Wie man Kindern Halbwahrheiten einimpft – Die fragwürdigen Werbeauftritte der öffentlich-rechtlichen MAUS

Die Maus kennen wir alle. Eigentlich mag ich die Kinder- „Sendung mit der Maus“. Da werden an jedem Sonntagmorgen Lach- und Sachgeschichten erzählt, pfiffige Fragen gestellt und pfiffige Antworten gegeben. Alltagsfragen werden behandelt, z.B.: „Wie kommen die Streifen in die Zahnpasta?“ Für meine Kinder hat die Maus (wie überhaupt das Fernsehen mit Ausnahme der Simpsons und Lolle) eine nur untergeordnete Rolle gespielt. Der Sonntag war Familientag mit ausgedehntem Frühstück, Sonntagsspaziergang oder Ausflügen ins Kölner Umland. Niemand wäre auf die Idee gekommen, den Fernseher einzuschalten.

Tatsächlich ist „Die Sendung mit der Maus“ auf unterhaltsame Weise informativ – auch für Erwachsene, die sich gerne mit den Kindern zusammen die Sendung anschauen. So erzählt meine Schwägerin, dass sie ihre Prüfung zur Floristin einfach fand, weil sie mit ihrer Tochter zusammen regelmäßig vor der „Sendung mit der Maus“ saß und gut informiert war. Auch ich bin gestern „schwach geworden“, denn am Wahlsonntag wurde eine sehenswerte Episode ausgestrahlt. Kindern und Erwachsenen wird „kinderleicht“ und anschaulich erklärt, wie das Wählen funktioniert. Aber eben leider nur, wie der Wahlvorgang (zwischen Ankreuzen und Auszählen) abläuft. So war der Beitrag -überspitzt gesagt- eine Gebrauchsanleitung zur Bundestagswahl.

Früher, als es das Fernsehen noch nicht gab, bestimmte die Kirche das Leben. Wie ein deutsches Sprichwort sagt: Mit Gott fang an, mit Gott hör auf, das ist der beste Lebenslauf. Die Leute saßen noch nicht vor dem Internationalen Frühschoppen (später Presseclub), sondern gingen nach der Sonntagsmesse zum Frühschoppen in die nahegelegene Kneipe. Heute bezahlen die Familien Rundfunkgebühren statt Kirchensteuern (manche auch beides)- und gestalten den Sonntag nach den Terminvorgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Mit Maus fang an, mit Tatort hör auf, das ist der beste Sonntags-Verlauf. Nur ist der Tatort mittlerweile so fahl und brutal, dass die Leute froh sind, wenn das Wochenende vorbei ist.

Vor allem Kinder mögen die Maus. Wie ihre Eltern vertrauen sie ihr und sind fest davon überzeugt, dass die Maus ihnen keinen Unsinn erzählt und keinerlei Hintergedanken hat. Doch ist das wirklich so? Tatsächlich ist die Maus auch eine Marke. „Trotz mittlerweile zahlreicher Nachahmer bleibt seriöse Wissensvermittlung eine Sache des Originals: Die Maus ist die führende Wissensmarke in Deutschland und zu einer echten Ikone geworden.“ https://wdr-mediagroup.com/en/markenportfolio/die-maus/basisinformationen/

In einem klugen Artikel auf „Übermedien“ mit dem schönen Titel „Das Würstchen mit der Maus“ entzaubert die Journalistin Anna von Garmissen die beliebte Fernseh-Figur: Die WDR mediagroup, 100-prozentige Tochtergesellschaft des WDR, „… kümmert sich um die kommerziellen Tätigkeiten des Senders. Die Maus gehört zu ihren wichtigsten Marken im Merchandising- und Lizenzgeschäft. Sie ziert Geschirr und Gummistiefel, Taschenlampen und T-Shirts, Rucksäcke, Radios und Regenschirme…https://uebermedien.de/53092/das-wuerstchen-mit-der-maus/

Damit jedoch nicht genug. Die Maus, so schreibt Anna von Garmissen, die als Beleg ihrer Beobachtungen Bofrost-Katalogseiten abfotografiert hat, greift darüberhinaus in die Nahrungsgewohnheiten der Kinder ein: „Eine der Maus-Lizenznehmerinnen ist die Firma Bofrost. Seit rund drei Jahren sind die Maus und ihre Freunde, der blaue Elefant und die gelbe Ente, Markenbotschafter für Europas größten Direktvertrieb von Tiefkühlkost und Speiseeis… Die Gerichte mit der Maus heißen „Bauernhof-Suppenspaß“, „Kartoffel-Flummis“, „Regenbogenreis“ oder „Hähnchen Tic Tac Toe“. Man könnte auch Nudelsuppe, Kartoffelklöße, Reispfanne und Hähnchenbrust sagen.“ (ebd.)

Doch die Maus macht nicht nur Produktwerbung. Sie wirbt nicht nur für „Kartoffel-Flummis“, sondern auch für die deutsche Wissenschaftspolitik. Ärgerlich und peinlich kann es werden, wenn die Maus leibhaftig auf Veranstaltungen auftritt, wenn also ein Mensch in das orangefarbene pelzige Kostüm schlüpft, das zwar stets erneuert wird, in dem der Akteur aber trotzdem schwitzt.

Ende 2019 hatte die Maus einen besonderen Auftritt. Kurz bevor er den Wissenschaftsjournalisten Ralph Caspers mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnete, verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier der Maus in Schloss Bellevue den „Maus-Verdienstorden“. Zu sehen war der kleine Werbefilm für die deutsche Bundespolitik (na, wo wohl?) in der „Sendung mit der Maus“. Zum Fremdschämen:

So verkrampft diese Vorstellung ist, wirkt sie doch beinahe lässig gegenüber den Werbe-Auftritten der Maus im Jahr 2021. Der Anlass für diese Auftritte war der 50. Geburtstag der Maus. Genauer gesagt: Am 7. März 2021 wurde die erste „Sendung mit der Maus“ ausgestrahlt. Seither werden „runde Geburtstage“ der Maus groß gefeiert. Und selbst im Corona-März 2021, als größere private Familienfeste verboten waren, fiel der 50. Geburtstag der Maus nicht aus. Im Gegenteil: Zahlreiche Prominente gratulierten- natürlich nur im streng kontrollierten Rahmen. In geschlossener Gesellschaft wurde nicht nur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geworben, sondern vor allem auch für die staatlichen Corona-Maßnahmen.

Ein streng abgeschirmter und hübsch ausstaffierter Schauplatz für den Auftritt der Maus war wiederum Schloss Bellevue. Und wieder einmal traf die Maus in Begleitung von Ralph Caspers unseren Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, der natürlich unbedingt gratulieren wollte.

Auf einer facebook– Seite fand ich folgendes Video: https://nn-no.facebook.com/Bundespraesident.Steinmeier/videos/904710250286182/?so=permalink&rv=related_videos

Ich habe mir das Video angeguckt und war erschrocken und entsetzt. Frank-Walter Steinmeier wendet sich „an die Kinder, die uns jetzt zuschauen.“ Doch anstatt dass sich der Präsident der Bundesrepublik Deutschland endlich bei den Kindern für das entschuldigt, was sie mitgemacht haben (Maske, Schulschließungen, Kontaktverbote, Abstandsregeln, Corona-Tests, Quarantäne), bedankt er sich auch noch dafür, dass sie mitgemacht haben. Und dabei hatten die Kinder keine andere Wahl.

Wer mag sich dieses Gesülze noch länger anhören? Warum räumen unsere Spitzenpolitiker nicht endlich schwere und schwerste Fehler ein? Warum gibt es an unseren Schulen immer noch die Maskenpflicht? Warum wird an den Schulen getestet und Kindern ab zwölf Jahren eine mehr als fragwürdige Impfung empfohlen?

Wann wird endlich realisiert, dass in Schweden die Kinder vor Panikmache geschützt und vor schweren psychischen, aber auch physischen Schäden bewahrt wurden, indem die Grundschulen (bis einschließlich Klasse 9) unter halbwegs normalen Bedingungen geöffnet blieben?!!! Auffällig ist, dass die Inzidenz in Schweden gegenwärtig (25.9.201) bei nur 43,6 (Deutschland: 61,4) liegt, obwohl (oder weil?) mittlerweile alle Schulen geöffnet sind und die Grundschulen immer geöffnet waren.

Das oben erwähnte Video habe ich abfotografiert und die Fotos zu einer kleinen graphic novel zusammengestellt. Dazu später mehr…

Die große Feier ist vorbei, doch die Maus macht weiter auf WDR2. In der Radio-Sendung „Frag doch mal die Maus“ beantwortet „sie“ Kinderfragen. In der Sendung vom 30.8.2021 stellt die siebenjährige Merle aus Wuppertal, deren Mutter sich gegen Corona hat impfen lassen, eine kluge Frage, auf die sie leider eine beschränkte Antwort bekommt: „Was ist immun?“

In diesem Beitrag, der immerhin anderthalb Minuten lang ist, wird die natürlich erworbene Immunität nicht einmal erwähnt. Verschwiegen wird, dass uns eine durchgemachte Infektion vor Corona schützt. Verschwiegen wird auch, dass Menschen, die Corona hatten, wenn überhaupt, dann in aller Regel beim zweiten Mal nur leicht erkranken. Diese wichtige Information verdanke ich der Lektüre des folgenden Artikels: https://www.quarks.de/gesundheit/medizin/corona-sind-wir-nach-einer-infektion-immun/

Stattdessen wird die Impfung als die Möglichkeit einer Immunisierung angepriesen. In der Ausschließlichkeit widerspricht die Information auch den wissenschaftlichen Tatsachen und hat mit seriöser Wissensvermittlung nichts mehr zu tun. In Minute 1.16 heißt es betont lässig: „…Wer immun ist, zum Beispiel nach ner Impfung, der oder die ist relativ sicher vor der Krankheit. Zumindest ist es unwahrscheinlicher, dass es einen schwerer erwischt.“ Das ist zwar nicht falsch, aber allenfalls die halbe Wahrheit. https://www1.wdr.de/radio/wdr2/themen/frag-doch-mal-die-maus/immun-100.html

So macht man den Kindern Angst. Für viele Erwachsene mag die Impfung sinnvoll sein, aber doch nur für die wenigsten Kinder. Wie schön ware es, wenn die Maus die Kinder beruhigen würde. Das ist in diesem Fall ganz einfach: Sie müsste ihnen nur die Wahrheit sagen:

Liebe Merle, es gibt einzelne Menschen, die schwer an Corona erkranken, und manche haben Spätfolgen oder sterben sogar daran. In aller Regel sind das ältere Menschen, die bereits schwere Krankheiten haben und Tag für Tag Medikamente nehmen müssen, die wiederum schwere, schwächende Nebenwirkungen haben. Für diese Menschen ist die Corona-Impfung unter Umständen sinnvoll.

Es gibt Krankheiten, die sind so schlimm, dass es sehr wichtig und gut ist, Impfungen zu entwickeln, etwa die Kinderlähmung. Corona aber ist für Kinder in aller Regel ungefährlich. Die meisten Kinder merken es nicht einmal, wenn sie Corona haben.

Impfungen können schwere Nebenwirkungen hervorrufen, die manchmal nach Jahren erst ausbrechen. Diese Nebenwirkungen können bei Kindern sogar schlimmer sein oder häufiger auftreten als bei Erwachsenen, wie wir bei der Schweinegrippe-Impfung vor zwölf Jahren gesehen haben. Das Schreckliche ist, dass die Eltern, die damals ihre Kinder haben impfen lassen, ihnen etwas Gutes tun wollten, sie schützen. Wir sollten aus dieser Erfahrung lernen: Kinder dürften nicht voreilig geimpft werden. Über eventuelle Spätfolgen der Corona-Impfung wissen wir nichts.

Lieb Merle, deine Mutter hat sich bestimmt auch deshalb gegen Corona impfen lassen, weil sie dich schützen will. Aber vermutlich wäre das nicht nötig gewesen, denn die meisten Kinder dürften bereits immun sein. Vielleicht bist auch du geschützt, ohne es zu wissen. Stell dir vor: Ihr Kinder seid durch eure Kinderkräfte vor einer Krankheit geschützt, die die ganze Erwachsenen-Welt derzeit in Atem hält! Dass das so ist, grenzt an ein Wunder.

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 Windpockennarben-Selfie. Wer genau hinguckt, entdeckt über meinem verdeckten linken Auge (rechter Bildrand) einen kleinen roten Kringel. Hierbei handelt es sich um eine Windpocken-Narbe. Die Windpocken kriegten damals fast alle. In die proppenvolle erste Volksschulklasse, in die meine Zwillingsschwester und ich Ostern 1965 kamen, gingen 56 Kinder. Im Klassenzimmer war’s eng, aber geschadet hat uns das nicht – im Gegenteil. Die Welt war voller Kinder. Was für ein Glück!                                                                                                                                                                         Ich weiß nicht mehr genau, wie alt ich war, als meine Geschwister und ich die Windpocken hatten. Nicht alle auf einmal. Doch ich weiß noch genau, dass meine Mutter ungeduldig wurde. Da sie nicht berufstätig war, konnte sie es sich zwar leisten, sich (zum Teil nacheinander) um alle ihre vier Kinder zu kümmern, aber das zehrt natürlich an den Nerven, vor allem dann, wenn ein Familienfest zu platzen droht. An genau dem Tag, als wir den runden Geburtstag einer meiner Großtanten feiern wollten, hatte ich noch eine einzige verkrustete Windpocke – ausgerechnet im Gesicht. Ich weiß noch, wie meine Mutter sagte: „Wir könnten ja versuchen, die Kruste vorsichtig abzukratzen.“ Von diesem „Eingriff“ stammt meine Windpockennarbe. Wir fuhren gut gelaunt zum Familienfest. Dass ein Kind mit einer letzten verkrusteten Windpocke nicht mehr ansteckend ist, wussten wir nicht. Eine Windpocken-Impfung -wie sie heutzutage „angeboten“ und von der STIKO empfohlen, aber von Stiftung Warentest(!) angezweifelt wird- ist vielleicht praktisch, mehr aber auch nicht. 

GroKo stoppen! Teil 2: Der Titel schützt vor Torheit nicht – Impfarzt Prof. Auflauerbach

Prof. Dr. Karl Lauterbach, Mediziner, Gesundheitsökonom und Bundestagsabgeordneter (SPD), liebt es, den Menschen auf bzw. unter die Pelle zu rücken, und das im wahrsten Sinne des Wortes. So half Lauterbach nach anfänglichen Protesten im April in einem Leverkusener Impfzentrum aus. Der Ort war nicht zufällig ausgesucht. Im Wahlkreis Leverkusen – Köln IV ist Lauterbach Direktkandidat der SPD für den Deutschen Bundestag.

Am 21. August wagte dann der prominente Direktkandidat in peinlicher Selbstüberschätzung einen zweiten Wahlkampf-Auftritt als Impfarzt, der allerdings blamabel enden sollte. Der Impfbus mit dem Team rundum Lauterbach stand vor dem Leverkusener Stadion, wo Bayer 04 Leverkusen gegen den VFL Mönchengladbach spielte. Nach all den freundlichen Briefen, die er tagtäglich bekommt, hatte Lauterbach gehofft, dass die Leute in Scharen kommen, weil sie es prickelnd finden, wenn ihnen der Kandidat höchstpersönlich die Impfspritze setzt.

Doch der erwartete Ansturm blieb aus. Ein beleidigter Lauterbach twitterte am 21.8. folgendes:

„… Karl Lauterbach@Karl_Lauterbach 21. Aug Heute hat das Impfteam Leverkusen vor dem Bayer Stadion geimpft. Wir hatten weitaus weniger Impfinteressenten als erwartet. Was war passiert? Finde den Fehler…

„Finde den Fehler“ – das klingt wie eine Arbeitsaufgabe für Grundschüler. Nun gut, ich mache mit, doch ich finde keinen Fehler, denn was Lauterbach passiert ist, ist kein „Fehler“, sondern war richtig doof. Tatsächlich hatte Lauterbach nicht begriffen, dass zum Fußball-Bundesliga-Spiel ja nur genesene oder bereits vollständig geimpfte Zuschauer zugelassen waren („2G“). Aber wer kommt schon zur Stadion-Impfung, wenn er anschließend nicht mal ins Stadion kommt? Ich denke, Freikarten hätten das Impfinteresse deutlich erhöht.

Den Nutzen von Freikarten oder anderen Belohnungen (warum nicht Halver Hahn als schmackhafter, aber preiswerter Lockvogel?) scheint Lauterbach nicht zu begreifen. Vermutlich denkt der Mann, die Impfung ist Geschenk genug. Es kann aber auch sein, dass der angeblich knickrige Lauterbach befürchtet, den Köder aus eigener Tasche zahlen zu müssen.

Eine vergleichbar lächerliche Idee eines Weekend-Pieks hatte Lauterbach vor zwei Monaten schon einmal. „SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlägt vor, dass „nicht nur in Arztpraxen und Impfzentren, sondern auch in Ausgehmeilen“ geimpft wird. Das sagte er im Gespräch mit Business Insider: „Es muss Freitags- und Samstagsabends mobile Impfstationen an belebten Plätzen geben, wo sich viele Leute treffen, auch vor Bars und Clubs“, so Lauterbach weiter. Man müsse mit den Impfungen dorthin, wo die Menschen seien.https://www.businessinsider.de/politik/deutschland/zuerst-spritze-dann-feiern-karl-lauterbach-plaediert-fuer-mobile-impfstationen-vor-bars-und-clubs-b/

Mit seinem Vorschlag ist Lauterbach zum Glück nicht durchgekommen. Wer hat schon Lust, frisch geimpft, aber leicht angeschlagen und sich unfrisch fühlend feiern zu gehen und nicht einmal mit Freibier belohnt zu werden? Schon damals hätte Lauterbachs doofer Tweet gut gepasst : „Wir hatten weitaus weniger Impfinteressenten als erwartet. Was war passiert? Finde den Fehler…

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Karl Lauterbach: Damals noch mit leeren Händen, heute mit Impfspritze in der Hand.                                                          Lauterbach wettert: Kölner Glühwein-Anarchie – So titelte am 7.Dezember 2020 der Kölner EXPRESS. Völlig aufgebracht war Karl Lauterbach wegen der sogenannten „Glühwein-Wanderungen“, die im Kölner Stadtgebiet kurz vor dem Lockdown (13.12.) noch stattfinden konnten, am Nikolaus-Sonntag ins Kölner Belgische Viertel gestürmt, denn die Menschen wanderten nicht nur von Glühwein-Ausschank zu Glühwein-Ausschank, wie es die Stadt Köln „erlaubt“ hatte, sondern blieben zwischendurch stehen, d.h. sie standen Glühwein trinkend in Grüppchen zusammen, ohne immer den „Sicherheitsabstand“ einzuhalten. War das schon fast ein Verbrechen? Für Lauterbach nicht nur fast.

Sogar aus medizinischer Sicht ist die auflauernde Impfung, wie ich sie leider nennen muss, mehr als fraglich. Schließlich wirkt die Corona-Impfung erst mit mehrwöchiger Verzögerung. Welche Phantasien hat Lauterbach, was lässt ihn von mobilen „Impfstationen an belebten Plätzen“ träumen? Missgönnt er den Mitmenschen die Lebensfreude? Ist nicht die Impfung von tausend Menschen auf einen Stich, wie ich die Aktion leider nennen muss, eine volkserzieherische Zwangsmaßnahme?

Entsetzt bin ich, wenn ich lese, dass Lauterbach, was die Schulen betrifft, weiterhin für harte Maßnahmen plädiert. Die Gefahr, die er heraufbeschwört, ist die drohende „Durchseuchung der Kinder“.

In einem Gespräch mit dem Deutschlandfunk am 26.8.2021 (einen Tag, nachdem am 25. August die Mehrheit im Deutschen Bundestag gegen die Stimmen aller Oppositionsparteien die „epidemische Lage“ zum fünften Mal verlängert hatte) brachte der stellvertretende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP), seinen Unmut zum Ausdruck. Er hält den den Begriff „Durchseuchung“ für „propangandistisch“. Ich kann mich dem nur anschließen. Unbedingt lesen: https://www.deutschlandfunk.de/nrw-familienminister-stamp-zu-covid-verlaeufen-risiken-fuer.694.de.html?dram:article_id=502222

Joachim Stamp, der kein Impfgegner ist, hatte einen „Tag der Eigenverantwortung“ vorgeschlagen, und zwar den 3.Oktober („Tag der deutschen Einheit“) 2021. „Danach sollten die staatlichen Beschränkungen von Bürgerrechten enden.“

Der NRW-Familienminister macht sich große Sorgen um das Wohlergehen der Kinder. Er hatte sich vor dem 25.8. mit zahlreichen Fachleuten unterhalten, insbesondere mit Kinderärztinnen und Kinderärzten: „Es wird ja der Politik immer vorgeworfen, wir würden uns nicht an die Wissenschaft halten. Ich finde, bei der Beurteilung der Risiken für Kinder, da ist doch die wichtigste Wissenschaft die Pädiatrie, das was die Kinderärztinnen und Kinderärzte sagen. Die sagen uns, dass die Risiken durch die Beschränkungen viel, viel höher sind.“ (s.o.) 

Kinder können sich nicht wehren. Ihre Eltern sind gezwungen, auch gegen den eigenen (Eltern)-Willen Maßnahmen zu akzeptieren, die in der kindlichen Psyche großen Schaden anrichten können. Diese Maßnahmen überschreiten nicht nur Körpergrenzen, sondern entmündigen die Kinder und zwingen sie zu einer Art soldatischem Gehorsam.

Wir erleben eine rücksichtslose, gleichgültige Corona-Politik. Dass es auch anders geht, zeigen uns die Schweden, wo alle Schulen ohne Einschränkungen geöffnet sind. Impfungen für 16jährige werden in Schweden nicht generell empfohlen, sondern nur für Jugendliche mit bestimmten Erkrankungen. Man hat aus den Erfahrungen mit der Schweinegrippe-Impfung und ihren katastrophalen Folgen und Spätfolgen (Narkolepsie) gelernt.

Manchmal denke ich, dass es das Werk der großen Schriftstellerin Astrid Lindgren ist, das in den Herzen der Schweden Spuren hinterlassen hat. Astrid Lindgrens Bücher speisen sich aus einer tiefen Liebe zum Leben, zu allen irdischen Geschöpfen und aus einer unumstößlichen Achtung vor den Kindern.

Medizinische Maßnahmen als Mittel zur Unterwerfung einzusetzen, ist verwerflich. Seinen entsetzlichen Höhepunkt hatte dieser Wahnsinn in den 1950er und 60er Jahren, als Heimkinder, die keine schützenden Eltern hatten, vielerorts in Deutschland systematisch gequält, ruhig gestellt, misshandelt und (auch für pharmazeutische Studien und Experimente) missbraucht wurden. Zum Einsatz kam hierbei medizinisches Gerät, insbesondere die handliche Injektions-Spritze. „In einer Art Verteidigungsschrift an den Essener Caritas-Direktor bestritt Strehl zwar die Anwendung solcher „Kotzspritzen“, doch zeigen die Quellen ein anderes Bild. Neben den zeitgenössischen Unterlagen berichteten auch verschiedene Heimbewohner über die Verabreichungspraxis solcher Spritzen, die Strehl bei Stationsvisiten offenbar immer bei sich trug, um renitente Kinder bei Bedarf direkt sedieren zu können.https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMI17-20.pdf

Mit „Strehl“ ist der Mediziner Waldemar Strehl (1916-1988) gemeint, der im Zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht gedient hatte und von 1955 bis 1969 im Essener Franz-Sales-Haus tätig war, einem katholischen Behindertenheim. „… Über den missbräuchlichen Einsatz von Medikamenten in Heimen der Nachkriegszeit haben der Historiker Uwe Kaminsky und die Ethikerin Katharina Klöcker von der Ruhr-Universität Bochum am Donnerstag eine Studie veröffentlicht. Am Beispiel des Franz Sales Hauses zeichnen sie nach, wie in den 1950er und 1960er Jahren die Bewohner mit Medikamenten diszipliniert wurden. Damit nicht genug: Der damalige Anstaltsarzt Waldemar Strehl testete an den Minderjährigen neue Präparate – in Überdosis…“ https://www.domradio.de/themen/bistuemer/2020-08-27/zur-strafe-eine-kotzspritze-studie-zeigt-medikamentenmissbrauch-einem-nachkriegsheim

… Ich kann an dieser Stelle nicht weiterschreiben, weil ich erst einmal tief durchatmen muss und spüre, wie mir die Tränen kommen… Beim Googeln musste ich feststellen, dass Waldemar Strehl in meiner Heimatstadt Bottrop geboren wurde und an „meiner Schule“ Städtisches Jungengymnasium Bottrop (später Heinrich-Heine-Gymnasium) Abitur gemacht hat, an eben dem Gymnasium, wo mein Großvater Josef Verron zu der Zeit Lateinlehrer war…

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Vom Blitz getroffen, pardon… Ich habe das Plakat (mehr schlecht als recht) von der illustren Seite leverkusen.com abfotografiert. Damals hat es jemand auf der Solinger Straße in Leverkusen aufgenommen. Das Plakat stammt aus dem Wahlkampf 2017. Lauterbach war bis 2001 Mitglied der CDU, wechselte dann aber in die SPD. Lauterbach machte zu der Zeit Karriere an der Universität zu Köln.  „1998 wurde Lauterbach Direktor des neu gegründeten Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universität zu Köln; damit war auch seine Berufung als Professor verbunden. Dort ist er aufgrund seines Bundestagsmandats beurlaubt.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Lauterbach                                                                                  Lauterbach wollte und will Bundesgesundheitsminister werden, das ist sein Traum. Dafür musste er zunächst einmal Bundestagsabgeordneter werden. Es war schlau von Lauterbach, nicht nur zur SPD zu wechseln, sondern sich den Wahlkreis Leverkusen- Köln IV zu sichern, denn der geht traditionell an die SPD. Als Direktkandidat ist Lauterbach bereits 2005, 2009, 20013 und 2017 in den Bundestag gewählt worden. Lauterbach ist auf das Direktmandat angewiesen. Über die Landesliste in den Bundestag zu kommen, dürfte Lauterbach im Jahr 2021 kaum gelingen, denn die Partei hat ihn lediglich auf Platz 23  gesetzt.                                                                                              Zurück zum Wahlkampf 2017. Ein Job muss reichen. Mit diesem Plakat wollte sich Lauterbach bei den Wählerinnen und Wählern anbiedern, denn in Leverkusen und im Kölner Nordosten leben viele Menschen, die mehrere Jobs brauchen, um sich überhaupt über Wasser zu halten. Lauterbach schwimmt oben und verdient bestens, doch der Professorentitel schützt vor Torheit nicht. Dass die Parole „Ein Job muss reichen“ doppeldeutig ist, dürfte vielen Menschen aufgefallen sein, nur Lauterbach nicht. Lauterbach hat viele Jobs, nicht nur im Bundestag. Als Professor ist er lediglich beurlaubt, er veröffentlicht populärwissenschaftliche Bücher und tritt als Redner auf. Ich sage nur: „Lieber Herr Prof. Lauterbach, bitte bescheiden Sie sich. Nehmen Sie sich selber ernst: Ein Job muss reichen.“

Elfchen im Neunten: „MAKE OUR PLANET GREAT AGAIN“ – „MACHT EUCH DIE ERDE UNTERTAN“

Emmanuel Macron kam der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen vermutlich nicht ungelegen. Vor dem Hintergrund des Ausstiegs kann er umso mehr den Weltklima-Retter mimen. Gemessen am reichlich beschränkten Donald Trump, der (in Klima-Fragen vergleichbar etwa mit der AFD-Politikerin Alice Weidel) nach wie vor nicht begreifen will, dass der „Klimawandel“ von Menschen verursacht ist, wirkt Macron geradezu klug und vernünftig. Das ist natürlich nur relativ, denn, wie (leicht abgewandelt) ein Sprichwort sagt, das Erasmus von Rotterdam zugeschrieben wird: Unter den blinden Männern ist der einäugige Mann König.

Der Ausstieg kam allerdings für niemanden überraschend, denn Trump löste hiermit ein Wahlversprechen ein. Dennoch nahm Macron die offizielle Ankündigung des Ausstiegs zum Anlass, sich am 1.6.2017 vermeintlich tief erschrocken und enttäuscht mit einer „persönlichen“ Botschaft an die Weltöffentlichkeit zu wenden. In dieser Rede tritt Macron gut gepudert als smarter Klima-Missionar auf, der Experten anheuert: „Allen Wissenschaftlern, Ingenieuren, Unternehmern und Bürgern, die von der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten enttäuscht sind, möchte ich sagen, dass sie in Frankreich ein zweites Heimatland finden werden. Ich sage ihnen: Kommen Sie, und arbeiten Sie hier mit uns! Lassen Sie uns gemeinsam an konkreten Lösungen für unser Klima arbeiten.“ (Video Make Our Planet Great Again, deutschsprachige Untertitel)

Doch Macrons Wortwahl lässt aufhorchen. Die gut einstudierte Rede endet mit einem Satz, den sich Macron publikumswirksam für den Schluss aufbewahrt hat: Make Our Planet Great Again. Unüberhörbar spielt der Satz auf Trumps berühmte Parole Make America Great Again an. Nur ist es nicht nur die eine Nation, die Macron wieder großartig machen will, sondern etwas viel Größeres: die ganze Erde. Was aber stellt sich Macron unter einem „großartigen Planeten“ vor? Will Macron die aufgebrachte Natur beschwören? Angesichts von so viel Schwulst wird mir ganz angst und bang.

Make Our Planet Great Again zeigt einmal mehr eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den Präsidenten der Atommächte Frankreich und USA. Beide, der aktuelle Präsident Frankreichs und der ehemalige der USA, lieben die Macht, die Selbstfeier, den Prunk, und beide lieben die prachtvolle Macht-Demonstration. Zur Erinnerung: Nur sechs Wochen nach der Ankündigung des Ausstiegs sind Donald und Melania auf Einladung von Macron anlässlich des Nationalfeiertags nach Frankreich gereist, um am 14.Juli 2017 der Militärparade beizuwohnen.

Leider ist man auch hierzulande von Macrons großmäuliger Parole begeistert. Make Our Planet Great Again ist Leitsatz einer französisch-deutschen Wissenschafts-Kooperative:
„… Das vom BMBF mit 15 Millionen Euro geförderte und auf fünf Jahre (2018–2022) angelegte Förderprogramm für Klima-, Energie- und Erdsystemforschung Make Our Planet Great Again geht auf eine Initiative des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron zurück…“ Weiterlesen: https://www.bmbf.de/SharedDocs/Publikationen/de/bmbf/pdf/bildung-und-forschung-als-schluessel-fuer-eine-nachhaltige-zukunft.pdf?__blob=publicationFile&v=2

In der Wissenschaft herrscht weitgehend Konsens darüber, dass der Klimawandel menschenverursacht ist. Vertiefende Studien und die Entwicklung von Lösungen mögen sinnvoll sein, aber vor dem Hintergrund eines politischen Immersoweiter hat die Forschung auch eine Alibi-Funktion, denn sie dient unseren Politikern dazu, mit gereinigtem Gewissen weiterzumachen wie bisher: Zu verprassen, zu vergeuden und den Planeten, den Macron wieder „great“ machen will, hemmungslos auszubeuten.

Um den Planeten wieder „great“ zu machen, setzt Macron auf die vermeintlich saubere Atomenergie. Das ist, wie wir wissen, höchst riskant. Die Situation ist verfahren. Frankreich deckt den nationalen Energiebedarf vorrangig mit Atomstrom. Die französische Regierung hat unlängst -anstatt den Ausstieg einzuleiten- die Laufzeit der AKWs sogar auf fünfzig Jahre verlängert. Tatsächlich ist -und da reibt sich Macron die Hände- die Erzeugung von Atomkraft mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar, denn das zentrale Ziel des Abkommens ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad, und die Emissionen sind beim Betrieb von Kernkraftwerken gering.

Dass man die Gefahren wider besseres Wissen herunterspielt, ist unannehmbar. Dass jedoch die französische Regierung versucht, Atomkraft als „nachhaltig“ zu verkaufen, um an EU-Fördermittel zu kommen, ist höhnisch und schamlos gegenüber den Menschen, deren Lebensräume durch die Zerstörungskraft der Atomenergie nachhaltig vernichtet wurden. Ich denke an die Opfer der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima, aber insbesondere auch an die Opfer der französischen Atomversuche in Französisch-Polynesien. Die Zerstörung ihres Lebensraums hat die französische Politik in Kenntnis (!) der katastrophalen Folgen bewusst in Kauf genommen.

Es müsste jetzt endlich die Notbremse gezogen werden. Zunächst und zuallererst müsste man an den Auswüchsen ansetzen und die Privilegien der Mächtigen kappen und diese Personen auf den Erdboden zurückholen, dann wäre schon viel gewonnen.

Es gäbe viele klimapolitische Sofortmaßnahmen. Nur ein paar, die mir spontan einfallen: Stopp der Formel 1, virtuelle Ersatzrennen, aber auch Verlegung in Carrerabahn-Hallen bei gleichzeitiger Öffnung der Rennstrecken für Seifenkisten… Nichtinbetriebnahme des Weltraumbahnhofs (netter, verniedlichender Begriff!) in der Nordsee… Keine weitere Eroberung des Weltalls… Olympia dem Amateursport zurückgeben… Gipfeltreffen digital stattfinden lassen: Stopp des internationalen Schaulaufens der Politiker (inklusive des Großen Fressens, der Kaffee-Kränzchen mit der Queen etc…)

Macron, Kofürst von Andorra und Ehrenkanoniker von St. Johannes im Lateran, müsste unbedingt auf den Boden geholt werden. Er möge seine Dienstreise-Freude drosseln und aufs Homeoffice umsteigen. Darüber hinaus müssten seine Bezüge reduziert werden, denn die sind enorm. „Das Gehalt des französischen Staatspräsidenten betrug seit einer Erhöhung im Herbst 2007 – um 170 Prozent – wie das des Premierministers brutto 240.000 Euro im Jahr.[8] Darüber hinaus erhält er jährlich ein Budget in Millionenhöhe, über welches keine Rechenschaft abgelegt werden muss; dazu gehören zum Beispiel freie Kost und Logis im Palast oder Feriendomizile.[9 …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Staatspr%C3%A4sident_(Frankreich)

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Ende August 2021 machen wir -ich älterer Mensch und vier junge Studentinnen zwischen 25 und 20 (darunter meine beiden Töchter)- Urlaub in der Nord-Bretagne. Wir sind mit dem Auto unterwegs. Von uns bin ich die einzige, die einen Führerschein hat. Mit knapp 63 habe ich mir (auch wegen Corona und der unerträglichen Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln) zum ersten Mal im Leben ein Auto zugelegt.

Als Siebensitzer ist das alte Auto groß genug für fünf Personen + Hund, aber auch für die vorwiegend mit bunten Second-Hand-Klamotten und Büchern prall gefüllten Koffer, die so schwer sind, dass ich sie nicht tragen kann. Immerhin brauche ich zum Autofahren noch keine Brille. Auf gut Wetter-Glück habe ich für zwei Wochen eine Ferienwohnung in Ploumanac’h gemietet, einem Ortsteil von Perros-Guirec. Mein Optimismus wird belohnt, die Regenjacken bleiben unausgepackt.

Meistens scheint die Sonne, aber an kaum einem anderen Tag ist der Himmel so unwirklich blau wie am 27. August.

Der Zufall will es, dass ausgerechnet ich, die ich mir so viele Gedanken um den Sonnengott gemacht habe, ausgerechnet hier, wo ich ihn nicht erwartet hatte, bei strahlendem Sonnenschein Macron begegne. Natürlich nicht leibhaftig… Wir sind mit dem Auto auf dem Weg ins schöne Städtchen Lannion, aber die Smartphone-Navi spinnt und leitet uns um nach Perros-Guirec. So geraten wir auf die Küstenstraße zwischen dem „Plage de Trestaou“ und dem „Plage de Trestignel“. Der Straßenrand ist von Menschen gesäumt, die aufs Meer gucken.

Wir stellen das Auto am Plage de Trestignel ab, gehen die Straße hoch und mischen uns unter die Leute: Man erwartet die Flugshow der Patrouille de France, der Kunstflugstaffel der französischen Armee.

Es ist schon faszinierend, wenn am heiteren Himmel mit einem Mal die Flugzeuge auftauchen, Muster bilden und Formationen. Doch alles ist nur Schöner Schein und Schall und Rauch, denn die künstlich erzeugten bunten Wolkenstreifen verpuffen sehr schnell. Dennoch ist die Wahrnehmung nachhaltig manipuliert: Noch Stunden später sollte ich in jeder Möwe den Starfighter sehen

Hybris

schmiert den

Himmel an: Make

Our Planet Great Again

TRICKolore

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Befleckungslust: Dem Himmel den blau-weiß-roten Stempel  aufdrücken, ohne alle Demut zeigen, wer der Herr auf dem Planeten ist:  La Grande Guerre Contre La Nature.

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Soll hier eine Corona-Impfspritze dargestellt werden?

Make Our Planet Great Again… Irgendwann bemerke ich, dass die Parole einen Satz aus dem Alten Testament in sich trägt, Gottes Auftrag an den Menschen: „Macht euch die Erde untertan.“ (Gen 1,28) Beide Sätze (oder sind es nicht eher Schlachtrufe?) haben acht Silben. Die Betonung ist jeweils auf der ersten, der vierten und sechsten Silbe. Der Satzbau ist weitgehend analog, und die Botschaft von Make Our Planet Great Again spielt überdeutlich auf das „Original“ an. Da es den Satz „Macht euch die Erde untertan“ so nur in der deutschsprachigen Bibelübersetzung gibt, ist zu befürchten, dass die Werbetexter, die für Macron arbeiten, ihn bewusst genau so formuliert haben, weil sie einen sprachlichen Köder brauchten für die Verantwortlichen im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die ja auch direkt angebissen haben.

Macron fehlt meines Erachtens alle Demut gegenüber der Schöpfung. An dieser Stelle möchte ich den deutschen Wissenschaftsjournalisten Horst Stern (1922-2019) zitieren, der die Zeitschrift natur mitgründete und bis 1984 deren Herausgeber und Chefredakteur war. Anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 2012 hat die Zeitschrift natur noch einmal Horst Sterns allererstes Editorial abgedruckt:

„Es darf gedacht werden in NATUR. Nicht nur die Hybris, auch die Hoffnung liegt ja in unserem Denkvermögen begründet. Ich bin sicher: Es wird sich in unserem parasitären Umgang mit der Natur nur dann etwas zum Besseren ändern, hin zu ihrer Schonung durch die Erkenntnis unserer Mitgeschöpflichkeit, wenn der rational gefasste, argumentativ bewiesene Gedanke politisch mehrheitsfähig wird, daß wir Menschen im Kreis der pflanzlichen und tierischen Gestalten nicht grundsätzlich anders, sondern nur grundsätzlich andersartig sind: daß unser Verwandtschaftsgefälle hinunter zu einer Kolibakterie beweisbar kürzer ist als das hinauf zu einem Gott, für dessen Ebenbild wir uns halten. Wir sind als Art biologisch unentrinnbar ein Teil der Natur – lebend an ihr Leben, leidend an ihr Leiden, sterbend an ihr Sterben gebunden.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Stern

„Unser bester Schutz“ – Die aktuelle HANSAPLAST-Werbung dürfte gestörte Männer zum Konsum von Kinderpornos ermuntern!

Auf der Internetseite des BKA heißt es: „Kinderpornografie ist die fotorealistische Darstellung des sexuellen Missbrauchs einer Person unter 14 Jahren (Kind). Der Herstellung solcher Darstellungen liegt ein realer (oft schwerer) sexueller Missbrauch zugrunde. Durch die (weltweite) Verbreitung und Verfügbarkeit erfolgt eine dauerhafte Viktimisierung der Opfer.https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/Kinderpornografie/kinderpornografie_node.html

Beim BKA gehen jeden Tag zig Meldungen zu Kinderpornografie im Internet ein. Diese Meldungen werden sehr ernst genommen und konsequent verfolgt, denn hinter den Bildern und Filmen verbergen sich reale Fälle von Missbrauch.

Das Internet ist eine Fundgrube für Kinderpornografie. Es bedient Exhibitionisten und Spanner, denn es gestattet nicht nur die Zurschaustellung der sexuellen Misshandlung, sondern auch das (unbeobachtete!) Zuschauen. Darüberhinaus ermöglicht es gestörten Männern (es sind in aller Regel Männer), das „Material“ zu sammeln und weiterzugeben.

Doch so wichtig das Aufdecken der Missbrauchs-Fälle ist – Ist die Fokussierung auf das Internet nicht (auch) ein Ablenkungsmanöver? Denn krankhafte Neigungen finden nicht nur im Netz Nahrung. Kinder, denen noch nicht bewusst ist, dass man ihr Vertrauen in die Erwachsenenwelt schamlos missbraucht, werden immer mehr (und das öffentlich und legal!) für Werbezwecke instrumentalisiert. Im Zusammenhang mit dem Fall Edathy schreibt die Journalistin Andrea Roedig im Jahr 2015: „Der Pädosexuelle rührt an ein Tabu, doch die empörte Zurückweisung seines Begehrens ist problematisch. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er auch als Sündenbock fungiert... Am Schreckbild des Kinderschänders entlädt sich das schlechte Gewissen einer hypersexualisierten Gesellschaft, in der noch jede Zahnpasta-Reklame voll ist mit Anspielungen aufs Geschlecht. Wir alle schauen ja die ganze Zeit auf mehr oder weniger offen erotisierte Bilder – auch von Kindern und Jugendlichen.https://www.deutschlandfunkkultur.de/paedophilie-was-der-fall-edathy-ueber-unsere-gesellschaft.2162.de.html?dram:article_id=312340

Wir erleben eine unannehmbare gesellschaftliche Doppelmoral. Während man vorgibt, zum Wohle der Kinder zu handeln, stellt unter dem Deckmantel von Schutz und Sicherheit insbesondere die Werbung für Hygiene- und Gesundheitsartikel Kinder in fragwürdigen Posen dar, die perverse Gelüste anstacheln und bedienen. Ich sehe hierin einen Missbrauch der kindlichen Unschuld. In dem Zusammenhang wollte ich mir die aktuelle Hansaplast-Plakatwerbung am Nippeser Bahnhof (vgl. vorheriger Blog-Beitrag) noch einmal genauer anschauen, aber das Plakat ist mittlerweile entfernt worden. An der Ecke Liebigstraße/Herkulesstraße (direkt über dem Tunnel der A57/Teilstück Schnellstraße K4) in Neuehrenfeld entdeckte ich das gleiche noch einmal.

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„Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hierher gebracht? Kommt nur herein und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.“ (Hänsel und Gretel, Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Stelle 15). Was die Hexe im Märchen sagt, könnte heute der verirrte Mann sagen: „Liebes Kind, hast du dir wehgetan? Nicht weinen, ich habe ein Pflaster dabei. Bei mir geschieht dir kein Leid.“

Das Plakat, das so freundlich und harmlos daherkommt, ist voller sexueller Anspielungen. Um das zu verdeutlichen, habe ich die zentralen Details umkringelt.

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Das Mädchen ist kurz vor der Pubertät, neun oder zehn Jahre alt. Es fährt so wild, dass nicht nur die langen Haare fliegen, sondern kleine Steine und Schmutzbrösel hoch spritzen. Die Kleine trägt einen Sicherheitshelm und ein Kleinkinder-Kleidungsstück, ein Latz- Spielhöschen. Ihre Beine sind gespreizt. Zwischen den kurzen Hosenbeinen ist (im „Schritt“) eine kompakte Hosennaht zu erkennen. Diese Naht fällt durch ein paar leuchtend blaue Farbflecken ins Auge, denn die Jeans ist an dieser Stelle unregelmäßig ausgewaschen. Das Mädchen hat sich schmutzig gemacht (bzw. die Bildbearbeitung lässt es schmutzig erscheinen), nur das Knie ist sauber geblieben, „wie geleckt“. Das Hansaplast-Schutzschild rückt das saubere Knie mit dem perfekt sitzenden sauberen Pflaster (und einer schwachen Hautrötung unterhalb des Pflasters) in den Bild-Mittelpunkt.

Die Spitze des Hansaplast-Schutzschildes zeigt auf das rechte Hosenbein, das ein wenig vom nackten Oberschenkel absteht. Das Hosenbein ist ausgebeult, denn offenbar haben sich hier Steine verfangen. Männerphantasien: Wer mag der Herr wohl sein, der die Steinchen aus dem Hosenbein pickt? Ich finde es unverantwortlich und beschämend, dass die Stadt Köln (unseren!) öffentlichen Raum für diese Werbung zur Verfügung stellt.

Vermutlich haben dem Mädchen die Foto-Aufnahmen sogar Spaß gehabt. Denn Kinder wissen nicht, was sie tun. Außerdem bekommen sie etwas zurück: Geld. Ich persönlich kenne einen hübschen elfjährigen Knaben, dessen Eltern das Geld, das er sich als Klamotten-Model verdient, „für die Ausbildung“ zurücklegen. Und ich weiß von einem damals 13jährigen Mädchen, das für eines der Stay-Friends– „Klassenfotos“, die uns vormachen, sie seien „echt“, gemodelt hat.

Aktuell ist diese Pflasterwerbung auch eine Werbung für die Corona-Kinder-Impfung, denn das kleine Pflaster (auch wenn es hier das für eine Impfung gänzlich ungeeignete Knie ziert), ist das Symbol schlechthin: Ich bin geimpft. Gottseidank ist die Bundesregierung bei ihrem Vorhaben, allen Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren ein „Impfangebot“ zu machen, gebremst worden, denn die ansonsten impffreudige Ständige Impfkommission (STIKO) hat bislang nur eine eingeschränkte Empfehlung ausgesprochen. Dass Prof. Dr. Thomas Mertens, Vorsitzender der STIKO, Mitte Juli den Mut hatte, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sagen, dass er seine Enkelkinder nicht impfen lassen würde, finde ich großartig.

Dass der Zusammenhang zwischen Werbung und Kinderpornografie auch (oder gerade?) von den Experten nicht erkannt wird bzw. verdrängt werden muss, bezeugt ein Beitrag in der Ärztezeitung aus dem Jahr 2014. In einem Interview kommt Prof. Dr. Tillmann Krüger zu Wort, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Neurologie in Hannover. https://www.aerztezeitung.de/Politik/Jeder-einzelne-verhinderte-Uebergriff-lohnt-den-Aufwand-244685.html

Prof. Dr. Tillman Krüger ist als Arzt auch Leiter des Präventionsprojektes „Dunkelfeld“ an der Medizinischen Hochschule Hannover. Das Projekt „Dunkelfeld“, das es mittlerweile an zahlreichen deutschen Hochschulen gibt (in Sachsen-Anhalt auch als digitales Angebot), hatte seinen Ursprung in Jahr 2005, als man mit einer Werbe-Kampagne auf ein besonderes Therapie-Angebot am Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Berliner Charité aufmerksam machte. Der Slogan: Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist?

Ziel von „Dunkelfeld“ ist es, „sexuelle Übergriffe durch direkten körperlichen Kontakt oder indirekt durch den Konsum oder die Herstellung von Missbrauchsabbildungen im Internet (sogenannte Kinderpornografie) zu verhindern.“ Im Interview erklärt Tillmann Krüger, was unter Prävention zu verstehen ist: „Menschen mit pädophilen Neigungen sollen lernen, ihr Verhalten zu kontrollieren und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, damit sie keine sexuellen Übergriffe auf Kinder oder Jugendliche begehen.“

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Krüger,

ich persönlich unterstütze grundsätzlich den Gedanken der Prävention, nur fürchte ich, dass er permanent konterkariert wird, denn Männer mit pädophilen Neigungen werden in der hypersexualisierten Gesellschaft ununterbrochen mit Reizen gefüttert. Die Werbung, die wir seit Jahrzehnten zu sehen bekommen, auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ist gespickt mit sexuellen Anspielungen. Wie aber sollen Männer mit pädophilen Neigungen lernen, ihr Verhalten zu kontrollieren, wenn die Werbung auf Kontrollverlust abzielt?

Der wohl bekannteste Werbespruch mit verklemmt-sexuellem Unterton stammt aus dem Jahr 1969 und hat damals die Erwachsenen zum Schmunzeln gebracht. Es ist der doppeldeutige Satz, den man einem kleinen Mädchen zwecks TV-Werbung für die COLGATE-Zahnpasta in den Mund gelegt hat: Mutti, Mutti, er hat überhaupt nicht gebohrt. Im Werbespot sehen wir nicht nur das eine kleine Mädchen im blauen Röckchen, das freudestrahlend aus der Zahnarzt-Praxis gelaufen kommt, sondern später noch etwa dreißig weitere Kinder: Die Mädchen stehen in kleinen Gruppen um Tische herum und putzen sich eifrig die Zähne. Sie alle tragen weiße (weiß wie Zähne) Hemdchen und kurze rote Höschen.

Im Interview mit der Ärztezeitung sagen Sie: „Sicher, aber man kann die Betroffenen nicht mit Scheuklappen durchs Leben gehen lassen. Sie werden Kinder im knappen Höschen am Strand sehen. Sie werden auch mal Schwimmen gehen wollen. Aber in kritischen Situationen gilt es zu sagen, „Mensch, da gehe ich nicht mehr hin“. Oder „Ich geh nur schwimmen, wenn da keine Kinder sind.“

Männer mit pädophilen Neigungen müssen nicht -wie Ihre Sätze suggerieren- an den Strand gehen, um „Kinder im knappen Höschen“ zu sehen.

Ein Hansaplast-TV-Werbefilm aus dem Jahr 2015, der an einem feinsandigen, sauberen Strand spielt, setzt auf die Farbe Blau: Der blaue Himmel, das blaue Meer, blau gekleidete Personen. Das kurze Höschen des kleinen Mädchens ist sandfarben. Ihr leicht verwundeter Finger, den die Mutter mit einem Pflaster umwickelt, ist mit blondem Flaum behaart. Am Schluss des Spots sitzt das Mädchen im Sand. Die Hosenbeine stehen leicht von den Schenkeln ab. Eine Männerphantasie: Wenn sich nur Sand (und meine Hand) darin verfinge. Aus eigener Erfahrung mit kleinen Kindern am Strand kommt mir ein Satz in den Sinn, den ich einmal auf einer Postkarte gelesen habe: Damned Sand gets into everything.

Mit Hansaplast in der Reiseapotheke für die Ferien vorsorgen: Nie war der Badestrand so sauber wie heute.

Als Rotkäppchen vor dem Oster-Besuch bei der Großmutter in die Vorquarantäne ging – Und was dann passierte

Als Rotkäppchen kurz vor Weihnachten 2020 dreizehn Jahre alt wurde, nahm sie endlich das rote Käppchen ab. Seitdem trug das Mädchen den lieben langen Tag einen roten Mund- Nasenschutz. Käppchen und Maske zusammen – das sah einfach nicht gut aus. Aber sie nannte sich nicht Rotmaske, sondern immer noch Rotkäppchen.

Rotkäppchen hatte ihre Großmutter fast ein Jahr lang nicht gesehen. Die Großmutter lebte wie eh und je in ihrem Waldhaus und rief einmal in der Woche ihre Enkelin an. Manchmal fuhr sie mit dem E-Dreirad über die Waldwege zum Einkaufen in die Stadt. Rotkäppchens Vater, der sich eigentlich nur zu den Feiertagen bei seiner Mutter meldete, hatte die Großmutter unterstützen wollen und schon zu Beginn der Krise bei ihr angerufen.

„Mutter, ich muss dir leider etwas mitteilen. Wir erleben gerade eine schwere Seuche.“ Er schluckte: „Corona. Pass bitte auf dich auf.“

Die Großmutter lachte: „Junge, was erzählst du mir da? Ich hab keinen Fernseher, aber WLAN. Ihr Städter spinnt. Seit die Füchse wieder in die Städte kommen und die Krähen nicht mehr abgeschossen werden dürfen, fühlt ihr euch verfolgt. Ihr seht überall Ungeziefer und Viren. Ihr dreht komplett durch. Begreift doch endlich, dass sich die Natur nicht kontrollieren lässt.“

„Mutter, es ist ernst“, sagte der Sohn. „Ich könnte dir doch die Lebensmittel vorbeibringen. Ich stelle dir alles vor die Tür, klingele kurz an und gehe schnell zum Auto zurück. Mutter, wir…“ Er schluckte. „Mutter, wir können uns zuwinken.“

„Mach dich nicht lächerlich“, sagte die Großmutter. „Du bist ein sentimentaler Hypochonder und hast panische Angst vor dem Tod. Ich bin alt, aber du musst keine Angst vor mir haben. Alt ist nicht ansteckend, mein Sohn.“

„Ich habe keine Angst vor dir, sondern um dich“, entgegnete Rotkäppchens Vater. „Ich habe Angst, dass du dich bei mir ansteckst.“

„Wieso sollte ich das?“

„Mutter, mach jetzt bitte keine Witze. Ich will verhindern, dass ich dich anstecke. Es geht nicht um meine Gesundheit, sondern um deine. In deinem Alter ist eine Infektion lebensbedrohlich. Ich…“

„Halt!“, sagte die Großmutter. „Sprich nicht so laut, ich bin nicht schwerhörig.“

„Gut“, sagte Rotkäppchens Vater. „Aber begreif, Mutter, du musst dich vor uns schützen.“

„Das ist mir nicht neu“, sagte die Großmutter und legte auf.

Rotkäppchen hätte die Großmutter allzu gerne besucht. Aber das war leider nicht möglich, ihr Vater hatte es ihr schon zu Beginn der Krise verboten, denn sie musste ja die Großmutter schützen. Im Schaukasten der Apotheke hing ein Plakat, das so rot war wie ihr Käppchen: „Bring Corona nicht zur Oma.“

Rotkäppchen fühlte sich angesprochen, ja ertappt. Sie träumte sogar von dem Plakat. Doch im Traum stand auf dem Plakat ein ganz anderer Satz: „Bring den Wolf nicht zur Oma.“ Rotkäppchen erschrak. Schließlich war sie diejenige gewesen, die den Unhold zur Oma gebracht hatte, denn sie hatte dem Bösen Wolf damals den Weg verraten.

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Bring

den Wolf

nicht

zur Oma.

Fortan sah es Rotkäppchen als ihre Aufgabe an, Kinder und Jugendliche über die Gefahren der Corona-Infektion aufzuklären. Da sie bereits als Kind eine traumatische Erfahrung mit dem Bösen gemacht hatte, galt sie trotz ihrer jungen Jahre schon bald als Expertin. Sie ging in die Schulen und hielt Vorträge. Rotkäppchen brachte den Schülerinnen und Schülern bei, wie man sich vor dem Virus schützen kann.

Mit einfachen Worten erklärte sie auch kleinen Kindern die AHA-Regeln. Das H für Hygiene war ihr besonders wichtig, nicht nur, was das Händewaschen betraf. Denn als sie damals dem Wolf begegnet war, hatte der nicht gerade sauber ausgesehen und zudem übel gerochen, und was noch schlimmer war: Beim Anblick des unschuldigen Kindes war ihm der hochinfektiöse Speichel aus dem Maul gelaufen und auf den Waldboden getropft.

Rotkäppchen wurde als hochbegabt eingestuft und bekam das Angebot, schon vor dem Abitur Gesundheitspsychologie zu studieren. Weihnachten würde sie die Großmutter mit der Neuigkeit überraschen. Doch die Großmutter hatte es längst über das Internet erfahren, denn die Nachricht stand in mehreren Online-Zeitungen. Leider hatte die Großmutter was gegen die Gesundheitspsychologie.

Gesundheitspsychologen und insbesondere Gesundheitspsychologinnen waren für die Großmutter Personen, die sich auf oft unannehmbare Art und Weise in das Leben anderer Leute einmischten, insbesondere in das Leben der Dicken, der Raucher und der Alkoholtrinker. Die Großmutter, eine leidenschaftliche Rotweintrinkerin, sagte für Weihnachten ab. Dabei hätte ihr Besuch, wie Rotkäppchens Vater seiner Mutter erklärt hatte, kein Problem dargestellt. Sie hätte als einzige Person aus einem anderem Haushalt ungeprüft zu Besuch kommen können.

Was war nur mit Großmutter los? Rotkäppchens Vater wurde böse. Wie konnte sie ihre Enkelin so enttäuschen und verunsichern? Auch das Weihnachtsgeschenk hatte die Großmutter nicht angenommen.

„Warum schenkst du mir ein Smartphone?“, fragte die Großmutter am Telefon. „Du kannst mir doch nicht vorschreiben, was ich brauche.“

„Mutter, es ist wichtig, dass sich auch die Älteren an der digitalen Erneuerung beteiligen.“

„Es ist wichtig, dass sich nicht auch noch die Älteren veräppeln lassen“, sagte die Großmutter. „Ich will keine Apps. Findest du es gerecht, dass ich mehr Geld für meine Straßenbahn-Karte zahlen muss, nur weil ich keine App habe?“

„Sieh es bitte anders, Mutter. Du bezahlst so viel wie immer. Aber diejenigen, die eine App haben, zahlen eben weniger. Das Angebot könntest du auch wahrnehmen.“

Die Großmutter lachte und legte auf. Einige Monate hörten sie nichts voneinander. Doch gegen Ostern 2021 meldete sich ihr Sohn.

„Mutter, ich möchte dir etwas mitteilen. Du wirst direkt nach Ostern geimpft. Ich komme mit deiner Hausärztin bei dir vorbei.“

„Was erzählst du da?“, fragte die Großmutter. „Ich habe weder Haustier noch Hausärztin. Und wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann für den zähnefletschenden Hund und nicht für die die Impfspritze zückende Medizinerin. Der Hund droht nur.“

Rotkäppchens Mutter hatte alles mit angehört, denn ihr Mann hatte das Telefon laut gestellt. Jetzt übernahm sie den Telefonhörer. Sie räusperte sich und sprach mit leiser, gebrochener Stimme: „Bitte, lass dich impfen. Dann brauchst du keine Angst mehr vor dem Virus zu haben.“

„Ich habe keine Angst“, sagte die Großmutter. „Ich misstraue nur der Impfung. Lieber stecke ich mich freiwillig an, als mich unfreiwillig impfen zu lassen.“

„Hilfe“, jammerte im Hintergrund Rotkäppchens Vater. „Ich kann nicht mehr. Meine Mutter ist selbstmordgefährdet.“

„Mutter, wir wollen dich doch so so so gerne besuchen“, sagte Rotkäppchens Mutter, die die Fassung behielt. „Aber es wäre viel viel viel schöner, wenn du geimpft bist, denn die Impfung schützt dich davor, dich bei uns anzustecken. Wir wissen ja nicht, ob wir nicht vielleicht ansteckend sind. Der Inzidenz-Wert ist erschreckend hoch.“

„Ich bin längst längst längst immun gegen euch“, sagte die Großmutter.

Rotkäppchens Vater machte sich große Sorgen. Eine Großmutter zu haben, die sich der Impfung verweigerte, konnte für Rotkäppchen rufschädigend sein. Überhaupt wurde die Großmutter für die Familie zunehmend zur Belastung. Es sprach sich herum, dass die Großmutter eine Corona-Leugnerin und Verschwörungstheoretikerin war. Irgendwer hatte sie auf einer Querdenker-Demo gesehen, denn sie war auf den Bildern in der Tagesschau deutlich zu erkennen gewesen, und zwar in den Reihen der AFD. Die Leute grüßten nicht mehr.

Am Telefon platzte Rotkäppchens Vater der Kragen: „Dass du mir das antust, Mutter!“

„Was lässt du dir erzählen?!“, schrie die Großmutter. „Ich finde die AFD fürchterlich, das weißt du doch. Außerdem bin ich viel zu faul zum Demonstrieren. Früher, ja. Da waren die Demos noch politische Volksfeste… Komm sing doch, Vogel, sing, daß Gorleben lebt… Ich kann ohnehin nicht mehr so lange stehen. Und auf Demos ist nie ein Klo in der Nähe. Ich denke nur, wir müssen über neue politische Aktionsformen nachdenken. Bei der Critical Mass Corona wäre ich gerne dabei. Ich wünsche mir dezentrale Aktionen.“

„Tu mir das nicht an, Mutter! Willst du etwa zu diesen aggressiven Radfahrern gehören, die den Straßenverkehr blockieren?“

„Du denen gehöre ich längst.“ Die Großmutter lächelte. „Ich war schon oft dabei. Außerdem sind nicht wir Radfahrer aggressiv, sondern die Autofahrer. Wir fahren im Pulk und halten anderthalb Meter Sicherheitsabstand voneinander. Ich bin jetzt auf das E-Dreirad umgestiegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren und um den Anschluss an die Gruppe zu halten. Junge, ich kann sitzend demonstrieren. Zur Zeit findet ja wegen Corona keine Critical Mass mehr statt. Die kritische Masse wurde platt gemacht. Höchste Zeit, sie wieder zu beleben, und zwar dezentral. Nicht nur zum Thema Klima, sondern zum Thema Corona. Ich wünsche mir kleine Pulks, die überall gleichzeitig starten und…“

„Stop!“, schrie Rotkäppchens Vater. „Du wirst dir die Knochen brechen. Wir müssen über das Haus reden, du müsstest renovieren, um den Wert des Hauses zu erhalten. Falls du Pflege brauchst und in ein Heim kommst, werden wir das Haus verkaufen müssen, um den Pflegeplatz finanzieren zu können. Mutter, unser Waldhaus steht unter Denkmalschutz, aber du lässt es vergammeln.“

„Das Waldhaus ist immer noch mein Haus“, sagte die Mutter.

„Aber wir müssen für die Pflege aufkommen.“

„Für welche Pflege?“

„Mutter, es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber du gefällst mir überhaupt nicht.“

„Danke gleichfalls“, sagte die Großmutter und legte auf. Sie seufzte tief. Die Corona-Krise brachte traurige Wahrheiten ans Licht. Die Zwangs-Maßnahmen wirkten: Die Reichen wurden immer reicher, die Armen immer ärmer. Starbucks und MacDonalds überlebten, aber die kleinen, lebendigen Cafés, Kneipen und Restaurants waren längst platt. Die Leute hatten sich der Macht gebeugt. Sie standen stramm, misstrauten und verpfiffen einander. Die Menschen unterwarfen sich den neuen Gesetzen und ließen sich lächelnd impfen, um endlich Ruhe zu haben. Der Umgangston war autoritär. Im Namen der Staatsgewalt maßregelten spießige Kinder ihre freundlichen alten Eltern. Ihr Sohn, ein Betriebswirt, der bei amazon auf die schiefe Geld-Bahn geraten war, war selbstbewusst wie noch nie.

Aber jetzt war die Gelegenheit da, dem Jungen die Wahrheit zu sagen. Ein paar Tage später rief sie ihn an.

„Es ist alles wieder gut“, sagte sie leise lachend. „Lass uns miteinander reden. Es ist schön, dass du dich um mich sorgst. Aber mach dir um das Geld keine Gedanken. Ich hab ausgesorgt, denn ich habe vor ein paar Jahren im Lotto gewonnen. Eine hübsche Summe im sechsstelligen Bereich.“

„Mutter, du… Warum hast du uns das nicht erzählt?“

„Ist ja schon peinlich.“

„Ach, Mutter. Weißt du was, wir werden dich besuchen, und zwar an Ostern, denn das müssen wir feiern. Aber vorher geht meine kleine Familie in die Vorquarantäne. Und anschließend machen wir noch einen kostenlosen Corona-Bürgertest. Für das Geld, das wir sparen, bringen wir dir Blumen mit.“

„Das würdet ihr für mich tun?“, fragte die Großmutter leise. „Gibt es jetzt eine Vorquarantäne für Menschen?“

„Aber ja“, sagte Rotkäppchens Vater und gluckste.

„Ich kenne die Vorquarantäne nur von den Haustieren, die die Leute nach Großbritannien mitnehmen wolllten“, sagte Rotkäppchens Großmutter. „Das war eine Regelung aus dem 19. Jahrhundert. Es konnte ja sein, dass die Tiere die Tollwut hatten, also mussten Hunde und Katzen bis vor 20 Jahren in die sechsmonatige Vor-Quarantäne, was natürlich maßlos übertrieben war. Du siehst, die Ansteckungs-Angst, die wir heute erleben, ist nicht neu. Aber eine Vor-Quarantäne ist meiner Meinung nach Tierquälerei.“

„Die Vorquarantäne für Menschen ist keine Quälerei, denn sie dauert nur wissenschaftlich empfohlene zehn Tage“, sagte Rotkäppchens Vater. „Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar ist vor Weihnachten mit der ganzen Familie in die Vorquarantäne gegangen, um die Schwiegermutter besuchen zu können. Ich finde das großartig.“

„Was ist daran großartig?“

„Dass offenbar die ganze Familie auf den Häuptling gehört hat“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das hätte ich auch gerne.“

„Ja, ja.“ Die Großmutter grinste. „Und woher weißt du das?“

„Aus der neuen OMA“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das Magazin für aktive Großeltern. Ich schicke dir eine Mail mit einem Foto vom Heft.“

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„Ein bildhübscher Junge“, sagte die Großmutter. „So einen wünscht man sich als Schwiegersohn. Du hattest mir ja im letzten Jahr sein Buch geschenkt: Nächste Ausfahrt Zukunft. Das war gut gemeint von dir, aber… Ein irreführender Buchtitel. Als wenn es so einfach wäre. Blinker setzen und raus aus der Patsche. Sich über die Navi informieren lassen und schnell die letzte Ausfahrt vor dem Total-Stau nehmen, während die anderen stecken bleiben. Nur hängen die Schlaumeier, die abfahren, dann oft stundenlang auf der Landstraße mit all denen, die ebenfalls meinten, schlauer zu sein. Außerdem macht der Ranga Auto-Werbung.“

„Wieso das denn?“

„Ich glaube kaum, dass er mit dem Fahrrad über die Autobahn fährt und radelnd die Ausfahrt Zukunft nimmt. Sag, hatte der Ranga die Idee mit der Vorquarantäne?“

„Jein“, sagte Rotkäppchens Vater. „Das war mit Christian Drosten abgesprochen. Ranga Yogeshwar hat die Idee umgesetzt. Er hat es stellvertretend für uns alle ausprobiert. Großartig! Ich lese es dir vor …“

„Nein“, sagte die Großmutter. „Das hätte ich gerne schwarz auf weiß. Schick mir doch bitte ein Foto des Artikels per Mail.“

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„Für den Ranga Yogeshwar ist die Schwiegermutter… am Ende ihres Lebens“, sagte die Großmutter, nachdem sie den Artikel gelesen hatte. „Bin ich das für dich auch?“

„So würde ich das nie ausdrücken“, sagte Rotkäppchens Vater. „Aber wissenschaftlich korrekt ist das ja schon.“

„Ich bin enttäuscht“, sagte die Großmutter. „Was ist dem Ranga Yogeshwar passiert? Der ist doch eigentlich ein großartiger Journalist. Ist das noch der selbe Mann, der mutige, politisch kritische Berichte zum Thema Atommüll verfasst hat? Was ist mit ihm passiert? Wie dieser Mann sich neuerdings ausdrückt: Wir brauchen andere Strategien, auch mit Blick auf Schnelltests. Damit diese Menschen noch ein Stück Lebensqualität haben. Der Ausdruck Lebensqualität ist wirtschafts- und sozialwissenschaftlich korrekt, aber eiskalt. Außerdem ist das Werbesprech. Für wie tot hält er uns alte Menschen? Das ist Ausbeutung.“

„Wie kannst du so etwas sagen?“, empörte sich Rotkäppchens Vater. „Das ist doch keine Ausbeutung! Die Oma bekommt großzügige Geschenke. Yogeshwars Kinder haben ihr ein Smartphone gekauft. Mittlerweile ist die Schwiegermutter in der Familie die WhatsApp-Queen.“

„Das ist doch ein alter Schmarren“, sagte die Großmutter. „Der Ranga hat schon vor drei Jahren in einem Stern-Interview erzählt, dass die Schwiegermutter per WhatsApp mit den Enkeln kommuniziert. Ich schicke dir gerne den Link. https://www.stern.de/panorama/gesellschaft/-ranga-yogeshwar–haben-roboter-bald-die-weltherrschaft-inne—7847034.html Mir gefällt das gar nicht, was er da tut. Er benutzt die Familie für Werbezwecke.“

„Wie bitte?!“

„Er macht hier Werbung für die Corona-Zwangsmaßnahmen“, sagte die Großmutter. „Und für die digitale Erneuerung, die mit den Maßnahmen einhergeht.“

„Du bist ja nur neidisch“, sagte Rotkäppchens Vater.

„Der Ranga ist zu schön, um wahr zu sein“, sagte die Großmutter. „Ich würde nur gerne wissen, wie die Schwiegermutter es findet, dass er von einem Magazin namens OMA Tausenden von Schwiegermüttern in die Augen guckt. Dabei interessiert er sich gar nicht für die Oma. Der Mann hat doch Einfluss. Warum macht er nichts dagegen, dass die Menschen in den Altenheimen schon seit Wochen in Quarantäne sind, obwohl man sie zwei Mal geimpft hat? Die Alten haben kein schönes Leben mehr. Aber sag, wie lange geht ihr drei in die Vorquarantäne?“

„10 Tage.“

„Eine gute Idee“, sagte die Großmutter. „Dann mache ich in den zehn Tagen den Frühjahrsputz. Es soll schön sein, wenn ihr kommt. Ja!“

Die Großmutter legte auf, atmete auf. Sie stand eine Weile nur so da und wurde dann mit einem Mal von einem tiefen Lachen ergriffen. Konnte nicht mehr aufhören zu lachen. Sie machte sich in die Hose, aber es war ja kein Mensch in der Nähe, der das sah. Und die Zimmertierchen, die Silberfischchen, Stubenfliegen, Spinnen und Schneider, die Motten und Milben würde es ohnehin nicht interessieren. Es war ihr alles auf die schönste Weise egal. Mediziner würden das, was ihr geschah, einen Lachkrampf nennen, eine Affektinkontinenz. Aber das war kein Krampf und keine Inkontinenz, sondern ein Ausbruch, eine Befreiung. Das war einfach nur kosmisch.

Also ging Rotkäppchen mit ihrer Familie in die Vorquarantäne. Wenn sie bei schönem Wetter aus dem Fenster nach draußen guckte, sah Rotkäppchen, dass die selben Kinder, die sie unterrichtet hatte, die AHA-Regeln nicht beherzigten, sondern miteinander spielten und rauften. Sie rief beim Schuldirektor an und beschwerte sich.

„Petze“, sagte der Schulleiter. Ausgerechnet der Mann, der sie immer gefördert hatte. Rotkäppchen weinte bitterlich.

„Was ist los?“, fragte die Mutter, die ins Zimmer gerannt kam.

„Mir ist so langweilig“, sagte Rotkäppchen.

„Du hast doch jetzt deinen Podcast“, sagte die Mutter.

„Ich hab aber gar keine Freunde mehr“, sagte Rotkäppchen. „Ich kriege nur jeden Tag Mails mit Heiratsanträgen von angehenden Ärzten und Apothekern. Gestern war ein fünfzehnjähriger Medizinstudent dabei.“

„Wunderbar!“, freute sich die Mutter und klatschte in die Hände. „Der junge Mann hat mindestens drei Klassen übersprungen!“

„Mama, was soll ich denn damit? Mir ist so langweilig.“

„Stell dich nicht so an und sieh das positiv“, sagte die Mutter. „Dann langweilst du dich jetzt mal.“ https://web.de/magazine/ratgeber/kind-familie/laaangweilig-eltern-meistens-falsch-reagieren-34573652

Endlich war die Quarantäne vorbei. Alle drei hatten sich testen lassen. Welche Freude es war, negativ getestet worden zu sein. Mit dem Testergebnis gingen alle drei zum Friseur. Gut schauten sie aus.

Als sie am Waldhaus ankamen, stand die Tür weit offen, so wie damals, als Rotkäppchen bei der Großmutter ankam, aber der Wolf ihr zuvorgekommen war und die Großmutter gefressen hatte. Doch diesmal war alles anders. Auf der Wiese vor dem Haus blühten bunte Frühlingsblumen.

„Hereinspaziert“, rief von drinnen die Großmutter.

Der Hauseingang war hübsch geschmückt. Im Flur hatte die Großmutter die Osterhasen-Bilder aufgehängt, die Rotkäppchen vor ein paar Jahren gemalt hatte. Eine riesige Bodenvase mit blühenden Kirschzweigen, an denen bunte Eier hingen, verstellte den Blick auf den Wohnraum. Alles verhieß ein wundervolles Osterfest. Nur hatte das Rotkäppchen einen strengen Geruch in der Nase, der ihr bekannt vorkam.

„Darf ich vorstellen?“, sagte die Großmutter. „Das ist Wolf, mein neuer Ehemann und… “ Die Großmutter streichelte die Pfote des Wolfs, der neben ihr am Tisch saß und einen Napf mit Lamm-Ragout vor sich hatte, der Leibspeise von Rotkäppchens Vater.

„Ehemann und?“, wiederholte Rotkäppchens Mutter und hielt sich die Nase zu.

„Mein neuer Ehemann und mein Alleinerbe und…“

„Und?!“ Jetzt schrie Rotkäppchens Mutter.

„Vater meiner fünf Adoptivkinder“, sagte die Großmutter. „Endlich habe ich eine große und lustige Familie.“

„Juchhu“, freute sich Rotkäppchen. „Habe ich jetzt endlich Vettern und Kusinen?“

Die Großmutter nickte: „Mindestens 36.“

„Ist das amtlich?“, fragte Rotkäppchens Vater und setzte sich mit Abstand ans andere Ende des Tisches.

„Aber ja“, sagte die Großmutter. „Falls ich sterben sollte, was ich nicht vorhabe, können sich sechs Kinder über einen Pflichtanteil freuen. Das macht für dich, mein Sohn…“

„Ein Vierundzwanzigstel“, sagte Rotkäppchens Mutter, die Juristin war und Fachanwältin für Erbrecht. Sie hielt sich die Hand an den Kopf und ließ sich auf das ordentlich gemachte Bett der Großmutter fallen.

„Mutter, das glaub ich nicht“, sagte Rotkäppchens Vater.

„Das ist doch wohl nicht beurkundet, oder?“, fragte seine Frau.

„Doch“, sagte die Großmutter. „Wir wollten keine wilde Ehe. Es gibt ein handschriftliches, sicher verwahrtes Testament. Wolf tut sich schwer mit dem Schreiben, außerdem hat er nichts zu vererben. Ich bin der Part vom Paar, der schreiben kann.“

„Wie …?“ Rotkäppchens Vater atmete schwer. „Wie…. Wie habt ihr das gemacht? Ich meine, ihr müsst doch auf dem Standesamt gewesen sein.“

Großmutter lächelte: „FFP2.“

***

Ergänzung Pfingsten 2021:

Nur wenige Tage, nachdem ich die Geschichte aufgeschrieben hatte, überraschte mich die Nachricht, dass in der Nacht auf den Donnerstag im Kölner Nordwesten, ganz in der Nähe der autofreien Siedlung Stellwerk 60, ein Wolf gesichtet wurde. Wie einst der Rattenfänger von Hameln seine Chance witterte, als alle Erwachsenen in der Kirche waren, so nutzte dieser Wolf die nächtliche Ausgangssperre zu einem Streifzug durch die ungewöhnlich menschenleeren Stadtteile Ehrenfeld, Bilderstöckchen und Weidenpesch. Dass er mehrfach in den Nähe der mehrspurigen Straße namens Gürtel beobachtet wurde (Melatengürtel und Parkgürtel), überrascht mich nicht. Hier begegnen einem manchmal wilde Tiere. Vgl.: https://stellwerk60.com/2019/12/13/der-stadtjager-und-der-waschbar/

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Schon am nächsten Tag schaltete man das Lanuv ein, das „Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen“. Der Kölner Stadtanzeiger fasste den Stand der Ermittlungen folgendermaßen zusammen: „…In Köln gab es derweil noch einen weiteren Zwischenfall, in den ein Wolf involviert gewesen sein könnte. Am Donnerstag „wurden in der nördlichen Kölner Rheinaue vier tote Schafe gefunden, die in der Nacht von einem großen Hund oder einem Wolf getötet worden waren“, teilt das Lanuv mit. Ein Wolfsberater habe im Auftrag der Behörde die gerissenen Schafe dokumentiert und Proben für die genetische Untersuchung durch das Senckenberg-Forschungsinstitut in Gelnhausen genommen. Wenn sich der Wolfsverdacht bestätigt, kann der Tierhalter eine Entschädigung beantragen, erklärt das Lanuv weiter…https://www.ksta.de/koeln/-extrem-selten–wolf-irrt-durch-koeln-und-wird-von-ueberwachungskamera-gefilmt-38411732 Mein großer Hund hat ein Alibi. Er war hier und hat geschlafen. DIE ZEIT DER WÖLFE ist nicht seine.

Ernst Jandl-Gedächtnis-Elfchen: Die Politik verliert den ÜberLick

11.3.21: 10. Jahrestag der Reaktorkatastrophe in Fukushima am 11.3.11

11h: Sirenenalarm. Ich gucke ins Internet, was man ja tun soll, wenn die Sirenen heulen, und erfahre etwas, das mich überrascht: Im Bundesland Nordrhein-Westfalen sind heute, am 11.3.2021, überall die Sirenen zu hören, denn heute ist „Warntag 2021“. Hatten wir einen solchen „Warntag“ nicht schon einmal?

In die „Suchen“-Funktion meines Blogs gebe ich „Warn-Apps“ ein und komme auf einen Beitrag vom 15. September 2020 ( https://stellwerk60.com/2020/09/15/veedel-for-future-bei-der-wahl-des-stadtrates-erreichen-die-grunen-in-nippes-3887/ ), wo ich folgendes schrieb: „Nicht nur die Sirenen werden getestet, sondern auch die Warn-Apps. Unter dem seltsam drohenden, völlig verunglückten Veranstaltungs-Titel „Wir warnen Deutschland“ (kein Witz!) wurde am 10. September der erste bundesweite Katastrophen-Warntag durchgeführt, der demnächst regelmäßig einmal im Jahr stattfinden soll. Pünktlich um 11:00 Uhr ertönten bundesweit die Sirenen. Zeitgleich wurde erstmals flächendeckend neben anderen Apps die Warn-App NINA („Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes“) ausprobiert. Doch ausgerechnet NINA versagte. ‚Während in einigen Städten die Sirenen heulten, das Radio und das Fernsehen warnten, blieben die Warn-Apps still – und verschickten ihre Warnungen teils über eine halbe Stunde zu spät.‘ https://www.hna.de/welt/warntag-2020-deutschland-panne-bayern-katwarn-nina-probealarm-warnung-twitter-katastrophe-zr-90040078.html?cmp=defrss…“

Zurück zum „Warntag 2021“ in Nordrhein-Westfalen. Haben die Verantwortlichen vergessen, dass sich heute vor zehn Jahren die Reaktorkatastrophe von Fukushima ereignet hat? Warum gibt es keine bundesweite Schweigeminute, sondern einen landesweiten Probealarm?

11h30: Der Himmel reißt auf. Ich gehe zum Nippeser Markt und begegne dort einem alten Mann, der eine FFP2- Maske trägt, Fratzen schneidet und wild gestikuliert. Man könnte ihn für verrückt halten. Die Leute sind froh, dass er Abstand halten muss. Sie halten hilfesuchend nach dem Ordnungsamt Ausschau. Durch die Maske hindurch kann der Mann immer noch singen: „Fleißig, fleißig, die DDR, die ist nicht mehr. Oder, oder? Fleißig, fleißig, drei mal elf ist dreiunddreißig. Oder, oder?“

Ich weiß nicht, ob der Mann verrückt ist. Aber die Politik? Spielt die nicht verrückt?

Im Jahr 2015 hat der Ullstein-Verlag Astrid Lindgrens Tagebücher 1939-1945 herausgegeben.(Original: Krigsdagböcker 1939 – 1945) Angelika Kutsch und Gabriele Haefs haben das Buch aus dem Schwedischen sorgsam ins Deutsche übersetzt. Der deutsche Titel des Buchs lautet: „Die Menschheit hat den Verstand verloren“. Mit diesem Titel könnten auch Tagebücher aus der Jetztzeit überschrieben sein.

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Vielleicht waren es die beiden Übersetzerinnen, die die schöne Idee hatten, im Vorsatz des Buchs das Faksimile eines von Astrid Lindgren mit der Hand geschriebenen Satzes abzudrucken, der dem Buchtitel als Vorlage diente. Zu deutsch: „Aber die Menschheit hat nun einmal komplett den Verstand verloren.“ (Astrid Lindgren, 12.Mai 1942)

Die Politik verliert den ÜberLick

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Po die

Popopo die Polili

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ÜberLick

Samstag 24.10.2020, spiegel.de. Während die Grafik der Seiten während des Vormittags immer wieder verändert wurde, blieb die Schlagzeile gleich: Polens Präsident Duda positiv getestet. Auch der Text unter der Schlagzeile blieb der gleiche – sowie der Rechtschreibfehler im letzten Wort: „Der Überlick“. Offenbar kam niemand auf die Idee, einmal „konservativ“ den Text zu prüfen. Erst nach Stunden (!) wurde der „Flüchtigkeits“-Fehler korrigiert… Mit Corona häufen sich nicht nur die Rechtschreibfehler.

Schauen wir uns unten stehendes Bild einmal genauer an: Ich bin keine Befürworterin der Politik von Andrzej Duda, im Gegenteil. Doch diese Schlagzeile (unter dem „News-update“!) ist nicht informativ, sondern reißerisch. Meines Erachtens wird Andrzej Duda hier zur Zielscheibe einer untergründig aggressiven „Berichterstattung“. Denn oben auf der Seite (oberhalb der Schlagzeile) wird für ein Computer-Kriegsspiel geworben, das vermutlich nicht einmal als jugendgefährdend und kriegsverherrlichend eingestuft wird, es aber ist. https://worldofwarships.eu/de/

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Im Zusammenhang mit der Werbung für „World of Warships“ dürfte die Schlagzeile Polens Präsident Duda positiv getestet, so ist zu befürchten, bei vielen „Usern“ Kriegs-Gelüste hervorrufen, triumphale, gefährlich diffuse NEUE MÄNNERPHANTASIEN. Das Virus wird zum Angreifer erklärt, der es auf alle Menschen abgesehen hat, aber aktuell auf Andrzej Duda. Mögliche Assoziationen: Duda vom Virus getroffen, ey, du da… Duda von Corona angeschossen, ey, du da… Corona hat Polen erwischt, ey, du da… Jetzt bist du dran, Duda, ey du da…

Zugleich wird ein Superlativ präsentiert, der Leserinnen und Leser in Angst und Schrecken versetzt und das Virus dämonisiert: „In Deutschland wurden so viele neue Fälle an einem Tag registriert wie noch nie seit Beginn der Pandemie.“ Corona, so wird suggeriert, ist längst außer Kontrolle. Corona läuft Amok.

Doch das eigentliche Opfer heißt Duda. Andrzej Duda ist Präsident der Republik Polen. Wie wir alle wissen, begann am 1. September 1939 mit dem hinterhältigen Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen der Zweite Weltkrieg.

Dass DER SPIEGEL (spiegel.de) eine zentrale Werbefläche an die Macher des Computer-Kriegsspiels „World of Warships“ („KOSTENLOS SPIELEN“!) verkauft hat (ausgerechnet auf der Wissenschafts-Seite, die für Objektivität steht!), ist meines Erachtens unannehmbar. Dass es passieren konnte, dass und wie diese Werbung mit der Meldung „Polens Präsident Duda positiv getestet“ zusammengebracht wurde, macht mich fassungslos!

Ach, mein lieber Herr Jandl, wir erleben zurzeit ein politisches Dulcheinandel, und die Medien dulcheinandelen mit. Lieber Herr Jandl, die klaren, klugen, präzisen und wunderschönen Gedichte, die Sie damals geschrieben haben, sind hochaktuell.

Ihr Gedicht „Schtzngrmm“ aus dem Jahr 1957, das ich zur Zeit ständig im Kopf habe, tröstet mich, denn es ist so wahrhaftig. Es ist nicht nur ein Zeugnis für den Irrsinn des Krieges, sondern eine Kritik an der verblödenden medialen Beballerung mit sogenannten „Informationen“ und dem verrückten und verrückt machenden Werbe-Trommelfeuer, dem wir nicht erst seit Corona -aber seit Corona mehr denn je- permanent ausgesetzt sind .

Für dieses Video, das „Peteratanas“ ins Netz gestellt hat, bin ich dankbar:

Eine peinliche PR-Panne: Steinmeiers Fuchs lebt nicht erst neuerdings in Bellevue, sondern war schon unter Gauck Medien-Liebling

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat, wie ich in meiner Eilmeldung berichtete, den Fuchs, der im Park von Schloss Bellevue lebt, am 28.1. auf den Namen „Theo“ getauft. Kurz nach Weihnachten hatte er auf Instagram dazu aufgerufen, Namen vorzuschlagen. Mehr als 10.000 Menschen reichten, so heißt es, ihre Ideen ein – per Instagram, per E-Mail und zum Teil sogar -zur Freude des gerührten Bundespräsidenten- mit handgeschriebenen, persönlichen Briefen.

Erinnert werden soll mit dem Namen an Theodor Heuss. Theodor Heuss, FDP, Journalist und Publizist, war der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland.

Seine Frau Elly Heuss-Knapp teilte das Schicksal mit anderen Präsidentengattinnen. Als ihr Mann Theodor Heuss im Jahr 1949 Bundespräsident wurde, unterbrach sie ihre berufliche Laufbahn und wurde die erste First Lady der Bundesrepublik Deutschland. Ganz einfach dürfte der Verzicht auf die eigene Karriere für die ehrgeizige Elly Heuss-Knapp (1881-1952) nicht gewesen sein. Schließlich war Elly Heuss-Knapp, die als First Lady im Jahr 1950 das Müttergenesungswerk mitgründete, nicht nur Lehrerin, Politikerin und Sozialreformerin, sondern hatte jahrelang als Werbe-Fachfrau das Familienleben finanziert.

Sie hatte ihre Karriere im Jahr 1933 bei der Firma Wyberg begonnen, deren Inhaber ihr Cousin Hermann Geiger war. Elly Heuss-Knapp „revolutionierte“ die Radiowerbung. Sie „gilt als Erfinderin des Jingles als akustisches Warenzeichen eines Unternehmens. Diese Idee ließ sich Heuss-Knapp patentieren und setzte sie auch für andere Unternehmen und Produkte ein; etwa für NiveaErdalKaffee HagBlaupunkt und Persil.[3 (wikipedia.)

Elly Heuss-Knapp war nicht nur Verkäuferin, sondern eine scharfsinnige Werbe-Psychologin. Sie arbeitete daran, Werbung so zu gestalten, dass die Menschen nicht meinen, sie würden dazu überredet, eine Ware zu kaufen, sondern dass sie glauben, es aus innerer Überzeugung zu tun. Im Jahr 2010 schrieb Katja Iken auf spiegel-online: „Ihr Erfolgsrezept gilt heute noch: Werbung müsse „idealerweise im Kopf herumgehen“, lautete Ellys Credo, dort das Unterbewusstsein „massieren“ und schließlich „unter die Haut kriechen“.

Dass die höchst intellektuelle Heuss-Knapp höchst primitive, aber wirkungsvolle Werbesprüche kreierte, bezeugt ein NIVEA-Werbespot aus dem Jahr 1938. Die Journalistin Katja Iken hat einen werbe-historischen Schatz mit originalen Zeilen der Werbetexterin ausgegraben. Unbedingt angucken: https://www.spiegel.de/geschichte/werbung-a-948721.html#fotostrecke-52643d5a-0001-0002-0000-000000108544

Elly Heuss-Knapp war keine Nazi-Sympathisantin, aber ihre Kreativität kam den Nationalsozialisten entgegen. Schließlich war die Entwicklung neuer Methoden der Manipulation und Menschenführung systemrelevant. Die NS-Kriegs-Propaganda, die mit Beginn des Zweiten Weltkriegs die Warenwerbung verdrängte, hat sich insbesondere von der Warenwerbung inspirieren lassen.

In der Rückschau FRAGMENT VON ERINNERUNGEN AUS DER NS-ZEIT, die einige Jahre nach Theodor Heuss‘ Tod veröffentlicht wurde, erinnert Heuss an die „große Zeit“ seiner Frau. Nicht ohne Stolz erzählt er von einem Besuch seiner Gattin bei Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht:

… an Aufträgen fehlte es, ehe der Krieg die Käuferlage verwandelte, überhaupt kaum
mehr. Freilich, die ganze Rundfunk-Waren-Werbung war bedroht, weil Goebbels
nur mehr politische Propaganda zulassen wollte; Elly ging damals zu Schacht auf die Reichsbank – sie hatte 1918 mit ihm Wahlreden gehalten; jetzt legte sie ihm ihre in die Zehntausende Mark gehenden Aufträge an Sprecher, Sänger, Musiker vor, und Schacht erreichte es, daß das Verbot um dreiviertel Jahr verschoben wurde, (daß die Komponisten ihrer kleinen Stücke lauter „Nichtarier“ waren, sagte sie ihm aber vorsichtshalber nicht)
.“ https://www.ifz muenchen.de/heftarchiv/1967_1_1_heuss.pdf S.10

Geradezu neckisch mutet an, was da in Klammern steht: Dass Schacht „vorsichtshalber“ verschwiegen wurde, dass ‚die Komponisten ihrer kleinen Stücke lauter „Nichtarier“‚, also vermutlich Juden waren. Das jedoch dürfte Hjalmar Schacht, dem ja die Namen der Künstler vorlagen, wohl kaum entgangen sein. Dass die jüdischen Komponisten weiterhin beschäftigt wurden, war ihm sicherlich recht, denn deren Arbeit war von großem ökonomischen Nutzen.

In einer Rezension zu Christopher Koppers Buch „Hjalmar Schacht: Aufstieg und Fall von Hitlers mächtigstem Bankier“ schreibt Matthias Streitz auf spiegel.online: „Tatsächlich half Schacht Bankiers wie Max Warburg und distanzierte sich von der Pogromnacht 1938, das betont auch Kopper. Doch Schacht habe sich weniger aus menschlichen Motiven engagiert, schreibt er – sondern weil er ökonomischen Schaden für Deutschland befürchtete. Die Diskriminierung jüdischer Mitbürger durch die Nürnberger Rassegesetze hat Schacht jedenfalls ausdrücklich unterstützt.“ https://www.spiegel.de/wirtschaft/bankier-hjalmar-schacht-hitlers-selbstherrlicher-helfer-a-446423.html

Die Warenwerbung im staatlichen Rundfunk war zwar, wie ich las, auf eine Radio-Stunde am Vormittag beschränkt. Doch dürfte auch die Werbung dazu beigetragen haben, den Menschen den vergleichsweise preiswerten „Volksempfänger“ schmackhaft zu machen. „Trotz einer vergleichsweise hohen monatlichen Rundfunkgebühr von 2 RM erhöhte sich die Ausstattung der deutschen Haushalte mit Radiogeräten zwischen 1933 und 1941 von 25 auf 65 Prozent.“ https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/alltagsleben/volksempfaenger.html

Heute werden wir auf Schritt und Tritt gegängelt und manipuliert. Dabei wird weniger für das Produkt geworben als für ein Lebensgefühl, eine Weltanschauung, für Gesundheit und Wohlbefinden. Noch relativ neu ist die Werbung für die in meinen Augen ausgesprochen fragwürdige, autoritäre und respektlose Gesundheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland. Wir sollen dazu gebracht werden, dass wir -ohne das „Angebot“ kritisch zu hinterfragen- zu Vorsorgeuntersuchungen gehen, dass wir uns impfen lassen und unsere Organe „spenden“. Der grundsätzlich treffende Ausdruck „gläserner Mensch“ ist fast schon verharmlosend, denn wir sind nicht aus Glas, sondern aus Fleisch und Blut. Ich empfinde die bundesdeutsche Corona-Politik, die uns den Atem nimmt und die Daseinsfreude, als Attacke auf unseren Leib und auf unser Leben.

Dabei paart sich der Versuch, Menschen zu manipulieren, oft mit Dummheit. Wenn man Menschen für blöd verkauft -das wissen Werbepsychologen- sollte man so vorgehen, dass die Menschen den Täuschungsversuch nicht gleich bemerken. Elly Heuss-Knapp, einer gewissenhaften Frau, wäre vermutlich nie etwas so Peinliches passiert wie den Werbe-Experten der Gegenwart.

Ist den Beratern des Bundespräsidenten tatsächlich entgangen, dass im Schlosspark Bellevue bereits in der Amtszeit von Joachim Gauck Füchse beobachtet und gefilmt wurden? Um das herauszubekommen, genügte mir ein kurzer Blick ins Internet.

https://twitter.com/tagesthemen/status/71812365599834521707.04.2016, 18:58SCHLOSS BELLEVUE

Ein Artikel auf abendblatt.de (Hamburger Abendblatt) vom 7.4.2016 mit dem Titel „Kamera erwischt Fuchs beim Besuch bei Bundespräsident Gauck“ geht noch einen Schritt weiter. Wir erfahren, dass der Steinmeier-Fuchs nicht erst ein Gauck-, sondern wahrscheinlich bereits ein Wulff-Wolf (pardon: Wulff-Fuchs) war: „Das Bundespräsidialamt sieht in dem Fuchs auch keinen Störenfried. Bei einer Nachfrage unserer Redaktion am Donnerstagabend wunderte sich eine Mitarbeiterin des Bundespräsidenten nicht über den Fuchs, sondern über die Frage. „Der ist doch schon Jahre hier“, teilte sie stattdessen mit. Sogar Nachwuchs habe es schon gegeben. Ob Fuchs und Gauck sich Gute Nacht sagen, blieb offen.“ https://www.abendblatt.de/vermischtes/article207399161/Kamera-erwischt-Fuchs-beim-Besuch-bei-Bundespraesident-Gauck.html

Damals war man so schlau, dem Fuchs keinen Namen zu geben. Vielleicht hatte man sich die Romanze auch für den Notfall aufbewahrt, für den Fall nämlich, dass die Politik irgendwann einmal nicht mehr glaubwürdig sein würde, dass die politisch Verantwortlichen nervös werden könnten und dringend Sympathieträger bräuchten.

Was haben sich Steinmeiers PR-Berater bei der „Fuchstaufe“ gedacht? Wussten sie nicht, dass Steinmeiers Fuchsfreundschaft eine aufgewärmte Präsidenten-Geschichte ist? Oder hatten sie einen fiesen Spaß daran mitzuerleben, wie einfach sich die Menschen in Krisenzeiten an der Nase herumführen lassen?

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier,

mit Ihrer Werbe-Aktion halten Sie die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland zum Narren. Sie setzen Ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel und beschämen unser aller Vertrauen.

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Eine deutsche Wirtschaftswunder-Kindheit zwischen „Knüppelkuh“ und „Kadus für’s Haar“. Das Foto hat unsere Mutter im Mai 1960 aufgenommen. Meine Zwillingsschwester Brigitte (rechts) und ich sind knapp zwei Jahre alt. Luftballons finden wir toll. Diesen Werbe-Ballon hat unsere Mutter von einem Friseur-Besuch mitgebracht. Anderthalb Jahre später sollten wir in den Kindergarten kommen und einer klassisch autoritären Erzieherin begegnen. vgl.: https://stellwerk60.com/2020/04/28/comeback-der-knueppelkuh/  Die Prügelstrafe war noch nicht abgeschafft, und unter den Lehrern gab es „alte Nazis“. Wir Kinder durften noch öffentlich angeschrien werden, doch gab es auch andere Töne: Die Einflüsterungen der Werbung als schöne, neue, sanfte Gewalt.

Corona-Elfchen: Schöne Aussicht (Bellevue)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist mir nicht unsympathisch. Beeindruckt war ich (wie viele andere Menschen auch), als Steinmeier im Jahr 2010 seiner schwerkranken Ehefrau Elke Büdenbender eine Niere gespendet hat. Er ist, wie es scheint, ein eher sanftmütiger Mann, der in der Öffentlichkeit nicht über die Stränge schlägt, ganz anders als etwa Markus Söder (Bayern) oder Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen), zwei Ministerpräsidenten, mit denen neuerdings der Donald durchgeht.

Ich denke da insbesondere an Laschets berühmt gewordenen autoritären „Weihnachtssatz“. Ende November hatte er in der „Welt am Sonntag“ gesagt: „Es wird wohl das härteste Weihnachten, das die Nachkriegsgenerationen je erlebt haben.“ Laschet, so lese ich bei wikipedia, wurde als Student Mitglied der katholischen Studentenverbindungen KDStV Aenania München und KDStV Ripuaria Bonn. Beide Verbindungen, denen ausschließlich Männer beitreten können, sind autoritär strukturiert. Zwar sind diese Männerbünde ausdrücklich „nichtschlagend“, doch wie wir wissen, können auch und gerade Worte verletzen. Verbale Schmisse sitzen tief – und die Narben sind unsichtbar.

Später hat Laschet nach öffentlicher Kritik den Satz „relativiert“. Im ZDF-„heute-journal“ sagte er: „Natürlich ist es auf Lesbos schlimmer und natürlich ist es in Afrika in Elendsvierteln schlimmer. Das ist ja alles wahr. Aber die Botschaft ist: Dieses Weihnachten wird anders sein als alle Weihnachten, wie wir sie kennen. Es wird Verzicht bedeuten.“ Höre ich da eine klammheimliche Freude durch?

„Verzicht“ war auch eine Botschaft der diesjährigen Weihnachtsansprache von Bundespräsident Hans-Walter Steinmeier. Ich gucke mir die Rede, gehalten am 1. Weihnachtstag, ein paar Tage später im Internet an. Diesmal, im Corona-Jahr, wirkt Steinmeiers Auftritt im Schloss Bellevue fast surreal.

Ausstattung und Bühne sind betont schlicht: Steinmeier hält die Rede im Stehen, er trägt ein weißes Hemd, einen schwarzen Anzug, eine graugemusterte Krawatte, am Revers die Anstecknadel des Großen Bundesverdienstkreuzes. Die Brille ist mattrandig, das Puder reichlich dick aufgetragen. Nur das Brillenglas glänzt (der Zuschauer achte auf den weißen, sich auf dem Brillenglas hin- und herbewegenden Punkt). Die Fahne mit übergroßem Bundesadler ist nicht gehisst, sondern fungiert am rechten Bühnenrand als eine Art Vorhang. Der Baum, eine Tanne, ist einfach dekoriert. Rote Kugeln an roten Bändern, weiße Kerzen in einfachen Kerzenhaltern. Ein Kronleuchter im Hintergrund, einziges Luxusstück, ist ebenfalls mit weißen (echten?) Kerzen bestückt.

Hier wird nicht geprotzt, so will man uns sagen. Auf Schloss Bellevue ist alles anders als in Washington D.C., wo die luxus- und dekorationsverliebte First Lady Melania einmal unzählige Weihnachtsbäume bringen ließ, um das Weiße Haus in einen leuchtenden Nadelwald zu verwandeln. Nein, hier sind neben dem Wachpersonal viele fleißige ungenannte Helferinnen und Helfer am Werk, die den Bundesfundus, da alles ordentlich gelistet ist, gut kennen, und die ganz genau wissen, in welcher Kiste sie die alten, vielfach benutzten Strohsterne finden, die alle Jahre wieder den wichtigsten deutschen Tannenbaum schmücken und der ganzen zugeschalteten Welt zeigen, wie redlich, wie ehrlich, wie tüchtig und bescheiden wir Deutsche doch sind.

Steinmeier sagt, dass sich in der Krise gezeigt habe, „wie viel wir doch miteinander bewegen können“. Was und wen er mit „miteinander“ meint, ist mir nicht ganz klar. Steinmeier redet in einem schnurrenden, einlullenden Ton. Der Mann hat keine Mimik. Ziemlich steif steht er da. Überhaupt ist die Szenerie unbeweglich. Befindet sich Steinmeier vor einer Fototapete? Doch jetzt…. flackert eine Kerze, dann zwei, dann… Irgendwo in Bellevue muss jemand ein Fenster geöffnet haben, um stoßzulüften und das Virus zu vertreiben…

Denn das Virus hat keinen Respekt vor der Macht und schon gar nicht vor älteren mächtigen Männern. Und es kennt, wie eine angstvolle Angela Merkel schon zu Ostern gesagt hat, keine Feiertage. Doch ihre Angst ist, so denke ich, eigentlich weniger eine Angst vor dem Virus als eine Angst vor dem Verlust von Privilegien und Macht, eine Angst vor der Klimakatastrophe und der Weltwirtschaftskrise.

Angela Merkels bieder-spitzfindige Personifizierung des Virus‘, das keine Feiertage kennt, hat der allzeit abwehrbereite Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, der aktuelle Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes und Präsident des CPME in Brüssel, Talkshow-Dauergast Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, in der TALKSHOW „MAYBRIT ILLNER“ aufgegriffen und weiter zugespitzt: „Das Virus kennt kein Weihnachten, keinen Ramadan und kein Chanukka, es kennt nur Opfer.“

Ich könnte jetzt darüber schreiben, wie politische Propaganda funktioniert, wie versucht wird, Menschen zu entmündigen und -insbesondere durch Text und Bild- zu manipulieren, aber ich verschiebe es auf später und werfe meinen Blick zurück nach Bellevue…

Das Fenster scheint wieder geschlossen zu sein, das Virus vertrieben, denn alles ist still. Unheimlich still, unwirklich still, windstill….. Hier in Bellevue spürest du kaum einen Hauch…

Im

Schloss ist

Ruh‘. Still brennen

die Kerzen, schweige auch

du

Ausblick:

Die Lage ist ernst, doch dank Impfung nicht hoffnungslos, wie uns Frank-Walter Steinmeier mit ernster, versteinerter Miene in seiner Weihnachtsansprache erzählte.

Doch ein paar Tage nach Weihnachten wurde es rund um Schloss Bellevue richtig neckisch und lustig. Ein PR-Berater muss zu Steinmeier gesagt haben: „Frank-Walter, in deiner Rede gab es einen Mangel an Wärme. Wir müssen das „Wir-Gefühl“ stärken. Erinnerst du dich an den alarmierenden Satz, den du vor zwei Wochen gesagt hast?“

Steinmeier zuckt die Achseln: „Wie war der noch, der Satz?“

Der PR-Berater klärt Steinmeier auf. „Dein Satz lautete: Die Lage ist bitterernst.“

Steinmeier reckt den Daumen und lacht: „Guter Satz, oder?“

Jetzt lacht auch der PR-Berater: „Frank-Walter, so gefällst du mir schon viel besser. Aber jetzt, wo die Impfung beginnt und das neue Jahr vor der Tür steht, brauchen wir gute Laune für alle. Hast du vielleicht eine Werbeidee? Vielleicht könnte man sich direkt an die Menschen wenden. Auf keinen Fall per Twitter, da bringen dich die Leute mit dem Trump in Verbindung. Frank-Walter, wie wär’s mit Instagram?“

„Ja“, sagt Steinmeier. „So können wir auch Oma und Opa dazu ermuntern, sich endlich ein Smartphone zu kaufen.“

Der PR-Berater runzelt die Stirn: „Die Großeltern haben mittlerweile fast alle ein Smartphone, aber die gucken nur Enkelkinderfotos. Das ist das Problem. Oma will nur die WhatsApp und sonst keine. Das muss anders werden. Aber ich hab da eine Idee. Wir könnten es so machen wie der 1.FC Köln. Im Frühjahr, als der Kölner Zoo wegen Corona geschlossen wurde und der FC pausieren musste, da ist doch der Hennes zum ersten Mal Vater geworden.“

„Welcher Hennes?“, fragt Steinmeier. „Meinst du den Geißbock, der nach dem Hennes Weisweiler benannt ist, das Maskottchen vom FC? Aber warum ist der Hennes Vater geworden?“

„Das Problem ist“, sagt der PR-Berater, „dass die Fans den Kontakt zum Verein verlieren, wenn der FC nicht spielt. Der Hennes ist ja bei den Heimspielen dabei. Aber der lebt im Kölner Zoo.“ Kichert: „Im Kleinen Geißbockheim.“ Dass der Hennes Vater wurde, und der Hennes wollte, und zwar mit der Inge, das war eine super Werbe-Idee von der Stadt Köln und vom FC. Frank-Walter, wir haben kein Königshaus mit süßen Kleinkindern. Wir brauchen ein Tier.“

Und was las ich ein paar Tage später auf zeit.de?

„…. Berlin (dpa/bb) – Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sucht einen Namen für einen Fuchs, der regelmäßig durch den Park seines Amtssitzes Schloss Bellevue in Berlin streift. «Dürfen wir vorstellen? Der heimliche «Schlossherr» von Bellevue, dem es im Park des Berliner Amtssitzes sichtlich gut gefällt», schrieb Steinmeier am Montag auf seiner Instagram-Seite. «Eine Namenstaufe ist schon länger fällig, daher unsere Frage an Sie: Wie soll unser Schlossfuchs heißen?» Aus allen Vorschlägen werde Steinmeier einen Namen auswählen, hieß es weiter…“

Man wendet sich hier nicht an Grundschulkinder, was ja ganz lustig wäre. Nein, der Adressat, das sind wir, die Bürger und Bürgerinnen der Bundesrepublik Deutschland. Wir sind das Volk, das selig verblöden soll.

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Dieses hübsche Weihnachts-Rotkehlchen hat mir meine Tochter aus Durham/UK mitgebracht. Carla, 21, die in Heidelberg Psychologie studiert, verbringt dort ein Erasmus-Jahr. Angesichts des Brexits wird sie zu den letzten „Studierenden“ gehören, die (in England) noch in den Genuss des klassischen Stipendiums kommen. Den Robin hat Carla im Handgepäck transportiert. Im Flugzeug waren auf dem KLM-Flug von Newcastle (Risikogebiet) nach Amsterdam (Risikogebiet) am 4.12. fast alle Plätze besetzt, die Passagiere saßen dicht bei dicht und hatten unvermeidlichen, aber lukrativen Körperkontakt. Als der Snack (Zitronenkuchen), der inklusive war, gereicht wurde, nahmen fast alle die Gesichtsbedeckungen ab. Das mutierte Virus, so habe ich mir sagen lassen, mag Kuchen. Solange der Rubel rollt bzw. das Pfund oder der Euro, kräht da kein Hahn nach, sage ich in Anspielung auf einen ganz anderen Vogel. 

Elfchen im Zwölften: Morgen, Oma, wird’s was geben…

Digitaler Stolperstein: Voller Entsetzen über die Brutalität politisch legitimierter medizinischer „Maßnahmen“ erinnere ich mich in tiefer Trauer an meine nie gekannte liebe Großmutter Stephania („Steffi“), geboren am 19.3.1898 in Ludgierzowitz/Hultschin, tschechisch Ludgerovice, polnisch Ludgierzowice, aufgewachsen in Bottrop/Ruhrgebiet. Katholikin, Mutter von fünf Kindern. Diagnose: „manisch-depressiv“. „Verstorben“ am 13. Dezember 1933 auf der psychiatrischen Station eines Essener Krankenhauses, elf Tage vor dem christlichen Familienfest Weihnachten. Offizielle Todesursache: „Kopfgrippe“

Ergänzung 6/2022: Genauer hab ich die Geschichte meiner Großmutter Steffi in einem Blogbeitrag vom 13.12.2021 beschrieben. https://stellwerk60.com/2021/12/13/13-12-2021-digitaler-stolperstein-zur-erinnerung-an-meine-grossmutter-steffi/

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Morgen, Oma, wird’s was geben, morgen werden wir…

… Uns

freu’n, einmal

werden wir noch

wach, heißa, dann ist

Impfungstach!

Vielleicht werden in deutschen Altenheimen demnächst Lieder wie dieses erklingen, dann nämlich, wenn sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines mobilen Impfteams angekündigt haben, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Heimes sowie Bewohnerinnen und Bewohner gegen Corona zu impfen. Dass ärztliches Personal in die Einrichtungen kam um zu impfen, damals gegen die Pneumokokken, hatten wir im Frühjahr 2020 schon einmal.

Ich zitiere (inklusive „Corona-Elfchen“) aus meinem Blog-Beitrag „Zweites Corona-Elfchen: Coronoia… War es nicht fahrlässig von Angela Merkel, sich in Erwartung des Höhepunkts der Krise noch gegen Pneumokokken impfen zu lassen?“ vom 27. März:

„… Eine Epidemie aufgrund eines unerforschten Erregers ist oft schon vorbei, bevor ein verlässlicher Impfstoff entwickelt ist. Oder sie ist weniger dramatisch, als man uns vormacht. Den sogenannten Experten, die das Gegenteil behaupten, können und dürfen wir nicht vertrauen.

Vor allem alte Menschen sind der ärztlichen Willkür schutzlos ausgeliefert. So hörte ich gestern von einer Zwangsmaßnahme in einem Seniorenheim. Mit dem schlichten Satz „Wir tun euch was Gutes“ kamen Mitarbeiter einer Gesundheitsbehörde zu den alten Menschen, um sie gegen Pneumokokken zu impfen. Niemand hat sich dagegen gewehrt. Die alten Menschen waren froh, überhaupt Zuwendung zu erfahren.

Ich musste an das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ denken: „… So klopfte jemand an die Hausthür und rief: Macht auf, ihr lieben Kinder, eure Mutter ist da und hat jedem von Euch etwas mitgebracht…“

In

Traurigen Zeiten

trägt der Böse

Wolf einen weißen Kittel

Coronoia*

Die treffende Wort-Neuschöpfung  „Coronia“ fand ich heute Nacht auf der klugen Internetseite des Münchener Kinderarztes Dr. Steffen Rabe: https://www.impf-info.de/82-coronoia/314-coronoia.html …“

Obwohl ich über 60 Jahre alt bin, würde ich mich niemals gegen Corona impfen lassen. Ich habe keine Angst vor Corona, denn ich vertraue auf mein starkes Immunsystem. Mir muss niemand attestieren, dass ich gesund bin. Ich meide Arztpraxen, habe aber leider keine guten Zähne. Deshalb muss ich (Generation Betthupferl) öfter, als mir lieb ist, zum Zahnarzt.

Über die Kinderkrankheiten, die ich hatte, möchte ich an anderer Stelle schreiben. So ist meine bisherige Krankheiten-Lebensgeschichte schnell erzählt: Vor sechsunddreißig Jahren hatte ich meine letzte und einzige Blasenentzündung, vor 41 Jahren meine letzte und einzige Mandelentzündung. Vor sechs Wochen hatte ich nach dem Zurückschneiden unserer Buchenhecke meine bislang einzige Bindehautentzündung, die ich auf Hinweis meiner Tochter mit Schwarzem Tee „therapiert“ hab. Ich bin im Winter zwei- bis dreimal erkältet, aber nicht schwer. In aller Regel läuft mir nur die Nase, die allerdings sehr. Vermutlich hatte ich schon unzählige andere Krankheiten, bin aber nicht zum Arzt gegangen. Mitmenschen, die es nicht gut mit mir meinen, sagen: „Warte, balde… erwischt es dich auch.“

Ich schütze mich gegen Kälte und Regen, ernähre mich gut, trinke Kaffee und Rotwein, esse nur selten Fertiggerichte, aber täglich frischen Salat. Ich verzehre weder Hormone noch Vitamine noch Nahrungsergänzungsmittel. Ich mag zwar Vollmilchschokolade, aber keinen Kuchen, was mein Mann immer bedauert hat. Ich vertrage fast alles, nur keine Chemie. Auf synthetische Süßstoffe reagiere ich mit Bauchkrämpfen und Durchfall. Nachdem ich mit der oben erwähnten Mandelentzündung zum Arzt gegangen bin, wo man mir ein Antibiotikum verschrieb, hatte ich eine schwere Penicillin-Allergie. Mein Kopf war furchterregend „elefantös“, und meine Ohren waren so dick angeschwollen, dass sie sich nicht mehr zusammendrücken ließen. Ich weiß noch, wie ich vor dem Spiegel stand – und heulen und lachen musste.

Ich habe im ganzen Leben so viele Tabletten zu mir genommen wie andere Menschen an einem einzigen Tag schlucken müssen. Mit achtzehn habe ich (zum Glück nur) drei Monate DIE PILLE genommen, einen Medikamentenrest, den meine Mutter, damals (1976) schon 51, noch in der Schublade hatte.

Wohlgemerkt: Ich bin keine Hardlinerin, was Impfungen angeht. Wenn eine Krankheit die Menschen in Not bringt, hat der Staat, sofern es einen zuverlässigen und sicheren Impfstoff gibt, die Pflicht, die Menschen zu impfen. Ich, Jahrgang 1958 wie Ursula von der Leyen, habe es noch miterlebt: Unter dem pfiffigen Motto „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“ sind alle westdeutschen Kinder in den 1960er Jahren in der Schule gegen Polio geimpft worden. Was weniger bekannt ist: Die Massenimpfung haben wir dem Kalten Krieg zu verdanken. Nachdem in der DDR im Jahr 1961 die erste Schluckimpfung mit einem Lebendimpfstoff eingeführt wurde, der in den USA entwickelt, aber in der UdSSR produziert worden war, stand die Bundesrepublik Deutschland massiv unter Druck.

Anders als zur Tetanusimpfung, bei der wir eine Spritze bekamen, was wir (nicht zu Unrecht) als Überrumpelung empfanden, sind wir Kinder gerne zur Polio-Impfung gegangen. Das Stück Zucker wurde uns anders als die Hostie nicht auf die Zunge gelegt. Wir nahmen es in die Hand und steckten es uns selber in den Mund (zumindest war es in Bottrop so). Es fühlte sich so an, als würden wir uns selber impfen.

Vieles spricht gegen die Corona-Impfung. Zum einen glaube ich, dass die Impfung nicht nur die Abwehr-, sondern auch die Selbstheilungskräfte blockiert. In meinem Fall hieße das, die Impfung würde eine leidlich gesunde, optimistische, wenn auch ältere Menschen-Frau, deren Körper sich schon oft selber geheilt hat, zu einer bedürftigen machen.

Zum anderen weiß niemand, ob die Impfung nicht eventuell schwere Nebenwirkungen auslöst, die erst nach Jahren auftreten können. So ist insbesondere die Massen-Impfung riskant, denn die gefährdet uns alle. Ich zitiere aus meinem Blog-Beitrag „Der ideale Patient – Plädoyer für die Abschaffung des Präpkurses“ vom 19.10.2019:

„…. Richtig dramatisch wird es, wenn eine „neue“ Krankheit auftaucht. Während der Schweinegrippen-Krise 2009 sind die Gesundheitsorganisationen weltweit in Panik geraten. Auch die deutsche Gesundheitspolitik hat damals die Besinnung verloren. Trotz vielfacher Warnungen wurden gigantische Mengen des ungeprüften Impfstoffes Pandemrix geordert. „Die Bundesländer hatten 34 Millionen Dosen des Impfstoffs Pandemrix vom Pharmakonzern Glaxosmithkline abgenommen und dafür circa 280 Millionen Euro bezahlt. Am Ende ließen sich während der bis dato größten Impfaktion aber erheblich weniger Menschen immunisieren als angenommen.“ https://www.aerzteblatt.de/archiv/115575/Schweinegrippe-Uebrig-gebliebene-Impfdosen-werden-vernichtet

Die Impfung wurde bundesweit empfohlen, aber von den Bürgern kaum angenommen. Gott sei Dank, denn die Impfung hatte und hat erhebliche Nebenwirkungen. Bis heute sind alleine in Deutschland mehr als hundert meist junge Menschen an Narkolepsie erkrankt (viele von ihnen erst nach Jahren!). Die Pandemie ist jedoch ausgeblieben, Pandemrix-Dosen im Wert von 20 Millionen Euro mussten vernichtet werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben damals eine unrühmliche Rolle gespielt, indem sie in Sondersendungen für die Impfung geworben haben. Was, muss man sich fragen, wird bei einer „echten“ Pandemie passieren?…“

Interessanterweise hat damals ausgerechnet Alexander Kekulé, den wir alle als Corona-Experten erleben, die Impfung mit Pandemrix empfohlen und gewiss viele Menschen dazu bewegt, sich impfen zu lassen: „Virotole Alexander Kekulé rät gesunden Erwachsenen zur Impfung – trotz auch von ihm geäußerter Kritik an dem von den Bundesländern bestellten Impfstoff. Die Nebenwirkungen seien nicht viel anders als zum Beispiel bei einer Tetanus-Impfung, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle im Deutschlandradio.

Erstmals gebe es die Chance, „so eine Influenza-Welle wirklich durch eine Impfung zu begrenzen“, meinte er. Auch er selbst werde sich impfen lassen, mit Pandemrix. Bevor er allerdings seine drei kleinen Kinder impfen lasse, werde er „warten was sich noch tut in den nächsten Wochen“. https://www.sueddeutsche.de/politik/schweinegrippe-aufregung-um-zwei-klassen-impfung-1.36055#

Eine fahrlässige Empfehlung, wie wir erleben sollten. Wir können, so müssen wir folgern, auch den Empfehlungen der anerkannten Virologen nicht vertrauen. Hinzu kommt, dass es sich bei der Corona-Impfung um eine „komplett neue Impftechnologie“ handelt. Die Impfstoffe sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Es werden keine („bösen“) Viren gespritzt, sondern „nur“ die genetischen Informationen. Allerdings muss gesagt werden, dass gerade genetische Informationen, in den menschlichen Körper gespritzt, d.h. in uns hinein losgelassen, letztendlich unberechenbar sind.

Ich habe meine Informationen über „mRNA-Impfstoffe“ aus dem einleitenden Trailer zur Hart aber fair– Talksendung „Operation Impfung: Ist sie gut, ist sie sicher, wer bekommt sie wann?“ am 30. November. https://www1.wdr.de/daserste/hartaberfair/videos/video-so-funktionieren-die-corona-impfstoffe-102.html

Leider war die Sendung selber nicht aufklärend, sondern eine Propagandasendung pro Impfung. Pflichtgemäß wurde zwar auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen, doch trug die vermeintliche Selbstkritik letztendlich nur zur Verschleierung bei. Dabei heißt es im Trailer wortwörtlich: „Sollten es diese Impfstoffe auf den Markt schaffen, wären es die ersten mRNA-Impfstoffe, die für den Menschen zugelassen werden.“ Offensichtlich will man nicht nur Geld scheffeln, sondern Wissenschafts-Geschichte schreiben, und genau das ist fatal. Korrekt hätten wir Fernseh-Zuschauer folgendermaßen aufgeklärt werden müssen: „Die Wissenschaftler/innen tun ihr Bestes, nur leider wissen sie schon längst nicht mehr, was sie da tun.“ Und noch etwas hätte diskutiert werden müssen: Ist es tatsächlich nötig, die Massen zu impfen? Initiiert man mit der groß angelegten Impfung nicht einen hochriskanten globalen Menschenversuch? Meiner Meinung nach sollte man, wenn überhaupt, nur Risikopatienten impfen.

Was ich völlig unannehmbar finde, ist das mediale Spiel mit Heilserwartungen. Monatelang lautete die zentrale Schlagzeile: Wann ist es soweit? Wir wurden süchtig gemacht auf eine Erlösung, die in diesem Fall als Impfspritze daherkommt.

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Spiegel-online: Verballhornung des berühmten Ausschnitts aus Michelangelos Fresko „Die Erschaffung Adams“, zu sehen an der Decke der Sixtinischen Kapelle im Vatikan. Die abgebildeten Hände sind die linke Hand von Adam (links unten) und die rechte von Gott (rechts oben). Auf dem originalen Fresko sind die Hände etwa auf einer Höhe. Keiner der beiden hält etwas in der Hand. Adam sitzt da in lässiger Pose, das Bein angewinkelt, den Arm aufgestützt.  Michelangelos Adam ist völlig relaxt – ganz anders als sein angespanntes Gegenüber: Michelangelos Gott. Ein vieldeutiges Fresko, das schon unzählige Male interpretiert worden ist. Hier jedoch (vgl. auch Spiegel-Titel Heft 44/20) wird ihm eine plumpe Eindeutigkeit übergestülpt. Die Grafik hat den Bild-Ausschnitt gedreht bzw. gekippt. Das fällt nicht auf, denn der computertechnisch hinzugekommene Riss im Putz, der aussieht, als käme ein Blitz vom Himmel, ist fast senkrecht. (Nebenbei bemerkt: Der Riss erinnert mich auch an die Setzrisse im Wandputz unseres Reihenhauses.) Eine geschickte optische Täuschung, denn aus veränderter Perspektive  scheint es, als hockte Adam völlig erschöpft auf dem Erdboden: Adam, ein Hänger, ein verlorener Junkie in Erwartung der erlösenden Heroindosis.

Wann ist es soweit? fragen kleine Kinder, die es nicht erwarten können, Geburtstag zu haben. Aber vor allem fragen sie es vor Weihnachten. Es ist so schön, dass an Weihnachten -so habe ich es als Kind empfunden- nicht nur man selber, sondern jeder Mensch Geburtstag hat.

Mein Mann und ich haben die gemeinsam verbrachte Vorweihnachtszeit immer sehr genossen, vor allem, als die Kinder noch klein waren. Wir haben gebastelt, gebacken, die Wohnung geschmückt. Unsere Kinder haben Adventskalender geliebt und -so aufgeregt sie auch waren- geduldig ein Türchen nach dem anderen geöffnet. Und sie haben die Tage gezählt bis zum Wiedersehen mit ihren Verwandten. Weihnachten ist das Fest der Gegenseitigkeit. Wir teilen uns festliche Mahlzeiten und tauschen Geschenke. In diesem Jahr fällt -amtlich verordnet- mit dem Verbot von Weihnachtsmärkten, Glühwein-Ständen und „Lebendigen Adventskalendern“ auch die kollektive gesellschaftliche Vorfreude aus. Die maßlosen „Maßnahmen“ sind nicht nur ein massiver Angriff auf unsere Freude, sondern auch auf unsere Vorfreude.

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Wann ist es endlich soweit? Diesen Adventskalender hat meine Tochter Carla im Jahr 2008 für uns Eltern gebastelt. Da war sie neun Jahre alt und gerade von Köln-Neuehrenfeld ins zwei Kilometer weit entfernte Nippes umgezogen. Ein Umzug ist für Kinder immer auch ein kleiner Heile-Welt-Untergang. Unsere Kinder mussten zum Glück nicht die Schulen wechseln. Überhaupt ist es für Kinder, die klare Orientierungen brauchen, wichtig, dass möglichst alles so bleibt, wie es ist. Im Jahr 2020 ist nichts mehr so, wie es war. Doch (nicht nur) Kinder brauchen, wie wir alle wissen, Rituale. Nachdem Halloween und die Feste zu  Sankt Martin und Nikolaus schon nicht wie gewohnt stattgefunden haben, gibt es auch Weihnachten nur in der Light-Version.

Aber die Frage Wann ist es soweit? ist älter als Weihnachten. Ursprünglich, so denke ich, wurde sie nicht einmal ausgesprochen. Eigentlich berührt die Frage nicht die Geburt Jesu Christi, sondern die Geburt eines jeden Menschen. Denn die Frage Wann ist es soweit? ist eine Frage an die schwangere Frau, die ein geheimes, weitgehend unbewusstes Wissen in sich trägt über die Entstehung des Menschen. Die Frau, die, um Leben zu geben, ihr Leben riskiert, flößte tiefen Respekt ein. Heute ist „der Mutterleib als öffentlicher Ort“ (Barbara Duden) wissenschaftlich „erforscht“, vermessen. Der ärztliche Blick ist zunehmend respektlos. Und an die Stelle der Frage Wann ist es soweit? tritt ein lapidares „Für wann bist du ausgerechnet?“

Bei der gnadenlosen Durchleuchtung des Mutterleibs hat man Gott allerdings ebenso wenig gefunden wie bei der Erforschung des Alls. Wie auch? Das Göttliche wäre nicht das Göttliche, ließe es sich wissenschaftlich aufspüren.

Doch bei der Rettung der Welt wird die Wissenschaft eine zentrale Rolle spielen. Es waren Wissenschaftler, die die Gefahr der Erderwärmung erkannten und das Ozonloch entdeckten. Aber es sind auch Wissenschaftler, die sich immer mehr erlauben, Gott zu spielen und über unser Leben, Gebären und Sterben zu entscheiden. Wir müssen miterleben, was die klügsten Köpfe des 20. Jahrhunderts – etwa der sprach- und gedankengewaltige Theodor W. Adorno („Dialektik der Aufklärung“) -vorhergesehen haben: Dass Aufklärung in ihr Gegenteil umschlägt.

Die Behauptung, dass all das, was wir derzeit erdulden müssen, zu unserem Wohl geschehe, ist eine sentimentale Anmaßung. Im Wikipedia-Beitrag zu Hybris fand ich ein treffendes Zitat: „Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“ (Karl Popper)

Traurig ist: Anders als im Frühjahr 2020 werden mittlerweile auch in Deutschland viele Todesopfer registriert, deren Tod „mit Corona in Zusammenhang“ gebracht wird. Auffällig ist, dass es die meisten Toten in Bayern gibt, insgesamt wurden hier seit Beginn der Aufzeichnungen 5483 Todesfälle gemeldet (nachgetragene Zahl vom 18.12.). Das sind deutlich mehr als im Bundesland NRW (5075 gemeldete Todesfälle am 18.12., Quelle: JHU CSSE COVID-19 Data), das mit knapp 18 Millionen Einwohnern nicht nur das bevölkerungsreichste Bundesland ist, sondern mit 526 Einwohnern je Quadratkilometer unter den Flächenstaaten auch der am dichtesten besiedelte. Zum Vergleich: In Bayern leben etwas mehr als 13 Millionen Menschen – aber nur 186 Einwohner pro Quadratkilometer. Dass ausgerechnet in Bayern, wo der autoritäre Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seit Beginn der Krise ohne Erbarmen den bundesweit härtesten Corona-Kurs fährt, besonders viele Menschen sterben mussten und müssen, lässt aufhorchen.

Dabei hatte man sich kürzlich noch mit einer hübschen Broschüre gefeiert. In der vom Bayerischen Innenministerium herausgegeben Schrift mit dem Titel „92 Tage Katastrophenfall: Corona-Pandemie in Bayern“ heißt es:

„Der Erfolg Bayerns bei der Bewältigung der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 fiel nicht vom Himmel. Er ist das Ergebnis deutlicher Führung mit klaren Strukturen, unendlicher Einsatzbereitschaft der vielen haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer sowie der Bereitschaft der Menschen, zusammenzuhalten und Geduld zu haben.“ (JOACHIM HERRMANN, MdL, Bayerischer Staatsminister des Innern, für Sport und Integration)

Natürlich dürfte es insbesondere Markus Söder nicht entgangen sein, dass die Zahl der Menschen, deren Tod mit einer Corona-Infektion im Zusammenhang gebracht wird, in Bayern extrem hoch ist. Doch anstatt sich endlich zu mäßigen, hat er mit noch größerer Härte reagiert. Auf einer Sondersitzung am 6. Dezember hat Ministerpräsident Markus Söder erneut für ganz Bayern den Katastrophenfall ausgerufen, der am 9. Dezember in Kraft getreten ist und vorerst bis zum 5. Januar 2021 gelten soll. Das ist meines Erachtens vollkommen unverantwortlich. Etwas ist was faul im Freistaat Bayern.

Leider ist der kernige Markus Söder über Bayern hinaus tonangebend. Am 13. Dezember werde ich in den kommenden Jahren nicht nur an den gewaltsamen Tod meiner Großmutter Steffi denken, sondern auch an den totalen Lockdown, der heute, am 13. Dezember 2020, über ganz Deutschland verhängt wurde.

Elfchen im Zehnten: Was ist mit unserer Gesellschaft geschehen, wenn…

… Zwei

fremde Menschen,

die einander umarmen,

fast ein Verbrechen begehen?

StaatsArmutszeugnis

Ich persönlich bin ein zurückhaltender Mensch und wäre verunsichert oder sogar schwer bedient, wenn mich eine fremde Frau bei usseligem Wetter anspräche, mich umarmte und bäte, drei Minuten stehen zu bleiben und mit ihr zusammen eine „lebendige Skulptur“ zu bilden. Menschen in den Arm nehmen, „um mit ihnen warm zu werden“, genau das machte die Kölner Künstlerin katharinajej bei ihrer Kunst-Aktion im Winter 2019.

Katharinajej hat damals Menschen gefunden, die nicht so distanziert sind wie ich und gerne mitgemacht haben. Denn wozu hat der Mensch zwei Arme? Das ist ja das Schöne: Wenn wir nur wollen, lassen wir uns nicht nur umarmen, sondern umarmen einander.

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Plakat zu einer Performance, die sehr lange dauern sollte –  Monatelang hing das Plakat am Rand des Wilhelmplatzes an der Kachelwand des  sogenannten Nippeser „Tadsch Mahal“ (Norbert Burger), eines  Klo/Kiosk/Trafo-Betongebäudes, das zwar heruntergekommen ist, aber als geselliger Ort vor allem bei gutem Wetter einen gewissen Charme hat (Beton-Tribünen-Sitzplätze mit Blick auf den Wilhelmplatz, Büdchen mit Kuchenverkauf und Kaffee-Ausschank). Vor dem Hintergrund einer Politik der sozialen Kälte mit ihren rigiden Corona-Abstands-Regeln bekam katharinajejs Aktion eine neue politische Dimension, die so wohl in keiner Weise geplant war. Großartig!

Wenn ich aus Richtung Stellwerk 60 zum Markt kam, fiel mein Blick jedes Mal auf das Plakat, das mich immer mehr berührte. Am 16. April habe ich es dann fotografiert – und anschließend von dort aus den Nippeser Wochenmarkt:

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Köln-Nippes, Wihelmplatz.Die Corona-Maßnahmen sind auch schlecht für die Umwelt. Nachdem im letzten Jahr auf dem Wochenmarkt Plastitüten eingespart wurden, wird  seit dem Frühjahr 2020 Obst und Gemüse auch aus Hygienegründen wieder vermehrt in  (meist gelbe) Tüten gepackt. 16. April: Noch gibt eine keine Maskenpflicht, und noch ist das Verspeisen eines Apfels kein Vorwand dafür, endlich einmal die Maske abnehmen zu können. Dass sie den Apfel allerdings nur in 50 und nicht in 20 Metern Entfernung zum Marktstand hätte essen dürfen, wusste diese Apfelesserin nicht. Die Verordnung ist ja auch ziemlich bekloppt.

In den ersten Coronoia-Wochen durften auf dem Wochenmarkt ausschließlich Nahrungsmittel verkauft werden, was die Zahl der Stände, die mit weitem Abstand zueinander aufgebaut wurden, deutlich reduzierte. Barrieren wie Klappkisten aus Plastik wurden aufgestellt und die Kunden nur einzeln vorgelassen. Erst am 20. April sollte der Markt wieder für alle Händler geöffnet werden, auch für die Verkäufer von Textilien und Haushaltswaren.

Da zu befürchten war, dass die Menschen einander zu nahe rückten, wurden Mitte April neue Beschränkungen festgelegt. In der „Corona Schutzverordnung NRW im Bereich der Kölner Wochenmärkte“ aus dem Monat April heißt es: „…Nutzen Sie den Markt zur Nahversorgung nur zum Einkaufen… Besuchen Sie den Markt möglichst alleine und nicht mit der ganzen Familie… Verzichten Sie auf Selbstbedienung… Halten Sie den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern zwischen Personen ein… Vermeiden Sie Menschenansammlungen… Beachten Sie, dass der Verzehr von Speisen und Getränken nicht direkt am Stand erfolgen darf, sondern nur in einer Entfernung von mindestens 50 Metern um den jeweiligen Marktstand…“ https://www.stadt-koeln.de/artikel/69523/index.html

In jener „Schutzverordnung“ wird an anderer Stelle bereits die Maskenpflicht ab dem 27.4. angekündigt, eine Maßnahme, die seither unsere Freiheit dermaßen einschränkt, dass ich sie nicht für möglich gehalten hatte. Mit Einführung der Maskenpflicht durften immerhin wieder mehr Stände aufgebaut werden. Die „neue Normalität“ hat überall ihren Preis: Auf dem Nippeser Wochenmarkt patrouillieren seit Ende April regelmäßig Sicherheitskräfte. Doch da man immerhin erkannt hat, dass die Leute die Strafgeld-Androhungen ernst nehmen und sich an die Maskenpflicht halten, sieht man mittlerweile von der Abriegelung des Wochenmarkts, die tatsächlich an einigen Wochenenden angeordnet und durchgeführt wurde, ab.

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Als ich am 28. Juni 2020 noch einmal die Kachelwand fotografierte, war in ganz Deutschland der Kultur- und Unterhaltungsbetrieb bereits weitgehend lahmgelegt. Sämtliche angekündigte Veranstaltungen des „Zirkus Roncalli“ auf dem Kölner Neumarkt (s.Plakat) waren längst auf 2021 verschoben worden. Katharinajejs Kunst-Aktion jedoch war nicht außer Kraft gesetzt, sondern wirkte weiter. Das Plakat sollte noch wochenlang hängen bleiben. Wann genau es von der Wand genommen wurde, weiß ich nicht.

Einschub Juni 2021: Ein Jahr später frage ich mich: Hat katharinajej die Aktion fortgesetzt? (Aber ja! Siehe Ergänzung am Ende dieses Beitrags.)

Tatsächlich stattgefunden haben im Juni übrigens die Auftritte des Tanztheaters „Hairy“ (s. Plakat) mit dem Programm Der maskierte Friseur. Es klingt wie erfunden, ist es aber nicht. (Da auch die realen Friseure und Friseurinnen nach wie vor nur maskiert arbeiten dürfen und ich die Befürchtung habe, dass sie dadurch gehandicapt sind, sehe ich auch jetzt im Oktober keine andere Wahl und greife selber zur Schere.)

Ihre Förderer (u.a. das Kulturamt der Stadt Köln und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen) würden katharinajejs Aktion aktuell wohl kaum unterstützen. Dass man fremde Menschen in den Arm nimmt, ist angesichts von Corona ein schwerer Verstoß, nicht nur am Ballermann.

Wen die Corona-Zwangsmaßnahmen, die wir für die Wintermonate erwarten müssen, besonders hart treffen werden, sind die alten Menschen. Ich bin in den letzten Monaten einigen alten Menschen begegnet, die keine Angst vor Corona haben, aber vor einer weiteren Verschärfung der staatlichen Zwangsmaßnahmen.

Die Gesundheitswerbung hat, was alte Menschen betrifft, eine komplette Kehrtwende gemacht. Nachdem in den letzten Jahren wissenschaftliche Studien herausfanden, was der gesunde Menschenverstand ohnehin wusste, dass nämlich Berührungen der Gesundheit zuträglich sind, wurde im Jahr 2019 von der Krankenkasse DAK körperliche Nähe zu alten Menschen propagiert: „Geht Omas drücken!“ Ab März war (und ist!), gerade was ältere Menschen betrifft, überall Distanz angesagt. Schnoddrig-lässig heißt es unrein gereimt von oben herab: „Bring Corona nicht zur Oma.“

Wer als besonders hilfebedürftig gilt, ist „Oma“. Zwar sind die meisten Corona-Toten tatsächlich alte Frauen, doch liegt das vermutlich daran, dass Frauen in der Altersgruppe der über Achtzigjährigen naturgemäß in der Mehrzahl sind.

Ich finde, wir dürften nur die eigene Großmutter „Oma“ nennen. Von älteren oder alten Frauen generell als von „Omas“ zu reden, ist respektlos. Die Anrede „Oma“ diffamiert, wenn es nicht die eigene ist. Wenn wir Skat oder Doppelkopf spielen und so gute Karten bekommen, dass wir gar nicht anders können als zu gewinnen, haben wir ein „Oma-Blatt“ auf der Hand. „Oma“ ist lieb, aber ein bisschen beschränkt, dümmer als „Opa“, falls es den noch gibt.

Auch für den Virologen Christian Drosten sind alte Menschen, was den Kontakt mit Angehörigen betrifft, vor allem eines: In akuter Infektions-, d.h. vermutlich auch Todesgefahr. In einem Interview auf zeit.de popagiert Drosten die Idee einer „Vorquarantäne“: „Ich halte das Prinzip der Vorquarantäne für eine gute Idee. Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden.“ https://www.zeit.de/wissen/2020-10/christian-drosten-corona-massnahmen-neuinfektionen-herbst-winter-covid-19/komplettansicht

Würden mir meine beiden Töchter anbieten, in Quarantäne zu gehen, bevor sie mich Weihnachten besuchen, würde ich sie ausladen. Aber solche Töchter habe ich nicht.

„Das Prinzip der Vorquarantäne“ klingt traurig verklemmt und schaurig verkrampft. Öde neue Welt. Ich würde gerne darüber lachen, aber der Schaden, den solche „Empfehlungen“ anrichten können, ist enorm. Christian Drostens Gedanken sind lebensfern. Es scheint, als seien die Viren die einzigen sozialen Kontakte, die Drosten hat.

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Nachtrag Juni 2021:

Es ist ja nicht so, dass die Kunst nicht mehr stattfindet, nur weil die traditionellen Kunststätten, etwa die Theater und Konzertsäle, geschlossen sind. Eigensinnige Künstler ergreifen selber die Initiative. So hat Katharinajej im Jahr 2021 an ihre Aktion angeknüpft: „Bis kurz vor Ausbruch der Corona Pandemie wurde katharinajej in Köln und Yangon, Myanmar mit fremden Menschen auf der Straße vertraut, indem sie mit ihrem Gegenüber in körperlicher Nähe drei Minuten lang in Stille verweilte. Zu Menschen im öffentlichen Raum soll seitdem ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden. So besuchte katharinajej den Wald, um sich Bäumen, Büschen und Gräsern anzunähern oder verbrachte noch mehr Zeit Zuhause, um mit Lampe, Wand und Spiegel in Kontakt zu gehen.https://katharinajej.de/miteinandervertrautwerdenurbanearchitektur.html