Fake News: Erzbischof Kardinal Woelki wäscht am Gründonnerstag Kölner Katholiken die Füße

Gründonnerstag 2020

Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Jahr 2019 in Nordrhein-Westfalen sprunghaft gestiegen. Insgesamt traten, so lese ich im Internet, 120.188 Menschen aus der Kirche aus. Es dürfte sich vor allem um Katholiken handeln, denn die meisten Christen in NRW sind Katholiken, und während noch in den 1990er Jahren deutlich mehr evangelische Christen aus der Kirche austraten, sind es heutzutage vermehrt Katholiken, die der Kirche deutschlandweit den Rücken zukehren.

In der Katholischen Kirche wundert man sich darüber, wo doch die Katholische Kirche derzeit kaum Negativ-Schlagzeilen macht. Seit dem Skandal um Tebartz van Elst sind einige Jahre vergangen. Vgl.: https://stellwerk60.com/2017/05/01/lange-nichts-gehoert-von/ Auch der noch größere Skandal, der sexuelle Missbrauch in der Katholischen Kirche, ist in den Medien kaum noch Thema. Nur keine schlafenden Hunde wecken, denken sich die Verantwortlichen in der Katholischen Kirche. Man schiebt den Skandal auf die lange Kirchenbank und versucht, ihn bürokratisch zu meistern. Hier in Köln hat man einen Betroffenen-Beirat eingerichtet, und für die Mitarbeiter der Kirche bietet man entsprechende Schulungen an.

Die Katholische Kirche wächst und wächst und wächst – allerdings nur materiell. Das Erzbistum Köln ist eine der reichsten Diözesen Deutschlands. Die Kirchensteuern sind hoch, und trotz der Kirchenaustritte wächst das Vermögen. Doch der Kirche gehen die Menschen abhanden. Wenn zur Zeit Predigten vor leeren Bänken stattfinden (die dann per TV übertragen werden), ist das nicht wirklich neu, denn die Messen werden vielerorts schon seit Jahren kaum noch besucht. Das gilt übrigens nicht für die Katholische, sondern auch für die Evangelische Kirche. https://www.evangelisch.de/inhalte/131523/08-02-2016/pfarrer-steht-am-sonntagmorgen-vor-leeren-baenken

Weil viele Menschen, die nicht mehr zur Kirche gehen, irgendwann ganz austreten, setzt die Katholische Kirche vermehrt auf Werbung. Denn die Kirchensteuern sind nach wie vor ihre Haupteinnahmequelle. Der Kölner Erzbischof Kardinal Woelki lässt keine Gelegenheit aus, Werbung für die Katholische Kirche zu machen, so sprang er höchst medienwirksam im Rahmen des traditionellen Treffens im Erzbischöflichen Haus für den an Grippe erkrankten Kölner Karnevalsprinzen Christian II. ein. Aber Woelki sprang nicht nur ein, sondern munter, wenn auch ein bisschen ungelenk mit, so beim Seniorenkarneval der Gemeinde St. Josef in Braunsfeld:  https://www.domradio.de/video/kardinal-woelki-als-prinz

Woelki ist ein eitler Mann, eine Mischung aus Hochwürden und Harry Potter. Mit seinen immer noch vollen, scheitelbaren Haaren gibt er eine gute Figur ab. Hübsch ist, wie die feinen Pony-Haare unter der Mitra hervorlugen. Wenn man sich vor die Kamera stellt, anstatt mit den Menschen zu reden, garantiert das nicht nur Virenfreiheit, sondern einen komfortablen Sicherheitsabstand.

Ich befürchte, Woelki hat die Bodenhaftung vollkommen verloren. In einem öffentlichen Brief an die „Schwestern und Brüder“ vom 19. März sagt er: „Selbst in Kriegszeiten sind die Gottesdienste nicht ausgefallen, doch nun haben wir uns nach sehr ernsthaften Diskussionen dazu entschlossen, die körperlichen Versammlungen von Christen auszusetzen.“

Wie kann man allen Ernstes, wenn man die Gottesdienste meint, von „körperlichen Versammlungen von Christen“ reden? Es gibt dünkelhafte Menschen, die können nicht mit anderen zusammen in einem Raum sein. Sie können es nicht ertragen, mit Fremden die Atemluft zu teilen. Vor allem dann nicht, wenn diese Menschen zu den Schichten gehören, die man heute mit einem sozialen Unwort als „bildungsfern“ bezeichnet. (vgl. „Liste der sozialen Unwörter“ http://www.armutsnetzwerk.de/netzwerk-2014/start/presse/339-liste-der-sozialen-unwoerter)

Woelki ist auf eine Weise lebensfern und abgehoben, die ich als unchristlich empfinde. „Selbst in Kriegszeiten sind die Gottesdienste nicht ausgefallen, doch nun…“ Woelkis Worte sind ein arroganter Schlag in den Nacken der Christen, die während des Zweiten Weltkriegs bis zuletzt darum gekämpft haben, in die Kirche gehen zu können und die Gottesdienste besuchen zu dürfen, darunter meine katholischen Großväter, der Bergmann Karl Wilczok und der Lateinlehrer Josef Verron. Diese Menschen haben selbst dann noch den Weg in die Kirche gefunden, als die Glocken schwiegen, weil sie längst abgerissen waren, da man ihr Material für die Herstellung weiterer Waffen brauchte. https://www.katholisch.de/artikel/18653-kirchenglocken-fuer-hitler Vor diesem Hintergrund ist die Geste der Katholischen und der Evangelischen Kirche, bis Gründonnerstag jeden Abend um 19.30h die gut gewarteten Kirchenglocken zu läuten, nicht nur nostalgisch-sentimental, sondern infam.

Dabei hätte die Katholische Kirche gerade jetzt die große Chance gehabt, neue Mitglieder zu gewinnen. Man hätte auf den Friedensgruß verzichten, aber die Messen stattfinden lassen können  – mit einem gewissen Sicherheits-Abstand. Man hätte nicht unbedingt Füße waschen müssen, aber über die schöne Geste der Fußwaschung miteinander reden können. Nähe suchen. Aber dann hätte man ja Kontakt zu den Menschen aufnehmen müssen. Nicht virtuell, sondern real. Unter den Talaren… Ja, Kardinal Woelki kommt allmählich ins Schwitzen. Bald wird er ein heikles Schriftstück vorlegen müssen: Den verschobenen Bericht zum Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln. Man bittet die Menschen, noch etwas Geduld zu haben. Wenn es zur Zeit keine Kirchenaustritte gibt, liegt es allein daran, dass die Ämter geschlossen sind. (Erhellendes zu Woelkis Werdegang und zur Doppelmoral der Katholischen Kirche fand ich in einem Artikel von Peter Hertel: http://www.imprimatur-trier.de/2011/imp110714.html )

Gestern Mittag ging ich auf der Neusser Straße einkaufen. Zu meiner Freude ist das „Marhaba“, ein orientalisches Imbissrestaurant, wieder geöffnet. Mit einem Shawarma-Sandwich in der rechten Hand, die Hundeleine in der linken, suche ich mir einen Sitzplatz. Mir steht der Sinn nach Biergarten. Meine Hände sind noch klebrig vom Desinfektionsmittel, das man mir bei „Alnatura“ in die offenen Hände gesprüht hat, nirgendwo kann ich mir die Hände waschen, aber das ist mir egal. Ich hab Hunger. Und bin so erleichtert, dass das „Marhaba“ nicht dichtgemacht hat.

Doch alle Bänke sind besetzt, vor meinem Lieblings-Café „Eichhörnchen“ stehen Tische, aber keine Stühle. Gegenüber vom „Eichhörnchen“ entdecke ich in einem Gärtchen einen Sitzplatz, Treppenstufen, die zu einem kleinen Haus hoch führen. Hier ist jetzt keiner, die Rollläden sind heruntergelassen.

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Ein schattiges kleines, ein bisschen verwahrlostes Gärtchen mit schief gewachsener Magnolie. Hier draußen am Fuße der Kirche hat mehr als zwanzig Jahre lang Konstantin von Eckardt gelebt, der „Maler von Nippes“. Nachdem er in seiner kleinen Blockhütte tot aufgefunden worden war, hatte man das Gelände geräumt. Wenig später begannen umfassende Renovierungsarbeiten. Das Dach und der Turm der Kirche St. Marien wurden saniert.  Das Außengelände ist immer noch Baustelle – bis auf das kleine Gärtchen. Zur Zeit könnte man hier Tische und Stühle aufstellen – mit Abstand natürlich.

Gerade als ich mich setzen will, kommt eine Frau angeradelt. Sie steigt ab, stellt sich als Mitarbeiterin der Kirche vor – und bleibt auf Abstand.

„Was wollen Sie hier?“ fragt die Frau. „Mich kurz auf die Treppenstufen setzen“, antworte ich. „Aber ich will nicht, dass Ihr Hund sich hier entleert“, sagte die Frau. „Das ist ein Grundstück der Kirche.“ Ich schlucke: „Aber alle Bänke an der Neusser Straße sind besetzt. Ich räume auch alles weg. Ich habe sogar AWB-Hundekottüten dabei. Die städtischen Beutelspender sind endlich wieder befüllt, nachdem die Stadt Köln das Befüllen über mehrere Wochen versäumt hat.“ Die Frau verschränkt die Arme und schüttelt den Kopf.

„Schade“, sage ich nach einer Weile. „Aber Sie kennen doch bestimmt den Kardinal Woelki.“ Ich ernte einen argwöhnischen Blick, aber rede weiter: „Am letzten Sonntag, da ist mir was aufgefallen. Die Kirchenglocken läuteten so schön und klar wie lange nicht mehr, gewiss war die restaurierte Glocke von St.Marien dabei. Das ist die Kirche, in deren kühlendem Schatten wir jetzt gerade stehen, aber das wissen Sie ja besser als ich. Zuletzt habe ich die Glocken so klar gehört, als ich ein Kommunionkind war. Da habe ich mich richtig eingeladen gefühlt, wie von Gott gerufen. War das schön! Als erwachsener Mensch glaube ich immer noch daran, dass es etwas gibt, das größer ist als wir, aber mit dem Menschenverstand nicht zu fassen. Dieses Göttliche findet man überall, aber gewiss nicht in der verknöcherten, autoritär strukturierten Katholischen Kirche. Und warum lässt die Kirche die Glocken erklingen? Die Kirchenglocken setzen die Menschen doch in die frohe Erwartung, mit anderen Menschen zusammen die Heilige Messe feiern zu können. Ich denke, diejenigen, die noch in die Kirche gehen, sind ältere Menschen, vornehmlich alte Frauen. Die hören die einladenden Glocken, aber man lässt sie nicht am Gottesdienst teilnehmen. Sagen Sie, glaubt Erzbischof Kardinal Woelki an Gott?“

Die Frau verzieht den Mund: „Woher soll isch dat denn wissen?“

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St. Marien in Nippes ist derzeit geschlossen. Man restauriert die Orgel, so lese ich. Dass die Arbeiten ausgerechnet in der Karwoche durchgeführt werden, befremdet mich sehr. Auch draußen vor der Kirchentür wird eifrig in die Zukunft der Katholischen Kirche investiert. So etwa beim Bau des neuen Pfarrheims Haus der Kirche (rechts im Bild). Nicht nur rundum St. Marien in Nippes, sondern insbesondere in der Kölner Innenstadt sind zahlreiche Immobilien im Besitz der Erzdiözese Köln. Aus dem Jahr 2015, aber nach wie vor aktuell:  https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kirche-erzbistum-koeln-legt-vermoegen-offen-a-1018989.html

Elfchen im Vierten: Staatlich gesteuertes Beileid

Wir alle kennen den Satz, der manchmal auf Traueranzeigen steht: „Von Beileidsbezeugungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen.“ Es ist eine Bitte um Diskretion, ein ausdrücklicher Wunsch der Angehörigen – um in Stille Abschied nehmen zu können.  Zur Zeit bestimmt der Staat, wie bestattet wird: Mit „Sicherheits“-Abstand. Was da angeblich zu unser aller Wohl und Sicherheit passiert, entpuppt sich als herzlos und inhuman: Trauergäste haben sich da, wo sie überhaupt noch zugelassen sind, namentlich in Kondolenzlisten einzutragen, Trauerfeiern in geschlossenen Räumen sind verboten, und der Leichenschmaus fällt, da alle Cafés, Kneipen und Restaurants geschlossen sind, ohnehin aus.

Von

Beileidsbekundungen am

Grab bitten wir

Abstand zu nehmen! Die

Friedhofsverwaltung

Aber es ist nicht nur so, dass die trauernden Menschen gegängelt und kontrolliert werden. Das Grausamste ist, dass Verstorbene, die mit dem Corona-Virus infiziert waren, dämonisiert werden. „Vermerkt ein Arzt auf dem Totenschein, dass ein Verstorbener mit dem Coronavirus infiziert war, sind zusätzliche Maßnahmen notwendig: Der Tote muss in eine spezielle Schutzhülle gepackt oder in mit Desinfektionsmitteln getränkte Tücher gewickelt in den Sarg gelegt werden. Corona-Tote bekommen zudem einen Mundschutz, der ebenfalls mit den Mitteln getränkt wurde.“ https://www.spiegel.de/politik/ausland/bestatter-in-der-corona-krise-gefaehrliche-leichen-a-ea171053-ae9a-48cd-8735-f0da47174eda

Doch was sagt das Robert-Koch-Institut? Geht von den an Covid-19 verstorbenen Menschen überhaupt eine tödliche Gefahr aus?

Das RKI schreibt: „Es existieren keine belastbaren Daten zur Kontagiösität von COVID-19 Verstorbenen. Aus diesem Grund muss bei einer COVID-19 Todesursache der Verstorbene als kontagiös angesehen werden.“ https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Verstorbene.html

Übersetzt heißt das: Niemand weiß, ob die an Covid-19 Verstorbenen überhaupt lebendige Menschen anstecken können. Daher wird davon ausgegangen, dass es so ist. Eine seltsame Logik. Dass die Infektionswege bei Corona denen der Grippe-Infektion gleichen, ist immerhin aufgefallen. So folgert das RKI: „Der allgemeine Umgang mit COVID-19-Verstorbenen entspricht daher dem Umgang mit an Influenza Verstorbenen…. Grundsätzlich müssen beim Umgang mit COVID-19 Verstorbenen die Maßnahmen der Basishygiene eingehalten werden.“

Soweit das Robert-Koch-Institut. Die Information stammt vom 24.3.2020 und ist offensichtlich immer noch gültig. Zumindest habe ich keine Aktualisierungen gefunden. Was dort zu lesen ist, ist eigentlich beruhigend. Selbst während der Grippewelle 2017/18 mit 25.000 Grippetoten musste kein Friedhof geschlossen werden. Aber, wie es scheint, sollen wir uns nicht beruhigen. Im Gegenteil: Wir sollen uns beunruhigen, wir sollen durchdrehen. Wir kriegen Nachrichten an den Latz geknallt, die kaum noch informieren, sondern verängstigen, verunsichern und verstören. Nachrichten, die mit unseren Ur-Ängsten spielen und die (in diesem Fall beruhigende) Wahrheit verschweigen: Fake news.  https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Virus-Opfer-bleiben-auch-nach-dem-Tod-ansteckend-article21693509.html, 4.4.2020

Beim Frühjahrsputz habe ich im Keller eine Kunststoff-Maske gefunden, die den Masken der Commedia dell’Arte nachempfunden ist. Sie spielt an auf die Berufskleidung der Pestärzte.  „Im 17. Jahrhundert trugen Ärzte in Italien und Frankreich erstmals eine spezielle Schutzkleidung mit einer grotesk anmutenden „Pestarztmaske”, die sie beim Krankenbesuch vor der Ansteckung schützen sollte.“ (Aus einem schönen Artikel von Prof. Dr. Marion Ruisinger: http://www.dmm-ingolstadt.de/aktuell/objektgeschichten/pestarztmaske.html )

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Penetrant im wahrsten Sinne des Wortes: Derzeit steckt der Staat seine immer länger werdende Nase in alle Angelegenheiten der Bürgerinnen und Bürger.

Staatlich kontrolliertes Sterben

Ein  Mensch, den ich zur Zeit sehr vermisse, weil man mit ihm so gut lachen konnte, ist mein Schwager Ernst, der Mann meiner Schwester Dorothee. Ernst ist im Mai letzten Jahres im Alter von knapp 73 Jahren an den Folgen einer unheilbaren, angeborenen Krankheit gestorben.

Kurz zuvor war Ernst als „austherapiert“ aus dem Krankenhaus entlassen worden. Er hätte sich einer Herz-OP unterziehen sollen, war aber schon zu geschwächt. Ernst und Dorothee haben sich dann ein Hospiz angeguckt. Es gab einen Besichtigungstermin mit  „Vorstellungsgespräch“.

„Wie stellen Sie sich Ihren Aufenthalt vor?“, wurde Ernst gefragt. Ernst, der so schwach war, dass er kaum noch sprechen konnte, hatte seinen Galgenhumor behalten und sagte: „Es wäre schön, wenn Sie mich ein bisschen aufpäppeln könnten.“

„Dann sind Sie bei uns nicht richtig“, kam die Antwort. „Hier wird gestorben.“

Meine Schwester hat daraufhin das wohl einzig Richtige gemacht. Sie ist mit Ernst zusammen nach Hause gefahren und hat sich um ein Pflegebett gekümmert, das auch sofort gebracht wurde. Das Bett wurde vor das Terrassenfenster gestellt, so dass Ernst nach draußen in den Garten des Hauses gucken konnte, das schon sein Elternhaus war. Die beiden Kinder bekamen Sonderurlaub, die Schwester reiste aus Kalifornien an…

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Vor dem Hospiz St.Marien in Nippes. Für Besuche gibt es derzeit strenge Auflagen. Pro Tag und pro Gast darf nur ein Besucher kommen. Dass ein Mensch „im Kreise seiner Familie“ stirbt, ist hier zur Zeit streng untersagt. Vom kleinen Violinen-Duett war  ich unangenehm berührt. Dass sterbende Menschen, die sich nach ihren Liebsten sehnen, mit Geigenmusik  abgespeist werden, finde ich brutal.

 

Überall frisches Obst und Gemüse – das gibt es laut Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nicht im Ernst-, sondern nur im Normalfall!

Viele sind verwundert, dass das, was wir erleben, eine Katastrophe sein soll. Wie kann denn, wo wir doch eine Seuche erleben, weiterhin frisches Obst und Gemüse unverpackt verkauft werden? Warum wird der Sperrmüll, der sich zur Zeit überall vor den Häusern ansammelt, nicht vor Ort verbrannt, und warum tragen die Müllmänner keine Schutzkleidung?

Die Antwort: Weil wir eine zwar ziemlich ansteckende, aber eher ungefährliche Krankheit erleben. Corona ist nicht die Pest. Die Symptome, die Corona verursacht, sind die uns allen bekannten Grippesymptome. Wie die staatlichen Maßnahmen im tatsächlichen Katastrophenfall aussähen, wissen wir nicht, das ist geheim.

Nicht geheim, sondern öffentlich sind andere Informationen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe beschreibt in KatastrophenAlarm – Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen den Normalfall. Der Text klingt wie eine Gebrauchsanleitung für „Krisenmanager“. Die hier beschriebene Grundversorgung ist genau die, die von der Bundesregierung zur Zeit gewährleistet wird.

„… Im Normalfall gibt es alle wichtigen Verbrauchsgüter im Geschäft um die Ecke. Frische Ware ist in der Regel immer da. Auch Medikamente sind in der Apotheke verfügbar oder schnell besorgbar. Trinkwasser kommt selbstverständlich aus dem Wasserhahn, so wie Strom aus der Steckdose. Aber das kann durch Katastrophen beeinträchtigt werden oder ausfallen….“ 
Kommt mir irgendwie bekannt vor…

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Taler, Taler, du musst wandern, von der einen Hand zur andern… (Deutsches Kinderlied)  Die Corona-Empfehlung an die Kunden, nur noch per Karte zu bezahlen, wurde nach wenigen Tagen aufgehoben.

Ich musste 61 Jahre alt werden, um zu erleben, wie sich Stubenarrest anfühlt

Ich hatte als Kind nie Stubenarrest. Meine Eltern hätten sich vor uns Kindern geschämt, wenn sie uns Stubenarrest erteilt hätten. Sie waren überhaupt nicht autoritär.

Andere Eltern waren autoritär. Ihre Kinder bekamen Stubenarrest, obwohl es keinen Grund gab. Der Stubenarrest war eine reine Machtdemonstration. Einmal habe ich einen Stubenarrest miterlebt. Wir waren eine Handvoll Kinder, sechs oder sieben Jahre alt, und wollten ein Mädchen zum Spielen abholen. Babette, so hieß das Mädchen, durfte nicht nach draußen. Wir waren „kein guter Umgang“. Die Wohnung lag im Erdgeschoss. Immerhin durfte Babette das Fenster öffnen und mit uns reden, aber sie hätte sich niemals getraut, aus dem Fenster zu klettern. Peter, der selber eine strenge Mutter hatte, hatte die rettende Idee: Wenn Babette schon nicht nach draußen durfte, brachten wir das Draußen zu ihr.

Der Weg, der zum Garten führte, war mit roten Kieselsteinen bestreut. Wir gaben den Steinchen eine neue Funktion, sammelten sie ein und warfen sie durchs Fenster. Immer mehr… In meiner Erinnerung ist das Zimmer mit Steinchen überschwemmt. Babette jubelt, sie watet singend durchs Steinchenmeer…

Irgendwann kam die Mutter ins Zimmer und knallte das Fenster zu. Doch dadurch hatte sie sich selber eingesperrt, stand sprachlos hinter der Scheibe und verstand die Welt nicht mehr.

Ich hoffe, es wird dem Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, CSU, einmal ähnlich ergehen. Entsetzt war ich, diese Drohung zu lesen: „Wenn sich viele Menschen nicht freiwillig beschränken, dann bleibt am Ende nur die bayernweite Ausgangssperre als einziges Instrumentarium, um darauf zu reagieren. Das muss jedem klar sein.“ Markus Söder kostet seine neue Macht aus, setzt die Bürger ins Unrecht und sich selber ins Recht. Das ist anmaßend und autoritär. Bayern hat am 20.3.2020 als erstes Bundesland „Ausgangsbeschränkungen“ verhängt, und alle anderen Länder sind Bayern gefolgt. Es ist zum Weinen und zum Lachen: Mit 61 Jahren habe ich zum ersten Mal im Leben Stubenarrest.

Heribert Prantl, Jurist, Journalist und Autor, langjähriger Leiter des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, nennt in einer Video- Kolumne die Ausgangsbeschränkungen „den größten Grundrechtseingriff, der den Bürgerinnen und Bürgern in Bayern seit dem Zweiten Weltkrieg widerfahren ist.“ https://www.sueddeutsche.de/politik/soeder-bayern-ausgangsbeschraenkung-1.4853207

Im Jahr 1949, als das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland erlassen wurde, wurde mein Vater Ernst Wilczok, SPD, im Alter von 27 Jahren (ehrenamtlicher) Oberbürgermeister der Ruhrgebiets-Stadt Bottrop. Er blieb es (ehrenamtlich) 34 Jahre lang -mit zwei Unterbrechungen- bis zu seinem Tod im Jahr 1988. Niemals hätte er sich angemaßt, sich in das Leben der Bürgerinnen und Bürger einzumischen oder sie zu erziehen.

Herr Markus Söder, Sie verstoßen gegen Artikel 1 unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Herr Söder, ich schäme mich für Sie – vor meinem vor 32 Jahren verstorbenen Vater.

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In ihrem Newsletter demonstriert die Stadt Köln, wie gut sie eine Katastrophe (die in diesem Fall keine ist) verwalten kann. Die Coronoia unserer Politik zerstört die Betriebe, die eine Stadt erst lebendig machen, wie etwa Kneipen, Cafés und Buchläden, führt aber nicht zur dringend notwendigen Entschlackung der Bürokratie.

Zweites Corona-Elfchen: Coronoia… War es nicht fahrlässig von Angela Merkel, sich in Erwartung des Höhepunkts der Krise noch gegen Pneumokokken impfen zu lassen?

Angela Merkel ist nicht Corona-positiv. Das hat ein Test ergeben. Den Test hat Frau Merkel gemacht, als sie hörte, dass ihr Hausarzt mit dem Virus infiziert sei. Bei eben jenem Arzt hatte sie sich kürzlich gegen Pneumokokken impfen lassen. Pneumokokken sind Bakterien, die schwere Krankheiten wie etwa eine Lungenentzündung hervorrufen können. Die Pneumokokkenimpfung wird zur Zeit insbesondere älteren Menschen empfohlen, um sie gegen die „gefürchtete“ Doppelinfektion Corona/Pneumokokken zu schützen. Mit 65 Jahren gehört Angela Merkel zu dieser Personengruppe.

Ich persönlich halte die Empfehlung für fahrlässig, denn die Impfung hat schwere Nebenwirkungen. Im Internet lese ich, dass „in den ersten drei Tagen nach der Impfung Allgemeinsymptome wie beispielsweise Fieber, Schläfrigkeit, unruhiger Schlaf oder Magen-Darm-Beschwerden (z. B. weniger Hunger oder Durchfall) auftreten“. Ich selber habe angesichts der staatlichen Zwangsmaßnahmen psychosomatische Symptome, die den Allgemeinsymptomen nach der Impfung ähneln: Ich habe weniger Hunger, habe Durchfall und schlafe unruhig. Ich weiß, es geht vielen Menschen ganz ähnlich. 

Gerade jetzt, wo man den Höhepunkt der Krise noch erwartet, dürften sich die Menschen nicht mehr impfen lassen, denn die ernstzunehmenden Nebenwirkungen der Impfung machen die Menschen möglicherweise besonders anfällig für eine Infektion mit dem Corona-Virus. Eine Impfung gegen Pneumokokken, so sagt mir der gesunde, ungeimpfte Menschenverstand, wäre allenfalls dann sinnvoll, wenn sie mehrere Wochen vor dem Höhepunkt der Grippesaison verabreicht würde.

Angela Merkel ist in der DDR aufgewachsen und mit staatlichen Zwangsmaßnahmen vertraut. In der DDR wurden die Menschen zwangsgeimpft, auch die Erwachsenen. Sie mussten gute Gründe finden, um „nein“ zu sagen. Die Menschen, die in der Bundesrepublik Deutschland leben, sind gegen den staatlichen Zugriff auf Leib und Leben geschützt. Hier gilt eine Impfung als Körperverletzung. Wir können selber darüber entscheiden, ob wir uns oder unsere Kinder impfen lassen. Und das ist gut so.

„Schutzimpfungen sind in Deutschland grundsätzlich freiwillig. Impfungen stellen einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit im Sinne des Artikels 2 Grundgesetz dar, zu dem der Geimpfte bzw. seine Erziehungs- oder Sorgeberechtigten vorher die Zustimmung erteilen müssen.

Quelle: Schreiben des Bundesfamilienministeriums vom 18. März 2005 an EFI-Dresden  (https://www.impfkritik.de/koerperverletzung/)

Ende letzten Jahres schrieb ich an dieser Stelle: „Richtig dramatisch wird es, wenn eine „neue“ Krankheit auftaucht. Während der Schweinegrippen-Krise 2009 sind die Gesundheitsorganisationen weltweit in Panik geraten. Auch die deutsche Gesundheitspolitik hat damals die Besinnung verloren. Trotz vielfacher Warnungen wurden gigantische Mengen des ungeprüften Impfstoffes Pandemrix geordert. „Die Bundesländer hatten 34 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix vom Pharmakonzern Glaxosmithkline abgenommen und dafür circa 280 Millionen Euro bezahlt. Am Ende ließen sich während der bis dato größten Impfaktion aber erheblich weniger Menschen immunisieren als angenommen.“ https://www.aerzteblatt.de/archiv/115575/Schweinegrippe-Uebrig-gebliebene-Impfdosen-werden-vernichtet

Die Impfung wurde bundesweit empfohlen, aber von den Bürgern kaum angenommen. Gott sei Dank, denn die Impfung hatte und hat erhebliche Nebenwirkungen. Bis heute sind alleine in Deutschland mehr als hundert meist junge Menschen an Narkolepsie erkrankt (viele von ihnen erst nach Jahren!). Die Pandemie ist jedoch ausgeblieben, Pandemrix-Dosen im Wert von 20 Millionen Euro mussten vernichtet werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben damals eine unrühmliche Rolle gespielt, indem sie in Sondersendungen für die Impfung geworben haben. Was, muss man sich fragen, wird bei einer „echten“ Pandemie passieren? https://stellwerk60.com/2019/10/19/der-ideale-patient-pladoyer-fur-die-abschaffung-des-prapkurses/

Eine Epidemie aufgrund eines unerforschten Erregers ist oft schon vorbei, bevor ein verlässlicher Impfstoff entwickelt ist. Oder sie ist weniger dramatisch, als man uns vormacht. Den sogenannten Experten, die das Gegenteil behaupten, können und dürfen wir nicht vertrauen.

Vor allem alte Menschen sind der ärztlichen Willkür schutzlos ausgeliefert. So hörte ich gestern von einer Zwangsmaßnahme in einem Seniorenheim. Mit dem schlichten Satz „Wir tun euch was Gutes“ kamen Mitarbeiter eines mobilen Teams zu den alten Menschen, um sie gegen Pneumokokken zu impfen. Niemand hat sich gegen die Impfung gewehrt, alle haben der Maßnahme zugestimmt. Die alten Menschen waren froh, überhaupt Zuwendung zu erfahren. Ich musste an das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ denken: „… So klopfte jemand an die Hausthür und rief: Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von Euch etwas mitgebracht…“

In

Traurigen Zeiten

Trägt der Böse

Wolf einen weißen Kittel

Coronoia*

Die treffende Wort-Neuschöpfung  „Coronia“ fand ich heute Nacht auf der klugen Internetseite des Münchener Kinderarztes Dr. Steffen Rabe: https://www.impf-info.de/82-coronoia/314-coronoia.html

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Plakataktion zur Weihnachtszeit, 2019: Wir werden auch immer schön in Funkkontakt bleiben. „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt? Wer hat so viel Pinke-pinke, wer hat so viel Geld? “  (Kölnisches Karnevalslied, Jupp Schmitz 1949)

In der Grippesaison 2017/18 hat es alleine in Deutschland 25.000 Todesopfer gegeben – und es hat niemanden interessiert

Ein Gastbeitrag von Hans Manfred Schmidt

26. März 2020. Wir sitzen am Küchentisch und unterhalten uns über diese eigentümliche Stimmung der Corona-Depression, die uns alle erfasst hat. Wie seit Tagen ist der Himmel blau, kein Wölkchen ist zu sehen und der Frühling lädt uns zu Spaziergängen ein. Doch niemandem ist danach. Wie eine klebrige Trauer liegt die am Sonntag bundesweit verordnete Kontaktsperre und eine verhuschte Stille über allem.

Spielplätze sind dichtgemacht wie seinerzeit – die Älteren erinnern sich – im April 1986 nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl. Eine absurde Spirale der Self-fulfilling-prophecy sperrt uns alle ein. Alle dürfen nur noch einkaufen oder arbeiten gehen. Totale Kontaktsperre. Wenn zwei sich treffen, dürfen sie keinen Dritten in ihre Nähe lassen. Die verantwortlichen Politiker gefallen sich in der Pose, endlich von Staats wegen das Volk an der kurzen Leine zu führen. Es ist erschreckend, wie schnell und bereitwillig plötzlich alle zu Unteroffizieren werden. Endlich können wir auch so etwas wie einen Krieg miterleben. Lange erstrittene demokratische Grundrechte werden kurzerhand außer Kraft gesetzt. Für wie lange – das ist die Frage? Wir alle sind aufgewühlt und hilflos – was sollen wir tun? Ist Panik angebracht?

Schauen wir uns die Zahlen an: Die Ausbreitung des Virus scheint sich hierzulande leicht zu verlangsamen. Insgesamt sind in Deutschland noch immer weniger als 200 Menschen (Stand: 26.3.) an der durch das Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19 gestorben. Durchschnittsalter: 82 Jahre. Das alles spricht eher für eine relativ harmlose Spielart des Virus. Alle haben sich an die jährlichen Grippewellen gewöhnt, bei denen wir hierzulande Jahr für Jahr Tausende Influenza-Tote beklagen, ohne dass das jemanden groß aufregt.

Nichts deutet bislang darauf hin, dass die Lage nun gefährlicher ist als in den Jahren zuvor. Und doch hat sich eine gefährliche Eigendynamik der Maßnahmen entwickelt, die nun nicht mehr überdacht wird. Kritiker wie der Lungenfacharzt Wolfgang Wodarg (https://www.wodarg.com/vorträge/ ) werden schnell mundtot gemacht. Besonders die Wissenschaftsjournalisten der mutmaßlich seriösen und öffentlich-rechtlichen Medien betätigen sich übereifrig als regierungsamtliche Faktenchecker: https://www.swr.de/wissen/dr-wodarg-versucht-corona-zu-verharmlosen-100.html

Auch andere Experten kritisieren die staatlichen Maßnahmen als übertrieben und als unüberlegt, wie der Harvard-Statistikprofessor John Ioannidis: „A fiasco in the making?As the coronavirus pandemic takes hold, we are making decisions without reliable data“. https://www.statnews.com/2020/03/17/a-fiasco-in-the-making-as-the-coronavirus-pandemic-takes-hold-we-are-making-decisions-without-reliable-data/

Die Lage ist also tatsächlich sehr unklar und die Entscheidungen der Politik sind alles andere als evidenzbasiert. Der anerkannte Mikrobiologe und Emeritus der Uni Mainz Sucharit Bhakdi hält eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Maßnahmenkataloge der Politiker deshalb für unausweichlich: https://www.youtube.com/watch?v=ATPOxgutmgI

Tatsächlich reagiert unsere Öffentlichkeit sehr chinesisch. In China selbst entspannt sich die Lage. Die meisten der in China bestätigten 67.800 Erkrankungs-Fälle gab es in Wuhan. Hier wurden die ersten Infektionen registriert, es war die erste Stadt, die abgeriegelt wurde. Die Ausgangssperre im einstigen Corona-Epizentrum Wuhan wird nun Schritt für Schritt gelockert.Was die Zahlen angeht, wäre das alles also überhaupt kein Grund, in Panik zu verfallen; gefährlich scheint die Lage jedoch In Spanien und vor allem weiterhin in Italien zu sein. Warum ist das so? In Italien ist die Zahl der Toten und Infizierten erneut deutlich angestiegen. Innerhalb von 24 Stunden seien 662 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, teilten die Behörden mit. Die Gesamtzahl sei damit auf 8.165 gestiegen. Zudem sei bei inzwischen 80.539 Menschen das Coronavirus nachgewiesen worden (Zahlen vom 26.3.) Wie ist es zu erklären, dass ein Virus, das überall auf der Welt etwa so gefährlich ist wie die jährlichen Influenza-Viren, in Italien zu so vielen Todesfällen führt?

Es wurden in den letzten Tagen bereits verschiedene Begründungen für die unerklärlich hohe Sterberate genannt: die hohe Luftverschmutzung in der Lombardei, die radikalen Kürzungen im Gesundheitswesen, die ungünstige Altersstruktur der Bevölkerung – aber keiner dieser Aspekte kann die eklatante Sterberate tatsächlich erklären. Nach den Zahlen von vor ein paar Tagen lag in Italien das Durchschnittsalter der an den Folgen einer Coronavirus-Infektion Verstorbenen bei 79,5 Jahren, teilte das italienische Institut für Gesundheit (ISS) am Mittwoch in Rom mit. 707 der in Italien an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorbenen Menschen waren laut der ISS-Statistik zwischen 70 und 79 Jahre alt, 852 zwischen 80 und 89 Jahre. 198 waren älter als 90. Nur 17 an der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 Verstorbenen seien jünger als 50 gewesen, teilte das ISS mit.

Die Wissenschaftler machten rund ein Dutzend Vorerkrankungen aus, an denen die meisten der gestorbenen Covid-19-Patienten gelitten hatten. Etwa die Hälfte der Patienten hatten laut ISS mindestens drei Vorerkrankungen. Ein Viertel litt an zwei chronischen Krankheiten. Nur bei drei der Verstorbenen war keine Vorerkrankung bekannt. Lauert die tödliche Gefahr in italienischen Krankenhäusern?

Die exorbitant hohen Sterberaten in Italien lassen allerdings darauf schließen, dass der wahre Grund im System selber liegt, nämlich im völlig überlasteten und unterfinanzierten öffentlichen Gesundheitssystem des Landes. Niemand kann heute eine genaue Analyse der Situation vorlegen; im Moment kann man nur spekulieren. Und bei aller Vorsicht liegt eines doch auf der Hand. Die wahrscheinlichste Vermutung ist die, dass es eben die italienischen Krankenhäuser selbst sind, die diese tödliche Wirkung entfalten. Wie das?

In vielen deutschen Krankenhäusern galt man jedenfalls im Jahr 2015 schon als Hochrisikopatient, wenn man kurz zuvor in einem italienischen Krankenhaus behandelt worden war. So wurde man in einigen deutschen Krankenhäusern wie etwa der Uniklinik Kiel vorsorglich als Patient in Quarantäne gesteckt, wenn man irgendwann in den letzten Monaten in einem italienischen Krankenhaus behandelt worden war (s. den Beitrag der NDR-Journalistin Antje Büll: https://www.youtube.com/watch?v=aYG0pI-3Kzg). Denn die italienischen Krankenhäuser sind mit hochresistenten Krankenhauskeimen besiedelt, die  – unter Fachleuten war das längst bekannt – den Aufenthalt in diesen Anstalten seit Jahren zu einer hochgefährlichen Sache machen. Warum ist das so?

Dahinter steht unser weltweit sorgloser und unverantwortlicher Umgang mit Antibiotika in der Tierzucht und in der Humanmedizin. Die WHO und diverse medizinische Experten warnen seit Jahren, aber niemand traut sich an die Lobbygruppen heran. Aufgrund unseres unverantwortlichen Umgangs mit Antibiotika werden Bakterien zunehmend antibiotikaresistent. Fast 700.000 Menschen in Europa infizierten sich im Jahre 2015 mit resistenten Keimen, zwei Drittel davon in Krankenhäusern. Mehr als 33.000 starben an den Folgen einer solchen Infektion. Das zumindest hat ein Team der Europäischen Seuchenschutzbehörde ECDC geschätzt. Die Studie ist im Fachblatt Lancet erschienen (Cassini et al., 2018).Die ECDC-Studie kam zu dem folgenden Ergebnis: Die europäischen Staaten sind unterschiedlich stark betroffen. In Italien sah es besonders schlecht aus. Das Recherchenetzwerk CORRECTIV hat zur internationalen Belastung mit Krankenhauskeimen ein umfangreiches und ausgesprochen informatives Dossier zusammengestellt: https://correctiv.org/recherchen/keime/hintergrund/krankenhauskeime/

Ob die überraschend hohe Sterberate der Corona-Infizierten nun ursächlich mit der beschriebenen Verseuchung der italienischen Krankenhäuser mit multiresistenten Keimen tatsächlich zusammenhängt, das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht belegen; aber über einen möglichen Zusammenhang sollte man doch nachdenken.

Zurück am Küchentisch. Wir machen, was alle machen: Wir vergleichen die Zahlen der Infizierten und Toten in den einzelnen Ländern. Live-Ticker liefern Tote im Akkord. Wir finden das Gebaren der Medien furchtbar und zählen selber. Per Laptop, per Smartphone. Plötzlich entdeckt unsere jüngere Tochter eine ganz andere Zahl:  In der Grippesaison 2017/18 hat es alleine in Deutschland 25.000 Todesopfer gegeben. “ „Wie schrecklich“, sagt unsere Tochter und wird richtig böse. „Warum hat sich darüber niemand aufgeregt? Da hätte man doch viel eher die Schulen schließen müssen!“

Ich überlege kurz und antworte dann: „Die Grippe kennt man, sie ist identifizierbar. Corona kennt noch keiner. Was sie nicht kennen, macht den Menschen Angst. In ein paar Monaten werden wir Corona kennengelernt haben und hoffentlich begreifen, dass die Maßnahmen vollkommen überzogen waren.“

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Ein nachträglich (Anfang 2021) hinzugefügtes Foto: Familienurlaub in Domaso am Comer See im August 2017. Von der Ferienwohnung aus gucken wir auf eine verfallene Villa. Für uns Touristen haben solche Orte einen morbiden Charme. Für die Menschen, die dort leben, natürlich nicht. Oberitalien ist von der Klimakatastrophe bereits jetzt schwer getroffen, was vor allem für die alten Menschen entsetzlich ist.                                Am Tag unserer Abreise am 23.8.2017 sollte sich in der  Schweiz nahe der Lombardei ein schwerer Bergsturz ereignen. „Der Bergsturz von Bondo ereignete sich an der Nordflanke des Piz Cengalo (3369 m ü. M.).“ (wikipedia) Die Ursache solcher Bergstürze ist insbesondere der Rückgang des Permafrosts. Auch im übertragenen Sinne bricht bei einem Bergsturz für die dort lebenden Menschen eine Welt zusammen. (Alle Perspektiven, die die Menschen seit ihrer Kindheit in sich tragen, verschieben sich. Orientierungen gehen verloren.)                 Ebenfalls im Sommer 2017 erlebte Oberitalien noch eine andere klimabedingte Katastrophe: „Die Quelle des Flusses Po im norditalienischen Piemont ist infolge der schweren Dürre dieses Sommers ausgetrocknet. Aus der auf 2020 Meter gelegenen Quelle auf der Hochebene Pian del Re zu Füßen des Berges Monviso fließt kein Wasser mehr, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Dienstag.“  https://www.tt.com/artikel/13401661/duerrewelle-in-italien-liess-quelle-des-flusses-po-austrocknen                                                                                             Die Menschen erleben den Verlust von Heimat, wie sie sie kannten.  Oberitalien, insbesondere die Lombardei,  „verzeichnet“ innerhalb von Italien die meisten Corona-Toten. Ich vermute, dass die hohe Zahl der Corona-Todesopfer in der Lombardei mit den kollektiven psychischen Leiderfahrungen der Menschen in Oberitalien im Zusammenhang steht. 

Dringender Appell an die Bundesregierung: Seid so besonnen wie die Schweden und öffnet die Kindertagesstätten und Grundschulen!

Was macht eigentlich Greta Thunberg in den Zeiten von Corona? Gestern habe ich gelesen, dass sie vor zehn Tagen von einer Reise nach Mitteleuropa zurückgekehrt war, Symptome hatte und direkt in die private Quarantäne gegangen ist. Sehr wahrscheinlich hat sich Greta Thunberg mit Corona infiziert, ebenso wie ihr Vater. Beide haben sich nicht testen lassen. Das ist vernünftig. Bei einem so hochansteckenden Virus ist es wahrscheinlich, dass sie sich infiziert hat, so wie sich wahrscheinlich Millionen junger Menschen, die ja gerne feiern und verreisen, infiziert haben. Da Greta ein Vorbild ist, hätte sie viele junge Leute animiert, sich ebenfalls testen zu lassen. Das hätte das Gesundheitssystem noch mehr belastet. Sei umarmt, Greta!

In die Schule geht Greta zur Zeit nicht. Nach dem Abschluss der neunten Klasse  im Jahr 2019 macht sie ein Jahr Pause, um anschließend aufs Gymnasium zu gehen. Schweden hat ein Schulsystem, wie ich es mir wünsche: Die Schüler gehen neun Jahre lang auf eine Gesamtschule, die anders als in Deutschland keine Angebotsschule ist, sondern eine Pflichtschule für alle. Neun Jahre lang dauert auch die Schulpflicht.

Schulen sind wichtig. Wir brauchen sie als Schutzräume, wo die Kinder und Jugendlichen zusammen kommen und gemeinsam miteinander und voneinander lernen. In Schweden bleiben trotz Corona alle Gesamtschulen geöffnet. Und das ist gut so, denn nur dann, wenn die Kinder zur Schule gehen können, können sie ihr Recht auf Bildung einlösen.

Erlebten wir eine Seuche, wäre es richtig, die Schulen zu schließen, aber Corona ist keine Seuche. In Deutschland, so fürchte ich, werden die Kinder nicht ernst genommen. Die Zwangsmaßnahmen unserer Regierung, vor allem die Schließung der Kindergärten und Schulen, treffen die, denen das Virus kaum etwas anhaben kann: Die Kinder. Kinder brauchen Grenzen, wird immer gesagt. Ja, aber vor allem brauchen sie Räume, wo sie sich frei entfalten können. Aber vor allem brauchen Kinder Kinder. Zur Zeit dürfen in vielen Ländern die Kinder nicht zu den Kindern. Neuerdings schaut man mit Misstrauen auf jedes Kind: Auch du könntest ein Überträger sein.

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Der größte Spielplatz innerhalb der autofreien Siedlung. Bei schönem Wetter ist hier der Bär los. Das Spielzeug liegt rum, es gehört allen, hier nimmt keiner was weg. In Corona-Zeiten ist alles anders. Das Spielzeug ist liegen geblieben, aber die Kinder fehlen. Sie dürfen den Spielplatz nicht einmal  betreten, um sich ihr Spielzeug zu holen. Als handele es sich bei der Sandfläche um ein Minenfeld.

 

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Spielplatz in Westberlin nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am 26.4.1986 © imago Foto: Jürgen Ritter. Offenbar war die Politik auch damals total überfordert. Was sich hier als Schutzmaßnahme ausgibt, sieht nicht nur ähnlich aus, sondern war ähnlich hilflos. Der Unterschied: Damals war wirklich eine (von gewissenlosen Menschen verursachte) Katastrophe passiert. Uns Westdeutsche erreichte nur eine Wolke. Entsetzliche Folgen hatte das Unglück insbesondere für die Menschen in der Ukraine, die damals Kinder waren. Wir horchen auf, wenn wir hören, wie viele Kinder an Schilddrüsenkrebs oder Leukämie erkrankt sind. Was uns kaum aufhorchen lässt, ist die extrem hohe Zahl verschiedener psychischer und somatischer Erkrankungen. Das Unglück und das Verschweigen waren Angriffe auf das Leben und auf die Lebensfreude: „Nach dem Unfall im Kraftwerk Tschernobyl haben die Medien in der Sowjetunion zuerst geschwiegen. Obwohl sich das Ausmaß der Tragödie bereits am 27. April deutlich abzeichnete und die 50.000-Einwohner-Stadt Prypjat nahe dem Kraftwerk evakuiert wurde, rief die sowjetische Führung die Menschen trotzdem zur Teilnahme an den 1.-Mai-Feierlichkeiten auf.“ Abgestempelt und vergessen: https://www.welt.de/politik/ausland/article154734463/Ich-das-Tschernobyl-Kind.html

Am Sonntag war die Schlange vor der Nippeser Bäckerei Güsgen noch länger als sonst,  wegen des Sicherheitsabstands, den wir Kunden einhalten sollten. Wie immer waren viele Kinder dabei. Das hat einen Grund, denn Frau Güsgen mag die Kinder sehr. Jedes Kind, das in die Bäckerei kommt, kriegt ein kleines Schoko-Weckchen geschenkt. Frau Güsgen ist neugierig und fragt jedes Kind: „Habt ihr noch mehr Kinder zu Hause?“ Und manchmal hört man Antworten wie: „Ja, meine Schwester. Aber heute übernachten noch vier andere Kinder bei uns.“ Dann freut sich Frau Güsgen und packt 6 Weckchen in die Tüte. Hier in der autofreien Siedlung haben die Kinder oft Übernachtungsgäste. In Friedenszeiten sieht man am Wochenende oder in den Ferien jeden Abend Kinder mit Bettdecken unterm Arm von Haus zu Haus laufen. Sie wohnen nah beieinander. Ein bisschen ist es hier wie in Bullerbü.

Vor der Bäckerei stand ein Kind. Es war ein bisschen gelangweilt und bohrte in der Nase. „Nicht in den Mund stecken!“, schrie der Vater. Traurig: In den Zeiten von Corona ist den Kindern nicht einmal das Popeln erlaubt.

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Im Ruhrgebiet, wo ich herstamme, heißen sie Stutenkerl, in Köln Weckmann. Sie sind das klassische Sankt Martins-Gebäck. Im letzten Jahr hatte Bäcker Güsgen zu Sankt Martin einen Riesen-Weckmann gebacken. Jedes Kind, das in die Bäckerei kam, kriegte an diesem Tage ausnahmsweise kein Schokoweckchen, sondern ein Stück Weckmann.

Am 6.4. würden in NRW die Osterferien beginnen. Doch in diesem Jahr fallen in ganz Deutschland die Osterferien aus. Denn wenn immer schulfrei ist, gibt es auch keine Ferien. Und wenn es keine Osterferien gibt, fällt auch die Vorfreude auf Ostern aus. Wie doof es sich anfühlt, immer Ferien zu haben, weiß Pippi Langstrumpf.

„Da lobe ich mir die Schulen in Argentinien“, sagte Pippi und sah auf die Kinder herunter. „Da solltet ihr hingehen. Da fangen die Osterferien drei Tage nach Schluß der
Weihnachtsferien an, und wenn die Osterferien zu Ende sind, dauert es drei Tage, und da fangen die Sommerferien an. Die Sommerferien hören am 1. November auf, und dann hat man natürlich eine ordentliche Last, bis am 11. November die Weihnachtsferien anfangen. Aber das muß man aushalten. Jedenfalls hat man keine Schularbeiten. Es ist in Argentinien streng verboten, Schularbeiten zu machen. Manchmal kommt es vor, daß ein oder das andere argentinische Kind sich in einen Schrank schleicht und Schularbeiten macht. Aber wehe, wenn seine Mutter das sieht….“

Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf

Corona-Elfchen: Klammheimliche Freude eines Halsbandsittichs

Wir

haben uns

aus dem Käfig

befreit, ihr seid bereitwillig

käfigbereit

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Keine Kondensstreifen am tiefblauen Corona-Himmel. In der Birke sitzt aufrecht ein Nachfahre der unten porträtierten, freiheitsliebenden Halsbandsittichin.

Die Halsbandsittiche, die in Europa als Wildvögel leben, sind sogenannte „Gefangenschaftsflüchtlinge“. Sie stammen aus Asien oder Afrika, sind dort von Menschen eingefangen und nach Europa verschleppt worden. Ihrer Schönheit wegen brachte sie Alexander der Große vor 2300 Jahren aus Asien nach Griechenland. Das Wort „Halsbandsittich“ täuscht, denn es klingt so, als könne man den Vogel an die Leine legen. Doch Papageienvögel sind freiheitsliebend. Auch den Vorfahren der rheinischen Halsbandsittiche ist es irgendwann gelungen, sich aus den Käfigen und Volieren zu befreien. Der Ausbruch der Kölner Papageienvögel könnte sich folgendermaßen zugetragen haben:

Ein Kölner Papageienzüchter besaß ein Halsbandsittichpaar. Doch nach ein paar Jahren legte das Weibchen immer weniger Eier. „Die schöne Dame ist zu faul zum Brüten“, dachte der Züchter und kaufte einen Brutofen. Aber jetzt paarten sich die Sittiche gar nicht mehr. Also wollte der Züchter die Vögel töten und ausstopfen. Aussetzen wollte er sie nicht, denn dann würden die Leute sich an der Schönheit der Vögel ergötzen, ohne auch nur eine Mark bezahlt zu haben.

„Du bist eine einzige Enttäuschung“, sagte der Züchter zum Weibchen. „Dabei fand ich dich mal schön. Aber du kannst nicht einmal singen.“ Die Sittichin erschrak, denn sie ahnte nichts Gutes. „Das tut mir leid“, sagte sie. „Aber ich würde mich freuen, dir ausgestopft in voller Schönheit zur Verfügung zu stehen. Darf ich dir fliegend meine Federn zeigen? Ich flieg auch gerne alleine.“ Der Züchter rümpfte die Nase: „Dann scheißt du mir das Haus ein, und ich hab kein Klopapier mehr.“ Die Sittichin hatte eine Idee: „Trag den Käfig nach draußen.“ Der Züchter hob den schweren Käfig auf eine Schubkarre. Draußen öffnete er die Käfigtür. Die Sittichin flog aus, und obwohl die Versuchung groß war, kam sie zurück, denn sie wollte das Männchen nicht alleine lassen. Außerdem war sie ihm nicht nur treu, weil kein anderes da war.

„Ich hab schon Schöneres gesehen“,  sagte der Züchter. „Das lässt sich ändern“, entgegnete das Halsbandsittichweibchen. „Wie du weißt, paaren sich mein Männchen und ich schon lange nicht mehr. Aber am Schönsten fliege ich immer noch dann, wenn ich mein Männchen dabei haben kann.“ Der Züchter öffnete die Käfigtür…

Manchmal könnte ich Corona küssen

Natürlich dürfen wir Corona nicht unterschätzen. Für ältere Menschen mit schweren  Vorerkrankungen ist die Krankheit lebensbedrohlich. Ich denke an einen mir nahen Menschen, der vor über 20 Jahren die Legionärskrankheit hatte. Die Erkrankung war von einer schweren Lungenentzündung begleitet. Um seine Erstickungs-Angst zu beschreiben, sagte dieser Mensch später: In meinen Lungen war gerade mal für so viel Luft Platz, wie sie in einen Fingerhut passt. Das stelle ich mir schrecklich vor. Wenn ich als gesunder Mensch tief Luft hole, fühlt es sich ja so an, als füllten sich nicht nur meine Lungen, sondern auch Bauch, Kopf und Gliedmaßen mit Atem.

Anders als etwa Corona wird die Legionärskrankheit durch eine bakterielle Infektion (mit Legionellen) hervorgerufen, die mit Antibiotika behandelt werden kann. Dank gezielt eingesetzter Antibiotika wurde dieser Mensch wieder gesund. Wenn Sie älter wären, hätten Sie das nicht überlebt, hat man damals zu ihm gesagt. Jetzt ist er älter. Von der Legionärskrankheit hat er eine chronische Bronchitis davongetragen und eine panische Angst vor Infektionskrankheiten. Ich hab Angst um ihn, auch und gerade, weil er Angst hat.

Angst, so sagt man, blockiert die Immunabwehr. Und Angst blockiert die Selbstheilungskräfte. Aus Angst rufen viele Menschen auch dann nach Hilfe, wenn sie sich eigentlich selber helfen könnten. Wenn sie erkranken, erwarten sie die Heilung durch eine Medizin, die oft nicht heilen kann, sondern nur helfen, die Symptome zu lindern. So im Fall Corona.

Was Corona angeht, war ich eine Weile ziemlich niedergeschlagen, weil die Krankheit hoch ansteckend ist. Mit Hygienemaßnahmen kann man gegen Corona nicht viel machen, denn die Krankheit überträgt sich im alltäglichen menschlichen Mit- und Beieinander. Doch vor etwa zehn Tagen las ich dann einen Beitrag, der mich optimistisch stimmte: https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-kinder-infizieren-sich-offenbar-genauso-haeufig-werden-aber-nicht-krank-a-72e2a605-5865-4d23-81b1-c1c4f453d659 Ganz anders als etwa die Pest (die es immer noch gibt) ist Corona zwar nicht behandelbar, kann aber Kindern nicht viel anhaben… Manchmal könnte ich Corona küssen – und lasse es lieber.

Warum nur hat Angela Merkel aufgrund dieser guten Nachricht keine Luftsprünge gemacht, warum nur hat die kleine „Frohe Botschaft“ sie nicht ein bisschen entspannt? Ich fürchte, dass sich Angela Merkel längst abgefunden hat mit der katastrophalen Situation, in der sich die Menschheit nicht erst seit Corona befindet. Selbst in der Katastrophe kann man es sich noch eine Weile wunderbar bequem machen. Gegenüber Greta Thunberg und den weltweit streikenden und demonstrierenden, um ihre Zukunft kämpfenden jungen Menschen hat sich unsere Politik verantwortungslos und „erbärmlich“ verhalten: Ignorant, gönnerhaft und autoritär. Es scheint, als würde man den Jungen ihre lebensbejahende Haltung und ihre physische und psychische Stärke missgönnen.

Erkranken jüngere Kinder nur schwach, weil sie in der Regel noch voller Lebenslust sind und keine Todesangst haben? Ich frage unsere sozial und politisch engagierten Töchter (24 und 20), die beide (im Master bzw. Bachelor) Psychologie studieren und zur Zeit coronabedingt in Köln sind: Was glaubt ihr, warum kann Corona Kindern nicht viel anhaben?

Kinder sind noch näher an der Natur, sagte die Ältere, die Kleinen sind spielerisch und unbefangen. Ich sage: Oft empfinden ältere Menschen eine Erkrankung als Angriff von außen und sich selber als Opfer, das tun Kinder nicht. Wir spekulieren weiter. Irgendwann sagt die Jüngere einen Satz, der mir Gänsehaut macht: Corona ist wie von einer menschenliebenden Gottheit geschickt, die es gut meint mit der Umwelt und mit den Kindern.

Jetzt sind wir dran, sagen die Jungen. Zettel wie dieser hingen am Wochenende überall in unserer Siedlung aus.

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„… Da wir ausnahmsweise aufgrund unseres Immunsystems den stärkeren Teil der Bevölkerung ausmachen… “ Ich finde, die jungen Leute machen schon seit Jahren aufgrund ihrer Unbeirrbarkeit in Fragen der Klimapolitik den stärkeren Teil der Bevölkerung aus! Mittlerweile hat der Verein Nachbarn60 die Idee aufgegriffen und ebenfalls Nachbarschaftshilfe angeboten. Aus der aktuellen Mail an alle Bewohnerinnen und Bewohner der autofreien Siedlung: Personen und Familien, die Unterstützung benötigen, schicken eine Anfrage (mit Zeitpunkt, Kurzbeschreibung der Tätigkeit, Einschätzung der Dauer) an helferpool@nachbarn60.de

17. März: Die erste Pusteblume

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Lieber Eberhard, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!