Ich kaufe, also bin ich

Für Gerhild, die heute Geburtstag hat.

Beste Freundin und Verbündete seit Kindergartentagen, Wahlhamburgerin, Demokratin, Naturfreundin und Kämpferin

 

Beim morgendlichen Spaziergang mit unserem Hund fand ich heute eine knallrote Stofftasche von DM. Laut DM-Internetseite heißt die Farbe allerdings nicht „rot“, sondern „fuchsia purple“, was auch immer das bedeuten soll. Die Tasche lag im kleinen Siedlungspark unter einer der beiden Tischtennisplatten. Irgend jemand hatte sie weggeworfen. Wenn Menschen sich nicht einmal die Mühe machen, die Dinge, die sie nicht mehr haben wollen, in einen Abfalleimer zu tun, hat das vielleicht folgenden Grund: Die Menschen fühlen sich in der Schönen Neuen Wellness-Welt nicht mehr ernst genommen.

Auf dem Trageband der Tasche steht folgender Spruch: „HIER BIN ICH MENSCH… HIER KAUF ICH EIN“. Ich persönlich kaufe gerne bei DM (das zweideutige Kürzel stammt noch aus D-Mark-Zeiten), denn es gibt dort Praktisches und Nützliches, aber auch Schönes und Leckeres in guter Qualität, wie z.B. Zahnpasta,  Spülmittel, Spülmaschinen-Tabs, Basmati-Reis, Schokolade, Lippenstifte, Haartönung, Deostifte, Klopapier und Küchenrollen aus Recycling-Papier. DM hat eine gut sortierte Bio-Abteilung, auch deshalb kaufe ich gerne dort ein. Aber ich kaufe ganz gewiss nicht dort ein, um hier Mensch zu sein.

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Hunde müssen bei DM draußen bleiben. Das fällt ihnen nicht schwer, denn bei DM gibt es eh keine große Auswahl an „Hundezubehör“. Gutes Hundespielzeug wie Bällchen am Band (3,99 €) kriegt man bei Klütsch, Kempener Straße 13. Nippeser Hunde lieben auch den großen KODI (Bällchen am Band kosten hier ebenfalls 3,99€!) an der Neusser Straße. Das freudige Bellen von Hunden, die ihre „Besitzer“ in einen der zwei Läden hinein ziehen, will sagen: „Hier bin ich Hund, hier darf ich rein.“

Wer trägt 2019 das Gelbe Trikot?

Na, wer wohl?
Liebes Stadtradeln-Team,
Alf ist im Team Stellwerk60 – SattelFest, was Bayern München in der Fußball-Bundesliga ist: Fast uneinholbar. Er gewinnt jedes Jahr, jetzt zum dritten Mal hintereinander, und die anderen streiten sich um die Plätze.
Lieber Alf, herzlichen Glückwunsch zum Gelben Trikot! Du hast es clever gemacht. Deine alljährliche große Fahrrad-Tour, diesmal Quer durch Süddeutschland, hast du in die zweite Hälfte des Kölner Stadtradelns gelegt. 476 erradelte Kilometer in drei Wochen!

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Gelb ist eine klare Ansage.

Wenn es einen Kampf um die (Sitz)- Plätze gibt, hilft nur eines: der Tisch muss groß genug sein. Also findet die Siegerehrung in diesem Jahr im „Kaffee-Kessel“ statt, dem siedlungseigenen Versammlungsraum neben der Mobilitätsstation. Hier steht er: Der große Tisch der autofreien Siedlung Stellwerk 60. Der kann zwar nicht mit dem legendären Tisch der Kommune 1 konkurrieren, aber das will er auch nicht. Das genaue Datum der Siegerehrung werde ich noch bekanntgeben: Irgendwann im Frühherbst.

Die weiteren Preisträgerinnen und Preisträger:
Lieber Christoph, herzlichen Glückwunsch zu 304 geradelten Kilometern, manche davon mit Siedlungs-Honig im Gepäck. Du bist Zweiter geworden. Und du hast es geschafft, Mitradler anzuheuern und davon zu überzeugen, dass Stellwerk60 – SattelFest ein Top-Team ist. Ich war diesmal zum Anheuern zu faul und hatte bis zuletzt gehofft, dass, wenn schon nicht der komplette Hans-Georg, sich zumindest der Georg aus den Fängen des 4VCD befreit und in unsere Mannschaft zurück kommt.
Liebe Barbara, vielen Dank für dein Porträtfoto. Du hast damit die dürftige Stadtradeln-Internetseite deutlich verschönert!
Liebe Tilla, wenn du mir deine Kilometer gesagt und deine Zugangsdaten nochmal mitgeteilt hättest, wären wir jetzt 22 Personen. Ein doofes Missverständnis, aber auf meinem Trittbrett war es ja auch gemütlich.
Ich weiß, dein Trikot wäre rosa geworden – mindestens!
Liebe Beate, dir ist Erstaunliches gelungen. Frau Zimmermann-Buchem hat eigens für dich die „Stadtradeln“ -Internetseite der Stadt Köln einen Tag nach dem offiziellen Anmelde-Schluss reaktiviert. So konntest du noch alle deine Kilometer eintragen. Herzlichen Dank für dein Engagement!
Alle anderen Radlerinnen und Radler unseres Teams bekommen, wenn sie zur Siegerehrung kommen, leckere Trostpreise.
Alle Gute, radelt munter weiter, Teamkapitänin Lisa

Der Zeckenindikator

Da die Winter immer wärmer und kürzer werden, werden die Zecken früher im Jahr aktiv und bleiben es länger. Mein Dortmunder Vetter Rudolf erzählte mir von seinem Wanderurlaub in Süddeutschland. Mit dabei waren Rudolfs Frau Barbara und beider gemeinsamer Hund. Eines Abends zählte Rudolf 30 Zecken. Die hatte allerdings nicht der Hund sich gefangen, sondern er.
Mit Borreliose infiziert hat sich Rudolf nicht. Das Risiko zu erkranken, ist gar nicht so hoch, wie man denkt. Zwar tragen (je nach Gebiet) bis zu 30 % der Zecken Borrelien in sich, aber nur 2,6 bis 5,6% der gebissenen Menschen entwickeln Antiköper dagegen. Lediglich 0,3 bis 1,4% der von einer Zecke Gebissenen erkranken tatsächlich an Borreliose (Zahlen: Robert-Koch-Institut, Stand: 14.2.2018)
Was den Großbereich autofreie Siedlung Stellwerk 60 angeht, kann ich Entwarnung geben. Es ist nicht schlimmer als im Vorjahr. Unser Hund ist ein verlässlicher Zeckenindikator.
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Juli 2019

Ein Foto aus dem letzten Jahr (Archiv Juli 2018):

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Zecken, zupfreif. Ich habe damals die Zecken nicht entfernt. Wenn die Zecken neben dem Auge sitzen, sträuben sich die Hunde dagegen, dass man sie rauszieht. Sie fürchten um ihr Augenlicht. Die Hunde wissen: Wenn der Mensch die Zecke entfernt, kann es schnell Entzündungen geben mit Schwellungen, die die Sicht nehmen..

Gefährlicher für Hunde sind die sogenannten „Ährchen“. Ährchen sind zwar nicht giftig, aber so spitz, dass sie sich in die Haut hineinbohren und schwere Entzündungen hervorrufen können. Jetzt, wo Gras und wildes Getreide hoch gewachsen sind (Wiese vor der KiTa Lummerland!), hat unser Hund ständig welche im Fell. Passiert ist noch nichts, wahrscheinlich weil Frekis Pelz dicht und wollig ist. Auch die Zecken bevorzugen spärlich behaarte Hautpartien, etwa im Gesicht. Im dichten Fell verirren sie sich.

 

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Übrigens: Gegen Zecken soll Bernstein helfen. Ein Rauhhaardackelbesitzer von der Hartwichstraße erzählte es mir, und sein Dackel hob den Kopf in die Höh‘ und präsentierte mir stolz seine Bernsteinkette.

Rehabilitation eines Unworts

Liebes Stadtradler, liebe TrittbrettfahrerInnen im Team SattelFest der autofreien Siedlung Stellwerk 60,
jedes Jahr wird ein Wort aus dem deutschen Sprachraum dazu auserkoren, „Unwort des Jahres“ sein. Ich ärgere mich immer, denn „da wild was velwechsert“, würde Ernst Jandl sagen.
Unwort des Jahres 2004 war „Humankapital“. Eine „hochkarätig zusammengesetzte Jury“ aus vier SprachwissenschaftlerInnen und einer/m weiteren Expertin/Experten hatte es unter 1218 Wörtern ausgewählt. In der Begründung der Jury heißt es: „Der Begriff degradiert nicht nur Arbeitskräfte in Betrieben, sondern Menschen überhaupt zu nur noch ökonomisch interessanten Größen.“

Leider beruht die wohlgemeinte Wahl auf einem Denkfehler. Denn es ist nicht das Wort, das die Menschen degradiert, sondern die gesellschaftliche Realität. „Humankapital“ ist nicht per se ein Unwort, sondern ein Begriff, der uns unter Umständen die Wahrheit erzählt: Wir leben in einer profitorientierten Gesellschaft, die der Menschlichkeit immer weniger Raum lässt. Wenn zum Beispiel ein Sozialwissenschaftler sagt: „Die kapitalistische Wirtschaftsordnung degradiert uns Menschen zum Humankapital“, dann ist Humankapital ein Wort, das uns aufrüttelt. Bei allen Wörtern und Unwörtern kommt es darauf an, wer sie benutzt – und in welchem Zusammenhang.

Ein Buch des Humoristen Eckhard Henscheid hieß „Dummdeutsch“. Allein des Titels wegen wünsche ich mir eine erweiterte Neuauflage.
War „Trittbrettfahrer“ auch einmal Unwort? Ich gucke im Internet nach. Die Medien wissen mit dem Wort nicht viel anzufangen. Der Entertainer Harald Schmidt will das Wort sogar abschaffen und witzelt 2013 in focus: „Trittbrettfahrer“ kann weg, zumal es kaum noch Trittbretter gibt.
„Trittbrettfahrer“ war nie „Unwort des Jahres“. Zu finden ist das Wort allerdings in einer  „Liste sozialer Unwörter“, die das „Armutsnetzwerk“ 2013 erstellt hat. Trittbrettfahrer, so heißt es,wird auch für Menschen benutzt, die ein schwerwiegendes Delikt wiederholen oder davon profitieren.“ Das begreife ich nicht: Was kann das Wort „Trittbrettfahrer“ dafür, dass Menschen Verbrechen begehen?
Es kommt auch hier auf den Zusammenhang an, in dem das Wort steht. Manchmal nämlich werden z.B. Wohngeld-Empfänger als „soziale Trittbrettfahrer“ bezeichnet, was ähnliche Assoziationen hervorruft  wie „Sozialschmarotzer“, völlig zurecht laut „Armutsnetzwerk“ ein soziales Unwort.
(Hinzufügung 2/2024: Mein Unwort des Jahres 2018 lautet „Asoziale Trittbrettfahrer“. Geprägt hat den Begriff der Arzt und Wissenschaftsmoderator Eckart von Hirschhausen, der so die Skeptiker der Masern-Impfpflicht beleidigt und zu disqualifizieren versucht. Die facebook-Seite der Tagesschau zitiert Hirschhausen am 5.11.2018: „Der Mediziner und Moderator Eckart von Hirschhausen hat sich erneut deutlich fürs Impfen ausgesprochen. In einem Kommentar auf welt.de schreibt er: „Wer sich nicht impfen lässt, ist ein asozialer Trittbrettfahrer.“ “ https://www.facebook.com/tagesschau/posts/der-mediziner-und-moderator-eckart-von-hirschhausen-hat-sich-erneut-deutlich-f%C3%BCr/10156998901534407/?locale=de_DE
Aber was ist das „Armutsnetzwerk?“ Im Internet heißt es: „Das Armutsnetzwerk ist eine unabhängige Organisation. Es ist bestrebt, in Kooperation mit anderen regional, bundesweit und international aktiven Initiativen und Organisationen von Menschen mit Armutserfahrungen, Obdach- und Wohnungslosen sowie sogenannten „Randgruppen“ den Kampf gegen Armut und Ausgrenzung zu verstärken. Das Armutsnetzwerk ist offen für alle.“
In Zeiten wie unserer, wo die Menschen wie von Geisterhand losgelassen als Swatchbälle durch die Welt titschen und die etablierten Parteien allmählich den Geist aufgeben, brauchen wir mehr denn je basisdemokratische Organisationen, die Sinn und Zusammenhang stiften. Und wir brauchen noch etwas: Die große solidarische Geste („Gemeinsam schaffen wir das“).
Die „große solidarische Geste“ kann sich allerdings nur der leisten, dem man zuhört. Den Armen hört aber kaum jemand zu, vor allem dann nicht, wenn sie noch dazu obdachlos oder wohnungslos sind. Die Liste mit 23 Wörtern ist daher nie fortgesetzt worden. Dabei hat das „Armutsnetzwerk“ mit der „Liste sozialer Unwörter“ einen wichtigen Beitrag zur Enttarnung sprachlicher Entgleisungen geleistet. Zum Beispiel enthält die Liste, die vertieft und fortgeführt werden müsste, zwei wirkliche soziale Unwörter: „Sozial Schwache“ und „Bildungsferne Schichten“. Man merkt: Hier schreiben keine gut situierten Experten, sondern Betroffene.
Eine andere schöne Internetseite, „Armutszeugnisse.de“, ist 2017 „eingefroren“ worden. Das ist traurig. Unbetreute Internetseiten sind virtuelle Geisterdörfer, sie sind wie Orte, wo keiner mehr lebt. „Menschenloses Obdach“ könnte man sie nennen.
Liebe Stadtradlerinnen und Stadtradler,
zurück zu „Trittbrettfahrer“. Ich möchte ein „soziales Unwort“ rehabilitieren. Denn was sind Trittbretter eigentlich?
Zum Beispiel sind es die mit Rollen versehenen kleinen Bretter, die Eltern an den Kinderwagen hängen, damit das Geschwisterkind nicht hinterher laufen muss. Also was Schönes.
Fortan fahre ich bei „Stadtradeln“ als „Lisa Wilczok & TrittbrettfahrerInnen.“ Wir, eine Kleingruppe im großen Team, sind jetzt fünf Personen. Die vier, die mit mir fahren, sind Freunde, die jeden Tag durch die Stadt radeln, aber keinen Bock haben, ihre Kilometer einzutragen. Die Vier wissen noch nichts davon. Manchmal muss man die Menschen zu ihrem Glück zwingen. Tilla, dich habe ich auch auf dem Trittbrett.
Heute (27.6.) können wir noch Kilometer eintragen. Die sich angemeldet haben, aber keine Kilometer eingetragen, hol ich auch noch auf’s Brett.
Übrigens: Mit dem Einrad gefahrene Kilometer zählen dreifach.
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Herzliche Grüße und Dank an alle,
die Teamkapitänin
(Lisa)

Critical Mass Nippes: Was hat die, das ich nicht habe?
Bärinnenkräfte.

Es gibt immer wieder wunderbare sprachliche Neuschöpfungen, nicht nur im Deutschen:
Parole der Critical Mass in Frankreich

+++Eilmeldung+++ Skandal beim Stadtradeln+++cambio verlost Guthaben für Autofahrten+++

Morgen beginnt das diesjährige Kölner Stadtradeln. Auch der Autovermieter cambio ist wieder dabei: „Ob Kunde, Mitarbeiter oder einfach CarSharing-Sympathisant – alle sind herzlich eingeladen, sich der Gruppe „cambio CarSharing Köln“ anzuschließen.“

Würde cambio zum Stadtradeln aufrufen und Luftpumpen verteilen, wäre das ja schön. Aber die Werbung fürs Radeln ist eine verkappte Werbung fürs Autofahren: „Unter allen Teilnehmern, die ihre Radkilometer eintragen, verlosen wir am Ende des Aktionszeitraums 10 mal 20 € cambio-Fahrtguthaben.“

Es ist ja ganz wunderbar, dass Cambio Autos verleiht und keine Autos verkauft, aber Autos sind Autos, und geliehene Autos reinigen vielleicht unser Gewissen, verpesten die Luft aber auch.
Macht es anders. Meldet euch unter http://www.stadtradeln.de an im Team Stellwerk60 – SattelFest. Bei uns winkt zwar kein Autofahren für lau, aber ihr alle dürft, so oft ihr wollt, mit unseren siedlungseigenen Tretautos fahren.

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Das kommt mir nicht in die Tüte!

!!! Eilmeldung und Nachtrag 24.7.2019!!! Seit Anfang der Woche gibt es bei Tante Olga unverpacktes Bio-Olivenöl. Unverpackt heißt in diesem Fall: Man kann sich das spanische Olivenöl frisch aus dem Kanister abzapfen. Der Preis ist moderat, der halbe Liter kostet 6 Euro. Ich werde es noch heute probieren.

 

Wer bei Tante Olga Süßigkeiten einkauft, nimmt sich ein Baumwollsäckchen von zu Hause mit (es kann auch ein ausgeleierter Sommerstrumpf sein) oder kauft sich eines. Niemals jedoch sollte man mit einem Plastiktütchen in der Hand, und sei es auch noch so klein, in den Unverpackt-Laden gehen. Das kann übel enden. So geschehen einer jungen Studentin. Sie spazierte gut gelaunt in den Laden von Tante Olga, um sich eine gemischte Tüte zusammenzustellen. Beim Blick durchs Fenster hatte sie große, schöne Gläser voller loser bunter Süßigkeiten entdeckt.

Doch bei Tante Emmas strenger Nichte Tante Olga gibt es keine gemischten Tüten mehr, nur noch Säckchen. Und so erntete die Studentin argwöhnische Blicke. Mit einem Spürsinn für Kunststoff ausgestattet, guckte Tante Olgas Mitarbeiterin der jungen Frau auf die Finger. Nicht weil sie dachte, es könnte sich um eine Ladendiebin handeln. Im Gegenteil: In diesem Fall nahm nicht eine was Gutes weg, sondern schleuste was Ungutes ein.

Lächelnd bat Tante Olgas Mitarbeiterin die Studentin zur Kasse: „Wenn schon Tüte, dann bringst du sie bitte das nächste Mal wieder mit!“

Ein Unverpackt-Lob auf den Ladendiebstahl, denn…

… Ladendiebstahl ist Verpackungsmüllvermeidung. Ladendiebe stecken das Diebesgut gerne unverpackt in den Rucksack oder, wenn es sich um lose Leckereien handelt, unverpackt in die Backentasche. Mundräuber müsste/n Tante Olga mögen.

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Deshalb mag ich den schön eingerichteten Unverpacktladen: Freitagabend brauche ich zum Kochen 20g gehobelte Mandeln. Die konnte ich mir auch in dieser kleinen Menge (frisch und knackig!) bei Tante Olga abfüllen. Für’s Nachhausetragen hab ich mir für etwas mehr als einen Euro ein waschbares Baumwollsäckchen gekauft. Tante Olga ist ein Paradies für Liebhaber von Nüssen, Kräutern, Gewürzen und Trockenfrüchten. Man holt sich von der losen Ware so viel, wie man braucht, und hat keine halbvollen Tüten mehr rumfliegen. Aber manchmal kann das Säckchen nicht über die Tüte hinwegtrösten. Was für ein Genuss es doch war, sich eine gemischte (Süßigkeiten)tüte in die Jeanstasche zu stopfen. Lappig werdendes Papier, verklebte Gummibärchen, hart werdende Lakritzschnecken und überall der rote Schaumerdbeerenzucker.

 

 

Elfchen im Vierten: Unverpackt

Glanzfolienlos

wird Schokolade

fade aus Goldhase

Pappnase aus unverpackt angepackt

 Schade

 

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Bei Tante Olga werden vor Ostern unverpackte Osterhasen verkauft. Ich würde mir nie einen holen. Wie kann ich ihn transportieren, ohne dass er abgegriffen wirkt, gar angegriffen? Auf Schokolade sind Fingerabdrücke fies. Macht unverpackt dick? Nicht unbedingt, aber unverpackte Schokolade sollte man so schnell wie möglich aufessen.                                                                             Auch verpackte Schokolade wird irgendwann ungenießbar. Diesen Schokoladen -Nikolaus hätte ich früher auspacken und aufessen müssen.  Ein schwacher Trost: Nach vier Monaten Schonzeit in Schönheit macht er mich jetzt nicht mehr dick.

 

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Blaue Augen, rote Lippen: Ein Schokoladen- Nikolaus, wie es ihn mittlerweile fast überall gibt. Wir kaufen ihn eigentlich nur wegen der schönen Verpackung. Und verwahren ihn, bis er nicht mehr nach Schokolade schmeckt, sondern nach Seife, Zucker und Fett, nur weil ihm das Rot so gut steht.

Ein Biotop für Mehlmotten

Nach Sülz hat jetzt endlich auch Nippes einen Tante Olga-Unverpacktladen. Eine gute Sache, ersticken wir doch allmählich im Plastikmüll. Anders als bei REWE wird bei Tante Olga nicht nur an der Kasse auf Plastiktüten verzichtet und es werden auch keine Papiertüten ausgegeben. Die Kunden füllen die lose Ware in Behälter ab, die sie dort kaufen oder auch mitbringen können.

Der Verzicht auf Verpackungen schränkt das Lebensmittel -Sortiment merklich ein. Obst, frisches Gemüse, Käse und andere Milchprodukte (nur Mittwochs gibt es Milch) werden nicht angeboten. Demeter-Eier sind zwar im Angebot, aber nicht immer zu haben. Tiefgekühltes und Konserven sind gar nicht im Sortiment. Man bekommt vor allem Trockenes und Haltbares wie z.B. Nüsse, Trockenfrüchte, Hülsenfrüchte, Nudeln, Reis, Müsliflocken und Getreidekörner, das alles in beeindruckend großer Auswahl.

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Die amtlichen Auflagen, was Sauberkeit und Hygiene betrifft, dürften bei einem Unverpackt-Laden hoch sein. Auch insofern ist Tante Olga ein mutiges Unterfangen. Schade ist, dass man kaum frisches Gemüse bekommt. Ich persönlich mag überhaupt keine Hülsenfrüchte. Wer Hülsenfrüchte statt Tomaten verkauft, hat zwar keine Probleme mit Fruchtfliegen, aber mit geflügelten Insekten einer anderen Art. Ein Unverpackt-Laden ist, falls nicht akribisch auf Sauberkeit geachtet wird, ein Biotop für Mehlmotten. Da lob ich mir die bescheidene Hülsenfruchtfliege. Sie ist weder Fiesling noch Schädling… Was daran liegen mag, dass es sie nie gegeben hat.

Frische Lebensmittel muss man dann doch woanders einkaufen. Aber wie transportiert man die? Auf dem angrenzenden Wochenmarkt wird Obst und Gemüse zwar lose verkauft, aber grundsätzlich in Tüten gepackt. Was tun, wenn man weniger Tütenmüll will? Nach Möglichkeit (also nicht gerade beim Kauf von frischem Spinat!) auf Tüten verzichten. Einige Händler begrüßen es, wenn ihre Kunden Körbe oder Taschen mitbringen. Andere jedoch sind ziemlich bedient.

Doch spätestens am Wochenende ist auch bei mir mit Unverpackt Schluss. Denn dann kann man auf dem Nippeser Markt Leckereien einkaufen, für die man sonst in die Innenstadt muss: Fisch und Käse vom Feinsten.

Wer dem Käsehändler dabei zuguckt, wie er eine Tranche des Delice de Bourgogne sorgfältig in einen frischen Bogen Käsepapier einschlägt, bemerkt, dass der Handel mit Feinstkost hier nicht einfach vonstatten geht, sondern mit Genussverstand zelebriert wird. Kunstvoll eingeschlagen ist ein Stück Käse, so teuer es auch war, fast wie ein Geschenk. Und wenn ich einen frischen Crottin de Chavignol aus dem Einschlagpapier hole, fühlt es sich nicht nur nach Auspacken an.

Und was den freitäglichen Fisch betrifft: Ich habe einfach keinen Bock darauf, mir den frischen Saibling in die mitgebrachte Tupperdose packen zu lassen.

Elfchen im Ersten: Sound of billiger

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Sound

Of billiger

Billliger billliger billliger

Billlliiger billllige billllige billlligä

NippesMarkt

Ich gehe sehr gerne auf den Nippeser Wochenmarkt, der täglich auf dem Wilhelmplatz stattfindet – mitten in Nippes. Der Spruch, den manche Gemüsehändler über den Markt schreien, sich selber und die Kunden karikierend, ist „Billiger, billiger billiger“. Tatsächlich kriegt man auf dem Nippeser Markt für wenig Geld frisches, auch regionales Obst und Gemüse. Am buntesten ist der Markt am Wochenende. Freitags kaufe ich frischen Süßwasser-Fisch (am liebsten Saibling) bei Familie Krei, unter der Woche auch mal Dorade oder Sardinen beim türkischen Händler. Die Landmetzgerei Schmitz hat einen Stand, wo ich nur noch selten hingehe, weil wir unseren Fleischkonsum stark reduziert haben. Doch die Weihnachtsgans, die wir bei Schmitz bestellen, muss einfach sein.

Elfchen im Elften: aussss…

Damit

die Entsorgungs-Blase

nicht platzt, teilt

die Stadt Köln Nadeln

aussssssss…

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Ich kann mir einen Alltag mit weniger Plastik gut vorstellen: Welch eine Befreiung, nicht nur für die Gelbmülltonnen! Aber wie öde wäre eine Luftballon-lose Kindergeburtstagsfeier. Trinkhalme aus Plastik lassen sich abschaffen und durch Glas- oder Papierröhrchen ersetzen. Doch Luftballons aus Glas können nicht fliegen, und eine aufgeblasene Papiertüte macht noch lange keinen Ballon.