Elfje im Vierten: Nichtsdestotrotz

Seit dreieinhalb Jahren veröffentliche ich einmal im Monat ein „Elfchen des Monats“. Aber was sind eigentlich „Elfchen“?

Elfchen sind kleine Gedichte, die aus nur elf Wörtern bestehen, die sich auf fünf Zeilen verteilen. Die erste Zeile eines Elfchens enthält nur ein Wort, die zweite zwei Wörter, die dritte drei, die vierte vier. Die letzte Zeile besteht wie die erste aus nur einem einzigen Wort. Elfchen können gereimt sein, müssen es aber nicht. Das Elfchen ist eines der kleinsten nur vorstellbaren Gedichte.

Ursprünglich stammen Elfchen aus den Niederlanden. Das Elfchen „wurde in den 1980er Jahren im Amsterdamer Taaldrukwerkplaats erstmals in den Niederlanden eingeführt. 1988 wurde es auf einem Workshop zu kreativem Schreiben in Aachen von dem niederländischen Theaterwissenschaftler und Schriftsteller Jos von Hest vorgestellt und deutschsprachigen Pädagogen bekannt gemacht.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Elfchen

So kam das Elfchen, das ursprünglich „Elfje“ heißt, über die deutsche Grenze. Ich bin ihm begegnet, als unsere Kinder, die 2002 und 2005 eingeschult wurden, in der zweiten oder dritten Klasse waren. Sie sollten Elfchen schreiben und hatten Spaß dabei. Überhaupt war das Lesen- und Schreibenlernen spielerisch, was einige Kinder überfordert hat, den meisten aber entgegen kam.

Reformpädagogische Ansätze, die im Zusammenhang mit der 68er- und der Alternativbewegung aufgegriffen und weiterentwickelt wurden, haben die deutschen Grundschulen -zumindest was die ersten beiden Schuljahre betrifft- grundlegend verändert. Die Kinder lernen voneinander und miteinander, Schule kann Spaß machen. Leider werden die spielerischen und kooperativen Ansätze zurückgedrängt, wenn in der dritten Klasse der „Lernstand erhoben“ wird und jedes einzelne Kind Vergleichsarbeiten („VERA“) in den Fächern Deutsch und Mathematik schreiben muss. Was auf diese Weise gefördert wird, ist nicht das Kind, sondern ein an der Erwachsenengesellschaft orientiertes Konkurrenzdenken. Das Leistungsdenken wird noch verschärft, wenn in der Jahrgangsstufe 3 etwa zeitgleich mit „VERA“ die „Empfehlungen“ für die weiterführende Schule ausgegeben werden. Fortan lernen die Kinder nicht mehr aus Freude, sondern aus Angst.

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„FOSCHABUCH“ (Forscherbuch) mit Radierspuren und Eselsohr aus dem Jahr 2005. Kinder, die nach Gehör Schreiben lernen, fangen schon nach wenigen Wochen zu schreiben an. Wir versüßten unserer Tochter Carla (damals sechs Jahre alt und Erstklässlerin) einen Sonntagsausflug ins Bergische Land, indem wir ein paar lose Blätter zu einem Notizbuch zusammenhefteten. In „CARLASFOSCHABUCH“ trug Carla auf der Rückfahrt, als die Eindrücke noch frisch waren, ihre Natur-Beobachtungen ein.                                                                                                                                          Die Klassenlehrerin hat sich stets davor gehütet, die „Fehler“ der Kinder zu korrigieren, die ja keine Fehler sind und irgendwann -wie Halsschmerzen- von selber verschwinden.  Dennoch wurden wir Eltern der I-Dötzchen momentweise unruhig: Wird unser Kind jemals schreiben können? Es wird, es hat schon begonnen. Wir Eltern erlebten das kleine alltägliche Wunder der Selbstregulierung.

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Übersetzung… WIHABN AFDERWISEINREGSEN bedeutet: „Wir haben auf der Wiese ein Reh gesehen.“ WIEHABN ANENASChÄCGSEN bedeutet: „Wir haben eine Nacktschnecke gesehen.“

Eieieieiei…

Erwachsene, die Elfchen schreiben, spüren dabei eine kindliche Freude. Elfchen sind einfach, können aber auch große Kunst sein. Elfchen sind mal tiefgründig, mal heiter – so wie unten stehendes Elfchen, meine Liebeserklärung an die Leckerei Rührei.

Doch wie kommt das Schreiben in Fluss, wie setzt sich ein Elfchen in Bewegung? Nun, mein kleines Rührei-Elfchen kommt dadurch in Bewegung, dass ich den Buchstaben R durch das L austausche. Gleichzeitig stelle ich mir vor, wie ich Butter in der Pfanne zerlasse und den nur mit einem Schuss Wasser verquirlten, leicht gesalzenen Eierbrei dazu gebe…

Kalt

gestelltel velquilltel

Eielblei fühlt sich

kühl an. O Leckelei

Lühlei!

Eieieieiei…

Kurz vor Ostern lege ich „wie immer“ Eier scharf ein und komme dabei ins Grübeln: Anders als Kartoffeln lassen sich Eier nicht schälen. Damit man sie überhaupt pellen kann, müssen Eier gekocht sein. Aber ist ein „hartgekochtes“ Ei wirklich hart?

Um meinen Zweifeln Ausdruck zu verleihen, schreibe ich ein Elfchen. Doch während ich das tue, setzt sich ein eckig-hartes Wort mitten in die erste Zeile: „Nichtsdestotrotz“. Ich kriege das Wort nicht weg. „Nichtsdestotrotz“ trotzt wie Ottos Mops im gleichnamigen berühmten Gedicht von Ernst Jandl. Dabei ist das Wort „Nichtsdestotrotz“ dermaßen bekloppt, dass man meinen könnte, es handele sich um eine Karikatur der deutschen Amtssprache. Und siehe da…

Wieder einmal klärt mich Wikipedia auf: „Das Wort entstand in der Studentensprache als scherzhaftes Kofferwort, indem die beiden gleichbedeutenden Wörter ,nichtsdestoweniger‘ und ,trotzdem‘ zu einem verschmolzen wurden… Obwohl ‚nichtsdestotrotz‘ ursprünglich keine ernsthafte Wortbildung war, hat das Wort sich inzwischen in der Standardsprache etabliert.https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtsdestotrotz

Weil mir das gefällt, lade ich das Wort „Nichtsdestotrotz“ nicht aus, sondern herzlich dazu ein, in meinem Elfchen die erste Zeile zu sein.

Nichtsdestotrotz

bleiben Eier

hart gekocht immer

noch weich, lecker weich…

Och!

Eieieieiei…

An Ostern haben meine Töchter Weltschmerz. Aus dem Mund der älteren kommt ein Satz, den schon die jungen Frauen meiner Generation gesagt haben: „Kann man in diese Welt noch Kinder setzen?“

Darauf gibt es nur eine Antwort: „Sollen wir das Kinderkriegen weiterhin den Doofen überlassen?“ Das ist ein bisschen übertrieben. Ich bin ja selber keine Doofe und habe Kinder gekriegt, was natürlich auch am „richtigen Mann“ lag, aber die mir allerliebsten Frauen meiner Generation haben keine Kinder. Und wenn ich neben „meinen“ Menschen, die schon gestorben sind, irgendwelche Menschen vermisse, dann sind das diese nie geborenen Kinder.

In diesen traurigen, noch viel trauriger gewordenen Zeiten habe ich manchmal einen Liedanfang im Kopf: „Wir müssen vor Hoffnung verrückt sein, Marie, du Dickmadonne, dass wir dich warfen in diese Welt… “ Der Schöpfer dieser schönen Zeilen aus dem Jahr 1982 ist Wolf Biermann, der uns gezeigt hat, wie ausdrucksstark die deutsche Sprache ist und dass man auch auf deutsch nichtsdestotrotz lebenspralle politische Chansons komponieren kann.

Vögel singen, damit andere Vögel sie hören. Aber sie lieben es auch, sich selber singen zu hören, was ich hier in der autofreien Siedlung, wo kein Autolärm stört, Tag für Tag wahrnehme. Kinder singen uns Erwachsenen gerne was vor, und sie genießen es, sich selber dabei zuzuhören. Noch ohne alle Eitelkeit -denn kleine Kinder sind so wenig eitel wie die Amseln- ergötzen sich die Kinder daran, Laute und Melodien erzeugen zu können. Allein dafür macht es Sinn, aus dem Ei geschlüpft bzw. geboren worden zu sein.

Ein kleines Mädchen, ein meisje, das großen Spaß an sich selber hatte und munter brabbelnd und lallend gesungen hat, bevor sie überhaupt sprechen konnte, das ist Marie, Tochter von Tine Raben und Wolf Biermann.

Nä, wat is dat schön! Frühlingserwachen aus dem Alptraum IMPFPFLICHT

Es wird in Deutschland keine allgemeine Corona-Impfpflicht geben!

Weder der Gesetzentwurf von AMPEL-Abgeordneten für eine Impfpflicht ab 60 noch der Entwurf der UNION, der unter anderem den Aufbau eines zentralen Impfregisters vorsah, erhielt am 7.4.2022 im Bundestag eine Mehrheit. Da auch Masken- und Testpflicht weitgehend zurückgenommen wurden, fühle ich mich aktuell relativ sicher vor weiteren Angriffen auf meine leibliche Unversehrtheit, auf meine Würde und mein Glücksempfinden. Wir Ungeimpften sind noch einmal davongekommen.

Nach wochenlangem Gefeilsche und Geschachere sollten laut Gesetzentwurf einer Gruppe aus den Reihen der AMPEL „nur noch“ Menschen über 60 zur Impfung verpflichtet werden. Dieser vermeintlich kleinste gemeinsame Nenner war ein Lockangebot an die CDU/CSU, deren Mitglieder die AMPEL-Gruppe brauchte, um die allgemeine Impfpflicht überhaupt noch in irgendeiner Form durchdrücken zu können.

Vielleicht hatte man nach Griechenland geschielt, wo am 16.1.2022 eine Impfpflicht für Menschen über 60 in Kraft getreten ist. Im Falle der Verweigerung einer Impfung mussten ältere Griechen im Monat Januar 50 € und seit Februar monatlich 100 € Strafe bezahlen. Diese Strafzahlungen sind zwar aktuell ausgesetzt worden, könnten aber im Herbst wieder aktiviert werden. https://taz.de/Senioren-Impfpflicht-in-Griechenland/!5843964/ (Kleine Anmerkung zum Begriff „Senioren-Impfpflicht“, der im ansonsten guten und informativen TAZ-Artikel durchgehend verwendet wird: Im Zusammenhang mit der Corona-Impfung wirkt der Zusatz „Senioren“ verharmlosend und beschönigend. Es klingt, als sei die „Senioren-Impflicht“ eine staatliche Zuwendung, heiter-neckisch nach dem Motto: Erst kam die Senioren-BahnCard – Jetzt kommt die Senioren-Impfpflicht. „Alten-Impfpflicht“ zu sagen, wäre korrekt, das brächte die Eiseskälte der staatlichen Hygienemaßnahme auch sprachlich auf den Punkt.)

Für jüngere Menschen mag eine Impfpflicht „über 60“ wie eine Entschärfung klingen, aber für mich naturgemäß nicht, denn ich bin 63 und gehöre allein deshalb auch laut RKI zu den „vulnerablen Gruppen“. Als wäre Älterwerden nicht schon beschissen genug, sollten ausgerechnet die Älteren zu einer Impfung verpflichtet werden, die sich längst als medizinischer Flop entpuppt hat. Zudem stellt schon der Wunsch nach einer Alten-Impfpflicht uns ungeimpfte Ältere unter den unausgesprochenen Generalverdacht, dass wir durch unser „Trotzverhalten“ (Ranga Yogeshwar) gegenüber der Impfung eine „Überlastung des Gesundheitssystems“ lächelnd in Kauf nehmen.

(Was Ranga Yogeshwar betrifft, möchte und muss ich mich korrigieren. Den Ausdruck „Trotzverhalten“ habe ich aus seinem Mund nicht gehört, aber den in diesem Zusammenhang pseudowissenschaftlichen Begriff „Trotzreaktion“. Mit oberlehrerhafter Attitüde begründete Yogeshwar in der ZDF-Talkshow Maybritt Illner am 13.1.2022, warum er ein „Skeptiker der Impflicht“ ist: „Das Ziel muss sein, dass sich die Menschen impfen lassen, aber durch eine Pflicht erzeugen wir so etwas wie eine Trotzreaktion.“ https://www.zdf.de/nachrichten/video/politik-illner-yogeshwar-corona-impfpflicht-100.html)

Die Wahrheit ist: Unter den Ungeimpften -auch den älteren- gibt es viele, die das Gesundheitssystem kaum oder gar nicht belasten, weil sie nur selten zum Arzt gehen und Krankheiten -solange das geht- mit Hausmitteln auskurieren. Ich zum Beispiel habe (immer noch) keine schweren chronischen Krankheiten und schlucke daher auch keine harten Medikamente. Die Pharma-Industrie verdient kaum etwas an mir. Meine Skepsis gegenüber Medikamenten beschert(e) mir -so denke ich- ein verlässlich arbeitendes Immunsystem. So gerne es manche hätten: Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit Corona auf die Intensivstation komme und das Gesundheitssystem belaste, ist äußerst gering.

Die Grippe hatte ich noch nie, und In den zwei Corona-Jahren hatte ich nicht einmal einen Schnupfen. Mein verzweifelter, tragikomisch anmutender Versuch, mich bei meiner Tochter, die im Sommer „Delta“ hatte, anzustecken, misslang. Ich war damals enttäuscht, denn ich wollte das Genesenen-G. Die Gesundheitsbürokratie stellt aber nur der Person einen Genesenennachweis aus, die einen positiven PCR-Test vorweisen kann. Meine Immunität, die durch eine persönliche Erfahrung bewiesen und durch ein zeitgleiches negatives Testergebnis gesundheitsamtlich belegt ist, wird amtlich dennoch nicht anerkannt.

Mit 63 bin ich 20 Jahre älter als ein 43 Jahre alter Mensch, aber genauso viele Jahre jünger als der 83jährige. Richtig alt bin ich noch nicht, aber meine leise knirschenden Knie erweisen sich allmählich als nur bedingt Reihenhaus- tauglich. Mehr als noch vor zwanzig Jahren habe ich eine Ahnung davon, wie sich „alt“ anfühlt. Ich kann nicht mehr rennen, allenfalls traben. Daher traue ich mich kaum noch, etwa auf Höhe von Alnatura die ampelarme Neusser Straße zu überqueren. Noch kann ich mich wehren, doch eher verbal. Hochbetagte, schwer Kranke und Gebrechliche können sich, wenn man sie angreift, meistens gar nicht mehr wehren. Das dürfen sie aber auch nicht, denn sie sind in aller Regel auf die Hilfe anderer angewiesen.

Die sehr alten Menschen in den Pflegeeinrichtungen sind neben den Kindern die Hauptleidtragenden einer meines Erachtens inhumanen Corona-Politik. Selbst die Menschen, die doppelt geimpft waren, hat man in Sicherheitsverwahrung genommen und monatelang so behandelt, als stellten sie eine Gefährdung für sich und andere dar. In einer Erklärung von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann vom 12.6.2021 liest sich das so:

„Gerade die Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen und ihre Angehörigen haben besonders unter den Kontaktbeschränkungen in der Pandemie gelitten. Es ist nicht akzeptabel, wenn Bewohnerinnen und Bewohner, die nicht infiziert sind und bereits über einen vollständigen Impfschutz verfügen, in Einzelzimmer-Quarantäne müssen. Das ist nicht nachvollziehbar und widerspricht der geltenden Rechtslage. Ich möchte, dass diese Menschen ihre geliebten Angehörigen jederzeit sehen können. Mit den Impfungen erhalten die Menschen in den Pflegeeinrichtungen auch ihre Freiheit und Selbstbestimmung zurück.“ https://www.land.nrw/pressemitteilung/corona-pandemie-freiheiten-fuer-bewohnerinnen-und-bewohner-der-stationaeren

Wenn Laumann Anfang des Jahres 2021, als die alten Menschen in den Heimen reihenweise doppelt geimpft wurden, diese Erklärung abgegeben hätte, wäre das in Ordnung gewesen. So aber kam sie Monate zu spät und war daher nichts weiter als ein gönnerhaftes Gesülze, das lediglich der Selbstbeweihräucherung dient. Der letzte Satz ist eine hohle Behauptung, denn mit den Impfungen hatten die Menschen keinesfalls „ihre Freiheit und Selbstbestimmung“ zurück. Sie mussten, auch wenn sie doppelt geimpft waren, im Falle eines „Corona-Ausbruchs“ unmittelbar in Einzelzimmer-Quarantäne. Gemeinschafts-Aktivitäten wie z.B. Singkreise oder Spielnachmittage fanden ebensowenig statt wie gemeinsame Mahlzeiten. Warum hat sich Laumann nie bei den Menschen entschuldigt?

Doch warum ähneln die Altenheime ein Jahr später immer noch Hochsicherheitstrakten? Warum erlässt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen am 1. April 2022 (kein Aprilscherz!) eine 13 (!) PDF-Seiten lange Allgemeinverfügung über „Besondere Schutzmaßnahmen vor Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus in Einrichtungen der Pflege, der Eingliederungshilfe und der Sozialhilfe.“? https://www.mags.nrw/sites/default/files/asset/document/220401_coronaaveinrichtungen.pdf

Während die allgemeine Impfpflicht im Bundestag abgelehnt wurde, gilt für die Bewohnerinnen und Bewohner der Altenheime längst eine indirekte Impfpflicht. „… 5.1. Vor der Aufnahme neuer Bewohnerinnen oder Bewohner ist von den Einrichtungen darauf
hinzuwirken, dass ihnen ein Impfangebot gemacht wird. Ist dies vor der Aufnahme nicht
möglich, so muss es umgehend nach der Aufnahme nachgeholt werden.“
(PDF MAGS, s.o.) Selbst dann, wenn sie doppelt geimpft und geboostert sind, stehen die alten Menschen auch heute noch unter permanenter, zermürbend bedrohlicher Corona-Aufsicht.

Und warum verpflichtet man ausgerechnet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegebereich zur ohnehin fragwürdigen Corona-Impfung? Wir wissen doch, wie wichtig körperliche Nähe ist, gerade auch für alte Menschen. In der Regel sind es die Ungeimpften, die das Virus nicht dämonisieren und keine übertriebene Berührungsscheu haben. Und eben diese Menschen sind es, die den alten Menschen Mut machen und Zuversicht spenden. Die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“, ein Angriff auf die Würde, das Glücksempfinden und die Lebensfreude, müsste schnellstmöglich aufgehoben werden!

Die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, weitgehend geimpft und geboostert, also fein raus, haben am 7.4. 2022 ohne Fraktionszwang abgestimmt, individuell, allein „nach Wissen und Gewissen“. Eine Anmaßung, wie ich finde, denn betroffen sind nicht die durchgeimpften Abgeordneten, betroffen bin ich. Was ist mit meinem Gewissen? Bin ich unwissend oder gar gewissenlos, weil ich ungeimpft bin?

Wäre es zur Alten -Pflichtimpfung gekommen, hätte ich mir von Karrieristinnen und Karrieristen, die in viel zu großer Zahl steuerfinanziert und bestens situiert im Bundestag sitzen, die Corona-Impfung vorschreiben lassen müssen, etwa von SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert. Kühnert, halb so alt wie ich, ist ein stets bildschirmschön gestylter, ambitioniert frisierter Polit-Shooting-Star, der nach einem abgebrochenen Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaft vier Jahre lang im Callcenter von MyToys.de gearbeitet und dort sein Wissen (und Gewissen!) erworben hat.

Doch seit Omikron wächst auch unter den geimpften Mitbürgerinnen und Mitbürger die Skepsis, was die Corona-Politik betrifft. Schon vor der Entscheidung im Bundestag -die Spatzen pfiffen es von den Dächern- befürworteten immer weniger Menschen eine allgemeine Impfpflicht.

Am Tag nach der Entscheidung, die Stimme des Volkes:

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Diese Grafik habe ich am Tag nach der Abstimmung, Freitag, 8.4.2022, von web.de abfotografiert.                                          In Paragraph 5 des Grundgesetzes heißt es: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.“ Ja, wir haben Meinungsfreiheit, aber unsere Meinung hat keinerlei politisches Gewicht. Sie interessiert nur diejenigen, die gewählt werden oder/und uns etwas verkaufen wollen. Als Mitglieder von Zielgruppen werden wir permanent unserer eigenen Meinung beraubt, ohne dass wir es spüren. Wie leicht man Meinungen manipulieren kann, weiß die Werbebranche, die so boomt wie noch nie. Nur scheinbar fragt man nach unserer Meinung. In Wirklichkeit horcht man uns aus, zapft uns an, legt uns Meinungen in den Mund. Zu vorgefertigten Aussagen können wir nur noch JA oder NEIN  anklicken und manchmal eine Nicht-Meinung wie KEINE AHNUNG.

Dadurch dass man die Impfpflicht zur Abstimmung im Bundestag freigab, wurde ein Eingriff von großer Tragweite banalisiert. Schlimmer noch: Man verlieh den „Volksvertreterinnen“ und „Volksvertretern“ Macht über mein, über unser Leben!

Entsetzt bin ich über die Politik der GRÜNEN, die ich seit Jahrzehnten wähle, auch weil die GRÜNEN den „Klimawandel“ schon früh realisiert und nie geleugnet haben, dass er menschenverursacht ist. Jetzt habe ich politischen Liebeskummer: Bis auf sechs Menschen haben alle Abgeordneten der GRÜNEN, die sich fast alle an der Abstimmung beteiligt haben, gehorsam für den Antrag der Gruppe um Janosch Dahmen und Heike Baehrens (Impfpflicht ab 60, Ende offen) gestimmt.

Auch die Kölner Kandidatin Katharina Dröge, die ich aus alter GRÜNEN-Treue bei der Bundestagswahl 2021 gewählt habe (Wahlkreis Köln III, Stadtbezirke Ehrenfeld, Nippes und Chorweiler), gab der Gruppe um den gesundheitspolitischen Sprecher der GRÜNEN, Janosch Dahmen, ihr Ja-Wort. Frau Dröge ist in Münster geboren. Den Kölnern sei gesagt: das westfälische Wort „dröge“ bedeutet das Gleiche wie das kölsche Wort „drüsch“ = „trocken“, „langweilig“, „leidenschaftslos“. Ob Frau Dröge wirklich drüsch ist, weiß ich allerdings nicht.

Was gegen Liebeskummer helfen kann: Sich ebenfalls trennen, realisieren, dass die Trennung überfällig war. Bei der NRW-Landtagswahl am 15.5. werde ich nicht mehr die GRÜNEN wählen. Und wenn die leidenschaftliche Sahra Wagenknecht auch nicht für den Landtag in Nordrhein-Westfalen kandidiert, ist meine Wahl dennoch eindeutig.

Ein Tipp zur Abstimmung über die Impfpflicht: Man kann das genaue Abstimmungsergebnis auf der Internet-Seite des Bundestags nachlesen: https://www.bundestag.de/parlament/plenum/abstimmung/abstimmung?id=767

Von Seiten der Bundesregierung wurde die Abstimmung über die Impfpflicht zu einer Art Chefsache erklärt. Bundeskanzler Olaf Scholz beorderte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock, die in Brüssel an NATO-Beratungen über den Ukraine-Krieg teilnahm, eigens nach Berlin zurück, damit sie pflichtgemäß (und hochsymbolisch!) ihr Ja-Wort zur Impfpflicht abgeben konnte.

Wie kann die GRÜNEN-Politikerin Annalena Baerbock so wenig Gespür für Natur haben, dass sie noch in der harmlosen Omikron– Variante den Feind wittert, der mit einer Impfpflicht bekämpft werden muss?

Nun geht es in der Bundespolitik wohl kaum um Gespür, allenfalls um Kalkül. Dabei berührt die Abstimmung über eine Impfpflicht Grundfragen unserer Existenz: Leben und Tod, Gesundheit, Krankheit, Heilung, Glaube, Liebe, Hoffnung… Ich persönlich finde die Tatsache, dass über eine massive Verletzung der leiblichen Autonomie und der menschlichen Würde per Stimmzettel abgestimmt wird, ethisch verwerflich. Pragmatisch, so als handele es sich um die Freigabe eines Autobahnabschnitts.

Ich denke, Annalena Baerbock weiß, dass Omikron weniger gefährlich und eine Impfung nicht mehr gerechtfertigt st, denn sie ist intelligent. Nur passt Skepsis nicht ins Konzept bzw. den Koalitionsvertrag. Dass Omikron relativ harmlos ist und die Impfung offensichtlich ein Flop, stellt nämlich die gesamte Gesundheits- und Forschungspolitik unserer Bundesregierung in Frage.

Ein Beitrag auf der Internet-Nachrichten-Seite des VDI (Verein deutscher Ingenieure) brachte es Ende 2021 auf den Punkt: „Die künftige Regierung übernimmt das Ruder in einer Zeit, in der das Coronavirus weniger denn je im Griff zu sein scheint. Die Pandemie zu besiegen, sei vordringlichste Aufgabe, heißt es deshalb im Koalitionsvertrag... Der Kampf gegen Corona wird vornehmlich Aufgabe der SPD sein, die das Ressort Gesundheit übernehmen wird. In der Krise sieht die Koalition aber auch die Chance, Deutschland zum weltweit führenden Biotech-Standort zu machen. Die Entwicklung des ersten mRNA-Impfstoffs habe das Potenzial deutscher Forschung sichtbar gemacht.https://www.vdi-nachrichten.com/wirtschaft/politik/koalitionsvertrag-die-reaktionen-der-branchen/

„Wir haben Lust auf Neues“, steht laut VDI im Koalitionsvertrag. Ein hübscher, aber leider verharmlosender Satz, vermutlich aus der „Feder“ von Werbetextern, die an anderer Stelle Texte und Bilder für die neuen Kollektionen der Modeanbieter kreieren. Nun, ich habe auch „Lust auf Neues“, auf neue Schuhe zum Beispiel. Emanuel Macron hat, wie wir wissen, auch „Lust auf Neues“, zum Beispiel auf neue AKWs. Wenn Machthaber sie verspüren, kann „Lust auf Neues“ gefährlich werden, insbesondere in den Bereichen Atomkraft, Rüstung und Biotechnologie.

Ein allgemeine Impfpflicht hätte es deutlich erleichtert, die „Erfolgsgeschichte“ rundum das Unternehmen Biontech weiter zu spinnen, denn Biontech ist abhängig von den Einnahmen durch den Impfstoff. „Da sich BioNTechs Krebs-Therapeutika allerdings noch in Studienphasen befinden, ist das Unternehmen bis auf Weiteres auf Impfstoff-Einnahmen angewiesen. Diese wiederum hängen in hohem Maße vom Fortgang der Pandemie, einer möglichen Impfpflicht in manchen Ländern und den Entwicklungen konkurrierender Hersteller wie ModernaValneva oder Novavax ab.https://www.boerse.de/geldanlage/BioNTech-Aktie-Kennt-die-Mainzer-Erfolgsgeschichte-eine-Fortsetzung-von-Miss-boersede/33680711

Angesichts der Abschwächung des Virus, der mangelhaften Wirksamkeit der Impfung und der ernstzunehmenden Nebenwirkungen ist ein weiterer Kniefall der Politik vor dem Unternehmen Biontech, wie wir ihn hier in Köln hautnah miterleben mussten, kaum noch vorstellbar. (Vgl.: https://stellwerk60.com/2021/12/28/wie-suess-oezlem-tuereci-biontech-malt-ein-kleines-herzchen-in-das-goldene-buch-der-stadt-koeln-gedanken-zum-fest-der-unschuldigen-kinder/) Dennoch wird die Corona-Politik von Merkel & Co fortgesetzt, wird munter weiter Impfstoff eingekauft und werden nach wie vor gesunde 5-12jährige Kinder geimpft.

Dass die Impfpflicht nicht mehr droht, haben wir nicht der politischen Einsicht, sondern einer politischen Dummheit zu verdanken. Warum konnten die Abgeordneten von GRÜNEN und SPD, nachdem der Antrag aus den eigenen Reihen abgelehnt worden war, nicht dem Antrag der Union zustimmen? So hätte man sich -was die Impfpflicht betrifft- alle Türen offen halten können!

Stattdessen misstraut man sich. Derzeit bekriegen sich die Parteien, wie man es schon lange nicht mehr erlebt hat. Köpfe rollen, etwa der von Familienministerin Anne Spiegel, oder sollen rollen. https://www.tagesschau.de/eilmeldung/anne-spiegel-ruecktritt-101.html Warum wird in einer Zeit, da die Kriegspolitik von Olaf Scholz (SPD) unbedingt kritisch hinterfragt werden müsste, in alten Akten gewühlt, warum hat die Süddeutsche Zeitung Dokumente ausgegraben, die die Vermutung nahe legen, dass der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) in den 50er Jahren die SPD hat bespitzeln lassen? https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/deutschlands-watergate-wie-adenauer-die-spd-ausspionieren-liess-e506616/?reduced=true

Eben jener Konrad Adenauer hat einmal einen Satz gesagt, der oft zitiert wurde und wunderbar auf die derzeitige Situation passt: „In der Politik geht es nicht darum, recht zu haben, sondern recht zu behalten!“

Zurück zur Impfpflicht… Ich finde es immer wieder höchst erstaunlich, dass es noch Kinderärztinnen und Kinderärzte gibt, die nicht jede von der STIKO empfohlene Impfung für jedes einzelne Kind empfehlen und Impfungen grundsätzlich mit den Eltern absprechen. Das ist riskant, denn Kinderarztpraxen sind alles andere als Goldgruben, und gerade mit den Mehrfach-Impfungen lässt sich viel Geld verdienen. Einer dieser mutigen Ärzte ist Dr. med. Steffen Rabe, Sprecher des Vereins „Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung“.

Steffen Rabe ist ein glänzender Autor und scharfsinniger Beobachter der Corona-Politik. Dass er auch künstlerisch begabt ist, wusste ich bis vor kurzem, als ich unten stehendes Video entdeckte, noch nicht.