All you can see

Die wohl schönsten Worte zum Wesen der Farbe stammen von Friedrich Hölderlin: „Wenn der Baum zu welken anfängt, tragen nicht alle seine Blätter die Farbe des Morgenrots?“ (Hyperion)

Man kann Farben mischen, aber nicht neu erfinden. Es gibt auf der Erde nur die Farben, die immer schon da waren. Allerdings kreieren Zeitgenossen ständig neue, immer mehr, immer exotischer klingende Farben-Namen. Die Internetseite eines Raumgestalters listet über 500 Bezeichnungen für Rottöne.

Dank Dauerbeleuchtung ist die Welt heute viel bunter als zu Hölderlins Zeiten. Die Farbe der Dinge, mit denen wir uns umgeben, ist künstlich erzeugt. Die Hose, die ich trage, ist gefärbt. Die Wand, auf die ich schaue, angestrichen. Jeder von uns besitzt unzählige bunt gemusterte Dinge. Die Dinge erzählen Geschichten, jedes Ding eine andere. Es sind viel zu viele. Ihre Farben beißen sich, wir bemerken es nur nicht.

Medien und Internet beballern uns mit kreischend bunten Bildern. Wir können nicht anders: Wir starren hin, aber gleichzeitig versuchen wir, uns die Bilder vom Leibe zu halten. Doch leiblos verlieren wir das Gespür für das Wesen der Farbe. All you can see macht farbenblind: Die welkenden Blätter verblassen, noch bevor sie vom Baum fallen.

Wissenschaftlich betrachtet haben die Dinge gar keine Farbe. Wir dichten sie ihnen nur an. Farbe ist demnach nichts weiter als ein Sinneseindruck, der im Zusammenspiel von Licht, Auge und Gehirn entsteht.

Die wissenschaftliche Betrachtungsweise liegt dem Pfau, der mit der schönsten Federnfarbenschau ums Weibchen wirbt, der Schöpfung sei Dank fern.

 

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Der Mensch treibt es zu bunt, meint dieser kölsche Hund.

„Warte, warte nur ein Weilchen…“

In der westlichen Welt wird so viel Fleisch gefressen wie nie, aber es gibt nach wie vor Nahrungstabus. Mitteleuropäer schrecken immer noch davor zurück, Maden oder Schlangen zu essen.

Wenig zimperlich hingegen sind wir beim Verspeisen von Rindern, Schweinen, Hühnern und Schafen. Fleischfresser ekeln sich allenfalls vor dem Verzehr von Knorpel und Innereien. Doch was Verwurschtelung, Verpackung und Vermarktung essbarer Fleischteile angeht, sind der menschlichen Phantasie offenbar keinerlei Grenzen gesetzt.

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Das gehört in Feldrucksäcke und Survival-Bags: Bio-Räucherfleischchips

Diese Chips-Pyramide aus Dosen mit garantiert nitritpökelsalzfreien Bio-Fleisch-Chips habe ich kürzlich im Nippeser Alnatura entdeckt: Irrwitzig!

Mich erinnern die frittierten Fleisch-Scheibchen an das gleichfalls in Scheiben geschnittene, keimfrei plastinierte Menschenfleisch in der Körperwelten-Ausstellung des skrupellosen Nihilisten Gunther von Hagens. Der Unterschied: Die Plastinate sind zwar unendlich haltbar, aber zum Verzehr nicht geeignet.