Elfchen im Zehnten: Was ist mit unserer Gesellschaft geschehen, wenn…

… zwei

fremde Menschen,

die einander umarmen,

fast ein Verbrechen begehen?

StaatsArmutszeugnis

Ich persönlich bin ein zurückhaltender Mensch und wäre verunsichert oder sogar schwer bedient, wenn mich eine fremde Frau bei usseligem Wetter anspräche, mich umarmte und bäte, drei Minuten stehen zu bleiben und mit ihr zusammen eine „lebendige Skulptur“ zu bilden. Menschen in den Arm nehmen, „um mit ihnen warm zu werden“, genau das machte die Kölner Künstlerin katharinajej bei ihrer Kunst-Aktion im Winter 2019.

Katharinajej hat damals Menschen gefunden, die nicht so distanziert sind wie ich und gerne mitgemacht haben. Denn wozu hat der Mensch zwei Arme? Das ist ja das Schöne: Wenn wir nur wollen, lassen wir uns nicht nur umarmen, sondern umarmen einander.

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Plakat zu einer Performance, die sehr lange dauern sollte –  Monatelang hing das Plakat am Rand des Wilhelmplatzes an der Kachelwand des  sogenannten Nippeser „Tadsch Mahal“ (Norbert Burger), eines  Klo/Kiosk/Trafo-Betongebäudes, das zwar heruntergekommen ist, aber als geselliger Ort vor allem bei gutem Wetter einen gewissen Charme hat (Beton-Tribünen-Sitzplätze mit Blick auf den Wilhelmplatz, Büdchen mit Kuchenverkauf und Kaffee-Ausschank). Vor dem Hintergrund einer Politik der sozialen Kälte mit ihren rigiden Corona-Abstands-Regeln bekam katharinajejs Aktion eine neue politische Dimension, die so wohl in keiner Weise geplant war. Großartig!

Wenn ich aus Richtung Stellwerk 60 zum Markt kam, fiel mein Blick jedes Mal auf das Plakat, das mich immer mehr berührte. Am 16. April habe ich es dann fotografiert – und anschließend von dort aus den Nippeser Wochenmarkt:

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Köln-Nippes, Wihelmplatz.Die Corona-Maßnahmen sind auch schlecht für die Umwelt. Nachdem im letzten Jahr auf dem Wochenmarkt Plastitüten eingespart wurden, wird  seit dem Frühjahr 2020 Obst und Gemüse auch aus Hygienegründen wieder vermehrt in  (meist gelbe) Tüten gepackt. 16. April: Noch gibt eine keine Maskenpflicht, und noch ist das Verspeisen eines Apfels kein Vorwand dafür, endlich einmal die Maske abnehmen zu können. Dass sie den Apfel allerdings nur in 50 und nicht in 20 Metern Entfernung zum Marktstand hätte essen dürfen, wusste diese Apfelesserin nicht. Die Verordnung ist ja auch ziemlich bekloppt.

In den ersten Coronoia-Wochen durften auf dem Wochenmarkt ausschließlich Nahrungsmittel verkauft werden, was die Zahl der Stände, die mit weitem Abstand zueinander aufgebaut wurden, deutlich reduzierte. Barrieren wie Klappkisten aus Plastik wurden aufgestellt und die Kunden nur einzeln vorgelassen. Erst am 20. April sollte der Markt wieder für alle Händler geöffnet werden, auch für die Verkäufer von Textilien und Haushaltswaren.

Da zu befürchten war, dass die Menschen einander zu nahe rückten, wurden Mitte April neue Beschränkungen festgelegt. In der „Corona Schutzverordnung NRW im Bereich der Kölner Wochenmärkte“ aus dem Monat April heißt es: „…Nutzen Sie den Markt zur Nahversorgung nur zum Einkaufen… Besuchen Sie den Markt möglichst alleine und nicht mit der ganzen Familie… Verzichten Sie auf Selbstbedienung… Halten Sie den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern zwischen Personen ein… Vermeiden Sie Menschenansammlungen… Beachten Sie, dass der Verzehr von Speisen und Getränken nicht direkt am Stand erfolgen darf, sondern nur in einer Entfernung von mindestens 50 Metern um den jeweiligen Marktstand…“ https://www.stadt-koeln.de/artikel/69523/index.html

In jener „Schutzverordnung“ wird an anderer Stelle bereits die Maskenpflicht ab dem 27.4. angekündigt, eine Maßnahme, die seither unsere Freiheit dermaßen einschränkt, dass ich sie nicht für möglich gehalten hatte. Mit Einführung der Maskenpflicht durften immerhin wieder mehr Stände aufgebaut werden. Die „neue Normalität“ hat überall ihren Preis: Auf dem Nippeser Wochenmarkt patrouillieren seit Ende April regelmäßig Sicherheitskräfte. Doch da man immerhin erkannt hat, dass die Leute die Strafgeld-Androhungen ernst nehmen und sich an die Maskenpflicht halten, sieht man mittlerweile von der Abriegelung des Wochenmarkts, die tatsächlich an einigen Wochenenden angeordnet und durchgeführt wurde, ab.

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Als ich am 28. Juni 2020 noch einmal die Kachelwand fotografierte, war in ganz Deutschland der Kultur- und Unterhaltungsbetrieb bereits weitgehend lahmgelegt. Sämtliche angekündigte Veranstaltungen des „Zirkus Roncalli“ auf dem Kölner Neumarkt (s.Plakat) waren längst auf 2021 verschoben worden. Katharinajejs Kunst-Aktion jedoch war nicht außer Kraft gesetzt, sondern wirkte weiter. Das Plakat sollte noch wochenlang hängen bleiben. Wann genau es von der Wand genommen wurde, weiß ich nicht.

Einschub Juni 2021: Ein Jahr später frage ich mich: Hat katharinajej die Aktion fortgesetzt? (Aber ja! Siehe Ergänzung am Ende dieses Beitrags.)

Tatsächlich stattgefunden haben im Juni übrigens die Auftritte des Tanztheaters „Hairy“ (s. Plakat) mit dem Programm Der maskierte Friseur. Es klingt wie erfunden, ist es aber nicht. (Da auch die realen Friseure und Friseurinnen nach wie vor nur maskiert arbeiten dürfen und ich die Befürchtung habe, dass sie dadurch gehandicapt sind, sehe ich auch jetzt im Oktober keine andere Wahl und greife selber zur Schere.)

Ihre Förderer (u.a. das Kulturamt der Stadt Köln und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen) würden katharinajejs Aktion aktuell wohl kaum unterstützen. Dass man fremde Menschen in den Arm nimmt, ist angesichts von Corona ein schwerer Verstoß, nicht nur am Ballermann.

Wen die Corona-Zwangsmaßnahmen, die wir für die Wintermonate erwarten müssen, besonders hart treffen werden, sind die alten Menschen. Ich bin in den letzten Monaten einigen alten Menschen begegnet, die keine Angst vor Corona haben, aber vor einer weiteren Verschärfung der staatlichen Zwangsmaßnahmen.

Die Gesundheitswerbung hat, was alte Menschen betrifft, eine vermeintliche Kehrtwende gemacht. Nachdem in den letzten Jahren wissenschaftliche Studien herausfanden, was der gesunde Menschenverstand ohnehin wusste, dass nämlich Berührungen der Gesundheit zuträglich sind, wurde im Jahr 2019 von der Krankenkasse DAK körperliche Nähe zu alten Menschen propagiert. Im Befehlston hieß es da: „Geht Omas drücken!“ Ab März war (und ist!), gerade was ältere Menschen betrifft, überall Distanz angesagt. Schnoddrig-lässig heißt es unrein gereimt von oben herab: „Bring Corona nicht zur Oma.“

Wer als besonders hilfebedürftig gilt, ist „Oma“. Zwar sind die meisten Corona-Toten tatsächlich alte Frauen, doch liegt das vermutlich daran, dass Frauen in der Altersgruppe der über Achtzigjährigen naturgemäß in der Mehrzahl sind.

Ich finde, wir dürften nur die eigene Großmutter „Oma“ nennen. Von älteren oder alten Frauen generell als von „Omas“ zu reden, ist respektlos. Die Anrede „Oma“ diffamiert, wenn es nicht die eigene ist. Wenn wir Skat oder Doppelkopf spielen und so gute Karten bekommen, dass wir gar nicht anders können als zu gewinnen, haben wir ein „Oma-Blatt“ auf der Hand. „Oma“ ist lieb, aber ein bisschen beschränkt, dümmer als „Opa“, falls es den noch gibt.

Auch für den Virologen Christian Drosten sind alte Menschen, was den Kontakt mit Angehörigen betrifft, vor allem eines: In akuter Infektions-, d.h. vermutlich auch Todesgefahr. In einem Interview auf zeit.de popagiert Drosten die Idee einer „Vorquarantäne“: „Ich halte das Prinzip der Vorquarantäne für eine gute Idee. Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden.“ https://www.zeit.de/wissen/2020-10/christian-drosten-corona-massnahmen-neuinfektionen-herbst-winter-covid-19/komplettansicht

Würden mir meine beiden Töchter anbieten, in Quarantäne zu gehen, bevor sie mich Weihnachten besuchen, würde ich sie ausladen. Aber solche Töchter habe ich nicht.

„Das Prinzip der Vorquarantäne“ klingt traurig verklemmt und schaurig verkrampft. Öde neue Welt. Ich würde gerne darüber lachen, aber der Schaden, den solche „Empfehlungen“ anrichten können, ist enorm. Christian Drostens Gedanken sind lebensfern. Es scheint, als seien die Viren die einzigen sozialen Kontakte, die Drosten hat.

***

Nachtrag Juni 2021:

Es ist ja nicht so, dass die Kunst nicht mehr stattfindet, nur weil die traditionellen Kunststätten, etwa die Theater und Konzertsäle, geschlossen sind. Eigensinnige Künstler ergreifen selber die Initiative. So hat Katharinajej im Jahr 2021 an ihre Aktion angeknüpft: „Bis kurz vor Ausbruch der Corona Pandemie wurde katharinajej in Köln und Yangon, Myanmar mit fremden Menschen auf der Straße vertraut, indem sie mit ihrem Gegenüber in körperlicher Nähe drei Minuten lang in Stille verweilte. Zu Menschen im öffentlichen Raum soll seitdem ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden. So besuchte katharinajej den Wald, um sich Bäumen, Büschen und Gräsern anzunähern oder verbrachte noch mehr Zeit Zuhause, um mit Lampe, Wand und Spiegel in Kontakt zu gehen.https://katharinajej.de/miteinandervertrautwerdenurbanearchitektur.html

Elfchen im Sechsten: Die Apotheke hilft

 

Die Apotheke vor Ort ist für viele Menschen ein Stück Heimat.“ (Jens Spahn)

 

Paracetamol

500 mg

Die Apotheke hilft

ist ein schmerzstillendes, fiebersenkendes

Arzneimittel.

 

Das Elfchen des Monats ist diesmal kein gedichtetes Elfchen, sondern ein abgeschriebener Satz mit elf Wörtern bzw. neun Wörtern, einem Zahlwort und einem Kürzel. Der Satz steht genau so auf dem Beipackzettel „Gebrauchsinformation: Information für Anwender“ des Schmerzmittels „Paracetamol 500 mg Die Apotheke hilft“. Hersteller: Fair-Med Healthcare.

Vor einem Jahr hat der Apotheken-Großhändler Noweda mit Die Apotheke hilft ein neues Eigenmarkenkonzept gestartet. Die Apotheke hilft ist ein Versuch, die Kunden an die Apotheken vor Ort zu binden. Das ist wichtiger denn je, denn wenn „das E-Rezept kommt“, werden noch viel mehr Patienten ihre Rezepte bei den Internet-Apotheken einreichen. Das mag ja praktisch sein, doch „gesund“ ist es nicht. Das persönliche Beratungsgespräch vor Ort zwischen Apothekerin (meistens ist es ja eine Frau) und Patient oder Patientin ist gerade bei den in der Regel wirkungsvollen, aber auch nebenwirkungsreichen rezeptpflichtigen Medikamenten meiner Meinung nach unersetzbar.

(Zur Erinnerung: Alle noch so gut gemeinte pharmazeutische Beratung hat ihre Grenzen, vor allem dann, wenn es um den Verkauf neuer Medikamente geht, deren Langzeitwirkung niemand kennt. Das Schlafmittel Contergan war vom Pharmakonzern Grünenthal als „sicher“ auf den Markt gebracht, von den Ärzten als „sicher“ empfohlen und von den Apotheken als „sicher“ verkauft worden. Unter den schwangeren Frauen, die es nahmen, waren viele, die den Zweiten Weltkrieg mit seinen entsetzlichen Bombennächten als Kinder oder Jugendliche miterlebt hatten und ihr weiteres Leben lang unter massiven Schlafproblemen leiden sollten. Als Contergan 1957 auf den Markt kam, unterschätzte man (und ignorierte man lange) die möglichen „Nebenwirkungen“, so dass Contergan nicht einmal rezeptpflichtig war.)

Schon jetzt können Rezepte bei den Internet-Apotheken eingereicht werden, allerdings nur per Brief. Wenn demnächst das Rezept digital übermittelt werden kann und man nicht einmal mehr einen Briefkasten ansteuern muss (den man ohnehin kaum noch findet), dürften vor allem die Internet-Apotheken profitieren. Insbesondere Laufkunden, die nur gelegentlich Medikamente kaufen und keine Stammapotheke haben, werden ihre Rezepte im Internet einlösen.

Bis dahin wird sich eine Internet-Apotheke als die Online- Rezeptapotheke empfohlen haben: Marktführer DocMorris, der selbsternannte „Gesundheitsdienstleister“, ein Unternehmen mit Sitz in Heerlen, einer niederländischen Stadt ganz in der Nähe von Aachen. Bereits bevor „Das E-Rezept kommt!“ (DocMorris – Plakatwerbung im April 2020), darf DocMorris in ganz Deutschland so werben, als wäre das E-Rezept bereits eingeführt. Frei nach dem biederwitzigen Motto „Fortschritt stellt sich nicht in Warteschlangen. Jetzt bei DocMorris bestellen!“ schaltet DocMorris die Ampel auf (Plakatfarbe) Grün. Der Versand rezeptpflichtiger Medikamente ist bei DocMorris übrigens kostenlos. Dass das erlaubt ist, wundert mich, denn es verschafft dem Unternehmen einen indirekten Wettbewerbsvorteil gegenüber den ortsansässigen Apotheken. (Meiner Meinung nach müsste man auch auf den kostenlosen Amazon-Buchversand eine Art Schutzgebühr erheben.)

Der Unternehmens-Name DocMorris, der direkt ins Ohr geht, spielt phonetisch mit dem bekannten Namen eines international agierenden Erfolgsunternehmens, des umsatzstärksten Fast-Food-Konzerns der Welt: McDonalds. (DocMoMcDo) Auch als Sponsor ist und war DocMorris aktiv, nicht nur regional (etwa für ein paar Jahre beim Fußballverein Alemannia Aachen), sondern auch überregional. Wenn man dabei mit den großen Parteien liebäugelt, noch dazu im Jahr der Bundestagswahl, erzielt man allerdings nicht nur mediale Wirkungen, sondern auch Nebenwirkungen – bei der Konkurrenz.

So berichtete die Deutsche Apothekerzeitung im Wahl-Jahr 2017: „Die Junge Union Bayern bekam am vergangenen Wochenende viel Aufmerksamkeit, weil sie den Rücktritt von CSU-Parteichef Horst Seehofer forderte. Von dieser Medienpräsenz profitierte auch DocMorris, weil viele Teilnehmer der JU-Landesversammlung in Erlangen „Schlüsselbänder“ um den Hals trugen, auf denen das DocMorris-Logo zu sehen war – auch auf Fotos und im Fernsehen. Dabei gehört die CSU zu den größten Verfechtern eines Rx-Versandverbots.https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2017/daz-45-2017/docmorris-sponsert-junge-union-bayern  Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn enge Beziehungen zu DocMorris (inklusive diverser medienwirksamer Gockelkriege) unterhält, ist kein Geheimnis.

Vom Koalitionspartner ins Boot geholt zu werden, ist natürlich ebenso wichtig. Die Internet-Nachrichtenseite des Apotheken-Versicherers Aporisk erinnerte im Jahr 2017 daran, dass die „SPD mit DocMorris auf Spargelfahrt“ war. Der Eintritt in die geschlossene Gesellschaft kostete DocMorris kaum mehr als eine Art Trinkgeld, das gerade mal für 600 (geschätzte Teilnehmer-Zahl 2019 laut Tagesspiegel) Portionen Spargel gereicht haben dürfte:

„Das ZDF-Politikmagazin Frontal 21 beschäftigt sich heute Abend mit den Grenzen des legalen Parteisponsorings: Unternehmen und Lobbygruppen könnten gegen Zahlung von 3000 bis 7000 Euro Treffen mit SPD-Ministern, Staatssekretären und Parteifunktionären buchen, heißt es in der Ankündigung. Dazu lägen Frontal 21 Angebote und ein Kostenvoranschlag zu sogenannten Vorwärts-Gesprächen vor. In einer Szene taucht auch DocMorris neben anderen Firmen als Sponsor der traditionellen SPD-Spargelfahrt auf.“ https://aporisk.de/apotheker-nachrichten-politik-48600.html

Ich bin geneigt, die Geschichte als Provinz-Posse abzutun, aber es geht um unser aller Wohl bzw. Unwohl. Höchstwahrscheinlich war das Haupt-Thema der „Vorwärtsgespräche“ schon vor drei Jahren das E-Rezept. Den größten Umsatz erwirtschaften die Apotheken nun mal durch den Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente. Das E-Rezept könnte auf Dauer dazu führen, dass die ortsansässigen Apotheken nur noch Medikamente verkaufen, die nicht rezeptpflichtig sind. Dazu gehören Mittel gegen leichte und mittelstarke Schmerzen, die keine Apothekenpreise kosten, sondern vergleichsweise billig sind. Beim Verkauf von Paracetamol, Aspirin oder Ibuprofen etwa geht es weniger darum, Geld zu machen. Doch die Apotheker wissen, dass die Leute dort, wo sie rezeptfreie Medikamente kaufen, auch ihre Rezepte einreichen.

Manchmal hat man in der Apotheke eine schöne Begegnung. Eine freundliche junge Apothekerin hat mir, nachdem wir uns trotz Mundschutz gut unterhalten hatten, den Beipackzettel für Paracetamol Die Apotheke hilft geschenkt, ohne dass ich das Medikament (für knapp 2 Euro) kaufen musste. Eigentlich wollte ich ihr eine unangebrochene Schachtel Paracetamol zurückbringen, die ich selber nur wegen des Beipackzettels gekauft hatte, den ich dann blöderweise auch noch verschusselt hatte. „Ich selber nehme Medikamente nur zur Not, obwohl ich in der Apotheke arbeite“, sagte die junge Frau. Ich stimmte ihr zu und ergänzte: „Vielleicht auch, weil Sie in der Apotheke arbeiten.“ Die Tabletten hat sie leider nicht zurück genommen. Die vergammeln jetzt in einer Schublade, weil ich sie nicht in den Müll werfen will. Erst recht will ich es nicht wie die meisten machen: Die Tabletten im Klo runterspülen. Das verpacken die robusten Ratten, aber es schadet dem ohnehin schon schwer verunreinigten Wasser.

Fatal, wie ich finde: Es kann doch nicht angehen, dass es in einem Land wie Deutschland, wo Mülltrennung und Entsorgung einigermaßen gut funktionieren, keine Sondermüllabgabe-Möglichkeit für Medikamente (inklusive „Pille“ und Antibiotika) gibt. Und warum nicht die Abgabe von Restmedikamenten belohnen? Bitte handeln, Herr Spahn!

Auf dem Beipackzettel für „Paracetamol 500 mg Die Apotheke hilft“ steht zig Mal der Zusatz „Die Apotheke hilft“. Er klingt wie eine sanfte Beschwörung. Die damit verwandte Einflüsterung „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ haben wir längst verinnerlicht: Vertrauen Sie uns, wir sind immer für Sie da.

Die Apotheke hilft mutet altmodisch an. Vielleicht haben sich die Werbetexter von Ingeborg Bachmanns berühmtem Gedicht „Reklame“ inspirieren lassen, das von der Umgarnung durch Werbung erzählt. Dass Werbung einmal allgegenwärtig werden und unsere Köpfe komplett besetzen sollte, konnte Ingeborg Bachmann nicht ahnen.

 

Ingeborg Bachmann, „Reklame“ [1956]

Wohin aber gehen wir

ohne sorge sei ohne sorge

wenn es dunkel und wenn es kalt wird

sei ohne sorge

aber

mit musik

was sollen wir tun

heiter und mit musik

und denken

heiter

angesichts eines Endes

mit musik

und wohin tragen wir

am besten

unsre Fragen und den Schauer aller Jahre

in die Traumwäscherei ohne sorge sei ohne sorge

was aber geschieht

am besten

wenn Totenstille

eintritt

 

Kleiner Hinweis: Dieses Gedicht wird hervorragend gesprochen und interpretiert von Schauspieler und Sprecher Fritz Stavenhagen https://www.deutschelyrik.de/reklame-1226.html

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Meine Heimatstadt Bottrop im Corona-Frühjahr 2020.  Die Äskulapnattern sind blank poliert, die „Alte Apotheke“ hat einen neuen Namen und eine junge neue Inhaberin, die bei der Geschäftseröffnung im Jahr 2018 sagte: „Ich habe eine komplett reine Weste.“ (apotheke-adhoc.de)

Der Bottroper „Skandal“ um die „Alte Apotheke“ war kein bloßer Apothekenskandal, sondern brachte allgemeine Missstände im deutschen Gesundheitssystem zutage. Offensichtlich gibt es Blockaden in der Kommunikation zwischen Ärzten, Apotheken, Aufsichtsbehörden und Krankenkassen, die sich normalerweise nicht bemerkbar machen, aber unter Umständen katastrophale Folgen haben. Warum ist den behandelnden Ärzten nicht aufgefallen, dass die Krebsmittel, die der Apotheker Peter Stadtmann zubereitet hatte, gestreckt sein mussten, wo doch die Chemotherapie bei den betroffenen Patientinnen und Patienten nicht anschlug, aber auch nicht die üblichen schweren Nebenwirkungen hatte?

Auch die Aufsichtsbehörden haben im Fall Stadtmann nicht „sauber“ gearbeitet. Wie berichtet wird, haben sowohl im Zyto-Labor der Apotheke als auch in den angrenzenden Räumen keine ausreichenden Hygiene- und Sicherheitskontrollen stattgefunden. Wie kann es angehen, dass in einem Kellerraum des Apothekenhauses abgelaufene Krebsmedikamente „rumfliegen“, so wie bei anderen Leuten vergessene eingelegte Gurken (oder- wie bei mir- Schmerztabletten) vergammeln? Es ist wichtig, dass unsere privaten Keller geschützt sind, aber der Keller einer Apotheke mit Zyto-Labor ist kein privater Keller. Hier geht es um uns alle.

Peter Stadtmann hat ein schweres Verbrechen begangen. Viele „seiner Opfer“ hätten durch die „Gabe“ verlässlich und korrekt dosierter, auf sie zugeschnittener Krebsmittel gerettet werden können. Wie viele, kann niemand sagen.

Der Fall verdeckt allerdings die Schattenseite der Chemotherapie. Eine hoch dosierte Chemotherapie ist -so wird suggeriert- das Krebs-Heilmittel schlechthin. Doch genau das ist ein Irrtum. Gerade ältere krebskranke Menschen werden auch dann noch hoch dosiert chemotherapeutisch behandelt, wenn absehbar ist, dass es vielleicht ihr Leben verlängert, aber ihr Leiden nur noch verschlimmert. Mit der Möglichkeit, radikalste therapeutische Mittel ohne großes Zögern einsetzen zu können, maßen sich die Ärzte Macht über Leben und Tod an. Dabei spielen sie (fahrlässig, wie ich finde und miterlebt habe) mit der Hoffnung der Patienten und ihren Angehörigen auf Genesung. Ein weiterer Grund für das verbreitete Zuviel an Therapie ist der satte Gewinn: Mit der Krebstherapie, aber auch mit der vorausgehenden und begleitenden Diagnostik, wird leider viel zu viel Geld verdient.

Als meine Mutter im Jahr 2001 an Lungenkrebs erkrankte, hatte sie einige Kilos abgenommen, aber noch keine Symptome, abgesehen von einem gelegentlichen hartnäckigen Husten. Als sie dann, weil der Husten nicht verschwand, zum Arzt ging, hörte sie schon beim Erstbesuch ein Wort, das ihr (und uns Kindern) nicht mehr aus dem Kopf gehen sollte: „Palliativ.“ Eine knallharte Prognose, die der Arzt -salopp gesagt- meiner Mutter wie nebenbei an den Latz knallte. Während der aggressiven Therapie, die man meiner Mutter dennoch dringend empfohlen hatte (hoch dosierte Chemotherapie und Bestrahlung), verkleinerte sich der Tumor zwischenzeitlich, aber ihr allgemeiner Gesundheitszustand verschlechterte sich dramatisch. Die Nebenwirkungen der Therapie überwogen die positiven Wirkungen bei weitem. Wahrscheinlich als Nebenwirkung der Chemotherapie bekam meine Mutter noch eine Osteoporose und brach sich einen Rückenwirbel, was äußerst schmerzhaft war.

Wohlgemerkt: Alle Ärztinnen und Ärzte haben damals „nur nach Vorschrift“ und in bester Absicht gehandelt. Allerdings sind sie nicht die „Halbgötter in Weiß“, die die Patienten und Patientinnen (darunter meine Mutter) aus ihnen machen. Im Gegenteil: Leider wenden Ärztinnen und Ärzte die aggressiven und unberechenbaren Behandlungsmethoden, die ihnen zur „freien“ Verfügung stehen, oft willkürlich an. Sie wissen, so scheint es, schon lange nicht mehr, was sie da tun. Hinzu kommt, dass die Ärzte im Kontakt mit den Patienten in (unbewusste) Panik geraten. Die Gleichgültigkeit der Mediziner, so habe ich es empfunden, ist bloße Fassade. Die allzu menschliche Angst vor Krebs ist vermutlich bei denen am größten, die jeden Tag mit der Krankheit zu tun haben: Bei den Onkologen.

Eine Bemerkung möchte ich noch zum Schmerzmittel Paracetamol machen, das in niedriger Dosierung sogar für Kinder ab vier Jahren empfohlen wird. Eine im Internet angebotene Variante des Schmerzmittels trägt einen Namen, bei dem jeder an ein Gutenachtküsschen denkt: „Paracetamol bussimed“… Wenn das mal keine Alpträume bringt…

 

Eine Begegnung mit der Frau Keuner: „Die Politik finanziert Werbepsychologen, um uns Bürger bei Laune zu halten“

„Tach“, sacht meine Nachbarin, die Freu Keuner.

Gerade versuche ich, möglicht geräuscharm ein paar leere Weinflaschen zu entsorgen, da taucht auf der gegenüberliegenden Seite des Glascontainers das verdötschte Gesicht von der Frau Keuner auf. Nicht gut, wenn man verkatert ist. Schon gar nicht, wenn man auf dem Wochenmarkt ist und vorhat, am Tag vor Himmelfahrt schnell noch Spargel einzukaufen – unbeobachtet.

„Tschuldigung“, sage ich. „Ich bin total verkatert, aber nicht vom Alkohol. Gestern bin ich seit Monaten mal wieder Auto gefahren, weil ich in Hannover was abholen musste. Autobahn ist ja nur dann erträglich, wenn man Radio hören kann. Vor allem abends und in der Nacht. Ich mach also das Radio an, drück auf meinen Lieblingssender WDR5, aber das hört sich irgendwie falsch an. Da gab’s nicht die Wiederholungen vom Vortag. Ganz anderer Sound. Ich drück auf Deutschlandfunk, das gleiche Programm. Die anderen Knöpfe, überall. Ich dachte, das Radio ist kaputt, aber das war es nicht.  Für eine Stunde geht so was noch, aber da wurden über Stunden immer dieselben Nachrichten gesendet. Es ging nur um Corona. Keine Werbung, keine Musik, nur Corona. Furchtbar. Du hörst Radio und wirst in eine Art Wiederholungsschleife reingezogen, in der wir sowieso alle sind. Und das auf der Autobahn. Wie ein Sprung in der Schallpatte, die du eh schon gar nicht mehr anhören willst.“

Die Keuner grinst: „So schnell geht dat. Der Spaß nennt sich ARD-Infonacht. Die Sender sind jetzt abends gleichgeschaltet. Aber lenk bitte nicht ab, Lisa. Du gehörst also auch zu den Leuten, die bei Corona noch mehr saufen als sonst. Mit Wein und Schnaps werden jetzt gute Geschäfte gemacht. Aber ich sach dir, erst recht mit Zigaretten. Da erzählt irgendein Experte den Leuten, wie gefährlich das Rauchen für den Verlauf einer Corona-Infektion ist, schon sind die Leute so frustriert, dass sie noch mehr rauchen. Wäre der Jens Spahn ein Menschenfreund, würde er jetzt endlich dafür sorgen, dass man den Tabak in kleinen Mengen verkauft. Und dass man den Ekelaufdruck abschafft, der den Leuten eh schon Angst macht. Ich sach dir, die Corona-Panik hat den Tabakverkauf so wat von angekurbelt.“

Seltsame Situation. Wir stehen immer noch am Rand vom Markt, der Container ist zwischen uns und sichert einen gewissen Sicherheitsabstand, was ja nicht unbedingt schlecht ist. Die Frau Keuner redet weiter: „Ein Weinladen ist nämlich systemrelevant. Hömma, als ich vor ein paar Wochen im Kleefisch war, da hieß es noch, dass der französische Wein nicht geliefert werden kann, weil die LKW-Fahrer nicht mehr da sind. Die osteuropäischen Arbeitskräfte sind ja die einzigen, die den Knochenjob noch machen, aber die wollen in der Krise natürlich auch nach Hause. Ich denke mal, die haben die Leute dann ganz schnell zurückgepfiffen. Und woher hast du deinen Wein?“

„Was soll ich denn machen?“, jammere ich.

„Und ich wette, du willst gerade Spargel einkaufen. Was glaubst du, wer den gestochen hat? Hömma, du bist sowat von blauäugig. Und weißt du, was ich unerträglich und undemokratisch finde?“

„Nein?“

„Ich sag es dir“, sagt die Frau Keuner. „Die Politik finanziert Werbepsychologen, um uns Bürger bei Laune zu halten.“

„Wie bitte!?“

Die Keuner nickt. „Du kennst doch die Litfaßsäule an der Kempener Straße, die eine, die sich dreht, vor Fußgängern, Radfahrern, vor Autofahrern. Da klebt seit ein paar Wochen hinter Glas eine ausgeklügelte, wind- und wettergeschützte Werbung von der Bild-Zeitung für die Bild-Zeitung, aber gleichzeitig ist das Werbung für den Corona-Kurs der Bundesregierung. Da wird die gleiche Sprache gesprochen wie in den Ansprachen vonner Angela Merkel. Moderne Politiker lassen sich von Werbepsychologen beraten. Und wer bezahlt den Quatsch? Wir.“

„Das ist eine Verschwörungstheorie“, sage ich und muss mich räuspern.

Man kennt sich, man hilft sich“, sagt die Frau Keuner. „Das hat der Konrad Adenauer ja so schön mehrdeutig gesagt. Der war wenigstens ehrlich. Du zitierst den Spruch doch  selber so gerne. Trinkpause!“

Die Frau Keuner greift sich die Flasche Mineralwasser aus dem Körbchen und trinkt einen Schluck. Sie setzt die Flasche ab: „Dass ich dir nichts anbiete, liegt nicht an Corona. Aber ich will nicht, dass du an meiner Pulle löllerst. Aber du erinnerst dich vielleicht. Da war doch direkt neben Krankenschwester Manuela das Plakat von Doc Morris, und an der Stelle, wo die Werbung für das E-Rezept war, klebt jetzt der LKW-Fahrer Reinhold. Der Reinhold ist ein treudeutscher LKW-Fahrer. Der guckt nicht zu uns wie die Manuela, sondern in die Ferne. Der Reinhold ist nicht frisch rasiert, wirkt aber frisch gewaschen. Der hat hellwache Augen, Verantwortungsgefühl, der knackt nicht weg. Trinkpause!“

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“ Reinhold, LKW-Fahrer“

Die Frau Keuner nimmt einen Schluck und redet dann weiter: „Der Plakat-Reinhold ist ein ganz lieber, gutmütiger Typ, ein bisschen wie Lukas der Lokomotivfahrer. Und wie Lukas der Lokomotivführer hat auch Reinhold der LKW-Fahrer ein Halstuch um. Die Werbepsychologen haben da die Abbildungen aus Büchern und Filmen studiert, die wir alle im Hinterkopp haben. Wir alle lieben das wunderschöne Kinderbuch von Michael Ende: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Das einzige, was dem Reinhold fehlt, ist die Pfeife im Mund. Ein Lokomotivführer einer altmodischen Dampflok kann sich eine Pfeife leisten, aber ein moderner LKW-Fahrer nicht. Trinkpause!“

Die Frau Keuner nimmt noch einen Schluck und redet dann weiter: „Dafür hat der Reinhold einen kleinen Ring im Ohr. Ohne dass es uns bewusst ist, erinnert uns der Reinhold an unseren ersten Teddy. Und der Teddybär unter den Teddybären, der klassische Teddybär ist der Steiff-Teddybär, der hatte keinen Ring, aber einen Knopf im Ohr. Die Steiff-Tiere haben den Knopf im linken Ohr. Der Reinhold hat den Knopf im rechten Ohr. Angeblich tragen homosexuelle Männer den Ohrring immer im rechten Ohr. Dat is ein kleiner Gruß an Jens Spahn, sach ich dir… Und hömma, an wen denkst du, wenn du den Namen Reinhold hörst?“

„An meinen Vetter“, sage ich. „Den haben sie damals nicht gemustert, weil das Kreiswehrersatzamt dachte, dass Reinhold ein Mädchenname ist. So wie Reinhild.“

„Ach wat“, sagt die Frau Keuner und schüttelt den Kopf. „Du sollst an den Reinhold Messner denken, den Südtiroler Bergsteiger. Für alle, die jeden Weg auf sich nehmen, so einer ist der Messner doch auch. Und der Messner tut doch auch so, als wenn es toll wär, sich mutterseelenallein auf den Weg zu machen. Der einsame Held, hömma, das ist vielleicht angenehm, wenn man die frische Bergluft einatmen kann, aber dat is sowat von scheiße, da in der miefigen Fahrerkabine eingeklemmt zu sein. Und der Messner hat bestimmt niemals auf dem Parkplatz von der Autobahnraststätte übernachtet. Und überhaupt…“

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Reinhold Messner im aktuellen ARTE-Magazin: „Für mich ist das Virus – obwohl winzig klein – wieder ein Zeichen, dass wir der Natur unterlegen sind.“ Diese Erkenntnis ist ein Denkfehler. Sie zementiert die Trennung zwischen Mensch und Natur. Wir sind der Natur weder unter-  noch überlegen. Wir sind ein Teil der Natur. Nur wenn wir das begreifen, ist Corona, ein Virus, das es gut meint mit den Kindern, kein Dämon mehr. Horst Stern, Wissenschaftsjournalist, Mitgründer der Umweltschutzorganisation BUND und Herausgeber der Zeitschrift Natur, schrieb in seinem ersten Editorial 1980:                                                                                                                      „Wir sind als Art biologisch unentrinnbar ein Teil der Natur – lebend an ihr Leben, leidend an ihr Leiden, sterbend an ihr Sterben gebunden.“

„Ich will dich nicht unterbrechen“, sage ich. „Aber ich muss jetzt wirklich los, ich wollte noch auf den Markt.“ Wir stehen uns immer noch gegenüber.

„Gute Idee“, sagt die Frau Keuner. „Wollte ich auch, ich komm mit. Bissken langsam mit dem Gehwagen, aber wird schon klappen. Ich muss mir wat Neues aus der Wühltheke angeln, ich brauch mal wat Frisches, und da stehen die Leute dicht an dicht, so wie immer. Is so schön, und manchmal stößt man beim Grabbeln an eine fremde Hand, auch schön, so wie immer. Abstand halten geht auf dem Markt nicht. Außerdem wollte ich immer schon wissen, was du für eine Schutzmaske hast. Zeig mal.“ Ich hole das Teil aus der Tasche und spanne es hinters Ohr.

Jetzt endlich lacht die Frau Keuner: „Hömma, du hast ja auch die Fehlkonstruktion mit den Domspitzen. Tut mir leid, jetzt komm ich nah an dich ran, die Masken sind so dickstoffig, dass man laut reden muss. Da hat man nicht nur Spuckschutz, sondern auch Schallschutz. Die gleiche! Du warst dat also… Hömma, die haben mir in der Mauenheimer Straße gesagt, die Maske ist noch mal bestellt, von einer Dame. Du bist doch keine Dame. Aber das ist gut, wenn wir die gleiche Maske aufhaben, halten uns die Leute für Mutter und Tochter.“

„Und wer von uns beiden ist dann die Mutter?“, frage ich die Frau Keuner.

„Na wer schon, Mutti.

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Lächelnder Abstandhalte-Smiley mit Frau auf der einen Seite (rechtes „Auge“) und Mann auf der anderen (linkes „Auge“). Es liest sich so, als sollten die Geschlechter einen Sicherheitsabstand voneinander einhalten. So ist das hier gewiss nicht gemeint. Mein Vorschlag an die Stadt Köln: Man sollte in der nächsten Sylvesternacht rundum den Hauptbahnhof lächelnde Pappkameraden aufstellen.

KATHOLISCH ÖFFENTLICHE „BÜCHEREI – ON – LEINE“

Im Pfarrbüro von St. Marien hatte ich einmal eine nette Begegnung:

Im Jahr 2015 hatte sich meine ältere Tochter nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr dafür entschieden, Psychologie zu studieren. Sie musste sich bei jeder Universität einzeln bewerben und jedes Mal das Abiturzeugnis vorlegen. Manchen Unis reichte eine einfache Kopie, andere wollten eine beglaubigte haben. Von der Schule hatte meine Tochter zwei beglaubigte Kopien bekommen, die natürlich direkt aufgebraucht waren. So bot ich meiner Tochter an, im Pfarrbüro von St. Marien nachzufragen. Dort war man sehr freundlich. Die Mitarbeiterin machte noch eine Extra-Kopie, setzte den Stempel „beglaubigt“ darauf und den der Pfarrei St. Marien darunter.

Bezahlen durfte ich nichts, nicht einmal der Kirche was spenden. „Das kostet doch die jungen Menschen ein Heidengeld, wenn sie sich überall einzeln bewerben“, sagte die Frau. Nun, „Heidengeld“ sagte sie nicht, das habe ich jetzt eingefügt. Das Wort kommt mir in den Sinn, obwohl wir ja wissen, dass diejenigen, die zu viel Geld haben, nicht unbedingt Heiden sind (s. Katholische Kirche). Die Universität Bremen, an der meine Tochter schließlich landete, hat die Kopie nicht angenommen. Man erwartete eine von einer öffentlichen Behörde ausgestellte Beglaubigung. Den Stempel der Katholischen Kirche empfand man offensichtlich als unseriös oder gar „unecht“. In Bayern wäre das nicht passiert (da passiert derzeit anderes, das fragwürdig ist), aber Bremen ist nun mal traditionell evangelisch.

Das Haus, in dem sich das Büro befand, ist abgerissen. An der Stelle wird jetzt das „Haus der Kirche“ gebaut. Für die Zwischenzeit ist das Pfarrbüro in ein Gebäude in der Wilhelmstraße umgezogen, das auch die „Bücherei St. Marien“ beherbergt sowie den Arbeitskreis „Eine Welt im Veedel“ (den Nippesern wohlbekannt durch den freitäglichen „Fairer Handel“-Marktstand). Die Bücherei ist zur Zeit geschlossen, aber man hatte die schöne Idee, eine Wäscheleine vors Fenster zu spannen und „Kleine Kostbarkeiten“ daran aufzuhängen.

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Aktuell lädt man Kinder dazu ein, Bilder zu malen (gelbe Kopie: „Das sehe ich aus meinem Fenster“), die eingesammelt und veröffentlicht werden sollen.

Vor zwei Wochen hatte ich mir ein Gedicht, das dort gleich doppelt hing, von der Leine genommen:

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Vor allem im Gesundheitswesen erhalten wir in den letzten Jahren vermehrt „unerwünschte Belehrungen“. Gesundheit wird zur Bürgerpflicht-  und auch der Frohsinn.

 

In der Aktion „Für ein gesundes Miteinander“ gibt die DAK Verhaltensmaßregeln: „Ihr könnt euch mal ! … Freundlich grüßen. Denn Freundlichkeit im Alltag ist ansteckend und führt zu weniger Aggression und Stress. Gute Laune, guten Tag.“

Die Aktion „Für ein gesundes Miteinander“ suggeriert, dass wir normalerweise ziemlich unfreundlich (ungesund) miteinander umgehen. Das mag für manche Menschen immer und für viele Menschen manchmal stimmen (auch für mich), so pauschal jedoch ist das eine böse Unterstellung. Es ist wünschenswert, dass Menschen freundlich zueinander sind, aber bitte nicht auf Befehl! Diktierte Gefühle fördern die Heuchelei. Der Zwang zur Nähe, der hier so locker-lässig daherkommt, führt eher dazu, dass wir uns noch mehr voneinander entfernen.

In Deutschland gibt es mittlerweile das Schulfach „Glück“ – auch auf Anregung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Ich finde, es müsste ein anderes Schulfach geben: NEIN. Wie lerne ich, angesichts des Zwangs zu Frohsinn, Gesundheit und Glück nicht immer freundlich zu lächeln, sondern in der Lage zu sein, NEIN zu sagen.

 

Coronoia lässt die Kassen klüngeln: Der FC Köln erklärt dem Erzbistum, wie man Tickets verkloppt

„Man kennt sich, man hilft sich.“ (Konrad Adenauer)

Wir erleben sogenannte „Lockerungen“, aber was bleibt und durch die Maskenpflicht noch verschärft wird, ist der „Sicherheitsabstand“. Die Kinos, die davon leben, dass die Menschen dicht an dicht sitzen, bleiben weiterhin geschlossen. Nach wie vor darf nur ins Kino, wer bereit ist, in einer Blechkiste vorzufahren und darin sitzen zu bleiben. Im Autokino soll man zwar, sobald das Fahrzeug steht, die Sicherheitsgurte ablegen, man darf die Fenster öffnen, aber damit endet auch schon die Bewegungsfreiheit.

Derzeit werden in ganz Deutschland (bis auf Bayern, wo sogar die Autokinos geschlossen sind) neue, oftmals mobile Autokinos eröffnet. Auch wenn sich die Betreiber die Hände reiben, kann das auf Dauer nicht gut gehen. Denn es werden keine neuen Filme gezeigt, obwohl die längst abgedreht und vorab gezeigt worden sind. Damit aber diese neuen Filme in die Kinos kommen, müssen die klassischen Kinos wieder geöffnet werden. Das lohnt sich aber nur, wenn die Säle voll sind, was aber nur dann gewährleistet ist, wenn die Menschen keinen Sicherheitsabstand einhalten müssen.

Die Kirchen haben ein ganz ähnliches Problem wie die Autokinos: Keine neuen Impulse. Der Run auf die Gottesdienste wird schnell abflauen. Immerhin braucht man seit dem 1. Mai nicht mehr ins Internet oder -wie bei den Oster-Gottesdiensten- ins Autokino, um eine Messe zu besuchen. Auch im Kölner Dom werden am Muttertag endlich wieder öffentliche Sonntags-Messen stattfinden – unter besonderen Auflagen.

Der Kölner Dom ist ja nicht irgendeine Kirche, sondern das kölnische Aushängeschild. Als Weltkulturerbe-Stätte und Deutschlands größte Kathedrale ist der Dom eine Kirche der Superlative. Nach Fertigstellung im Jahr 1880 hatte der Kölner Dom im Wettkampf um das höchste Gebäude der Welt die Turmspitzen mit 157 m am weitesten oben. Jedes Kölner Schulkind (das klettern kann, denn es gibt keinen Aufzug) erklimmt irgendwann die 533 Stufen, die zur Besucherplattform (97 m) hoch führen.

Am letzten Sontag gab es im Dom nach sechs Wochen wieder einen Gottesdienst, aber nicht für alle Kölner, sondern ausschließlich für „Mitarbeiter des Doms, Sänger, Lektoren und Messdiener sowie einige Pressevertreter.“ Man wollte, so hieß es, den Normalfall üben. Das Fazit der Übung: Zur öffentlichen Messe zugelassen sein werden immer nur 122 Personen, und auch nur dann, wenn sie einen Mundschutz tragen und den Sicherheitsabstand einhalten. https://www.sueddeutsche.de/panorama/gottesdienst-koelner-dom-coronakrise-1.4895447  Ich fand leider nirgendwo eine Anwort auf meine Frage, wie man das Kollekte-Problem lösen wird. Gibt es weiterhin nur einen digitalen Klingelbeutel?

Gestern kam ich gegen 19.30 vom Einkaufen zurück und radelte wie fast jeden Tag an St. Marien vorbei. Doch was sah ich? Vor der Kirche standen Liegestühle, zwei Einzel- und ein Doppelsitzer waren mit entsprechendem Sicherheitsabstand höchst einladend platziert. Menschen hatten sich in die Stühle gefläzt, die Hosen hochgekrempelt, Pulle Bier dabei. Richtig schön. Was war los? Hat der Katholische Kirchenverband Bilderstöckchen-Nippes den Vorplatz der Kirche zum Beach-Club erklärt?

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Die Auflösung: Das angrenzende Café Rosenrot hat die Liegestühle vor die Kirche gestellt, um den Menschen, die Essen bestellen, die Wartezeit zu versüßen. Diese beiden sehr freundlichen und gut gestimmten Nippeser Mitbürger waren mit dem Fotografiertwerden direkt einverstanden…. Im Hintergrund wird am „Haus der Kirche“ emsig weiter gearbeitet. „Haus der Kirche“ klingt, als stünde das Gebäude insbesondere der Gemeinde zur Verfügung. Aber so ist es nicht. Hierzu mehr im stets informativen Nippes-Magazin  (früher „Für Nippes“) http://veedelmedia.de/flip-pdf/fuer-nippes_2015-2

Für die Messen am Sonntag oder die Abendmesse am Samstag konnte man sich ab Mittwoch Karten reservieren lassen. Die Zugangskarten sind kostenlos, aber nicht übertragbar. Hatten wie das nicht schon mal? Ich denke da an die Gottesdienste im Autokino.

Hilfe bei der Reservierung bekommt die Katholische Kirche vom 1.FC Köln, der derzeit ebenfalls Einnahmeeinbußen zu verkraften hat. Für die Reservierungen benutzt die Kirche genau das Computersystem, das der Fußballclub 1. FC Köln für seine Fan-Kommunikation verwendet. „Der Verein hat deshalb Unterstützung bei der Schulung von Mitarbeitern der Pastoralbüros angeboten“, heißt es auf erzbistum-koeln.de  Generalvikar Dr. Markus Hofmann: „Wir sind dem 1. FC Köln sehr dankbar…  Das ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit.“ Alexander Wehrle , Geschäftsführer des 1. FC Köln, sagt„Wir haben dem Erzbistum sehr gerne mit unserer Erfahrung geholfen. Als Club der Stadt stehen wir zu Köln und seinen Bürgern und natürlich auch zu den Kirchen. Wenn wir etwas dazu beitragen konnten, dass Menschen in unserer Stadt trotz der Einschränkungen der Corona-Krise ihren Glauben leben und ausüben können, freut uns das sehr…“ https://www.erzbistum-koeln.de/news/Erzbistum-nutzt-Online-Ticketsysteme-fuer-sichere-Messfeiern/

So wäscht eine Hand die andere – aus Hygienegründen natürlich rein digital.

Ich möchte an dieser Stelle auf einen klugen und munteren Artikel von Ertay Harif hinweisen, in dem der Kölsche Klüngel anschaulich (und in seiner Ambivalenz!) beschrieben wird. https://koeln-magazin.info/kluengel0.html

Elfchen im Fünften: Nippeser Halsbandsittiche vertreiben die BZgA

Adieu,

Sexperten! Packt

ein euer Papperlapapp!

Ab nach Braunsfeld in

Aufklärungskrampfhaft

Bis vor wenigen Jahren war die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nicht nur in Köln-Merheim ansässig, sondern auch in der Nippeser Werkstattstraße. Die Nippeser Büroräume der BZgA befanden sich kaum hundert Meter weit weg vom Südeingang unserer Siedlung in einem Haus der Deutschen Bahn direkt an der S-Bahn-Trasse.

Anfang 2015 hat dann die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung -unter dem Beifall zahlreicher freiheitsliebender Nippeser Halsbandsittiche- ein neues, lichtes Gebäude am Maarweg in Köln-Braunsfeld bezogen. Auf einem älteren Foto ist der Nippeser Standort der BZgA noch ausmachbar: https://www.alamy.com/stock-photo-kln-nippes-werkstattstrasse-102-eisenbahn-bundesamt-aussenstelle-in-102152595.html?pv=1&stamp=2&imageid=BA530D22-9F00-42A6-971F-62E6CA1A103A&p=73423&n=0&orientation=0&pn=1&

Der Grund für den Umzug der BZgA von Nippes nach Braunsfeld war angeblich der baufällige Zustand des Hauses. Doch da war noch etwas anderes, das bohrend störte, das die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BZgA in Atem hielt und ihnen mit der Zeit die Arbeitsmoral raubte: Der Papageienvögel unkontrollierbare Fortpflanzungsfreude. In der südlichen Außenwand des Gebäudes (das so baufällig nicht sein kann, denn aktuell beherbergt es vier Bahn-Behörden) nisten und brüten Halsbandsittiche – und das schon seit vielen Jahren. Damit der Nachwuchs es schön mollig hat, haben die Papageienvögel Höhlen in die Wärmedämmung gegraben.

Immer wieder hat man die Bruthöhlen zugestopft und die Schlupflöcher verspachtelt, doch jedes Mal waren die Sittiche munter pickend schon bald wieder da. Alle Versuche, die Tiere zu vertreiben und an der Eiablage zu hindern, sind fehlgeschlagen.

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Nippes, April 2020… Da lacht der Halsbandsittich: „Sexualaufklärung beginnt mit der Geburt.“ (WHO-Regionalbüro für Europa und BZgA: Standards für die Sexualaufklärung in Europa)

Es gibt eine weise Kinderfrage, die lautet: „Wo komme ich her?“ Sexualaufklärer geben hierauf eine rationale, einfache Antwort. Sie erklären schon dem Kindergartenkind, dass es gemacht wurde: Die Eltern hatten Sex und haben dabei ein Kind hergestellt.

Ich weiß noch, wie meine jüngere Tochter nach dem Sexualkundeunterricht in der Grundschule nach Hause kam und ziemlich verstört war. „Mama, warum war ich so ein altes Ei? Und warum bist du 15 Jahre älter als Maras Mutter?“ Man muss wissen: Ich habe meine jüngere Tochter mit knapp 41 Jahren bekommen. Im Sexualkundeunterricht hören die Kinder, dass ältere Frauen, die ein Kind erwarten, „Risikoschwangere“ sind, und man erzählt ihnen, dass die „Qualität“ der Eizellen einer Frau mit zunehmendem Alter abnimmt. Dass ältere Schwangere (und deren Kinder) mit einer solchen Behauptung diffamiert werden, kann kein Kind begreifen.

Ich hatte die Frage befürchtet und sagte: „Ich wollte dich und kein anderes Kind. Noch bevor ich dich kannte, mochte ich dich sehr. Doch um dich zu kriegen, musste ich 40 Jahre alt werden. Monat für Monat machte sich in mir ein winzigkleines Ei auf den Weg zu den Menschen, aber meine Gebärmutter wies eins nach dem anderen ab, weil es noch nicht das richtige war. Ich habe gewartet und gewartet, Monat für Monat. Irgendwann wurde ich mit dir schwanger. Jetzt endlich warst du auf dem Weg in die Welt.“

Sexualität ist geheimnisvoll. Warum verlieben wir uns? Mit Hormonen alleine lässt sich es nicht erklären. Es ist ja wirklich so, dass uns die Liebe „Flügel verleiht“. Man sollte meinen, Sexualpädagogen hätten nicht den Hauch einer Ahnung von der Liebe, wenn sie auf Anweisung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Schulkinder dazu auffordern, Penisattrappen Kondome überzustreifen.

Offenbar nimmt es die BZgA, was eigene Aktionen und Transaktionen angeht, mit der Aufklärung nicht so genau. Im Gegenteil: In Merheim hatte man zwar keine Leichen im Keller, aber belastende Altlasten – und einen schweren, insbesondere für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesundheitsgefährdenden Schimmelbefall. Der Umzug von Merheim nach Braunsfeld brachte einen ganzen Haufen unliebsamer, vergessener Fundstücke zutage: https://www.sueddeutsche.de/politik/rechnungshof-300-aktenordner-verschimmeln-in-der-bundeszentrale-fuer-gesundheitliche-aufkaerung-1.2960700

„Gott to go“ – Wie sich die Amtskirchen immer weiter vor der Schöpfung abschotten

Vor drei Tagen, am Weißen Sonntag, fanden wieder keine öffentlichen Gottesdienste statt. Doch die Kirchenglocken erinnerten daran, dass es die Kirchen gibt. Pünktlich um 19.30 wurden sie geläutet. Nicht nur in Köln, sondern, wie ich hörte, in ganz Nordrheinwestfalen – auch in Düsseldorf.

Der Katholische Gemeindeverband Düsseldorf gehört zum Erzbistum Köln. Daher ist es der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, der den Pfarrer Frank Heidkamp (61), einen gebürtigen Düsseldorfer, am 1. September 2020 zum Stadtdechanten und Leiter der Cityseelsorge in Düsseldorf ernennen wird.

Eben jener Frank Heidkamp feierte am Ostersonntag in einem Düsseldorfer Autokino einen katholischen Ostergottesdienst. 500 mit Paaren oder Kleinfamilien gefüllte Autos parkten ordnungsgemäß im angegebenem Sicherheitsabstand. Der Eintritt war kostenlos, der Altar war auf einen Lastwagen gehoben worden, der Gottesdienst wurde trotz ungünstiger Lichtverhältnisse auf die Filmleinwand projiziert und per Autoradio übertragen. Die Autos standen wie auf dem Autodeck einer großen Fähre, doch anders als auf der Fähre mussten die Menschen nicht aussteigen für den stets drohenden Fall, dass das Schiff untergeht. Nein, die Menschen durften nicht aussteigen, nur die Fensterscheiben herunterlassen. Das Schiff ging auch nicht unter. So viele Zuhörer hatte Frank Heidkamp schon lange nicht mehr. Die Autos bedankten sich mit einem Hupkonzert und wurden bei der Ausfahrt gesegnet. „Ein schönes Beispiel für Kreativität in der Krise“, sagte irgendwer. Ich glaube, wir haben eher eine schwere Krise der Kreativität.

Aber wer hatte eigentlich die Idee dazu? Die Idee, so Heidkamp am 8.4.2020 in einem Interview mit dem Domradio, „hatte der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, Thomas Geisel, der gesagt hat: Autokino, das könnte noch mal für alle Menschen etwas anderes sein in Zeiten des Coronavirus. Er ist dann auf die evangelische und die katholische Kirche zugekommen und hat gefragt: „Könntet ihr nicht auch da Gottesdienste gestalten?“…“  Aber war es tatsächlich Geisels Idee? Ich schaue im Internet nach.

Einen früh geäußerten Vorschlag, Gottesdienste im Autokino stattfinden zu lassen, finde ich auf der Internetnetseite http://www.kath.net/news/71116. Hier heißt es bereits am 26.3. : „… Wir Katholiken kennen den Begriff der „geistigen Kommunion“, vereinigen wir uns mit dem Geheimnis des Glaubens über die Anbetung – Jesus Christus hat locker die Kraft, ein paar Meter Abstand und notwendige Hygienevorschriften zu überbrücken!  „Wie neckisch“, denke ich, „das ist ja Gott to go„, und gebe „Gott to go“ bei google ein. Tatsächlich gibt es ein Buch, das so heißt. Es handelt von Autobahnkirchen. Der Autor heißt Ulli Tückmantel, hat im letzten Jahre das Buch „Rasier Dich richtig!“ herausgegeben und ist Pressesprecher der Bezirksregierung Münster. Aus der Internet-Leseprobe erfahre ich Interessantes: Autobahnkirchen sind ein deutsches Phanomen, es gibt sie tatsächlich fast ausschließlich in Deutschland. Aktuell (Stand: 2019) können wir in Deutschland 44 Autobahnkirchen besuchen, von den die meisten (19) evanglisch sind, acht katholisch und 17 in ökumenischer Trägerschaft.

Auch und gerade in der Corona-Krise zeigt sich insbesondere die evangelische Kirche fasziniert von digitalen Gottesdiensten und der To Go-Idee. Das evangelische „Sonntagsblatt“ (360° evangelisch) listet die Online-Angebote in Corona-Zeiten auf: „Alle Ideen evangelischer Kirchen in Bayern auf einen Blick.“ In dieser Liste, die laufend aktualisiert wird, findet sich unter unzähligen anderen auch das Angebot der evangelischen Kirchengemeinde Herrsching Wörthsee Seefeld, ein „Gottesdienst to Go“, den man sich als pdf-Datei herunterladen kann.

Ganz so salopp und offen säkular geht es in der katholischen Kirche nicht zu. Am Weißen Sonntag hielt Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki nicht an irgendeinem Ort, sondern im Kölner Dom das Pontifikalamt.

Bis heute, 22.4., 16h, wurde der digitale Gottesdienst 16.393 mal aufgerufen, was Woelki erfreuen dürfte. Ich bin Nummer 16.394 und gucke (im Anschluss an die Werbung für Veranstaltungen der Katholischen Kirche) eine Weile das Pontifikalamt. Ich sehe eine leidenschaftslose Retortenmesse und einen Kardinal ohne Charisma, aber im weißen Gewand. Praktisch ist es ja schon, dass ich zwischendurch die Messe anhalten kann, um mir einen Kaffee zu kochen. Der Kaffee ist echt, aber ich hätte es lieber weniger praktisch. Ich fläze mich aufs Sofa, das deutlich bequemer ist als eine Kirchenbank. Ich genieße die letzte Freiheit, dir mir bleibt: Es mir so gemütlich zu machen, wie ich es will. Ich gucke weiter, doch wenige Minuten später klicke ich Woelki weg, dem das egal ist, denn die Nummer 16.394 ist ohnehin längst verbucht. Es muss ein Hochgefühl sein, dass die Zahl der Besucher des Gottesdienstes immer noch steigt, obwohl die Messe längst schon vorbei ist.

Das alles ist so lächerlich, aber ich kann nicht lachen, denn die Lage ist ernst. Etwas hat mir gefehlt. Ich weiß noch genau, wie es sich angefühlt hat, ein Kommunionkind zu sein und endlich dazuzugehören, eine leicht säuerliche Hostie auf die Zunge gelegt zu bekommen (wie es damals noch üblich war). Lässt sich der Leib Christi digital teilen? Wohl kaum. Ich glaube, den „Entscheidern“ in der katholischen und der evangelischen Kirche sind nicht nur die Menschen abhanden kommen. Ihnen fehlt die Religiösität, die Fähigkeit zur spirituellen Hingabe, die Liebe zur Schöpfung und zu all ihren Geschöpfen.

Worte an die Schöpfung – von einem Dichter, der mit Woelki nur den Vornamen teilt:

Rainer Maria Rilke

Atmen, du unsichtbares Gedicht !
Immerfort um das eigne
Sein rein eingetauschter Weltraum. Gegengewicht,
in dem ich mich rhythmisch ereigne.

Einzige Welle, deren
allmähliches Meer ich bin ;
sparsamstes du von allen möglichen Meeren, –
Raumgewinn.

Wieviele von diesen Stellen der Räume waren schon
innen in mir. Manche Winde
sind wie mein Sohn.

Erkennst du mich, Luft, du, voll noch einst meiniger Orte ?
Du, einmal glatte Rinde,
Rundung und Blatt meiner Worte.

Aus: Die Sonette an Orpheus / Zweiter Teil

Spiritus heißt auf lateinisch Hauch, Atem, Geist. Spiro bedeutet: Ich atme. Die Kirchen der Christen sind seit jeher Orte, die sich vor der Natur verschließen. Ich habe nie erlebt, dass ein Kirchenfenster geöffnet wurde, und ich habe auch nie erlebt, dass sich ein Singvogel in die Kirche verirrt hätte. Unvorstellbar, dass er dort gezwitschert hätte.

In seiner Predigt sagt Woelki: „Solange ich atme, hoffe ich.“ Das ist ein Satz von Cicero, der überall zitiert wird – auch im Internet. In Corona-Zeiten hätte Woelki den Satz nicht sagen dürfen. Gewiss werden einige schwer an Corona Erkrankte dadurch gerettet, dass sie künstlich beatmet werden. Aber vielleicht sind in Italien und Spanien viele schwer erkrankte Menschen gerade deshalb gestorben, weil sie (vorschnell) intubiert wurden, denn auf  ​“den Intensivstationen ist die künstliche Beatmung der Hauptrisikofaktor für Infektionen“ mit Krankenhauskeimen. https://studium.hs-ulm.de/de/Seiten/News_LED_Licht_gegen_Keime.aspx?SearchCategory=HochschulNews; 

Wie man mit dem Internet spielerisch umgehen kann und dabei wirklich auf die Menschen zugehen und sie hoffnungsvoll stimmen, demonstriert Eugen Drewermann in seiner Friedensrede zum virtuellen Ostermarsch, zu dem das Netzwerk Friedenskooperative aufgerufen hatte.

Lieber Herr Drewermann, was Sie nicht wissen können: Ich bin eben jene Besucherin Ihrer Lesung am 18.10.2018 in der Kölner Kirche St. Peter, an die Sie sich vielleicht noch erinnern, weil diese Besucherin ungewöhnlich hartnäckig war. Ich rede von einer Veranstaltung  der Karl-Rahner-Akademie mit dem Titel Der Mensch braucht mehr als nur Moral, die man in die Kirche verlegt hatte, weil sich so viele Besucher angemeldet hatten. Wir alle wollten Ihnen einmal wirklich (und nicht digital) begegnen. Sie jedoch wollten direkt nach der Lesung durch einen Seitenausgang verschwinden, aber ich stand da und bat Sie, mir ein Autogramm in ein Buch zu schreiben. Das Buch heißt „Von Tieren und Menschen“ und ist mir von allen Ihren Büchern das liebste. Ich wollte (und sollte) es wenige Tage später meiner Tochter zum 23. Geburtstag schenken – mit Autogramm. Sie waren so freundlich, aber wie das so ist, standen mit einem Mal viele Menschen da und baten Sie um ein Autogramm. Ich weiß, Sie haben den Zug noch bekommen.

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Foto: Hans Manfred Schmidt

Ich erlaube mir, aus dem Buch zu zitieren. An einer Stelle erzählen Sie von einem Bonobo-Affen, der sich selbst in der Gefangenschaft seinen Spieltrieb und seine Lebenslust nicht hat nehmen lassen. Ein hoffnungsvoller Text!

Es gibt das komplette Buch als PDF-Datei im Internet https://epdf.pub/von-tieren-und-menschen-moderne-fabeln.html, aber es ist natürlich viel schöner, ein wirkliches Buch, in das der Autor bei Gelegenheit sein Autogramm schreiben kann,  in den Händen zu halten:

„… Eine kleine Begebenheit, die sich vor Jahren zugetragen hatte, tauchte vor mir auf: Im Primatenhaus des Frankfurter Zoos hält man eine Gruppe von Bonobos. An dem Nachmittag, da ich es betrat, wurde gerade ihr Gehege gereinigt, ein steinernes Gefängnis, in dem ein paar an Ketten aufgehängte Reifen und etwas Heu den Tieren die Erinnerung an die üppige Pracht des tropischen Regenwaldes ersetzen sollten. Abgestuft zu dem Gitter hin erstreckte sich ein mit bläulichen Fliesen belegter Fußboden, noch feucht von dem Aufnehmer, der vor kurzem säubernd darüber hingegangen sein mußte. Es war dies der Umstand, den einer der jungen Schimpansen sich zu Nutze zu machen wußte. Er hatte entdeckt, wie schlüpfrig der Boden unter seinen Füßen war. An der einen Seite der Wand stieß er sich mit behendem Schwung ab und schlinderte auf einem Fuß zu der gegenüberliegenden Wandseite hinüber, dann wieder umgekehrt, mit sichtlicher Freude. Elegant hob das Äffchen beim Schlindern jeweils das eine Bein, um ein Jungtier, das vor ihm am Boden hockte, nicht zu gefährden; ebenso possierlich wie rücksichtsvoll glitt es an ihm vorüber. Das ganze Wesen dieses Tieres sprühte vor Glück. Äußerlich hatte man ihm alles genommen und vorenthalten. Nie in seinem Leben hatte es die Wipfel eines der Urwaldriesen seiner Heimat gesehen, niemals auch nur in einem richtigen Nest aus Lianen und Zweigen geschlafen, niemals hatte es die feuchtwarme Luft des Äquators geatmet; in seiner lebenslänglichen Haft mußte ihm alles wie fremd und wie ungeeignet erscheinen. Und doch hatte es sich seinen Spieltrieb und seine Freude bewahrt. Sein Leben lang war es gewohnt, bei allem, was es tat, von Hunderten fremder Augenpaare bestaunt und begafft zu werden; aber das schien ihm nichts auszumachen. Bei allem, was es tat, ruhte es in sich selbst. Dieses Affenkind unternahm nichts, um seinen Betrachtern zu gefallen. Es genoß ganz einfach den kurzen Augenblick seines zufälligen Glücks.

Die Treppen waren nicht geschrubbt worden, um sie zum Schlindern glitschig zu machen; in wenigen Minuten schon würden sie wieder trocken genug sein, um dem Spaß ein Ende zu setzen; doch bis dahin nutzte der junge Bonobo seine Chance. Hernach spielte er wieder mit seinen Geschwistern und Kameraden das übliche Fangen, Hüpfen und Purzelbaumschlagen, lauter Vergnügungen, die nichts weiter kosteten als die Lust am eigenen Körper und die Phantasie gemeinsamer Unterhaltung.

Uns Menschen, so sagt man, trennten von einem Schimpansen weniger als nur zwei Prozent des genetischen Codes; so nah stünden wir einander. «Das fehlende Glied zwischen Affe und Mensch – sind wir selbst.» Diesen Satz aus den Wiener Vorlesungen von KONRAD LORENZ hat BERNHARD GRZIMEK an die Wand des Primatenhauses seines Zoologischen Gartens schreiben lassen. Gewiß, wir sind noch immer unterwegs nach uns selbst. Wie aber sollen wir jemals zu wirklichen Menschen werden, wenn wir selbst unsere Kinder dem Schönsten entfremden, was die Natur uns geschenkt hat: der Gabe, das Leben spielend zu lernen und es in Freude zu Ende zu spielen, gleichgültig, wie viel auf dem Weg man uns nimmt?…“

Öffentlich-Rechtlicher Staatsfunk

Kürzlich wartete ich bei schönstem Frühlingswetter, auf meinem Gelderländer Grachtenrad sitzend, an der Kreuzung Neusser Straße/Wilhelmstraße darauf, dass es für die Fahrzeuge und deren „Führer“ (also auch für mich) grün werde. Diese Kreuzung ist eine verkehrspolitische Liebeserklärung an die Fußgänger, denn sie hat eine sogenannte Diagonalquerung. Kreuzungen wie diese sind gebaut worden in einem tiefen Respekt vor der Fortbewegungsweise des Homo Sapiens: Dem aufrechten Gang. Wenn die Fußgängerampel auf grün springt, müssen alle Fahrzeuge, aus welcher Richtung sie auch kommen und in welche Richtung sie auch wollen, anhalten – und alle Fußgänger dürfen die Kreuzung überqueren – geradeaus und diagonal.

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Kreuzung Neusser Straße/Wilhelmstraße in Nippes, 19.4.2020. Ich bin zu Fuß unterwegs. Ein typischer, öder Corona-Sonntag. Obwohl kein Auto fährt, bleiben Hund und ich, weil die Ampel rot zeigt, stehen.

Ende des 20. Jahrhunderts: „Rush-hour in Ginza, dem modernsten Einkaufsviertel Tokyos.“ Eine Kreuzung mit Diagonalquerung.

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Vermutlich ist diese Kreuzung achtmal so groß wie die in Köln-Nippes. In der Mittel knubbelt es sich, daher sprechen die Japaner auch von „Knäuel-Kreuzung“. Dramatisch ist das nicht. Zusammenstöße gibt es kaum. Die Menschen gehen langsam und nehmen Rücksicht, sie bewegen sich nicht angespannt, obwohl Rush-hour ist, sondern anmutig.  Das Überqueren der Kreuzung kann nur gelingen, wenn die Menschen nicht einen verordneten Abstand einhalten, sondern genau den Abstand zueinander finden, der an der jeweiligen Stelle der Überquerung vonnöten ist. 1,5 vorgeschriebene Meter würden zum Verkehrs-Kollaps führen. Fotografiert hat die Kreuzung vor gut 20 Jahren, also noch im Vor-Smartphone-Zeitalter, Eberhard Grames, ein Fotograf, der die Begabung hat, nicht nur abzubilden, sondern Momente einer Mannigfaltigkeit, die sich unter der Oberfläche verbirgt, einzufangen. Dieses Bild, von einem Hochhaus aus aufgenommen, ist ganz wunderbar geglückt. Je näher wir es angucken, desto mehr Geschichten erzählt es uns. Es rückt die Menschen, deren Gesichter verborgen bleiben, in den Mittelpunkt.                                                          Heutzutage wäre ein solches Foto kaum noch vorstellbar. In der beschleunigten Welt liegt deutlich mehr Aggressivität in der Luft, vermutlich auch an der Kreuzung in Ginza. Die Fotografen der Gegenwart sind nicht mehr unbefangen, sondern haben permanent die juristische Schere im Kopf, denn das GESETZ ist mittlerweile allgegenwärtig. Die Fotografen haben Angst, den Menschen zu nahe zu treten und verklagt zu werden, weil sie gegen das „Recht am eigenen Bild“ verstoßen. „Gem. § 22 Satz 1 KunstUrhG dürfen Abbildungen einer (erkennbaren) Person grundsätzlich nur dann verbreitet oder zur Schau gestellt werden, wenn deren Einwilligung vorliegt.“ dejure.org  Das Gesetz, das es (in mittlerweile überholten Fassungen) bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts gibt, hat gute Seiten, denn es schützt vor fotografischer Willkür, aber er hat auch zur Folge, dass die Bilder oberflächlich und austauschbar sind, dass die abgebildeten Menschen gesichtslos erscheinen und es kaum noch Bilder gibt, die vom Leben erzählen. Der Fotograf fühlt sich gezwungen, auf (Sicherheits-) Abstand zu gehen bzw. Gesichter, die identifizierbar sein könnten, zu verpixeln.                  Kein Foto, das später von der Kreuzung in Ginza gemacht wurde und das ich im Internet finde, kommt auch nur annähernd an das von Eberhard Grames heran. Das Foto ist abgedruckt in: Japan, Peter Göbel und Norbert Hormuth (Text), Eberhard Grames (Fotos), München 1998. Um sich das Bild (und andere) genau angucken zu können, braucht man das großformatige Buch. Es  ist längst vergriffen, aber mit etwas Glück bekommt man es gut erhalten antiquarisch.

Ich musste mich gedulden, denn die Ampelphase dauert relativ lang. Das ist heikel, denn der Radweg ist nur ein schmaler Streifen am Rand der Fahrbahn. Als ehemalige Mitradlerin und Mitorganisatorin der Critical Mass Nippes weiß ich, welche Aggressivität in den Blechkisten lauert. Autofahrer werden nervös, wenn sie warten müssen. Sie drehen durch, wenn die Fußgänger „Vorfahrt“ haben, gerade die langsam gehenden Menschen machen die Autofahrer kirre, ältere Menschen, Menschen mit Gehwagen, mit Kinderwagen, mit Einkaufstaschen.

Als die Ampel für die Fahrzeuge auf grün sprang, trat direkt neben mir ein Autofahrer wie entfesselt aufs Gaspedal. Die Kiste jaulte laut auf, ein schmuckes, schwarz glänzendes Cabrio zeigte sein fragwürdiges Auto-Kennzeichen: K – Co…. C und O sind der erste und der letzte Buchstabe von Cabrio, aber CO ist auch die erste Silbe von… Corona gibt brutalen Männern Aufwind, und das ist gefährlich.

In meinem Umfeld gibt es keine brutalen Männer, aber viele nachdenkliche, sensible Menschen, die sehr verunsichert sind. Zwei unserer Verwandten, mit denen wir Ostern zusammen gefeiert hätten, sind in den letzten Wochen psychisch schwer erkrankt und mussten in psychiatrische Behandlung (die durch Corona-Angst bedingten Erkrankungen sind als solche ärztlich dokumentiert!). Sie hatten Angstzustände und Panikattacken mit schwerer Atemnot, aber auch unkontrollierbare Aggressionen. Beide hatten furchtbare Angst, selber schwer erkrankt zu sein. Der jüngere Mensch ist ein warmherziger Mann von 22 Jahren, dem das Virus eigentlich nicht viel anhaben kann.

Beide hatten sehr viel ferngesehen. Wir machen den Fehler zu meinen, man könne vom öffentlich-rechtlichen, bürgerfinanzierten Fernsehen auch in der Krise eine bürgernahe, unabhängige Berichterstattung erwarten. Aber genau das ist ein Irrtum. Zur Zeit gibt sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen affirmativ und regierungskonform. Und man verhält sich so, wie man es den privaten Sendern immer unterstellt hat: Sensationslüstern und reißerisch. Um Sachlichkeit vorzugaukeln, werden zwar Sendungen für Kinder produziert, deren Ton gemäßigter ist, aber das ist fadenscheinig. https://www.zdf.de/nachrichten/digitales/kinder-fragen-corona-erklaeren-100.html Denn wir alle – auch die Kinder- bekommen permanent Bilder zu sehen, und zwar öffentlich-rechtlich, vor denen die Kinder sowie sensible und gefährdete Menschen unbedingt geschützt werden müssten, Horrorbilder wie aus Gruselfilmen, vermummte Gestalten, Särge, kalte Krankenhausflure, Beatmungsgeräte. Das ist nicht nur maßlos übertrieben und aufgeheizt, sondern äußerst fahrlässig. Und – um einen Ausdruck aus dem Ersten Weltkrieg zu benutzen-  es wirkt so zermürbend und zerstörerisch wie ein nie endendes Trommelfeuer.

In seinem Gastartikel „Angst frisst Demokratie“ in der Wochenzeitung Die Zeit schreibt der Journalist Jakob Augstein:  „Alle Mechanismen der modernen Medienhysterie werden hier wirksam! Und anstatt zu mäßigen, wirken Politik und Medien noch als Brandbeschleuniger.“

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Ich kenne niemanden, der nicht zumindest leichte psychosomatische Beschwerden hat. Viele Menschen haben wieder mit dem Rauchen angefangen. Ich trinke zu viel Rotwein und komme mit dem abendlichen Viertel nicht mehr hin. Dabei macht mich der Wein nicht heiter, sondern nur müde…  Ich fahre nicht gerne Tandem. Wenn man vorne fährt, hat man jemanden im Nacken. Hinten sitzend kann ich weder lenken noch bremsen. Ich muss darauf vertrauen, dass Vordermann oder Vorderfrau vernünftig fährt und rechtzeitig bremst. In der Demokratie muss es Volksvertreter geben. Aber ich muss mich auch darauf verlassen können, dass diese Volksvertreter sich vernünftig verhalten. Ich habe kein Vertrauen mehr in die Politik unserer Bundesregierung. Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, Herr Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, es reicht!

…. Das Tandem ist eines von dreien (das schönste). Es gehört zum „Fuhrpark“ des Vereins Nachbarn 60 und kann von allen Vereinsmitgliedern kostenlos ausgeliehen werden. (info@nachbarn60.de)

Fake News: Erzbischof Kardinal Woelki wäscht am Gründonnerstag Kölner Katholiken die Füße

Gründonnerstag 2020

Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Jahr 2019 in Nordrhein-Westfalen sprunghaft gestiegen. Insgesamt traten, so lese ich im Internet, 120.188 Menschen aus der Kirche aus. Es dürfte sich vor allem um Katholiken handeln, denn die meisten Christen in NRW sind Katholiken, und während noch in den 1990er Jahren deutlich mehr evangelische Christen aus der Kirche austraten, sind es heutzutage vermehrt Katholiken, die der Kirche deutschlandweit den Rücken zukehren.

In der Katholischen Kirche wundert man sich darüber, wo doch die Katholische Kirche derzeit kaum Negativ-Schlagzeilen macht. Seit dem Skandal um Tebartz van Elst sind einige Jahre vergangen. Vgl.: https://stellwerk60.com/2017/05/01/lange-nichts-gehoert-von/ Auch der noch größere Skandal, der sexuelle Missbrauch in der Katholischen Kirche, ist in den Medien kaum noch Thema. Nur keine schlafenden Hunde wecken, denken sich die Verantwortlichen in der Katholischen Kirche. Man schiebt den Skandal auf die lange Kirchenbank und versucht, ihn bürokratisch zu meistern. Hier in Köln hat man einen Betroffenen-Beirat eingerichtet, und für die Mitarbeiter der Kirche bietet man entsprechende Schulungen an.

Die Katholische Kirche wächst und wächst und wächst – allerdings nur materiell. Das Erzbistum Köln ist eine der reichsten Diözesen Deutschlands. Die Kirchensteuern sind hoch, und trotz der Kirchenaustritte wächst das Vermögen. Doch der Kirche gehen die Menschen abhanden. Wenn zur Zeit Predigten vor leeren Bänken stattfinden (die dann per TV übertragen werden), ist das nicht wirklich neu, denn die Messen werden vielerorts schon seit Jahren kaum noch besucht. Das gilt übrigens nicht für die Katholische, sondern auch für die Evangelische Kirche. https://www.evangelisch.de/inhalte/131523/08-02-2016/pfarrer-steht-am-sonntagmorgen-vor-leeren-baenken

Weil viele Menschen, die nicht mehr zur Kirche gehen, irgendwann ganz austreten, setzt die Katholische Kirche vermehrt auf Werbung. Denn die Kirchensteuern sind nach wie vor ihre Haupteinnahmequelle. Der Kölner Erzbischof Kardinal Woelki lässt keine Gelegenheit aus, Werbung für die Katholische Kirche zu machen, so sprang er höchst medienwirksam im Rahmen des traditionellen Treffens im Erzbischöflichen Haus für den an Grippe erkrankten Kölner Karnevalsprinzen Christian II. ein. Aber Woelki sprang nicht nur ein, sondern munter, wenn auch ein bisschen ungelenk mit, so beim Seniorenkarneval der Gemeinde St. Josef in Braunsfeld:  https://www.domradio.de/video/kardinal-woelki-als-prinz

Woelki ist ein eitler Mann, eine Mischung aus Hochwürden und Harry Potter. Mit seinen immer noch vollen, scheitelbaren Haaren gibt er eine gute Figur ab. Hübsch ist, wie die feinen Pony-Haare unter der Mitra hervorlugen. Wenn man sich vor die Kamera stellt, anstatt mit den Menschen zu reden, garantiert das nicht nur Virenfreiheit, sondern einen komfortablen Sicherheitsabstand.

Ich befürchte, Woelki hat die Bodenhaftung vollkommen verloren. In einem öffentlichen Brief an die „Schwestern und Brüder“ vom 19. März sagt er: „Selbst in Kriegszeiten sind die Gottesdienste nicht ausgefallen, doch nun haben wir uns nach sehr ernsthaften Diskussionen dazu entschlossen, die körperlichen Versammlungen von Christen auszusetzen.“

Wie kann man allen Ernstes, wenn man die Gottesdienste meint, von „körperlichen Versammlungen von Christen“ reden? Es gibt dünkelhafte Menschen, die können nicht mit anderen zusammen in einem Raum sein. Sie können es nicht ertragen, mit Fremden die Atemluft zu teilen. Vor allem dann nicht, wenn diese Menschen zu den Schichten gehören, die man heute mit einem sozialen Unwort als „bildungsfern“ bezeichnet. (vgl. „Liste der sozialen Unwörter“ http://www.armutsnetzwerk.de/netzwerk-2014/start/presse/339-liste-der-sozialen-unwoerter)

Woelki ist auf eine Weise lebensfern und abgehoben, die ich als unchristlich empfinde. „Selbst in Kriegszeiten sind die Gottesdienste nicht ausgefallen, doch nun…“ Woelkis Worte sind ein arroganter Schlag in den Nacken der Christen, die während des Zweiten Weltkriegs bis zuletzt darum gekämpft haben, in die Kirche gehen zu können und die Gottesdienste besuchen zu dürfen, darunter meine katholischen Großväter, der Bergmann Karl Wilczok und der Lateinlehrer Josef Verron. Diese Menschen haben selbst dann noch den Weg in die Kirche gefunden, als die Glocken schwiegen, weil sie längst abgerissen waren, da man ihr Material für die Herstellung weiterer Waffen brauchte. https://www.katholisch.de/artikel/18653-kirchenglocken-fuer-hitler Vor diesem Hintergrund ist die Geste der Katholischen und der Evangelischen Kirche, bis Gründonnerstag jeden Abend um 19.30h die gut gewarteten Kirchenglocken zu läuten, nicht nur nostalgisch-sentimental, sondern infam.

Dabei hätte die Katholische Kirche gerade jetzt die große Chance gehabt, neue Mitglieder zu gewinnen. Man hätte auf den Friedensgruß verzichten, aber die Messen stattfinden lassen können  – mit einem gewissen Sicherheits-Abstand. Man hätte nicht unbedingt Füße waschen müssen, aber über die schöne Geste der Fußwaschung miteinander reden können. Nähe suchen. Aber dann hätte man ja Kontakt zu den Menschen aufnehmen müssen. Nicht virtuell, sondern real. Unter den Talaren… Ja, Kardinal Woelki kommt allmählich ins Schwitzen. Bald wird er ein heikles Schriftstück vorlegen müssen: Den verschobenen Bericht zum Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln. Man bittet die Menschen, noch etwas Geduld zu haben. Wenn es zur Zeit keine Kirchenaustritte gibt, liegt es allein daran, dass die Ämter geschlossen sind. (Erhellendes zu Woelkis Werdegang und zur Doppelmoral der Katholischen Kirche fand ich in einem Artikel von Peter Hertel: http://www.imprimatur-trier.de/2011/imp110714.html )

Gestern Mittag ging ich auf der Neusser Straße einkaufen. Zu meiner Freude ist das „Marhaba“, ein orientalisches Imbissrestaurant, wieder geöffnet. Mit einem Shawarma-Sandwich in der rechten Hand, die Hundeleine in der linken, suche ich mir einen Sitzplatz. Mir steht der Sinn nach Biergarten. Meine Hände sind noch klebrig vom Desinfektionsmittel, das man mir bei „Alnatura“ in die offenen Hände gesprüht hat, nirgendwo kann ich mir die Hände waschen, aber das ist mir egal. Ich hab Hunger. Und bin so erleichtert, dass das „Marhaba“ nicht dichtgemacht hat.

Doch alle Bänke sind besetzt, vor meinem Lieblings-Café „Eichhörnchen“ stehen Tische, aber keine Stühle. Gegenüber vom „Eichhörnchen“ entdecke ich in einem Gärtchen einen Sitzplatz, Treppenstufen, die zu einem kleinen Haus hoch führen. Hier ist jetzt keiner, die Rollläden sind heruntergelassen.

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Ein schattiges kleines, ein bisschen verwahrlostes Gärtchen mit schief gewachsener Magnolie. Hier draußen am Fuße der Kirche hat mehr als zwanzig Jahre lang Konstantin von Eckardt gelebt, der „Maler von Nippes“. Nachdem er in seiner kleinen Blockhütte tot aufgefunden worden war, hatte man das Gelände geräumt. Wenig später begannen umfassende Renovierungsarbeiten. Das Dach und der Turm der Kirche St. Marien wurden saniert.  Das Außengelände ist immer noch Baustelle – bis auf das kleine Gärtchen. Zur Zeit könnte man hier Tische und Stühle aufstellen – mit Abstand natürlich.

Gerade als ich mich setzen will, kommt eine Frau angeradelt. Sie steigt ab, stellt sich als Mitarbeiterin der Kirche vor – und bleibt auf Abstand.

„Was wollen Sie hier?“ fragt die Frau. „Mich kurz auf die Treppenstufen setzen“, antworte ich. „Aber ich will nicht, dass Ihr Hund sich hier entleert“, sagte die Frau. „Das ist ein Grundstück der Kirche.“ Ich schlucke: „Aber alle Bänke an der Neusser Straße sind besetzt. Ich räume auch alles weg. Ich habe sogar AWB-Hundekottüten dabei. Die städtischen Beutelspender sind endlich wieder befüllt, nachdem die Stadt Köln das Befüllen über mehrere Wochen versäumt hat.“ Die Frau verschränkt die Arme und schüttelt den Kopf.

„Schade“, sage ich nach einer Weile. „Aber Sie kennen doch bestimmt den Kardinal Woelki.“ Ich ernte einen argwöhnischen Blick, aber rede weiter: „Am letzten Sonntag, da ist mir was aufgefallen. Die Kirchenglocken läuteten so schön und klar wie lange nicht mehr, gewiss war die restaurierte Glocke von St.Marien dabei. Das ist die Kirche, in deren kühlendem Schatten wir jetzt gerade stehen, aber das wissen Sie ja besser als ich. Zuletzt habe ich die Glocken so klar gehört, als ich ein Kommunionkind war. Da habe ich mich richtig eingeladen gefühlt, wie von Gott gerufen. War das schön! Als erwachsener Mensch glaube ich immer noch daran, dass es etwas gibt, das größer ist als wir, aber mit dem Menschenverstand nicht zu fassen. Dieses Göttliche findet man überall, aber gewiss nicht in der verknöcherten, autoritär strukturierten Katholischen Kirche. Und warum lässt die Kirche die Glocken erklingen? Die Kirchenglocken setzen die Menschen doch in die frohe Erwartung, mit anderen Menschen zusammen die Heilige Messe feiern zu können. Ich denke, diejenigen, die noch in die Kirche gehen, sind ältere Menschen, vornehmlich alte Frauen. Die hören die einladenden Glocken, aber man lässt sie nicht am Gottesdienst teilnehmen. Sagen Sie, glaubt Erzbischof Kardinal Woelki an Gott?“

Die Frau verzieht den Mund: „Woher soll isch dat denn wissen?“

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St. Marien in Nippes ist derzeit geschlossen. Man restauriert die Orgel, so lese ich. Dass die Arbeiten ausgerechnet in der Karwoche durchgeführt werden, befremdet mich sehr. Auch draußen vor der Kirchentür wird eifrig in die Zukunft der Katholischen Kirche investiert. So etwa beim Bau des neuen Pfarrheims Haus der Kirche (rechts im Bild). Nicht nur rundum St. Marien in Nippes, sondern insbesondere in der Kölner Innenstadt sind zahlreiche Immobilien im Besitz der Erzdiözese Köln. Aus dem Jahr 2015, aber nach wie vor aktuell:  https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kirche-erzbistum-koeln-legt-vermoegen-offen-a-1018989.html

Elfchen im Vierten: Staatlich gesteuertes Beileid

Wir alle kennen den Satz, der manchmal auf Traueranzeigen steht: „Von Beileidsbezeugungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen.“ Es ist eine Bitte um Diskretion, ein ausdrücklicher Wunsch der Angehörigen – um in Stille Abschied nehmen zu können.  Zur Zeit bestimmt der Staat, wie bestattet wird: Mit „Sicherheits“-Abstand. Was da angeblich zu unser aller Wohl und Sicherheit passiert, entpuppt sich als herzlos und inhuman: Trauergäste haben sich da, wo sie überhaupt noch zugelassen sind, namentlich in Kondolenzlisten einzutragen, Trauerfeiern in geschlossenen Räumen sind verboten, und der Leichenschmaus fällt, da alle Cafés, Kneipen und Restaurants geschlossen sind, ohnehin aus.

Von

Beileidsbekundungen am

Grab bitten wir

Abstand zu nehmen! Die

Friedhofsverwaltung

Aber es ist nicht nur so, dass die trauernden Menschen gegängelt und kontrolliert werden. Das Grausamste ist, dass Verstorbene, die mit dem Corona-Virus infiziert waren, dämonisiert werden. „Vermerkt ein Arzt auf dem Totenschein, dass ein Verstorbener mit dem Coronavirus infiziert war, sind zusätzliche Maßnahmen notwendig: Der Tote muss in eine spezielle Schutzhülle gepackt oder in mit Desinfektionsmitteln getränkte Tücher gewickelt in den Sarg gelegt werden. Corona-Tote bekommen zudem einen Mundschutz, der ebenfalls mit den Mitteln getränkt wurde.“ https://www.spiegel.de/politik/ausland/bestatter-in-der-corona-krise-gefaehrliche-leichen-a-ea171053-ae9a-48cd-8735-f0da47174eda

Doch was sagt das Robert-Koch-Institut? Geht von den an Covid-19 verstorbenen Menschen überhaupt eine tödliche Gefahr aus?

Das RKI schreibt: „Es existieren keine belastbaren Daten zur Kontagiösität von COVID-19 Verstorbenen. Aus diesem Grund muss bei einer COVID-19 Todesursache der Verstorbene als kontagiös angesehen werden.“ https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Verstorbene.html

Übersetzt heißt das: Niemand weiß, ob die an Covid-19 Verstorbenen überhaupt lebendige Menschen anstecken können. Daher wird davon ausgegangen, dass es so ist. Eine seltsame Logik. Dass die Infektionswege bei Corona denen der Grippe-Infektion gleichen, ist immerhin aufgefallen. So folgert das RKI: „Der allgemeine Umgang mit COVID-19-Verstorbenen entspricht daher dem Umgang mit an Influenza Verstorbenen…. Grundsätzlich müssen beim Umgang mit COVID-19 Verstorbenen die Maßnahmen der Basishygiene eingehalten werden.“

Soweit das Robert-Koch-Institut. Die Information stammt vom 24.3.2020 und ist offensichtlich immer noch gültig. Zumindest habe ich keine Aktualisierungen gefunden. Was dort zu lesen ist, ist eigentlich beruhigend. Selbst während der Grippewelle 2017/18 mit 25.000 Grippetoten musste kein Friedhof geschlossen werden. Aber, wie es scheint, sollen wir uns nicht beruhigen. Im Gegenteil: Wir sollen uns beunruhigen, wir sollen durchdrehen. Wir kriegen Nachrichten an den Latz geknallt, die kaum noch informieren, sondern verängstigen, verunsichern und verstören. Nachrichten, die mit unseren Ur-Ängsten spielen und die (in diesem Fall beruhigende) Wahrheit verschweigen: Fake news.  https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Virus-Opfer-bleiben-auch-nach-dem-Tod-ansteckend-article21693509.html, 4.4.2020

Beim Frühjahrsputz habe ich im Keller eine Kunststoff-Maske gefunden, die den Masken der Commedia dell’Arte nachempfunden ist. Sie spielt an auf die Berufskleidung der Pestärzte.  „Im 17. Jahrhundert trugen Ärzte in Italien und Frankreich erstmals eine spezielle Schutzkleidung mit einer grotesk anmutenden „Pestarztmaske”, die sie beim Krankenbesuch vor der Ansteckung schützen sollte.“ (Aus einem schönen Artikel von Prof. Dr. Marion Ruisinger: http://www.dmm-ingolstadt.de/aktuell/objektgeschichten/pestarztmaske.html )

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Penetrant im wahrsten Sinne des Wortes: Derzeit steckt der Staat seine immer länger werdende Nase in alle Angelegenheiten der Bürgerinnen und Bürger.