Elfchen im Zweiten: Adieu, AHAmpelmann!

An den Schaltern von Commerzbank und Sparkasse KölnBonn kann man weder Briefmarken kaufen noch Päckchen aufgeben. Bei der Postbank ist das anders. Ihre Filialen ähneln, auch wenn die Beratungsräume mit Teppichboden ausgelegt sind, Gemischtwarenläden, und das gefällt mir.

Dass ich mein Postbank-Konto trotz der relativ hohen Gebühren behalte, ist reine Nostalgie. Als es die Postbank noch nicht gab, sondern Postscheck- bzw. Postgiroämter, bot die Post Sparbücher an, die ordentlich verzinst waren und mit denen man sogar in den Postämtern kleiner südfranzösischer Ortschaften ohne Gebühren Francs abheben konnte.

In den frühen 80er Jahren studierten wir Geisteswissenschaften, hatten viel Zeit und reisten am liebsten mit dem Fahrrad. Es war ganz einfach: Irgendwann im Spätsommer, wenn es uns nach Südfrankreich zog, radelten wir zum Kölner Hauptbahnhof, kauften günstige Rückfahrkarten und gaben unsere Fahrräder auf, die weder versichert noch verpackt werden mussten. Ein paar Tage später fuhren wir mit dem Zug den Fahrrädern hinterher. Das war nicht ohne Risiko. Einmal sind die Fahrräder erst drei Tage nach uns im Bahnhof von Lyon angekommen. Aber das war uns egal, denn so lernten wir, bevor wir uns ins Umland aufmachten, Lyon kennen.

Meistens hatten die Fahrräder nach dem Transport ein paar kleinere Kratzer, aber auch das störte uns kaum, denn die Fahrräder waren nicht neu. Meins hatte nicht einmal eine Gangschaltung und taugte kaum für die Berg-Etappen. Weil ich nicht besonders sportlich bin, kam es mir recht. So schob ich das Rad, hatte ein paar Momente für mich und lauschte den Grillen. Wir hatten Zelt und Schlafsäcke dabei und in den Satteltaschen Bücher, die an der Uni nicht gelesen wurden, Werke mit wohlklingenden Titeln: „Die Dialektik der Aufklärung“, „Männerphantasien“ und „Geschichte und Eigensinn“ (je 1,2kg!). Wir waren jung, stark, naiv, verliebt, hatten noch gute Nerven- und Postsparbücher.

Irgendwann wurde nicht nur das klassische Postsparbuch abgeschafft, sondern auch die Möglichkeit, ein Fahrrad preiswert und ohne großen Aufwand nach Frankreich zu verschicken. Vermutlich hat es dermaßen viele Schadensersatz-Forderungen gegeben, dass es sich für die Bahn nicht mehr rentiert hat.

Wie in den Bahnhofs-Gebäuden herrscht auch in den Räumen der Post ein zunehmend ruppiger, unwirscher Ton – sofern es diese Räume noch gibt. Die Deutsche Bank, der die Postbank gehört, hat angekündigt, bis Ende 2023 von derzeit 750 Filialen weitere 200 zu schließen. Vor allem in den Innenstädten greifen die „Sparmaßnahmen“. In Köln sollen in Kürze die Filialen am Kartäuserwall (Südstadt) und am Sudermannplatz (Agnesviertel) dichtmachen. Wie lange die Nippeser Postbank-Filiale erhalten bleibt, ist derzeit unklar, denn auch für die verbleibenden 550 Geschäftsstellen soll es lediglich eine Standortgarantie bis Ende 2024 geben.

Die Nippeser Filiale wird vielleicht deshalb (noch) nicht geschlossen, weil sie mitten in Nippes ideal liegt. Die Räume selber sind nicht mehr zeitgemäß. Um in den Schalterraum zu gelangen, muss man eine Treppe hochsteigen. Dennoch ist die Filiale gut besucht. Vor Weihnachten standen die Leute sogar bis auf die Straße Schlange, nicht nur wegen der Abstandsregeln. Da der Briefmarkenautomat monatelang kaputt war, wurden auch die in die Schlange verbannt, die nur eine Briefmarke brauchten.

Irgendwann wurden Ordnungskräfte eingestellt, die die Einhaltung des Corona-„Sicherheitsabstands“ überwachten. Eine der Ordnungskräfte war ein hektischer junger Mann, der sich verhielt, als sei er staatlich geprüfter „Hüppekästchen“ -Schiedsrichter. Er pfiff alle Leute zurück, die es wagten, die rote Linie bzw. das rote Klebeband auch nur um wenige Zentimeter zu übertreten.

Der kleine hübsche Mann bewegte sich, als zöge eine unsichtbare Hand an einer mit all seinen Gliedern einzeln verbundenen Strippe. Sein Hampeln trug nicht zur Entspannung bei, im Gegenteil. Einmal geriet ich, als ich ein Päckchen aufgeben wollte, mit dem Mann aneinander. Es war Samstagmittag, seit zehn vor eins hatte ich in der Schlange gestanden und war in der Schlange stehend die Treppe hochgestiegen. Um Punkt ein Uhr, genau in dem Moment, als ich an der Reihe gewesen wäre, den Schalterraum zu betreten, schloss die Post. Die Leute, die vor mir waren, kamen noch dran. Sie kamen auch noch raus. Nur ich…

Der Hampelmann stellte sich in den Zugang zum Schalterraum, stemmte die Beine in den Boden und legte die Arme an. Er ließ mich nicht vorbei und verlagerte sein Gewicht mal auf den linken, mal auf den rechten Fuß. Ich konnte nicht anders: Ich nahm ihn vorsichtig bei den Schultern und versuchte, ihn zur Seite zu schieben. Er wehrte sich nicht, sagte nur leise: „Hilfe, Hilfe“. Die Hilfe bekam er. Und was bekam ich (ab)? Das erzähle ich ein andermal…

Aktuell hat sich die Lage entspannt, aber wohl nur, weil Weihnachten vorbei ist und die Leute weniger Briefe und Pakete verschicken. Für die Postbank ist Corona einmal mehr ein Vorwand, die Zahl der Kunden zu reduzieren. Jetzt, in der Karnevalszeit, darf nur eine (!) Person den Schalterraum betreten. Das ist -ich kann es nicht anders sagen- ein Schlag in den Nacken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Post. Denn so nagt der „Schutz vor Corona“ langsam, aber sicher am aktuell noch bis Juni 2023 bestehenden Kündigungsschutz.

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Nachtrag 7. März 2022: Mit einem Sicherheitsabstand von ein paar Tagen ist diese Info, die vermutlich jederzeit spontan eingeblendet werden kann, kurz nach Aschermittwoch wieder ausgetauscht worden. 

In dem Zusammenhang konnte man auch die Sicherheitskräfte entlassen. Dort, wo der Hampelmann stand, wenn er mal stand, steht jetzt mitten im Weg eine Ampel. Doch auch die spielt manchmal verrückt, und auch die wird irgendwann abgeschafft werden. Ob zusammen mit der gesamten Filiale, wissen wir nicht.

Den kleinen hübschen Mann habe ich nicht mehr wiedergesehen, was ich schon ein bisschen bedaure.

Adieu, AHAmpelmann!

Jetzt

ist hier

eine Ampel an,

denn fort ist der

AHAmpelmann

***

Allen, die meinen Blog von außerhalb Deutschlands besuchen, schulde ich eine Erklärung: Was ist AHA?

Wenn sich auch die Hygiene-Regeln weltweit ähneln dürften, ist doch die neckische AHA-Formel typisch deutsch. Plakat des Bundesministeriums für Gesundheit: Mit der AHA-Formel durchs Jahr!

aha

 

„Durchs Jahr“ klingt bedrohlich, hat doch 2022 erst gerade begonnen. Bei der Internet-Recherche stelle ich zu meiner Beruhigung fest, dass das Plakat schon ein Jahr alt ist, und zwar von Januar 2021. Ich will mit AHA nicht durch noch ein Jahr. Und ein „AHAlle Jahre wieder“ wäre entsetzlich.

Wer AHA schon spießig findet, dem sei gesagt: Es geht noch zwangsvergnügter. Ich schätze den Humor der Wiener Stadtverwaltung und insbesondere die Wiener Hundekotsackerl, aber OIDA

„Die Stadt Köln möge allen 2000 Menschen, denen abgelaufener Impfstoff verabreicht wurde, Schmerzensgeld zahlen!“ – Offene Mail der Frau Keuner an Dr. Johannes Nießen, Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Köln

Ich bin gerade dabei, für’n kleines Mittagessen Kartoffelreste in die Pfanne zu schnibbeln, Pommes Sarladaises mit viel Knoblauch und glatter Petersilie, lecker, da klingelt’s.

„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Frau Keuner.

„Tach“, sach ich. „Aber ich hab überhaupt keine Zeit.“

„Aber ich.“ Die Frau Keuner drückt sich samt Gehwagen an mir vorbei ins Haus. „Hömma, Lisa, kennste mich noch? Seitdem ich dir erzählt hab, dass ich geimpft bin, guckst du mich nicht mehr an.“

„Ich halt mich eben an die AHA-Regeln“, sage ich. „Und ich müffel neuerdings nach Knoblauch. Seit Corona…“

„Dat riech ich“, unterbricht mich die Frau Keuner. „Bissken eng hier. Aber wenn du auch stinkst, kannst du mich immer noch angucken.“

„Wissen Sie“, sage ich schnell, „warum die Pommes Sarladaises „Sarladaises“ heißen?“

„Ach, Schätzchen“, sagt die Freu Keuner und singt: „Ich war noch niemals in New York, ich war schon zweimal in Sarlat… Hömma, Lisa, lenk nicht schon wieder ab, ich sach dir, du kannst es dir leisten, nich geimpft zu sein. Du hast ein Reihenhäusken, bissken piefig, aber Eigenheim. Jetzt hast du sogar ein Auto, und dat als Bewohnerin der autofreien Siedlung. Sach mir bloß nich, dat du die alte Kiste vorm Schrottplatz gerettet hast und dat die bei dir ihr Gnadenbrot fristet. Guck nicht so pikiert, dat hast du der Gerda erzählt.“

„Ich kenn keine Gerda.“

„Red keinen Quatsch“, sagt die Frau Keuner. „Mit über 60 kennt jede eine, die Gerda heißt. Aber sag, kennst du eine Anna, eine jüngere mit zwei kleinen Kindern?“ Ich zucke die Achseln.

„Dann hast du der Anna die Story erzählt.“

Bevor ich „nein“ sagen kann, hat die Frau Keuner auch schon den Gehwagen abgestellt und ist -wie auch immer- über Hütehund Freki gestiegen, der quer im Flürchen liegt und den Zugang zum Wohnzimmer versperrt. „Wat seh ich da? Da steht ja immer noch der kaputte Stuhl, den du schon vor drei Monaten auf den Sperrmüll getan hast. Zurückgeholt, wa?“ Ich schieb der Frau Keuner, bevor die den Halt verliert, schnell einen intakten Stuhl hin.

Die Frau Keuner setzt sich, aber stänkert immer noch: „Wie sieht dat denn hier aus, wie kann man in dem Zustand Gäste empfangen?“

„Welche Gäste?“, frage ich leise.

„Nette Leute wie mich“, sagt die Frau Keuner. „Und mach jetzt nicht einen auf einsam und allein. Die Gerda hat mir da wat anderes erzählt. Hömma, Lisa, du kannst dich hier verbuddeln, Silberfischchen füttern, Müll ansammeln, lecker kochen, dich bemitleiden und Wein saufen. Zur Zeit vergammeln viele gute Stuben. Noch musst du dich auch nicht impfen lassen. Meinst du, ich hätte das freiwillig getan? Ich hab von allen Seiten Druck gekriegt. Du kannst es dir leisten, deinen Job zu verlieren, denn du hast keinen. Ist ein echter Luxus, sich die Plörre nicht in den Arm drücken zu lassen.“

„Frau Keuner, ich…“

„Komm mir nicht mit irgendwelchen faulen Ausreden“, sagt die Frau Keuner. „Aber du kannst alles wieder gut machen. Ich hab heute morgen eine Mail an den Kölner Gesundheitsamtsleiter geschickt, an den Dr. Johannes Nießen. Der Nießen ist der, der neben noch zwei Kölnern seit zwei Monaten in Lauterbachs Corona-Expertengremium sitzt. Kölscher Klüngel, dat sach ich dir. Im Internet steht keine Mail-Adresse vom Gesundheitsamt. Ich konnte also meine Mail nur an stadtverwaltung@stadt-koeln.de schicken. Dat kann ich vergessen. Also wirst du meine Mail heute noch auf deinem Blog öffentlich machen. Du setzt dich jetzt an den Rechner. Wenn du den Freki an die Seite schiebst und mir mein Wägelchen bringst, bin ich weg.“

Die Frau Keuner richtet sich langsam auf und hält sich am Tisch fest. „Du kannst dir gerne wat zu essen machen, aber danach machst du dich an die Arbeit. Und wenn ich nachher wiederkomm, dann stoßen wir mit lecker Kölsch auf Omikron an. Omikron ist der Game Changer. Dat haben die nur noch nich begriffen. Wie kann die Stadt Köln denn so blöd sein, jetzt, wo halb Europa schon das Ende von Corona feiert, den Zoch zu stutzen. Hömma, Lisa, der Zoch kütt in diesem Jahr ins Rheinenergie-Stadion. 2G+ und 11,11 € Eintritt.“ Die Frau Keuner schluckt und reibt sich die Augen. „Omikron ist unsere Rettung. Und nachher… Nachher singen wir die schönen neuen Lieder: Mamor, Stein und Impfnadel bricht… Oder kennst du das? Am Sonntag will mein Süßer mit mir boostern gehen… Jetzt guck nicht so bedient. Bis dann, ja?“

***

An dieser Stelle veröffentliche ich die Mail der Frau Keuner. Der Wortlaut ist weitgehend unverändert. Ich habe allerdings, nachdem ich alle Zahlen überprüft und die gewagten Behauptungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft hatte, einige Belege und Links hinzugefügt. Darüberhinaus habe mir erlaubt, ein paar kleine Rechtschreibfehler zu korrigieren. Auch wenn ich die Mail unterstütze, gibt sie doch ausschließlich die Meinung der Frau Keuner wieder. Die beiden RKI-Tabellen, die die Frau Keuner ihrer Mail angehängt hat, habe ich mitsamt Erklärung an passender Stelle eingefügt…

***

Köln, 10.2.2022

Sehr geehrter Herr Dr. Nießen,

gestern bin ich mit einer Nippeser Mitbürgerin ins Gespräch gekommen, die eine Einladung zur vierten Impfung gekriegt hat. Sie gehört zu den über 2000 (!) Menschen, die zwischen dem 26. Dezember 2021 und dem 5. Januar 2022, also an den kurzen Tagen zwischen den langen Rauhnächten, hier in Köln versehentlich mit einem abgelaufenen Impfstoff der Marke Moderna geimpft wurden.

Was passiert ist, haben die Betroffenen -so unglaublich das klingt- erst Tage später nicht persönlich, sondern aus der Presse erfahren: Im gefrorenen Zustand wäre der verabreichte Impfstoff noch bis zum Juni 2022 „haltbar“ gewesen, doch zwecks Verwendung war er aufgetaut worden. Nur hatten die Impf-Dienstleister viel zu viel aufgetaut, denn es waren bei weitem nicht so viele Impfwillige gekommen, wie man gedacht hatte. Was für eine Schlamperei!

Jeder Kölner hat da direkt das beliebte Lied vom Jupp Schmitz im Kopp. Die Geschichte: Einmal im Monat wird in einem Verein Erbsensuppe gekocht. Diesmal ist sie besonders lecker, nur leider hat sich der Wirt vertan und zu viel gekocht. Deshalb schnappt sich der Vereinspräsident das Mikrophon und ruft laut in den Saal:

Es ist noch Suppe da, es ist noch Suppe da… Wer hat noch nicht, wer will noch mal…

Vielleicht war an dem Tag noch Suppe da, weil es Erbsensuppe war, die schmeckt ja aus dem Groß-Bottich irgendwie immer nach Suppenküche. Es geht auch lecker. Herr Dr. Nießen, vielleicht kennen Sie das österreichische Speiselokal Essers im Stadtteil Neuehrenfeld. Dort serviert man an jedem ersten Donnerstag im Monat köstliche Backhendl im Korb, Salat dazu, aber nichts anderes. Das Hendl-Essen ist beliebt. Es ist aber auch sehr lecker! Was ist schon der ostdeutsche Broiler im Vergleich zu einem Steirischen Backhendl? Damit Wirtin Iris planen kann, müssen sich die Gäste Wochen im Voraus anmelden und dabei genau angeben, mit wie vielen Hendl-Essern sie kommen. Man kann dann immer noch absagen. Kommt man aber am Hendl-Tag mit einer Person bzw. Hendl-Esserin weniger als angemeldet, wird das überzählige Hendl berechnet. Man kann es direkt verspeisen oder im Hendl-Sackerl nach Hause mitnehmen. Die Iris vom Essers achtet sehr genau auf Frische und weiß um die Salmonellen-Gefahr. Sie ist nicht nur eine tolle Wirtin und Sommeliere, sondern auch eine gute Geschäftsfrau. Würde sie so schlecht wirtschaften wie die Bundesregierung, könnte sie den Laden dichtmachen.

Wie kann man aber auch so bescheuert sein, über unsere Köpfe hinweg diese gigantischen Mengen Impfstoff zu ordern? „Die Bundesregierung hat seit Beginn der Pandemie insgesamt mehr als 660 Millionen Dosen Corona-Impfstoff bestellt, die bis 2023 ausgeliefert werden sollen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Kathrin Vogler hervor, die dem ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ vorab vorliegt. Darunter sind rund 367 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer, 120 Millionen Dosen von Moderna, aber auch mehrere Millionen Dosen der Impfstoffe Novavax, Valneva und des Herstellers Sanofi. Die bestellten Vakzine haben nach Angaben der Bundesregierung einen Gesamtwert von rund 12,5 Milliarden Euro.“ https://www.tagesschau.de/investigativ/report-mainz/impfdosen-117.html

Was ich nicht verstehe: Warum hat die Bundesregierung nicht für den Fall, dass sich das Corona-Virus abschwächen sollte, mit den Pharmaunternehmen eine Art Rücktrittsversicherung abgeschlossen? Angesichts der harmlosen Variante Omikron müsste die Bundesregierung zum Wohle des Volkes schnellstmöglich von den Bestellungen zurücktreten, was aber offenbar nicht möglich ist, denn laut „den Lieferverträgen ist Deutschland verpflichtet, die gesamte bestellte Menge Impfstoff abzunehmen.“ (tagesschau.de, s.o.) Aber vielleicht will die Bundesregierung nicht zurücktreten, sondern immer und ewig singen:

Es ist noch Impfe da, es ist noch Impfe da, wer hat noch nicht, wer will noch mal…

Es ist wie in diesen fiesen Familien: Der Teller muss leer gegessen werden. Aber den Impfstoff kann man ja nicht essen, da muss jemand kommen, der… Doch wohin jetzt mit den Mengen? Der beste Ort, Impfstoffe zu verknappen, ist der menschliche Körper. Kaum gab es die Impfung, wurde ja mächtig auf die Tube gedrückt bzw. auf den Impfspritzen-Kolben – und hinein damit. „Impfen, was das Zeug hält!“ – das forderte schon Anfang 2021 Karl-Josef Laumann, CDU, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Dnn was sagt der Kölner? „Was fott es, ess fott.“

Es ist noch Impfe da, es ist noch Impfe da, wer hat noch nicht, wer will noch mal…

Doch was mir am meisten stinkt, Herr Dr. Nießen, das ist die Anbiederung der Stadt Köln an die Bürgerinnen und Bürger. Oberbürgermeisterin Henriette Reker wurde im April 2021 gegen Corona geimpft, und zwar mit Moderna, denn Astrazeneca kam für sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in Frage. Das war eigentlich Rechtfertigung genug, doch Frau Reker setzte noch eins drauf: Um ja nicht den Anschein zu erwecken, sie würde sich als was Besseres fühlen und den Kölnern was wegnehmen, ließ sie sich demonstrativ mit einer Restdosis impfen. https://www.t-online.de/region/koeln/news/id_89838366/koeln-henriette-reker-mit-restdosis-gegen-corona-geimpft.html

Ich persönlich nehme ja gerne Reste zu mir, aber nicht öffentlich und auch nur dann, wenn es sich um Nahrungsmittel handelt. Da riechen und schmecken wir meistens, wenn was schlecht und vergammelt ist. Und wenn man was Schlechtes gegessen hat, kann man noch immer versuchen zu kotzen. (Übrigens hätte die Nippeser Betroffene auch fast gekotzt). Bei einem Impfstoff geht das schlecht.

Herr Dr. Nießen, ich erlaube mir, Sie zu zitieren: „Wir schließen eine gesundheitsschädliche Wirkung durch den verabreichten Impfstoff aus. Was die Wirksamkeit angeht, lassen Erfahrungen aus vergleichbaren Fällen den Schluss zu, dass auch nach Verabreichung eines wenige Tage zu lang aufgetauten Impfstoffs ein unverminderter Impfschutz besteht.“ https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/corona-lage-koeln-39

Doch wie können Sie eine gesundheitsschädliche Wirkung durch den Impfstoff, dessen Haltbarkeitsdatum überschritten ist, ausschließen, wo wir doch wissen, dass auch eine Impfung mit „frischem“ Corona-Impfstoff in vielen Fällen gesundheitliche Schäden hervorruft? Außerdem kann niemand die gesundheitsschädliche Langzeit-Wirkung eines abgelaufenen Impfstoffs ausschließen, wo wir nicht einmal wissen, wie ein frisch aufgetauter Corona-Impfstoff langfristig wirkt.

Und diese Kölner „Panne“ ist auch noch zu einer Zeit passiert, als längst klar war, dass die Omikron– Variante zwar ansteckender, aber deutlich harmloser ist. Ich persönlich bin zweifach geimpft, werde mich aber nicht boostern lassen. Liebend gerne würde ich Ihnen Ihre Reste abnehmen, aber nicht diese. Ich hab mir die Statistiken des RKI angeguckt und kann nur sagen, dass man insbesondere älteren Menschen von einer sogenannten „Auffrischimpfung“ -und sei es auch frisch aufgetauter Impfstoff- dringend abraten müsste.

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Wochenbericht/Wochenbericht_2022-02-03.pdf?__blob=publicationFil

Tabelle 3 bezieht sich auf alle Varianten, Tabelle 4 ausschließlich auf Omikron. Man kann nicht nur herauslesen, wie viel harmloser die Omikron-Variante ist, sondern auch, dass die Impfung kaum schützt. Für Omikron gilt: Menschen über 60 sterben, seit Omikron dominant ist, deutlich seltener an Corona, aber Ältere mit Auffrischimpfung sterben sogar häufiger als nur doppelt Geimpfte.

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Aber es werden uns nicht nur abgelaufene Impfdosen als „Auffrischung“ verabreicht, sondern auch „abgelaufene“, d.h. veraltete Informationen als frische Nachrichten serviert. Auf Ärzteblatt.de wurde am 4.2.2022 ein Artikel veröffentlicht, der sich auf Daten vom 4.12.2021 bezieht. So etwas ist nicht nur wissenschaftlich inkorrekt, sondern irreführend. Denn mittlerweile, zwei Monate später, hat Omikron (Gott sei Dank) alles auf den Kopf gestellt.

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/131575/CDC-Geboosterte-sterben-97-Mal-seltener-an-COVID-19?rt=27a1e265edbe7b41181e070a386e17af

Im Zusammenhang mit dem Kölner Skandal erinnere ich mich an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Während die Menschen in der DDR zunächst überhaupt nur aus den West-Medien von dem Unfall erfuhren, wurde eine mögliche Gesundheitsgefahr von den bundesdeutschen Verantwortlichen zunächst heruntergespielt. „Die sowjetischen Behörden vermelden den Unfall erst am 28. April, nachdem Schweden und Finnland stark erhöhte Strahlenwerte gemessen haben. Obwohl wenig über das Ausmaß des Unfalls bekannt wird, gibt sich die Bundesregierung gelassen: In einem Fernsehinterview mit der Tagesschau erklärt Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann (CSU), dass eine Gefährdung der deutschen Bevölkerung „absolut auszuschließen“ sei. Es gebe keinen Anlass zu handeln. Eine Gefahr bestünde nur im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern rund um den Reaktor.https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Tschernobyl-Katastrophe-Wie-Deutschland-reagiert-hat,tschernobyl230.html

Auch damals entstand ein „Entsorgungsproblem“: Wohin mit den verstrahlten Lebensmitteln? „In den Wochen nach dem Unglück gab es in der DDR plötzlich ein reichhaltiges Angebot an Gemüse; es war jenes, das den Ostblocklieferanten vom Westen nicht abgekauft wurde.[112] Da viele Bürger aufgrund der über westliche Radio- und Fernsehprogramme empfangenen Warnungen diese Angebote nicht einkauften, wurde dieses Obst kostenlos in Kindergärten und Schulen verteilt.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Tschernobyl Mit „Rücksicht auf den sozialistischen Bruderstaat“ wurden die gesundheitlichen Gefahren nicht nur heruntergespielt, sondern verleugnet. Die „großzügige“ Beschenkung der Kinder mit vermutlich kontaminierten Lebensmitteln ist verwerflich, eine Propaganda-Maßnahme, die bei mir nur Entsetzen hervorruft. Wahrscheinlich war die Gabe sogar gut gemeint, „denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Gut gemeint ist sicherlich auch die Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren, die man derzeit trotz Omikron immer noch in der Lanxess-Arena anbietet.

Sie, Herr Dr. Nießen, haben ja schon im Dezember lautstark Werbung für die Kinderimpfung gemacht: „Der Start der Kölner Kinder-Impfaktion in der Lanxess Arena ist am Freitag reibungslos verlaufen. Bis einschließlich Dienstag werden dort rund 4000 Dosen des speziell für Kinder dosierten Impfstoffes von Biontech an Fünf- bis Elfjährige verimpft. Johannes Nießen, Leiter des Kölner Gesundheitsamtes, betonte die Wichtigkeit der Aktion: „Die Kinder sind eine große Bevölkerungsgruppe, bei der die Inzidenz deutlich zu hoch ist. Deswegen ist es unheimlich wichtig, mit den Impfungen zu starten, um insgesamt einfach möglichst viele Menschen zu impfen.“https://www.ksta.de/koeln/lanxess-arena-so-verlief-der-start-der-koelner-kinder-impfaktion-39314860?cb=1645033932697&

Nach wie vor gibt es keine allgemeine Empfehlung der STIKO für die Impfung von Kindern dieser Altersgruppe. Kinder mit einem umstrittenen Impfstoff zu impfen, nur weil die Inzidenz unter Kindern „deutlich zu hoch ist“ und „um insgesamt einfach möglichst viele Menschen zu impfen“, finde ich persönlich furchtbar.

Es ist noch Impfe da, es ist noch Impfe da, wer hat noch nicht, wer will noch mal…

Zum Schluss eine dringende Bitte:

Ich habe die Summe, die die Bundesregierung für die Corona-Impfstoffe bezahlt, auf die Impfung aller Kölnerinnen und Kölner (von 0 bis…) umgerechnet. Bei einer Million Einwohnern wären das 156 Millionen Euro, die wir alle bezahlen! Dagegen sind 1 Million Euro ein Witz. Als kleine Entschuldigung möge die Stadt Köln daher allen 2000 Menschen, denen abgelaufener Impfstoff verabreicht wurde, ein Schmerzensgeld von mindestens 500€ zahlen!

Mit herzlichen Grüßen,

Ihre Frau Keuner, Köln-Nippes

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