Elfchen im Achten: Wer nicht schnüffeln darf, wird…

Hunde, die ja bekanntermaßen gerne schnüffeln, fangen sich schnell Zecken ein. Bei unserem Hund Freki (10) sitzen sie mit Vorliebe im Gesicht. Manchmal, so denke ich, kann eine Maul- Nasenbedeckung gute Dienste leisten, denn…

… mit Maske wär das nicht passiert:

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Mai 2020: Die Zecke an Frekis Schnauze, die noch deutlich dicker wurde, bevor sie abfiel, sollte bis jetzt (13.8.) im Kopfbereich die einzige bleiben.

In den Jahren 2018 und 2019 war vor allem der Bereich rund um Frekis Augen betroffen (vgl. Blogbeiträge „Zeckenkrieg“ und „Der Zeckenindikator“).

 

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Juli 2019:

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Zecken, zupfreif. Ich habe sie damals nicht entfernt, sondern gewartet, bis sie abgefallen sind (Die „Therapie“ ist nur beim Hund zu empfehlen!). Wenn die Zecken neben dem Auge sitzen, darf man den Hunden nicht zu nahe kommen. Sie knurren, denn sie fürchten um ihr Augenlicht. Die Hunde wissen: Wenn der Mensch die Zecke herauszieht, kann es schnell zu Entzündungen kommen.

An Borreliose können auch Hunde schwer erkranken. Das passiert allerdings sehr selten, wie mir Frekis Tierärztin erzählte. Achtung: Menschen sollten sich nach Waldspaziergängen immer nach Zecken absuchen und die Tierchen, deren Stich man anders als den Stich der Wespe nicht spürt (damit man sie beim Saugen nicht stört), so schnell wie möglich entfernen…  Ich fand gerade einen Text, der plastisch erzählt, warum: „Borreliose wird nicht durch den Einstich der Mundwerkzeuge der Zecke in die Haut übertragen, vielmehr findet die Borreliose-Übertragung erst gegen Ende der Blutmahlzeit statt. Nach circa 24 Stunden steigt das Infektionsrisiko deutlich an, da nach dieser Zeit die Blutmahlzeit in der Regel abgeschlossen ist. Wenn die Zecke satt ist, würgt sie nämlich etwas Mageninhalt in die Wunde des Opfers, und mit ihm vorwiegend das Bakterium Borrelia burgdorferi.“ https://www.drseitz.de/schwerpunkte/borreliose-therapie/borreliose-infektionsweg.html

Da aufgrund des „Klimawandels“ die Winter immer wärmer und kürzer werden, werden die Zecken früher im Jahr aktiv und bleiben es länger. Dennoch wird die Gefahr überschätzt. „Das Risiko zu erkranken“, so schrieb ich vor einem Jahr an dieser Stelle, „ist gar nicht so hoch, wie man denkt. Zwar tragen (je nach Gebiet) bis zu 30 % der Zecken Borrelien in sich, aber nur 2,6 bis 5,6% der gebissenen Menschen entwickeln Antiköper dagegen. Lediglich 0,3 bis 1,4% der von einer Zecke Gebissenen erkranken tatsächlich an Borreliose (Zahlen: Robert-Koch-Institut, Stand: 14.2.2018)“ Tückisch ist die Borreliose allerdings wegen der möglichen Spätfolgen. Manche Menschen, die Antikörper entwickeln, haben zunächst keinerlei Symptome, werden aber Jahre später ernsthaft krank.

Das Thema „Zecken“ zieht immer. Gewohnt reißerisch hatte Ende Mai 2020 die Bild-Zeitung Zecken-Alarm geschlagen:

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In diesem Jahr hat die mediale Coronoia andere Katastrophen-Schlagzeilen in den Hintergrund gedrängt, wo sie dennoch gewirkt haben. Gefährlich sind Horror-Meldungen wie diese, weil sie nicht nur maßlos übertrieben sind, sondern untergründig dazu beitragen, die Corona-Panik noch weiter anzufachen. „Sie stechen so früh wie nie!“ ist übrigens Unsinn: Als die Bild-Zeitung Ende Mai drohte, waren die Zecken schon seit mindestens zehn Wochen aktiv. Hund Freki hatte bereits im März eine erste Zecke im Fell.

Kaum jemand, mit dem ich ins Gespräch komme, hat noch Angst vor dem Corona-Virus. Aber die meisten Menschen haben Angst, drakonische Strafen bezahlen zu müssen, den Job zu verlieren etc. Daher tragen alle die Maske, ob fertig gekauft, selber genäht, gehäkelt, gestrickt, zusammengeheftet. Wir sehen bescheuert aus und bedecken die untere Gesichtshälfte mit kleinen Stoffteilen, die vermutlich nichts weiter sind als Scherzartikel. Wir tragen uns mit unleserlichem Namen in die Listen ein, die in den Cafés ausliegen, was niemanden interessiert.

Aber wir alle sind angespannt. Gereizt sind insbesondere die völlig überforderten Menschen in „systemrelevanten“ Berufen. Im Supermarkt begegne ich täglich Verkäuferinnen und Verkäufern, die man vor Monaten noch „gefeiert“ hat. Jetzt sind sie dazu verdonnert, die Regale wieder alleine aufzufüllen, ohne die Mitarbeit der für kurze Zeit eingestellten Hilfskräfte, und von morgens bis abends eine Maske zu tragen. Die Regale sind wieder gut bestückt und die Kunden undankbar und grantig wie eh und je.

Weil ich keine Gesichtsmaske dabei hatte, wurde ich am Tag der Beerdigung des Leichnams meines Mannes früh am Morgen aus dem REWE an der Nohlstraße geworfen. Eine seltsame Erfahrung, wenn man Stammkundin ist und immerhin 61. In Ermangelung einer Maske riss ich mir eine kleine Obsttüte von der Rolle, klemmte mir den Plastiklappen hinter die Ohren, schritt in den Laden und wurde direkt zurückgepfiffen: Halt! Eine zweite maskierte Verkäuferin kam dazu: Halt! Ich ging weiter und stammelte einen Satz wie: Mein Mann wird heute beerdigt, ich muss noch ein paar Zutaten einkaufen für den Brunch. Man holte Verstärkung, diesmal einen ebenfalls älteren männlichen Kollegen mit FC Köln-Maske (Aufdruck: Zesamme stark blieve), verfolgte mich durch den Laden und schrie im Verein: Raus, raus, raus! Ich stellte ein Glas Mayonnaise aufs Kassenband. Nichts da, raus, raus, raus! Ich brach in Tränen aus. Kein Erbarmen: Raus, raus, raus!

Wenn wir eine Maske tragen müssen bzw. einen Maulkorb, spannt uns das an. Wir sind nicht nur schlecht gestimmt, sondern auch (latent) aggressiv. Kluge Hunde wissen das. Ihnen widme ich mein Elfchen des Monats.

 

Weise

Hunde warnen:

Wer nicht schnüffeln

Darf, wird erst richtig

Scharf

 

Fünfchen im Siebten: Danke!

Das Elfchen des Monats ist diesmal ein Fünfchen:

      1. GACK    2. SACK

       3. PACK    4. ZACK!

        DANKE!

Abgeschrieben habe ich das muntere Fünfchen von einem Wiener „Hundekotsackerl“:

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Ein Hundekotsackerl der Wiener Straßenreinigung https://www.wien.gv.at/umwelt/ma48/sauberestadt/hundekotsackerl/index.html. Die Stadt Wien tut viel für den Ruf, eine der saubersten Städte der Welt zu sein. Offensichtlich (s. Internetseite) mit Erfolg. Diese Hundekotsackerl, die man in ganz Wien kostenlos aus 3600 Hundekotsackerlspendern ziehen kann, sind ein schönes Beispiel dafür, dass die Leute den Hundekot viel lieber entfernen, wenn sie aus der Entsorgung ein humorvolles Spiel machen können. Hier werden die Hundehalter, die sich ja in aller Regel verantwortlich fühlen, ernst genommen. Es wird nicht mit einer fetten Geldstrafe (die es natürlich im Fall der Nichteinhaltung der „Spielregeln“ auch in Wien gibt) gedroht, sondern freundlich „DANKE!“ gesagt. Ich sage: „Danke, Stadt Wien!“

Meine Tochter und ihre Freundin haben am 23. Juni hier in Köln eine Internet-Klausur (Uni Heidelberg, Klinische Psychologie) geschrieben – unter Corona-Bedingungen. Das war ein bisschen albern, denn es war eher eine Schein- bzw. Fakeklausur. Die beiden hätten nicht nur schummeln und voneinander abschreiben, sondern irgendwen beauftragen können, an ihrer Stelle vor dem Computer zu sitzen. Da sie Schummeln hassen und wochenlang gepaukt hatten, fühlten sie sich nicht ganz ernst genommen. Auch die sonst übliche Erleichterung nach der Klausur fiel aus – und das Feiern mit den Mitstudentinnen. Wie dem auch war: Am nächsten Tag verabschiedeten sich die beiden von meinem Mann und mir und reisten nach Wien.

Die Freundin meiner Tochter ist am Wiener Stadtrand aufgewachsen, im 23. Bezirk. Bei einem Ausflug zum nahe gelegenen privaten Badeteich im Seepark Vösenberg, einer aus dem Boden gestampften Wohnanlage des Bauträgers AURA, erlebten die Freundinnen am 26. Juni ein schweres Gewitter mit einem heftigen Hagelschauer. Der Hagel fiel nicht in Körnern, sondern in Kugeln, von denen einige nicht wirklich rund waren…

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Unter „tischtennisballgroßen Hagelkörnern“ habe ich mir immer etwas anderes vorgestellt, keine stacheligen Gebilde… Teile des Gartens der Wiener Großmutter wurden durch die  „Geschosse“ verwüstet, Blüten und Blätter zerstört. Für meine erschrockene Tochter waren die Hagelgebilde allerdings auch kleine Eis-Skulpturen, was sie getröstet hat. Mit etwas Phantasie lässt sich schrecklich Schönes entdecken: Eine Ente, ein Hase, zwei Finger: PEACE…

Das Versagen der aktuellen Klimapolitik zeigt sich auch darin, dass es keinerlei ernsthafte Bemühungen gibt, unsere Kinder zu schützen und ihnen eine Zukunft zu sichern. Wo bleibt da die Empathie, wo das Verantwortungsgefühl? Schon jetzt gibt es keinen Winkel auf der Erde, den die menschengemachte Klimakatastrophe nicht trifft. Aber noch trifft es uns nicht gleichermaßen. Wir satten Menschen der westlichen Welt können es uns noch bequem machen, das Dach erneuern und die Klimaanlage hochdrehen. Das ist himmelschreiend ungerecht. Wir müssen die Notbremse ziehen. Raus aus der wohltemperierten gesellschaftlichen Schockstarre, jetzt!

Elfchen im Sechsten: Die Apotheke hilft

Die Apotheke vor Ort ist für viele Menschen ein Stück Heimat.“ (Jens Spahn)

Paracetamol

500 mg

Die Apotheke hilft

ist ein schmerzstillendes, fiebersenkendes

Arzneimittel.

Das Elfchen des Monats ist diesmal kein wirkliches Elfchen, sondern ein abgeschriebener Satz mit elf Wörtern. Der Satz steht Wort für Wort genau so auf dem Beipackzettel „Gebrauchsinformation: Information für Anwender“ des Schmerzmittels „Paracetamol 500 mg Die Apotheke hilft“. Hersteller: Fair-Med Healthcare.

Vor einem Jahr hat der Apotheken-Großhändler Noweda mit Die Apotheke hilft ein neues Eigenmarkenkonzept gestartet. Die Apotheke hilft ist ein Versuch, die Kunden an die Apotheken vor Ort zu binden. Das ist wichtiger denn je, denn wenn „das E-Rezept kommt“, werden noch viel mehr Patienten ihre Rezepte bei den Internet-Apotheken einreichen. Das mag ja praktisch sein, doch „gesund“ ist es nicht. Das persönliche Beratungsgespräch vor Ort zwischen Apothekerin (meistens ist es ja eine Frau) und Patient oder Patientin ist gerade bei den in der Regel wirkungsvollen, aber auch nebenwirkungsreichen rezeptpflichtigen Medikamenten meiner Meinung nach unersetzbar.

(Zur Erinnerung: Alle noch so gut gemeinte pharmazeutische Beratung hat ihre Grenzen, vor allem dann, wenn es um den Verkauf neuer Medikamente geht, deren Langzeitwirkung niemand kennt. Das Schlafmittel Contergan war vom Pharmakonzern Grünenthal als „sicher“ auf den Markt gebracht, von den Ärzten als „sicher“ empfohlen und von den Apotheken als „sicher“ verkauft worden. Unter den schwangeren Frauen, die es nahmen, waren viele, die den Zweiten Weltkrieg mit seinen entsetzlichen Bombennächten als Kinder oder Jugendliche miterlebt hatten und ihr weiteres Leben lang unter massiven Schlafproblemen leiden sollten. Als Contergan 1959 auf den Markt kam, unterschätzte man (und ignorierte man lange) die möglichen „Nebenwirkungen“, so dass Contergan nicht einmal rezeptpflichtig war.)

Schon jetzt können Rezepte bei den Internet-Apotheken eingereicht werden, allerdings nur per Brief. Wenn demnächst das Rezept digital übermittelt werden kann und man nicht einmal mehr einen Briefkasten ansteuern muss (den man ohnehin kaum noch findet), dürften vor allem die Internet-Apotheken profitieren. Insbesondere Laufkunden, die nur gelegentlich Medikamente kaufen und keine Stammapotheke haben, werden ihre Rezepte im Internet einlösen.

Bis dahin wird sich eine Internet-Apotheke als die Online- Rezeptapotheke empfohlen haben: Marktführer DocMorris, der selbsternannte „Gesundheitsdienstleister“, ein Unternehmen mit Sitz in Heerlen, einer niederländischen Stadt ganz in der Nähe von Aachen. Bereits bevor „Das E-Rezept kommt!“ (DocMorris – Plakatwerbung im April 2020), darf DocMorris in ganz Deutschland so werben, als wäre das E-Rezept bereits eingeführt. Frei nach dem biederwitzigen Motto „Fortschritt stellt sich nicht in Warteschlangen. Jetzt bei DocMorris bestellen!“ schaltet DocMorris die Ampel auf (Plakatfarbe) Grün. Der Versand rezeptpflichtiger Medikamente ist bei DocMorris übrigens kostenlos. Dass das erlaubt ist, wundert mich, denn es verschafft dem Unternehmen einen indirekten Wettbewerbsvorteil gegenüber den ortsansässigen Apotheken. (Meiner Meinung nach müsste man auch auf den kostenlosen Amazon-Buchversand eine Art Schutzgebühr erheben.)

Der Unternehmens-Name DocMorris, der direkt ins Ohr geht, spielt phonetisch mit dem bekannten Namen eines international agierenden Erfolgsunternehmens, des umsatzstärksten Fast-Food-Konzerns der Welt: McDonalds. (DocMoMcDo) Auch als Sponsor ist und war DocMorris aktiv, nicht nur regional (etwa für ein paar Jahre beim Fußballverein Alemannia Aachen), sondern auch überregional. Wenn man dabei mit den großen Parteien liebäugelt, noch dazu im Jahr der Bundestagswahl, erzielt man allerdings nicht nur mediale Wirkungen, sondern auch Nebenwirkungen – bei der Konkurrenz.

So berichtete die Deutsche Apothekerzeitung im Wahl-Jahr 2017: „Die Junge Union Bayern bekam am vergangenen Wochenende viel Aufmerksamkeit, weil sie den Rücktritt von CSU-Parteichef Horst Seehofer forderte. Von dieser Medienpräsenz profitierte auch DocMorris, weil viele Teilnehmer der JU-Landesversammlung in Erlangen „Schlüsselbänder“ um den Hals trugen, auf denen das DocMorris-Logo zu sehen war – auch auf Fotos und im Fernsehen. Dabei gehört die CSU zu den größten Verfechtern eines Rx-Versandverbots.https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2017/daz-45-2017/docmorris-sponsert-junge-union-bayern  Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn enge Beziehungen zu DocMorris (inklusive diverser medienwirksamer Gockelkriege) unterhält, ist kein Geheimnis.

Vom Koalitionspartner ins Boot geholt zu werden, ist natürlich ebenso wichtig. Die Internet-Nachrichtenseite des Apotheken-Versicherers Aporisk erinnerte im Jahr 2017 daran, dass die „SPD mit DocMorris auf Spargelfahrt“ war. Der Eintritt in die geschlossene Gesellschaft kostete DocMorris kaum mehr als eine Art Trinkgeld, das gerade mal für 600 (geschätzte Teilnehmer-Zahl 2019 laut Tagesspiegel) Portionen Spargel gereicht haben dürfte:

„Das ZDF-Politikmagazin Frontal 21 beschäftigt sich heute Abend mit den Grenzen des legalen Parteisponsorings: Unternehmen und Lobbygruppen könnten gegen Zahlung von 3000 bis 7000 Euro Treffen mit SPD-Ministern, Staatssekretären und Parteifunktionären buchen, heißt es in der Ankündigung. Dazu lägen Frontal 21 Angebote und ein Kostenvoranschlag zu sogenannten Vorwärts-Gesprächen vor. In einer Szene taucht auch DocMorris neben anderen Firmen als Sponsor der traditionellen SPD-Spargelfahrt auf.“ https://aporisk.de/apotheker-nachrichten-politik-48600.html

Ich bin geneigt, die Geschichte als Provinz-Posse abzutun, aber es geht um unser aller Wohl bzw. Unwohl. Höchstwahrscheinlich war das Haupt-Thema der „Vorwärtsgespräche“ schon vor drei Jahren das E-Rezept. Den größten Umsatz erwirtschaften die Apotheken nun mal durch den Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente. Das E-Rezept könnte auf Dauer dazu führen, dass die ortsansässigen Apotheken nur noch Medikamente verkaufen, die nicht rezeptpflichtig sind. Dazu gehören Mittel gegen leichte und mittelstarke Schmerzen, die keine Apothekenpreise kosten, sondern vergleichsweise billig sind. Beim Verkauf von Paracetamol, Aspirin oder Ibuprofen etwa geht es weniger darum, Geld zu machen. Doch die Apotheker wissen, dass die Leute dort, wo sie rezeptfreie Medikamente kaufen, auch ihre Rezepte einreichen.

Manchmal hat man in der Apotheke eine schöne Begegnung. Eine freundliche junge Apothekerin hat mir, nachdem wir uns trotz Mundschutz gut unterhalten hatten, den Beipackzettel für Paracetamol Die Apotheke hilft geschenkt, ohne dass ich das Medikament (für knapp 2 Euro) kaufen musste. Eigentlich wollte ich ihr eine unangebrochene Schachtel Paracetamol zurückbringen, die ich selber nur wegen des Beipackzettels gekauft hatte, den ich dann blöderweise auch noch verschusselt hatte. „Ich selber nehme Medikamente nur zur Not, obwohl ich in der Apotheke arbeite“, sagte die junge Frau. Ich stimmte ihr zu und ergänzte: „Vielleicht auch, weil Sie in der Apotheke arbeiten.“ Die Tabletten hat sie leider nicht zurück genommen. Die vergammeln jetzt in einer Schublade, weil ich sie nicht in den Müll werfen will. Erst recht will ich es nicht wie die meisten machen: Die Tabletten im Klo runterspülen. Das verpacken die robusten Ratten, aber es schadet dem ohnehin schon schwer verunreinigten Wasser.

Fatal, wie ich finde: Es kann doch nicht angehen, dass es in einem Land wie Deutschland, wo Mülltrennung und Entsorgung einigermaßen gut funktionieren, keine Sondermüllabgabe-Möglichkeit für Medikamente (inklusive „Pille“ und Antibiotika) gibt. Und warum nicht die Abgabe von Restmedikamenten belohnen? Bitte handeln, Herr Spahn!

Auf dem Beipackzettel für „Paracetamol 500 mg Die Apotheke hilft“ steht zig Mal der Zusatz „Die Apotheke hilft“. Er klingt wie eine sanfte Beschwörung. Die damit verwandte Einflüsterung „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ haben wir längst verinnerlicht: Vertrauen Sie uns, wir sind immer für Sie da.

Die Apotheke hilft mutet altmodisch an. Vielleicht haben sich die Werbetexter von Ingeborg Bachmanns berühmtem Gedicht „Reklame“ inspirieren lassen, das von der Umgarnung durch Werbung erzählt. Dass Werbung einmal allgegenwärtig werden und unsere Köpfe komplett besetzen sollte, konnte Ingeborg Bachmann nicht ahnen.

Ingeborg Bachmann, „Reklame“ [1956]

Wohin aber gehen wir

ohne sorge sei ohne sorge

wenn es dunkel und wenn es kalt wird

sei ohne sorge

aber

mit musik

was sollen wir tun

heiter und mit musik

und denken

heiter

angesichts eines Endes

mit musik

und wohin tragen wir

am besten

unsre Fragen und den Schauer aller Jahre

in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge

was aber geschieht

am besten

wenn Totenstille

eintritt

Kleiner Hinweis: Dieses Gedicht wird hervorragend gesprochen und interpretiert von Schauspieler und Sprecher Fritz Stavenhagen https://www.deutschelyrik.de/reklame-1226.html

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Meine Heimatstadt Bottrop im Corona-Frühjahr 2020.  Die Äskulapnattern sind blank poliert, die „Alte Apotheke“ hat einen neuen Namen und eine junge neue Inhaberin, die bei der Geschäftseröffnung im Jahr 2018 sagte: „Ich habe eine komplett reine Weste.“ (apotheke-adhoc.de)

Der Bottroper „Skandal“ um die „Alte Apotheke“ war kein bloßer Apothekenskandal, sondern brachte allgemeine Missstände im deutschen Gesundheitssystem zutage. Offensichtlich gibt es Blockaden in der Kommunikation zwischen Ärzten, Apotheken, Aufsichtsbehörden und Krankenkassen, die sich normalerweise nicht bemerkbar machen, aber unter Umständen katastrophale Folgen haben. Warum ist den behandelnden Ärzten nicht aufgefallen, dass die Krebsmittel, die der Apotheker Peter Stadtmann zubereitet hatte, gestreckt sein mussten, wo doch die Chemotherapie bei den betroffenen Patientinnen und Patienten nicht anschlug, aber auch nicht die üblichen schweren Nebenwirkungen hatte?

Auch die Aufsichtsbehörden haben im Fall Stadtmann nicht „sauber“ gearbeitet. Wie berichtet wird, haben sowohl im Zyto-Labor der Apotheke als auch in den angrenzenden Räumen keine ausreichenden Hygiene- und Sicherheitskontrollen stattgefunden. Wie kann es angehen, dass in einem Kellerraum des Apothekenhauses abgelaufene Krebsmedikamente „rumfliegen“, so wie bei anderen Leuten vergessene eingelegte Gurken (oder- wie bei mir- Schmerztabletten) vergammeln? Es ist wichtig, dass unsere privaten Keller geschützt sind, aber der Keller einer Apotheke mit Zyto-Labor ist kein privater Keller. Hier geht es um uns alle.

Peter Stadtmann hat ein schweres Verbrechen begangen. Viele „seiner Opfer“ hätten durch die „Gabe“ verlässlich und korrekt dosierter, auf sie zugeschnittener Krebsmittel gerettet werden können. Wie viele, kann niemand sagen.

Der Fall verdeckt allerdings die Schattenseite der Chemotherapie. Eine hoch dosierte Chemotherapie ist -so wird suggeriert- das Krebs-Heilmittel schlechthin. Doch genau das ist ein Irrtum. Gerade ältere krebskranke Menschen werden auch dann noch hoch dosiert chemotherapeutisch behandelt, wenn absehbar ist, dass es vielleicht ihr Leben verlängert, aber ihr Leiden nur noch verschlimmert. Mit der Möglichkeit, radikalste therapeutische Mittel ohne großes Zögern einsetzen zu können, maßen sich die Ärzte Macht über Leben und Tod an. Dabei spielen sie (fahrlässig, wie ich finde und miterlebt habe) mit der Hoffnung der Patienten und ihren Angehörigen auf Genesung. Ein weiterer Grund für das verbreitete Zuviel an Therapie ist der satte Gewinn: Mit der Krebstherapie, aber auch mit der vorausgehenden und begleitenden Diagnostik, wird leider viel zu viel Geld verdient.

Als meine Mutter im Jahr 2001 an Lungenkrebs erkrankte, hatte sie einige Kilos abgenommen, aber noch keine Symptome, abgesehen von einem gelegentlichen hartnäckigen Husten. Als sie dann, weil der Husten nicht verschwand, zum Arzt ging, hörte sie schon beim Erstbesuch ein Wort, das ihr (und uns Kindern) nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte: „Palliativ.“ Eine knallharte Prognose, die der Arzt -salopp gesagt- meiner Mutter wie nebenbei an den Latz knallte. Während der aggressiven Therapie, die man meiner Mutter dennoch dringend empfohlen hatte (hoch dosierte Chemotherapie und Bestrahlung), verkleinerte sich der Tumor zwischenzeitlich, aber ihr allgemeiner Gesundheitszustand verschlechterte sich dramatisch. Die Nebenwirkungen der Therapie überwogen die positiven Wirkungen bei weitem. Wahrscheinlich als Nebenwirkung der Chemotherapie bekam meine Mutter noch eine Osteoporose und brach sich einen Rückenwirbel, was äußerst schmerzhaft war.

Wohlgemerkt: Alle Ärztinnen und Ärzte haben damals „nur nach Vorschrift“ und in bester Absicht gehandelt. Allerdings sind sie nicht die „Halbgötter in Weiß“, die die Patienten und Patientinnen (darunter meine Mutter) aus ihnen machen. Im Gegenteil: Leider wenden Ärztinnen und Ärzte die aggressiven und unberechenbaren Behandlungsmethoden, die ihnen zur „freien“ Verfügung stehen, oft willkürlich an. Sie wissen, so scheint es, schon lange nicht mehr, was sie da tun. Hinzu kommt, dass die Ärzte im Kontakt mit den Patienten in (unbewusste) Panik geraten. Die Gleichgültigkeit der Mediziner, so habe ich es empfunden, ist bloße Fassade. Die allzu menschliche Angst vor Krebs ist vermutlich bei denen am größten, die jeden Tag mit der Krankheit zu tun haben: Bei den Onkologen.

Eine Bemerkung möchte ich noch zum Schmerzmittel Paracetamol machen, das in niedriger Dosierung sogar für Kinder ab vier Jahren empfohlen wird. Eine im Internet angebotene Variante des Schmerzmittels trägt einen Namen, bei dem jeder an ein Gutenachtküsschen denkt: „Paracetamol bussimed“… Wenn das mal keine Alpträume bringt…

Elfchen im Fünften: Nippeser Halsbandsittiche vertreiben die BZgA

Adieu,

Sexperten! Packt

Ein euer Papperlapapp

Ab nach Braunsfeld in

Aufklärungskrampfhaft

 

Bis vor wenigen Jahren war die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nicht nur in Köln-Merheim ansässig, sondern auch in der Nippeser Werkstattstraße. Die Nippeser Büroräume der BZgA befanden sich kaum hundert Meter weit weg vom Südeingang unserer Siedlung in einem Haus der Deutschen Bahn direkt an der S-Bahn-Trasse.

Anfang 2015 hat dann die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung -unter dem Beifall zahlreicher freiheitsliebender Nippeser Halsbandsittiche- ein neues, lichtes Gebäude am Maarweg in Köln-Braunsfeld bezogen. Auf einem älteren Foto ist der Nippeser Standort der BZgA noch ausmachbar: https://www.alamy.com/stock-photo-kln-nippes-werkstattstrasse-102-eisenbahn-bundesamt-aussenstelle-in-102152595.html?pv=1&stamp=2&imageid=BA530D22-9F00-42A6-971F-62E6CA1A103A&p=73423&n=0&orientation=0&pn=1&

Der Grund für den Umzug der BZgA von Nippes nach Braunsfeld war angeblich der baufällige Zustand des Hauses. Doch da war noch etwas anderes, das bohrend störte, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BZgA in Atem hielt und ihnen mit der Zeit die Arbeitsmoral raubte: Der Papageienvögel unkontrollierbare Fortpflanzungsfreude. In der südlichen Außenwand des Gebäudes (das so baufällig nicht sein kann, denn aktuell beherbergt es vier Bahn-Behörden) nisten und brüten Halsbandsittiche – und das schon seit vielen Jahren. Damit der Nachwuchs es schön mollig hat, haben die Papageienvögel Höhlen in die Wärmedämmung gegraben.

Immer wieder hat man die Bruthöhlen zugestopft und die Schlupflöcher verspachtelt, doch jedes Mal waren die Sittiche munter pickend schon bald wieder da. Alle Versuche, die Tiere zu vertreiben und an der Eiablage zu hindern, sind fehlgeschlagen.

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Nippes, April 2020… Da lacht der Halsbandsittich: „Sexualaufklärung beginnt mit der Geburt.“ (WHO-Regionalbüro für Europa und BZgA: Standards für die Sexualaufklärung in Europa)

 

Es gibt eine weise Kinderfrage, die lautet: „Wo komme ich her?“ Sexualaufklärer geben hierauf eine rationale, einfache Antwort. Sie erklären schon dem Kindergartenkind, dass es gemacht wurde: Die Eltern hatten Sex und haben dabei ein Kind hergestellt.

Ich weiß noch, wie meine jüngere Tochter nach dem Sexualkundeunterricht in der Grundschule nach Hause kam und ziemlich verstört war. „Mama, warum war ich so ein altes Ei? Und warum bist du 15 Jahre älter als Maras Mutter?“ Man muss wissen: Ich habe meine jüngere Tochter mit knapp 41 Jahren bekommen. Im Sexualkundeunterricht hören die Kinder, dass ältere Frauen, die ein Kind erwarten, „Risikoschwangere“ sind, und man erzählt ihnen, dass die „Qualität“ der Eizellen einer Frau mit zunehmendem Alter abnimmt. Dass ältere Schwangere (und deren Kinder) mit einer solchen Behauptung diffamiert werden, kann kein Kind begreifen.

Ich hatte die Frage befürchtet und sagte: „Ich wollte dich und kein anderes Kind. Noch bevor ich dich kannte, mochte ich dich sehr. Doch um dich zu kriegen, musste ich 40 Jahre alt werden. Monat für Monat machte sich in mir ein winzigkleines Ei auf den Weg zu den Menschen, aber meine Gebärmutter wies eins nach dem anderen ab, weil es noch nicht das richtige war. Ich habe gewartet und gewartet, Monat für Monat. Irgendwann wurde ich mit dir schwanger. Jetzt endlich warst du auf dem Weg in die Welt.“

Sexualität ist geheimnisvoll. Warum verlieben wir uns? Mit Hormonen alleine lässt sich es nicht erklären. Es ist ja wirklich so, dass uns die Liebe „Flügel verleiht“. Man sollte meinen, Sexualpädagogen hätten nicht den Hauch einer Ahnung von der Liebe, wenn sie auf Anweisung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Schulkinder dazu auffordern, Penisattrappen Kondome überzustreifen.

Offenbar nimmt es die BZgA, was eigene Aktionen und Transaktionen angeht, mit der Aufklärung nicht so genau. Im Gegenteil: In Merheim hatte man zwar keine Leichen im Keller, aber belastende Altlasten – und einen schweren, insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesundheitsgefährdenden Schimmelbefall. Der Umzug von Merheim nach Braunsfeld brachte einen ganzen Haufen unliebsamer, vergessener Fundstücke zutage: https://www.sueddeutsche.de/politik/rechnungshof-300-aktenordner-verschimmeln-in-der-bundeszentrale-fuer-gesundheitliche-aufkaerung-1.2960700

Elfchen im Vierten: Staatlich gesteuertes Beileid

 

Wir alle kennen den Satz, der manchmal auf Traueranzeigen steht: „Von Beileidsbezeugungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen.“ Es ist eine Bitte um Diskretion, ein ausdrücklicher Wunsch der Angehörigen – um in Stille Abschied nehmen zu können.  Zur Zeit bestimmt der Staat, wie bestattet wird: Mit „Sicherheits“-Abstand. Was da angeblich zu unser aller Wohl und Sicherheit passiert, entpuppt sich als herzlos und inhuman: Trauergäste haben sich da, wo sie überhaupt noch zugelassen sind, namentlich in Kondolenzlisten einzutragen, Trauerfeiern in geschlossenen Räumen sind verboten, und der Leichenschmaus fällt, da alle Cafés, Kneipen und Restaurants geschlossen sind, ohnehin aus.

 

Von

Beileidsbekundungen am

Grab bitten wir

Abstand zu nehmen! Die

Friedhofsverwaltung

 

Aber es ist nicht nur so, dass die trauernden Menschen gegängelt und kontrolliert werden. Das Grausamste ist, dass Verstorbene, die mit dem Corona-Virus infiziert waren, dämonisiert werden. „Vermerkt ein Arzt auf dem Totenschein, dass ein Verstorbener mit dem Coronavirus infiziert war, sind zusätzliche Maßnahmen notwendig: Der Tote muss in eine spezielle Schutzhülle gepackt oder in mit Desinfektionsmitteln getränkte Tücher gewickelt in den Sarg gelegt werden. Corona-Tote bekommen zudem einen Mundschutz, der ebenfalls mit den Mitteln getränkt wurde.“ https://www.spiegel.de/politik/ausland/bestatter-in-der-corona-krise-gefaehrliche-leichen-a-ea171053-ae9a-48cd-8735-f0da47174eda

Doch was sagt das Robert-Koch-Institut? Geht von den an Covid-19 verstorbenen Menschen überhaupt eine tödliche Gefahr aus?

Das RKI schreibt: „Es existieren keine belastbaren Daten zur Kontagiösität von COVID-19 Verstorbenen. Aus diesem Grund muss bei einer COVID-19 Todesursache der Verstorbene als kontagiös angesehen werden. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Verstorbene.html

Übersetzt heißt das: Niemand weiß, ob die an Covid-19 Verstorbenen überhaupt lebendige Menschen anstecken können. Daher wird davon ausgegangen, dass es so ist. Eine seltsame Logik. Dass die Infektionswege bei Corona denen der Grippe-Infektion gleichen, ist immerhin aufgefallen. So folgert das RKI: „Der allgemeine Umgang mit COVID-19-Verstorbenen entspricht daher dem Umgang mit an Influenza Verstorbenen…. Grundsätzlich müssen beim Umgang mit COVID-19 Verstorbenen die Maßnahmen der Basishygiene eingehalten werden.“

Soweit das Robert-Koch-Institut. Die Information stammt vom 24.3.2020 und ist offensichtlich immer noch gültig. Zumindest habe ich keine Aktualisierungen gefunden. Was dort zu lesen ist, ist eigentlich beruhigend. Selbst während der Grippewelle 2017/18 mit 25.000 Grippetoten musste kein Friedhof geschlossen werden. Aber, wie es scheint, sollen wir uns nicht beruhigen. Im Gegenteil: Wir sollen uns beunruhigen, wir sollen durchknallen. Wir kriegen Nachrichten an den Latz geknallt, die kaum noch informieren, sondern verängstigen, verunsichern und verstören. Nachrichten, die mit unseren Ur-Ängsten spielen und die (in diesem Fall beruhigende) Wahrheit verschweigen: Fake news.  https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Virus-Opfer-bleiben-auch-nach-dem-Tod-ansteckend-article21693509.html am …

Beim Frühjahrsputz habe ich im Keller eine Kunststoff-Maske gefunden, die den Masken der Commedia dell’Arte nachempfunden ist. Sie spielt an auf die Berufskleidung der Pestärzte.  „Im 17. Jahrhundert trugen Ärzte in Italien und Frankreich erstmals eine spezielle Schutzkleidung mit einer grotesk anmutenden „Pestarztmaske”, die sie beim Krankenbesuch vor der Ansteckung schützen sollte.“ (Aus einem schönen Artikel von Prof. Dr. Marion Ruisinger: http://www.dmm-ingolstadt.de/aktuell/objektgeschichten/pestarztmaske.html )

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Penetrant im wahrsten Sinne des Wortes: Derzeit steckt der Staat seine immer länger werdende Nase in alle Angelegenheiten seiner Bürger.

 

Corona-Elfchen: Klammheimliche Freude eines Halsbandsittichs

Wir

Haben uns

Aus dem Käfig

Befreit. Ihr seid bereitwillig

Käfigbereit

 

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Keine Kondensstreifen am tiefblauen Corona-Himmel. In der Birke sitzt aufrecht ein Nachfahre der unten porträtierten, freiheitsliebenden Halsbandsittichin.

Die Halsbandsittiche, die in Europa als Wildvögel leben, sind sogenannte „Gefangenschaftsflüchtlinge“. Sie stammen aus Asien oder Afrika, sind dort von Menschen eingefangen und nach Europa verschleppt worden. Ihrer Schönheit wegen brachte sie Alexander der Große vor 2300 Jahren aus Asien nach Griechenland. Das Wort „Halsbandsittich“ täuscht, denn es klingt so, als könne man den Vogel an die Leine legen. Doch Papageienvögel sind freiheitsliebend. Auch den Vorfahren der rheinischen Halsbandsittiche ist es irgendwann gelungen, sich aus den Käfigen und Volieren zu befreien. Der Ausbruch der Kölner Papageienvögel könnte sich folgendermaßen zugetragen haben:

 

Ein Kölner Papageienzüchter besaß ein Halsbandsittichpaar. Doch nach ein paar Jahren legte das Weibchen immer weniger Eier. „Die schöne Dame ist zu faul zum Brüten“, dachte der Züchter und kaufte einen Brutofen. Aber jetzt paarten sich die Sittiche gar nicht mehr. Also wollte der Züchter die Vögel töten und ausstopfen. Aussetzen wollte er sie nicht, denn dann würden die Leute sich an der Schönheit der Vögel ergötzen, ohne auch nur eine Mark bezahlt zu haben.

„Du bist eine einzige Enttäuschung“, sagte der Züchter zum Weibchen. „Dabei fand ich dich mal schön. Aber du kannst nicht einmal singen.“ Die Sittichin erschrak, denn sie ahnte nichts Gutes. „Das tut mir leid“, sagte sie. „Aber ich würde mich freuen, dir ausgestopft in voller Schönheit zur Verfügung zu stehen. Darf ich dir fliegend meine Federn zeigen? Ich flieg auch gerne alleine.“ Der Züchter rümpfte die Nase: „Dann scheißt du mir das Haus ein, und ich hab kein Klopapier mehr.“ Die Sittichin hatte eine Idee: „Trag den Käfig nach draußen.“ Der Züchter hob den schweren Käfig auf eine Schubkarre. Draußen öffnete er die Käfigtür. Die Sittichin flog aus, und obwohl die Versuchung groß war, kam sie zurück, denn sie wollte das Männchen nicht alleine lassen. Außerdem war sie ihm nicht nur treu, weil kein anderes da war.

„Ich hab schon Schöneres gesehen“,  sagte der Züchter. „Das lässt sich ändern“, entgegnete das Halsbandsittichweibchen. „Wie du weißt, paaren sich mein Männchen und ich schon lange nicht mehr. Aber am Schönsten fliege ich immer noch dann, wenn ich mein Männchen dabei haben kann.“ Der Züchter öffnete die Käfigtür…

 

 

 

 

Elfchen im Dritten: Eine löwensichere Liebe

 

In

Löwensicherer Höhe

Federleicht vom Winde

Gewiegt schnäbeln Nippeser Grünpapageien

Birkenzweigzärtlichkeit

 

 

P1040800

Ende Februar vom Alten Stellwerk aus fotografiert: Seit Wochen schon setzen sich Halsbandsittiche auf die zarten Zweige der Birken in der Werkstattstraße. Sie sondern sich von der Großgruppe ab. Mal kommt ein einzelner Vogel geflogen, mal sind es zwei. Wenn sie sich paaren, geht es ruppig zu. Die Papageien schnäbeln dann nicht nur, sondern hacken aufeinander ein und picken sich, ich habe es selber beobachtet.

Halsbandsittiche sind mit ca.130g (laut Wikipedia) zwar weniger als halb so schwer wie die heimischen Tauben, aber achtmal so schwer wie Rotkehlchen. Die Fressfeinde der Papageien sind die großen Raubtiere. Doch für einen Löwen ist der Halsbandsittich zwar eine Delikatesse, aber nicht viel mehr als ein Snack. Tröstlich ist, dass unter dem Gewicht des knapp 200 kg schweren Löwen die Birke zusammenbrechen würde. Für Nippes kann Entwarnung gegeben werden: Keine großen Raubkatzen weit und breit.

 

 

 

Dopp-Elfchen im Zweiten: Schicksal eines Nippeser Reihenhausmauspaares

 

Des

Reihenhausmauspaares Spaß –

Simsalabimbambasaladusaladim – Den roch

die Reihenendhauskatz – Simsalabimbambasaladusaladim- Und

Fraß!

 

 

Das war’s!


Doch

Als ein

Tag vergangen war –

Simsalabimbambasaladusaladim. Gepieps‘ von links:

Sindwiedersindwiederdawiederdawiederdawiederda!

 

Hurra!

 

Elfchen im Ersten: Winterweise

 

Schwatter

Kütt in

De Bütt, bleeeevt!

Alaaf, is dat schön!

… Winterweise

Durch die schlecht geputzte, Hundeschnüss-verschmierte Terrassentürscheibe hindurch fotografiert. Ich hatte im trockenen Frühsommer eine Tonschale mit Wasser hingestellt und nicht geahnt, wie „dankbar“ Vögel, Mäuse und Insekten das Wasser annehmen würden. Auch im feuchten Winter und an regnerischen Tagen kommen die hiergebliebenen Vögel zum Trinken und Baden.
Die Amsel blieb übrigens fast zehn Minuten in der Bütt.

Fernab vom sommerlichen Fortpflanzungs- und Überlebenskampf des Balzens, Eierlegens, Brütens und Hütens führen die Singvögel im Winter ein beschauliches Leben. Auch ihr Gesang klingt anders: Andante. Sie unterhalten sich zwitschernd von Art zu Art und „entdecken die Langsamkeit“.

Darf man den einen Vogel lieber haben als alle anderen? Ich kann nicht anders. Das Rotkehlchen kommt in der Abenddämmerung. Es will frisches Wasser haben, sonst badet es nicht. Wenn ich das Wasser ausgewechselt habe, dauert es meistens nicht lange, bis es kommt, nippt und sich ins Wasser begibt. Mir geht dann das Herz auf.

Bütten-Duett:

Ich bin keine Vogel-Expertin, aber es scheint, als würden Kohlmeise (rechts) und Blaumeise (links, ist es eine?) das gemeinsame Bad sehr erfrischend finden.

Elfchen im Zwölften: Ars wüssten wil nicht

Für den lechts-rinks-Jongleur Ernst Jandl, den ich hier noch einmal verehrend zitiere:

Lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht
velwechsern.
werch ein illtum!

vgl. auch: https://stellwerk60.com/2018/05/21/geistelfahlel/

Hier mein von Ernst Jandl inspiriertes Elfchen im Zwölften:

 

Ars wüssten wil nicht….

 

Dass

Man mit

Dem Röfferstier ein

Suppengelicht schrecht geröffert kliegt

Vorksvelbrödung

 

Blei- bzw. Zinngießen gehört für mich zu Silvester. Schon Mitte November konnte man das entsprechende Zubehör kaufen.
Doch sind wir schon so blöd? Hier sagt man uns, wo wir den Löffel anfassen sollen, wollen wir uns nicht die Pfoten verbrennen.

Kurtulvelfarr: Was lassen wir uns noch alles aufs Butterbrot schmieren?

Ich hatte in meiner Schulzeit ein halbes Jahr Russisch-Unterricht. Leider konnte ich mir die Vokabeln schlecht merken. In Erinnerung sind mir nur einige Wörter, die eigentlich aus dem Deutschen stammen, z.B. Landschaft = ландшафт – und natürlich Butterbrot = бутерброды (buterbrody). Das russische buterbrody meint aber kein Brot mit Butter, sondern ein belegtes Brot, eine Art Sandwich.
Das klassische Butterbrot ist sooo deutsch. Nicht zufällig nennen wir Deutsche unsere (traditionell kkkk-kalte) Abendmahlzeit Abendbrot.
Die Kalte Küche kann lecker sein. Zur klassischen Kalten Küche meiner Kindheit gehörten Russisch Ei, Kartoffelsalat und Sülze. Im Thermomix-Zeitalter gibt es statt Kräuterstippe Avokado-Dip. Alle wollen Brei.
Der Hype um die vegane Ernährung hat das Butterbrot wieder neu ins Spiel gebracht. Vegane Brot-Aufstriche kommen gut an, und so wird zur Zeit munter ausprobiert, was man den Leuten verkaufen kann. Grundsätzlich kann man (fast) alles aufs Brot schmieren. „Aufstrich“ heißt: Bunte Zutaten (im Alnatura- „Grünkohl-Aufstrich“ sind neben Grünkohl 14 weitere Zutaten, darunter Maisstärke, Knoblauch und Agavendicksaft) werden miteinander vermengt und so fein püriert, dass sie nicht mehr zu identifizieren sind.
Ich mag Kohl sehr gerne, denn er ist lecker herzhaft und beißt sich so schön, bis auf den einen… Grünkohl ist ein Gemüse, das ich allenfalls warm und schon gar nicht wurstlos verzehren kann.

„Viel Milch, wenig Kakao“, so wurde noch 1988 für Kinderschokolade geworben: https://www.youtube.com/watch?v=jzi-ek-Cd98 Heutezutage jedoch gilt Kinderschokolade als ungesunder, dick machender Kariesverursacher. Stattdessen, so heißt es, sollen Kinder auf den Obst-und Gemüsegeschmack kommen.

 

Auf diesem mit knapp 24 Euro völlig überteuerten Advents-Kalender wirbt ein von Turnvater Jahns früher Fitness-Parole „frisch, frei, fröhlich, fromm“ inspirierter Slogan: „Eine frühe Freundschaft mit Obst und Gemüse.“ Allerdings freunden sich die Kinder, die mit dem Kalender beglückt werden, eher mit Verpackungsmüll und Wegwerfspielzeug an als mit Obst und Gemüse.
Im Kalender sind neun „Quetschies“: Obst und Gemüse aus der Tube. Natürlich haben (auch ältere) Kinder Spaß, denn per Quetschie müssen sie den Brei nicht einmal mehr löffeln, sondern können ihn sich nuckelnd und saugend direkt hinter die Zähnchen quetschen. Viiiieeel Verpackung, nix dahinter. Mittlerweile regt sich öffentlicher Widerstand: https://www.oekotest.de/kinder-familie/Quetschies-Sechs-Gruende-gegen-Obstbrei-aus-der-Tuete_600861_1.html