Elfchen im Vierten: Aufklärungs-KI entlarvt Pornografie!

Menhire“, schreibt Bernward Wember, emeritierter Professor für Medienwissenschaft, „sind rätselhafte Steine. Große stehende Steine, hoch und sehr geheimnisvoll. Das bretonische Wort Menhir bedeutet Langer Stein. In der Bretagne stehen viele einsame Exemplare alleine in der Landschaft und sie verraten nichts über ihre Funktion. Archäologen haben viel geforscht, um die Bedeutung der Menhire zu klären, aber sie fanden nicht die eine, allgemeingültige Interpretation. Es gibt sehr unterschiedliche Erklärungen.https://www.menhire-bretagne.de/

Zum Beispiel besage eine Theorie, „dass die hohen Steinsäulen den Himmel berühren, um magische Kräfte der Götter auf die Erde zu bringen“. Eine „politische Theorie sieht in dem großen Stein die Machtdemonstration eines Stammesfürsten“ wieder eine andere (soziale) Theorie „sieht in dem Menhir einen eregierten Phallus, der als sexuelle Darstellung Fruchtbarkeit und Fortpflanzung der Menschen symbolisieren soll.“ (Wember, s.o.)

Der größere der beiden Menhire von Karangosquer (bei Pont-Aven) ist etwa 5,5 m hoch und steht -ganz in der Nähe einer Landstraße- im lichten Wald. Auf den ersten Blick hält man ihn für ein Einzel-Exemplar, aber in 130 m Entfernung befindet sich -tiefer im Wald- ein zweiter, 3,50 Meter hoher Menhir.
In aller Regel ist bei Menhir-Paaren die „Sicht“ zwischen den beiden „Partnern“ frei. Dass die beiden Menhire im Wald stehen, war vermutlich nicht immer so und von den Baumeistern „nicht so geplant“, wie ein Foto aus dem Jahr 1902 nahe legt. https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Menhir_de_Kerangosker_1902.jpg

Große, allein stehende Menhire sind, so denke ich, immer Männlichkeitssymbole und Demonstration von männlicher Potenz und Muskelkraft. Von starken Männern des Neolithikums (= Jungsteinzeit ab 5.500 v. Chr.) und der Kupferzeit wurden sie mit ausgeklügelter Technik oft über weite Strecke transportiert und unverrückbar aufgerichtet.

Mit der Sesshaftwerdung der Menschen, die vor gerade einmal 10.000 Jahren begann, übernahmen die Männer die Herrschaft. Sie waren nicht mehr bereit, sich unterzuordnen und die naturgegebene weibliche Autorität anzuerkennen. Muskelkraft wurde zum Aushängeschild der Macht. Unerträglich muss es für die Männer gewesen sein, dass die Frauen, die ja näher an der Natur sind, sich nicht mehr ausschließlich der Mutterschaft widmeten, sondern Gesellschaften gründeten. Während der Neolithischen Revolution setzte sich das Patriarchat weltweit überall da mit aller Macht und Härte durch, wo es entwickelte Matriarchate mit gewachsenen Strukturen gab. „Der Sieg des Patriarchats war einer der gründlichsten in der Menschheitsgeschichte.“ (Christoph Türcke, SEXUS UND GEIST, Philosophie im Geschlechterkampf)

„Männliche „Stärken“ wie Muskelkraft, Kampfbereitschaft und Wehrhaftigkeit spielten eine immer größer werdende Rolle, denn das Eigentum war entstanden und „musste“ verteidigt werden. Fortan war die Geschichte mitsamt all ihren Institutionen, Erfindungen und kulturellen Errungenschaften immer auch eine Geschichte brutaler Kriege, der primitiven und brachialen Waffengewalt…“ Doch was war davor? „Warum hat die zwar gefahr-, aber dennoch relativ friedvolle vorpatriarchale und vormatriarchale Epoche nicht eher geendet, was hat die steinzeitliche Welt so lange in der Balance gehalten? Warum hat der Gebrauch von Werkzeugen und Waffen nicht zur Selbstzerstörung geführt? … Entscheidend war die Liebe zum Leben: Das Gespür für Natur, die Ehrfurcht vor der weiblichen Gebärfähigkeit und die Einbettung des menschlichen Daseins in den göttlichen Kosmos…“ https://stellwerk60.com/2022/07/09/elfchen-im-siebten-schoepfungswonne/

Trotz ihrer imposanten Größe muten die Menhire noch geradezu romantisch an. Zärtlich-ironisch werden sie in „Asterix und Obelix“ „Hinkelsteine“ genannt. Interessanterweise sind sie dort gut erhalten und werden dort bis heute verehrt, wo die Zeit ein bisschen stehengeblieben zu sein scheint, in der Bretagne. Hier ist nach Stilllegung des Kernkraftwerks Brennilis im Jahr 1985 (noch vor der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl) kein einziges Atomkraftwerk mehr in Betrieb. Auf fast allen Schnellstraßen beträgt die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit angenehme 110 kmh.

Und doch dürften auch Menhire primitive Männerphantasien angeregt haben: Wenn wir diese schweren Steine transportieren und aufstellen konnten, sind wir gewiss zu mehr in der Lage. Wie lassen sich die steinernen Giganten in Wurfgeschosse verwandeln?

Aus ihrer Symbolhaftigkeit gerissen und ortlos geworden, können große Objekte eine nicht zu bändigende Zerstörungskraft entwickeln. Der Bau von „leistungsstarken“ Bomben und Raketen markiert das Ende jeglicher Ehrfurcht vor der göttlichen Schöpfung. Und mögen sich heutige politische Akteure auch „bekennende Christen“ nennen: Die Atombombe ist gottlos.

In den Diskussionen der 80er und 90er Jahre kamen kluge Zeitgenossen zu der Erkenntnis, dass die Okkupation der Erde und des Alls eine andere Inbesitznahme spiegelt, die des menschlichen Körpers, insbesondere des pränatalen Raums. In den WG-Bücherregalen stand damals ein Buch von Barbara Duden, Medizinhistorikerin und Pionierin der Körpergeschichte, das mich tief beeindruckt und nachhaltig sensibilisiert hat: „Der Frauenleib als öffentlicher Ort. Vom Mißbrauch des Begriffs Leben“, 1991

Die Autorin stellt dar, wie sehr Medizin-Technik und Gesetzgebung der Nachkriegszeit das Erleben von Schwangerschaft verändert haben. Als „schwanger“ soll sich die Frau nicht dann empfinden, wenn sie in sich hineinhört, Veränderungen wahrnimmt und irgendwann Kindsbewegungen verspürt, sondern dann, wenn Ultraschall-Bilder belegen, dass ein Kind in ihr heranwächst. Die Visualisierung der Leibesfrucht ist eine Störung der Mutter-Kind-Symbiose, denn fortan beobachtet die Mutter ihr Kind. Der Mutterleib ist kein Schutzraum mehr, sondern „öffentlicher Ort“.

Neue Mess-Instrumente wurden entwickelt, Tests und Durchleuchtungs-Verfahren verfeinert. Während der „Pandemie“ war ich wegen der versuchten Inbesitznahme meines Körpers von Beginn an alarmiert. Aber betroffen war ja nicht nur mein eigener Körper. Wir erlebten eine welthistorisch nie dagewesene Verletzung unserer leiblichen Integrität, eine medizinische Überrumpelung und Okkupation aller Leiber, insbesondere durch die Impfung.

Doch was macht eigentlich eine Impfung per Spritze so heikel? … Mit einer Hohlnadel durchsticht Medizinerin oder Mediziner die Haut, dringt in den Muskel ein und spritzt eine Flüssigkeit in den Muskel. Das muss nicht unbedingt schmerzhaft sein, ist aber eine Grenzüberschreitung. Aus juristischer Sicht sind Injektionen gemäß § 223 StGB grundsätzlich eine Körperverletzung. Zudem ist die Injektionsspritze -mehr noch als das Stethoskop- Symbol ärztlicher Macht. Darüber hinaus hat das Verabreichen einer Spritze aggressiv-sexuelle Momente. Medizinisch sind Injektionen vielfach unumgänglich, sie gehören zum ärztlichen Alltag. Ärzte realisieren jedoch viel zu selten, dass das, was für sie Alltag ist, für den Patienten eine unangenehme Ausnahme bedeutet. Insbesondere bei der Behandlung von Kindern ist äußerste Vorsicht geboten.  https://stellwerk60.com/2022/11/30/dopp-elfchen-im-elften-kinder-die-was-wollen/

„Dringend verboten werden müsste die öffentliche Zurschaustellung des Impfakts – insbesondere zu Werbezwecken. Die Vorführung stellt nicht nur den Menschen in seiner Verletzlichkeit bloß, sondern verhöhnt das ärztliche Ethos.
Wie in einer Wiederholungsschleife werden und wurden wir -insbesondere auf dem Höhepunkt der Corona-Impfeuphorie- selbst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mit Darstellungen von Impfungen konfrontiert. Auf diese Weise wird eine unserer primitivsten Gefühlsregungen genährt, der Voyeurismus. Mit Aufklärung hat das nichts mehr zu tun.“
(s.o.)

Da ich die öffentliche Zurschaustellung des Impfakts als widerlich, menschenverachtend und pornografisch empfinde, habe ich damals in die Suchmaschine hintereinander und ohne Satzzeichen drei einschlägige Begriffe eingegeben: Abbildung Corona-Impfung Pornografie. Damals wurde ich nicht direkt fündig, heute schon, denn mir wurde kürzlich ein Link eingespielt, der bezeugt, dass die Corona-Impfung schon im Jahr 2021 auf den Porno-Portalen angekommen war. Das klingt dann so:

Wie „Vice“ berichtet, greifen immer mehr Pornos das Thema der Covid-Schutzimpfung auf. Darstellerin Porsha Parker etwa verpasst ihrem Publikum in einem Clip namens „Cum Vaxx“ ein gesalzenes Jaukerl. Als Impfstoff-Ersatz fungiert darin richtigerweise – ihr habt es schon erahnt – Sperma.Auf Plattformen wie Pornhub finden sich währenddessen Videos mit einschlägigen Titeln wie „Astra Peneca: Effective on all variants of rock“ oder „Is your sperm a COVID-19 vaccine, Boss? I will get it!“ https://k.at/entertainment/corona-impfung-pornos/401469886

Schätzt mich die KI als eine Person ein, die das sehen will?

Für das widerwärtig-verstörende Foto zeichnet die als seriös geltende dpa (Deutsche Presseagentur) verantwortlich. Die impfende Hand trägt einen schwarzen Kunststoff-Handschuh, die klobige Linke hat den Handschuh lässig übergestreift. Im Hintergrund sehen wir einen mit einer roten Tischdecke abgedeckten Tisch, auf dem eine Sektflasche steht. Läuft hier eine Sado-Maso-Porno-Nummer?
Die eingeblendete Bonprix-Werbung spielt Lackleder-Stiefel ein, High Heels mit Impfspritzen-spitzen Absätzen, das schwarze Kleidchen in der Mitte sieht von weitem wie ein (hechelnder) schwarzer Deutscher Schäferhund aus.
Ich bin angewidert, denn was ich zu sehen bekomme, ist menschenverachtend.
Ich habe die Szene am 9.1.2022 aus einem Impf-Werbespot abfotografiert (um Minute 47). Der kleine Werbe-Film Film ist immer noch aufrufbar: https://web.de/magazine/politik/scholz-impfpflicht-versprechen-halten-36497656 Die flankierende Werbung ist natürlich eine andere.

Damals jedoch war es eben diese pornografisch aufgeladene Werbung, die mich aufhorchen und genauer hingucken ließ. Daher möchte ich mich bei der Künstlichen Intelligenz bedanken, denn schließlich ist sie es, die mir am 9.1.2022 die vielsagende Collage von „Information“ und Werbung zugespielt hat. Manchmal wird ausgerechnet sie, die KI, ohne es beabsichtigt zu haben, zur Aufklärungs-Spezialkraft:

Eine

Spezialistin für

♂︎♂︎♂︎-Phantasie, eine Aufklärungs-KI,

entlarvt Scholzens „Impfpflicht-Versprechen“ als

Pornografie

Doch was war eigentlich das „Impfpflicht-Versprechen“?

Als Ende November 2021 längst durchgesickert war, dass sich eine neue, harmlosere Corona-Variante entwickelt hatte, die die Impfung der Massen in Frage stellen könnte, wurden unsere Spitzenpolitiker so nervös, dass Olaf Scholz sein Wahlversprechen, dass es keine Impfpflicht geben werde, vergaß. Stattdessen kreierte er „eine Drohung, die er -psychologisch clever- auch noch als Geschenk verpackte, als ein neues „Versprechen“, ein sogenanntes „Impfpflicht-Versprechen“. (stellwerk60.com, s.o.)

Überhaupt wurde die Impfung als gute Gabe verpackt. Wir sollten sie nicht als Überrumpelung, sondern als Befreiung, Erlösung, als Rettung und Wohltat empfinden. Hier arbeitet die Politik mit den Mitteln einer primitiven Werbepsychologie. Der Staat tut uns weh, aber er meint es gut mit uns, denn er will uns ja nur helfen. Er dringt in unsere Körper ein, aber er meint es gut mit uns, denn er will uns ja nur schützen. Aber die sanfte Gewalt ist gefährlich, denn wir erleben nicht nur eine Glorifizierung einer in die Irre geleiteten Schulmedizin, sondern die Verhöhnung der Sexualität in ihrer lebensbejahenden Mannigfaltigkeit. Auf diese Weise werden Kinder und Jugendliche an pornografische Bilder gewöhnt und in sado-masochistische Körperwahrnehmungen und Verhaltensmuster eingeübt.

Aufmarsch der Boxershorts: Trauerredner Macron macht (unfreiwillig!) Werbung für Herrenunterwäsche!

Bei der Trauerfeier für den Ende 2023 verstorbenen CDU-Politiker Wolfgang Schäuble am 22.1.2024 gehörte der französische Präsident Emmanuel Macron zu den geladenen Gästen. In seiner Rede, die er weitgehend auf Deutsch hielt, sagte er: „Deutschland hat einen Staatsmann verloren, Europa hat eine Säule verloren, Frankreich hat einen Freund verloren.“

Als ich abends ins Internet guckte, um mir die Rede noch einmal anzuhören, begegnete mir Erstaunliches: Acht Sechsertrupps Männer-Unterhosen kamen mir -Macron flankierend- via Bildschirm entgegen: ein Aufmarsch der Boxershorts.

Aus der Internet-Werbung ist die Künstliche Intelligenz (KI) nicht mehr wegzudenken. Was die Warenwerbung betrifft, funktioniert das dann so: Ich brauche keinen Katalog mehr durchzublättern, muss in kein Geschäft mehr gehen, denn die KI nimmt mir das ab und präsentiert mir, wofür ich mich interessiere, d.h., was ich angeklickt habe, etwa die aktuellen Tchibo-Angebote.

Man darf die KI nicht überbewerten, denn sie hat ein schlichtes Gemüt. Manchmal jedoch kreiert sie eindrucksvolle Collagen – so wie hier. Durchschaut die KI Macron? Weiß sie, dass der Mann zeigen muss, dass er ein Mann ist und kein Schuljunge mehr? Wir alle kennen die Geschichte. Emmanuel Macron lernte Brigitte Trogneux während seiner Schulzeit in Amiens kennen – sie war seine Französisch- und Theaterlehrerin, er ihr hübscher, kulturinteressierter Schüler. Macron musste die Schule verlassen, blieb aber Brigitte -wie man sagt- immer treu. Seit 2007 ist er ihr Ehemann.

Wie so viele Menschen fand ich die Liebesgeschichte einmal rührend und nett. Sie klingt ganz anders als die Skandalgeschichten früherer Präsidenten, vielleicht aber zu nett, zu rund, zu perfekt. Mittlerweile stimmt sie nicht mehr. Brigitte und Emmanuel wirken nicht wie ein Liebespaar, sondern wie Mutter und (verbitterter) Sohn. Macron, der mit Brigitte keine Familie mehr gründen konnte, muss als Präsident den Vater der Grande Nation rauskehren. Und dieser Familienvater ist sehr autoritär.

Nur wenige Tage vor der Trauerfeier für Wolfgang Schäuble hat Macron -kurz nach der Regierungsumbildung- während einer Pressekonferenz in Paris für verschärfte staatliche Erziehungsmaßnahmen plädiert. Bereits 2019 hatte Frankreich den bislang freiwilligen einmonatigen „Universellen Nationaldienst“ für junge Menschen zwischen 15 und 17 Jahren eingeführt, der ab 2026 verpflichtend sein soll. Jetzt aber will Macron noch einen Schritt weiter gehen. „Nationale Regeln zum Umgang mit Bildschirmen, Schuluniformen, Staatsbürgerkunde und Pflichtdienst an der Nation – mit diesen Themen dürfte Macron vor allem konservative Wähler angesprochen haben. Es gehe um »zivile Wiederaufrüstung«, erklärte Macron. »Frankreich muss Frankreich bleiben«, sagte er auch und griff damit einen Wahlkampfslogan des rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten Éric Zemmour auf.https://www.spiegel.de/ausland/emmanuel-macron-buhlt-um-konservative-waehler-a-db1d40ba-4544-4e37-8562-b6bda102bd39

Einen Monat später dachte ich, dass die KI, die, während Macron redete, Sechsertrupps Männerunterhosen aufmarschieren ließ, vielleicht doch eine Hellseherin ist. Denn Ende Februar sollte Macron bei einer Ukraine-Hilfskonferenz sagen, dass ein russischer Sieg in der Ukraine unbedingt verhindert werden müsse und er den Einsatz von Bodentruppen durch sein Land nicht ausschließe.

Doch warum bekomme ausgerechnet ich Unterwäsche-Werbung zugespielt, obwohl ich nie… Oder doch? Nun, die Lösung ist einfach: Meine Töchter, die wissen, was ihrer Mutter gefällt, hatten mir zu Weihnachten 3 Paar Socken (Tedi, 3 Euro) geschenkt. Ich mag aktuelle Scherzartikel, weil sie etwas über den geistigen Zustand der mittlerweile völlig verrohten und durchgeknallten Spaßgesellschaft erzählen.

Einkleiden für den nächsten Lockdown

Als ich „Strümpfe Scherzartikel Apollo“ in die Suchmaschine eingab, wurden mir „Fröhliche APOLLO Herrensocken“ angezeigt. Manche zeugten von ganz anderen Männerphantasien. Sie waren mit Astronauten und Raketen bedruckt und wurden angeboten als Space Rockets Motiv Socken Raketen + Astronauten Weltall dunkelblau mit viel Baumwolle, doch leider fand ich keine einzige Socke mit Spritzen, Masken und Fieberthermometern.

So stieß ich auf die Herren-Unterwäsche-Marke „Snocks“.

Das ist weder sexy noch sexistisch, sondern einfach nur albern. Moderne Werbung funktioniert so. Angesagt sind primitive Kalauer und blöde Reime, am besten aufgepeppt mit ein bisschen Pimmel-Prosa, so wie hier.

Doch apropos Gurke: Ich gehe davon aus, dass bei Macron die Unterhosen in Reih und Glied im Kleiderschrank stehen.

Elfchen im Dritten: Steinmeier, Frank-Spalter

Während der Pandemie zeigte sich, wie verengt und gönnerhaft der Blick von Politik-, Medien- und Wissenschafts-Prominenz auf Kunst und Kultur ist. Angela Merkel hatte bereits im Dezember 2020, als Kinos, Theater und andere Kultureinrichtungen im Zuge des sogenannten „Lockdown Light“ schon seit Wochen geschlossen waren, materielle Hilfe angekündigt und lobhudelnd gesagt: „Uns fehlt, was die Künstler uns dort sonst geben und was nur sie uns geben können.“ https://www.sn.at/kultur/allgemein/angela-merkel-uns-fehlt-was-die-kuenstler-uns-sonst-geben-96650659

Ist denn die Kunst ein Konsumartikel? „Was Frau Merkel sagt bzw. von ihren Textern diktiert bekommt, das klingt, als würde uns der Künstler seine Kunst servieren wie der Sterne-Koch sein Menu. Wir schlagen uns im Nobelschuppen den Bauch voll und lassen uns satt und edelfischzufrieden nach Hause kutschieren.“ https://stellwerk60.com/2021/10/17/all-the-worlds-a-stage-but-we-are-only-impf-potatoes/

Bereits am 1.10.2020 – zwei Tage vor dem Tag der Deutschen Einheit- hatte man unter dem Motto „Vereint und füreinander da“ neben anderen PR- und systemrelevanten Personen, darunter der Virologe Christian Drosten und die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim, den Pianisten Igor Levit geehrt. Der sehr begabte, aber leider auch sehr gefällige Mainstream-Pianist hatte bereits einen Tag, nachdem aufgrund der „Pandemie“ alle öffentlichen Konzerte ausgesetzt worden waren, von seiner Wohnung aus per Twitter ein erstes Hauskonzert gestreamt. Diesem ersten Konzert sollte zwei Monate lang täglich ein weiteres folgen. (Wer sich ein Bild von Igor Levit machen will, der möge Harald Welschers differenzierte und scharfsinnige Stellungnahme zur Ordensverleihung lesen: deutschlandfunkkultur.de/bundesverdienstkreuz-fuer-igor-levit-ein-meister-der-100.html)

Genau ein Jahr später fand am 1.10.2021 unter dem Motto „Kultur ist Lebenselixier für alle“ wieder eine Ordensverleihung statt. Diese Veranstaltung „zum Tag der Deutschen Einheit“ war ausschließlich „Kunstschaffenden“ gewidmet. Im Rahmen der Verleihung sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Diese Ordensveranstaltung soll deshalb auch ein Zeichen sein: Wir dürfen nicht zulassen, dass einzelne Zweige unserer Kultur nach der Corona-Krise verdorren oder absterben.“ https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2021/10/211001-Ordensverleihung-TdDE.html

Hier tritt der Bundespräsident als Retter und Bewahrer „unserer Kultur“ auf. Eine hübsche staatsmännische Geste, aber hat nicht ausgerechnet Frank-Walter Steinmeier durch die Ordensverleihung für ein nachhaltiges „Verdorren“ gesorgt und maßgeblich dazu beigetragen, dass ein herausragendes Kunst-Projekt nach 25 Jahren gescheitert ist?

Anfang des Jahres 2024 wurde bekannt, dass Mitgründer Tobias Morgenstern das „Theater am Rand“ in Zollbrücke (Märkisch-Oderland) verlassen hat. Vorausgegangen waren schwere Meinungsverschiedenheiten der beiden Theatergründer, die sich insbesondere an den staatlichen Corona-Maßnahmen entzündet hatten. „Den Gründern sollte im Jahr 2021 das Bundesverdienstkreuz verliehen werden. Kurz davor wurde die Verleihung des Ordens an Morgenstern abgesagt. Eine Sprecherin erklärte dazu, es seien „konkrete Hinweise“ bekannt geworden, dass Morgenstern der Querdenker-Szene angehöre, hieß es damals von einer Sprecherin des Bundespräsidialamts.https://www.rbb24.de/kultur/beitrag/2024/01/tobias-morgenstern-verlaesst-theater-rand-zollbruecke-unterschiede-politik-haltung.html „Konkrete Hinweise“ klingt wie „sachdienstliche Hinweise“, die „jede Polizeidienststelle entgegen nimmt“. In diesem Fall heißt der Polizeioberwachtmeister Frank-Walter Steinmeier.

Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes (ausschließlich!) an Thomas Rühmann dürfte dann endgültig einen Keil zwischen die beiden Gründer getrieben haben. Frank Walter Steinmeier hat also -man kann es nicht anders sagen- im Jahr 2021 zwei Theatermacher gegeneinander ausgespielt. Dabei klang es wie ein Nach-Wende-Märchen: Im äußersten (aus westlich-bornierter Perspektive „kulturarmen“) Osten der Bundesrepublik Deutschland haben zwei in der DDR geborene Künstler vor 25 Jahren das „Theater am Rand“ gegründet und mit großem Erfolg einen abwechslungsreichen und anspruchsvollen Spielbetrieb aufgebaut.

Dass Thomas Rühmann nicht nur „Rühmann“ heißt, sondern seit 1998 in der Arztserie „In aller Freundschaft“ die Hauptrolle Dr. Roland Heilmann spielt, fand Steinmeier wohl chic. Steinmeier liebt die Darstellung, vor allem dann, wenn er selber der Darsteller ist. Seine Lieblingsrolle: Großer Staatsmann.

Peinlich wird es, wenn sich der Präsident volksnah gibt. In dem Zusammenhang hat sich das PR-Team Steinmeier schon manchen Fauxpas geleistet, z.B.: https://stellwerk60.com/2021/02/02/eine-peinliche-pr-panne-steinmeiers-fuchs-lebt-nicht-erst-neuerdings-in-bellevue-sondern-war-schon-unter-gauck-medien-liebling/

Hingegen ist der Präsident, wenn er vor geladenen Gästen seine Reden hält, in seinem Element. Frank-Walter Steinmeier wird, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen, gerne salbungsvoll. In seiner Rede vom 1.10.2021 greift er (bzw. sein Redenschreiber, vermutlich Wolfgang Silbermann, damaliger Leiter der Abteilung Strategische Kommunikation/Rede im Bundespräsidialamt) tief in die Trickkiste der manipulativen Rhetorik.

Zunächst schwört Steinmeier seine Hörerschaft auf ein Gemeinschaftsgefühl ein, um anschließend freudvoll zu spalten: Er treibt einen Keil zwischen die „vielen verschiedenen Bürgerinnen und Bürgern“, von denen die „lebendige Demokratie“ „gemeinsam getragen wird“, und die, die „wie geblendet, ja gefangenwirkenvon einem Kult des Irrationalen.“ In der schaurig überladenden Rede klingt das dann so:

In diesen Tagen erleben wir, wie zerbrechlich der Zusammenhalt in unserem Land ist, wie schnell Risse entstehen, ja: wie dünn der Firnis der Zivilisation tatsächlich ist. Wir erleben, dass eine kleine Minderheit von Menschen, die die Existenz des Virus leugnen oder seine Gefährlichkeit bestreiten, an den Rand der Gesellschaft rückt, sich entfremdet und wie geblendet, ja gefangen wirkt von einem Kult des Irrationalen. Wir erleben, dass sektiererische Gruppen sich radikalisieren und das wichtigste Prinzip unserer Demokratie missachten: Das Prinzip, Konflikte gewaltfrei, in friedlicher, respektvoller Diskussion zu lösen und Entscheidungen mit Mehrheitsbeschluss zu finden.“ https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2021/10/211001-Ordensverleihung-TdDE.html

Diese Rede ist nicht respektvoll, denn sie klärt nicht auf, sondern reproduziert und zementiert Vorurteile. Andersdenkende jedweder Couleur werden in einen Topf geworfen, Menschen, die das Virus leugnen, werden gleichgesetzt mit denen, die denken, dass das Virus niemals so gefährlich war, wie uns weisgemacht wurde. Zu Letzteren zähle ich mich. Von den Corona-Leugnern, die es ja wirklich gibt und denen ich auch manchmal begegnet bin, distanziere ich mich ausdrücklich. Wir haben versucht, miteinander ins Gespräch zu kommen, aber es war unmöglich.

Eine Frage bleibt: Warum war Frank-Walter Steinmeier, wenn er es für „das wichtigste Prinzip unserer Demokratie“ hält, „Konflikte gewaltfrei, in friedlicher, respektvoller Diskussion zu lösen“, so respektlos, Tobias Morgenstern erst ein- und dann wieder auszuladen?

Immerhin war das Team Steinmeier so schlau, Thomas Rühmann nicht am 1.10.2021 das Verdienstkreuz zu überreichen. Da die Solo-Verleihung während der „Ordensverleihung zum Tag der Deutschen Einheit“ öffentliche Aufmerksamkeit und gewiss auch Unmut erregt hätte, wurde sie auf später verschoben.

Ich persönlich finde es unverzeihlich, dass Thomas Rühmann nicht dem Beispiel der Künstlerin Hito Steyerl, die ebenfalls am 1.10. geehrt werden sollte, gefolgt ist und den Orden abgelehnt hat. Er hätte ja sagen können, dass er, was Corona betrifft, grundsätzlich anderer Meinung sei als sein Kollege Tobias Morgenstern, dass er aber gemeinsam mit Morgenstern das „Theater am Rand“ aufgebaut habe und sich dementsprechend nicht alleine für eine gemeinsame Lebensleistung ehren lassen wolle.

Ich sitze auf der Bank vor dem Nippeser Alnatura-Supermarkt. In letzter Zeit bin ich schnell erschöpft und muss, wenn ich einkaufen gehe, immer wieder Pausen einlegen. Die menschenfeindliche, höchst riskante und gefährlich unkluge bundesdeutsche Kriegs- und Gesundheitspolitik nagt an meiner Lebensfreude.

Zwei ziemlich alte Frauen setzen sich zu mir und nehmen mich -was mich irritiert- in die Mitte. „Das kommt davon, wenn man sich nicht an den Rand setzt“, sagt die eine und lacht.

„Ich kann auch gehen“, sage ich leise.

Die beiden Frauen rücken noch näher an mich heran. „Sie gehören wohl zu denen, die den Corona-Sicherheitsabstand insgeheim gut fanden“, sagt die eine.

„Ich halte gerne Abstand“, sage ich. „Aber nicht auf Befehl.“

„Weinen Sie?“, fragt die eine.

„Es ist, weil…“, fange ich an. Und dann platzt es aus mir heraus. Ich erzähle ihnen von der Preisverleihung und davon, wie sehr sich Steinmeier darin gefällt, Bundesverdienstkreuze zu verleihen und sich aufzuführen wie eine pädagogisch über-ambitionierte Grundschul-Lehrkraft, die Fleißkärtchen verteilt...

„Da passt das Kraftwort Lehrkraft“, sagt die Frau, die rechts neben mir sitzt. „Aber so neu ist die staatliche Bevormundung ja nicht.“

„Die Lage hat sich zugespitzt“, sage ich. „Während Corona waren wir alle im Umerziehungslager.“

„Aber Mädchen, da sind wir doch immer noch drin“, sagt die Frau, die links neben mir sitzt. „Nur bemerken die Menschen das nicht, denn wir haben alle Freiheiten. Wir können kaufen, was wir wollen, reisen, wohin wir wollen.“

***

Mein Elfchen des Monats ist diesmal der Mini-Dialog dieser beiden ziemlich alten, trotz alledem optimistisch und munter gestimmten Frauen.

„Dieser

Bundespräsident, wie

hieß der noch,

Frank-Walter?“ „Nee, Frank-Spalter doch.“

„Och.“

Angesichts der Tatsache, dass Corona weniger gefährlich war als behauptet, muteten die harten staatlichen Maßnahmen von Beginn an tragikomisch an.
Ein Heidelberger Spielplatz nach Wiedereröffnung unter Auflagen im Mai 2020. Früh übt sich, was ein Spitzel werden wird. Während der „Pandemie“ wurden bereits kleine Kinder, deren Sozialverhalten sich gerade erst entwickelt, gegeneinander ausgespielt. Mich erinnern die staatlichen Maßnahmen an die autoritären Erziehungsmethoden der 1960er Jahre.
Im katholischen Kindergarten wurden wir zum Petzen angehalten. Wenn wir beobachtet hatten, dass ein Kind etwas „Böses“ getan hatte, z.B. ein anderes geschubst, mussten wir auf das „böse“ Kind zeigen und laut singen: „Das wird gemeldet für… den Peter/die Elisabeth.“ Wenn die Erzieherin -durch unseren „Gesang“ angelockt- nicht selber kam, sind wir zu ihr gegangen und haben gepetzt. Wir waren fies, meinten aber, das einzig Richtige zu tun. Schließlich wurden wir für’s Petzen gelobt.
Körperkontakt vermeiden“, „Kein gemeinsames Essen und Trinken“ (Spielplatz, s.o.): Die kalten staatlichen Maßnahmen mit ihren Nähe-Verboten haben, so erzählte mir eine Grundschullehrerin, dazu geführt, dass viele Kinder nicht mehr mit anderen Kindern teilen können, sondern sich zunehmend berechnend verhalten.

Große Kunst: Das Meisterwerk „Allesdichtmachen“ und seine hoffnungsvolle, utopische Botschaft

Vielen Menschen sagt ein untrügliches Gespür für Machtmissbrauch, dass wir mit den staatlichen Corona-Maßnahmen überrumpelt wurden.

Tatsächlich war das interne Strategie-Papier aus dem Bundesinnenministerium zur Eindämmung der Corona-Krise vom 22. März 2020 so etwas wie eine Gebrauchsanweisung für Menschenführung in pandemischen Zeiten. Dieses Schriftstück war eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, aber am 1. April 2020 hatte das gemeinnützige Portal „Frag den Staat“ dankenswerterweise das vollständige, 17 Seiten lange Papier veröffentlicht.  In diesem Papier wurde ein Worst-Case-Szenario entwickelt, das auf Prognosen sogenannter Fachleute aus den Bereichen Medizin, Wirtschaft und Politik beruhte. Vgl.: https://stellwerk60.com/2023/10/31/elfchen-im-zehnten-man-muss/

Auch Gesundheitspsychologen und PR-Spezialisten, die wissen, dass und wie man Menschen mit Drohungen gefügig macht, dürften an der Ausarbeitung beteiligt gewesen sein. So ungeheuerlich es klingt: Uns Bürgerinnen und Bürgern sollte ganz bewusst via “Schockwirkung” Todes-Angst eingejagt werden. Auf der Grundlage dieses Strategie-Papiers, das der Rechtfertigung der völlig überzogenen staatlichen Maßnahmen diente, verpflichtete man uns während der „Pandemie“ -unter Androhung demütigender Sanktionen- zu einem bedingungslosen Gehorsam.

Nur klafften der heraufbeschworene Worst Case und die Realität schon bald auseinander, denn das Virus war bei weitem nicht so bedrohlich, wie man uns weismachen wollte. Doch anstatt sich zu entschuldigen und den eingeschlagenen Kurz zu korrigieren, hielt die Staatsführung geschlossen an ihrer Schreckens-Version fest, was, wie wir wissen, katastrophale Auswirkungen hatte, insbesondere für die Kinder.

Dieses Papier ist durchdrungen von Angst, aber nicht von der Angst vor Corona, auch nicht von der Sorge der Verantwortlichen um die Menschen, sondern von der Sorge der medialen, politischen und wissenschaftlichen Elite um die eigenen, mit nichts mehr zu rechtfertigenden, aber ins Monströse gewachsenen Privilegien.

Gearbeitet wurde bei der Erstellung -fernab jeglicher Moral- mit den Mitteln der „Schwarzen Pädagogik“ (Terminus: Katharina Rutschky). Mit der Liberalisierung der Erziehung und der Abschaffung von körperlicher Züchtigungen, insbesondere der Prügelstrafe, schien die Schwarze Pädagogik überholt zu sein, doch sie kehrt derzeit mit Wucht zurück und hat in der neoliberalen, autoritären Gesellschaft der Gegenwart Hochkonjunktur.

Dabei ist ihr Gedankengut primitiv. Der „Struwwelpeter“, zentrales Werk der Schwarzen Pädagogik, „arbeitet mit simplen Tricks. Wenn die Kinder nicht gehorchen, drohen die schlimmsten Strafen, bis hin zu Verstümmelung oder Tod. Und diese Strafen -das erzählt uns der „Struwwelpeter“- haben sich die Kinder auch noch selber eingebrockt.“ https://stellwerk60.com/2023/01/31/elfchen-im-ersten-der-schneidge-mit-der-scher/ Im Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen wurde jedoch nicht „nur“ Kindern mit schwerer Bestrafung gedroht, sondern uns allen.

Doch dann, Ende April 2021, als ich das Gefühl hatte, dass fast alle Mitmenschen Mitläufer oder völlig verblödet sind und dass die Kunst nur noch gefällig ist, als ich die Hoffnung fast aufgegeben hatte, fand ausgerechnet im geldverblendeten Biederland Deutschland etwas statt, womit nicht mehr zu rechnen war: Große Schauspielkunst. Unter dem Hashtag #allesdichtmachen taten sich etwa 50 teils prominente deutschsprachige Schauspieler ♀︎+♂︎, darunter Tatort-Stars) zusammen, brachten eine ganz andere Perspektive ins Spiel und öffneten den Blick für die irrationalen Abgründe der bundesdeutschen Corona-Politik. Initiator war -in Zusammenarbeit mit einigen Schauspielern- der Drehbuchautor und Regisseur Dietrich Brüggemann.

Die dramatische Idee, die als roter Faden die meisten Beiträge durchzieht, ist so einfach wie genial: Die (Selbst)- Darstellung der „Identifikation mit dem Aggressor“ (Terminus: Anna Freud).

Wir kennen die „Identifikation mit dem Aggressor“ vor allem aus dem privaten Kontext: Weil die geschlagene Frau panische Angst hat, hält sie den schlagenden Mann („Wenn ich nur wollte, könnte ich dich töten, aber ich schone dich, also sei lieb zu mir…“) bei Laune. Um ihn nicht noch mehr zu verstimmen, sagt sie JA , macht ihm Geschenke, lächelt, schweigt, nimmt ihn nach außen in Schutz, bedient ihn und opfert ihm ihre physische und psychische Gesundheit.

Während der „Pandemie“ wurde uns permanent die Identifikation mit dem Aggressor abverlangt, ein freudvolles JAWOLL zu den autoritären Zumutungen, auch zu den meines Erachtens körperverletzenden medizinischen Maßnahmen Maskenpflicht, Corona-Tests und Impfung.

In ihren kurzen Videos führen die Akteure kein Stück des Absurden Theaters auf, sondern -satirisch überspitzt- ihr eigenes Leben vor, das mit der „Pandemie“ ins Absurde abgerutscht ist. In den etwa ein- bis zweiminütigen Spots stellen sich die Akteure kurz namentlich vor und erzählen uns ihre Corona-Geschichte.

Als ein schönes Beispiel sei das Video der Schauspielerin Nadine Dubois genannt. Nadine Dubois steht vor einer weiß getünchten Wand, einer weißen Gardine. Weiß ist auch das ärmellose Hemd, das sie trägt. Wir hören sanfte, beruhigende Musik und Vogelgezwitscher. Nadine Dubois sagt: „Hallo… Ich bin Nadine Dubois, ich bin Schauspielerin, und ich schütze mich und andere, indem ich zu Hause bleibe. Das kann ich mir zum Glück leisten. Es gibt ja auch für alles Lieferdienste. Die kommen dann hier her und bringen mir Sachen, damit ich nicht raus muss. Und es gibt zum Glück die Müllabfuhr und Wasser und Strom… So viele Menschen da draußen krempeln die Ärmel hoch und packen mit an, damit ich hier sitzen und andere schützen kann… Das finde ich gut. Nicht gut finde ich, wenn diese Menschen dann am Wochenende rausgehen aus ihren kleinen, dunklen Wohnungen und sich in den Park setzen. Dann gehe ich auf meinen Balkon, mache davon Fotos und schreibe auf Twitter, dass sie schrecklich egoistisch sind… Und dann gehe ich auf meine Dachterrasse, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen und fühle mich gut, weil ich mich und andere schütze… Bleiben Sie gesund und machen Sie’s genauso.“

Text und Darstellung sind großartig. Ein Kunstgenuss! Unbedingt angucken: https://www.youtube.com/watch?v=9_8qOybNDoU

Vermutlich hatten sich die Schauspieler erhofft, verstanden zu werden (auch von den politisch Verantwortlichen), wachzurütteln und Beifall zu bekommen. Das war naiv, doch ohne Naivität wäre diese wunderbar kompromisslose Ensemble-Arbeit wohl nie entstanden oder harmlos ausgefallen. Die Öffentlichkeit hatte nicht die Größe, sich auseinanderzusetzen. Autoritäre Charaktere machen gerne biedere Scherze, aber sie können nicht über sich selber lachen.

So waren die Reaktionen überwiegend böse. Medien und Politik konterten -ohne dass man sich tiefer auseinandersetzte- mit den immergleichen 08/15 – „Argumenten“. Den Akteuren wurde vorgeworfen, Coronaleugner zu sein und der AFD nahe zu stehen. Das war aggressiv und völlig aus der Luft gegriffen, ebenso wie der Vorwurf, die Schauspieler hätten kein Mitgefühl für die Todkranken auf den überfüllten Intensivstationen, die es -nebenbei gesagt- nie gegeben hat (bis auf ein paar Ausnahmen in Ostdeutschland), was die Gesundheitspolitiker damals schon wussten, aber wohlweislich verschwiegen haben.

Eine der aggressivsten Reaktionen, die wohl höhnisches Gelächter ernten sollte, kam von Adolf Winkelmann. „Der Dortmunder Regisseur Adolf Winkelmann bezeichnete die Aktion gegenüber den WDR als „überflüssig“. Sie verwundere ihn aber nicht. „Das sind ja Schauspieler, die wir kennen und die uns immer Texte von klugen Autoren vortragen“, sagte er. „Das, was da jetzt im Netz steht, passiert, wenn man Schauspielern das Drehbuch wegnimmt.“ https://www1.wdr.de/nachrichten/themen/coronavirus/alles-dicht-machen-corona-kritik-kampagne-100.html

Es ist kein Zufall, dass es nicht Literaten oder bildende Künstler waren, die den Hashtag #allesdichtmachen kreierten, sondern Schauspieler. Gute Schauspieler lernen ja nicht nur den Text auswendig. Sie besitzen eine besonders große Menschenkenntnis, denn sie betrachten die Figuren nicht nur, sondern verkörpern sie und müssen, wollen sie deren Innenwelt begreifen, mit Haut und Haar in sie schlüpfen. Sie verleihen ihr ihre Stimme, ihre Sinne, ihre Bewegungen und ihre Verstand. Gute Schauspieler haben ein Gespür dafür, was zwischen den Personen passiert, für Macht und Ohnmacht, dafür, wie Menschen fertiggemacht und gedemütigt werden.

Wohl alle kennen eines der größten dramatischen Kunstwerke in deutscher Sprache, das Fragment „Woyzeck“ von Georg Büchner. Es erzählt die Geschichte des Soldaten Woyzeck, der erniedrigt, getreten, betrogen und am Ende hingerichtet wird, weil er die tötet, die ihm die Nächste ist, seine Geliebte. Gedemütigt wird Woyzeck auch als Opfer eines brutalen medizinischen Menschenversuchs, der nicht nur dramatische Fiktion ist, sondern unter der Leitung des Chemikers Justus von Liebig (1803-1873) im Jahr 1833 tatsächlich stattgefunden hat. „Ein berühmter Neurologe war Zeuge des wohl ersten Experiments zur Frage, ob Hülsenfrüchte Fleisch ersetzen können. Nach seiner Schilderung musste der Proband drei Monate lang Erbsbrei essen – und nichts als Erbsbrei. Der kommerzielle Hintergrund der Studie: Gelänge es teures Fleisch durch Trockenerbsen zu ersetzen, so könnte man das Militär und das Proletariat viel billiger verköstigen.“ https://www.deutschlandfunkkultur.de/im-erbsenwahn-100.html

Dem Autor des DLF-Beitrags „Im Erbsenwahn“ verdanke ich ein Aha-Erlebnis. Udo Pollmer schreibt: „Versuche am Menschen waren damals normal. Niemand wäre auf die Idee gekommen, Ernährungsfragen am Tier zu testen – gab es doch genug Menschen, die entweder aus Armut mitmachten oder die dazu gezwungen werden konnten. Der Tierversuch kam erst auf, als das Leben eines Menschen mehr Wert hatte als das Leben einer Ziege.

Was heißt das für die Jetztzeit? Schließlich sind Menschenversuche wieder Gang und Gebe. Das bedeutet aber nicht, dass das Leben eines Nutztiers wieder mehr Wert hat als das Leben eines Menschen. Es bedeutet vielmehr, dass vor einer immer weiter in die Irre abdriftenden Wissenschaft alle Kreaturen, Mensch und Tier, gleich (=gleichgeschaltet) sind.

Um Woyzecks Innenwelt zu bebildern, lässt Büchner „die Großmutter“ draußen vor der Tür den Kindern ein Märchen erzählen.

Es war einmal ein arm Kind und hat kei Vater und keine Mutter war Alles tot und war Niemand mehr auf der Welt. Alles tot, und es ist hingangen und hat gerrt Tag und Nacht. Und wie auf der Erd Niemand mehr war, wollt’s in Himmel gehn, und der Mond guckt es so freundlich an und wie’s endlich zum Mond kam, war’s ein Stück faul Holz und da ist es zur Sonn gangen und wie’s zur Sonn kam, war’s ein verwelkt Sonneblum. Und wie’s zu den Sterne kam, warn’s klei golde Mücken, die warn angesteckt wie der Neuntöter sie auf die Schlehe steckt und wie’s wieder auf die Erd wollt, war die Erd ein umgestürzter Hafen und war ganz allein und da hat sich’s hingesetzt und gerrt, und da sitzt‘ es noch und ist ganz allein.“

Dieses Märchen, das vom Sterntalermärchen inspiriert ist, ist absolut trostlos. Während das Mädchen im Sterntalermärchen selbstlos handeln kann, weil es an Gott glaubt, hat das Kind im „Woyzeck“ nicht nur beide Eltern verloren, sondern Glaube, Liebe und Hoffnung. (Der reale Soldat Johann Christian Woyzeck (1780-1824), Vorbild für die Dramenfigur, musste mit acht Jahren den Tod der Mutter und mit 13 Jahren den des Vater verkraften.)

Heutzutage würde Büchner die Geschichte anders erzählen. Das Kind kommt in die staatliche Fürsorge, wird eingekleidet, ernährt, medizinisch betreut. Es weiß nicht, dass es keine Eltern mehr hat.

Lächele, dann lächeln die Leute zurück. DU BIST NICHT ALLEIN. Und sollte einmal ein arm Kind sagen, dass der Mond „ein Stück faul Holzist, nimm es nicht ernst, es hat nur schlecht geträumt. DU BIST NICHT ALLEIN. Du kannst dir einen neuen Mond kreieren, kauf dir neue Materialen und…

Und sollte man dir erzählen, dass die Erd ein umgestürzter Hafen ist, dass die Meere wärmer werden und über die Ufer treten, dann darfst du das nicht glauben. DU BIST NICHT ALLEIN. Kauf dir ein Ticket für die weite Welt, setz dich in den Flieger und…

Der Schutz des Kinderglücks vor dem staatlichen Zugriff – Wie die schwedischen Grundschulen unbeabsichtigt zur Corona-„Kontrollgruppe“ wurden

Im Frühjahr 2021 wurden die staatlichen Corona-Maßnahmen weiter verschärft. Die bundesdeutsche Obrigkeit verordnete uns nicht nur Masken, sondern drang immer weiter in unsere Körper vor. Unsere Bäuche – so mussten wir realisieren- gehörten uns nicht mehr. Zum Jahreswechsel 2020/21 begann man weltweit mit der Corona- Impfung älterer Prominenter. Nachdem Netanjahu im Dezember 2020 heldenhaft den Anfang gemacht hatte („Eine kleine Spritze für einen Mann und ein großer Sprung für die Gesundheit von uns allen“), folgten u.a. Queen Elizabeth (Januar 2021), Didi Hallervorden (Januar 2021), Papst Franziskus (Januar 2021) und das schwedische Königspaar Carl Gustav und Silvia (Januar 2021).

Carl Gustav hatte kurz zuvor in seiner Weihnachtsansprache den schwedischen Sonderweg, der auf Eigenverantwortung der Menschen anstatt auf staatliche Restriktionen setzte, radikal in Frage gestellt.

In der Ansprache, die am kommenden Montag in voller Länge ausgestrahlt werden soll, nannte der König die Corona-Strategie des Landes „gescheitert“. Er beklagte eine „hohe Zahl von Toten, und das ist schrecklich“. Eine solch politische Einmischung des Königs und dann noch in dieser Schärfe ist für das Land ungewöhnlich. Schwedische Kommentatoren nahmen sie als weiteres Zeichen für den Ernst der Lage.“ khttps://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-schweden-koenig-1.5151678

In dieser Rede fällt -soweit ich das einschätzen kann- kein Wort zu den Kindern. Das Herzstück des schwedischen Sonderwegs bleibt in der Ansprache unerwähnt. Wir erinnern uns: Schwedische Kindertagesstätten und Grundschulen (das sind in Schweden Gesamtschulen bis Klasse 9) blieben während der gesamten „Pandemie“ offen. Dass Carl Gustav diese Tatsache in seiner Weihnachtsansprache unerwähnt lässt, ist unverzeihlich. Er hätte dem mutigen und besonnenen Chef-Virologen seine Anerkennung aussprechen und sich bedanken müssen. Meiner Meinung nach müsste man Anders Tegnell den Medizin-Nobelpreis verleihen.

O-Ton SWR, Rede Carl Gustav:

Carl Gustav hätte dem mutigen und besonnenen Chef-Virologen seine Anerkennung aussprechen und sich bedanken müssen. Meiner Meinung nach müsste man Anders Tegnell den Medizin-Nobelpreis verleihen.

Natürlich war die Entscheidung des Virologen klar durchdacht und abgesichert. Schon zu Beginn der „Pandemie“ hatten Studien, die sich mittlerweile längst bewahrheitet haben, die Vermutung nahegelegt, dass Kinder weder schwer erkranken noch maßgeblich zum Infektionsgeschehen beitragen. Ich weiß noch, dass ich vor Freude geweint habe, als ich einen Beitrag auf spiegel.online las: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-kinder-infizieren-sich-offenbar-genauso-haeufig-werden-aber-nicht-krank-a-72e2a605-5865-4d23-81b1-c1c4f453d659

So wurden die schwedischen Grundschulen -ohne dass es beabsichtigt gewesen wäre- während der „Pandemie“ zu einer Art „Kontrollgruppe“. Denn im Vergleich realisierten wir, dass die Kinder der schwedischen „Kontrollgruppe“ nicht schwerer und häufiger erkrankten, dass sie keinerlei Nachteile hatten, sondern weitgehend das große Glück des normalen Alltags (inklusive Sport, Schwimmen, Spielen, Freunde treffen) genießen konnten.

Angesichts dessen wirkt nahezu grotesk, was deutsche Kinder haben erdulden müssen: „Die rund elf Millionen Schülerinnen und Schüler im Land hatten seit Beginn der Pandemie bis zu diesem Frühjahr im Schnitt an mehr als 180 Tagen sogenanntes Homeschooling, Wechselunterricht oder andere Unterrichtsformen, weil Schulen zu oder nur zum Teil geöffnet waren. Das sind 67 Prozent der rund 270 Schultage im untersuchten Zeitraum zwischen Januar 2020 und 20. Mai 2021.https://www.merkur.de/politik/oecd-mehr-als-180-tage-gestoerter-unterricht-in-corona-zeit-zr-90985918.html

Und selbst als man im Frühjahr 2021 die Schulen wieder zum Präsenz- bzw. Wechselunterricht öffnete, war die neue Freiheit schwer erkauft. Etwa zeitgleich mit den kostenlosen Bürgertests, die wir letztendlich alle teuer bezahlt haben, wurden in NRW Selbsttests für Schülerinnen und Schüler verpflichtend, natürlich „kostenlos“:

Bilanz nach der Corona-Zeit in Schulen und Kitas: 3,5 Milliarden Euro für Schnelltests, die man hätte besser investieren können, so die Kritik der Partei „Lobbyisten für Kinder“. Viele Tests liegen noch in den Depots der Bundesländer. Die Summen kamen demnach zwischen März 2021 und Sommer 2022 der Corona-Zeit zustande. Das Infektionsschutzgesetz des Bundes hatte es den Ländern ermöglicht, anlasslos Kinder und Beschäftigte in Schulen und Kitas auf das Coronavirus testen zu lassen.“ (Fettung von mir) https://www.welt.de/politik/deutschland/article247420370/Pandemie-Folgen-Mehr-als-3-5-Milliarden-fuer-Corona-Tests-in-Schulen-und-Kitas.html

So viel zu den ökonomischen Folgen. Nicht wirklich messbar sind die Folgen der psychischen Verwundungen, die den Kindern zugefügt wurden.

Weil Ich nach wie vor nicht fassen kann, wie der medizinische Eingriff PCR-Test banalisiert wird, habe ich -zur Erinnerung- größere Teile aus meinem Blog-Beitrag vom 30.6.2022 kopiert und hier eingefügt. https://stellwerk60.com/2022/06/30/in-dem-moment-als-karl-lauterbach-mit-dem-aufzug-steckenblieb-bekam-ich-corona/:

Die deutsche Gründlichkeit machte nicht einmal vor Kleinkindern halt. Unten stehende Info-Grafik, die demonstriert, wie ein Abstrich für den PCR-Test genommen wird, wurde gleich zweimal -zur Bebilderung zweier verschiedener Artikel- in der „Apotheken-Umschau“ veröffentlicht, im November 2020 und im Juni 2021. https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/infektionskrankheiten/coronavirus/corona-nachweis-die-testverfahren-im-ueberblick-724147.html

Mithilfe moderner Info-Grafiken werden heutzutage komplexe medizinische Themen bildlich dargestellt, damit sie auch für den Laien verständlich sind, doch viele dieser Bilder sind verstörend und schamverletzend. Sie werfen einen fragwürdigen Blick in Körperinnenräume und manipulieren unsere Wahrnehmung. Hier wird der unangenehme, tief in den Kopf eindringende Abstrich für den PCR-Test banalisiert und der Eingriff zu einer Lappalie heruntergespielt:

P1080151

Eine grenzüberschreitende Abbildung eines grenzüberschreitenden Eingriffs. Medizinisch legitimiert dringt „der Arzt“ mit dem „Stäbchen“ in ein Kind ein…  So tief, bis es nicht mehr weiter geht: Bis zum Anschlag. Auf der Grafik bleibt „der Arzt“ unsichtbar, was den Vorgang umso unheimlicher macht. Wir sehen Marie (wie ich sie nenne), ein tapferes, gehorsames, allzeit bereites  PCR-Mädel. Marie, die mich an die  beliebte Mädchen-Comic-Figur „Conni“ erinnert („Conni lernt Radfahren“, „Conni macht Mut in Zeiten von Corona“…), gibt es nicht wirklich, denn Marie ist am Computer entworfen.  Zunge, Gaumen und Rachen sind farblich abgestimmt auf Maries rosafarbenes Hemdchen und das hellrote Haarband. Ihr Blick ist nach vorne gerichtet, sie schaut fast versonnen. Ihr zartes Köpfchen ist wie gemacht für den Abstrich.                                                         Ich finde diese Grafik entsetzlich. Für kleine Kinder sind Abstriche für den PCR-Test eigentlich unzumutbar, zumal ihnen Corona kaum etwas anhaben kann. Aber auch durch weniger invasive Abstriche, wie sie routine- und regelmäßig an den Schulen durchgeführt wurden, erleiden Kinder seelische Verletzungen, psychische Mikro-Traumata, die Narben hinterlassen.                                         Diese Info-Grafik ist nicht nur widerlich, sondern untergründig pornografisch – unter dem Deckmantel der Medizin. Ich stelle mir gestörte Männer vor, deren sadistisch-perverse, voyeuristische Gelüste hier Nahrung finden und auf einen Klick immer wieder neu angestachelt werden: Aufgespießt. Auch wenn die Grafik zweckdienlich ist,  finde ich, dass sie aus dem Netz genommen werden müsste. Solche Bilder sind gefährlich.

…“

Die Info-Grafik suggeriert, dass der menschliche Hals-Nasen-Ohrenbereich wie geschaffen ist für den PCR-Test. Das klingt praktisch, ist aber irreführend und kaschiert die Brutalität des medizinischen Eingriffs. Da Corona Kindern nicht viel anhaben kann, war der routinemäßig (bei positivem Ergebnis des Schnelltests) durchgeführte PCR-Test eine schwere Körperverletzung. Corona (insbesondere die Omikron-Variante) ist für Kinder harmlos!

Warum war Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach nie in der Lage, eine mehr als nur oberflächliche Selbstkritik zu üben und Fehler einzugestehen? Warum hat er nie nach Schweden geschaut, wo die Grundschulen nie geschlossen waren, es aber keinen dramatischen Corona-Ausbruch gegeben hat? Warum hat er nie den Versuch unternommen, Schul-Kindern nicht nur per Impfspritze (was ich als absolut grenzüberschreitend empfunden habe!), sondern mitfühlend nahe zu kommen? https://stellwerk60.com/2021/12/28/wie-suess-oezlem-tuereci-biontech-malt-ein-kleines-herzchen-in-das-goldene-buch-der-stadt-koeln-gedanken-zum-fest-der-unschuldigen-kinder/

Karl Lauterbach -und das macht ihn gefährlich- hat sich während der „Pandemie“ krampfhaft an ein Papier geklammert, das zur Richtschnur der Maßnahmen-Politik der Bundesregierung werden sollte und der Rechtfertigung völlig überzogener Maßnahmen diente. Im Panik machenden, ein Worst-Case-Szenario heraufbeschwörenden „Strategiepapier des Bundesinnenministeriums“ mit dem Titel „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“ heißt es zu den Kindern:

„‚Kinder werden kaum unter der Epidemie leiden“: Falsch. Kinder werden sich leicht anste-
cken, selbst bei Ausgangsbeschränkungen, z.B. bei den Nachbarskindern. Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie z.B. vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann.'“
https://fragdenstaat.de/dokumente/4123-wie-wir-covid-19-unter-kontrolle-bekommen/

Hier wird die Wirklichkeit grotesk verzerrt. Lauterbach macht mir Angst. Und ist unserem Bundesgesundheitsminister überhaupt zu trauen, wenn er noch im August 2022 ungestraft vor der „Durchseuchung einer ganzen Generation“ (der Kinder) hat warnen dürfen?

Elfchen im Zweiten: Fott domet!

Die Stadt Köln hat seit Frühjahr 2022 ein neues Logo. Angeblich hatten Meinungsumfragen und eine professionelle Markenanalyse ergeben, dass das bisherige Erkennungszeichen „nicht mehr zeitgemäß“ sei.

Seltsam: Abgesehen davon, dass „Meinungsumfragen“ eine einseitige Angelegenheit sind, dass sie die Menschen manipulieren, ihnen eine Meinung in den Mund legen und tatsächliche Auseinandersetzungen und Diskussionen im Keim ersticken, hat niemand, mit dem ich geredet habe, etwas von „Meinungsumfragen“ und einer „professionellen Markenanalyse“ mitbekommen.

Das Ziel laut Stadtverwaltung: „eine proaktive, über alle Kanäle hinweg wiedererkennbare und zeitgemäße Außenkommunikation“. Also gab es eine Ausschreibung, auf die sich laut Stadt Köln mehrere Agenturen beworben haben. Als Siegerin ging die Agentur „Boros“ hervor, die ein neues Corporate Design entwickelte, darunter auch das neue Stadtlogo. Es soll „zukünftig als Signet einer modernen Metropole klar, prägnant, wiedererkennbar und crossmedial einsetzbar sein“, heißt es in der Pressemitteilung.https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/koelner-stadtlogo-wird-zum-streitfall–der-dom-ist-weg-31742656.html

Mit dem neuen Logo sind wir Bürgerinnen und Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt und überrumpelt worden. Die Pressemitteilung des Amts, die herauskam, als da neue Logo längst abgesegnet war (Montag, 28. März 2022, 14:44 Uhr), ist unterschrieben von Pressesprecher Alexander Vogel (FDP). https://www.stadt-koeln.de/politik-und-verwaltung/presse/mitteilungen/24468/index.html

Links das alte, rechts das neue Stadtlogo. Eine öffentliche Diskussion, die endlich einmal Stadtverwaltung und Bürgerschaft miteinander ins Gespräch hätte bringen können, hat es ebenso wenig gegeben wie die Erstellung eines differenzierten Stimmungsbilds. Ich bin mir sicher, dass die meisten Kölner Bürgerinnen und Bürger, hätten sie mitbestimmen können, zwar für eine Verschlankung des Logos (z.B. Wegfall des roten Strichs am linken Bild-Rand), aber unbedingt für eine Beibehaltung der Domspitzen gestimmt hätten.

Angenommen, ich hätte einen kurzen Disput mit einem Mitarbeiter des Amts für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln.

„Warum“, frage ich ihn, „hat die Stadt Köln eine ortsfremde Agentur beauftragt, ein neues Logo zu entwerfen, und warum wurde der Dom aus dem Logo entfernt?“

„Et es wie et es“, sagt der Mann, grinst und zitiert nach §1 noch §6 des „Kölschen Jrundjesetzes“:

„Der

Kölner Dom?

Kenne mer nit,

bruche mer nit, fott

domet.“

Kamelle, Schull- und Veedelszöch 2024

Der Kniefall der Kölner Politik vor den Unterhaltungs-Promis

Die Dokusoap-Serie Die Geissens – Eine schrecklich glamouröse Familie, die seit 2011 von RTL Zwei ausgestrahlt und seit 2015 von Familienvater Robert Geiss produziert wird, präsentiert uns den Familienalltag der Millionärs- Familie Geiss, zu der neben den Unternehmer-Eltern Carmen und Robert die mittlerweile erwachsenen Töchter Davina und Shania gehören. Diese Geissens sind konsumsüchtig, haben aber kein Problem damit. Sie leben in einer Kunstwelt und reisen, wohin sie wollen, sie kaufen, was sie wollen, egal, ob es teure Klamotten sind oder Autos oder Immobilien. Dabei machen sie erst gar nicht den Versuch, gebildet zu erscheinen, was ja schon fast wieder sympathisch ist. Die Geissens machen Werbung für Tourismus- und Autoindustrie, für die Corona-Impfung, vor allem aber für sich selber: Die Geissens. Bei RTL Zwei sind sie gut aufgehoben.

Doch längst sind Die Geissens auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk angekommen. Spätestens seit im August einige Folgen des Podcasts von Hazel Brugger und Thomas Spitzer im Nobel-Hotel „Roberto Geissini“ in Saint Tropez aufgenommen und über SWR3 ausgestrahlt wurden, gilt es als gut, die Geissens gut zu finden. https://www.swr3.de/podcasts/1-plus-1/die-geissens-und-hazel-thomas-strapse-wendler-helikopterfluege-100.html“ Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker outete sich als Fan. Im vergangen September war folgende EXPRESS-Schlagzeile zu lesen: Die Geissens“ Bei Roberts Eltern flattert Brief aus Köln ein – von OB Reker persönlichhttps://www.express.de/promi-und-show/die-geissens-koelner-ob-reker-schickt-brief-an-roberts-eltern-1-641015

Natürlich geht es völlig in Ordnung, dass Kölns OB Reker Robert Geissens Kölner Eltern im September 2023 zum 60. Hochzeitstag gratuliert hat, aber muss man das gleich an die Presse-Glocke hängen? Ich fürchte, Frau Reker muss, denn der Artikel ist Teil eines engmaschigen medialen Small Talks, der aktuell fast panisch betrieben wird und die Menschen ablenken soll von kommunalen und globalen Katastrophen.

Dennoch schmerzen solche Freundlichkeiten, denn auf der anderen Seite entzieht sich Frau Reker jeglicher Kritik von Seiten der Bürgerinnen und Bürger. Sie bedankt sich sehr freundlich bei Menschen, die ihr zum Geburtstag oder zu Weihnachten gratulieren, während sie sogar vorsichtig kritische, sachliche Briefe und Mails -wie ich immer wieder höre und selber erlebt habe- unbeantwortet lässt. Wahrscheinlich werden kritische Zuschriften grundsätzlich unter der Ausrede Hater-Post abgelegt.

Dass die Hochachtung vor prominenten Kunst- und Kulturschaffenden schnell „tragisch“ verläuft, mussten wir in Köln erfahren. Die Kölner Oper, eröffnet im Jahr 1957, war im Laufe der Jahrzehnte für sanierungsbedürftig erklärt worden. Daher begann man (noch vor Amtszeit Reker) im Jahr 2012 mit der Sanierung, die nach drei Jahren abgeschlossen sein sollte. Doch schon kurz nach Beginn traten erhebliche Baumängel zutage. Mittlerweile -nach fast zwölf Jahren- sind Oper und Schauspielhaus immer noch nicht wieder eröffnet, während sich die Kosten fast verdreifacht haben.

Die äußerst bilderreiche, gründlich recherchierte WDR-Dokumentation „Warum die Kölner Oper immer teurer wird“ bringt Erstaunliches zutage. https://www.ardmediathek.de/video/die-story/das-trauerspiel-der-koelner-oper-ein-sanierungs-desaster/wdr/ Die Dokumentation erzählt, dass die Stadt Köln völlig naiv der künstlerischen Leitung von Schauspiel und Oper die Umsetzung eines Millionen-Bauprojekts anvertraut hat.

Verantwortlich für die gesamte Sanierungsmaßnahme sind: Die Bühnen der Stadt Köln. Als Bauherr. Sie sollten also über einen baufachlichen Sachverstand verfügen, um die Baumaßnahme kompetent managen zu können. Beim Richtfest später setzen sich die Bauherren dieses Großprojektes groß in Szene… So traten drei Laien ohne jeglichen Bausachverstand an, ein Megaprojekt zu leiten.“

Was wir erleben, ist ein Kniefall der Politik vor der „Hochkultur“. Für verknöcherte Bürokraten sind teuer bezahlte Intendanten nicht nur Kunstschaffende, die zu unserer Unterhaltung und Erbauung beitragen, sondern Magier.

Zur Haushaltslage der Stadt Köln äußerte sich Henriette Reker am 16.12.2023 im Express mit folgenden Worten: „Wir müssen lernen zu priorisieren, das Geld wird knapper. Allerdings müssen wir solche Priorisierungen besser erklären, damit die Menschen sie verstehen.

Wir Bürgerinnen und Bürger sind also zu doof zu kapieren, warum die Sanierung der Oper, obwohl sie sich so lange hinzieht und immense Kosten verursacht, weiterhin absolute Priorität hat. Wahrscheinlich bin ich auch zu doof zu kapieren, dass die Stadt Köln, um ihren Haushalt zu sanieren, asoziale, menschenverachtende Maßnahmen ergreifen muss. https://web.de/magazine/regio/nordrhein-westfalen/schimmel-kakerlaken-kaputte-heizung-stadt-koeln-erhoeht-mieten-gefluechtete-39355402

Auch während der „Pandemie“ waren wir nach Ansicht von Experten zu doof zu begreifen, was gut für uns ist, insbesondere die Corona-Impfung. Anlässlich einer Impfwoche im September 2021, einer Werbeaktion pro Corona-Impfung, kam auch Lothar Wieler zu Wort, damaliger Präsident des Robert Koch-Instituts. „Nach Wielers Angaben gibt es keine genauen Erkenntnisse darüber, welche Menschen sich nicht impfen lassen wollten. Sie gehörten offensichtlich teilweise bildungsferne Schichten an und zählten zum Umfeld der Corona-Leugner. Die Informationskampagnen müssten in Sprache und Form so gestaltet werden, dass sie alle Menschen erreichen.“ (Ich habe mir erlaubt, den bildungsfernen Grammatikfehler –bildungferne(n) Schichten– nicht zu korrigieren.) https://www.wz.de/politik/spahn-setzt-auf-impfungen-an-sportplaetzen-und-fussgaengerzonen_aid-62622253.

Dass „Bildungsferne Schichten“ ein soziales Unwort ist, darauf hatte das Armutsnetzwerk schon im Jahr 2013 aufmerksam gemacht. https://stellwerk60.com/2019/06/27/rehabilitation-eines-unworts/ Obwohl der Hinweis in den darauf folgenden Jahren in zahlreichen Feuilleton-Artikeln aufgegriffen wurde, hat der Begriff überlebt und feiert seit der „Pandemie“ sogar eine Neubelebung.

Kamelle: In diesem Jahr war die Kinderoper Köln zum ersten Mal mit einer eigenen Fuß-Gruppe bei den Schull-und Veedelszöch dabei. Das „Wurfmaterial“ glänzte durch eine hübsche Verpackung: Die Pastelltöne entzücken, die Grafik ist niedlich, aber leider missglückt. Warum hat man dem Vogel den Schnabel kupiert, warm darf er nicht zwitschern?

Die Kinderoper Köln hat einen engagierten Förderverein. Auf der Internet-Seite der Kinderoper schreibt der Vorsitzende Hansmanfred Boden: „Die Kinderoper Köln ist keine elitäre Institution für Besserverdienende. Der Förderverein kümmert sich u. a. darum, dass gerade Kinder aus ärmeren oder bildungsfernen Schichten an unserer Kultur teil­haben können: Für Schüler*innen oder Schulklassen, deren Eltern sich eine solche Nebenausgabe nicht leisten können, bezahlen wir als Förderverein die Eintrittskarten.“ (Fettung von mir) https://www.oper.koeln/de/foerderverein-der-kinderoper-zu-koeln

Das ist gut gemeint, doch leider dünkelhaft und von oben herab. Kinder lieben das Musiktheater. Aber wer bestimmt eigentlich, was „unsere Kultur“ ist?

Es gibt in Köln einige kleine Theatergruppen, die anders als die Kinderoper nicht subventioniert werden, aber richtig gutes Musiktheater für Kinder anbieten. Mein Vorschlag: In Zusammenarbeit mit der Stadt Köln möge der Förderverein ermöglichen, dass alle Kölner Kinder nicht nur die Kinderoper, sondern die Aufführungen verschiedener Ensembles besuchen können.

Die Sprache der Schirme: Wie Ursula von der Leyen durch den Bayreuther Regen rutschte, aber im (Dressur-) Sattel blieb

Der Besuch der Oper vermittelt einem gutbürgerlichen Publikum das Gefühl, zu einer geistigen Elite zu gehören. Dass das gehobene Wir-Gefühl aufkam, dafür sorgten Komponisten, Meister der Manipulation und Menschen-Verführer, bereits im 19. Jahrhundert.

In einem munteren und erhellenden DLF Kultur– Beitrag schreibt Musikjournalist Uwe Friedrich: „Die Oper ist kitschverdächtig. Viele Komponisten wussten genau, wie sie ihr Publikum zum Schluchzen bringen. Der Größte in dieser Disziplin: Giacomo Puccini. Bei seinen Opern weiß man schon vorher, wann die Taschentücher im Zuschauerraum rascheln… Die richtig kitschige Liebe endet in der Oper meistens tödlich. Das gibt den wohligen Schauer im Zuschauerraum: Uns geht es doch vergleichsweise gut, jedenfalls leben wir noch…https://www.deutschlandfunkkultur.de/kitsch-in-der-oper-hochzeit-wahnsinn-und-tod-100.html So ging es dem Opern-Besucher im 19. Jahrhundert bereits ähnlich wie dem Tatort-Zuschauer der Gegenwart. Das blutige bzw. ausgeblutete (Gerichtsmedizin) Geschehen auf dem Bildschirm erregt das Publikum, aber gleichzeitig gestattet es ihm eine angenehme Sicherheits-Distanz.

Auch in Bayreuth hat man die Musen im Griff. Alle geladenen Gäste können sich sicher sein, dass von der Bühne keine Gefahr ausgeht. Unten stehender „Hinweis auf Termine von Ministerpräsident Dr. Markus Söder“ nennt nicht einmal den Titel der Oper, die zur Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele im Jahr 2023 gezeigt wird.

Unter der Leitung von Söder und von der Leyen befasst sich das Bayerische Kabinett, so lesen wir, „insbesondere mit Europathemen“, vermutlich mit „Themen“ der Gesundheits- und Kriegspolitik. Die Heldin von Bayreuth ist keine Opern-Diva, sondern die allgegenwärtige Präsidentin der EU-Kommission: Ursula von der Leyen.

Ich wünsche mir so sehr, dass die unaufhaltsame Ursula von der Leyen, die sich, bevor sie in Bayreuth war, wie schon im Jahr zuvor bei den Salzburger Festspielen zeigte, endlich einmal nicht Werbung, sondern Urlaub macht und in sich geht.

Ihr missionarischer Übereifer hat Ursula von der Leyen, die Vorsitzende der Europäischen Kommission, im Jahr 2022 nach Taizé im Burgund geführt, wo sie sich zwei Tage lang unter die jungen Menschen mischte. Von der Leyen besuchte Ende August 2022 die christliche Glaubensgemeinschaft. Angesichts der schweren Krisen der Gegenwart, so hatte Alois, der Prior der Bruderschaft von Taizé, von der Leyen angekündigt, sei der Besuch ein Zeichen der Hoffnung.

Sie spricht vom «Kreml», wenn sie vom Aggressor im Ukrainekrieg spricht. Gegen diesen Aggressor gelte es die Werte und Prinzipien Europas zu verteidigen. Die Ukraine könne auf die EU zählen. Denn «wenn die Ukraine nicht mehr kämpft, wird keine Ukraine mehr sein», sagt Ursula von der Leyen und erntet Applaus.“ https://www.kath.ch/newsd/ursula-von-der-leyen-begeistert-taize-gott-ist-immer-bei-mir/

Das ist meines Erachtens Kriegspropaganda. Als Mutter von sieben Kindern weiß sie, wie leicht man junge Menschen, die gerade erst erwachsen werden, manipulieren kann. Erschreckend und geradezu blasphemisch mutet an, dass Ursula von der Leyen (CDU) Gott zu ihrem Verbündeten macht. «Gott ist immer bei mir», antwortet von der Leyen auf die Frage, welche Beziehung sie zu Gott habe.

War Gott auch bei ihr, als Ursula von der Leyen (CDU), die es mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt, mit dem Pfizer-Chef Albert Bourla einen Milliarden-Impfstoff-Deal) ausgehandelt hat und die Texte der SMS später hat verschwinden lassen? War Gott bei ihr, als sie in einem Interview mit der SZ im Jahr 2007 „bestimmte Eltern“ diffamierte?: «Wir wissen doch, dass die Mitarbeiter eines Jugendamts bei einem Besuch nicht nur nach den Kindern fragen sollen, sondern darauf bestehen müssen, die Kinder auch zu sehen. Sonst riskieren sie, dass bestimmte Eltern Lügengeschichten erzählen.» https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/reden-und-interviews/ursula-von-der-leyen-gleich-nach-der-geburt-handeln-99768. Es ist höchste Zeit, dass CDU und CSU das C aus ihren Parteinamen streichen!

Wenn die Probleme zu groß würden, dann sage sie zu sich: «Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.»“ Hier banalisiert die Vorsitzende der EU-Kommission ein großes Wort des Theologen Arno Pötzsch. Mit der Zeile «Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand» beginnt ein Lied, dass Arno Pötzsch im Jahr 1941 gedichtet hat. Pötzsch, der als Pfarrer und Seelsorger in Holland stationiert war, hat viele zum Tode verurteilte Soldaten auf ihrem letzten Weg begleitet und -auch mit seinen Liedern und Gedichten- Trost und Hoffnung gespendet.

Der Aufritt in Taizé im Jahr 2022 sollte vorerst ihr einziger bleiben. Stammgast ist sie hingegen in Bayreuth. In der Mediathek von ntv gibt es ein sehr schönes Video zur Festival-Eröffnung im Jahr 2023. Auch wenn „Bayreuth“ nach allen Seiten hin abgesichert ist, lassen sich die Auftritte der Polit-Prominenz nicht perfekt inszenieren. Was ist, wenn der Rote Teppich total durchnässt ist, weil’s heftig regnet? Genau das ist in Bayreuth im Jahr 2023 passiert. In einem kleinen Film voller Slapstick-Momente, die man besser nicht hätte inszenieren können, erleben wir die Polit-Prominenz in einem minutenlang andauernden Platzregen. Markus Söder sehen wir vorerst nicht, weil der beleidigt ist und sich zunächst weigert, aus dem Auto auszusteigen. Als er dann endlich aus der Limousine klettert, ach was: springt (!), wird er von vier schützen wollenden Sicherheitskräfte flankiert, die aber auch nichts weiter zu bieten haben als große, durchsichtige, fernsehfreundliche Schirme.

Und wir sehen Ursula von der Leyen, die in den Wetterbericht geguckt und sich für ein regenfestes, knitterfreies Plisseekleidchen entschieden hat. Das praktische Kleidungsstück schützt die Präsidentin der EU-Kommission zwar nicht davor, auf regennasser Treppe zum Festspielhaus auszurutschen, doch die geübte Dressur-Reiterin fängt sich schnell. https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Bayreuth-holt-Wagners-Parsifal-ins-digitale-Zeitalter-article24285183.html

Der Film gibt uns auch einen Eindruck davon, was ein Opern-Zuschauer empfindet, der eine sogenannte AR-Brille trägt. Mit solchen Augmented (=erweiterte) Reality (AR-Brillen) war ein Teil der Zuschauer (♀︎+♂︎) ausgerüstet worden, aber nur die auf den hinteren Rängen, denn mit dem Zuschauerraum im Rücken funktioniert der „Zauber“ nicht.

Um die schwer in die Jahre gekommene Bayreuther Oper aufzupeppen und um ein junges Publikum zu erreichen, hatte die Festspielleitung für die Inszenierung des Parzival den US-amerikanischen Regisseur Jay Scheib engagiert, Professor am MIT (Massachusetts Institute of Technology) für Musik und Theaterkunst.

Ausschnitt aus dem NTV-Video. Bildmaterial/Quelle: „Gesellschafter der Bayreuther Festspiele“. Im Film sehen flatternde Schmetterlinge, durch den Raum segelnde Papierschnipsel und einen schwebenden Meteoriten. Aber die Brille bietet, wie ich lese, noch mehr: Gewitter-Blitze, sich durch den Raum bewegende, menschlich anmutende Figuren…

Scheib und sein Team arbeiten seit Jahren an der Frage, wie man Neue Technologien im Theater einsetzen kann. Um es vorweg zu nehmen: Das Experiment konnte nicht wirklich überzeugen, auch wenn ihm „Potential für die Zukunft“ bescheinigt wurde.

Dabei hatte Scheib im Vorfeld sein Projekt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa noch vollmundig angepriesen: „Die AR ist da, um uns einen Blick erhaschen zu lassen in eine Welt, in der es noch Visionen geben kann und wo noch Dinge existieren, auf die wir nicht mehr achten. Außerdem können wir den Raum erweitern, das Bühnendesign. Wir können im Theater sitzen und trotzdem nach draußen auf den Hügel schauen. Wir werden die Mauern explodieren lassen, wir werden sie verschwinden lassen und das szenische Design fast bis zur Unendlichkeit ausweiten. Dinge werden durch die Luft fliegen.“ https://www.br.de/nachrichten/kultur/bayreuther-festspiele-starten-ein-open-air-zum-auftakt,TkuHeis

„Dinge werden durch die Luft fliegen…“ Man will, man muss sich vor solchen „Versprechungen“ in Sicherheit bringen. Das ist Kitsch. Zum Glück hat mich ein Artikel der Abendzeitung München (Autor: Robert Braunmüller) beruhigen können:
Tatsächlich erinnern die Bayreuther Bilderzuspielungen im Vergleich zu dem, was im Kino oder in Spielen dank Computer Generated Imagery (CGI) Alltag ist, an den guten alten Bildschirmschoner. Tauben und Schwäne fliegen scheinbar durch den Zuschauerraum, im dritten Akt schwimmt allerlei Müll von der Plastiktüte bis zu alten Autobatterien vor den Augen des Brillenträgers vorbei… Höhepunkt des visuellen Spektakels ist der einstürzende Zuschauerraum des Festspielhauses am Ende des zweiten Akts. Und ganz zuletzt schwebt wie anno 1882 die Gralstaube über Parsifal und den übrigens Erlösten.https://www.abendzeitung-muenchen.de/kultur/buehne/ar-brillen-enttaeuschen-bei-parsifal-auf-den-bayreuther-festspielen-art-917103

Eine gewisse Genugtuung kann ich mir nicht verkneifen.

Elfchen im Ersten: Hochkulturfern

Vor ein paar Jahren bin ich einmal mit einer Nachbarin ins Gespräch gekommen. Sie leitete eine kleine Kindertagesstätte und erzählte mir, dass sie fast täglich Anrufe von Eltern bekommt, die einen KiTa-Platz suchen. Wenn sie den Eltern sagt, dass sie den Sinn ihrer pädagogischen Arbeit darin sieht, dass sich das Kind in der Kita wohl fühlt und gerne kommt, sind viele Eltern unzufrieden. Heutzutage wollen die Eltern weniger, dass ihr Kind spielt und Freunde findet, sondern dass es von Beginn an „gefördert“ wird und nach Möglichkeit eine Fremdsprache lernt.

Natürlich -das betonte auch meine Nachbarin- ist es wichtig, dass Kinder Anregungen bekommen, aber bitte ohne Leistungsdruck. Konkurrenzkampf und Mobbing beginnen schon im Kindergarten. Vor allem kleine Mädchen, die manchmal schon erschreckend früh ein Gespür für Psycho-Dramen haben, können richtig fies sein. (Das geht dann so: „Wenn du mit der Leonie spielst, bist du nicht mehr meine beste Freundin“, oder: „Wenn du mich nicht an deinem Eis lecken lässt, finde ich dich doof, und zwar für immer.“)

Meine beiden Töchter waren oft enttäuscht und verletzt. Sie verstanden solche Drohungen nicht und wollten sie auch nicht verstehen. Sie waren (und sind!) nicht gemacht für den Zickenkrieg, der sich im Laufe des Lebens zuspitzt, aber nie mehr so offen ausgetragen wird wie in der KiTa. Aus aufbrausenden Kindergarten-Zicken werden sanft lächelnde Führungskräfte und manchmal auch Politikerinnen, die sich Außenministerin nennen oder Vorsitzende der Europäischen Kommission oder Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag.

Wenn die Kinder ins Vorschul-Alter kommen, brauchen sie irgendwann „richtiges Futter“. Als sie fünf Jahre alt war, äußerte meine jüngere Tochter den Wunsch, zusammen mit einer Freundin nicht immer nur in den Kindergarten, sondern zur „musikalischen Früherziehung“ zu gehen. Der Kurs fand nicht in der Musikschule statt, sondern bei Martina, einer Akkordeonspielerin. Und das war gut so. Zwar wetteiferten die Kinder um Martinas Aufmerksamkeit, aber der Kampf hielt sich in Grenzen, denn Martina kümmerte sich um alle Kinder.

Die Kinder hatten viel Spaß. In der Gruppe lernten sie, dass man nicht nur mit der menschlichen Stimme Töne und Melodien erzeugen kann, sondern mithilfe von Musikinstrumenten. Und sie machten die Erfahrung, dass selbst die robuste Blockflöte empfindlich reagiert, wenn man nicht behutsam in sie hineinbläst, sondern allzu feste pustet. Anders als das seelenlose (wenn auch aufregende!) Carrera-Auto, das sich nicht mehr bewegt, wenn die Batterien leer sind, wird ja die Mundharmonika, wenn das Kind bläst, wieder lebendig.

Dieser Moment ist -und ich möchte einen mittlerweile leider ziemlich abgedroschenen Begriff verwenden- ein magischer Moment. Wenn es lernt, eine erste einfache Tonfolge zu spielen, ist jedes Kind schöpferisch, denn es haucht dem Musikinstrument Leben ein.

Die Blasinstrumente der Jetztzeit sind allesamt Weiterentwicklungen von Flöten wie dieser, der „Flöte vom Hohle Fels.“
Bei Ausgrabungen unter der Leitung des US-Archäologen und Tübinger Professors Nicholas Conard wurde im Jahr 2008 in der Höhle „Hohle Fels“ in der Schwäbischen Alb nicht nur eine Flöte gefunden, die aus einem hohlen Gänsegeierknochen geformt ist, sondern man fand auch die Teile einer kleinen, aus Mammutzahn-Elfenbein geformten Frauenfigur mit ausgeprägten geschlechtlichen Merkmalen, der sogenannten „Venus vom Hohle Fels“. Figurine und Flöte sind beide etwa 40.000 Jahre alt und gelten als die älteste bekannte plastische Menschendarstellung und das älteste je gefundene Musikinstrument.“ https://stellwerk60.com/2020/09/30/elfchen-im-neunten-puff/

Irgendwann hatte Kursleiterin Martina die Idee, mit den Kindern einen Ausflug zur Musikhochschule zu machen. Weil ich neugierig war, erklärte ich mich bereit, die Gruppe zu begleiten. Martina war gut gestimmt, aber sie verriet nicht, was sie vorhatte. In der Musikhochschule bewegte sie sich mit großer Selbstverständlichkeit. Da sie da dort studiert hatte, war sie sozusagen Insiderin. Wie sich herausstellte, bereiteten sich an diesem Tag Sänger und Instrumentalisten in kleinen schallisolierten Kammern auf eine Aufführung vor. Martinas Idee war so einfach wie genial: Sie klopfte an die Türen, betrat mit den Kindern den jeweiligen Raum und bat jeden einzelnen Künstler (♀+), für die Kinder ein Kinderlied zu spielen bzw. zu singen. Die Musiker waren überrascht und überrumpelt. Es entstand so etwas wie eine andächtige Stille. Die Musiker sammelten sich, und nach einer Weile spielten alle mit.

In einer Sendung des Südwestrundfunks (SWR) vom 6.1.02023 führt Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar einen sogenannten (vereinfachten) „Turingtest“ vor: Dreimal hintereinander wird eine kurze Klavier-Melodie eingespielt, und wir sollen raten, ob es sich beim jeweiligen Interpreten um einen Menschen oder eine Maschine handelt. Wann spielt die Künstliche Intelligenz und wann der Mensch? https://www.swr.de/swr2/musik-klassik/die-grosse-magie-der-klassischen-musik-ranga-yogeshwar-im-gespraech-100.html. (ca. Minute 32 ff.)

Wir Zuhörer (so das Lern- und Erkenntnisziel des Tests) sollen frappiert sein, denn tatsächlich lassen sich die Vorträge kaum auseinanderhalten. In ihrer Interpretation des Musikstücks sind Mensch und KI nahezu ununterscheidbar.

Ich möchte keine Spielverderberin sein, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich es auch nicht anders erwartet. Der Test wird zwar hübsch präsentiert, ist aber erschreckend schlicht, denn man ahnt von vornherein, was herauskommt: Die KI gewinnt. Ein netter Partygag, mehr nicht. Außerdem -das sollte Ranga Yogeshwar wissen!- sind Turing-Tests, die im Jahr 1950 vom Mathematiker und Informatiker Alan Turing entwickelt wurden, mittlerweile veraltet: „ChatGPT und andere moderne KIs, die auf einem Large Language Model (LLM) basieren, bestehen den Turing-Test inzwischen regelmäßig. Er gilt in der Wissenschaft deshalb als überholt.“ https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/technik/neuer-turing-test-soll-intelligenz-von-chatbots-untersuchen-13377685

Und doch habe ich einen Erkenntnisgewinn: Ist nicht, so frage ich mich, etwas faul am öffentlichen oder privaten Musikunterricht, wenn die kostspielige Klavierausbildung von Beginn an auf Perfektion und Optimierung ausgerichtet ist, auf Hochleistung und „Jugend musiziert“ und – nicht anders als im modernen Sportverein- auf die mögliche Profikarriere?

Und wird nicht so geübt, dass das Kind von Beginn an -ohne es zu ahnen- mit der künstlichen Intelligenz konkurriert?

Die Versuche, künstliche (und noch dazu musizierende!) Intelligenz zu erzeugen, sind nicht neu. Als im 18. Jahrhundert die ersten Lehrwerke für den Klavierunterricht herausgegeben wurden, wurde zwar offenbar, dass das Klavierspielen erlernbar ist, doch Menschen, die das Musikinstrument dann tatsächlich „beherrschten“, galten als besonders geistreich.

Da die Automatenmenschen besonders echt wirkten, wenn sie Musik machten, produzierte man künstliche Musikanten. So schreibt die junge Autorin Lisa Dasse: „Die Automaten entwickelten sich im Laufe der Jahre immer weiter. Das Ziel dabei war eine „immer perfektere Nachahmung der Natur.“[14] Jacques de Vaucansons, der von 1709 bis 1782 lebte, stellte 1738 seinen „nahezu lebensgroßen, hölzernen Flötenspieler vor. Er konnte 12 Melodien auf seinem Instrument spielen und erzeugte dabei die Töne nicht mehr einfach durch ein Uhrwerk in seinem Innern, sondern natur- und kunstgerecht durch die entsprechenden Zungen- und Fingerbewegungen.“[15] Dies war somit einer der ersten Automaten, welcher dem Ansporn, etwas sehr Menschenähnliches zu erschaffen, nachkam.“ https://etahoffmann.staatsbibliothek-berlin.de/erforschen/romantik/automaten-romantik/#Beispiele Erhellender und kenntnisreicher geisteswissenschaftlicher Beitrag!

E.T.A. Hoffmann, großer Dichter der Romantik, war von den Möglichkeiten der Technik fasziniert, reagierte aber mit beißendem Spott auf die Auswüchse des Machbarkeitswahns und die Verführbarkeit seiner Zeitgenossen durch KI. In seiner Erzählung „Der Sandmann“ macht er uns mit dem Studenten Nathanael bekannt, der sich in eine künstliche weibliche Intelligenz namens Olimpia verliebt und wahnsinnig wird.

Das Konzert begann. Olimpia spielte den Flügel mit großer Fertigkeit und trug ebenso eine Bravourarie mit heller, beinahe schneidender Glasglockenstimme vor. Nathanael war ganz entzückt; er stand in der hintersten Reihe und konnte im blendenden Kerzenlicht Olimpias
Züge nicht ganz erkennen. Ganz unvermerkt nahm er deshalb Coppolas Glas hervor und schaute hin nach der schönen Olimpia. Ach! – da wurde er gewahr, wie sie voll Sehnsucht nach ihm herübersah, wie jeder Ton erst deutlich aufging in dem Liebesblick, der zündend sein Inneres durchdrang. Die künstlichen Rouladen schienen dem Nathanael das Himmelsjauchzen des in Liebe verklärten Gemüts, und als nun endlich nach der Kadenz der lange Trillo recht schmetternd durch den Saal gellte, konnte er, wie von glühenden Ärmen plötzlich erfaßt, sich nicht mehr halten, er mußte vor Schmerz und Entzücken laut aufschreien: „Olimpia!“
(Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1994, S.41)

Singvögel ahmen nicht nur das Zwitschern anderer Vögel nach, sondern auch Alltagsgeräusche. Aber sie wären niemals so verblendet, synthetische Klänge für wirklich zu halten.

Gern

lausche ich

den unbeugsamen Gesängen

der Rotkehlchen und bleibe

hochkulturfern

„In Düsseldorf ist Prahlhans Bürgermeister“ – Eine Begegnung mit der Frau Keuner

Es gibt Leute, mit denen man niemals eine Wette abschließen sollte. Zu diesen Leuten gehört meine Nachbarin, die Frau Keuner. Im letzten Jahr haben wir eine Wette abgeschlossen, und zwar ging es da um die Neujahrsglückwünsche der Stadt Köln.

Wir waren uns kurz nach Weihnachten 2022 an der Zonser Straße über den Weg gelaufen. Die Frau Keuner auf dem Rückweg vom NETTO, ich auf dem Weg dahin.

Köln-Nippes, Bushaltestelle Zonser Straße, 10. Januar 2023

„Wat sagst du dazu“, hat die Frau Keuner damals gesagt und auf das Weihnachtsplakat gezeigt, das an der Bushaltestelle hing. „Da hat man einmal im Jahr Augenkontakt mit der Oberbürgermeisterin, wenn auch nur über ein Plakat. Dat letzte Bissken Bürgernähe. Und wat passiert? Die Stadt Köln bildet die Frau Reker nicht mehr ab. Und dat Plakat is so gesichtslos, dat könnte genau so in einer Bank-Filiale hängen. Sind wir Kunden oder wat?“

„Ich versteh das schon“, hab ich gesagt. „Es gab es doch vor zwei Jahren hier in Nippes diesen Anschlag auf das Weihnachts-Plakat, mitten im Lockdown. Damals hat die Frau Reker noch ihr Gesicht gezeigt. Aber irgendwer hat dann ihrem Konterfei eine schäbige Corona-Maske verpasst. Niemand hat sich die Mühe gemacht, die Maske zu entfernen. Überall liefen Personen vom Ordnungsamt rum, die hätten das ja machen können. Aber die waren damit beschäftigt, Atteste zu kontrollieren und Leute ohne Maske zu ertappen. Ich kenn jemanden, der unmaskiert in der U-Bahn war. Da haben die Ordnungskräfte an Heiligabend seinen Hausarzt privat angerufen und gefragt, ob das Masken-Attest auch seine Richtigkeit hat.“

„Und, hatte?“, unterbrach mich die Frau Keuner.

„Hatte.“

„Die Stadt spart“, hat die Frau Keuner gesagt. „Irgendwer muss denen doch die Sanierung der Oper finanzieren. Ein Plakat ohne Reker kann die Stadt Köln im nächsten Jahr wiederverwenden. Und Lisa, ich sach dir, ganau dat wird passieren.“

Weil ich das nicht glauben wollte, bin ich damals richtig heftig geworden: „Die Kölner Kommunalpolitik ist zwar nicht gerade bürgerfreundlich, aber so primitiv doch auch nicht. Unsere OB ist vielleicht ein bisschen leidenschaftslos, aber die Stadt Köln wird doch die alten Glückwünsche nicht noch mal aufwärmen. Frau Keuner, das glauben Sie doch selber nicht! Das wäre so, als würde man Weihnachtskarten vom Vorjahr verschicken. Das fällt doch auf. Frau Keuner, das wäre eine richtig fiese Resteverwertung. So geht man mit uns Menschen nicht um, nicht einmal in Köln! Die Stadt ist doch kein Wirtschaftsunternehmen.“

Die Frau Keuner hat nur gegrinst: „Um was wetten wir?“

Als dann ein Jahr später mein Blick auf die EXPRESS-Schlagzeile „Müssen den Gürtel enger schnallen“ fiel, kam mir die Wette wieder in den Sinn. Ich ahnte, dass die Frau Keuner Recht behalten könnte und dass ich mal wieder viel zu gutgläubig gewesen war. Doch weil ich an Köln hänge, tat es richtig weh, zusehen zu müssen, wie die Stadt zunehmend verrohte. Was war los mit unserer Kommunalpolitik, wenn die OB mit einer bieder-bevormundenden Redewendung lächelnd Sparmaßnahmen ankündigte, während zahlreiche Rentner kaum noch über die Runden kamen, Bürgergeld beantragen mussten und aus ihrem Veedel herausgedrängt wurden?

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Um das Interview mit Frau Reker zu lesen, habe ich mir am 16.12.2023 den EXPRESS gekauft. Henriette Reker (S.20): “Priorisieren heißt für mich, das Geld dort auszugeben, wo es absolut wirksam ist. Zeitenwende heißt für uns alle, dass wir den Gürtel enger schnallen müssen.“ Ich kenne die spießige Redewendung aus meiner Jugend, als Familienväter das halbe Einkommen versoffen und zuhause gesagt haben: „Wir kommen schon über die Runden, wir müssen nur den Gürtel enger schnallen.“ Die Stadt Köln verhält sich wie der versoffene Familienvater, schlimmer noch: Die Stadt verhält sich wie der versoffene Familienvater, der, um den Suff zu finanzieren, die Sparschweine der Kinder plündert. Denn die, die den Gürtel enger schnallen sollen, das sind nicht die Politiker, sondern wir, diejenigen, die hier Steuern zahlen, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Köln.

Aber dann kam es nicht nur so, wie es die Frau Keuner vorausgesagt hatte, sondern schlimmer. viel schlimmer.

Das Plakat vom Vorjahr wurde tatsächlich wiederverwendet. Aber nicht nur das: Ausgerechnet in Köln-Nippes, direkt gegenüber vom Golde Kappes, ausgerechnet an einer Stelle, wo am Karnevals-Dienstag der Nippeser Veedels-Zoch entlangläuft, hatte man kurz vor Weihnachten das alte Plakat platziert und noch dazu in einer beweglichen Werbetafel mit Parfüm-Werbung zusammengebracht. War das bewusst geschehen oder nur passiert, weil die Presseabteilung der Stadt Köln den Überblick verloren und die Platzierung der Weihnachts-Botschaft nicht ausreichend kontrolliert hatte?

So oder so war es beschämend. Hatte der ehrgeizige Kölner Pressesprecher Alexander Vogel (FDP) den Fauxpas zu verantworten? Zweimal bereits war der smarte Herr Vogel in den letzten Jahren politisch gescheitert. Im Jahr 2021 hatten die GRÜNEN Vogels Vorhaben, auf Wunsch der Oberbürgermeisterin ihr Büro zu leiten, vereitelt. Und im Juni 2023 hatte der Wuppertaler Stadtrat Herrn Vogel, der sich in Wuppertal als Beigeordneter beworben hatte, bei einer geheimen Abstimmung wider Erwarten abgelehnt. Für die Niederlage mitverantwortlich war vermutlich eine schwere Medienpanne. Radio Wuppertal hatte bereits im Vorfeld Alexander Vogel zum Dezernenten gekürt. Eine Woche vor der Abstimmung lautete dort „vorlaut“ die Schlagzeile: JETZT OFFIZIELL: FDP-VOGEL WIRD DEZERNENT. https://www.radiowuppertal.de/artikel/jetzt-offiziell-fdp-vogel-wird-dezernent-1671356.html

Als sicher gilt, dass Alexander Vogel mit dem Ende der Ära Reker seinen Pressesprecher-Posten verliert. Niederlagen sind nicht gerade motivierend, aber man kann erwarten, dass ein Mann, der den Posten des Pressesprechers einer Millionenstadt innehat, seine Aufgaben mit Sorgfalt zu Ende führt.

War Alexander Vogel (FDP) jetzt alles egal? Mit erfolgsverwöhnten Jung-Politikern war, wenn sie scheiterten, nicht zu spaßen.

„Lecker, wa?“, sagt die Frau Keuner und grinst.

Wir sitzen an einem frühen Januar-Abend im Golde Kappes. Kürzlich hat man den goldenen Kohlkopf, der über dem Eingang hängt, abgenommen, weil er aufpoliert werden muss, aber das Kölsch schmeckt wie immer, vor allem der Frau Keuner. Die ist ausgesprochen gut gelaunt, wo sie doch die Wette gewonnen hat. Angeblich haben wir darum gewettet, dass ich sie ein ganzes Jahr lang mindestens einmal pro Woche auf ein Kölsch einlade, und „ein Kölsch“ ist für die Frau Keuner kein Singular.

Als die Frau Keuner im Dezember das Plakat vom Vorjahr entdeckt hat, hat sie direkt einen Lachanfall gekriegt. Sie hat dann die Beweis-Fotos an mich und ihre Düsseldorfer Bekannten geschickt, die sich natürlich total beömmelt haben. Die Frau Keuner und ihre Bekannten, das war eine Köln-Düsseldorfer Selbsthilfegruppe. Man schickte sich Fotos und lachte gemeinsam über die Missgeschicke der Düsseldorfer und der Kölner Kommunalpolitik. Fast alle Mitglieder der Selbsthilfegruppe waren Rentner, ungeimpfte Querdenker mit Galgenhumor.

„Dat der Kopp von der Frau Reker weiterhin fehlt, is ja schon praktisch“, sagt die Frau Keuner. „Sonst würde er sich mit dem von dem Model inne Wolle kriegen. Aber die Grafik ist ja mal mal wieder total misslungen. Wenn man ein Model zeigt, das feuchte Haare hat, muss man beachten, dass es in Köln viel regnet und eine Feuchtfrisur während einer lang anhaltenden Feuchtwetterphase, wie wir sie hatten, nicht gut ankommt. Und dat kräftige Teil im Bildvordergrund, dat den halben Raum einnimmt, is die fette Pfote ein Unterarm oder wat? Ich glaub ja, dass die Collage bewusst komponiert ist. Schwarzweißchen und Rosenrot, passt doch. Es wird ja gemunkelt, dass der Alexander Vogel ein Faible für Duftwasser hat, aber ich sach dir, Lisa, dass die Frau Reker als OB der Stadt von 4711 und Farina mitten im Weihnachtsgeschäft Werbung für ein Duftwasser von Narciso Rodriguez macht, dat geht nich.“ Während ich noch am ersten Kölsch nippe, setzt der Köbes der Frau Keuner ein drittes Glas vor.

„Ich will nicht wissen, wie die Reker riecht“, sagt die Frau Keuner. „Überhaupt kriegt man die Promis ja selten zu riechen. Aber Im Internet gibt es überall Informationen über die Lieblingsdüfte der Stars. Schauspielerinnen, Sängerinnen, Influenzerinnen. Der Elon Musk hat ja auch sein eigenes Müffel-Parfüm auf den Markt gebracht. Wenn du berühmt bist, kriegst du alles verkloppt. Frag mal die Kate. Die maßgeschneiderten Designer-Klamotten und der Schmuck von Diana sind natürlich unverkäuflich, aber die einfachen Klamotten, die die Kate in der Öffentlichkeit trägt, sind immer direkt ausverkauft. Und ihr Lieblingsparfüm gibt es für 67 Euro bei amazon. Dabei weiß die Kate, dass die Blase platzen und der Geld-Segen verpuffen kann. Hat sie ja gerade mit dem Partyartikel-Unternehmen ihrer Eltern erlebt. So schnell geht dat. Aber ich sach dir, Lisa, ich würde dir raten, doch nicht nach Düsseldorf zu ziehen.“

„Aber das hab ich auch gar nicht vor!“

„Ich hab da was von Unterbilk gehört“, sagt die Frau Keuner. „Aber Düsseldorf toppt Köln, was die Weihnachtsbotschaft und den Oberbürgermeister angeht.“ Und dann kreiert die Frau Keuner noch einen Kalauer, der so schön doof ist, dass sie sich damit als Büttenrednerin im Kölner Karneval bewerben könnte: „In Düsseldorf ist Prahlhans Bürgermeister.“

Dr. Stephan Keller, Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf. Ich habe das Plakat von einem Beitrag in der NRZ abfotografiert. Dieser bilderreiche Artikel, der zwei Autoren hat (Stephan Wappner und Celina Klauser), zitiert zahlreiche überwiegend kritische Reaktionen von Düsseldorfer Bürgerinnen und Bürgern sowie aus der Lokalpolitik. Mein Lieblingsdüsseldorfer heißt Christoph S.: „Statt Geld für eine menschenfreundliche Stadt bereitzustellen, wird auf eine immer mehr zum Randphänomen werdende christliche Tradition Bezug genommen. Ästhetisch und politisch ist das Ganze nah an Rotbäckchen und Zwieback!“ (Fettung von mir) https://www.nrz.de/staedte/duesseldorf/duesseldorf-weihnachts-plakat-von-ob-keller-stoesst-auf-kritik-id240840948.html

Und weil der Köbes der Frau Keuner ein fünftes Glas Kölsch hinstellt, ohne dass sie es bestellt hätte -aber so ist das in den kölschen Braustuben eben-, ist die Frau Keuner so lustig und bescheuert drauf, dass sie den Bürgermeister mit dem Küchenmeister zusammenbringt: „In Köln ist Schmalhans Küchenmeister, doch in Düsseldorf ist Prahlhans Bürgermeister.“