Ein Unterschied ums Ganze ODER Der schwedische Corona-Wunderweg: Tack ska du ha, Sverige!

Schon zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 hatte die parlamentarische Monarchie Schweden einen Sonderweg eingeschlagen. Bis heute ist man in Schweden diesem Weg treu geblieben. Man macht nicht Panik, schürt nicht die Angst vor dem Virus, sondern behält -soweit möglich- die Ruhe. Die schwedische Staatsführung unterschätzt das Virus nicht, aber hält sich mit Verordnungen und Restriktionen zurück, stattdessen vertraut sie auf die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger. Auch jetzt, zu Beginn des Jahres 2021, wird trotz steigender Infektionszahlen -wie übrigens auch in Japan- kein Lockdown verhängt.

Im Zentrum steht das Wohlergehen des Kindes. Kinder sind noch zu klein, um lebenswichtige Entscheidungen treffen zu können, aber sie müssen darauf vertrauen können, dass die Erwachsenen sich vernünftig verhalten. Der Kern des schwedischen Sonderwegs, der sich immer mehr als „Wunderweg“ herausstellt, ist das Offenhalten der Kindergärten und Grundschulen. (Anders als die deutsche Grundschule ist die schwedische eine Gesamtschule und geht bis Klasse neun. In Schweden kommen also auch 15jährige Jugendliche nach wie vor in den Genuss eines weitgehend normalen Schulalltags. Vgl. meinen Blog-Beitrag vom 25. März 2020, den dringenden Appell an die deutsche Bundesregierung: „Seid so besonnen wie die Schweden und öffnet die Kindertagesstätten und Grundschulen!“)

Auch in Schweden geht es um Eindämmung der Infektionszahlen, aber man vertraut auf die Eigenverantwortung der Menschen. Das Eindringen des Staates in die Privatsphäre der Menschen, das hierzulande unerträgliche Ausmaße angenommen hat, hält sich in Schweden in Grenzen. Dass die Schweden einen Versuch wagen, der sich aus Respekt und Vertrauen speist anstatt aus Misstrauen, will man hierzulande kaum wahrhaben. Denn der schwedische Sonderweg, der einen Lockdown nach wie vor ausschließt, ist nicht nur ein bisschen, sondern grundsätzlich anders.

Dennoch versuchte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn auf der sozialen Plattform „Jodel“ Ende Oktober die Unterschiede zu verwischen. Er behauptete folgendes: „Wir in Deutschland sind ja eher den schwedischen als den spanischen Weg gegangen.“ Ja, anders als in Spanien gab es in Deutschland keine vom Militär überwachten Ausgangssperren. Doch anders als die Schweden waren (und werden) wir Deutsche -unter Androhung von zum Teil drakonischen Geldstrafen- an fast allen öffentlichen Orten überwacht.

Natürlich würden die Schweden nicht weiterhin so besonnen bleiben können, würden nicht zahlreiche Studien belegen, dass es richtig ist, Schulen und Kindertagesstätten offen zu halten. Aktuell gibt eine Datenanalyse, deren Kernaussagen ich hier zitiere, weil sie so wichtig sind:

„… Kurzfassung 04.01.2021

Am 23. Dezember 2020 hat die Europäische Gesundheitsbehörde (ECDC) in Stockholm eine aktuelle und umfassende Datenanalyse der Rolle von Schulen und Kitas in der COVID-19-Pandemie veröffentlicht (European Centre for Disease Prevention and Control. COVID-19 in children and the role of school settings in transmission – first update. Stockholm; 2020).

Fünf Kernbotschaften resultieren aus diesem Report.

  1. Kinder erkranken selbst nur sehr selten schwer an COVID-19.
  2. Kinder jeden Alters sind grundsätzlich empfänglich für SARS-CoV-2 und können das Virus übertragen. Jüngere Kinder scheinen weniger anfällig für Infektionen zu sein; wenn sie infiziert sind, führt dies seltener zu einer Weitergabe der Infektion.
  3. Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen nehmen am Infektionsgeschehen teil, sind aber nach aktuellem Wissensstand (und Einschätzung von CDC und ECDC) selbst kein Treiber der Pandemie.
  4. Für Kinder sind Schulen und KiTas systemrelevant, denn sie treffen im Kern ihre sozialen und intellektuellen Grundbedürfnisse und bestimmen ihre Entwicklung; Schulen und KiTas spielen eine wesentliche Rolle bei der Aufdeckung medizinischer oder sozialer Probleme wie Vernachlässigung. Insofern bedürfen jedwede Einschränkungen, die Kindern fremdnützig auferlegt werden, einer wissenschaftlich konkret belegbaren Rechtfertigung.
  5. Schulschließungen können nur das letzte Mittel sein. Eine Reihe konkret benennbarer Interventionen sind verfügbar, die davor ergriffen und konsequent umgesetzt werden können, z.B. Etablierung von AHA+L RegelnMasken etc. in den Schulen und auf den Schulwegen, strukturiertes Ausbruchsmanagement, Etablierung hygienebeauftragter Lehrer etc. (s.u.).

Aufgegriffen werden die Gedanken auch in Deutschland. „Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) empfehlen den politischen Entscheidungsträgern mit Nachdruck, die Kernbot­schaften der ECDC als Richtschnur des Handelns auch in Deutschland heranzuziehen.

Prof. Dr. Johannes Hübner, Mikrobiologe und Kinderarzt, Vertreter der DGPI und der DGKH, sagte in einem Interview auf spiegel-online : „Die Eindämmung des Infektionsgeschehens ist sicher im Moment unsere wichtigste Aufgabe. Meiner Meinung nach steht das aber nicht in einem direkten Zusammenhang mit den Schulen. So gab es in Deutschland ganz klar keine Zunahme der Infektionen nach dem Ende der Sommer- und Herbstferien. Untersuchungen in Schulen haben herausgefunden, dass Infektionen dort selten und Übertragungen innerhalb der Schule die Ausnahme sind. Kinder und Schulen sind keine Treiber der Pandemie.“

Meldungen wie diese sind in ihren Grundaussagen übrigens nicht neu. Studien, die belegen, dass das Virus für Kinder kaum gefährlich ist, hat es schon Anfang 2020 gegeben. Ich habe damals in meinem Blog-Beitrag „Manchmal könnte ich Corona küssen“ auf einen erhellenden Artikel hingewiesen: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-kinder-infizieren-sich-offenbar-genauso-haeufig-werden-aber-nicht-krank-a-72e2a605-5865-4d23-81b1-c1c4f453d659

Leider ist auch die aktuelle Meldung schnell wieder aus den Schlagzeilen verschwunden, denn sie hinterfragt den knallharten politischen Kurs der Bundesregierung. Die Feststellung, dass die Schließung der Schulen eine Maßnahme ist, die eigentlich das letzte Mittel sein sollte, stellt die gesamte bisherige Corona-Schulpolitik in Frage. Doch unsere Politiker, allen voran der hyperaktive Markus Söder, sind zu einer Selbstkritik, die jetzt dringend nötig wäre, offenbar nicht mehr in der Lage.

Heribert Prantl, Journalist und Jurist, Autor des Buchs „Kindheit. Erste Heimat“, stellte schon am 15. März 2020 in der Süddeutschen Zeitung die Frage: „Wann wird aus der Demokratie eine Virolokratie?“ In seiner SZ-Kolumne vom 6.9.2020 deutet er an, was die Corona-Maßnahmen für die Seelen-Welt der Kinder bedeuten:

„… Heimat. Die Kindheit ist der Ort, der ganz vielen einfällt, wenn sie gefragt werden, was für sie Heimat ist. Kindheit ist erste Heimat. Die Fragen, die ich mir und die ich Ihnen stelle, lauten: Was richtet Corona in der Kindheit der Kinder an und damit in ihrem späteren Leben? Was bedeutet die Distanz zu Menschen, Tieren und Dingen, die ihnen das Virus auferlegt, für ihre Beheimatung in der Welt?“

Ich finde die Sätze ganz wunderbar, obwohl ich denke, dass es nicht das Virus ist, dass den Kindern die Distanz auferlegt, sondern eine fragwürdige Corona-Politik. Zum Vergleich: Auch in Schweden sorgt das Corona-Virus für hohe Infektionszahlen, aber die schwedische Politik auferlegt den Kindern keine auch nur annähernd so große Distanz zu Menschen, Tieren und Dingen. Meines Erachtens verhält sich die bundesdeutsche Politik nicht mehr demokratisch. Sich das einzugestehen, tut weh. Wie wir alle (fast alle) hänge ich an der Demokratie.

Heribert Prantls Begriff Heimat möchte ich ergänzen durch das Wort Urvertrauen. Urvertrauen lernt das Kind im Umgang mit den Eltern, insbesondere der Mutter, in deren Leib das Kind heranwächst, die es zur Welt bringt und stillt. Urvertrauen kann verkümmern, wenn es sich nicht erneuert, wenn das Leben nicht an diese frühen Momente anknüpft. Menschen werden sich nur dort aufgehoben und beheimatet fühlen, wo der Umgang miteinander sie an die „erste Heimat“ erinnert. Das gilt insbesondere auch für den wichtigsten öffentlichen Raum der Kinder: Die Schule. Hier, wo man sich nicht einmal mehr die Hand geben darf, wird angesichts der Maßnahmen Ur-Vertrauen zerstört. Das gegenseitige Berührungsverbot für Kinder, die sich anders als Erwachsene „normalerweise“ ja ständig berühren, die ja noch balgen wollen, streicheln, sich an den Händen halten, schubsen, aneinander reiben, macht die Schule, wo all das aktuell verboten ist, immer mehr zu einem Ort, wo die Kinder sich nicht mehr heimisch fühlen, zu einem unheimlichen Ort.

Dass Schweden sich im Gegensatz zu allen anderen europäischen Ländern weiterhin besonnen zeigt, obwohl man sich dadurch (kulturell) isoliert, gibt mir Hoffnung und Kraft in einer Zeit, in der viele Menschen angesichts der Zwangsmaßnahmen bereits jetzt resignieren.

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Seitdem ich diese Mund- Nasenbedeckung trage, habe ich in U-Bahn und Einkaufsläden kein Unbehagen mehr. Die Aufkleber passen mit einer Größe von 7×10 cm genau auf eine handelsübliche Einwegmaske. Man kann sie im Internet bestellen, meine sind von „Flaggenfritze“ (5 Stück kosten 3.95€, der Versand noch einmal 3.90€.)  Da es den Versand nicht teurer macht, bestellt man am besten eine große Schwedenflagge in Top-Qualität (90x150cm, 9,95€) gleich mit. Übrigens: Auf FFP2-Masken, die in dieser Woche in Bayern Pflicht werden, passen die Aufkleber nicht.

Corona-Elfchen: Schöne Aussicht (Bellevue)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist mir nicht unsympathisch. Beeindruckt war ich (wie viele andere Menschen auch), als Steinmeier im Jahr 2010 seiner schwerkranken Ehefrau Elke Büdenbender eine Niere gespendet hat. Er ist, wie es scheint, ein eher sanftmütiger Mann, der in der Öffentlichkeit nicht über die Stränge schlägt, ganz anders als etwa Markus Söder (Bayern) oder Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen), zwei Ministerpräsidenten, mit denen neuerdings der Donald durchgeht.

Ich denke da insbesondere an Laschets berühmt gewordenen autoritären „Weihnachtssatz“. Ende November hatte er in der „Welt am Sonntag“ gesagt: „Es wird wohl das härteste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben.“ Laschet, so lese ich bei wikipedia, wurde als Student Mitglied der katholischen Studentenverbindungen KDStV Aenania München und KDStV Ripuaria Bonn. Beide Verbindungen, denen ausschließlich Männer beitreten können, sind autoritär strukturiert. Zwar sind diese Männerbünde ausdrücklich „nichtschlagend“, doch wie wir wissen, können auch und gerade Worte verletzen. Verbale Schmisse sitzen tief – und die Narben sind unsichtbar.

Später hat Laschet nach öffentlicher Kritik den Satz „relativiert“. Im ZDF-„heute-journal“ sagte er: „Natürlich ist es auf Lesbos schlimmer und natürlich ist es in Afrika in Elendsvierteln schlimmer. Das ist ja alles wahr. Aber die Botschaft ist: Dieses Weihnachten wird anders sein als alle Weihnachten, wie wir sie kennen. Es wird Verzicht bedeuten.“ Höre ich da eine klammheimliche Freude durch?

„Verzicht“ war auch eine Botschaft der diesjährigen Weihnachtsansprache von Bundespräsident Hans-Walter Steinmeier. Ich gucke mir die Rede, gehalten am 1. Weihnachtstag, ein paar Tage später im Internet an. Diesmal, im Corona-Jahr, wirkt Steinmeiers Auftritt im Schloss Bellevue fast surreal.

Ausstattung und Bühne sind betont schlicht: Steinmeier hält die Rede im Stehen, er trägt ein weißes Hemd, einen schwarzen Anzug, eine graugemusterte Krawatte, am Revers die Anstecknadel des Großen Bundesverdienstkreuzes. Die Brille ist mattrandig, das Puder reichlich dick aufgetragen. Nur das Brillenglas glänzt (der Zuschauer achte auf den weißen, sich auf dem Brillenglas hin- und herbewegenden Punkt). Die Fahne mit übergroßem Bundesadler ist nicht gehisst, sondern fungiert am rechten Bühnenrand als eine Art Vorhang. Der Baum, eine Tanne, ist einfach dekoriert. Rote Kugeln an roten Bändern, weiße Kerzen in einfachen Kerzenhaltern. Ein Kronleuchter im Hintergrund, einziges Luxusstück, ist ebenfalls mit weißen (echten?) Kerzen bestückt.

Hier wird nicht geprotzt, so will man uns sagen. Auf Schloss Bellevue ist alles anders als in Washington D.C., wo die luxus- und dekorationsverliebte First Lady Melania einmal unzählige Weihnachtsbäume bringen ließ, um das Weiße Haus in einen leuchtenden Nadelwald zu verwandeln. Nein, hier sind neben dem Wachpersonal viele fleißige ungenannte Helferinnen und Helfer am Werk, die den Bundesfundus, da alles ordentlich gelistet ist, gut kennen, und die ganz genau wissen, in welcher Kiste sie die alten, vielfach benutzten Strohsterne finden, die alle Jahre wieder den wichtigsten deutschen Tannenbaum schmücken und der ganzen zugeschalteten Welt zeigen, wie redlich, wie ehrlich, wie tüchtig und bescheiden wir Deutsche doch sind.

Steinmeier sagt, dass sich in der Krise gezeigt habe, „wie viel wir doch miteinander bewegen können“. Was und wen er mit „miteinander“ meint, ist mir nicht ganz klar. Steinmeier redet in einem schnurrenden, einlullenden Ton. Der Mann hat keine Mimik. Ziemlich steif steht er da. Überhaupt ist die Szenerie unbeweglich. Befindet sich Steinmeier vor einer Fototapete? Doch jetzt…. flackert eine Kerze, dann zwei, dann… Irgendwo in Bellevue muss jemand ein Fenster geöffnet haben, um stoßzulüften und das Virus zu vertreiben…

Denn das Virus hat keinen Respekt vor der Macht und schon gar nicht vor älteren mächtigen Männern. Und es kennt, wie eine angstvolle Angela Merkel schon zu Ostern gesagt hat, keine Feiertage. Doch ihre Angst ist, so denke ich, eigentlich weniger eine Angst vor dem Virus als eine Angst vor dem Verlust von Privilegien und Macht, eine Angst vor der Klimakatastrophe und der Weltwirtschaftskrise.

Angela Merkels bieder-spitzfindige Personifizierung des Virus‘, das keine Feiertage kennt, hat der allzeit abwehrbereite Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, der aktuelle Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes und Präsident des CPME in Brüssel, Talkshow-Dauergast Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, in der TALKSHOW „MAYBRIT ILLNER“ aufgegriffen und weiter zugespitzt: „Das Virus kennt kein Weihnachten, keinen Ramadan und kein Chanukka, es kennt nur Opfer.“

Ich könnte jetzt darüber schreiben, wie politische Propaganda funktioniert, wie versucht wird, Menschen zu entmündigen und -insbesondere durch Text und Bild- zu manipulieren, aber ich verschiebe es auf später und werfe meinen Blick zurück nach Bellevue…

Das Fenster scheint wieder geschlossen zu sein, das Virus vertrieben, denn alles ist still. Unheimlich still, unwirklich still, windstill….. Hier in Bellevue spürest du kaum einen Hauch…

Im

Schloss ist

Ruh‘. Still brennen

Die Kerzen, schweige auch

Du

Ausblick:

Die Lage ist ernst, doch dank Impfung nicht hoffnungslos, wie uns Frank-Walter Steinmeier mit ernster, versteinerter Miene in seiner Weihnachtsansprache erzählte.

Doch ein paar Tage nach Weihnachten wurde es rund um Schloss Bellevue richtig neckisch und lustig. Ein PR-Berater muss zu Steinmeier gesagt haben: „Frank-Walter, in deiner Rede gab es einen Mangel an Wärme. Wir müssen das „Wir-Gefühl“ stärken. Erinnerst du dich an den alarmierenden Satz, den du vor zwei Wochen gesagt hast?“

Steinmeier zuckt die Achseln: „Wie war der noch, der Satz?“

Der PR-Berater klärt Steinmeier auf. „Dein Satz lautete: Die Lage ist bitterernst.“

Steinmeier reckt den Daumen und lacht: „Guter Satz, oder?“

Jetzt lacht auch der PR-Berater: „Frank-Walter, so gefällst du mir schon viel besser. Aber jetzt, wo die Impfung beginnt und das neue Jahr vor der Tür steht, brauchen wir gute Laune für alle. Hast du vielleicht eine Werbeidee? Vielleicht könnte man sich direkt an die Menschen wenden. Auf keinen Fall per Twitter, da bringen dich die Leute mit dem Trump in Verbindung. Frank-Walter, wie wär’s mit Instagram?“

„Ja“, sagt Steinmeier. „So können wir auch Oma und Opa dazu ermuntern, sich endlich ein Smartphone zu kaufen.“

Der PR-Berater runzelt die Stirn: „Die Großeltern haben mittlerweile fast alle ein Smartphone, aber die gucken nur Enkelkinderfotos. Das ist das Problem. Oma will nur die WhatsApp und sonst keine. Das muss anders werden. Aber ich hab da eine Idee. Wir könnten es so machen wie der 1.FC Köln. Im Frühjahr, als der Kölner Zoo geschlossen wurde und der FC pausieren musste, da ist doch der Hennes zum ersten Mal Vater geworden.“

„Welcher Hennes?“, fragt Steinmeier. „Meinst du den Geißbock, der nach dem Hennes Weisweiler benannt ist, das Maskottchen vom FC? Aber warum ist der Hennes Vater geworden?“

„Das Problem ist“, sagt der PR-Berater, „dass die Fans den Kontakt zum Verein verlieren, wenn der FC nicht spielt. Der Hennes ist ja bei den Heimspielen dabei. Aber der lebt im Kölner Zoo.“ Kichert: „Im Kleinen Geißbockheim.“ Dass der Hennes Vater wurde, und der Hennes wollte, und zwar mit der Inge, das war eine super Werbe-Idee von der Stadt Köln und vom FC. Frank-Walter, wir haben kein Königshaus mit süßen Kleinkindern. Wir brauchen ein Tier.“

Und was las ich ein paar Tage später auf zeit.de?

„…. Berlin (dpa/bb) – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sucht einen Namen für einen Fuchs, der regelmäßig durch den Park seines Amtssitzes Schloss Bellevue in Berlin streift. «Dürfen wir vorstellen? Der heimliche «Schlossherr» von Bellevue, dem es im Park des Berliner Amtssitzes sichtlich gut gefällt», schrieb Steinmeier am Montag auf seiner Instagram-Seite. «Eine Namenstaufe ist schon länger fällig, daher unsere Frage an Sie: Wie soll unser Schlossfuchs heißen?» Aus allen Vorschlägen werde Steinmeier einen Namen auswählen, hieß es weiter…“

Man wendet sich hier nicht an Grundschulkinder, was ja ganz lustig wäre. Nein, der Adressat, das sind wir, die Bürger und Bürgerinnen der Bundesrepublik Deutschland. Wir sind das Volk, das selig verblöden soll.

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Dieses hübsche Weihnachts-Rotkehlchen hat mir meine Tochter aus Durham/UK mitgebracht. Carla, 21, die in Heidelberg Psychologie studiert, verbringt dort ein Erasmus-Jahr. Angesichts des Brexits wird sie zu den letzten „Studierenden“ gehören, die (in England) noch in den Genuss des klassischen Stipendiums kommen. Den Robin hat Carla im Handgepäck transportiert. Im Flugzeug waren auf dem KLM-Flug von Newcastle (Risikogebiet) nach Amsterdam (Risikogebiet) am 4.12. fast alle Plätze besetzt, die Passagiere saßen dicht bei dicht und hatten unvermeidlichen, aber lukrativen Körperkontakt. Als der Snack (Zitronenkuchen), der inklusive war, gereicht wurde, nahmen fast alle die Gesichtsbedeckungen ab. Das mutierte Virus, so habe ich mir sagen lassen, mag Kuchen. Solange der Rubel rollt bzw. das Pfund oder der Euro, kräht da kein Hahn nach, sage ich in Anspielung auf einen ganz anderen Vogel. 

Elfchen im Zwölften: Morgen, Oma, wird’s was geben…

Digitaler Stolperstein: Voller Entsetzen über die Brutalität politisch legitimierter medizinischer „Maßnahmen“ erinnere ich mich in tiefer Trauer an meine nie gekannte liebe Großmutter Steffi, geboren am 19.3.1898 in Ludgierzowitz/Hultschin, tschechisch Ludgerovice, polnisch Ludgierzowice, aufgewachsen in Bottrop/Ruhrgebiet. Mutter von fünf Kindern. Diagnose: „manisch-depressiv“. „Verstorben“ am 13. Dezember 1933 auf der psychiatrischen Station eines Essener Krankenhauses, elf Tage vor dem Familienfest Weihnachten. Offizielle Todesursache: „Kopfgrippe“

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Morgen, Oma, wird’s was geben, morgen werden wir…

… Uns

Freu’n, einmal

Werden wir noch

Wach, heißa, dann ist

Impfungstach!

Vielleicht werden in deutschen Altenheimen demnächst Lieder wie dieses erklingen, dann nämlich, wenn sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines mobilen Impfteams angekündigt haben, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heimes sowie Bewohnerinnen und Bewohner gegen Corona zu impfen. Dass ärztliches Personal in die Einrichtungen kam um zu impfen, damals gegen die Pneumokokken, hatten wir im Frühjahr 2020 schon einmal.

Ich zitiere (inklusive „Corona-Elfchen“) aus meinem Blog-Beitrag „Zweites Corona-Elfchen: Coronoia… War es nicht fahrlässig von Angela Merkel, sich in Erwartung des Höhepunkts der Krise noch gegen Pneumokokken impfen zu lassen?“ vom 27. März:

„… Eine Epidemie aufgrund eines unerforschten Erregers ist oft schon vorbei, bevor ein verlässlicher Impfstoff entwickelt ist. Oder sie ist weniger dramatisch, als man uns vormacht. Den sogenannten Experten, die das Gegenteil behaupten, können und dürfen wir nicht vertrauen.

Vor allem alte Menschen sind der ärztlichen Willkür schutzlos ausgeliefert. So hörte ich gestern von einer Zwangsmaßnahme in einem Seniorenheim. Mit dem schlichten Satz „Wir tun euch was Gutes“ kamen Mitarbeiter einer Gesundheitsbehörde zu den alten Menschen, um sie gegen Pneumokokken zu impfen. Niemand hat sich dagegen gewehrt. Die alten Menschen waren froh, überhaupt Zuwendung zu erfahren.

Ich musste an das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ denken: „… So klopfte jemand an die Hausthür und rief: Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von Euch etwas mitgebracht…“

In

Traurigen Zeiten

Trägt der Böse

Wolf einen weißen Kittel

Coronoia*

Die treffende Wort-Neuschöpfung  „Coronia“ fand ich heute Nacht auf der klugen Internetseite des Münchener Kinderarztes Dr. Steffen Rabe: https://www.impf-info.de/82-coronoia/314-coronoia.html …“

Obwohl ich über 60 Jahre alt bin, würde ich mich niemals gegen Corona impfen lassen. Ich habe keine Angst vor Corona, denn ich vertraue auf mein starkes Immunsystem. Mir muss niemand attestieren, dass ich gesund bin. Ich meide Arztpraxen, habe aber leider keine guten Zähne. Deshalb muss ich (Generation Betthupferl) öfter, als mir lieb ist, zum Zahnarzt.

Über die Kinderkrankheiten, die ich hatte, möchte ich an anderer Stelle schreiben. So ist meine bisherige Krankheiten-Lebensgeschichte schnell erzählt: Vor sechsunddreißig Jahren hatte ich meine letzte und einzige Blasenentzündung, vor 41 Jahren meine letzte und einzige Mandelentzündung. Vor sechs Wochen hatte ich nach dem Zurückschneiden unserer Buchenhecke meine bislang einzige Bindehautentzündung, die ich auf Hinweis meiner Tochter mit Schwarzem Tee „therapiert“ hab. Ich bin im Winter zwei- bis dreimal erkältet, aber nicht schwer. In aller Regel läuft mir nur die Nase, die allerdings sehr. Vermutlich hatte ich schon unzählige andere Krankheiten, bin aber nicht zum Arzt gegangen. Mitmenschen, die es nicht gut mit mir meinen, sagen: „Warte, balde… erwischt es dich auch.“

Ich schütze mich gegen Kälte und Regen, ernähre mich gut, trinke Kaffee und Rotwein, esse nur selten Fertiggerichte, aber täglich frischen Salat. Ich verzehre weder Hormone noch Vitamine noch Nahrungsergänzungsmittel. Ich mag zwar Vollmilchschokolade, aber keinen Kuchen, was mein Mann immer bedauert hat. Ich vertrage fast alles, nur keine Chemie. Auf synthetische Süßstoffe reagiere ich mit Bauchkrämpfen und Durchfall. Nachdem ich mit der oben erwähnten Mandelentzündung zum Arzt gegangen bin, wo man mir ein Antibiotikum verschrieb, hatte ich eine schwere Penicillin-Allergie. Mein Kopf war furchterregend „elefantös“, und meine Ohren waren so dick angeschwollen, dass sie sich nicht mehr zusammendrücken ließen. Ich weiß noch, wie ich vor dem Spiegel stand – und heulen und lachen musste.

Ich habe im ganzen Leben so viele Tabletten zu mir genommen wie andere Menschen an einem einzigen Tag schlucken müssen. Mit achtzehn habe ich (zum Glück nur) drei Monate DIE PILLE genommen, einen Medikamentenrest, den meine Mutter, damals (1976) schon 51, noch in der Schublade hatte.

Wohlgemerkt: Ich bin keine Hardlinerin, was Impfungen angeht. Wenn eine Krankheit die Menschen in Not bringt, hat der Staat, sofern es einen zuverlässigen und sicheren Impfstoff gibt, die Pflicht, die Menschen zu impfen. Ich, Jahrgang 1958 wie Ursula von der Leyen, habe es noch miterlebt: Unter dem pfiffigen Motto „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“ sind alle westdeutschen Kinder in den 1960er Jahren in der Schule gegen Polio geimpft worden. Was weniger bekannt ist: Die Massenimpfung haben wir dem Kalten Krieg zu verdanken. Nachdem in der DDR im Jahr 1961 die erste Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff eingeführt wurde, der in den USA entwickelt, aber in der UdSSR produziert worden war, stand die Bundesrepublik Deutschland massiv unter Druck.

Anders als zur Tetanusimpfung, bei der wir eine Spritze bekamen, was wir (nicht zu Unrecht) als Überrumpelung empfanden, sind wir Kinder gerne zur Polio-Impfung gegangen. Das Stück Zucker wurde uns anders als die Hostie nicht auf die Zunge gelegt. Wir nahmen es in die Hand und steckten es uns selber in den Mund (zumindest war es in Bottrop so). Es fühlte sich so an, als würden wir uns selber impfen.

Vieles spricht gegen die Corona-Impfung. Zum einen glaube ich, dass die Impfung nicht nur die Abwehr-, sondern auch die Selbstheilungskräfte blockiert. In meinem Fall hieße das, die Impfung würde eine leidlich gesunde, optimistische, wenn auch ältere Menschen-Frau, deren Körper sich schon oft selber geheilt hat, zu einer bedürftigen machen.

Zum anderen weiß niemand, ob die Impfung nicht eventuell schwere Nebenwirkungen auslöst, die erst nach Jahren auftreten können. So ist insbesondere die Massen-Impfung riskant, denn die gefährdet uns alle. Ich zitiere aus meinem Blog-Beitrag „Der ideale Patient – Plädoyer für die Abschaffung des Präpkurses“ vom 19.10.2019:

„…. Richtig dramatisch wird es, wenn eine „neue“ Krankheit auftaucht. Während der Schweinegrippen-Krise 2009 sind die Gesundheitsorganisationen weltweit in Panik geraten. Auch die deutsche Gesundheitspolitik hat damals die Besinnung verloren. Trotz vielfacher Warnungen wurden gigantische Mengen des ungeprüften Impfstoffes Pandemrix geordert. „Die Bundesländer hatten 34 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix vom Pharmakonzern Glaxosmithkline abgenommen und dafür circa 280 Millionen Euro bezahlt. Am Ende ließen sich während der bis dato größten Impfaktion aber erheblich weniger Menschen immunisieren als angenommen.“ https://www.aerzteblatt.de/archiv/115575/Schweinegrippe-Uebrig-gebliebene-Impfdosen-werden-vernichtet

Die Impfung wurde bundesweit empfohlen, aber von den Bürgern kaum angenommen. Gott sei Dank, denn die Impfung hatte und hat erhebliche Nebenwirkungen. Bis heute sind alleine in Deutschland mehr als hundert meist junge Menschen an Narkolepsie erkrankt (viele von ihnen erst nach Jahren!). Die Pandemie ist jedoch ausgeblieben, Pandemrix-Dosen im Wert von 20 Millionen Euro mussten vernichtet werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben damals eine unrühmliche Rolle gespielt, indem sie in Sondersendungen für die Impfung geworben haben. Was, muss man sich fragen, wird bei einer „echten“ Pandemie passieren?…“

Interessanterweise hat damals ausgerechnet Alexander Kekulé, den wir alle als Corona-Experten erleben, die Impfung mit Pandemrix empfohlen und gewiss viele Menschen dazu bewegt, sich impfen zu lassen: „Virotole Alexander Kekulé rät gesunden Erwachsenen zur Impfung – trotz auch von ihm geäußerter Kritik an dem von den Bundesländern bestellten Impfstoff. Die Nebenwirkungen seien nicht viel anders als zum Beispiel bei einer Tetanus-Impfung, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle im Deutschlandradio.

Erstmals gebe es die Chance, „so eine Influenza-Welle wirklich durch eine Impfung zu begrenzen“, meinte er. Auch er selbst werde sich impfen lassen, mit Pandemrix. Bevor er allerdings seine drei kleinen Kinder impfen lasse, werde er „warten was sich noch tut in den nächsten Wochen“. https://www.sueddeutsche.de/politik/schweinegrippe-aufregung-um-zwei-klassen-impfung-1.36055#

Eine fahrlässige Empfehlung, wie wir erleben sollten. Wir können, so müssen wir folgern, auch den Empfehlungen der anerkannten Virologen nicht vertrauen. Hinzu kommt, dass es sich bei der Corona-Impfung um eine „komplett neue Impftechnologie“ handelt. Die Impfstoffe sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Es werden keine („bösen“) Viren gespritzt, sondern „nur“ die genetischen Informationen. Allerdings muss gesagt werden, dass gerade genetische Informationen, in den menschlichen Körper gespritzt, d.h. in uns hinein losgelassen, letztendlich unberechenbar sind.

Ich habe meine Informationen über „mRNA-Impfstoffe“ aus dem einleitenden Trailer zur Hart aber fair-Talksendung „Operation Impfung: Ist sie gut, ist sie sicher, wer bekommt sie wann?“ am 30. November. https://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/videos/video-so-funktionieren-die-corona-impfstoffe-102.html

Leider war die Sendung selber nicht aufklärend, sondern eine Propagandasendung pro Impfung. Pflichtgemäß wurde zwar auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen, doch trug die vermeintliche Selbstkritik letztendlich nur zur Verschleierung bei. Dabei heißt es im Trailer wortwörtlich: „Sollten es diese Impfstoffe auf den Markt schaffen, wären es die ersten mRNA-Impfstoffe, die für den Menschen zugelassen werden.“ Offensichtlich will man nicht nur Geld scheffeln, sondern Wissenschafts-Geschichte schreiben, und genau das ist fatal. Korrekt hätten wir Fernseh-Zuschauer folgendermaßen aufgeklärt werden müssen: „Die Wissenschaftler/innen tun ihr Bestes, nur leider wissen sie schon längst nicht mehr, was sie da tun.“ Und noch etwas hätte diskutiert werden müssen: Ist es tatsächlich nötig, die Massen zu impfen? Initiiert man mit der groß angelegten Impfung nicht einen hochriskanten globalen Menschenversuch? Meiner Meinung nach sollte man, wenn überhaupt, nur Risikopatienten impfen.

Was ich völlig unannehmbar finde, ist das mediale Spiel mit Heilserwartungen. Monatelang lautete die zentrale Schlagzeile: Wann ist es soweit? Wir wurden süchtig gemacht auf eine Erlösung, die in diesem Fall als Impfspritze daherkommt.

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Spiegel-online: Verballhornung des berühmten Ausschnitts aus Michelangelos Fresko „Die Erschaffung Adams“, zu sehen an der Decke der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Die abgebildeten Hände sind die linke Hand von Adam (links unten) und die rechte von Gott (rechts oben). Auf dem originalen Fresko sind die Hände etwa auf einer Höhe. Keiner der beiden hält etwas in der Hand. Adam sitzt da in lässiger Pose, das Bein angewinkelt, den Arm aufgestützt.  Michelangelos Adam ist völlig relaxt – ganz anders als sein angespanntes Gegenüber: Michelangelos Gott. Ein vieldeutiges Fresko, das schon unzählige Male interpretiert worden ist. Hier jedoch (vgl. auch Spiegel-Titel Heft 44/20) wird ihm eine plumpe Eindeutigkeit übergestülpt. Die Grafik hat den Bild-Ausschnitt gedreht bzw. gekippt. Das fällt nicht auf, denn der computertechnisch hinzugekommene Riss im Putz, der aussieht, als käme ein Blitz vom Himmel, ist fast senkrecht. (Nebenbei bemerkt: Der Riss erinnert mich auch an die Setzrisse im Wandputz unseres Reihenhauses.) Eine geschickte optische Täuschung, denn aus veränderter Perspektive  scheint es, als hockte Adam völlig erschöpft auf dem Erdboden: Adam, ein Hänger, ein verlorener Junkie in Erwartung der erlösenden Heroindosis.

Wann ist es soweit? fragen kleine Kinder, die es nicht erwarten können, Geburtstag zu haben. Aber vor allem fragen sie es vor Weihnachten. Es ist so schön, dass an Weihnachten -so habe ich es als Kind empfunden- nicht nur man selber, sondern jeder Mensch Geburtstag hat.

Mein Mann und ich haben die gemeinsam verbrachte Vorweihnachtszeit immer sehr genossen, vor allem, als die Kinder noch klein waren. Wir haben gebastelt, gebacken, die Wohnung geschmückt. Unsere Kinder haben Adventskalender geliebt und -so aufgeregt sie auch waren- geduldig ein Törchen nach dem anderen geöffnet. Und sie haben die Tage gezählt bis zum Wiedersehen mit ihren Verwandten. Weihnachten ist das Fest der Gegenseitigkeit. Wir teilen uns festliche Mahlzeiten und tauschen Geschenke. In diesem Jahr fällt -amtlich verordnet- mit dem Verbot von Weihnachtsmärkten, Glühwein-Ständen und „Lebendigen Adventskalendern“ auch die kollektive gesellschaftliche Vorfreude aus. Die maßlosen „Maßnahmen“ sind nicht nur ein massiver Angriff auf unsere Freude, sondern auch auf unsere Vorfreude.

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Wann ist es endlich soweit? Diesen Adventskalender hat meine Tochter Carla im Jahr 2008 für uns Eltern gebastelt. Da war sie neun Jahre alt und gerade von Köln-Neuehrenfeld ins zwei Kilometer weit entfernte Nippes umgezogen. Ein Umzug ist für Kinder immer auch ein kleiner Heile-Welt-Untergang. Unsere Kinder mussten zum Glück nicht die Schulen wechseln. Überhaupt ist es für Kinder, die klare Orientierungen brauchen, wichtig, dass möglichst alles so bleibt, wie es ist. Im Jahr 2020 ist nichts mehr so, wie es war. Doch (nicht nur) Kinder brauchen, wie wir alle wissen, Rituale. Nachdem Halloween und die Feste zu  Sankt Martin und Nikolaus schon nicht wie gewohnt stattgefunden haben, gibt es auch Weihnachten nur in der Light-Version.

Aber die Frage Wann ist es soweit? ist älter als Weihnachten. Ursprünglich, so denke ich, wurde sie nicht einmal ausgesprochen. Eigentlich berührt die Frage nicht die Geburt Jesu Christi, sondern die Geburt eines jeden Menschen. Denn die Frage Wann ist es soweit? ist eine Frage an die schwangere Frau, die ein geheimes, weitgehend unbewusstes Wissen in sich trägt über die Entstehung des Menschen. Die Frau, die, um Leben zu geben, ihr Leben riskiert, flößte tiefen Respekt ein. Heute ist „der Mutterleib als öffentlicher Ort“ (Barbara Duden) wissenschaftlich „erforscht“, vermessen. Der ärztliche Blick ist zunehmend respektlos. Und an die Stelle der Frage Wann ist es soweit? tritt ein lapidares „Für wann bist du ausgerechnet?“

Bei der gnadenlosen Durchleuchtung des Mutterleibs hat man Gott allerdings ebenso wenig gefunden wie bei der Erforschung des Alls. Wie auch? Das Göttliche wäre nicht das Göttliche, ließe es sich wissenschaftlich aufspüren.

Doch bei der Rettung der Welt wird die Wissenschaft eine zentrale Rolle spielen. Es waren Wissenschaftler, die die Gefahr der Erderwärmung erkannten und das Ozonloch entdeckten. Aber es sind auch Wissenschaftler, die sich immer mehr erlauben, Gott zu spielen und über unser Leben, Gebären und Sterben zu entscheiden. Wir müssen miterleben, was die klügsten Köpfe des 20. Jahrhunderts – allen voran der sprach- und gedankengewaltige Theodor W. Adorno („Dialektik der Aufklärung“) -vorhergesehen haben: Dass Aufklärung in ihr Gegenteil umschlägt.

Die Behauptung, dass all das, was wir derzeit erdulden müssen, zu unserem Wohl geschehe, ist eine sentimentale Anmaßung. Im Wikipedia-Beitrag zu Hybris fand ich ein treffendes Zitat: „Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“ (Karl Popper)

Traurig ist: Anders als im Frühjahr 2020 werden mittlerweile auch in Deutschland viele Todesopfer registriert, deren Tod „mit Corona in Zusammenhang“ gebracht wird. Auffällig ist, dass es die meisten Toten in Bayern gibt, insgesamt wurden hier seit Beginn der Aufzeichnungen 5483 Todesfälle gemeldet (nachgetragene Zahl vom 18.12.). Das sind deutlich mehr als im Bundesland NRW (5075 gemeldete Todesfälle am 18.12., Quelle: JHU CSSE COVID-19 Data), das mit knapp 18 Millionen Einwohnern nicht nur das bevölkerungsreichste Bundesland ist, sondern mit 526 Einwohnern je Quadratkilometer unter den Flächenstaaten auch der am dichtesten besiedelte. Zum Vergleich: In Bayern leben etwas mehr als 13 Millionen Menschen – aber nur 186 Einwohner pro Quadratkilometer. Dass ausgerechnet in Bayern, wo der autoritäre Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seit Beginn der Krise ohne Erbarmen den bundesweit härtesten Corona-Kurs fährt, besonders viele Menschen sterben mussten und müssen, lässt aufhorchen.

Dabei hatte man sich kürzlich noch mit einer hübschen Broschüre gefeiert. In der vom Bayerischen Innenministerium herausgegeben Schrift mit dem Titel „92 Tage Katastrophenfall: Corona-Pandemie in Bayern“ heißt es:

„Der Erfolg Bayerns bei der Bewältigung der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 fiel nicht vom Himmel. Er ist das Ergebnis deutlicher Führung mit klaren Strukturen, unendlicher Einsatzbereitschaft der vielen haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie der Bereitschaft der Menschen, zusammenzuhalten und Geduld zu haben. (JOACHIM HERRMANN, MdL, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration)

Natürlich dürfte es insbesondere Markus Söder nicht entgangen sein, dass die Zahl der Menschen, deren Tod mit einer Corona-Infektion im Zusammenhang gebracht wird, in Bayern extrem hoch ist. Doch anstatt sich endlich zu mäßigen, hat er mit noch größerer Härte reagiert. Auf einer Sondersitzung am 6. Dezember hat Ministerpräsident Markus Söder erneut für ganz Bayern den Katastrophenfall ausgerufen, der am 9. Dezember in Kraft getreten ist und vorerst bis zum 5. Januar 2012 gelten soll. Das ist meines Erachtens vollkommen unverantwortlich. Etwas ist was faul im Freistaat Bayern.

Leider ist der kernige Markus Söder über Bayern hinaus tonangebend. Am 13. Dezember werde ich in den kommenden Jahren nicht nur an den gewaltsamen Tod meiner Großmutter Steffi denken, sondern auch an den totalen Lockdown, der heute, am 13. Dezember 2020, über ganz Deutschland verhängt wurde

„Ist schon seltsam, aber irgendwann habe ich gelernt, die Zwangsmaßnahmen zu lieben…“ – Eine Begegnung mit der Frau Keuner

„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Frau Keuner. „Tach auch“, sach ich.

Die Frau Keuner steht mit einem Mal neben mir an der Gesichtsmasken-Wühltheke auf dem Nippeser Wochenmarkt. Ich bin da gelandet, weil ich wie so oft meinen Mund-Nasen-Schutz zu Hause vergessen hab. Der Verkäufer hat mir eine hellblau-weiße Einweg-Maske geschenkt, damit ich mir in Ruhe eine wiederverwendbare aussuchen kann.

Die Frau Keuner hat ihren Gehwagen zwischen uns gestellt. „Damit du mir nicht zu nahe kommst. Ich hatte beim Wühlen schon öfter mal einen verseuchten Ellbogen in der Fresse, da brauch ich deinen nicht auch noch. Du willst dir also eine neue Stoff-Maske kaufen, weil du mit der Slipeinlage im Gesicht nicht rumlaufen willst. Was guckst du so, die Wegwerf-Masken sehen doch wirklich so aus, findest du nicht? Schlag du ruhig zu, ich grabbel nur bissken. Ich hab meine Maske zwar auch nicht mit, aber ich hab mir auf die Schnelle ein Einwegteil von der Straße gefischt. Da hat jemand eine Großpackung ausgekippt. Wie neu, das geht, regnet ja nicht.“

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Nippes, Thüringer Straße, Ende November 2020. Mittlerweile findet man weniger Zigarettenschachteln und Kippen auf der Straße als weggeworfene Einwegmasken. Hier sind Einwegmasken direkt auf oder neben dem Gulli-Deckel gelandet. Ab damit in die Kanalisation. Höchst riskant, denn längst trägt der Masken-Abfall zur Vermüllung der Strände und Meere bei.

„Wir haben uns an die Maske gewöhnt“, sagt die Frau Keuner. „Ist ja mittlerweile ganz normal. Was hab ich am Anfang geschrien. Und jetzt? Wenn man mir ohne überzeugenden Grund einen Arm amputieren würde, würde ich auch schreien, aber nach einer Weile würde ich nur noch leise wimmern. Keiner würde es hören. Und irgendwann würde ich mich dafür bedanken, dass man mir den anderen Arm drangelassen hat. So fühlt sich in Corona-Zeiten Glück an.“ Die Frau Keuner wirft mir eine bunte, keimfrei verpackte Maske rüber. „Ich würde die da nehmen, du stehst doch auf Paisley, oder? Eines kann ich dir versichern, ich…“

Die Frau Keuner gähnt und redet dann weiter: „Ich sage nie mehr, wie entwürdigend die Maske ist, ich sage nie mehr, dass der Maskenzwang uns demütigt, ich sage nie mehr, dass ich mit dem Stück Stoff ein „Jawoll, zu Befehl, Herr Spahn!“ im Gesicht trage, auch wenn es so ist. Nie mehr sage ich, dass es brutal ist, sechsjährige, vor Energie und Lebenslust sprühende Kinder zu nötigen, ihre Wünsche zu drosseln und eine Maske zu tragen, obwohl das Virus ihnen nicht viel anhaben kann. Ich sage nie mehr, dass die Zwangsmaßnahmen eine Attacke sind auf die Lebensfreude, die Hoffnung, die Liebe. Denn ich…“ Die Frau Keuner schluckt. „Ich muss dir was sagen, ich…“ Sie holt ein Tüchlein aus der Jackentasche, nimmt die Gesichtsmaske ab und schnäuzt sich die Nase.

„Frau Keuner“, frage ich leise. „Was ist denn? Sie sind doch nicht krank?“

Die Frau Keuner guckt mich lächelnd an: „Ist schon seltsam, aber irgendwann habe ich gelernt, die Zwangsmaßnahmen zu lieben…“

„Nein!!! Das ist doch nicht Ihr Ernst?!“

„Wie laut man doch trotz Maske immer noch schreien kann“, sagt die Frau Keuner, lacht und zeigt auf eine Pyramide aus Schachteln mit Einwegmasken. „Rosa! Dat war sowat von überfällig. Immer und überall gab es ja nur hellblaue. Rosa, is dat nich süß? Rooosa. Ich hab der Angela Merkel 20 Stück zugeschickt, aber die sind wohl nie in Berlin angekommen. Vielleicht trägt die Merkel die rosa Masken privat, aber im Fernsehen sehe ich die immer nur mit dieser Werbemaske für die EU. Deutschland hat ja zur Zeit den EU-Ratsvorsitz inne und die Macht, deutsche Interessen durchzudrücken. Kennst du das deutsche Motto?“

„Nein“, sage ich leise. „Frau Keuner, können Sie bitte etwas langsamer reden.“

„Tut mir leid“, sagt die Frau Keuner, „aber ich hab wohl deine Auffassungsgabe überschätzt. Also… Das Motto für den deutschen Ratsvorsitz lautet: Gemeinsam. Europa wieder stark machen. Wieso wieder? Hömma, Europa wieder stark machen heißt übersetzt: Make Europe great again. Diese Abschreiber haben ausgerechnet den Trump beklaut! Die Werbetexter haben den Trump ja damals dermaßen beneidet für die verbale Kraftmeierei: Make America great again.

Europa wieder stark machen. Dabei sind sie gerade im Begriff, Europa genau da zu schwächen, wo Europa stark war: Die offenen Grenzen, der internationale Bildungsaustausch. Die Erasmus-Studenten haben zwar noch ihr Stipendium, aber die sitzen ihren Auslandsaufenthalt in Durham, Nantes oder sonst wo vor dem Rechner ab. Um Geld zu bekommen, müssen sie in der Universitätsstadt vor Ort sein, aber wozu? Fast alle Seminare sind online. Da ist nicht mehr viel mit Austausch. Apropos absitzen: Auf der Maske von der Merkel ist das EU-Logo mit der Möbius-Schleife. Eine Möbius-Schleife ist eine ohne Anfang und ohne Ende, und ohne Anfang und ohne Ende ist die Möbius-Schleife eine Endlosschleife, eine Warteschleife, und in so was sitzen wir alle drin.“ Die Frau Keuner löst die Bremse des Gehwagens. „Ich muss mich bewegen. Kommste mit? Im Reformhaus gibt es jetzt wieder dieses leckere frische Sauerkraut. Wär das nicht auch was für dich?“

„Heute nicht“, sage ich. Ich kaufe die Paisley-Maske, klemme mir die Schlaufen hinter die Ohren und ziehe das Teil über die Nase, weil gerade eben zwei Männer vom Ordnungsamt über den Markt patrouillieren. Ich begleite die Frau Keuner ein Stück. Langsam gehen wir die Viersener Straße Richtung Neusser. „Die Männer von der Straßenreinigung tun ihr Bestes“, sagt die Frau Keuner. „Die gehen ständig mit ihren Zangen durch die Straßen und picken Masken auf, aber das reicht nicht.“ Die Keuner zieht Plastikhandschuhe über. Ab und an bleibt sie stehen, bückt sich ächzend, pickt eine weggeschmissene Maske vom Bürgersteig und tut sie seufzend in eine kleine Plastiktüte.

Als wir an der Neusser Straße ankommen, drückt mir die Frau Keuner die Tüte in die Hand: „Für deinen Restmüll. Bei euch ist doch neuerdings mehr Platz in der Tonne. Lass dich angucken. Wusste gar nicht, dass du Röcke trägst. Hing dein Röckchen nicht letzte Woche noch bei Humana?“ Die Keuner grinst und summt eine Melodie, die mir bekannt vorkommt. Nicht singen, denke ich, bitte nicht, aber schon ist es passiert: „Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt‘ …“

„Pst“, mache ich. Die Frau Keuner hört auf zu singen und mustert mich: „Jetzt bist du über sechzig, deine Beine sind nicht mehr so schön wie früher, aber mit einer blickdichten Strumpfhose lassen sich die Besenreiser kaschieren. Ich sage dir was, du kannst Second-Hand-Klamotten anziehen, und es kommt immer noch elegant rüber, aber die Angela Merkel…“

„Was ist mit der?“

„Na ja, die Angela Merkel kauft Designer-Kleidung, aber die Designer-Kleidung sieht an der Merkel aus wie von der Stange oder aus dem Neckermann-Katalog der 60er Jahre. Das liegt nicht nur an der Figur, sondern auch daran, dass die Angela Merkel in der DDR aufgewachsen ist. Und in der DDR gingen die Kataloge von Quelle und Neckermann rum. Bestellen konnten die Ostdeutschen nicht, aber die Männer verguckten sich in die angebotenen Sportgewehre und die Frauen in die Klamotten. Bastelanleitungen für die Gewehre gab es nicht, aber Schnittmuster für die Kleider. Die wurden dann nachgenäht. Kaufen konnte man sie nicht, die wurden zwar vor allem in der DDR produziert, aber gegen Devisen an den Westen verkloppt. Doch Neckermann bleibt im Kopp, auch und gerade bei der Angela Merkel.“

Die Keuner macht endlich wieder eine Redepause, aber nur deshalb, weil sie eine Maske aufpicken muss. Ich halte das Tütchen auf.

„Aber diese kragenlosen Jacketts“, fängt die Keuner wieder an zu reden. „Die Blazer, die überm Hintern spannen, das geht eigentlich nicht. Die Corona-Zeit ist doch eigentlich eine Zeit ohne die Festessen, wo sich die Politiker auf unsere Kosten dick und doof fressen. Ich weiß nicht, warum die Merkel nicht dünner wird. Irgendwas stimmt da nicht. Vielleicht findet hinter den Kulissen das große Fressen immer noch statt. Stop, Maske!“

Die Keuner bückt sich, ist aber schnell wieder oben. „Weißt du, woran die Jacken von der Merkel mich erinnern? An ein chinesisches Einheits-Kleidungsstück, das in den 70er Jahren, als made in China noch nicht billig klang, in links-alternativen Kreisen angesagt war. Weißt du, was ich meine? Stichwort Unisex. Wir sind von Duisburg nach Düsseldorf gefahren, weil es da in der Altstadt einen Laden gab, wo die Jacken zu kaufen waren.“

„Meinen Sie die Maojacke?“, frage ich vorsichtig. Die Keuner grinst und nickt: „Die Merkel trägt Mao.“

„Ich muss jetzt“, sage ich. „Mir raucht der Kopf.“

„Zu viel Input, wa?“, sagt die Frau Keuner und lacht. „Dann trennen wir uns jetzt. Aber ich hab was mit dir vor, denn ich wollte immer schon mal mit dir… Wusstest du schon, dass wir… Dass wir beide für morgen nachmittag 16 h verabredet sind?“

Ich schlucke: „Was haben Sie mit mir vor?“

„Corona-Sause im REWE“, sagt die Frau Keuner.

P1000709Diese Masken, darunter eine Kindermaske, habe ich auf der Straße gefunden, einige aus Pfützen gefischt. Es sind Handarbeiten. Ich habe sie bei 60° Grad gewaschen, also nicht einmal so heiß, wie es zur Abtötung von Viren empfohlen wird. Dennoch leiert schon bei 60° die Gummi-Litze aus, was zur Folge hat, dass die Maske von der Nase rutscht. Wäre das Virus wirklich so gefährlich, wie uns weisgemacht wir, wäre die (offizielle!) Empfehlung solcher Stoffläppchen grob fahrlässig.

Elfchen im Elften zum Karnevals- und Alkohol(ver)kaufsverbot: Auch ohne Bier und Wein…

Als ich vier oder fünf Jahre alt war, kam an einem Rosenmontag ein Fotograf der WAZ in unseren Kindergarten, um Fotos vom Kinderkarneval zu machen. Damals, vor mehr als fünfzig Jahren, war das kein Problem, denn die Fotografen wurden noch nicht kollektiv der Pädophilie verdächtigt, nur weil sie Kindergesichter fotografierten. Wir Kinder waren stolz und aufgeregt. Am nächsten Tag erschien dann in der Bottroper Lokalausgabe der WAZ ein Artikel. Da neben anderen Kindern auch meine Schwester und ich auf dem Foto waren, hatte meine Mutter den Artikel für uns aufgehoben. Er hatte eine neckisch-biederwitzige Schlagzeile, die aus 9 Wörtern bestand. (Um ein Elfchen daraus zu machen, habe ich 2 Wörter hinzugefügt.)

„Auch

Ohne Bier

Und Wein können

Wir fröhlich sein“ – Auch

Daheim!

Über die Biederkeit der Schlagzeile haben wir später noch viel gelacht (Und ich, eine passionierte Rotweintrinkerin, habe den Artikel bis heute aufbewahrt). Die Spießer, das waren die anderen, die uns nichts anhaben konnten.

Bis vor kurzem dachte ich, der piefige deutsche Humor sei ausgestorben. Doch „werch ein illtum“ (Ernst Jandl). In diesen traurigen Coronoia-Zeiten ist der Kleinbürger wieder da, feiert der latent aggressive deutsche Biederwitz fröhliche Urständ. Wer des Spießers Sprache fließend beherrscht, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Das Virus kennt keine Feiertage“. Wäre ich ein Alien, könnte ich aus sicherer Entfernung über Frau Merkel lachen. Aber ich lebe auf der Erde, wo sich die Lage immer mehr zuspitzt. Der autoritäre Biederwitz spiegelt die Mentalität der meiner Meinung nach vollkommen unangemessenen bundesdeutschen Corona-Politik, die tatsächlich (und das zeigt der rigide Umgang mit Andersdenkenden) keinerlei Spaß kennt.

Zurück zum Karneval: Nun wissen wir alle, dass Kinder (zum Glück) keinen Alkohol mögen. Sie müssen auch nichts trinken, um einander näher zu kommen. Kinder sind Kindern nicht fremd. Sie gehen aufeinander zu und haben in aller Regel weder Angst noch Hemmungen. Bei uns Erwachsenen ist das anders. Wir sind schon oft enttäuscht worden, wenn wir Nähe gesucht haben. Daher sind wir nicht mehr unbefangen.

Der Genuss von Drogen kann uns unbefangener machen. Allerdings sind gerade die halluzinogenen Drogen, etwa auch Cannabis, nur schwer kontrollierbar. Kiffen kann schnell dazu führen, dass uns ist, als säßen wir in der Achterbahn oder auf der Fähre von Dover nach Calais bei Windstärke 10. Der Verzehr von Space-Cakes kann aber auch eine ausgesprochen angenehme Wirkung haben. Unter günstigen Umständen ist Cannabis ein wunderbares Aphrodisiakum, denn manchmal wirkt es wie ein Bad in einer Art Jungbrunnen. Daher kann ich gerade vernünftigen älteren Menschen, die sich seit vielen Jahren gut kennen, gerne haben und einander vertrauen, eine Reise nach Alkmaar inklusive Einkehr im Coffeeshop nur wärmstens empfehlen, auch Joachim Sauer und Angela. Tatsächlich kommen wir auf diese Weise an verborgene Gefühle heran: „Ich möchte noch mal 20 sein und so verliebt wie damals….“

Alkohol kann solche Wunder nicht bewirken, ist aber viel besser kontrollierbar. In Maßen genossen fördert der Alkohol das friedliche und freundliche Miteinander. Ohne Sektempfang ist eine Hochzeitsfeier kaum denkbar. Im Karneval ist der Alkohol unerlässlich – trotz aller Schattenseiten (Kotzepfützen, Glasscherben, „Schnapsleichen“).

Mit dem Verbot der öffentlichen Feste zum Karnevalsanfang war zu rechnen, denn es ist Teil der allgemein bekannten Corona-Zwangsmaßnahmen, doch das absolute Alkohol(ver)kaufsverbot am 11.11. habe ich persönlich nur deshalb verkraftet, weil ich anders als des Rotkäppchens Großmutter über das alltägliche Viertel hinaus eh immer genug Wein vorrätig habe.

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„Alkoholverkaufsverbot“ am 11.11.. Die deutsche Sprache, insbesondere die Amtssprache, hat die Neigung, aufgeblasene Wort-Ungetüme zu kreieren, Begriffe, die sich aus einzelnen Wörter zusammen setzen und unter Umständen endlos in die Länge wachsen. Hier sind es die drei Wörter „Alkohol“, „Verkauf“ und „Verbot“. Der Siebensilber „Alkoholverkaufsverbot“ hat mit 21 Buchstaben nur eine Stelle weniger als das Zahlenungetüm IBAN. Beim Eintragen einer IBAN in einen Überweisungsträger ist nicht möglich, was hier gemacht wurde: Da das XL-Wort „Alkoholverkaufsverbot“ nicht auf die Tafel passte, wurde der Buchstabe „f“ weggelassen.

Im Verkaufsraum von Alnatura sagte mir ein freundlicher Mitarbeiter, dass das Fotografieren der Regale zwar nicht grundsätzlich verboten sei, dass er mich aber trotzdem bitten würde, es sein zu lassen. Ich versicherte ihm, dass ich nicht vom konkurrierenden (Wein)- Fach sei, gelobte Besserung und steckte den Fotoapparat zurück in die Tasche.

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Bescheuert: Gelbschwarze Absperrbänder spiegelten den Ernst der Lage.

In einem der berühmtesten und berührendsten Kölner Karnevalslieder spielt der Alkohol eine zentrale Rolle. Das Lied der Bläck Fööss erzählt vom alten Mann, der vor der Wirtschaftstür steht, kein Geld hat, aber so gerne dabei wäre. Doch dann kommt jemand aus der Kneipe heraus, geht auf den alten Mann zu und lädt ihn ein: „Drink doch eine met.“

Natürlich ist dieses Lied, das in einer Kneipe spielt, die wie jede Kölner Kneipe an Karneval proppenvoll ist, in Zeiten eines „Lockdown Light“ politisch nicht korrekt. Was tun? Die Antwort der Stadt Köln ist nachzulesen im aktuellen Newspaper der Stadt Köln. Oberbürgermeisterin Henriette Reker: „Es werden auch wieder bessere Zeiten kommen, ein Impfstoff, wirksame Medikamente – auf diese Zeiten können wir uns jetzt schon freuen. Aber bis dahin bitte ich Sie, bitte ich Euch alle – und Ja, ich erwarte es auch –, in Abwandlung eines der schönsten kölschen Lieder zu sagen: ‚Drink doch KEINE met‘…!“ https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/22575/index.html

Liebe Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker,

ich weiß, dass Sie mit einem Karnevals- und Alkoholverkaufsverbot uns Bürgerinnen und Bürger vor einer Ansteckung mit Corona schützen wollen. Doch die Verbote gehen zu weit. Das Alkoholkaufsverbot ist entmündigend und respektlos gegenüber all den Bürgerinnen und Bürgern, die sich seit dem Frühjahr an die Vorgaben gehalten haben. Es stellt uns unter einen Generalverdacht: Wir alle könnten mit Hilfe von Alkohol auch außerhalb eines der derzeit geschlossenen Superspreader-Orte (Kneipen und Restaurants) ein Superspreading-Event anzetteln, z.B. eine Karnevalsfeier.

Dem Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln ist bei der Werbekampagne für die Aktion „diesmalnicht“ ein schwerer Schnitzer passiert. Das Motto „Drink doch KEINE met“ ist nicht nur anbiedernd. Mit der Änderung des einen Worts wird ein Lied verhunzt und veralbert, das längst zum Kölner kulturellen Erbe gehört. Wir Kölnerinnen und Kölner lieben das Lied, auch ich als Wahl-Kölnerin. Nicht einmal der Einsturz des Kölner Stadtarchivs, der zwei Menschen das Leben gekostet hat und durch einen schweren Fehler im Rahmen des Ausbaus der U-Bahn verursacht wurde, hat „Drink doch Eine met“ etwas anhaben können, denn das Lied ist uns allen im Ohr – und wir tragen es in unserem Herzen…

Mit der Aufforderung „Drink doch KEINE met“ ändert sich das Lied von Grund auf. Ich erlaube mir, die Geschichte neu zu erzählen: Ein alter Mann steht vor der Wirtschaftstür…

„Hallo, Sie da“, sagt der Mann vom Ordnungsamt, der auf seinem Kontrollgang an der Kneipe vorbei kommt. „Ziehen Sie mal die Maske hoch, auf der Neusser Straße ist Maskenpflicht, gehen Sie besser nach Hause. Und ziehen Sie endlich die Maske hoch… Immer noch nicht begriffen, dass die Kneipe zu ist und es keinen Alkohol gibt? Drink doch KEINE met, verstanden? Klare Ansage von der Frau Reker. Kein Wenn und Aber. Was sagst du da, die Frau Oberbürgermeisterin will sich bei den Kölnern beliebt machen? Nur weil sie sagt, dass sie eine Jeckin ist und selber gerne feiern würde, aber uns zuliebe auch gerne ein Opfer bringt? Schwerhörig? Drink doch KEINE met! Was sagst du da, du willst gar nicht in die Kneipe, aber du kannst auch keinen Alkohol kaufen, und das, wo die Läden doch jetzt so lange auf sind? Hättest du doch gestern kaufen können. Hingen doch überall Informationen. Beim Aldi zum Beispiel, da bist du doch bestimmt Kunde. Was sagst du da? Im Frühjahr waren die Weinregale noch brechend voll, als längst kein Klopapier mehr da war? Das findest du einen Widerspruch? Außerdem…“ Der Ordnungsamtsmann rückt seine Maske zurecht und redet dann weiter: „Außerdem schwächt Alkohol dein Immunsystem und macht dich anfällig für Corona. Da kannst du der Frau Reker wirklich dankbar sein, denn ein Alkoholverkaufsverbot schützt dich. Aber die Stadt Köln hat eine frohe Botschaft für dich. Du bist über 80 und wirst als erster geimpft.“ Der Amtsmann grinst und singt: „Und häste och kei Jeld, dat es janz ejal. Ahler Mann, die Impfung kostet nichts!

Auf der Neusser Straße in Nippes war es gestern nachmittag, obwohl die Geschäfte geöffnet waren, seltsam still. Die wenigen Autos fuhren auffällig langsam. Es dämmerte, ich kam aus Richtung Agnesviertel und war ein bisschen melancholisch gestimmt. Doch auf der Höhe von Tchibo hörte ich mit einem Mal Musik, zunächst einzelne Klänge, die sich, als ich weiter ging, zu Liedern zusammensetzten. Vor dem Kaufhof stand ein Leierkastenmann. Der Mann hatte einen Hut voller Süßigkeiten neben den Leierkasten auf den Boden gestellt. Da er die Kurbel weiter drehte, musste ich dem maskierten Mann verboten nahe kommen, um zu verstehen, was er mir sagte: Greifen Sie zu, die Süßigkeiten sind noch von Halloween, ich hatte sie für die Kinder gekauft, aber die durften ja wegen Corona nicht klingeln, und es sind auch keine gekommen… Ich blieb eine Weile dort stehen – und habe selten erlebt, wie beglückend und berauschend Musik ist.

Kamala Harris for Vice-President!

Die WDR-Talksendung „Hart aber fair“, die gestern abend um 21.30h im „Ersten“ ausgestrahlt wurde, warb mit einem reißerischen Titel: „Trump oder Biden – die freie Welt vor einer Jahrhundertwahl! Die letzten Stunden vor einer Wahl, die für die USA und die Welt historisch ist.“ Dass es sich bei dieser Wahl um eine Jahrhundertwahl handelt, halte ich für eine maßlose Übertreibung. Hierzulande (in den USA dürfte es anders sein) zittert keiner mehr vor Donald Trump.

2016 war das anders. Die letzte Wahl war tatsächlich eine Jahrhundertwahl, denn ihr Ausgang, die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Atom-Macht USA, hat gezeigt, wie fragil unsere Demokratie ist. Vor allem hat die Wahl im Jahr 2016 an unsere existentiellen Ängste gerührt, die wir permanent verdrängen müssen, um überhaupt leben zu können, insbesondere die Angst vor einem Atomkrieg. Wer sich erinnern will, wie sich kluge, phantasiebegabte Menschen nach der Wahl gefühlt haben, nämlich „schockstarr“, möge sich folgendes Video angucken, in dem der großartige deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz zu Wort kommt, der fordert, dass wir Trump endlich ernst nehmen sollen: https://www.youtube.com/watch?v=wAkRMAd4uuw

In seiner Wahrhaftigkeit hat mich das Video damals sehr getröstet, denn Christoph Waltz gehört zu den Menschen, die sich nicht betrügen. In den deutschsprachigen Medien hingegen spielte man die Gefahr herunter, und man hörte beschwichtigende Sätze wie: „Vielleicht ist er gar nicht so gefährlich, wie er tut“, oder: „Man muss Trump eine Chance geben.“ Politisch sind solche „Unschuldsvermutungen“ nicht nur dumm, sondern auch fahrlässig: „Man wird erst wissen, dass er vorhatte, Atombomben auszuprobieren, wenn er es wirklich tut.“

Ich denke an das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Es erzählt davon, dass wir lernen müssen, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Übertragen auf die Unschuldsvermutung gegenüber Trump ist es so, als würde die Ziegen-Mutter zu ihren Kindern sagen: „Lasst den Bösen Wolf ruhig ins Haus, er gilt zwar als böse, aber das sind nur Vorurteile, denn ob er vorhat euch zu fressen, können wir erst im Nachhinein wissen. Der Bursche wird sich schon benehmen.“

Donald Trump hat -salopp gesagt- ein ausgesprochen schlechtes Benehmen. Er verhält sich, als seien die USA sein privates Unternehmen, als gehörten die USA ihm, als seien die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten seine Angestellten, die er heuern und feuern kann, wie er nur will. Trump verhält sich so wie ein cholerischer, unreifer Knabe, der die Sau rauslässt. Aber Trump ist kein Knabe, sondern ein erwachsener Mann, ein Brandstifter, der über Leib und Leben der Bürgerinnen und Bürger entscheiden kann. Was entsetzlich und hierzulande kaum bekannt ist: Donald Trump hat die Todesstrafe ausgeweitet. Seit dem vergangenen Jahr lässt er nach einer Unterbrechung von 16 Jahren wieder Hinrichtungen auf Bundesebene vollstrecken.

Wir müssen hoffen, dass Trump die Wahl, die gerade eben stattfindet, verliert. Es gibt da eine Politikerin, die ist anders als Trump eine entschiedene Gegnerin der Todesstrafe, anders als Trump leugnet sie den Klimawandel nicht, und anders als Trump ist sie gegen die freie Verfügbarkeit von Schusswaffen. Ich rede von Kamala Harris, und die gibt -im wahrsten Sinne des Wortes- eine richtig gute Figur ab. Es möge gesagt werden dürfen: Kamala Harris ist auch was fürs Auge.

In der Selbstpräsentation sind die US-Amerikaner uns Deutschen meilenweit voraus. Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker sind immer auch Medienfiguren, die sich freiwillig oder unfreiwillig exhibitionieren, doch das scheinen die Deutschen immer noch nicht begriffen zu haben, insbesondere… Frau Merkel müsste dringend an ihrem Outfit feilen.

Worin die Chance liegt: Der Demokrat Joe Biden hat Kamala Harris zu „seiner“ Vize-Präsidentin bestimmt. Das ist ein Amt, das es hierzulande nicht gibt. Der Vice-President hat eine große Bedeutung. Im Falles des Todes, des Rücktritts oder der Amtsenthebung des Präsidenten ist der Vizepräsident bzw. die Vizepräsidentin die erste Person, die das Amt des Präsidenten übernimmt. Zugleich wäre Kamala Harris, sollte Biden die Wahl gewinnen, seine wichtigste Beraterin.

Demokratien brauchen Volksvertreter, wir brauchen Menschen, denen wir vertrauen können. Zur Wiederbelebung der Demokratie braucht es weibliche Energie! Kamala Harris for Vice-President!

In der öden gestrigen „Hart aber fair“- Sendung wurde Joe Biden zum Vorwurf gemacht, dass er im Wahlkampf nicht aggressiv genug aufgetreten sei. Diesen Vorwurf halte ich für gefährlich, denn dahinter steht die Forderung nach dem harten Mann, der autoritär durchgreift. Überhaupt ist der politische Umgangston „seit Trump“ rauer geworden. Angela Merkel und ihre politischen Verbündeten verhalten sich mittlerweile ähnlich respektlos wie Trump, so, als seien wir Bürgerinnen und Bürger bloße Befehlsempfänger.

Auch in Deutschland verschwimmen die Grenzen zwischen „öffentlich“ und „privat“. Wir erleben eine eigentlich nicht zumutbare Einmischung in unser Privatleben. Gestern, am ersten Tag des „Lockdown light“, verkündete Angela Merkel eine Weihnachtsbotschaft. Spiegel-online: „Zum Start des Corona-Shutdowns geht die Kanzlerin noch einmal in die Offensive. Ihre Botschaft: „Nur wenn jetzt alle mitziehen, wird es kein einsames Weihnachten.““ Das ist so anmaßend!

Gegen das, was tatsächlich unser aller Leib und Leben bedroht, insbesondere die Klimakatastrophe, wird nichts gemacht. Deutschland drückt weiterhin auf die Tube. Dass, während die Wälder in den USA brennen, der Liter Diesel in Deutschland mit 99 Cent weniger als einen Euro kostet, finde ich grob fahrlässig. Demgegenüber steht ein meiner Meinung nach blinder Aktionismus, was den Kampf gegen das Virus betrifft. Gegen die „Naturkatastrophe Corona“ (Angela Merkel) fährt man gigantische Geschütze auf. Zwangsmaßnahmen werden verhängt, die verharmlosend „Lockdown light“ genannt werden.

Mit dem „Kampf gegen Corona“ wird demonstriert, dass man die Gefahren unter Kontrolle bekommt. Ja, das Virus bekommt man unter Kontrolle, aber nur deshalb, weil es so gefährlich nicht ist. Das ist so lächerlich, aber ich kann nicht lachen, weil der Schaden bereits immens ist. Dabei sind wir Menschen gegenüber den tatsächlichen Bedrohungen vollkommen ungeschützt. Angela Merkels Wohnung brennt lichterloh, aber sie geht ins Bad und passt auf, dass die Badewanne nicht überläuft.

Anders als in den USA gibt es in Deutschland keine Todesstrafe mehr, und man kann Schusswaffen nicht im Supermarkt kaufen. Zum Glück, denn hierzulande liegt eine furchtbare Anspannung in der Luft. Die Menschen sind erschöpft und tieftraurig.

Um nicht zu vereinsamen, haben wir gelernt, unsere Kritik an den Zwangsmaßnahmen zu bremsen und zu verdrängen- und spüren kaum noch, wie wütend wir sind. Da wir uns zwingen zu glauben, dass die Politiker nur unser Bestes wollen, richten wir die Aggressionen gegen uns selber – und werden depressiv.

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Privater Waffenbesitz in Deutschland: Dass wir keine Waffen im Haus haben, stimmt nicht so ganz. Beim Entrümpeln finde ich im Keller eine Wasserbomben-Schleuder. Hiermit und auch mit Wasserpistolen hatten meine Töchter (und wir Eltern, vor allem ich, der Plastikmüll hielt sich im Rahmen und sei uns verziehen) großen Spaß. Und dennoch ist auch diese Schleuder ein „Nachfolgerin“ einer der frühesten Waffen der Menschheit, der Steinschleuder.  Um zu überleben, mussten die Neandertaler jagen,  aber sie hatten vor den Tieren (und der Schöpfung) Respekt. Vermutlich töteten sie „maßvoll“, denn sie erbeuteten niemals mehr Tiere, als sie zum Überleben brauchten Die Neandertaler waren weitaus zivilisierter als wir,  denn sie hatten zwar Waffen, haben es aber in den über 200.000 (!) bezeugten Jahren nicht „geschafft“, die menschliche Spezies auszurotten…. Die Schusswaffen, die in den USA verkauft werden, sind weder notwendiges Übel noch Spielzeug, sondern dazu da, auf Mitmenschen gerichtet zu werden. 

Vor gut vier Jahren habe ich einmal eine Mail (am 22.Juni 2016, „Trump“ lag schon in der Luft) in eine Gruppe von Weintrinkerinnen aus dem Umfeld des legendären Nippeser „Weinhaus(es) im Viertel“ (das es leider schon länger nicht mehr gibt) geschickt. Aus aktuellem Anlass sei die Mail hier noch einmal abgedruckt (und die Weinkennerinnen mögen mir die „Zweitverwertung“ verzeihen):

„Liebe Wein-Kennerinnen,  

in den USA darf man erst mit 21 Jahren Alkohol trinken. Ganz anders sieht es mit dem Besitz und Gebrauch von Schusswaffen (die oft aus Deutschland kommen) aus. Mit tödlichen Waffen schießen dürfen schon die ganz Kleinen. Da gibt es etwa die spezielle, voll funktionstüchtige Kinder-Knarre „My First Rifle“.  

Hier das Quiz zum Thema:  Warum ist an manchen US-Schulen das Lesen von „Rotkäppchen“ verboten?  

a: Weil Rotkäppchen auf den Beifahrersitz eines College-Boys gehört und nicht in den Wald. … b: Weil Rotkäppchen ihrer Großmutter eine Flasche Wein mitbringt. … c: Weil der Böse Wolf ein Terrorist sein könnte.  

Alles stimmt, aber die richtige Antwort lautet:

https://www.spiegel.de/fotostrecke/kampagne-choose-one-fotostrecke-95902.html …“

Elfchen im Neunten: Pufffff…

Nachdem das „Pascha“, eines der größten Bordelle Europas, coronabedingt fünf Monate lang geschlossen war, meldeten die Betreiber Anfang September Insolvenz an. Das zehn(!)geschossige „Laufhaus“ (es nennt sich so, weil die Freier zwecks Auswahl der „Dame“ durch die Gänge des Gebäudes laufen) ist keine 15 Geh-Minuten von der autofreien Siedlung Stellwerk 60 entfernt.

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29.7.2020: Noch ist das „Pascha“ nur vorübergehend geschlossen. Fünf Wochen später ist klar, dass niemand mehr das goldglänzende Rollgitter hochzieht .

All

You can

Eat… Ufffff… Yes!

All you can f…

Pufffff…

Die Coronoia-Politik mit ihren rigorosen Zwangsmaßnahmen hat das Elend der Prostitution deutlich zutage gebracht. Viele Prostituierte, die ihren traurigen Job in den seltensten Fällen freiwillig machen und in der Regel ohnehin am Rand des Existenzminimums leben, wurden durch die Schließung der Puffs in die Illegalität getrieben. https://www.express.de/koeln/zufaellig-entdeckt-corona-verstoss–koelner-polizei-hebt-illegalen-puff-aus-36607810

Seit Wochen hatten Prostituierte (überwiegend Frauen) für die Wiedereröffnung der Puffs demonstriert, auch vor dem Kölner Dom. https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/koeln-corona-sexarbeiter-demonstration-100.html Die mitverantwortlichen Kölner Kommunalpolitiker interessierte das, wie mir schien, kaum.

Prostitution ist ein Wirtschaftsfaktor. Die Bundesrepublik Deutschland gilt als „Bordell Europas“. Die liberalen deutschen Prostitutionsgesetze und günstige Preise locken Sextouristen aus aller Welt auch nach Köln.

Das Gebiet rundum die Hornstraße, an der das „Pascha“ liegt, ist trostlos und heruntergekommen. Gegenüber vom „Pascha“ hat ein Eros Center die Krise überstanden. „Das Bordell“ ist mittlerweile wieder in Betrieb.

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Aushang, fotografiert am 29.7.2020: „Das Bordell… Paket Lieferung… Bitte 20 m links in Eifachrt faheen … Vielen Danke…“

Henriette Reker, die am vergangenen Sonntag in der Stichwahl zur Oberbürgermeisterin wiedergewählt wurde, kennt das „Pascha“ wohl nur vom Hörensagen. Ich würde Frau Reker gerne einen Wandertag quer durch Köln empfehlen. Sie möge aus Neuehrenfeld kommend die Liebigstraße entlang gehen und hinter dem Gelände der „Fleischversorgung Köln“ in die Hornstraße einbiegen.

Den muffig-ätzenden Gestank, der hundert Jahre lang aus Richtung „Fleischversorgung“ kam und vom Schlachten erzählte, haben die Anwohner nicht mehr in der Nase. Der Schlachthof hat vor einigen Jahren den Betrieb eingestellt. Doch der fies beschmierte Geldautomat, der neben dem „Pascha“ an einer Hauswand hängt, tut es wohl immer noch.

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Die Warnung auf dem Bildschirm, dass die Geldscheine eingefärbt sind, gilt nur für den Fall, dass man auf die Idee kommt, den Automaten in die Luft zu sprengen.

Seit Mitte September sind auch in Nordrheinwestfalen die Bordelle unter strengen Hygiene-Auflagen wieder geöffnet. Die tragikomische Verkrampftheit der Sicherheitsmaßnahmen zeigt allerdings, wie gestört und verkrampft Prostitution ohnehin ist. Weil die Maßnahmen wirklich grotesk sind, seien sie hier zitiert: „…

+++ Corona-Regeln für Prostitution

Seit Mittwoch (16.09.2020) gelten in NRW neue, strenge Corona-Regeln für Bordelle und Prostituierte, nachdem das Oberverwaltungsgericht Münster zuletzt das Prostitutionsverbot gekippt hatte.

Kontaktdaten angeben: Wer sexuelle Dienstleistungen in Anspruch nehmen will, muss persönliche Daten hinterlassen: Zeitpunkt des Kontaktes, Name, Adresse und Telefonnummer. Diese müssen von den Prostituierten oder Bordellbetreibern vier Wochen lang aufgehoben werden.

Mindestabstand einhalten: Außer „während der Erbringung der sexuellen Dienstleistung“ müssen Kunden, Prostituierte und andere Bordellzugehörige den Mindestabstand von eineinhalb Metern einhalten.

Nur Einzelkontakt: Kunden dürfen nur alleine Sex mit Prostituierten haben. Mehr als diese zwei Personen dürfen sich derweil nicht im Raum befinden.

Hände waschen: Kunden und Prostituierte müssen sich vor und nach der sexuellen Dienstleistung die Hände waschen beziehungsweise desinfizieren. Die Bordelle und Prostituierten müssen für entsprechende Möglichkeiten sorgen.

Sex nur mit Maske: Das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen im Kontakt zwischen Kunden und Prostituierten ist „ab der Kontaktaufnahme zwingend und konsequent geboten“. …“ https://www1.wdr.de/nachrichten/corona-bordelle-prostituierte-100.html

Eine Empfehlung: Die Fotografin Bettina Flitner, Ehefrau von Alice Schwarzer, ist vor ein paar Jahren in das Stuttgarter Groß-Bordell „Paradise“ gegangen, hat Freier zwischen 23 und 73 Jahren fotografiert und den ganz normalen Männern eine ganz normale Frage gestellt: „Warum sind Sie hier?“ Der Artikel ist großartig: http://www.bettinaflitner.de/fileadmin/img/Press_Artikel/Freier_STERN.pdf

Eine der großen Lügen unserer Zivilisation behauptet, die Prostitution sei so alt wie die Menschheit. Korrekt sollte es heißen: Die Prostitution ist so alt wie das Patriarchat. In den frühesten Kulturen, den menschlichen Gesellschaften noch vor den Matriarchaten, war das weibliche das starke Geschlecht. Frauen hatten, so müssen wir annehmen, eine Macht, die keine angemaßte war, sondern eine naturgegebene (dazu später einmal mehr).

Frauen haben weniger Muckis als Männer, aber sie haben etwas, das Männern fehlt: die Gebärfähigkeit.

Bei Ausgrabungen unter der Leitung des US-Archäologen und Tübinger Professors Nicholas Conard wurde im Jahr 2008 in der Höhle „Hohle Fels“ in der Schwäbischen Alb nicht nur eine Flöte gefunden, die aus einem hohlen Gänsegeierknochen geformt ist, sondern man fand auch die Teile einer kleinen, aus Mammutzahn-Elfenbein geformten Frauenfigur mit ausgeprägten geschlechtlichen Merkmalen, der sogenannten „Venus vom Hohle Fels“. Figurine und Flöte sind beide etwa 40.000 Jahre alt und gelten als die älteste bekannte plastische Menschendarstellung und das älteste je gefundene Musikinstrument.

Nicholas Conard weist darauf hin, dass es für die Eiszeitmenschen, die noch Jäger und Sammler waren, katastrophal war, wenn junge, fruchtbare Frauen starben. Der Tod einer einzelnen gebärfähigen Frau konnte die Existenz der gesamten eiszeitlichen Gruppe gefährden. Der Tod einzelner Männer hingegen war verschmerzbar. Denn, so Conard mit feinem Humor: „Wenn ein paar Männer verschwinden, ist es nicht schlimm.“ https://www.deutschlandfunkkultur.de/vor-zehn-jahren-erstmals-praesentiert-die-venus-vom-hohle.932.de.html?dram:article_id=448559

Kannten die Eiszeitgemeinschaften Bordelle? Wohl kaum.

Veedel for future: Bei der Wahl des Stadtrates erreichen DIE GRÜNEN in Nippes 38,87%!

Wir alle kennen es: Die stille Genugtuung, wenn wir mit 120 Stundenkilometern über die Autobahn rollen – und auf der Gegenfahrbahn bewegt sich nichts mehr. Die kleine Schadenfreude sei jedem erlaubt. Nicht erlaubt sein dürfte, dass Menschen durch Katastrophengebiete reisen und ihren Spaß haben, während andere Menschen ganz in der Nähe erleben müssen, wie ihre Welt untergeht.

Als ich Näheres erfahren wollte über die verheerenden Waldbrände, die derzeit in Kalifornien wüten, bin ich auf die Internet-Seite eines deutschen Reise-Anbieters gestoßen: „Leider sind durch die Waldbrände auch immer wieder wichtige Sehenswürdigkeiten, Attraktionen und Straßen betroffen. Daher ist es wichtig, sich vor einer Kalifornien-Rundreise ausführlich über bestehende Waldbrände und auch Straßensperrungen zu informieren.“ https://www.kalifornien-tour.de/kalifornien-waldbraende.htm

Man hält sich, so wird suggeriert, die Katastrophe vom Leib, wenn man nur den entsprechenden Abstand einhält. In sicherer Entfernung geben die Brände eine schöne Kulisse ab für Selfies und Urlaubs-Filmchen. Natürlich sind nicht alle Touristen, die zur Zeit durch Kalifornien reisen, sensationslüstern. Der Klimakatastrophen-Tourismus jedoch ist nicht nur respektlos den betroffenen Menschen gegenüber, sondern nährt die Illusion, dass wir hier in Deutschland nicht Betroffene sind, sondern nur Zuschauer. Doch auch wir sind betroffen, wenn auch bei weitem (noch) nicht in diesem Ausmaß.

Heute, am 15. September, ist es in Köln-Nippes 34 Grad heiß. Die Hitze passt nicht zum Frühherbst-Licht. Die Sonne brennt, aber sie sie steht nicht mehr hoch am Himmel und wirft bereits lange Schatten. Die Böden sind seit Monaten so trocken, dass die Amseln keine Regenwürmer aus der Erde picken können. Zum Glück kühlt es sich mittlerweile nachts ab. Obwohl wir in Deutschland in diesem Sommer eine nie gekannte Dürre erlebt haben und immer noch erleben, glaubt man hierzulande, man könne die dringend notwendigen Klimaschutz-Maßnahmen auf später verschieben. Die Politik macht uns vor, die Klimakatastrophe ließe sich Zeit und man hätte alles im Griff. Hauptsache, die Sirenen sind gewartet und die Warn-Apps tun ihren Dienst.

Doch genau das tun sie nicht. Unter dem seltsam drohenden, völlig verunglückten Veranstaltungs-Titel „Wir warnen Deutschland“ (kein Witz!) wurde am 10. September der erste bundesweite Katastrophen-Warntag durchgeführt, der demnächst regelmäßig einmal im Jahr stattfinden soll. Pünktlich um 11:00 Uhr ertönten bundesweit die Sirenen. Zeitgleich wurde erstmals flächendeckend neben anderen Apps die Warn-App NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes) ausprobiert. Doch ausgerechnet NINA versagte. „Während in einigen Städten die Sirenen heulten, das Radio und das Fernsehen warnten, blieben die Warn-Apps still – und verschickten ihre Warnungen teils über eine halbe Stunde zu spät.“ https://www.hna.de/welt/warntag-2020-deutschland-panne-bayern-katwarn-nina-probealarm-warnung-twitter-katastrophe-zr-90040078.html?cmp=defrss

Doch all die hilflosen Kontrollmaßnahmen und Sicherheitsversprechen kommen bei den Menschen offenbar nicht mehr an. Bei den NRW-Kommunalwahlen am vergangen Sonntag mussten die etablierten Parteien mit ihrer nicht nur unglaubwürdigen, sondern meines Erachtens fahrlässigen „Wir haben alles im Griff“ – Politik eine schwere Niederlage einstecken. Zwar bleibt die CDU mit 34,3% vor der SPD (24,3%) landesweit stärkste Kraft, doch Wahlsiegerin, was den Zuwachs angeht, ist mit satten 8,3 Prozent plus die Partei DIE GRÜNEN, die damit auf 20 % kommt.

In den Großstädten gewannen DIE GRÜNEN besonders deutlich. In der Stadt Aachen (wo man unlängst -leider erfolglos- gegen den Weiterbetrieb des maroden grenznahen belgischen Atommeilers Tihange geklagt hatte) hat die grüne Kandidatin Sibylle Keupen große Chancen, in der Stichwahl Oberbürgermeisterin zu werden.

Im Rat der Millionenstadt Köln werden DIE GRÜNEN die größte Fraktion stellen, sie gewannen die Wahl mit 28% deutlich vor SPD (21,58%) und CDU (21,49%). Im Stadtbezirk Nippes wählten 38,87% der Bürger und Bürgerinnen bei der Wahl des Stadtrates GRÜN. Und was macht die „parteilose“ Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die von den GRÜNEN und leider auch der CDU unterstützt wird? Frau Reker erreichte anders als bei ihrem Debut im Jahr 2015 nicht die absolute Mehrheit, sondern muss (verdient, wie ich finde) am 27.9. in die Stichwahl.

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Vor dem Wahllokal (hier „Wahlraum“ genannt) 50106 in der Gemeinschaftsgrundschule Steinbergerstraße stand ich 40 Minuten in der Warteschlange. Nach einer halben Stunde erreichte ich den Eingang zum Schulgebäude und guckte einem verstörten Coronoia-Comic-Kind in die farblosen Knopfaugen, einem lieblos gezeichneten Schulmädchen mit blonden Zöpfchen, die vom Kopf abstehen wie zusammengedrehtes Bonbonpapier. Das Masken-Muss für Grundschulkinder ist eine der traurigsten deutschen Corona-Maßnahmen. Nicht einmal in Frankreich, wo die Maßnahmen sehr rigide sind,  müssen sechsjährige Schulkinder Masken tragen, denn dort gilt die Maskenpflicht erst ab elf…..  Auch so entsteht ein Stau: Nicht richtig atmen, nicht richtig riechen, schon gar nicht schmecken: Die Gesichtsmaske behinderte mich auch hier. Ich hatte beim „Wahlgang“ nicht mehr alle Sinne beisammen und brauchte viel länger, als ich normalerweise gebraucht hätte, um die drei Wahlzettel (für Rat, Bezirksvertretung und OB) auszufüllen.

Vor allem die ganz jungen 16 bis 24jährigen Wählerinnen und Wähler haben DIE GRÜNEN gewählt. Viele von ihnen haben regelmäßig die Schule geschwänzt und dabei, wie wir sehen, „für das Leben“ gelernt. Es lebe Fridays for Future!

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Für DIE GRÜNEN bleibt viel zu tun. Man wird offen und respektvoll auf die Jungen zugehen müssen. Schließlich hat man ihnen den Wahlerfolg zu verdanken. Die Wahlplakate der GRÜNEN waren krampfhaft lustig (s.oben) und leider auch nicht pfiffiger als die der anderen Parteien. Die Anspielung auf den desolaten Zustand der Schultoiletten habe ich wohl verstanden, aber… Die Werbetexter unterliegen auch bei der Wahlwerbung, wir wir sehen, einem tragikomischen Kreativitätszwang. Wie dem auch sei: Ich freue mich über den Wahlerfolg der GRÜNEN!

Kein Abstrampeln für die Klimapolitik der Stadt Köln: Kapitänin von Stellwerk60-Team SattelFest verabschiedet sich vom Stadtradeln

Vor einer Woche hat in Köln das diesjährige Stadtradeln begonnen, eine bundesweite Großveranstaltung des Netzwerks Klimabündnis. Im Klimabündnis haben sich im Jahr 1990 zahlreiche Städte, Gemeinden und Landkreise zusammengeschlossen und sich verpflichtet, das „Weltklima zu schützen“.

Stadtradeln ist eine Mitmach-Aktion, die zum Klimaschutz beitragen soll. Die Spielregeln: Während eines Zeitraums von drei Wochen steigen Menschen vom Auto auf’s Fahrrad um und zählen per Internet die Kilometer, die sie radelnd zurücklegen. Stadtradeln ist eine pfiffige Idee, wie ich finde, aber doch nur eine symbolische Aktion. Denn was hilft es, wenn wir nach den drei Wochen (fast) alle wieder ins Auto steigen? Stadtradeln beschert uns lediglich ein gutes Gewissen – Jahr für Jahr.

Es ist eine Anmaßung zu meinen, wir Menschen, die wir die Klimakatastrophe verursacht haben, könnten das Weltklima schützen! Ich denke, es geht viel mehr darum, das Klima vor uns Menschen zu schützen. Wir müssten jetzt die Notbremse ziehen. Denn wenn „das Haus brennt“ (Greta Thunberg), kann man es nicht mehr vor dem Feuer bewahren. Da hilft nur eines: Löschen.

Nachdem der Rat der Stadt Köln im Mai Grünes Licht gegeben hat für die Bebauung des Äußeren Grüngürtels mit FC-Trainingsanlagen, habe ich das Vertrauen in die aktuelle Kommunalpolitik verloren. Schließlich hat die Stadt Köln vor einem Jahr -wie viele andere Kommunen auch- den „Klimanotstand“ ausgerufen. „Klimanotstand“ heißt: Der Schutz des Klimas hat absolute Priorität. Demnach sind alle kommunalen politischen Entscheidungen dem Klimaschutz unterzuordnen. Mit dem JA zur Bebauung verstößt die Stadt Köln gegen die Regeln, die sie selber aufgestellt hat.

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Ich liebe meine Stadt, ich fahr Rad, aber ich mach nicht mehr mit…

Im Grußwort zum Kölner Stadtradeln schreibt Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln und Schirmherrin der Aktion, beschwichtigende Sätze: „Der Umstieg vom Auto auf’s Rad ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu unserem Ziel: bereits vor 2050 wollen wir klimaneutral sein.“ Ein frommes, zahmes, aber meines Erachtens grob fahrlässiges Versprechen mitten im Kommunal-Wahlkampf. Natürlich lassen wir Menschen uns gerne beruhigen, aber die Rettung der Welt können wir nicht auf 2050 verschieben.

Am bundesweiten Stadtradeln, das seit 2008 veranstaltet wird, nimmt die Stadt Köln seit 2016 teil. Ich habe im Jahr 2016 gemeinsam mit Nachbarin Annette Dauberschmidt das Team Stellwerk60 – SattelFest gegründet. Doch am Ende der drei Wochen war ich alleinige Teamkapitänin, denn Annettes und meine Vorstellungen gingen weit auseinander. Annette wollte ein kleines, überschaubares Team, ich ein großes.

Auf diese Weise wollte ich auf unsere Siedlung aufmerksam machen. Dass Köln mit Stellwerk 60 eine autofreie Siedlung hat, ein bau- und klimapolitisch zukunftsweisendes Projekt, ist in der Stadtspitze -während Besuchergruppen aus aller Welt anreisen, u.a. aus Japan und den USA- niemals angekommen. Vom Spiel-Ehrgeiz gepackt, schaffte ich es tatsächlich, dass wir im Jahr 2016 mit 135 Radlerinnen und Radlern das zweitgrößte Kölner Team wurden und bei der offiziellen Siegerehrung im Rathaus „auf dem Treppchen standen“.

Im Jahr 2020 ist alles anders. Auch beim Stadtradeln gibt die „Gesundheit“ die Richtung vor. So verkündet das Klimabündnis auf stadtradeln.de: „Nicht nur wir, sondern auch das Bundesgesundheitsministerium ist überzeugt, dass das Fahrrad das sinnvollste Verkehrsmittel für die verbleibenden unvermeidlichen Wege ist – sei es zum Einkaufen oder zur Arbeit….“ Der Text enthält nicht nur einen peinlichen Grammatikschnitzer, „… nicht nur wir…  ist überzeugt…“, sondern kommt furchtbar verkrampft daher.

Wenn ich Rentner Alf Kroll, der drei Mal hintereinander in der siedlungsinternen Wertung das Gelbe Trikot erkämpft hat, ohne kämpfen zu müssen, etwas von den „verbleibenden unvermeidlichen Wegen“ erzählen würde, würde Alf lachen, denn er ist ein leidenschaftlicher Radfahrer, der nicht nur das Radeln liebt, sondern auch die guten Radwege, von denen es europaweit (nicht nur) in den schönsten Landschaften immer mehr gibt und auf denen es große Freude macht zu fahren.

Das Miteinander, das das Stadtradeln eigentlich ausmacht, fällt in diesem Jahr aus. So rät das Klimabündnis „derzeit davon ab, das STADTRADELN 2020 mit gemeinsamen Radtouren, Auftaktveranstaltungen oder anderen Aktionen, bei denen viele Menschen zusammenkommen, zu flankieren.“ (stadtradeln.de) Team-interne Siegerehrungen, so legt man uns nahe, sollen auf einen späteren Zeitpunkt verlegt werden.

Offensichtlich sind dem Klimabündnis die selbstorganisierten, letztendlich nicht kontrollierbaren „Aktionen“ suspekt. Auf diese Weise verödet allerdings das Stadtradeln, denn es mutiert zu einer Art Computerspiel mit Echt-Anteil: Jede(r) fährt für sich allein und trägt Kilometer ein. Wie langweilig. Da kann man, so denke ich, gleich auf dem Standfahrrad fahren. Auf diese Weise schützt man sich nicht nur vor Regen, sondern erspart sich auch die verbleibenden unvermeidlichen Wege.

Wie traurig: Es ist, als würde man einem Vor- oder Grundschulkind, das einen Schwimmkurs besuchen will, sagen: „Das geht jetzt nicht, du darfst nicht mit anderen Kindern ins Wasser, denn wir sind von Corona bedroht und müssen aufpassen. Du kannst nicht ins Schwimmbecken, denn im Wasser wimmelt es vor Viren. Aber du kannst trockenschwimmen. Du brauchst nur den schönen neuen Computer anzustellen, den wir uns extra für deinen Schulunterricht angeschafft haben. Da bietet man digitale Schwimmkurse an.“

Huch! Dass die Kinder in den letzten Monaten solche oder ähnliche Sätze tatsächlich zu hören gekriegt haben, habe ich soeben gelesen. Mittlerweile finden zwar in Deutschland wieder Schwimmkurse (im Wasser!) statt, aber Ringe und Schwimmnudeln etc. sollen die Kinder (in der Regel) von zu Hause mitbringen. Außerdem vertreten die Eltern vielerorts die Schwimmlehrer und müssen mit den Kindern ins Becken! Ist das alles noch wahr? Nebenbei gesagt: In Schweden, wo die Grundschulkinder in den letzten Monaten nicht nur uneingeschränkt die Schule, sondern auch Schwimmkurse besuchen konnten wie eh und je und dabei viel Wasser geschluckt haben, weil es nun mal dazu gehört, ist meines Wissens kein Kind besorgniserregend erkrankt. Schwimmen ist eine Kulturtechnik und (fast) so wichtig wie Lesen und Schreiben.

Zurück zum Stadtradeln: Wieder einmal ist die Corona-Politik ein Angriff auf unsere Lebensfreude. Ob am Rhein, am Ballermann oder im Karneval: Genuss macht sich gerade da verdächtig, wo man ihn sich noch leisten kann. Und weil es derzeit so gut ankommt, verkauft man uns das zurechtgestutzte Radeln noch als Gesundheitsmaßnahme. Auf einen Artikel auf spiegel.de mit dem Titel „Warum Fahrradfahren gleich doppelt schützt“ weist stadtradeln.de mit folgendem Link hin: Die gesundheitlichen Vorteile des Radfahrens in Zeiten von Corona

Unter dieser Formulierung verbirgt sich ein sentimentaler Romantitel, den wir alle im Ohr haben: „Die Liebe in den Zeiten der Cholera.“ Der Autor des Romans ist der kolumbianische Literatur-Nobelpreisträger Gabriel García Márquez. (Ob der Roman so schwülstig ist, wie der Titel suggeriert, weiß ich nicht, denn Ich habe ihn nicht gelesen.)

Das Radfahren „in Zeiten von Corona“ –  „Die Liebe in den Zeiten der Cholera.“ Die Ähnlichkeit scheint gewollt. Ich fürchte, da war ein psychologisch geschulter textender Schlaumeier bzw. eine Schlaumeierin am Werk. Ich fremdschäme mich sehr.

So weh der Abschied tut: Da das Stadtradeln zu einer spießig-autoritären Veranstaltung mutiert ist, die indirekt auch noch für die katastrophale Klimapolitik der Stadt Köln wirbt, steige ich als Teamkapitänin aus.

 

Ergänzung 31.8.: In der Wertung von Stadtradeln Köln liegt am 10.Tag mit 136 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie 14.909 bislang geradelten Kilometern aktuell ein Team mit wohlklingendem Namen vorne, dessen pole position Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erfreuen dürfte: „Gesunde Uniklinik Köln“.

Elfchen im Achten: Wer nicht schnüffeln darf, wird…

Hunde, die ja bekanntermaßen gerne schnüffeln, fangen sich schnell Zecken ein. Bei unserem Hund Freki (10) sitzen sie mit Vorliebe im Gesicht. Manchmal, so denke ich, kann eine Maul- Nasenbedeckung gute Dienste leisten, denn…

… mit Maske wär das nicht passiert:

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Mai 2020: Die Zecke an Frekis Schnauze, die noch deutlich dicker wurde, bevor sie abfiel, sollte bis jetzt (13.8.) im Kopfbereich die einzige bleiben.

In den Jahren 2018 und 2019 war vor allem der Bereich rund um Frekis Augen betroffen (vgl. Blogbeiträge „Zeckenkrieg“ und „Der Zeckenindikator“).

 

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Juli 2019:

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Zecken, zupfreif. Ich habe sie damals nicht entfernt, sondern gewartet, bis sie abgefallen sind (Die „Therapie“ ist nur beim Hund zu empfehlen!). Wenn die Zecken neben dem Auge sitzen, darf man den Hunden nicht zu nahe kommen. Sie knurren, denn sie fürchten um ihr Augenlicht. Die Hunde wissen: Wenn der Mensch die Zecke herauszieht, kann es schnell zu Entzündungen kommen.

An Borreliose können auch Hunde schwer erkranken. Das passiert allerdings sehr selten, wie mir Frekis Tierärztin erzählte. Achtung: Menschen sollten sich nach Waldspaziergängen immer nach Zecken absuchen und die Tierchen, deren Stich man anders als den Stich der Wespe nicht spürt (damit man sie beim Saugen nicht stört), so schnell wie möglich entfernen…  Ich fand gerade einen Text, der plastisch erzählt, warum: „Borreliose wird nicht durch den Einstich der Mundwerkzeuge der Zecke in die Haut übertragen, vielmehr findet die Borreliose-Übertragung erst gegen Ende der Blutmahlzeit statt. Nach circa 24 Stunden steigt das Infektionsrisiko deutlich an, da nach dieser Zeit die Blutmahlzeit in der Regel abgeschlossen ist. Wenn die Zecke satt ist, würgt sie nämlich etwas Mageninhalt in die Wunde des Opfers, und mit ihm vorwiegend das Bakterium Borrelia burgdorferi.“ https://www.drseitz.de/schwerpunkte/borreliose-therapie/borreliose-infektionsweg.html

Da aufgrund des „Klimawandels“ die Winter immer wärmer und kürzer werden, werden die Zecken früher im Jahr aktiv und bleiben es länger. Dennoch wird die Gefahr überschätzt. „Das Risiko zu erkranken“, so schrieb ich vor einem Jahr an dieser Stelle, „ist gar nicht so hoch, wie man denkt. Zwar tragen (je nach Gebiet) bis zu 30 % der Zecken Borrelien in sich, aber nur 2,6 bis 5,6% der gebissenen Menschen entwickeln Antiköper dagegen. Lediglich 0,3 bis 1,4% der von einer Zecke Gebissenen erkranken tatsächlich an Borreliose (Zahlen: Robert-Koch-Institut, Stand: 14.2.2018)“ Tückisch ist die Borreliose allerdings wegen der möglichen Spätfolgen. Manche Menschen, die Antikörper entwickeln, haben zunächst keinerlei Symptome, werden aber Jahre später ernsthaft krank.

Das Thema „Zecken“ zieht immer. Gewohnt reißerisch hatte Ende Mai 2020 die Bild-Zeitung Zecken-Alarm geschlagen:

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In diesem Jahr hat die mediale Coronoia andere Katastrophen-Schlagzeilen in den Hintergrund gedrängt, wo sie dennoch gewirkt haben. Gefährlich sind Horror-Meldungen wie diese, weil sie nicht nur maßlos übertrieben sind, sondern untergründig dazu beitragen, die Corona-Panik noch weiter anzufachen. „Sie stechen so früh wie nie!“ ist übrigens Unsinn: Als die Bild-Zeitung Ende Mai drohte, waren die Zecken schon seit mindestens zehn Wochen aktiv. Hund Freki hatte bereits im März eine erste Zecke im Fell.

Kaum jemand, mit dem ich ins Gespräch komme, hat noch Angst vor dem Corona-Virus. Aber die meisten Menschen haben Angst, drakonische Strafen bezahlen zu müssen, den Job zu verlieren etc. Daher tragen alle die Maske, ob fertig gekauft, selber genäht, gehäkelt, gestrickt, zusammengeheftet. Wir sehen bescheuert aus und bedecken die untere Gesichtshälfte mit kleinen Stoffteilen, die vermutlich nichts weiter sind als Scherzartikel. Wir tragen uns mit unleserlichem Namen in die Listen ein, die in den Cafés ausliegen, was niemanden interessiert.

Aber wir alle sind angespannt. Gereizt sind insbesondere die völlig überforderten Menschen in „systemrelevanten“ Berufen. Im Supermarkt begegne ich täglich Verkäuferinnen und Verkäufern, die man vor Monaten noch „gefeiert“ hat. Jetzt sind sie dazu verdonnert, die Regale wieder alleine aufzufüllen, ohne die Mitarbeit der für kurze Zeit eingestellten Hilfskräfte, und von morgens bis abends eine Maske zu tragen. Die Regale sind wieder gut bestückt und die Kunden undankbar und grantig wie eh und je.

Weil ich keine Gesichtsmaske dabei hatte, wurde ich am Tag der Beerdigung des Leichnams meines Mannes früh am Morgen aus dem REWE an der Nohlstraße geworfen. Eine seltsame Erfahrung, wenn man Stammkundin ist und immerhin 61. In Ermangelung einer Maske riss ich mir eine kleine Obsttüte von der Rolle, klemmte mir den Plastiklappen hinter die Ohren, schritt in den Laden und wurde direkt zurückgepfiffen: Halt! Eine zweite maskierte Verkäuferin kam dazu: Halt! Ich ging weiter und stammelte einen Satz wie: Mein Mann wird heute beerdigt, ich muss noch ein paar Zutaten einkaufen für den Brunch. Man holte Verstärkung, diesmal einen ebenfalls älteren männlichen Kollegen mit FC Köln-Maske (Aufdruck: Zesamme stark blieve), verfolgte mich durch den Laden und schrie im Verein: Raus, raus, raus! Ich stellte ein Glas Mayonnaise aufs Kassenband. Nichts da, raus, raus, raus! Ich brach in Tränen aus. Kein Erbarmen: Raus, raus, raus!

Wenn wir eine Maske tragen müssen bzw. einen Maulkorb, spannt uns das an. Wir sind nicht nur schlecht gestimmt, sondern auch (latent) aggressiv. Kluge Hunde wissen das. Ihnen widme ich mein Elfchen des Monats.

 

Weise

Hunde warnen:

Wer nicht schnüffeln

Darf, wird erst richtig

Scharf