armin Laschet. Die Entscheidung, ihn nicht zu entlassen, war dennoch fair, denn so gab man Laschet die Möglichkeit, den Lehrauftrag „freiwillig“ zurückzugegeben.

Doch kann man einem Mann, dessen Glaubwürdigkeit im akademischen Bildungsbereich als erschüttert galt und wohl immer noch gilt, im politischen Bereich Glauben schenken? Wie konnte Laschet zwei Jahre später Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden? Und wie kann es jemand nach solch einem Skandal überhaupt wagen, für das Amt des Bundeskanzlers zu kandidieren?

Zwar ist der Skandal sechs Jahre her, doch derzeit hochaktuell. Denn es geht hier um das Fehlverhalten eines Mannes, der Bundeskanzler werden will. Allerdings hat die Geschichte auch eine gewisse Tragikomik. Wer über Laschet lachen will, lese bitte folgenden wunderbar plastischen Artikel aus dem Jahr 2015: https://www.welt.de/politik/deutschland/article141847297/Laschet-gibt-Lehrauftrag-nach-Noten-Skandal-auf.html

Es gibt da noch ein anderes Detail im Lebenslauf: Armin Laschet hat seinerzeit die neunte oder zehnte Schulklasse wiederholen müssen. Es gibt da widersprüchliche Angaben. Version 1: „Er besuchte von 1971 bis 1976 das Rhein-Maas-Gymnasium Aachen, wo er das Klassenziel der 9. Klasse nicht erreichte.“ (Wikipedia) Version 2: „Laschet bleibt in der zehnten Klasse auf dem technisch geprägten städtischen Rhein-Maas-Gymnasium sitzen.“ (Der Machtmenschliche: Armin Laschet. Die Biographie) Ich habe nachgerechnet, was nicht schwer ist: Version 1 ist korrekt.

Dass Laschet eine Klasse wiederholt hat, ist mir durchaus sympathisch. Mit 15 oder 16 Jahren hat man anderes im Kopf als Schule. Wir werden erwachsen, wir realisieren, dass das Leben endlich ist, wir fragen nach dem Sinn des Lebens. Was interessiert da der Unterschied zwischen Gerundium und Gerundivum bzw. zwischen Lanzettfischchen und Neunauge? Sitzenbleiben gehört abgeschafft.

Da Laschet Kanzler werden will, könnte es schon ein Problem sein, einmal das „Klassenziel“ nicht erreicht zu haben, zumal Amtsinhaberin Angela Merkel kein einziges Mal sitzengeblieben ist und einen Abi-Durchschnitt von 1,0 vorweisen kann. Unserer Bundeskanzlerin, so hörte ich einmal, könne man keine größere Freude machen, als sie nach ihrem Abi-Durchschnitt zu fragen.

Anfang des Jahres könnte ein PR-Berater auf Laschet zugekommen sein:

„Armin, du willst doch Bundeskanzler werden. Und deshalb müssen wir dringend deinen „Wikipedia“-Eintrag überarbeiten. Ich weiß, es ist ein wunder Punkt, aber jetzt, wo „Wikipedia“ 20 Jahre alt wird und alle vor „Wikipedia“ den Hut ziehen, muss dort stehen, dass du einmal eine Klasse wiederholt hast.“ Laschet schüttelt heftig den Kopf.

„Armin, sei vernünftig. Dass du eine Klasse wiederholt hast, ist längst öffentlich. Das kann jeder in deiner neuen Biographie nachlesen. „Der Machtmenschliche. Armin Laschet: Die Biographie.““

„Aber das ist es ja“, sagt Laschet. „Da steht es falsch. Ich habe doch nicht das zehnte, sondern das neunte Schuljahr wiederholt. Ich habe den Autoren gesagt, dass ich die Versetzung in die zehnte Klasse nicht geschafft habe. Sie haben daraufhin geschrieben, dass ich in der zehnten Klasse sitzengeblieben bin. Und jetzt soll ich die Fehler der Autoren ausbaden? Niemals!“

„Armin, beruhige dich. Vor den GRÜNEN musst du keine Angst haben. Die gucken deine Vita nicht nach Fehlern durch. Ich denke da an den Markus Söder. Der wartet doch nur darauf, dass du einen Fehler machst.“

„Wie meinst du das?“

„Armin, die Chancen, dass du Kanzlerkandidat wirst, stehen gut. Der Söder ist weder blöde noch öde, der ist ein großer starker Mann, ein Holzfäller, der vielen gefällt, aber die CDU wird nicht zulassen, dass ein CSU-Mann Kanzlerkandidat wird. Aber wenn der Söder publik macht, dass du da etwas verschweigst, könnte dich das die Kanzlerkandidatur kosten.“

Laschet seufzt: „Aber fällt das nicht erst recht auf, wenn es jetzt plötzlich da steht… Das sieht so aus, als hätte ich meine Ehrenrunde bewusst über all die Jahre verschwiegen.“

„Armin, wenn wir es nicht noch im Januar ändern, könnte man dir später einen Täuschungsversuch unterstellen. Und außerdem: Wer vergleicht schon „Der Machtmenschliche“ mit „Wikipedia“. Und wer guckt schon in die „Wikipedia“-Versionsgeschichte?

Herbst 2020: Vor einem Haus am Wartburgplatz in Nippes entdecke ich eine „Zu Verschenken“ – Kiste. Es nieselt. Neben der Kiste liegt mitten auf dem Gehweg eine leicht aufgeweichte, verschmuddelte Spielkarte mit CDU-Aufdruck. Keine gute Werbung. Ich gucke in die Kiste und entdecke neben ein paar Büchern, die auch schon feucht geworden sind, weitere Spielkarten. Aber mich interessiert nur die eine. Wie stehen die Chancen für die CDU bei der Bundestagswahl 2021? Vielleicht kann, vielleicht will mir die Karte das sagen. Soll ich sie umdrehen?

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Ich zögere, sie umzudrehen. Ich habe Angst, dass eine Kreuzdame zum Vorschein kommt, die höchste figürliche Karte im Doppelkopf, oder aber ein Kreuzbube, die höchste figürliche Karte im Skat. Mir klopft das Herz…

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„Beifang“ …  Karo- Lusche(t)… Ich nehme die Karte mit nach Hause, wo sie seitdem den Kühlschrank schmückt…

Wie Annalena Baerbock habe ich Politische Wissenschaften studiert, aber nur bis zur Zwischenprüfung (vergleichbar mit Frau Baerbocks Vordiplom).

Die Lehrveranstaltungen waren öde und uninspirierend. Der Professor, der die Zwischenprüfung abnahm, Thema: „Das Regierungssystem der Bundesrepublik Deutschland“, war Prof. Dr. Peter Graf von Kielmansegg, ein Erzkonservativer mit großer Angst vor Veränderung. Ich erinnere mich an ein Seminar im Wintersemester 1979/80.

Januar 1980. Gerade war die Partei DIE GRÜNEN gegründet worden. Ich weiß noch, wie Prof Dr. Peter Graf von Kielmansegg wie von einem Insekt gestochen mitten in der Seminar-Stunde aufsprang und in den Raum schrie: „Die GRÜNEN sind eine Eintagsfliege!“ Wir Studenten (pardon, aber wir empfanden uns nicht als „Studierende“) guckten uns an und lachten.

Annnalena wählen!

Dreifachimpfung in einer Osnabrücker Eisdiele?- Was dahinter steckt

Meine Tochter Lea ruft mich am Sonntagabend aufgeregt an: „Mama, ich hab da was erlebt. Eine Corona-Impf-Geschichte. In der Eisdiele…“ Ich will genauer wissen, was passiert ist, ich platze vor Neugier, aber meine Tochter lässt mich eine Weile zappeln. Dann erzählt sie mehr: Am Nachmittag ist sie mit Freundin Cora* in einer Osnabrücker Eisdiele gewesen. Dort bietet man Eisbecher mit Namen Impfung an. Meine erste Frage lautet wie immer: „Hast du Fotos gemacht?“

Das ist das Schöne am Smartphone: Sie hat.

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Eis ist süß – Corona ist für Kinder in aller Regel harmlos.

Ich bat meine Tochter aufzuschreiben, was sie erlebt hat. Gestern morgen schickte sie mir dann einen kleinen Dialog, den ich ein bisschen ausgeschmückt habe, vor allem den Part der Eisdielen-Chefin. Diese Eisdielen-Chefin erinnert mich an Angela Merkel. Deshalb habe ich aus der Mama der jungen Eisverkäuferin eine Mutti gemacht.

Mein Wahlkampf-Vorschlag für die Große Koalition in Berlin: Könnte sich nicht Angela Merkel unters Volk mischen und Eisbecher namens Impfung verkaufen, wo doch Karl Lauterbach im Impfzentrum munter mitgeimpft hat? Ich glaube nämlich, dass Angela Merkel die Idee, dass man Impfungs-Eisbecher verkauft, richtig toll fände.

Ort des Geschehens: Eine Eisdiele in Osnabrück-Sutthausen.


CORA: Sagen Sie mal, wer von Ihnen ist für die Namen der Eisbecher verantwortlich?

EISVERKÄUFERIN: Meine Mama. „Mama“ kommt und stellt sich neben die Tochter.

CORA: Wenn man in die Eisdiele kommt, möchte man doch das Eis genießen und nicht auch noch hier mit dem Thema Impfung konfrontiert werden. Wollen Sie Ihre Namensgebung nicht noch einmal überdenken?

MUTTI leise lachend: Keine Bange, Sie werden nicht geimpft. Das sind nämlich nur Eisbecher.

CORA: Das hab ich mir gedacht, aber das finde ich gar nicht lustig.

MUTTI: Sie vielleicht nicht. Sie verstehen wohl keinen Spaß. Bisher hat die Kundschaft den Humor verstanden, und die Becher sind gut angekommen. Weil es kreativ ist.

CORA: Ich finde es überhaupt nicht kreativ.

MUTTI: Ich erkläre es Ihnen. Also: Bei der Impfung 1 gebe ich Vanilleeis und Erdbeereis in den Becher. Und dann komme ich mit dem Tupfer, aber ich tupfe das Eis natürlich nicht ab. In diesem Fall ist der Tupfer ein Sahne-Tupfer, eine große Portion Sahne… Weiße Schokoraspeln… Und zu guter Letzt… Kichert… Zu guter Letzt komme ich noch mit der Erdbeerspritze. Den Inhalt spritze ich aber nur in den Eisbecher. Versprochen! Und meine Erdbeerspritze enthält nur Erdbeersoße. Aber da fehlt noch was… Na? Guckt Lea und Cora grinsend an… Da fehlt das Pflaster. Aber das klebe ich Ihnen nicht auf den Arm, das klebe ich nicht auf den Eisbecher, sondern… Kichert… Das klebe ich Ihnen aufs Mäulchen…

LEA: Ich will Ihnen noch was sagen. Es sind doch die Kinder, die besonders gerne Eis essen. Und die 12jährigen können ab morgen geimpft werden. Sie kriegen hier einen süßen Vorgeschmack auf eine Impfung, die doch sehr fragwürdig ist. In meinen Augen machen Sie Impf-Werbung.

EISVERKÄUFERIN (TOCHTER): Danke für Ihre Rückmeldung.

LEA: Ihr Eis ist lecker, aber wir beide werden nicht mehr in diese Eisdiele kommen.

EISVERKÄUFERIN (TOCHTER): Damit können wir leben.

***

Kleine Ergänzung: Cora und Lea mögen klassische Eis-Kreationen, insbesondere Spaghettieis. Das beste Spaghetti-Eis rundum Osnabrück gibt es, wie die beiden sagen, in Hagen am Teutoburger Wald. „Spaghettieis“ ist zwar im Jahr 1969 von einem Italiener kreiert worden, aber typisch deutsch: „Spaghettieis ist eine in Deutschland übliche Speiseeis-Zubereitung, die optisch an Spaghetti mit Tomatensoße und Parmesan erinnern soll.“ (wikipedia)

*Cora heißt in Wirklichkeit anders. Ich habe ihren Namen geändert, da Cora im Gesundheits-Bereich arbeitet, aber ein Impfangebot nicht angenommen hat.

***

„… Die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig…“ https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/coronavirus-impfung-faq-1788988#toggledown-content-8 7.6.2021

Seit Anfang der Woche können sich auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren impfen lassen, genauer gesagt: Eltern vom Kindern ab zwölf Jahren können es zulassen, dass ihre Kinder geimpft werden. Dabei kann eine Corona-Infektion Kindern nicht viel anhaben.

12jährige Kinder sind noch nicht in der Lage einzuschätzen, was da passiert. Selbst von der impffreudigen STIKO gibt es nur eine eingeschränkte Empfehlung. Das ist gut so. Eltern, die der Impfung skeptisch gegenüber stehen, können sich (noch) auf die STIKO berufen.

Viele Gründe sprechen gegen die Corona-Kinder-Massenimpfung. Ich persönlich finde es unverantwortlich, heranreifenden („pubertierenden“) jungen Menschen, die dabei sind, sich zu Erwachsenen zu entwickeln, einen mRNA-Impfstoff zu verabreichen, der unter Umständen in die biologischen Rhythmen eingreift. Es gibt Hinweise darauf, dass die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna den weiblichen Zyklus manipulieren: „… Viele Menschen teilten ihre eigenen Geschichten auf Twitter. „Ich bin genau eine Woche nach meiner zweiten Moderna-Impfung und habe einen sehr schweren Zyklus, und ich bin ungefähr 2,5 Wochen zu früh“, schrieb eine Nutzerin. „Ich habe Moderna am letzten Tag meiner Periode bekommen. Neun (!!!!) Tage später bekam ich eine weitere Periode und es war ein Albtraum“, kommentierte eine andere.…“ Die das twittern, sind keine jungen Mädchen, sondern erwachsene Frauen, deren Zyklus sich längst eingespielt hat. https://www.fr.de/wissen/corona-coronavirus-impfung-impfstoff-menstruation-periode-blutungen-kraempfe-90479717.html

Dabei schont das Virus (tendenziell) uns Frauen. Während insbesondere Frauen schwere Nebenwirkungen der Impfung beschreiben, schützt unser Geschlecht uns davor, „in Zusammenhang mit Corona“ zu sterben. Aktuelle Zahlen für Deutschland: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1104173/umfrage/todesfaelle-aufgrund-des-coronavirus-in-deutschland-nach-geschlecht/

Ich habe nachgezählt und nachgerechnet (Stand: 8.6.2021): Von den insgesamt knapp 90.000 Toten „in Zusammenhang mit Corona“ waren nur 3889 Menschen unter 60 Jahre alt. Und (immer noch „nur“) 11.880 Verstorbene waren unter 70. Von diesen Menschen waren 3579 weiblich und 8301 männlich.

Unter allen „im Zusammenhang mit Corona“ Verstorbenen unter 70 gibt es also mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen. Das Verhältnis ändert sich auch bei den 70 bis 79jährigen Verstorbenen kaum (6656 Frauen : 11763 Männer). Erst bei den über 80jährigen Corona-Toten sind Männer und Frauen gleichauf, und mit über 90 sterben „in Zusammenhang mit Corona“ deutlich mehr Frauen. Der Grund: Die höhere Lebenserwartung der Frauen. Über 80jährige sind nun mal vorwiegend weiblich.

Impfungen sind medizinische Errungenschaften. Es gibt schwere Krankheiten, denen mit einer Impfung vorgebeugt werden kann, etwa die Kinderlähmung. Die Polio-Impfung ist segensreich. Aber auch dieser zur Zeit viel zitierten „Erfolgsgeschichte“ ging eine Katastrophe voraus, die offenbar in Vergessenheit geraten ist. In den 1950er Jahren wurden Kinder bei einem Großversuch in den USA „versehentlich“ mit Polio infiziert. Stell dir vor, du wirst gegen eine schwere Krankheit geimpft, aber im Impfstoff ist der Erreger dieser Krankheit aktiv. Diese Horror-Vorstellung wurde für hunderttausende Kinder Wirklichkeit.

„… Seit den 1930er Jahren gab es Versuche, einen Polioimpfstoff herzustellen, meist mit durch Formaldehyd inaktivierten Viren. Diese waren jedoch nicht wirksam. Erst 1954 konnte in den USA ein von Salk und Mitarbeitern hergestellter inaktivierter Polioimpfstoff in einer großen randomisierten klinischen Studie mit mehreren hunderttausend Kindern getestet werden. Eine Zulassung des Impfstoffes erfolgte unmittelbar nach Bekanntgabe der Studienergebnisse 1955.

Wenige Wochen nach Beginn des Routineeinsatzes des inaktivierten Impfstoffes in den USA kam es zu einem schweren Zwischenfall. Durch Mängel in der Produktion gelangten nicht inaktivierte Polioviren in den Impfstoff. Dadurch wurden mehrere hunderttausend Kinder infiziert, es kam zu 51 Fällen von dauerhafter Paralyse und zu fünf Todesfällen. Dieser nach dem Hersteller Cutter Laboratories benannte Cutter-Incident gilt als einer der schwersten Arzneimittelskandale in den USA. Untersuchungen ergaben, dass Reste von Zellkulturzellen in der Virussuspension die vollständige Inaktivierung durch Formaldehyd verhindert hatten.[28] (wikipedia)

Der Ausdruck „Arzneimittelskandal“ banalisiert das, was passiert ist. Wir brauchen neue Begriffe für die menschenverursachten medizinischen Katastrophen. Und:

Wir brauchen einen neuen „Hippokratischen Eid“, der anders als der ursprüngliche Eid das Kind nicht ausklammert, sondern DAS ZU SCHÜTZENDE KIND in den Mittelpunkt rückt.

Zufällig finde ich meinen Impfpass -und mache eine beunruhigende Entdeckung

Ein sonniger Sonntagnachmittag Ende August 2015: Wir sitzen zu sechst an einem Garten-Tisch und essen Pflaumenkuchen. Alle sind Stammkunden im Nippeser Weinhaus im Viertel. Es ist gar nicht so sehr der Wein, der Künstler und Lebenskünstler ins Weinhaus lockt, sondern die inspirierende Chefin vor Ort: Dagmar Johanna Matthias. Bei einer ihrer ungewöhnlichen Weinproben haben wir uns zum Pflaumenkuchen verabredet.

Der Garten gehört zu einem alten Haus in der Turmstraße. Die Gastgeber, ein Musiker-Paar, sind über 20 Jahre jünger als ich und wohnen hier zur Miete. Der Garten wird von allen Parteien genutzt. Ich genieße es, hier zu sitzen, in einem dieser verwilderten Nippeser Gärten, die man von der Straße aus nicht sieht und in die man nur durchs Treppenhaus kommt.

Weil ich nicht gerne Kuchen esse, habe ich mir nur ein kleines Stück geben lassen, aber viel Sahne dazu. Ich süße nach und lasse mir die Zuckerkrümel, die sich so schnell nicht auflösen, auf der Zunge zergehen.

Ich denke an meinen Vater, der Kuchen mochte und heute 93 Jahre alt geworden wäre. Er war ein kämpferischer Skat-Spieler und Kommunalpolitiker, aber eigentlich ein sanftmütiger, respektvoller Mensch. Mein Vater hatte ein großes Durchsetzungsvermögen, aber er gebrauchte niemals die Ellenbogen, sondern nur den Verstand.

Manchmal ist Angriffslust konstruktiv. Während ich mir das bewusst mache, kommt plötzlich ein angriffslustiges Insekt in einer Art Sturzflug auf mich zu und sticht mich in den Finger. Es tut richtig fies weh. Am Stachel, der steckengeblieben ist, erkenne ich, dass es sich um eine Biene handelt und nicht um eine Wespe. Mit den Fingern der anderen Hand ziehe ich den Stachel heraus und ärgere mich. Warum ausgerechnet ich?, jammere ich.

Darum ausgerechnet ich, weiß ich heute.

Am nächsten Morgen ist nicht nur der Finger angeschwollen, sondern auch die Hand. Am zweiten Tag ist die Hand so dick, dass ich beschließe, zum Arzt zu gehen. Da ich keinen Hausarzt habe, lasse ich mir einen empfehlen. Er schaut sich die Hand an, verschreibt mir ein Antibiotikum und verordnet eine Tetanus-Impfung. Eine Helferin verbindet die Hand und gibt mir eine Spritze in den Oberarm. Sie macht das gut, denn ich spüre nicht viel, es ist nur kitzelig.

Ich finde es praktisch, mich bei der Gelegenheit gegen Tetanus impfen zu lassen. Da ich oft im Garten arbeite und mich dabei immer wieder in den Dornen der Rose verfange, hatte ich es ohnehin vor. Man händigt mir einen Impf-Ausweis aus, den ich zu Hause, ohne ihn mir genau anzugucken, in eine Schublade lege.

Deutschland sucht den Impfpass“ war der Titel einer Werbe- Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Jahr 2018. Ich habe meinen Ausweis nicht gesucht, ihn aber vor ein paar Wochen beim Aufräumen zufällig gefunden.

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Ein No-Name-Exemplar. Es ist, als bekäme man einen neuen Reisepass ausgehändigt und sollte selber seinen Namen nachtragen. Ich finde, die Arzthelferin hätte sich über Verband und Spritze hinaus die Zeit nehmen müssen, das Deckblatt auszufüllen. Dass man von den Geimpften erwartet, dass sie das selber tun, nennt man dann wohl „Patientenautonomie“. Das leere Deckblatt meines Impfpasses spiegelt eine gewisse Wurschtigkeit wider, ein fahrlässiges Desinteresse, das uns leider heutzutage in vielen Arztpraxen begegnet. Bei der Corona-Impfung wäre das nicht passiert. Da herrscht -insbesondere in Bezug auf die Personenkontrolle- deutsche Gründlichkeit vor.

Aber es kommt noch schlimmer, denn ich schlage den Ausweis auf:

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Ich bin zwar gegen Tetanus geimpft worden, aber nicht nur! Auch gegen Keuchhusten, Kinderlähmung und Diphtherie … Man hat mir, ohne mich zu fragen oder mich zu informieren, vier Impfungen auf- bzw. reingedrückt.  „Das ist Körperverletzung“, sagt ein Anwalt, bei dem ich mich erkundige. Nur ist die Impfung fast fünf Jahre her, und ich war leider so blöd, einem Arzt, den ich nicht kannte, nur deshalb zu vertrauen, weil er Arzt ist. Ich habe wirklich gedacht, dass ich ausschließlich gegen Tetanus geimpft werde, wenn man mir erzählt, dass man mich gegen Tetanus impft. Schön doof. Für den Arzt ist es keine Körperverletzung, sondern Alltag. Außerdem macht er sozusagen „Dienst nach Empfehlung“, denn diese Vierfach -Auffrischimpfung ist eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO).                                                                                                       Im Internet entdecke ich dann tatsächlich einen Beipackzettel von REPEVAX, das auch für Kinder ab drei Jahren empfohlen wird. https://mein.sanofi.de/produkte/REPEVAX Mittlerweile findet man im Netz ja nicht nur Gebrauchsanleitungen für Elektrogeräte oder Anleitungen zum Aufbau von IKEA-Möbeln, sondern auch Beipackzettel von Fertig-Impfspritzen, die man per Rezept u.a. bei DocMorris bestellen kann.  https://www.docmorris.de/repevax-injektsuspiefertigspritze-mi/11241161 Ich lese den REPEVAX-Beipackzettel und kotze fast: „… Darüber hinaus wurden nach Markteinführung von REPEVAX weitere unten aufgeführte Nebenwirkungen in den verschiedenen Altersgruppen, für die der Impfstoff empfohlen wird, beobachtet. Die tatsächliche Häufigkeit kann nicht genau berechnet werden, da dann die spontan erhaltenen Meldungen auf die geschätzte Anzahl geimpfter Personen bezogen werden müsste. Erkrankung der Lymphknoten, allergische/schwerwiegende allergische Reaktion, Krampfanfall, Ohnmachtsanfall, Lähmung von Teilen des Körpers oder des gesamten Körpers (Guillain-BarréSyndrom), Lähmung des Gesichtsnervs, Rückenmarksentzündung, Entzündung der Armnerven (brachiale Neuritis), vorübergehender Gefühlsverlust oder Gefühlsstörung in der Gliedmaße, in die der Impfstoff verabreicht wurde, Schwindel, Schmerz in der Gliedmaße, in die der Impfstoff verabreicht wurde, ausgedehnte Schwellung der Gliedmaße (häufig in Verbindung mit Rötung und manchmal mit Bläschenbildung), allgemeines Krankheitsgefühl, Blässe, Verhärtung im Bereich der Impfstelle, Bauchschmerz.“  (Mein Sanofi, REPEVAX-Beipackzettel, S.5.) Meiner Meinung nach ist es allerhöchste Zeit, die Mediziner zum Maßhalten anzuhalten!                                                                                                                                                           Schon wenn sie auf die Welt kommen, sind heutige Menschen kontaminiert. Vor einiger Zeit untersuchten US-Wissenschaftler das Blut und das Nabelschnurblut von Neugeborenen. „Das Team wies 109 verschiedene Chemikalien sowohl im Blut der Mütter wie ihrer Kinder nach. Von diesen stammen 40 aus Weichmachern, 28 aus Kosmetika, 29 sind Arzneimittel und 25 sind typischerweise in Haushaltsmitteln enthalten. Aber auch 23 verschiedene Pestizide, drei Flammschutzmittel und sieben polyfluorierte Alkylverbindungen waren im Blut auch der Neugeborenen enthalten.“ https://www.focus.de/familie/eltern/kindergesundheit/kleine-studie-109-industriechemikalien-im-blut-neugeborener_id_13101501.html

Vermutlich hätte „mein“ Arzt den Tetanus-Einzelimpfstoff bzw. das Vakzin, wie es der Laie heutzutage hochachtungsvoll nennt, nicht einmal vorrätig gehabt. Wie wir unten sehen, rechnen sich Einzelimpfungen nicht, ebenso wenig wie das aufklärende Gespräch zwischen Arzt und Patient.

Bei kostencheck.de, wo man sich über allerhand Preise informieren kann, unter anderem für Türen und Fenster, aber auch für Baumkletterer und Haushaltshilfen, „von Badsanierung bis Zahnersatz“, wie es auf der Seite heißt, fand ich folgende Kostenaufstellung, die zwar schon veraltet sein dürfte, aber den kleinen alltäglichen Skandal dennoch verdeutlicht:


Art
PrivatzahlerVersicherte der gesetzlichen Krankenversicherung
Tetanus Einzelimpfung2 – 4 EURKostenfrei
Diphtherie, Tetanus (2-fach)4,50 – 5,70kostenfrei
Tetanus, Diphtherie, Polio (3-fach)12,75 – 23,33Kostenfrei
Tetanus, Diphtherie, Polio, Keuchhusten (4-fach)34,60kostenfrei
Müssen Sie die Kosten für die Immunisierung zunächst selbst begleichen, beachten Sie bitte, dass die Preise für die Impfstoffe durch Kostenanpassungen der Hersteller etwas von obigen Angaben abweichen können.

https://kostencheck.de/tetanus-impfung-kosten